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KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
70
SIEBZIGSTER BAND.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
. . .
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Inhalt.
Seite
Lorenz von Liburnau : Über einige Reste ausgestorbener Primaten von Madagaskar. (Mit 3 Tafeln und
EI ESSULTEN IT ET ee re ae N!
St rany: W. A. Obrutschew’s Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. (Mit 4 Tafeln) . . 2» 2... . 17
K. afft: Gedlogische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara (Mit 5 Tafeln und 4 Textfiguren) 49
Bı znner: Jupiter-Beobachtungen auf der Manora-Sternwarte 1396— 1898. (Mit 7 Tafeln). . . .. . 73
Heimerl: Monographie der Nyctaginaceen I. Bougainvillea, Phaeoptilum, Colignonia. (Mit 2 Tafeln und
3 Texten) were ae ee ee ee a Per eY/
K. ısser: Die von W. A. Obrutschew in China und Centralasien 1893— 1894 gesammelten fossilen
Eilamzan, (dl Ra ee S. S EREREn3:)
Sc. iffner: Expositio plantarum in itinere suo indico annis 1893— 1894 suscepto collectarum specimini-
busque exsiccatis distributarum, adjectis descriptionibus novarum. Series secunda hepaticarum
Bantemralteram eontmens . . nu... Se Te Pl a oe Rune late
El. chnig: Der normale Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. (Mit 20 Textfiguren und 16 Mikro-
photogrammen auf 8 Tafeln) .-. - ».. 2... ER u ee le)
W. ttstein: Descendenztheoretische Untersuchungen. I. Untersuchungen über den Saison-Dimorphis-
Dsaebllanzenreiehe, (Mit,6 Vatelorund 8 Nexthiguren) „ . ou. Dunn 2.2 2.2.0805
Ko:s und Graf Thum-Hohenstein: Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. (Mit 13 Tafeln und
3 TEEN). ge a 5 RB ee Eee RE 2.1),
Alevander: Über Entwicklung und Bau der Pars inferior Labyrinthi der höheren Säugethiere. Ein
Beitrag zur Morphologie des Ohrlabyrinthes. (Mit 9 Tafeln und 4 Textfiguren) . . .. ...429
Ste ndachner: Fische aus dem stillen Ocean. Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific (Schauinsland
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Lorenz von Liburnau: Zur Deutung der fossilen Fucoiden-Gattungen Taenidium und Gyrophyllites
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‚ek: Die Centaurea-Arten Österreich-Ungarns (Mit 12 Tafeln und 3 Textfiguren) . . 2 ..2....585
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ÜBER EINIGE RESTE AUSGESTORBENER PRIMATEN
VON MADAGASKAR
VON
EI SEOS DER TLIUDWIG RIT„LORENZV.-LIBURNAU:
(Mit 3 Tafeln und 6 Textabbildungen.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG VOM 4. JÄNNER 1900.
: Im Juli vorigen Jahres langte von dem durch die kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien sub-
ventionierten Sammler F. Sikora ein kleines Kistchen ein, welches einige Knochenfragmente enthielt, die
durch den Genannten in einer Höhle bei Androhomana nächst Fort Dauphin, SO-Madagaskar, gefunden
und an Herrn Prof. Eduard Suess ohne weiteren Commentar eingesendet worden waren. Gleichzeitig erhielt
Herr Prof. Gustav Mayr von Sikora ein ausführlicheres Schreiben, in welchem dieser berichtete, dass
er in derselben Höhle eine größere Menge von fossilen Resten mehrerer Affen und Lemuren, eines großen
Centetiden, einer Viverre etc., ferner Stücke eines Aepiornis-Eies und zahlreiche Knochen einer riesigen
Schildkröte gefunden habe. Diesem Berichte waren auch einige Photographien von drei verschiedenen der
gefundenen Säugethierschädel, sowie von der Höhle, welche dieselben barg, beigegeben.
Jene Knochenfragmente nebst dem Schreiben Sikora’s und den Photographien wurden mir durch
Herrn Hofrath Dr. Steindachner zur Begutachtung übermittelt.
Unter den Knochen fielen vor allem einige Bruchstücke mit Zähnen auf, welche auf den ersten Blick
an Menschen- oder Affenzähne erinnerten und in mir alsbald die Vermuthung weckten, dass sie von einem
Anthropoiden, wenn nicht gar von einem Anthropomorphen stammen könnten. Es gelang mir aus acht
Bruchstücken einen ganzen rechten Unterkiefer zusammenzusetzen, über welchen ich bereits der kaiserl.
Akademie in deren Sitzung vom 13. Juli eine vorläufige Mittheilung zu machen die Ehre hatte.
Im Folgendem wird nun zunächst dieser Unterkiefer, für dessen einstigen Träger ich den Namen
Hadropithecus stenognathus in Vorschlag brachte, eingehender beschrieben werden. Anschließend sollen
aber auch die in Abbildungen vorliegenden Schädel, die offenbar gleichfalls neuen Arten angehören, sowie
einige der anderen Knochenreste, welche bei dem Kiefer lagen und erst nachträglich annähernd bestimmt
werden konnten, zur Besprechung gelangen.
Noch habe ich vorauszuschicken, dass ich mich im Juli, bald nach Erhalt der eben erwähnten Sendung,
an Sikora um nähere Auskünfte über seine Funde wandte, worauf am 28. October v.J. ein Brief aus Fort
Dauphin eintraf, der jedoch nur wenig Aufklärung bot. Was sich in demselben auf das vorliegende Mate-
riale bezog, findet im Nachstehenden an den entsprechenden Stellen Erwähnung. — Später kamen noch
einige Briefe Sikora’s an, welchen noch mehrere photographische Darstellungen der bei Androhomana
gemachten Funde beilagen, über welche hier anhangsweise kurz berichtet wird.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 1
Es ı
2 Ludwig Rit. Lorenz v. Liburnanu,
l. Der Unterkiefer von Hadropithecus stenognathus Lorenz.
(Taf I, Fig. 1—7.)
Von diesem Unterkiefer ist der ganze rechte Ast mit dem Körper und außerdem der linke Eckzahn
nebst dem linken vorderen Prämolaren erhalten; es fehlen an ihm das obere Ende des Kronenfortsatzes
und ein Stück des Kieferwinkels.
Der Kiefer zeigt in seiner Gesammtform große Ähnlichkeit mit dem Unterkiefer der anthropomorphen
Affen und ist durch seine Größe im allgemeinen, namentlich aber durch die Dicke des horizontalen Theiles
und des Körpers auffallend; der hintere, zum Kronenfortsatz aufsteigende und zur Winkelpartie sich
erstreckende Theil erscheint dagegen verhältnismäßig dünn. Das Kinn ist abgerundet, gegen den Alveo-
larrand fast senkrecht aufsteigend; dasselbe ist außerdem sehr schmal und besitzt unterhalb der äußeren
Schneidezähne je einen muldenförmigen Eindruck. Der untere Kieferrand verläuft in sanfter Krümmung
nach rückwärts und wendet sich nahe dem Kieferwinkel nach abwärts. Der Alveolarrand erhebt sich vom
ersten Mahlzahne aus in flachem Bogen nach vorne und nach hinten. Der größte Theil der stark in die
Breite entwickelten Winkelpartie ist leider abgebrochen. Das vom Gelenkfortsatze nach abwärts erhaltene
Stück des hinteren Kieferrandes erstreckt sich etwa 20 mm weit in gerader senkrechter Richtung und
wendet sich dann in kleinem Bogen nach hinten. Der Kieferwinkel erscheint also durch eine hintere und
eine untere Bucht von der Kronenpartie abgesetzt. .
Der Abstand vom vorderen Rande des aufsteigenden Kieferastes bis zu dessen senkrecht verlau-
fendem hinteren Rande beträgt 60 mm und nach vorne zu, von jenem bis an den Rand des Kieferkörpers,
ungefähr ebensoviel. Es ist somit der horizontale Kiefertheil im Vergleiche zu dem breiten aufsteigenden
Theile als sehr kurz zu bezeichnen.
Das Foramen mentale liegt unterhalb des Vorderrandes des hinteren Prämolaren, in der Mitte der
Kieferhöhe, welche an dieser Stelle am größten ist, nämlich 28 mm misst, und von da nach rückwärts
abnimmt, so dass sierin der Gegend des mittleren Mahlzahnes nur 22 mm beträgt. In diesem Theile
erscheint die Kinnlade am meisten aufgetrieben, durch die wulstige Entwicklung der Linea obliqua
externa, der Fortsetzung des vorderen Randes des aufsteigenden Theiles, welcher nach der Buccalseite
zu weit ausbiegt. Der fernere Verlauf dieses Vorderrandes ist nicht erkennbar, da er weiter nach oben zu
mitsammt dem Kronenfortsatze abgebrochen ist. Zwischen ihm und den hinteren Mahlzähnen, bezie-
hungsweise der lingual von diesen entspringenden Leiste, der Crista buccinatoria, liegt eine breite
hohle Fläche oder Rinne. Die Außenfläche des aufsteigenden Kiefertheiles ist in ihrem mittleren Theile
muldenartig vertieft, der untere, gegen den Kieferwinkel zu gelegene Theil dagegen ausgebuchtet und
mit mehreren rauhen Leisten ausgestattet. Die Gelenkswalze erscheint im Gegensatze zur vorderen Kiefer-
partie klein und schwach, nur 19 mm lang und in ihrem mittleren eingeschnürten Theile 5 mm breit.
An der inneren lingualen Fläche fällt eine wulstige Auftreibung unmittelbar unter den beiden hin-
teren Molaren auf, die dem Verlaufe der Linea obliqua interna des Menschen entsprechen dürfte;
weiter randständig davon eine längliche Vertiefung, die als Sulcus mylohyoideus zu erkennen sein
wird. Besonders ausgeprägt ist auf der lingualen Seite eine der Convexität der Außenfläche entsprechende
Concavität des erhaltenen Kieferwinkeltheiles mit deutlich ausgeprägten Eindrücken und Rauhigkeiten,
den Spuren des Musculus pterygoideus internus, welche am fehlenden Rande des Winkels selbst
sich zu ähnlichen Leisten erheben dürften, wie wir sie bei den Affen, namentlich bei den großen menschen-
ähnlichen, ausgeprägt finden.
Wenn man den Kiefer von oben betrachtet, so fällt besonders die geringe Breite seines Körpers auf;
die Kieferäste verlaufen also in geringem Abstande und ziemlich parallel zu einander. Bei dieser Ansicht
fällt auch außerdem besonders die vorerwähnte, zwischen der Linea obliqua externa und den hinteren
Mahlzähnen, beziehungsweise der Crista buccinatoria gelegene breite Rinne in die Augen.
Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 3
Noch wäre zu bemerken, dass die Verwachsung der beiden Kieferhälften eine vollständige ist, eine
Eigenschaft, welche die Affen und insbesondere die Anthropomorphen gegenüber den Lemuren — den
recenten wenigstens — auszeichnet, bei denen die Symphyse zeitlebens durchaus persistieren soll. Ich
habe mich bei einer Reihe von Lemuren-Schädeln von der Richtigkeit dieser Angabe überzeugt.
Auf die eigenthümliche Bezahnung übergehend, soll mit der Betrachtung der Mahlzähne begonnen
werden, weil diese die am meisten in die Augen springenden Verhältnisse darbieten. Es sind 3 Molaren
vorhanden, die zunächst dadurch charakteristisch erscheinen, dass ihre Kronen einen annähernd quadra-
tischen Querschnitt zeigen, nur um weniges breiter als tief sind. Die Kronen sind bereits stark abgekaut,
so dass keinerlei Höcker mehr hervorragen und deren Zahl und Stellung nur durch die Schmelzleisten
angedeutet wird, welche das auf der Kaufläche freigelegte Zahnbein umrahmen.
Das regelmäßigste Bild bietet die Usurfläche des vorderen Mahlzahnes (M,). An ihr sind vor allem
2 srößere Schmelzfalten, die eine auf der Zungenseite, die andere an der Wangenseite zu sehen, welche
die Kauflächen in zwei fast gleich große Hälften, eine mesiale (vordere) und eine distale (hintere) theilen.
Die durch diese beiden größeren oder Hauptfalten erzeugten Ausbuchtungen des Kronenschmelzes,
2 vordere und 2 hintere, entsprechen jedenfalls 4 verschwundenen Höckern; es ist aus später darzule-
genden Gründen anzunehmen, dass an der Wangenseite noch ein fünfter hinterer Höcker vorhanden war.
Außer den 2 großen Falten ist lingual und buccal an der vorderen Kronenhälfte noch je eine kleine
Einbuchtung (Nebenfalte) der Schmelzbekleidung wahrzunehmen, durch welche der mesiale Kaurand
von der inneren und äußeren Seitenumrandung abgegrenzt wird und endlich zeigt sich noch eine dritte
kleine Einbuchtung oder Nebenfalte an der lingualen Seite der hinteren Kronenhälfte, die hier den
distalen Kaurand abtrennt.
Diese selben Haupt- und Nebenfalten finden wir auch an den beiden anderen Mahlzähnen in etwas
abgeänderter Form wieder; die Hauptfalten rücken da mehr nach rückwärts, so dass die distale Kronen-
hälfte bei M, und noch mehr bei M, kleiner wird als die vordere mesiale Hälfte. Die Krone von M, ist im
ganzen etwas größer als die von M,, jene von M, bedeutend kleiner als diese, wie sich aus folgender
Zusammenstellung der Dimensionen in Millimetern ergibt.
M, M, M,
b Breite .. 12-5 12:0 11:0
Tiefe .. 10-0 11:0 10-5
Höhe .. 45 4-5 3-5
Die Wurzeln des ersten und zweiten Mahlzahnes sind je in der Zweizahl vorhanden und jede
Wurzel besteht aus einer inneren und äußeren verdickten Hälfte, die darauf hinweist, dass die zwei
Wurzeln jedes Zahnes aus der paarweisen Verschmelzung von ursprünglich 4 Wurzeln, 2 mesialen und
2 distalen hervorgegangen sind; dies wird außerdem durch die Spaltung der Wurzelspitze angedeutet.
Der hintere Mahlzahn dürfte nach dem Baue seiner Krone und nach Analogie mit verschiedenen lebenden
Affen eine vordere Doppelwurzel und eine hintere einfache Wurzel besitzen. Die vordere Doppelwurzel
von M, besitzt eine Länge von 15 mm, von außen nach innen misst sie 10 und von vorne nach rück-
wärts I mm.
Vergleicht man die Molaren anderer Primaten mit denen des Hadropithecus, so Kommt man auf fol-
gende Unterschiede und Ähnlichkeiten, aus welchen sich die wichtigsten Anhaltspunkte für die systema-
tische Stellung unseres neuen Fundstückes ergeben. Vor allem liegt es nahe, da dieses aus Madagaskar
stammt, die Halbaffen in Betracht zu ziehen. Bei den verschiedenen Gattungen derselben zeigt aber schon
ein flüchtiger Blick und noch mehr ein genauer Vergleich der betreffenden Zähne, dass da die Falten- und
Höckerbildungen und die Stellung der Höcker gegeneinander ganz verschiedene sind und wesentlich
abweichende Bilder der abgenützten Kauflächen veranlassen. Auch die Mahlzähne der neuweltlichen
Affen zeigen noch wenig Übereinstimmung mit den Molaren des Hadropithecus.
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4 Ludwig Rit. Lorenz v. Liburnau,
Der erste aus Madagaskar bekannt gewordene Anthropoide, der fossile Nesopithecus roberti,
welcher im Jahre 1896 von Forsyth Major beschrieben wurde, ! zeigt nach der Abbildung ähnliche
Umrisse der Kronen seiner unteren Molaren, die auch mit Hadropithecus darin übereinstimmen, dass M,
am kleinsten ist, während M, mit M, fast gleich groß oder sogar um eine Spur größer zu sein scheint;
Einzelheiten in der Bildung der Kaufläche sind aus der Abbildung nicht si’her zu entnehmen, so dass
ein weitergehender Vergleich nicht durchführbar ist.
Zu den recenten altweltlichen Anthropoiden haben sich jedoch nähere Beziehungen ergeben. F.Major
führt an, dass die Molaren des Nesopithecus jenen der Meerkatzen am ähnlichsten sind; es wurden
daher die Gebisse von verschiedenen Cercopithecus-Arten mit in Vergleich gezogen. Bei diesen ist die
mesial-distale Axe der Molaren zwar auch verhältnismäßig wenig entwickelt, sie ist aber immerhin im
Verhältnisse merklich länger als der lingual-buccale Durchmesser; das Verhältnis der Gesammtgrößen der
Mahlzähne zu einander entspricht jenem von Hadropithecus, M, ist im ganzen etwas kleiner als M, und
M,, kleiner als die beiden anderen; es lässt sich dieses Verhältnis durch die Formel M, > M,>M,
ausdrücken. Bei den Meerkatzen sind die Kronen der Mahlzähne durchaus vierhöckerig, das vordere
Höckerpaar ist von dem hinteren durch eine Furche auf der Kaufläche und durch seitliche Einbuchtungen
getrennt; die mesialen und die distalen Kauränder sind wohl durch quer über die Kauflächen verlaufende
Furchen, aber nicht durch seitliche (linguale und buccale) Buchten, die den Nebenfalten von Hadro-
pülhecus entsprechen würden, markiert. Ein fünfter Höcker scheint den Molaren der Meerkatzen durch-
aus zu fehlen.
Die Paviane besitzen sehr in die Breite entwickelte Molaren und diese nehmen an Größe von vorne
nach hinten stetig zu (M, < M, < M,), sie stimmen also in dieser Beziehung mit Hadropithecus nicht
überein, wohl aber zeigen sie ganz homologe Schmelzfaltenbildungen (Taf. I, Fig. 8); wir finden bei ihnen
zwei mittlere Hauptfalten, dann vorne zwei (eine tiefere äußere, eine seichtere innere) Nebenfalten
und hinten auch eine stärkere innere Bucht, ähnlich wie bei Hadropithecus, außerdem aber auch noch
eine kleinere äußere Einbuchtung, also zwei Nebenfalten, welche den distalen Kaurand markieren; dieser
bringt dann außerdem bei M, der Paviane einen bedeutenden fünften Höcker zur Entwickelung. Abgekaute
Kronen des M, verschiedener Hundsaffen bieten ein Bild der Usurflächen, das dem Typus nach mit jenem _
übereinstimmt, welches die Mahlzähne des Hadropithecus gewähren; abweichender ist aber bei den Pavi-
anen M, durch die Entwicklung eines großen Talons gestaltet. 6
Unter den lebenden Anthropomorphen bietet der Gorilla hinsichtlich der Gestalt‘ seiner
Molaren, welche noch relativ breit sind, sowie in Bezug auf deren gegenseitiges Größenverhältnis,
eine Annäherung zu Hadropithecus dar; eine solche ist aber in größerem Maße durch die unter den
Anthropomorphen beim Gorilla am stärksten entwickelte Schmelzfaltenbildung gegeben. Die Falten sind
beim Gorilla, wenn auch nicht so eng und tief wie bei Hadropithecus, doch in einer Weise gestaltet, dass,
die Kauflächen, wenn entsprechend abgenützt, ganz auffallend an diesen erinnern (Taf. I, Fig. 9, 10). Man
findet da die bei Hadropithecus vorhandenen beiden inneren und die vordere äußere Nebenfalte und außer-
dem eine vierte hintere buccale Nebenfalte, die nebst einer entsprechenden Furche auf der Kaufläche
die Grenze zwischen dem 4. und 5. Höcker andeutet; also auch ähnlich wie bei den letzten Molaren der
Paviane. Diese hintere äußere Nebenfalte ist bei älteren Zähnen nicht so sichtbar, weil sie nur nahe dem
Kaurande stärker ausgeprägt ist und mit der Abnützung desselben mehr oder weniger verschwindet. Auch
bei den Zähnen des vorliegenden Hadropithecus-Kiefers dürfte es der Fall sein, dass eine solche vierte
Nebenfalte vorhanden war und es scheint mir außerdem das Vorhandensein eines fünften Höckers nach
der Gestalt der abgerundeten hinteren äußeren Ecke der Mahlzähne (wie bereits früher bemerkt),
vermuthet werden zu dürfen. |
I! The Geolog. Magazine, Decade IV, Vol. 3, London 1896p. 433. »Preliminary Notice on fossil Monkeys from Madaga-
scar«, Dieser Aufsatz war mir bei Erstattung meines ersten Berichtes über den hier beschriebenen Unterkiefer noch nicht bekannt
gewesen, daher meine damalige Bemerkung, dass noch kein echter Affe in Madagaskar bis dahin gefunden war, Übrigens wird die
Alfennatur des Nesopilhecus angezweifelt,
Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 5
Orang und Schimpanse haben, sowie auch der Mensch, mit dem Hadropithecus die Gesammt-
form der Kronen ihrer Molaren gemein, indem diese bei allen eine mesial-distale Axe besitzen, welche die
darauf senkrechte Queraxe kaum oder wenig an Länge übertrifft. Der Größe nach verhalten sich die in
Rede stehenden Zähne im allgemeinen ebenfalls nach der Formel M,> M,>M, oder auch M =M,>M,.
Bei den Orangs ist die Krene von M, in der Regel nur um Weniges kleiner als die von M, und meist
von ovalem Querschnitte; bei den Schimpansen aber (ähnlich dem Menschen) ist M, bedeutend redu-
ciert und dasselbe ist auch bei Hadropithecus der Fall. Folgende Zusammenstellung gibt einen Überblick
über die durchschnittlichen Breitenverhältnisse der unteren Molaren von Schimpanse und Gorilla im
Vergleiche zu Hadropithecus
M, M, M,
Hadropitheeus . . . 12-9 12:0 lot)
Schimpanse! . Di 11-5 1a) 110SLO)
Goslar en: 15:0 16:0 17:0
Beim Menschen soll in der Regel der erste Molaris der größte sein und nur in Ausnahmställen von
M, übertroffen werden; seine Kronenbreite schwankt zwischen 10:0 und 12'2?. Die Entwicklung der
seitlichen Schmelzfalten ist beim Orang und Schimpanse (in Übereinstimmung mit dem Menschen)
eine nur geringe, die hier niederen Höcker werden hauptsächlich durch nur seichte Thäler oder Furchen
der Kaufläche getrennt, aber immerhin bieten die Kronenränder mehr weniger deutliche seitliche
Buchten dar, in denen man die Homologa der Haupt- und Nebenfalten ihres madagassischen Verwandten
wieder erkennen kann. Auch da ist eine hintere äußere Nebenfalte als eine nahe dem Kaurande gelegene
meist deutlich wahrnehmbar, sie verschwindet aber bei weiter fortgeschrittener Abreibung
hne oder Prämolaren sind in der Zweizahl vorhanden. Ich schließe mich bei der
en jenen Autoren an, welche die Backenzähne von hinten nach vorne zu zählen
chne daher den hinteren mit P,, den vorderen mit ?.,.
'e Prämolaris besitzt eine Krone, die um Weniges kleiner ist als jene des vorderen Mahl-
Breite der Außenfläche 10 mm, der Innenfäche 9 mm, distale Seite 8:5 mm, mesiale 9 mm.
nitt gleicht einem unregelmäßigen Viereck, dessen beide distale Ecken je. einem rechten
hekommen, während die vordere innere Ecke etwas größer, die vordere äußere Ecke etwas
als ein Rechter ist. Die distale Seite steht zu den Alveolarrändern senkrecht, die mesiale Seite
on innen schief nach außen, die Zungen- und die Wangenseite verlaufen mit den Alveolarrändern
tselben Richtung. Die Kaufläche ist noch wenig abgeschliffen im Vergleiche zu den Mahlzähnen; sie
scheint von innen nach außen etwas abgedacht. Offenbar besaß sie ursprünglich zwei Höcker, einen
ußeren größeren und einen inneren kleineren, die aber mit den vorderen und hinteren Kaurändern auf
ein Niveau abgerieben sind. Die Stelle des äußeren Höckers ist durch eine kleine länglich rautenförmige,
die Stelle des inneren Höckers durch eine punktgroße rundliche Fläche der zutage tretenden Dentin-
substanz angedeutet. In der Daraufsicht zeigt die Krone vier tiefe von oben in den Schmelzbelag sich ein-
senkendeGruben, welche durch ein Kreuz von Schmelzleisten geschieden sind, dessen längerer Schenkel
in der Richtung des Kiefers verläuft, während der kürzere dazu quergestellt ist. Von dem längeren Kreuz-
schenkel setzen sich an’ dessen beiden Enden nach innen und außen Schmelzleisten fort, die je wieder
gegen den kürzeren queren Kreuzschenkel umbiegen und so die äußere Begrenzung der vorerwähnten
vier grubigen Vertiefungen bilden. An dem Kreuzungspunkte der Schenkel liegt die rautenförmige Fläche,
über welcher der größere äußere Kronenhöcker stand; der kleinere Höcker erhob sich an dem inneren
Ende des kürzeren Kreuzschenkels. Der größere Höcker entspricht dem vorderen äußeren, der kleinere
dem vorderen inneren Höcker der Mahlzähne. Das hintere Grubenpaar ist den beiden Hauptfalten der-
selben homolog, die beiden vorderen Gruben entsprechen den vorderen Nebenfalten, die hier zu
1 Proc. Zool. Soc. 1899, p. 301, Keith, »On the Chimpanzees and their relationship to the Gorilla«,
2 Siehe Zuckerkandel, Anatomie der Mundhöhle, p. 62,
un 5
‘
6 Ludwig Rit. Lorenz v. Liburnau,
ungewöhnlicher Größe sich entwickelt haben, wenn sie auch immer noch kleiner als die die hinteren
Gruben bildenden Falten geblieben sind. P, besitzt, soviel man an dem Bruchstücke, in welchem derselbe
sitzt, sehen kann, offenbar 2 Wurzeln, eine vordere und eine hintere.
Die eben beschriebene Kronenbildung weicht wesentlich von der Gestalt der Kronen der hinteren
Prämolaren aller bekannten lebenden Primaten ab, bei denen wohl die.homologen Höcker oder Spitzen
wiederzufinden sind, mit einer dieselben auch da verbindenden Schmelzleiste (Joch), und bei denen die
Homologa der inneren Gruben (Falten) des P, von Hadropithecus in Form von Falten, Einbuchtungen
oder mehr weniger seichten Gruben auftreten, bei denen aber die äußeren Gruben in der bei Hadropithe-
cus auftretenden Weise nicht vorkommen. Andeutungen derselben sind aber dennoch bisweilen auch da
zu entdecken, in Gestalt von seichten Eindrücken. So weist der P, verschiedener Cynocephalus-Schädel
derartige Eindrücke an der Außenseite auf, und auch bei den unteren hinteren Prämolaren eines Gorilla-
Schädels des zoologischen Institutes der Wiener Universität (Taf. I, Fig. 9) habe ich solche seichte Gruben
an deren Buccalseite gesehen, die offenbar als jenen großen Gruben von Hadropithecus gleichwertig zu
erachten sind. Nach Forsyth Major könnten auch bei ?, von Nesopithecus roberti die äußeren Gruben
stärker ausgebildet sein, wenigstens scheint die Bemerkung »the pattern of wear...is somewhat like
a cross« daraufhin zudeuten; die betreffende Abbildung lässt dieß allerdings nicht deutlich erkennen.
Die hinteren Backenzähne der Anthropoiden sind durchaus gleichfalls zweiwurzelig; beim Schim-
pansen sind die Wurzeln aber schon theilweise verwachsen; P, des Menschen hat nach Zuckerkandel
constant eine einfache Wurzel.
Der vordere Backenzahn (P,), welcher auch von der linken Kieferseite erhalten ist, ist seitlich stark
comprimiert. Er misst in der Breite 1O mm, in der Tiefe 6 mm, in der Höhe ebenfalls 6,
eine obere, durch Abnützung entstandene Schmelzkante, in deren Mitte ein schı
zum Vorschein kommt. Diese Kante steht in der Richtung des Kieferrandes, doch
schwach nach außen, ihr hinteres Ende sanft nach innen gebogen. Die Mitte der Kar
Spitze, beziehungsweise einem Höcker, und zwar demjenigen, welcher bei P, der äuß
den Molaren der vordere äußere ist. Von der bei P, noch vorhanden gewesenen deutliche
ist nur ein Rudiment in Gestalt eines ganz kleinen Höckers nahe der Basis der lingualen
kleine Eindrücke eben noch zu erkennen sind, welche als die letzten Spuren der bei Hadropithecus cö
statierten äußeren Gruben von ?, und der äußeren Hauptfalte, sowie der der äußeren vorderen Nebenfal
der Mahlzähne der Primaten überhaupt gelten können.
Bei Nesophithecus roberti ist der vordere Backenzahn viel größer als bei Hadropithecus, in Gestalt
und Größe wenig vom hinteren Backenzahne verschieden.
P, ist bei Hadropithecus einwurzelig wie beim Menschen im Gegensatze zu den bekannten Anthro-
poiden, bei denen derselbe zwei Wurzeln besitzt, von welchen die vordere (den Schimpans ausgenommen),
die weit mächtigere zu sein pflegt. Die Wurzel ist 17 mm lang, 10 mm breit und 6 mm dick.
Als Eckzähne erscheinen ihrer Gestalt nach zwei Zähne, die sich enge an P, anschließen, von den
Schneidezähnen jedoch durch einen schmalen Zwischenraum getrennt sind. Dieselben sind seitlich zusam-
mengedrückt, 7 mm hoch, 9 mm breit, 5°2 mm dick. Von ihrer etwas abgenützten Spitze zieht nach vorne
eine kürzere nach hinten eine längere Kante gegen die Kronenbasis hinab. Die Gesammtrichtung dieser
Kauränder verläuft schief zu den Alveolarrändern vom hinten innen nach vorne und außen. Die Zungen-
seite der Krone zeigt eine weite aber seichte hintere Mulde und eine ganz kleine vordere Vertiefung, die
den betreffenden Gruben der Prämolaren entsprechen. An den Lippenflächen sind ebenfalls zwei seichte
aber deutliche Eindrücke vorhanden, von denen der vordere der stärkere ist; sie sind den buccalen
F
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Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 7
-_
Gruben der Prämolaren, und den diesen entsprechenden Falten der Molaren gleichwertig. Der Hinter-
rand der Caninen wird vom äußeren Vorderrande des P, etwas überdeckt. Die Eckzähne von Hadro-
pithecus besitzen gleichfalls nur eine Wurzel, wie dies den Eckzähnen im allgemeinen zukommt. Dieselbe
ist 19 mm lang, 6 mm breit und S mm tief.
Diese Eckzähne sind im Vergleiche mit den Caninen der Anthropoiden klein und lassen ein weib-
liches Individuum vermuthen. In der Form nähern sie sich immerhin am meisten jenen des Schim-
pansen, der unter den Anthropomorphen auch zugleich die kleinsten Eckzähne trägt. Mit diesem stimmt
Hadropithecus überdies hinsichtlich der Stellung der an die Prämolaren sich eng anschließenden Eckzähne
überein, welche übrigens bei den Jungen und den Weibchen der anderen Menschenaffen gleichfalls den
vorderen Prämolaren nähergerückt sind. Beim Schimpansen, aber auch beim Gorilla und Orange
kommt häufig ein weiteres oder engeres Diastemma zwischen Eck- und Schneidezähnen vor. In Bezug
auf die Berührung des C mit P, besteht eine Ähnlichkeit auch mit Nesopithecus roberti, bei welcher Art
der zwischen P, und /, stehende Zahn jedoch viel stärker ist.
F. Major nimmt der üblichen Definition des Eckzahnes zufolge denselben Zahn als Prämolaren (P,)
an und den C als fehlend, weil der eckzahnförmige Zahn des Unterkiefers hinter den Eckzahn des Ober-
kiefers zu steen kommt, wenn man beide Kiefer aneinanderlegt. Mit unserem Hadropithecus-Unterkiefer
ist die Probe, wie der eckzahnförmige Zahn der Mandibel sich zum Eckzahn der Maxille stellt, vorläufig
nicht ausführbar — nur der Umstand, dass jener dicht an ?/, steht, würde vermuthen lassen, dass er, wie
die unteren eckzahnförmigen Zähne der Lemuren hinter den oberen Eckzahn zu stehen kommen könnte.
Ich möchte mich aber da mit Zuckerkandel! zu der Ansicht bekennen, dass man den unteren Eck-
zahn nicht nach seiner Lage zum Eckzahn des Öberkiefers bestimmen, sondern einfach als den vorder-
sten Prämolaren auffassen soll, der sich zu der charakteristischen Form ausgebildet hat. Die Bezeich-
nung Eckzahn schließt neben einem topischen auch einen morphologischen und physiologischen Begriff
in sich und ist daher nicht ausschließlich durch die Stellung eines Zahnes, und zwar zu nur einem
‚der Zähne des Oberkiefers, ohne Rücksicht auf die Nachbarzähne des Unterkiefers selbst und ohne Rück-
sicht darauf, welche Gestalt und Function derselbe hat, zu definieren. So wären auch nicht bei den
Lemuren jene Zähne des Unterkiefers, die in Bezug auf ihre Gestalt mit den Schneidezähnen überein-
stimmen, sich distal je an diese enge anschließen und dieselbe Function wie diese haben nur aus dem
Grunde als Eckzähne aufzufassen und zu bezeichnen, weil sie vor den Eckzähnen des Öberkiefers zu
_ steben kommen. Wenn man übrigens eine Reihe von Lemurengebissen hinsichtlich der Stellung ihrer
Zähne vergleicht, so wird man bei verschiedenen derselben finden, dass der obere Eckzahn nicht eigent-
lien vor dem unteren sogenannten vordersten (eckzahnförmigen) Prämolaren steht, sondern diesen, von
der Seite gesehen, zum größeren Theile deckt; dieser erscheint oft nur um Weniges nach hinten gerückt
und steht vielmehr nach innen zu, in fast gleicher Linie mit dem oberen Eckzahn, und seine Spitze
- berührt bei geschlossenen Kiefern den oberen Eckzahn an der inneren Seite seiner Basis.
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1
Ich glaube also die den Schneidezähnen zunächst stehenden Zähne von Hadropithecus im Sinne
Zuckerkandl’s auf jeden Fall als Eckzähne bezeichnen zu können.
R Von den vier Schneidezähnen sind nur drei, nämlich der linke innere und die beiden äußeren
conserviert. Sie haben das gemein, dass sie verhältnismäßig kleine Kronen und große Wurzeln besitzen
und seitlich stark comprimiert sind; die Kronen steigen vorne ziemlich gerade in der Richtung der Vorder-
seite des Kieferkörpers auf, sind aber gegenüber den Eckzähnen etwas schief nach vorne gerichtet; ihre
hintere Fläche steigt vom Halse gegen die Schneide schief auf; die vordere Fläche steht mit der vorderen
Wurzelkante in einer Richtung. Die Schneiden sind bereits stark abgestumpft und lassen das Zahnbein
zum Vorschein kommen.
Der innere Schneidezahn (I,) ist schwächer als der äußere (I,). Die Krone misst 6 mm vom Halse
zur Kaufläche, diese 3 mm in transversaler, 2 mm in sagittaler Richtung; die Wurzel ist 17 mm lang, ihr
transversaler Durchmesser beträgt 3 mm und der sagittale Durchmesser am Halse 6 mm.
1 Anatomie der Mundhöhle, p. 96.
8 Ludwig Rit. Lorenz v. Liburnan,
Die äußeren Schneidezähne haben eine Kronenhöhe von 7 mm, die Kaufläche misst 4 mm und 2 mm
in transversaler und sagittaler Richtung; ihre Wurzel besitzt eine Länge von 18 mm, eine größte Breite
von Amm und eine größte Tiefe von 8 mm.
Die Schmalheit der Kronen dieser Schneidezähne ist ganz charakteristisch. Man findet solche von
derartig geringer relativer Breite außer bei den Pavianen sonst kaum bei den Anthropoiden. Die Menschen-
affen haben wohl auch die Wurzeln ihrer Schneidezähne seitlich bedeutend zusammengedrückt und in
die Tiefe entwickelt, doch sind bei ihnen die Kronen gegen den Kaurand relativ viel breiter als dies bei
Hadropithecus der Fall sein kann. Auch die Menschenzähne sind gegen die Schneide zu verhältnismäßig
breit, wenn sie auch am Kronenhalse sehr schmal sind und in stark abgekautem Zustande jenen des
Hadropithecus sich nähern.
Aus diesen thatsächlichen Befunden an einem einzelnen Unterkieferstücke allein weitgehende
Schlüsse zu ziehen, scheint mir nicht am Platze, und zwar umsoweniger, als man die Erwartung hegen
darf, in nicht zu langer Zeit weitere Reste von Hadropithecus zu erhalten. Nur was die Gesammtgröße
betrifft, die dieses Thier besessen haben dürfte, mag nach Analogie mit einigen großen Affen eine
Annahme gestattet sein. Bei Hadropithecus beträgt die Länge des Alveolarrandes vom Eckzahne bis zum
letzten Mahlzahne inclusive 61 mm. Das Skelet eines alten Schimpanseweibchens, dessen Mahl-, Backen-
und Ecekzähne zusammen eine Länge von 56 mm einnehmen, besitzt eine Rumpflänge von 56 cm und ist
in aufrechter Stellung 113 cm hoch; das Skelet eines erwachsenen Orangweibchens, das einen ungefähr
gleich langen Unterkiefer wie unser Hadropithecus hat, dessen Eckzähne mit den Backen- und Mahl-
zähnen zusammen 70 mm einnehmen und eine Rumpflänge von 52cm zeigt, erreicht in aufrechter,
etwas vorgeneigter Stellung vom Boden bis zum Scheitel eine Höhe von 96 cm. Aus diesen Maßen kann
man also folgern, dass Hadropithecus stenognathus aufgerichtet ungefähr 120 cm hoch war.
Die Verwandtschaft und systematische Stellung des Hadropithecus aus allem Mitgetheilten erwä-
gend, so glaube ich wohl in ihm einen echten Affen vermuthen zu dürfen; es wäre aber etwas voreilig,
denselben direct bei den Anthropomorphen einzureihen. Doch muss festgehalten werden, dass er zu
diesen, wie in den einzelnen Punkten dargethan wurde, zahlreiche Beziehungen aufweist, als da sind:
Die Gesammtform des Unterkiefers, die Gestalt der Mahlzähne im allgemeinen, die wahrschein-
liche Fünfhöckerigkeit derselben, die Reduction von M,, die Form und Kleinheit des Eck-
zahnes, die an den Schimpansen erinnert, ferner das Vorhandensein nur einer Wurzel bei dem vorderen
Prämolaren, endlich die Bildung der Wurzeln der Schneidezähne. Als Eigenheiten erscheinen die
Massigkeit des Kieferknochens, die starken Schmelzfalten der Mahlzähne, die merkwürdige Kronenbildung
des hinteren Prämolaren und die geringe Breite der Schneidezähne.
Wenn Hadropithecus nach zu erwartenden weiteren Befunden schon nicht mit den bekannten
Anthropomorphen in die Familie der Simiiden (= Anthropomorphiden) zu stellen sein sollte, so würde
er als der Vertreter einer besonderen Familie zu erklären sein, die dann aber sich doch an jene der Simi-
iden anschließen dürfte, deren bisherige Gattungsvertreter übrigens bei dem Vorhandensein einer Anzahl
gemeinsamer Merkmale im einzelnen auch manche sehr weitgehende Unterschiede darbieten.
ll. Die Abbildungen der Schädel eines Megaladapis und zweier anderer
fossiler Lemuren.
Megaladapis brachycephalus spec. nov.
(Taf. II.)
Wie schon einleitend erwähnt wurde, lieferte Herr Sikora mit einem Privatbriefe auch einen kurzen
Bericht über seine Ausgrabungen in der Höhle von Andrahomana ein, in welchem er von der Auffindung
zahlreicher Säugethierreste spricht, und dem er die Photographien von drei verschiedenen Schädeln
beilegte.
Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 9
Die Abbildungen eines derselben lassen einen Vertreter der Gattung Megaladapis unzweifelhaft
erkennen, der dem Megaladapis madagascariensis F. Major sehr ähnlich ist. Bei genauerer Vergleichung
ergeben sich aber mancherlei Unterschiede, welche zur Annahme einer zweiten Art dieser ausgestor-
bener Lemurengattung drängen. Gelegentlich Beantwortung meiner vorerwähnten Anfrage sandte mir
Sikora die Photographien noch zweier Schädel dieser Art, deren er nicht weniger als fünf Exemplare
zu besitzen angibt. Diese Abbildungen der zwei anderen Schädel zeigen nun genau dieselben Unterschiede
von Megaladapis madagascariensis wie die zuerst eingetroffenen Bilder. Da das wesentlichste Merkmal auf
denselben die gegenüber dem M. madagascariensis bedeutend kürzere Schädelkapsel bildet, nenne ich
diese bei Andrahomana gefundene Form Megaladapis brachycephalus. Die Gesammtlänge des einen
Schädels beträgt nach Angabe 22cm, nach den mitabphotographierten Maßstäben dürfte er aber noch
etwas länger sein. Die Höhe des Oberkiefers zwischen dem zweiten und dritten Mahlzahne kommt der
Länge des von diesem letzten Mahlzahne bis einschließlich dem zweiten Backenzahne eingenommenen
Oberkieferrandes gleich, und die Schädelkapsel auf der Photographie gemessen ist vom vorderen Rande
des hinteren Augenbogens bis zum Hinterhaupthöcker nicht ganz ein- und einhalbmal so lang als der
Oberkiefer an der erwähnten Stelle hoch ist. Bei M. madagascariensis ist dagegen die Höhe des Ober-
kiefers zwischen M® und M? gleich der Länge des Alveolarrandes von M? bis bloß zur Mitte von P? oder
auch gleich dem vom Hinterrande des M? bis zum Vorderrande von P? reichenden Stücke des Kiefer-
randes; die Schädelkapsel des M. madagascariensis ist aber auf der Abbildung vom vorderen Rande des
hinteren Augenbogens abgezirkelt fast zweimal so lang als die Höhe des ÖOberkiefers zwischen M?
und M?.
Die photographierten Schädel von Androhomana sind zum Theile, wie die Reproductionen des einen
hier zeigen, in manchen Theilen viel vollständiger erhalten als der von F. Major beschriebene Schädel. Vor
allem fällt derSchnauzentheil mit den weit vorragenden, breiten und oben nahe dem Ende gewölbten Nasen-
beinen auf, wodurch die Umrisse des Schädels in der Seitenansicht an einen Nashornschädel erinnern.
Im Oberkiefer stecken mächtige Eckzähne, deren Kronen etwa 3—3°5 cm lang sein dürften. Auch ein
vorderer dritter Backenzahn (P°) ist erhalten, mit zwei Wurzeln und einer spitzen Krone, welche die von
P? überragt. Der Zwischenkiefer soll auch hier fehlen. Das Jochbein ist ungewöhnlich breit. Die
Schläfenbeine mit den Felsenbeinen sind erhalten, welche letzteren zu keiner Bulla ossea aufgetrieben
sind. Die Augen liegen noch höher als bei M. madagascariensis, so dass die oberen verdickten Ränder
der Augenbögen in der Seitenansicht etwas über die interorbitale Fläche vorragen; die Stirne steigt von
dieser Stelle an steiler nach rückwärts auf als bei M. madagascariensis. - Bemerkenswert ist die außer-
ordentliche Rauhigkeit der oberen Stirnfläche, deren Aussehen den Ansatzstellen der Hörner bei den
Rhinocerosschädeln gleicht; vielleicht war die Stirnhaut bei Megaladapis sehr verdickt, wenn sie auch
nicht ein eigentliches Horn zur Entwicklung brachte. Bei M. madagascariensis ist, wie es scheint, diese
Rauhigkeit nicht so ausgesprochen.
An den Unterkiefern ist der ganze Körper erhalten, mit jederseits drei Alveolen ! für die Schneide-
zähne; dieser Theil ist sehr verschmälert und stark schief nach vorne gerichtet. Die horizontalen Kiefer-
äste sind vorne bei dem P, ebensohoch als hinten bei dem letzten Molaren (M,); diesbezüglich wesent-
lich von M. madagascarisensis abweichend, bei welchem die Unterkieferäste vorne viel höher sind als
hinten. Der Wangentheil des Unterkiefers ist außerordentlich breit, und auch der Kronenfortsatz zeichnet
sich durch seine Entwicklung in sagittaler Richtung aus. Weit vorne im Unterkiefer stehen zwei starke,
schief gerichtete Eckzähne; von ihnen durch einen größeren Zwischenraum getrennt der dritte, vorderste
Praemolaris.
Die Zahnformel lässt sich gegenüber jener des M. madagascariensis vervollständigen, und lautet also:
? 1 a 1,253 ? 1 3 3
= oder einfacher —
1,2,,3 35 2] A iz Ce ir Az
Ir
1) Nach Angabe Sikora’s.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 9
10 Ludwig Rit. Lorenz v. Liburnau,
Die mitgetheilten Eigenthümlichkeiten sind derartige, dass die Annahme einer neuen Art mehr
Wahrscheinlichkeit für sich hat, als dass dieselben nur Geschlechtsunterschiede darstellen, die ja bei den
Lemuren keine besonders auffallenden zu sein pflegen. Auch um Altersunterschiede kann es sich nicht
handeln, da die eben besprochenen Schädel alle Merkmale hohen Alters aufweisen.
Mit Rücksicht darauf, dass vorläufig nur Abbildungen des Schädels dieser merkwürdigen Art vor-
liegen, soll gegenwärtig mit der Wiedergabe derselben und dem oben Gesagten deren Besprechung
geschlossen werden.
Doch ist zu erwähnen, dass Sikora zu einem der Schädel auch noch folgende Skelettheile aus-
gegraben zu haben angibt: Atlas und 12 andere Wirbel, Sacrum, eine Scapula, einen Humerus (circa
48cm lang [!], es fehlt in der Mitte ein circa Scm langes Stück), eine Ulna (22'3 cm lang), Radius
(defect), ein halber Femur (sehr stark, 225 cm lang), eine Tibia (nur 15:5 cm lang) und verschiedene
Rippen. Dazu macht Sikora unter anderem darauf aufmerksam, »dass die außerordentliche tiefe Inser-
tion des Humerus im Schulterblatte auf einen Kletterer, auf vorzugsweises Leben auf den Bäumen hin-
deute« (!). Diese Bemerkung ist nebst den außerordentlichen Missverhältnissen in den angegebenen
Dimensionen der Extremitätenknochen geeignet, den Verdacht zu erwecken, dass dem Herrn Sikora
Verwechslungen verschiedener Knochen unterliefen und die von ihm angeführten Stücke nicht alle zu
einem und demselben Thiere gehören.
Mesoadapis destructus' gen. nov. Spec. NOV.
(Taf. III, Fig. 1.)
Eine weitere Photographie zeigt uns die rechte Seitenansicht eines anderen, leider stark beschä-
digten Lemurenschädels. Derselbe kann als 15 bis 16 cm lang geschätzt werden. Wie an der hier wieder-
gebenen Abbildung ersichtlich, ist die Schädelkapsel geräumig, länglich, abgerundet, ohne besonders
hervorragende Leisten, also im allgemeinen ähnlich geformt, wie bei den lebenden Arten der Gattung
Lemur. Auffallend ist auf der Photographie, dass da die Seitenflächen des Stirn- und Schädelbeines
durch einen sehr dunklen Schatten, der auf die Schläfengrube fällt, sich von dieser in einer scharfen, vom
hinteren Augenbogen schief nach hinten und abwärts ziehenden Linie abheben; es macht dies den Ein-
druck, dass die vorderen Theile der Stirn- und Scheitelbeine sich sehr plötzlich, eine Kante bildend, nach
innen zur Schläfengrube wenden, während sie bei Lemur mit einer Rundung in diese übergehen. Die
Öffnung der Augenhöhle ist weit hinaufgerückt, schief nach vorne gerichtet; ihre vordere Umrandung mit
dem Thränenbeine fehlt an dem Stücke. Ebenso fehlen Nasenbeine und Zwischenkiefer. Bemerkenswert
ist die bedeutende Höhe des Oberkiefers; sein Alveolarrand zieht sich in einem Bogen nach vorne und
aufwärts, ähnlich wie bei Megaladapis. In ihm sind nur vier Zähne erhalten, und zwar ein weit oben-
sitzender Eckzahn, der übrigens möglicherweise nicht ganz richtig eingefügt ist; es sieht nämlich auf der
Photographie so aus, als sei der Zahn zu tief in den Kiefer hineingeschoben. Von diesem durch eine
größere Lücke getrennt, in ununterbrochener Reihe zwei Backenzähne und ein Mahlzahn, die nach der
Gestalt ihrer Kronen sehr den P?, P! und M! von Megaladapis gleichen. Der Zahn, welcher als M! anzu-
sehen ist, dürfte eine Kronenbreite von circa 15 mm besitzen; er steht weit vorne. Vom Jochbogen ist
nur der Ansatz am Oberkiefer mit dem orbitalen Fortsatze erhalten; der Fortsatz, welcher die Verbindung
mit dem Schläfenbein herstellen soll, fehlt. Am Schläfenbein selbst scheint eine rundliche Bulla ossea
entwickelt zu sein, wie bei Lemur; der Jochfortsatz ist verhältnismäßig breit und von seinem oberen Rande
setzt sich eine Leiste nach dem Hinterhaupte fort; an der hinteren Seite der Gelenksgrube ein langer
Processus postglenoideus. B
1 Syn. Palaeolemur destructus Lorenz, Anzeiger der Akad. d. Wiss. Wien 1900, Nr. I, p. 8.
Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 11
Protoindris globiceps gen. nov. spec. nov.
(Taf. III, Fig. 2.) 3
Endlich bietet noch eine Photographie die gleichfalls rechte Seitenansicht eines rundlichen Lemuren-
Schädels dar, welcher im ganzen den Propithecus-, beziehungsweise Indrisiden-Schädeln ähnlich sieht,
und daher mit solchen näher verglichen werden soll. Die natürliche Größe desselben ist nicht angegeben,
auch nicht abzuschätzen, weil kein Maßstab mit abphotographiert ist; die Abbildung kommt in der Größe
dem Schädel von Indris brevicaudatus nahe; da eher eine Verkleinerung als eine Vergrößerung anzu-
nehmen ist, so kann man nur sagen, dass der Schädel in natura mindestens so groß wie der von Indris
ist. Von dem gewölbten Schädeldache fällt die Stirne vorne ziemlich steil gegen die Schnauze ab. Die
Augenränder sind mehr nach vorne gerichtet als bei den bekannten Propithecus-Arten der Fall zu sein
pflegt. Im Zwischenkiefer je zwei nach vorne gerichtete Schneidezähne, die relativ größer sind als bei
Propithecus; wie bei dieser Gattung sind die mesialen die stärkeren. Die Eckzähne sind dagegen kurz.
Das Bild lässt nach oben 2 Backenzähne und 3 Mahlzähne erkennen. Der Unterkiefer hat im allgemeinen
die Form wie,bei den Indrisiden. Die Kinnladen sind jedoch bedeutend höher als bei den lebenden
Gattungen dieser Familie; der vordere Kinnrand bildet mit dem unteren Kieferrande einen weniger
stumpfen Winkel als bei diesen die Regel ist und wendet sich steiler nach aufwärts. Zwischen den
Schneide- und Eckzähnen zieht eine Furche vom Alveolarrande an den Seiten des Kinnes hinab. Die
bekannten Indrisiden besitzen an der Vereinigungsstelle der beiden unteren Kinnladenränder einen
spitzen, nach hinten gerichteten Fortsatz, der auch bei der Ansicht von der Seite auffällt; ein solcher ist
bei unserem Proloindris nicht zu sehen. Die Zahl der unteren Schneidezähne ist aus der Abbildung
nicht erkennbar, dürfte aber jederseits zwei betragen. Nach diesen sind unten noch fünf Zähne, C, P,
M,—M,, sichtbar.
Diese und die vorangegangenen Beschreibungen können mitRücksicht darauf, dass sie aufnur mangel-
haftem Materiale, beziehungsweise bloß auf Abbildungen beruhen, keinen Anspruch auf Vollständigkeit
erheben und nur als provisorisch gelten, doch werden sie vollkommen genügen, mit Zuhilfenahme der
beigegebenen Illustrationen bei gelegentlichen weiteren Funden deren Identität festzustellen.
III. Reste von Armknochen eines großen Lemuriden.
(Taf. I, Fig. 11.)
Die Knochenstücke, welche zusammen mit dem Unterkiefer von Hadropithecus eingesendet worden
waren, bestehen aus dem distalen und proximalen Ende einer rechten Ulna, einem Stück aus der Mitte
eines rechten Humerus, dem Acromion einer linken Scapula, 4 Rippenfragmenten, 3 anderen, nicht
sicher bestimmbaren Bruchstücken und einem vorderen Brustwirbel. Der letztere, der einem kleineren
Primaten angehörte, stammt keinesfalls von demselben Thiere, von dem die übrigen Knochen herrühren.
Dass diese alle von einem und demselben Individuum stammen, ist gleichfalls unwahrscheinlich, obwohl
‘deren Äußeres, ihr Erhaltungszustand, dafür sprechen würde. Die Auskunft Sikora’s geht dahin, dass
auch er nichts Sicheres darüber sagen könne, ob diese Knochen zusammengehören, ob der eine oder
andere etwa zu dem Unter-kiefer des Hadropithecus oder zu den von ihm entdeckten Megaladapis-Exem-
plaren zu rechnen wäre; das Humerusfragment könnte von seinem Megaladapis-Skelete sein, da an
demselben ein Stück aus der Mitte des Oberarmes fehle; die Knochen seien alle an derselben Stelle
gelegen.
Wenn man vor allem die beiden Ulnastücke betrachtet, welche wohl zusammengehören und
welche ich in natürlicher Größe abgebildet habe, so zeigt nur das distale, im ganzen 132 mm lange Frag-
ment die für die Halbaffen charakteristische Gestaltung, welche darin besteht, dass das Capitulum zwei
28
12 Ludwig Rit. Lorenz v. Liburnau,
getrennte Gelenksflächen aufweist. Die eine derselben, welche für die Articulation mit dem Radius
bestimmt ist und sich seitlich vor dem äußersten Ende der Ulna befindet, hat in unserem Falle eine quer
ovale Form mit einem Größendurchmesser von IO mm und einem kleinen Durchmesser von 8 mm. Die
zweite Gelenksfläche, welche mit dem Triquetrum und Pisiforme in Verbindung tritt, breitet sich über das
conische Ende des 24mm langen Processus styloideus aus und erstreckt sich von dessen Spitze an der
Außenseite 12 mm, an der Innenseite 21 mm weit gegen den Hals des Processus. Vor dem Capitulum ist
der Querschnitt dieses Ulnastückes rundlich, mit einem Durchmesser von 16 mm; an der Bruchstelle ist
der Knochen jedoch stark seitlich comprimiert, mit einem großen Durchmesser von 24 mm und einem
kleinen Durchmesser von 12 mm.
Das proximale Stück derselben Ulna ist dem unteren Ende entsprechend stark; sein Ölecranon
springt hinter der Gelenksfläche weit vor; von dieser — der Cavitas sigmoidea, major — ist nur die Hinter-
hälfte erhalten; sie zeigt keine Andeutung einer Mittelleiste; ihre größte Breite beträgt 36 mm; ihr hinterer
Rand ist wenig aufgebogen; die Seitenränder springen weit vor, der innere radiale weist einen tiefen Ein-
schnitt auf, Diese Ellbogentheile kommen in ihrer Stärke der Elle eines erwachsenen männlichen Gorilla
nahe, welche eine Länge von 36cm hat. Mit den Dimensionen der Ellbogenbeine verschiedener Halbaffen
(Lemur, Propithecus) verglichen, wäre anzunehmen, dass das distale Stück unserer Ulna ungefähr dem
vierten Theile der Länge des ganzen Knochens entspricht und dieser somit etwa 50 cm lang war. Da er
aber einem ungewöhnlich robusten Thiere angehört haben dürfte, so möchte ich seine mögliche Länge auf
nur 30-40 cm schätzen. Hadropithecus stenognathus, sowie Megaladapis brachycephalus waren Thiere
von annähernd gleicher Größe. Die Ellenbeine von mit diesen ungefähr gleich großen Exemplaren folgender
Affen messen in der Länge:
26°5 cm bei einem Schimpansen,
Bl
28°
»» » ÖOrang,
Qt
»» » Anubis-Pavian;
on
hiebei sind diese Knochen aber verhältnismäßig weit schlanker als die in Rede stehende Ulna — es ist
also nicht anzunehmen, dass dieselbe zu Hadropithecus oder zu einer der genannten Megaladapis-Arten
passen würde, sondern man muss sie einem Thiere zuschreiben, das noch größer war als die eben
genannten.
Ich möchte das Thier, dem diese Ulna angehörte, provisorisch als Megaladapis dubius bezeichnen.
Zu demselben mag seiner Größe nach auch das vorhandene Acromion gehört haben.
Das Humerus-Stück ist 11cm lang und bedeutend stärker als der betreffende Theil eines mensch-
lichen Oberarmes, annähernd so stark wie bei einem erwachsenen Gorilla. Es entspricht etwa dem
zweiten Viertel des ganzen Oberarmknochens vom distalen Ende aus gerechnet. Besonders hervorzu-
heben ist sein dreiseitiger Querschnitt mit einer sehr rauhen vorderen Kante, ferner eine von der äußeren
Kante in distaler Richtung sich entfaltende mächtige Crista lateralis, welche eine breite Rinne bildet.
Dieses Fragment, das nach Sikora's Äußerung vielleicht zu seinem Megaladapis-Skelete gehört, bietet
zu wenig Anhaltspunkte, um daran weitere Folgerungen knüpfen zu können. Mir ist es zweifelhaft, dass
es zu demselben Arme gehöre, wie die vorbeschriebene Ulna, da es mir im Vergleiche zu dieser noch
N
etwas zu schwach erscheint.
Nachtrag.
Unmittelbar nach Einreichung der vorstehenden„Beschreibungen trafen noch einige Abbildungen
von anderen Schädeln aus der Höhle von Andrahomana ein, welche ich erst nachträglich näher bestim-
men konnte. Ich halte es für wichtig genug, dieselben hier anhangsweise aufzuführen und einige davon,
insoweit dies eben nach Photographien möglich ist, kurz zu skizzieren,
Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 13
1. Am auffallendsten sind vier mit G bezeichnete Darstellungen eines Schädels, der wohl einem
neuen Genus angehört, dessen systematische Unterbringung, auch wenn das Object in natura vorliegen
wird, Schwierigkeiten bereiten dürfte. Es ist schon jetzt sicher, dass er zu den Primaten zu stellen sein
wird. Der Schädel misst nach den angeblich in natürlicher Größe ausgeführten Bildern in der Länge
136 mm von der Protuberantia oceipitalis bis zum Vorderrande der Nasenbeine, und die größte Breite,
Abstand der Jochbögen, beträgt 122 cm. Seine Form ist eine ganz eigenthümliche und erinnert sehr an
einen Katzenschädel, sowohl durch die Gestalt der Schädelkapsel als wie durch die kurze Schnauze und
die weit ausbiegenden Jochbeine. Die Stirnpartie ist nur theilweise erhalten, lässt aber eine starke Veren-
gung an der Ursprungsstelle der Augenbogen erkennen. Eine sagittale Crista ist mäßig entwickelt. Die
Augenhöhlen blicken nach vorne und scheinen sehr groß und hinten nicht geschlossen gewesen zu
sein; sie erinnern an die nächtlich lebenden Lemuren. Die Nasenbeine sind kurz und breit, Durch ihre
Breite auffallend sind auch die Jochbeine und insbesondere die Jochfortsätze der Oberkiefer. Die Seiten-
ansicht zeigt eine sehr weite Gehöröffnung und ein großes, nach abwärts ragendes Paukenbein. Die
Zähne, von denen drei Mahlzähne und drei Backenzähne erhalten sind, sind nach dem Typus der
Affenzähne gebaut, stumpfhöckerig, mit tief eindringenden Gruben und Falten zwischen den Höckern.
Insbesondere M'! stimmt mit dem Baue der gleichen Zähne bei den Makaken überein; auch die Prä-
molaren nähern sich am meisten den gleichen Zähnen dieser Affengruppe. Vor dem P®? ist im rechten
Oberkiefertheile noch eine einfache Alveole zu sehen; es frägt sich, ob man diese als einem ausgefallenen
Eckzahne entsprechend ansehen darf. Ich nenne das Thier, dem der Schädel angehörte, Pithecodon
sikorae,
rn m mn nn
Schädel G in 2/, natürlicher Größe.
2. Mit B wird der Gesichtstheil eines Schädels bezeichnet, der ein mit Bradylemur verwandtes
Thier erkennen lässt; derselbe ist im ®/, Profil und in der Ansicht von unten dargestellt und stammt
| von einem erwachsenen Thiere. Ihm ähnlich sind die Gesichtstheile von zwei anderen Schädeln, die
“unter den Buchstaben A und P in der Seitenansicht und von unten abgebildet sind; sie gehörten
‚jungen Thieren an, die sich noch im Zahnwechsel befanden. Herr G. Grandidier sprach brieflich die
14 Ludwig Rit. Lorenzv. Liburnau,
Vermuthung aus, dass alle diese drei Schädel mit dem kürzlich von ihm beschriebenen Bradylemur robu-
stus* identisch sein könnten.
Schädel B in circa ®/, natürlicher Größe.
3. Drei mit M signierte Photographien stellen offenbar den Schädel jenes ausgestorbenen Lemuren
dar, von dem gleichfalls unlängst G. Grandidier zwei Mahlzähne beschrieben und den er Palaeochiro-
galus jullyi getauft hat.? Bei dem abgebildeten Schädel sind jederseits die drei Mahlzähne und der
anschließende Backenzahn (?!) erhalten. Die Ansicht von oben zeigt, dass der Scheitelkamm gegen die
orbitalen Fortsätze der Stirne zu sich im spitzen Winkel theilt und dass anderseits von der Basis
der genannten Stirnfortsätze, zwei gegen den Nasenrücken convergierende Wülste verlaufen, so
dass durch diese und durch die vorgenannten divergierenden Stirnleisten ein rhombisches Feld ein-
geschlossen wird.
Schädel M in eirca %/snatürlicher Größe.
1 Bull. du Mus. d’ hist, nat. Paris 1899, Nr. 7, p. 346 — 348, mit Figuren im Texte,
2 L.c.p. 345,
Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. 15
4. Schädel eines Megadalapis, der mit M. madagascariensis im Wesentlichen übereinstimmt, also
mit dieser Art identisch sein dürfte. Derselbe ist sehr defect. Sikora erwähnte gelegentlich in einem Briefe,
dass er auch einen 31 cm langen Megaladapis-Schädel besitze; damit dürfte dieser gemeint gewesen sein.
F. Major schätzt die Länge des von ihm beschriebenen Schädels auf 25 cm.
5. Schädel Z, wohl erhalten und von drei Seiten aufgenommen, lässt deutlich den noch heute im
Norden von Madagaskar lebenden Propithecus coronatus erkennen. Es ist auffallend, dass sich Reste
dieser Art im südlichsten Theile der Insel finden, wo dieselbe gegenwärtig nicht mehr lebend vorkommt.
6. Drei Ansichten, O, zeigen den Schädel eines Raubthieres, das mit der noch jetzt auf Madagaskar
lebenden Fossa fossa identisch sein dürfte, jedenfalls mit ihr nahe verwandt ist. Schädel dieser Art liegen
mir nicht vor, und es konnte nur die Abbildung Gray’s (P. Z. S. 1872, p. 871) zum Vergleiche heran-
gezogen werden. Diese zeigt einen etwas mehr in die Länge gezogenen Schädel, ein Unterschied, der
vielleicht auf verschiedenes Geschlecht oder Alter zurückzuführen ist, auch bloß individuell sein könnte,
7. Ein Schädel mit der Signatur N ist unzweifelhaft von Centetes ecaudatus.
Dagegen wird unter Z ein anderer Schädel von einem Centetiden dargestellt, der dem €. ecaudatus
wohl ähnlich sieht, es fällt aber auf, dass der Schädel viel stärker ist als die Schädel von ©. ecaudatus,
welche ich veugleichen kann, und dass bei E die hinteren seitlich ausgebogenen Theile der Schläfenbeine
viel weiter nach außen vorragen, auch die Hinterhauptschuppe verhältnismäßig breiter ist.
8. Ein Schädel von Potamochoerus larvatus.
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Fig. 1—7 Hadropithecus stenognathus.
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rechter Unterkiefer, Außenseite.
derselbe, Innenseite.
derselbe von oben.
erster Mahlzahn (M,) von vorne.
vorderer Backenzahn (P,) von außen.
derselbe von innen.
Schneidezähne, von der linken Seite gesehen.
M, von Papio olivaceus (Anubis).
M, und P, von Gorilla g' ad.
M, von Gorilla Q ad.
rechte Ulna von Megaladapis dubius, innere Seite.
Alle Abbildungen in natürlicher Größe
Lv.Lorenz: Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. Tafl.
Lith.Anstv. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
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Fig. 2 derselbe vonobn.
Lv.Lorenz: Aussestorbene Primaten von Madasaskar
Y
Inth Anst v ThBannwarth Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
Taiel I.
Tafel IN.
Fig. 1 Mesoadapis destructus, Schädel von rechts, verkleinert.
Fig. 2 Protoindris globiceps, Schädel von rechts; Maßstab unbekannt, vielleicht in 1/, nat. Gr.
Lv.Lorenz: Ausgestorbene Primaten von Madagaskar. Taf ll
Lith.Anst v ThBannwarth Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
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ZMOLLUSKEN-AUSBEUTE AUS HOCHASIEN.
BEARBEITET VON
PL TE 1 LEne
# DR IDOERYSTEURANY,
K. UND K. ASSISTENT AM K. K. NATURHISTORISCHEN HOFMUSEUM.
(Mit 4 Tafeln.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 14. DECEMBER 15399.
Durch gütige Vermittelung des Herrn Professor E. Suess erhielt ich im Jänner d.J. das interessante
2 Conchylien-Material zur Bearbeitung zugewiesen, welches der Geologe Herr W. A. Obrutschew während
der »Expedition der Kaiserlichen Russischen Geographischen Gesellschaft nach Hochasien« in den Jahren
1892 - 1894 aufzusammeln eifrigst Gelegenheit nahm.
Da diese Collection nicht bloß eine Reihe von recenten Arten enthält, sondern auch Elemente der
-Löß-Fauna, so sah ich mich bei der Übernahme derselben vor eine ähnliche Aufgabe gestellt wie seiner-
zeit Herr Dr. V. Hilber,als er die Ausbeute der Graf Bela Szechenyi’schen Expedition, resp. des Herrn
v. Löczy einer wissenschaftlichen Durcharbeitung unterzog. Aus der reichen Fülle von Literatur erschienen
mir denn. auch die Hilber’'schen Arbeiten von besonderer Wichtigkeit, und mit Hilfe dieser gediegenen
Publicationen konnte eine Anzahl von Löß-Conchylien baldigst identificirt werden. Es stellte sich aber
auch die Nothwendigkeit heraus, gewisse von Obrutschew gesammelte Exemplare mit Originalen
Hilber’s, welche im Pester Nationalmuseum hinterlegt wurden, in Vergleich zu ziehen. Herr Director Dr.
G. v. Horväth gestattete mir, als ich zu diesem Zwecke im März d. J. das Nationalmuseum besuchte, in
der freundlichsten Weise die Benützung der Sammlung. Ebenso konnte ich zwei Monate später amBerliner
u Fa Da ca L Z
»Museum für Naturkunde« meine vergleichenden Studien hinsichtlich der zahlreichen noch übrig
gebliebenen Formen fortsetzen dank der Erlaubnis des Herrn Geheimrath Möbius und der Freundlichkeit
des Herrn Dr. Meissner, der mir in Vertretung des verreisten Herrn Geheimrath v. Martens die
Mollusken-Sammlung jener Anstalt zugänglich machte. Sowie ich den genannten Herren hiemit öffent-
lich für die Förderung meiner Arbeit danke, so halte ich mich auch den Herren Dir. P. V. Gredler
(Bozen), S. Clessin (Ochsenfurt a/M.), Dr. W. Kobelt (Schwanheim a./M.) und Prof. Dr. Böttger
(Frankfurt a./M.), die ich gleichfalls im Frühjahre aufsuchte, verpflichtet. Herrn P. V. Gredler ins-
besonders verdanke ich wertvolle Winke und Rathschläge bezüglich der systematischen Stellung der
überraschenden Novitäten, Herrn Dr. Kobelt unter Anderem auch die wichtige Mittheilung, dass
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 3
18 Rudolf Sturany,
zur Zeit Herr Dr. ©.v. Möllendorff (Kowno) mit ähnlichem Materiale sich beschäftige, nämlich mit
der Ausbeute Potanin’s u. A, und seine Arbeit vielleicht schon unter der Presse sei. Es musste nun
eine Verständigung mit diesem gewiegten Fachmanne zwar das Erscheinen der vorliegenden Arbeit
etwas verzögern, aber im Hinblicke auf das Missliche von Prioritätsfragen schien sie dringend geboten.
Herr Dr. von Möllendorff antwortete auf mein Schreiben mit einem Vorschlage, den ich mit Ver-
gnügen annehmen konnte, und wonach ich mit der Publication über die Obrutschew’sche Ausbeute
warten solle, bis seine die Heliciden West-China’s und Centralasiens behandelnde Arbeit erschienen
sei, Dr. von Möllendorff hingegen seine Abhandlungen über das übrige Potanin’sche Material erst
nach dem Erscheinen meines Aufsatzes fortsetzen werde.
Heute liegt die prächtige Arbeit Dr. v. Möllendorff’s fertig vor; so wie er darin die Systematik
der Heliciden s. ]. auf Grund von anatomischen Befunden, die durch das Vorliegen von Spiritus-
Material möglich gemacht wurden, einer gründlichen Reform unterzogen, neue Gattungen und Gruppen
aufgestellt und begrenzt hat, so können wir von seinen weiteren Abhandlungen auch neue und über-
raschende Resultate in der anatomischen Begutachtung beispielsweise der Buliminiden erwarten, von
denen ihm etwa 60 Arten, zumeist mit den Weichtheilen, vorliegen sollen und die sich gewiss in
mehrere natürliche Gruppen bringen lassen. Ich habe es daher im Folgenden auch mit Absicht ver-
mieden, für die in vieler Hinsicht räthselhaften Formen von BDuliminiden — von denen mir bloß die
Schalen vorliegen — neue Gattungen oder Untergattungen aufzustellen und dadurch der Möllen-
dorff’schen Eintheilung vorzugreifen, der wir, wie gesagt, mit Spannung und Interesse entgegensehen
dürfen.
l. Plectotropis comata n. sp.
Taf. I, Fig. 13—16.
Das Gehäuse ist weit und offen genabelt, wenig erhaben, ziemlich festschalig und besteht aus
6 Windungen; das Embryonalgewinde ist glatt oder nur schwach sculptirt, die übrigen Umgänge sind
ziemlich stark bogig quergestreift; auf der Unterseite der Schlusswindung wird die Querstreifung schwach
und unregelmässig. Im frischen Zustande ist die Schale stark behaart, und zwar sind die Haare in Spiral-
reihen angeordnet, die sich auf den letzten 2 Umgängen rasch vermehren, so dass auf dem freien Theile
der Schlusswindung 2—3 Spiralreihen spröder Wimperhaare ober der Mitte und 4—5 Reihen kürzerer
Haare unter der Mitte befinden; bei todt gesammelten Exemplaren sieht man nicht einmal mehr die
Spuren jener Spiralreihen, hingegen ist an solchen Stücken die Anlage zur Kielbildung deutlich 'wahrzu-
nehmen. Die Unterseite des Gehäuses ist etwas heller gefärbt als die Oberseite, diese ist braun, jene gelb-
braun. Die im Inneren milchweiß gefärbte Mündung ist fast kreisrund, scharfrandig und — besonders am
Außenrande oben nahe der Einlenkung — dicklippig; die Mundränder sind durch einen ziemlich starken
Callus verbunden, der Spindelrand tritt etwas nach links heraus.
kloherdesı Gehallsesr sr IB Dn Eng mon onen
Breite » » a le hole lhateig horse en!
Hohe,der Mündung. pr san 32a
Breite =... tn ee ea | Hl
(Die Höhe des Gehäuses und diejenige der Mündung sind hier bei senkrecht gestellter Axe gemessen;
absolut gemessen beträgt die Höhe der Mündung — oder wie wir in solchem Falle sagen können, die
Länge derselben — circa 45 mm.)
Obrutschew's Mollusken- Ausbeute aus Hochasien. 19
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tu-pa, Süd-Kansu«.
Die neue Art ist, wie mir Dr. v. Möllendorff nach Einsichtnahme in die Zeichnungen mitzutheilen
die Freundlichkeit hatte, und wie auch nach der eben erschienenen Arbeit desselben zu constatiren ist,
am nächsten mit Plectotropis diploblepharisMll\dff. (»Annuaire...« 1899, p. 63, t. 2, fig. 10) verwandt, die
‚grösser ist und an der Peripherie nur 2 Reihen Haare besitzt. H. lepidostola Hde. (»Notes sur les Moll.
terr. de la vallee du fleuve bleu«, p. 44, pl. XVI, fig. 10, 10a) und 4. squamosella Hde. (Ibid. p. 36, pl. XV,
fig. 9, 9a) sind ebenfalls ähnliche Formen und als solche wohl zu Plectotropis zu stellen.
2. Stilpnodiscus euphyes n. sp.
Taf. I, Fig. 23—25.
Ein einzelnes Exemplar, 253 mm breit und 12 mm hoch und mit einer Mündung von 10°5 mm
Breite und 7:O mm Höhe (resp. S-3 mm Länge), schließt sich zwar enge an S/. vernicinus Mlldff.
(»Annuaire......« 1899, p. 66, t. 3, fig. 2) an, übertrifft aber diese Art nicht bloß in der Größe, sondern
unterscheideß,sich von ihr hauptsächlich auch durch das Fehlen eines Kieles, so dass es angezeigt
"scheint, darauf eine neue Species zu gründen.
Das Gewinde des genannten Exemplares ist wenig erhaben und besteht aus 7 Umgängen, die durch
‘eine deutliche Naht getrennt sind und allmählich an Breite zunehmen. Die glatte Schale hat eine blau-
weiße Grundfarbe, besitzt ein braunes Suturalband, das nur auf den Anfangswindungen unterdrückt oder
in die Naht eingezogen ist, und außerdem auf dem letzten Umgange ein eirca I mım breites, ebenfalls
braun gefärbtes Kielband. Ein eigentlicher Kiel ist nicht ausgebildet, es findet sich in der Mitte des letzten
Umganges bloß die Andeutung eines solchen. Von einer Sculptur ist nur bei starker Lupenvergrösserung
eine geringe Spur sichtbar. Der Nabel ist perspectivisch und 5°5 mm breit. Die Mündung ist schief
_ ohrförmig, die Ränder derselben sind durch einen zarten Callus verbunden, eine starke Innenlippe am
Außen- und Unterrande schimmert nach außen weiß durch.
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
- Umgegend des Dorfes Schy-pä, Süd-RKansu«.
Die Gestalt der Art erinnert an FH. chinensis Phil. (vermes Hde.) nnd psendochinensis Mlldft.
(chinensis Hde. nec Phil.), also an die Arten der Gruppe Aegista Albers, mit der auch Möllen-
dorff seine neue, anatomisch begründete Gattung einigermaßen vergleicht.
». Stilpnodiscus scassianus Milldff.
Taf. I, Fig. 17—19.
(»Annuaire...« 1899, p. 66, t. 3, fig. 3.)
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des
_ Dorfes Ku-tü-pa, Süd-Kansu».
Zwei Exemplare, davon wohl nur das größere erwachsen; es misst 15:6 mm im Gehäuse, 65:51 mm
in der Mündung, 3°3 mm im Nabel und besitzt 6 Umgänge; die Naht desselben ist schwach fadenförmig
und wird von einem schwachen rothbraunen Band begleitet, zu welchem auf der letzten Windung noch
ein zweites stärkeres Band von gleicher Farbe am Kiele kommt.
4. Eulota (Acusta) ravida (Bs.) subsp. redfieldi Pfr.
(Möllendorff »Annuaire...« 1899, p. 75.)
Fundort: »Oberste Schichten des Löß der Berge zwischen den Flüssen Ta-hö und Jun-nin-hö
in Ost-Kansu«,
20 Rudolf Sturany,
5. Eulota (Acusta) ravida (Bs.) subsp. ravidula Hde.
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 76.)
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des
Dorfes Ku-tü-pa, Süd-RKansu«.
6. Eulota (Eulotella) similaris Fer.
(Möllendorffin »Annuaire...«1899, p. 77, und J. D.M. G. XI, 1884, p. 321.)
Fundort: »Öberste Schichten des Löß der Berge zwischen den Flüssen Ta-hö und Jun-nin-hö
in Ost-Kansu«.
7. Eulota (Eulotella) stimpsoni Pfr.
(= genulabris Marts. olim, vide Möllendorff, »Annuaire, ..« 1899, p. 77.)
Unter diesem Namen führe ich einige interessante Exemplare mit dem Vermerke »Löß im Thal
des Flusses Tao-hö unterhalb der Stadt Ming-tschou, Süd-Kansu« an, die man bei flüchtiger Betrach-
tung als zwei Arten angehörend erklären möchte. Die obige Determination gründet sich auf diejenige
Hilber’s, insoferne ich nämlich Gelegenheit nahm, die vorliegenden Exemplare mit denjenigen zu ver-
gleichen, welche Graf Szechenyi gesammelt und Prof. Hilber (»Sitzgsber....1882«, p. 332) bestimmt
hat. Das größte von Hilber erwähnte Exemplar aus Singan-fu besitzt ähnliche grobe, fast hammer-
schlägige Findrücke auf der Schale wie einige der hier berücksichtigten Stücke,' und jüngere von
Hilber identificirte Exemplare stimmen mit dem kleineren, schwach gebänderten und regelmässiger
quergestreiften Exemplare der Collection Obrutschew.
8. Euhadra cyclolabris Mlldff.
Taf. I, Fig. 26-29.
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 80, t. 4, fig. 8.)
Von dieser prächtigen Art, die Herrn Dr. v. Möllendorff nur in einem einzigen Stück vorgelegen
ist, hat Obrutschew einige in den Maßverhältnissen, in Bänderung und Kielausbildung verschiedene
Exemplare aufgesammelt, so dass ich in der angenehmen Lage bin, zur Kenntnis der Art einen kleinen
Beitrag zu liefern; ich gebe denselben mit der folgenden Übersicht.
Breite des Gehäuses 2922152221 032: 033260522510 3425
Höhe » > 1522) ze elaszalozelmla=alene
Breite der Mündung 1: 1720|2166) 8177.20) Elze 3 E70
en
DD +
820.909 22:920 28320 7102
14:6) 14°4| 14:5) 14:3] 15 mm
=
Höhe » » SEE 9:
Länge »
rs
o
Anzahl"der Windungen 87. 54, | 3 2 a2 | 5/4 1, 527, h
Frische Exemplare besitzen 2 breite, dunkel rothbraune Bänder auf gelblich weißem Grunde. Der
Kiel ist meist scharf ausgeprägt und als weißer Faden markirt; kurz vor der Mündung ist er weniger
1 Vergl. die Sculptur von Helix pisana Mllr.
ud au, EZ) 2 u 20 2 ;
Obrutschew's Mollusken-Ausbente aus Hochasien. 21
scharf. Bei dem in Fig. 27—29 abgebildeten Exemplare (vom Fundorte 5) ist der Kiel nur angedeutet.
Die Mundränder sind einander sehr genähert, so dass der Abstand nur mehr circa 4'/, mm beträgt.
Fundorte:
a) »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Umgegend
des Dorfes Schy-pa, Süd-Kansu«.
b) »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes Ku-tü-pa
Süd-Kansu«.
9. Euhadra eris Mlldff. juv.
Taf. I, Fig. 20—22.
(Vergl. Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 85, t. 5, fig. 2
2.)
Unter diesem Namen seien 3 Exemplare erwähnt, die ich anfangs geneigt war für die vielverkannte
L. christinae H. Ad. zu halten. Die Arbeit v. Möllendorff's jedoch belehrte mich eines Anderen: die
nachfolgend kurz beschriebenen Stücke gehören in jenen Formenkreis der linken Euhadra-Arten, welcher
als Übergangsgruppe zu Laeocathaica aufzufassen ist.
BreiterdessGehauses a 2 ZI 23 2250
Höhe » » KL F 2 9:0) 9-7\| 10-6
Breite der Mündung. ..... s:0| 8:0] 8:0
Höhe » > RE 9.5 85 9:0 mm
Während das erste Exemplar flach gebaut ist, sind die beiden anderen ein wenig erhaben. Von den
6—6°/, Windungen sind die ersten 2 glatt und einfarbig braun; in der 3. Windung beginnt eine eng-
stehende, scharfe Querstreifung, die gegen die Mündung zu gröber und unregelmäßiger wird. In den
Anfangswindungen meist ganz unterdrückt, verläuft über das Gehäuse eine allmählich an Breite zuneh-
mende braune Binde in der Mitte, welche beiderseits von der weißen Grundfarbe eingefasst ist und in
ihrer Gleichmäßigkeit durch quergestellte dunklere, Neckenartige Stellen des Öfteren gestört wird. Auf
der letzten Windung tritt hiezu noch ein zweites braunes Band von nur 1'/, mm Breite, circa ebenso weit
vom anderen Bande entfernt. Eine Kielbildung fehlt gänzlich.
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd-Kansu«.
10. Laeocathaica subsimilis (Desh.).
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 89.)
Es liegt diese allgemein bekannte Art von den folgenden 3 Localitäten vor.
a) »Thal des Flusses Hsia-ho im Tsin-ling-shan-Gebirge südlich von der Stadt Hui-hsien an derGrenze
von Kansu und Schen-si«.
b) »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in derUmgegend des
Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu«.
c) »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes Ku-tü-pa,
Süd-Kansu«.
29 Rudolf Sturany,
11. Laeocathaica pewzowi Mlldff.
Taf. II, Fig. 25—28.
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 98, t. 6, fig. 4, 4a.)
Die erwachsenen Exemplare besitzen eine durch 2 Zähne sehr eingeengte Mündung, von denen der
eine horizontal in der Mitte des Außenrandes, der andere vertical an der Basis steht; die Umgebung
dieser Zähne ist stark schwielig.
Bezüglich der Sculptur und Färbung sei Folgendes erwähnt: Das Embryonalgewinde ist glatt,
über die übrigen Umgänge ziehen deutliche Querrippchen. Der weißfadige Kiel der letzten Windung
ist im übrigen Gewinde als weißfadige Naht sichtbar; die hellgelbe Grundfarbe wird von braunvioletten
Flecken, unregelmäßig quer über die einzelnen Umgänge gelagert, durchzogen; unter dem Kiel der
letzten Windung steht ein mehr als I mm breites dunkleres, braunviolettes Band, desgleichen ziehen
über die helle Grundfarbe der Basis Radial-, resp. Querbänder von der gleichen Farbe; unmittelbar am
Nabel ist die Grundfarbe weiß; im Nabeltrichter ist ein hübsches Abwechseln von je einem weißen
und einem dunklen Bande per Umdrehung sichtbar.
Die Höhe des Gehäuses wechselt zwischen 79 und 8°5 mm, die Breite desselben 16°5—18°I mm;
die Mündung zwischen 6°2—6°7 mm Höhe und 5:3—6° 1 mm Breite.
Fundorte:
a) »Felsen des linkenUfers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Umgegend des
Dorfes Schy-pa, Süd-Kansu« [ein junges Exemplar].
b) »Felsen und Gebüsch des Thhales Pei-shu-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes Ku-tü-pa,
Süd-Kansu« (mehrere junge und erwachsene Exemplare).
12. Laeocathaica dityla Mlldff.
Taf. I, Fig. 4-6.
(Möllendorff, »Annuaire,..« 1899, p. 99, t. 6, fig. 8.)
An den wenigen vorliegenden Exemplaren ist eine Querstreifung nur bei starker Lupenvergrößerung
sichtbar. Auf dem letzten Umgange, der mächtig entwickelt ist und dem Gehäuse eine hohe und breite
Basis gibt, ist gegen die Mündung zu ein braunes Band äußerst schwach angedeutet, das hoch oben
steht an der Stelle, wo die carinale Abstufung sich bemerkbar macht. — Die Mundränder sind getrennt,
ein parietaler Callus ist kaum oder gar nicht angedeutet.
BreiterderSchalernen m rt
Höhe » » N NA a a |
Breite der Mündung . ». . 2. .... 41— 4:5
Höhe» » a ENT 17777;
Windungen. . . . 7— 742:
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Umgegend des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu.«
13. Metodontia huaiensis (Urosse).
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 101.)
Von den folgenden 3 Localitäten vorliegend:
Obrutsch.w's Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 23
a) »Löß im Pass Tschung-pu-ssa, Schan-si.«
b) »Löß, neuere Anschwemmungen im Thale des Flusses Lao-hö in Öst-Kansu.«
c) »Ältester Löß des Plateau beim Dorfe Lüe-lu, Ost-Kansu.«
14. Metodontia griphodes n. sp.
Taf. 1, Fig. 13.
Das Gehäuse hat eine sehr charakteristische Gestalt, indem die engaufgerollten Windungen ober
dem letzten Umgange in Form eines breiten, aber niederen Kegels liegen, die Schlusswindung selbst
iber mächtig entwickelt ist und mit seiner breiten, beiderseits oder mindestens rechts am Mündungs-
rande senkrecht abfallenden Basis einen starken Sockel bildet. Die Umgänge, S—S'/, an Zahl, sind
zart quergestreift, insbesonders der letzte an der Basis. Im Embryonalgewinde mehr oder minder unter-
drückt, zieht eine braune Binde über die Umgänge, deren Oberfläche sie fast ganz einnimmt, so dass
von dem weißlich-gelben Grundton kaum mehr etwas wahrzunehmen ist; auf der letzten Windung
fritt zu jener suturalen Binde noch eine zweite unter dem dort stufenförmig angelegten Kiel von
gleicher Farbe®ind gleicher Breite. Die Naht ist bei einigen Exemplaren breit fadenförmig, der Nabel
ziemlich enge und tief. Die Mündung ist relativ hoch, ihr Außenrand ziemlich senkrecht, der Basalrand
verdickt und die Mündungsöffnung verengt.
Breite, des Gehäuses .„ . : 2 „| 11:0| 11:0) 11>#| 10°5| 11:2) 10-8
Höhe » » en Eee 624177629 77:2 1962817 717626
Breite der Mündung 5260| 20:00:01 9241 75791 9:3
Höhe » » 48| 5 4-7| 45| 50 Lö mm
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im T'sin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd-Kansu.«
15. Cathaica fasciola (Drap.).
(Syn.: Hel. pyrrhozsona Phil. ete., vide Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 103.)
Fundorte:
a) »Lößhügel östlich von Tsin-hsin-hsien, Tschi-li.«
6b) »Löß des linken Ufers des Flusses Tung-hö in Südwest-Schen-si.«
c) »Oberste Schichten des Löß der Berge zwischen den Flüssen Ta-hö und Jun-nin-hö in Ost-
Kansu.«
16. Cathaica orithyia (Marts.).
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 106.)
Fundort: »Pass im Löß zwischen Jü-tau-hö und dem Flusse San-yang-hö, Sch an-si.«
Von den wenigen vorliegenden Exemplaren ist nur eines gut erhalten; es ist im Ausmaße
escheidener als das Martens’sche Original, mit dem es im Bau, der Sculptur und Bänderung gut
jereinstimmt.
e7
4 Rudolf Sturany,
17. Cathaica orithyia (Marts.) subsp. confucii Hilb.
(Möllendorff, »Annuaire«...1899, p. 106.)
Fundort: »Löß bei dem Dorfe Han-shui-hö nördlich von Lan-tschou (Weg nach Liang-tschou),
Kansu.«
Die vorliegenden Exemplare stimmen mit den Hilber’schen Originalen, die sich am Pester
Nationalmuseum befinden, sehr wohl überein.
15. Cathaica pulveratrix (Marts.).
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 108.)
Fundorte:
a) »Ältester Löß des Plateau beim Dorfe Lüe-lu, Ost-Kansu.«
b) »Pass im Löß zwischen Jü-tau-hö und dem Flusse San-yang-hö, Schan-si.«
c) »Lößhügel östlich von Tsin-hsin-hsien, Tschi-li.«
d) »Löß des linken Ufers des Pu-ti-hö in Ost-Kansu.«
e) »Alte Ablagerungen im Thale des Flusses Schara-ussun unweit der Missionstation Hsia-tschao,
Süd-Ordos.«
f) »Geschichteter Löß beim Dorfe Liu-tio-tze in West-Schen-si.«
8) »Neuere Anschwemmungen im Thale des Flusses Lao-hö in Ost-Kansu.«
Die Exemplare der letzten 3 Localitäten sehen durch ihre Streifung von oben wie confucii Hilb.
aus, besitzen aber die enge Nabelung von pulveratrix Marts., sowie die »Ecke zwischen äußerem
und oberem Rand« und den Basalhöcker (Zahn) in der Mündung-
19. Cathaica richthofeni (Marts.).
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 111. — Syn. mit H. buvignieri Desh.)
Fundort: »Pass im Löß zwischen Jü-tau-hö und dem Flusse San-yang-hö, Schan-si.«
Die Exemplare zeigen eine deutliche Binde in der Mitte des letzten Umganges und die leise
Spur einer zweiten unmittelbar unter der Naht.
20. Cathaica gansuica Mlldff.
Taf. J, Fig. 10—12.
(Möllendorff, »Annuaire....« 1899, p. 112, t. 7, fig. 10.)
Fundorte:
a) »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Umgegend
des Dorfes Schy-pa, Süd-Kansu«.
b) »Löß des Thales Pei-shui-kiang bei der Stadt Kje-tschou, Süd-Kansu.«
Die vorliegenden Exemplare sind relativ höher gebaut als die Originale Möllendorff's; sie messen,
biohesdesı Gehäuses rer 9269| 92.82] 72.0
Große Breite des Gehäuses. . . |9-9 Ser || Bra
Kleine » > » u (8:6 Sch 8330| 927
Höhe der’Mündungs 222 272°212-028-0)2 23:72 Fr 4200 ES)
Breite » » ESEL R SA Bu2
Löß-Ex. recent. Ex.
Die übrigen Merkmale stimmen gut zur C. gansuica Mlldff.
Obrutschews Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 25
21. Cathaica pulveratricula (Marts.)
(Möllendorff, »Annuaire...<1899, p. 113.)
Fundorte:
a) »Alte Ablagerungen im Thale des Flusses Schara-ussun unweit der Missionstation Hsia-tschao,
Süd-Ordos.«
b) »Neuere Anschwemmungen des Flusses Lao-hö in Ost-Kansu.»
c) »Ältester Löß des Plateau beim Dorfe Lüe-lu, Ost-Kansu.«
22. Cathaica przewalskii (Marts.).
(Syn. [Helix mencii Hilb. & buddhae Hilb.] vide Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 119.)
Unter diesem Namen seien die Löß-Exemplare von den folgenden 2 Localitäten angeführt.
a) »Thal des Flusses Tao-hö unterhalb der Stadt Ming-tschou, Süd-Kansu.« — 2 Exemplare.
Das größ@fe, flachere Exemplar misst 17:5 mm in der Breite des Gehäuses und 74 mm in dessen
Höhe, das kleinere etwas erhaben gebaute 17°0, resp. 76mm. Die Mündungsbreite und Mündungs-
höhe messen bei diesem 8:0 und 6:0, bei jenem 9:0 und 6°4 mm; nach dem zum Vergleiche heran-
gezogenen Materiale des Nationalmuseums in Budapest musste ich die beiden Stücke für kleine
Schalen von H. buddhae Hilb. halten, einer Art, die nunmehr von Möllendorff (l. c.) als Synonym von
przewalskii (Marts.) aufgefasst wird.
b) »Thal des Flusses Tsai-tsa-hö unterhalb der Stadt Donkyr, am Wege nach Hsi-ning-fu, östlicher
Nan-shan, Kan-su.«
Die Maßverhältnisse sind die folgenden:
Hiohesdesı Gehäuses m... 22 Zeile ledusr | 729
Breite » » 72.27 21022528298 11050
Hlohexder Mündune 2.22.2222 752127525.02]
Breite » » a een Erle RS a277
Diese deutlich gebänderten Exemplare stimmen mit Stücken überein, die mit dem Fundortsver-
merk »Panto« und der Bestimmung H. mencii Hilb. im Szechenyi-Materiale des Nationalmuseums
liegen; möglich, dass sie eigentlich als Cathaica przewalskii (Marts.) subsp. gredleri Hilb. aufzufassen
sind (Möllendorff I. c.,, p. 121).
23. Cathaica obrutschewi n. sp.
’ Taf. II, Fig. 10—12.
& Das abgeflachte, aus 5 Umgängen zusammengesetzte Gehäuse ist dickwandig, offen genabelt, in
der Regel fein und regelmäßig quergestreift mit Ausnahme des Embryonalgewindes, das ganz glatt
bleibt, und des letzten Umganges, der diese Querstreifung nur mehr unregelmäßig und besonders auf
der Unterseite obliterirt besitzt. Übrigens lässt die Schlusswindung in der Nähe der Naht auch feinste
Spirallinien erkennen. Die große Mündung ist ohrförmig schief, oben nämlich ein wenig vorgezogen,
und ist mit dicken, zurückgeschlagenen, 2—2!/, mm breiten Rändern ausgestattet, die parietal durch einen
zarten Callus verbunden sind. Der Nabel wird vom Spindelrande kaum verdeckt. Im frischen Zustande
ist ein braunes Band sichtbar, das auf der zweiten Windung beginnend, immer deutlicher und breiter
ird und unmittelbar über der Naht steht, von derselben nur durch einen unbedeutenden Zwischenraum
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 4
26 Rudolf Sturany,
getrennt. Auf der letzten Windung gesellt sich hiezu noch ein medianes gleichfarbiges Band, welches
davon durch die bindenartig hervorleuchtende weiße Grundfarbe getrennt wird.
Eliöhesdes Gehäuses re ve 2 121037029281 16:6
Große Breite des Gehäuses . . | 20:4| 19-2| 14-1
Kleine » » » 3 a1622 01927 a6
Höhe der Mündung . .... 9:.4| 9-0) 66
Länge » > ee rt
Breite » ae ee zz
Fundort: »Auf den Felsen des Alashan-Gebirges auf dem Wege von Ning-hsia in Kan-su nach
Fu-ma-fu in Ala-shan.«
Wie schon ein flüchtiger Blick auf die Tabelle der Maßverhältnisse lehrt, liegen 2 im Ausmaße
ziemlich gleiche und ein bedeutend kleineres Exemplar vor. Nur dieses letztere besitzt die in die
Diagnose aufgenommenen Binden; es ist außerdem noch durch einen oben und unten deutlichen quer-
gestreiften letzten Umgang, durch den fast gänzlichen Mangel eines die Mundränder verbindenden
Callus und durch eine mikroskopische Pünktchen-Seulptur auf den Embryonalwindungen von den beiden
großen, ausgebleichten Exemplaren unterschieden. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass man alle 3 unter
einem Artnamen zusammenfassen kann und noch Zwischenstufen finden wird.
24. Cathaica perversa n. sp.
Taf. I, Fig. 7—9.
Das linksgewundene, wenig erhabene Gehäuse besitzt 6 Umgänge, welche mit Ausnahme des
Embryonalgewindes unregelmäßig und wenig kräftig quergestreift sind. Auf dem letzten Umgange ist
ein im frischen Zustande wahrscheinlich lebhaft braun gefärbtes Band bemerkbar. Die Mündung ist
ohrförmig bis rund, oben vorgezogen und besitzt scharfkantige, jedoch innen verdickte (lippige) Ränder,
die breit aus-, aber nicht umgeschlagen sind, parietal durch einen starken Callus verbunden werden
und basal einen zahnartigen Höcker tragen. Der Spindelrand ist nach links ausgeschlagen und bedeckt
kaum den Nabel, der mittelmäßig breit ist und nur den vorletzten Umgang noch deutlich hervorsehen
lässt. Auf dem letzten Umgange ist auch eine geringe Neigung zur Kielanlage erkennbar.
Die Breite der Schale beträgt 125 mm (gr. Dm. 12:5, kl. Dm. 10:5 mm), die Höhe 7:5 mın;
die Mündung ist 6'O0 mm breit, 42 mm hoch und 6:0 mm lang.
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des
Dorfes Ku-tü-pa, Süd-Kansu.«
Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass wir es hier mit einer Form zu thun haben,
die mit ©. gansnica Mlldff. (p. 8) nächstverwandt ist, gleichsam eine linksgewundene Schale derselben
vorstellt.
25. Platypetasus obrutschewi n. sp.
Taf. II, Fig. 32—34.
Das zarte, scheibenförmige Gehäuse besteht aus 5—6 Windungen, von denen die 2 das Embryonal-
sgewinde vorstellenden Umgänge punktirt, die übrigen mit starken, bogig verlaufenden Querrippchen
ausgestattet sind. Die Naht ist durch einen vortretehden Kiellappen ausgezeichnet, der, äußerst zart in
seiner Beschaffenheit, meist verletzt oder gebrochen ist; die letzte Windung ist dementsprechend mit
einem freien, häutig vortretenden Kiel versehen, über welche die obenerwähnte Querrippung hinüber-
ER
u ——
F
SI
Obrutschews Mollusken-Ausbente aus Hochasien. :
1
greift. Die Basis der Schale ist wenig convex gebaut, mitunter sogar concav; hier sind die Quer-,
resp. Radialrippen enger aneinander gerückt. Der Nabel ist weit und offen, so dass sich die einzelnen
Umgänge auch hier abzählen lassen. Die Mündung scheint scharfrandig zu sein, ist zufolge der zarten
Schalenconsistenz selten gut erhalten; ein zarter, die Mundränder verbindender Callus ist vorhanden.
Der Unterrand der Mündung ist bauchig geschwungen und bildet mit dem Außenrande einen
- spitzen Winkel.
Die Farbe des Gehäuses ist braun, diejenige des Kiellappens hellgelb.
| Breite des Gehäuses . . . . . | 21°0| 20-5| 21 °2| 170
Höhe » » zen ra 26 FA]
Breite. der Mündung . ... . 9:0| 10:0 ? 7-6
| Höhe » » Bene, eo 3:0 77.30
| Länge » > ? 6-5 ? 4-5 mm
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd®Kansu.«
Diese in der Gestalt an H. tectum sinense Marts. und AH. zenonis Grdlr. erinnernde Schnecke
ist nächstverwandt der jüngst von Möllendorff publicirten Platypetasus causins (»Annuaire...«‘1899,
B129, 1.8, fig: 1).
26. Buliminopsis buliminus (Hde) subsp. strigata MIldf.
Taf. II, Fig. 16—18.
(Möllendorff, »Annuaire,..«1899, p. 134, t. 8, fig. 13.)
Unter diesem Namen vereinige ich einige an Hilber’s »Buliminopsis (Chondrula) quangjuönensis«
gemahnende Formen, welche von den folgenden 3 Localitäten vorliegen:
a) »Thal des Flusses Hsia-ho im Tsin-ling-shan-Gebirge südlich von der Stadt Hui-hsien an der
Grenze von Kansu und Schensi.«
b) »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Umgegend
des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu.«
c) »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes Ku-tü-pa,
Süd-Kansu.«
| 27. Buliminopsis subeylindrica Mlldff.
| Taf. IL, Fig. 1-6,
| (Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 136, t. 8, fig. 12.)
Diese Art liegt mir recent und aus dem Löß vor. Sie wurde von Obrutschew gefunden:
a) »An Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Um-
gegend des Dorfes Schy-pa, Süd-Kansu.«
b) »Im Löß des Thales Pei-shui-kiang bei der Stadt Kje-tschou, Süd-Kansu.«
Die recenten Exemplare messen 13— 15:7 mm in der Gehäuselänge, 6°4—7 O mm in der Gehäuse-
breite, 4+5—5°5 in der Mündungshöhe, 4:0—4'3 in der Mündungsbreite. Die Anzahl der Windungen
scheint bis 9 wachsen zu können. Die Mündung trägt im Innern einen Wulst, der im Nacken gelb
oder weiß durchschimmert. Bei dem Löß-Exemplare, welches 15 mm lang, 8 mm breit ist und eine
Mündung von 5:4!/, mm besitzt, ist dieser Wulst zu einer solchen Dicke angewachsen, dass eine
Ausbuchtung der Schale entsteht (Fig. 1, 2).
48
28 Rudolf Sturany,
28. Buliminopsis (Stenogyropsis) potanini Mlldff.
Taf. II, Fig. 13—15.
(Möllendorff, »Annuaire...« 1899, p. 139, t. 8, fig. 9.)
Diese prächtige, schon von Möllendorff (l. ce.) entsprechend gewürdigte und in eine eigene
Section gestellte Schnecke liegt sowohl recent wie aus dem Löß vor.
Herr Obrutschew hat sie zusammen mit der vorhergehenden Art gesammelt:
a) »An Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Umgegend
des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu.«
b) »Im Löß des Thales Pei-shui-kiang bei der Stadt Kje-tschou, Süd-Kansu« (vereinzelt).
29. ? Satsuma kutupaänsis n. Sp.
Taf. II, Fig. 29— 31.
Das Gehäuse ist ziemlich festschalig und kegelförmig aufgebaut, wobei die Basis ziemlich breit,
das Gewinde nicht sehr hoch zu nennen ist. Von den 7 Umgängen sind die das Embryonalgewinde
bildenden glatt, die übrigen fein quergestreift; auf der Unterseite der Schlusswindung verschwindet die
Querstreifung wieder. Die Mündung ist oben etwas vorgezogen und besitzt an den Rändern eine ziem-
lich breit ausgeschlagene Lippe. Die scharfen Ränder sind durch einen dünnen Callus verbunden, der
Spindelrand ist breit nach links gelegt und verdeckt zur Hälfte den engen, tiefen Nabel; am Basalrande
steht, und zwar nach innen gerückt, ein zahnartiges Höckerchen. Rechts im Gaumen ist eine starke
weiße Verdickung zu erkennen, die ebenso wie jenes Basalhöckerchen nach außen als weißer Fleck
durchschimmert.
Höhe des Gehäuses .. . =1062.1°1624
Große Breite des Gehäuses . . | 7:3 | 7:5
Kleine » » » orale Mojeraı
Hohe der Mündung 7.2 272325 3:7
Länge » » a ce Male Ola| re)
Breite » » a TO) 777
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd-Ransu.«
Zu vergleichen ist diese interessante und — so lange das Thier nicht bekannt ist — systematisch
unklare Form mit Helix ternaria Hde. (»Notes Moll. terr. vall. fleuve bleu«, p. 145, t. 37, fig. 15, 15a),
ferner mit A. loczyi Hilb. (»Sitzgsber....«1882, p. 329, t. 1, fig. 4); in der Gestalt erinnert sie entfernt
auch an die europäische edentula Drap. oder zmidentata Drap.
Herr Dr. v. Möllendorff erklärte sie, nachdem er meine Abbildung besichtigt hatte, brieflich für
»Satsııma oder Buliminopsis«.
30. Buliminus schypaänsis n. sp.
Taf. III, Fig. 11-18.
Das Gehäuse ist festschalig, kegelig thurmförmig und besteht aus 7'/,—8 schwach gewölbten
Umgängen. Das Embryonalgewinde (2 Umgänge) ist glatt und einfarbig braun. Vom 3. Umgange an
sind ganz schwache, schiefe Anwachsstreifen sichtbar und wechseln milchweiße und kastanienbraune
Obrutschews Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 29
- Querstriemen ab, die in unregelmäßigen Distanzen von einander, also in unregelmäßiger Breite auf-
treten. Der Nabel ist schief geritzt und frei, wird aber in mäßiger Entfernung vom Spindelrande über-
deckt, so dass er nicht sichtbar ist, wenn man das Gehäuse von vorne betrachtet... Die Mündung ist
oval, weiß gerandet, innen braun; die Striemen der Außenseite scheinen im Gaumen in einer Weise
durch, die an die Verhältnisse bei D. dalailamae Hilb. erinnert; die Mundränder sind verbreitert, aber
nicht umgeschlagen und sind an der Wand durch einen schwachen Callus verbunden, der nächst der
- Einlenkung des Außenrandes ein schwaches, mehr oder minder dunkles Höckerchen trägt.
Die Maße wechseln wie folgt:
koher desı@ehausess 2 LIENLSESIHLEE2| 19-4 176 18:0) 16°6| 19-2
Breite » » BAT SEO Zadar zoo ze
EHloner der -Mündungzr 2 30: Se ae ee, a el re 72o]l Tees
Breite » » Be Ws a) LE) 7| 08°5| 4:9 5-2 mm
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Umgegend des"Dorfes Schy-pa, Süd-Kansu.«
Verwandt zu dieser neuen Art sind BD. fuchsianns Hde. (»Notes Moll. terr. vall. leuve bleu«, p. 53,
pl. 20, fig. 21), D. imbricatus Hde. major (ibid., p. 149) und D. rufistrigatus Bs.
Übrigens müssen auch B. dalailamae Hilb. (Sitzgsber....1883, p. 1364, t. 5, fig. 8) und B. mou-
piniensis Desh. (»Nouv. Arch....« 1870, p. 24 und 1874, t. 1, fig. 20, 21), zum Vergleiche herange-
zogen werden.
81. Buliminus obrutschewi n. sp.
Taf. II, Fig. 26—28.
Das Embryonalgewinde, aus 2 Umgängen bestehend, ist glatt und hellgelb; die übrigen, wenig
_ convexen Windungen sind schwach und unregelmäßig quergestreift, bei braungelbem oder, besser gesagt,
isabellfarbigem Grundtone von unregelmäßigen schneeig weißen Querstriemen oder Flecken überzogen.
Die Naht ist auffallend weiß.
Nach den ersten 4 oder 5 Windungen gewinnt das Gehäuse eine auffallende Verbreiterung, die
dann bis zur Mündung sich ungefähr gleichbleibt, so dass die Gesammtform des Gehäuses von einem
kurzen Kegel (dem Embryonalgewinde) und einem daran anstoßenden Cylinder bedingt wird. Die
Mündung ist groß, oval, innen gleichfarbig braun und wird von einem breit ausgeschlagenen, aber nicht
umgestülpten weißen Mundsaum begrenzt, dessen Ränder auf der Mündungswand durch einen feinen
Callus verbunden sind.
Der Nabel ist ritzförmig und schließt sich in einer schiefen, langgezogenen Linie gegen den
Spindelrand, der ihn, von oben gesehen, verdeckt.
Höhe des Gehäuses . . .. .| 22:0| 22-8| 21:2| 22-2] 20-6
Breite » » al ee Nele:
| Höhe der Windung 2. . . „1 10-7| 10:5| 10-0) 11:5| 10-2
Breite » » TE NA 8-31 8:11 7:7) S-7) 8-0 mm
|
Unmengen 63%
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Ze un ı u Se
Umgegend des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu.«
Diese Art steht in der Formenreihe der Buliminus-Gruppe ziemlich isoliert.
30 Rudolf Sturany,
32. Buliminus diaprepes n. sp.
Taf. III, Fig. 36.
Aus der Reihe des eben geschilderten B. obrutschewi mihi musste eine leider nur in einem Stücke
vorhandene Form isolirt werden, welche sich vom Typus so weit entfernt, dass sie kaum mehr — wie ich
anfangs zu thun geneigt war — als eine Varietät aufgefasst werden kann, sondern als eigene Art betrachtet
zu werden verdient.
Dieselbe stammt von der gleichen Localität und ist durch die Verlängerung des Gehäuses aus-
gezeichnet, sowie durch einen mehr ausgeglichen kegelförmigen Aufbau desselben; es sind 8!/, Umgänge
zu zählen, das Embryonalgewinde ist glatt, die übrigen Windungen unregelmäßig und schwach quer-
gestreift. Die Mündung ist ebenso gelippt und ihre Ränder sind ebenso durch einen freien Callus ver-
bunden wie bei den typischen Exemplaren, doch ist sie relativ kürzer wie dort. In der Zeichnung
fehlen die Striemen, die Farbe ist mehr haselfarbig (avellaneus) zu nennen und ziemlich gleichmäßig
über die Windungen vertheilt; nur auf der Schlusswindung ist derselben ein violetter Ton beigemengt.
ElöherdesiGehäusest nee. 2904
Breite » » Me ea)
Hlokewdez Münduner rer
Breite » > en el
38. Buliminus teres n. sp.
Taf. II, Fig. 29-31.
Das Gehäuse ist oval-kegelig, festschalig, ritzförmig genabelt; von den 7 Umgängen sind die
das Embryonalgewinde vorstellenden (2'/,) glatt und hellbraun; die übrigen, schwach convexen Umgänge
sind durch eine ziemlich scharfe Naht von einander getrennt, unregelmäßig und grob gestreift, und zwar
schief zur Gehäuseaxe, schmutzig gelbbraun gefärbt und partienweise gewissermaßen schneeig über-
düncht. Die Mündung ist weit nach rechts vorgezogen, fast gleichmäßig rund (kreisförmig) und mit
breitem, schmutzigweißem Rande ausgestattet. Eine zarte Schwiele auf der Wand verbindet die Ränder
und ebendaselbst ist die Andeutung eines Höckers nächst der Einlenkung des Außenrandes zu sehen.
Eiohender Schalen rn a 2 el
Breite » RE 9-4
Höhe der Mündung ee)
Breite » » Re; 6:5 mm
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd-Kansu.«
Durch Einsichtnahme in die Graf Szechenyi’sche Collection im National - Museum zu Buda-
pest bin ich überzeugt worden, dass zwischen der hier aufgestellten neuen Art und B. gredleri Hilb.
(Sitzgsber....1883, p. 1364, t. 5, fig. 7) eine auffallende Ähnlichkeit besteht, wodurch des Weiteren
auch ein Fingerzeig betreffs der systematischen Stellung von BD. obrutschewi mihi gegeben scheint;
denn 2. teres mihi ist trotz der kurzen, gedrungenen Gestalt sicherlich auch mit B. obrutschewi mihi
und deren Varietät verwandt.
Auch B. (Retowskia) schlaeflii Mss. (Kobelwin Conch. Cab. Mart. Chemn. I. 13, N. F,, p. 416,
-
t. 72, fig. 17, 18) von Transkaukasien sei hier in Erinnerung gebracht.
| OÖbrulschews Mollusken- Ausbeute aus Hochasien. ol
34. Buliminus xerampelinus n. sp.
Taf. II, Fig. 32—34.
Das Gehäuse ist festschalig, kegelig thurmförmig und glänzend; es besteht aus 7'/, bis 7'!/, Win-
dungen, die durch eine nicht sehr tiefe, helle Naht getrennt sind. Zwei Umgänge, das Embryonalgewinde
vorstellend, sind hell grünlichgelb und glatt, die übrigen dunkel rothbraun, schwach schief gestreift, kaum
sewölbt. Der letzte Umgang ist mächtig entwickelt und steigt vor der Mündung etwas aufwärts. Die im
Innern einfärbig braune Mündung ist durch einen breiten, jedoch nicht umgeschlagenen Rand aus-
-sezeichnet, der außen scharfkantig, innen aber mehr minder lippig und durch eine bandartige Ver-
- dunkelung sich abgrenzt. Seine Farbe ist hellgelb bis schwach violett. Auf der Mündungswand ist die
| Verbindung der Mundränder durch eine zarte Schwiele markiert, die an der Einlenkung des Spindelrandes
zu einer milchweißen, höckerartigen Verdickung anwächst und eine solche, noch stärkere, auch rechts
bildet, wo sich der äußere Mundrand einlenkt und zahnartig gegenüberstellt, so dass eine kurze, canal-
artige Rinne entsteht. Die Spindel zeigt eine Drehung ähnlich der Anlage einer Spindelfalte.
Der Nabelgist stichförmig und schließt sich rinnenförmig in einer schief nach oben zu gegen den
Spindelrand auslaufenden Linie; der Spindelrand ist in einer Entfernung von I mm über die Nabelregion
vorgezogen, so dass dieselbe bei Betrachtung der Schale von vorne verdeckt erscheint.
"2| 24-0
Höhe des Gehäuses... . . . „| 23.3| 23-1| 23-4) 24
Breite » » ee ker Kr ee alt
Elaherder Munduness 22 12=l 125
Breite » » N Sale 8231028.2| 2877| Soımm
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd-Kansu.«
Die Bildung der Mündung der vorliegenden neuen Art, die zu den interessantesten Formen der
Obrutschew’schen Ausbeute zählt, erinnert an die Verhältnisse, welche der Hilber’sche B.moellendorffi
- (Sitzgsber. 1883, p. 1363, t. 5, fig. 6) zeigt. Eine Verwandtschaft mit dieser Art würde demnach im Sinne
Hilber’s (l. c.) auch auf diejenige mit B. cantori Phil. deuten und in die Gruppe Napaeus (Ena) weisen,
oder, wenn wir Ancey! folgen wollen, die Reihe moellendorffi, anceyi, belae, prostomus, vervollständigen,
die dem Formenkreise von syriacus parallel laufen soll.
Mit 5. lZabiosus Mlir. aus Arabien besitzt die neue Art die Gestalt und Mundrandbildung gemeinsam.
35. Buliminus xerampelinus var. thryptica m.
Taf. III, Fig. 35.
Ein Exemplar von 212 mm Höhe und kaum I1 mm Breite, dessen Mündung 104: 7°6 mm misst,
- weicht von den eben erörterten Exemplaren, mit denen es zusammen an einer Localität gefunden wurde,
durch ein etwas bauchigeres Gewinde ab, wodurch eine gewisse Ähnlichkeit mit B. obrutschewi mihi
entsteht; ferner ist die Anlage zur Columellarfaltenbildung nicht so ausgeprägt und die Farbe nicht so
dunkel, sondern mehr gelbbraun gerathen.
Die angedeutete Verwandtschaft mit B. obruischewi ist für die hier beschriebene und die folgende,
daran sich unmittelbar anschließende Art nicht ganz von der Hand zu weisen.
1 Bull. Soc. Mal. Fr. IT, p. 118/9.
32 Rudolf Sturany,
36. Buliminus commenasalis n. sp.
Taf. III, Fig. 37—39.
Das Gehäuse ist starkschalig, gleichmäßig thurmförmig, glänzend. Von den 7!/,—7!,, schwach
gewölbten, durch eine helle Naht getrennten Umgängen sind die Embryonalwindungen hellgelb und glatt,
die übrigen dunkel kirschroth in der Farbe, fein und schief quer gestreift in der Sculptur. Die Mündung
ist fast kreisrund und breit gelippt; ihre Mundränder sind nicht umgeschlagen, nähern sich auf der
Mündungswand einander ganz bedeutend und sind factisch durch einen schmalen, feinen Callus ver-
bunden, der dieselben milchweißen Höckerbildungen zeigt, wie der nächstverwandte D. verampelinus
mihi; die bei letzterem ausgeprägte canalförmige Rinne zwischen Außenrand und rechtem Parietalhöcker
fehlt jedoch der vorliegenden Art. Der innere Lippenrand ist abgerundet und entbehrt der dunklen Grenz-
binde, welche B. xerampelinus besitzt.
Der Nabel ist vom Spindelrande weiter entfernt, auch um ein Geringes weiter geöffnet als dort, die
letzte Windung des Gehäuses zieht vor der Mündung weniger stark aufwärts wie dort und ist im Nacken
etwas abgeflacht. Die Spindel zeigt keine Anlage zur Drehung, respective Faltenbildung.
Elöherdesi@ehauseser 7227.75 |729:01525:01726=1.25:0
Breite » > Der elle 9
Hloherdena Mündung 272227735424 51025710201 72950
Breite » » re BER 87 8:0| 8:0 71mm
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tu-pa, Süd-Kansu.«
Das an vierter Stelle gemessene Exemplar besitzt eine relativ kleine Mündung und eine kaum auf-
wärts gerichtete letzte Windung, ferner nahezu geschlossene Mundränder. Es gehört gleichwohl zu der
hier fixierten, mit D. xerampelinus mihi nahe verwandten und an gleichen Örtlichkeiten lebenden Art,
deren Unterschiede ven der vorigen schon in der obigen Diagnose besonders hervorgehoben erscheinen.
37. Buliminus ottonis n. sp.
Taf. III, Fig. 23—25.
Das Gehäuse ist ausgeglichen kegelig-thurmförmig, stichförmig genabelt, festschalig, Von den
8—S!/, schwach gewölbten, durch eine ziemlich tief einschneidende Naht getrennten Windungen sind die
das Embryonalgewinde bildenden einfärbig braun, die übrigen jedoch mit lebhafter Striemenzeichnung
ausgestattet: wie bei den echten Zebrinen wechseln nämlich hier in unregelmäßiger Weise helle, milch-
weiße und dunkle, rothbraune Querbänder oder Striemen ab. Die Mündung ist oval, innen gleichfärbig
braun (entsprechend einer gelbbraunen Nackenfärbung), besitzt einen weißen, breit ausgeschlagenen
Rand, der außen scharf, innen lippig sich abgrenzt, auf der Mündungswand einen dünnen Callus, durch
den sich der Rand schließt und aus welchem links sowohl wie insbesonders rechts ein weißer Höcker
hervorsticht; zwischen dem rechts gelegenen Parietalhöcker und dem äußeren Mundrand liegt eine
schmale Rinne.
Höhe des Gehäuses. . . . . .|.24:7| 25'5| 241
Breite » » ee 9201729152950
Elöhe. der Mündunes 727 22777251022] 210-5|71028
Breite » » ER 7:0 6:5 66mm
Obrutschews Mollusken-Ausbeule aus Hochasien. ab
ü Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
- Ku-tü-pa, Süd-Kansu«.
i 38. Buliminus asaphes n. sp.
£ Taf. III, Fig. 21.
02 Das kegelig thurmförmige Gehäuse besteht aus nahezu 11 kaum gewölbten Windungen und trägt
- die Spuren von Zebrinus-Zeichnung, sowie nur unregelmäßige und schwache Anwachsstreifen. An den
_ Embryonalwindungen verläuft unter der Naht eine undeutliche Längsbinde. Die Naht schneidet ziemlich
tief ein. Der Nabel ist ziemlich weit geöffnet und verläuft schief nach oben gegen den Spindelrand, der
% sich in einer Entfernung von circa 2 mm darüber ausbreitet. Die Mündung ist zugespitzt oval, breitrandig,
_ weiß mit bräunlichem Anfluge im Innern; die Ränder sind durch einen derben Callus verbunden,
# zwischen dem rechten Mundrande und der rechten, höckerartig verdickten Partie des Callus liegt ein
"enger Canal. Zwischen dem Spindel und der linken Callus-Partie ist eine schwache Vertiefung, ähnlich
einer Faltenbildung, zu verzeichnen.
Das einzige vorliegende Exemplar ist verblasst und misst 25:5 mm in der Gesammthöhe, 8:6 mm
in der Breite, 9:2 mm in der Mündungshöhe und 6°3 mm in der Mündungsbreite.
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tü-pa, Süd-Kansu«.
39. Buliminus asaphes var. brevior m.
Das Gehäuse dieser Form besteht nur aus 9!/, Umgängen; die Dimensionen sind die folgenden:
Höhe des Gehäuses . . 7 292802328|.23-0
Breite » » ANA SIR See a
‘ Bloneuder Nündunes EU BEI 723206
Breite » » HEN 4] 5°6| 5’Amm
r Nabelbildung, Mündung, Callus, Vertiefung zwischen Spindel und Parietalcallus wie bei der vorher-
gehenden Form. Die Exemplare sind stark verblasst.
E Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Umgegend des Dorfes Schy pa, Süd-Kansu«.
2
ea, u
40. Buliminus amphidoxus n. sp.
Taf. III, Fig. 22.
Das kegelig thurmförmige Gehäuse ist gelbbraun bis dunkelrauchfarbig und besteht aus 8'/, schwach
gewölbten Windungen, von denen die Anfangswindungen glatt, die übrigen schwach und unregelmäßig
quergestreift sind. Die Naht ist seicht und weißfadig. Der Nabel ist stichförmig und wird in einer Ent-
fernung von 1 mm vom Spindelrand überdeckt; die Mündung ist innen braun gefärbt, oval und breitrandig
Die Ränder werden durch eine Schwiele verbunden, aus der rechts ein Höcker hervortritt; zwischen
ee ee ee
diesem und dem rechten Mundrand liegt eine sehr schmale Rinne, zwischen Callus und Spindel anderseits
eine seichte Vertiefung gleich der Anlage einer Faltenbildung. Der Mundrand ist übrigens nicht
umgeschlagen, ist innen dicklippig und röthlichbraun gefärbt, außen scharf und heller gefärbt.
Denkschriften der mathem. naturw. Cl. LXX. Bd. 5
34 Rudolf Sturany,
Klonerdes- Gehäuses 2277 024:211725=0
Breite » » Re h 9.509923
Klonerden Mündung rer OO EI
Breite » » EEE TEEN: 6:4| 65 mm
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tu-pa, Süd-Kansu«.
41. Buliminus interstratus n. sp.
Taf. III, Fig. 20.
Das gleichmäßig kegelige Gehäuse dieser mit D. cantori Phil. verwandten Schnecke besteht aus
7'/, Windungen; das Embryonalgewinde ist milchig weiß und glatt, die übrigen Umgänge gelb bis braun,
gegen die Mündung dünkler werdend. Der Mundrand ist schmutzig weiß im Gegensatze zu dem braunen
Gaumen; parietal liegt ein mäßig stark entwickelter Callus mit einem kleinen Höcker rechts, vom rechten
Mundrand durch einen Canal getrennt; an der Spindel sitzt gegen die Basis zu eine schwache höcker-
artige Falte. Der Nabel ist stichförmig und schließt sich mit einer schief hinauf gegen den Spindelrand
verlaufenden Linie, von diesem in einer Entfernung von 1 mm verdeckt.
Höhe des Gehäuses 19°1 mm, Breite 68 mm; Mündung 7 'O mm hoch und 4'8 mm breit.
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Umgegend des Dorfes Schy-pa, Süd-Kansu«.
42. Buliminus euonymus n. Sp.
Taf. II, Fig. 17—19.
Das Gehäuse ist linksgewunden, kegelig-spindelförmig, hell hornbraun, fettglänzend. Es besteht aus
S1/, Umgängen, die mäßig convex sind und durch eine sehr zart weißfadige Naht getrennt werden, dabei
eine schiefe Querstreifung fast nur in Spuren aufweisen. Der Nabel ist stichförmig und wird vom Spindel-
umschlage überlagert.
Die Mündung ist rund bis ohrförmig, breit ausgeschlagen und dicklippig, innen hornbraun. Die
Mundränder sind reinweiß, an der Mündungswand fast geschlossen und meist nur durch einen kurzen
Callus unterbrochen, der aber unmittelbar am äußeren Mundrand einen ebenfalls reinweißen Höcker trägt
Höhe des Gehäuses. . . . . . | 19-4| 19-3! 18-6| 16°4| 19-4) 19-5
Breite » > A ELENR | Tells an reeil
Höhe der Mundunsz 2 zer r 720102088 |0.16251|2.260, 2720172629
Breite » > RE AN 6x0] 75,37 295221 FAe5l B2al Case
Fundorte: a) »Oberste Schichten des Löß der Berge zwischen den Flüssen Ta-hö und Jun-nin-hö
in Ost-Kansus;
b) »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der Umgegend
des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu«.
Der Fundort 5 hat nur ein unvollständiges (recentes) Exemplar geliefert, der Fundort a Lößexem-
plare und frische Stücke in Anzahl.
Die neue Aıt ist mit D. siehoensis Hilb. verwandt, welche ebenfalls linksgewunden, aber bauchiger
(kürzer und dicker) ist, dürfte mithin in die Nähe von siamensis Redf., funiculus Hde. und alboreflexus
Ancey (? = siehoönsis) gehören. Das Merkmal des Parietalcallus und Parietalhöckers ist kein constantes;
der Mundrand kann vollständig geschlossen und der Parietalhöcker unterdrückt sein.
Obrutschews Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 2»
43. Buliminus szechenyii Bttgr.
(Buliminus (Zebrina) szechenyii Böttger in Hilber, »Sitzgsber...., 1883, p. 1366, t. 5, fig. 10.)
Fundorte: a) »Thal des Flusses Hsia-ho im Tsin-ling-shan-Gebirge südlich von der Stadt Hui-
hsien an der Grenze von Kansu und Schen-sis;
b) »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gelbirge in der Umgegend
des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansus;
c) »Oberste Schichten des Löß der Berge zwischen den Flüssen Ta-hö und Jun-nin-hö in Ost-
Kansu«.
44. Buliminus (Severtzowia) kreitneri Hilb.
(Hilber, Sitzgsber...« 1883, p. 1371, t. 6, fig. 3; Kobeltin Conch. Cab. Mart. Chemn. 1. 13, N. F., p. 557, t. 87, fig. 15— 20.)
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Umgegend des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu«.
-
VEN EEE DEE EDER TERD ERLERNTE PEN >
45. Serina cathaica Grdlr. var. egressa m.
Taf. III, Fig. 14—16.
Ep u
(Vergl. Gredler, XIX. Stück, 1898, p. 11. [t.], fig. 7.)
BETEN
Unter dieser Bezeichnung sei eine Anzahl von Exemplaren erwähnt, die dunkel rothbraun gefärbt
und auch ähnlich gestaltet sind wie S. cathaica Grälr., jedoch etwas mehr Umgänge besitzen und sie an
Größe und Breite übertreffen:
Einige Beispiele von Messungen mögen dies erläutern:
Elenerderschaleren 2 erre 8103 tt] 120
Breite » » (inelusive Mündungsrand) . 32310, 320) 23.002323
Höhe der Mündung. . . ..- .- 32007320 3:00 23-1
Breite » » 2 e 2
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AnzanledesäWindunsene „2... 2 2..| 9% 97, 9/, 10
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tu-pa, Süd-Kansu«.
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|
5
| 46. Pupopsis dissociabilis n. sp.
! Taf. 11, Fig. 19-21.
Das Gehäuse ist tonnenförmig und besitzt 9 Umgänge, welche mit Ausnahme der Embryonal-
windungen fein quergestreift sind. Die relativ kleine Mündung ist kreisförmig; der Mundrand ist breit aus-,
aber nicht umgeschlagen, dicklippig; ein starker Callus verbindet die Mundränder und besitzt rechts einen
Höcker, also anstoßend an den rechten Mundrand, wo ein kleiner Canal gebildet wird. Der stichförmige
Nabel ist nur von der Seite sichtbar, da sich der Spindelrand darüber breitet. An der Parietalwand steht
"unterhalb des erwähnten Höckers eine höckerige, tief ins Innere ragende Falte. Im Gaumen ist ebenfalls
eine Falte zu verzeichnen, und zwar eine sehr starke, welche sich im Nacken des Gehäuses als eine aul-
fallend weiße, mit der Naht parallele Linie über den ganzen letzten Umgang verfolgen lässt. Die Schluss-
windung ist knapp vor der Mündung etwas aufwärts gerichtet.
5*
36 Rudolf Sturany,
Die Höhe des Gehäuses beträgt 9° 1 mm, die Breite 4:1 mm; die Mündung ist 3:O mm hoch und
2:7 mm breit.
Fundort: »Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des Dorfes
Ku-tu-pa, Süd-Ransu«.
47. Pupopsis polystrepta n. sp.
Taf. II, Fig. 7—9.
Das gelblichweiße tonnenförmige Gehäuse besteht aus 9 Windungen, die bis auf das Embryonal-
gewinde feingestreift sind. Die Mündung ist ohrförmig, breitrandig und dicklippig; die Mundränder sind
an der Mündungswand durch einen Callus verbunden, der rechts einen Höcker ausgebildet trägt und
dadurch einen kleinen Canal zwischen diesem und dem rechten Mündungsrande hervorgerufen hat. Ziem-
lich senkrecht und tief unter jenem Höcker liegt an der Mündungswand eine dicke Falte, die ins Gehäuse
hinein verläuft, ferner ist eine ziemlich horizontal gestellte, dicke Columellarfalte vorhanden und eine
starke Gaumenfalte, die sich über die Schlusswindung hinaus als durchschimmernde weiße Linie im
Nacken verfolgen lässt. Der Nabel ist stichförmig, circa 1 mm darüber liegt der Spindelumschlag.
Das Gehäuse ist 8 mm hoch, 3°5 mm breit, die Mündung 2°6 mm hoch und 2:3 mm breit.
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge, in der
Umgegend des Dorfes Schy-pä, Süd-Kansu«.
Von Pnupopsis dissociabilis sowohl wie P. polystrepta liegt nur je ein Exemplar vor. Letztere ist vor
der ersteren hauptsächlich durch den Besitz der Columellarfalte ausgezeichnet.
48. Pupopsis paraplesia n. sp.
Taf. II, Fig. 22— 24.
Das Gehäuse ist tonnenförmig und von lichtbrauner Färbung. Die 8 Umgänge sind schwach gewölbt,
durch eine deutliche Naht getrennt und mit Ausnahme des Embryonalgewindes zart quergestreift. Die runde
bis ovale Mündung besitzt einen dichten breiten Rand, einen Callus auf der Mündungswand sowie einen
Höcker daselbst, dervom äußeren Mündungsrand durch einen engen kurzen Canal getrennt ist.Die Bezahnung
besteht in einer höckerigen, tief hineingerückten Falte an der Mündungswand. in einer starken, median
liegenden Gaumenfalte, die im Nacken als helle Linie über die ganze Schlusswindung zu verfolgen ist, und
in einer starken Columellarfalte. Der stichförmige Nabel wird vom Spindelausschlag überlagert.
Höhe des Gehäuses 105701025
Breite » » DL RE 47| 4:5
Elohe der Mündune2 7702 5% 37) 41
Breite » » ea 3:3) 3:3 mm
Fundort: »Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in der
Umgegend des Dorfes Schy-pa, Süd-Ransu«.
Von Pupopsis polystrepta mihi ist diese Art durch die größeren Dimensionen und die geringere Zahl
von Umgängen unterschieden. Ich bin bei der generischen Benennung der vorliegenden Art und der beiden
vorangegangenen Gredler gefolgt, der für seinen Ähnlich gestalteten und ähnlich bezahnten Dauliminus
pupopsis den Gattungsnamen Prpopsis in Vorschlag bringt (XIX. Stück, 1898, p. 7).
Obrutschews Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 37
49. Opeas schensiense n. Sp.
Taf. II, Fig. 10.
Das thurmförmige,gelblichweiße, mit einem zitzenförmigen Apex ausgestattete Gehäuse besteht aus 7),
gewölbten, zart quergestreiften Umgängen. Es ist 6:4 mm hoch und 2° 1 mm breit, die Mündung 1°8 mm
hoch und 12 mm breit. Der Nabel ist ritzförmig. 3
Fundort: »Löß des linken Ufers des Flusses Tung-hö in Südwest-Schen-si« (1 Exemplar).
Als verwandte Formen sind vielleicht Stenogyra fauveliana Hde (»Notes...«, p. 117, pl. XXX, f. 21)
und S#. filaris Hde (Ibid. p. 56, pl. XVII, f. 27) ins Auge zu fassen.
50. Zua davidia C. F. Ancey.
(Le Natural., 1882.... p. 45.)
Fundort: »Pass Tschung-pu-ssa, Schan-si (Löß)«. (2 Exemplare.)
Die Ancgy'sche Art ist etwas größer, besitzt aber gleich viel Umgänge; ich glaube die vorliegenden
Exemplare dazu zählen zu können.
51. Succinea rubella Hde.
(Heude, Notes Moll. terr. vall. fleuve bleu, p. 80, t. 18, fig. 29.)
Fundort: »Am östlichen Ufer des Sees Kuku-nor im Nan-shan«.
Die vorliegenden, meist gebleichten Exemplare repräsentieren wohl dieselbe Art, die schon Neumayr
mit der Bezeichnung S. oblonga Drap. var. = rubella Hde belegt und für den Kuku-nor publiciert hat.
(Szechenyi-Werk S. 658.)
52. Succinea evoluta Marts.
(Centralas. Moll., p. 30, t. 3, fig. 18.)
Fundort: »Löß des linken Ufers des Flusses Tung-hö in Südwest-Schen-si«.
Es liegen nur einige wenige Exemplare vor, die 3!/, Windungen besitzen und in ihren Dimensionen
etwas hinter denen der Originale zurückstehen.
Hier seien auch einige andere Funde von Succineen kurz erwähnt. Von der Localität »Thal des
Flusses Han-shui-hö, nördlich von Lan-tschou, Kan-su (Löß)«, liegen zwei verschiedene Formen vor; die
eine davon ist wohl zu evoluta Marts zu rechnen, die andere größere (76 mm hohe, 4'3 mm breite, in
der Mündung mit 4:7 mm: 3°1 mm gemessene), welche etwas mehr als drei mäßig convexe Umgänge
besitzt und unregelmäßig und grob quergestreift ist, muss unbestimmt bleiben. In »neueren Anschwem-
- mungen im Thale des Flusses Lao-hö in Ost-Kansu« fand Obrutschew eine Succinea von 66 mm
- Höhe und 4: 1 mm Breite; ihre Mündung ist 4:3 mm hoch und 2'8 mm breit, die drei durch eine ziemlich
tiefe Naht getrennten Umgänge sind ziemlich stark convex geformt, fein und ziemlich unregelmäßig quer-
gestreift. Diese Form ist mit S. altaica Marts (l. c: p. 30, t. 3, f. 17) verwandt und steht ebenso wie die vor-
erwähnte der oblonga Drap. nicht ferne. Mehr zu sagen gestattet das einzige Exemplar wohl nicht.
53. Limnaea ? truncatula Mllr.
| Von dem Fundorte »Alte Ablagerungen des rechten Ufers des Hwang-hö, gegenüber der Missions-
residenz San-tao-hö, Nord-Ordose, liegen einige junge Exemplare vor, die möglicherweise zu L. frum-
catula Mllr. gehören.
38 Rudolf Sturany,
»Neuere Anschwemmungen des Flusses Lao-hö in Ost-Kansu« enthalten Zimnaea-Exemplare mit
kantig abgesetzter, breiter Schlusswindung; dieselben messen in toto 9:3:5° 2 mm, respective 9°1:5° Iamm,
in der Mündung 5°5 :3°7 mm, respective 6°0 : 4 mm und haben 51/,—6 Windungen, welche nur gegen
die Mündung zu eine grobe Streifung zeigen. Sie erinnern an Limnaea truncatula Mllr. var. longula
Parr. (Martens, l.c. p. 41) und stellen nach Herın Clessin, welcher dieselben besichtigte, einen See-Typus
dar, der zwischen Z. trumcatula Mllr. und peregra MliIr. steht.
54. Limnaea lagotis Schr. var. solidior Marts.
(Centralas. Moll., p. 34, t. 4, fig. 6.)
Fundort: »Am östlichen Ufer des Sees Kuku-nor im Nan-shan«.
Es liegen einige wenige, nicht gut erhaltene Exemplare vor, die ich mit der Martens’schen Form
vereinigen zu können glaube; die Schalen besitzen schon in der Jugend einen etwas verdickten Außenrand
der Mündung. Mit der von Martens für den Kuku-nor angeführten Limmaea plicatula Bs. var. fasciolata
Marts. (l. c. p. 38, t. 4, fig. 10) sind sie nicht identisch.
55. Planorbis exarescens n. sp.
Taf. III, Fig. 4—6.
Das Gehäuse ist schwach glänzend, mikroskopisch fein quergestreift im allgemeinen und mit etwas
gröberen Anwachsstreifen auf der letzten Windung vor der Mündung ausgestattet. Es sind gut 4Windungen
vorhanden, die durch eine tiefe Naht getrennt sind und allmählich an Breite zunehmen. Das Embryonal-
gewinde ist eingesenkt, der letzte Umgang mit einer Kielanlage versehen, die Basis ebenfalls etwas concav.
Be ee |
Höhe des Gehäuses . & 156
Gel 125
Breite » » u he Du le ort
5’ Il mm
Fundort: »Alte Ablagerungen des rechten Ufers des Hwang-hö, gegenüber der Missionsresidenz
San-tao-hö, Nord-Ordosse. (Einige gebleichte, nicht völlig erwachsene Exemplare.)
56. Planorbis neumayri n. sp.
Taf. III, Fig. 13.
Das Gehäuse ist glänzend und ziemlich glatt; mikroskopisch betrachtet lassen sich engstehende
Anwachsstreifen erkennen. Das oben concave, unten ziemlich flache Gewinde besteht aus 4 allmählich
anwachsenden Umgängen. Die Breite der Schale beträgt 4°2 nm, die Höhe 15 mm.
Fundort: »Am östlichen Ufer des Sees Kuku-nor im Nan-shan, auf dem Ufersande«.
Diese von der vorigen Art durch das Zurücktreten der Anwachsstreifen und gerundeteren letzten
Umgang verschiedene Form gehört vielleicht in die Gyraulus-Gruppe. Ob dieselbe schon Neumayr
vorgelegen war, als er im Graf Sz&echenyi'schen Reisewerke, p. 658, aus dem Kuku-nor eine » Planorbis
n. sp.« erwähnte, ohne sie zu beschreiben oder abzubilden, bleibt dahingestellt.
57. Paludina quadrata Bs. (= angularis Mllr. f. Mildff.).
(Ann. Mag. Nat. Hist. IX, 1842, p. 487.)
Fundort: »Ufer eines süßen Teiches südlich von der Stadt Tscho-tschou, Tschi-li«.
Obrutschews Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 39
58. Puludina chinensis Gray.
s Fundort: »Thal des Flusses Hsia-ho im Tsin-ling-shan-Gebirge südlich der Stadt Hui-hsien, an der
Grenze von Kansu und Schensi«.
59. Valvata kukunorica n. Sp.
Taf. II, Fig. 7—9.
Das derb gebaute, kegelige Gehäuse besteht aus 4 convexen Windungen, welche durch eine scharf
einschneidende Naht getrennt sind und nur mikroskopisch sichtbare Anwachsstreifen besitzen. Die
Mündung ist ziemlich rundlich und hat einen geschlossenen dicken Rand. Der Nabel ist weit und tief und
_ wird vom Spindelrand kaum überdeckt.
Die Höhe der Schale beträgt 5 mm, die Breite 6 mm, der Mündungsdurchmesser 3° 1 mm.
Fundort: »Am östlichen Ufer des Sees Kuku-nor im Nan-shan, auf dem Ufersande«.
Von V. Pfscinalis, welche von Westerlund für »Thibet« angeführt wird, ist die neue Art durch das
BE FAN
mehr in die Breite gewachsene, also weniger thurmförmig gerathene Gehäuse unterschieden.
60. Corbicula obrutschewi n. sp.
Taf. IV, Fig. 12—16.
Die Muschel ist dick- und festschalig, mäßig gewölbt, stark faltenrippig. Der Wirbel steht vor der
Mitte und hat seine Spitzen eingedreht und einander gegenüber gestellt. Die vom Wirbel abfallenden
Ränder (vorderer und hinterer Oberrand) bilden einen Winkel von circa 90°. Von einer Färbung ist kaum
mehr eine Spur vorhanden; violette bis braune Zonen scheinen außen die Anwachsstreifen zu begleiten
und im Innern ist bloß die Mittelpartie dunkler gefärbt, der Rand hingegen meist ganz weiß. Das Schloss
ist normal (entsprechend dem Genus-Charakter), ebenso die Lunula-Bildung.
| Banee den Muschel? 2.200,21. 37%, 323, 19 18374
Höhe » N ERAHNEN
Dicke » » ee 2 111/,| 12. mm
3
co
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$
Zusammen mit der folgenden Art gefunden (s. d.).
Ks U De Ed 2
61. Corbicula methoria n. sp.
Taf. IV, Fig. 7—11.
Von €. obrutschewi m. durch ein anderes Verhältnis von Länge und Höhe der Schalen (s. u.) unter-
schieden. Die Muschel bildet mit ihren vom Wirbel herabfallenden Rändern (vorderem und hinterem Ober-
rand) einen Winkel, der kleiner als 90° ist. Jüngere Exemplare verrathen vorne die Umgrenzung einer
Area durch eine zarte, vom Wirbel zum Vorderrande verlaufende Rippe.
Bänse der Muschela, 2 2 2.186 30 128
Höhe » » Bes ac ‚3127,08
Dicke » » 2 21,
27 120 19%, 191/,1161/,
BESSERE IZ * 151/,
141/,113'/,|14 11°), mm
191/,118%/,
40 Rudolf Sturany,
Fundort: »Rothe und grüne Thone auf dem linken Ufer des Flusses Kwei-hö unterhalb der Stadt
Tscha-tao, Nord-Tschi-li (Weg von Kalgan nach Peking)«.
C. obrutschewi m. und C. methoria m. sind im Jugenzustand nicht sehr deutlich von einander ver-
schieden, wohl aber, wenn sie erwachsen sind. Die mehr zugespitzte, durch die relativ bedeutende Höhe
ausgezeichnete ©. methoria liegt in größerer Anzahl vor und lässt sich wie die andere (seltenere) mit
einigen Heude’schen Arten zwar vergleichen, aber nicht identificieren. Nachfolgend die recenten Species,
welche mit den vorliegenden einige Ähnlichkeit besitzen, und die Citate für ihre Beschreibung und
Abbildung in Heude »Conch. fluviat....« Bd. X:
C. gravis Hde., pl. IV, fig. 20.
C. gryphaea Hde., pl. V, fig. 28.
C. squalida Hde., pl. VIII, fig. 43.
C. bocourti Morel.
C. petiti Cless.
aff. C. methoria m.
m N
C. bezauriana Hde., pl. 1, fig. 5.
C. aquilina Hde., pl. Il, fig. 12.
C. porcellana Ade., pl. II, fig.17.
C. largilierti (?) Phil, pl. 1, fig. 1.
| C. adunca Hde., pl. 1, fig. 3.
aff. C. obrutschewi m.
Die obige Fundortsangabe, die für die beiden hier kurz beschriebenen Corbicula-Arten sowohl wie
für die im folgenden zu erwähnenden Unio ischiliensis m. gilt, lässt deutlich durchblicken, dass wir es
hier mit fossilen Muscheln zu thun haben. Der Erhaltungszustand insbesondere der Corbiculiden ist
zwar ein so ausgezeichneter, dass ich recente Arten vor mir zu haben glaubte und dieselben der jetzigen
Fauna des Flusses Kwei-hö zuschreiben wollte; aber Herr W. A. Obrutschew klärte mich mit den
folgenden, auch in seinem Reiseberichte des Näheren ausgeführten Bemerkungen auf: »Das Thal Kwei-hö
befindet sich zwischen zwei hohen Gebirgszügen Jen-yan-shan nebst King-wu-shan im Norden und Kun-
tu-shan im Süden; der Kwei-hö ist ein Zufluss des Hung-hö, welcher den Kun-tu-shan in einer tiefen
Schlucht durchbricht; es ist sehr wahrscheinlich, dass, bevor diese Schlucht so tief eingeschnitten wurde,
die aufgestauten Gewässer der beiden Flüsse einen großen See bildeten, welcher weit hinauf in das Thal f
Kwei-hö sich erstreckte und die muschelführenden Thone ablagerte. Wir haben es hier nicht mit Fluss-
anschwemmungen und nicht mit recenten Ablagerungen zu thun, sondern mit Absätzen eines Sees, der
seit langer Zeit nicht mehr existiert, dessen Ablagerungen von Flüssen und Wegen zerschnitten und
denudirt sind und unconcordant vom Löß überlagert werden, ... . . . mit post-tertiären Ablage-
rungen«.
Anschließend an die unter so interessanten Verhältnissen gesammelten fossilen Corbicula-Arten
seien ein paar recente kurz erwähnt, die wegen ihres minder guten Erhaltungszustandes nicht ausführlich
beschrieben werden konnten. Im »Kuku-nor« nämlich scheint eine ziemlich kleine Art zu leben, deren
gebleichte, abgerollte Schalen Herr Obrutschew am östlichen Ufer (auf dem Uferrande) in größerer
Menge zu sammeln Gelegenheit nahm. Diese flachen Schalen sind höchstens 23mm lang und stets etwas
niedriger als lang; der Wirbel ist ziemlich mittelständig und wenig emporgezogen.
Am »sandigen Ufer des Flusses I-shui beim Dorfe Pai-hö-tiön in Tschi-li« fanden sich ein paar
einzelne Schalen einer flachen, in breiten Zwischenräumen gerippten Corbicula, die mit C. pisidioides
Cless. verwandt ist, eventuell mit jungen Exemplaren von €. conica Hde. (l. c. pl. II, fig. 16) zu ver-
gleichen wäre,
Obrutschew's Mollusken- Ausbeute aus Hochasien. +1
62. Unio sculptus Desh.
(Nouv. Arch. Mus. d’hist. nat. [9] 1873, p. 9, pl. 2, fig. 3.)
Fundort: »Ufer eines süßen Teiches südlich von der Stadt Tscho-tschou, Tschi-li« (1 Exemplar).
63. Unio tschiliensis s. Sp.
Taf IV Kig1Z6.
Die Muschel ist langgestreckt, sehr dickschalig und stark gewölbt; nicht bloß in der Wirbelgegend
sondern auch entlang einem angedeuteten Kielstreifen, der, am Wirbel entspringend, gegen den Über-
gangspunkt von Ober- und Hinterrand sich wendet, stehen wellenförmige Fältchen. Der Wirbel kehrt sich
"stark nach innen, wo er etwas abgeflacht erscheint. Die Innenseite ist perlmutterglänzend.
. Länge einer Schale . . . . „| 581/,| 50%/,| 51
Höhe » » 3222028810202,
Dicke » > ae 12 mm
Fundort: »Rothe und grüne Thone auf dem linken Ufer des Flusses Kwei-hö unterhalb der Stadt
Tscha-tao, Nord-Tschi-li (Weg von Kalgan nach Peking)«.
Diese zusammen mit den beiden Corbicula-Arten (s. 0.) gefundene posttertiäre Unio-Art wird wohl
durch die beigegebenen Figuren besser gekennzeichnet als es durch eine noch so detaillierte Beschreibung
geschehen könnte. Sie ist an dem mehrfach erwähnten interessanten Fundorte noch von den Bruchstücken
eines größeren Zweischalers begleitet gewesen, der leider kaum der Gattung nach zu bestimmen ist. Die
8-10 cm langen Schalenfragmente desselben dürften am ehesten einer großen Anodonta angehören.
Übersicht der Obrutschew’schen Ausbeute nach den Localitäten.
(In Klammern ist die Originalnummerierung Obrutschew’s beigefügt.)
1. Nord-Tschi-li; rothe und grüne Thone auf dem linken Ufer des Flusses Kwei-hö unterhalb deı
Stadt Tschao-tao, Weg von Kalgan nach Peking, 25. November 1892 (Posttertiär oder Tertiär. —
Katalog 2, Nr. 365 b).
[2
i Corbicula obrutschewi n. sp.
3 » wmelhoria n. Sp.
= Unio tschiliensis n. Sp.
2. Tschi-li; sandige Ufer des Flusses I-shui beim Dorfe Pai-hö-tien, 5. Jänner 1893 (Recent. —
Katalog 2, Nr. I).
| Corbicula spec.
u
N |
3. Tschi-li; Ufer eines süßen Teiches südlich von der Stadt Tscho-tschou, 5. Jänner 1893
(Recent. — Katalog 2, Nr. Il).
Paludina quadrata Bs.
Unio sculptus Desh.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
42 Rudolf Sturany,
4. Tschi-li; Lößhügel östlich von Tsin-hsin-hsien, 12. Jänner 1893. (Löß. — Katalog 1, Nr. 402 a.) |
Cathaica fasciola (Drap.)
» pulveratrix (Marts.)
992
5. Schan-si; Pass im Löß zwischen Jü-tau-hö und dem Flusse San-yang-hö, 23. Jänner 1893
(Löß. — Katalog 1, Nr. 446 d).
Cathaica orithyia (Marts.)
» pulveratrix (Marts.)
» richthofeni (Marts.)
6. Schan-si; Pass Tschung-pu-ssa, 27. Jänner 1893 (Löß. — Katalog 1, Nr. 479 c).
Metodontia huaiensis (Crosse.)
Zua davidia C.F. Ancey.
7. Süd-Ordos; alte Ablagerungen im Thale des Flusses Schara-ussun unweit der Missionsstation
Hsia-tschao, 8. Februar 1893 (Katalog 1, Nr. 519 2).
Cathaica pulveratrix (Marts.)
» pulveratricula (Marts.)
8. Ala-shan; auf den Felsen des Alashan-Gebirges auf dem Wege von Ning-hsia in Kan-su nach
Fu-ma-fu, 22. bis 2€. Februar 1893 (Recent. — Katalog 1, Nr. III).
Cathaica obrutschewi n. Sp.
9. Kan-su; Thal des Flusses Han-shui-hö, nördlich von Lan-tschou, 1. April 1893 (Löß. — Kata-
log I, Nr. 683 b).
Succinea ? evolula Marts.
» spec.
10. Nan-shan; am östlichen Ufer des Sees Kuku-nor, auf dem Ufersande, 22. Juli 1593 (Katalog 2,
Nr. 1067 a).
Succinea rubella Hde.
Limmaea lagotis Schr. var. solidior Marts.
Planorbis neumayri n. sp.
Valvata kukumorica n. Sp.
Corbicula spec.
11. Kan-su; Thal des Flusses Tsai-tsa-hö, unterhalb der Stadt Donkyr, am Wege nach Hsi-ning-fu,
östlicher Nan-shan, 27. Juli 1893 (Löß. — Katalog 1, Nr. 1095 2).
Cathaica przewalskii (Marts.)
12. Nord-Ordos; alte Ablagerungen des rechten Ufers des Hwang-hö, gegenüber der Missions-
residenz San-tao-hö, 3. December 1893 (Katalog 1, Nr. 1461 ec).
Limnaea ? trımcatula Mllr.
Planorbis exarescens n. Sp.
13. West-Schen-si; geschichteter Löß beim"Dorfe Liu-tio-tze, 26. December 1893 (Löß. — Kata-
log 1, Nr. 1512).
Calhaica pulveratrix (Marts.)
Obrutschew's Mollusken-Ausbente aus Hochasien. 43
14. Ost-Kansu; neuere Anschwemmungen im Thale des Flusses Lao-hö, 28. December 1893
_ (Löß. — Katalog 1, Nr. 1518).
Metodontia huaiensis (Crosse.)
Cathaica pulveratrix (Marts.)
15. Ost-Kansu; neuere Anschwemmungen des Flusses Lao-hö, 29. December 1893 (Katalog
Nr. 1527).
Cathaica pulveratrix (Marts.)
» pulveratricula (Marts.)
Sıccinea spec. (aff. allaica Marts.)
Limnaea spec. (aff. fruncatula Mllr. var. longula Parr.)
16. Ost-Kansu; ältester Löß des Plateau beim Dorfe Lüe-lu, 3. Jänner 1894 (Löß. — Katalog
r. 1542 b).
jok
Metodontia huaiensis (Crosse.)
Cathaica pulveratrix (Marts.)
» pulveratricula (Marts.)
17. Ost-Kansu: Löß des linken Ufers des Pu-ti-hö, 11. Jänner 1894 (Löß. — Katalog
Nr. 1553 D).
jr
Cathaica pulveratrix (Marts.)
15. Südwest-Schen-si; Löß des linken Ufers des Flusses Tung - hö, 21. Jänner 1894 (Löß. —
Katalog 1, Nr. 1605).
Cathaica fasciola (Drap.)
Opeas schensiense n. sp.
Sıccinea evoluta Marts.
19. Grenze von Kan-su und Schen-si; Thal des Flusses Hsia-ho im Tsin-ling-shan-Gebirge süd-
lich von der Stadt Hui-hsien, Jänner 1894 (Recent. — Katalog 1, Nr. IV).
Laeocathaica subsimilis (Desh.)
Buliminopsis buliminus Hde. subsp. strigata Mlldff.
Buliminus szechenyii Bttgr.
Paludina chinensis Gray.
20. Ost-Kansu; oberste Schichten (O—1'/, m tief) des Löß der Berge zwischen den Flüssen
Ta-hö und Jun-nin-hö, 30. Jänner 1894 (Recent und Löß. — Katalog 1, Nr. 1615 2).
Eulota (Acusta) ravida (Bs.) subsp. redfieldi Pfr.
Eulota (Eulotella) similaris Fer.
Cathaica fasciola (Drap.)
Buliminus enonymus n. Sp.
» szechenyii Bttgr.
21. Süd-Kansu; Felsen und Gebüsch des Thales Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan unterhalb des
Dorfes Ku-tu-pa, Jänner 1894 (Recent. — Katalog 1, Nr. V]).
Pleciotropis comata n. Sp.
Stilpnodiscus scassianus Mlldff.
Eulota (Acusta) ravida (Bs.) subsp. ravidula Hde.
Euhadra cyclolabris Mildff.
» eris Mlldff. juv.
Laeocathaica subsimilis (Desh.) juv.
» pewzowi Mildff.
6*
44 ‚ Rudolf Sturany,
Metodontia griphodes n. Sp.
Cathaica perversa n.Sp.
Platypetasus obrutschewi n. Sp.
? Satsuma kutupaönsis n. Sp.
Buliminopsis buliminus Hde. subsp. strigata MIldff.
Buliminus teres n. Sp.
» xerampelinus n.sp. und var. /hryptica n.
» commensalis n. Sp.
» ottonis n.Sp.
asaphes n. Sp.
» amphidoxus n. Sp.
Serina cathaica Grälr. var. egressa n.
Pupopsis dissociabilis n. sp.
22. Süd-Kansu; Felsen des linken Ufers des Flusses Pei-shui-kiang im Tsin-ling-shan-Gebirge in
der Umgegend des Dorfes Schy-pa, 21. Februar 1894 (Recent. — Katalog I, Nr. V).
Stilpnodiscus euphyes n. Sp.
Euhadra cyclolabris Mlldff.
Laeocathaica subsimilis (Desh.)
pewzowi Mlldff.
dityla Mlldff.
Cathaica gansuica Mlldff.
Buliminopsis buliminus Hde. subsp. strigata Mlldff.
subcylindrica Mlldff.
» (Stenogyropsis) potanini Mlldft.
Buliminus schypaönsis n. Sp.
obrutschewi n. Sp.
diaprepes n. Sp.
asaphes n. Sp., var. brevior n.
interstratus n.Sp.
enonymus n.Sp.
szechenyii Bttgr.
» (Severtzowia) kreitneri Hilb.
Pupopsis polystrepta n. Sp.
» paraplesia n.Sp.
23. Süd-Kansu; Löß des Thales Pei-shui-kiang bei der Stadt Kje-tschou, 7. März 1894 (Löß. —
Katalog I, Nr. 1832).
Cathaica gansnica Mlldff.
Buliminopsis subeylindrica MIlAff.
» (Stenogyropsis) potanini Mlldff.
24. Süd-Kansu; Thal des Flusses Tao-hö unterhalb der Stadt Ming-tschou, 14. März 1894
(Löß. — Katalog 1, Nr. 1864 b).
Eulota (Eulotella) stimpsoni Pfr.
Cathaica przewalskii (Marts.)
25. Kan-su; Löß bei dem Dorfe Han-shui-hö nördlich von Lan-tschou, Weg nach Liang-tschou
5. April 1894 (Löß. — Katalog I, Nr. 1922).
’
Cathaica orithyia (Marts.) subsp. confucii Hilb.
Obrutschews Mollusken- Ausbeute aus Hochasien. 45
Literatur.
Formosa« (Proc. Zool. Soc. London 1870, p. 377— 379, pl. XXVI).
Adams Arthur: »On some new Species of Mollusca from the North of China and Japan« (Ann. Mag. Nat. Hist., 3. ser., vol. VIIT,
1861, p. 135— 142).
Ancey C.F.: »Descriptions de Mollusques terrestres nouveaux« (Le Naturaliste, Paris 1881, p. 373— 374).
— »Note sur deux especes-de Pupas (ebenda, p. 407).
— »Coquilles de Chine centrale nouvelles ou peu connues« (Le Naturaliste 1882, p. 44—45).
— »Coquilles Möuvelles ou peu connues« (ebenda, p. 59—60).
— »Mollusques nouveaux ou peu connus« (ebenda p. 119).
— »Sur les Mollusques des parties centrales de l’Asie (Chine et Thibet) recoltes par Mr. l’abbe A. David« (Il Naturalista Siei-
liano II, 1882/3, p. 141— 144, 163—168, 209— 212, 266—270).
— »Nouvelles Contributions Malacologiques, I. »Sur divers Mollusques de 1’Empire Chinois« (Bull. Soc. Mal. de France II, 1885,
|
- Henry: »Descriptions of Ten New Species of Land and Freshwater Shells collected by Robert Swinhoe, Esqu, in China and
|
p. 113—137); VII. »Mollusques nouveaux de l’extröme Orient (Bull. Soc. Mal. de France V, 1888, p. 345—357).
S
— »Mollusques du Haut-Tonkin (Recoltes de M. Villedary« (Le Naturaliste X, 1888, p. 70—72, 83—84, 92—93).
— »Contribution ä la fauna malacologique Indo-Thibetaine« (Ann. Mal. I, p. 381--397).
Benson W.H.: »Mollusea« in Theodore Cantor’s »General Features of Chusan, with remarks on the Flora and Fauna of that
Islands (Ann. Mag. Nat. Hist., vol. IX, 1842, p. 481—493).
— »Descriptions de quatre especes de Pupa« (Journ. de Conch. I, 1850, p. 183—187 und unter dem Titel »Descriptions of four
new Asiatic species of the genus Pupa of Draparnaud« in Ann. Mag. Nat. Hist. (2) IV 1849, p. 125—128).
— »Characters of nine new or imperfecetly described species of Planorbis inhabiting India and Chinas (Ann. Mag. Nat. Hist.
2.ser., V, 1850, p. 348-—352).
— »Descriptions of new Land Shells from St. Helena, Ceylon, and China« (Ann. Mag. Nat. Hist. 2. ser., vol. VII, 1851
p- 262— 266).
»
_ Blanford W.T.: »On the Classification of the Cyclostomacea of Eastern Asia« (Ann. Mag. Nat. Hist. 3. ser., vol. XIII, 1864,
p. 441— 465).
- Boettger ©.: »Neue Clausilie aus Centralchina« (Nachrichtsbl. deutsch. mal. Ges. XIV, 1882, p. 68—69).
— »Zwei neue ostasiatische Clausilien« (Jahrb. d. d. mal. Ges. X, 1883, p. 270— 272. Taf. 8 part.) [vide auch Schmacker)].
Crosse H.: »Diagnoses de Mollusques terrestres nouveaux« (Journ. de Conch. XII, 1864, p. 282-286).
— »Deseription d’une espece nouvelle« (Journ. de Conch. XII, 1864, p. 321—322, pl. XIT, f. 1).
— »Deseriptions de coquilles terrestres nouvelles« (Journ. de Conch. XIV, 1866, p. 53—61, pl. 1).
397, pl. XII).
— »Referat über Heude’s »Notes sur les Mollusques terrestres de la vallde du Fleuve bleu« (Journ. de Conch. XXX, 1882,
p- 134— 137.
— »Deseriptions du nouveau genre Heudeia« (Journ. de Conchyl. XXXII, 1885, p. 43—45).
— »Deseriptions d’especes nouvelles« (Journ. de Conch. XVII, 1869, p. 391
Crosse H. et Debeaux O.: »Diagnoses d’esp£ces nouvelles« (Journ. de Conch. XI, 1863, p. 386 — 387).
— »Description d’especes nouvelles de Shanghai et du nord de la Chine« (Journ. de Conch. XII., 1864, p. 316— 820, pl. XD).
Debeaux Odon: »Note sur les mollusques vivants observes dans le nord de la Chine« (Recueil de mdm. de med., chir. et pharm.
milit. t. VI, 3. ser., 1861, p. 481-—487).
— »Notice sur les Mollusques vivants observes dans le nord de la Chine« (Guerin’s Rev. et Mag. de Zoologie (2) XIV, 1862,
p- 214—222).
»Notice sur Ja Malacologie de quelques points du littoral de l’empire chinois« (Journ, de Conch. XI, 1863, p- 239— 252).
46 Rudolf Sturany,
Deshayes G.P.: »Diagnoses d'especes nouvelles de mollusques terrestres ct fluviatiles de la prineipaute de Moupin, Tibet oriental
envoydes au museum d’histoire naturelle de Paris par M. l’abbe Armand David« (Nouv. arch. du mus. d’hist. nat. de ParisVI,
1870, Bulletin p. 19 — 27).
— »Description de quelques especes de Mollusques nouveaux ou peu connus envoyes de la Chine par M. l’abb& Armand Davids, \
(Nouv. arch. du mus. d’hist. nat. de Paris, IX, 1873, Bulletin p. 1—14, 3 plchs [1. partie] und X, 1874—75, Bulletin p. 83— 100, ' |
1 pl. [2. partie). |
Dohrn Dr. H.: »Über einige centralasiatische Landschnecken« (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. IX, 1882, p. 115—120). t
Fischer P.: »Note sur la Faune conchyliologique terrestre et Nuviatile de l’ile d’Hainan (Chine)« (Journ. de Conch. XXXVII, 1890,
p- 96—110; XXXIX, 1891, p. 221—222 (Suppl.); XL, 1892, p. 313— 315 (2. Suppl.).
— »Catalogue et Distribution Geographique des Mollusques terrestres, fuviatiles et marins d’une partie de l’Indo-Chine (Siam,
——
Laos, Cambodge, Cochinchine, Annam, Tonkin)«, Autun 1891 (Bull. Soc. d’hist. natur. d’Autun, tome IV, p. 87— 276).
Gould A. A.: »Description of Shells collected in the North Pacific Exploring Expedition under Capitains Ringgold and Rodgers«
(Proe. Bost. Soc. Nat. Hist. VI, 1859, p. 422—426).
Gredler V.: »Zur Conchylien-Fauna von China«:
I. Stück (Nachrichtsbl. d. deutsch. malak. Ges. X, 1878, p. 101— 105).
I. » (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. VIII, 1881. p. 10—33, taf. 1).
II. » (Ibid. p. 110—132, taf. 6).
IV. » (Ibid. IX, 1882, p. 33—50).
V. >» (Ibid. XI, 1884, p. 129—161, taf. 3).
VI. » (Arch. f. Naturw., 50. Jahrg, 2. Bd., 1834, p. 257—280, t. 19).
VI. » (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. XII, 1885, p. 219—235, t. 6).
VII. » (Bozen, 1885, Selbstverlag). i
| ——|————
IX. » (Malak. Blätter IX, 1886, p. 1—20).
X. » »2. Übersicht der continentalen chinesischen Binnenschnecken« (Ibid., p. 121— 163).
Xl. » (Ann.k.k. naturhist. Hofmus. Wien, II, 1887, p. 283—290, t. XI). |
XI. » .(Nachrichtsbl. d. deutsch. malak. Ges. XIX 1887, p. 168—178). }
XII. » (Jahrb. d. deutsch. malak. Ges. XIV, 1887, p. 343— 373). t
XIV. » (Nachrichtsbl. d. deutsch. mal. Ges. XXI, 1889, p. 155 — 163). N
XV. >» (Ibid. XXII, 1890, p. 33-41). }
XVI. >» (Ibid. p. 145—153).
XVI. » (Programm des Priv. Obergymn. Franeiscaner, Bozen, 1893, p. 1—24).
XVII. » [Otto Bachmann und Vincenz Gredler] (Ann. k. k. naturhist. Hofmus. Wien IX, 1894, p. 415—429, 27 Fig.
im Text).
XIX. >» (Gymnasialprogramm von Bozen 1898, p. 1—13, 1 Tafel).
— «Übersicht der Binnenschnecken von China« (Malak. Blätter (2) V, 1882, p. 165—187).
Gude G.K.: »Description of Streptaxis paulus, a new species« (Proc. Malac. Soe. London II, 1896/7, p. 23, fig.).
Henderson: »Notes on collecting shells in China« (Nautilus IX, p. 100—101).
Heude R.P.M.: »Conchyliologie fluviatile de la province de Nanking et de la Chine centrale«, Paris (Savy), 1875 ete., (10 Fase,
mit je S Taf.).
— »Notes sur les mollusques terrestres de la vailee du fleuve bleu« (Memoires conceernant l’histoire naturelle de l’empire
Chinois par les peres de la compagnie de Jesus, Chang-hai, II. Cahier, 1882, p. 1—87, pl. XII—XXI; III. Cahier, 1885,
p. 88 - 132, pl. XXII—XXXI; IV. Cahier, 1890, p. 125—18S, pl. XXXIIT—XLIIN).
— »Rectifications de nomenclature« (Journ. de Conch. XXXII, 1884, p. 15—20 und XXXIIL, 1885, p. 42— 43).
— »Diagnoses Molluscorum novorum, in Sinis collectorum« (Journ. de Conch. XXXIV, 1886, p. 208—215, 296—302; XXXVI,
1888, p. 235— 243, 305—309; XXXVII, 1889, p. 40— 50, 225— 229).
Hilber Vincenz: »Recente und im Löß gefundene Landschnecken aus China« (I. Theil, Sitzgsber. Akad. Wissensch. Wien, mathem.
naturw. Classe LXXXVI, I. Abth., 1882, p. 313—352, 3 Tafeln; II. Theil, ebenda, LXXXVIN, 2. Heft, 1883, p. 1349 — 1392,
3 Taf.). Dieselbe Arbeit ist — etwas verändert und ungetheilt — abgedruckt im Reisewerke ‚Wissenschaftliche Ergebnisse der
Reise des Grafen Bela Szechenyi in Ostasien, 1877—S0, II. Band. Die Bearbeitung des gesammelten Materiales.‘, Wien, Hölzel,
1898, p. 583—626, 4 Taf).
MartensE. von: »Bemerkungen zu vorstehender [Möllendorff”s ‚Chinesische Landschnecken‘] Arbeit« (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges.
IL, 1875, p. 126— 135).
— Vorzeigung von »mehreren neuen Arten von Conchylien aus Central-Asien stammend« (Sitzgsber. Ges. nat. Fr. Berlin, 1881,
p- 69).
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Obrutschew’s Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. 47
MartensE. von: »Centralasiatische Land- und Süßwasserschnecken« (Sitzgsber. Ges. nat. Frde. Berlin, 1882, p. 103— 107).
— »Über Landschnecken aus dem Löß« (Sitzgsber. Ges. nat. Frde., 1883, p. 46).
— »Einige centralasiatische Landschnecken« (Sitzgsber. Ges. nat. Frde. Berlin, 1885, p. 17—18).
© Drei centralasiatische Landschnecken« (Malak. Blätter X]. 1864, p. 114—119, Taf. 3 part.).
= »Die preußische Expedition nach Hochasien. Zoologischer Theil, II. Band. Die Landschnecken. Berlin, 1867. 22 Tafeln.
Y (»IV. Chinesische Landschnecken« p. 37 — 57).
—_ »Neue Helix-Arten aus China» (Malak. Blätter, XXI, 1873, p. 67 —69).
= »Vorlage von einigen neuen ostasiatischen Land- und Süßwasser-Conchylien« (Sitzgsber. Ges. naturf. Frde. Berlin, 1875,
p. 2—4).
—_ »Vorzeigung von Landschnecken gus dem chinesischen Löß« (Sitzgsber. Ges. naturf. Frde. Berlin, 1579, p. 73—74).
— »Conchologische Mittheilungen als Fortsetzung der Novitates conchologicae« I, 1881, 101 S., XIX Taf.
— »Über centralasiatische Mollusken«e — 68 Seiten (p. 56—63 und Taf. 5 »Anatomische Untersuchung einiger Arten« von
G. Schacke), 5 Tafeln (Mem. de l’Acad. Imper. des Sciences de St. Petersbourg, VI. serie, t. XXX, Nr. 11, 1882).
‘
Menke K. Th.: »Drei neue Landschnecken« (Malak. Blätter III, 1857, p. 68—69).
Möllendorff O. von: »Diagnosen neuer Arten aus dem Binnenlande von China« (Jahrb. deutsch. malak. Ges. I, 1874, p. 78 — SO).
u »Chinesische Landschnecken« (ebenda, II, 1875, p. 118—-126, Taf. III part.).
—_ »Landschneck@fi der nordchinesischen Provinz Chili« (Ibid. II, 1875, p. 214—220).
_— »Zur Binnenmolluskenfauna von Nordchina« (ibid. VIII, 1881, p. 33—43, Taf. I ex parte).
— »Beiträge zur Molluskenfauna von Südchina« (Ibid. VIII, 1881, p. 302—312).
— »Diagnoses specierum novarum Chinae meridionalis« (Ibid. IX, 1882, p. 179— 1588).
— »Referat über Heude’s »Notes sur les Mollusques terrestres de la vallde du Fleuve Bleu« (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. IX,
1882, p. 196— 202).
— »Diagnosen neuer chinesischer Arten« (Nachrichtsbl. d. deutsch. mal. Ges. XV, 1883, p. 98—101 und XVI, 1884, p. 23—29,
95—97, 169— 174).
— »Sinensia. Bemerkungen zu Herrn V. Gredler's V. Stück zur Conchylienfauna von China« (ebenda XVI, 1884, p. 103— 106).
— »Diagnoses specierum novarum sinensium« (Nachrichtsbl. d. deutsch. mal. Ges. XVII, 1885, p. 161—170 und XX, 1855,
p: 38 —44.
— »Über die Ennea-Arten Chinas« (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. XIV, 1887, p. 22—30).
— »Revision der chinesischen Naniniden« (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. XIV, 1887, p. 31—50).
— »Bemerkungen zu P. Heude’s Notes sur les Mollusques terrestres de la vallee du Fleuve Bleu« (Nachrichtsbl. d. deutsch. mal.
Ges. XXIV, 1892, p. 15—23).
— »Materialien zur Fauna von China« (Jahrb. d. deutsch. mal. Ges. IX, 1882, p. 251—278 (t. 9 & 10), p. 337—356; X, 1883,
p- 228—269, t. 8 part, p. 272—288, t. 10 part., p. 356—383, t. 12; XI, 1884, p. 162—181, 307—390, t. 7—9; XIII, 1886,
p- 156— 210, t. 5—6 und Malak. Blätter (2) X, 1888, p. 132—143, t. 4 part.).
— »Binnen-Mollusken aus Westchina und Centralasien« I (Annuaire du Mus. Zool. de l’acad. imper. d. sc. de St. Petersbourg.
1899, p. 46— 144, t. I— VI.
Morlet L.: »Descriptions d’especes nouvelles provenant de l’Indo-Chine« (Journ. de Conch. XL, 1892, p. 315—329, 3 pls.).
-_— »Diagnoses Molluscorum novorum, in Indo-China collectorum« (Ibid. XXXIX, 1891, p. 25—28).
— »Contributions & la Faune malacologique de l’Indo-Chine« (Ibid. XXXIX, 1891, p. 230— 254, pl. 7).
Neumayr Dr. M.: »Über einige Süßwasserconchylien aus China« (Neues Jahrb. f. Mineral., Geolog. und Paläontol. 1883, 2. Band,
ep. 21-26).
— (f) »Süßwasser-Mollusken« im Reisewerke »Wissenschaftliche Ergebnisse der Reise des Grafen Bela Szechenyi in Ostasien
1877—80, Bd.II. Die Bearbeitung des gesammelten Materiales«. Wien, (Hölzel) 1898, p. 639 — 662, 4 Tafeln.
Pfeiffer L.: »Beschreibung neuer Landschnecken« (Zeitschr. f. Malak. VII, 1850, p. 65—80).
— »Neue chinesische Clausilia« (Ibid. IX, 1852, p. 80).
— Zahlreiche Beschreibungen neuer Arten in den Proc. Zool. Soc. London (XX, 1852, p. 83—87, 185— 138, 144— 147; XXI,
1853, p. 57—61; XXII, 1854, p. 145, 150—152, 286, 299; XXIII, 1855, p. 7”—9; XXIV, 1856, p. 32—36, 324—336,
I 385— 392; XXV, 1857, p. 107—113; XXVII, 1859, p. 23—29, 2 pl.) ferner in den ‚Novitates conchologicae‘ (I, 1854—60,
f III, 1867—1869, IV, 1870— 1876).
Philippi R. A.: »Descriptiones testaceorum quorundam novorum, maxime chinesium« (Zeitschr. f. Malak. 1844 (45) p. 161— 167).
— »Abbildungen und Beschreibungen neuer oder wenig gekannter Conchylien«, II, Bd. 1847, mit 48 Taf,
_ —— »Diagnosen neuer Heliceen« (Zeitschr. f. Malak. IV, 1847, p. 65— 71).
48 Rudolf Sturany, Obrutschew's Mollusken- Ausbeute aus Hochasien.
Pilsbry: »The Newest Species of West Indian Land Shellse und »New and hitherto unfigured Japanese Mollusks« (Proc. Acad.
Philadelphia 1891, p. 456—457 & p. 471—473, pl. 19, £. 9-11).
Reeve L.: »On a new species of Lymnaea from Thibet« (Ann. Mag. Nat. Hist., 2. ser., vol. VII, 1851, p. 331).
SchmackerB. und Boettger O.: »Neue Materialien zur Charakteristik und geographischen Verbreitung chinesischer und japa-
nischer Binnenmollusken« I (Nachrichtsbl. d. deutsch. mal. Ges. XXII, 1890, p. 1—30, 113—136, T. 1 und 2), II, (ibid.
XXI, 1891, p. 145—194, t. 1 und 2).
— »Deseriptions of new chinese Clausiliae« (Proc. Malac. Soc. London I 1894, p. 100—117, t. S and 9 ex parte).
— »Descriptions of some chinese Land-Shells« (Proc. Malac. Soc. London I 1894, p. 169 — 174, t. S and 9 ex parte).
Sykes E.R.: »Descriptions of new Clausiliae from Japan and Yunnan« (Proc. Malac. Soc» London I, 1895, p. 261—263, figs.).
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Meindonka ‚griphodes n. sp. — S. 7 [23].
Laeocathaica dityla Mlldff. — S. 6 [22].
Calhaica perversa n. sp. — 5. 10 [26].
Calhaica gansuica Mlldff. — S. 8 [24].
Plectotropis comata n. sp. — S. 2 [18].
Slilpnodiscus scassianus Mlldff. — S. 3 [19].
Laeocathaica eris MIlAfT. juv.— S.5 [21].
Stilpnodiseus euphyes n. sp.— S. 8 [19].
. Euhadra cyclolabris Mlldff. — S. 4 [20].
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R.Sturany: Obrutschew's Mollusken- Ausbeute aus Hochasien.
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Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw.
Lith. Anst v ThBannwarth Wien.
Classe, Bd. LXX.
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Buliminopsis subeylindrica M\ldff. — S. 11 [27].
Pupopsis polystrepla n.sp. — S. 20 |36].
Calhaica obrulschewi n. sp. — S. 9 [25].
Buliminopsis (Sienogyropsis) polanini Mildff. — S. 12 [28].
Buliminopsis buliminus Hde subsp. strigala Mlldff. — S. 11 [27].
Pupopsis dissociabilis n. sp. — S. 19 [35].
Pupopsis paraplesia n. sp. — S. 20 [36].
Laeocathaica pewzowi Mlldff. — S. 6 [22].
2? Salsııma kulupaönsis np. — Ss. 12 [28].
Plalypelasus obrutscheni n. sp. — S. 10 [26].
R.Sturany: Obrutschew's Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. at
14. =
Lith. Anst’v ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
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23— 25.
26—28.
29—31.
32—34.
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Planorbis neumayri n. sp. — S. 22 [38].
Planorbis exarescens n. sp. — S. 22 [38].
Valvata kukunorica n. sp. — S. 23 [39].
Opeas schensiense n. sp. — S. 21 [37].
Buliminus schypaönsis n. sp. — S. 12 [28].
Serina cathaica Grdlr. var. egressa n. (vergr.). — S. 19 [35].
Buliminus enonymus n. sp. — S. 18 [34].
Buliminus interstratus n. sp. — S. 18 [34].
Buliminus asaphes n. sp. — S. 17 [33].
Buliminus amphidoxus n. sp. — S. 17 [33].
Buliminus otlonis n. sp. — S. 16 [32].
Buliminus obrutschewi n. sp. — S. 13 [29].
Buliminus teres n.sp. — S. 14 [30].
Buliminus xerampelinus n. sp. — S. 15 [31].
Buliminus xerampelinus n. sp., var. Ihryplica n. — S. 15 [31].
Buliminus diaprepes n.sp. — S. 14 [30].
Buliminus commensalis n. sp. — S. 16 [32].
R.Sturany: Obrutschew's Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. Taf.
- 698 8 =-
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Lith. Anst v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
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Tafel IV.
Fig. 1—6. Unio Ischiliensis n sp. — S. 25 [41].
» 7—11. Corbicula melhoria n. sp. — S. 23 (39).
» 12—16. Corbicula obrulschewi n. sp.— S. 23 [39].
R.Sturany: Obrutschew's Mollusken-Ausbeute aus Hochasien. Taf.N.
Lith. Anst.v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd. LXX.
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GEOLOGISCHE ERGEBNISSE EINER REISE DURCH DAS CHANAT
BOKHARA
VON
IE BRECHT vv. KRAFFT,
Mit 5 Tafeln und 4 Textfiguren.
VORGELEGT IN DER SITZUNG VOM 11. JÄNNER 1900.
Dank einer Aufforderung von Seite des Herrn W. Rickmer-Rickmers aus Bremen zur Theilnahme
an einer von ihm ausgerüsteten und geleiteten Expedition nach Bokhara fand ich im Sommer 1898 Gele-
genheit, in diesem bis jetzt geologisch nur wenig bekannten Theile Centralasiens Beobachtungen zu
machen, welche der Mittheilung an die Fachgenossen wert sein dürften,
Ehe ich in die Besprechung der Resultate dieser Reise eintrete, sei es mir gestattet, Herrn Rickmers
meinen wärmsten Dank Öffentlich auszusprechen.
In hohem Maße verpflichtet fühle ich mich Seiner Excellenz, dem russischen Kriegsminister v. Kuro-
patkin, für die Erlaubnis, mich der Rickmers’schen Expedition anschließen zu dürfen. Mein Dank
gebürt ferner dem kaiserlich russischen politischen Agenten in Neu-Bokhara, Herrn Miller, dessen gütige
Förderung der Expedition auch mir zugute kam.
Da anderweitige Verpflichtungen mich verhinderten, die mitgebrachten Materialien selbst zu bear-
beiten, musste ich mehrere Fachgenossen um die Übernahme der Bestimmungen bitten. Die Namen der
Herren, welche sich dieser Aufgabe freundlichst unterzogen haben, sind in dieser Schrift an geeigneter
Stelle genannt.
Vorarbeiten.
Das von mir bereiste Gebiet ist in die bekannte geologische Karte von Turkestan von Romanowski
und Muschketow aus den Jahren 1874— 1880 einbezogen.
An Literatur sind vor allem die »Materialien zur Geologie von Turkestan« von Romanowski zu
erwähnen.
Karpinski hat in den Mittheilungen der kaiserl. russischen mineralogischen Gesellschaft 1833,
sowie in den »Cephalopoden der Artinskstufe« (M&emoires de l’Academie imp. de St. Petersbourg 1890)
einige permocarbonische Ammoniten aus Darwas beschrieben.
In einem Reisebericht von Obrutschew! finden sich Beobachtungen im Serafschangebiete wieder-
gegeben.
1Obrutschew, Vorläuf. Bericht über geol. Beobachtungen in Bokhara und dem Bezirk von Serafschan; Mat. z. Geol. Russl.
1889, XII, S. 167 u. f.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 7
50 ANDERSKENSE,
Nikitin’s »Notes sur les d&pöts jurassiques de [Himalaya et de l’Asie centrale« berichten unter
anderem die Entdeckung von Callovien-Versteinerungen aus der Nähe von Chatak zwischen Kelif und
Derbent, in Sammlungen, welche‘ dem Autor aus dem centralen Bokhara überbracht wurden. (Bulletin du
Comite Ge£ologique, St. Petersbourg, 1889.)
Route,
Herr und Frau Rickmersund ich reisten, von der Hauptstadt des Khanates Bokhara ausgehend, über
Karschi, Baissun, Karatagh und Baljuan in das Gebiet des oberen Juch-Su, wo wir längere Zeit
verweilten. Von hier aus unternahm ich allein eine l4tägige Excursion durch Darwas. Im Herbste kehrte
ich über Karatagh nach Samarkand zurück,
Bokhara—-Gusar.
Von Bokhara bis Gusar führte die Reise durch sandige Steppengegenden, in welchen an manchen
Punkten schön ausgebildete Dünen vom Typus der Barkhane angetroffen werden, wie sie neuerdings
namentlich durch Prof. Waeter aus Transkaspien beschrieben worden sind. Nur da und dort, ssomzaB:
wenige Werst nördlich von Chodscha-Mubarek, tauchen aus der Sandwüste jungtertiäre Kalke in flachen
Antiklinalen auf, den letzten westlichen Ausläufern des Tian-Schan.
Gusar-Derbent.
Etwa 6 Werst östlich von Gusar tritt man in ein Bergland von ca. 600 m relativer Höhe ein, zunächst
aus cretacischen, gefalteten Schichten bestehend, die quer über den Katta-Ura-Darija (NO—SW) streichen
und nach NW und SO einfallen, local auch senkrecht stehen. Unsere Route führte vom Ratta-Ura-Darija
in das Thal eines südlichen Nebenflusses, des Kawansa-Kul. Hier ist die Lagerung nahezu ungestört.
Tengi-Charam liegt in einer flachen Synklinale. Die ungestörten Profile in Kawansa-Kul N. von Tengi-
Charam zeigen an der Basis Sandsteine, darauf mächtige, luckige Breccien, eckige Stücke weißer Kreide
enthaltend, darüber weiße Kreidebänke und Kalke. In der Mulde von Tengi-Charam treten rothe und
grüne sandige Thone auf (Tertiär?).
Ak-Rabat.
”
O. von Tengi-Charam taucht die cretacische Unterlage wieder empor und zeigt in der Schlucht des
unteren Kansai, eines Nebenflusses des Kawansa-Kul, wieder luckige Breccien und weiße Kreide,
letztere vielfach den ersteren zwischengelagert. Dann weitet sich das Thal infolge Auftretens weicherer
Bildungen. O. unterhalb vom PassAk-Rabat, vor Erreichen der Bughsala-Khana (= Ziegenhaus), einer
auch als »Eisernes Thor« bekannten Schlucht, wurden rothe Sandsteine beobachtet, welche in Musch-
ketow’s Karte als Trias gedeutet sind. Das »Eiserne Thor« ist in dunkle Kalke von etwa 20077 Mächtig-
keit eingeschnitten, die als identisch mit einer Kalkmasse zu betrachten sind, welche den Tschul-Dair N
von Baissun zusammensetzt und auf pflanzenführendem, rhätischem Sandstein aufruht (siehe unten S. 4).
Ich vermuthe, dass diese dunklen Kalke es sind, aus denen Nikitin’s Kelloway-Versteinerungen her-
rühren. Hiefür sprechen nicht nur die Lagerungsverhältnisse, indem diese Kalkmasse zwischen Rhät und
Kreide eingeschlossen ist (siehe unten), sondern auch die petrographische Beschreibung der fossil-
führenden Jurakalke bei Nikitin scheint die ausgesprochene Vermuthung zu stützen. Ich habe in der
-Bughsala-Khana zwar Brachiopoden gefunden, jedoch nichts bestimmbares.!
! Prof. Rothpletz schreibt: Die mir zur Bestimmung übergebenen Versteinerungen von Bughsala liegen in einem grauen
Kalkstein, von dem ich einige Stücke erhielt, so dass es mir gelang, eine Terebratel vollständig herauszuarbeiten; alle anderen
Fossilien sind in Bruchstücken erhalten. Es sind Brachiopoden und Bivalven. Von den letzteren ist eine Os/rea mit einiger Wahr-
scheinlichkeit, alles andere aber generisch gar nicht bestimmbar. Die Brachiopodenreste (7 Stück) gehören alle zu Waldheimia und
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. ol
Auf jeden Fall aber ist die Auffassung Muschketow’s, nach welcher die dunklen Kalke der Bugh-
sala-Khana kKrystallinische Kalke des azoischen Systems sein sollen (vergl. die geologische Karte von
Turkestan), als irrig zu bezeichnen.
Die vorerwähnten, .nach Muschketow triasischen, rothen Sandsteine am Östabhange des Passes
Ak-Rabat stellen das Hangende der Kalke der Bughsala-Khana dar und repräsentieren überall in Central-
Bokhara die ältesten Kreideablagerungen.
Hinter Schur-Ob (= Salzwasser), das am Östeingange des »Eisernen Thores« gelegen, folgen bis
Derbent rothe Thone mit mächtigen Salz- und Gypslagern, die im N. an senkrecht stehende, dunkle Kalke,
den Äquivalenten der eben besprochenen Bughsala-Khana, anstoßen. Ohne Frage geht N. von Derbent
eine ungefähr ÖO—W gerichtete Störungslinie durch. Die dunklen Kalke streichen gegen ONO. zum Tschul-
Dair (siehe unten).
Baissun.
Baissun, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt in einem auf drei Seiten von Höhenrücken
umsäumten, gegen S offenen Becken. Im West- und Nordrand des Beckens herrscht südliches Einfallen,
die Ostgrenze „wird durch eine NNO—SSW streichende Antiklinale von Kreide- und Tertiärschichten
gebildet.
Von Baissun unternahm ich zwei Excursionen in das hohe Gebirge, welches nördlich von der Stadt
zum Kalkplateau des Tschul-Dair ansteigt und beobachtete nachstehende Schichtfolge:
Eocän?
8. Mehrere hundert Meter mächtige, rothe, glimmerreiche Sandsteine mit sackförmigen und schalig-
kugeligen Absonderungen.
7. Hellgraue Kalke, geringmächtig, mit undeutlichen Steinkernen.
Kreide.
6. Mergel, mindestens 100 »z mächtig, wechsellagernd mit einigen harten, kalkigen Mergelbänken
und gelblichen Sandsteinen.
Eine Austernbank dieser Abtheilung enthielt nach gütiger Bestimmung des Herrn Prof. G. Böhm
Ostrea vesicnlaris Lamark.
In engster Verbindung mit ersterer Schicht steht ein Mergelkalk mit zahlreichen Exemplaren von
Ostrea baissumensis Böhm.
(Fundort a des Profiles Nr. 1 auf Taf. II.)
Nach Ostrea vesicularis zu schließen repräsentiert diese Abtheilung das Campanien.
5. Splitterige, graue Mergelkalke, muschelig brechend.
4. Serie von weißen Kreideschichten, Kreidebreccien und mehreren Kalkhorizonten von geringer
Mächtigkeit, wechsellagernd mit Mergeln.
(Nicht näher untersucht.)
3. Grellrothe Sandsteine, entsprechend den rothen Sandsteinen vom Pass Ak-Rabat.
wahrscheinlich zu ein und derselben Art. Nur ein Stück ist vollständig erhalten; es hat ein kräftiges Mediansystem, spitzen Schnabel
und scharfe Arealkanten. Die Zugehörigkeit zur Gruppe der W.perforata ist augenscheinlich, aber gleichwohl lässt sie sich mit keiner
der bekannten Arten identificieren. Die Größenverhältnisse ergeben sich aus der Höhe mit 19!/,, der Breite mit 16 und der Dicke mit
114/, mm. Bei einigen Bruchstücken scheint die Dicke noch beträchtlicher gewesen zu sein. Die größte Breite liegt nicht in der Mitte
der Höhe, sondern etwas unterhalb gegen die Stirn zu, was dieser Art ebenso wie die für die Perforala-Gruppe außergewöhnlich
große Dicke das besondere Gepräge gibt. In Calabrien und bei Taormina kommen Formen aus dieser Gruppe vor, die unserer Art
näher stehen als diejenigen der alpinen Gebiete. Besonders ist es W. unciformis Greco aus Calabrien, die sich nur dadurch unter-
scheidet, dass die größte Breite nicht gegen die Stirne zu, sondern in der Mitte der Höhe liegt. Da ähnlich nahestehende Arten aus
anderen Horizonten nicht bekannt sind, so erscheint es mir als höchst wahrscheinlich, dass dieser Kalk von Bughsala-Khana dem
Lias angehört,
22 Av. Rrafft,
Jura?
. Ungefähr 200 m mächtige dunkle Kalke, identisch mit den dunklen Kalken der Bughsala-Khana.
ID
Rhät.
1. Ein Complex von Mergeln und Sandsteinen, die letzteren reich an wohlerhaltenen Pflanzen, welche
nach gütiger Bestimmung des Herrn Dr. F. Krasser in Wien zu Oleandridium tenuinerve Schimper
gehören.
(Fundort 5 des Profiles Nr. I auf Taf. II.)
Tiefere Glieder als Rhät fand ich bei Baissun nicht aufgeschlossen. Aus den Schichten 4—7 obiger
Eintheilung fehlen Versteinerungen aus diesem Profil, spätere Beobachtungen an anderen Stellen brachten
jedoch einige Ergänzungen (siehe pag. 5 und 6).
Ich zweifle nicht, dass auch bei Baissun Versteinerungen zu finden wären. Meine eigenen Beob-
achtungen sind sehr unvollständig, da ich den größten Theil des Profiles nur flüchtig vom Sattel aus
beobachten konnte.
In Profilzeichnung Nr. 1 auf Tafel Il versuchte ich die Tektonik der Höhen von Baissun schematisch
zur Darstellung zu bringen. Der Tschul-Dair ist ein Kalkhochplateau, aus flach gelagerten oder nur
schwach nachN. einfallenden Jurakalken zusammengesetzt. Im Süden ist dasselbe durch eine bedeutende
Verwerfung abgeschnitten und die Unterlage des Jurakalkes aufgeschlossen. Diese Verwerfung ist höchst-
wahrscheinlich die östliche Fortsetzung der Bruchlinie nördlich von Derbent. Südlich der Verwerfung
herrscht bis über Baissun hinaus monoklinales Einfallen nach Süden.
Baissun—Karatagh.
Auf der Route von Sari-Kamisch am O-Rande des Beckens von Baissun nach Mirschadi in dem
breiten Synklinalthale des Surchan-Darija quert man eine breite, NNO—SSW streichende, ungleichseitige
Antiklinale von Kreide- und Tertiärschichten, deren schematischer Querschnitt auf Tafel II, Nr. 8, wieder-
gegeben ist. Diese Antiklinale wird auf beiden Seiten begleitet von W., beziehungsweise O. einfallenden,
rothen Sandsteinen und Mergeln, auf der Ostseite außerdem von Sanden, sandigen Thonen und Con-
glomeraten, welch’ letztere vorwiegend aus Kalkgeröllen mit sporadisch beigemengten krystallinischen
Gesteinen (Graniten etc.) bestehen. Diese Ablagerungen bilden eine auffallende Hügellandschaft, welche
den Surchan-Darija zu beiden Seiten weit nach Norden, bis über Sari-assia hinaus, begleitet. Wie später
gezeigt werden soll, finden diese mit Thonen wechsellagernden Conglomerate in Ost-Bokhara eine noch
bedeutend größere und mächtigere Entwicklung.
Chasret-Sultan-Alpen.
Von Karatagh aus wurde eine Excursion nach Chakim in den Chasret-Sultan-Alpen (Tien-Schan)
unternommen. Die hier beobachtete Schichtfolge zeigt gegenüber derjenigen in Baissun insofern einen
wesentlich anderen Charakter, als Jura und Rhät auf dem Südabhang der Chasret-Sultan-Alpen vollständig
fehlen. Die Kreide, mit dem Gault oder möglicherweise tiefstem Cenoman beginnend, transgrediert über
krystallinisches Gebirge.
Durchschnitt Nr. 10 auf Taf. II ist über die Höhen auf dem rechten Ufer des Karatagh-Darijah gezogen
und schneidet dieses Thal bei Chakimi.
Die stratigraphischen Glieder sind:
Eocän?
7. Rothe Sandsteine, graue Kalke und Mergel.
6. Graue Kalke mit zahlreichen Östreen von schlechter Erhaltung.
9. Mergel und rothe Sandsteine, letztere an der Basis conglomeratisch mit krystallinischen Geröllen
(Kieselschiefer, Quarz, Granit).
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 53
Aus den Mergeln stammt ein wohl erhaltener Ammonit!, den Herr Rickmers etwa eine Stunde
N. von Karatagh fand. Nach gütiger Mittheilung des Herrn Prof. Uhlig steht dieses Stück dem
L#
_ auf, offenbar an Brüchen eingesunken und
- steine der Keide hinaufgeschoben. (Über ein
_ weiter nördlich folgendes Vorkommen von
Acanthoc. Milletianum Orb. sehr nahe und scheint sich nur durch etwas flacheres Gehäuse zu unter-
scheiden.
Ein zweites Exemplar (Bruchstück) eines Ammoniten verdanke ich Herrn Willberg in Karatagh.
‘Der Erhaltung nach dürfte dasselbe aus den rothen Sandsteinen stammen. Die Art ist nach Prof. Unlig
gleichfalls dem Acanthoc. Milletianum nahe verwandt, dürfte aber doch etwas mehr abweichen als das
erste, Beide Stücke weisen auf Gault, möglicher Weise tiefstes Cenoman. Prof. Uhlig meint ganz ähn-
liche Stücke mit dem Erhaltungszustande des zweiten Exemplares in der Abich’'schen Sammlung aus
Daghestan gesehen zu haben. 5 und 6 sind zusammen etwa 400 m mächtig.
Innerhalb des krystallinischen Grundgebirges sind zu unterscheiden:
4. Eine Eruptivmasse, bestehend aus rothem Porphyr, spilitischem Tuff, spilitischem Mandelstein
(Mikrolithengrundmasse mit Chlorit) und Eruptivbreccien, die zusammengesetzt sind aus rothem Porphyr
mit Einsprenglingen von Augit und Feldspath, grünem Labradorporphyr und Diabasporphyrit. Letzterer
scheint jünger zu sein als der rothe Porphyr.
3. Marmor.
2. Rother Granit.
1. Grauer Granit.
Bei Karatagh herrscht S-Einfallen, welches anhält bis ca. 3 Werst nördlich der Stadt. Von da an
liegen die Schichten flach bis Abdu. Die Kalkbänke im Hangenden sind großentheils denudirt, Mergel und
Sandsteine wiegen daher vor und bilden nied- Fig. 1.
rige Höhen von rundlichen Formen. Be -—
Bei Abdu steigt die Kreidedecke über vo v 3730m III] #eiae
a v v v Y
Porphyr an; Denudationsreste von Kreide N
finden sich noch weiter nördlich auf Granit.
Unter den krystallinischen Bildungen scheinen
die Porphyre und Tuffe die jüngsten zu sein.
Ein Marmorzug N. von Abdu, welcher den
Porphyr, gegen S. einfallend, unterteuft, stößt
in einer verticalen Bruchlinie an rothen
Granit, der bei Labi-Dschai unter einer wei-
--] Rother Granit
ER : : '",’,| Grauer Granit
ten, mächtigen Porphyrdecke verschwindet. u i
Zwischen letzterer und einer grauen Granit- IIIIT HYarmorzug
BeseaN. von Chakimi tritt wiederum Kreide 0 092 Nunl. nenn Bruchlinie
gleichzeitig eng zusammengefaltet. Der Por-
phyr ist auf zerknitterte Mergel und Sand-
Kreide nahe dem Mura-Pass siehe unten.)
Das Streichen ist bei Karataghı ONO—
WSW, bei Chakimi NO—SW gerichtet. Der
Kreidezug von Chakimi keilt sich wenige
Werst NO dieser Niederlassung aus.
1 Bisher waren Ammoniten aus den Kreideablagerungen dieser Gegenden nicht bekannt.
4 A.v. Krafft,
Karatagh— Tut-Kani.
Zwischen Karatagh und Tschirtak am Kafirnigan Darija sind zwei niedere Thalwasserscheiden zu
überschreiten, welche eine flache, mit tertiären Ablagerungen und Löß erfüllte, OÖ—W streichende Mulde
in mehrere Abschnitte zerlegen. Die aus den Chasret-Sultan-Alpen herabkommenden Flüsse Chanaka und
Worsob queren dieseSynklinale von N.nach S.; der Kafirnigan Darija folgt ihr nur auf eine kurze Strecke,
Wir haben es hier mit der Fortsetzung der Synklinale des Surchan zu thun. Ihre gebogene Achse
bezeichnet deutlich das für die Ketten im S. des Tian-Schan charakteristische Einbiegen im Streichen
aus O—W in NO—SW.
Auf dem Wege von Tschirtak (860 m) zum Wachsch quert man einen ca. 1600 m hohen Bergzug, der
vorwiegend aus rothen und grauen Sandsteinen zusammengesetzt ist. Anfangs herrscht N-, dann S-Ein-
fallen. Auf dem Südabhange ist senkrechte Schichtenstellung Regel.
Neben Sandsteinen sind geringmächtige Kalke und auf dem Abhange gegen den Wachsch Gypse zu
beobachten. Dieses Schichtensystem scheint tertiären Alters zu sein. Beträchtliche Störungen, welche mit
einer scharfen Biegung des Streichens im Meridian von Faisabad zusammenhängen, erschweren die Klar-
legung der stratigraphischen Verhältnisse. Aus den schematischen Profilen Nr. 4 und 5 auf Tafel II ist die
Lagerung der Kreide- und Tertiärschichten zwischen Norak und Kängurt zu entnehmen, während die
nachstehende Kartenskizze über die ungefähre Verbreitung dieser Bildungen in der Nachbarschaft von
Tut-Kaul Aufschluss gibt.
An der Basis der aus Sandsteinen, Kalken
und Gypsen bestehenden, den Bergzug zwischen
Meridian! von Faisabad, Tschirtak und dem Wachsch zusammensetzenden
Serie liegen nördlich vom Norak flach nach Nord
Norak 620m?
einfallende Kalksteine, die ich als das Äquivalent
des Kreidekalkes von Tut-Kaul auffasse. Der
Wachsch verläuft demnach bei Norak wahrschein-
lich auf einer Bruchlinie. Nahe Norak steht am
Rs
Wachsch ein ca. 40 m mächtiges, S. einfallendes
Steinsalzlager an, welches von Haselgebirge
begleitet wird. Das Salz bildet Säulen von 5—6 ın
Höhe und darüber und wird von Einheimischen
gewonnen. Gleichsinnig mit dem Steinsalz ein-
fallend und dieses bedeckend, folgt nun ein
mächtiger Sandsteincomplex, dem weiter Wachsch
aufwärts, halbwegs Tut-Kaul, Mergel eingeschaltet
sind. Letztere gewinnen sodann die Oberhand,
wechsellagern mit Kalken, und schließlich herrschen
bei Tut-Kaul Kalke vor. In den Mergeln wurden
etwa 3 Werst nördlich Tut-Kaul Bänke angetroffen, die mit Steinkernen erfüllt sind.
An bestimmbaren Formen sind zu erkennen:
Membranipora sp.
Exogyra decussata.
Modiola sp.
Cyprina baldjuanensis G. Böhm.
Nach Erogyra decussata zu schließen, handelt es sich hier wieder um Campanien.
In dem Maße, als man sich Tut-Kaul nähert, wird das S-Einfallen steiler. Die obersten mergeligen
Kalksteinlagen führen auf dem linken Ufer des Wachsch dicht beim Dorfe Tut-Kaul (Fundstelle 5 des
Profiles Nr. 4):
Ann
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 55
Natica (Psendamanra) sogdiana Böhm.
Auf diesen Mergelkalken liegen rothe, lößbedeckte Sandsteine (Eocän?). Gegen O. stoßen dieselben,
wahrscheinlich in einem Bruch, an Östreen führenden Kreidekalken ab, in welche der nach Kängurt
führende Pass Ghuli-Simban eingeschnitten ist. Ihre Lagerung ist die einer Antiklinalenhälfte. An den einen
noch erhaltenen, steil OSO einfallenden Flügel legen sich rothe Sandsteine an, welche weit nach Osten
‚reichen und großentheils von einer mächtigen Lößschichte bedeckt sind.
Die im Vorangehenden mitgetheilten Beobachtungen über Vorkommen von Kreide im centralen
- Bokhara können folgendermaßen zusammengefasst werden:
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass. die untere Kreide zum großen Theile oder vielleicht vollständig
fehlt. Als erwiesen kann dies für den Südabhang der Chasret-Sultan-Alpen gelten, wo die tiefsten, auf
krystallinischer Unterlage stehenden Kreideschichten Ammoniten führen, welche nach Prof. Uhlig auf
Gault oder Cenoman hindeuten.
Im Gebiete von Baissun und Derbent sind zwar unter den, dem Gault oder Cenoman angehörenden,
rothen Sandsteinen ältere rudimentäre Bildungen vorhanden, es liegt jedoch keine Berechtigung vor, die-
selben der unteren Kreide zuzutheilen, vielmehr dürfen, wie oben auseinandergesetzt wurde, die dunkel-
- grauen Kalke d@& Tschul-Dair und der Bughsala-Khana für jurassisch angesprochen werden.
Ist demnach auf Grund der vorliegenden Daten ein ganzes oder theilweises Fehlen der unteren
Kreide zu supponieren, so sprechen verschiedene Momente dafür, dass die obere Kreide vollständig ent-
wickelt ist. Zwar sind die einzelnen Abtheilungen derselben paläontologisch nicht nachgewiesen, doch
wird durch das Vorkommen von Exogyra decussata (Tut-Kaul) und Ostrea vesicularis (Baissun)
wenigstens die Vertretung des Campanien wahrscheinlich gemacht. Da letzteres von den Ammoniten
“führenden Kreidehorizonten durch mehrere hundert Meter mächtige, conform gelagerte Kalk- und Mergel-
u 2
schichten getrennt ist, hat man allen Anlass für Central-Bokhara eine ununterbrochene Ablagerungs-
periode zur Zeit der oberen Kreide anzunehmen. Ebenso wie innerhalb der oberen Kreide eine Lücke nicht
wahrnehmbar ist, ist der Übergang aus der Kreide in das Eocän offenbar ein ganz allmählicher. Mangels
von Nummuliten-führenden Schichten ist die obere Grenze der Kreide mit Sicherheit nicht zu ziehen, doch
sind die rothen Sandsteine im Hangenden der Schichten mit Erogyra decussata und Ostrea vesicularis
wohl zweifellos Eocän.
Romanowski unterscheidet (Mat. zur Geologie von Turkestan, I, p. 43) innerhalb der Kreide-
ablagerungen von Turkestan zwei Stufen, eine obere, Ferghana-Etage, bestehend aus Thonen mit Gyps-
einlagerungen und gelblichgrauen Kalksteinen, unter welchen Kieselconglomerate und Puddinge liegen
und eine untere, Syr-Darija-Etage, an der Basis als Sandsteine entwickelt, welche durch sandige, häufig
eisenschüssige Kalksteine mit Rudisten und Lamellibranchiaten überlagert werden. Beide Etagen rechnet
Romanowski zur oberen Kreide. Diese Eintheilung dürfte im Großen und Ganzen auch auf Central-
Bokhara anwendbar sein. In der auf pag. 3 gegebenen, rohen Gliederung der Kreideablagerung von
Baissun dürften Schichtgruppe 3 und Theile von 4 die Syr-Darija-Stufe Rom. repräsentieren, während
Schichtgruppen N 5 und N 6 oben der Ferghana-Stufe Rom. zu entsprechen scheinen. Ostrea vesicularis
Lam. ist aus Turkestan und Bokhara nachgewiesen. Auf jeden Fall haben wir es auch in Bokhara mit
oberer Kreide zu thun.
Oben wurde bereits kurz auf die Umbiegung des Schichtstreichens im Meridian von Faisabad Bezug
genommen und auf die Kartenskizze pag. 6 verwiesen. Wie aus derselben ersichtlich, schließen zwei
Züge von Kreideschichten ein wahrscheinlich eocänes Sandsteingebiet ein. Beide Züge sind doppelt
gebogen (»Schiebungsflexur« von v. Richthofen), die östliche der beiden Umbiegungen erfolgt im
Meridian von Faisabad, in welchem die beiden Züge aus einer NO—SW Richtung ungefähr O—W
abschwenken, die zweite Krümmung liegt etwas weiter W; hier nimmt das Streichen seine alte NO — SW-
Richtung wiederum auf. Der nördliche Zug vollzieht diese doppelte Biegung in schärferer Weise und auf
einem kleineren Raum als der südliche.
56 Arv: Reanje,
Zwischen den beiden geschwungenen Bergzügen breiten sich südlich von Tut-Kaul die rothen,
eocänen Sandsteine bedeutend aus.
Diese Beugung der Schichten äußert ihre Wirkung auf den Verlauf des Wachsch.
Etwa 3 Werst O. von der Niederlassung Tut-Kaul tritt dieser Fluss aus den rothen eocänen Sand-
steinen an die darunter liegenden Kalksteinbänke heran. Die ersten, mergeligen Schichten haben seiner
erodirenden Thätigkeit nachgegeben, eine tiefere, härtere Kalksteinbank jedoch vermochte den Fluss fest-
zuhalten, der Wachsch läuft an ihr bis Tut-Kaul entlang und macht ihre gleichmäßige, nach S convexe
Krümmung mit. Auf mehrere Werst Erstreckung hat daher der Wachsch ganz das Aussehen eines
künstlich regulierten Flusses.
Etwa ein Werst NW von Tut-Kaul tritt die zweite Flexur in Geltung. Auf dem linken Ufer des
Wachsch wenden sich die abgeschnittenen Schichtköpfe der dünnen Mergelkalkbänke, aus dem Flusse
tretend, von diesem ab nach SW, wobei sie, ohne einen Bruch oder eine Knickung zu erleiden, in einer
scharfen Curve gleichmäßig gebogen sind. Der Wachsch, der bis dahin im Streichen geflossen, durchbricht
nun im Knie der Flexur die aufgerichteten Kreidekalke und Mergel und hält sich auf dieser Linie bis er
die Sandsteine erreicht hat. Von da an tritt er etwas nach links aus dieser Linie heraus.
Diese Umbiegung des Wachsch bei Tut-Kaul ist ein schönes Beispiel der Abhängigkeit eines Fluss-
laufes von tektonischen Verhältnissen.
Noch durch einen weiteren Umstand wird die 3 Werst lange Strecke des Wachsch oberhalb Tut-
Kaul bemerkenswert. Auf dem nördlichen Ufer des Flusses beobachtet man 3 deutlich ausgeprägte
Längsstufen im festen Gestein, deren unge-
Wachsch fähre Breite und Höhe aus der folgenden
Skizze zu entnehmen ist.
Messungen konnte ich nicht vornehmen,
a! da mir jedes Mittel fehlte, um den breiten,
10 mu reißenden Strom zu übersetzen. Diese Längs-
— stufen entsprechen deutlich ausgeprägten
Terrassen auf dem linken Ufer des Flusses
etwa 6—10 Werst oberhalb von Tut-Kaul.
Man wird die Entstehung dieser Längs-
stufen zurückzuführen haben auf Vorgänge,
die in der Schlucht zwischen Tut-Kaul und Norak sich abgespielt haben. Das plötzliche Durchbrechen
einer Barriere könnte steileres Gefälle und raschere Erosion im Oberlaufe erzeugt haben, während die
co 15m,
—
Perioden, in welchen die Ausbildung der Längsstufen erfolgte, Zeiträume der Stauung im Unterlaufe zu
bezeichnen scheinen.
Im Nachfolgenden soll nun das in der beigegebenen Kartenskizze dargestellte Gebiet besprochen
werden.
Die Karte ist in der Hauptsache das Ergebnis einer l4tägigen Excursion. Ihre Unvollständigkeit
erklärt sich aus der Kürze der Zeit.
Stratigraphie.
I. Altpaläozoikum.
Entlang dem Pandsch und im Thal des Chumban und dessen Nebenflüssen ist ein aus Eruptiv-
gesteinen und größtentheils krystallinischen Sedimenten bestehendes, sehr wahrscheinlich alt-palä-
ozoisches Gebirge aufgeschlossen.
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 57
An Eruptivgesteinen beobachtete ich Diorite am Chumban und Felsitporphyre mit unregelmäßigen,
durch Kalkspath ausgefüllten Hohlräumen! vom Pandsch Soru Kala-i-Chumb. Serpentine scheinen bei
Dschorf vorzukommen *.
Mehrere der aufgesammelten Gesteinsproben sind Tuffe. Druckschieferige Diabastuffe und grüne
wahrscheinlich aus Diabasmaterial hervorgegangene Schiefer wurden anstehend gefunden bei Sangin und
zwischen Schirgawat und Jogit am Pandsch, kommen jedoch auch an verschiedenen anderen Punkten vor.
Glimmerschiefer, Paraamphibolite und fast reine Turmalinfelsen traf ich bei Kala-i-Chumb. Sehr ver-
reitet, insbesondere zwischen Rabat und dem Chumban, sind Thonschiefer und Phyllite.
Nahe Dschorf und am Kaiwan-Pass treten dünnblättrige, schwach seidenglänzende, sericitische
Schiefer auf. Außerdem sind zu erwähnen grüne, quarzitische Breccien vom O-Abhange des Bianga bei
Nalban und Breccien aus Felsitporphyrtrümmern mit chloritischem Bindemittel vom Pandsch südlich von
Kala-i-Chumb.
Das Alter dieses Gebirgsstockes ist nicht näher zu bestimmen, doch geht schon aus der voran-
gehenden kurzen Beschreibung der Gesteine so viel mit großer Wahrscheinlichkeit hervor, dass es sich
um azoisches Gestein nicht handeln kann, vielmehr ist die Hauptmasse als altpaläozoisch anzusehen.
Eine sehn#schwierige Frage betrifft das stratigraphische Verhältnis dieser vermuthlich altpaläo-
oischen Gesteine zu den hangenden oberkarbonischen Fusulinenkalken. Meine Beobachtungen reichen
leider nicht aus, um diese Frage zu lösen. Das einzige Profil, in welchem ich die Überlagerung der Schicht-
gruppe I durch Fusulinenkalke deutlich beobachtet habe, ist der O-Abhang des Kamaro. In diesem Profile
fallen die altpaläozoischen Gesteine Nach nach W ein, und es hat den Anschein, als ob sie von den Fusu-
linenkalken concordant überlagert würden. Allein die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass diese
‚scheinbare Concordanz in Wirklichkeit eine durch Störungen verwischte Discordanz ist. In einem Gebiete,
y 5 > k n See - -
das so heftige Pressungen erlitten hat, kann eine derartige Frage nur auf dem Wege sorgfältigster Detail-
beobachtung gelöst werden. Immerhin darf mit einiger Berechtigung aus dem scharfen petrographischen
_ Contrast zwischen den beiden Schichtsystemen auf eine bedeutende stratigraphische Lücke geschlossen
werden.
A II. Oberkarbonische Fusulinenkalke.
23 Pandsch.
e Zu beiden Seiten des Pandsch ruhen auf dem altpaläozoischen Gebirge Reste einer ehemaligen
Decke von Fusulinenkalken. Diese Kalke sind vorwiegend dunkelgrau gefärbt, seltener schwarz oder weiß,
die Bänke besitzen bedeutende Dicke. In stark gestörten Gebieten nehmen die Kalke eine schieferige
A > z - - ; :
Struetur an, so im Kamaro W. von Nalban. Den Kalken zwischengelagert scheinen rothe Dolomite vorzu-
kommen, doch habe ich dieselben nur an zwei Stellen aus der Ferne beobachtet (NO Dschorf und bei
Jogit). Die Mächtigkeit dieses Systems dürfte 300 n nicht übersteigen.
An organischen Resten ist aus diesen Kalken nur eine Fusulinenart zu erwähnen, über welche Herr
Dr. E. Schellwien Folgendes mittheilt:
» Fusulina nov. Sp.
Sehr charakteristische, kurze, dicke Form mit unregelmäßiger Spirale. Ähnliche Formen sind in
anderen Gegenden bisher nicht beobachtet«.
II. Jungpaläozoische Tuffe, Tuff-Sandsteine, schwarze Fusulinenkalke etc.
Auf den Fusulinenkalken ruhend und mit diesen durch Übergänge eng verbunden folgt in den Pro-
filen von Darwas eine etwa 400 m mächtige Schichtserie, in welcher grüne Diabastuffe und Diabasgesteine
1 Ähnliche Gesteine beschreibt Romanowski aus Turkestan (Mat. z. Geol. v. Turk., I, p. 14).
2 Nach Angabe der Eingeborenen nördlich vom Pandseh im Gebirge.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 8
1
58 A.v. Krafft,
und Tuffsandsteine vorherrschen, wechsellagernd mit kieseligen Kalken, schwarzen, thonigen Luma-
chellenkalken, grauen Mergelkalken, schwarzen Fusulinenkalken und Thonschiefern.
Die Fusulinenkalk-Zwischenlagen sind an die untere Hälfte dieser Abtheilung gebunden.
Aus dieser Schichtenserie können die folgenden Versteinerungen namhaft gemacht werden:
1. Fusulinen (nach gütiger Mittheilung des Herrn Dr. E. Schellwien).
Schwarze Fusulinenkalke, die als Zwischenlagen der Tuffe auf dem Weg von Wardschudsch nach
Ravnau gefunden wurden, enthielten eine Fusulina, welche wohl zur Gruppe der Fusulina japonica Gmbl.
gehört, von der sie sich jedoch durch die Dicke der Wandungen unterscheidet. Sie ist specifisch nicht
näher zu bestimmen, da die Erhaltung infolge starker Verdrückung sehr ungünstig ist. Möglicherweise ist
diese Form identisch mit der von Romanowski beschriebenen Fusulina Mölleri (Mat. z. Geol. v. Tur-
kestan, III, S. 2, Taf. I, Fig. 1), es ist jedoch unmöglich, den Vergleich durchzuführen, da die Abbildungen
beiRomanowski unbrauchar sind.
Ein Block schwarzen Fusulinenkalkes, beim Aufstieg von Ravnau zum Safed-Ko gefunden und wahr-
scheinlich aus der jungpaläozoischen Serie stammend, enthielt eine zweite Fusulinenart »mit ziemlich
weiter Aufrollung, welche sich einerseits an Fusnlina brevienla Sch wag. (China) anschließt, während sie
anderseits der F. multiseptata Scheilw. (Karnische Alpen) sehr ähnlich wird«.
Herr Dr. Schellwien setzt die Ergebnisse seiner Untersuchungen der von mir aus den oberkar-
bonischen, hellen Fusulinenkalken und aus den schwarzen, jungpaläozoischen Fusulinenkalken mit-
gebrachten Formen in Folgendem zusammen:
»Zu den Fusulinen der Salt-Range ergaben sich gar keine Beziehungen; am ehesten ist eine An-
lehnung an die chinesischen Formen zu constatiren; doch fehlen in den Proben die stratigraphisch so
wichtigen Schwagerinen und die für die höchsten Carbon-, beziehungsweise unteren Permschichten Ost-
Asiens charakteristischen Möllerinen«.
2. ©. von Ravnau, ungefähr in der Mitte der Tuffserie des Kui-Schach, sammelte ich einige Ver-
steinerungen, welche Herr Dr. Bittner im Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt in Wien, 1899,
p- 700 ff. beschrieben hat.
Die häufigste Art dieses Fundpunktes (d auf ProfilNr. 3) ist eine der Myophoria ovala Goldfuß nahe-
stehende Art, Myophoria Darwasana Bittner.!
Außer dieser Myophoria haben die Tuffe des Kui-Schach nur noch wenig andere, schlecht erhaltene
Bivalvenreste geliefert, von denen wohl die auffallendsten aus Steinkernen von langgestreckter Form mit
fast parallelem Schloss- und Pallealrande bestehen. Sie sehen keiner Art so ähnlich als gewissen Formen
von Clidophorus Pallasii Vern. bei Golovkinsky in Mat. f. d. Geol. Russlands, I, Taf. IV, Fig. 9, 1%
Außerdem führt Bittner eine kleine ?Avicula oder Gervillia von wohlerhaltenen Umrissen an, die
lebhaft an Avicula Chidrumensis W aag. oder auch an Gervillia Sedgwickiana King erinnert ,
»Neben diesen und einigen wenigen anderen, noch schwerer deutbaren Bivalv enfragmenten sind in
den Tuffen des Kui-Schach auch vereinzelte Bruchstücke faserschaliger Brachiopoden zu finden, die nicht
einmal generisch bestimmt werden können« (Bittner, p. 702).
3. Als weiterer Fundpunkt verdient der 3870 ın hohe Gipfel des Kui-Schach Erwähnung, den ich von
Ravnau aus bestiegen. Die Schichtfolge des Kui-Schach endet gegen oben mit einem dunklen, zähen,
unter dem Hammer häufig Funken gebenden Kalke, aus dem die Spitze des Berges besteht.
Aus einem Block, den ich von dieser Localität mitnahm, gewann Herr Bittner eine Anzahl von
glatten Brachiopoden der paläozoischen Gattung Martinia, die einer als Martinia Kraffti Bittner
beschriebenen neuen Art angehören. Durch die Constatierung des Vorkommens der genannten Martinia
erscheint nach Bittner das jungpaläozoische Alter der Kalke des Kui- Schach und damit auch das Alter
der unter den Kalken mit Martimia liegenden, Bivalven führenden Tuffe sichergestellt.
I Bittner, 1. c. S. 702.
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 59
An dieser Stelle mögen ferner
e 4. einige Versteinerungen Erwähnung finden, die ich in einem Block auf dem Ost-Abhange des
- Kamaro in 3400 m Höhe am Wege zum Pass Chalat fand. Die Herkunft dieses Blockes ist insoweit
zweifelhaft, als ich nicht entscheiden konnte, ob derselbe aus den Fusulinenkalken der Schichtgruppe II
‚oben oder aus Kalkzwischenlagen der Tuffserie III herrührte. Das Gestein ist ein schieferiger, thoniger,
schwarzer Crinoidenkalk. Über die Versteinerungen theilte Herr Prof. Diener Folgendes mit: Dieselben
gehören zu den Gattungen Productus und Martinia (?), die Erhaltung gestattet jedoch keine specifische
Bestimmung. Unter den Productiden scheinen einige Stücke, soweit deren Erhaltungszustand ein Urtheil
überhaupt zulässt, auf Productus lineatus Waag. hinzudeuten. Das einzige besser erhaltene Fossil
aus diesem Kalk ist eine Gastropodenform, die vielleicht als Zepetopsis aff. Phillipsi de Kon. anzusprechen
sein dürfte.
In der Eingangs citierten Publication von Karpinski sind mehrere permocarbonische Ammoniten
Jeschrieben, welche der russische Reisende Smirnoff in einem kieseligen und etwas thonigen Kalkstein-
‚block »von einem Mazar (Grabhügel) zwischen den Ansiedelungen Nelband und Egid« (recte Nalban und
Jogit) nach Petersburg gebracht hat.
3 Ich bin auf meinen drei Excursionen'! durch das paläozoische Gebiet zwischen dem Pandsch und
_ dem Obi-Ravnau leider diesen Cephalopoden-führenden Schichten nicht begegnet. Wie ich vermuthe,
wären dieselben in der unteren Hälfte der Serie III, in welcher ja auch Fusulinenkalke vorkommen, zu
suchen. Als einziges Anzeichen ihrer Gegenwart in dem bereisten Gebiete fand ich in den alttertiären
Conglomeraten des Safed-Darija ein Rollstück eines braunen Mergelkalkes, »auf welchem der Abdruck der
Externseite eines großen Ammoniten der Gattung Medlicottia oder Propinacoceras erkennbar ist. Das
permocarbonische oder permische Alter dieser Mergelkalke kann auf Grund dieses Fossilfundes als
erwiesen gelten« (Mittheilung des Herrn Prof. Diener).
Aus den im Vorangehenden mitgetheilten Fossilfunden geht so viel mit Bestimmtheit hervor, dass
die Tuff-, Sandstein- und Kalksteinserie, welche als Hangendes der Fusulinenkalke erscheint, jungpalä-
ozoischen Alters ist.
Die Auffindung der Ammoniten-führenden Permo-Carbonschichten in situ, sowie die detaillierte
‚Gliederung dieses Schichtcomplexes muss Anderen vorbehalten bleiben. Die Gegend von Ravnau, ins-
besondere das gute Profil des Kui-Schach dürften stratigraphische Detailstudien in hohem Maße
lohnen. ?
In den Tuffen soll nach Angabe der Eingeborenen von Ravnau etwa 3 Werst südlich von diesem
Orte auf dem rechten Ufer des Obi-Ravnau eine Kupfererzlagerstätte existieren. Die Localität heißt »Darai
Misingaron« = Kupferberg.
Von mehreren Höhen auf dem rechten Ufer des Pandsch konnte ich wahrnehmen, dass Fusulinen-
alke und Tuffe auch in Afghanistan sehr verbreitet sind. Ein derartiges Vorkommen befindet sich nahe
‚dem afghanischen Dorfe Singarb.
Die Schichtfolge in Darwas hat unverkennbare Beziehungen zu derjenigen des Hindu-Kusch. Etwa
Breitegrade südlich des beschriebenen Gebietes zwischen Ak-Robät und Saighän im Hindu-Kusch hat
err C.L. Griesbach ein Profil aufgenommen? das trotz gewisser Verschiedenheiten eine im Wesent-
ichen übeinstimmende Schichtfolge zeigt, insoweit Obercarbon und junges Paläozoikum in Betracht
ommen.
Die genannte Localität liegt im Streichen der Schichten von Darwas, welche sich jedoch im Hindu-
kusch nach SW drehen.
1 Einschließlich von 2 Marschtagen.
2 Der beste Zugang vom Pandsch zum Thal des Obi-Ravnau führt von Jogit über ein Hochplateau gegen W. Die Route über
en Pass Chalat ist durchaus nicht empfehlenswert.
3 Records of the Geological Survey of India XIX, pl. 4, 1886, Field notes from Afghanistan.
g*
60 A. v. Krafft,
Nach Griesbach ist die Schichtfolge des Durchschnittes bei Ak-Robät in absteigender Ordnung wie
folgend:
7. Glimmerhaltige, veränderte Schiefer mit dünnen, anthraeitischen Lagen nahe dem Eingange in
das Saighan Thal, wo die ganze Serie discordant durch Kreidekalke überlagert wird.
6. Glimmerschiefer- und Gneisslager, von zahlreichen Quarzadern durchdrungen.
Hierauf eine Hornblendegranitmasse, an welcher die benachbarten Schichten vollständig zu halb-
metamorphen Gesteinen verändert sind.
ö. Gneisschichten mit Glimmerschiefer.
4. Glimmerhaltige Schiefer mit mehreren dünnen Lagen von anthraeitischer Kohle, theilweise gra-
phitisch.
3. Sehr mächtige, veränderte Schiefer, glimmerhaltig.
2. Grünliche, veränderte Conglomerate.
1. Massiger, dunkler Kalk mit Abdrücken von Brachiopoden.
Diese Detailgliederung zusammenfassend, unterscheidet Griesbach in dem Profile drei Gruppen
nämlich:
3. Eine schiefrige Gruppe mit kohligen Lagen.
2. Conglomerate.
l. Kalk.
Alle die einzelnen Glieder gehen allmählich in einander über, insbesonders ist der massige, dunkle
Kalk auf’s engste verknüpft mit den grünlichen Conglomeraten, mit welchen er theilweise wechsel-
lagert.
Den dunklen Kalk nimmt Griesbach für carbonisch, indem er ihn mit den carbonischen Kalken
identificiert, welche in der Gegend von Herat und in Khorassan entwickelt sind. Ebenso schließt
Griesbach das grünliche Conglomerat in das Carbon ein und bringt dasselbe in Verbindung mit dem
Talchir-Conglomerat der indischen Peninsula.
Die Anthraeitschiefer von Ak-Robät betrachtet Griesbach als »Passage beds« zwischen dem.
Carbon und Perm. Perm und Trias sind in dem genannten Profil nicht aufgeschlossen.
Es liegt nahe, die carbonischen Kalke von Afghanistan mit den obercarbonischen Fusulinenkalken
von Darwas zu parallelisieren. Die obere Grenze dieser marinen Bildungen bezeichnet in beiden Gebieten
einen scharfen Facieswechsel. Dieser Wechsel ist schärfer in Afghanistan infolge des Auftretens von
Conglomeraten, welche in Darwas fehlen. Im Hangenden der Conglomerate herrschen in Afghanistan
küstennahe Bildungen mit Pflanzenresten, marine Einschaltungen sind unbekannt. In Darwas liegt auf
dem Obercarbon eine Serie, in welcher küstennahe Bildungen eine bedeutende Rolle spielen (Sandsteine
und gewisse Tuffe mit Rollstücken), doch sind Pflanzen in diesem Gebiete nicht nachgewiesen. Ander-
seits aber findet man geringmächtige, marine Glieder (Fusulinenkalke, Cephalopodenkalke, Brachiopoden-
kalke) eingeschaltet.
Das Jungpaläozoikum von Darwas ist charakterisiert durch mächtige Tuffablagerungen, für welche
u
ein Analogon in den Durchschnitten des Hindukusch zu fehlen scheint. Griesbach erwähnt allerdings
Granit- und Trap-Intrusionen, die jedoch als post-cretacisch (sie durchbrechen den Kreidekalk) mit den
jungpaläozoischen Diabas-Tuffen von Darwas nicht in Verbindung gebracht werden können. (Es wäre
jedoch denkbar, dass die von Griesbach als »altered shales« bezeichneten Sedimente zum Theile
tuffogenen Ursprungs sind.)
Es zeigt sich demnach, dass das Obercarbon in beiden Gebieten in gleicher Weise — marin — ent-
wickelt ist. Die jungpaläozoischen Bildungen dagegen sind in Afghanistan rein terrigenen Ursprunges,
während weiter im Norden in Darwas ein Ineinandergreifen terrigener mit marinen Sedimenten zu con-
statieren ist. Das kann durchaus nicht überraschen angesichts des Umstandes, dass letzteres Gebiet von
dem indischen Festlande weiter entfernt ist als die Ablagerungsgebiete von Afghanistan.
©
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara.
IV. Untere Trias »Werfener Schiefer«).
Der nächst jüngere stratigraphische Complex besteht ganz vorwiegend aus rothen 400 —600 m
ächtigen Sandsteinen der unteren Trias, welche mit grünen und rothen Thonen, sowie geschichteten
rauen Kalken in Verbindung stehen. Trotzdem ich die triasische Zone in drei Profilen gequert habe,
onnte ich bezüglich der Aufeinanderfolge der einzelnen Glieder zu keinem endgiltigen Resultate kommen,
da fast überall in diesen Schichten bedeutende Störungen platzgegriffen haben. Doch stellen wohl die
Sandsteine das oberste Glied dieses Complexes dar. Wahrscheinlich liegen drei verschiedene Horizonte
on Thonen und zwei Kalkstein-Niveaux vor in nachstehender Aufeinanderfolge:
Sandsteine, 400— 600 ın.
Kalke, mit Thon wechsellagernd, }
200 m.
Rothe und grüne Thone,
BD wor Qi
Graue Kalke, 200 m.
1. Salzführende Thone.
_ Diabastuffe und Diabase. Ba
Nur in demröthen Sandsteinen und in grauen Kalken, die mit ersteren in enger Verbindung stehen,
onnte ich Fossilien finden. Die Thone erschienen fossilleer. Doch hat die mitgebrachte kleine Fauna
erichtet:
‚Die triadischen Gesteine werden repräsentiert durch einen rothen, plattigen Sandstein, der erfüllt ist
von Versteinerungen, größtentheils Lamellibranchiaten im Zustande von Sculptur-Steinkernen und durch
graue Kalkplatten, die mit den rothen Sandsteinen in Verbindung stehen und welche ebenfalls Bivalven
- führen. Beide Gesteine, insbesondere aber das erstgenannte, sind schon lithologisch ganz identisch mit
gewissen weitverbreiteten Gesteinen unserer alpinen Buntsandsteinbildungen oder Werfener Schiefer.
_ Auch die Fauna der rothen Sandsteine aus Bokhara erweist sich als eine typische Fauna des Werfener
_ Schiefers« (l. c., p. 700). »Die Übereinstimmung der Fauna des oberen Werfener Schiefers der Alpen mit
jener von Ravnau in Bokhara ist eine so vollkommene, dass der rothe Myophoriensandstein von
Ravnau mit voller Sicherheit für ein Äquivalent des oberen Werfener Schiefers erklärt werden darf«
El. c, p. 718).
i NW. von Ravnau, nahe der Grenze der alttertiären Gonglomerate (Fundort a des Profiles Nr. 3) fand
ich die rothen Sandsteine erfüllt mit Steinkernen, unter welchen sich nachstehende Formen vorfanden:
Meekoceras (2) caprilense Mojs.
Naticella sp.
Pleurolomaria ? sp.
Myacites (Anodontophora) cfr. fassaensis Wism.
Myophoria ovata Goldf.
Myophoria laevigata Godf.
Pseudomonotis Telleri nov. sp.
» lenuistriata n. Sp.
» ex aff. inaegquicostalae Ben.
» hinnitidea n. Sp.
Die untertriasischen Kalksteine von Darwas führen nur wenige und schlecht erhaltene Versteine-
ngen. Nordwestlich von Ravnau, östlich von dem oben bezeichneten Fundpunkte von Werfener Ver-
steinerungen, erlangte ich aus grauen Kalken, einige Meter von der Grenze zwischen Sandsteinen und
Kalken entfernt, schlecht erhaltene Bivalven. Nach Bittner!liegen neben kleinen, nicht näher bestimm-
1] ern. 27;
62 A. v. Krafft,
baren Bivalven, die zum Theil Aviculiden oder Gervillien, zum Theil myacitenartige Formen sein mögen,
Bruchstücke gewisser gerippter Arten von Pseudomonotis oder Pecten vor. Ein Gesteinsstück ist oolithisch
ausgebildet.
Zwischen Pass Langar und Eligavara im Thale des Obi-Niob fand ich am Wege eine graue Kalk-
platte, deren eine Schichtfläche bedeckt war mit abgewitterten Bivalven der Gattung Pseudomonotis,
Diese Platte dürfte von Kalken stammen, die vom Pass Salsagur nach Süden streichen und Nr. 4 der
obigen Eintheilung der unteren Trias von Darwas repräsentiren dürften.
Außer einer neuen Art Pseudomonotis bokharica Bittner habe ich aus diesen Kalken keine Ver-
steinerungen namhaft zu machen.
V, Alttertiär.
Von der unteren Grenze der Fusulinenkalke bis herauf in die rothen untertriasischen Sandsteine ist
keine stratigraphische Lücke zu bemerken. Umso größer ist die Unterbrechung zwischen der unteren
Trias und dem nächstfolgenden, jüngsten Glied der Schichtfolge.
Ein weites, den Provinzen Baldjuan, Darwas und Kalab angehöriges Gebiet ist ausgefüllt mit
600— 1000 mm mächtigen, höchst wahrscheinlich alttertiären Conglomeraten aus vorwiegend kıystallini-
schen Gesteinen, welche zum Theile auch in dem oben beschriebenen paläozoisch-triasischen Gebirge
nachgewiesen werden konnten. Grüne Diabastuffe und rothe Felsitporphyre spielen die Hauptrolle.
Daneben finden sich rothe und graue Granite, Diorite, grobkörnige Diabase, Porphyre, Gneisse, Amphibolite,
Kieselschiefer, Quarzitschiefer, Hornfels-Chiastolith-Seebenite,! rothe, grobe und feinkörnige Sandsteine
(Werfener Schiefer?), Grauwacken, Quarzconglomerate, grüne, kieselige Kalke und weiße Fusulinenkalke.
DasBindemittel ist kalkig-sandig. Im Durchschnitt besitzen die Rollstücke Faustgröße, häufig stecken auch
Blöcke von 1—2 cm® Inhalt und darüber mitten in feinerem Material.
Entlang dem Jach-Su und Mazar-Su, wo die Conglomerate in Sandsteine übergehen, zeigen die
Gerölle glatt polierte Oberflächen, ganz ähnlich den sogenannten »Augensteinen« der Kalkhochplateaux
der österreichischen Alpen.
In ihrem Hauptverbreitungsgebiet, entlang dem linken Ufer des Jach-Su, lassen die Conglomerate
eine deutliche Schichtung erkennen (siehe Photographie).
Die ausgeprägte Schichtung verliert sich aber nordöstlich vom Chasret-i-Schan und auch auf dem
nordwestlichen Ufer des Mazar-Su ist eine Schichtung nicht wahrzunehmen.
Während nun innerhalb der Conglomerate selbst Sandsteine nur als dünne Zwischenlagen oder als
kleine Schmitzen da und dort vorkommen, ist entlang dem Mazar-Su und Jach-Su eine Wechsellagerung
von Sandsteinen und Thonen mit Conglomeraten wahrzunehmen.
Die am Chassret-i-Schan und Kutsch-Manor bis 20 m mächtigen Conglomeratbänke keilen sich
nach und nach gegen den Jach-Su hin aus, wechseln dort mit feineren Sedimenten und senden nur einige
wenige, dünne Augensteinbänke in das Sandsteingebirge zwischen Jach-Su und Mazar-Su hinaus. Ebenso
allmählich vollzieht sich der Übergang aus den Conglomeraten in die Sandsteine entlang dem Mazar-Su.
Wirthschattlich bedeutend werden diese Conglomerate durch ihre Goldführung. Letzteres besitzt
ausschließlich die Form dünner Plättchen. Hierüber wurde vom Verfasser im Februarheft der Zeitschrift
für Praktische Geologie 1899 berichtet.
Das Alter der Conglomerate ließ sich nicht durch Fossilfunde erweisen, obwohl in der Nachbar-
schaft des Chassret-i-Schan Kalksteinzwischenlagen vorkommen, doch geben Lagerungsverhältnisse und
Faciesübergänge ein Mittel zur Lösung der Altersfrage an die Hand. Wie bereits erwähnt, gehen die Con-
glomerate gegen die Mitte des Ablagerungsgebietes zu, in Sandsteine über. Diese vorwiegend braun
v
! Durch Prof. A. Pelikan in den Sitzungsberichten des Deutschen naturw.-mediein. Vereines für Böhmen, »Lotos« 1899,
Nr. 5, beschrieben.
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bo®hara. 63
gefärbten Sandsteine ziehen vom Quellgebiete der Flüsse Mazar-Su und Jach-Su bis über Kängurt hinaus,
wobei sie zwischen Chowalin und Baljuan eine intensiv rothe Farbe annehmen. Der ganze Complex
‚terrigener Sedimente von dem Kreidezug westlich von Kängurt an’bis zur südöstlichen Conglomeratgrenze
"ist als ein stratigraphisches Ganzes zu betrachten. Nun liegen aber, wie oben gezeigt wurde, die rothen
"Sandsteine von Kängurt normal auf Kreidekalken, es ist also der ganze Complex rother und brauner Sand-
steine und geschichteter und ungeschichteter Conglomerate dem Alttertiär zuzurechnen.
Wir haben es demnach im östlichen Baljuan mit einer Facies des Alttertiär zu thun, welche an die
"Ausbildung im Surchan-Thale erinnert, mit dem Unterschiede, dass die Conglomeratentwicklung in
"Baljuan einen bedeutend größeren Maßstab erreicht als in Central-Bokhara.
Hinsichtlich der Verbreitung der goldführenden Conglomerate ist bis jetzt noch wenig bekannt. Die-
selbe ist sicherlich sehr bedeutend, insbesondere scheinen die Conglomerate sich nach NO über die
"Grenzen Bokharas hinaus in’s russische Gebiet zu erstrecken, da nach Mittheilung des Ingenieurs
Pokorski bei Altin-Mazar! am Muk-Su Gold von Einheimischen gewonnen wird, welches angeblich
_ aus Conglomeraten stammt.
Im Folgenden sei nun der Versuch gemacht, die Entstehungsweise der goidführenden Conglomerate
von Ost-Bokhar@ kurz zu erörtern.
Die Thatsache, dass diese Conglomerate ausgezeichnet geschichtet sind, beweist, dass sie in einem
großen Wasserbecken abgesetzt wurden. Um Flussablagerungen auf dem Lande kann es sich also schon
aus diesem Grunde nicht handeln, ganz abgesehen von anderen Umständen, die gegen fluviatilen Absatz
Sprechen. Es macht hiebei keinen Unterschied, dass in gewissen Conglomeratstrichen die Schichtung nicht
sichtbar wird, sie ist deshalb doch, wenn auch latent, vorhanden, wird aber infolge der leichten Zer-
setzbarkeit des Bindemittels durch die Verwitterung verwischt.
Es erhebt sich nun aber die weitere Frage, ob das Conglomeratmaterial vom Lande durch Flüsse in
das eocäne Meer eingeschwemmt wurde oder ob zur Erklärung der Entstehungsweise der Conglomerate
andere Annahmen zu Hilfe genommen werden müssen.
Wie ich glaube, sprechen verschiedene triftige Gründe gegen eine Einschwemmung vom Lande aus.
Hätten in Baljuan Gebirgsströme in das eocäne Meer gemündet, so hätten sich seitlich interferierende oder
_individualisierte Dejectionskegel herausbilden müssen. Innerhalb eines jeden Dejectionskegels müssten sich
die groben conglomeratischen Niederschläge nach der Mitte des Beckens und nach den Seiten hin rasch
auskeilen und in Sandsteine übergehen. Auf diese Weise hätte also keinesfalls ein 15 Werst breiter und
allermindestens 60 Werst langer Conglomeratstreifen von durchaus gleichförmiger und von Sandsteinen so
gut wie freier Ausbildung und regelmäßiger Schichtung entstehen können. Überdies wäre durch diese An-
nahme die ausschließliche Plättchenform des Goldes nicht ausreichend zu erklären.
Für die Lösung der Frage sind die folgenden Beobachtungen von maßgebender Bedeutung.
Steigt man vom Passe Chob-Rabat gegen das Thal des Chumban ab, so findet man etwa eine halbe
Stunde unter dem Pass in ca. 3000 m Höhe die Conglomerate aufruhend auf grünen Gesteinen aus der
Diabasgruppe von paläozoischem Alter. Die tiefsten Conglomeratlagen bestehen aus einem Haufwerk
großer Blöcke und ruhen auf einer schwach nach NW geneigten Fläche.
Ganz analog konnte ich vom Chassret-i-Schan aus helle Conglomerate beobachten, welche nord-
östlich des Passes Elicharov auf einer ebenfalls nach NW schwach geneigten Fläche über schwärzliche,
offenbar steil gestellte Tuffe gegen SO ansteigen. Skizze Nr. 7 auf Tafel III deutet diese Erscheinung in
E: Strichen an.
Ohne Zweifel handelt es sich in den zwei genanten Fällen um Abrasionsflächen. Während also bei
- Kängurt das Alttertiär normal auf Kreide liegt, transgrediert es in Darwas über paläozoisches Gebirge.
1 Vergl. die geologische Karte von Turkestan.
64 A. v. Krafft,
Es scheint mir nun allerdings schwer denkbar, dass diese ungeheueren Mengen von Zerstörungs-
producten durch die Brandungswelle allein auf dem Wege der Zertrümmerung festen Gesteines hergestellt
worden seien. Wie schon oben hervorgehoben, erreichen die Conglomerate eine Mächtigkeit von ungefähr
1000 sn. Man wird deshalb wohl zu der Annahme gezwungen sein, dass die Brandungswelle, als sie in
Wirksamkeit zu treten begann, große Massen von Zerstörungsproducten, vielleicht zum Theil von Flüssen
herrührend, vorgefunden hat, die vom Meere aufgenommen, zerkleinert, abgerollt, gesaigert und in der
Form geschichteter Conglomerate wieder abgesetzt worden sind. Das aus Quarzgängen des krystallini-
schen Gebirges herrührende Gold wurde dabei abgeschabt und zerdrückt, so dass neben feinem Goldstaub
nur mehr dünne Plättchen übrig blieben.
Skizzierung der tektonischen Verhältnisse. '
Ganz analog wie die Kreideschichten von Tut-Kaul und die Synklinale des Surchan lassen auch die
gefalteten Schichten von Darwas die charakteristische Umbiegung im Streichen erkennen. Diese Erscheinung
wird durch die Karte unmittelbar vor Augen geführt. Kala-i-Chumb am Pandsch bezeichnet ungefähr die
Stelle, wo die Schwenkung erfolgt.
Das altpaläozoische, größtentheils metamorphe Gebirge ist überall in enge Falten gelegt. Besonders
deutlich sind dieselben in den Phylliten zwischen Rabat und dem Chumban wahrzunehmen. Durch diese
Faltung sind die aufruhenden Fusulinenkalke in Mitleidenschaft gezogen. Dies ist der Fallim N. von
Dschorf, wo ein mindestens 4000 m hohes Kalkgebirge die intensivsten Faltenerscheinungen zeigt (vergl.
Skizze Nr. 3 auf Taf. III) und zwei Muldenkerne von Kalksteinen im krystallinischen Gebirge auftreten.
Zwei Kalkzüge zwischen dem Pass Chob-Rabat und dem Chumban sind ebenfalls wahrscheinlich durch
Faltung dem altpaläozoischen Gebirge einverleibt worden. Dagegen äußert sich innerhalb der breiten
Fusulinenkalkzone zwischen Pandsch und Ravnau, beziehungsweise Obi-Niob die Gebirgsbewegung mehr
in Brüchen und Überschiebungen als in Faltungen. Tufferfüllte Synklinalen von Fusulinenkalken scheinen
zwar bei Wardschudsch und westlich von Jogit vorhanden zu sein. Der Hauptsache nach ist jedoch dieses
Kalkgebirge durch Brüche in einzelne Schollen zerschnitten, welche theils flach liegen, theils schwach
geneigt sind. Fast jede dieser Schollen trägt noch Reste der einst zusammenhängenden Tuffdecke (vergl.
Skizze Nr. 2 auf Taf. III; auf der Kartenskizze Taf. I wurden diese Details unberücksichtigt gelassen).
Da und dort ist die Pressung so weit gegangen, dass Fusulinenkalke auf Tuffe geschoben wurden.
Eine sehr deutliche Überschiebung beobachtete ich am Wege von Wardschudsch nach Ravnau in
einer der nördlichen Seitenschluchten des Obi-Ravnau (Profil Nr. 7), wo das Jungpaläozoikum unter die
Fusulinenkalke einfällt. Ganz ähnliche Verhältnisse herrschen unter dem Absturz des Safed-Ko bei Ravnau.
An letzterer Localität haben wir es mit einer bis zum Furusch verfolgbaren Störungslinie zu thun (I der
Karte), welche bald in den Tuffen verläuft (Profil Nr. 7), bald die Grenze zwischen den Fusulinenkalken
und dem Jungpaläzoikum markiert. Letzteres ist insbesondere der Fall am Westfuß des Furusch, wo steil
geneigte Platten von Fusulinenkalk gegen den Obi-Niob einfallen, während der Fuß dieses Kalkberges
von Tuffen gebildet wird (Skizze Nr. 1 aufTaf. III). Jedenfalls streicht dieser Bruch noch weiter gegen SSN
und dürfte den Pandsch übersetzen.
Das Jungpaläzoikum im W. dieser Störungslinie nimmt in der ÖOroplastik der Gegend eine
wechselnde Rolle ein. Bei Ravnau treten Tuffe, die mit Thonen zusammengefaltet sind, landschaftlich nur
wenig hervor, während weiter gegen Süden sich derselbe Zug in dem kühn geformten, dominierenden
Siaku (= schwarzer Berg) ca. 5000 nz erhebt, um dann von Neuem zu einer niederen Hügellandschaft am
1 Hiezu vergl. Profiltafel. Die Durchschnitte sind in natürlichen Verhältnissen gezeichnet. Als Grundlage für dieselben diente
die russische Generalstabskarte aus den Jahren 1592 und 1893. Die Höhen wurden durch Barometermsssungen bestimmt, das Detail
der Contouren aus Tagebuchskizzen completiert. In Profil Nr. 7, welches den Obi-Ravnau quert, ist das Thal dieses Flusses nicht
berücksichtigt.
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 65
Westfuße des Furusch herabzusinken. Das Streichen des Zuges weicht hier vom orographischen Streichen
ab, weshalb im Furusch ca. 5000 m die Fusulinenkalke als gipfelbildendes Element erscheinen (vergl.
die Karte, sowie Skizze Nr. 1 auf Taf. II).
Westlich von dem Zug jungpaläozoischer Sedimente folgt eine gegen N. keilförmig zulaufende
Zone von unterer Trias. Der tektonische Charakter derselben ist im N. (bei Ravnau) anders als im S. bei
Langar. Im Gebiet von Ravnau äußert sich eine so intensive Faltung, dass die Schichten größtentheils
vollkommen senkrecht stehen. Überdies findet man auch hier schön ausgebildete Blattverschiebungen,
welche die Intensität der stattgehabten Gebirgspressung vor Augen führen.
Ungefähr parallel mit der westlichen Grenze der keilförmigen Triaszone ist ein schmaler Streifen
von alttertiären Conglomeraten an Brüchen eingesunken, der NW. von Ravnau nahezu völlig flach liegt
(Profil Nr. 3), während in der Nähe des Passes Salsagur eine schwache Neigung gegen W. zu beobachten
ist. Dieser Conglomeratstreifen endet im N. in der Nachbarschaft des Passes Elicharov und reicht nach
SW. bis in die Nähe von Eligawara.
Während, wie bemerkt, an der Spitze des Keiles eine intensivste Pressung stattgefunden hat, wird
die Lagerung weiter gegen S. in dem Maße ruhiger, als der Triaskeil an Breite wächst. Profil Nr. 6 zeigt,
dass am Pass Tangar bereits weniger energische Faltungserscheinungen vorliegen, während am Pass
Katsch-Bandon nur mehr eine geringe Aufrichtung der Schichten stattgefunden hat.
Die Westgrenze der Trias bezeichnet wiederum eine Störungslinie, welche von großer Bedeutung
für die Tektonik des Gebietes erscheint (Störungslinie Il der Karte, Profile Nr. 2, 3, 9). Diese Verwerfung
setzt etwas nordöstlich von Chasret-i-Schan ein, erscheint am Ostfuße dieses Berges bereits als ein scharf
markierter Bruch und streicht als solcher in gerader Linie nach SW, wobei der Betrag der Verwerfung
mehr und mehr zuzunehmen scheint. Vom Kui-Schach aus gesehen repräsentiert sich nämlich die lange Kette
von Conglomeratbergen zwischen dem Chasret- i-Schan und dem Pass Katsch-Bandon als eine Reihe
von Gipfeln, deren Höhe gleichmäßig gegen SW zu abnimmt. Insbesondere ist diese Erscheinung deutlich
wahrzunehmen zwischen Chasret -i-Schan (4000 »r), Kutsch - Manor (3500 m) und Kutsch - Kalandar
(ca. 3200 m).
Die Tektonik des Conglomeratgebietes selbst ist einfach. Der südwestliche Conglomeratstreifen
zwischen Bruchlinie II und dem Jach-Su bildet eine flache Mulde, die Sandstein- und Mergelzone zwischen
Jach-Su und Mazar-Su ist zu einer ungleichseitigen Antiklinale aufgepresst, deren steiler Flügel zum
Mazar-Su einfällt; dieselbe Lagerungsform setzt sich gegen NW. in die Conglomerate fort.
Aus dem Vorangehenden ergibt sich von selbst, dass ein Theil der beschriebenen Gebirgsstörungen
jünger ist als Alttertiär. Dies gilt von den Faltungen innerhalb dieser Formation und von der großen
Bruchlinie II. Anderseits müssen in dem älteren Gebirge Störungen bereits vor der Ablagerung des Eocän
vorhanden gewesen sein. Dies folgt unmittelbar aus der Thatsache einer Discordanz an der Basis des
Eocän, wie sie am Passe Chab-Rabat und nördlich von Ravnau beobachtet wurde. !
Wir haben es aber in Darwas mit einer nacheocänen und einer voreocänen Faltungsperiode zu thun.
Das ältere Gebirge wurde zweimal gefaltet, womit die vorhandenen intensiven Störungen sich erklären,
während die eocänen Ablagerungen nur eine und wie es scheint, relativ schwache Faltung erlitten haben.
- Die Verwerfungen dürften sämmtlich jungen Alters sein.
Eine dritte, vorcarbonische Faltungsperiode ist wahrscheinlich, aber durch meine Beobachtungen
nicht erwiesen.
Als Ergänzung der im Vorangehenden zusammengefassten Darstellung und zugleich als Anhalts-
punkte für eventuelle Nachfolger möchte ich meine Einzelbeobachtungen in Kürze beschreiben, insoweit
sie nicht schon im Vorausgehenden Erwähnung gefunden haben. Hier sollen auch die wenigen Daten
Raum finden, die ich aus Russisch-Turkestan mitzutheilen imstande bin.
1 Wenn auch nur aus der Ferne. Aber es kann sich am Pass Elicharov um nichts anderes handeln, als die nördliche Fort-
setzung des enggefalteten Paläozoikums von Ravnau.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 9
66 A.v. Krafft,
Safed-Darija—Sagri-Dascht.
Auf der Route Safed-Darija über Talbar, Pass Talbar und Pass Kasch-Pitau nach Sagri-Dascht
am Obi Sagri-Dascht bewegt man sich in den eocänen Conglomeraten. Auch in der Ferne, vom Tian-Schan
abgesehen, konnte ich andere Bildungen als Conglomerate und Sandsteine des Eocän nicht wahrnehmen.
Hinter Talbar wird die Schichtung undeutlich, in der Gegend von Tabidera am Wachsch waren aber
geschichtete, als schroffe, doch niedrige Klippen aufragende Conglomerate aus der Ferne sichtbar. Die
ungeschichteten Conglomerate erscheinen vorwiegend als rundliche Kuppen mit seichten, regelmäßigen
Erosionsrinnen und breiten Thälern, nur zwischen den Pässen Talbar und Kasch-Pitau sind steile, durch
zahllose Wasserrinnen fein gegliederte, vegetationslose Gehänge zu beobachten. Sagri-Dascht steht auf einer
mit Löß bedeckten Terrasse. In der Nähe dieses Ortes sowohl, als zwischen dem Pass Kasch-Pitau und
der Niederlassung Kulimba begegnet man zahlreichen alten Schürfen.
Sagri-Dascht—Kala-i-Chumb.
Die Route von Sagri-Dascht nach Kala-i-Chumb am Pandsch -führt über den in die Conglomerate
eingeschnittenen, ca. 3200 m hohen Pass Chol-Rabat. Etwa 200 m östlich unterhalb dieses Passes, ca.
3 Werst von diesem entfernt, erreicht man die Grenze der Conglomerate und tritt damit in ältere Bildungen
ein. Die tiefsten, aus großen Blöcken bestehenden Conglomeratbänke ruhen auf grünen Gesteinen aus
der Diabasgruppe (Pyroxene in zersetzter Feldspatgrundmasse), welche ich zur jungpaläozoischen Serie
rechnen möchte. Dies kann allerdings nur mit einem gewissen Vorbehalt gelten, denn auch in der alt-
paläozoischen Schichtgruppe sind diabasähnliche Gesteine häufig. Da mir das Gebiet zwischen dem Pass
Chol-Rabat und Ravnau nicht bekannt ist, kann ich mehr als eine Vermuthung nicht aussprechen.
Die Diabasgesteine, welche in einem kurzen, schluchtartigen Thal gequert werden, streichen
parallel mit diesem Thal gegen O—W und fallen nördlich ein. Die Streichrichtung ist also hier eine
abnormale. Die kurze Schlucht mündet in ein etwa nord-südlich verlaufendes, wahrscheinlich bis in die
Conglomerate hinaufreichendes längeres Thal, welchem der Weg folgt, zunächst rechts (bis etwa 3 Werst
von der Conglomeratgrenze) und dann links. Auf dem linken Ufer dieses Thales, ca. 6 Werst von der
Conglomeratgrenze entfernt, beobachtete ich Thonschiefer mit Crinoidenstielen und schlechten Brachio-
poden, auf welche graue, massige Kalke, steil OSO einfallend, folgen. Diese Kalke repräsentieren offenbar
die Fusulinenkalke des südwestlichen Darwas, doch habe ich auf der Route nach Kala-i-Chumb Fusulinen
nicht beobachtet. In der Mitte des Kalkzuges erscheinen isogone Störungen, links vom Wege neuerdings
Thonschiefer. Nach Passieren dieses ersten Kalkzuges tritt man wieder in Thonschiefer ein, die nach und
nach immer krystallinischer werden und bei Rabat als Phyllite erscheinen. Überall sind die Phyllite in
enge Falten gelegt. Kurz vor Erreichen des Chumban quert man einen zweiten Kalkzug, der ebenfalls
gegen OSO einfällt; derselbe ist schmäler als der erste Zug und theilweise marmorisiert. Hierauf trifft
man wieder Thonschiefer. Auf der rechten Seite des Chumban, nahe dem Vereinigungspunkt mit dem zum
Pass Chol-Rabat führenden namenlosen Thal stehen Diorite an. Dieselben Gesteine finden sich auf der
linken Seite des Chumban, etwa :2!/, Werst südlich der erstgenannten Localität. Etwa 1 Werst weiter
südlich begegnete ich Phyllite und Glimmerschiefer. Das Einfallen ist allgemein gegen OSO gerichtet. Der
zweite Kalkzug begleitet den Chumban auf der rechten Seite, entfernt sich aber von demselben in dem
Maße, als er nach SSW. fortstreicht. Bei einer Brücke, gleich unterhalb Turak, stehen Serpentine an,
höher oben im Gehänge Marmor, die bei Schir (1 Werst südlich von Turak) in schneeweißen Schuttkegeln
ins Thal herabkommen. Von Schir an verläuft der Chumban in den Phylliten. Gegenüber Kala-i-Chumb, auf
der rechten Seite des Chumban, stehen Glimmerschiefer an. Andere, NO. von Kala-i-Chumb beobachtete
Gesteine sind oben S. 9 erwähnt. Phyllite herrschen vor zwischen Kala-i-Chumb und Dschorf.
Dschorf.
Von Dschorf aus unternahm ich eine Excursion in das Gebirge östlich des bei Dschorf mündenden
Flusses. Über einen scharf zugeschnittenen Grat, der gegen W. zu dem genannten Fluss abstürzt,
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 67
ansteigend, querte ich auf der Höhe des Kammes senkrecht stehende, dünnblättrige sericitische Schiefer
(siehe oben) und gelangte dann an einer Stelle, wo der Grat nach O umbiegt, zu einem kleinen Vorkommen
marmorisierten, offenbar intensiv gepressten Kalkes, der sich als ein in den krystallinischen Gesteinen
steckender Muldenkern erwies, da er weder im Gebirge auf der anderen Seite des Flusses zu bemerken
war, noch auch gegen O. mehr als etwa 100—200 m ins Thal hinabreichte. Nördlich und nordöstlich
davon folgten quarzitische Schiefer. Gerade östlich des erwähnten Kalkvorkommens erhebt sich unver-
mittelt ein schroffer, wohl ebenfalls keilförmig im krystallinischen Gebirge steckender Kalkberg, während
gegen N im Hauptkamme dieses Gebirges ein langer Kalkzug von OW-Richtung sichtbar wird, in welchem
an einigen Stellen verwickelte Faltensyteme, selbst aus der Ferne, deutlich wahrgenommen werden
können.
Kala-i-Chumb—Nalban.
Von Dschorf nach Kala-i-Chumb zurückgekehrt, folgte ich dem Pandsch eine starke Tagereise süd-
lich bis nach Nalban. Die auf dieser Route beobachteten Gesteine sind bereits oben verzeichnet (S. 9).
Südlich von Schirgawat werden zum erstenmale wieder die Fusulinenkalke rechts vom Pandsch sichtbar;
bei Jogit reichen dieselben bis nahe an den Strom und werden von einem Seitenfluss in einer engen
Schlucht durchbrochen. Bei Singarb ragt das Obercarbon in einer senkrechten Mauer auf, von den
schwarzen, jungpaläozoischen Sedimenten bedeckt.
Nalban—Ravnau,
Der Aufstieg von Nalban zum Pass Chalat bietet wenig gute Aufschlüsse, da das Anstehende meist
durch Schutt und Moränenreste verdeckt ist. Das Einfallen ist nach W. gerichtet, zunächst steil (65°),
wird aber gegen oben flacher. Wenig oberhalb von zwei Steinhütten in ca. 2700 m Höhe am Fuße des
_ Kamaro erreicht man das Obercarbon, hier anscheinend normal auf dem krystallinischen Gebirge ruhend
und aus schiefrigen, bläulichen Kalken bestehend. Oberhalb von den Kalken, in 3600 m Höhe, tritt man
in die Tuffe ein. Dieselben streichen gegen NNO. und trennen den Kalk von Jogit von dem des Kugi-Jach-
Tasch, ganz analog wie sie sich zwischen Kamaro und Bianga einschalten. Der mit rothen Dolomiten?
wechsellagernde Kalk von Jogit fällt gegen W unter die Tuffe ein. Der Kalk des Bianga streicht nach N.,
westlich unterhalb des Passes Chalat in einem schmalen Zug vorbei und keilt sich dann aus. Eine kleine
Kalkklippe, N. unterhalb des Passes, inmitten von Tuffen stehend, zeigt sehr steiles Einfallen nach O.
Ohne Zweifel haben hier bedeutende Störungen platzgegriffen, die in mehr oder weniger hypothetischer
Weise in Profil Nr. 7 dargestellt sind. In 2800 m Höhe W. unterhalb .des Passes Chalat tauchen
wiederum aus den Tuffen gefaltete Kalke auf (die Faltungen konnten auf dem Profil infolge der Mehrheit
des Vorkommens nicht wiedergegeben werden). Das Thal am Wardschudsch ist von Tuffen erfüllt, die hier
eine complicierte Synklinale zu bilden scheinen. Südlich von der Niederlassung auf dem rechten Ufer des
Obi-Ravnau ist in der Koikala die Synklinale deutlich ausgebildet, während sie nördlich des Dorfes in den
schroffen Fusulinenkalkwänden der Koischa nicht erkennbar ist. Fusulinenkalkberge begrenzen das Thal
von Wardschudsch auch im Westen.
| Noch verwickelter wird die Tektonik aufwärts des Obi-Ravnau. In Profil Nr. 7 erscheinen die
Lagerungsverhältnisse, was die Nachbarschaft von Wardschudsch betrifft, bedeutend vereinfacht dJar-
i gestellt. Westlich von Wardschudsch steigt man in eine tiefe Schlucht ab. Zunächst wird ein schmaler
Kalkzug gequert, darauf folgen wieder Tuffe, dann graue, dickbankige Kalke östlich einfallend. Eine
kurze Strecke herrscht westliches Fallen an einer Stelle, wo eine von Felsen überragte Schichtfläche als
Weg zum Abstieg in die Schlucht dient. Hierauf folgen unter neuerdings östlich einfallenden Kalken
wieder dieselben in griffelförmige Stücke zerfallenden Tuffgesteine wie bei Wardschudsch und schiefrige,
schwarze Lumachellenkalke, die in einer sehr deutlich sichtbaren, spitzen Synklinale von den Fusulinen-
kalken überschoben sind. Jenseits der Schlucht herrscht ruhige Lagerung; eine unbedeutende Über.
schiebung wird auf dem rechten Thalgebirge des Obi-Ravnau sichtbar. Die Tuffhöhen nehmen sanfte
9x
7
Formen an, stark contrastierend mit den engen und tiefen Kalkschluchten des Obi-Ravnau und seiner
0]
6: A. v. Krafft,
Nebenflüsse.
Kleinen Verwerfungen begegnet man hier und dort. Am Knie des Obi-Ravnau quert man die
Störungslinie I. Südlich vom Flusse wird ein scharfer Bruch sichtbar, in welchem flach westlich einfallende
Kalke an senkrecht stehenden Tuffen abstoßen (Profil Nr. 7). Auf der linken Seite des Flusses, entlang dem
schmalen Saumpfad, senkt sich die ganze Schichtfolge nach W., die Fusulinenkalke verschwinden, die
dünnbankigen, schwarzen Fusulinenkalke, Griffelschiefer ete. stellen sich senkrecht, es folgen auf ihnen,
kurz bevor der Weg sich in den Obi-Ravnau hinabzieht, Tuffe, die ebenfalls senkrecht stehen und sogar
ein östliches Einfallen annehmen. Der Oberlauf des Obi-Ravnau ist in senkrechte Tuffe eingeschnitten, die
mit Kalken wechsellagern.
Excursion auf den Kui-Schach.
Bei Ravnau vereinigen sich zwei Flüsse, die beide Obi-Ravnau heißen. Der östliche Arm führt zum
Pass Rlicharw. An seinem rechten Ufer, etwa eine halbe Stunde von Ravnau, stehen bei einer Brücke
Diabase an. Im Aufstieg zum Gipfel trifft man unter dem Safed nordöstlich Tuffe, kieselige Kalke,
schwarze, thonige Lumachellenkalke und graue Mergelkalke an, bald westlich, bald östlich einfallend, in der
Hauptsache eine von den Fusulinenkalken überschobene Synklinale bildend. Über ihr erheben sich die
senkrechten Wände des Safed-Ko mit weißen, krystallinischen, mürben und von vielen Kalkspathadern
durchzogenen Kalken voll Fusulinen, ferner grauen, schwärzlichen Kalken, welche die Hauptmassen
bilden. Letztere sind sehr hart und enthalten außer Fusulinen nur undeutliche Reste, die sich schlecht vom
Gestein lösen. Diese Kalke senken sich schwach gegen Ravnau! und brechen in Wänden von 20— 830 m
Höhe ab. Auf ihnen ruhen wiederum Tuffe, Mergelkalke, kieselige Kalke, Lumachellenkalke wie am Fuße
des Safed-Ko. In den Tuffen traf ich bis faustgroße Rollstücke von schwarzen Ralken.
Die den Tuffen und Tuffsandsteinen zwischengelagerten schwarzen und grauen Fusulinenkalke sind
oft auf das engste mit Tuffmaterial verbunden, das in dünnen Bändern den Kalk durchdringt.
Nahe dem Gipfel verwittern grüne Tuffe zu fingerförmigen Stücken und werden von schwarzen
kieseligen Kalken überlagert, die den Gipfel des Berges bilden. (Über Fossilfunde siehe oben.)
Excursion in das Gebirge nordwestlich von Ravnau.
Nordwestlich und nördlich von Ravnau trifft man zunächst Tuffe und Thone, in einander gefaltet,
etwa in der Weise, wie Profil Nr. 3 zeigt. Die Aufschlüsse sind bei Ravnau zu schlecht, um die Tektonik
im Detail klarzustellen. In den Tuffen nehmen local größere und kleinere, meist aus Diabasbrocken
bestehende Rollstücke sehr überhand, während an anderen Stellen Kalksteinzwischenlagen auftreten. Die
rothen und grünen Thone führen Salz, das an vielen Stellen in Quellen ausblüht und nahe Ravnau
gewonnen wird. Weiter gegen NW folgte ein schmaler Streifen eocäner Conglomerate, bald flach NW,
bald SO einfallend. An der Basis dunkel gefärbt und aus harten, deutlich geschichteten Bänken bestehend,
nehmen die Conglomerate gegen oben eine hellere Farbe an, wobei zugleich die Schichtung undeutlich
wird. Auch rothe Conglomerate werden angetroffen. Unter den Rollsteinen sind grüne, quarzitische Breccien»
wie sie unter dem Kamaro anstehend vorkommen, häufig. Entlang dem westlichen Arm des oberen Öbi-
Ravnau ist in den Conglomeraten ein Aufbruch von Gypsen und rothen Thonen zu sehen.
Auch Diabase und senkrecht stehende, schwarze Kalke tauchen mitten im Eocän auf. Nordwestlich
dieses eingebrochenen Streifens gelangt man in die untere Trias, die bis zu der großen Bruchlinie unter
dem Chasret-i-Schan zieht. Zunächst quert man einen schmalen Zug grauer, mergeliger Kalke, welche
steil gestellt und an zwei Stellen von Blattverschiebungen durchschnitten sind (siehe oben). Ein schmaler
1 Auf Profil Nr. 3 durch ein Versehen als flach liegend gezeichnet.
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 69
Streifen rothen Werfener Schiefer ist in sie eingefaltet (auf Profil Nr. 3 ist dieses kleine Vorkommen un-
berücksichtigt gelassen). Das Streichen ist NNO—SSW, das Einfallen bald gegen den Conglomeratstreifen,
bald gegen die rothen Werfener Schiefer gerichtet. Letztere bilden das mächtigste Glied der unter-triasischen
Serie. Sie sind durchwegs vollkommen oder nahezu senkrecht gestellt. Rothe, plattige Sandsteine herrschen
vor, grüne, glimmerreiche Sandsteine spielen eine untergeordnete Rolle. Erstere führen nahe ihrer west-
lichen Grenze gegen die nun folgende zweite Gruppe von rothen und grünen Thonen, charakteristische
Werfener Fossilien (siehe oben). Diese zweite Gruppe von Thonen bezeichnet eine Depression entlang dem
Absturze des Chasret-i-Schan, Kutsch-Manor und Rutsch-Kalandar, aus der sich zu beiden Seiten Hoch-
gipfel von 3500 — 4000 m erheben. Dieser Horizont von Thonen zeigt einige Unterschiede gegenüber den
rothen und grünen Thonen von Ravnau, indem graue Sandsteinbänke und 3—4 cm dicke Braunkohlen-
lagen eingeschaltet sind, die ich bei Ravnau nicht beobachtete.
Auch in dieser Zone herrscht unter dem Chasret-i-Schan senkrechte Schichtstellung, unter dem
Kutsch Manor dagegen steil westliches Einfallen; weiter südlich, in der Nachbarschaft des Kutsch-Kalandar
fallen diese Schichten stark von den Conglömeraten ab gegen Osten (von einem Gipfel nahe dem Kutsch-
Manor beobachtet).
Die goldführenden Conglomerate im Westen der Trias sind, wie oben erwähnt, an einer Bruchlinie
eingesunken. Hiefür spricht der gerade Verlauf der Grenzen und das mauerartige Aufragen der am
Bruche etwas geschleppten Conglomerate. Läge eine Erosionsgrenze vor, so würden lappenartige
Fortsätze nach Osten in das ältere Gebirge hinabsetzen.
Der schmale Conglomeratstreifen bei Ravnau ist kein bloßer Denudationsrest, sondern eine lang-
gestreckte, eingesunkene Scholle.
Der Bruch verläuft im Streichen der Schichten in den nachgiebigen Thonen.
Ravnau—Langar.
Auf der Route von Ravnau nach Langar im Thale des Obi-Niob bewegt man sich, von kurzen Quer-
strecken abgesehen, im Streichen der Schichten. Nach Erreichen des Knies des Obi-Ravnau wendet man
sich in einem Seitenthal im allgemeinen gegen SW und steigt zuletzt quer zum Streichen in einer
steilen Schlucht gegen Westen zum Passe auf. Wie Profil Nr. 6 zeigt, ruhen hier auf Diabas weiche Thone
mit westlichem Einfallen. An sie stoßt rother Werfener Schiefer, der, in einem hoben Berg aufragend,
östlich einfällt, am Fuße des Berges aber gegen Westen umbiegt. Nördlich von diesem Berg folgen gegen
den Pass Sabsagur wieder Thone, Kalke und abermals Thone, unter etwa 30° nach Westen einfallend.
Der letzte Theil des Durchschnittes, von den rothen Sandsteinen westlich, konnte nur aus der Ferne
beobachtet werden. Doch traf ich, vom Pass Langar im Streichen gegen Süden marschierend, fossil-
führende, untertriasische Kalke (siehe oben) und rothe und grüne Thone anstehend. Diese untertriasischen
Sedimente füllen fast allein das breite Thal des Obi-Niob aus; die schmale, eingesunkene Conglomerat-
scholle ist aber noch mehrere Werst südlich vom Passe Langar auf den Höhen westlich des Obi-Niob
bemerkbar. Der Hauptkamm im Osten des Flusses besteht aus triasischen und paläozoischen Schichten
wie auf Skizze Nr. 1.
Langar —-Muminabad.
Ein instructives Profil ist im W von Langar entlang der Route vom Pass Kutsch-Bandon auf-
geschlossen. Zunächst bewegt man sich in rothen und grünen Thonen (die auch auf das linke Ufer des
Obi-Niob hinüberreichen). Dann folgt rechts vom Wege ein unbedeutendes Kalkvorkommen, anscheinend
eine Synklinale in den Thonen bildend, und nun die rothen Werfener Schiefer, unter ihnen zunächst Thone
und Kalke, hierauf rothe und grüne Thone von etwa 2000 nm Mächtigkeit, und unter letzteren etwa 100 m
mächtige, dickbankige und dünngeschichtete, graue Kalke, die in einem Bruch, der Verwerfungslinie I
der Karte, an W einfallenden Conglomeraten abstoßen. Die untertriasische Schichtfolge, soweit sie
70 A.v. Krafft,
im Profil Nr. 9 dargestellt ist, bietet einen gewissen Schlüssel zur Aufklärung der Aufeinanderfolge der
untertriasischen Schichtglieder. Das Profil NW von Ravnau und der Durchschnitt nördlich des Passes
Langar können mit Hilfe dieses Schlüssels wenigstens zu einem gewissen Grade gedeutet werden.
Nimmt man an, dass die Sandsteine das jüngste Glied der Schichtfolge bilden, so ist die Reihenfolge
in absteigender Richtung:
4. Sandstein,
3. Thone und Kalke (geringmächtig),
2. Thone,
1. Kalke (mächtig).
Vergleicht man diese Aufeinanderfolge mit dem Profil beim Pass Langar, so ergibt sich: Die Kalke
und Thone östlich vom Pass Sabsagur entsprechen Nr. 3 oben, sind also das Liegende der Sandsteine, und
demnach ist östlich vom Pass Sabsagur eine im Scheitel gebrochene Antiklinale anzunehmen.
Die Thone zwischen dem Diabas und den rothen Sandsteinen des gleichen Profiles können unmöglich
das Hangende der Sandsteine darstellen, da sie mit der jungpaläozoischen Serie in enger Verbindung
stehen, müssen vielmehr einen dritten, unter Nr. 1 oben liegenden Horizont von vielleicht noch paläozo-
ischen Thonen darstellen und demnach ist in diesem Profile eine Verwerfung zu supponieren.
Das Profil nordwestlich von Ravnau ist bei weitem complicierter. Was die mit den Tuffen zusammen-
gefalteten Thone betrifft, so gilt für sie das gleiche, was oben für die dem Diabas auflagernden Thone am
Pass Langar gesagt wurde, und die Aufbrüche innerhalb des schmalen Conglomeratstreifens mögen eben-
falls hieher gehören. Der übrige Theil des Profiles zwischen den beiden Conglomeraten ist mir nicht ver-
ständlich geworden.
Auf der rechten (nördlichen) Seite des Weges zum Pass Kutsch-Bandon herrschen weniger klare
Verhältnisse. Unter O. einfallenden rothen Sandsteinen liegen auch hier rothe und grüne Thone, dann aber
folgt eine zuerst lach W einfallende Kalkscholle (Nr. 3 oben?), hierauf senkrecht stehendeKalke, nahe dem
Passe, jedoch auch hier wieder O. einfallende Kalke (Nr. I oben).
Mit dem Wiedereintritte in das Verbreitungsgebiet der eocänen Sedimente verliert die Gegend be-
deutend an geologischem Interesse. Vom Pass Kutsch-Bandon ließ sich ein langer, gegen SSW. fort-
streichender Kamm erkennen, das Ausgehende desConglomeratgebirges. Auf den flach nach W. geneigten
Conglomeratbänken liest eine 20— 30 m dicke Schichte von Löß, welche sich in die Ebene von Muminabad
hinabzieht und dort weit ausbreitet.
Zwischen Muminabad und dem Jach-Su quert man eine breite Synklinale, deren NW Schenkel
vom Tschilduch-Daron durchbrochen wird. In diesem Aufschluss traf ich Sandsteinbänke und auch
sandige, fossilleere Kalke und sandige Thone als Zwischenlagen der Conglomerate an.
Innerhalb der Sandsteinfacies des Eocän konnte ich bei Nowabad in einem tief eingeschnittenen
Seitenthal des Jach-Su steile Synklinalen und Antiklinalen beobachten.
Im October 1898 reiste ich von Safed-Darija über Karatagh und quer durch die Hochregionen der
Chasret-Sultan-Alpen nach Samarkand. Zu großer Eile genöthigt, musste ich leider dieses großartige
Gebirge in foreierten Märschen durcheilen; für geologische Beobachtungen blieb mir nur wenig Zeit.
Nördlich von Chakimi traf ich graue und rothe Granite und grüne Porphyre?. Drei Stunden nördlich
der Niederlassung münden von W und Ö Seitenthäler in den Karatagh-Darija, von welchen das östliche
zum Pass Murä 3730 m führt. An dieser Stelle verzeichnet Muschketow's Karte Trias. Rothe Sandsteine,
Mergel und Kalke liegen auf Granit in gleicher Aufeinanderfolge wie am unteren Karatagh-Darija. Diese
Analogie legt die Vermutung nahe, dass es sich auch hier um Kreide handelt, umsomehr als bei Abda
ältere sedimentäre Bildungen nicht vorhanden sind. Überdies fand Herr Willberg in Karatagh in dieser
Gegend Ostreen. Höher hinauf bis zum Kamm des Gebirges herrschen graue Granitporphyre mit finger-
langen Feldspat-Zwillingen vor.
DU 2.
Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara. 71
Auf der Nordabdachung der Chasret-Sultan-Alpen begegnet man sedimentären Bildungen in weit
beträchtlicherer Ausdehnung als auf der Südseite. Zunächst querte ich etwa halbwegs zwischen Pass
Murä und Saratagh am Iskander-Darija Mergel und rothe Sandsteine (Kreide?). Nicht ferne davon beginnen
rothe und graue Dolomite, schwarze Kalke und Kalkschiefer, welche ungefähr 1000 sm mächtig sein
dürften. Diese Kalk- und Dolomitmassen reichen bis zum Nordfuß des Gebirges, und sämmtliche Hoch-
gipfel nördlich der Hauptkette bestehen aus ihnen, so der ca. 5000 m hohe Tursüll bei Margusor, Bas-
Chana in der Nachbarschaft des Lailak-Passes u. a. Zwischen den einzelnen stockförmigen Dolomitmassen
tritt die aus Phylliten bestehende Unterlage an vielen Stellen zutage. Das Gebiet wird von Verwerfungen
durchschnitten, so dass die Basis der Dolomite in den verschiedensten Höhen angetroffen wird. Margusor,
21007, liegt z. B. inmitten einer Dolomitiandschaft; der 3700 ınm hohe Pass Lailak, 3 Stunden westlich
von Margusor, ist in Phyllite eingeschnitten. Die Lagerung der Dolomite ist meist annähernd flach.
Auf dem linken Ufer des Iskander-Kul fand ich in schwarzen Kalken Korallen, welche die Herren
Prof. Frech und Dr. Volz zu untersuchen die Güte hatten. Die genannten Herren theilen mir mit, dass
diese Korallen mit mitteldevonischen Ammplerus - Formen (A. hercynicus, A. irregularis, A. paucitubulatus)
verglichen werden können; das von mir gefundene Stück zeigt insbesondere die gleichen Septaldornen
wie A.panciftbulatus, so dass an einem mitteldevonischen Alter der schwarzen Kalke! nicht zu zweifeln sei.
Da ich Grund habe zu vermuthen, dass die Korallen-führenden schwarzen Kalke an der Basis der
Dolomite liegen, dürfte die Hauptmasse der letzteren ein oberdevonisches und carbonisches Alter besitzen.
Muschketow’s Karte verzeichnet an Stellen, wo ich Dolomite und mitteldevonische schwarze
Kalke beobachtet habe, Trias, nämlich bei Saratagh und Artutsch; Devon ist nicht eingetragen. Ich habe
auf meiner Route vom Pass Murä über Saratagh, Chairanbit, Passrut, Artutsch nach Kschtut nirgends
Trias angetroffen. Am Vereinigungspunkt des Jagnaub-Darija mit dem Iskander-Darija kommen rothe
Conglomerate, graubraune bis rothe Sandsteine, sowie Mergel und Kalke der Kreide vor, welch’ letztere
massenhaft Ostreen führen.
Dieses Vorkommen ist auf der geologischen Karte von Turkestan eingetragen, doch ist zu bemerken,
dass die ungefähr O—W streichende Kreide in das Thal des Jagnaub-Darija ein Stück weit hinein
reicht. Die gleichen Bildungen trifft man zwischen Kschtut und Warsaganda, nach Muschketow in
Verbindung mit Alttertiär.
Im Anschlusse an die in diesen Zeilen wiedergegebenen stratigraphischen und tektonischen Beob-
achtungen mögen hier einige Bemerkungen über die Verbreitung von Moränen und Diluvialterrassen,
sowie über die Ausdehnung des Löß innerhalb des bereisten Gebietes Raum finden.
Reste alter Moränen wurden beobachtet:
1.Am Pandsch: Von Dschorf an begleitet eine breite, etwa 100 ın über dem Fluss gelegene Terrasse
den Pandsch auf seinem rechten Ufer in der Richtung gegen den Kaiwan-Pass. Eine aufliegende Moräne
ist bei Dschorf durch einen Seitenbach angeschnitten.
Moränenreste kommen vor auf einem Pass zwischen Reswai und Chevron, 1400 m, ferner
bei Kala-i-Chumb auf dem rechten Ufer in ca. 1500 m (auch hier wieder eine etwa 2 km breite und
3 km lange, mit Sümpfen bedeckte Terrasse). Ebenso
auf dem linken Ufer gegenüber Kala-i-Chumb am Knie des Pandsch eine etwa 1 km breite Terrasse.
Ferner zwischen Jogit und Schkef, sowie unterhalb Schkef und an verschiedenen anderen Orten.
Der Pandsch fließt heute etwa 100—200 »n unter dem Niveau des alten Pandschgletschers. Die
bisher erwähnten Moränenreste sind aller Wahrscheinlichkeit nach Grundmoränen.
I Vergl. Romanowski l. ce. I, p. 39.
Ze A.v. Krafft, Geologische Ergebnisse einer Reise durch das Chanat Bokhara.
2. In das Thal des Karatagh-Darija reicht bei Labi-Dschai aus einem westlichen Seitenthal eine
bedeutende Moräne herab, welche vom Fluss durchsägt worden ist. Der See Timur-dera-Kul nordöstlich
von Chakimi in einem linken Seitenthal des Karatagh-Darija wird durch eine Endmoräne abgedämmt.
3. Am Iskander-Darija beobachtete ich zwei durch Endmoränen hergestellte, steil abfallende Ouer-
stufen. Die obere liegt bei Saratagh in 2370 m Höhe, die untere wird durch den Iskander-Kul 2200
ausgefüllt. Rings um diesen See ziehen etwa 50 m über dessen Wasserspiegel deutlich ausgeprägte alte
Uferlinien.
4. Im Thal Passrut-Su liegen analoge Querstufen in 2100 m (bei Margusor) und 2300 m (zwischen
Margusor und dem Lailak-Pass).
ö. Ein östlicher Nebenfluss des Woru zeigt eine seenbedeckte Querstufe westlich unterhalb des
Lailak-Passes in 2890 am.
Diluvialterrassen sind fast an allen größeren Flüssen zu beobachten, insbesondere entlang dem
Kawansa-Kul, am Karatagh-Darija bei Karatagh, am Wachsch bei Norak (50— 100 ,n über dem Fluss) und
oberhalb Tut-Kaul.
Löß ist viel allgemeiner verbreitet als Muschketow’s Karte angibt. Ein besonders bedeutendes
Verbreitungsgebiet stellen die Hügelketten zu beiden Seiten des Kisil-Su dar (vergl. Profil Nr. 5). Man trifft
diese Bildungen häufig auch in beträchtlichen Höhen mitten im Gebirge, z. B. bei Labi-Dschai, 1300 m, in
den Chasret Sultan-Alpen auf der oben erwähnten Moräne, bei Chakimi in 1600 »z Höhe, zwischen Nalban
und dem Kamaro in 2100 m Höhe etc.
In den Flussthälern bedeckt der Löß allgemein die Diluvialterrassen. Der unten folgende Durchschnitt
durch den Jach-Su bei Nowabad kann in dieser Hinsicht als typisch bezeichnet werden.!
Fig. 4.
s 2
Jach-Sw bei Nowabad
L Loc£s DT. Diluvialterrassen
Es erübrigt mir noch, allen denjenigen Herren, welche durch die Bestimmung meiner Versteinerungen
die Publication dieses Berichtes ermöglicht haben, den wärmsten Dank auszusprechen. Herrn Prof. Pelikan,
welcher die Liebenswürdigkeit hatte, mein gesammtes Gesteinsmaterial zu untersuchen, schulde ich
besonderen Dank.
1 Eine Detailstudie über eigenthümliche Erosionserscheinungen im Thal des Danduschka hat kürzlich W. Riekmers in den
Bremer Geographischen Blättern, Bd. XXII, Heft 2, veröffentlicht. Dem Aufsatz sind Photographien aus dem Conglomeratgebiet vom
Safed-Darija beigegeben.
LIGENMEHDIEN —
Ze F j
x Ba E
nu‘
‚v.Krafft: Geolo
2 Be 4
i
Were SW
er ie
‚v.Krafft: Geologische Reiseergebnisse aus Bokhara. Taßl
Pässe f
Dislokationslinien I u. LG \
Sormationsgrenzen f —
— — — Ihpothetische Formationsgrenzen IgG da
auunxxx Boulte des Verfassers PB
Höhenangaben nach Aneroidmessungen. des Autors
FH Schwach geneigte Schichten p,
F Steil einfallende Schichten =
}- Senkrechte Schichtstellung ER
2-—-—-2 Durchschnitte . x
3-—-3 | Die Aummern er
5-——-5 entsprechen =
6-6. ( denenigen der
we. Bohltafeln.
I 1 Sandsteinfacies des Bocän
Ei Congl omeratische Facies des Foeän
IE Kreide
Z Untere Trias
I] Jungpalaeozozoische Tuffe, Sandsteine
Kalle etc.
Muminabad'*
1140 m
3] Obercarbonische Fusulinenkalke
= Altpalaeozoikum.
Nach der russischen. Generalslabskarte aus den. Jahren 1892 u. 93.
Zehn Werst = T engl. Zoll.
Lith.Anstv. ThBaunwarth Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw, Classe, Bd.LXX.
Av.Krafft: Ge o5, Tafıl
\ ca m
i Kangurt 0.
870m
== |
Ben il
+ SS 7 m UM
; Be = I > £ S2 a Sn sn \ .
BG Base Gulı - 2 7
GERIGDER » -
RRPE: Sinban, 1470m
©
1. Kalke der Ob. Kreide IHRER:
1 2. Sandsteıne des Kocan er
2
3
4
N-.3,. 3:0
# Kui-Schach
W.NW. Safedko rad
M ah i
> Störungslinie L ce
Alı-Sc ; 9.27
E Ravnau g Azawss:
ca. 20 z Obi Ravnau en ee = 3
\NHTI IM Zr;
\\\\) \] \Dm ın we I A FRTZ > N Er
ln) ı = A
6) 2a 3 3
3. Jungpalaeozolische Tuffe, Fusulinenkalke eto.
- Diabas. b. Schichten mit Myophorıa Darwasana Bıtiner
c. Schichten mit Martinia des Kuı-Schach.
4. Fusulimenkalke ,
[3
Er
W.NW.
[oR
2%
Pass Sabsagur Mirschadı
1. Kalke 3 Weisse Kreide L. Zoels
rate, Sandsteii ? 7 ; y
2. Thone a u andsteine, Sande u. sandıge Thone } Eocän. A Kalke mit Äustern.\ . ‚Kreide
3. Aothe Asteine 3 Mergel
d. Diabas 6 Sandsterne
2a. Thone
= Karatagh
L. Zoefs 2 d.
er D.T. Diluvial “Terasse Lith. Anst v ThBannwarth Wien
| Surchan-Darija.
Lenksenriiten d. Kals. Akdau. U. VVi15>, INalıı,-tıaluı ww. Viaooy, 10x
“ Da -
‚Kraft: Geologische Reiseergebnisse aus Bokhara. N N Ne4 S Ww.
03: N®1. Tschul-Dair Beebert Wachsch ca 1600 m
; i h - i
Worak : Na Tut-Kaul,
620m |} u 1 700m
; 1. na
Pass Guli - Pi RIVER
Sinban, 1470m i u
OO nl, en
1. Aothe Sandsteine } rn, 5. Aalke und Mergel } ee I I. 1. Kalke der Ob. Kreide Be
H h j , i EN ..boeis.
5 De en a Er ehe e 5 I. Kreide, U. Zocan A. IINSTITE an asean 2. Sandsteıne des Bocan
. gel, a. \ Kreide » Dunklo Kalke, ca. 200m. Jura ® B 1. Kalke, 2.Mergel, 3.Sandsteine L Zoelßs
4. Mergelkalke 8. Sandsteine, b. Pflanzenfundstelle, Rhat.
N.W. 25. S.0.
W.NMW. INES7% Kutsch-Manor Mr u
Mazar-5u 2900 m. 0. S.0. 3500 m. Safedko Kui-Schach
Alı- Schuki | a Sared:Darıy. Chasret-i-Schan ; ö; ;
Fe i Kala-i-Chodscha ee een örungsliniell. BIODnanDSNE 2
a
ca. 2000m
’ ‚Storungslinie I
mm
2a 3
1. Conglomerate, 2. Sandsteine, 3. Thone des Bocan | 1. Alttertiäre Conglomerate 3. Jungpalaeozoısche Tuffe, Fusulinonkalke etc.
2. Sandsteıne, Kalke ur. Thone, Untere Trıas d. Diabas. b. Schichten mit Myophoria Darwasana Bittner
feier a Fundstelle von Werfener Fossılıon c. Schichten mit Martinia dos Kuı- Schach.
plan 2a Thone zweifelhaften Alters. 4. Fusulmenkalke ,
©
N> 6. . Kamaro
each ca 3500 m Wardschudsch ! ; W. Ne 0.
Pass Sabsagur ra : h -o.
g 2250 m. RN 05:0: Bar nezleeR Mirschadi .
rd
© N
ESSEN
slinie F
\ Surchan-Darija.
Ron 2 : _—
RO u .
{ as m > i NN N 1%,
Pass Langar /) m \ ee -
2800 m. 2 1
1. Kalke 1. Vungpalaeozoische Tuffe u. Busulinenkalke = 3 Weisse Kreide Tees -
2. Thone . | Untere Trıas 2 a ee: a. Hundstelle ER - 1. Conglomerate, Sanasteine, Sande u. sandige Thone } EocE h Kalke mit Austern.\. Kreide u
# ex Sandsteıne i Z CELL 132 90: Ser 2. Aothe Sandsteine 5 Mergel n .
» Diabas. 6 Sandsteine
2a. Thone zweifelhaften Alters & 5 <
= SE N. Chakimi N° 10.
W.NW. Pass Katsch- Bandon. 0.50 alla
2470 m. wur EENEDERN 5
. a trih seh ietr teren
Muminabad & EREEN RR 3 = -
EERLASN SM 2 Karatagh
ER AN Re zer -
j
Dun er Labi-Dschai 5
u
rt 173500 m == 2
1 Alttertiare Conglomerate 1150 -
Biimtere Tas 1. Kothe Sandsteine u, Kalke, Eocan 25
2. Kalke N ade h. Forphyre, Tuffe u: Eruptiv-Breccien 6. Rother Granib L. Zoe/s 1
5. Mergel ı. Sandsteine } 5. Marmor 7. Grauer Granit D.T. Diluvial Terasse Lith. Anst v ThBaunwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LAX.
.
eologis che Reiseergebnisse aus Bokhara. Tat.
a Siaku ca 5000m nei
s DAR Siaku u. Furusch von Eligawara am Obi Niob gesehen.
RN
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Ara
\ Kugi Furusch
ca 5000 m
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LAL N N VB TN
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y IV. Untere Trıas —> > = E 2 S > : —a ch
K. Kalke. Th. Rothe u. grüne Thone = “
Kugi-Jach-Tasch Denudationsreste von Jungpalaeozoikum auf dislocirten
ca 4000 m Fusulinenkalken, vom Kui-Schach gesehen.
Jach-Tan
HESS
ZH,
Transgredirende alttertiäre Conglomerate (V) auf Jungpalaeozoikum (IL)
vom Chasret- Chan gegen N.O. gesehen
Pass Elicharw
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Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd. LXX.
Lith. Anst v. ThiBannwarth Wien.
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JUPITER- BEOBACHTUNGEN
AUF DER
Be TOR ASTFERNVVARTE 1896-1898.
VON
LEO BRENNER.
(Mit 7 Tafeln.)
(VORGELEGT IN DER SITZUNG VOM 1. FEBRUAR 1900.)
A. Opposition 1896 —1397.
Vorbemerkungen.
In Fortsetzung meiner im LXIV. Bande der »Denkschr. d. mathem.-naturw. Cl. d. kais. Akad. d.Wiss.«
abgedruckten Jupiter-Beobachtungen erstatte ich in den nachfolgenden Zeilen Bericht über meine weiteren
| diesbezüglichen Untersuchungen der Oberfläche des Planeten Jupiter.
Während der Opposition 1896 —97 wurde Jupiter in der Zeit vom 8. September 1896 bis 25. Juni 1897
von mir 44mal beobachtet (92'/, Stunden), wobei ich 20 Zeichnungen und eine Anzahl Skizzen aufnahm.
Aus 12 Zeichnungen ließen sich eine vollständige und 3 unvollständige Karten der Oberfläche herstellen,
welche hier reproduciert sind. Über diese gelten dieselben Bemerkungen, welche ich in meiner vorher-
gegangenen Abhandlung gemacht habe (S. 541 —543, bezw. 1—3); nur sei bemerkt, dass die Positionen
aller auffälligeren Flecke durch mikrometrische Messungen festgestellt wurden.
Allgemeines Aussehen.
Als ich Jupiter nach fast dreimonatlicherUnterbrechung am 8. September bei Luft 1 wieder einstellte,
befremdete mich sein verändertes Aussehen, obgleich sich die Lage der Streifen nicht wesentlich geändert
zu haben schien. Am auffallendsten war mir die außerordentliche Dunkelheit der Nordpolar-Calotte, welche
an Intensität dem S. T. B. gleichkam. Das N. N. T. B. war verschwunden — oder besser gesagt, es war
mit der N. P. Z. vereint. Das N. T. B. war nach dem S. E.B. der dunkelste Streifen, dunkler sogar als
der N. E. B. — ein Umstand, der umso auffallender ist, als einige Monate später das N. T.B. auf der
einen Hemisphäre ganz verschwunden war, während es sich in der anderen zu einem mit zahlreichen
Flecken besetzten Hauptgürtel entwickelt hatte. Nur war das N. T. B. erdfarbig, zum Unterschied vom
rosafarbigen N. E. B.; dagegen war es sehr scharf markiert. N. Tr. Z. und E. Z. hatten jetzt gleiche Breite,
_ doch war letztere derart durch helle und dunkle Flecke gesprenkelt, dass ein unerfahrener Beobachter
leicht hätte glauben können, Jupiter besitze nur einen einzigen breiten Äquatorealstreifen mit vielen
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 10
4
u
74 Leo Brenner,
Flecken in der Mitte. In der That lehrt eine Durchsicht der Zeichnungen älterer Beobachter, dass einige
derselben wirklich einen solchen Eindruck gewonnen haben; dies tritt namentlich in Zeichnungen aus den
Jahren 1870—74 und 1879—84 hervor, wo die beiden Äquatorealgürtel als ein Gürtel dargestellt sind, in
welchem die Flecke der E. Z. zerstreut sind. Der Anblick, welchen ich am 8. September 1896 hatte (aber
leider wegen zu großer Ermüdung — ich hatte vorher stundenlang Mars und Sirius beobachtet — nicht
zeichnerisch wiedergab), klärte mich darüber auf, wie jene sonst befremdende Darstellung älterer Beob-
achter zu verstehen sei.
Der S. E. B. war schmal, weil er durch das breite Rift getheilt erschien, welches dem Großen Rothen
Fleck vorangeht, sein zungenförmiger Südrand geschlossen, also eine linke »Schulter« bildend. Die rechte
»Schulter« war sehr scharf und dunkel, dagegen der »Große Rothe Fleck« zwischen den beiden Schultern
nicht erkennbar. Letzterer Umstand erscheint umso seltsamer, als Luft 1 war. Das S. T. B. war so wie in
der letzten Opposition, das S. S. T. B. unscheinbar und die S. P. Z. bedeutend matter als die N. P. Z., also
auch ohne so scharfen Rand.
Bei meiner nächsten Beobachtung (6. October) hatte sich das allgemeine Aussehen des Planeten nicht
wesentlich geändert. Nur der N.E.B. war noch schmaler geworden und seine Intensität hatte abgenommen,
so dass jene des N. T. B. ihr gleichkam. Eine Überraschung erwartete mich jedoch am folgenden Tage,
als ich die Landzunge, d.h. den Südrand des S. E.B. zwischen 320° und 360° gänzlich verschwunden
sah, was ich bis dahin nur ein einzigesmal (auf meiner ersten Zeichnung vom 20. September 1894)
gesehen hatte und eine unerklärliche Erscheinung "ist. Auch der Große Rothe Fleck war unsichtbar,
dagegen das N.T. B. intensiver als der N. E. B. (jedoch braun), das S.T. B. blass-röthlichgrau, die N. P. Z.
auffallend dunkel, dagegen die S. P. Z. sehr hell.
Ob nicht die seit September bemerkte auffallende Dunkelheit der N. P. Z. im Zusammenhange mit
den bald darauf erfolgenden Ausbrüchen im N. E. B. steht?
Am 12. November begann der Große Rothe Fleck als undeutlicher Anflug wieder aufzutauchen;
ebenso die vorhin verschwunden gewesene Landzunge. Aus dem Umstande, dass sie nur wie eine
schwache, schmale Linie erschien, schließe ich, dass ihr früheres Verschwinden durch eine Überflutung
mit der weißen Materie verursacht wurde, welche die beiden rothen Äquatorealgürtel begrenzt und Rifts
in sie hinein entsendet. Danach würden also die Oberflächen der beiden Stoffe nahezu gleiche Höhe haben,
jedoch letztere Schwankungen unterworfen sein. Sonst entsprach die im Beobachtungs-Journal entworfene
Beschreibung genau jener der vorhergegangenen Beobachtungen; nur das S. T. B. war intensiver als der
N. E. B. geworden.
Nachdem ich im December und Jänner nur Messungen vorgenommen hatte, wandte ich erst wieder
am 4. Februar 1897 meine Aufmerksamkeit dem Aussehen des Planeten zu und fand ihn zu meiner Über-
raschung wesentlich verändert. Unter dem 134. Längengrad brachen nämlich sowohl der N. E. B. als auch
das N. T. B. plötzlich ab, während zwischen beiden ein neues Band gewissermaßen die Fortsetzung
bildete. Schematisch so:
mm N... D.
Neues B. esse
mm N. ]'. B.
it
134°
Sowohl der N. E. B. als auch der Nordrand des S. E. B. waren so dicht mit Flecken besetzt, dass sie
ganz gesprenkelt erschienen. Leider musste ich mich auf eine ganz oberflächliche Skizze beschränken, da
ich bereits durch sechsstündige Beobachtungen ermüdet war.
Erst am 15. Februar konnte ich wieder Jupiter beobachten, fand dabei den aschfarbenen Gr. R. Fl.
kaum wahrnehmbar, dagegen im N. E. B. eine neuerliche, mich überraschende Veränderung: der N. E. B.
schien nämlich erst vom 55. oder 60. Grad zu beginnen und nur durch eine schmale N. Tr. Z. vom N. T.B.
getrennt zu sein, welches mehrere dunkle und helle Flecke zeigte und ungewöhnlich breit und dunkel
Ei
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896—1898. 75
war, so dass es an das Aussehen von 1894 erinnerte. Das N. N. T. B. schloss sich ihm nahe an, während
es durch eine breite N. N. T. Z. von der N. P. Z. getrennt war.
So die Beschreibung im Journal; aus der ihr beigegebenen Skizze und durch Vergleich mit den
Zeichnungen der nächsten Tage ersieht man jedoch, dass ich die Veränderung schlecht aufgefasst hatte.
Nicht das N. T. B. war es, welches so breit und dunkel war, sondern die wieder aufgetauchte Nord-
hälfte des N. E. B., wie sie schon 1894 —95 zu sehen gewesen war! Sie war es auch, welche ich am
4. Februar vom 134. Längengrad ab als Fortsetzung der dort abbrechenden Bänder (N. E. B. und N. T. B.)
gesehen hatte. Was ich oben als N. Tr. Z. beschrieb, war dann nichts anderes als das Rift, welches den
N. E.B. in zwei Hälften zerlegt und das vermeintliche N. N. T. B. in Wirklichkeit das N. T. B.
Die Sache wird klar, wenn man die Karte XVIII und die Zeichnungen 154—156 betrachtet. Auf
Zeichnung 154 bricht die Nordhälfte des N. E.B. unter dem 128. Grade plötzlich ab und zwei große,
glänzende Flecke bedecken ihr Ende. Anderseits sieht man, wie unter dem 132. Grade das N. T. B. sich
verdoppelt. Ähnlich ist es auf Zeichnung 156, wo die Nordhälfte des N. E.B. unter dem 122. Grade
plötzlich abbricht, ihr Ende ebenfalls durch einen großen glänzenden Fleck bedeckt, das N. T. B. dagegen
einfach und breit ist. Seine beiden Hälften scheinen sich demnach wieder vereinigt zu haben.
Auf Zeichnung 155 finden wir den N. E.B. zwischen 160° und 320° noch einfach, ebenso das
schmale N. T. B.; Karte XVIII zeigt uns endlich den N. E. B. nur zwischen dem 295. und dem 120. Grad
doppelt, das N. T. B. einfach und breit.
Aus alledem geht klar hervor, dass sich Anfang 1897 im N. E. B. ungeheure Umwälzungen zuge-
tragen haben, und dass ich so glücklich war, wenn nicht ihrem Beginne, so doch wenigstens ihrer Ent-
wicklung beizuwohnen. Bisher fanden immer die Beobachter die großen Veränderungen fertig vor, wenn
Jupiter nach seiner Conjunction wieder auftauchte; aus meinen Beobachtungen und Zeichnungen ersieht
man nun zum erstenmale, wie diese großen Umwälzungen vor sich gehen: Erst ist der N. E. B. schmal
und einfach, die N. Tr. Z. ungeheuer breit, das N. T. B. breit und dunkel. Dann beginnen sich in dem bis
dahin ziemlich fleckenlos gewesenen N. E. B. dunkle und helle Flecke zu zeigen, die an Zahl und Größe
zunehmen, bis der N. E.B. gesprenkelt aussieht. -Diese Flecke dehnen sich gegen Norden aus und
scheinen dort sich zu einem Parallelstreifen zusammenzuziehen, welcher durch ein Rift vom älteren
Gürtel getrennt ist und vorerst sich auf etliche Längengrade erstreckt. Allmälich verlängert sich dieser neue
Parallelstreifen, und zwar vorerst in der Rotations-Richtung, denn aus den Beobachtungen vom 4.,
18., 23. und 25. Februar geht hervor, dass sein folgendes Ende die respectiven Längen 134°, 128°, 120°
und 120° hatte, also entweder eine Eigenbewegung oder eine größere Rotationsschnelligkeit gehabt
haben muss, als System Il der Crommelin’schen Ephemeride.
Zwischen dem 25. Februar und dem 8. März hatte sich dann der Parallelstreifen mindestens bis
zum 220. Grad ausgedehnt und längstens am 15. März war der Ring geschlossen — der N. E. B. hatte
sich verdoppelt. So doppelt (wie er schon 1894—95 gewesen war) blieb er, wie wir sehen werden, bis
zur nächsten Erscheinung (1897—98), während welcher er wieder das Aussehen der Opposition von
1895—96 annahm, um schließlich (Juli 1898) wieder die Verdopplung zu beginnen. In der letzten
Erscheinung (1898—99) hingegen sah er wieder so aus, wie 1894—95 und 1896—97, so dass die
Periodicität dieses Wechselspieles auf der Hand liegt. Doch darüber später!
Vom 18. Februar ab nahm ich bei jeder günstigen Gelegenheit Zeichnungen auf, aus denen besser
als durch eine Beschreibung die Veränderungen im allgemeinen Aussehen des Planeten ersichtlich sind;
im übrigen vergleiche man das Resultat meiner Messungen am Schlusse dieser Abhandlung.
Südpolarzone (S. P. Z.).
r
Sie unterschied sich. wenig von ihrem Aussehen, wie ich es für 1895—96 geschildert habe. Meist
erstreckte sie sich so weit nach Norden, dass die vormals bisweilen gesehenen Streifen (S. S. A. B. und
S. A. B. nebst den dazwischen liegenden Zonen) in ihr enthalten waren.
10%
76 Leo Brenner,
Erst die
S. Süd-Temperate-Zone (S.S.T. Z.)
war ein bei jeder besseren Luft sichtbares Gebilde; nur am 9.Mai war sie selbst bei Luft 3—4 nicht wahr-
nehmbar. Flecke sah ich in ihr nur ein einzigesmal: den hellen in Zeichnung 168.
S. Süd-Temperate-Band (S. S. T. B.).
Dasselbe war von wechselnder Intensität: manchmal von gleicher wie die S. P. Z. (auch in Farbe
nicht verschieden), zu anderen Zeiten dunkler, aber nie anders als grau. Außer dem hellen Fleck in
Zeichnung 169 und der (wahrscheinlich durch mehrere nebeneinander stehende Flecke verursachten) Auf-
hellung in Zeichnung 156, sah ich auf dem S. S.T. B. nur dunkle Flecke, beziehungsweise Verdunkelungen
von großer Ausdehnung (Karten XVII, XIX, XXI, Zeichnungen 156 und 163). Jene mit »1« bezeichnete
hatte folgende Ausdehnung:
Karte XVIII von 232—258°, also Mittelpunkt 245°, Ausdehnung 26°,
Zeichnung 163 » 246—276°1 » >» 2617, > 30°,
Karte XIX » 236—264°, » » 290, > 23°,
BO ls » 2304 » 40°.
Daraus ergibt sich der merkwürdige Umstand, dass diese Verdunkelung in den ersten Il Tagen
eine durchschnittliche tägliche rückläufige Bewegung von 1°+454 hatte, dagegen ist in den folgenden
Tagen eine rechtläufige, und zwar in den ersten 7 Tagen von 1°571, in den folgenden 54 Tagen von
0°278. Wenn man nicht Stürme annehmen will, welche jene Verdunkelung bald gegen Osten, bald gegen
Westen trieben, so bleibt nur die Annahme übrig, dass die wirkliche Bewegung dieser Verdunkelung
durch den Umstand beeinflusst, beziehungsweise verschleiert wird, dass ihre Enden von der minder
dunklen Materie des S.S. T. B. bald überflutet, bald von ihr freigelassen werden. Für die Wahrschein-
lichkeit dieser Annahme spricht einerseits der Umstand, dass die Ausdehnung der Verdunkelung eine
veränderliche war: erst 26, dann 28, zuletzt 40 Grade umfassend, anderseits jener, dass die Zeichnung
166 und die Karte XX jene Verdunkelung gar nicht zeigen. Obwohl es nicht ausgeschlossen ist,
dass ich sie damals übersehen habe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie damals von der helleren
Materie bedeckt war, doch die größere. Dass derlei öfters zu geschehen pflegt, dafür scheint mir die in
Karte XVIII sichtbare lange Verdunkelung zu sprechen, welche sich am 25. Februar über 75 Längengrade
erstreckte (65— 140°) und doch merkwürdigerweise 6—7 Tage vorher, sowie 18 Tage später nicht zu
sehen war. Am 23. Februar allerdings sieht man sie aufZeichnung 156, wo ihr Östende bis zum 127. Grad
reicht. Wenn man nach dem Östende rechnet, würde in diesem Falle die Verdunkelung in 2 Tagen 13°
zurückgelegt haben, was für so hohe Breiten sehr unwahrscheinlich ist. Es liegt daher die oben aus-
gesprochene Vermuthung viel näher.
Süd-Temperate-Zone (S.T. Z.).
Dieselbe enthielt sehr oft helle Flecke, die mitunter in das
Süd-Temperate-Band (S.T. B.)
hineinragten, also am besten mit den Flecken des letzteren zusammen behandelt werden. Das S. T. B.
war von wechselnder Färbung und Intensität, wie man schon aus den farbigen Zeichnungen ersehen
kann. Während es z.B. am 15. März, 3. und 14. April durch seine Intensität überraschte, war es am
ö. Juni wieder auffallend schwach.
1 Von 276 — 283° befindet sich ein intensiverer Fleck, der durch seine runde Form andeutet, dass er nicht direct zur eigent-
lichen Verdunkelung gehörte.
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896— 1898. TI
Was die einzelnen Flecke betrifft, so ersieht man ihre Eigenbewegung aus nachstehender Tabelle,
in welcher die Rubrik z sich auf die Nummer derZeichnung oder Karte, b auf die Länge-des Flecks bezieht
und c die durchschnittliche tägliche Eigenbewegung enthält, wobei ein r andeutet, dass dieselbe rück-
läufig war. Die Zahlen in den Überschriften der Rubriken beziehen sich auf die Nummer des Flecks in
den Tafeln.
2 3 4 5
a ir |
b > c b c b | c | b ce
EN 1370 _ 145° —_ 153° 162° —
ZANDER Er 74 9°00 82 9°00 gı 83?56 101 | 8°71
ee kenne 37 0'77 5I 0'65 5I | 0:83 68 | 0:69
6 7 b) I
[2
= b c b c b | c b | c
N Be 277° _ 291° —_ 241° _ 247° _
BRVUITER er. 200: 270 1:40 292 0°20 1 226 3°00 231 3°20
DEE ee _ _ — —_ 219 0'37 227 o'21
166 = —_ _ 214 0'71 222 071
nn nn
| 10 11 12 13
a
b c | b {2 b c | b c
SR a 28225 = 300°5 _ 3122 —_ 345° —_ 1
lee 275 0°625 294°5 0°50 308 07333 395 [6)
XIX . Sn ee 272 ee — —_ IE 2307 0'14 307 5243
SEID) 1" Alan EM EEE 276 OH _ _ _ _ _ —
ie 5 248 0'72 _ _ 295 0'31 312"5 o’14 Fr.
SS ae. 232 1'78 _ e 279 1'78 = —_
1
nn nn,
|
| 14 15 16 17
a
b ce b c b c b c
BVL En en Sarsıce 5 356° _ 3% _ 140° = --
ut er RE 352 5 0°29 — = _ = — _
XIX oe RL _ _ E= _ 128 0°67 _ _
RN ee een —_ _ _ _ — _ 180° =
BUT se are: _ _ _ — — — 185 0°42 r.
ONE _ u u _ 103 0'555 _ u
RE 331 0'405 358 o?51 _ — — —
Südtropische Zone (S. Tr. Z.).
| Diese war, wie immer, ziemlich fleckenarm. Zeichnungen 156, 166, 168, 169 und Karten XVII, XXI,
enthalten solche, doch nur ihrer zwei konnten identificiert werden; nämlich Fleck 18, der in Karte XVIII
unter 141° und in Zeichnung 169 unter 111° steht, dessen tägliche Bewegung also im Durchschnitt 0°48
betrug; und Fleck 19, der in Karte XVIII unter 281°5 und in Karte XXI unter 190° steht, also eine
Eigenbewegung von 1?24 pro T’ag hatte.
78 Leo Brenner,
Großer Rother Fleck (Gr. R. Fl.).
Die Sichtbarkeit dieses räthselhaften Gebildes, welches die Jupiter-Beobachter nun schon seit
22 Jahren beschäftigt, war eine sehr wechselnde. Am 15. Februar notierte ich z. B.: »Gr. R. Fl. kaum wahr-
nehmbar (bei Luft 3), denn er sticht durch seine Aschfarbe kaum ab«; am 24. Februar: »G. R. Fl. äußerst
schwach«; am 25. Februar: »Gr. R. Fl. kaum bemerkbar und nur seine Südränder dunkler»; am 2. April:
»Sehr schwach, jedoch die ‚Brücke‘ und ihre Verlängerung in das S. T. B. hinein sehr intensiv«; am
14. April: »Gr. R.F. deutlich begrenzt, obgleich sehr blass-gelbgrau, jedoch dunkler in seinem folgenden
Ende«; am 30. April: »Kaum wahrnehmbar«; am 3. Mai: »Kaum wahrnehmbar; am intensivsten noch in
der ‚Brücke‘«; am 30. Mai: »,Brücke‘ sichtbar und hinter ihr, sowie auf dem Gr. R.F. je ein heller Fleck«.
Diese Flecke, sowie die Brücke und ihre Verlängerung in das S. T. B. haben mich oft in Verlegenheit
gesetzt. Von einer optischen Täuschung kann keine Rede sein, wenn die Gebilde so deutlich und scharf-
abgegrenzt sind, wie sie in unserem Refractor erscheinen; sie sind also reell. Es entsteht nun die Frage:
wie kommt es, dass ich fast in jedem Jahre mehrmals glänzende Flecke an derselben Stelle sehe? Denn bei
Durchsicht meiner Zeichnungen wird man finden, dass fast in jedem Jahre mehrmals glänzende Flecke
hinter der Brücke und ober der linken Schulter stehen. Haben wir es hier wirklich nur mit den zufälligen
Stellungen verschiedener Flecke zu thun, oder ist es immer derselbe Fleck, welcher an der gleichen
Stelle verharrt und bald verschwindet, bald wieder auftaucht?
Ebenso ist es klar, dass die »Brücke«, d. h. die Dunkelheit des folgenden Randes des Gr. R. Fl. auf
irgend eine Ursache zurückgeführt werden muss und dass diese vielleicht mit der Dunkelheit des S. T.B.
oberhalb des Gr. R. Fl. im Zusammenhange steht. Denn letztere machte mir immer den Eindruck, als sei sie
dadurch hervorgerufen, dass das Oval des Gr. R. Fl. dort in das S. T. B. hineinragt.
Süd-Äquatoreal-Gürtel (S.E.B.).
Im Gegensatze zum Vorjahre war dieser Gürtel verhältnismäßig ziemlich fleckenlos. Über sein Aus-
sehen finde ich folgende Aufzeichnungen: 28. December (1896): »Am Rande des S. E.B. scheint mir
wieder die »Kette« zu stehen; wenigstens befindet sich um 181/," ein sehr dunkler großer Fleck in der
Mitte, umgeben von zwei glänzenden Flecken, an die sich weitere, aber schwächere Flecke anzuschließen
scheinen« 1; 18. Februar: »Beide E.B. gleich röthlich-rosa«; 25. Februar: »Die scharlachrothe
Färbung des S.E.B. fällt mir besonders auf«; 15. März: »S.E.B. hat nicht nur das gewöhnliche Rosa,
sondern sogar eine carminrothe Zone«; 30. April: »Beide E. B. haben jetzt gleiche rothe Farbe«;
>. Juni: »S.E.B. unter allen Streifen der einzige nicht verschwommene noch matte«; 6. Juni: »S.E.B.
auffallend dunkelroth«.
Was die Rifts betrifft, welche den Gürtel gewöhnlich seiner ganzen Länge nach theilen, aber mit-
unter auch unterbrochen sind und dann in eine der beiden angrenzenden Zonen münden, so waren sie
weniger zerrissen als im Vorjahre. Ebensowenig sah ich sie je in die Bai münden, welche den Gr. R. Fl.
umschließt, wie das doch früher oft (sogar meistens) der Fall gewesen war.
Bei dieser Gelegenheit will ich gleich auf die merkwürdige Thatsache aufmerksam machen, dass
ich, so lange ich beobachte, noch niemals einen der zahlreichen auf den Rifts schwebenden Flecke durch
die rechte Schulter in die Bai ziehen sah, während doch wiederholt helle Flecke aus der Bai durch die
linke Schulter auf das dortige Rift zogen. Diese Seltsamkeit muss irgend einen Grund haben!
Die Eigenbewegung der Flecke der S.E.B. (einschließlich der S. Tr. Z.) ist aus folgender Tabelle
ersichtlich:
1 Die »Kette« nannte ich eine perlenschnurartige Reihe von etwa einem Dutzend heller und dunkler Flecke, welche 1894 —95
im S. E. B. das auffälligste Object waren.
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896—98. 79
15 19 20 21 22
a | E
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3 199° _ ZIRE e= 220° —_ 2322 — 263° _ 294° _
a Re 186 1°86 203 1°14 220 o 231 0°143 248 2°14 275 2°71
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I
ESS hr SR ER e 5 2 = 265 2078 | 337 1922
Äquatoreal-Zone (E.Z.).
Dieselbe unterschied sich von der vorhergegangenen Erscheinung dadurch, dass die auf ihr vor-
kommenden Flecke lange nicht mehr so zahlreich und dichtgedrängt auftraten. Dies überraschte mich
- derart, dass ich schon zu fürchten begann, mein Auge habe die zu ihrer Wahrnehmung nöthige Empfind-
lichkeit eingebüßt und deshalb andere geschickte Beobachter darüber befragte. Ich erhielt jedoch zu
meiner Beruhigung die Versicherung, dass auch sie diesmal sehr wenige helle Flecke in der E. Z. sähen.
- Es scheint demnach, dass auch hier eine Periodieität im Auftauchen der Flecke vorhanden ist.
| Am 18. Februar notierte ich, dass die E.Z. schmäler geworden sei; am 24. Februar und 15. März
wunderte ich mich über die geringe Zahl glänzender Flecke und die Schwäche des E.B.; am 25. Februar
fiel mir die ungewöhnliche citronengelbe Färbung der E.Z. auf, und erst am 5. Juni sah ich sie wieder mit
einer großen Zahl glänzender Flecke übersäet. Das
Äquatoreal-Band (E.B.),
welches gewöhnlich die E.Z. durchzieht, war sehr unregelmäßig und oft zerrissen und lückenhaft. Nur
am 15. März war es so intensiv und regelmäßig, dass es einem der gewöhnlichen Streifen glich
(s. Karte XIX). Am 2. April fand ich es ebenfalls sehr dunkel und gerade, so dass ein ungeübter Beob-
so
Leo Brenner,
achter hätte glauben können, es bilde einen durch ein Rift getrennten Bestandtheil des S. E. B. (Die Z. 167
vom folgenden Tage gibt noch einen kleinen Begriff davon.) Im Gegensatze dazu notierte ich am 30. April,
dass das E. B. äußerst schwach sei.
Nord-Äquatoreal-Gürtel (N.E.B.).
Wie schon oben erwähnt, bot dieser Gürtel, ähnlich wie 1894—95 und 1899, jedoch im Gegensatze zu
1895 —96 und 1898 ein Bild der regsten Thätigkeit. Auch die Farbe zeigte manche Veränderungen. Am
15. März fiel mir zuerst auf, dass die beiden Streifen des N. E.B. (unähnlich jenen des S.E. B., die nicht nur
das gewöhnliche Rosa, sondern sogar eine carminrothe Zone hatten) die Farbe des N. T.B. und des S. T.B,
aufwiesen, während gleichzeitig die dunklen Flecke auf ihnen sehr schwach und wenig intensiv waren.
Desto auffälliger und schärfer definiert waren aber dafür die hellen Flecke dieses Gürtels. Am 30. April
hingegen zeigten wieder beide Äquatoreal-Gürtel die gewöhnliche Rosafarbe.
Am 20. Mai zeigte der N. E.B. ungefähr zwischen 20° und 70° am Südrande eine auffallend dunkel-
rothe Färbung, welcher eine Kette heller und dunkler Flecke folgte. Am 5. Juni, als außer dem S. E.B.
alle Streifen sehr blass und verschwommen aussahen, überraschte der N. E.B. durch die besondere Auffäl-
ligkeit des ihn durchziehenden Rift. Auch enthielt er sehr viele helle und dunkle Flecke. Aber schon am
folgenden Tage notierte ich: »N. E. B. weniger roth als sonst«.
Was die zahlreichen Flecke betrifft, so war deren Identificierung besonders schwer, daher nur nach-
stehende als gelungen betrachtet werden können.
33 34 35 36 37 35
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b c b c b c b c b | ce b c
|
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56 57 58 5)
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Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896 — 1898. sl
nn
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b e b e b | c | b | c u | eu:
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VD | re) 1°08 277 1225 | 281 125 | 287 1°58 | 292 1?58 299 1°5
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66 67 65 69 | 0 “A
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| | | |
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| | | |
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| c2 78 74 75 76 |
a
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BO TEEN TE 128 1°55 | 120 1°45 | 153 267 ms 1:96 181 1'75
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Ele Ne — — 178 0957 — = 214 1214 | m — en ar
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ee A 250 o 256 o 247 o®43 r.| 259 o°14 269 0°14 280 0°57
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Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 1
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32 Leo Brenner,
112 113 114 115 117
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Nord-Tropische Zone (N. Tr. Z.).
Diese Zone wurde durch die Verdoppelung des N. E.B. auf ihre halbe Breite verengt. Flecke kamen
auf ihr häufig vor, und zwar ragten sie mitunter theilweise in das N. E.B., theilweise in das N. T. B. hin-
ein, weshalb wir sie zusammen mit jenen des
Nord-Temperate-Bandes (N.T.B.)
behandeln wollen. Das letztere war nur einmal anscheinend doppelt, nämlich am 18. Februar, wo es sich
beiläufig unter dem 140. Grade gabelte (Z. 154). Aber bald darauf scheinen sich beide Theile vereinigt zu
haben, denn auf der 5 Tage später aufgenommenen Zeichnung 156 ist das N. T. B. einfach, aber dreimal
so breit als früher, wie auch aus der Karte XVIII ersichtlich ist. In der Folge schwankte es sowohl in
Bezug auf Breite als auch auf Lage und Färbung, wie ein Vergleichen der Zeichnungen und Messungen
zeigt. So z. B. notierte ich am 15. März: »Sehr scharf und einander vollkommen gleich sind N. T. B. und
N.N. T.B<; am 30. April: »Das N. T.B. ist — was mir schon in der letzten Zeit aufgefallen ist — sehr
schmal und größtentheils schwach«; am 9. Mai: »N. T. B. und N.N.T. B. sind gleich schmal, unansehnlich
und nahe beisammen«; am 5. Juni: »N. T. B. gleich allen anderen Streifen sehr matt und verschwommen«,
Wegen der Veränderung des N. T.B. und N.N.T.B. in jovigraphischer Breite und Ausdehnung kam
es bisweilen vor, dass ein Fleck, der seine Bewegung unter gleicher Breite fortsetzte, sich bald auf dem
einen, bald auf dem anderen Streifen oder auf der zwischen ihnen liegenden
Nord-Temperate-Zone (N.T.Z.)
projicierte; deshalb halte ich es für zweckmäßig, alle Flecke der N. Tr. Z. und der N. T. Z. sowie des
N. T.B. und des N.N.T.B. (nebst den angrenzenden N.N.T.B.) unten in eine einzige Tabelle zu
vereinigen. Das
N. Nord-Temperate-Band (N.N.T.B.),
von nicht geübten Beobachtern bisweilen für die Verdoppelung des N. T.B. gehalten, war in seiner Lage
Breite und Intensität ebenfalls schwankend. Am 19. Februar erschien es außerordentlich deutlich, ebenso
am 25. Februar, trotzdem es ungemein schmal war und nur einem kräftigen Bleistiftstriche glich; dagegen
war es am 30. April kaum bemerkbar und auch am 9. Mai schmal und unscheinbar, wie es auch bis Juni
so blieb. Die
N. Nord-Temperate-Zone (N.N.T. Z.)
einbeziehend, erhalten wir folgende Tabelle der Fleckenbewegung:
s5 öl 6 87 88 59 ei)
le Or —_ == 285° E= — u — — —_ — —_
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DEAN re | RA | - u _ = _ — —s ö = us
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896 — 1898. 33
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BO er el — 2 —_ 2 = -- = u= _ _ 17272 2-42 — —
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169 ee TS 3°03 _ — 151 3°47
XX u _ 23 2256 32 3°56 — — 1 —— — — — —
E31. .- Be nee) el — | 136 Frrs
Wie aus den Zeichnungen hervorgeht, waren N. T.B. und N.N.T.B. oft auf lange Strecken hinaus
stark verdunkelt — so ungefähr als wenn eine Bleistiftlinie stellenweise mit intensiv schwarzer Tinte aus-
gezogen wäre. Ähnliche Verdunkelungen zeigten auch das
Nord-Arktische-Band (N.A.B.),
welches meistens den Saum der N. P.Z. bildete und durch die
Nord-Arktische Zone (N.A.Z,)
von dem ähnlichen aber weit,schwächeren
N. Nord-Arktischen Band (N.N.A.B.)
getrennt war, sowie die
Nord-Polar-Zone (N.P.Z.)
selbst (vergl. Karten XVII und XXI). In letzterer sah ich nur einmal einen hellen Fleck unter 38° (siehe
Z. 155), sonst unterschied sie sich wenig von der Süd-Polar-Zone.
Resultate der Messungen.
a) Jovigraphische Breite und Ausdehnung der Streifen.
In der nachstehenden Tabelle bezeichnet ß die jovigraphische Breite und 5 die Ausdehnung der
Streifen in Graden. Wo eine Klammer vorhanden ist, verstehen sich die beiden Zahlen für die beiden
Ränder, sonst für die Mitte des betreffenden Streifen.
Die erste Messung (vom 6. October 1896) wurde mit dem kleinen Mikrometer vorgenommen, welches
ich auch in der vorigen Erscheinung benützt hatte (Vergrößerung 165), die letzten sechs Messungen mit
unserem ausgezeichneten Heyde’schen Mikrometer (Vergrößerungen 146— 790). Die Zahlen in der Rubrik:
12. November beziehen sich nicht auf Messung, sondern auf genaue Schätzung.
11*
84
66 ee: ee ee US de ee ee m
Leo Brenner,
6. October 1896 ı2. November ı. Jänner 1897 18. Februar
Streifen m | |
ß | B B Eee |: B B B
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N.N.T.B. 38"35 \ 2 39 > 3480 \ 1:5 3538 —
NAODNZ ne ATS 4865 42 48 41'00 49 43:6 ==
Ve ee Il II I II
Dabei sei erwähnt, dass bei dem »Wert« I = vollkommen verlässlich, II = ziemlich verlässlich,
III = weniger verlässlich bedeutet. In der Rubrik 3 geben die Zahlen neben den Klammern die Ausdeh-
nung der betreffenden dazwischenliegenden Zonen an.
Schulter 15. Februar | 24. Februar | 25. Februar 21. März 26. März
Tinker Mel Aa re 0° un = In (0°)
Rechten er 36 37 (39°) 37 305
INDSTANG NE Mae 2 er re ie 36 30 30 SR 5)
Mitte 18 19 19 18:75
1
Nehmen wir das Mittel aus den 6 vollständigen Messungen, so erhalten wir für den Abstand der
beiden Schultern von einander 37°92 und für die Mitte des Großen Rothen Flecks 18°29. Nachdem aber
das Mittel aller Messungen für die linke Schulter 359°333 und für die rechte 38°264 beträgt, so kann
der Schultern mit 38°931 und die Mitte des Großen Rothen Flecks mit 18°8
annehmen. Es hat sich demnach seit der vorhergegangen Erscheinung nur so viel geändert, dass der
man den mittleren Abstand
Große Rothe Fleck gegen die Ephemeride um etwa 10° zurückgeblieben ist. Über diese seit Jahren beob-
achtete und ziemlich regelmäßige Erscheinung werde ich später ausführlicher sprechen.
Ebenso werde ich meine Messungen der Durchmesser des Planeten und seiner Monde, sowie meine
(bisweilen sehr merkwürdigen) Beobachtungen der Vorübergänge und Bedeckungen der Trabanten zu einer
späteren Zeit veröffentlichen.
Jupiter-Beobachtungen an der Manora- Sternwarte 1896—1898. 85
Te A AJVYVÖY $ JE
19. Februar 25. Februar 24. März 29. Mai 6. Juni
9 5 |
B B ß B B B B B | B B
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16°8 \ 10°5 \ 271075 1610 \ 16°4 \
10°6 10'4 10'060 10'35 1106
6'2 ] (op 720 l IHN, ] 48 ]
11'8 1257 >) 12°40 10°50 8-8
3382|) 6:0 525 |) 75) 410 |)
13°8 14'0 14°35 12"58 14'0
19°4 20°0 | 19:60 17033 1S'0
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35°6 Sa \ 2 B5 Ca? 31'060 ca. 2 320 ca. 2
43°5 43'7 46°3 45 55 44°15 = = 41'580 48°2
II I 1 I I
b) Der Große Rothe Fleck.
Nachdem der Große Rothe Fleck viel zu schwach ist, als dass er gestatten würde an seine Enden
den Mikrometerfaden anzusetzen, hingegen die beiden Schultern, welche ihn einfassen, desto deutlicher
sind, habe ich immer nur diese letzteren gemessen, denn das Mittel ihres Abstandes gibt uns auch die Mitte
des Großen Rothen Flecks an.
I
2. April | 12. April | 14. April 3. Mai | 2o. Mai | 1. Juni | 25. Juni
358° = = (356°) = == =
38 4u° 39° 38, 37°4 (41°) 38°5
40 42
| 18 17
B. Opposition 1897-1898.
Vorbemerkungen.
Während der Opposition von 1897—98 beobachtete ich Jupiter in der Zeit vom 19. October 1897 bis
18. August 1898 im ganzen 52 mal (87 Stunden), wobei ich 25 Zeichnungen und eine Anzahl Skizzen auf-
nahm. Aus 11 Zeichnungen ließen sich 2 vollständige und 1 unvollständige Karte der Oberfläche herstellen,
welche nebst den isolierten Zeichnungen hier ebenfalls reproduciert sind.
&6 Leo Brenner,
Allgemeines Aussehen.
Als ich Jupiter nach fast viermonatlicher Unterbrechung am 19. October 1897 wieder einstellte, fand
ich sein Aussehen nur in der Weise verändert, dass sich die beiden Äquatoreal-Gürtel einander genähert
hatten und die nördliche Hälfte des N. E. B. schmäler war als die südliche. Auf einer angefertigten sche-
matischen Skizze hat die E.Z. nur die halbe Breite des S. E. B., dessen Rift die gewöhnliche Breite hat,
während das die beiden Componenten des N. E.B. trennende Rift fast dreimal breiter erscheint.
Verschiedener Umstände halber kam ich erst am 15. Jänner 1898 dazu, mich wieder mit Jupiter zu
beschäftigen. Ich fand ihn insoferne stark verändert, als die nördliche Hälfte des N. E.B. verschwunden
war und statt ihrer das N. T.B. sich stark verbreitert hatte und gegen Süden gerückt war, so dass der
Planet wieder dem Aussehen während der Opposition 1895—96 ähnelte. Auch überraschte es mich zu
finden, dass trotz Luft 2 nicht nur der Große Rothe Fleck unsichtbar und die beiden Äquatoreal-Gürtel
sehr blassrosa waren, sondern dass auch alle übrigen Streifen mit den Polar-Zonen die gleiche blasse
graue Farbe gemein hatten. Die E. Z. war wieder breiter geworden und zeigte sich mit hellen Flecken und
dunklen Schatten (»whisps«) besäet, welche, am Südrande des N.E.B. stehend und in diesen hinein-
ragend, ihm ein ausgefranstes Aussehen verliehen. Weil sonst die Veränderungen auf der Oberfläche des
Jupiter ziemlich langsam vor sich gehen, musste es mich am 19. Jänner überraschen, als ich die Lage der
Streifen anders fand, als sie 4 Tage zuvor gewesen war. Die auffälligste Veränderung zeigte das N. T. B.,
welches am 15. Jänner bis + 14°6° gereicht hatte, jetzt aber schon unter + 17° endete, während seine
frübere Begrenzung noch in der Form eines schmalen dünnen Streifchens erkennbar war, auf dem einige
dunkle Flecke aufgereiht waren (s. Karte XXII). Zwei dieser Flecke glichen derart den in meinem ersten
Memoire besprochenen »Violin-« und »Granat-«Flecken, dass ich sie für eine Wiedererscheinung der-
selben hielt; aber eine Nachrechnung zeigte mir den Irrthum. Dagegen fand ich am nächsten Tage einen
Granatfleck, welcher mit dem ehemaligen zweifellos identisch war, weil seine Lage von der berechneten
nur um 1!/,° abwich. Auf diesen merkwürdigen Umstand werde ich später noch zurückkommen.
Am 19., 20. und 21. Jänner waren alle Streifen des Planeten (ausgenommen die beiden Äquatoreal-
Gürtel) so auffallend blass und unscheinbar wie die Polar-Zonen.
Nach längerer Unterbrechung durch Krankheit fand ich das Aussehen des Planeten am 15. April
neuerdings verändert: die früher so unscheinbaren Streifen waren dunkler und scharf abstechend
geworden, namentlich auf der Südhalbkugel; nur das N. T.B. verblüffte mich am 30. April durch seine
Blässe. Aber schon am 9. Mai waren wieder alle Streifen (mit Ausnahme der beiden Gürtel und des S.T.B.
sowie des rosigen E. B.), namentlich aber die beiden Polar-Zonen so auffallend blass geworden, dass sie
sich von den hellen Zonen fast gar nicht abhoben.
Am 15. Mai schien mir der Planet so ungewöhnlich glänzend, dass er mir die Augen schmerzen
machte. Anderseits aber scheint dies für die Definition vortheilhaft gewesen zu sein, weil trotz Luft 3 die
Streifen fast bis an die Pole hinauf zu sehen waren und in sehr hohen Breiten Flecke erkennbar wurden.
Die Schwankungen in der Intensität der Streifen nahmen aber nicht ab, denn schon am 5. Juni fand
ich dieselben blass, namentlich auf der Nordhalbkugel, wo sie kaum von den hellen Zonen abstachen. Die
gleiche Bemerkung findet sich unter dem 24. Juni vor, mit dem Hinweise, dass die Streifen der Süd-
halbkugel gleichzeitig scharf definiert seien. Es kann also nicht an unserem Luftzustande allein
liegen, wenn Jupiter manchmal schlecht definiert ist, sondern auch an den Zuständen
seiner eigenen Atmosphäre.
Am 18. Juli und 1. August waren wieder die Streifen der Nordhalbkugel äußerst schwach.
Am 26. Juli fand ich zu meiner Überraschung den N. E. B. vom 56.—131. Grade doppelt, sowie er in
der vorhergegangenen Erscheinung gewesen war. Diese Wahrnehmung bestätigte sich am 31. Juli, wo
eine zweite Messung die Enden dieser Verdoppelung mit 55° und 127° feststellte, während eine dritte
970
Messung am 2. August das vorangehende Ende unter 37° zeigte, so dass also das Fortschreiten der
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896—1898. 87
Verdoppelung unverkennbar war. Dabei war es charakteristisch, dass die Verdoppelung nicht plötzlich be-
gann, sondern in Form einer Gabelung<S, wie ich eine solche auch auf einer Skizze vom 15. Februar 1897
finde, wo ich die begonnene Verdoppelung in gleicher Form darstellte. Daraus schließe ich, dass sie in der
Weise vor sich geht, dass ein dunkler Fleck sich an den anderen anreiht, bis die Kette geschlossen ist.
Man vergleiche übrigens Z. 195 vom 19. Juli, auf welcher die beginnende Verdoppelung bereits deutlich
erkennbar ist.
Die Südpolar-Zone und die angrenzenden Streifen.
Wie schon oben bemerkt, waren die Polargegenden des Jupiter, trotz der ungewöhnlichen Blässe>
welche sie meistens aufwiesen, dennoch zuweilen so scharf definiert, dass bis nahe an die Pole Streifen
sichtbar wurden. Hatte ich schon früher die von der British Astronomical Association eingeführte Nomen-
clatur der Jupiter-Streifen um einige neue Namen vermehren müssen, so war ich diesmal zu einer neuer-
lichen Erweiterung gezwungen. Am 14. und 15. Mai z. B. sah ich noch 3 Streifen und 3 Zonen zwischen
der eigentlichen Polarzone und der S.S. T. Z., welchen ich, beim Pol beginnend, die Namen Süd-Polar-
Band (S. P. B.), S. Süd-Arktisches Band (S.S.A.B.) und Süd-Arktisches Band (S. A. B.), bezie-
hungsweise den dazwischen liegenden Zonen die Namen Helle Süd-Polar-Zone (B.S.P.Z.), S. Süd-
Arktische Zone (S.S. A. Z.) und Süd-Arktische Zone (S. A.Z.) beilegte. Man sieht sie ganz deutlich
auf der Zeichnung 185. Das S. P.B. wurde auch noch am 21. Juni gesehen; ebenso das S. S.A. B., welches
ich nebst dem S. A. B. nicht nur an den gleichen Tagen, sondern auch an anderen sah. In jenen Gegenden
sind die Flecke sehr selten: sei es, dass sie überhaupt selten auftreten, sei es, dass die Bedingungen zu
ihrer Wahrnehmung ungünstiger sind. Welche Flecke ich sah, ersieht man aus den Karten XXII, XXV
und den Zeichnungen 185 und 193. Aus denselben geht hervor, dass am 15. Mai und 5. Juni helle Flecke
bis an den 60. Breitegrad hinaufreichten, also um fast 20 Grade höher als die übrigen Beobachter
je gesehen hatten. Am 21. Juni reichte ein dunkler Fleck bis zum 55. Grade hinauf.
Das S. Süd-Temperate-Band und das Süd-Temperate-Band nebst den angrenzenden
Zonen.
Diese beiden Streifen waren immer zu sehen, wenn das Bild halbwegs ruhig war. Am 2. Mai notierte
ich: »Das S.S. T.B. und S. T.B. breiter als je zuvor, sehr deutlich, mausfarbig und etwa °/, der Breite
des S.E.B. habend, während die dazwischen liegenden und angrenzenden Zonen (S. Tr. Z., S. T. Z. und
S.S.T. Z.) äußerst schmal sind.« Schon am 15. April hatte ich gefunden, dass das S. T. B. »dunkler als je
zuvor« gewesen sei; am 9. Mai war es unter allen Streifen (die beiden Gürtel und das E.B. aus-
genommen) der einzig dunkle, und am 15. Mai noch dunkler geworden. Am 20. Mai fiel mir auf, dass im
S.T.B. und den beiden angrenzenden Zonen ungewöhnlich viele helle Flecke sichtbar waren. Noch am
19. Juli notierte ich die größere Dunkelheit des S. T.B. als bemerkenswert. Von der S. Tr. Z. fand ich am
10. Mai, dass sie »der glänzendste Theil der Oberfläche« sei.
Von den Flecken (deren Positionen auch in dieser Opposition meistens durch mikrometrische
Messungen bestimmt wurden) lässt sich die Bewegung der nachstehenden verfolgen:
EEE I ea .sl 208° — 238° _ — = u _ E= _
A a ER 206 1?00 241 1957 —_ _
6 7
| en ——— AN
BR TU R lr 346°5 — 1°5 93° _ 106° —_ LISE —
Bl ne ner 258 o0°8ı8 284 0°708 6 0°802 21 0°783 36 0°728
De een — _ — — 355 1:83 = = = =
88 Leo Brenner,
Ss I 10 11 16
a
b c b c b c b c b c
XXI Us _ _ _ -
SENSE ar 98 0°539 _ — —_ _ _ = —_ —
NOS an a re ua _ — 1052 184°5 == 209° —_ 119° —_
ES ee — _ 159 0°8 161 4°7 179 6°0 109 2°0
REN Ten lerehffaig si kesyke _ — — _ 142°5 1:16 —— _ _ _
12 13 | 14 15
Aa =
b | c b | c b | c b | c
ee er et SISe —_ 3252 _ 304° — | 305°5 E
BONES th rs, een = — —_ —_ 291 6°5 298°5 3°5
Ho tou 0 9 0.0n8 oe 305 1°14 318 1°0 296 Io, 07 297 03
TOD Ma CH rer KT arare 300 0'357 _ 300 0'286 r. 275 I)
[ I
f f
17 15 19 43 + 78 9 sd si
a
b e b c b c b c b [2 b {2 b c b c b E
[
ee || — || 134°) — |182°5)| — _ — — — _
189. . .|250°%5| — —_ — — = —_ — — — — — _ _ — _ _
XXV . .|233°5| 8°5 || 124 |0°588174 0°5 2 — | 204°| — |j325°5| — || 345°) — 435° — 100) —
193. Ch 295, |14°19| — | 2707, | 3%47| 2912 |3°375|. VE En
IOune | — — u = — —_ —_ — || 353 | 2°63|| 326 |2°316
te no. |1N He) 2411| — — || 78 2'23| — — || 107 | 2°26) — _ — — — _ —_ ==
Room: - = _ - - =21" | — || 244 |2'928
Süd-Äquatoreal-Gürtel (S.E. B.).
In diesem Gürtel herrschte während der ganzen Opposition die größte Thätigkeit. Besondere Bemer-
kungen über sein Aussehen finde ich im Beobachtungs-Journale häufig; am 2. Mai: »Der S. E. B., von sehr
breitem Rift durchzogen, enthält viele glänzende Flecke und mehrere dunkle, darunter ein paar ausgedehnte
330°«; am 10. Mai: »S.E.B. sehr dunkelroth«; am 15. Mai:
»Sehr roth; Rifts alle sehr schmal und schlecht wahrnehmbar»; am 20. Mai: »Heute auffallend viele helle
Flecke im S. E.B.«; am 13. Juli: »Die untere Hälfte des S.E. B. wimmelte von hellen und dunklen Flecken;
das Rift in ihm sehr augenfällig«; am 17. Juli: »S. E. B. ist von Flecken ganz gesprenkelt«; am 18. Juli:
»S.E.B. wimmelt von Flecken; Rift in ihm sehr breit«; am 19. Juli: »Die Intensität des S. E. B. heute
auffallend groß«; am 20. Juli: »Im S. E. B. außerordentlich viele Flecke«; am 23. Juli: »Die Flecke des
Verdunklungen, namentlich gegen 325
S. E.B. heute stark markiert«; am 1. August: »Der S. E. B. zeigt 6 große weiße und 4 dunkle Flecke«.
Was den Großen Rothen Fleck betrifft, welcher halb dem S.E. B., halb der S. Tr. Z. angehört
(und vermuthlich auch noch in das S. T.B. hineinragt, weil dasselbe ober ihm meist dunkler als sonst ist),
so habe ich über sein Aussehen Folgendes notiert: am 15. Jänner: »Bestimmt nicht sichtbar«; am
19. Jänner: »Unsichtbar«; am 20. Jänner: »Nur nachfolgendes Ende (‚Brücke‘) zu sehen«; am 25. April:
»Sehr deutlich und schmutzfarbig; beide Schultern seharf ausgeprägt«; am 10. Mai: »Deutlich, grau«; am
14. Mai: »Als schmutzfarbig gerade noch erkennbar«; am 5. Juni: »Auffallend deutlich, namentlich die
‚Brücke‘«; am 24. Juni: »Kaum wahrnehmbar«; am 23. Juli: »Gut sichtbar«.
(Die Messungen der »Schultern« siehe am Schlusse dieser Arbeit.)
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896—1898. [ox3)
Was die Bewegung der einzelnen Flecke betrifft, so glaube ich folgende identificiert zu haben:
20 21 22 23 24 25
a Te | - =e = .
| » c b c b c Zn b ce b c
{I
|
Re | 227° — || 272° We. — 257° — || 263° == 55° =
Ba ll. - 220 3°5 || 263 4°5 || 272 4°5 || 236 10°5 || 248 7°5 = _
sr SE A — —— == — 55 o
een
26 27 28 29 30 B3 1
a =
b | c b | c b | c b c b ce b c
I
NS 268° _ 297° = 326° _ 356° —: — = Br
Be les 252 1°2 285 2°4 || 297 528 327 a8
NIE JO DEE —_ — == = — — _ — 126° E= 146° —
-
EL 256 3°0 || 282 15 || 288 4°5 315 6'0 == =, en gr
DER LS te, Ile — — —_ —_ —_ — = — 105 4°2 124 4°4
ERBE 2, ee - | — - | — 282°5 WEM 299 32 — — - Io
ERDE; 3) 40 221 4:39 272 1:93 4 43
m || mm N er ee ——
NT 356°5 _ 2 _ 217 2'0 255 8°5 56°5 | — 179 =
A 3345 | 1938 _ — — — = u Eee en a
ı1Le)210 CE RR 322 417 3 8°0 48 49 42 4°83 | 344 11°0
— HL | N
NOIR See oo N _ | eur ch — _ _ |
el er 52 3 241° — _ _ 50 51
—m— N || m N — N | m N
EN TOR ZI: —_ 342° _ = _ 334°5 - ZHTLD —_ 296° _
ie 308'5 0°39 332 | 1°11 222 | 1?9 || 260 | 8°?28 | 2Sı 7°77 290 0?66
32 33 34 35 36 37 35
a b | c b | ce b | ce b | c b | c b B b c
BRRF 22% -- _ . en = = ern =
16:7, E= — _ — — — — — — — _ = eu ur
Tas... li 1807 IE — 196°; | — 207° _ _ —_ —— — — — — -
180 . .. _ — we — = — 297° = 328° Bar es = a. u:
Kar | 240 8°0 || 163 6°7 177 6°0 — — _- — — == — u
138... _ = —_ — — er 291°5 1°1 313 3°0
STR RIEE _ _ _ = _ —_ 241 361 252 4'361 200° —_ — —_
2.2, _ —_ —_ —_ —_ — 233 4°0 241 5'5 194 3°0 341° —
93H urz = = = — — — _ 306 2°19
45 46 47
194 — AL | N [|| N 0 — 4 —_ = es — — =
195 74° _ . | _ — Bu — _ = = ur = = =
196 —_ - 266° | — 251° | — — — = — Pe = = =
197 52 5°5 — “= = = _ —_ - _ _ _ = =
198 _ -- 249 1?7 | 236 195 —_ _ er — — en Pen —
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 12
90 Leo Brenner,
Äquatoreal-Zone (E. Z.) und Äquatoreal-Band (E.B.).
Außer den bereits im Abschnitte » Allgemeines Aussehen« erwähnten Merkwürdigkeiten finde ich im
Beobachtungs-Journale über diese Zone folgende Bemerkungen: am 15. April: »E. B. ziemlich dunkel und
näher zum N. E.B.«; am 25. April: »E.B. sehr intensiv und ganz nahe zum N. E.B.«; am 2. Mai: »Die
E. Z. verblüfft mich dadurch, dass sie von rosigen dunklen Flecken (schwacher Intensität) derart wimmelt,
dass sie in kleineren Fernrohren sicherlich den Eindruck hervorrufen dürfte, sie bilde mit den beiden
Äquatorealgürteln ein Ganzes von geringerer Intensität. Sie enthält aber auch sehr viele glänzende
Flecke«; am 9. Mai: »E. B. rosig«; am 16. und 20. Mai: »Auffallend viele glänzende Flecke am Nord-
rande der E.Z.«; am 24. Juni: »E. Z. gut definiert«; am 1. und 7. Juli: »Die E.Z. hat sich so verengt und
die beiden Äquatorealgürtel sind so stark an einander gerückt, dass sie in einem minderen Fernrohre
sicherlich den Eindruck machen würden, als bildeten sie beide mit der E. Z. zusammen nur einen einzigen
breiten Rosastreifen, der in der Mitte hell ist, so wie man dies auf Zeichnungen aus den Jahren 1870 —72
(aber auch noch 1878— 50) dargestellt sieht«.
Bei der großen Zahl von glänzenden Flecken, welche fast immer sichtbar waren, hatte es große
Schwierigkeiten, dieselben zu identificieren, besonders weil in der E. Z. (wie ich in meinem ersten Memoire
nachgewiesen) zwei einander entgegengesetzte Strömungen herrschen. Infolge dessen könnte ich für die
Richtigkeit der Identificierung nachstehender Flecke dieser Zone nicht einstehen.
54 ae 57 58° |. 88 60
2 b c b | ce | b | € b c b | c | b | c b [E
OS Sn mer alle —_ 39° — 62° _ _ _ E -_ — _ _ _
BOT | 3°ı 4 | 3°89 | 27 | 389 | — _ -— = 2
LS eng: — |) = N) _ 193° — 218° = — _ — _
EN nr ;; 62 — u 165 5°6 | 190 se6 | — _ — —
er Ba ne Ser 258° = _ — = 214° = 230° n—
RR 228 6°5 || 236 11°0 == _ —_ —_ — _ 203 5°5 || 218 6°0
E |
Nord-Äquatoreal-Gürtel (N. E. B.).
Wie schon im Abschnitte »Allgemeines Aussehen« erwähnt, begann die Nordhälfte dieses Gürtels
im Herbste 1897 zusammenzuschrumpfen und am 15. Jänner fand ich sie bereits vollkommen verschwun-
den. Es trat nun in der ganzen Erscheinung (bis Mitte Juli 1898) dasselbe ein, was in jener von 1895 — 96
der Fall gewesen war: das N. E.B. blieb auf seine schmale Südhälfte beschränkt, die N. Tr. Z. kam zur
Geltung und Granatflecke (nebst anderen) traten auf ihr auf. Erst Anfang Juli begannen (zunächst zwischen
dem 50. und 130. Grade) am Rande des N. T.B. in der N. Tr. Z. dunkle Flecke aufzutauchen, welche
anfangs schwach waren (s. Z. 195), bald aber intensiver wurden und sich allmälich zur Nord-Componente
des N.E.B. ausbildeten, so dass die Erscheinung von 1899 der im Eingange dieser Arbeit geschilderten
von 1897 entsprach.
Von den Flecken, welche (in geringer Zahl) auf dem N. E. B. auftauchten, konnte ich nur die Bewe-
gung von zweien feststellen: Nr. 63 und 64, welche in Karte XXII unter 242° und 217:5° stehen, in
Zeichnung 179 aber unter 240°5°, beziehungsweise 221°, so dass der erstere (63) eine durchschnittliche
tägliche Bewegung von 075°, der andere (64) aber eine retrograde von 1°75° gehabt hätte.
Sonstige Bemerkungen über den N. T.B. finden sich nachstehende im Journale: am 15. Jänner: »Im
N.E.B. viele dunkle Flecke, welche im Vereine mit den an seinem Südrande stehenden hellen den Anschein
erwecken, als sei der letztere ausgefranst«; am 2. Mai: »N. E. B. wohl nur ?/, der Breite des S. E. B. aber
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896—1898. rl
sehr dunkel und scharf«; am 15. Mai: »Sehr roth«; am 23. und 25. Juli: »Am auffallendsten drei große
helle Flecke im N. E. B. und an diese anstoßende lange kirschrothe Streifen«.
Über die Verdoppelung des N. E. B. siehe S. 14.
Nordtropische Zone (N. Tr. Z.).
In Ergänzung des eben Gesagten sei noch bemerkt, dass manchmal die hier aufgetauchten dunklen
Flecke unter sich durch ein äußerst dünnes fadenartiges Streifchen verbunden waren, wie man in
Karte XXII und Zeichnung 180 sieht. Auch am 2. Mai notierte ich: »In der N. Tr. Z. mehrere dunkle
Flecke in der Breite des Granatflecks (also unter + 15°), jedoch grau, welche eine Art unterbrochenen
Bandes bilden«. Am 19. Juli notierte ich auch noch das Vorhandensein von 8 glänzenden Flecken in der
N. Tr. Z. als auffallend (s. Z. 195).
Von den dunklen Flecken, welche die N. Tr. Z. bevölkerten, habe ich die meisten durch genaue
mikrometrische Messung sowohl ihres Ostrandes als auch ihres Westrandes in ihrer Position und Bewe-
gung festgestellt. In der nachfolgenden Tabelle beziehen sich deshalb die Zahlen in den Klammern auf
solche Positionen, welche nicht durch Messung, sondern nach dem Augenmaße bestimmt werden. Von
den anderen Rubriken enthält # die Nummer der Zeichnung oder Karte oder das Datum der Messung
b die Lage der Mitte des betreffenden Flecks, c seine Längenausdehnung, d seine mittlere tägliche
Bewegung.
ee
| 65 66 | 67 68
n =
>» | e | d b | e | d u | a b c d
RE 27 2 2. 512937) = — || (329°) = IE B452) = u (ur) = ==
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IND rel wihe (238° 5) — |o'5 (287 ) — | o'125 —_ — _ E= — —_
EN Di (243°5)| 13 25 7. || (287 ) 12 o —_ — — (320 ) 20 1°467
N 2375) 13 o'’4 278 12 o'6 _ — — (304 ) 10 1°0
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Wie man sieht, wurde Fleck 66, den ich seiner Farbe nach im Beobachtungs-Journale als »Kastanien-
fleck« bezeichnete, am öftesten gemessen. Aus den Messungen geht abermals unzweifelhaft hervor, dass
die Flecke auf dem Jupiter eine unregelmäßige Bewegung haben. Das schließt natürlich nicht aus, dass,
wenn man die durchschnittliche Bewegung der Flecke während eines längeren Zeitraumes! berech-
net, sich herausstellt, dass die Flecke gleicher Breitengrade auch annähernd gleiche Bewegung besitzen,
wie dies Williams behauptet. Um dies zu ermitteln, beabsichtige ich am Schlusse meines geplanten
dritten Memoire (die Oppositionen von 1899 und 1900 umfassend) aus allen in den Jahren 1894 — 1900
gemessenen oder durch Meridiandurchgänge zuverlässig bestimmten Flecken eine solche Berechnung
vorzunehmen, die uns hoffentlich den Schlüssel zur Beurtheilung der Natur dieser Gebilde liefern wird.
Die Nordpolar-Zone und die angrenzenden Streifen.
In der Nordpolar-Zone waren diesmal ebenso häufig Streifen und Flecke in hohen Breiten zu sehen
wie in der S.P.Z. Auf den Karten XXII und XXIV, sowie auf den Zeichnungen 180, 184—188, 193 und
198 gewahrt man ausgedehnte Verdunklungen der N. P. Z., welche theilweise von helleren Zonen durch-
zogen sind und dann das zebraartig gestreifte Aussehen haben, welches man z. B. auf der Karte XNXV und
auf den Zeichnungen 184— 186 sieht.
Das Nordpolar-Band (N.P.B.) — welches ich als dem S. P. B. entsprechend, so taufte — war gleich
dem N. Nord-Arktischen Band (N.N.A.B.) und dem Nord-Arktischen Band (N. A. B.) häufig zu
sehen. Im Journale finde ich darüber folgende Bemerkungen: am 2. Mai: »Das N. A.B. und das N. N. A.B.
sind auffallend dunkel und deutlich; ja letzteres enthält sogar einen intensiven Fleck; ebenso das N. P.B,,
welches sehr deutlich und dunkel ist und dessen Breite (ß) ich auf + 55° schätze«; am 14. Mai: » Auf-
fallende Verdunklungen verriethen das N. A. B. wie das N. N. A. B., und selbst das N. P. B. war sichtbar«;
am 15. und 16. Mai: »N.A.B., N.N. A.B. und N. P.B. deutlich wahrnehmbar«; am 21. Mai: »Die Streifen
auffallend blass«; am 6. Juni: »Im N. A. B. einen dunklen Fleck durch Messung auf X = 224° bestimmt«.
Was das Nord-Temperate-Band (N. T.B.) und das N. Nord-Temperate Band (N.N.T. B.)
betrifft, so enthält unser Journal darüber folgende Aufzeichnungen: am 15. Jänner: »N. T. B. sehr breit
und blassgrau, N.N.T.B. fast ebenso breit und blass«; am 20. Jänner: »Bemerkenswert ist, dass das
N.T.B. vom Fleck 5b ab (dessen Länge ich zu 125° bestimmte) merklich intensiver wurde als sein voran-
! Fleck 66 z. B. hätte während 211 Tagen eine durchschnittliche Bewegung von 0°312,
94 Leo Brenner,
gehender Theil«<; am 15. April: »N. T.B. schwach und schmal«; am 30. April: »Im N. N. T. B. dunkler
Fleck, dessen Länge ich durch Messung auf 52° bestimme«; N. T.B. verblüfft mich durch seine Blässe;
am 2. Mai: »N. T.B. sehr schmal und sehr matt (hellgrau), dagegen das N.N.T.B. dunkel und mit einer
dem Kastanienfleck vorangehenden langen fleckartigen Verdunklung, sowie mehreren hellen Flecken«;
am 10. Mai: »Im N.N.T.B. eine lange Verdunklung«; am 15. Mai: »N.T.B. blass, N. N. T.B. sehr nahe
zum N.A.B. und miteinander den Eindruck eines einzigen dunkleren Streifens hervorrufend«; am 5. Juni:
»N.N.T.B. doppelt«; am 21. Juni: » Auffallend ist eine perlenschnurartige Verdunklung im N.N.T. B.«<;
am 18. Juli: »Alle Streifen der Nordhalbkugel blass«; am 19. Juli: »Zum erstenmale zeichnet sich wieder
das N. T.B. durch Dunkelheit aus, verursacht durch eine Reihe dicht aneinander stehender Flecke; auf-
fallend ist auch die Breite der N. T. Z. und des N.N. T. B.«. (Diese Eintragung zeigt, wie ich anfangs die
beginnende Verdopplung des N. E. B. auffasste.)
Resultate der Messungen.
a) Jovigraphische Lage des Großen Rothen Flecks.
Auch 1898 bestimmte ich die Lage des Gr. R. Fl. durch Messungen der beiden Schultern, welche
folgende Resultate ergaben:
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Wenn wir die unsichere Messung vom 14. Mai unberücksichtigt lassen und das Mittel aus allen
Messungen nehmen, so erhalten wir für die Linke Schulter 3°03, für die Rechte Schulter 44°47, für
ihren Abstand 41°44° und für die Mitte des Großen Rothen Flecks 23°75.
b) Jovigraphische Breite der Streifen.
Über meine Versuche, die Lage der Streifen mikrometrisch zu bestimmen, lastete 1898 ein eigener
Unstern. Unmittelbar nach der ersten Messung vom 15. Jänner wurde das Mikrometer durch eine Besu-
cherin unserer Sternwarte beschädigt; nachdem es von der Reparatur zurückgekommen war, hinderten erst
Krankheit dann schlechtes Wetter lange Zeit die Messungen, welche überhaupt nur bei vollkommen
ruhigem Bilde und schärfster Definition der Streifen vorgenommen werden können. Gerade die grauen
Streifen waren aber 1898 meistens so schwach, dass ihre Ränder hinter dem Faden verschwanden, deren
Messung also unmöglich wurde. Infolge dessen kann ich auch nur das Resultat folgender drei Messungen
geben:
1 Unsichere Messung, weil wegen der starken Abstumpfung der Schulter der Faden nicht genau angesetzt werden konnte.
Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896 —1898.
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Schlusswort.
Wie schon oben erwähnt, ist es meine Absicht, nach Beendigung der Beobachtungen von 1900 aus
dem Resultate der Beobachtungen der letzten sieben Jahre die entsprechenden Schlüsse zu ziehen, und
nicht nur auf Grund der Fleckenbewegung das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein bestimmter mit
den Breiten verschiedener Strömungen festzustellen, sondern auch über die offenbar vorhandene
Periodicität des Auftauchens gewisser Gebilde auf der Oberfläche und der Veränderungen in der Lage
und Anordnung der Streifen Näheres zu bringen. Daraus werden sich wahrscheinlich auch Schlüsse über
die physische Beschaffenheit der Jupiter-Oberfläche ziehen lassen. Ebenso gedenke ich dann über die
Rotation des Großen Rothen Flecks und des Planeten überhaupt auf Grund der Messungen Berechnungen
anzustellen. Dies alles soll dann Gegenstand einer Schlussarbeit sein.
Leo Brenner, Jupiter-Beobachtungen an der Manora-Sternwarte 1896—1898.
Verzeichnis der auf jeder Tafel zu findenden Karten und Zeichnungen.
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MONOGRAPHIE DER NYCTAGINACEEN
I. BOUGAINVILLEA, PHAEOPTILUM, COLIGNONIA
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Dr. ANTON HEIMERL.
(Mit 2 Tafeln und 9 Textfiguren.)
(VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 29. MÄRZ 1900.)
Die Unterfamilie der Mirabileen umfasst folgende vier Tribus: Boerhaaviinae, Bougainvilleinae,
Abroniinae und Colignoniinae. Hievon sind die Bougainvilleinae und Colignoniinae in der vorliegenden
monographischen Bearbeitung eingehend behandelt; die Monographie der übrigen noch ausstehenden
Mirabeleen-Tribus, sowie der anderen Unterfamilien soll demnächst folgen, sobald eine Reihe noch zweifel-
hafter alter und neu beschriebener Formen auf ihren systematischen Wert geprüft und entsprechend ein-
gereiht werden konnte.
Wir charakterisieren die Bougainvilleinae in folgender Weise:
rrıpus: BOUGAINVILLEINAE.
Heimerl, Beiträge 17, Nachträge z. d. Nat. Pflanzenf. 155.
Nyctaginacearum subordo ZH. Bougainvilleae Choisy in De Cand. Prodromus XII, II, 427, 450.
» tribus /. Mirabileae subtrib. II. Bougainvilleaeae Bentham-Hooker fil,, Genera
plant. III, 2,
» tribus I. Mirabileae 2. Bougainvilleinae et 4. Colignoniinae Heimerl, Nat. Pflanzenf.
II, 18, 27, 28 (p. p.).
Perianthii pars inferior (ovarium includens) a parte superiore limbove nec consistentia diversa, nec con-
strictione v. altero modo seiuncta, limbi lobis induplicato-valvatis. Antherae pollinis granulis minoribus, reti-
eulatis v. punctatis. Germen ovario ellipsoideo v.oblongo, stylo.— elongato, stigmate papilloso, v. apicali v.
laterali, ovulo ovarii cavitatem non explente. Fructus genuinus in parte inferiore perianthii, demum modice
aucta et + coriacea inclusus. Anthocarpia peranthio supero demum marcescente diutius coronata, cellulis
1 Name zu Ehren des,Weltumseglers Louis Antoine de Bougainville; die verschiedenen Schreibweisen desselben sind bei
Choisy l. ce. 437 und insbesondere bei Pfeiffer, Nomenel. I, 493 zusammengestellt.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 13
98 Anton Heimerl,
mucilaginosis in superficie deficientibus. Embryo cotyledonibus latissimis, subaequalibus, perispermium
farinosum f. omnino amplectentibus.
Frutices, arbusculae v. arbores hemisphaerae australis, plerumque in America (rarissime in Africa)
erescentes, saepe spinescentes, foliis alternantibus v. fasciculatis, floribus maioribus, saepius eleganter
bracteatis.
I. BOUGAINVILLEA (Jussieu)'
(Genera 91) Baillon emend. in: Histoire des plantes IV, 51; Heimerl, Nat. Pflanzenf. 1. c. 27, Beiträge 30.
Syn.: Bougainvillea et Tricycla Auctor. multor.
De habitu, florum et fructuum structura confer: Gaertner, de fruct. III, Tab. 216; Schnizlein,
Iconographia Il, Tab. 104, Fig. 21—26 (sed. Fig. 24, quoad floris basin minus accurata); Maout et
Decaisne, Traite general 451 (sed figurae pro parte incorrectae); Duchartre, Observations sur
l'organogenie florale et sur l’embryogenie des Nyctagintes, Annales d. sciences nat., ser. 3, Vol. IX,
263 ff; Schmidt, Flora Brasil. XIV, II, 351, Tab. 82; Baillon|].c.; Eichler, Blütendiagramme II, 101.
Flores hermaphroditi v. singulatim inter bracteas 3 v. saepius ternatim (raro binatim) in inflores-
centiam specialem conferti, bracteis 3 (rarissime 2 v. 4) amplis, — membranaceis, non raro pulchre
coloratis, eleganter reticulato-venosis, persistentibus fulerati, pedicello uniuscuiusque floris cum costa
mediana bracteae fulcrantis connato.
Perianthia — corollina, saepe consistentia paulo crassiore, extus glabra ad hirta, hypocrateri-
formia, f. actinomorpha (solutm facie bracteae adpressa paulum magis applanata q. altera), supra in limbum
5 (rarissime 4) lobatum cito ampliata, tubo (in sectione transversa) v. subtereti nervis plurimis f. aequalibus
percurso v. + 5 (rarissime 4) angulato, lobis limbi in gemmis induplicato-valvatis, denique subpatulis,
circeiter ovato-triangularibus ad lanceolatis, loborum partibus lateralibus commissuras formantibus: com-
missuris induplicatis, lobis — brevioribus, dein expansis, + emarginatis, consistentia tenuiore saepeque
etiam colore a lobis paulo firmioribus diversis, angulis 5 (rarissime 4) tubi perianthii in loborum nervos
medianos excurrentibus; perianthiorum pars inferior denique modice aucta, paulum elongata, apice parte
superiore tubi non raro spiraliter eleganter torta limboque marcescente cum lobis conniventibus diu coronata,
—+ coriacea, angulis v. vix v. distincte dein prominentibus, nunquam aliformibus.
Stamina typice 5—8 (rarissime solum 4, v. ultra 8, usque 10), numero in una eademque Specie
saepius variabili, in circulum unum f. semper exacte disposita, + inaequilonga, longiora faucem perianthii
circiter attingentia, filamentis f. capillaribus basi circum germinis fundum in annulum v. tubulum brevi-
usculum connatis, antheris circiter tam longis quam latis, utrinque f. aequale excisis, in medio dorsi-
fixis, thecis subsemieircularibus, laterale sed paulum introrsum dehiscentibus. Pollinis granula minora,
magnitudine quoad speciem variabili (27—40 p.), globosa, episporio eleganter reticulato v. areolato, ceterum
punctulato.
Germen unum (rarissime rudimento alterius carpelli instructum) basin versus breve et crasse v.
non raro stipitiforme angustatum, ovario eirciter oblongo ad ellipsoideo, a lateribus + leviter compresso,
facie dorsali medianonervata, magis convexa, facie ventrali magis rectiuscula, in stylum saepe vix attenuato,
stylo -+ unilaterali, vulgo filiformi ad subclavato, rectiusculo v. leve curvato, in tubo perianthii incluso,
—+ distincte e facie ventrali carpelli emergente, v. per totam longitudinem v. solum superiore parte papillis
hyalinis, elongatis, maioribus fimbriato et stigmatoso, papillis + unilaterale dispositis. Ovulum camptotro-
pum, funiculo — longo, crasso, ex ovarii bäsi prope suturam ventralem oriente, miceropyla infera.
Anthocarpia (ut cognita) oblongo-ellipsoidea, fusiformia, obovoidea, v. inter bracteas 3 singulatim
disposita v. ternata et cum braetea connata, exalata, nervata ad prominenter costata, coriacea varo
papyracea, glabra v. hirta, nec viscosa, nec humectatione mucilaginosa.
1 »Buginvillaea Commersons apud Jussieu |.c.
Monographie der Nyctaginaceen. 1. 99
Fructus (ut cognitus) im anthocarpio arctius inclusus, cavitatem eius v. omnino v. maiore parte
obtegens, basi + unilaterale et breve stipitatim angustatus, circiter eandem formam quam anthocarpium
praebens, apice rotundus, facie dorsali magis convexula quam ventrali, styli rudimentum sub vertice gerens,
pericarpio eximie tenui, rhaphidiophoro, membranaceo, suturis minus distinctis, axi embryonis una facie
prominente f. costato.
Semen (ut cognitum) testa tenui, rufobrunnea, duabus lineis (rhaphis) percursa, pericarpio
adhaerente, sed facile ab illo solvenda, embryone hamatim incurvo, perispermium farinosum, —+ frequens,
omnino amplectente, cotyledonibus latissime ellipticis ad subcordatis, arcte incumbentibus, — distincte
Pinnatinervatis, externo paululum maiore, axi rectiusculo v. levissime curvato, subcylindrico, basi leve pro-
minente, acutiusculo.
Plantae lignosae Americanae, saepe spinosae, v. alternifoliatae v. foliorum fasciculos gerentes,
bracteis non raro pulchre coloratis, Noribus ipsis autem saepius quoad colorem minus spectabilibus.
(Species exclusa: Bougainvillea racemosa Blanco, Flora Filipp. 307, Choisy I. c. 438; sec. Kew.
Index 1 = Pisonia excelsa Blume).
Wir rechnen mit Baillon Tricycla unbedingt zu Bougainvillea. Der Blütenbau ist in allen Haupt-
punkten gleich; so dass nur das Kennzeichen überbleibt, dass letztere Gattung eine dreiblütige Partial-
inflorescenz besitzt, bei ersterer aber eine Reduction derselben auf eine Blüte eingetreten ist, welche nun
von den drei Hochblättern getragen wird. Dieses Kennzeichen verliert durch Befunde an den neuen Arten:
DB. Malmeana und B. modesta sehr an Wert, da hier nicht allzu selten neben dreiblütigen Inflorescenzen
gewissermaßen verarmte vorkommen, die nur aus 2 Blüten (und 2 Bracteen) bestehen. Da überdies
manche typische Bougainvilleen, z. B. B. berberidifolia, ebenfalls Kurztriebe mit Blattbüschel bilden und
sich auch in der Blattanatomie der Gattung Tricycla sehr nähern, da sich endlich auch das geographische
Areal dieser Gattung einfach an das von Bougainvillea anschließt, so erscheint die endgiltige Vereinigung
beider gerechtfertigt.
Der morphologische Aufbau in unserer Gattung bietet eine Reihe interessanter und bis jetzt
wenig gewürdigter Einzelheiten.! Ich beginne mit der Schilderung der Verhältnisse für B. glabra, welche
lebend untersucht werden konnte. Die schlanken, ruthenförmigen, grünen Endzweige tragen in ?/, Stellung
freudiggrüne Laubblätter, welche gelegentlich so genähert sind, dass hin und wieder eine opponierte
Blattstellung erscheint. In der Blattachsel trifft man vor allem eine sehr kleine, dicht filzige Achselknospe
und meist gleich über ihr einen kurzen, gekrümmten, spitzen Dorn (X und D in Fig. 1). Diese Dornen ver-
größern sich späterhin beträchtlich und verholzen, besonders bei der nahe ver- Fig. 1.
wandten B. spectabilis, wo sie kräftige Klimmhaken und eine tüchtige
Bewehrung vorstellen; hiemit ausgerüstet, sind beide Arten imstande, nach
der bekannten Art der Spreizkletterer Gesträuche und ganz ansehnliche Bäume
zu überwuchern, so dass z.B. blühende Erythrinen von 10—12 m Höhe in
Brasilien noch bis zu den äußersten Wipfeln mit den wundervollen Festons
der reichlichst blühenden Bougainvilleen überladen sind (Notiz im Herb.
Berol.).
Das Schicksal der Achselknospe (K,) ist verschieden, häufig verkümmert sie, oder wächst zu einem
Blätter (selten auch Blüten) tragenden Kurztriebe aus; gewöhnlich aber entwickeln sich aus ihr die
Seitenäste, welche denselben Verzweigungsmodus weiter führen. Eine Gesetzmäßigkeit existiert hierin
nicht; man trifft Exemplare, die nirgends Kurztriebe tragen, dann solche mit durch die später ver-
holzenden Kurztriebe fast knorrigen und verbogenen Hauptzweigen, solche mit reichlicher Entwicklung
1 Eine kurze Notiz bei Eichler, Jahrbuch des kön. bot. Gartens zu Berlin I, 181.
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neuer Langtriebe u. s. w.; dass dadurch eine und dieselbe Art ganz verschiedenen Habitus erhalten kann,
100 Anton Heimerl,
ist leicht einzusehen. Der Dorn, ein metamorphosierter Zweig, fällt wohl an den Enden der jugendlichen
Triebe genau über die Blattmediane; da aber späterhbin die Blattstiele oft Drehungen ausführen, um
das Blatt in die günstige Lichtlage zu bringen, so weichen dann die Medianen beider von einander ab.
Entwickeln sich aus der Achselknospe (X) Seitenäste, so tritt ebenfalls — offenbar aus Platzmangel —
eine Abdrängung des Dornes ein, wobei sich der Zweig ungefähr in die Blattmediane stellt. Gewöhnlich
stehen, .wie wir schon erwähnten, Dorn, Achselknospe und Blattgrund knapp übereinander; öfters ist
aber auch ein ganz deutlicher Zwischenraum vorhanden, indem der Dornzweig etwas höher entspringt. In
Ausnahmsfällen kann eine Entfernung von 1 cm Länge zwischen Dorn und Blattgrund vorhanden sein;
dann entwickeln sich auch, wie Liais angibt (Climats, geologie etc. du Bresil 624 ff.), bis zu drei Knospen
in serialer Anordnung zwischen Petiolus und Dorn.
Blüht nun der Zweig, so bleibt zumeist die Knospe (X) klein; der Dorn verlängert sich aber und
bildet die Primäraxe der daher etwas über dem Blattgrund hervorkommenden Inflorescenz, welche
entweder auf eine (dreiblütige) Partialinlorescenz beschränkt ist (Fig. 2), oder bei weiterer, und zwar
typisch dichasialer Verzweigung, ein ziemlich ansehnliches und mäßig reichblütiges Dichasium, dessen
letzte Auszweigungen die dreiblütigen Partialinflorescenzen tragen, darstellen kann. Die Gesammtheit
dieser seitlichen Inflorescenzen bildet dann bei B. glabra (und ebenso bei B. spectabilis und B. pernviana)
eine unterwärts blattragende, oberwärts — der oft reducierten Laubblätter wegen — kleinblättrige oder
unbeblätterte ansehnliche Rispe von traubigem oder corymbösem Habitus. Betrachten wir noch etwas die
aus den Blattwinkeln hervortretenden seitlichen Inflorescenzen. Wie Fig. 2 zeigt, sind am Primärstiele
Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4.
gewöhnlich zwei Vorblätter (a, ß) als unscheinbare, hinfällige Schüppchen entwickelt; aus dem Winkel
derselben findet die weitere Verzweigung statt. An der Stelle, wo a und ß stehen (und ebenso an allen Ver-
zweigungen) ist eine Veränderung in der Beschaffenheit der Inflorescenzachse (D) zu bemerken; während
der untere Theil (D,) steif absteht und späterhin verholzt, ist der obere Theil (D}) zarter, krautig. Beide
gliedern sich zur Fruchtzeit an der bezeichneten Stelle von einander ab; D, persistiert dann als ein Dorn,der
sich aber von den gewöhnlichen, nicht blühenden Dornen (D) durch größere Länge, Fehlen der Krümmung
und stumpfes Ende unterscheidet (Fig. 3 D und D,): Infloresceenzdorn. Die Fig. 4 gibt das Schema eines
bei B. glabra beobachteten Falles, wo es im Verlaufe der dichasialen Verzweigung ausnähmsweise zur Aus-
bildung von ansehnlichen, gestielten Vorblättern kam, welche durch Färbung, Consistenz und Nervatur
an die Bracteen der Blüten erinnerten; gewöhnlich sind sie sehr klein, schuppenähich und hinfällig, oder
seltener grün, laubblattähnlich. Sowohl bei dieser Art als bei D. spectabilis und B. peruviana wechselt der
Grad der dichasialen Verzweigung ungemein, und es können die dreiblütigen Partialinlloresceenzen Achsen
Monographie der Nyctaginaceen. I. 101
(relativ) erster bis fünfter Ordnung beschließen; stets ist eine einseitige Förderung der Sprosse zu erkennen,
die einen übertreffen oft schon im Knospenzustande die anderen Sprosse fast doppelt an Größe. Von weiteren
beobachteten Variationen wären vor allem die Fälle anzuführen, wo die Endblütengruppe (1) des Priman-
astes abortiert, und so der Eindruck einer Dichotomie entsteht, dann die Fälle von sympodialer Verzweigung,
durch Ausbleiben der geminderten Sprosse.
Unsere Figuren 2—5 zeigen durch Punktlinien die Stellen angedeutet, an denen nach dem Blühen
die Abgliederung des zart bleibenden Stieles der Partial-
inflorescenz von dem verholzten und persistierenden
Verzweigungssysteme erfolgt. Da die Anthocarpe —
wie bekannt — mit der zugehörigen bleibenden
Bractee bei der Section Eubougainvillea vereint sind
so bildet das Ganze ein relativ leichtes Gebilde, das
sich für die Verbreitung durch den Wind gut eignet.
Ebenso gilt dies für die B. patagonica, bei der die
fast hautartigen Bracteen mit dem centralen Antho-
’
carp am Grunde zusammenhängen und ebenfalls als
Flugapparate dienen. Nicht selten spaltet sich auch
der gemeinschaftliche Stiel zuletzt von der Spitze
zur Basis, wodurch sich die Partialinlorescenz in ihre Componenten (Bractee+Blüte) auflöst, welche
dann ebenfalls vom Winde fortgeführt werden.
Dem eben geschilderten Aufbau schließt sich die B. stipitata insbesonders in der Var. Grisebachiana
gut an; die nadelscharfen, oft langen Dornen gewöhnlicher Art und die (meist sehr verarmte Partial-
inflorescenzen tragenden) dornähnlichen, späterhin am Ende abgestumpften »Inflorescenzdornen« sind
hier ausgezeichnet entwickelt (D und D, in Fig. 5). Ich bemühte mich, ohne Erfolg, in der Anordnung
beider Formen eine Gesetzmäßigkeit zu finden, wenn auch gegen die Zweigenden zumeist Blüten
entwickelt werden; so zeigte z. B. ein Zweig in acropetaler Folge nach 2/, einen Inflorescenzdorn, dann
4 gewöhnliche, nicht blühende Dornen, nun 5 Inflorescenzdornen, dann noch einen sterilen Dorn, ein
anderer 3 Inflorescenzdornen, 2 gewöhnliche, 3 blütentragende Dornen u. s. w. Sowohl die Dornen als
die Knospe (K) im Blattwinkel können zu Seitenzweigen gewöhnlicher Art auswachsen; allein meistens
geht der Ast aus der Knospe hervor, so wie es für B. glabra geschildert wurde.
Von interessanteren Bildungen möchte ich die durch unsere Figuren 5 und 6 dargestellten Fälle
anführen. Fig. 6 zeigt uns den typischen Dorn (D) ziemlich weit vom Fig. 6.
Stützblatte (Z) abgerückt — ein Verhalten, das hier gewöhnlich ist —
und zwischen Dorn (D) und Knospe (K) noch einen Beispross (Z) als
dornigen Zweig ausgebildet, der einen kleinen Laubzweig (Z’) seitlich
_ abgibt. In Fig. 5 trägt der Dorn (D,) bloß eine scharf abgegliederte Par-
tialinflorescenz; die sterilen Seitenzweige des Dichasiums (D,) sind zu
scharfen Spitzen reduciert, wodurch die nicht eben seltenen, an der
- Spitze gegabelten Dornen entstehen. X
j Gelegentlich trifft man bei B. glabra und insbesonders bei B.
spectabilis eine Art Umkehrung der geschilderten Inflorescenzentwick-
lung, nämlich den Fall, dass die Dornen keine Inflorescenzträger sind,
sondern in gewöhnlicher Weise auftreten, dagegen die Inflorescenzen aus der unter dem Dorn
befindlichen Knospe (X in unseren Figuren) entspringen; es kann sich auch aus dieser Knospe ein
‚kurzer Blütenzweig entwickeln, der ohne weitere Blattentwicklung in ?/, Stellung dichasiale Inflorescenzen
trägt, die ganz mit den aus den Dornzweigen hervorgehenden übereinkommen. Typisch ist dieses merk-
würdige Verhalten bei 2. peruviana ausgebildet, wenigstens soweit es das schöne Bild in den Plantes
'Equinoxiales (I, Tab. 49) und die wenigen, aber vorzüglich erhaltenen Zweigstücke dieser seltenen Pflanze
102 Anton Heimerl,
im Herb. Boissier erkennen lassen. Die erwähnte Tafel zeigt in treuer Darstellung an drei Internodien die
zierlichen Inflorescenzen seitlich unter dem scharfspitzen, langen Dorne entspringend, während in der
Region des endständigen Corymbus die Dornbildung unterdrückt ist. Als Abnormität führe ich den einmal
bei B. peruviana beobachteten Fall an, dass sowohl der Dorn als die Achselknospe unter ihm Inflorescenzen
trugen, so dass nun zwei Blütenstände übereinander aus derselben Blattachsel hervortraten.
Dem eben geschilderten Typus, wobei die Inflorescenz aus der Achselknospe oder dem aus ihr
hervorgehenden Kurztriebe entspringt, gehören alle übrigen Bougainvilleen an. So tragen die vorliegenden
älteren Zweige von B. infesta warzenähnlich vorspringende, der Achselknospe entsprechende Kurztriebe,
deren Stützblätter meist längst abgefallen sind, aus denen die Blätter und zart gestielten Partialinflores-
cenzen entspringen (vergl. hiezu die Zeichnung der D. berberidifolia auf Taf. I, Fig. II); eine weitere
(dichasiale) Verzweigung des Stieles dieser Inflorescenzen findet weder bei dieser noch bei den übrigen
Arten statt. An einem und demselben Zweige können hiebei streckenweise kräftige, lange Dornen auftreten,
an anderen Internodien spurlos fehlen: ein Verhalten, das lehrt, wie geringes Gewicht bei den Arten von
Bougainvillea auf die Reichhaltigkeit der Bewehrung zu legen ist! In der That variieren auch die schon
besprochenen Arten, insbesondere B. glabra und B. spectabilis, in Bezug auf die Häufigkeit der Bedornung
ungemein.
Ich möchte hier noch eines Befundes Erwähnung machen, welchen manchmal einige Bougainvil-
leen aus dem Formenkreise der B. stipitata, insbesondere die von Rusby und Britton unter Nr. 1123
(Bolivia, Cochabamba, leg. Bang) ausgegebenen Exsiccaten zeigen. Man trifft an den Langtrieben der
Zweigenden Blätter von mehr eiförmiger Gestalt, an den reichbeblätterten Kurztrieben der älteren Zweig-
partien solche von rhombischlanzettlicher Form, also zweierlei Blattformen am selben Zweige; hieraus
ergibt sich der für systematische Zwecke bedeutungsvolle Schluss mit der Benützung der Blattformen zu
Trennungen vorsichtig zu verfahren, ebenso auf die große Differenz im Habitus derartiger Zweigpartien
Rücksicht zu nehmen. Die angeführten Exemplare zeigen aber noch eine Besonderheit: während an
demselben Zweigsysteme die Endtriebe in der bekannten Weise Inflorescenzdornen tragen, entwickeln
auch die verholzten, blattragenden Kurztriebe innerhalb der Blattbüschel zart gestielte einzelne Partial-
inflorescenzen, ein Umstand, der noch mehr die habituellen Unterschiede verstärkt.
Fällt der Dorn über dem blütentragenden Kurztriebe regelmäßig aus, so haben wir das Verhalten
von B. Malmeana (Taf. 1, Fig. I), BD. modesta und B. praecox, bei denen die Blattentwicklung auf diejenige
der Blüten folgt; bei den letzteren Arten treten aber doch ganz vereinzelt Dornen auf. Auch die habituell
so ausgezeichnete B. patagonica (Tricycla spinosa) schließt sich unmittelbar hier an. Bei dem gewöhnlich
von einfachen oder zwei- (selten drei-) gabligen Dornen starrenden Strauch treffen wir unter den Dornen
einen sehr ansehnlichen, als derbholzigen Höcker entwickelten Kurztrieb: das Analogon der kleinen
Knospe im Winkel des Laubblattes von D. glabra und der blüten- und blattragenden Kurztriebe der eben
besprochenen Arten. Er entwickelt oft wieder blattbüscheltragende, auf Warzen reducierte Kurztriebe; aus
den Blattbüscheln entspringt die unscheinbare, auf eine Blüte reducierte kurzgestielte Partialinflorescenz,
gerade so, wie es für B. infesta und die verwandten Arten geschildert wurde. Ebenso kann auch der
Dorn schwinden, und es können an demselben Exemplare neben bedornten Ästen auch völlig oder zum
Theile wehrlose vorkommen. Die Seitenäste treten — als verlängerte Kurztriebe — genau an der Stelle der
letzteren, gewöhnlich unter einem Dorne auf.
Es ergibt sich als Resultat des Angeführten, dass die Bildung serialer Beisprosse ungleicher
Qualität — im Sinne Eichlers (Jahrb. d. Berliner bot. Gartens, I, 178) — für die Gattung Dongainvillea
charakteristisch ist, und dass sich häufig der obere Beispross zu einem Dornzweig, der untere zu einem
beblätterten Kurztrieb oder zu gewöhnlichen Seitenzweigen entwickelt; die Inflorescenzen werden bei einigen
Arten vom Dornzweig, von anderen aus dem blattachselständigen Kurztriebe entwickelt. DieSchwankun-
gen, welche hier innerhalbeiner Gattung, jainnerhalbeinerund derselben Art vorkommen
(zum Beispiel bei B. glabra und spectabilis), werden sonst an verschiedenen Arten oder ein-
ander sehr ferne stehenden Gattungen des Pflanzenreiches beobachtet. Schließlich sei noch
nn Be u a 2
Monographie der Nyctaginaceen. T. 103
die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass im Rahmen der Gattung eine völlige Reihe von in gewöhnlicher
Weise, an Langtrieben beblätterten Arten des feuchten Tropenklimas (DB. spectabilis) bis zu klein- und
büschelblättrigen Formen (extreme Form: D. patagonica) trockener Klimate vorliegt.
Die Hauptpunkte des Blütenbaues mögen aus den angeführten Werken und Abbildungen, dann
aus den folgenden Diagnosen, endlich aus meiner Skizze der Nyctaginaceen in den Natürlichen Pflanzen-
familien (III, Id, 15 ff.) entnommen werden; das Folgende dürfte weitere Ergänzungen bringen.
Die so auffallenden Bracteen der Partialinflorescenzen sind nur bei den allbekannten Arten:
B. glabra und B. spectabilis, dann bei der (seit langer Zeit nicht gesammelten) D. peruviana prächtig
gefärbte Schauapparate; bei den übrigen Arten (zum Beispiel: D. stipitata, B. Malmeana, B. berberidifolia)
haben sie wenig auffallende, gelbliche bis grünliche oder bräunliche Färbungen; hier dürften sie weniger
als Anlockungsmittel als zu Flugzwecken für die Anthocarpe dienen. Die Partialinflorescenzen setzen
sich bei D. patagonica (Tricycla spinosa) aus einer terminalen Blüte, bei den übrigen Arten (von den
erwähnten zweiblütigen Variationen abgesehen) aus drei Blüten seitlichen Ursprunges (wie bei Allionia)
zusammen, welche das unpaare Perigonblatt von der Bractee ab, dem Centrum der Inflorescenz zuwenden
(vergl. unsere Fig. 7 und das Diagramm der Inflorescenz bei Eichler, Blütendiagramme II, 100);
constant blüht®@ine Blüte zuerst äuf, dann folgen die anderen. Äußerst selten kommen mehr als drei Brac-
teen vor; bei B. glabra habe ich einmal eine vierte Bractee beobachtet, welche von der dem Inflorescenz-
centrum zugekehrten Seite eines Blütenstieles entsprang, der normalen Bractee also gegenüber lag und
etwa ein Drittel von deren Größe erreichte; bei B. Malmeana trat ein ähnliches Verhalten bei zwei Blüten
(in einer Partialinflorescenz) auf.
Das Perianth ist bekanntlich typisch pentamer; tetramer traf ich es nicht allzuselten bei 3. Mal-
meana und einmal bei B. patagonica an. Der Bau des Perianthes, insbesondere der bisher weniger gewür-
digte Verlauf der Haupt- und Zwischennerven, die Form des Perianthtubus und des Saumes, das Indu-
ment dieser Theile, die Ausbildung von Papillen oder Fransen auf dem Saume haben sich als gute syste-
matische Merkmale herausgestellt. Indem sich die in der Knospe eingeschlagenen Commissuren der
Perianthzipfel späterhin flach ausbreiten, kommt das eigenthümliche Ansehen des Saumes zustande,
welches Schnizlein ].c. gut darstellt, wobei zwischen den fünf Zipfeln des Perianthes noch kleinere
Läppchen ausgebildet sind. Es weichen auch diese Verbindungstheile in Farbe und zarter Consistenz von
den Hauptlappen des Perianthes, in welche die fünf Nerven des Tubus verlaufen, deutlich ab; ein
Verhalten, das auch sonst bei den Mirabileen häufig ist (vergl. Taf. I). Soweit erkennbar, hat das Perianth
gerade bei den schön bracteaten Arten, wie B. glabra, B. spectabilis, B. peruviana ziemlich bescheidene,
gelbliche bis röthliche Färbung; lebhafter gelb ist es bei D. Malmeana, was vielleicht mit der geringen
Schönheit der Bracteenfärbung dieser Art zusammenhängt.
Nach dem Verblühen schließt bekanntlich der untere Theil des Perianthes die eigentliche Frucht
enge ein; übrigens ist die Umbildung dieses Fruchtperianthes bei Bougainvillea keine so bedeutende, wie
sonst bei Nyctaginaceen (zum Beispiel bei Mirabilis, Selinocarpus, Phaeoptilum, Pisonia u. s.w.). Die
Vergrößerung ist meist nur mäßig, die Form bleibt ganz ähnlich der zur Blütezeit, und die Consistenz
wechselt von papierartig und zerbrechlich (B. patagonica) bis lederig und ziemlich festwandig (B. glabra).
Das Eindrehen des oberen Perianthabschnittes zur Fruchtreife in scharf und enggewundener linksläufiger
Schraube (nach Eichler; ich beobachtete auch den entgegengesetzten Fall) gilt besonders für die schön
bracteaten Arten; bei den übrigen findet (soweit bekannt) nur ein einfaches Vertrocknen oder unregel-
mäßiges leichtes Eindrehen der genannten Partie statt. Nach dem Abfallen derselben reißt in mehreren
beobachteten Fällen (DB. stipitata, B. patagonica) der Anthocarpscheitel zwischen den vortretenden Kanten
der Länge nach auf oder spaltet sich: ein den übrigen Mirabileen fremdes Verhalten, wo die Anthocarp-
wand durchaus den Charakter des Pericarps einer Schließfrucht besitzt.
Die Stamina sind von ungleicher Länge und je nach den Arten in verschiedenen (4— 10), auch bei
den einzelnen Arten nicht ganz beständigen Zahlen; vergl. hierüber die Diagnosen. Nach Duchartre
_ (Annales d. sc. nat., ser. 3, IX., 271, Tab. 16) entstehen fünf Stamina zuerst in Alternanz mit den Perigon-
104 Anton Heimerl,
zipfeln, (bis zu) drei andere werden zwischen diese eingeschaltet; dann stellen sich alle regelmäßig in
einen Kreis. Frische Blüten von D. glabra ergaben die in den beifolgenden Diagrammen dargestellten
Befunde (Fig. 7), in welchen die Staubblätter nach ihren Längenverhältnissen durch Bezifferung unter-
Fig. 7. schieden sind (die längsten mit 1, die nächst kürzeren mit 2
u. S. f. bezeichnet); wie man sieht, schwankt die Vertheilung
nach der Länge bedeutend. B. berberidifolia (vergl. Taf. I,
Il d) lässt ganz deutlich die Einschaltung eines Stamens in
den normalen fünfzähligen Kreis erkennen. Bei D. pata-
gonica ließen sich an einer günstig erhaltenen Blüte eben-
falls die (5) Stamina des normalen Kreises und die ein-
geschalteten (3) unterscheiden; die Filamente der ersteren
waren (wie es gewöhnlich der Fall ist) an der Abgangstelle
von dem Androecealtubus dreieckig verbreitert und in gleichen Distanzen in einen Kreis gestellt; an drei
Stellen entsprangen nun zwischen je zwei der fünf Filamente die weniger basal verbreiterten Filamente
des interponierten Kreises, welche auch an der geringeren Länge zu unterscheiden waren. Der eben
erwähnte, in der Blütenbasis gelegene Androecealtubus (vergl. zum Beispiel die Zeichnung bei Maout
et Decaisne |.c.) kommt allen Arten zu und dürfte zur Nectarabsonderung dienen, da die Bestäubung
— auch bei den unscheinbar blühenden Formen — unzweifelhaft durch Insecten vermittelt wird. Im Ein-
klange hiemit steht die ausgesprochene Proterandrie und insbesondere die Form der Pollenkörner, welche
denjenigen von Abronia gleichen, sonst aber von dem Pollen aller anderen Nyctaginaceen wohl
verschieden sind. Die 27—40 u im Durchmesser haltenden Körner sind kuglig und mit zierlichen poly-
gonalen Feldern versehen, welche durch kettenartig aneinander gereihte, rundliche oder längliche Wärz-
chen gebildet werden, außerdem zeigen sich die Felder zart punktiert; es sind drei Austrittsstellen für
die Pollenschläuche vorhanden. Der Anklang an Abroxia in dem Pollen von Bougainvillea ist umso inter-
essanter, als auch sonst beide Gattungen im Perianth, Androeceum, Germen, in der ganz ähnlichen
Narbenbildung, in den Anthocarpen u. s. w. unleugbare Beziehungen zeigen.
Das Ovar wird von einem mäßig verlängerten, vom Androecealtubus eng umgebenen Carpophor
getragen; es ist deutlich zygomorph und wendet die fast gerade Seite der Bractee, die mehr convexe
dem Centrum der Paxtialinflorescenz zu (vergl. Fig. 8, Br Bractee, N Bauchnaht). Dabei fallen aber bei
Fig. 8. den frischen Blüten von B. glabra die Medianen des Germens und der Bractee nicht
|
: zusammen, sondern schließen einen Winkel miteinander ein (vergl. die Diagramme
| in Fig. 7); die Rückennaht des Ovars kommt dabei seitlich zu liegen. Der Griffel
entspringt stets der flacheren Seite des Ovars genähert und ist entweder auf der
ganzen Länge oder nur bis zur Hälfte mit zarten glashellen verlängerten Narben-
papillen besetzt, so dass das Stigma bürsten- oder federige Gestalt bekommt; ge-
wöhnlich ist es auch deutlich einseitig entwickelt, wobei die von der Bractee
abgewendete Griffelseite die längeren Papillen führt. Auf dem von Gewebsmasse
erfüllten, in das Carpophor übergehenden Grunde des Fruchtknotens steht auf
dickem, öfter ziemlich verlängertem Funiculus das camptotrope Ovulum, welches
seine Mikropyle der convexen Fruchtknotenseite, also dem Centrum der
Partialinflorescenzzuwendet, daherdas entgegengesetzteVerhalten wie bei
den Arten von Mirabilis zeigt. In der Mikropyle trifft man ganz ähnliche verschleimte Zellen an,
wie ich sie für den Mikropyleneingang von Mirabilis angegeben habe (Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissen-
schaften, Math.-naturw. Cl, LI, p. 64, Tab.I, Fig. 1). Von Radlkofer wurde bei Phaeoptilum das
gelegentliche Vorkommen eines rudimentären Carpides neben dem normal ausgebildeten nachgewiesen.
Ähnliche Fälle kamen mir zweimal bei B. patagonica vor; es hatte sich an der stigmatösen Seite
des Ovars und demselben genau gegenüber ein zweites, aber schmäleres Carpid wohl entwickelt. In
der unteren Partie hiengen beide zusammen, oberwärts gieng von dem neuen Carpide ein zweiter Griffel
Monographie der Nyctaginaceen. TI. 105
ab, der seine stigmatöse Seite dem normalen Stigma zuwendete; ein zweites Ovulum kam nicht zur Ent-
wicklung. Die innige Verwandtschaft zwischen Nyctaginaceen einerseits undChenopodiaceen, nebst Phyto-
laccaceen anderseits erhält durch diese Befunde weitere Stützen; ebenso spricht hiefür die obdiploste-
mone Staminalstellung von Colignonia.
Bemerkenswert erscheint mir in Bezug auf die Fruchtentwicklung das seltene Vorkommen
von Früchten. Fast immer erweist sich das meist auch äußerlich zusammengefallene Anthocarp als leer
oder mit einer ganz verkümmerten Frucht versehen. Herr Director Schwacke in Ouro Preto, den ich auf
dieses Verhältnis aufmerksam machte, übersendete jüngsthin eine Menge von Anthocarpen der B. glabra;
die Erwartung, Früchte darin zu finden, wurde nicht erfüllt, alle haben sich ausnahmslos als leer erwiesen.
Reife Früchte sind mir nur je einmal von B. spectabilis, B glabra var. brachycarpa und B. patagonica vor-
gekommen; sie bieten übrigens nichts, was vom Typus der Boerhaviinae wesentlich abweicht. Wie
dort ist die Fruchtschale auf eine unscheinbare, enge der Testa anliegende Haut reduciert; eine Verwach-
sung beider findet nicht statt, sie sind leicht voneinander abzupräparieren. Der Embryo, welcher ebenfalls
ganz nach Boerhavientypus gebaut ist, wendet — entsprechend der Stellung der Mikropyle — seine Radi-
cula von der Bractee ab. Das schneeweiße, ziemlich reichliche Perisperm führt rundliche, zusammen-
gesetzte Stänkekörner mit sehr kleinen Theilkörnern von 1'5—3p Durchmesser. Auf die besondere
Eignung der Früchte tragenden Bracteen, durch Luftströmungen fortgeführt zu werden, wurde im vorher-
gehenden schon hingewiesen; hiebei fälll noch der Umstand in das Gewicht, dass das Abtrennen der-
selben von dem stehenbleibenden Stiele oder Verzweigungssysteme durch die Steifheit des letzteren
besonders befördert wird, so dass eine geringe Erschütterung genügt, um das Ablösen herbei-
zuführen.
Was die anatomischen Verhältnisse der Arten betrifft, so ergab der Blattbau mehrere Resul-
tate, welche für die systematische Unterscheidung wichtig sind; zwei Arten (B. praecox, B. Malme-
ana) konnten nicht herangezogen werden, da diese — nur in Blütenexemplaren vorliegenden — Gewächse
zur Blütezeit vollkommen blattlos sind. Alsden einenT ypus können wir den Bau des Blattes von B.glabra
bezeichnen. Das relativ dünne Blatt zeigt typischen bifacialen Bau einfachster Art. Beide Blattseiten
werden von einer ziemlich großzelligen, zartwandigen Epidermis begrenzt, welche nur auf der Unterseite
Spaltöffnungen im Niveau der Blattfläche trägt; die Außenwände der Epidermiszellen sind leicht gewölbt,
ganz dünn, ohne Wellung oder Leistenbildung (Dicke 1’5 p), wie es einer Pflanze des feuchtwarmen
Tropenklimas entspricht; sehr selten trifft man stellenweise zweischichtige Epidermis. Das Pallissaden-
parenchym bildet eine Lage mäßig langer, das Schwammgewebe meist vier Lagen rundlicher, kaum
gelappter Zellen. Rhaphidenschläuche von mannigfacher Größe und Ausbildung sind ziemlich reichlich im
Blatte vertheilt. Zwischen den Zellen im Pallissadenparenchym stehen zerstreute kurze Schläuche, ganz
von der Form und Erstreckung dieser Zellen, mit vielen feinen Oxalatnadeln. Größere Schläuche von der
bekannten spindeligen Form mit derberen Krystallen trifft man gewöhnlich in zur Blattfläche paralleler
Stellung im Schwammgewebe; nicht selten treten auch Mittelformen beider Schläuche und unregelmäßige
Lagerung derselben auf. Spärlich beobachtet man auch einzelne Schläuche, die eine geringe Zahl von
Krystallen, dafür aber solche von deutlich prismatischer und nicht nadelförmiger Gestalt führen: eine
Andeutung der bei B. stipitata vorkommenden auffallenden Krystallbildungen. Dem geschilderten Typus
des Blattbaues gehören mit unbedeutenden Modificationen: B. spectabilis, B. perwviana, B. infesta,
B. stipitata und B. modesta an.
Die beiden letzteren Arten sind durch besonders große Oxalatkrystalle ausgezeichnet und daran
kenntlich; es gilt dies auch für alle unter B. stipitata zusammengefassten, habituell recht unähnlichen
Formen, und kann für die der B. modesta höchst nahe stehenden (nur blattlos bekannten!) B. prae-
cox und B. Malmeana gemuthmaßt werden. Es erstrecken sich langprismatische, stabförmige Einzelkry-
stalle in langgestreckten Schläuchen quer durch die Lamina; an einer Seite grenzen sie oder ragen etwas
in die Epidermis der Blattoberseite hinein, auf der anderen Seite dringen die längsten derselben fast bis
zur Epidermis der Unterseite vor. Diese merkwürdigen, oft massenhaft im Blatte quergelagerten »Strebe-
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 14
106 Anton Heimerl,
pfeiler« erreichen nicht selten die Länge von 90, in Ausnahmsfällen sogar von 116 u, bei 10 u Dicke;
neben derartigen verlängerten kommen aber auch kürzere, von '/);—'/, dieser Ausdehnung vor.
Der zweite Typus des Blattbaues wird durch die auch sonst eigenthümliche (eine eigene Section
bildende) B. patagonica repräsentiert. Die Epidermiszellen haben eine flach tafelige, niedere Form mit
schmalem Lumen; die Seitenwände sind mäßig verdickt, hingegen in bedeutenderem Grade die Innen-
wände (bis 9 p) und besonders die Außenwände (10—15p), welche in ihrem mittleren dicksten Theile
bogig vorspringen und von einer scharf abgesetzten, oft welligen Cuticula überzogen werden. Spalt-
öffnungen auf beiden Blattseiten, etwas spärlicher aber auf der Oberseite; die kleinen Schließzellen etwas
unter dem Niveau der angrenzenden Epidermiszellen. Letztere (an den Blättern der getrockneten Pflanze)
oft mit einem oder auch mehreren oktaedrischen Kryställchen von 9— 12 u Länge, welche kein Calcium-
oxalat sind, da verdünnte Schwefelsäure fast ohne Einwirkung ist, concentrierte dieselben aber ohne
Gipsbildung löst; Kalilauge ist ohne Einwirkung, Salzsäure löst sie bald. Daneben kommen aber
auch Drusen oder kurze prismatische Krystalle, wohl von Calciumoxalat, in den Zellen vor. Das Innere
des dicken Blattes zeigt fast typischen isolateralen Aufbau, wobei allerdings die Pallissadenzellen der
oberen Blattseite besonders langgestreckt und enge genähert sind, die kürzeren der unteren Seite mehr
locker bei einander liegen. Das Mesophyli führt bloß Rhaphidenschläuche, aber diese geradezu massen-
haft; sie liegen in der oberen und unteren Blatthälfte fast in gleicher Menge und beiderseits in derselben
Anordnung, senkrecht zur Blattfläche. — Es existieren Verbindungsglieder beider Extreme
des Blattbaues; in geringerem Grade gilt dies für B. infesta, besonders aber für 5. berberidifolia. Die
Epidermis ist auffallend groß- und weitzellig; die Zellen haben dünne Seiten- und Innenwände, dafür aber
verdickte Außenwände (8—10 p), die ebenso vorspringen wie bei D. patagonica und noch stärker wel-
ligen Cuticularsaum besitzen. Das nur wenig- (ungefähr fünf-) schichtige Mesophyll zeigt nur geringen
Unterschied beider Blattseiten und besteht zumeist aus relativ kurzen Zellen. Beide Blattseiten mit Spalt-
öffnungen, welche von den Nachbarzellen deutlich überragt werden. Rhaphidenschläuche ähnlich vertheilt
wie bei D. glabra.
Haarbildungen sind in der Gattung sehr verbreitet und bestehen aus einfachen Zellreihen mit
blasenartig aufgetriebener Endzelle, deren dicke Wand geschichtet ist, ohne dass es zu einer nennens-
werten Secretion aus dieser käme. Sehr auffallend sind die winzigen röthlichen Härchen von B. patagonica,
welche sich am Stiel der einblütig’en Partialinllorescenz, dann sparsam auf dem Perianthe und dem Mlittel-
nerven der Bracteen finden (Fig. 9). Einige unscheinbare, ziemlich isodiametrische Zellen bilden eine ein-
Fig. 9. fache oder auch etwas verzweigte Zellreihe, die theils an den Enden, theils auch
seitlich große, unregelmäßig geformte, keulige bis blasenähnliche Zellen trägt; ent-
weder sind nun alle Blasen mit dunkelbraunem Inhalte versehen und fast undurch-
sichtig, oder sie sind zum Theile farblos mit dicker, geschichteter Wand, oder es
kommen Übergangsformen beider Bildungen vor. Die dunklen Inhaltsmassen weisen
dieselben Reactionen auf, welche die ganz ähnlichen Klumpen in den Epidermis-
zellen mancher Boerhavien zeigen; man vergleiche hiezu Fig. 2 und 4 meiner
Untersuchungen über Einlagerung vom Calciumoxalat in die Zellwand bei Nycta-
ginaceen (Sitzber. d. kais. Akad. d. Wiss, XCII, I, 246), wo auf die nahen Beziehungen
zu den Inhaltskörpern der bekannten Schläuche im Marke von Sambucus aufmerksam gemacht wird.
Dieselben Trichome beobachtete ich auch bei B. berberidifolia und Übergangsformen zwischen diesen und
den gewöhnlichen Gliederhaaren bei B. infesta; nämlich solche mit rothbraunem Inhalte in den Endzellen.
eg mu...
Monographie der Nyctaginaceen. 1. 107
Clavis analytica ad specierum determinationem.
1. Inflorescentiae partiales uniflorae, tribracteatae in pedicello brevi, e foliorum fascieulis oriundo.
Folia angusta, crassiuscula, oblongo- ad linearispathulata, subsessilia . . . . » ..... .B. patagonica
Inflorescentiae partiales triflorae, tribracteatae (raro biflorae et bibracteatae). Folia latiora, tenuia,
ae ee, Eee I ee, u N er a
2. Perianthii tubus cylindricus, nervis 10 f. aequalibus instructus. Inflorescentiae partiales e ramis
abbreviatis oriundae, pedunculo debili, nunquam dichasiale confertae . . . 2 2 2 2 2 2 2 nn.
Perianthii tubus nervis 5, ceteris validioribus magisque prominentibus quinquangulatus. Inflo-
eRensetenpatltales saepedichastalercontenae sn nn Nun neenad
3. Perianthia glaberrima, limbo nec papilloso nec fimbriato . . ». . 2... ......B. berberidifolia
Bentanthia dense hirtay imbolsaepespapilloso v. imbriato 2 2... 2 nn. mn. 2. en nen ck
4. Arbor. Bracteae ad anthesin floribus paulum sed distincte breviores, in basi obtusatae et paulum
in pedunculum breviter contractae, f. dupio longiores q. latae. Perianthia tubo nervis validiusculis angu-
lato. Ovarium oblongo-ellipticum, sursum non attenuatum, subsubito in stylum contractum. Stylus ad v.
paulo ultra diemidium stigmatosus, modice longus . . -» . ». 2. 22... nen en... B. modesta.
Frutex. Bracteae ad anthesin flores aequantes, postea paulum sed evidenter superantes, in basi
rotundae ad paulo cordatae, non contractae, dimidio longiores q. latae. Perianthia tubo nervis debi-
lioribus angulato. Ovarium ut in praecedente. Stylus per totam longitudinem stigmatosus DB. Malmeana.
Frutex. Bracteae ad anthesin flores paulum sed evidenter superantes, in basi rotundae ad paululum
cordatae, non contractae, paulo v. dimidio longiores q. latae. Perianthia tubo nervis validiusculis angu-
lato. Ovarium anguste et oblongo-conicum, sursum angustatum et in stylum valde brevem, per totam longi-
tudinem stigmatosum breviter contractum ad attenuatum . . » 2 2 2 2 2 en 2 2 nn... B. praecox.
9. Perianthia gracillima, f. aequilata, tubo superne solum paululum latiore, 16—20 mm 1g., 1’5—2 mm
It., praeter limbi marginem teniussime puberulum glaberrima. Bracteae ad anthesin floribus breviores, basi
v. cuneatae v. distincte in pedicellum attenuatae. Folia (rhaphidiis exceptis) parce crystallophora, crystallis
minoribus. Spinae subrectae, validae, longae . . . .... N DSHERUUTANDN
Perianthia + puberula ad hirsuta, in formis subglabris fen distincte latiora, 2—3 mm It. Bracteae
basi ovatae v. subcordatae, raro basi rotundae et paulum in pedicellum decurrentes . » 2.2.2.2..6
6. Folia frequenter cerystallis simplieibus, prismatieis, transverse positis, magnis ad maximis instructa.
Perianthia distincte circiter in media parte constrictula, lobis dense papillosis. Spinae plerumque frequen-
Ber, AAO EEE oe ren one ee N 57023777 111727778
Folia praeter rhaphidiarum utriculos non erystallophora v. hinc inde crystallis minoribus, minus spec-
FaBlibussinstrücka,,.. ..... "2... 02 nme: a ee en a ee er ler
7. Spinis validis rectiusculis armata. eine partiales non dichasiale confertae, directe singu-
latim e pulvinulis sub spinis orientes. Perianthia 12—14 mm Ig., c. 2 mm It., valde angusta, pilis paten-
tibus valde densis pubescenti-hirsuta, lobis dense sed brevissime papillosis. Stamina 5. Folia pauca e pul-
alramerum’supfascienlanmeprodemntag m nn. ne en nen an... B. infesta.
Spinis arcuatis ad subuncinatis = frequenter armatae, raro spinis nullis. Inflorescentiae partiales
plerumque in dichasia + divisa et ramificata confertae. Perianthia 14—30 mm Ig., c. 3 mm It., indumento
vario, lobis + hirtulis, non papillosis. Stamina 7—10, sed plerumque 8. Folia typice secus ramos elon-
PEIO SERIE SUR ATS PO SIt Wer ee ee
8. Perianthia dense et patenter hirsuta, in parte inferiore elongato-fusiformi nervata, sed non promi-
nenter angulata. Germen stylo usque ad dimidium stigmatoso. Anthocarpia angulis tenuibus, paululum
prominentibus. Saepe spinis validis armata et plerumque dense hirsuta ad tomentosa . . . B. spectabilis.
Perianthia valde breve puberula ad + glabrata, in parte inferiore oblongo-ellipsoidea prominenter
obtusangulata. Germen stylö per totam longitudinem stigmatoso. Anthocarpia angulis acute prominentibus.
Saepe spinis debilibus v. subnullis, indumento & parciore. . . 2 22.222.222... B. glabra,
14*
108 Anton Heimerl,
$ I EUBOUGAINVILLEA Baillon.
3aillon, 1.c. 22; Heimerl, Beiträge 30.
Bougainvillea Auct. plurim., e. gr.: Jussieu, Annales du Museum II, 275; Sprengel, Syst. Veget.
II, 164; Endlicher, Genera 312, Nr. 2008; Steudel, Nomencl. ed. II, I, 235; Spach, Hist. Veg. Phan.
X, 516; Choisy, 1. cc. 437; Walpers, Repert. bot. syst. V, 721; Schmidt, in Flora Brasil. XIV, 278088;
Bentham-Hookerfil, Genera III, 7.
Tricycla Poiret, Encycl. meth. Suppl. V, 358.
Josepha Velloz, Flora Fluminensis IV, 154, Tab. 16 (sec. Choisy).
Inflorescentiae partiales triflorae et tribracteatae (raro biflorae et bibracteatae). Folia
saepe structura bifaciali, petiolata.
ı. Bougainvillea spectabilis Willdenow.
Willdenow, Spec. pl. II, 348; Sprengel, 1. c.I, 168; Martius!, Herb. Florae Brasil. 90, Nr. 64; Choisyl, I. c. 437; Maout
et Decaisne, Trait@ 451; Schmidt!, 1. ce. 351, Tab. 82; Baillon, 1. c. 12; Durand et Schinz, Etudes sur la Flore du Congo
231!:- Confer Hooker in adnotationibus ad Tab. 4810 in Bot. Magaz. (1854) et iconem in: The Garden 1893, Tab. 891.
Syn. B. bracteata Persoon, Enchir. I, 414.
B. brasiliensis Princeps de Neuwied, Reise nach Brasilien I, 44, 91, 347! p.p.; Raeusch,
Nomencl. ed. II, 112 (ex Kew. Index); Lund apud Choisy l.c.
B. Peruviana Nees et Martius, Nova acta XI, 39 — non HB.
B. spectabilis ß-typica Heimerl in Engler, Bot. Jahrb. XXI, 623.
B. virescens Choisy, 1. c. 437; Schmidt, l.c. 351 (specimina iuniora bracteis ante anthesin
viridulis!).
Josepha augusta Velloz, l.c. 154, Tab. 16 (sec. Choisy).
Tricycla spectabilis Poiret, |. c. 358.
Frutex v. arbuscula v. arbor ad 12m alta. Ramosissima, plerumque valde spinosa, ramis f. omnibus
valde elongatis, subhorizontale v. oblique patenter ramificatis, sarmentosis, spinis adiuvantibus scandenti-
bus, raro ramulis partim abbreviatis ad brevissimis folia approximata floresque gerentibus, in statu foliato
florens, ob flores numerosissimos, pulcherrime bracteatos aspectum splendidissimum praebens.
Rami vix v. leve flexuosi, elongati, firmiores, internodiis 15—5'5 cm Ig., peridermio griseolo ad
rufobrunneo, tenue striolati ad laeviusculi, pro maxima parte cum spinis, foliis, inflorescentiis etc. tomentosi,
rarius patenter hirsuti [forma «: hirsutissima Schmidt 1. cc. 351], spinis simplicibus, in ramis vetustis
usque 20—40 mm 1g., saepe validis, patentibus, a latere + compressis, + arcuatis ad subuncinatis, acutis
armati, inflorescentiis partialibus raro singulatim orientibus vulgo in dichasiis spectabilibus dispositis et
inflorescentiam communem plerumque amplissimam, paniculatam ad magis corymbosam, — foliatam for-
mantibus, ramis primariis inflorescentiarum deinde (cum ramificationibus) rigide persistentibus, v.
brevibus v. saepius elongatis, firmioribus, dense hirtis, patentibus, saepe bis ad ter dichasiale partitis,
bracteolis in ramificationibus v. minutis, subulatis, cito deciduis v. hinc inde petiolatis, lanceolatis, sub-
membranaceis et pulchrius coloratis.
Folia forma valde variabili, late ovata ad suborbiculata, late elliptica ad lanceolata, circiter in v.
sub dimidio latissima (50— 100 mm : 27—68 mm), petiolo lamina duplo ad plurimo breviore, v. basi
Monographie der Nyctaginaceen. 1. 109
rotundata v. basi solum brevius v. utrinque distincte attenuata ad acuminata, antice v. obtusiuscula v.
acutiuscula, consistentia paulo firmiore, subherbacea, laete viridia, subconcolaria, vulgo imprimis infra
dense velutino-tomentosa, supra demum parce hirta, rarius (ut pleraeque plantae partes) pilis fusces-
centibus ad lutescentibus (imprimis in nervis) dense hirsutissima [forma a: hirsutissima Schmidt |. c.],
integra, nervis imprimis infra distinctis, paulum prominentibus, laxius v. indistincte coalitis. Folia in
sectione transversa sine crystallis prismatieis, magnis, transverse positis.
Inflorescentiae partiales triflorae, pedunculis subtenuibus, primum 6— 11 nm, dein 13— 17 mm
lg., tomentosis ad hirsutis suffultae.
Bracteae pulcherrime coloratae, vulgo rosaceae ad lilacinae, rarius aurantiacae (sec. E. Ule in litt.)
v. lateritiae (B. spectabilis var. lateritia Lemaire, L’Illustr. hortic. XIII, Tab. 466; B. lateritia in: The
Floral Magazine 1865, Tab. 260, sec. Lemaire) v. subferrugineae (20—46 mm : 17—40 mm), post anthesin
paulum auctae, v. flores subaequantes v. iis saepissime evidenter longiores, late ovatae ad latissime
ellipticae, basi + cordatae, antice vulgo obtusiusculae ad acutiusculae, raro late ad latissime rotundatae
[forma ß: rotundibracteata m.], utringue & hirsutae ad pubescentes, denique saepe parcius pilosae, rarius
ab initio glabriusculae, dense et pallide reticulato - venosae, submembranaceae; florum pedicelli ad
3—6 mm cum bractea connati, denique ad 9 mm elongati, tomentosi ad hirsuti.
Perianthia 18—30mm lg. [formae perianthiis minoribus sistunt varietatem »B-parviflora Martius«
apudSchmidtl.c. 351, sed ipsae hae formae sunt vulgatissimae ceterumque in uno eodemque specimine
quoad magnitudinem florum variant] tubo viridescente, eirciter in dimidio leve constricto v. angustato,
dense et patenter aspro hirsuto, parte inferiore tubi elongato-fusiformi (ad 3 mm It.), non prominenter angu-
lata, in basi brevi angustata, parte superiore distinete angustiore (ad 2 mm It.), f. cylindrica, sub limbo
iterum paulum constrictula, nervis 5 validis (nervis ceteris multo debilioribus) in limbi lobos excurrentibus,
distinete prominentibus, rufescentibus, limbo 6—7 mm It., firmiore, lobis breviter ovatotriangularibus,
obtusiusculis, flavescentibus, aurantiacis v. rufescentibus, commissuris brevioribus, subtruncatis, emargi-
natis, pallide lutescentibus, f. glabris v. brevissime puberulis.
Stamina 7—10, plerumque 8, cupula 1:5—2 mm Ig., filamentis longioribus 16— 25 nm 1g., breviori-
bus 13—20 mm 1g., antheris luteis ad v. ultra 1 mm It. et lg.
Germen (cum stipite 12—15 mm lg.) ovario oblongo (4—6°5 mm 1g., I mm It.), basi stipitiforme
attenuato, apice rotundo, stylo (4—7 "5 mm |g.) usque ad dimidium stigmatifero.
Anthocarpia oblongo-ellipsoidea (11— 14 mm 1g., 5:5 mm It.), griseo-viridia, coriacea, dense et
longius aSpro-hirsuta, basin versus breve apicem versus distinctius v. fere utrinque aeque attenuata, medio
latissima, nervis 5 tenuibus, striaeformibus, paululum prominentibus, inter hos leve longitudinale sulcata.
Fructus oblongo-ellipsoidei (7”— S mm \g., 3—4 mm It.), apice latissime rotundati ad subtruncati,
basi stipitatim contracti, pericarpio griseolo, tenue membranaceo, fragili, facile a testa rufobrunnea,
nitidula separando.
Embryo cotyledonibus leviter cordatis, ad 6 mm Ig., axi prominente, cotyledones superante, ad
7 mm 1g.
Species haec in indumento, foliorum forma, inflorescentiae ramificatione, bractearum forma, perian-
thiorum magnitudine variabilis indigena est in regione tropica hygrophila Brasiliae austro-orientalis
ceterum et in patria et in regionibus calidioribus fere totius orbis ornamenti gratia colitur.
Vidi e Brasilia: Prov. Rio de Janeiro [Rio de Janeiro: Caminhao, Casaretto, Gardner 103,
Gaudichaud 423 (mixtim cum B. glabra), in valle de Larangeiras, Glaziou 3804, 12113 (bracteis
lateritiis), Langsdorff, Luschnath 1400, Miers 3107, Moricand 298, Pohl 5240, Riedel 1533,
Schenck 1978, Schwacke 1828, Sello 424, Vauthier 549, Weddell 506; Botafogo, Lund; »inter
Rio et Campos«, Sello 155 (accedens ad a); »in sylvis Capocabanae et in sepibus suburbis Sebastiano-
polis« Martius 64, Schüch; Campos, Schott 5565 () (sub »B. hirsuta«, sed sub hoc nomine et numero
etiam specimina plantae vulgaris, breviter tomentosae distributa sunt), Sello];
110 Anton Heimerl,
Prov. S. Paolo (Riedel). — Sine ulteriore indicatione: Ackermann, Bacle 298 (ß), Brattasewitz,
Commerson, Claussen 2001, Lund 393, Mikan, Pohl 5563, Schott 5240.
Specimina culta vidi e: Ruatan Island, Bay of Honduras (Gaumer 134), Rio de Janeiro (Rudio,
Warming), Trinidad (Krug et Urban herb. 4504), Java Buitenzorg (Wahrburg 1401) (accedens ad a),
Nova Caledonia (Grunow) (ß), Buschir Pers. austr. (Bornmüller 781, forma foliis glabriusculis valde
distincta), Algeria (Christ, Kersten) (ß), Alexandria (Unger 253) (a), (Kotschy) (a) (ß); Suez (Wiesner,
forma bracteis subferrugineis), Kahira (Kotschy 973) (a) (ß), Gibraltar (Paulay), Madeira (Hiliebrand,
Favrat), Congo Banana (Dupuis, forma foliis ovatolanceolatis, bracteis glabriusculis, ovatolanceolatis,
acutis valde ad B. glabra accedens), Marsilia («) (ß), Antibes (ß), San Remo (accedens ad a).
Secundum Lefroy, Botany of Bermudas 99 nunc in Bermudis naturalisata; sec. Melliss, St. Helena
313 etiam in hanc insulam introducta.
Anhang.
Die meisten der eben angeführten Exsiccaten dürften von cultivierten Exemplaren herstammen, ins-
besondere gilt dies für diejenigen aus der Umgebung von Rio de Janeiro, da das Gewächs — nach freund-
licher Mittheilung des H. Directors Schwacke — von ihm bei seinen vielen Ausflügen um Rio nie wild-
wachsend angetroffen wurde; Schwacke traf spontane Exemplare nur bei Cabo Frio an.
Die cultivierte Pflanze entfaltet ihre volle Pracht '! wohl am besten in warmen Klimaten beim Wuchs
im Freien; zur Gartencultur in unseren Breiten im Glashause eignet sie sich weniger als die folgende Art,
welche schon als niedriger Strauch zum reichlichsten Blühen zu bringen ist.
2. Bougainvillea glabra Choisy emend.
Choisy, 1. c. 437.
Frutex + arboreus (v. arbor?) ramosissimus, in habitu, ramificatione, aspectu splendidissimo cum
B. spectabilis omnino congruens, spinis debilioribus, rarius omnino deficientibus et indumento breviore,
saepe magis parco ad subdeficiente diversus.
Rami vix flexuosi, (ex Schwacke) horizontale patentes, elongati, — graciles, internodiis 1—5 cm
lg., peridermio lutescente v. plerumque griseo- ad rufobrunneo, tenue striolati, v. f. omnino glabri —
ramorum apicibus, foliis inflorescentiisque novellis parce puberulis exceptis — v. solum in partibus
vetustis decalvati, in superiore regione valde breve sed densius puberuli, aut f. inermes aut spinis simpli-
cibus, in ramis vetustis usque 6— 10mm 1g., plerumque haud validis, patentibus, paulum compressulis
ad subuncinatis, acutis armati, quoad inflorescentiam ut in B. spectabilis.
Folia inter formam lanceolatam et latissime ellipticam variantia (inferiora ramorum etiam obovato-
elliptica), circiter in medio latissima, petiolo lamina plurimo breviore, v. basi v. utrinque attenuata, antice
v. rotundata v. saepius acuminata ad subproducta ipsoque in apice non raro obtusiuscula, consistentia
herbacea, tenuia, laete viridia, subconcolaria, primum saepe utrinque breve puberula, demum petiolo
nervisque puberulis exceptis glabriuscula ad glabra, integra, nervis infra paulum prominentibus, laxius
coalitis. Folia in sectione transversa ut in specie praecedente.
Inflorescentiae partiales pedunculis subtenuibus, primum 9— 14mm, dein 12— 25 nm 1g., glabris
v. puberulis suffultae.
Bracteae saepius pulcherrime coloratae, rosaceae ad lilacinae, rarius albescentes, post anthesin
tertia v. dimidia parte auctae, paulum floribus longiores, ovatae ad ellipticae, basi et apice valde in forma
variantes, nervis diu saepe puberulis exceptis glabriuseulae ad glabrae, dense et in vivo viridescenter reti-
culato-venosae, submembranaceae; florum pedicelli glabri v. puberuli, ceterum ut in D. spectabilis.
I Vergl. z. B. die Schilderungen des Prinzen v.Neuwied (l. c.) oder diejenige bei Detmer, Bot.Wanderungen in Brasilien 37,
Monographie der Nyctaginaceen. I. 111
Perianthia 14—24 mm Ig., tubo viridescente, v. brevissime dense puberulo v. + glabrato, paulum
sub dimidio levissime constricto, parte inferiore tubi oblongo-ellipsoidea (2:5—3°5 mm It.), prominenter
obtusangulata, inter angulos planiuscula ad leve concava, in basi subovata, vix angustata, parte superiore
distinete angustiore (ad 22mm It.), f. eylindrica, sub limbo iterum paulum constrictula, ceterum ut in 2.
speclabilis.
Stamina 8, cupula 1—2 mm 1g., filamentis longioribus 12—22 mm Ig., brevioribus 8—18 mm Ig.,
antheris luteis, + 1 mm It. et Ig.
Germen (cum stipite 5—9mm 1g.) ovario ellipsoideo ad oblongo (2:5—3°5 mm Ig., 1—1'5 mm It.),
basi stipitiforme attenuato, apice rotundo, stylo (2—4 mm Ig.) fere per totam longitudinem stigmatoso.
Anthocarpia obturbinata ad obpyramidata (”—13 mm Ig, 4—5 mm It), perianthio supero
arctissime torto diu coronata, sordide flava ad griseoviridia, coriacea, pilis brevissimis demum evanes-
centibus puberula, dein glabriuscula, superne latissima, basin versus sensim attenuata, apice f. obtusissima,
angulis 5 acute, valde prominentibus, inter hos leve longitudinale sulcata.
Fructus (solum in varietate c-brachycarpa nobis cogniti!) obovoidei (45 mm Ig., 2:5 mm It.), breve
stipitati, pericarpio griseolo, tenue membranaceo, fragili, facile a testa rufobrunnea separando.
Embrys® cotyledonibus ad 4 mm Ig., axi paulum prominente, ceterum ut in B. spectabilis.
Magis variabilis quam B. spectabilis incolit — ut videtur — maiorem aream Brasiliae orientalis
a provincia Bahia usque ad provinciam S. Catharinam. Variationes formasque sequenti modo disposuimus’
Var. « typica m.
Syn.: B. glabra Choisy!l.c.; Schmidt! I. c. 352 (pro maxima parte). — Revue horticole 1889, p. 276 c.
icone; The Garden 1894, p. 418, tab. 962.
B. brasiliensis Princeps de Neuwied, Reise l. c.!
B. pomaea Choisy! I. c. 488.
B. rosea Martius-Exsice.!; Schmidt. c. 351.
B. rubicunda Schott Exsiec.!; Schmidt. c. 351.
B. speciosa Schnizlein, Iconographia II, tab. 104, fig. 21 —26.
B. spectabilis, var. glabra Hooker in adnotationibus ad tab. 4810, Botan. Magaz. (1854) [sed icon
formam transitoriam ad D. spectabilis sistit|; Heimerl in Engler, Bot. Jahrb. XXI, 623.
Bougainvilleae species apud Gardner!, Journ. of Botany I, 185, 186.
B. glabra var. Sanderiana Wittmack, Gartenflora 1899, 313, Taf. 1463.
Breviter aculeata, rarius inermis, firmior, v. puberula v. f. glabra. Folia elliptica ad elliptico-lanceolata
(30— 122 mm : 18— 50 mm), utrinque v. inprimis antice attenuata ad cuspidatim producta, leviter puberula
ad glabra. Inflorescentiae partiales in dichasiis, secus ramos foliatos dispositis, ordinatae inflorescentiam
communem foliatam, = elongatam, saepius minus corymbosam, magis paniculatam, plerumque laxifloram,
= multifloram formantes. Bracteae florigerae brevius ad longius ovatae (20—40 mm : 12—30 mm), paulo
v. ad duplo longiores q. latae, basi rotundae et plerumque profundius cordatae, non contractae, nec in
pedunculum decurrentes, antice vulgo obtusiusculae, rarius distincte acuminatae et acutae [forma «:
acutibracteata m. in Videnskab. Medellser, 1890, 960] aut rotundatae ad obtusissimae [forma ß:
obtusibracteata m. |. c. 959; B. pomacea Choisy!]. Perianthia maiora 18—24 mm Ig., limbo ad 7 mm It.,
typice extus pilis brevisissimis v. in toto v.inprimis in angulis puberula, rarius et imprimis in speciminibus
f. glabris praeter limbum tenue puberulum glabriuscula ad omnino glabra [forma y: laeviuscula m.]. Sta-
mina 12—22 mm Ig.; germen 6—9 mm Ig., stylo 2—4 mm lg. Anthocarpia matura (sed vacua) usque
13 mm |g. et 5 mm It.
Vidi e Brasilia: Prov. Bahia [Serra da Jacobina, 11° lat. austr, Blanchet 2573 (ß); Ilheos, Blan-
chet 3950 (a); Moritiba, Blanchet 3462, specimina partim parviflora (a); S. Salvador, Martius];
Prov. Minas Geraes [Claussen, Gardner 5139 (2,7); ad Alto dos Bays, Martius; in regione
Minarum Novarum, Martius; Parahybuna, Schott 5563 (ß, y); Lagoa Santa, Warming (a, y); Pampulha,
Warming (a)];
=
112 Anton Heimerl,
Prov. Rio de Janeiro [Rio: Gaudichaud, Glaziou 4177, 12112 (ß), Schenck 2189, Vauthier
549 (y); Nova Friburgo, Glaziou 4177 (ß), 11417 (a), 15112 (B)];
Prov. S. Paolo [Perdonnet 156 (a, 7); »a Serra d’ Itaguahy usque ad Taubate«, Lund (%); S. Paul,
Lund 719; »in prov. S. Sebastiani et S. Pauli«, Martius];
Prov. S. Catharina (Rio Itapocüu, Schwacke: specimina spontanea bracteis albescentibus!).
Sine ulteriore indicatione: Brattasewitz (y), Glaziou 2664 (ß), 11417 (a), Jelinek 118 (a, 7),
Langsdorf, Riedel (a), Pohl 105 (y), Schuch («, y), Sello 449 (7), 781 (y), Weddell 1043.
Specimina certe culta vidi e: Prov. Minarum Brasiliae [|Ouro Preto (Schwacke) (y), Caldas (Regnell
1029) (y)], Rio Janeiro (Mosen 2764) (o), Yucatan (Valdez 9) (x), Puerto Rico (Sintenis 698), St. Croix
(Eggers), St. Thomas (Eggers 712 »ad habitationes naturalisata«) (a), Martinica (Duss 2098) («), Madeira
(Wawra et Maly 48) (a), Mauritio (a), Singapore (Mayer) (»), Nizza.
Secundum Lefroy, Botany of Bermudas 99 nune in Bermudis naturalisata. Ab J. D. Smith (Report
of Surveys, Intercont. Railway Commiss. I, II, Appendix III, 18) in republica Salvador, Amer. centr. (Santa-
Ana, Depart. S. Ana, leg. Shannon 5002), lecta est: certe specimina culta v. introducta.
Anhang.
Auch hier gilt das für B. spectabilis bemerkte, dass die meisten Exsiccaten von cultivierten Exem-
plaren herstammen dürften; so schreibt mir Herr Director Schwacke dass er die in Brasilien, speciell
in Ouro Preto, so häufig cultivierte B. glabra nie in der Provinz Minas wildwachsend angetroffen habe;
nach verlässlichen Gewährsmännern solle sie aber am Rio Doce häufig vorkommen. Vielleicht stammen
auch die von Blanchet und Martius ausgegebenen Exsiccaten von wildwachsenden Exemplaren, da
nach Detmer (Botan. Wanderungen in Brasilien, 87) eine Dougainvillea in der Umgebung von Bahia
(Orobö) zuweilen im Urwalde angetroffen wird.
Diese Bougainvillea eignet sich nach den Angaben der Gärtner besonders gut zur Glashauscultur,
da es gelingt, schon kleine Topfexemplare zum überreichlichen Blühen zu bringen. In Gärtnerkreisen ist
sie unter dem Namen B. Sanderiana seit dem Jahre 1894 bekannt; die unter dieser Bezeichnung mir mit-
getheilten und frisch untersuchten Stücke sind mit der eben beschriebenen Varietät « identisch. Eine Reihe
von hierauf bezüglichen Notizen, insbesondere über Culturmethoden findet man seit dem Jahre 1894 all-
jährlich in gärtnerischen Zeitschriften, insbesondere in Gardeners Chronicle, The Garden, Revue horticole
u.s.w., dann in Nicholson et Mottet: Dictionn. d’ horticulture I, 396. Hieher gehören wohl auch die
botanisch ganz ungenügend charakterisierten, als B. fastuosa, B. refulgens, B. Cypheri u.s. w. bezeichneten
Formen.
Varietas b graciliflora m.
Syn. B. glabra Schmidt!|.c. p. p.
Inermis v. rarissime breviter spinosa, subgracilis, inprimis in superiore parte dense puberula. Folia
ovata ad elliptica (45— 100 mm : 24—45 mm), utrinque v. imprimis antice attenuata ibique + cuspidatim
producta, nervis petiolisgue saepe dense pubescentibus exceptis glabriuscula. Inflorescentiae communes
ramos terminantes + corymbosae, densi-et multiflorae. Bracteae florigerae latissime ovatae (1S—22 mm:
12— 16mm), paulo v. dimidio longiores q. latae, basi rotundae vix subcordatae, in pedunculum non v. sub-
indistincte et brevissime decurrentes, antice obtusatae v. paululum acutiusculae. Perianthia graciliora,
minora, 14— 15 mm 1g., limbo 6 mm It., extus dense ac breviter puberula. Stamina S—12 mım 1g., germen
9—6 mm 1g., stylo 2 mm \g. Anthocarpia matura ignota.
Brasilia australis, Prov. St. Catharina (»Kletternd im Walde am Capivary bei Tubarao,« Ule 10753).
Brasilia, Sello 5597 (sine indicatione loci).
Monographie der Nyctaginaceen. TI. 113
Varietas c brachycarpa m.
Syn. B. brachycarpa Heimerl apud Engler, Bot. Jahrb. XI, 88, Tab. II, Nat. Pflanzenf., 1.c. 22,
Fig. 7, E—.
B. glabra Schmidt!l.c. p.p.
(Solum in statu fructigero nobis cognita). Inermis, gracilis, parce breveque hirtula. Folia minora
(35—56 mm : 10 —23 mm), elliptico-lanceolata, utrinque attenuata, antice saepius subcuspidatim producta,
subglabra, nervis petiolisque hirtulis. Inflorescentiae communes ramos terminantes f. corymbosae, densi-
et — multiflorae, floribus (defloratis) puberulis. Bracteae fructigerae circiter ellipticae (20—30 mm:
10—16 mm), usque ad duplo longiores q. latae, basi rotundae, breviter et saepius asymmetrice (uno latere
magis quam altero) in pedunculum contractae, secus eum breve (usque ad 4 mm) decurrentes, antice
acutiusculae. Anthocarpia 7—9 mm lg., 4—5 mm superne lata.
Brasilia (loco speciali ignoto), Sello 624.
Anhang.
A. Formae intermediae inter B. spectabilis et B. glabra.
Obwohl sich beide Arten ungemein nahe stehen, gestatten doch die angeführten Kennzeichen in den
meisten Fällen das sofortige Unterscheiden derselben. Die im folgenden angeführten Herbarexemplare
stellen sich aber als wirkliche Mittelformen dar und sind vielleicht auf einen hybriden Ursprung zurück-
zuführen; sie dürften aller Wahrscheinlichkeit nach von cultivierten Exemplaren stammen.
1. Guatemala, Sambrerito, Dep. Santa Rosa, leg. Heyde et Lux 6370 (Plantae Guatem. ed. a J.D.
Smith). In habitu cum B. glabra concordans: ramis gracilibus, spinis minutissimis, foliis glabriusculis,
bracteis acutiusculis extus f. glabris, intus paulo magis hirtulis; perianthiorum forma ut in D. spectabilis,
indumento tomentello ut in B. glabra pilis autem paulo elongatis, magis patentibus immixtis.
2. Ecuador, Bahia de Caraquez, leg. Lehmann. Specimina in habitu, foliis ramisque glabriusculis
etc. cum B. glabra concordant, perianthiis parcius sed longius pilosis ad B. spectabilis spectant.
3. Brasilia, leg. Blanchet (frustulum sine indicatione loei specialis). Ramis et bractearum pedicellis
densius et patenter hirtis, perianthiis dense hirsutis ad D. spectabilis accedit, sed foliis brevissime et parce
hirtis, deinde glabris, perianthiis eadem formatione ut in B. glabra differt.
B. Bougainvillea species nova?
Im Herbare des Wiener Hofmuseums liegt ein Zweigende einer in Ecuador cultivierten und von
Lehmann (Nr. 255) gesammelten auffallenden Form. Die Etiquette trägt folgende Notiz: »Gesträuche mit
dornigen schlanken hängenden Zweigen von 5m Höhe. Bracteen hellkarmoisinroth. Blumen gelb. Wird
von den Eingeborenen der Provinz Manabi in Ecuador mit Vorliebe angepflanzt.«
Adest solum summitas plantae cum inflorescentia ampla, pyramidata, multi- et subdensiflora, ramum
terminante, praeter pilos brevissimos in apice rami communis glaberrima. Folia (summa pauca solum vidi)
late ovata, paulo longiora q. lata (30 mm : 22 mm), antice acutiuscula, petiolo puberulo lamina 2—3plo
breviore, f. glabra, infra solum in nervis hirtula. Rami primarii inflorescentiae approximati, valde oblique
patentes, leve arcuati, rigidiusculi, bis dichasiale divisi; inflorescentiae partiales in pedunculis debilibus,
glabris, primum 15—17 mn Ig., dein ad 25 mm elongatis. Bracteae subprofunde et late cordato-ovatae,
antice obtusissimae (36 mn : 25 mm), glaberrimae, pulcherrime rosaceae, tenuissime membranaceae, ele-
ganter et subatro-reticulatae, florum pedicellis ad 5—6 mm cum bractea connatis. Perianthia 20—21 mm
lg., tubo subcoriaceo: sub dimidio elongatofusiformi, 2:5—3 mm It., supra dimidium paulo angustiore,
f. eylindrico, glaberrimo, nervis 5 acute prominentibus costato, basi attenuato, limbo 75 mm It., lobis apice
puberulis ceterum glabris, breve triangularibus, acutiusculis, commissuris emarginatis. Stamina 7
(14—17 mm 1g.) antheris c. °/, mm It. Germen cum stipite 10mm lg., ovario anguste fusiformi (2 -Bınm le.,
Imm It.), utrinque attenuato, stylo 55 mm 1g., per dimidiurn stigmatoso.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 15
114 Anton Heimerl,
3. Bougainvillea peruviana HB.
H. B.! Plantes Equinox. I, 174, Tab. 49; Nova Genera II, 219; Choisy! 437.1
Syn. Tricycla peruviana Poiret, Encycl. Suppl. V, 359.
Arbuscula elegans, ad 4—5 m alta, valde ramosa et valde spinosa, ramis partim elongatis, patenter
ramificatis, partim abbreviatis saepeque ad verrucas flores foliaque gerentes reductis, florendi tempore
foliata, uberrime florens (sec. clar. HB), ad anthesin ob flores numerosissimos, pulcherrime bracteatos
aspectum magnificum praebens.
Rami — flexuosi, verrucis frequentibus nodulosi, valde elongati, subvirgati, — tenues, internodiis
2—4 cm ]g., peridermio brunneo- ad griseorufescente, tenue rugulosi, in regione florali parce et brevissime
puberuli, rarius glabrati, ceterum angulis solum puberulis exceptis glabriusculi, spinis simplieibus, usque
25 mm 1g., firmis, sed gracilibus, f. horizontale patentibus, a latere non compressis, rectis v. (sec. HB)
in ramis vetustis levissime arcuatis, acutis ad acutissimis armati, ramulis abbreviatis ad verrucas griseo-
v. rufescenti-tomentellas (c. 2 mn lg.) reductis frequenter obsiti, inflorescentiis inferne e verrucis, sub spina
positis, superne laterale orientibus, inflorescentiam communem valde spectabilem, paniculatam, elongatam,
inferne foliatam, superne parvifoliatam formantibus, ramis primariis inflorescentiae communis deinde
rigide persistentibus, brevibus, gracilibus, glabriusculis v. paulum hirtulis, oblique ad subhorizontale
patentibus v. subdeflexis, rarius simplieibus, saepius semel, raro bis dichasiale partitis, bracteolis nullis,
inflorescentias partiales eleganter gerentibus.
Folia latissime ovata ad suborbiculata, saepe sub dimidio latissima (65—70 mm :60—65 mm), non
raro transverse latiora, basi subtruncata cito in petiolum lamina 2—3plo breviorem, demum glabrum con-
tracta, rarius (in foliis superioribus) in basi magis et late cuneatim angustata, antice obtusata v. brevissime
acuminata ceterumque obtusiuscula, consistentia paulo firmiore, tenue coriacea, (laete?) viridia, concoloria,
primum parce breveque hirtula, mox pilis paueis in nervis exceptis glabra ad glaberrima, integra, nervis
infra paulum prominentibus, marginem versus distincte reticulatim coniunctis. Folia in sectione transversa
erystallis minoribus, prismatieis, transverse positis hinc inde instructa.
Inflorescentiae partiales triflorae, pedunculis gracilibus florendi tempore 7—10 mm, demum
usque 18 mm Ig., subglabris suffultae.
Bracteae (sec. HB) pulcherrime rosaceae (16— 22 anm : 10—14 mm), post anthesin paulum auctae,
ad anthesin Noribus breviores, limbo evidenter superatae, ellipticae ad leviter obovatae, basi v. late cuneatim
angustatae v. a dimidio in pedicellum distincte attenuatae, antice obtusatae ad obtusissimae, f. glabrae, in
nervo mediano solum pareissime hirtulae, tenuissime et pallide nervatae, submembranaceae; florum pedi-
celli ad 3—7 mm cum bractea connati, glabri.
Perianthia 16—20 mm Ig., rosea (sec. HB), gracillima, tubo valde angusto, ceylindrico (e. 15 mın
lt.), supra dimidium vix visibile angustato, superne autem paulum latiore (ad 2 mm), in basi breve in pedi-
cellum contracto, glaberrimo, nervis 5 tenuibus, in limbi lobos excurrentibus, vix prominentibus, limbo
9— 6 mm \t. (partim luteo sec. HB), minore, paulum firmiore, lobis breviter ovato-triangularibus, acutius-
culis (c. 1 mm Ig., 1 mm It.) cum lobis commissuralibus brevioribus, subtruncatis, bifidis glabriusculis,
margine solum tenuissime puberulis.
Stamina 6—S, plerumque 6, cupula 15 mm \g., filamentis longioribus 13— 14:5 mm 1Ig., brevioribus
11—12 mm Ig., antheris flavis (sec. HB) 1 mm 1g., c. °/, mm It.
Germen (cum stipite angusto 8:5—10 mm1g.) ovario oblongo-ellipsoideo (A—5 mm 1g., 1 mm It.),
basi stipitiforme angustato, apice rotundo, stylo (A—5 mm 1g.) ad ?/, stigmatifero.
Anthocarpia (solum vacua vidi!) anguste tubulosa (10mm 1g., 2:5 mm It.), perianthio supero arctis-
sime contorto diu coronata, viridescentia, tenue coriacea, glaberrima, basin sessilem versus paululum
latiora, 5 nervata, nervis paulum prominentibus. Fructus omnino inevoluti.
! Die von Hooker in der Erläuterung zur Tab. 4810 des Botan. Magaz. (1854) erwähnte und mit den beiden vorangehenden
Arten identifieierte »B. peruviana« gehört wahrscheinlich nicht hieher.
Monographie der Nyctaginaceen. T. 115
Peruvia: ad flumen Guanacabamba (Bonpland); Corazi (Humboldt); Jaen (Pavon in herb. Boiss.).
Provenit sec. clar. auctor. »frequentissime in territorio calido ad ripas fluminis Amazonum et Huanaca-
bamba Peruviae et fortasse etiam ad portum Piurae maris Pacifici«.
4. Bougainvillea stipitata Grisebach emend.
Grisebach, Plantae Lorentzianae 40.
Frutex altus (v. arbor haud inconspicua), ramosissimus, non raro Spinosissimus, ramis pro maiore
parte elongatis, patenter ad subsquarrose ramificatis, nonnunquam etiam ramis — abbreviatis, folia
floresque emittentibus onustus, florendi tempore crebre foliatus, ad anthesin floribus bracteisque vix
pulchre coloratis haud spectabilis.
Rami — flexuosi, elongati, rarius condensati, saepe virgati et tenues, internodiis 7 — 25 mm
lg., — tenuiter striolati, brevissime puberuli ad tomentelli denique glabrati, spinis raro minutis ad sub-
deficientibus, saepe frequentibus, simplieibus, rarius apice furcatis, gracilibus, oblique ad subhorizontale
patentibus, a latere non compressis, rectis, raro leviter arcuatis, plerumque acutissimis armati, inflorescentia
communi defieiente, inflorescentis partialibus raro inter folia — fasciculatim approximata prodeuntibus,
plerumque singulatim (rarius in dichasio depauperato, 2—3 ramoso) in pedunculo subdebili ex apice spinae
obtusiusculae, tamen cum ceteris spinis congruentis orientibus.
Folia forma valde et circiter inter formam ovatam et rhombeam et sublanceolatam variantia, basi
saepius asymmetrica, v. rotunda v. obtusata ad cuneata, + in petiolum contracta ad attenuata, antice
plerumque attenuata ad acuminata, saepius acutiuscula, consistentia paulo firmiore ad coricea, f. concoloria,
glabra v. puberula, integra, nervis — infra paulum prominentibus et anastomosis gracillimis, omnino non
prominentibus, densis conjunctis. Folia in sectione transversa crystallis maximis, prismaticis, transverse
positis frequenter obsita.
Inflorescentiae partiales triflorae, pedunculis — debilibus, florendi tempore 6— 14 mm,
demum usque 20 mm Ig., puberulis, primum erectiusculis, denique arcuatim patentibus v. subreflexis
suffultae.
Bracteae primum virescentes, deinde magis brunneolae v. pallide lutescentes ad stramineae, post
anthesin vix auctae (14—20 mm : 12—15 mm), ad anthesin flores subaequantes v. iis breviores, + late
ovatae v. ovato-ellipticae, basi rotundatae v. subtruncatae v. levissime cordatae, brevissime v. haud in
pedicellum decurrentes, antice obtusae ad acutiusculae, — brevissime hirtulae, tenuissime et dense
pallide nervatae, ad anthesin submembranaceae, dein papyraceae ad coriaceae; florum pedicelli ad
2—5 mm cum bractea connati, puberuli.
Perianthia 13—20 mm Ig., viridescentia (?), tubo anguste cylindrico (c. 2—2"5 mm It.), circiter in
dimidio iterumque sub limbo paulum, sed distincte constricto, supra et infra strieturam f. medianam iterum
levissime dilatato (parte inferiore oblongofusiformi), in basi breve in pedicellum contracto, plerumque
puberulo, rarius glabro, nervis 5 tenuibus, in limbi lobos excurrentibus, paululum nec angulatim pro-
minentibus, nervis ceteris gracillimis, multo debilioribus, limbo 5—8 mm It. (Navido?), firmiore, crassius-
eulo, lobis maioribus, lanceolato-ovatis, + acutiusculis (usque 2 mm |g., = 1 mm It.), commissuris brevi-
oribus, obcordatis, omnibus imprimis in margine papillis densis ad densissimis, pulveruientis ad
granulatis.
Stamina plerumque 8 (rarius 7), cupula — I mm Ig., filamentis longioribus 12— 15 mm Ig,.,
brevioribus 7 — 10 mm Ig., antheris c. ®/,—1 mm Ig. et It.
Germen (5— 10 mm lg.) ovario oblongo ad fusiformi (2:5—4 "5 mm Ig., c. I mm It.), basi paulum
brevissimeque stipitiforme angustato, apice in stylum (2:5—6 mm Ig.) filiformem, usque ad dimidium
stigmatiferum attenuato.
Anthocarpia (numerosa, sed solum vacua vidi!) fusiformia (12:5—15 mn lg., 2—3 mm It.), peri-
anthio supero, in basi solum leve contorto ceterum marcescente coronata, viridescentia ad straminea, tenue
15*
116 Anton Heimerl,
coriacea, saepe pube brevissima diu obtecta, raro glabra, utrinque f. aequale attenuata, medio latissima,
angulis 5 obtuse paulum prominentibus, inter angulos levissime striolata.
Species haec in habitu, ramificatione, spinis, indumento, foliis etc. valde variabilis inprimis tres
varietates praebet.
Var. a Grisebachiana m.
Syn.: B. stipitata Grisebach!l.c.; Symbolae ad floram Argentinam 39.
Rami iuniores breve et dense tomentelli, vetustati glabrati, peridermio demum griseobrunneo obtecti,
spinis vulgo subulatis v. acicularibus, frequentibus ad frequentissimis, pungentibus (usque 25 mm Ig.),
rarius minorrbus, debilibus, solum 4—7 mm Ig. [forma ß frondosa m. = B. frondosa Grisebach!, Plantae
Lorentzianae 41]; raro occurrunt in uno eodemque specimine et spinae elongatae et Spinae minores v. rami
subinermes. Rami abbreviati foliorum fascicula gerentes deficientes; inflorescentiae partiales vulgo singula-
tim (rarius in dichasio depauperato) ex apice spinarum orientes, pedunculo demum ad 13— 20mm elongato.
Folia conformia, late ovata, ovato-oblonga, ovatorhombea (85 — 75 mm : 18—47 mm), in inferiore laminae
parte latissima, basi ovata v. late obtusata, in petiolum lamina —- breviorem + contracta ad breve
attenuata, antice saepe attenuata et obtusiuscula v. acuminata, in apice ipso non raro producta, acutius-
cula ad acuta, sordide-ad griseoviridia, petiolo nervisque diu, sed brevissime tomentellis exceptis saepe
glabriuscula. Bracteae late ovatae ad ovatolanceolatae (14—22 mm: : 9—17 mm), basi saepius levissime
cordatae et brevissime in pedunculum decurrentes, + dense puberulae, pedicellis ad 2—-5 mm cum bractea
connatis. Perianthia 16—25 mm Ig., puberula, denique saepius deglabrata.
Argentina, in parte boreali-oceidentali! frequens: »Wälder in Oran« (Lorentz et Hieronymus 414,
ß mixtim cum typo); »Camposanto ad flumen«, pr. Salta (Lorentz et Hieronymus 200, rami f. inermes);
Siambon, Sierra de Tucuman (»in subtropischen Waldungen bei Siambon«, Lorentz 693 [ß]); Siambon,
(Lorentz 161); Fuerte deAndalgala, prov. Catamarca (»an Flussufern nicht selten«,Schickendantz 930,36),
eodem loco (»häufig in den Hecken«, Lorentz 338); Fuerte, (Lorentz 378);Ascochinga, Sierra de Cordoba,
(Lorentz 393, 479); »Prov. Cordoba, in der kleinen Sierra südöstlich von San Roque« (Hieronymus
393); »Vorberge der Sierra de Cordoba bei Ascochinga« (Lorentz 374).
Var. b longispinosa m.
Syn.: B. longispinosa Rusby!, Mem. of the Torrey Club VI, 109.
Rami iuniores brevissime tomentelli, vetustati glabri, peridermio demum atrogriseo ad griseobrunneo
obtecti, spinis subulatis ad acicularibus, frequentissimis, usque ad 24 mm Ig., valde pungentibus. Rami
abbreviati, foliorum fascicula gerentes secus ramos elongatos frequenter, dispositi denseque approximati;
inflorescentiae partiales partim eodem modo ut in praecedente varietate singulatim e spinarum apice orien-
tes, pedunculo demum usque 10 mm 1g., partim e foliorum fasciculis prodeuntes. Folia+ difformia, ea ramo-
rum elongatorum magis ovato-rhomboidea (35—37 mm : 18—19 mm), in inferiore laminae parte latissima,
basi late cuneata v. obtusata, in petiolum lamina eirc. 6 plo breviorem angustata, antice leviter acuminata,
acutiuscula; folia ramorum abbreviatorum saepe rhomboideo-lanceolata, ceirciter in dimidio latissima
(18—34mm:S— 15mm), utrinque attenuata, ipso in apice obtusiuscula; omnia pallide- ad griseoviridia,
cito glabrescentia, demum nuda. Bracteae forma et indumento ut in varietate praecedente (fructiferae
c. 16-5—21 mm : 10--15 mm), pedicellis ad 2—3°5 mm cum bractea connatis. Perianthia (solum deflorata
mihi cognita) f. glabra, superne in nervis tubi et limbi margine parcissime hirtula.
Bolivia, Cochabamba (Bang, Plantae Bolivianae edit. Britton et Rusby 1123). Secundum clar.
Rusby l. c. eadem planta etiam in Argentina (Catamarca, leg. Pearce) provenit.
.
1 „Zwei Bougainvilleen, hohe Sträucher oder kleine Bäume mit sehr spitzen Stacheln gehören in der Monte- (Chanal) Forma-
tion dem Gebirge an«. Lorentz, Veget. v. Argentinien 110,
Monographie der Nyctaginaceen. TI. BZ
8 yclas
Var.c Kuntzeana m.
Rami iuniores breve et dense tomentelli, vetustati — glabrati, peridermio demum griseo obtecti,
spinis valde raris, minutis, solum 3 mn Ig., breve conicis; ramificationes v. breviores v. magis elongatae,
sed vix ramos abbreviatos foliorum fasciculis onustos formantes; inflorescentiae partiales sparse et
singulatim ex foliorum axilla orientes, pedicello brevi, solum 6—7 mm 1g., debili. Folia subconformia, ovata
ad ovato-rhomboidea (36—50 mm : 283—36 mm), sub dimidio latissima, basi late obtusata v. subrotunda,
in petiolum lamina ad 4 plo breviorem breviter attenuata, antice paulum acuminata, apice obtusiuscula,
viridia, brevissime sed densius hirta ad tomentella. Bracteae late ovatae (15— 18 mm : 10 — 11mm), basi
nec cordatae, nec in pedunculum decurrentes, densius hirtulae, pedicellis ad 2:5—3 mm cum bractea
connatis. Perianthia 13— 15 mm Ig., dense puberula.
Bolivia, Tunari, 1500 m s. m. (0. Kuntze).
5. Bougainvillea infesta Grisebach.
= Grisebach!, Symbolae ad floram Argent. 40.
Frutex c. bimetralis, partim inermis, partim valde spinosus, valde ramosus, ramis partim elongatis
oblique ad erecto-patenter ramificatis, partim eximie abbreviatis, ad verrucas flores foliaque gerentes
reductis, ut videtur multiflorus, floribus bracteisque minus spectabilibus.
Rami saepe valde flexuosi, verrucis frequentibus nodulosi, elongati, + virgati, firmiores, internodiis
valde inaequilongis (L'3—3cm), peridermio griseo ad griseobrunneo, levissime rugulosi, in vetustata
parte glabri, in apices versus bressime densius pubescentes, spinis simplicibus, 5— 16 mm Ig., firmis,
horizontale patentibus, a latere non compressis, paululum arcuatis, acutis armati, ramulis ad verrucas
griseo-tomentellas (c. 3 mm lg.) reductis, folia parva, pauca et 1—2 inflorescentias speciales emittentibus
frequenter obsiti.
Folia (iuvenilia) elliptica ad elliptico-lanceolata, circiter in medio latissima ($—18 mm : 5—S mm),
cito in petiolum lamina 3—4 plo breviorem, rufotomentellum, obtuse attenuata, antice obtusata, consistentia
tenui, sordide viridia, subconcoloria, supra modice, infra pilis brevibus dense puberula ad tomentella, integra,
nervis lateralibus inconspicuis, anastomosis subindistinctis. Folia in sectione transversa sine crystallis
longis, prismatieis, transverse positis.
Inflorescentiae partiales triflorae, peduneulis florendi tempore 6—9ımm Ig., tomentosis, oblique
patentibus v. subcernuis suffultae.
Bracteae sordide brunneolae ad griseo-viridescentes, ad anthesin floribus evidenter longiores,
ellipticae (19—22 mm : 11—13 mm), basi v. rotundae v. levissime cordatae, antice obtusissimae v. sub-
rotundatae, utrinque brevissime sat dense pubescentes, tenuissime et densissime atro-nervatae, membrana-
ceae; florum pedicelli ad 3—5 mm cum bractea connati, dense puberuli.
Perianthia 12—14 nm Ig., fuscescentia?, tubo pro floris longitudine angusto, prismatico (c. 2 mm
lt), supra dimidium levissime, sed distinctius angustato (15 nm It.), in basi ipsa breviter fusiforme in
pedicellum angustato, pilis patentibus (fuscis?), longiuseulis (O5 mm lg.) densissime pubescenti ad hirsuto,
nervis 5 primariis, atris, in limbi lobos excurrentibus, validiusculis, angulatim prominentibus, haud approxi-
matis, nervis ceteris multo debilioribus, limbo circ. 5 mm It., minore, crassiusculo, lobis triangularibus,
obtusiuseulis (1 mm Ig. : 1 mm It.) cum lobis commissuralibus, brevioribus, emarginatis, dense sed brevis-
sime papillosis.
Stamina 5, cupula 2—1'5 mm Ig., filamentis longioribus 10— 11mm, brevioribus 8—9 man 1g.,
antheris 1 nm 1g., c. ®/, mm It.
Germen (8-10 mm cum stipite lg.) ovario anguste subeylindrico (4—5'5 mm Ig., Imm It.), basi
solum paulo stipitiforme et brevissime contracto, apice obtuso, stylo breviore (3—3'5 mm 1g.), Aliformi-
clavato, ad dimidium stigmatoso.
118 Anton Heimerl,
Anthocarpia fructusque ignota.
Argentina, prov.Oran (»Oran, a. d. Seite des Campo grande«, Lorentz et Hieronymus 415).
Anhang.
1. Im Herbare Grisebach (Museum von Göttingen) liegen gemeinschaftlich mit dem blüten- und
blattragenden Zweige, der für die vorliegende Beschreibung diente, einige Zweige einer sehr kleinblättrigen,
stark dornigen Bougainvillea. Die Zweige weichen aber von dem typischen Stücke durch sehr starken
Verlauf im Zickzack, durch dunkelbraunes Periderm, durch völlig gerade Dornen, durch die winzigen, f.
orbiculaten, mit mikroskopisch kleinen Härchen besetzten Blättchen ab. Der Blattbau stimmt in allen
wesentlichen Punkten mit dem von DB. infesta überein. Da Blüten fehlen, kann über die Stellung des
Gewächses und Zugehörigkeit zur BD. infesta nichts verlässliches ausgesagt werden. Dieselben Zweige
liegen im Berliner Herbare auf einem Bogen mit denen der B. praecox.
2. Von Lorentz wurden unter Nr. 1457 der »Flora Entre-Riana« dornige, lanzetblättrige Zweige eines
Baumes ausgegeben; auf der Etikette befinden sich die Angaben: »Viraju, nicht Viraru. Unbekannter
Baum oder hoher Strauch, leider nur steril. Puerto de Algarrobos«. Die Zweige erinnern täuschend an
diejenigen von langdornigen Bougainvillea-Arten, deshalb traf ich sie auch unter mir zur Bestimmung
übermittelten Nyctaginaceen eingereiht. Die Pflanze ist aber im Blattquerschnitte sofort von allen Bougain-
villeen zu unterscheiden; so hat sie zweischichtige Epidermis der oberen Blattseite, keine Rhaphiden-
schläuche und unter den Epidermen beider Blattseiten in Abständen vertheilte größere Zellen mit
kugeligen, an Cystolithen erinnernden Inhaltkörpern. Ich kenne keine Nyctaginacee, welche hieran
Anklänge hätte.
6. Bougainvillea modesta nov. sp.
Tabula nostra I, fig. IV a, b.
Arbor usque ad 25 m alta (ex adnotat. clar. Rusby), inermis,! robusta, ramis partim elongatis
oblique patenter ramificatis, partim eximie abbreviatis, ad verrucas flores, postea folia gerentes reductis,
florendi tempore partim aphylla, uberrime florens, floribus bracteisque minoribus et quoad colorem minus
spectabilibus.
Rami vix v. paululum flexuosi, verrucis frequentibus nodulosi, elongati, f. virgati, tenuiores, inter-
nodiis valde inaequilongis (I—3 cm), peridermio brunnescente ad griseo, levissime (in ramis vetustis
distincte) rugulosi, in ramis novellis griseo- ad lutescenti tomentelli, in vetustata parte glabrati, ramulis ad
verrucas tomentellas (4—5 mm 1g.) reductis frequenter obsiti, inflorescentiis partialibus ad 1—4 (raro
ultra) e verrueis orientibus quasi racemum multiflorum, elongatum, in ramorum apices versus magis con-
densatum, aphyllum v. folia floresque mixtim gerentem formantibus.
Folia elliptica ad ovato-elliptica, vulgo paulo sub dimidio latissima (50—80 mm : 30—40 mm), in
petiolum lamina circiter 3--5 plo breviorem, minutissime tomentellum brevius acuminata, antice angu-
stata, obtusiuscula ad obtuse rotundata v. raro sublanceolato-elliptica, antice acutiuscula, consistentia
tenui, papyracea, viridia ad paululum griseola, concoloria, primum utrinque pilis brevibus, lutescentibus
adpresse tomentella, dein —+ glabrata, nervis solum densius puberulis, integra, nervis lateralibus minus
conspicuis, anastomosis gracillimis omnino non prominentibus, densissime reticulatim coniunctis. Folia in
sectione transversa crystallis prismaticis longis, transverse positis frequenter instructa.
Inflorescentiae partiales typice tri-, hince inde biflorae (hoc casu etiam bibracteatae), pedunculo
debili, florendi tempore 10— 14mm 1g., subdense tomentello, partim erectiusculo, partim obliquo ad deflexo
suffultae.
Bracteae (siccae) pallide luteo-viridescentes, ad anthesin floribus paulum sed distincte breviores,
ellipticae (15 — 17 mm : 8—9 mm), basi + obtusatae et paulum in pedunculum contractae, antice obtusius-
! Semel spinulam gracilem, arceuatam, 5 mn Ig., aculissimam inveni,
Monographie der Nyctaginaceen. 1. 119
culae ad acutiusculae, utrinque pilis brevissimis modice dense puberulae, gracillime et dense pallide
nervatae, tenue membranaceae; florum pedicelli ad 5—5 mm cum bractea connati, breviter tomentelli.
Perianthia 10— 11mm: 1g., viridi-brunneola (sec. clar. Rusby), tubo pro flore latiusculo (25mm It.),
subprismatico, paulo supra dimidium leve sed distincte angustato, in basi ipsa breviter citoque in pedicellum
angustato, dense et brevissime tomentello, subaequale nervato, nervis 5 in limbi lobos excurrentibus a
ceteris alternantibus vix differentibus, validiusculis, angulatim prominentibus, subapproximatis, pallidis,
cum tubo subconcoloribus (areis angustis inter nervos insuper tenuissime v. vix visibile nervulatis), limbo
eirc. 6 mm 1t., maiusculo, paulum crassiore, lobis triangularibus, acutiusculis (2 mm Ig., 1-5 mm It.) cum
lobis commissuralibus brevibus, bifidis, dense et inprimis antice crispulato-papillosis ad subfimbriatis.
Stamina 6, cupula 1 mn Ig., flamentis longioribus S— 9ın m, brevioribus 6°5—7 5 mım 1g., antheris
c. I mm Ig. et It.
Germen (7 mm cum stipite lg.) ovario oblongo-ellipsoideo (2:5 — 35 mm Ig., 1--1'5 mm It.), basin
versus breviter angustato, apice subrotundo, stylo longiusculo (3:5—4 mm Ig.), crassiusculo, per vel
ultra dimidium unilaterale stigmatifero.
Anthocarpia fructusque ignota.
” R » . .
Bolivia, viciniis La Paz c. 3000 m s. m. (Bang, Plantae Boliv. aRusby et Britton edit. 2398).
7. Bougainvillea Malmeana nov. sp.
Tab. nostra I, Fig. I, a-c.
Frutex inermis, ramis partim elongatis, v. oblique v. sub angulo recto patenter ramificatis, partim
eximie abbreviatis, ad verrucas flores gerentes reductis, florendi tempore aphyllus, uberrime florens,
Nloribus bracteisque minoribus et quoad colorem haud speciosis.
Rami paulum flexuosi, verrueis frequentibus nodulosi, + elongati, subvirgati, internodiis valde
inaequilongis (I—3 cm), peridermio griseobrunneo ad atrocastaneo, levissime striolati, praeter apices
tomentellos glabri, ramulis abbreviatis ad verrucas lutescenti- ad rufescenti-tomentellas (2—5 mm 1g.)
reductis frequenter obsiti, inflorescentiis partialibus ad 1—2 (raro ultra) e verrucis orientibus quasi race-
mum multiflorum, elongatum, in ramorum apices versus hinc inde + condensatum formantibus.
Folia desunt.
Inflorescentiae partiales typice tri-, hinc inde biflorae (hoc casu etiam bibracteatae), pedunculo
debili, ad florendi tempus 5—S nm Ig., densius tomentello, partim erectiusculo, partim oblique patente suf-
fultae.
Bracteae in vivo pallide lutescentes, ad anthesin flores aequantes, dein mox evidenter superantes
ellipticae ad ovato-ellipticae (13—19 mm :8:5—13 mm), basi latissime rotundatae ad paulo subcordatae,
antice obtusiusculae ad paululum acuminatae ipsoque in apice obtusae, utrinque pilis brevissimis modice
dense (in nervis valde dense) puberulae, gracillime et dense pallide nervatae, tenue membranaceae; florum
pedicelli ad 3:5—5 mm cum bractea connati, breviter tomentelli.
Perianthia 9— 10 mm Ig., viridi-luteola (sec. Malme), tubo pro flore latiusculo (2:5 mm It.), leve
prismatico, in v. supra dimidium levissime contractulo, ceterum fere aequilato, in basi ipsa breviter cito-
que in pedicellum angustato, dense et brevissime tomentello, subaequale nervato, nervis 5 in lobos limbi
excurrentibus a ceteris alternantibus vix differentibus, gracilibus, leve prominentibus, remotiusculis, palli-
dis, cum tubo concoloribus (areis inter 10 nervos insuper tenuissime nervulatis), limbo 6—7 mm It.,
maiusculo, paulum crassiore, lobis (raro 4) triangularibus, subacuminatis, acutis (2—2:5 mm Ilg., 15 mm
It.), in margine et inprimis in apice fimbriatim laceratis, ceterum f. glabris, lobis commissuralibus breviori-
bus, leve emarginatis, paululum papillosis.
Stamina 6 (raro 5), cupula minuta (c. 0:5 mm Ig.), filamentis longioribus 7—9 mm, brevioribus
6—7mm Ig., antheris c. 1 mm Ig. et It.
120 Anton Heimerl,
Germen (5'5—7 mm lg.) ovario oblongo-ellipsoideo (3—4 "5 mm Ig., 1:5—2 mm It.) basin versus
paulum angustato, apice subrotundo, stylo breviore (2—3 mm lg.), erassiusculo, per totam longitudinem
unilaterale stigmatoso.
Anthocarpia fructusque ignota.
Brasilia, prov. Matto Grosso, Corumbä (»in silva minus densa regionis calcareae«, Malme; Herb.
Brasil. Regnell. 1772).
8. Bougainvillea praecox Grisebach.
Grisebach!, Symbolae ad floram Argentinam 40.
Frutex circiter bimetralis, valde ramosus, subinermis, ramis partim elongatis, squarrose et oblique
v. f. horizontale patentibus, partim eximie abbreviatis, ad verrucas flores gerentes reductis, florendi
tempore aphyllus, floribus bracteisque minoribus et quoad colorem minus spectabilibus.
Rami valde flexuosi, verrucis valde frequentibus nodulosi, modice elongati, subvirgati, internodiis
valde inaequilongis (S—20 mm), peridermio atro griseobrunneo, levissime striolati, apices versus minute bre-
vissimeque tomentelli, ceterum glabri, spinis paucissimis, simplicibus, firmis, coniecis, rectis, c. 5 mm lg.
armati, ramulis abbreviatis ad verrucas valde breves, c. 2—3 mm Ilg., rufo-tomentellas reductis frequen-
ter obsiti, inflorescentiis partialibus singulatim (raro ad 2) e verrucis orientibus.
Folia adhue f. ignota (unum iuvenile tantum, quod inveni, minutum, c. petiolo 10 anın Ig., 3°5 mmı
lt., f. rhomboideum, in petiolum tomentellum attenuatum, puberulum).
Inflorescentiae partiales triflorae (an semper?), pedunculo haud debili, crassiusculo, ad anthesin
5—8 mm \g., dense tomentoso, partim patente, partim cernuo suffultae.
Bracteae sordide brunneolae, ad anthesin floribus paulum longiores, late evatae (13—14 mm:
9—12 mm), basi paululum cordatae ad rotundatae et brevissime stipitatae, antice rotundatae ad obtusissi-
mae, utrinqgue breve et inprimis in nervo mediano dense puberulae, gracillime et dense subatro-nervatae,
inter consistentiam papyraceam et membranaceam variantes; florum pedicelli ad 2:5—3ınmm cum bractea
connati, dense tomentelli.
Perianthia (solum inexpansa ad anthesin ineuntem vidi) a basi ad apicem 9mm Ig., sicca obscure
brunneola, tubo pro flore parvo latiusculo, sub dimidio ad 2 mmlt., infra oblongo-ellipsoideo ad subfusiformi,
supra dimimidium paulum sed distincte angustato (c. 1'5 mm It), in basi ipsa brevissime in pedicellum con-
tracto, densissime tomentello, aequale 10 nervato, nervis validiusculis, prominentibus, atris, densius
approximatis, limbo (ut videtur) parvo, c. 4 mm It., crassiusculo, lobis late et breve triangularibus (c. ?/, mm
lg., 1 mm 1t.), obtusiuseulis, lobis commissuralibus brevioribus, emarginatis, ut toto limbo glabriusculis, nec
fimbriatis, nec papillosis.
Stamina 5—6, cupula minuta, ca.°/,mm 1g., filamentis longioribus ad 75 —8 mm Ig., brevioribus ad
6—6°5 mm 1g., antheris ca. ®/, mm 1g. et It.
Germen (4°5—6 mm lg.) ovario anguste oblongo-conico (3:5—4 5 mm lg., I mm It.), basin sub-
sessilem versus paulo angustato, apicem versus in stylum brevem (I—1 "5 mm Ilg.), sublanceolatum, per
totam longitudinem stigmatiferum breviter contracto ad attenuato.
Anthocarpia fructusque ignota.
Argentina, prov. Oran, Gran Chaco pr. Dragones (Lorentz et Hieronymus 611).
Anhang.
Die drei im Vorhergehenden angeführten Arten: B. modesta, B. Malmeana und B. praecox sind auf
das engste verwandt und können vielleicht — wenn vollständigeres und reicheres Material vorliegen
wird — nur als Formen einer Art betrachtet werden. Da sie aber ganz unzweideutige Unterscheidungs-
merkmale darbieten und eine Vereinigung derselben zur Verwirrung der pflanzengeographischen Eigen-
thümlichkeiten der Gattung beitragen könnte, habe ich dieselben als getrennte Arten angeführt.
Monographie der Nyctaginaceen. I. 121
9. Bougainvillea berberidifolia nov. sp.
Tab. nostra I, Fig. II a—d, ll.
Frutex (?) valde ramosus, + Spinosus, ramis partim elongatis, squarrose f. horizontale patentibus, par-
tim eximie abbreviatis, ad verrucas folia pauca fasciculata floresque gerentes reductis, Noribus bracteisque
paulo minoribus, una cum foliis orientibus.
Rami — flexuosi, verrueis frequentibus nodosi, denique firmi, modice elongati, adulti internodiis
mediocribus (15— 20 mm Ig.), peridermio brunneolo, levissime striolati, versus apices brevissime tomentelli,
ceterum glabri, spinis + frequentibus, simpliceibus, iunioribus debilibus 3— 10 mm leg., in vetustatis ramis
validissimis, 17—20 mm Ig., f. rectis, subhorizontale patentibus, a latere non compressis, acutis armati,
ramulis abbreviatis pulvinuliformibus, valde brevibus, sub spina positis, apice pallide rufotomentellis, folia
inflorescenliamque partialem singulam emittentibus.
Folia (p. maiore parte adsunt solum iuvenilia) elliptica ad obovato-elliptica, eirciter in v. paulo supra
dimidium latissima (bene evoluta 15—25 mm : 7-—9 mm), in petiolum scabrido-puberulum, lamina 3—5plo
breviorem attenuata, antice v. obtusissima v. rotundata, consistentia tenui, (obscure?) viridia, concoloria,
glabriuscula, integra, subuninervia, nervis lateralibus minus v. vix conspicuis. Folia in sectione transversa
sine cerystallis magnis, transverse positis.
Inflorescentiae partiales semper triflorae, pedunculo debili, Norendi tempore 5—9 mm Ig., erec-
tiusculo, parce scabridulo, postea cernuo.
Bracteae valde variabiles aut ovato-oblongae, ad duplo longiores q. latae (25—27 mm:13— 15 mm),
antice obtusiusculae [forma a: oblongibracteata;, fig. 11], aut latissime ellipticae ad suborbiculares, sub-
aequilatae (19 —21 mm: 17—18S mm), antice latissime rotundatae leveque saepius emarginatae [forma ß:
cyclobracteata ; fig. III], ceterum pallidissime brunneolae, ad anthesin floribus evidenter longiores, basi
rotundae ad levissime cordatae, nervo mediano paululum hirtulo excepto glabrae, gracillime et dense
subatronervatae, tenue membranaceae; florum pedicelli ad 3°-5—6°5 mm cum bractea connati, f. glabri.
Perianthia 11— 14 mm 1g., flavescentia (?), tubo angustissime cylindrico (c. 15 mm It.), haud v.
vix visibile contractulo, basin versus paululum sensimque latiore, ceterum f. aequilato, in basi ipsa rotun-
dato et brevissime angustato, glaberrimo, aequale IO nervato, nervis validiusculis, sicco subatris, dense
approximatis, limbo pro flore angusto, 4—5 mm It, crassiusculo, lobis late et breve triangularibus
(/,— 1 mm Ig. et 1t.), acutiusculis, lobis commissuralibus brevioribus, emarginatis, ut toto limbo glaberrimis,
nec fimbriatis, nec papillosis.
Stamina saepius 5 (rarius 6), cupula minuta, 1/),—®/, mm 1g., filamentis longioribus 1O—11 mm, bre-
vioribus 8S—9 mm Ig., antheris c. ?/, mm 1g. et It.
Germen (4:5—5 mm lg.) ovario oblongo (3:5 —4 mm Ig., 1 mm It.) basin versus angustato, apice
rotundo, Stylo brevi (1—1 5 mm Ig.), subclavato, per totam longitudinem stigmatifero.
Anthocarpia fructusque ignota.
Bolivia: sine indicat. loci spec. (Cumming [x]); »15° 18’ lat. austr.« (Bridges [x]); Valle Grande
(d’Orbigny 517 [ß)).
$. U. TRICYCLA Baillon.
Baillon |]. c. 22; Heimerl, Beiträge 30.
Trieycla Cavanilles, Anales de Ciencias naturales V, 63, Tab. 40; Jussieu, Annales du Museum
II, 275; Endlicher, Genera 312, Nr. 2007; Choisy,l. c. 436; Bentham-Hooker fil., Genera III, 7.
Inflorescentiae partiales uniflorae et tribracteatae, flore inter tres bracteas sedente.
Folia structura isolaterali, f. sessilia.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 16
122 Anton Heimerl,
ıo. Bougainvillea patagonica Decaisne.
Decaisne inD’ Orbigny, Voyage dans 1’ Amer. merid. Atlas Tab. Vill.
Syn. Tricycla spinosa Cavanilles l.c. 64, Icones plant. VI, 78, Tab. 598; Choisy l. c. 436; Ben-
tham-Hooker fil. 1. c. 7.
Bougainvillea spinosa Heimerl, Nat. Pflanzenf. 27; Beiträge 30.
Frutex (v.arbuscula), usque 47n altus, valde ramosus et spinosus, ramis partim elongatis, squarroso
v. oblique v. f. horizontale patentibus, partim valde abbreviatis, ad tubercula folia fasciculata (saepe plura)
floresque gerentia reductis, floribus bracteisque minoribus inter foliorum fascicula orientibus, haud specta-
bilibus.
Rami —+ flexuosi, tuberculis frequentissimis nodosi, firmi, — elongati, nonnunquam tortuosi, inter-
nodiis saepe valde brevibus (5 — 15 mım), peridermio griseobrunneo v. atro, rarius rufescente, + obtusan-
guli v. levissime striolati, versus apices brevissime tomentelli, ceterum glabri, spinis saepe frequentissimis,
v. simplieibus v. apice furcatis v. (raro) apice tripartitis, in vetustatis ramis validissimis, usque 20 mm Ig.,
f. rectis v. levissime curvatis, subhorizontale ad oblique patentibus, a latere non compressis, acutis armati,
ramulis abbreviatis ad tubercula, usque 5 mm 1g., brevissime apice rufotomentella, sub spina posita
reductis, foliorum fascicula et 1—3 flores producentibus.
Folia oblongo- ad linearispathulata, apice latissima (maiora faseiculorum 9— 15 mm : 2 —4 mm),
basin sessilem vel petiolum brevissimum (1,mm) versus cuneatim angustata, antice v. obtusissima v. late
rotundata v. subtruncata, consistentia crassiuscula, saepe pallide- ad griseoviridia, concoloria, v. glabra
v. pilis minutissimis utringque — puberula, integerrima, uninervia, nervo saepius tamen vix distincto. Folia
eximie raphidiophora, cerystallis prismatieis, transverse positis nullis.
Flores tribracteati, pedunculo debili, florendi tempore 3—6 mm 1g., erectiusculo, pilis rufulis, minu-
tis scabridulo, post anthesin - cernuo vixque elongato suffulti.
Bracteae eximie variabiles: aut ad anthesin minutae (3:5—7 mm :3—6mm), f. foliaceae, viridescen-
tes, flore breviores [forma &: microbracteata m.], sed dein auctae autiam ad anthesin florem aequantes v. eo
longiores (13 mm: 11 mm), tenuissime membranaceae, pellucidae [forma ß: eubracteata m.], latissime cor-
dato-ovatae ad suborbiculares, obtusissimae ad levissime emarginatae, infra cum floris parte basali ad
2-5 mm connatae, v glabriusculae v. imprimis in nervo mediano minutissime rufohirtulae, gracile et valde
dense nervatae; bracteae fructigerae usque 15 mm |g. et f. eadem latitudine (14 mm), subscariosae, pallide
brunnescentes, valde fragiles, nervis v. brunneis v. fusecis.
Perianthia 8-13 mm 1g., ex Cavanilles viridescentia cum limbo flavo, tubo e basi lata (3 mm It.),
ovatoconica sursum angustato et sub limbo paulum sed distincetius contracto, superne angustius cylin-
drico (15 mm It.), v. glabro v. parce tenuissime puberulo, subaequale 10 nervato, nervis primariis in
lobos excurrentibus ceteris paululum magis prominentibus, omnibus viridescentibus, limbo 5 —7 mm It.,
lobis brevibus, ovatis, acutiusculis (1 mm 1g. et It.), commissuris maiusculis, lobis paulum brevioribus, late
truncatis, paulum emarginatis, cum lobis nec papillosis nec fimbriatis, paulum puberulis.
Stamina 5—8 (rarissime 4), cupula cyathiformi, 1’5 mm lg., filamentis longioribus 8— 10 mm Ig.,
brevioribus 6—8 mm 1g., antheris c. 1 mm 1lg., paulo angustioribus.
Germen (6—7 mm lg.) ovario oblongo (3:5—5 mm: 1-5—2 mm), basin versus modice angustato,
stylo (2—2°5 mm 1g.) crassiusculo, curvulo, per totam longitudinem unilaterale stigmatoso.
Anthocarpia oblongo-obovoidea (6—7 mm :3°5 mm), perianthio supero marcescente, non spiraliter
torto diutius coronata, griseobrunneola ad lutescentia, tenuiter papyracea, fragilia, apice post exsic-
cationem fissa, parcius et minute hirtula ad glabra, basin versus angustata, in vertice subrotunda ad obtusis-
sima, nervis 10(—12) gracilibus, paulum prominentibus, aequaliter a basi ad verticem percursa, inter nervos
levissime et irregulare rugulosa.
Monographie der Nyctaginaceen. T. 123
Fructus breviter obovoideo-ellipsoidei (5 mm:3 mm), utrinque late rotundati ad subtruncati, una
facie rectiusculi, altera valde convexi, basi radicula distincte prominente, pericarpio subhyalino, tenuissime
membranaceo, facile a testa luteobrunnescente, paulum nitidula separando.
Embryo cotyledonibus subeordatis, basi paulum lobulatis, margine undulatis, ad 5 mm Ig., axi pro-
minente, cotyledonibus pauio breviore, ad 4:5 mm Ig.
Argentina australis: Mendoza (Miers 565, Philippi [a]); »entre el Jaguel y las Cortaderas, Cor-
dilleras de la Rioja« (Hieronymus et Niederlein 267 [a]); Diamante, Pampa (Güssfeldt [ß]); frequenter
ad flumen Rio Negro prope Carmen de Patagonas (Tweedie, Zapalovich). — Indicatur ad Buenos-Ayres
sec. Cavanilles.c.
Was die Verwandtschafts- und Verbreitungsverhältnisse von Bougainvillea betrifft, so wäre darauf
aufmerksam zu machen, dass die Gattung unter den übrigen Mirabileen (von der afrikanischen Gattung
Phaeoptilum, welche wir im Folgenden behandeln, abgesehen) wohl nur mit Abronia besondere Bezie-
hungen hat; es wurden dieselben schon im Vorhergehenden namhaft gemacht. Hier möge noch darauf hin-
gewiesen werden, dass die Verbreitungsgebiete beider Gattungen ganz verschieden sind; Bougainvillea ist
südamerikanisch, Abronia gehört dem gemäßigteren Nordamerika an, mit ziemlich reicher Entwicklung an
der Pacifischen Küste.
Die systematische Gliederung von Bougainvillea zeigt uns zwei durch die Sectionen Eubougainvil-
lea und Tricycla gebildete Typen; der erste mit neun unter sich innig, zum Theile äußerst nahe verwand-
ten Arten, der andere mit nur einer habituell ausgezeichneten Art: DB. patagonica. Beide Sectionen
bewohnen auch f. durchaus gesonderte (nur an einer Stelle) ineinander greifende Gebiete. Die D. patago-
nica stellt einen einfachen, den ungünstigeren Existenzbedingungen, insbesondere einem trockenen
Klima angepassten Typus dar, was sich in der mächtigen Dornbildung, der Kleinheit und dem Bau der
büschelig zusammengestellten Blätter, der Reduction der Inflorescenz auf eine Mittelblüte, den weniger
auffälligen, öfters sogar krautigen Bracteen ausspricht. Die Pflanze zeigt deutlich den Typus der patago-
nischen Dornsträucher und dürfte in demGebiete zwischen 249° und 40° S.B. östlich von den Anden
weit verbreitet sein, da Exemplare an entfernten Grenzpunkten (Rioja im Norden, Mendoza im Westen,
Carmen de Patagonas! im Süden, Buenos-Ayres im Osten) gesammelt wurden. Ob wir in der B. pata-
gonica einen alterthümlichen oder nur einen reducierten Typus zu suchen haben, ist mit Sicherheit kaum
zu entscheiden. Das seltene Vorkommen eines zweiten Carpides könnte neben den eben angeführten
Vereinfachungen des Baues für erstere Ansicht sprechen; der Umstand, dass in dem von B. patagonica
bewohnten Gebiete Reductionserscheinungen bei vielen anderen Gattungen eintreten, möchte — wie es mir
scheint — in gewichtiger Weise für die zweite Ansicht eintreten.
Die Section Eubougainvillea greift durch das Auftreten von 2. stipitata an der Sierra de Cordoba in
das eben besprochene Areal mäßig hinein, reicht aber sonst nirgends soweit nach dem Süden hin.
Das Studium der Verbreitung dieser Section hat einerseits mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass
_ diejenigen Gegenden, durch welche die nördliche Begrenzungslinie offenbar verläuft: Andengehänge und
Abdachung zur Amazonasebene, Grenzgebiete von Matto Grosso und Bolivien, dann das Gebiet des
Gran Chaco wenig oder garnicht botanisch erforscht sind; anderseits finden sich die beiden dem östlichen
Brasilien eigenen Arten: B. glabra und B. spectabilis® durch Cultur insbesondere in Brasilien so
verbreitet, dass es, wie ich schon im Vorhergehenden anführte, oft ganz unsicher ist, auf spontanes Vor-
kommen aus Herbarexemplaren zu schließen. Unter ausdrücklichem Hinweis auf die hiedurch bedingte
1 Südlichstes mir bekannt gewordenes Auftreten der Nyctaginaceen in Südamerika zugleich mit dem von Lorentz beschrie-
benen Oxybaphus Toscae (einer Form von Mirabilis ovata).
2 Die von Lehmann in Ecuador als cultivierte Pflanze getroffene, eigenthümliche Bougainvillea (vergl. dieselbe) bleibt im Fol-
genden außer Betracht, da die Herkunft ganz ungewiss ist.
16*
124 Anton Heimerl,
Unsicherheit sind für die Section Enbougainvillea drei, gesonderte Verbreitungscentren namhaft zu
machen. Das erste, uns durch Humboldt und Bonpland bekannt gemachte und zugleich dem Äquator
zunächst gelegene, ist durch das Auftreten der herrlichen B. peruviana charakterisiert; es befindet sich in
dem Oberlauf des Amazonas (c. 5° S.B.), ungefähr an der Stelle, wo der Strom seine große Biegung nach
Osten macht und durch die peruanische Cordillera Central bricht. Das von den genannten Autoren als frag-
lich erwähnte Vorkommen am Hafen von Piura lasse ich als ganz zweifelhaft außeracht. Ob die leicht
kenntliche Art noch südlicher vordringt und wie weit sie in die Amazonasebene eintritt, ist leider noch
unerforscht. Die Pflanze stellt einen hoch ausgebildeten Typus und zugleich eine interessante
Vereinigung von Eigenthümlichkeiten vor, welche sonst verschiedene Arten aus sehr verschiedenem
Areale auszeichnen; so erinnert sie durch die eleganten, dichasial verästelten und schön behüllten
Partialinflorescenzen, durch das nach dem Verblühen scharf eingerollte Perianth u. s. w. an die ostbrasi-
lische B. glabra und B. speclabilis, anderseits durch die schlanke Bedornung, den Blattbau, die geringere
Staminalzahl u. s. w. an die bolivisch-argentinischen Bougainvilleen (zum Beispiel an D. stipitata), und es
hätte manches für sich, sie als eine tropische Stammform, von der sich die genannten abzweigten, anzu-
sehen.
Ein zweites, durch größere Artenzahl ausgezeichnetes Centrum, das — nach unseren Kennt-
nissen — weder mit dem vorigen noch mit dem folgenden Centrum zusammenhängt, beginnt auf den
Hochflächen der Anden um La Paz in Bolivien (16° S.B.) mit dem Auftreten der B. modesta in 3000 m
Seehöhe und reicht von hier südlich längs der Grenze zwischen den Andengehängen und Gran Chaco bis
zur Sierra de Cordoba (ungefähr 32° S. B.), wo als letzter Vertreter die B. stipitata in das Gebiet der
B. patagonica eintritt. Dem gebirgigen, nördlichen und mittleren Theile dieses Centrums gehören an:
B. stipitata, B. berberidifolia und B. infesta; dem Gran Chaco selbst, ungefähr am Wendekreise die
B. praecox. Ein östlicher Ausläufer reicht bis nach Corumbä am Paraguay in der brasilischen Provinz
Mato Grosso (B. Malmeana). Fassen wir die einzelnen Arten ins Auge, so ist die B. infesta auf ein — wie
es scheint — kleineres Areal am Wendekreise beschränkt, während im Gegensatze hiezu die formenreiche
B. stipitata in nordsüdlicher Richtung ein ansehnliches Areal von Cochabamba und Tunari in Bolivien an
südlich bis zur Sierra de Cordoba einnimmt, und es am Nordrande der Verbreitung zur Bildung zweier
gut kenntlicher Varietäten gebracht hat. Die drei sehr ähnlichen Arten: B. modesta, B. Malmeana und
B. praecox sind vielleicht nur die Endformen einer uns unbekannt gebliebenen Stammart, welche am Süd-
rande ihres Verbreitungsgebietes die D. praecox, auf der bolivianischen Hochfläche die B. modesta, im
brasilischen Grenzgebiete die B. Malmeana abgliederte.
Das dritte Verbreitungscentrum erstreckt sich längs der brasilischen Ostküste; es beginnt im Süden
am 30° S.B. mit B. glabra und reicht nördlich bis zur Gegend von Bahia (c. 13° S.B.), wo nach den früher
mitgetheilten Angaben B. glabra (oder die nahe verwandte B. spectabilis) wild wachsend angetroffen
werden. Innerhalb des eben bezeichneten Areales tritt — ohne dass ich imstande wäre, das Gebiet,
insbesondere in westlicher Richtung genauer zu umschreiben — die BD. spectabilis auf. Beide innig zusam-
menhängende Arten stellen sich den bolivisch-argentinischen Arten durch reiche Inflorescenzbildungen,
Blütengröße, prachtvolle Färbung der Bracteen, hohe Entwicklung der Staminalkreise u. s. w. als weit fort-
geschrittene Typen dar, welche sich von diesen entfernen, aber mit der vorhinein abgehandelten D. peru-
viama die nächsten Beziehungen haben.
Il. Phaeoptilum Radikofer.
Radlkofer, Abhandlungen des naturwiss. Ver. zu Bremen VIN, 435; Heimerl, Beiträge 4 ff., Nachträge z. d. Nat. Pflanzenf. 155.
Flores v. hermaphroditi v. abortu unisexuales — floribus unisexualibus omnibus intermediis cum
hermaphroditis coniunctis — exinvolucrati, ebracteati aut (ex Radlkofer) minutissime bracteati: »brac-
teis anguste oblongis uninerviis dense pilosis inter pilos crebros lanam ramulorum apices obtegentem
Monographie der Nyctaginaceen. T. 125
efficientes omnino oceultis«, raro singulatim, vulgo plures f. capitatim ex apice ramulorum eximie abbre-
viatorum, pulvinuliformium orientes, subsessiles.
Perianthia subcorollina, maiore parte consistentia paulo crassiore, extus griseo-tomentella, tubuloso-
ad infundibuliformi-campanulata, actinomorpha, supra in limbum 4 (raro 5) lobatum ad profunde (usque
ad dimidium) partitum ampliata, tubo (in sectione transversa) typice 4 (raro 5) angulato, lobis limbi in
gemmis valvatis, denique v. patulis v. recurvis, late ovatis ad suborbicularibus, antice subtruncatis v. paulu-
lum emarginatis, parte mediana loborum crassiore, tomentella, uninervata, loborum lateribus in gemmis
induplicatis, parti medianae adpressis, dein omnino expansis, hyalinis, eximie tenuibus, in margine cris-
pulatis, valde reticulato-nervatis, commissuris inter lobos deficientibus, angulis 4 (raro 5) tubi perianthii
in loborum nervos medianos excurrentibus, nervis ceteris multo debilioribus; perianthiorum pars tubulosa
denique aucta, elongata, apice limbi lobis subimmutatis, conniventibus clausa, exsucca, coriacea, angulis 4
(raro 5) tubi dein in alas magnas (fere ut in genere Selinocarpus) excrescentibus.
Stamina fertilia typice 8, raro 6 v. 9 (in floribus © v. pro parte v. omnino in staminodia
2 —3 mm 1g., antheris effoetis reducta), duo verticilla tetramera, sed fere exacte in unum eirceulum ordinata
formantia: verticillo uno e staminibus longioribus, inter se subaequilongis formato, perianthii lobis super-
posito, verticillo altero e staminibus brevioribus (etiam inter se subaequalibus) cum lobis alternante,v.omnia
v. longiora solum paulum e perianthio expanso exserta, filamentis basi circum germinis fundum in cyathum
valde brevem connatis, ceterum in inferiore parte f. capillaribus, in superiore paulum applanato-Niliformibus,
leve curvatis, antheris elliptico-oblongis, raro paulum panduriformibus, usque duplo longioribus quam latis,
utrinque sed basi magis quam apice excisis, supra dimidium dorsifixis, theeis circiter semielliptieis, laterale,
sed distinete introrsum dehiscentibus. Pollinis granula minora, magnitudine eximie variabili (21—52 p),
globosa, non reticulata, dense granuloso-punctata.
Germen (in floribus Z ad 2—3 mm Ig., rudimentarium) typice unum (raro, ex Radlkofer I. c.,
basi rudimento alterius v. duorum carpellorum instructum, rarissime oceurrunt duo germina opposita, inter
se aequalia, basi suturis ventralibus cohaerentia), basin versus breve et crasse angustatum, ovario eirciter
oblongo-ovoideo ad ellipsoideo, subtereti ad paululum compresso, facie dorsali medianonervata, magis
convexa, facie ventrali rectiuscula, apice in stylum filiformem, leve curvatum, crassiusculum, inelusum v.
paulum exsertum, e facie ventrali carpidii emergentem brevius attenuato, stigmate in apice latiusculo
styli disposito, penicillato-multifido, ramis in floribus d’ magis condensatis, in 9 patentibus, subclavatis.
Ovulum camptotropum in funiculo brevissimo, paulo supra ovarii basin e sutura ventrali oriente, micro-
pyla infera, extraria.
Anthocarpia f. sessilia ad brevissime stipitata, — pendentia ad oblique patentia, e corpore centrali
alisgque 4 (raro 5) formata, nec viscosa, nec humectata mucilaginosa; corpus centrale subfusiforme ad
oblongo-obpyramidatum, tenue coriaceum ad chartaceum, pallide flavescens ad viridulum, in sectione
transversa 4 (raro 5) gonum, angulis alas gerentibus, apice perianthii lobis conniventibus, marcescentibus
clausum, faciebus inter angulos planiusculis, v. indistincte v. medio et margine longitudinale nervatis,
laeviusculis v. paulo scabridatis, apice et basi levissime tomentosulis; alae spectabiles anthocarpia
inprimis apice excedentibus, + latae usque fere semicirculares, et colore et consistentia a corpore centrali
—+ diversae, membranaceae ad subscariosae, — pellucidae, v. f. achroae v. saepius lutescentes ad rufo-
brunnescentes, margine undulatae, levissime transverse striolatae, nitidulae.
Fructus in corpore centrali anthocarpiorum laxius inclusus, cavitatem anthocarpii maxima parte obte-
gens,basi unilaterale breviter et crassius stipitatus, oblongus ad oblongo-clavatus, in basi latiuscula et in apice
subtruncatus v. latissime rotundatus, facie dorsali convexula, facie ventrali rectiuscula ad paulum concava,
styli rudimentum sub vertice gerens, pericarpio sordide brunnescente, minus tenui, crassius membranaceo,
utraque facie nervo mediano, tenui instructo.
Semen testa tenui, membranacea, lutescente v. brunneola, pericarpio adhaerente sed facile ab eo
separanda, nervis duobus, paulo obscurioribus percursa, embryone hamatim incurvo, lato, perispermium
-+ parcum includente, cotyledonibus late elliptieis, arcte incumbentibus, vix nervatis, sed rima longi-
126 Anton Heimerl,
tudinali, intus prominente instructis, externo paulo maiore, axi rectiusculo, gracili, elongato-fusiformi, leviter
sigmoideo, basi unilaterale distincete prominente.
Genus monotypicum, deserticolum, in Africa austro-occidentali endemicum.
Phaeoptilum spinosum Radlkofer |. c. emend.
Heimerl, Beiträge 7. — Tab. nostra II.
Frutex (v. arbuscula) usque trimetralis, ramosissimus, spinosissimus (raro partim espinosus), ramis
frequentissimis, partim elongatis, sursum decrescentibus, oblique et rigide patentibus, apice in spinam
abeuntibus, aut partim abbreviatis, in spinas vulgo 1—3 cm Ig., rarius usque ad 75 cm elongatas v. solum
5—7 mm |g. mutatis, aut brevissimis, pulvinulos frequenter secus omnes ramificationes et imprimis ad
basin et inferiorem partem spinarum dispositos formantibus, pulvinulis folia fasceiculata et postea v. flores
singulos v. usque 8 flores subglomerulatos emittentibus.
Rami elongati, paululum flexuosi, pulvinulis frequentissimis + nodosi, firmi, rigidi, internodiis valde
brevibus, peridermio griseolo ad brunneo v. atro, v. subirregulare tenue et densius ruguloso v. laeviusculo,
subteretes ad leviter obtusanguli, inprimis apices versus brevissime tomentelli, ceterum glabriusculi, frequen-
tissime spinigeri, spinis lateralibus, simplicibus, — robustis, raro tenuioribus, rectis, oblique ad subhori-
zontale patentibus, teretibus armati et insuper pulvinulis (i. e. ramulis abreviatissimis) verruciformibus,
usque 3 mm 1g., griseo- ad rufescenti-tomentellis, frequentissimis obtecti.
Folia usque 2—10 fasciculatim conferta, raro pauca in apice spinarum, valde angusta, linearicuneata
ad sublinearia, antice latissima (S- 27 mm : 1—4 mm), basin valde angustam, sessilem versus sensim,
rarius in petiolum minutum (1 mm lg.) contracta, apice v. breve rotundata v. subtruncata v. leve emarginata,
consistentia crassiuscula, lutescenti- ad griseoviridia, concoloria, glabra v. saepius — dense griseo- ad
rufescenti-tomentella, indumento dein + evanescente, integra, f. enervia.
Flores in magnitudine valde variantes, v. sessiles v. brevissime (ad 1 --2 mm) stipitati, stipite
tomentello, primumerecto, dein patente ad leve deflexo.
Perianthia viridescentia v. luteola (?), intus glabra, lobis in mediana parte coloratis, in lateribus
f. achrois.
Species in spinarum longitudine, foliorum indumento et magnitudine, florum formatione, antho-
carpiorum magnitudine et colore etc. eximie mutabilis praebet sequentes tres variationes:
Var. a typica m.
Heimerl, Beiträge 7. — Tab. nostra II, Fig. 1.
Syn.: Phaeoptilum spinosum Radlkofer! |. c.
Folia minora S—15 mm Ig., 1—1'5 mm \t., pilis brevissimis minute hirtula, sessilia. Pulvinuli 5—8
flori; flores sessiles. Perianthia (a basi ad loborum apices usque 5 mm Ig.) minora, aperta ad 4 mm It,
eirciter usque ad dimidium partita, lobis latissime ovatis, c. 25mm Ig., 2mm It., cucullatis. Stamina longiora
ad 5 mm Ig., breviora ad 3:5 mm; pollinis granula (sec. Radlkofer) solum 21 p in diametro; antheris ad
1-5 mm \g., 1 mm It. Anthocarpia (cum alis) 13—15 mm Ig., 11—12°5 mm It., corpore centrali solum
10 mm \g. et 2:5— 5 mm I\t., pallido v. lutescenti-brunneolo, basin versus angustato, alis eximie tenuibus,
fragilibus, apice valde et basi corpus centrale superantibus, in basi rotundatis, ad 45 nm It., intense rufo-
brunnescentibus.
Var. b intercedens m.
Heimerl, Beiträge 7. — Tab. nostra II, Fig. II, III, a, ce, f.
Syn.: Phaeoptilum spinosum p. p.! et Ph. Heimerlii Engler! Bot. Jahrb. XIX, 133.
Phaeoptilum spinosum var. y Heimerl, Beiträge 7.
Monographie der Nyctaginaceen.T. 127
Folia usque 27 mm |g., 5—4 mm It, primum pilis brevissimis tomentella, mox glabra, sessilia
v. brevissime (1 mm) stipitata. Pulvinuli usque 4 flori, flores sessiles v. brevissime stipitati. Perianthia a basi
ad loborum apices 9— 11mm Ig. (a basi ad faucem 5—6 mm Ig.), maiora, aperta c.8S— 11mm It., ad ?/,
vel usque ad dimidium partita, lobis latissimis, c. 4—5 mn |g., 5—6 mm It. Stamina longiora ad 9— 1O mm
lg., breviora ad 6-7 mm Ig., cupula vix I mm alta, 15 mm It.; pollinis granula maiora, usque 52 in
diametro; antheris 1-5—2 mm Ig., 1 mm It. Germen 5—6 mm Ig., ovario ad 2:5 mm Ig., | mm It., stylo
2:5— 8 mm lg., stigmate O-5—1 mm It. Anthocarpia (cum alis) 14—18 mm Ig., 11—15 mm It., corpore
centrali 10— 14 mm Ig., ad 3 mm It., lutescente ad viridescente, basin versus angustato, alis ut in varietate
praecedente, 4—- 6 mm It. Fructus 5—7 mm |g., apice 1:5—2'5 mm It. Embryo cotyledonibus 4 mm It.,
axiad 1 mm It.
Var. c chloroptila m.
Tab. nostra II, Fig. IV, b, c, d
Syn.: Phaeoptilum spinosum p. p. Engler! I. c. 133.
Nachtigalia protectoratus Schinz in sched., Engler l. c. 133.
Folia (wniora!) ad Smm Ig., 1-5 mm ’It., valde dense pilis griseolis ad rufescentibus tomentella
(dein glabra?), f. sessilia. Flores ignoti. Anthocarpia (cum alis) 16—19 mm Ig., 14— 15 mm It., corpore
centrali 12— 14 mm |g., supra ad 5 mm It., pallidissime stramineo, basin valde angustam versus attenuato,
alis tenuibus, fragilibus, apice corpus centrale valde superantibus, basin anthocarpii brevissime stipitati
versus obtusatim angustatis, basin ipsam vix excedentibus, ad 5 mm It., pallide lutescentibus ad
albescentibus. Fructus 10mm lg., 3’ Smm It. Embryo cotyledonibus Smm 1g., 6—7 mm lt., axi ad 1’Imm It.
Africa austro-occidentalis: In territorio Kaoko (»auf dem südlichen Kaokofeld im Dammaraland
Chorichas, auch sonst südwärts« Gürich, Exsicc. No 20, verisimile var. @); in ditione »Hereroland« (Ubib,
Fleck 278a [b]; Naun-eib Kameelneck, Gürich 42 []); in territorio »Groß-Namaland« (Bethanien,
Schinz [db]; Rehoboth, Fleck 867 [2]; Nanis-Rehoboth, Fleck 193 a [d]); »Namaqualand: Khoiami, auf
kiesigem Felsboden«, Belik [c]; in ditione Capensi (in montibus Hantam, Meyer [a]; in montibus
Roggeveld, Rehmann 3275 [b]).
Was den Aufbau der höchst eigenthümlichen, im Vorhergehenden ausführlich charakterisierten
Gattung betrifft, von der Radlkofer seinerzeit eine wahrhaft classische Beschreibung gab, und zu der ich
(Beiträge 4—8) einige Zusätze bringen konnte, so erübrigt nur weniges nachzutragen.
Die Zweige des ungemein ästigen Dornstrauches tragen dicht aufeinanderfolgend, in ?/,-Stellung
abstehende Seitenzweige, die in derbe Enddornen ausgehen und in derselben Anordnung wieder
genäherte Kurztriebe, als kräftige Dornen erzeugen. Die aufeinander folgenden Seitenzweige nehmen nach
aufwärts am Hauptzweig an Länge ab, die obersten bilden einfache, 1 bis wenige Centimeter lange
Dornen. Alle Verzweigungen meist reichlich mit warzenähnlichen, sehr reducierten Kurztrieben besetzt,
welche — ganz ähnlich wie bei Bongainvillea patagonica — einige gedrängte (auch der Form nach ähn-
liche) Blätter und endständige Blüten oder häufiger Blütenbüschel tragen. Zumeist findet das Blühen im
blattlosen Zustande statt, auch zur Fruchtzeit fehlen oft noch Blätter; übrigens tragen — wohl den localen
Verhältnissen entsprechend — Blütenzweige noch manchmal Blätter (Taf. II, Fig. II). Hin und wieder
wächst auch ein derartiger Kurztrieb in einen dünnen, filzigen, einige Centimeter langen und abwechselnd
beblätterten Langtrieb aus.
Der Blattbau zeigt typisch isolaterale Structur, eingesenkte Spaltöffnungen auf beiden Blattseiten, auf-
fallend kleine Epidermiszellen mit dicken Wänden und grobwelliger Cuticula. Unter der Epidermis ein
großzelliges Hypoderm mit dickeren Außenwänden, dann mehrere Schichten zur Blattfläche senkrecht
gestellter Pallissadenzellen; ein medianes Hauptgefäßbündel nach oben und unten von großen Zellen
begrenzt, welche bis zu den Hypodermzellen reichen.
128 Anton Heimerl,
Es findet sich weder eine Calciumoxalat-Einlagerung in die Außenwände der Epidermiszellen, noch
eine Ausbildung säulenförmiger Einzelkrystalle im Pallissadengewebe, wie bei den Formen von Bougain-
villea stipitata; dafür treten aber vieleRhaphidenschläuche meist senkrecht, hin und wieder auch parallel zur
Blattläche auf. Kurze, prismatische Oxalat-Krystalle in der Umgebung des Gefäßbündels, insbesonders
massenhaft am Siebtheile. Haarbildungen treten ziemlich reichlich als zartes Blattindument, dann als Filz
auf den warzenähnlichen Kurztrieben und Perianthien auf. Die sehr kurzen Haare stimmen ganz mit denen
von Bougainvillea überein; auch solche mit ziemlich unregelmäßiger, schiefer, blasiger Endzelle und
rothbraunem Inhalt derselben kommen auf Kurztrieben und Blättern vor.
Die Blütenverhältnisse interessieren besonders durch die deutliche Entwicklung zweier Staminal-
kreise von je vier Gliedern, wobei sich die Stamina desselben Kreises durch ziemlich gleiche Länge aus-
zeichnen. Vier längere Stamina stehen genau über den Medianen der Perianthblätter, sie gehören, wie
Radlkofer treffend bemerkte, dem inneren Staminalkreise an; die vier kürzeren alternieren mit diesen
und dem Perianth und bilden den äußeren Staminalkreis (Taf. II, Fig. e). Eigenartig verhält sich Phaeoptilum
unter allen Mirabileen durch die Neigung zur Ausbildung eingeschlechtiger Blüten. Reichlicheres Unter-
suchungsmaterial lag mir von der Var. intercedens vor, wobei sich die Blüten gewöhnlich als zwitterig
erwiesen, wenn auch öfters die auffallende Kleinheit des Germens und geringe Narbenentwicklung dafür
sprachen, dass derlei Blüten eher als männliche anzusehen wären. Einmal traf ich eine theilweise
Verkümmerung der Stamina an; von den längeren Stamina waren 2 normal und circa 8—9 mm lang,
2 aber zu winzigen, 25mm langen Staminodien mit knöpfchenähnlichen Antheren umgewandelt. In einem
einzigen Falle waren alle Stamina rudimentär; die ziemlich weit ausgebildete Frucht trug an ihrem Grunde
das gut erhaltene Androeceum von 4 längeren (3 man) und 4 kürzeren (2 mm) Staminodien (Taf. II, Fig. a).
So wird ein Übergang zu dem von RadIkofer geschilderten Verhalten (unserer Var. a typica) hergestellt,
wo, wie ich mich überzeugen konnte, eingeschlechtige Blüten normal sind, die d° mit Pistillrudiment, die
? mit S Staminodien. Die mäßig reichblütigen Knäuel dürften cymöse Inflorescenzen vorstellen, da man
öfters ein deutliches Voraneilen der mittleren Blüten bemerken kann; die Stamina führen schon in Blüten-
knospen entwickelten Pollen.
Erwähnenswert erscheint es mir noch, darauf hinzuweisen, wie ähnlich die zwitterigen (oder
männlichen) Blüten unserer Pflanze den männlichen von Pisonia excelsa sind. Exemplare von den Sand-
wich-Inseln (leg. Heller), welche jüngsthin untersucht werden konnten, zeigen — von einigen Neben-
sächlichkeiten abgesehen — geradezu den Blütenbau der in Fig. e (Taf, II) dargestellten Phaeoptilum-Blüte:
gelegentliche Tetramerie, Ausbildung zweier Staminalkreise, ähnlichen Pollen, ähnliches Gynaeceum mit
derselben Narbe u. s. w. Ich werde bei einer späteren Gelegenheit hierauf zurückkommen.
Auf das gelegentliche Vorkommen von 1—2 rudimentären Carpiden neben dem einen normalen, hat
schon Radlkofer die Aufmerksamkeit hingelenkt. Mir kam es nur einmal vor; in einer (nach dem Fehlen
der Samenanlage im Gynaeceum als männlich zu bezeichnenden) Blüte standen — ähnlich wie es vorhin
für Bougainvillea patagonica geschildert wurde — zwei an der Basis verbundene Fruchtknoten gleicher
Größe gegenüber, mit gesonderten, auswärts gebogenen Griffeln und Narben (Taf. Il,Fig. f). Wenn man dieses
Verhalten mit dem sonstigen einfachen Aufbau der Pflanze (kein sympodialer Wuchs, wie sonst bei den
Nyctaginaceen!), mit dem Fehlen aller Involucralbildungen, mit dem einfachen Blütenbau, der mangelnden
Differenzierung des Perianthes (in ein schon zur Blütezeit gesondertesOvarperigon und einen zarthäutigen,
schönfarbigen, oberen Periantheil), mit dem Fehlen von Schleimzellen und Klebevorrichtungen am Antho-
carpe zusammenhält, so kommt man unwillkürlich zu der Vorstellung, dass wir hier einen alten Typus
vor uns haben, der durch seine einfachen Verhältnisse überdies — wie Radlkofer auch andeutete — ein
Verbindungsglied zu den Phytolaccaceen, den nächsten Verwandten der Nyctaginaceen, bildet. Dieser
Typus würde sich nach dem Schema: Pn An+n Gn ‚darstellen, also geradezu die größte Annäherung an
die Arten von Phytolacca zeigen, bei denen — nebenbei bemerkt — das Vorkommen von eingeschlechtigen
Blüten neben zwitterigen nicht selten ist. Die Carpidenzahl des Gynaeceums ist aber fast immer reduciert,
so dass es nur ausnahmsweise zur Andeutung von 1—2Carpiden neben dem normal ausgebildeten kommt.
._
Monographie der Nyctaginaceen. TI. 129
Zum Schlusse sei in Bezug auf dasVorkommen und die geographische Verbreitung von Phaeoptilum
noch darauf hingewiesen, dass der ganze Habitus, die Verzweigung, Dornbildung, Entwicklung von
warzenförmigen Kurztrieben, aus denen die unscheinbaren Blätter und Blüten hervorgehen, dann der Blatt-
bau die Gattung als eine Wüstenpflanze charakterisieren; mit den übrigen afrikanischen Nyctaginaceen
(Arten von Boerhaavia, Pisonia aculeata am Kilimandscharo) steht sie in keiner näheren verwandtschaft-
lichen Beziehung.
TRIBUS: COLIGNONIINAE.
Heimerl, Beiträge 17, Nachträge z.d. Nat. Pllanzenf. 155.
Nyctaginacearum tribus I. Mirabileae 4. Colignoniinae Heimerl, Nat. Pflanzenf. III, Id, 25 (p. p.).
Perianthii pars inferior (ovarium includens) a limbo nec consistentia diversa, nec constrictione v.
altero modo seiuncta, limbi lobis simpliciter valvatis. Antherae thecis rotundis, pollinis granulis minoribus,
punetatis. Germen ovario f. tam longo q. lato, stylo breviusculo f. apicali, stigmate terminali, capitato,
maximo, elegänter et + intricate multiramoso, ovulo totam ovarii cavitatem obtegente. Fructus genuinus
in parte inferiore perianthii, demum aucta et coriacea inclusus. Anthocarpia parte superiore perianthii
lobata, minuta, dein marcescente — distincte coronata, cellulis mucilaginosis in superficie deficientibus.
Embryo rimam superficialem perispermii obtegens, cotyledonibus angustioribus, peripheriam perispermii
maiore v. maxima parte amplectentibus.
Suffrutices v. frutices (v. herbae) regionis Andinae Americae australis, (ex auctoribus) tuberosi,inermes,
multiflori, foliis oppositis ad spurie verticillatis, floribus parvis, subcapitatis v. umbellatis, inflorescentis
partialibus paniculatim dispositis, panicula superne saepe bracteis coloratis hinc inde onusta.
COLIGNONIA Endlicher.
Endlicher, Genera 311, No 2001; Steudel, Nomenel. ed. II, I, 397; Endlicher, Enchiridion 193 (»Collignonia«),; Choisy
1. c. 439; Baillon 1.c. 21; Bentham-Hookerfil. 1. c. 8; Heimerl, Nat. Pllanzenf. ]. c. 28, Beiträge 32.
Abronia Kunth (Nov. gen. ac spec. II, 216) — non Jussieu;
Trieratus Sprengel (Systema I, 536) — non L’Heritier.
Flores hermaphroditi, gracile in umbellulas v. glomerula conferti, involuero communi inflorescenti-
arum specialium et involueris v. bracteolis sub singulis floribus deficientibus, inflorescentiis partialibus
vario modo paniculatim dichasiale dispositis.
Perianthia subcorollina ad calycina, consistentia & tenui, f. semper glabra, primum magis cam-
panulata ad infundibuliformia, dein plerumque magis aperta e basi late campanulata non raro fere rotatim
expansa, actinomorpha, profunde tri- v. quinquepartita (rarissime 4 partita), lobis in gemmis valvatis, dein
+ expansis, obovato-ellipticis ad oblongis, concavis, uni (raro 3-) nervatis, commissuris inter lobos nullis;
perianthiorum pats inferior breviter obconica v. ovoidea v. eyathiformis, levissime 3—5 angulata, angulis in
loborum nervos medianos excurrentibus, post anthesin aucta, + coriacea, lobis demum conniventibus,
marcescentibus, + conspicuis coronata, angulis v. prominentibus v. aliforme productis.
Stamina 5 (rarissime 6) perianthii lobis opposita, leviter inaequilonga, e perianthio expanso paulum
v. distinctius exserta, filamentis valde tenuibus, filiformi-subulatis, basi circum carpophorum stipitiforme
in cupulam valde brevem connatis, antheris pro flore maioribus, paulo latioribus q. longis, didymis, basi
profundius q. apice excisis, supra dimidium dorsifixis, thecis latissime semicircularibus, laterale et
paululum introrsum dehiscentibus. Pollinis granula c. 30 p lata, globosa, episporio tenuiter punctulato.
Germen semper unum, carpophoro stipitiformi, ovarium subequante portatum, ovario subgloboso
ad lätissime ellipsoideo v. obovoideo, in carpophorum eo tenuius vix angustato, haud v. paulum a lateribus
Denkschriften der mathem.-naturw, Cl, LXX. Bd. 17
130 Anton Heimerl,
compresso, facie dorsali paululum magis convexa q. ventrali, in stylum breviter ad brevissime attenuato,
stylo filiformi, recto, e perianthio dein expanso distincte exserto, apice stigmatifero (ceterum ut supra).
Ovulum camptotropum, in funiculo brevissimo e basi ovarii oriente, micropyla infera.
Anthocarpia (ut cognita) in pedicello — deflexo ad pendulo, v. subglobosa ad pyriformia et
quinquangulata (raro angulis 4) v. in parte centrali subfusiformia et late trialata (raro alis 4—5), alis coria-
ceis, impellueidis, circiter semiorbieularibus, e corpore centrali sensim emergentibus, insuper — distincte
rugulosa v. costulata v. laeviuscula, coriacea, glabra (ceterum ut supra).
Fructus (ut cognitus) in anthocarpio laxius inclusus, basi + angustatus et breviter sed distincte
stipitatus, in forma cum cavitate anthocarpii congruens, apice rotundus, sed saepius breviter apiculatus,
facie dorsali magis convexa q. ventrali, styli rudimentum — distincte gerens, pericarpio eximie tenui,
membranaceo, axi embryonis basi distincte prominente.
Semen (ut cognitum) testa modice tenui ad paulo firmiore v. subcerustacea,rufobrunnea v. atra, duobus
nervis atrobrunneis (rhaphis) percursa, pericarpio leve adhaerente, facile ab illo separanda, embryone
v. subsemieirculari v. f. hippocrepiformi, subangusto, perispermium farinosum (externo strato magis
corneo), crebrum —+ ampiectente, cotyledonibus oblongo-elliptieis, arcte incumbentibus, vix nervatis,
externo paulum maiore, axi rectiusculo v. leve curvato, subeylindrico, basi leve prominente, obtusiusculo.
Die Gattung Colignonia bietet in morphologischer Hinsicht in einigen Punkten Bemerkenswertes dar.
Die Zweige von Colignonia scandens und der nahe verwandten C. rufopilosa zeigen eine endständige
rispige Inflorescenz, deren decussierte Primäräste dichasial weiter verzweigt sind; nur die letzten Verzwei-
gungen werden durch das Ausbleiben eines der beiden Seitenästchen sympodial. Die Verzweigungen der
Inflorescenz sind theils von gewöhnlichen, nur verkleinerten Laubblättern gestützt, theils ohne Bracteen;
erst gegen die letzteren Verästlungen zu treten die für unsere Gattung charakteristischen (aber nicht überall
vorkommenden) lebhafter gefärbten oder weißlichen Schaubracteen, ziemlich unvermittelt und nicht
an allen Gabelungen auf. Eine andere Verzweigungsart zeigen die Formen von €. glomerata, welche in
reichem Materiale vorlagen. Die Zweige bilden durch die bei den Mirabileen so verbreitete Verkettung der
ß-Sprosse ausgezeichnete Sympodien mit Abdrängung der a-Zweige, welche mehr oder weniger reichlich
in derselben Weise weiter verzweigt sind; alle Verzweigungen tragen gewöhnliche, nach aufwärts
verkleinerte Blätter, welche mehr gelegentlich, hie und da an den weiteren Verzweigungen ohne Form-
änderung in Schaubracteen von weißlicher (? ob immer) Färbung umgewandelt sind. Im unteren Stengel-
abschnitte, seltener auch oberwärts (C. parviflora) treten am Grunde der Seitenzweige Bereicherungssprosse
auf, welche an der Basis Blätter entwickeln, so dass scheinbar eine quirlige Blatt- und Zweigstellung
zustande kommt. Auf derartige basale Seitenzweige ist wohl auch die eigenthümliche doldige Verzweigung
der Inflorescenzen von C. parviflora, C. ovalifolia und C. biumbellata zurückzuführen.
Die letzten Auszweigungen tragen bei allen Arten übereinstimmend gebaute Partialinfloresceenzen
von doldigem bis knäueligem Aussehen, ohne dass es zu einer Entwicklung von Bracteen am Blüten-
grunde oder an der Basis der Blütenstiele kommt. Es gestattet das trockene Materiale keine verlässliche
Entscheidung über den Aufbau der Partialinflorescenzen, doch besteht kaum ein Zweifel, dass sie eymöser
Natur sind; einerseits eilen die Mittelblüten öfter deutlich im Aufblühen voraus, anderseits sind habituell
vollkommen gleiche Inflorescenzen (zum Beispiel bei Pisonia hirtella) sicher cymöser Natur.
Die Blüten aller Arten sind, von dem drei bis fünfzähligen Perianth abgesehen, fast völlig gleich. Das
auffallendste ist, dass die Stamina den Perianthzipfeln gegenüber stehen, was insbesondere bei den
Arten mit fünftheiligem Perianth hervortritt; ein unter den Nyctaginaceen ganz eigenes Verhalten, das
übrigens auch bei den verwandten Phytolaccaceen vorkommt und bei den Chenopodiaceen bekanntlich
typisch ist, An letztere erinnert auch der in einer Furche des Perispermes liegende, relativ schfnale
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Monographie der Nyctaginaceen. 1. 131
Embryo; hiedurch nimmt die Gattung unter den Mirabileen eine Sonderstellung ein, da bei diesen stets
das Perisperm von den Cotyledonen fast ganz eingehüllt wird.
Die Arten jeder der beiden Sectionen sind offenbar unter sich sehr nahe verwandt; alle gehören dem
andinen Gebiete Südamerikas an, welches sie in mehr oder weniger bedeutenden Höhenlagen bewohnen.
Das nördlichste Vorkommen liegt ungefähr am Äquator; der südlichste Punkt wird durch das Auftreten
der €. glomerata in Tucuman (Argentinien) bezeichnet.
$.I. PTEROCARPAE m.
Heimerl, Beiträge 32.
Perianthia typice tripartita. Anthocarpia (ut cognita) alis 8 (raro 4 u. 5) coriaceis instructa.
Frutices v. suffrutices, (sec. auctores) saepius scandentes, foliis siecis ob rhaphidiarum utri-
culos sub lente haud conspicuos estriolatis.
1. Colignonia scandens Bentham.
. Bentham, Plantae Hartwegianae 148, Nr. 82S!; Choisy, 1. c. 439!
Frutex (altius?) scandens, glabriusculus.
Caulis pars superior (quae solum in herbariis!) elongata, subgracilis, internodiis 6—S cm |1g.,
brunnea, paulum nodulosa, levissime striatula, oppositifoliata, praeter indumentum in gemmis nodisque
valde parcum, brevissime puberulum, ferruginosum, cito evanescens glabra, superne in paniculam floralem
decussatiramosam, latiusculam, corymbosam ad pyramidatam, ampli- et modice laxifloram, dichasiale et
subdivaricato multipartitam abeuns, ramificationibus inprimis ulterioribus graeilibus, valde tenuibus, ut
omnibus paniculae partibus glabris.
Folia (superiora caulis solum cognita!) paribus f. aequalibus, sursum modice diminuta, in paniculae
ramificationibus ulterioribus .partim deficientia partim et subsubito in bracteas longe pedunculatas,
obovato lanceolatas ad spathulatas, obtusas v. rotundas (c.6— 16mm : 4—6 mm), membranaceas, coloratas
(rufas?) frequenter abeuntia, cetera ovatolanceolata ad elliptica, paulum v. distinete sub dimidio latissima
(40—53 mm : 1S— 22 mm), petiolo lamina paulo v. usque ad duplo breviore, in basi subrotunda et breve
eontracta, summa solum basi obtusata v. cuneatim breveque in petiolum gracilem attenuata, antice obtusius-
cula ad obtuse rotundata, herbacea, subtus pallidiora, paulum rufescentia ad glaucescentia, iuniora in
nervis petiolisque parce ferruginoso-puberula, adulta glabra, integra, infra distinctius pinnatonervata, nervis
valde laxe et vix prominenter areolatim coniunctis.
Umbellulae gracillimae, vix 10mm latae, vulgo S—12 florae (rarius paulum depauperatae), laxiores,
pedunculis valde tenuibus (primum 6— 10 mm Ig., denique paululum, ad 10— 12 mm elongatis), patentibus
v. erectiusculis suffultae; florum pedicelli primum erectopatentes (3—4 mm 1g.), dein + pendentes ad sub-
refracti (5 — 6 mm 1g.), f. capillares.
Perianthia (? rosea) 2:5—3 mm Ig., glaberrima, parte inferiore circiter ovoidea (c. ?/, mm Ig., paulo
angustiore), angulis typice 3 u prominentibus, lobis dein expansis, patentibus, breviter obovato-ellipticis
(c. 2 mm 1g., vix 1 mm It.), obtusis ad rotundatis, levissime trinervatis.
Stamina 5 e perianthio expanso paulum exserta, cupula valde brevi, carpophorum paulum supe-
rante, filamentis longioribus 2—2 5 mm Ig., brevioribus circ. 1:5 mm Ig., antheris c. ®/, mm latis.
Germen (cum carpophoro 1:5—2 mm 1g.) ovario minuto, subgloboso ad late ellipsoideo, stylo
ovarium paulo superante, stigmate laxiore, ramosissimo, ad 0°5 mm It.
f Anthocarpia (immutura!) ambitu suborbicularia (c. 4 mm 1g. et It,), atro- v. rufobrunnea, nitidula,
medio latissima, basi et apice subrotunda brevissimeque angustata, perianthii lobis exsuccis, conniventibus
coronata, corpore centrali fusiformi, alis typice 3, utroque polo angustatis, medio latissimis.
Fructus ignotus.
Ecuador, in montibus Loxa pr. Quito (Hartweg 828).
132 Anton Heimerl,
2. Colignonia rufopilosa O. Kuntze.
O0. Kuntze in schedulis herb. Berolin.!
Frutex ad 3m altus, scandens (?), tomentosus, indumento e pilis ferruginosis, valde brevibus
formato.
Caulis pars superior (pars inferior deest in herbariis!) elongata, vix gracilis, subfirma, internodiis
8—13 cm Ig., rufobrunnea, leve sed distinete nodosa, paululum striolata, oppositifoliata, cum foliis iunio-
ribus, gemmis inflorescentiis primum dense tomentosa, demum in internodüs paulum glabrata, ceterum
indumento ferruginoso diu obtecta, superne in paniculam floralem decussatiramosam vel verticillatim
ramificatam, late pyramidatam ad subcorymbosam, eximie multi- et densifloram, dichasiale et divaricato
multipartitam abeuns, ramificationibus etiam ultimis firmioribus, minus tenuibus, ut plerisque paniculae
partibus tomentosis.
Folia paribus f. aequalibus, sursum modice diminuta, in paniculae ramificationibus ulterioribus
maiore parte deficientibus, hine inde in bracteas longe pedunculatas, late ovatas ad ovato-oblongas, acutius-
culas (ultimas c. 7— 14 mm :4—9 mm), membranaceas, albas (sec. OÖ. Kuntze) abeuntia, cetera ovata ad
ovato-elliptica, + sub dimidio latissima (30—80 mm :21—40 mm), petiolo lamina paulo v. ad duplo brevi-
ore, basi v. rotunda v. obtusissima, in petislum firmiorem non v. vix contracta, antice obtusa, superiora
solum paulo acutiuscula, herbacea, subtus paulo pallidiora et brunneola ad glaucescentıa, iuniora in petiolo
laminaque dense tomentosa, adulta petiolo nervisque diu tomentosis exceptis —+ deglabrata, f. integra,
inprimis in foliis vetustatis distinete pinnato- et densius reticulatonervata, nervis infra distinete prominenti-
bus, primum indumento oceultatis.
Umbellulae graciles, usque 10 mm latae, vulgo 11—25florae (rarius solum S—10florae), densae,
pedunculis firmioribus (primum 5— 9 nam Ig., dein usque ad 18 mm v. ultra elongatis), patentibus v. erecti-
usculis suffultae; florum pedicelli primum erectopatentes (?—4 mm 1g.), dein + deflexi (A—5 mm 1g.),
capillares, ante anthesin in basi parce tomentosi, dein omnino glabri.
Perianthia (sec.O.Kuntze) alba, solum in parte inferiore magis obconica, ceterum ut in €. scandens-
Stamina longiora 2:5—3 mm |g., breviora ad 2 mm 1g.; germen 1'5—2 mm |g., ceterum omnino ut
in specie praecedente.
Anthocarpio (nondum evoluta!) cum illis speciei praecedentis identica.
Fructus ignotus.
Ecuador, in Andibus ad Quito (Jameson 695). — Bolivia: Yungas (Bang, Plant. boliv. ed. Rusby
et Britton 710); Rio Juntas, c. 1500 m s. m. (OÖ. Kuntze); sine indicatione loci specialis (Bridges,
Cumming).
3. Colignonia ovalifolia nov. sp.
Frutex (), scandens (?), apices versus brevissime pilis ferruginosis tomentellus, ceterum glabrius-
culus.
Summitates (quas solum vidi!) robustiores, vix graciles, internodiis 5—6 cm Ig., atro-v. rufobrunne-
scentes, nodulosae, paululum striolatae, oppositifoliatae, cum foliis, gemmis, nodulis, inflorescentiis primum
v. diutius tomentellae, dein in internodiis glabratae; inflorescentia communis caulem terminans mihi ignota,
inflorescentiae laterales e foliorum axilla orientes, patentes, breviter corymboso-paniculatae, modice par-
titae, primum decussatiramosae, dein vertieillatim ramificatae, modice multiflorae, + densiflorae, ramifica-
tionibus patentibus, inprimis ultimis modice tenuibus, mox glabratis.
Folia (superiora solum cognita!) paribus subaequalibus, sursum modice diminuta, in paniculae rami-
ficationibus f. regulariter in bracteas pedunculatas, lategovatas ad suborbiculares, rotundatas (ca. 4—7 mm:
4—5 mm), ut videtur vix membranaceas, subherbaceas (coloratas?) abeuntia, cetera breve et late ovata ad
orbiculata, in v. paulo sub dimidio latissima (23—25 mm : 1S—22 mm), petiolo lamina paulo v. distincte
breviore, basi obtusissima et brevissime in petiolum paulo firmiorem contracta, antice obtuse rotundata,
.-
EEE BEEREILO ZELLE TEUERE REEEEEE
u Ds a u ia
Monographie der Nyctaginaceen. 1. 133
tenue coriacea, firmiora, v. subconcoloria v. infra paulo pallidiora, iuniora in petiolo nervisque infra leve et
brevissime ferruginoso-puberula, adulta petiolo nervisque & diu hirtulis exceptis glabriuscula, infra inpri-
mis in foliis vetustatis pinnatonervata, nervis vix prominentibus arctius reticulatim coniunctis.
Umbellulae graciles, 10—12 mm latae, vulgo 12—16florae (rarius depauperatae, ad Sflorae), laxi-
ores, pedunceulis f. setaceis (primum 9—17 mm Ig., denique usque ad 20mm elongatis), patentibus v. erecti-
usculis suffultae; florum pedicelli primum magis erectopatentes (3—5 mm Ig.), dein deflexi (5 —6 mm 1g.),
capillares, glabri.
Perianthia (rosea?) 3 mm Ig., lobis paulu'um latioribus, late ellipticis, ceterum ut in C. scandens.
Stamina longiora ad 3 mm Ig., breviora c. 2 mm 1g., ceterum ut in €. scandens.
Germen (cum carpophoro 2 mm lg.) ovario subgloboso, stylo brevi et paulo crassiore, stigmate
densissime ramoso, pro flore minuto spectabili, ad ?/,—1 mm It.
Anthocarpia matura suborbicularia, f. aequilata (5—6 mm Ig. et It.), brunnea, nitidula, medio latis-
sima, basi et apice f. aequale subrotundata et brevissime angustata, perianthii lobis exsuceis, conniventibus
coronata, alis 3 v. 4 utroque polo angustatis, medio latissimis, paululum marginatis, paulum et laxe reticu-
latim nervatis, corpore centrali fusiformi, longitudinale nervulato, vix reticulato.
Fructd® (3-5: mm Ig., 2 mm It.) castaneus, f. pyriformis, basi distincte stipitatim angustatus, apice
apiculatus. Embryo solum ®/, mm latus, cotyledonibus breviusculis, paulum acutiusculis.
Ecuador, in Andibus Quitensibus (Spruce 5130). — Columbia, »Paramö de Herve« (Goudot
in herb. Boiss.).
4. Colignonia biumbellata Ball.
Ball, Journal of Linn. Soc. 1887, 54.
[Descriptionem sequentem e diagnosi nimium brevi et e delineatione speciminis authentiei composui.]
Frutex caule erecto, f. glabro.
Caulis pars superior (quae solum exstat) firmior, elongata, internodiis usque ad 12cm Ig., leve nodu-
losa, oppositi- et decrescentifoliata, superne in inflorescentiam paniculato-corymbosam, amplissimam, jam
ab initio (spurie?) verticillatim ramosam, eximie multi- et subdensifloram, multipartitam abeuns, ramifica-
tionibus elongatis, gracilibus, tenuibus, + erectopatentibus, saepe ad 5—6 umbellatim ordinatis.
Folia (superiora solum cognita!) paribus aequalibus, in paniculae ramificationibus f. deficientia (eito
decidua?) — raro hinc inde bracteola lanceolata, minutissima (colorata?, non membranacea?) — late deltoi-
deo-ovata ad ovato-subcordata, basin versus latissima (40—43 mm : 32—35 mm), petiolo laminam sub-
aequante v. distincte ea breviore, basi subtruncata ad late rotundata, brevissime v. indistincte in petiolum
contracta, apice obtusiuscula, herbacea, tenuiora, infra paulo pallidiora, adulta praeter pilos in nervo pri-
mario parcissimos, brevissimos glabra, remote pinnatinervata, nervis inprimis infra laxe reticulatim, non
prominenter coniunctis.
Umbellulae graciles, vulgo 10-20 florae, subdensae, pedunculis setaceis (llorendi tempore
15— 20 mm Ig.), erectiusculis v. patentibus suffultae; florum pedicelli c. 3—5 mm lg., capillares, glabri.
Perianthia ultra 3 mm Ig., ex Ball »pro genere maiuscula, staminibus perigonium subduplo supe-
rantibus«; ceterum ignota.
Patria sec. Ball: Peruvia, (»upper valley of the Rimac, near Tamboraque, c. 9000’ above the sea«).
Anhang.
Ich kann leider trotz der trefflichen, mir vorliegenden Zeichnung des Originalexemplares die Stellung
dieser Art und ihre Beziehung zu den im Vorhergehenden beschriebenen drei Arten nicht befriedigend ins
Klare bringen. Die Originalbeschreibung gibt über die Blütenverhältnisse ungenügenden Aufschluss, so
dass ich eigentlich mehr nach dem Habitus die Einreihung in diese Section vornahm. Ein Pröbchen von
134 Anton Heimerl,
Blüten, das ich erhielt, trug auch nicht zur Aufklärung bei, da der Erhaltungszustand derselben ein unge-
nügender war. Trotzdem glaube ich, dass es der so auffallende quirlige Verzweigungstypus rechtfertigt, wenn
ich die Pflanze an die C. ovalifolia anreihe, welche ähnliche Inflorescenzverhältnisse besitzt.
$. I. APTERON m.
Heimerl, Beiträge 32.
Perianthia typice quinquepartita. Anthocarpia f. pyriformia,‘ exalata, quinguangulata.,
Plantae herbaceae, (verisimile) perennes, non scandentes, foliis tenuibus rhaphidiarum
utrieulis frequentissime onustis, in statu sieco itaque sub lente striolis albidis plerumque
dense instructis.
5. Colignonia parviflora Choisy.
Choisy, l. ce. 439 quoad descriptionem (excel. eitatum Goudot).
Syn. Abronia parviflora Kunth!, Nova genera II, 216, Tab. 128;
Tricratus parviflorus Sprengel, Systema I, 536.
Herbacea usque bimetralis (ex Kunth), ramosissima, glaberrima.
Caulis (ut ex specimine authentico ‚incompleto et ex icone patet) elongatus, vix gracilis,
firmior, internodiis c. 1 dm Ig., brunneolus ad lutescens, leve nodosus, distincte striatus, ad nodos foliis
compluribus, verticillum spAarium formantibus onustus, etiam in statu iuniore glaber, usque ad apices
modice et decrescente foliatus, inflorescentiis partialibus v. oppositis v. in apice caulis subumbellatim ordi-
natis, erectopatentibus, semel ad bis iterum spurie verticillatim ramificatis, multi ac — densifloris, ramulis
tenuibus sed subrigidulis, glabris.
Folia in uno eodemque verticillo (spurio) valde inaequalia, sursum modice diminuta, in inflorescen-
tiis hinc inde — forma et consistentia subimmutata — ramulum bracteantia, (ut videtur) non in bracteas
membranaceas, coloratas mutata, superiora (quae solum adsunt) breve et latissime ovata ad ovato-orbicula-
ria, sub dimidio latissima (30— 45 mm : 2383 —45 mm), petiolo laminam aequante v. ea usque 1'/,plo lon-
giore, utrinque sed inprimis in basi latissime rotundata, in petiolum gracilem citissime contracta, antice
solum in foliis summis bracteisque paululum acutiuscula, herbacea, subtus paulo pallidiora ad subglauces-
centia, glaberrima, integra, inprimis infra distinete pinnatonervata, nervis secundariis c. 7—9 utrinque,
arcuatis, in sicco leviter prominentibus et anastomosis frequentibus areolatim (nee prominenter) coniunctis.
Umbellulae graciles, hemisphaericae, multiflorae (sec. Kunth solum 12— 16florae), modice densae,
pedunculis firmioribus (primum c. 8—10 mm Ig.), erectopatentibus, glabris suffultae; florum pedicelli
erectiusculi, breves (2—3mm 1g.), capillares, glaberrimi.
Perianthia (ex Kunth) alba, 3 mm Ig., parte inferiore subeyathiformi, maiore (c. 1 mm Ig.), leve
angulata, lobis ellipticis ad obovoideo-oblongis (2 nm 1g., vix 1 mm It.), apice rotundatis, uninerviis.
Stamina 5 filamentis usque 2:5 mm Ig., antheris usque 1 mm It.
Germen (cum carpophoro vix 2 mm lg.) ovario minuto, subgloboso, stylo ovarium aequante, stig-
mate dense ramoso, 05 mm in diam.
Anthocarpia fructusque ignota.
Columbia, »in Andibus Papayanensibus prope Querchu« (Humboldt).
1 In €. parviflora nobis ignota.
Monographie der Nyctaginaceen. I. 135
6. Colignonia glomerata Griscbach.
Grisebachl, Plantae Lorentzianae 39, Symbolae ad floram Argentinam 39. (Confer etiam: Lorentz, Argentinien 138.)
Planta herbacea, sine dubio perennans, metralis (v. ultra?), subglabra.
Caules elongati, — graciles, internodis usque 14 cm Ig., lutescentes v. brunnescentes, distincte sed
leviter nodulosi, (in statu sicco) striatuli, in inferiore parte saepius foliis ternatis, modice inaequalibus
instructi, superne usque ad apices ramificationum decrescente et oppositifoliati, solum in inflorescentiis sum-
mis novellis foliisque inevolutis leviter et brevissime puberuli, ceterum glabri, frequenter et + regulariter
dichasiale ramosi ad ramosissimi — vero sympodium formantes — ramis in inferiore caulis parte non raro
(spurie) binatis, superne singulis, alternatim v. unilaterale oblique- ad erectopatentibus, eodem modo —
frequenter ultra ramificatis, ulterioribus gracilibus, tenuibus, umbellulas gracillimas v. capitula dichasiale
+ conferta gerentibus.
Folia — distincte inprimis apices ramorum versus anisophylla, v. usque ad ultimas ramificationes
forma et consistentia f. immutata v. in regione florali uno alterove folio omnino v. partim decolorato, albido,
submembranaceo, albescente sed forma immutata immixto, inferiora late ovata ad ovatodeltoidea, obtusa
ad rotunda, superiora saepius ovatolanceolata et paulum ad distincte acutiuscula (raro etiam obtusa), sub
dimidio latissima (folia infima 40—-90 mm : 32—105 mm), petiolo foliorum inferiorum laminam_ circ.
aequante, superiorum ea usque ad 3plo breviore, basi obtusissima ad subrotunda, vix v. brevissime in peti-
olum gracilem contracta, herbacea, — tenuia, supra obscure ad saturate viridia, infra pallidiora ad glauces-
centia, glabra, integra v. levissime in margine undulata, inprimis infra distincte pinnatonervata, nervis
secundariüs c. 6—9 utrinque, arcuatis, in sicco infra leviter prominentibus et anastomosis frequentibus ele-
ganter areolatim (nec prominenter) coniunctis, rhaphidiarum utriculis frequentissimis dense striolatis.
Umbellulae gracillimae ad — glomeruliforme contractae, 4—8 mm latae, vulgo S—13florae, pedun-
eulis capillaribus (denique ad 20—30 mm, raro usque ad 50 mm elongatis), erectiusculis, dein magis obli-
que patentibus ad subrefractis, glabris suffultae; llorum pedicelli saepius minutissimi, primum patentes
(1—2 mm 1g.), dein + pendentes ad nutantes, vix elongati, tenuissimi, glabri.
Perianthia (? viridescentia) 2-3 mm 1g., glaberrima, parte inferiore subeyathiformi (0°5 aut vix
1 mm 1g.), vix angulata, lobis dein modice patentibus ad erectiusculis, haud expansis, ellipticis ad oblongis
(1-5 —2 mm 1g., vix 1 mm It.), apice subeucullatis et obtusis ad rotundatis, uninerviis.
Stamina5 e perianthio vix exserta, cupula valde brevi, carpophorum aequante, filamentis inter se
subaequilongis, 1—2 mm Ig., antheris usque °/, mm It.
Germen (cum carpophoro 1—1'5 mm lg.) ovario minuto, subgloboso, stylo ovarium aequante, stig-
mate dense ramosissimo, !/,—?/, mm It.
Anthocarpia globoso-turbinata ad f. pyriformia (3 —4mm Ig., 2—2'5 mm It.), brunnescentia ad atra,
tenue coriacea, opaca, supra dimidium latissima, apice subrotundata ad obtusissima, basin valde angustam
versus attenuata, perianthii lobis conniventibus, subindislinctis clausa, obtuse quinquangulata, angulis
modice prominentibus, paulum undulatis, areis inter angulos — irregulare et parce transverse rugulosis ad
sulcatis.
Fructus (2 mm lg, 1—-1'5 mm It.) atrobrunneus, late pyriformis ad subglobosus, basi stipitiforme
angustatus, apice rotundatus, pericarpio tenuissimo. Embryo solum 05 mm latus, circa */, perispermil
cingens.
Var. @ typica m.
Syn. C. glomerata Griseb.!l. c.
Planta habitu debili, Naceido, foliis tenuissimis. Umbellulae primum brevissime stipitatae (dein pedun-
eulo ad S—- 18 mm elongato), minutissimae, f. capituliformes, solum 4 mm latae, Noribus (ut anthocarpiis)
f. sessilibus v. brevissime stipitatis (stipite 1°5 mm Ig.). Perianthia 2 mm Ig. Stamina minuta c. 1 nn Ig.
136 Anton Heimerl,
Germen I mm Ig., stigmate 0:5 mm in diam., valde contracto. Anthocarpia 3 mm Ig., 2 mm lt. Fructus
subglobosus.
Argentina: Tucuman pr. Cienega (Lorentz et Hieronymus 725); »in den Alisowäldern der
Cuerta de Anfama in der Nähe der Cienega« (Lorentz 313, 754); Siambon (Lorentz et Hieronymus
894). — Sec. Lorentz I. c.: »Schattengewächs der Alisoregion der subtrop. Formation; Staude mit weiß-
gefleckten Blättern«.
Var. b boliviana m.
Planta habitu paulo firmiore, foliis tenuibus. Umbellulae longius stipitatae (stipite primum 12— 18 ımın,
dein 20—50 mm 1g.), non capituliformes, 4—8 mm latae, floribus (ut anthocarpiis) breviter sed distincte sti-
pitatis (stipite usque 2 mm Ig.). Perianthia paululum maiora, usque 3 mm Ig. Stamina 1—2 mm lg. Germen
usque 1°5 mm Ig., stigmate usque °®/, mm in diam., dense ramificato. Anthocarpia usque 4 mm 1g., 25 mm
lt. Fructus + pyriformis.
Bolivia: Yungas (Bang, Plantae Boliv. a Rusby et Britton distr. 699); Sorata »8000 ft.« (Rusby
2705); »viciniis Sorata ad rivulos, in silvulis umbrosis 2700—3000 m« (Mandon 1007); Tunari, 3000 ın,
(0. Kuntze); sine ult. indicat. (Bang Plantae Boliv. a Rusby et Britton editae 1772).
7. Colignonia acutifolia nov. sp.
Syn. Colignonia glomerata var. acutifolia m. in: Szyszytlowicz, Plantae Peruvianae coll. C. de
Jelski, Nr. 1.
Planta herbacea, sine dubio perennans, ? metralis, in partibus vetustis glabriuscula.
Caules elongati, tenuiores, internodiis S—11 cm 1g., luteo-brunnescentes, distinete nodulosi, (in statu
sicco) angulati et sulcati, inprimis inferne foliis (spurie) verticillatis (ad 3—8), valde inter se inaequalibus
instructi, superne et versus ramorum apices modice decrescente et oppositifoliati, inprimis versus apices
ramificationum, in foliis adolescentibus, in glomerulorum peduneulis modice dense pilis brunneolis, brevis-
simis adpressis pulverulento-puberuli, ceterum inferne, nodis solum diutius minute hirtulis exceptis, f. glabri,
eodem modo ut in specie praecedente dichasiale et sympodiale frequenter ramificati, ramis autem brevio-
ribus, paulo firmioribus, florum glomerulis partim (spurie) ex axillis foliorum superiorum modice diminuto-
rum orientibus, partim versus apices ramulorum dichasia parva, subaphylla, = contracta formantibus.
Folia inprimis ad ultimas ramificationes versus valde anisophylla, unum altero non raro ad triplo bre-
vius v. omnino reductum, summa in inflorescentiis saepius in bracteas lanceolatas, albescentes (?), cum
foliis inferioribus ceterum conformes mutata, reliqua ovatolanceolata, + Sub dimidio latissima (folia infima
50—105 mm :25—70 mm), petiolo plerumque laminae dimidium, in foliis inferioribus laminam subaequante,
basi saepius asymmetrica v. subrotundata v. obtusata, saepe paulum, in foliis summis distinete in petiolum
tenuiorem, f. glabrum attenuata, antice longius attenuata ad distincte breviterque acuminata, acutiuscula ad
acuta, herbacea, modice tenuia, supra saturate viridia, infra pallidiora v. viridi-glaucescentia, adulta nervis
pareissime et brevissime hirtulis exceptis f. glabra, inprimis infra distincte pinnatonervata, nervis secundariis
c. 8-10 utrinque, eodem modo ut in specie praecedente gracillime coniunctis, rhaphidiarum utrieulis
minus conspieuis, frequentibus.
Umbellulae glomeruliforme contractae, subglobosae, circ. 6 mm latae, multi- et valde densiflorae,
floribus usque 25 in singulis capitulis, peduneulis tenuibus, filiformibus (primum 15— 25 mm Ig., denique ad
30-45 mm elongatis), erectis, dein rigide patentibus, brevissime puberulis suffultae; florum pedicelli minu-
tissimi (vix 1 mm lg.), firmiores, parce hirtuli.
Perianthia (? alba) 3 mm Ig., in basi parcissime hirtula, parte inferiore subeyathiformi (ad 1 mm 1g.),
distinete angulata, lobis oblongis, dein erectopatentibus (1:5 —2 mm 1g., c. 1 mm It), obtusis, uninerviis.
Monographie der Nyctaginaceen. 1. 137
Stamina 5 filamentis subaequilongis 2—2 5 mm |g., ceterum ut in C. glomerata.
_Germen (cum carpophoro 2 mm lg.) ovario obovoideo, minuto, stylo ovarium subaequante, stigmate
se ramoso, !/, mm It.
Anthocarpia f. pyriformia (3—3'5 mm |g., vix 3 mm It.), sordide griseobrunnea, tenue coriacea,
jaca, supra dimidium latissima, apice subrotundata, basin angustam versus attenuata, perianthii lobis api-
ılibus indistinctis coronata, obtuse quinquangulata, angulis paulum prominentibus, areis inter angulos
leviter gibbulosis.
Fructus (25 mm lg., 15 mm It.) ut in specie praecedente. Embryo cire. dimidium fructus latitudi-
aequans, f. totum perispermium cingens.
S hriften der müthem.-naturw. CI. LXX. Bd. 18
1
Tafel 1.
Fig. I. Zweig der Bougainvillea Malmeana. Nat. Gr. (Corumba, Brasilien, Malme).
a Blüte und Bractee (?/,).
b Perianthröhre, flach gelegt (4/,).
c Germen (?/,).
Fig. II. Zweig der Bougainvillea berberidifolia forma oblongibracleata. Nat. Gr. (Bolivien, Cumming).
(2)
a Perianthsaum, ausgebreitet (4/,).
b Perianthröhre, Nachgelegt (3/,).
ce Androeceum und Gynaeceum (4/,).
d Diagramm.
Fig. III. Zweigstück von Bougainvillea berberidifolia forma cyclobracteata. Nat. Gr. (Bolivien, Valle Grande, d’Orbigny).
Fig. IV. a Blüte mit Bractee der Bougainvillea modesta. (2/,), (Bolivien, La Paz, Bang).
b Germen (?/,)-
A.Heimerl: Mono$raphie der Nyctaginaceen. Taßl
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Gez.v. A.Heimerl u. W. Liepoldt.Lith. W- Liepoldt. Lith. Anst.v. ThBaunwartlı Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX
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Tafel II. Be ”
Tafel 1.
Phaeoptilum spinosum Radlk.
Fig. I. Fruchttragendes Zweigstück (etwas vergr.) vom Originalexemplar der var. Zypica.
Fig. II. Blühender und blattragender Zweig der var. intercedens. (Originalexemplar des Ph. Heimerlii Engler) Nat. Gr.
Fig. III. Blütenzweig derselben Varietät (Groß-Namaland, Schinz). Nat. Gr.
Fig. IV. Fruchtzweig der var. chloroptila. (Namaqualand, Belik). Nat. Gr.
a Unreife Frucht mit dem Staminodienkranz aus einer weiblichen Blüte (3/,), (Fleck 867).
b,, b, Reife Frucht der var. chloroptila von vorn und v. der Seite (?/,).
c Same der var. chloroptila von der Radicularseite (2/,).
d,—d, Embryo der var. chloroptila (?],):
e Jugendliche Zwitterblüte geöffnet (3/,) (Fleck 278 a).
f Ausnahmsfall der Entwicklung von zwei Germina (4/,) (Fleck 867).
A.Heimerl: Monographie der Nycetaginaceen. Taf. U
Lith. Anst v. ThBanwartlı Wien
Gez.v. A.Heimerl u. W. Liepoldt. Lidı. W. Liepoldt.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Ba.LXX
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DIE VON W. A. OBRUTSCHEW IN CHINA UND CENTRALASIEN 1893-1894
GESAMMELTEN FOSSILEN PFLANZEN
VON
Dr. FRIDOLIN KRASSER.
Mit 4 Tafeln.
= rue
(VORGELEGT IN DER SITZUNG VOM 18. JÄNNER 1900.)
Die fossile Flora von China und namentlich von Central-Asien ist noch immer mangelhaft bekannt.
Öbzwar schon im Jahre 1867 von Newberry,! im Jahre 1874 von Brongniart? fossile Pflanzenreste
aus diesem Gebiete beschrieben worden waren, so ist doch erst in den Jahren 1883 und 1884 durch
Schenk’s? Bearbeitungen der reichen phytopaläontologischen Aufsammlungen der Richthofen’schen*
und der Szechenyi’schen® Expedition eine etwas ausgedehntere Kenntnis erreicht worden.
Während durch Newberry und Brongniart nur spärliche Reste der mesozoischen Flora bekannt
geworden waren, konnte Schenk auch carbonische Floren nachweisen, die mesozoischen Reste auf
Grund reicheren Untersuchungsmateriales nach den geologischen Formationen besser gliedern und auch
das Vorhandensein von Tertiärpflanzen feststellen.
Die Localitäten, an welchen Pumpelly, dessen Sammlung Newberry’s Arbeit zugrunde liegt, und
Abbe David, dessen Aufsammlung Brongniart und später Zeiller? studierten, gesammelt hatten,
wurden auch von der Richthofen’schen Expedition besucht.
Es ist bemerkenswert, dass von den etwa 33 Localitäten Chinas und Central-Asiens, welche bisher
als Lagerstätten fossiler Pflanzen bekannt geworden sind, nur 5 zweimal untersucht wurden, nämlich: das
Becken von Kwei-tshou (Provinz Hupei) und die Localität Piyünsz (im Westen von Peking) zuerst durch
Pumpelly® und später durch die Richthofen’sche Expedition, welche auch das von Abbe David
1 Newberry J. S., »Description of fossil plants from the Chinese coal bearing rocks« in R. Pumpelly: Geological rese-
anches in China, Mongolia and Japan, during the years 1862 to 1865, Appendix Nr. 1 (Smithsoniam Contributions to Knowledge,
Nr. 202, 1866, vol. 15, art. 4, 1867). Mit
E ®2 Brongniart Ad., »Notes sur les plantes fossiles de Tinkiako (Shensi meridionale) envoydes en 1875 par M. l’abbe
A. David« in: Bull. soc. geol. de France, III. Ser., T. II, 1874, p. 408. Ohne Abbildung!
3 Schenk A., »Pflanzliche Versteinerungen« in Richthofen: China, IV. Bd. (1883), S. 209— 269, Taf. 30 —54.
4 Schenk A., »Die während der Reise des Grafen Bela Szechenyi in China gesammelten fossilen Pflanzen« in: Palaeonto-
graphica, Bd. XXXI (1884). Mit 3 Tafeln. Dieselbe Abhandlung erschien im III. Bande der » Wissenschaftlichen Ergebnisse der Reise
des Grafen Bela Szechenyi in Ostasien, 1877—1880«.
5 Die Resultate seiner Untersuchung der von David heimgebrachten fossilen Pflanzenreste hat Zeilleran Schenk mit-
getheilt, welcher sie gelegentlich der kritischen Revision der Bestimmungen früherer Autoren in der Bearbeitung der fossilen Planzen
der Szechenyi’schen Expedition veröffentlichte.
6 Die Bestimmungen Newberry’s (l. c.) wurden 1876 von Heer (Beitr. zur Juraflora Ostsibiriens und des Amurlandes, Flor.
foss. aret. Bd. IV, Abh. 2, S. 17, Sep. Abdr. aus: Me&m. Acad. St. Petersbourg, VII. Ser., T. XXII, Nr. 12) und später von Schenk,
vergl. Anm. 5, berichtigt.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 19
140 Fridolin Krasser,
erschlossene Thin-kia-po (Provinz Shan-si), und das auch von Hague! betretene Kohlenbecken von
Pinshu-hoo (= Pön-shi-hu) besuchte, endlich Kwang-yen-hsien (= Quan-juön-shien) (Provinz Se-Tschun),
wo zuerst die Richthofen’sche, später die Szechenyi’sche Expedition Forschungen anstellten.
In jüngster Zeit (1893 und 1894) hat W. A. Obrutschew gelegentlich einer Forschungsreise nach
China und Central-Asien in diesem Gebiete acht neue Fundstätten fossiler Pflanzenreste erschlossen und
überdies an einer Localität (Kohlengruben von Hsü-kia-hö in der Provinz Sz’tschwan), wo schon v.Richt-
hofen sich aufgehalten hatte, neuerdings gesammelt.
Die Mehrzahl der überhaupt aus China bekannten fossilen Pflanzenreste weist einen minder guten,
zum Theile sogar einen sehr schlechten Erhaltungszustand auf, ein Umstand, der die Untersuchung sehr
erschwert, ja in einzelnen Fällen unmöglich macht. Diese Erfahrung wird auch durch die Beschaffenheit
der Obrutschew’schen Collection bestätigt. Die Ursachen liegen theils darin, dass die Pflanzentrümmer
selbst schon in stark maceriertem Zustande zur Ablagerung gelangten, theils darin, dass von den Sammlern
infolge äußerer Umstände keine Auswahl des Materiales getroffen werden konnte, die Funde also mehr
minder dem Zufalle zu verdanken sind, zumal eine planmäßige Ausbeutung fossilienführender Schichten
gelegentlich so ausgedehnter und gefahrvoller, naturgemäß mehrere Zwecke verfolgender Expeditionen in
der Regel undurchführbar ist. Dazu kommen noch die Fährlichkeiten des weiten Transportes, welche
namentlich bei Pflanzenabdrücken leicht zu Schädigungen (Abreibung der Kohlenbeläge, Verwischung der
Nervation, Zerfall der Platten brüchiger Mergel und Schiefer) führen.
Es dürfte wohl zweckmäßig sein, bei dieser Gelegenheit auf eine Verpackungsmethode hinzuweisen,
welche brüchige Platten, auch den schwierigsten Transportsverhältnissen gegenüber, in hohem Grade zu
sichern vermag. Sie wurde von dem österreichischen Forscher Dr. Alfred Rodler bei seinen Aufsamm-
lungen rhätischer Pflanzen um Sapuhin in der Alboruskette angewendet, um einzelne größere Platten der
sehr brüchigen pflanzenführenden Schiefer dieser Localität nach Wien zu schaffen. Die Platten wurden
mit Gips umgossen und mit einer Strohhülle versehen in Leinwand eingenäht.?
Bei der Bearbeitung am Bestimmungsorte wird dann zweckmäßig die bekannte »Frostsprengungs-
methode« Ettingshausen’s zur Anwendung gebracht, weil es auf diese Art möglich ist, die großen
Platten oder Stücke je nach den Schichtungsverhältnissen in mehr oder weniger dünne Platten zu spalten,
also das Material voll auszuwerten.
In der vorliegenden Abhandlung werden die Bestimmungen der von W. A. Obrutschew in China
und Central-Asien gesammelten fossilen Pflanzenreste, nebst den nöthigen Neubeschreibungen und kriti-
schen Bemerkungen mitgetheilt.
Herr Obrutschew hatte die Güte, nähere Angaben über die einzelnen Fundorte und Lagerstätten
mitzutheilen. Sie wurden an den entsprechenden Stellen meiner Ausführungen eingeschaltet und der
betreffende Absatz stets mit Obr. gezeichnet. Die Belegstücke seiner Sammlung, die Originalien der vor-
liegenden Untersuchung, hat der genannte Forscher mit Nummern versehen, welche ich im Folgenden
stets citierte, und zwar unter der Bezeichnung »Coll. Obr. Nr. ...«. Die einzelnen Localfloren wurden
nach dem geologischen Alter angeordnet.
Zu großem Danke bin ich Herrn Director Fuchs verpflichtet, welcher mir die phytopaläontologische
Bibliothek des naturhistorischen Hofmuseums zu uneingeschränkter Benützung zugänglich machte.
1 Die phytopaläontologische Sammlung Hague’s wurde von Ne wberry bearbeitet. Dieser Autor publicierte 1883: »Notes
on some fossil plants from Northern China« (Am. Journ. Sci., 3. Ser., Vol.26, p. 123—127).
2 Vergl. F. Krasser, Über die fossile Flora der rhätischen Schichten Persiens, Sitzungsber. kais. Akad. d. Wiss. Wien, m. n.
Cl., Bd. C, Abth. I, Dec. 1891, S. 413.
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 141
Kritische Bearbeitung der Collection Obrutschew.
I. Gebirge Ting-ing-pa-pan-shan, südlich von der Stadt Kao-t’ei in Kan-su, China.
Das Gebirge Ting-ing-pa-pan-shan bildet die nördlichste Vorkette des Richthofen-Gebirges im Nan-
shan, hat eine Länge von 50 km und ist im Westen und Osten ziemlich scharf abgeschnitten; gegen N
stürzt es steil zu der Ebene der Oasen Scha-hö und Kao-t’ei ab. Der Fundort befindet sich in einer
Schlucht ungefähr im Meridian der Stadt Kao-t’ei, etwa 3 km von der Mündung der Schlucht und !/, km
vom Kamme der nördlichsten Kette. Einige kleine Schächte und eine verfallene Hütte zeigen, dass hier
IKohlenflötze geschürft und vielleicht auch gefunden und kurze Zeit abgebaut wurden; zutage tritt die
Kohle nicht aus, aber in dem westlichen Arme derselben Schlucht wird auch jetzt Kohle gewonnen. Die
kohlenführenden Schichten transgressieren deutlich auf einer mächtigen Folge von vorcarbonischen harten
grauen und graubraunen Sandsteinen; ihre unterste Schicht, etwa 2°:5—4 m mächtig, besteht aus einem
harten feinkömigen Conglomerat, die zweite, concordant auf dem Conglomerat lagernde, ist ein grauer
feinkörniger mergeliger Sandstein (Nr. 2042 b) mit den bestimmten Pflanzenresten, nur 1—1'5 m mächtig;
weiter hinauf folgen sandige Schieferthone und verschiedene hellere Sandsteine mit Conglomeratschmitzen,
dann die eigentlichen kohlenführenden Schichten: weichere Sandsteine und Schieferthone. Die Pflanzen-
abdrücke sind also in den untersten Schichten der kohlenführenden Serie gefunden. Obr.
Coll. Obr. Nr. 2042 b.
Die von dieser Localität stammenden Pflanzenreste liegen in einem mergeligen Schiefer von röthlich
braungrauer Färbung. Die mir vorliegenden Platten sind bedeckt von den Abdrücken blattragender Achsen,
welche hier als Noeggerathia acuminifissa n.sp. beschrieben werden. Neben dieser bisher unbeschriebenen
Pflanze finden sich Bruchstücke von Cordaites-Blättern. Kohlenbeläge sind besonders auf den Abdrücken
von Noeggerathia acuminifissa vorhanden. Auf einer Platte besonders sind auch zahlreiche kleine Carpo-
lithen zu erkennen, deren systematische Stellung nicht feststellbar ist, die jedoch zu Cordaites gehören
können.
Geologisches Alter: Carbon (vielleicht Devon).
Noeggerathia acuminifissa n. sp.
Taf. I, Fig. 3a—7.
Blättchen lederig, eiförmig, mit breiter keilförmiger Basis in die Achse verlaufend; Spitze 3—5-,
gewöhnlich 3-spaltig; Dimensionen der Blättchen recht auffällig verschieden, nur bei den obersten
geringer. Die Länge der ausgebildeten Blättchen beträgt cca. 20 mm, die Breite, in der Mitte zufällig flach
ausgebreitet erhaltener Blättchen gemessen, beträgt cca. 8 mm. Bei Blättchen mit mehrspaltiger Spitze
erreicht die größte Breite 11 mm. Blättchen zweizeilig und alternierend angeordnet. An dem oberen Ende
der Achse sind die Blättchen so dicht gestellt, dass sie sich fast zu !/, oder bis zur Hälfte der Spreite
decken. Bei einer Breite der Achse von 4mm sind die Blättchen entfernt gestellt. Gegen die Spitze
verschmälert sich die Achse auf 1 mm Breite. Nervatur kräftig, undeutlich gabelig.
Die Gattungsbestimmung bereitet Schwierigkeiten. Die ähnlichsten Reste, welche ich ausfindig
machen konnte, sind ein von Grand Eury! abgebildetes kleines Blatt eines noch nicht beschriebenen Cor-
daitentypus und eine blättchentragende Achse, welche von Lesquereux” nebst anderen nicht übereinstim-
menden Fragmenten als Archaeopteris obtusa abgebildet wurde. Beide Reste sind botanisch nicht sicher-
1 Grand Eury, Flore carbonifere du Depart. de la Loire et du centre de la France, Atlas (Paris 1877), Taf. 30, Fig. 4.
® Lesquereux, Atlas to the Coal Flora of Pennsylvania and of the carboniferous Formation troughout the United States,
Harrisburg 1879, Taf. 49, Fig. 6.
f 19*
142 Fridolin Krasser,
gestellt, und der letzterwähnte gehört zu jenen Archaeopteris-Formen, welche sich an den Typus Noegge-
rathia anschließen. Es bleibt nichts übrig, als die in Rede stehenden Abdrücke der Collection Obrutschew
als Noeggerathien zu betrachten. Strenge genommen gehört zu Noeggerathia in der Umgrenzung, wie
sie von Potonie! angenommen wurde, nur Noeggerathia foliosa Sternb., da nur von dieser Art, die für
die systematische Stellung maßgebenden »fertilen« Wedeltheile bekannt sind. Um jedoch die ähnlichsten
und nach der Beschaffenheit der Assimilationsflächen vermuthlich verwandten Reste in Evidenz zu halten,
bleibt wohl nichts anderes übrig, als sie bis zur Sicherstellung ihrer systematischen Zugehörigkeit in dieser
Gattung zu führen.
Cordaites.
Die zu dieser Gattung gehörigen Blattreste sind so zerstückelt, dass eine genauere Bestimmung nicht
durchführbar ist. Zu constatieren ist nur das Vorhandensein zweier Typen: der eine (Taf. I, Fig. 35)
charakterisiert durch gleich starke Nerven [Typus €. palmaeformis (Goepp.) Weiss], der andere durch
das Vorhandensein von Zwischennerven [Typus €. borassifolius (Sternb.) Ung).
Carpolithes.
Kleine elliptische bis fast kreisrunde Abdrücke, theilweise von geflügelten Samen oder Früchten her-
rührend. Sie errinnern an Carpolithes grannlatus Grand Eury°. Die systematische Stellung ist unsicher.
Sie können von Cordaites stammen.
II. Tu-pe am Flusse Tao-ho in China (Provinz Kansu).
China, Kansu, rechtes Ufer des Flusses Tao-hö unterhalb des Dorfes Tu-pe (im westlichen Theile des
Tsin-ling-shan, am Wege von Ming-tschou nach Lan-tschou) etwa 100 li südlich vom Städtchen Ling-tao
(Ti-tao-tschou).
Die Abdrücke 'stammen aus einem Schutthaufen am Fuße eines vorspringenden Felsens des rechten
Ufers; der die Abdrücke enthaltende graue dünngeschichtete thonig-glimmerige Sandstein scheint mit
grauen und grünlich-grauen Thonschiefern, Conglomerat und verschiedenen Kalksteinen eine Folge zu
bilden; in den Kalksteinblöcken des Schutthaufens wurden Korallen und Bruchstücke von Crinoiden
bemerkt; unter den Kalksteinen liegen dunkelgraue Thonschiefer, welche NW 290— 295° streichen und
NO < 40—45° fallen. Diese älteren Gesteine bilden die Achse eines Gebirgszuges, dessen Gehänge von
einer sehr mächtigen (minimum 1000’) Folge von rothen Conglomeraten, Sandsteinen und Schieferthon
überdeckt sind, welche auf den älteren Gesteinen transgressieren und wahrscheinlich mesozoisch oder ter-
tiär sind; die älteren Gesteine notierte ich im Tagebuche als Carbon. Obr. — Coll. Obr. Nr. 1889 b.
Geologisches Alter: Carbon.
Lepidodendron-Knorria.
Taf Il, Rie. 1.
Ein gewölbter Steinkern, gebildet aus grauem feinkörnigen Sandsteine, mit stark verwaschener Öber-
fläche, welche eine schuppige Textur zeigt. Die dachziegelig stehenden Blattpolster zeigen nur mehr an
wenigen Stellen die Blattspur. Sie sind zumeist 6°'7 mm lang und 5 mm breit, öfter auch innerhalb der
angegebenen Werte von gleicher Länge und Breite.
Die allgemeinen Merkmale weisen auf den Typus der Knorria imbricata (Sternb.) Goep., wie sie
7.B. bei Schimper? abgebildet ist. Wegen der abweichenden Maßverhältnisse kann freilich das Handstück
“
1 Potonie, Pflanzenpaläontologie, 2. Lieferung, 1897, S. 160 f.
2 Grand Eury, 1.c. Taf. 33, Fig. 7.
3 Schimper, Traite de la paleontolog. vegetale. Atlas (1874), Taf. 45, Fig. 6, ferner Schimper in Köchlin, Schlum-
berger et Schimper, Le terrain de transition des Vosges, Strassbourg 1862, Taf. 13, Fig. a.
A;
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 143
nicht gut als Knorria imbricata (Sternb.) Goep. bezeichnet werden. Es kommt offenbar eine Lepido-
dendron-Art mit nahezu isodiametrischen Blattpolstern in Betracht. Von diesem Gesichtspunkte aus sind
die ähnlichsten Reste, welche ich ausfindig machen konnte: Lepidodendron latifolium Lesg.! und Z. qua-
dratum (Presl) Schimp.?
Lepidodendron latifolium Lesgq. besitzt Blattpolster von 9—10 mm Länge und 9 mm Breite, bei
L. quadratum (Presl.) Schimp. (= L. tetragonum Gein.)? bilden sie im Umrisse einen Rhombus von
cca. Smm oder cca. 12 mm Länge der Diagonalen.
Die Zugehörigkeit des im Obigen beschriebenen Lepidodendron-Erhaltungszustandes zu einer der
erwähnten Lepidodendron-Arten kann natürlich nicht geradezu behauptet werden, doch ist es allerdings
nicht unwahrscheinlich.
III. Gebirge Tung-shan.
Südlich von Urumtsi.
Dieses Gebirge umrandet von Süden die Bucht von Urumtsi im Ost-Tien-shan und bildet die west-
lichen und west-süd-westlichen Ausläufer der hohen Gruppe des Bogdo-ula; die große Straße nach lli
kreuzt dieses Gebirge zwischen den Stationen Jen-dsche-tung und Tscha-ssa; das Gebirge besteht aus
niedrigen Ketten felsiger Hügel mit trockenen Längsthälern zwischen denselben; die südlichsten Ketten
sind aus carbonischen grün-grauen Sandsteinen und Schieferthonen aufgebaut; jenseits der kleinen Station
Dschi-dschi-ssu folgen die mittleren Ketten, ebenfalls aus carbonischen grauen und grau-grünen Sand-
steinen, Mergeln und Schieferthonen, hie und da mit undeutlichen Pflanzenabdrücken; das Handstück
Nr. 2738 stammt vom nördlichen Abhange der zweiten Kette jenseits der genannten Station; der grau-
grüne kalkige Sandstein mit den bestimmten Pflanzenabdrücken liegt zwischen grauen härteren Sand-
steinen auf dem Abhange eines kleinen Hügels rechts vom Wege; die Schichten streichen WNW bis NNW
und fallen SW unter verschiedenen Winkeln. Obr. — Coll. Obr. Nr. 2738.
Die Abdrücke finden sich in einem graugrünen kalkigen Sandsteine. Nur geringe Spuren des Kohle-
beleges sind erhalten. Auf derselben Platte liegen ein beblätterter gabliger Zepidodendron-Zweig und Frag-
mente von Cordaites-Blättern:
Lepidodendron conf. Haidingeri Ettingsh.,
Cordaites conf. principalis (Germ.) Geinitz.
Geologisches Alter: Oberes Carbon.
Lepidodendron conf. Haidingeri Ettingsh.
af. I Big: 1l
Neben dem Abdrucke eines ansehnlichen gegabelten beblätterten Zweiges sieht man noch drei klei-
nere Abdrücke, welche einzelne Details besser erkennen lassen. Der Erhaltungszustand ist leider nicht
derart, dass die Beschaffenheit der Blattbasis genau festgestellt werden könnte. Mit voller Sicherheit sind
nur Stellung, allgemeine Form und Nervatur der Blätter zu beobachten.
An dem Sprossende sind die steifen einnervigen, allmählich zugespitzten Blätter dicht gedrängt, in
schraubiger Anordnung. Sie besitzen eine verdickte Basis. Ihre Länge beträgt cca. lö mm, die Breite cca.3 mm.
Gegen die Basis des Sprosses finden sich undeutliche Blattpolster von der Form derer von Lepidodendron.
Ihr verkehrt eiförmiger, etwas verkürzter Umriss deutet auf die Verwandtschaft (Formverwandtschaft) mit
| 1 Lesquereux, Atlas to the Coal-Flora of Pennsylvania and of the carboniferous formation throughout the United States.
| Harrisburg 1879. (Sec. Geolog. Surv. of Pennsylvan-Rep. of Progr. P.) Taf. 63, Fig. 7, 8.
2 Schimper, Traite... Atlas, Taf. 60, Fig. 9, 10. Diese Figuren sind nur Theile der Originalabbildungen aus: Geinitz:
»Darstellung der Flora des Hainichen-Ebersdorfer und des Flöhaer Kohlenbasins«. Atlas (1854), Taf. 3, Fig. I und 2.
3 Vergl. Schimper, Traite II (1870— 1872), S. 37.
144 Fridolin Krasser,
Lepidodendron Haidingeri Ettingsh. Die fast punktförmigen Narben, welche für die genannte Art charak-
teristisch sind, konnten zwar nicht constatiert werden, da am vorliegenden Abdrucke die Narben infolge
des schlechten Erhaltungszustandes nicht zu sehen sind. Es muss daher darauf hingewiesen werden, dass
auch mit Zepidodendron elegans Brongn. (Histoire des Vegetaux foss. I], Paris 1837, Taf. 14) und ZL. gra-
cile (ebenda Taf. 15) habituell große Ähnlichkeit besteht.
Nach genauer Vergleichung neige ich mich indes doch der Ansicht zu, dass es sich um den Typus
L. Haidingeri Ettingsh.! handelt. Die beste Übereinstimmung zeigte insbesondere die von Zeiller®
gegebene Abbildung dieser Art nach Abdrücken aus den Kohlengruben von Bully-Grenay »fosse Nr. 7,
veine Christian (Pas de Cais)«.
Auch isolierte Lepidophytenblätter von mehr als 100 mm Länge finden sich. Sie sind gleichfalls
allmählich zugespitzt, von einem kielförmigen Hauptnerven durchzogen. Einige scheinen mit den Polstern
der basalen Region des eben beschriebenen Gabelzweiges im Zusammenhange zu stehen.
Cordaites conf. principalis (Germ.) Geinitz.
Taf. I, Fig. 2.
Zwischen je zwei stärkeren Nerven sind zwei zartere eingeschaltet. Das Fragment lässt erkennen
dass es sich um große Blätter mit fast parallelen Rändern handelt. Das Vorhandensein der Zwischennerven
ist nur an einzelnen Stellen deutlich sichtbar.
IV. Schlucht beim Dorfe San-schi-li-pu.
China, Schen-si, Schlucht unterhalb des Dorfes San-schi-li-pu. Dieser Fundort befindet sich im nörd-
lichen Theile der Provinz Schen-si am Wege von der Stadt U-pao (am Gelben Flusse) nach Sui-te-tschou,
etwa 12— 15 km nordöstlich von der letzteren Stadt; die Schlucht eines kleinen Baches, längs welcher der
Weg führt, ist in eine mächtige Folge von grünlichen Sandsteinen und graugrünen Schieferthonen und
Mergeln eingeschnitten, die den obengenannten (in Nr. 430) Überkohlenschichten angehören. Die Hand-
stücke mit den Pflanzenabdrücken stammen von einigen großen Blöcken, die lose am Grunde der Schlucht
lagen, aber das Gestein ist dem an den Abhängen anstehenden sehr ähnlich und die Größe der Blöcke
deutet darauf, dass sie nicht aus großer Entfernung stammen können. Die Überkohlenschichten in Nord-
Schen-si sind schwach dislociert und sind zweifellos jünger als Carbon, wahrscheinlich mesozoisch; sie
erstrecken sich weit nach Westen, wo immer jüngere Horizonte erscheinen und gehen nach Osten über
den Gelben Fluss nach Schan-si, wo die älteren Horizonte vorwalten und bei der Stadt Liu-ling-tschönn
unter denselben carbonische kohlenführende Ablagerungen hervorkommen.
Es scheint mir wahrscheinlicher, dass die Pflanzenabdrücke 489 c einem Horizonte angehören und
also ein und dasselbe Alter haben; aber es ist nicht ausgeschlossen, dass der Block mit Cordaites aus
älteren Schichten stammt und dass die Blöcke z.B. zu Bauzwecken von Menschen aus einiger Entfernung
transportiert wurden und zufällig an diesem Fundorte zusammenkamen und liegen blieben. Obr. —
Coll. Obr. Nr. 489 c.
Die Abdrücke von San-schi-li-pu sind von besonderem Interesse, weil sie auf das Vorhandensein
von Schichten, welche dem Gondwana-System angehören, schließen lassen.
Geologisches Alter:
l. »Middle Gondwäna«, (Trias) bestimmt durch Danaeopsis Hughesii Feistm.;
2. unterer Theil der Glosopteris-Facies (wohl Perm): bestimmt durch Cordaitaceenblätter. ?
1 Ettingshausen, Steinkohlenflora von Radnitz (1854), Taf. 22 und 23.
® Zeiller, Bassin houill. de Valeneienne, Atlas (1886), Taf. 69. Fig. 1.
® Vor der Kenntnis der näheren Angaben Obrutschew 'S über die Fundstätte und bevor ich Danaeopsis Hughesii Feistm.
erkannt hatte, konnte ich natürlich die Cordaitaceenblätter führenden Schichten lediglich als paläozoisch bezeichnen. Danaeopsis
Hughesii sah ich anfänglich als ? Danacopsis marantacea (Presl) Heer an und bezeichnete die betreffenden Schiehten demgemäß als
? Keuper.
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 145
Cordaitaceenblätter.
Taf. II, Fig. 2, 3.
Vier Fragmente von Cordaitaceenblättern. Größte Breite 26 mm. Nerven gleich stark, ohne Zwischen-
nerven, etwa 36. Bei einem Fragment beträgt die größte Breite nur 17 mm. Der Kohlebelag ist dünn, die
Nerven erscheinen stellenweise aus ihrer natürlichen Richtung verschoben. Der Abdruck ist faltig. Diese
Erscheinungen deuten darauf hin, dass es sich um parenchymreiche, stark macerierte Blätter mit stark
cuticularisierter Epidermis handelt.
Die Blätter gehören entweder zu Cordaites oder, falls die Nerven wiederholt gegabelt sind, wovon
ich mich jedoch nicht überzeugen konnte, zu Noeggerathiopsis Hislopi (Bunb.) Feistm. Diese Reste
werden bekanntlich gegenwärtig zu den Cordaitaceen gestellt. Sie sind für den unteren Theil der Glosso-
pteris-Facies charakteristisch. Noeggerathiopsis Hislopi (Bunb.) Feistm. wurde in der Gondwana-Flora
nach zahlreichen Abdrücken abgebildet.! Sie wurde später auch von Zeiller? aus den kohleführenden
Schichten von Tong-king angegeben.
Danaeopsis Hughesii Feistm.
- Taf. II, Fig. 4.
Zu dieser Art gehören der Abdruck eines Blattstückes und eines Blattstielfragmentes, welches auf
derselben Platte gelblich grauen Sandsteines neben ersteren wahrzunehmen ist. Das Blattfragment gelangte
erst in sehr stark maceriertem Zustande zur Einbettung. Darauf deuten die Spaltung der fiedertragenden
Achse und die Faltungen der Assimilationsflächen. Durch diesen Umstand ist auch die Deutlichkeit der
Nervatur beeinträchtigt.
An dem Blattfragment kann man deutlich eine ziemlich vollständige Fieder und die Ansatzstelle der
alternierenden erkennen. Die Achse und der Mittelnerv der Fiedern sind scharf ausgeprägt. Letzterer
zweigt bogig von der Achse ab, misst am Grunde 2 mm und verschmälert sich erst gegen die Fiederspitze
merklich. Die Basis der Fieder zieht sich an der Achse zur nächsten Fieder herab. Die Randlinie ist nur
theilweise gut erhalten, jedoch so, dass man unzweifelhaft feststellen kann, dass es sich um eine ganz-
randige Fieder handelt. Sie ist bis zu einer Länge von 62 mm erhalten. An der Abbruchstelle beträgt ihre
Breite 17 mm, sonst, von der Basis abgesehen, 23 mm. Die Abbruchstelle lässt erkennen, dass das Fieder-
ende leicht aufwärts gekrümmt war. Die Nervation stimmt an den Stellen, an welchen sie deutlich erkenn-
bar ist, genau mit der von Feistmantel? gegebenen Darstellung überein. Das Gleiche gilt für die mit-
getheilten Dimensionen, welche sich an vielen der zahlreichen Abbildungen * von Danaeopsis Hughesii
Feistm. finden.
V. Kohlengruben beim Dorfe Hsü-kia-ho.
China, Sz’-tschwan, Ufer des Flusses Kia-ling-kiang beim Dorfe Hsü-kia-hö in den südlichen Vor-
bergen des Tsin-ling-shan.
Die Abdrücke stammen aus alten Halden der Kohlengruben, welche auf den Hügeln östlich vom
Dorfe gelegen sind; die schwarz-grauen Mergel und mergeligen Sandsteine mit den Pflanzenabdrücken
bilden offenbar das Hangende oder das Liegende des Kohlenflötzes, vielleicht auch Zwischenschichten in
dem Flötz selbst und werden mit der Kohle aus den Gruben gebracht. Unter dem Flötz kommen harte
1 Die Art wurde zuerst von Bunbury (Quarterly Journ. Geol.-Soc. London, Vol. XVII (1861), S. 334, Taf. X, Fig. 5) beschrie-
ben, und zwar als Noeggerathia ? (Cyelopteris?2) hislopi. Näher studiert wurde sie von Feistmantel, The foss. Flora of the Gond-
waäna System III 1. (1879), S. 22 ff., Taf. 19, Fig. 1—6; Taf. 20, Fig. 1, 1a und anderen Stellen dieses großen Werkes, insbesondere,
Bd. IV, S.40 ff., Taf. 9, Fig, 1—3; Taf. 13, Fig. 2—4 u. s. w.
2 Zeiller, »Examen de la flore fossile des couches de charbon du Tong-King«, Ann. des Mines, livr. de septb.—octb. 1882,
E S.25, Taf. 12.
3 Feistmantel O. in Rec. Geol. Surv. India Vol. VIII Part. 3 (1880), S. 187 und in The foss. Flora of the Gondwana Syst,
Vol. IV (1886), S. 25—27.
4 The foss. Flora of the Gondwäna Syst. Vol. IV, Taf. 4—7; 8, Fig.1,5; 9, Fig. 4, 10; 17, Fig. 1; 18, Fig. 2; 19, Fig. 1, 2.
7
gelbe Schieferthone mit Knollen von Thoneisenstein zutage, oberhalb liegt eine über 100 m mächtige
Folge von grobem Conglomerat, welcher steile Felsen und Wände über den Kohlengruben bildet. Die
Schichten streichen O—W und fallen S < 20—25°. Ich zählte zwei Flötze, jedes etwa 3—4’ mächtig,
getrennt durch eine Zwischenschicht von 1—1!/s; m mergeligen Sandsteines. Diese Gruben wurden auch
von F. v. Richthofen besucht. Obr. — Coll. Obr. Nr. 1758 c, d.
Aus dem schwarzgrauen Mergel dieser Localität liegen in mehreren Stücken Equisetaceenreste (Coll.
146 Fridolin Krasser,
Obr. Nr. 1758 c) vor. Im schwarzgrauen mergeligen Sandstein fand ich Podozamites lanceolatus distans
Heer (Coll. Obr. Nr. 1758 d) vor.
Geologisches Alter: Rhät.
Equisetaceenreste.
Taf. III, Fig. 1, 1a, 2, 3, 3a.
Mehrere Bruchstücke von Abdrücken dickerer Stengeltheile von cca. 60 mm Breite. Die Rippen sind
3/, mm von einander entfernt und verlaufen in den Internodien parallel und alternierend. Man kann daher
an drei Stücken sichtbar, zickzackförmige Nodiallinien beobachten. Der Knoten ist auch durch einen 6 mm
breiten flachen Eindruck markiert. Narben sind nicht mit Sicherheit zu beobachten. Die Reste gehören
wohl zu Schizoneura. Ein Rest (Fig. 3) zeigt auch die Blätter.
Podozamites lanceolatus distans Heer.
Taf. IV, Fig. 1.
Ziemlich wohl erhaltene Abdrücke auf einer der beiden Platten: Fragment des oberen Endes eines
Blattes mit drei Fiedern und der Spindel. Die Abdrücke stimmen sehr gut mit den von Heer, Juraflora
Östsibiriens und des Amurlandes, Taf. 27, Fig. 3 und 4 gegebenen Abbildungen überein.
In der Collection Richthofen? erkannte Schenk zwei neue Arten: Macrotaeniopteris Richthofeni
Schenk und Oleandridium eurychoron Schenk, außerdem fand er Anomozamites sp. und Podozamites
lanceolatus Heer var. genuina und var. intermedia.
VI. Kohlengruben am Südabbruche des’ Gebirges Tyrkyp-tag.
Nördlich von Liuk-tschun, am Ausgange der Schlucht von Lemdjin.
Dieses Gebirge bildet die nördliche Umrandung der Senke von Liuktschun am Südfuße des Ost-
Tien-shan und ist durch einen großen Bruch mit Absenkung des südlichen Flügels geschaffen; die Kohlen-
gruben befinden sich auf dem rechten Abhang der Mündung einer Schlucht, welche das Gebirge durch-
quert und sich bei dem Dörfchen Syrkyp in die Liuktschun-Senke öffnet. An diesem Abhang bei dem
Dörfchen erscheinen ganz unten die sandigen Mergel 2694 a, mit dünnen Kohlenschichten wechsellagernd;
sie bilden eine Schicht von 2—3’ Mächtigkeit, deren Liegendes grauer thoniger Sandstein 2694 5 ist und
deren Hangendes, ein gelblich-grünlicher Mergel 2694 c, ebenfalls Pflanzenabdrücke enthält; die Schichten
streichen NW 275° und fallen NO < 25°, so dass südwestwärts der Mergel @ immer höher am Abhange
emporsteigt und auf einer Höhe von 50—70 m über dem Dörfchen dickere Kohlenflötze enthält, die
abgebaut werden. Die Schichten a, b, c bilden nur den unteren Theil einer mächtigen Folge von bunten
Sandsteinen, Schieferthonen und Mergeln jurassischen Alters, die das Gebirge aufbauen und weiter nörd-
lich noch von rothen Gobi-Ablagerungen überlagert werden. Obr. Coll. Obr. Nr. 2694 a, b und c.
Die im Nachstehenden beschriebenen Reste kommen theils in einem gelblich-grünlichen Mergel, theils
in einem braunen Mergel vor. Alle Abdrücke haben einen gut erhaltenen Kohlebelag. Im braunen Mergel
! Siehe Richthofen, China Bd. II, S. 603 und Bd. IV, S. 256— 259 und Taf. 51, Fig. 4—8.
® Schenk in Richthofen’s »China« Bd. IV, S. 256 ff und Taf. 51, Fig. 4—8.
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 147
sind die Kohlebeläge stärker als bei denselben Arten im gelblichgrünlichen Mergel, wo sie infolge stär-
kerer Maceration der abgelagerten Pflanzentheile hautartig dünn sind. Die Hauptmasse der Reste bilden
Blattabdrücke von Phoenicopsis-Arten.
Geologisches Alter: Brauner Jura.
Phoenicopsis media n. sp.
Taf. III, Fig. 4, 4m.
Fragmente einfacher, von 11 gleich weit von einander abstehenden gleichstarken parallelen Längs-
nerven durchzogener Blätter von lederiger Consistenz. Die Entfernung der äußersten Nerven vom Blattrand
entspricht der Entfernung der Nerven von einander. Zwischennerven fehlen.
Die Blätter sind theils in deutlich fächerförmig ausstrahlenden Gruppen von 5—6 Blättern, theils in
Fragmenten von scheinbar wirr durcheinander liegenden Blättern erhalten. Nähere Betrachtung lehrt indes,
dass es sich um die Reste von übereinander und durcheinander geschwemmten Büscheln fächerförmig
angeordneter Blätter mit sehr stark verschmälerter Basis handelt.
Die größte Breite der vorhandenen Fragmente schwankt zwischen 6 mm und S mm, der häufigste
Wert ist 6 m. Bei starker Lupenvergrößerung oder bei der mikroskopischen Untersuchung (schwaches
System und Oberlicht!) sieht man die durch Schrumpfung und Maceration eingetretene Runzelung, sowie
die zellige Structur des Kohlebelages. Auf diese Art konnte auch das Fehlen der Zwischennerven sicher-
gestellt werden.
Bislang ist die Gattung Phoenicopsis nur im braunen Jura! gefunden worden. Sie wurde bekanntlich
von Heer in seinen »Beiträgen zur Jura-Flora Ostsibiriens und des Amurlandes«? aufgestellt. Bisher sind
beschrieben worden: ?
Phoenicopsis angustifolia Heer, l.c. p. öl,
» lanoy Eeer, |l.c.p. 112,
» speciosa Heer,tl.c.p. 113.
Die Unterschiede ergeben sich aus der nachfolgenden Zusammenstellung der Merkmale, welche auf
den Angaben Heer’s beruht. Vergl. auch die schematische Darstellung auf Taf. III, Fig. a, /, m, s, £.
Größte Breite Nesrysazibener
angustifolia eirca 4 mm 6—8 Längsnerven ohne Zwischennerven
speciosa eirca 7—8 mm 15 (vereinzelt 20— 23!) Längsnerven, je 1 Zwischennerv
latior eirca 12 — 13 mm 23 Längsnerven mit je 1 Zwischennerv
1 Schenk in Zittel’s Handbuch der Paläontologie, II. Bd., S. 268.
2 Heer, »Beiträge zur Jura-Flora Ostsibiriens und des Amurlandes«. Mem. Acad. St. Petersbourg, VII. Ser., T. XXI
(1876), p. 49.
3 Es ist hier nur die Stelle citiert, an welcher Heer die einzelnen Arten aufstellte. Weitere Ausführungen Heer’s sind leicht
aus Malloizel, Oswald Heer, Bibliographie et table iconographiques, Stockholm 1887, p. 140—141 zu entnehmen.
4 Nathorst (»Floran vid Bjuf«, S. 12, 96 und 125, Taf. 25, Fig. 25, 26) gibt zwar für das skandinavische Rhät auch eine
» Phoenicopsis efr. speciosa Heer« an, indes es bezieht sich diese Angabe auf Abdrücke, welche derselbe Autor 1. c. S. 12 als » Phoe-
nicopsis primaeva Nathorst« und in »Floran vid Höganas« S. 28, Taf. II, Fig. 13 als Podozamites poaeformis Nath. bezeichnet.
Wenn auch Nathorst > Flora vid Bjuf«, S. 96, die angezogenen Citate vereinigt, so kann doch erst durch künftige Untersuchungen
unzweideutigeren Materiales die Frage erledigt werden, ob Phoenicopsis-Arten nicht schon in der Rhätflora aufgetreten seien.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 20
%
148 Fridolin Krasser,
Da die Specimina von Syrkyp-tag bei einer größten Breite! von 6—8 mm 11 Längsnerven ohne
Zwischennerven besitzen, so kommun sie der Phoenicopsis angustifolia Heer nahe. Und weil die ange-
gebenen Zahlenverhältnisse an den gesammten bisher von anderen Localitäten untersuchten Exemplaren
nicht bekannt sind, ist es gerechtfertigt, auf diese Merkmale eine neue Art? zu gründen, welche passend
als Phoenicopsis media bezeichnet werden kann. Unsere Art käme, wenn Zwischennerven vorhanden
wären, der Phoenicopsis speciosa Heer sehr nahe, da sie jedoch Zwischennerven nicht besitzt, schließt sie
sich an Phoenicopsis angustifolia Heer an.
Die Phoenicopsis media mihi findet sich im gelblich-grünlichen Mergel. Mir liegen drei Handstücke
vor, welche ausschließlich mit ihren Abdrücken bedeckt sind.
Ginkgo sp. [efr. Huttoni (Sternb.) Heer].
Fragment eines Blattes, welches außer der Nervatur noch die lederige Textur gut erkennen lässt
Art unbestimmbar, jedoch vermuthlich vom Typus des G. Huttoni (Sternb.) Heer.
Im braunen Mergel, zusammen mit Ozekanowskia rigida Heer.
Trichopitys setacea Heer.
Taf. II, Fig. 6.
Spärliche Reste dieser von Heer? von Ust Balei zuerst bekannt gemachten Art. Es sind nur einige
der haarfeinen gegabelten Lappen erhalten. Das Fragment kommt zusammen mit Czekanowskia rigida
Heer und Elatides auf einer Platte des braunen Mergels vor.
Czekanowskia rigida Heer.
Taf. II, Fig. 7, 8.
Im braunen Mergel fand sich eine Anzahl von Blattstücken dieser charakteristischen, welche alle
feineren Details, wie sie von Heer* für die Exemplare von Ust Balei und von der Kaja-Mündung
beschrieben werden, erkennen lassen. Sowohl die Mittelfurche, als die vier feinen Längsnerven sind zu
erkennen. Der Kohlebelag ist erhalten. Auf derselben Platte findet sich das oben erwähnte Fragment eines
Ginkgoblattes. ü
Elatides Heer.
Die Reste, welche hier unter dieser Bezeichnung festgehalten werden, sind leider von so wenig
guter Erhaltung, dass eine sichere Bestimmung nicht möglich ist. Einer von ihnen ähnelt am meisten Zla-
tides chinensis Schenk in Richthofen, China IV, S. 249 und Taf. 49, Fig. 6a. Dieser Rest stellt um eine
steife Achse schraubig angeordnete, verkehrt eiförmig elliptische, stumpfspitzige Nadelblätter von lederiger
Consistenz vor. Die Blättchen sind 6—7 mm lang, bei einer größten Breite von 2 mm. Nervatur ist nicht
mit Sicherheit zu beobachten, wohl lässt sich aber durch die Betrachtung mit der Lupe feststellen, dass
die Blätter Schrumpfungserscheinungen, die sich durch Längsfaltung bemerkbar machen, aufweisen. Das
1 Die »größte Breite« der Blätter kann meist nicht zweifelhaft sein, da bei allen Phoenicopsis die Blätter auf weitere Strecken
parallele Ränder besitzen. Liegen nur die basalen Enden der Blätter vor, dann wird die Bestimmung der Art allerdings schwieriger.
2 Ob wirklich eine »Art« im Sinne der recenten Systematik vorliegt, lässt sich natürlich nicht entscheiden, da eben nur
Blätter vorliegen. So manche phytopaläontologische Art, die nur auf Blattmerkmale gestützt war, hat sich schließlich als Formelement
des Laubes einer anderen erwiesen. Indes es ist, glaube ich, gerade im Interesse der wissenschaftlichen botanischen Erforschung
der fossilen Floren gelegen, zu unterscheiden, was sich unterscheiden lässt. Nur so wird die Fülle der fossilen Gestaltungen in Evi-
denz gehalten und bleibt übersehbar. Die in dieser Hinsicht beobachteten Thatsachen müssen in einer solchen Ordnung erhalten
werden, dass sie auffindbar bleiben für denjenigen, der sich mit allgemeineren Fragen (z. B. Phylogenie) befasst. Das wird aber nur
durch peinliche Unterscheidung des Ungleichen erreicht.
3 Heer, Beiträge zur Jura-Flora Ostsibiriens und des Amurlandes, S. 64, Taf. 1, Fig. 9.
4 Ibidem, S. 70 und Taf. V, VIund X.
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 149
Zweigstückchen ist 9 mm lang und trägt 5 Blättchen. Die Längsstreifung des Kohlebelages des Achsen-
abdruckes steht wohl mit der Ausbildung der Blattbasen im Zusammenhange. (Taf. II, Fig. 9, 9a, 10.)
Noch mehr verwischt aber reicher an Kohlenbelag sind andere Fragmente, welche dem Elatides fal-
cata Heer! sehr nahe kommen. Unverkennbar ist das Vorhandensein von sichelförmig gekrümmten neben
mehr geraden Blättern und die dichte Anordnung. Die Länge der beblätterten Ästchen beträgt 17, resp.
oO mm. Die besprochenen Abdrücke befinden sich auf einer Platte des braunen Mergels. (Taf. II, Fig. 11.)
VNU. Kohlengruben Tasch-kessi.
Südwestlich vom Dorfe San-to-ling, an der großen Straße von Hami nach Turlfan, am Südfuße des Ost-Tien-Shan.
Die Gruben liegen etwa 2—3 li südlich von der Straße in einer flach-hügeligen Wüste.
Die Handstücke mit den Abdrücken wurden in einem großen Tagebau gesammelt, welcher das
Kohlenflötz theilweise aufdeckt; sie stammen aus dem Hangenden des sehr mächtigen Flötzes; nach den
Aussagen der Grubenarbeiter soll das Flötz 60 2 mächtig sein; im Tagebau sind nur die obersten 6 m
entblößt. Das, Hangende besteht aus hellgrauem, ziemlich dünngeschichtetem, feinkörnigem, thonigem
Sandstein (Nr. 2589 a) mit schlecht erhaltenen groben Pflanzenrestenstämmen, Ästen, die besonders zahl-
reich gleich oberhalb des Flötzes sind; dieser Sandstein wechsellagert mit grauem sandigem Mergel, der
in eckige Stücke zerfällt und auch Pflanzenabdrücke enthält (Nr. 2589 D). Höher hinauf sieht man gelb-
lichen, weniger festen feinkörnigen Sandstein mit einzelnen auskeilenden Zwischenschichten von Conglo-
merat, dessen Geröll hauptsächlich aus rothem und schwarzem Porphyr besteht (der Porphyr bildet ein-
zelne Hügel in der Umgegend der Kohlengruben, ist also vorjurassisch); in diesem oberen Sandsteine und
Conglomerate sind auch Pflanzenabdrücke — verkohlte und versteinerte Stämme und Äste (Nr. 2589 d)
und kleine Kohlenschmitzen. Auf der unebenen erodierten Oberfläche dieser jurassischen Schichten liegen
transgredierend die tertiären Gobi-Ablagerungen — Sandsteine und Conglomerate, 2 m bis 6 m mächtig.
Die jurassischen Schichten streichen NO 80° und fallen SO < 20°, die Gobi-Ablagerungen liegen hori-
zontal. Obr. — Coll. Obr. Nr. 2589 a, b und d.
An diesem Fundorte kommen die Pflanzenreste theils in einem bräunlichgrauen Mergel, theils in
grauem, feinkörnigem, thonigem Sandsteine vor. Am bemerkenswertesten sind die Reste von Ginkgo, neben
welchem Phoenicopsis massenhaft vorkommt.
Bei allen Resten ist die Substanz noch als Kohle erhalten. Bei Phoenicopsis kann sogar nach ein-
facher Präparation die histologische Structur erkannt werden.
Geologisches Alter: Brauner Jura.
Phoenicopsis Heer.
Die Blattreste dieser Gattung sind in Tasch-kessi in großer Menge vorhanden. Sie repräsentieren
drei Arten: Ph. angustifolia Heer, Ph. taschkessiensis n. sp. und Ph. media mihi.
Phoenicopsis angustifolia Heer.
Taf. II, Fig. 5, Taf. III, Fig. 4a.
Zu dieser Art möchte ich die auf einer Platte mit Ginkgo Huttoni (Sternb.) Heer zusammen
liegenden Blattbruchstücke ziehen, deren Substanz als massiger Kohlebelag erhalten ist. Für die Bestim-
mung entscheidend ist der Abdruck eines mit fünf ausstrahlenden Blättern besetzten Kurztriebes.
Die Blätter sind nur in einer Länge von 16 mm bis zu 30 mm erhalten, verbreitern sich aus einem
0-5 mm breiten Grunde allmählich zu einem Durchmesser von = 4 mm und lassen sechs Nerven ohne
Zwischennerven erkennen. Andere Fragmente isolierter Blattstücke weisen bei einer Breite von 4 mm
Aarleer, l..c. Darf. 127 R1E./6:
20*
150 Fridolin Krasser,
sieben Nerven auf. Scheinbar breitere Blätter erweisen sich bei genauer Betrachtung als Gruppen von
zwei oder mehr mit vorstehenden Rändern übereinander lagernden Blättern. Es hängt dieses Verhalten
wohl mit der natürlichen Stellung derselben zusammen.
Die besprochenen Blätter sind in einem grauen feinkörnigen Sandsteine enthalten. Mit ihnen sind
die Blätter von Ginkgo Huttoni (Stern.) Heer eingebettet.
Phoenicopsis taschkessiensis n. Sp.
Taf. IV, Fig. 2, Taf. III, Fig. 4£.
Der Habitus der Blätter entspricht dem von Ph. angustifolia Heer. Die größte Breite beträgt jedoch
5--6 mm, und 6—7 parallele Längsnerven ohne Zwischennerven durchziehen das Blatt. Die Blätter
scheinen zu 5 bis 7 an den Kurztrieben gestanden zu sein. Ihre Länge betrug jedenfalls mehr als 100 mm.
Phoenicopsis taschkessiensis, so will ich diese neue Art nennen, liegt mir in Massen durcheinander-
geschwemmter 5—7 zähliger, fächerförmig ausstrahlender Blattbüschel in Gestalt von Abdrücken mit
dichter Kohlenrinde im schwarzgrauen Mergelschiefer vor.
Phoenicopsis media mihi. !
Abdrücke zahlreicher Blätter auf einer Platte von röthlich grauem Mergel. Der Kohlebelag ist ziem-
lich durchsichtig. Im Vergleiche zu Ph. angustifolia und taschkessiensis scheinen die Blätter von Ph. media
weniger lederig gewesen zu sein, da sie einen durchsichtigeren Kohlebelag besitzen. Sowohl die Beleg-
stücke vom Tyrkyp-tag, als die von Tasch-kessi lassen ohne weitere Präparation eine mikroskopische
Beobachtung der Kohlebeläge — man kann sie leicht abheben — im durchfallenden Lichte zu.
Ginkgo L.
Diese Gattung ist durch mehrere Blattfragmente vertreten, deren Artbestimmung zwar wegen des
schlechten Erhaltungszustandes eingehenderer Begründung bedarf, aber dennoch genügend sichergestellt
werden konnte.
Sämmtliche Arten sind in einem grauen feinkörnigen Sandstein enthalten. Der Kohlebelag ist auf der
einen Platte ziemlich verwischt, auf der anderen sehr gut erhalten. In beiden Fällen ist die dichotomische
Nervatur deutlich erkennbar. Es liegen die Reste von vier Blätttern vor. Zwei davon waren, als sie unter
die Bedingungen der Fossilification gelangten, stark maceriert; die Conturen der Lappen sind aus diesem
Grunde theilweise unklar.
Nach meinem Dafürhalten gehören die Ginkgoblätter von Tasch-kessi zwei Arten an: G. Huttoni
(Sternb.) Heer und G. Schmidtiana Heer.
Ginkgo Huttoni (Sternb.) Heer.
Taf. IV, Fig. 3, 4.
Ein Blatt mit 6 Lappen von 8—10 mm größter Breite. Die Lappen durch tiefe Einschnitte getrennt
Längsdurchmesser der Blattspreite 46 mm. Blattstiel länger als 35 mm, 1:5 mm dick. Die Lappen stumpf
zugespitzt (und vielleicht durch seichte Einschnitte getheilt. In den einzelnen Lappen 10 Nerven, respective
Nervenäste. Die Nerven, respective Nervenäste äquidistant, 1'5 mm von einander entfernt.
Bei der Bestimmung von Ginkgo Huttoni (Sternb.) Heer, G. digitata Heer und G. sibirica Heer
in Betracht. Die angeführten Details weisen auf G. Huttoni oder doch wenigstens auf den Formenkreis,
welchen Heer? unter diesem Namen abbildet.
Ginkgo Schmidtiana und G. sibirica haben durchaus schmälere Lappen und weniger Nerven.
.-
! Vergleiche die ausführliche Beschreibung dieser Art, welche ich früher, S. 9, gelegentlich der Besprechung der Localflora
der »Kohlengruben am Südabbruch des Gebirges Tyıkyp-tag« gegeben habe.
2 Heer, ]. c. Taf. VII, Fig. 4 und Taf. 10, Fig. 8.
3
Ze a u
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 151
Zur selben Art gehört die auf einer anderen Platte erhaltene Blattbasis mit tiefer medianer Spal-
tung. An diesem Reste ist an der recsten Hälfte deutlich die Insertion der länglich ovalen, gegen den Blatt-
grund verschmälerten breiten Lappen ersichtlich. Der Blattstiel ist in einer Länge von 59 mm erhalten.
Nach den vorhandenen Fragmenten zu schließen, war das in Rede stehende Blatt größer als das oben
besprochene. Die Distanz der Nerven, respective Nervenäste beträgt = 2 mm. An dem einen Lappen
kann man 10 Nerven, respective Nervenäste wahrnehmen.
Auf demselben Stücke finden sich Phoenicopsis angustifolia Heer und Ginkgo Schmidtiana Heer.
Ginkgo Schmidtiana Heer.
Taf. IV, Fig. 5.
Ein unvollständiges Blatt ohne Stiel. Nur drei Lappen erhalten, von welchen der eine breitere 13 mm
in zwei getheilt ist. Von letzteren misst der eine in der größten Breite 75 mm, der andere 5 mm. Die
beiden schmäleren Hauptlappen zeigen 8 mm größte Breite. Die Anzahl der Nerven lässt sich durch
directe Beobachtung nicht genau feststellen.
Es sindndes in der Mitte des breiten Hauptlappens vor der Theilungsstelle 9 oder 10 Nerven, in den
schmäleren Hauptlappen 5—6 Nerven. Die Länge der Blattspreite beträgt mindestens 17 mm, wohl aber
um einige mehr. Die lederige Textur ist aus dem dichten Kohlebelag zu entnehmen.
Die beobachteten Maße passen am besten zu den von Heer, 1. c. S.60 beschriebenen und Taf. 13
abgebildeten Ginkgo Schmidtiana.
Hieher oder zu Ginkgo Huttoni gehören wohl auch die Lappenfragmente, welche rechts neben dem
oben beschriebenen ziemlich vollständigen Blatte von Ginkgo Huttoni liegen.
In Tasch-kessi wurde auch ein Steinkern gesammelt, dessen Oberfläche faserige Structur, einer
Holzfläche entsprechend, zeigt. Vom Holze ist nur ein zarter Kohlebelag vorhanden. In der peripheren
Partie des Steinkernes ist auch ein Streifen glänzender Schwarzkohle eingeschlossen. Leider ist die histo-
logische Beschaffenheit derselben nicht mehr zu erkennen.
Außer an den Orten, deren fossile Flora besprochen wurde, hat Obrutschew noch im Ost-Nan-
schan, südlich vom Dorfe Suan-ho-pu (China, Provinz Kan-su) und in einer Schlucht des Flusses Tau-ho,
oberhalb des Dorfes Tsa-ssa (China, Provinz Schan-si) die Reste fossiler Floren entdeckt. Bei Suan-ho-pu
liegen in violettschwarzen bituminösen Mergelschiefern, welche Auswitterung von Schwefel aufweisen,
gänzlich unbestimmopare Abdrücke von Stengelstücken. Bei Tsa-ssa sind die Pflanzenreste in graugrünen
harten Thonen, welche jedoch die sehr unangenehme Eigenschaft besitzen, äußerst leicht in kleine Stücke
zu zerfallen. Die vorliegenden Fragmente von Kohlebelägen dürften von Blättern herrühren, welche
vermuthlich parallelnervig waren. Ein Schluss auf das geologische Alter ist in den beiden Fällen ebenso
unmöglich wie die botanische Bestimmung.
152 Fridolin Krasser,
Übersichtliche Darstellung der Untersuehungsergebnisse.
Die einzelnen kleinen Localfloren, welche im Vorstehenden abgehandelt wurden, stellen sich in
kurzer Übersicht, wie folgt, dar:
Palaeozoicum.
I. Gebirge Ting-ing-pa-pan-shan, südlich von Kao-t’ei’ (Provinz Kansu).
Noeggerathia acuminifissa n. Sp.,
Cordaites a) vom Typus palmaeformis (Goepp.) Weiss,
b) » » borassifolius (Sternb.) Ung,,
Carpolithes (Typus von C. granulatus Grand Eury).
Carbon (vielleicht Devon?). — Coll. Obr. Nr. 2042 D.
Il. Tu-pe am Flusse Tao-ho (Provinz Kansu).
Lepidodendron-Knorria vom Typus der Anorria imbricata (Sternb.) Goepp. zu
einem Lepidodendron vom Typus des Z. latifolium Lesgq. oder L. guadratum
(Presl) Schimp. gehörig.
Carbon. — Coll. Obr. Nr. 1889 b.
Ill. Gebirge Tung-shan, südlich von Urumtsi.
Lepidodendron conf. Haidingeri Ettingsh.,
Cordaites conf. principalis (Germ.) Geinitz.
Oberes Carbon. — Coll. Obr. Nr. 2738.
Gondwana-System.
IV. Schlucht beim Dorfe San-schi-li-pu (Provinz Schen-si).
Untere Glossopteris-Facies (Perm): Cordaitaceenblätter (? Noeggerathiopsis hislopi (Bunb.) Feistm.).
Middle Gondwana (Trias): Danaeopsis Hughesii Feistm.
Coll. Obr. Nr. 489 c.
Mesozoicum.
V. Kohlengruben beim Dorfe Hsü-kia-hö am Flusse Kia-ling-kiang (Provinz Sz’-tschwan).
Equisetaceenreste (Schizoneura),
Podozamites lanceolatus distans Heer.
Rhät. — Coll. Obr. Nr. 1758 c, d.
VI. Kohlengruben am Südabbruch des Gebirges Tyrkyp-tag.
Phoenicopsis media n.Sp.,
Ginkgo sp. (conf. Huttoni |Sternb.] Heer),
Trichopitys setacea Heer,
Czekanowskia rigida Heer,
Elatides Heer, chinensis Schenk,
» falcata.
Brauner Jura. — Coll. Obr. Nr. 2694 a, b, c.
Fossile Pflanzen aus China und Central-Asien. 153
VIl. Kohlengruben Tasch-Kessi, südwestlich vom Dorfe San-to-ling am Rande der Hami-Wüste.
Phoenicopsis angustifolia Heer,
» taschkessiensis n. Sp.
» media F. Krasser,
Ginkgo Huttoni (Sternb.) Heer,
» Schmidtiana Heer.
3rauner Jura. — Coll. Obr. Nr. 2589 a, b, d.
Für die Wissenschaft neu sind: Phoenicopsis media, Ph. taschkessiensis und Noeggerathia acumini-
‚fissa. Von diesen neuen Arten ist Noeggerathia acuminifissa am interessantesten, weil sie jenem alten
Pflanzentypus angehört, der schon in vorcarbonischer Zeit als Archaeopteris eine hohe Entwicklung der
Gefässkryptogamen anzeigt. Die Lepidodendron-Knorria von Tupe, ferner die beblätterten Zepidodendron-
Zweige von Tang-shan und insbesondere die Abdrücke aus dem Gondwäna-System (? Noeggerathiopsis
und die Danaeopsis Hughesii Feistm.) von San-shi-li-pu, sowie die Ginkgo-Arten sind Reste, die aus
China und Cefltral-Asien bisher nicht bekannt waren.
154 Krasser, Fossile Pflanzen aus China und Centralasien.
Tafelerklärung.
Die Objecte sind in natürlicher Größe gezeichnet.
Die römischen Ziffern I—-VII sind Abkürzungen für die Fundortsbezeichnungen.
Es bedeutet:
I. Gebirge Ting-ing-pa-pan-shan, südl. von Kao-t'-ei (Prov. Kansu). Carbon (vielleicht Devon).
II. Tupe am Flusse Tao-ho (Prov. Kansu). Carbon.
III. Gebirge Tung-shan, südlich von Urumtsi. Oberes Carbon.
IV. Schlucht beim Dorfe San-schi-li-pu (Prov. Schen-si). Gondwana System.
V. Kohlengruben beim Dorfe Hsü-kia-ho am Flusse Kialing-kiang (Prov. Sz-'tschwan). Rhät.
VI. Kohlengruben am Südabbruch des Gebirges Tyrkyp-tag. Brauner Jura.
VII. Kohlengruben Tasch-Kessi, SW vom Dorfe San-to-ling am Rande der Hami-Wüste. Brauner Jura.
Die Seitenzahlen beziehen sich auf die vorliegende Abhandlung.
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Tafel 1.
. 1. Zepidodendron conf. Haidingeri Ettingsh.lll., S. 5 [143].
. 2. Cordaites principalis (Germ.) Gein. Ill., S. 6 [144].
. 3a bis 7. Noeggerathia acuminiffissa n. sp. 1., S. 3 [141].
. 35. Cordaites borassifolius (Sternb.) Ung.I., S. 4 [142].
.
- F.Krasser Fossile Pflanzen aus China u.Central-Asien.
Lith. Anstv. ThBannwarth.Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
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Tafel II.
Fig. 1. Lepidodendron Knorria vom Typus der Knorria imbricata (Sternb.) Goepp. II., S. 4 [142].
Fig. 2 und 3. Cordaitaceen-Blätter (? Noeggerathiopsis Hislopi (Bunb.) Fstm. IV., S. 7 [145].
Fig. 4. Danaeopsis Hughesii Feistm. IV., S. 7 [145].
Fig 5. Phoenicopsis angustifolia Heer VII., S. 11 [149].
Fig. 6. Trichopitys setacea Heer VI., S. 10 [148].
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Fig. 7 und 8. Czekanowskia rigida Heer VL, S. 10 1148].
Fig. 9, 9a und 10. Elatides chinensis Schenk VL, S. 10 [148]. — 9a ist 4 mal vergrößert.
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g. 11. Elatides falcata Heer. VI., S. 11 [149].
Lith. Anst v. ThBammwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd. LXX.
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F.Krasser Fossile Pflanzen aus Chinau.Central- Asien.
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Tafel II.
Fig. 1 bis 3a. Equiselaceenreste (Schizoneura) \., S. 8 [146]. — 1a und 3a sind 4mal vergrößert.
Fig. 4. Phoenicopsis media n. sp. Vl., S. 9 [147].
Fig. 4a, 1, m, s, t. Schematische Darstellung der Phoenicopsis-Arten. 3mal vergrößert. a=angustifolia, 1 = lalior, m —
media, s — speciosa, 1 = taschkessisiens, S.9 und 12 [147 und 150].
Taf. II.
F.Krasser Fossile Pflanzen aus China.u.Central-Asien.
Lith. Anst v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
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a Br: Fig. 1. Podozamites lanceolatus distans Heer V, S. 8 [146].
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I Fig. 2. Phoenicopsis taschkessiensis n. sp. VIL, S. 12 [150].
Br, Fig. 3 und 4. Ginkgo Huttoni (Sternb.) Heer. VII, S. 12 [150].
Fig. 5. Ginkgo Schmidtiana Heer. VIL,S. 13 [151].
F.Krasser Fossile Pflanzen aus China u.Central-Asien. Taf. N.
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'W. Liepoldt del u.lith.
Lith. Anst v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
Fu
EXPOSITIO PLANTARUM
IN
ITINERE SUO INDIGO ANNIS 1893194 SUSGEPTO COLLEGTARUM
SPECIMINIBUSQUE EXSICCATIS DISTRIBUTARUM, ADJECTIS DESCRIPTIONIBUS NOVARUM.
SERIES SECUNDA
HEPATICARUM PARTEM ALTERAM CONTINENS.
AUCTORE
V,SCHIFFNER.
ARBEITEN DES BOTANISCHEN INSTITUTES DER K. K. DEUTSCHEN UNIVERSITÄT IN PRAG.
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 12. OCTOBER 1899.
Hujus expositionis plantarım Indicarum series prima Academiae Caes. Scientiarum Vindo-
"bonensi die 2. Decembris 1897 submissa ef in tomo LXVII. Memoriarum publici juris facta est.
Continebat illa series prima Hepaticarum partem, nempe Marchantiaceas, Jungermaniaceas anakrogynas
necnon genera nonnulla Epigonianthearum e familia Jungermaniacearum akrogynarıum.
In hac serie secunda mihi enumerandae sunt species generum reliquorum Epigonianthearum,
‚nempe:
Syzygiella (species 2 et varietates 2)
Plagiochila ( » 53 > » 33)
Lophocolea ( » 12 » » 4)
Chiloscyphus( » 16 » » 20)
Saccogyna ( >» l >» » 4)
Jackillla ( » 2a M 2)
Sunt enim dispositae in hac serie secunda species 89 et varietates 64 et insuper formae complures
dignae dictu.
Speciebus novis 61 et varietatibus 38 in serie prima jam antea descriptis nunc adjungere mihi con-
tigit: genus novum |, species novas 47, varietates 59, quae hoc modo distributae sunt:
Species novae: Variet. novae: Species novae: Variet. novae:
_ Buhe® Chiloscypphus 10 19
28 29 Saccogyna — 4
6 4 Jackiella n. gen. 3 2
21
156 V. Schiffner,
Ut in serie prima etiam hoc loco synonymiam fusiorem apud species jam antea a claris auctoribus
descriptas iterum conferre nolui, quoniam in opere meo novissimo: »Conspectus Hepaticarum Archipelagi
Indici. — Bataviae 1808« synonyma omnia et operum citationes locupletissimae facile inveniuntur.
Specierum ingentis generis Plagiochilae (quod ad species Archipelagi Indici pertinet) novam dispo-
sitionem naturalem necessariam putavi, cum systemataSynopseosHepaticarum, cli.Sprucei aliorum-
que nequaquam cum affınitate naturali specierum corresponderent et etiam in praxi minimi valoris essent.
De abbreviationibus et signis videas pro&mium ad seriem primam hujus operis (loco supra cit.).
Specimina exsiccata plantarum in hac serie secunda nominatarum in opere meo:
»Iter Indicum 1893/94« jam mense Aprili hujus anni a me distributa erant.
Plantae Indicae. Series II. 157
JUNGERMANIACEAE AKROGYNAE.
Epigoniantheae (Pars altera).
92. Syzygiella variegata (Lndnb.) Spruce.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500m s. m. — 18.4. 18%4 (c. per.) (No. 607).
Ibidem: Alt. 1500 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et J') (No. 608).
*Ibidem: Alt. 1530 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 609).
*Ibidem: Alt. 1560 ın s. m. — 21. 4. 1894 (forma major, robusta) (No. 610).
Ibidem: Alt. 1570—1600 m s. m. — 21.4. 1894 (c. fr. et Z') (No. 611).
*Ibidem: Alt. 1590 m s. m. — 24. 4. 1894 (cum Plagiochila opposita g') (612).
Ibidem: Alt. 1645 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. Z') (No. 613).
Ibidem: Alt. 1670—90 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et Z) (No. 614).
Ibidem: Alt. 1760 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. 7) (No. 615).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1440 m s. m. — 28. 4. 1894 (pl. 7, forma fol. perigon.
pro more subdentatis) (No. 616).
Ibidem: Alt. + 1440 m s. m. — 28. 4. 1894 (pl. d') (No. 617).
*Ibidem: Alt. 1505 m s. m. — 1.5. 1894 (No. €18).
Ibidem: Alt. 1575—80 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. fr. mat. et 7) (No. 619).
*Ibidem: Alt. 1605 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. fr. mat.) (No. 620).
Ibidem: Alt. 1635—45 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. fr. et Z') (No. 621).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dictum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1670 m s. m. — 2.5. 1894 (c. per. jun.) (No. 622).
Ibidem: Alt. 1905 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 623).
Ibidem: Alt. 1940 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 624).
Java: Prov. Preanger.-Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas« ad arbores in silva. Regio nubium,
alt. 1560 = s. m. — 15. 2. 1894 (c. per. et J') (No. 625).
Ibidem: Alt. 1610 m s. m. — 15. 2. 1894 (c. per. jun.) (No. 626).
*Java: Prov. Preanger. In silva primaeva infra craterem »Kawah Manuk«. Regio nubium, alt = 1750
ad 1860 m s. m. — 12. 2. 1894 (No. 627).
Forma rubescens.
Colore plus minus rubro-fusco vel kermesino tincta; ceteris notis cum forma typica conveniens.
Java: Prov. Preanger. In Cinchoneto »Daradjat« prope Garut. Regio nubium, alt. + 1730 m s. m. —
12. 2. 1894 (c. per. et S) (No. 628).
Forma laxior. (Schffn., Üb. exot. Hep. p. 49, No. 117).
Differt a typo statura teneriore, foliis minoribus magis remotis. Folia involucralia valde variabilia,
integerrima vel dentibus pluribus magnis armata.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. 5. 1. 1894 (c. per. jun. et Z') (629).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1750 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 630).
21*
158 V. Schiffner,
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1730 m. s. m. — 2. 5. 1894. (c. fr. mat. et g.)
(Nr. 631).
*Ibidem: Alt. 1905 m s. m. — 2. 5. 1894. (pl. Z, cum forma typica) (Nr. 632).
Forma latifolia.
Differt a forma laxiore foliis multo latioribus, late ovatis.
*Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan. Regio nubium, alt. 1550 — 1650 m s. m.
— 14. 2. 1894 (c. per.) (Nr. 633).
Var. subdentata n. var.
Quoad habitum, magnitudinem coloremque cum forma rubescente convenines, folia autem fere
omnia truncato bidentula vel breviter unidentata. Cellulae angulis valde incrassatae, cuticula magis
scabra. Folia perigonialia truncato-bidentata, superiora subunidentata. A S. variabili primo visu distin-
guenda habitu, foliis densioribus duplo latioribus et cellularum angulis valde incrassatis.
Sumatra occeid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1640 m. s. m. — 24. 7. 1894. (pl. d') (Nr. 634).
93. Syzygiella variabilis (Sande Lac.) Schffn.
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum »Artja« in silva
primaeva. Regio pluvialis, alt. 1040 m s. m. — 7. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 635).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 1460 m s. m. — 21. 4. 1894. (No. 636).
Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 6837).
Ibidem: Alt. 1540-60 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per. jun. et d') (No. 638).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1430 m s. m. — 28. 4. 1894 (pl. Z)
(No. 639).
*Java: Prov. Preanger. Apud fontes calidos supra »Tjiburrum« prope Tjibodas. Regio nubium,
alt. 2140 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 640).
Plagiochilarum species Archipelagi Indici in systemate novo naturali dispositae:
Sectio I. Dentatae.
Folia alternantia dentata, rarius integerrima, dentes minus numerosi, inaequales, saepissime validi;
vitta basalis non definita. Amphigastria nulla (vel rarius rudimentaria). Cellularum structura firmiore, |
saepe opaca. Ramificatio dichotoma, subpinnata vel dendroidea. Perianthium saepissime alatum.
1. Typus: P. dendroides. P. securifolia N. ab E.
Pdendroides (N. ab EI) Erünk P. subintegerrima (Reinw.Bl., N. abE.) Dum.
2. Typus: P. frondescens. 3. Typus: P. Belangeriana.
P. frondescens (N. ab E.) Lndnb. P. Belangeriana Lndnb. |
P. propingua Sande Lac.
P. spathulaefolia Mitt.
P. laxissima n. Sp. P. fusca Sande Lac.
4. Typus: P. fusca.
nulla
Plantae Indicae. Serie II. 159
5. Typus: P. gymnoclada. P. oblongata Sande Lac.
P. truncatella Sande Lac.
P. gymnoclada Sande Lac.
P. revolutifolia n. Sp.
P. latiflora n. sp.
P. subtruncata n. Sp.
6. Typus: P. semialata. P. gracilis Lndnb. et Gott.
P. semialata Sande Lac. 10. Typus: P. Junghuhniana.
P. infirma Sande Lac.
P. Junghuhniana Sande Lac.
P. aberrans n. sp.
P. Massalongoana n. sp.
7. Typus: P. Ungarangana. P. stenophylla n. Sp.
P. Ungarangana Sande Lac. 11. Typus: P. calva.
P. angusta Lndnb.
P. repanda (Schwgr.) Dum.
.
8. Typus: P. obtusa.
P. opaca n. Sp.
P.calva (N. ab E.) Lndnb.
P. Tjibodensis n. sp.
P. obtusa Lndnb. 12. Typus: P. Javanica.
P. Tey ’ Sande Lac.
De ar P. Javanica Sande Lac.
P. Gottschei n. sp.
P. Treubii n. sp.
9. Typus: P. Jackii. P. pinnatiramosa n. Sp.
P. Celebica n. sp. (=P. Nepalensis Sande
P. Jackii n. sp. (inel. P. Salacensis Gott.). on unduh),
P. Padangensis n. Sp.
P. Peradenyensis n. Sp.
Sectio II. Oppositae.
Folia cauli lateraliter accumbentia, per paria connata. Amphig‘ nulla.
13. Typus: P. opposita.
P. opposita (Reinw., Bl. N. ab E.) Dum.
P. pachycephala De Not. (an sit forma P. oppositae?).
P. Brauniana (N. ab E.) Lndnb.
Sectio III. Abietinae.
Regulariter pinnatiramosae. Folia dentata aut ciliata, homomalla. Amphig. nulla. Perianthii ala
vel rudimentaria.
14. Typus: P. abietina.
P. abietina (N. ab E.) Lndnb. P. monticola n. Sp.
P. Gedeana n. sp.
Sectio IV. Denticulatae.
Vage ramosae vel subdichotomae. Folia saepissime homomalla, dense denticulata vel denti-
culato-ciliata, basi vitta e cellulis multo majoribus pellucidioribus notata. Textura firma. Amphi-
gastria nulla. Perianthium saepe elongatum, ala nulla vel rudimentaria.
15. Typus: P. nobilis. 16. Typus: ?. Levieri.
P. nobilis Gott. P. Levieri n. sp.
P. Beccariana n. sp. P. Sumatrana n. Sp.
160 V. Schiffner,
17. Typus: P. frapezoidea. 18. Typus: P. renitens.
P. trapezoidea Lndnb.
: P. renitens (N. ab E.) Lndnb.
P. intercedens n. Sp.
P. Korthalsiana Sande Lac.
Sectio V. Peculiares.
Habitu Denticulatis proximae sed differrentes foliis ciliatis et cellulis longis vermicularibus,
19. Typus: P. pecnliaris n. sp.
Sectio VI. Ciliatae.
Subsimplices vel pauciramosae. Folia remotiuscule ciliata, rarius apice denticulata basin versus
ciliata, basi ventrali non cucullata. Textura tenera, cellulis leptodermis pellueidis. Amphigastria nulla
vel rudimentaria.
20. Typus: P. acanthophylla.
P. singularis n. sp.
P. acanthophylla Gott.
21. Typus: P. blepharophora.
P. ciliata Gott.
P. blepharophora (N. ab E.) Lndnb.
P. Kuhliana Sande Lac.
P. Amboinensis Tay|.
Sectio VII. Cucullatae.
Differentes a Ciliatis foliorum basi ventrali cucullata et amphigastriis saepissime praesentibus et
bene evolutis. Folia in plerisque fragillima.
22. Typus: P. Sandei. . media n. Sp.
. Goethartiana n. Sp.
. mutabilis De Not.
. integrilobula n. Sp.
P. Sandei Dozy.
P. Stephanii n. sp.
23. Typus: P. Bantameusis. ee... Ni
. aurita Schffn. et Gott.
. Zippelii Sande Lac.
P. Bantamensis (Reinw. Bl. et N. ab E.) Dum.
P. lobulata n. sp.
ESS ESS EFT RUN SUR
94. Plagiochila dendroides (N. ab E.) Lndnb.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr, ad arbores. Regio
pluvialis, alt. 900 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. per.) (No. 733).
Ibidem: Alt. 1200— 1300 m s. m. — 5. 12. 18983 (c. per. et JS) (No. 734).
Ibdem: Alt. & 1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 735).
Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1505 m s. m. — 2. 5. 1894 (ei Meise) ELNK 786).
Plantae Indicae. Series II. 161
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1855 m — s. m. 2. 5. 1894 (c. per.)
(No. 737).
*Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas« in silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 1560 m s. m. — 15. 2. 1894 (pl. d') (No. 738).
Sumatra occid.: In faucibus »Aneh« ad pedem montis Singalang ad arborem cultiv. ad viam. Regio
calida, alt. 550 m s. m. — 21. 7. 1894 (No. 739).
*Sumatra occeid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2000 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 740).
Var. subtridentata n. var.
Folia haud raro, praecipue in planta fructifera apice tridentata, dentibus inaequalibus.
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan, in silva primaeva ad arbores. Regio nubium
alt. 1550 m s. m. — 14. 2. 1894 (c. per.) (No. 741).
95. Plagiochila frondescens (N. ab E.) Lndnb.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 742).
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 743).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad saxa. Regio nubium, alt. 1430 2 s. m. — 28. 4. 1894 (Status juvenilis) (No. 744).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1580 m s. m. — 2. 5. 1894 (Status
juvenilis) (No. 745). h
*Java: In monte Pangerango; supra Lebak-Saät ad arbores. Regio nubium, alt. 2200 m s. m. —
9. 5. 1894 (c. fr.) (No. 746).
Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores, alt. 2600 m s. m. — 9. 5. 1894. (ec. fr.)
(No. 747).
*Ibidem: Alt: 2750 m
S — 9. 5. 1894 (ec. per. et g') (No. 748).
Ibidem: Alt: 2820 m s.
S
— 9. 5. 1894 (c. per.) (No. 749).
Ibidem: Alt: 2950 mn — 9. 5. 1894 (c. per. et J) (No. 750).
*Ibidem: Alt: 2965 m s. m. — 9. 5. 1894 (pl. J) (No. 751).
Java: Prov. Preanger., In regione superiore montis ignivomi Gedeh ad arbores supra Kandang —
Badak. Regio alpina, alt. + 2500 m s. m. — 10. 7. 1894 (c. per. et d') (No. 752).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 2240 m s. m. — 25. 7. 1894 (pl. S) (No. 753).
Ibidem: Ad arbores. Alt. + 2300 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 754).
Ibidem: Ad arbores. Regio alpina, alt. 2430 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. fr.) (No. 755).
Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. = 2800 m s. m.
== 95. 7. 1894 (c. per.) (No, 756).
Var. diffusa N. ab E.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
.5= 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. per.) (No. 757).
*]bidem: Ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1200 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 758).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. per.) (No. 759)
Ibıdem: Alt. 1560 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per. et Z) (No. 760).
Ibidem: Alt. 1570 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 761).
333
un
r
j
“
162 V. Schiffner,
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 762).
*Ibidem: Alt. 1675 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. JS) (No. 763).
Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24, 4. 1894 (ster.) (No. 764).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1540 m s. m. — 28. 4. 1894 (No. 765).
*Ibidem: Alt, 1580 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per et Z') (No. 766).
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. d') (No. 767).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1685 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 768).
*Ibidem: Alt. + 1800 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 769).
*Tbidem: Alt. .1905 m s. m. — 2. 5. 1894 (N. 770).
Java: Prov. Preanger. Apud fontes calidos supra »Tjiburrum« prope Tjibodas ad arbores. Regio
nubium. alt. 2140 m s. m. — 2.5. 1894 (c. per et J') (No. 771).
*Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan. Regio nubium, alt. 1550 m s. m. — 14.2.
1894 (No. 772).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore in silva primaeva ad arbores. Regio
pluvialis. alt. 1300— 1400 m s. m. — 26. 7. 1894 (pl. JS) (No. 773).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1800 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 774).
*Ibidem: Alt. 2040 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 775).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 2200 m s. m. — 25. 7. 1894 (pl. 9) (No. 776).
*Ibidem: Ad Cinnamomi folium. Regio alpina, alt. + 2550 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 777).
Sumatra occid.: Ad decliv. oceid. montis ignivomi Merapi. In silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 1700 m s. m. — 30. 7. 1894 (ec. per.) (No. 778).
Ibidem: Alt. 1800— 1900 m s. m. — 30. 7. 1894 (No. 779).
Ibidem: Alt. 1960 m s. m. 30.7. 1894 (c. per. et J') (No. 780).
*Ibidem: Alt. 2050 m s. m. — 30. 7. 1894 (No. 781).
Var. tennerima N. ab E.
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient,, ad arbores. Regio
nubium, alt. 1720 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 782).
Ibidem: Alt. 1800 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. fr. mat.) (No. 783).
Ibidem: Alt. 1840 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 784).
*Ibidem: Alt. + 2000 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 785).
96. Plagiochila propinqua Sande Lac.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. per. et J') (No. 786).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 787).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt 1590 m s.m. — 24. 4. 1894 (pl. J') (No. 788).
Sumatra occid: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. — 2800 m s. m.
— 25. 7. 1894 (pl. Z) (No. 789).
Var. Singalangana n. var.
Major, quam forma typica, ad 15 cm longa, pluries dichotoma ramis elongatis subflaceidis caule
autem rigido. In statu sicco rufofusca et subnitens. A typo ceterum diversa foliorum caulinorum forma
F
basin versus latiorum (in typo basi aequilata vel subangustata sunt) necnon dentibus foliorum invo-
Plantae Indicae. Series II. 163
lucralium crebrioribus. — An sit species propria ad P. Belangerianam subaccedens?
Sumatra oceid: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1720 m s. m. 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 790).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 1760 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 791).
97. Plagiochila spathulaefolia Mitt.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dictum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1950 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per. et /)
(No. 792).
*Java: In monte Pangerango. Inter Lebak-Saät et Kandang-Badak ad arbores. Regio nubium, alt.
+ 2200 m s. m. — 9. 5. 1894 (pl. JS) (No. 793).
*Java: M monte Pangerango supra locum dietum »Kandang-Badak« in silva primaeva ad truncos
putridos. Regio alpina, alt. 2380 m s. m. — 9. 5. 1894 (No. 794).
Ibidem: Alt. 2520 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per. paucis) (No. 795).
Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2600 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. fr.)
(No. 796).
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh ad arbores. Regio alpina, alt.
— 2600 m s. m. — 10. 7. 1894 (c. per.) (No. 797).
Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. + 2800 m s. m.
— 25. 7. 1894 (paulo major, folia longiora, dentes folior. invol. et perianthii crebrioribus;
e> In) (NO-17,98): D
98. Plagiochila laxissima n. Sp.
Laxe caespitosa, rufescens. Caules ad 8cm longi, simplices vel dichotomi. Foliavalde remota,
distiche subrecte patentia, oblongo linearia plana, apice parum angustata, 2:5 mm longa, 0:75 mm lata, dorso
paulum decurrentia, basi ventrali non ampliata minime decurrentia, apice tantum inaequaliter grosse
dentatis, dentibus duobus ceteris majoribus. Cellulae rotundatae vel ellipticae, subnoduloso incrassatae
apicales 0'032 mm diam, basales fere duplo longiores. Cetera ignota.
Quoad foliorum formam P. frondescentis var. diffusa haud absimilis, sed primo visu distinguenda
ramificatione et areolatione. P. Massalongoana differt ramificatione pluries et regulariter dichotoma,
foliis multo densioribus oblique patentibus, basi ventrali breviter reflexis et cellulis multo minoribus
minus incrassatis.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango: in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1560 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 799).
Ibidem: Alt. 1760 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 800).
Ibidem: Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 801).
99. Plagiochila Belangeriana Lndnb.
Java: Prov. Batavia, In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. + 800 m s. m. -— 5. 12. 1893 (pl. Z‘, forma simplicior) (No. 658).
Ibidem: Alt. 900 m s. m. — 5. 12. 1893 (Eadem forma, pl. SZ) (No. 659).
*Ibidem: Alt. = 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (Eadem forma, pl. SZ) (No. 660).
Ibidem: Regio nubium, alt. + 1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (Eadem forma, pl. J) (No. 661).
Denkschriften der mathem.-naturw, Cl. LXX. Bd. 22
164 V. Schiffner,
Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1000 m
s. m. — 21. 1. 1894 (c. per. jun.) (No. 662).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (c. per. jun.) (No. 663).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per. et Z') (No. 664).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ab arborum truncos. Regio nubium, alt. 1500 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 665)
Ibidem: Alt. 1500 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. J') (No. 666).
Ibidem: Alt. 1540 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 667).
Ibidem: Alt. 1525 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 668).
Ibidem: Alt. 1545 m s. m. — 24. 4. 1894 (ce. per. et J') (No. 669).
Ibidem: Alt. 1560—1570 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 670).
Ibidem: Alt. 1586— 1600 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per. et J') (No. 671).
Ibidem: Alt. 1590 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. evol. et pl. £) (No. 672).
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 673).
Ibidem: Alt. 1630 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 674).
*Ibidem: Alt. 1670 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 675).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1590 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 676).
Ibidem: Alt. 1580— 1605 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per. et Z') (No. 677).
Ibidem: Alt. 1640 m s.m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 678).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore in silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 14— 1500 m s. m. — 26. 7. 1894 (ec. per. et S) (No. 679).
Var. rufescens n. var.
Differt colore dilutiore, saepe rufescente et cellularum angulis plus minus conspicuis ad valde
evolutis. Ceteris notis conveniens.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. = 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (c. per.) (No. 680).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores, Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per. et Z') (No. 681).
Var. brevifolia n. var. 1
Folia breviora, ad speciem latiora. Ceteris notis cum var. rufescente convenit.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. — 1400 m s. m. 5. 1. 1894 (No. 682).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1560 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 683).
100. Plagiochila fusca Sande Lac.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1630 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et £)
(No. 802).
Ibidem: Alt. 1640 m s. m. — 24. 4. 1894 (@& per. et J') (No. 803).
Ibidem: Alt. 1670 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 804).
*Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 805).
Ibidem: Alt. 1705 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 806).
Ibidem: Alt. 1710 m s. m. — 24, 4. 1894 (pl. Z) (No. 807).
Plantae Indicae. Series II. 165
*Ibidem: Alt. 1760 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 808).
*Ibidem: Alt. 1675 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 809).
Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1590 m s. m. — 2. 5. 1894 (ce. per. et J‘)
(No. 810).
Ibidem: Alt. 1640 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. Z) (No. 811).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt 1730 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 812).
Ibidem: Alt. 1840 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. d') (No. 813).
101. Plagiochila gymnoclada Sande Lac.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1350-1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (pl. Z) (No. 814).
Java: Pfov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (pl. £) (No. 815).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 816).
Ibidem: Alt. 1540—70 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 817).
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 818).
Ibidem: Alt. 1545 —90 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 819).
Ibidem: Alt. 1645—75 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et d') (No. 820).
Ibidem: Alt. 1701 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 821).
Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.)
2 (No. 822).
Ibidem: Ad saxa. Alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (No. 823).
Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1580 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. pei.) (No. 824).
Ibidem: Alt. 1635 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.) (No. 825).
*Ibidem: Alt. 1580 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 826).
*Ibidem: Alt. 1605 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 827),
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; im silvis primaevis supra locum
dictum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1670—85 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.
et J') (No. 828).
Ibidem: Alt. 1720 m s.m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 829).
Ibidem: Ad saxa. Alt. 1720 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 830).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 1730 m s. m. — 2.5. 1894 (ec. per,) (No. 831).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 2140 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. Z) (No. 832).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1800 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 833).
Ibidem: Alt. 1840 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 834),
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1950 m s. m. 25. 7. 1894 (pl. Z) (No. 835).
*Ibidem: Alt. 2050 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 836).
*Ibidem: Alt. 2120 m s. m. 25. 7. 1894 (No. 837).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
+
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1900 nm s.m. — 2.5. 1894 (c. per. et J)
(No. 838).
99%
5
E
166 V. Schiffmer,
Var. longifolia n. var.
Habitus et magnitudo omnino plantae typicae, sed folia !/, longiora apice dentibus crebrioribus
minoribus armata. Rami efoliati ut in forma typica.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1690 m s. m, — 2. 5. 1894 (No. 839).
Var. major n. var.
Differt a forma typica statura majore, foliis multo majoribus, defectu ramorum efoliosorum, spieis
g erassis, ore perianthii minus conspicue duplicato-dentato. Foliorum dentes et areolatio cum typo
conveniunt. An sit transitus ad P. latifloram, quae autem differt foliis caulinis et saepe etiam ramulinis
etiam in margine dorsali dentatis, perianthio latissimo. A P. fusca. quacum habitu valde similis est
recedit perianthii indole et cellulis multo minoribus, a P. Belangeriana cellularum angulis valde incras-
satis et ramificatione.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2360 m s. m. — 25. 7. 1894 (pl.:g) (No. 840).
Ibidem: Alt. 2400 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per. et J) (No. 841).
102. Plagiochila latiflora Schffn. n. sp.
Planta ad 10 cm longa cum foliis ad 9 mm lata, parce dichotoma, fuscescens, rigida. Folia late
semiovata, caulina ad 5 mm longa, 33 mm lata, ramulina similia sed multo minora, basi ventrali alte
rotundata vix protracta, parum decurrente, margine dorsali subrecto saepissime (semper in plantis @)
usque versus basin decurrentem dentato, apice rotundato et margine ventrali grosse et inaequaliter
dentatis. Cellulae ovales 0:025%x0'022 mm sinuosae, angulis nodoso-inerassatis. Perianthium terminale,
saepe innovatione suffultum, magnum latissime campanulatum multo latius quam longum, dorso
anguste alatum, ala paucidentata, ore latissime truncato-rotundato grosse dentatum, dentibus magnis
basi hic illic denticulo uno alterove auctis. Folia involucralia latissime semicordata, margine ventrali
apiceque grosse duplicato-dentata, dorsali valde reflexo remotissime dentata. Spicae 5 longae, crassae.
Affinis est P. gymnocladae sed differt statura multo majore, robusta rigidiore, foliis multo majoribus
saepissime etiam margine dorsali dentatis, perianthii majoris forma ejusque dentibus minus conspicue
duplicato-serratis, spicis 5’ 2—4plo majoribus et crassioribus necnon absentia ramorum efoliosorum.
Quoad habitum, magnitudinem, colorem foliorumque formam facillime commutanda cum P. fusca, quae
autem differt praeter alia perianthio et cellulis multo majoribus.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore in silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 14— 1500 m s. m. — 26. 7. 1894 (c. per.) (No. 842).
Ibidem: Alt. 1800 m s. m. — 26. 7. 1894 (No. 843).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2240 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 844).
103. Plagiochila semialata Sande Lac.
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 28. 4. 1894 (pl. Z, an huc
pertinens ?) (No. 845).
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan ad arbores in silva. Regio nubium, alt.
1550 m s. m. — 14. 2. 1894 (pl. SZ) (No. 846).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore in silva primaeva ad folia viva. Regio
nubium, alt. 14—1600 m s. m. — 26. 7. 1894 (c. per. jun.) (No. 847).
Plantae Indicae, Series I. 167
Ibidem: Ad arbores. Alt. 14— 1500 m s. m. — 26. 7. 1894 (c. per.) (No. 848).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1470 m s. m. — 24. 7. 1894 (est forma foliis brevioribus latioribus) (No. 849).
Ibidem: Alt. 1680 m s. m. — 24. 7. 1894 (pl. Z) (No. 850).
*Ibidem: Alt. 1800 m s. m. — 24. 7. 1894 (pl. J) (891).
. Sumatra oceid.: In monte Singalang ad arbores. Regio nubium, alt. 1800 m s. m. — 26. 7. 1894
(emper=eir (No 802): y
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2080 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.; ‚verisimillime idem ac P. aberrans)
(No. 853).
Sumatra occid.: Ad declivia oceid. montis ignivomi Merapi, in zona infra silvam primaevam ad
arbores. Regio nubium, alt. 1400— 1520 m s. m. — 30. 7. 1894 (c. per. et d') (No. 854).
Sumatra occid.: In monte ignivomo Merapi ad latus boreali-occid. ad arbores. Regio alpina,
alt. 2400 m s. m. — 31. 7. 1894 (c. fr. et S) (No. 855).
.
104. Plagiochila infirma Sande Lac.
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt
= 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (ce. per.) (No. 856).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per.) (No. 857).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos.. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 23. 4. 1894 (pl. 5; differt cellularum
parietibus tenuibus) (No. 858).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
. ad arborum truncos. Regio nubium. alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (ce. per.) (No. 859).
Ibidem: Alt. 1550 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 860).
Ibidem: Alt. 1560 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 861).
Ibidem: Alt. 1600 m s 4. 1894 (No. 862).
Ibidem: Alt. 1545 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 863).
*Ibidem: Alt. 1640 m s. m. — 21. 4. 1894 (pl. SZ) (No. 864).
Ibidem: Alt. 1630 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 865).
*Ibidem: Ad filicis arboresc. truncum. Alt. 1645 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 866).
*Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1670 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 867).
Ibidem: Alt. 2705 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 868).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1440 ım s. m. — 28. 4. 1894 (No. 869).
*Ibidem: Alt. 1555 m s. m. — 28. 4. 1894 (pl. SZ) (No. 870).
Ibidem: Alt. 1590 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. Z) (871).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dictum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1660 m s. m. — 2.5. 1894 (pl. J, cum
P. opposita) (No. 872).
*Ibidem: Alt. 1740 m s. m. — 2.5. 1894 (forma paulo major, c. per.) (No. 873).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores in silva primaeva. Regio
pluvialis, alt. 13—1400 m s. m. — 26. 7. 1894 (ec. fr. et S) (No. 874).
*Ibidem: Alt. 14— 1500 m s. m. — 26. 7. 1894 (ec. fr. et Z) (875).
*Ibidem: Alt. 15— 1600 m s. m. 26. 7. 1894 (c. per. et Z) (No. 876).
.m. — 21.
168 VW. Schiffner,
‘Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium. alt. 2090 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 877).
* Ibidem: Regio alpina, alt. 2430 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 878).
Var. robusta n. var.
Major et robustior, statura fere P. semialatae (quae autem primo visu differt cellulis majoribus
ceterisque notis); folia ramulina majora.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad -
arborum truncos. Regio nubium alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. per.) (879).
105. Plagiochila aberrans n. sp.
Affinis P. infirmae, quacum foliorum forma, perianthio foliisque involucralibus bene convenit sed
primo visu distineta magnitudine (planta nempe ad 20 cm longa), foliis duplo fere majoribus et colore
rufo-fusco. Caules valde elongati, laxe dichotomi, subflaceidi, longe dependentes. Cellulae foliorum iis
P. infirmae aequimagnae sed angulis magis noduloso-incrassatae.
Quoad magnitudinem et habitum magis aemulat P semialatae formas majores, quae autem bene
discrepat colore griseo-viridi (in statu sicco), foliorum cellulis multo majoribus, foliis caulinis majoribus
ceterisque notis.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 20902 s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 880).
106. Plagiochila Ungarangana Sande Lac.
Planta Javanica notis tantum minoris momenti a specimine originali e Sumatra, prov. Padang (Herb.
Sande Lacoste) differt: dentibus foliorum paulo validioribus interdum crebrioribus, dentibus apicis
foliorum involucralium longioribus. Ramificatio a cl. Sande Lacoste male descripta et depicta est;
planta est pluries et subregulariter dichotome divisa.
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad rupes humid. in silva primaeva. Regio calida, alt.
+ 300 m s. m. — 28. 12. 1893 (c. per.) (No. 881).
107. Plagiochila obtusa Lndnb.
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1300 m s. m. — 5. 1.1894 (No. 882).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. = 1400 m m. s. — 5. 1. 1894 (No. 883).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango, apud locum dictum »Artja« in eulturis
Coffeae ad arbores. Regio puvialis, alt. 950 m s.m. — 7.4. 1894 (No. 884).
Java: In monte Pangerango. Infra Tjibodas ad arbores secus viam versus Sindanglaija. Regio
pluvialis, alt. 1305 m s.m. — 23.4. 1894 (No. 886).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arbores. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 20.4. 1894 (No. 887).
Ibidem: 27. 4. 1894 (No. 888).
Ibidem: 8. 5. 1894 (No. 889).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium alt. + 1500 m s.m. — 18. 4. 1894 (No. 890).
Ibidem: Alt. 1560 m s.m. — 21.4. 1894 (No. 891).
”
“
Plantae Indicae Series I. 169
*Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 892).
- *Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1605 m» s. m. — 2.5. 1894 (forma foliis longioribus)
(No. 893).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1740 m s.m. — 2. 4. 1894 (No. 894).
h Ibidem: Alt. 2140 m s. m. — 2.5. 1894 (No. 895).
*Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan, ad viae latera in silva. Regio nubium, alt.
1550 m s. m. — 14. 2. 1894 (No. 896).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt.
15— 1600 ın s. m. — 26. 7. 1894 (forma foliis longioribus) (No. 897).
*Sumatra occid: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1720 m s. m. 24. 7. 1894 (forma foliis longioribus) (No. 898).
Ibidem: Alt. 1470 m s. m. 24. 7. 1894 (No. 899).
.
118. Plagiochila Teysmanni Sande Lac.
*Java: Prov. Batavia, ad decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1000 m
s. m. — 21. 1. 1894 (c. per. jun.) (No. 900).
119. Plagiochila Gottschei n. sp.
(= P Zollingeri Gott. in iconibus inedit. non Mont.!)
Dioica. Magna, ad 20 cm longa cum foliis 7— 75 mm lata, rufo-olivacea, pluries dichotoma. Folia
densa, distiche patula magna, caulina ad 4 mm longa, ad 3 mm lata, latissime semicordata, margine dorsali
subrecto apicem versus tantum dentato, apice late rotundato dense et subaequaliter dentato aeque ac
margo ventralis, dentibus brevibus acutis, margo ventralis versus basin altissime arcuato-protractus, ultimae
bases in cristam conniventes integerrimae. Folia ramulina multo minora paulo angustiora basi ventrali minus
alte protracta. Cellulae subellipticae, apicales + 0:03X0:02 mm subnodoso incrassatae, basales majores.
Perianthia in ramis terminalia vel saepius una latere innovatione suffulta vel in dichotomia, magna ad 4 mm
longa ore aequilata, campanulata compressa, latissime truncata, labiis paulo rotundatis, ala dorsali
latissima supra ciliato-dentata, ore dense et grosse ciliato-dentato, dentibus maximis ad 0'5 mm longis
saepe minoribus interpositis. In latere ventrali interdum rudimenta carinae inveniuntur. Folia involucralia
‚maxima ad’ 5 mm longa, oblique ovata basi ventrali maxime ampliata margine undulata, ubique ciliato-
dentata aeque ac os perianthii, sed dentibus paulo minoribus. Planta /' paulo gracilior, spicae 5 inter-
‚calares pro plantae magnitudine minores; folia perigonialia 6— plurijuga apice paucidentata. — E foliorum
cellulis saepissime oriuntur surculi parvifoli nummerosissimi (»Brutsprösschen«) seu ut mavis plantulae
Juveniles sicut folia saepe quasi Algarum caespitibus obsessa appareant.
| Planta speciosa Plagiochilae Teysmanni affınissima et forse ejus varietas longius aberrans. Differt
autem statura robustiore, foliis majoribus latioribus basi ventrali altius arcuatis, dentibus minoribus,
margine dorsali apice tantum dentato, cellularum angulis paulo minus nodulosis. Perianthii et foliorum
'involucralium forma bene congruit, sed dentes conspicue minores sunt, quam in P. Teysmanni.—P. obtusa
-quoad adspectum simili differt foliis latioribus basi ventrali et dorsali integerrimis, paraphylliis nullis.
Specimen originale in Java lectum a cl. Zollinger in herb. Lindenberg sub nomine P. obtusae
(No. 710) asservatur. Schedae inscripta sunt hae verba manu cl. Gottschei: »Da die wahre P. obtusa
170 V. Schiffner,
geschlitzte, pfriemenartige Stipulae hat, die inliegende aber nicht, so gehören sie nicht zusammen. Ich
habe die inliegende Pflanze als P. Zoilingeri gezeichnet.«
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (ce. per. et Z) (No. 901).
Ibidem: (forma paulo minor, foliis minoribus, c. per.) (No. 902).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 903).
Java: Prov. Batavia. Ad decl. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in eulturis
Coffeae ad arbores. Regio pluvialis, alt. 940 m s. m. — 7.4.1894 (No. 904).
Var. brachyphylla n. var.
Magnitudine, habitu, colore, areolatione, ceterisque notis cum forma typica conveniens, sed foliorum
forma valde aberrans; folia nempe !/, fere breviora imo latiora quam longa, apice latissime rotundata.
E foliorum forma valde aberrante pro specie propria hanc plantam haberes, nisi notis ceteris omnino
cum P. Gottschei congrueret; surculi parvifolii e cellulis foliorum orti in varietate ut in typo creberrime
inveniuntur.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primigeniis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
— 1000 m s.m. — 31. 12. 1893 (ce. per.) (No. 905).
Sumatra oceid.: In faucibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad saxa. Regio calida,.
alt. 560 m s.m. — 21.7. 1894 (No. 906).
110. Plagiochila Jackii n. sp.
(Inel. P. Salacensis Gott., quae est forma tantum paulo aberrans hujus speciei).
Dioica. Mediocris, olivacea, rufescens vel fuscescens; caules suberecti 5—9 cm longi, rigidi, dichotomi.
Folia distiche patula, caulina ad 25 mm longa, 1'7 mm lata, &micordata, margine dorsali reflexo
integerrimo subrecto, oblique a caule distante, basi paulo decurrente; margine ventrali arcuato remote
dentato (dentibus 5—12 validis inaequalibus) basi supra caulem protracta in cristam humilem sed con-
spicuam connivens; apice truncato-bidentato, dentibus nempe duobus ceteris multo majoribus; folia ramulina
paulo minora.Cellulae subellipticae apicales 0:03x 0° 2 mm, basales majores, trigonis plus minus conspicue
nodoso-incrassatis. Perianthia in ramis terminalia, saepissime sine innovatione, pro more magna ad 4 mm
longa et fere aeque lata, compressa, ore truncato ciliato-dentato, dentibus inaequalibus densis, majoribus
basis 2—3 cellulas latis, ad 16 cellulas longis; ala perianthii dorsalis lata dentata. Folia involucralia
perianthio breviora, e basi late oblique ovata acutata, margine dorsali denticulato, ventrali ciliato-dentato,
dentibus parvis majoribus intermixtis. Spicae 5 intercalares; folia perigonialia apice dentata.
Species valde polymorpha amieissimo Dr. J. B. Jack ame dicata affinis est P. Zruncatellae Sande Lac.,
quae differt ramis tenuibus graeilibus, foliorum basi ventrali minus protractra, cellulis minoribus etc.;
P. oblongata Sande Lac. et P. subtruncata n. sp. foliorum forma et foliis involucralibus bene distinctae sunt.
*Java: Prov. Batavia. In vico Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 400 m s. m. — 24. 3. 1894.
(Nr. 907.)
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores. Regio calida, alt. = 500 m s. m.
— 24. 3. 1894. (Nr. 908.)
Ibidem: (Una cum forma minus evoluta) (Nr. 909.)
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« ad arbores,
regio pluvialis, alt. 840 m s. m. — 6. 4. 1894. (Nr. 910.)
Ibidem: In culturis Coffeae ad arbores. Alt. 940 m s. m. — 7.4. 1894. (c. per.) (N. 911.)
Plantae Indicae. Series I. 17
*Ibidem: In culturis Coffeae ad arbores. Alt. 960 m s. m. — 7. 4. 1894 (No. 912).
Ibidem: In silva primaeva ad arbores. Alt 1120 m s. m. — 7. 4. 1894. (Est forma tenerior cum
var. Salacensi comparanda; c. per.) (No. 913).
*Java: Prov. Preanger. In horto sanatorii Sindanglaija ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1085 m
s. m. -— 16. 4. 1894 (specimina minus bona minus evoluta) (No. 914).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. = 1420 m s. m. — 23. 4. 1894 (c. per.) (No. 915).
Ibidem: Alt. = 1420 m s. m. — 8. 5. 1894 (c. per.) (No. 916).
Java: Prov. Preanger. In Cinchoneto »Daradjat« prope Garut ad arbores. Regio nubium, alt.
— 1730 m s. m. — 12. 2. 1894 (forma tenuior) (No. 917).
Var. longifolia n. var.
Folia longiora, apice minus angustata late rotundata, dentibus ibidem magis aequalibus (non
duobus ceteris multo majoribus ut in typo), basi ventrali multo minus protracta, non in cristam conni-
vente. Cellulag, paulo minores, angulis non nodoso-incerassatis. Cetera ignota. — Verisimillime haec
forma idem est ac P. oblongata Sande Lac. quacum foliorum forma optime convenit, sed cellulae in
specimine originali a me viso in Herbario Lugduno Batavo angulis conspicue nodoso-incrassatis
gaudent. Ceterum ob perianthii involucrique absentiam nil certi de hac forma critica edicere audemus.
*Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad truncos putridos in silva primaeva. Regio calida
alt. + 300 m s. m. — 28. 12. 1893 (No. 918).
Var. brevidentata n. var.
A typo parum differt statura minus robusta, foliorum dentibus paucioribus brevioribus, basi ven-
trali minus protracta, cellulis minus incrassatis. An sit potius cum varietate sequente conjungenda.
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in culturis
Coffeae ad arbores cum forma typica. Regio pluvialis, alt. 940 m s. m. — 7. 4. 1894 (c. per.)
(Nr. 919.)
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan; in cultura Coffeae supra Tjisarupan. Regio
pluvialis, alt. 1360 m s.m. — 14. 2. 1894 (No. 920).
Var. virens n. var.
Subflaccida, viridis, foliorum cellulae vix vel non incrassatae.
Java: Prov. Batavia. Ad arborum truncos in horto botanico Buitenzorgensi. Regio calida, alt
+ 260 m s. m. — 12. 1893 (No. 921).
*]Ibidem: Alt. + 250 m s. m. — 10. 3. 1894 (No. 922).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kotta-Batu ad arbores. Regio calida, alt. + 300 m
s. m. — 7. 2. 1894 (c. per. jun.) (No. 923).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
= 1000 m s.m. — 31. 12. 1893 (c. per.) (No. 924).
*Java: Prov. Batavia. Ad decl. septentr. montis Salak; in faueibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (c. per.) (No. 925).
| *Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in silva
primaeva. Regio pluvialis, alt. 1100 m s. m. — 7.4. 1894 (c. per.) (No. 926).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + !420 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.) (No. 927).
Var. Salacensis (Gott.) Schffn. (= Plagiochila Salacensis Gott.).
Pl. Salacensis a cl. Gottsche (in Naturk. Tijdsch. v. Nederl. Indie IV, p. 576, 1853, Zollinger,
- Systemat. Verzeichnis der im Indischen Archipel gesammelten Pflanzen, I]. Heft, p. 20) primum descripta,
i Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 23
’
2 V. Schiffner,
2
e specimine originali ab amico Stephani mecum communicato, est nil nisi forma aberrans et rara
(ut videtur) speciei fere vulgaris, quae igitur erat nomine novo salutanda.
A forma typica differt var. Salacensis his notis: planta gracilior, ramis paucis elongatis, foliis
minoribus, brevioribus ideo pro ratione paulo latioribus, basibus ventralibus minus protractis, in cristam
humilem conniventibus dentibus brevioribus, cellulis subminoribus angulis minus incrassatis. Perianthio
et involucro omnino cum typo convenit. Hanc varietatem ipse non legi.
111. Plagiochila Padangensis n. sp.
Fere intermedia inter P. Jackii et P. Treubii, priori autem simillima et magis affinis sed differrens
folis basi dorsali longius decurrentibus, apice normaliter inaequaliter bilobis lobis cuspidatis, basibus
ventralibus multo magis protractis dentatis et in cristam altam conniventibus, cellulis paulo minoribus
angulis non tantum incrassatis, foliis involueralibus aliter formatis, basi nempe ventrali altissime semi-
cordata. Perianthium (junius tantum visum) bene convenit. A P. Treubii magis differt foliis dorso minus
longe lateque decurrentibus, apice bilobis, amphigastriorum absentia ceterisque notis.
*Sumatra occid.: Prov. Padang. In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad
arbores. Regio nubium, alt. 1470 m s. m. — 24. 7. 1894 (ce. per. jun.) (No. 928).
112. Plagiochila Peradenyensis n. sp.
Dioica. Olivacea, laxe caespitosa vel inter muscos. Caules e rhizomate repente 4—5cm longi
dichotomi sed habitu magis pinnato. Folia densa, oblique a caule patentia semicordata apice !/, angus-
tiora quam basi, 2:5 mm longa, 16 mm lata, margine dorsali rectilineari integerrimo, apice rotundato
denticulato vel uno alterove dente majore, margine ventrali versus basin alte ascendente remotiuscule
spineso-dentato, basi ventrali valde ampliata igitur crista ventralis altissima dentata. Cellulae rotundatae
minimae — 0°Ol4 mm, subaequaliter parum incrassatae. Amphigastriorum rudimenta in ramis juniori-
bus saepe obvia. Perianthia terminalia in ramis vel unilateraliter innovata, rarius in dichotomia, late
ovata truncata, ultra 3 mm longa et aequilata, compressa, ala dorsali lata undulata subdentata, ore dense
ciliato-dentata, dentibus basi 3—4 cellulas latis apice cellulis 5—18 superpositis formatis. Folia involu-
cralia perianthio breviora caulinis quoad formam similia sed basi ventrali non ampliata, margine dorsali
reflexo subintegerrimo, ventrali valide spinoso-dentato
Differt a P. Jackii affini habitu subpinnato, foliorum caulinorum et involucralium forma paulo
alia et praeeipue cellulis dimidio minoribus.
Ceylon centralis: Ad arborum truncos in horto botanico Peradenyensi. Alt. + 500 m s. m.—
26. 10.1893 (c. per.) (No. 929).
113. Plagiochila revolutifolia n. sp.
(= P. tenuis Sande Lac. non Lndnb. et P. Zerebrans Sande Lac. non N. ab E. et Mont.)
Dioica. Laxissime caespitosa gracillima rufescens. Caules tenues sed rigidiusculi fusci ad 10 cm
longi regulariter dichotome divisi. Folia pectinatim disticha subremota parva, caulina ad 2 mm longa,
— Imm lata anguste semiovata vel fere oblongo rectangularia, margine dorsali valde et late revoluto,
recto, basin versus integerrimo apice oblique truncato paucidentato dente anteriore majore, margine
ventrali a medio basin versus valde revoluto, parum arcuato dentato, basis ventralis nequaquam
ampliata (folium versus basin sensim angustatum) et longius in caule decurrens. Folia ramulina multo
minora oblongo-rectangularia ceterum similia. Cellulae subovales minores, apicales 0'02X0'014 mm,
angulis subincrassatae sed vix nodulosae. Perianthia terminalia, rarius innovata vel in dichotomia, oblongo
ovata, truncata, dorso longe alata, ala supra dentata; ore duplicato dentata, dentibus majoribus + 10
cellulas longis, minoribus interpositis 1—4 cellulas longis. Capsula globosa, brevissime exserta. Folia
SI
X
Plantae Indicae. Series I. 1
involucralia oblique ovata margine ventrali grosse duplicato dentata, dorsali excepta basi dentata.
Spicae 5 graciles intercalares, folia perigonialia apice paucidentata.
Planta elegantissima facile dignoscenda foliorum forma et e medio ad basin late canaliculato
revolutis. P. subtruncata affinis est brevior, foliis gaudet latioribus non tantum revolutis et basi ventrali
multo minus longe decurrentibus.
Specimina originalia Plagiochilae tenuis Sande Lac. e Java, Papandayan Igt. Korthals et Java
Igt. De Vriese certe hujus loci sunt, sed cellulae foliorum submajores. Sed P. tenuis e Sumatra Igt.
Korthals est P. frondescens var. diffusa. — Specimen originale P. terebrantis (Java, in monte Ungarang,
Herb. Junghuhn) est forma tenerior quoad foliorum formam ceterisque notis omnino cum pianta nostra
conveniens sed paulo aberrans cellulis conspicue majoribus. Ut ita se habeant, P. tenuis et P. terebrans
ex Hepaticarum Javanicarum nummero delendae sunt.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primigeniis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. 1200-1350 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. per.) (No. 930).
Ibidem: Alt. + 1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. per.) (No. 931).
Java: Pfov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok, ad arbores. Regio calida, alt. + 500 m
s. m. — 24. 3. 1894 (c. per.) (Nr. 932.)
*Java: Prov. Batavia, ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1120 s.m. — 7. 4. 1894 (c. per.) (No. 933).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. 5. 1. 1894 (c. fr. et Z) (No. 934).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1500 m s. m. — 21. 4. 1894 (ec. per.) (No. 935)
Ibidem: Alt. & 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (pl. 9, forma paulo robustior.) (No. 936).
Ibidem: Alt. 1510 m s. m. — 21. 4. 1894 (pl. J) (No. 937).
Ibidem: Alt. 1525 m s. m. — 21. 4. 1894 (ec. per.) (No. 938).
Ibidem: Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 939).
114. Plagiochila subtruncata n. sp.
Dioica. Laxe caespitosa olivacea, gracilis. Caules e rhizomate repente suberecti 4—5 cm longi
dichotome ramosi, ramis minus divaricatis. Folia contigua, distiche patula, late semiovata, apice late
truncato vel rarius subrotundato pluridentato, margine dorsali recto, oblique a caule distante ab apice
ad medium fere re note brevidentato, basi integerrimo minus reflexo, margine ventrali irregulariter brevi-
dentato, basin versus arcuato non protracto sed e basi ventrali subintegerrima oblique ascen-
dente, igitur crista ventralis nulla. Folia caulina ultra 2 mm longa, ramulina similia sed minora
Cellulae + 0:02 mm diam., rotundato-hexagonae parietibus tenuibus angulis non incrassatis.
Perianthia in ramis terminalia, rarius innovatione suffulta vel in dichotomia, obovata, late truncata, ala dorsali
lata plus minus dentata, ore dense duplicato-dentato, dentibus majoribus nempe basi minoribus
armatis. Capsula globosa, breviter exserta. Folia involucralia perianthio breviora, caulinis subsimilia
sed margine ventrali densius et fortius .duplicato-dentata, dorsali reflexo dentato vel basin versus inte-
gerrimo. Spicae 5 graciles intercalares, folia perigonialia apice paucidentata.
Planta polymorpha affinis P. revolutifoliae, quae est planta gracilior longior, foliis angustioribus
marginibus valde reflexis basi ventrali longius decurrente etc. P. fruncatella Sande Lac. Differt foliorum
forma, cellulis minoribus, perianthii ore simplieiter et grosse spinoso-dentato. P. Jacküi var. virens habitu
similis longius distat foliis apice dentibus duobus ceteris majoribus bidentatis, basi ventrali protractis,
erista ventrali conspicua perianthii ore ciliato-dentato ceterisque notis.
*Java; Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. = 1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (ec. per.) (No. 940).
174 V. Schiffner,
*Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 500 m
s. m. — 24. 3. 1894 (No. 941).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; secus viam supra pagum Tugu ad arbores. Regio
pluvialis, alt. 1250 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 942).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad frutices sepis silvestris loco dicto »Puntjak«.
Regio pluvialis, alt. 1450 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 943).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. = 1400 m m. s. — 5. 1. 1894 (ec. fr. mat.) (No. 944).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerang@ apud locum dietum »Artja« in culturis
Coffeae ad arbores. Regio pluvialis, alt. 940 m s. m. — 7. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 945).
*Java: In monte Pangerango. Infra Tjibodas versus Sindanglaija ad arbores. Regio pluvialis, alt.
1305 m s. m. — 23. 4. 1894 (No. 946).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arbores. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 20. 4. 1894 (No. 947).
Ibidem: 28. 4. 1894 (c. per. et J') (No. 948).
Ibidem: 8. 5. 1894 (c. per.) (No. 949).
Sumatra oceid.: In faucibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad rupes. Regio calida,
alt. + 360 m s. m. — 27. 7. 1894 (forma foliorum basi dorsali paulo longius decurrente, dentibus
paucioribus) (No. 950).
Sumatra occid.: In monte ignivomo Merapi ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1200m s. m. —
31. 7. 1894 (forma robustior, cellularum angulis incrassatis. An melius ad varietatam sequentem
ponenda?) (No. 951).
Var. firmior n. var.
Robustior, rigidior, olivacea infra rufeseens. Folia majora latiora magis dentata. Cellulae angulis
conspicue incrassatis.
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
— 1000 m s.m. — 31. 12. 1893 (No. 952).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 23. 4. 1894 (No. 953).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 2050 ım s. m. — 25. 7. 1894 (No. 954).
Var. longifolia n. var.
Folia multo longiora, 2:6 mm longa, 1:5 mm lata. Cum forma typica in uno eodemque caespite
invenitur.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral.. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arbores. Regio nubium, alt. = 1420 m s. m. — 23. 4. 1894 (No. 955).
Var. brevifolia n. var.
Folia t/, breviora quam in typo, fere ut in var. firmior, a qua differt cellulis angulis non incras-
satis et statura minus robusta. Folia nonnulla saepe in eadem planta inveniuntur normalia, ut in forma
typica.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 20. 4. 1894 (No. 956).
=Sı
Jo
Plantae Indicae. Series II. 1
115. Plagiochila Junghuhniana Sande Lac.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1500 m s. m. — 21. 4. 1894 (est forma foliis cau-
linis et involuer. densius dentatis) (No. 957).
Ibidem: Alt. 1710 m s. m. 24.4. 1894 (typica, c. per.) (No. 958).
Sumatra occid.: In faucibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad rupes. Regio calida, alt.
535 m s.m. — 21.7. 1894 (No. 959).
116. Plagiochila Massalongoana n. sp.
Dioica. Olivacea vel rufescens, 10—15 cm longa sed tenuis et tenera pluries dichotoma, ramis
divaricatis. Folia pectinatim disticha, remota, oblique patentia, oblongo-linearia basi et apice truncato
fere aequilata, margine dorsali recto revoluto integerrimo, apice dentibus duobus permagnis subbifida,
margine ventrali vix arcuato apicem versus tantum remote 3—4 dentato, basi anguste reflexo non
ampliato et parum decurrente. Caulina 2:5 mm longa, 0°6 mm lata, ramulina multo minora. Cellulae sub-
ellipticae, 0:022 X 0:018 mm, angulis parum incrassatae. Perianthia in ramis terminalia vel pseudo-
lateralia vel in dichotomia, parva obconico-campanulata compressa, ala nulla, labiis alte rotundatis
grosse spinoso-dentatis dentibus ad 15 cellulas longis, basi 3—4 cell. latis, apice cellulis superpositis
— 7. Folia involucralia perianthio longiora, semiovata basi ampliata i. e. margine ventrali sinuato et
aeque ac apex remotiuscule et grossissime dentato, margine dorsali reflexo subrecto integerrimo.
Plantam 5 non vidi.
Habitu subsimilis P. revolutifoliae, quae foliis, perianthio alato aliter dentato et foliis involucralibus
valde differt. Foliorum forma etiam subsimilis est P. frondescentis var. diffusa, sed ramificatione regulariter
divaricato-dichotoma primo visu distinguenda.
Affinis est P. Junghuhnianae, quae autem certe differt statura robustiore, perianthio alato et oris
perianthii armatura. Dicavi hanc speciem elegantissimam clarissimo D" Caro Massalongo, Hepati-
carum tam exoticarum quam Europaearum scrutatori peritissimo.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
= 1000 m s. m. — 31. 12. 1894 (c. per.) (No. 960).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. = 1000m s.m. — 19. 1. 1894 (c. per.) (No. 961).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1600 m» s.m. — 7. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 962).
117. Plagiochila stenophylla n. sp.
Dioica. Laxe caespitosa, olivacea. Caules e rhizomate repente erecti ad 5 cm longi, subsimplices,
raro apice furcati. Folia distiche subrecte a caule distantia, subremota, anguste oblonga ad 23 mm
longa, I mm lata, basi lata cauli affıxa, versus apicem parum angustata, margine dorsali subreflexo
recto integerrimo, ventrali subrecto integerrimo apice dentibus 2—3 maximis cuspidatis et interdum
adjectis 2—3 minoribus armata. Cellulae rotundatae — 0:03 mm diam. trigonis parvis, cuticula con-
Spicue granuloso-papillosa. Inflor. @ terminalis in dichotomia (an semper?). Folia involucralia
(valde juvenilia tantum visa vel forse folia subinvolucralia?) caulinis quoad formam simillima,
_ apice 2—3 dentibus maximis, margine ventrali dentibus subeiliiformibus multo minoribus armato, dor-
sali recto integerrimo. Perianthia evoluta et cetera non vidi.
176 V. Schiffner,
Versimiliter haec planta ad P. singularem pertinet quacum areolationem et cuticulam scabram
communem habet, sed differt foliis paulo magis angustatis, dentibus vix ciliatis (cellulis superpositis
2—3, in P. singulari 5).
Quoad foliorum formam similis P. Massaiongoanae, quae autem certe differt ramificatione pluries
dichotoma, foliorum margine ventrali magis dentato et foliorum involucralium forma. Affinis videtur
magis P. Junghuhnianae cujus folia ramulina illis P. stenophyllae simillimae sunt, sed certe differt
ramificatione et foliorum involucralium indole. Etiam caute distinguenda a P. laxissima, quae autem
areolatione ceterisque notis longius distat.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1580 m s.m. — 2.5. 1894 (ce. flore 9
sparso) (No. 963).
Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. — 2800 m s. m.—
25. 7. 1894 (planta paulo aberrans statura humiliore, foliorum forma paulo aliena et dentibus
subminoribus; sterilis. An sit hujus loci?) (No. 964).
118. Plagiochila opaca n. sp.
Dioica. Laete viridis haud nitens, 4—6 cm alta, haud rigida. Caules pinnatiramosi, ramis inae-
qualibus interdum furcatis vel subpinnatis. Folia densa, semiovata, caulina 24 mm longa, 1:35 mm
ata, ramulina minora, margine dorsali recto, ventrali a basi longius oblique ascendente (non protracto)
dein subrecto, apice late rotundato, fere circacircum excepta basi dorsali breviter subobtuse denticulata.
Cellulae subellipticae valde chlorophyllosae + 0:022x0-.016 mm, angulis trigone- (non noduloso-)
incrassatae. Perianthia in ramis terminalia vel innovationibus suffulta, ultra 2 mm longa, latiora quam
longa, ventre interdum fissa, dorso late alata, ala dentata, ore dense et grosse spinoso-dentata, dentibus
magnis hic illic minores interpositi. Folia involucralia obligque ovata, basi ventrali altissime protracta,
circacircum inaequaliter dentata. Plantam g' non vidi.
Affinis P. calvae, sed colore viridi, statura robustiore, ramificatione densiore, foliis ventre non late
decurrentibus, ventre vix cristatis ceterisque notis bene distincta. Foliorum forma similis illi P. sub-
Iruncatae, sed ramificatione, perianthii denticulatione etc. longe differrens.
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan; in culturis Coffeae supra Tjisarupan. Regio
pluvialis, alt. 1330 m s. m. — 14.2. 1894 (ec. per.) (No. 965).
h
119. Plagiochila calva N. ab E.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; secus viam supra pagum Tugu ad arbores. Regio
pluvialis, alt. 1350 m s.m. — 5. 1. 1894 (No. 915).
Java: Prov. Batavia. In summo monte Megamendong ad frutices sepis silvestris loco dicto »Puntjak«
Regio pluvialis, alt. 1450 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 716).
120. Plagiochila Tjibodensis n. sp.
Sterilis. Rufescens, laxe caespitosa, 4—5 cm longa, ırregulariter et remote pinnata, ramis inter-
dum elongatis simplicibus. Folia dense conferta late semi-ovata, caulina 2 mm longa, 1'5 mm lata,
ramulina simila sed minora, margine dorsali recto basin versus integerrimo, apice dentato uno alterove
dente submajore, margine ventrali arcuato brevidentato, basi paulo supra caulem protracta igitur cristam
humilem vix dentatam formans. Cellulae subellipticae + 0'024 mm, in foliis inferioribus subleptodermes
in superioribus conspicue nodoso-incrassatae.
Plantae Indicae. Series II. W771.
Foliorum forma inter P. Jackii et subtrumcatam ludens sed foliorum apice paulo magis angustato
et ramificatione, a P. subtruncata insuper foliis multo densioribus diversa.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium. alt. + 1420 m s. m. — 20. 4. 1894 (No. 966).
121. Plagiochila Treubii n. sp.
Dioica. Subdepresso-caespitosa, olivacea, caules e rhizomate repente ad 5 cm longi parce dicho-
tomi, ventre saepe rhizoidis crebris obtecti. Folia distiche patula, fragillima, caulina ab insertione
ad apicem 1:6 mm: longa et fere aequilata, semicordata sed basi dorsali longissime et late decur-
rentia, margine dorsali sinuatim adscendente recurvo integerrimo apicem versus paucidentato, apice
3—5 dentato, dentibus duobus saepius majoribus margine ventrali parum arcuato angulo subrecto a
caule distante paucidentato basi ventrali maxime ampliata subdentata, igitur crista ventralis altissima
Cellulae rotundatae diam. + 0°023 mm, angulis noduloso-incrassatis. Amphigastria (paraphyllia) parva
bifida et ciliato-dentata, saepe rudimentaria. Perianthia (juniora tantum visa) terminalia in ramis vel in
dichotomia, late campanulata compressa, dorso ala lata ciliato-dentata instructa, ore grossissime dentata
dentibus majoribus ad 15 cellulas longis, basi 6 cellulas latis, minoribus magis ciliformibus interpositis
Folia involucralia magna latissime semicordata, basi maxime ampliata, apice subtruncato reflexo, circa-
circum dense spinoso dentata. Amphigastrium involucrale conspicuum, ad I mm diam. basin
ventralem perianthii carinatim amplectens, suborbiculare margine ciliato-dentatum, dentibus apicalibus
majoribus. Plantam 5 non vidi.
Valde affinis P. Javanicae et quad foliorum formam similis, sed multo minor, dichotoma (nec
subpinnata), foliorum basi multo magis protracta, dentibus crebrioribus et majoribus.
Java: Prov. Batavia. Ad arborum truncos in horto botanico Buitenzorgensi. Regio calida, alt
+ 260 m s. m. — 12. 1893 (Nr. 967).
Ibidem: 2. 3. 1894 (No. 968).
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad radices Fici Benjaminae. Regio calida,
alt. + 260 m s.m. — 17. 11. 1893 (No. 969).
*Java: Ad arborum truncos in horto botanico Buitenzorgensi loco dicto »Waringin-Allee«. Regio
calida, alt. = 260 m s. m. — 3. 2. 1894 (No. 970).
Ibidem: :10. 7. 1894 (No. 971).
Java: Prov. Batavia. In horto dicto »Cultuurtuin« ad Tjikeumeuh prope Buitenzorg ad arbores
Regio calida, alt. = 250 m s.m. — 14. 4. 1894 (No. 972).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1250 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 973).
*Ibidem: Alt. 1310 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per.) (No. 974).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna« ad
arbores. Regio pluvialis. alt. = 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 975).
Var. Megamendongensis n. var.
Multo robustior, folia quoad formam omnino similia sed plus duplo majora, ab insertione ad apicem
83mm longa, basi ventrali fere circulariter ampliata, cellulis valde leptodermis.
Est forma valde memoralibilis; an species (P. Megamendongensis)?.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; secus viam supra pagum Tugu ad arbores. Regio
pluvialis, alt. 1250 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 976).
e
%
178 V. Schiffner,
122. Plagiochila pinnatiramosa n. sp.
Sterilis. Olivacea subrufescens, graecilis. Caules ad 6cm longi subregulariter pinnati, ramis
his illis elongatis iterum ramosis. Folia contigua distiche patentia, ultra | mm longa, 0 7 mm lata,
trapezoidea margine dorsali e basi late decurrente oblique ascendente recurvo subrecto integerrimo,
apice truncato paucidentato dentibus validis, margine ventrali subrectangulariter a caule distante pauci-
dentato, basin versus non ampliato per longum spatium reflexo integerrimo. Cellulae + 0:024 mm diam.,
lumine sinuoso valde incrassatae, incrassationibus subconfluentibus, basales multo longiores. Perianthium
(unicum tantum inveni) in ramo terminale sed innovatione juniore suffultum, late obconicum, ad
1:5 mm longum, latissime truncatum ala dorsali lata supra dense ciliato-dentata, ore spinoso-dentato,
dentibus ad 12 cellulas longis, basi ad 5 cell. latis. Folia involucralia perianthio longiora, late semi-
ovata, apice et margine ventrali spinoso-dentato, margine dorsali reflexo et ultima basi ventrali inte-
gerrimis. Plantam 5 non vidi.
A P. Tjibodensi subsimili differt statura graciliore ramificatione magis regulari et foliorum forma.
Foliorum forma P. revolutifoliae subsimilis, ramificatione et dentibus oris perianthii ceterisque notis
autem bene diversa.
Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas« ad arbores ad silvae primigeniae
marginem. Regio nubium, alt. 1540 m s. m. — 15. 2. 1894 (No. 977).
123. Plagiochila opposita (Reinw. Bl. et N. ab E.) Dum.
Varietates hujus plantae fere vulgaris adhuc descriptae: var. falcata N. ab E. et var. filiformis
Lndnb. sunt formae locales vix dignae dictu.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt 8S—-900 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 978).
Ibidem: Alt. = 1200 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. per.) (No. 979).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa et ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 800 m s.m. — 28. 1. 1894 (No. 980).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio plu-
vialis, alt. = 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 ‘(c. per.) (No. 981).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1310 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 982).
Ibidem: Alt. 1350 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per.) (No. 983).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. = 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per.) (984).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in silva ad
terram inter frutices. Regio pluvialis, alt. 1040 m s. m. — 7.4. 1894. (c. per.) (Nr. 985.)
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 1040 m s. m. — 7. 4. 1894 (c. per.) (No. 986).
Ibidem: Ad arbores. Alt. 1100 m s. m. — 7. 4. 1894 (c. per.) (No. 987).
*Ibidem: Alt. 1170 m s. m. — 7. 4. 1894 (pl. Z) (No. 988).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium alt. + 1500 m s.m. — 18.4. 1894 (No. 989).
Ibidem: Alt. 1500— 1600 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 990).
Ibidem: Alt. 1750 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 991).
*Ibidem: Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. d) (No. 992).
Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 993).
—
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Plantae Indicae. Serie II. 179
*Ibidem: Alt. 1545 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 994).
*Ibidem: Alt. 1670 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. SZ) (No. 995).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.)
(No. 996).
*]bidem: Alt. 1600 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.) (No. 997).
*Ibidem: Alt. 1505 m s.m. — 2.5. 1894 (No. 998).
Ibidem: Alt. 1580 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. d') (No. 999).
Ibidem: Alt: 1605 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. d' et c. per.) (No. 1000).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt 1690 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.)
(No. 1001).
Ibidem: Alt. 1720 m s. m. — 2. 1894 (c. per.) (No. 1002).
D.
*Ibidem: Alt. 1780 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 1003).
Ibidem Hit. 1835 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. SZ) (1004).
Ibidem: Alt: 1905 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per. et J') (No. 1005).
Ibidem: Alt. 2025 m s. m. — 2.5. 1894 (pl. J') (No. 1006).
*Ibidem: Alt. 2090 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 1007).
Ibidem: Alt. 2140 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 1008).
*Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh; supra Kandang—Badak. Regio
alpina, alt. + 2500 m s. m. — 10. 7. 1894 (c. per.) (No. 1009).
*Java: Prov. Preanger. In Cinchoneto »Daradjat« prope Garut ad arbores. Regio nubium, alt.
+ 1730 m s. m. — 12.2. 1894 (No. 1010).
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan. Regio nubium, alt. 1550 m s. m. — 14.2.
1894 (No. 1011).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt.
15— 1600 m s. m. — 26. 7. 1894 (c. per.) (No. 1012).
Ibidem: Alt: 1800 m s. m. — 26. 7. 1894 (pl. $) (No. 1013).
*Sumatra occid: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. Regio nubium, alt.
1470 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 1014).
Ibidem: Alt. 1720 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per. jun.) (No. 1015).
*Ibidem: Alt. 1770 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 1016).
*Ibidem: Alt. 1855 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 1017).
Ibidem: Alt. 2000 m s. m. — 24. 7. 1894 (ec. per.) (No. 1018).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 2440 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 1019).
Ibidem: Alt. 2500 m s. m. 25. 7. 1894 (No. 1020).
Sumatra oceid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. = 2800 m s. m.
— 25. 7. 1894 (pl. 2) (No. 1021).
*Sumatra occid.: Ad decliv. oceid. montis ignivomi Merapi. In silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 1760 m s. m. — 30. 7. 1894 (c. per.) (No. 1022).
*]Ibidem: Alt. 18— 1900 mn s. m. — 30. 7. 1894 (No. 1023).
*Ibidem: Alt. 1960 m s. m. — 30. 7. 1894 (No. 1024).
Ibidem: Alt. 2050 m s. m. — 30. 7. 1894 (No. 1025).
Ibidem: Alt. 2120 m s. m. — 30. 7. 1894 (No. 1026).
Ibidem: Ad terram vulcanicam. Regio alpina, — 2400 m s. m. — 30. 7. 1894 (c. per. et j)
(No. 1027).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
180 V. Schiffner,
124. Plagiochila Brauniana (N. ab E.) Lndnb.
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1645 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per
et d') (No. 705).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1730 m. s. m. — 2. 5. 1894. (c. per.) (Nr. 706)
*Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas« in silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 1610 sn s. m. — 15. 2. 1894 (pl. S) (No. 707).
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan, in silva primigenia ad arbores. Regio nubium
alt. 1550 m s. m. — 14. 2. 1894 (c. per. et Z') (No. 708).
*Ibidem:; Alt. 1750 m s. m. — 14. 2. 1894 (e. per.) (No. 709).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1570 m s. m. — 24. 7. 1894 (ce. per.) (No. 710).
*Ibidem: Alt. 1840 m s.m. — 24.7.1894 (No. 711).
I.
Ibidem: Alt. 1900 m s. m. — 24.7. 1894 (No. 712).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium. alt. 2080 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 715).
Ibidem: Alt. 2090 ın s. m. — 25. 7. 1894 (forma magna, elongata) (No. 714).
125. Plagiochila abietina (N. ab E.) Lndnb.
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. + 800 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 641).
Ibidem: Alt. 1000 m s. m. — 31. 12. 1894 (c. per.) (No. 642).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + S00 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 643).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in silva
primaeva, ad terram inter frutices. Regio pluvialis, alt. 1040 m s. m. — 7.4. 1894 (c. per.)
(No. 644).
Ibidem: In silva primaeva. Alt. 1120 m s. m. — 7.4. 1894 (Status juvenilis, cum P. opposita)
(No. 645.)
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 4. 5. 1894 (No. 646).
Var. Hampeana (Gott. p. sp.) Schiffn.
Ex ipso Sande Lacoste P. Hampeana Gott. est forma parphylliis nullis P. abietinae varietatis
ß gracilentae Sande Lac. (vide Sande Lac. in Miquel, Ann. Musei Lugd. Bat. I, p. 294). Specimina
originalia varietatis gracilentae (Java, Igt. Zippelius) in Herb. Lugd. Bat. a me visa et delineata ad
amussim congruunt cum plantaa me sub nomine var. Hampeana editae. Differt varietas ista a typo
praeter paraphylliorum absentia foliorum caulinorum margine dorsali minus dentato vel imo integerrimo
et cellularum (praecipue basalium) angulis multo magis nodoso-incrassatis.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 2240 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 647).
Ibidem: Alt. 2320 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 648).
Ibidem: Alt. 2360 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 649).
Ibidem: Regio alpina, alt., 2380 ım s. m. — 25. 7. 1894 (c. per., forma robustior, major) (No. 658).
Plantae Indicae Series II. 181
126. Plagiochila Gedeana n. sp.
Habitus et magnitudo P..abietinae, folia autem majora et omnino alia; caulina semiovato-deltoidea,
margine dorsali in statu explanato subrecto vel in plantis robustioribus etiam subarcuato (non sinu-
atim adscendente, ut in 'P abietina) basi dorsali nempe multo latius decurrente, omnino integerimo vel
basi tantum paucidentato, basi ventraliobliqueacaule adscendente (nequaquam protracta) integerrima
vel ad insertionem tantum 2—4 dentibus ciliiformibus armata, margine ventrali et apice dense den-
ticulata (nec ciliata). Folia ramulina ambitu illis P. abietinae haud absimiles sed multo brevius dentata
Paraphyllia subnulla. Cellulae minores, angulis magis nodoso-incrassatis; basales valde nodosis incrassa-
tionibus subconfluentibus. Planta / tantum visa. Spicae Z in ramis terminalia aut intercalaria, vel
in ramulis; folia perigonialia apice breviter denticulata. Antheridia saepe gemina.
Multo magis affinis videtur P. monticolae, quae est planta robustior foliis multo latioribus, caulinis
basi ventrali valde ampliatis (in cristam conspicuam conniventibus) ceterum dentatione subsimilibus;
trigonis cellularum magnis.
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis Gedeh. Regio alpina, alt. = 2500 m s. m. —
10. 7. 1894 (No. 1028).
127. Plagiochila monticola n. sp.
Dioica. Erecto caespitosa, magna ad löcm alta, rufobadia. Habitus P. abietinae sed multo major
et robustior. Folia caulina retrospectantia, rotundo-deltoidea, 2mm longa et aequilata, basi dorsali
longe lateque decurrente infra 2—3 denticulata, margine dorsali valde reflexo ab apice ad medium breviter
dentato basin versus integerrimo, apice breviter dentato subtruncato vel rotundato, margine ventrali fere
semicirculariter altissime arcuato, basi ventrali supra caulem plus minus protracto breviter sed acute et
dense dentato, basi ventrali longe angusteque decurrente dentata uno alterove dente longiore. Folia ramulina
minora semicordato-deltoidea, margine dorsali subrecto plus minus dentato non tantum decurrente, apice
et margine ventrali acute dentatis basi ventrali paulo supra caulem protracta subintegerrima. Paraphyllia
nulla. Cellulae apicales subrotundae + 0'022 mm diam., lumine sinuoso, trigonis magnis nodosis; cellulae
basales majores longiores, striam subpellucidam formantes. Perianthia in ramis terminalia, obo-
vata fere stipitata, ad 3mm longa, labiis rotundatis dense minuteque serratis, in latere dorsali saepe
alae rudimento integerrimo instructa, ventrali ab apice per spatium fissa. Capsula globosa ad Imm
diam., parum exserta, valvis ovato-lanceolatis. Folia involucralia perianthio breviora, ad 2mm longa,
1:6 mm lata, late semicordato-deltoidea, margine dorsali revoluto subintegerrimo, apice et margine ven-
trali serrato-dentatis, basi ventrali paulo ampliata subintegerrima. Spicae 5 in ramis intercalares, folia
perigonialia apice et saepe ad medium marginis ventralis denticulata.
Planta pulcherrima, a P. abietina multo rariore optime differt statura robustiore, foliorum cauli-
norum forma, marginibus foliorum caulinorum involucralium necnon perianthii oris breviter dentatis
(nec ciliatis), areolatione ceterisque notis. Magis affinis est P. Gedeanae, cujus discrimina videas supra.
*Java: In monte Pangerango supra locum dictum »Kandang-Badak« in silva primaeva ad arbores.
Regio alpina, alt 2500 m s. m. — 9. 5. 1894 (Forma minus evoluta) (No. 1029).
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2670m s. m. — 9.5. 1894
(No. 1030).
Ibidem: Alt. 2870 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. fr. mat. et Z') (No. 1031).
Ibidem: Alt. 2880 m s. m. — 9. 5. 1894 (e. fr. mat. et Z') (No. 1032).
Ibidem: Alt. 2960 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. fr. mat. et Z') (No. 1033).
Ibidem: Alt. 2975 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per. et Z') (No. 1034).
Ibidem: Alt. 2920 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. fr. mat. et Z) (No. 1035).
182 V. Schiffner,
Ibidem: Alt. 2985 m s. m. — 9. 5. 1894 (ec. fr. mat. et /') (No. 1036).
Java: Inter frutices et ramos in cacumine montis Pangerango. Regio alpina, alt. 2985 m s. m. —
9. 5. 1894 (c. fr.) (No. 1037).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1900 m s. m. — 24. 7. 1894 (forma, an male evoluta vel juvenilis) (No. 1038.)
Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. = 2800 m s. m.
25. 7. 1894 (c. fr.) (No. 1089).
128. Plagiochila nobilis Gott.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad terram. Regio nubium, alt. + 1760 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et J) (No. 1040).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
»Tjiburrum« ad terram. Regio nubium, alt. 1670 m s. m. — 2. 5. 1894 (ec. per. et ()
(No. 1041).
*Ibidem: Alt. 1740 ın s. m. — 2. 5. 1894 (No. 1042).
Ibidem: Alt. 1780 ın s. m. — 2. 5. 1894 (pl. ©) (No. 1043).
Ibidem: Alt. 1800 m s. m. — 2. 5. 1894 (ec. per. jun.) (No. 1044).
Ibidem: Alt. 1835 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 1045).
*Ibidem: Alt. 1860 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (No. 1046).
Ibidem: Alt. 20252 s. m. — 2.5. 1894 (c. per.) (No. 1047).
Ibidem: Alt. 2050 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 1048).
Ibidem: Alt. 2130 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. 3) (No. 1049).
*Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh, ad terram supra Kandang-
Badak. Regio alpina, alt. 2500 m s. m. — 10. 7. 1894 (No. 1050).
129. Plagiochila Beccariana n. sp.
Diocia. Dense caespitosa, fuscescens. Caules rigidi, e basi repente suberecti ad 4cm longi, irre-
gulariter remote ‚pinnatiramosi. Folia contigua vel remotiuscula subrecurva, caulina 2'5 mm longa, L’damm
lata, basi angustata oblongo-elliptica, basi dorsali et ventrali haud longe decurrentibus, margine
dorsali reflexo integerrimo, apice late rotundato et margine ventrali denticulatis, basi ventrali oblique
ab insertione adscendente integerrima. Folia ramulina minora et angustiora. Cellulae rotundatae lumine
laevi, angulis vix incrassatis, diam. + 0'024 mm. Perianthia in ramis terminalia saepissime innovatione
suffulta, oblongo-obovata truncata ad 3mmm longa, exalata, ore denticulata (dentibus ut in foliorum
marginibus cellulis 1, 3 vel 4—6 formatis). Folia involueralia caulinis similia submajora margine dorsali
integerrimo, ventrali remote dentato, dentibus acutis majoribus. Spicae 5 (in varietate /ava tantum
visae) plurijugae, folia perigonialia apice subdenticulata.
Habitu similis P. Levieri sed foliorum forma ab omnibus affinibus distineta. — Cl. Sande Lacoste
plantam nostram pro P/. dichotoma war. ß habuit, quae est planta diversissima; specimina originalia
(Java, Igt. Junghuhn) in herbario Sande Lacoste vidi! — E specimine originali etiam P. Korthal-
siana ß robustior Sande. Lac. idem est ac P. Beccariana. — Dicavi hanc speciem claro Dr. Odoardo
Beccari, Archipelagi Indici investigatori excellentissimo.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
» Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 2100 m s. m. — 2. 5. 1894 (e. per.) (No. 1051).
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh. supra Kandang—Badak ad
arbores. Regio alpina, alt. = 2500 m s. m. — 10,7. 189# (c. per.) (No. 1052).
Plantae Indicae, Series II. 183
Var. laxa.n. var.
Minus rigida, elongata, longior, minus ramosa, folia remotiora.
Java: In montis Pangerango regione alpina ad terram cum P. intercedente, alt. 28380 m s. m. —
9. 8. 1894. (c. per. etpl. Z) (No. 1053).
130. Plagiochila Sumatrana n. Sp.
Dioica. Rigida, fusco-nigrescens. P. Beccarianae similis sed robustior et multo minus ramosa. Folia
confertiora subreflexa oblique ovata, ad 3 mm longa, ultra 2 mm lata, brevi spatio cauli adnata, basi
dorsali vix decurrente, margine dorsali recurvato integerrimo, apice late rotundato et margine ventrali alte
arcuato denticulatis, basi ventralipaulo protracta integerrima. Cellulae apicales rotundatae, + 0025 mm
diam. angulis nodoso-incrassatis, basalibus multo longioribus. Perianthia terminalia plerumque innova-
_ tione suffulta, obconica compressa substipitata, exalata, ad 5 mm longa, 3 mm lata, ore late truncato-
rotundata, subregulariter ciliato-dentata, ciliis ad O°25 mm longis. Folia involucralia magna, perianthio
subaequilonga foliis caulinis subsimilia sed grossius dentata.
P. Beccarianae et P. Levieri aftinis, ab utraque diversa praeter alia foliorum forma, a priore insuper
perianthii ore.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2320 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 1054).
131. Plagiochila Levieri n. sp.
Dioica. Erecto caespitosa, subrigida, obseure viridis saepe fuscescens. Caules e basi rhizomoidea
ad 10 cm longi, irregulariter subdichotomi ramis non divaricatis vel subfasciculatim ramosi. Folia distiche
patentia, vix retrospectantia, conferta; caulina semicordata, ultra 3 mm longa, 2 mm lata, brevi spatio
cauli adnata, margine dorsali subrecto integerrimo apicem versus paucidentato, apice angustius rotundato
vel oblique subtruncato dentato, margine ventrali arcuato sensim adscendente, breviter spinoso-dentato,
dentibus 3—4 cellulas longis, basi ventrali paulo supra caulem protracta subintegerrima. Folia ramulina
multo minora, semiovata, basi ventrali oblique adscendente, nec protracta. Cellulae apicales rotundatae,
== 0°027 ımm diam., sinuatae, angulis valide nodoso incrassatis; basales multo longiores striam basalem
pellueidiorem formantes. Perianthia saepissime innovatione suffulta vel in dichotomia, oblongo-obovata
vel lineari-obovata, exalata vel cum rudimentis alae dorsalis, ore dense breviter ciliato ciliis e cellulis
ad 5 superpositis. Capsula I mm diam. vix exserta, valvulae ovato-lanceolatae I'5 mm longae, 0:5 mm
latae. Folia involucralia perianthio breviora semiovata caulinis subsimilia sed basi non ampliata sed sub-
cuneatim angustata et margine ventrali valide ciliato-dentatis. Spicae 5 longiores aggregatae ad caulis
_ apicem; folia perigonialia apice paucidenticulata.
Quoad foliorum formam et denticulationem ex affinibus P. gymmocladae vel P. semialatis esse
putares, sed ob striam basalem et perianthii indolem non est dubitandum, quin sit e sectione »Denti-
eulatae«. — Speciem hane dicavi amicissimo Dri Aemilio Levier bryologo Florentino meritissimo.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; secus viam supra pagum Tugu ad truncum
putridum. Regio pluvialis, alt. 1350 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 1055).
Java: Prov. Preanger. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna«
ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per. et d') (No. 1056)
"Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
j arborum truncos. Regio nubium, alt. 1570 m s. m. — 21.4. 1854 (No. 1057).
*Ibidem: Alt. 1590 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. g et c. per. juniore) (No. 1058).
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per., forma foliis remotioribus) (No. 1059).
184 V. Schiffner,
*Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et g') (No. 1060).
Ibidem: Alt. 1675 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 1061).
*Ibidem: Alt. 1675 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. g inter P. acanthophyllam. P. frondescentem var,
diffusam ete.) (No. 1061).
Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (pl. d') (No. 1062).
Ibidem: Alt. 1760 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et Z') (No. 1063).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1600 m s. m. — 2.5. 1894 (ce. per. et J) (No. 1064).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in- silvis primaevie supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1780 m s. m. — 2. 5. 1894 (ec. per.)
(No. 1065).
Ibidem: Alt. 1860 m s. m. — 2.5. 1894 (c. per.) (No. 1066).
Var. brevidens n. var.
Brevior, rigidior, foliis fragilibus, dentibus minoribus 2—3 cellulas tantum longis.
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1580 m s. m. — 2. 5. 1894 (pl. d') (No. 1067).
Java: In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum »Tjiburrum« ad
arbores. Regio nubium, alt. 1685 m s. m, — 2. 5. 1894 (No. 1068).
Ibidem: Alt. 1720 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per. et d') (No. 1069).
*Ibidem: Alt. 1800 m s. m. — 2. 5. 1894 (c. per.) (N. 1070).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1700 ım s. m. — 24. 4. 1894 (pl. 3) (No. 1071).
Ibidem: Alt. 1750 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 1072).
Var. longissima n. var.
Ad 20 cm longa, flexilis e ramulis arborum longe dependens, laxior, foliis ramulinis sublatioribus
dentibus crebrioribus (etiam in foliis involucralibus), cellularum angulis minus incrassatis. — Planta haec
a cl. Zollingero in monte Salak lecta a cl. Sande Lacoste false pro P. propingua determinata et in sua
Synopsi Hep. Javan. huc posita erat (fide specimine originali).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio pluvialis,
alt. = 1000 m s. m. — 19.1.1894 (ec. per.) (No. 1073).
132. Plagiochila trapezoidea Lndnb.
P. homomalla Sande Lac. idem est ac P. trapezoidea. Vidi enim exemplaria originalia Sandei in
herb. Lugduno-Batavo 6, quorum tres ad P. renitentem pertinent, duo autem notatae sunt verbo
»Authenthiek« (i. e. specimen authenticum!), quae sunt forma typica P. trapezoideae. Igitur P. homomalla
omnino delenda est.
"Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores, alt. 2670 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per.)
(Nr. 1074).
Ibidem: Alt. 2750 m s. m. — 9. 5. 1894 (e. fr. mat.) (No. 1075).
*Ibidem: Alt. 2780 ım s. m. — 9. 5. 1894 (pl. &) (1076).
Ibidem: Alt. 2820 m s. m. — 9. 5. 1894 (e. per.) (No. 1077).
*Ibidem: Alt. 2880 m s. m. — 9. 5. 1894 (ce. per. et pl. Z cum P. Beccariana var. laxa)
(No. 1077 b).
*Ibidem: Alt. 2950 m s. m. — 9. 5. 1894 (ce. fr. et pl. Z) (1078).
Plantae Indicae Series II. 185
Ibidem: Ad terram. Alt, 2960 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per et pl. Z, cum P. Beccariana etc.)
(No. 1079).
Ibidem: Ad arbores. Alt. 2965 m s. m. — 9.5. 1894 (c. fr. mat. et pl. J) (No. 1080).
*Ibidem: Alt. 2975 m s. m. 9. 5. 1894 (forma magna, laxior.) (No. 1081).
Java: In cacumine montis Pangerango inter frutices et ad ramos. Regio alpina, alt. 2985 m s. m.
— 9. 5. 1894 (c. per.) (No. 1082).
133. Plagiochila intercedens n. sp.
Dioica. Fere intermedia inter P. trapezoideam et P. Korthalsianam, priori autem magis affinis et
forse ejus varietas valde aberrans. Multo minus robusta, laxior et minor, quam P. frapezoidea, — 4 cm
longa, simplex vel pauciramosa. Folia superiora plantae fructiferae illis P. trapezoidea omnino similia sed
minora et remotiora, inferiora et folia plantae sterilis et 9 illis P. Korthalsianae similes, nempe oblongo
oblique-ovata, ad 3 mm longa, 1'6 mm tantum lata, basi dorsali et ventrali multo minus longe decutrenti-
bus integerrimis. Perianthia terminalia interdum innovatione suffulta longissime exserta, amoene rufobadia
lineari-fusiformia exalata, ore rotundato-truncata serrato-spinosa, illis P. frapezoideae simillima sed minora.
Folia involucralia magna patentia, oblique oblongo-ovata, margine dorsali reflexo integerrimo, ventrali
basin versus ciliato-spinoso apice dense denticulato. Planta 5 in eodem caespite, gracilior, spicae
magnae crassiusculae, folia perigonialia apice minute denticulata.
Pro forma minus evoluta vel juvenili P. frapezoidea hanc plantam haberes, nisi fructificatio bene
evoluta adesset. P. Korthalsiana est planta minor rigiditate eximia.
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad declivia orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2390 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per.) (No. 1083).
*Sumatraocceid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2440 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per. etpl. Z) (No. 1084).
134. Plagiochila renitens (N. ab E.) Lndnb.
Planta valde variabilis quoad magnitudinem, foliorum caulinorum et involucralium formam, denti-
eulationem ceterisque notis. Varietates et formas sequentes legi:
Forma typica.
Medioeris, foliis caulinis late oblique ovatis (vel si mavis deltoideo-ovatis) margine dorsali sub-
recto, circacircum excepta ultima basi ventrali et dorsali densissime acuteque denticulatis. Cellulis api-
calibus + 0015 mm diam. Perianthio ore latiore quam medio. Foliis involucralibus late ovatis margine
dorsali arcuato. Est forma cum principali specimine originali cl. Nees ab Esenbeck omnino congrua!
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1965 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 1085).
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh ad arbores supra Kandang-
Badak. Regio alpina, alt. = 2500 m s. m. — 10.7. 1894 (No. 1086).
Ibidem: Alt. + 2500 m s. m. — 10.7. 1894 (forma foliis angustioribus) (No. 1087).
*Sumatra occid.: In monte Singalang, in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt. 1800 m
s. m. — 26. 7. 1894 (forma minor foliis paucidentatis) (No. 1089).
Forma intermedia.
Foliis apice magis acutatis, acutiusculis, perianthio ore aequilato. Ad var. aberrans subaccedens.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dic-
tum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. + 2140 m s. m. — 2.5. 1894 (c. per.)
(No. 1090).
186 | V. Schiffner,
Var. spectabilis n. var.
Foliorum forma et denticulatione cum typo bene conveniens sed omnibus partibus ultra !/, major.
Cellulis foliorum paulo majoribus. Perianthio majore, ore magis ampliato, foliis involucralibus latissime
ovatis fere orbiculatis. Est planta speciosa robusta ad 12 cm longa.
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2920 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per.)
(No. 1091).
Ibidem: Alt. 2955 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per.) (No. 1092).
*Ibidem: Alt. 2960 m s. m. — 9. 5. 1894 (ce. per.) (No. 1093).
Var. brevidentata n. var.
Magnitudine et foliorum forma cum forma typica convenit, sed differt foliis minus densis margine
brevissime et minutissime denticulatis.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
» Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 2025 m s. m. — 2. 5. 1894 (No. 1094).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2400 m s. m. — 25. 7. 1894 (margine foliorum dorsali paulo arcuato ad var. sub-
orbicularem accedens) (No. 1095).
Var. aberrans n. var.
Habitus formae typicae sed paulo gracilior. Folia angustiora, deltoidea vel fere trigona ad apicem
sensim angustata subacuta, margine dorsali stricto basin versus integerrimo, ventrali subrecto
acute denticulato, basi fere abrupte ad insertionem descendente; cellulae ut in typo. Perianthium termi-
nale, lineari ovatum, ore non latiore spinuloso-denticulatum. Capsula breviter exserta. Folia involucralia
deltoidea, margine dorsali subrecto vel vix arcuato. Spicae 5’ breves crassae, foliis perigonialibus
apice minute denticulatis. An sit species propria?
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 2120 m s.m. — 9.5.1894 (c. per et pl. d)
(No. 1096).
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad truncos putridos. Alt. 2965 m s. m. — 9. 5. 1894
(e. per., cum P. monticola) (No. 1097).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt. 1800. m
s.m. — 26. 7. 1894 (c. fr. et pl. J) (No. 1098).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad declıv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1800 »n s. m. — 24.7. 1894 (pl. Z) (No. 1099).
Var. suborbicularis n. var.
Folia latissima suborbicularia, apice late rotundata, margine dorsali arcuatim protracto, dentibus
minutis densis.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad arbo-
rum truncos. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 23. 4. 1894 (pl. J) (No. 1100).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dictum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 2140 nm s. m. — 2. 5. 1894 (No. 1101).
‘
135. Plagiochila peculiaris n. sp.
Dioica. Alte caespitosa speciosa, ad 15 cm longa, rigida rufobadia subnitens, pauciramosa vel sub-
simplex. Folia densa, subreflexa fragilia, caulina 3:75 mm longa, 2:75 nm lata, fere trigona subacuta,
5
En
Plantae Indicae Series II. 187
margine dorsali reflexo stricto dense et acute denticulato, apice paucidentato, margine ventrali ab apice
longe recto dein versus basin alte arcuato, basis ventralis rotundato-ampliata longe ciliata, ciliis 5—6
cellulis longissimis formatis (caules igitur ventre altissime cristati). Folia ramulina multo minora breviora,
ceterum similia. Cellulae omnes valde elongatae vermiculariter tortae, apicales + 0:05x0:014 mm,
basales 0:08 ad 0° 10 mm longae, omnes lumine maxime sinuoso, incrassationibus maxime nodosis lumi-
nibus fere aequimagnis. Amphigastria nulla, rhizoidae,in caule et praecipue ad ramorum basin hic illic
obviae. Perianthia terminalia saepe unica vel duabus innovationibus suffulta (quae autem non e foliorum
involucralium angulo sed longius infra oriuntur) longe ovata, ad 5 mm longa et 2'5 mm lata, compressa
exalata, ore late truncata ciliato-dentata, dentibus ad O3 mm longis. Folia involucralia perianthio bre-
viora, ad 3:75 mm longa, latissime ovata ad fere orbicularia, margine dorsali late reflexo dense acuteque
denticulata, ventrali (excepta ultima basi) ciliata, ciliis illis foliorum brevioribus. Plantam masculam
non vidi.
Planta haec speciosissima ab omnibus speciebus ingentis Plagiochilae generis adhue notis valde dif-
fert foliorum forma et praecipue areolatione fere hypnoidea.
In herbamio Lugduno-Batavo etiam vidi hanc speciem sub nomine falso P. renitentis e Borneo Igt.
Korthals.
Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad terram et ad arbores. Regio alpina, alt. +
2800 ım s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 1102).
136. Plagiochila singularis n. sp.
Dioica. Laxe caespitosa vel inter muscos, rufescens. Caules tenues, fragiles ad 9 cm longi (saepe
breviores) pauciramosi, ramis elongatis divaricatis. Folia fragillima remota vel subcontigua oblique paten-
tia, oblonga, basi et apice fere aequilata, vix 2 mm longa et O°7 mm lata, margine dorsali anguste revoluto
subrecto integerrimo, apice grosse lacero 2—3 dentatis, dentibus e basi lata ciliatis, cellulis superpositis
ad 5, margine ventrali subrecto sparse ciliato-dentato, dentibus 1—4 tantum, basin versus non ampliatam
omnino integerrimo. Cellulae apicales rotundatae diam. + 0:03 mm, angulis subnodosis parvis, cuticula
minute papilloso-scabra. Perianthia in caule et in ramis terminalia saepe innovatione suffulta vel in
dichotomia, lata, ala dorsali nulla vel angusta incompleta et integerrima, ore longissime lacerato-den-
tato et ciliato, dentibus maximis basi 5 cellulas latis et ad 50 cellulas longis. Folia involucralia ovato-
oblonga, basi ventrali non ampliata marginibus et apice longissime lacerato-dentata, dentibus maximis
(apicalibus) ad 1 mm longis basi saepe denticulis parvis auctis, basi dorsali saepe appendiculo longe cili-
ato-fisso ornata. Planta 5 paulo minor, 2—3plo dichotoma, spicae 5 intercalares, folia perigonialia apice
dentibus 2—3 longis armata.
Foliorum forma subsimilis P. frondescenti var. diffusa, sed dentibus ciliatis majoribus, cuticula sca-
bra ceterisque notis valde abhorrens. Certe affinis P. acanthophyllae sed jam foliorum forma primo visu
distinguenda. — Vide etiam notam apud P. stenophyllam. — Cuticula papilloso-scabra in Plagiochilarum
genere rarissime obseıvatur.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak, in silvis primigeniis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
= 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (pl. 5) (No. 1103).
Ibidem: Ad arbores, alt. + 1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (pl. 3) (No. 1104).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. 750 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1105).
Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1000 m
Ss. m. — 2].1. 1894 (c. per et Z') (No. 1106).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« in silva
primaeva ad filices arborescentes. Regio pluvialis, alt. 1170 ms.m. — 7.4. 1894 (pl. S)
(No. 1108).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 95
188 V. Schiffner,
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primvaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1550 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 1109).
*Ibidem: Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 1110).
137. Plagiochila acanthophylla Gott.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per. et pl. 5) (No. 720).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1540 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per.) (No. 721).
Ibidem: Alt. 1560 m s. m. — 21.4. 1894 (pl. @ et Z) (No. 722).
*Ibidem: Ad folium vivum. Alt. 1560 m s. m. — 21.4. 1894 (forma foliicola, foliorum dentibus bre-
vioribus) (No. 723).
*Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1600 m s. m. — 21.4. 1894 (No. 724).
lbidem: Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. jun.) (No. 725).
Ibidem: Alt. = 1800 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. per.) (No. 726).
Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum » Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.) (No. 727).
*Ibidem: Alt. 1460 m s. m. — 28. 4. 1894 (pl. J) (No. 728).
Ibidem: Ad saxa. Alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per.) (No. 729).
Sumatra oceid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1800 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 730).
*Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi, in silva primaeva ad folium vivum.
Regio nubium, alt. 1400— 1600 m s. m. — 30.7. 1893 (pl. Z) (No. 731).
*]bidem: Ad arbores in zona infra silvam primaevam. Regio nubium, alt. 1600 — 1680 m s. m. — 30.7.
1894 (Nr. 732).
138. Plagiochila ciliata Gott.
Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. = 1000 m
s. m. — 21. 1. 1894 (pl. 9) (No. 717).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1570 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 718).
Var. aberrans n. var.
Similis formae typicae, quacum crescit, sed ciliae longiores, tenuiores, crebriores et etiam in margine
ventrali obviae; cellulae minores angulis magis incrassatis. Folia perigonalia ut in typo. An sit hujus loci?
Java: Prov. Batavia in decliv. septentrion. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1000 m
s. m. — 21. 1. 1894 (pl. d) (No. 719).
139. Plagiochila blepharophora (N. ab E.) Lndnb.
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi; Kotta-Batu, ad Arengam sacchariferam. Regio calida,
alt. + 300 m s. m. — 7. 2. 1894 (forma minus evoluta) (No. 684).
"Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad arbores in silva primaeva. Regio calida, alt. + 350 m
s. m. — 28. 12. 1893 (No. 685).
Ibidem: Ad truncos putridos. Regio calida, alt. + 350 m s. m. — 28. 12. 1893 (No. 686).
Ibidem: Ad rupes in silva primaeva. Regio calida, alt. 350 m s. m. — 28. 12. 1893 (c. per. et pl. Z)
(No. 687).
Plantae Indicae. Series II. 189
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. in via cava umbrosa ad
terram. Regio pluvialis, alt. 680 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 688).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio pluvi-
alis, alt. = 800 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. per. jun.) (No. 689).
Ibidem: Alt. 900 ınm s. m. — 5. 12. 1893 (pl. £) (No. 690).
Ibidem: Alt. = 1000 m s. m. — 5. 12. 1893 (ec. per. et S') (No. 691).
Ibidem: Alt. + 1000 m s. m. — 21. 12. 1893 (e. per. et Z‘) (No. 692).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. 700 m s. m. -- 28. 1. 1894 (pl. Z) (No. 693).
Ibidem: Alt. 750 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 694).
Ibidem: Ad saxa. Alt. + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (ec. per. jun. et /) (No. 695).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio pluvi-
_ alis, alt. + 1000 ın s. m. — 19. 1. 1894 (c. per.) (No. 696).
*Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1000 m
m. — 21. 1. 1894 (pl. J)) (No. 697).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« ad arbores.
Regio pluvialis, alt. 840 m s. m. — 6. #4. 1804 (No. 698).
Sumatra occid.: In faucibus dietis »Aneh« ad pedem montis Singalang. Regio calida, alt. 535 m
s. m. — 21.7. 1894 .(No. 699).
Var. exilis n. var.
Multo tenerior, quam planta typica, quacum crescit; foliorum indole, teneritate ceterisque notis
omnino refert innovationes, quae in forma typica inveniuntur. Perianthia multo minora ceterum similia.
Quamgnam magnitudine et habitu valde aberrans tamen certe nil aliud est, quam varietas (an planta minus
bene evoluta?) P. blepharophorae.
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad arbores in silva primaeva. Regio calida, alt. + 350 m
s. m. — 28. 12. 1893 (No. 700).
*Java. Prov. Batavia. Ad pedem montis Salak, ad viarum cavarum latera. Regio pluvialis, alt. 610 m
s. m. — 4. 12. 1893 (c. per. jun.) (No. 701).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio pluvi-
alis, alt. + 1000 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. fr. mat. et Z') (No. 702).
Java: Prov. Batavia. Ad declivia septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (c. per. et pl. 5‘) (No. 703).
i Var. multiciliata n. var.
Habitu formis maximis ?. blepharophorae typicae similis, sed longius differt foliorum forma alia
longe deltoidea, ciliis densioribus praecipue versus basin dorsalem, margine dorsali usque ad basin cili-
_ ato. An sit species propria?
- *Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. Ad arbores. Regio
nubium, alt. 1640 m s. m. — 24. 7. 1894 (c. per. jun.) (No. 707).
|
140. Plagiochila Kuhliana Sande Lac.
Planta variabilis. Vidi varietatem notabilem in herbario Lindenberg (No. 688) inter muscos,
Pl. blepharophoram etc. scheda inscripta: Java, Buitenzorg. Misit Miquel. Est minus Nlaccida, foliis paulo
aliter formatis, angustioribus, ciliis magnis sed subbrevioribus, quam in forma typica, cellulis minoribus
- parietibus autem firmioribus (Var. Miqueliana n. var.); huic varietati adjungendae sunt e plantis a me ipso
lectis:
25*
190 V. Schiffner,
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torreniis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. 755 m s. m. — 28. 1. 1894 (c. per.) (No. 1111).
*Ibidem: Alt. + 800 m s. m. — 28.1.1894 (c. per, cum P. blepharophora et Metzgeria hamala var.
saxicola) (No. 1112).
Forma typica.
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (c. fr.) (No. 1113).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak, in silvis primigeniis ad latus septentr. ad saxa secus rivulum
Regio pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. per. et pl. 7) (No. 1114).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio pluvi-
alis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (c. per.) (No. 1115).
*Ibidem: Ad saxa. Alt. 1310 m s. m. — 5.1. 1894 (No. 1116).
[bidem: Ad saxa. Alt. 1370 m s. m. — 5. 1. 1894 (c. per.) (No. 1117).
*Java: Prov. Peanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 1118).
141. Plagiochila Sandei Dozy.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak, in silvis primigenis ad latus septentr. ad arbores. Regio pluvi-
alis, alt. + 800 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1119).
Ibidem: Alt. + 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. fr. mat. et. pl. d‘) (No. 1120).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu, ad ramulos
arborum. Regio pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (c. fr. et pl. Z) (No. 1121).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1170 m s. m. — 7. 4. 1894 (pl. J') (No. 1122).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum ramulos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. per.) (No. 1123).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (No. 1124).
*Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas«; in silva primigenia ad arbores.
Regio nubium, alt. 1560 m s. m. — 15. 2. 1894 (No. 1125).
142. Plagiochila Stephanii n. sp.
Dioica. Magna viridis rufescens inferne fuscescens. Caules e rhizomate longe repente erecti, ad 8Scm
longi cum foliis ad 9 mm lati, steriles subsimplices, fertiles apice pluries dichotomi, ramis ultimis saepe
subflagellatim elongatis. Folia conferta distiche explanata 4 mm longa, 2'5 mm lata, oblongo deltoidea
fere subtrigona, margine dorsali oblique a caule distante stricto ciliato, apice breviter rotundato longius
ciliato, margine ventrali angulo fere a caule distante stricto ciliato, basi ventrali ampliata in lobulum longum
subinflato-cylindricum nudum convoluta, quo fit, ut caulis inter foliorum bases ventrales denudetur. Cellu-
lae magnae, apicales 0:046 ımm diam. subrotundae, paulo firmae, angulis conspicue nodoso-incrassatis,
Amphigastria perparva vel fere nulla, bifida, pauciciliata. Perianthia in ramis pseudolaterialia et in dichoto-
miis, obovata truncata, ad 6 mm longa, 3 mm lata, compressa exalata ore ciliata, ciliis 0-6 mm (ad 10 cel-
lulas) longis. Folia involucralia perianthio breviora ovata circacircum longe ciliata. Planta 7 paulo humi-
lior, spicae 5 longissimae singulae vel complures aggregatae ad apices caulium saepissime non folioso-
continuae. Folia perigonialia apice integerrima.
Planta pulcherrima rarissima cum nulla alia commutanda, quam cum P; Sandei, cui est proxima sed
minor et gracilior est et ceterum foliorum configuratione primo visu distinguenda,
Plantae Indicae. Series II. 191
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primigeniis ad latus septentr. ad arbores. Regio pluvi-
alis, alt. = 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. per.) (No. 1126).
*Ibidem: Alt. + 1200 m s. m. — 5. 12.1893 (pl. 5‘, folia subbreviora, ciliis minus crebris) (No.1127).
143. Plagiochila Bantamensis (Reinw. Bl. et N. ab E.) Dum.
Species rarior ab omnibus auctoribus hucusque cum aliis speciebus affinibus confusa. Notae diagno-
Sticae hujus speciei sunt: Robusta rigida. Folia fragillima, longa, e basi deltoidea longe angustata apice
breviter rotundata paulo sursum curvata, ciliis etiam in apice longissimis, lobulo basali magno inflato
ciliato. Amphigastria magna longissime ciliata. Cellulae permagnae inaequales ad 0:05 mım longae, cellu-
lae ciliarum valde elongatae. Folia involucralia ad basin fere semper sine lobuli vestigio.
Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. + 1000 m
sm. — 21. 1. 1894 (e. per. et pl. 9) (No. 691).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga Warna« ad
arBores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (forma minor, ciliis subminoribus)
(No. 651 b).
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt. +
1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (eiliis paulo brevioribus P. lobulatae var. longidenti subsimilis)
(No. 652).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18.4. 1894 (c. per.) (No. 653).
*Ibidem: Alt. 1550 m s. m. — 21.4. 1894 (forma minor tenerior, an minus evoluta?) (No. 654).
*Ibidem: Ad ramulos. Alt. 1560 m s. m. — 21.4. 1894 (pl. 5) (No. 655).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum » Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 28. 4. 1894 (cum P. acanthophylla)
(No. 656).
*Ibidem: Alt. 1540 m s. m. — 28. 4. 1894 (forma ciliis folii apicis brevioribus; an sit forma inter-
media inter P. Bant. et P. lobulatam? pl. d) (No. 657).
144. Plagiochila lobulata n. sp.
Dioica. Rigida pallide viridis fuscescens. Caules e rhizomate longe repente erecti, ad 7 cm longi cum
foliis 6—7 mm lati, apice subflabellatim ramosi. Folia conferta distiche explanata 3 mm longa e basi delto-
idea longe angustata, apice 3plo angustiora quam basi paulo sursum curvata, margine dorsali reflexo
_ usque ad basin breviciliato, apice breviter denticulato (in varietate autem plus minus ciliato), margine ven-
rau
4
trali longe ciliato, lobulo basali inflato ciliato. Cellulae = 0°03 mm diametro, pellucidae, parum incrassa-
tae, trigonis nullis. Amphigastria magna bifida longissime ciliata, ciliis his illis bifurcatis, etiam in super-
fieie ciliata. Perianthia in ramis pseudolateralia et in dichotomiis, obovata, ultra 4 mm longa exalata, late
truncata, ore ciliata, ciliis 6—10 cellulas longis. Folia involucralia caulinis subsimilia sed majora et den-
sius et longius ciliata, basi lobulo praesente vel nullo. Amphigastrium involucrale caulinis angustius cete-
rum simile. Capsula breviter exserta magna, valvulis ovato-lanceolatis 2°5 mm longis. Spicae / in apice
caulis flabellatim aggregatae, longae crasse vix foliato-continuae, folia perigonialia apice integerrima.
Plagiochilae Bantamensi affınissima et forse ejus varietas, differt solum foliis paulo minoribus apice
non longe ciliatis et cellulis conspicue minoribus.
*Java: Prov. Batavia. In declivibus septentr. montis Gedeh ad arbores una cum Pl. Bantamenst.
Regio pluvialis, alt. = 1000 m s. m. — 21.1. 1894 (No. 1128).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. = 1200 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. per. jun. et pl. d') (No. 1129).
192 V. Schiffner,
Var. longidens n. var.
Differt a typo dentibus apieis foliorum eiliiformibus ad 5 cellulas longis; ceteris notis omnino con-
venit. Verisimiliter praebet transitum ad P Bantamensem veram, a qua distat ciliis multo brevioribus et
cellulis minoribus.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 5. 12. 1893 (c. fr. mat. et 5‘) (No. 1130).
*Ibidem: Alt. + 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (forma humilior.) (No. 1131.)
Ibidem: Alt. # 1300 m s. m. - 5. 12. 1893 (c. per.) (No. 1132).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (pl. 7°) (No. 1133).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austr. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1540 m s. m. — 21. 4. 1894 (c. per. jun.)
(No. 1134).
145. Plagiochila media n. sp.
Dioica. Habitu et magnitudine cum P. Bantamensi conveniens. Folia 4 mm longa, 2 mm lata,
semiovato-deltoidea basi vix duplo latiora quam apice, margine dorsali stricto ciliato, ciliis
minoribus strictis, apice subtruncato vel late rotundato longius ciliato, margine ventrali sub-
stricto (medio non sinuato) longe ciliato, lobulo ventrali inflato dense ciliato. Amphigastria magna
densissime et longissime ciliata. Cellulae inaquales, ad 0044 mm diam. circacircum parum incrassatae,
trigonis nullis. Ciliarum apicalium cellulae superpositae 4—7 minus elongatae. Perianthia oblongo-
obovata, exalata, ore ciliata. Folia involucralia caulinis subsimilia paulo longius ciliata, alterum saepe
basi lobulo auctum. Spicae Z, utin P. Bantamensi.
A P. Bantamensi differt notis supra laudatis; aP. Goethartiana quoad foliorum formam simili differt
statura majore, foliis margine dorsali ciliatis, apice ciliatis (nec dentatis), amphigastriis multo majoribus
magis ciliatis. P. mutabilis De Not. et P. densifolia Sande Lac. Foliorum forma ceterisque notis longius
distant.
Sumatra occid.: In monte Siboga prope Padang-Pandjang ad arbores. Regio pluvialis, alt.
780—900 ın s. m. — 22. 7. 1894 (c. per et pl. d'.) (No. 1135).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (forma foliis subangustioribus; an sit transitus ad
P. Bantamensem) (No. 1156).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faueibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + 700 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1137).
Var. pauciciliata n. var.
Folia paulo angustiora, ciliis sparsioribus in margine dorsali valde remotis; amphigastria minus
dense sed longissime ciliata. Cellulae submajores. Verisimiliter est forma loci humidioris.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak: in silvis primaevis ad latus septentr, Regio pluvialis, alt. &
1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. per. et pl. Z.) (No. 1138).
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad Angiopteridis truncos. Regio calida, alt
+ 260 m s. m. 3. 3. 1894 (forma multo tenerior, minus evoluta; pl. d.) (No. 1139).
146. Plagiochila Goethartiana n. sp.
Dioica. P. mediae valde affinis et quoad magnitudinem, habitum foliorumque formam simillima sed
differt foliorum margine dorsali integerrimo (vel apicem versus paucidentato) apice breviter dentato (nec
ciliato) dentibus 1—3 cellulas longis, amphigastriis paulo minoribus minus longe ciliatis, foliorum cellulis
subminoribus. — Etiam cum P. integrilobula comparanda (vide infra).
S Plantae Indicae, Series II. 193
Vidi hane speciem sub nomine P. Bantamensis var. dentieulata in Borneo a cl. Korthals
lectam in herbario Lugduno-Batavo (ex herb. Sande Lacoste!) et directori herbarii supradicti cl.
Dri. J. W. C. Goethart, libenter dicavi.
Ipse formam a typo paulo aberrantem legi:
Var. Gadokana n. var.
Habitu magnitudineque cum typo conveniens sed diversa dentibus apicis foliorum paulo longiori-
bus, margine dorsali e medio ad basin integerrimo, lobulo plerumque optime evoluto sed omnino
integerrimo vel ciliis paucis tantum armato, amphigastriis perparvis vel omnino nullis.
Java: Prov. Batavia. In vico Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 400 m s. m. — 24. 3. 1894
(No. 1140).
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 500 mı s. m.
— 24. 3. 1894 (c. per. jun. et pl. Z.) (No. 1141).
147. Plagiochila integrilobula n. sp.
Dioica. P. Goethartianae valde affinis sed multo minor et tenerior vix ultra 3—4 cm longa; folia
late semiovata, breviora et minora, 2:5 mm longa, 1'3 mım lata, margine dorsali recto integerrimo, apice
Subciliato dentato, dentibus ad 6 cellulas longis, cilliis marginis ventralis versus basin longioribus, lobulo
minus bene evoluto omnino eciliato. Cellulae minores ad 0'034 mm diam. leptodermes, trigonis nullis.
Amphigastria valde rudimentaria vel nulla. Spicae 5 tenuiores, longae, foliis perigonialibus
integerrimis. Cetera non vidi.
Adspectum praebet plantae non bene evolutae et forse varietas est P. Goethartianae cujus varietati
Gadokanae proxime accedit sed differt statura teneriore, foliis minoribus, lobulo minus bene evoluto,
cellulis conspicue minoribus.
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kotta-Batu, ad arbores. Regio calida, alt. + 300 m
s. m. — 7. 2. 1894 (pl. 2.) (No. 1142).
148. Lophocolea bidentata (L.) Dum.
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad truncos putridos inter Riccardiam. Alt. 2965 m s. m.
— 9.5. 1894 (c. per.) (No. 1143).
149. Lophocolea mollis N. ab E.
Planta rarissima adhuc non bene descripta est valde affinis L. bidentatae sed minor est et crebre
ramosa; folia apice minus angustata ciliis longis subdivaricatis et aequalibus. Amphigastria uno latere
cum folio adjacente anguste connata. Perianthia in ramis plus minus elongatis anguste alata, ala hie illic
dente armata, ore grossius lacerato-dentata. Cellulae multo minores, quam in Z. bidentata = 0'028 mm
diam. Praeprimis autem differt inflorescentia autoica. Cum Z. cuspidata nostrati comparanda est.
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh infra craterem ad terram inter
alias Hepaticas. Regio alpina, alt. + 2700 m s. m. — 10.7. 1894 (c. per. et d‘.) (No. 1144).
*Sumatra occid.: In monte ignivomo Merapi in decliv. boreali-oceid. Ad truncos putridos. Regio
nubium, alt. 16— 1800 m s. m. — 31. 7. 1894 (c. per. et Z'.) (No. 1145.)
*Sumatra occid.; Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi in silva primaeva. Regio nubium, alt
1960 m s. m. — 30. 7. 1894 (ce. per. et Z.) (No. 1146).
150. Lophocolea Kurzii Sande Lac.
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad Palmarum truncos Regio calida, alt. +
260 m s. m. — 31. 12. 1893 (No. 1147).
194
V. Schiffner,
*Ibidem: In culturis Filicum arborescent. — 2. 3. 1894 (No. 1148).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kampong Djabaru, ad truncos Arengae sacchariferae.
Regio calida, alt. + 250 m s. m. — 31. 3. 1894 (c. per.) (No. 1149).
*Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Dessa Dramaga ad arbores. Regio calida, alt. + 200 m
s. m. — 26. 12. 1893°(e. per.) (No. 1150.)
Java: Prov. Batavia. In vieinitate urbis Buitenzorg prope Kampong Mandarena ad saxa secus viam.
Regio calida, alt. 200 m s. m. — 27. 11. 1893 (ec. per.) (No. 1151).
*Ibidem: Alt. 250 ın s. m. — 1. 3. 1894 (c. per.) (No. 1152).
*Java: Prov. Batavia. In vicinitate urbis Buitenzorg, Batu-Tulis-ketjil, inter saxa secus viam. Regio
calida, alt. 200 m s. m. — 23. 11. 1893 (ce. per.) (No. 1153).
*Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kotta-Batu ad saxa. Regio calida, alt. + 300 m s. m
— 7.2. 1894 (c. fr.) (No. 1154).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Tanah-Sereal ad Arengae sacchariferae truncos.
Regio calida, alt. + 250 m s. m. — 21. 1. 1894 (c. fr. mat.) (No. 1155).
Java: Prov. Batavia. In monte »Gunung Burung« (Gunung Bunder)- in silva primaeva ad truncos
putridos. Regio calida, alt 200 — 300 m s. m. — 19. 12. 1893 (c. fr,, forma laxa.) (No. 1156).
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad arbores putridos in silva primaeva. Regio calida, alt. 300 m
same — 28212. 1893. (No 157).
_*Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 500 m s. m.
— 24. 3. 1894 (ec. fr.) (No. 1158).
*Java: Prov. Batavia. In vico Gadok ad saxa. Regio calida, alt. + 400m s. m. — 24. 3. 1894
(No. 1159).
Java: Prov. Batavia. In vico Pasir-Muntjang ad truncos Cocoes nuciferae. Regio calida, alt 660 m
s. m. — 6. 4. 1894 (c. fr. mat.) (No. 1160).
*Java: Prov. Preanger. In monte Salak, ad Albizziae truncos in culturis supra vicum Sukamantri
Regio pluvialis, alt. 500— 700 m s. m. — 28. 1. 1894 (ec. fr.) (No. 1161).
*Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas«, supra Wanaradja. Regio pluvialis,
alt vix 1000 m s. m. — 15. 2. 1894 (No. 1162).
151. Lophocolea muricata (Lehm. et Lndnb.)N. ab E.
(= L. horridula Sande Lac.)
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primigeniis ad latus septentr. ad arbores rarissima
inter muscos. Regio pluvialis, alt. + 1200 m s. m. — 5. 12. 1893 (ec. fr. et 3) (No. 1168).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« ad Poly-
pori superficiem. Regio pluvialis, alt. + 1000 ın s. m. — 4. 1894 (c. per.) (No. 1164).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango in silvis primaevis supra Tjibodas
ad truncos putridos inter muscos. Regio nubium, alt. — 1500 m s. m. — 18.4. 1894
(No. 1165).
*Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1500 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1166).
Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1590 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per. et 5) (No. 1167).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1168).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1760 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1169).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2040 m. s. m. — 24. 7. 1894 (Nr. 1170).
Plantae Indicae, Series II. 195
152. Lophocolea Javanica n. sp.
Paroica (et autoica vel dioica). E majoribus 4—10 cm longa llaccida, pallide viridis, subsimplex vel
pauciramosa parum radiculosa, folia densa disticha convexa latissime adnata, oblique deltoidea ad 15 mm
- longa et paulo latiora, apice bidentata dentibus validis sinu profunde rotundato angusto discretis, interdum
dente tertio in margine ventrali obvio. Cellulae rotundatae pellucidae — 0:04 mm diam. parietibus
tenuibus, trigonis parvis nodulosis. Amphigastria cum foliis utrinque commissura angusta connata foliis
multo minora longe biciliata ciliis porrectis sinu lato rotundato discretis, lateribus utrinque dente minore
} armatis. Perianthia terminalia persaepe innovatione suffulta, magna ad 4 mm longa, triquetra angulis sub-
lat, labiis tribus rotundatis denticulatis (exceptione integerrimis) vel apice subtruncato bidentatis
et lateribus denticulis paucis minoribus armatis. Calyptra magna tenuis. Capsula ovalis 1 mm longa,
_ valvulis ovato-lanceolatis 13 mm longis; seta 6—8 mm longa. Elateres crassi, breves flexuosi 0:14 longi
bispiri spiris wufobadiis. Sporae O'O15 mm laeves rufae. Folia involucralia squarrosa subfalcato-oblonga,
remote spinoso-dentata, dentibus apicalibus duobus paulo majoribus. Amphigastrium invol. foliis paulo
minus, ovato-lanceolatum breviter bifidum et marginibus subdentatum. Folia subinvolucralia sensim in
formam caulinorum redeuntia. Folia perigonialia plurijuga intercalaria in caule fructifero vel sterili, e basi
saccata squarroso-reflexa apice integerrima vel 1—2 dentata.
AL. bidentata et affinibus optime distincta amphigastriis evidenter connatis, involucro spinoso-
dentato, perianthii ore non lacerato-spinoso etc. Ab affinibus L. ciliolatae et costatae longius recedit
habitu, perianthio non late alato ceterisque notis.
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2780 m s. m. — 9.5. 1894 (c. per. et
g cum Loph. Levieri.) (No. 1171.)
*Ibidem: Ad terram inter muscos rarissima. Alt. 2800 m s. m. — 9. 5. 1894 (No. 1172).
Ibidem: Ad terram. Alt. 28380 m s. m. — 9.5. 1894 (ce. per. et S', inter Plagiochilam Beccarianam
etc.) (No.1173).
Ibidem: Ad arbores. Alt. 2950 m s. m. — 9. 5. 1894 (No. 1174).
Ibidem: Ad arbores inter Plagiochilam trapezoideam. Alt. 2965 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. fr. mat.
et Zd) (No. 1175).
*Java: In monte Pangerango supra locum dictum »Kandang-Badak« in silva primaeva ad truncos
putridos. Regio alpina, alt. 28380 m s. m. — 9. 5. 1894 (No. 1176).
Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi in silva primaeva ad arbores. Regio
nubium. alt. 2050 m s. m. — 30. 7. 1894 (parcissime inter muscos, pl. 5 vidi.) (No. 1177).
za»
153. Lophocolea Sumatrana n. sp.
Autoica vel pseudo-dioica. Planta ad 25 mm longa subflaccida, pallida, ex amphigastriorum basi
fasciculatim radicellosa, saepe valde ramosa, ramis lateraliter ex amphigastrii axilla ortis. Folia disticha
subopposita basi latissima affixa convexa 1'5 mm longa et fere aequilata, quoad formam variabilia late
ovata integra etintegerrima apice rotundata (vel raro subemarginata, vel subacuta), ad ramorum
bases pauca saepe 2— 3 laciniata, omnes marginibus cellulis paulo prominentibus minutissime crenulata,
Amphigastria caule 2—3plo latiora, utringue cum foliis adjacentibus conspicue connata, ad medium
sinu lato bifida, laciniis divergentibus longe acutis, marginibus utrinque dente breviore armatis. Cellulae
rotundatae vel ovales, pellucidae + 0'03 m diam. marginales minores, parietibus tenuibus trigonis parvis.
Perianthia terminalia vix innovata magna triquetro-prismatica late trialata alis dentatis, ore spinu-
loso-denticulata. Capsula parva, valvulis ovato-lanceolatis 125 mm longis, seta ad 13 mm longa. Folia
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. IXX. Bd.
|
!
26
196 V. Schiffner,
involucralia oblongo-ovata ad 2 mm longa ultra 1 mm lata, remote dentieulata apice truncata, amphi-
© f , F
13
sensim in formam caulinorum renitentia. Rami / tenuiores foliis angustioribus saepe subacutis; folia
gastrium involucrale aequimagnum ad '/, bifidum margine denticulatum. Folia subinvolucralia similia
perigonialia basi tantum excavata (ut in genere Nardia exempli gracia), antheridia singula magna.
Planta rarissima certe affınis L. Javanicae sed foliis integris, perianthio latissime alato ceterisque
notis optime distincta.
Sumatra occid.: In monte ignivomo Merapi infra craterem ad fructices cum. Loph. ciliolata var.
Sumatrana. Regio alpina, alt. + 2600 m s. m. — 31.7.1894 (c. fr. et Z) (No. 1178).
154. Lophocolea ciliolata (N. ab E.) Gott.
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio pluvi-
alis, alt. 900 m s. m. — 5. 12. 1893. (c. fr.) (No. 1179).
Ibidem: Inter Plagiochilam propinguam ete. alt. + 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (c. per.) (No. 1180).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong in silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna« ad
truncum Filieis arboresc. cum Lophoc. muricata. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5.1.
1894 (ec. fr. et pl. J) (No. 1181).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. per.) (No. 1182).
*]bidem: Alt. 1530 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 1183).
Ibidem: Cum Lophocolea Stephanii. Alt. 1560 m s. m. — 21.4. 1894 (c. per. et 5‘) (No. 1184).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dicetum » Tjiburrum« prope Tjibodas
ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. per. et /‘) (No. 1185).
Ibidem: Alt. 1505 m s. m. — 2.5. 1894 (ce. per. et d') (No. 1186).
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores cum Lophocolea Levieri et L. javanica. Alt.
2780 m s. m. — 9. 5. 1894 (No. 1187).
*Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh supra Kandang-Badak. Regio
alpina, alt. + 2500 m s. m. — 10.7. 1894 (c. per.) (No. 1188).
*Sumatra occid: In monte ignivomo Merapi in silva primaeva. Regio nubium, alt. 2120 mm s. m. —
31. 7. 1894 (No. 1189).
Forma angustifolia Schffn.
Autoica. Folia angustiora, quam in.typo (sed breviora et latiora, quam in var. Sumatrana); os peri-
anthii longe cilato-dentatum, ut in varietate.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1680 nm s. m. — 24. 7. 1894 (No. 1190).
Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1800 m s. m. — 24.7. 1894 (c. per.) (No. 1191).
Sumatra oceid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad truncos putridos.
Regio nubium, alt. + 2400 m s. m. — 25.7. 1894 (c. per.) (No. 1192).
*Sumatra occid: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. + 2800 m s. m. —
25. 7. 1894 (c. per.) (No. 1193).
*Sumatra oceid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores in silva primigenia. Regio
pluvialis, alt. 13— 1400 m s. m. — 26. 7. 1894 (c. per.) (No. 1194).
Var. spinulosa n. var.
Autoica. Statura graciliore et tenuiore, + 2cm longa. Folia densa longiora et multo angustiora,
apice et margine ventrali spinuloso-dentata. Capsula parva, !onge pedicellata. Cetera ut in typo. (An sit
haec var. idem ac L. Hasskarliana Gott. cujus specimina authentiea non vidi.)
Plantae Indicae. Series IL. 197
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum Jietum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1170 m s. m. — 7.4. 1894 (c. per. et Z') (No. 1195).
Var. Sumatrana n. var.
Autoica. Foliis angustis triplo longioribus quam latis fere convenit cum var. spinulosa sed est
en Se Br a 1 Du 1 2 Ze 222
paulo robustior, folia ad apicem magis etiam angustata, apice grosse bidentata, dentibus divarica-
is sinu profunde rotundato (rarissime in fundo unidenticulato) discretis, ceterum integerrima. Perian-
him alis longe spinoso-ciliatis ore longissime ciliato.
# Sumatra occid.: In monte ignivomo Merapi in silva primaeva ad arbores cum Lophoe. ciliolata
Iypica, L. Levieri etc. Regio nubium, alt. 2120 m s. m. — 31. 7. 1894 (c. per.) (No. 1196).
155. Lophocolea thermarum n. sp.
e Dioica (an semper?). Inter muscos et hepaticas, tenerrima, olivaceo-viridis subsimplex. Caules ad
9—bem longi flaceidissimi, radicellis vix ullis. Folia remota, minima ad 0:75 mm longa deltoidea sub-
- plana, apice breviter paucidentata. Cellulae tenerae + 0036 mm diam., trigonis parvis. Amphigastria caule
latiora basi utringue cum folio connata, quadridentata, dentibus mediis majoribus. Perianthia terminalia,
5 saepe innovatione suffulta pro plantae teneritate magna fere omnino ut in Zoph. ciliolata. Folia involucra-
lia perianthio multo breviora ovato-lanceolata subfalcata spinulosa, amphigastrium subliberum oblongo
hr ovatum spinulosum. Cetera non vidi.
A L. ciliolatae proxima et forse ejus varietas valde aberrans; sed differt inflorescentia dioica (?), teneritate
_ eximia et habitu elongato flaccido, foliis perparvis apice non conspicue bidentatis.
| Java: Prov. Preanger. Apud fontes calidos supra »Tjiburrum« prope Tjibodas. Regio nubium, alt.
2140 m s. m. — 2.5. 1894 (ec. per.) (No. 1197).
2 156. Lophocolea Stephanii n. sp.
: Autoica (rarius obliteratione unius sexus pseudo-dioica). Magna laxe caespitosa vel inter muscos
-pallide luteo-viridis, — 4 cm longa cum foliis explanatis saepe ultra 6 mm lata, subramosa parce radicel-
losa. Folia densa distiche explanata oblique patentia longe et anguste deltoidea + 3 mm longa, 1'25 mm
" lata, subplana, margine dorsali stricto integerrimo, apice oblique truncato bicuspidato, dentibus duo-
bus validis subdivaricatis, margine ventrali subrecto vel parum arcuato paucidentato, dentibus 1—3 vali-
dis. Folia subinvolucralia paulo latiora dentibus in margine ventrali crebrioribus. Cellulae magnae pellu-
cidae tenerae + 0:05 mm diam. (in his plantis paulo majores, in his minores), trigonis parvis. Amphiga-
stria subcontigua caule fere duplo latiora utrinque late cum folio connata paucispinosa, dentibus apicali-
bus 2—4 minoribus valde approximatis; subinvolucralia multo majora imbricata magis dentata. Perianthia
terminalia in caule et in ramis elongatis plerumque sine innovatione, maxima ad 6 mm longa, ambitu cum
alis obovata, triquetra latissime alata, alis et ore spinosa. Capsula brunnea ovalis haud longe exserta, val-
vulis lanceolatis obtusis ultra 2 mm longis. Folia involucralia angusta subfalcata, ad 5 mm longa, margine
dorsali subintegerrima reflexa, ventrali valide 4—6 spinosa, apice bidentata, basi cum amphig. minore
‚anguste oblongo-ovato subplano remote sed valide spinoso connata. Rami / minores fere Spicaeformes;
folia perigonialia caulinis similia sed multo minora basi valde saccata marginibus integerrimis apice
bidentata.
Quoad habitum, foliorum structuram formam quasi giganteam L. ciliolatae refert. Differt praeter
magnitudinem eximiam foliis subplanis longioribus, cellulis multo majoribus.
*Java: Prov. Preanger. In decl. austral. montis Pangerango; in -silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos. Regio nubium, alt. 1545 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. per.) (No. 1198).
26%
198 V. Schiffmer,
Ibidem: Alt. 1570 m s.m. — 21.4. 1894 (ce. per.) (No. 1199).
[bidem: Ad arborum truncos. Alt. 1600 m s.m. — 24. 4. 1894 (c. fr. mat. er 9) (No. 1200).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1600 m s.m. — 24.4. 1894 (No. 1201).
Ibidem: Alt. 1630 m s.m. — 24.4. 1894 (e. fr. mat. et pl. J') (No. 1202).
Ibidem: Alt. 1670 m s.m. — 24. 4. 1894 (ec. fr. mat. et d') (No. 1203).
Ibidem: Alt. 1700 m s.m. — 24.4. 1894 (e. fr. mat. et J) (No. 1204).
Ibidem: Alt. 1760 m s.m. — 24. 4. 1894 (c. fr. mat. et J') (No. 1205).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 1780 m s. m. — 2.5. 1894 (c. fr. mat.)
(No. 1206).
157. Lophocolea Levieri n. Sp.
A
Paroica, sed saepe inter inflor. Z et ? terminalem paria nonnulla foliorum sterilium inveniuntur,
rarissime proveniunt plantae solum feminae. Planta pallide viridis, subrigida caespitosa vel inter alias
hepaticas et muscos, parce radiculosa, 10 —20 mm longa, pauciramosa densifolia. Folia valde convexa vel
revoluta, deltoidea fere trigona, ad 1:75 mm longa, 1 mm lata, margine dorsali recto integerrimo vel api-
cem versus tantum 1—2 dentato, apice grosse bidentata vel tridentata, margine ventrali (etiam in planta
sterili) dentato, dentibus 3—6. Cellulae ad 0044 mm diam. parietibus tenuibus trigonis conspieuis.
Amphigastria imbricata (etiam in planta sterili) caule plus 3plo latiora ovata 6—plurispinosa, dentibus
duobus apicalibus valde approximatis, utrinque cum foliis connata. Perianthia terminalia rarius in dicho-
tomia + Amm longa subtorta triquetra, late alata, alis et ore spinoso-dentatis. Capsula parva, longe
exserta. Folia involucralia caulinis majora, dorso late reflexis, marginibus valde dentata. Folia perigonialia
e basi saccata dorso saepe unidentata, squarrosa, marginibus valde reflexis paueidentatis.
Differt a L. ciliolata simili structura firmiore, rigidiore, foliis densis margine ventrali semper den-
tatis, amphigastriis imbricatis pluridentatis perianthii alis et ore brevius dentatis et praeprimis inflorescentia
normaliter paroica.
Speciem hanc elegantem dicavi amicissimo Dri Aemilio Levier, bryologo Florentino meri-
tissimo.
Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad truncos putridos cum Lophoc. Massalongoana. Regio nubium, alt. 1575 m s. m. — 28. 4.
1894 (c. per. el Z) (No. 1207). ;
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos sparse inter Chiloscyphum coalitum. Regio nubium, alt. 1600 m s. m. — 21.4,
1894 (c. fr. mat.) (No. 1208).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 2025 m s. m. — 2.5 1894 (c. per. et J’)
(No. 1209).
Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi in silva primaeva ad arbores. Regio
alpina, alt. 2500 m s. m. — 30. 7. 1894 (c. fr. mat. et Z) (No. 1210).
*Ibidem: Ad terram. Regio alpina, alt. + 2400 m s. m. — 30. 7: 1894 (c. per. et g') (No. 1211).
158. Lophocolea Massalongoana n. Sp.
Autoica. Caespitosa, pallide-viridis, magna robusta ad 5 cm longa subrigida, parum ramosa, dense
foliosa. Folia pectinatim disticha subfalcato-squarrosa, valde canaliculato-revoluta, oblongo-trigona, ad
2.6 mm longa et 1'3 mm lata dorso longe decurrentia, margine dorsali basi et apice paucidentato medio
integerrimo apice et margine ventrali subregulariter dense et valide spinoso-dentatis valde revolutis. Cellu-
fs
N
s
Plantae indicae. Series I. 199
lae magnae + 0°058 mm diam., tenuiretes sed trigonis conspicuis. Amphigastria (in caule sterili) imbri-
cata, foliis 3plo minoribus, subrotundis, marginibus plus minus reflexis, dense spinoso-dentatis,
utringue cum foliis connata. Perianthia terminalia vel pseudolateralia raro in dichotomia, maxima, ultra
5 mm longa triquetro-prismatica latissime alata, alis et ore densissime spinoso-dentatis, alis lateralibus
saepe valide reflexis. Capsula ovalis, longe exserta in seta + 15 mm longa, valvulis lanceolatis obtusis
2 mm longis. Folia involucralia ovato-lanceolata caulinis multo majora convoluta ubique dense et valide
Spinosa, amphigatrium fere aegquimagnum basi connatum oblongo-ovatum 2:7 mm longum, 1:6 mm latum,
valide et dense spinosum, reflexum. Folia et amphigastria subinvolucralia sensim in formam caulinorum
transeuntia. Rami Q, fere spicaeformes, folia perigonialia plurijuga, minora, e basi saccata squarrosa dentata.
Affinis L. costatae, quacum adhuc commutata erat, sed differt statura pro more minore, foliis canali-
eulato-reflexis sed non tantum, ut si plantam a dorso adspieis margo ventralis supra dorsalem promineat,
foliis insuper angustioribus, amphigastriis multo minoribus (non foliis aequimagnis), cellulis majoribus,
folüis involucralibus aliter formatis, amphigastrio invol. oblongo-ovato non late cordato, perianthii alis
versus basin non valde ampliatis. Speciem pulcherrimam dicavi cl. Dri Caro Massalongo, botanices pro-
fessori in uniVersitate Ferrarensi, praeclaro hepaticologo.
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (forma ad var. pumilam
subaccedens, c. fr. mat.) (No. 1212).
*Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh, infra craterem ad terram. Regio
alpina, -- 2700 m s. m. — 24.7. 1894 (forma ad var. pumilam accedens, c. per.) (No. 1213).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad truncos putridos. Regio pluvialis, alt.
900— 1000 m s. m. — 24.7.1894 (c. per.) (No. 1214).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad truncos putridos.
Regio nubium, alt. + 1800 m s. m. — 24.7. 1894 (e. fr.) (No. 1215).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 1850 m s.m. — 24.7.1894 (c. per.) (No. 1216).
Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. + 2000 m s. m. — 24.7. 1894 (c. fr.) (No. 1217).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. + 2000 m s. m. — 24.7.1894 (forma ad var. pumilam accedens,
ce. per.) (No. 1218).
Ibidem: Ad arbores. Alt. 2040 m s. m. — 24.7.1894 (ce. per.) (No. 1219).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2020 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 1220).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 2080 m s. m. — 25.7. 1894. (c. per.) (Nr. 1221).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 2090 m s. m. — 25.7.1894 (c. fr. mat.) (No. 1222).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 2340 m s. m. — 25.7. 1894 (c. per.) (No. 1223).
*Ibidem: Ad arbores. Regio alpina, alt. 2600 m s. m. — 25.7. 1894 (No. 1224).
*Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi in silva primaeva ad arbores. Regio
nubium, alt. 2050 m s. m. — 30.7.1894 (forma ad var. pumilam subaccedens, c. per.) (No.1227).
*Ibidem: Alt. 2120 m s. m. — 30.7. 1894 (c. per.) (No. 1226).
Sumatra occid.: In monte ignivomo Merapi in silva primaeva ad arbores. Regio nubium, alt.2110 1m
s. m. — 31.7. 1894 (forma ad var. pumilam accedens, c. per.) (No. 1227).
Var. pumila n. var.
Multo minor; foliis convexis sed non revera revolutis, margine ventrali minus dense dentato, peri-
“anthii alis angustioribus ut et ore breviter dentatis. Caute a L. Levieri separanda!
Java: In monte Pangerango. Supra Lebak-Saät ad truncos putridos in silva primaeva. Be nubium,
alt. 2200 m s. m. — 9. 5. 1894 (c. per.) (No. 1228).
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh supra Kandang-Badak. Regio
alpina, alt. + 2500 m s. m. — 10. 7. 1894 (c. per.) (No. 1229).
200 V. Schiffner,
"Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2955 m s. m. — 9. 5. 1894 (ce. per.)
(No. 1230).
159. Lophocolea costata (N. ab E.) Gott.
"Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh supra Kandang-Badak. Regio
alpina, alt. = 2500 m s.m. — 10.7. 1894 (forma minor, an minus evoluta?, c. per. et Z)
(Noz122%:
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2360 m s. m. — 25. 7. 1894 (forma minor, c. fr. et J') (No. 1232).
Var. speciosissima n. var.
Planta magna robusta ad 6 cm longa. Folia densa revoluta retrospectantia multo majora et latiora, in
caule sterili ultra 3 mım longa ultra 2 mm lata; amphigastria foliis fere aequimagna late ovata 2 mm longa
fere aequilata. Perianthia terminalia, saepe innovatione simpliei suffulta vel in dichotomia, maxima ad
7 mm longa alis basin versus valde dilatatis ibidemque ultra I mm latis, remotiuscule grosse dentatis ore
ciliato-dentato. Folia et amphigastria caulinis multo majora quoad formam et dentieulationem simillima.
Rami 9 aut parvi spicaeformes aut majores sterilibus subsimiles.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra loeum dietum
»Tjiburrum« ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 1910 m s. m. — 2.5.1894 (c. per.)
(No. 1223).
"Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
alpina, alt. + 2500 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 1234).
Sumatra occeid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. + 2800 m s. m. —
25. 7. 1894 (c. per.) (No. 1235).
“Sumatra occeid.: In monte ignivomo Merapi in silva primaeva ad arbores. Regio nubium, alt. 2120 m
s. m. — 31.7. 1894 (c. per.) (No. 1236).
160. Chiloscyphus coalitus (Hook.) Dum.
Planta fere communis valde variabilis:
Forma typica.
E majoribus, densifolius. Folia fere duplo longiora quam lata subrectangularia i. e. apice non tantum
angustata, late tuncata, ciliis longis (cellulis superpositis 5— 8), amphigastria utringue 2— Sciliata, com-
missuris non longe decurrentibus latis. Cellulae + 0:04 mm diam.
Java: Prov. Batavia. Ad declivia septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + 700 m s. m. — 28. 1. 1894 (f. typica c. fr. mat., proveniunt in his caespitibus
varietates et formae diversae intermixtae) (No. 1237).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primigeniis ad latus septentr. ad saxa. Regio pluvialis,
alt. + 800 m s. m. — 5. 12. 1893 (pl. Z) (No. 1238).
Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 900 m s. m. — 5. 12. 1893 (forma foliis angustioribus ciliis longis-
simis) (Nr. 1239).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. + 900 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1240).
“Java: Prov. Batavia. In monte Megamendongyfin silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 4. 1. 1894 (No. 1241),
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum » Artja« in silva pri-
maeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1170 m s. m. — 7. 4. 1894 (cellulis paulo majoribus)
(No. 1242),
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Plantae Indicae. Series II. 201
*Ibidem: In silva primaeva. Alt. 1100 m s. m. — 7. 4. 1894 (No. 1243).
*Java: In monte Pangerango. Infra Tjibodas ad saxa secus viam versus Sindanglaija. Regio pluvia-
lis, alt. 1305 m s. m. — 23. 4. 1894 (forma foliis basi multo latioribus et commissura latissima
magis ad var. Sumatranum accedens sed amphig. utrinque 3-ciliatis) (No. 1244),
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos. Regio nubium, alt. 1460 m s. m. — 21.4. 1894 (ad var. affinem accedens)
(No. 1245).
Ibidem: Alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. fr. mat.) (No. 1246).
Ibidem: Alt. 1500 m s. m. — 28. 4. 1894 (c. fr. mat.) (No. 1247).
*]bidem: Alt. 1510 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 1248).
Ibidem: Alt. 1560 m s. m. — 21.4. 1894 (c. fr. mat. et /, + Chil. argutus et Lophocolea muricata
ce. per. sparsis) (No. 1249).
Ibidem: Alt. 1565 m s. m. — 24. 4. 1894 (ce. fr. mat.) (No. 1250).
lbidem: Alt. + 1500 m s. m. — 18.4. 1894 (c. fr. proveniunt etiam in hisce caespitibus plantae
minores formae pusillae adscribendae) (No. 1251).
*Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 21.4. 1894 (forma minor, foliis angustioribus, ciliis 5—6 cellulas lon-
gis, amph. 4 ciliatis) (No. 1252).
*Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 21. 1894 (No. 1253).
Ibidem: Alt. 1600 m s. m. — 24. 4. 1894 (forma ut no. 1244) (No. 1254).
Ibidem: Alt. 1630 m s. m. — 24. 4. 1894 (forma ad var. affinem accedens) (No. 1255).
Ibidem: Alt. 1630 mr s. m. — 24. 4. 1894 (forma ut no. 1244, cellulis majoribus) (No. 1256).
Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (ec. fr. — cellulis paulo majoribus) (No. 1257).
*Ibidem: Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. fr. et J — foliis paulo porrigentibus, sinu sublunari et
cellulis paulo incrassatis) (No. 1258).
Ibidem: Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (ad var. affinem subaccedens) (No. 1259).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dictum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1505 m s. m. — 2.5. 1894 (No. 1260).
*Ibidem: Alt. 1540 m s. m. — 28. 4. 1894 (No. 1260 D).
*Java: Prov. Preanger. In silva primaeva infra craterem »Kawah-Manuk«. Regio nubium, alt. +
1750— 1860 m s. m. — 12. 2. 1894 (forma minor angustior — c. per.) (No. 1261).
*Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan, ad viarum latera in silva. Regio nubium, alt.
1550 m s. m. — 14. 2. 1894 (No. 1262).
Sumatra occid.: In faueibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad saxa. Regio calida, alt.
555 m s. m. — 21.7. 1894 (forma ad var. affinem subaccedens) (No. 1263).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores.
Regio nubium, alt. 2120 m s. m. — 25.7. 1894 (forma ciliis paulo brevioribus) (No. 1264).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1640 m s. m. — 24.7. 1894 (cellulae valde leptodermes) (No. 1265).
Forma pusilla Schffn.
Multo minor, habitu omnino var. angustum aemulans, folia breviora, quam in typo, basin versus
multo minus dilatata, quam in var. angusto, magis rectangularia, ciliae longae, commissura — 4 cellu-
las lata. :
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Java: Prov. Batavia. In monte Salak, in silvis primigeniis ad latus septentr. ad filicum arboresc. trun-
cos. Regio pluvialis, alt. = 1000 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1266).
*]bidem: Ad folium Trichomanis. Alt. 1200— 1350 m s. m. — 5. 12. 18983 (No. 1267).
*Ibidem: Ad arbores et ad saxa. Alt. = 1200 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1268).
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2) V. Schiffner,
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio pluvi-
alis, alt. 1150 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 1269).
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna«. Ad
terram ad ripas lacus vulcanici. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (1270).
Ibidem: Ad arbores. Alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 1271).
‘Sumatra occid.: In valle »Lobang-Karbau« prope Fort de Kock ad terram. Regio pluvialis, alt. =
800 m s. m. — 29. 7. 1894 (No. 1272).
Var. angustus n. var.
Minor, multo angustior, cum foliis explanatis ad 2:5 mn latus; folia densa breviter sed late deltoi-
dea, e basi latissima sensim angustata, apice plus triplo angustiora quam basi, ciliae mediocriter longae.
Amphigastria 4 ciliata, commissura lata.
Java: Prov. Preanger. Apud fontes calidos supra »Tjiburrum« prope Tjibodas vapore aquarum cali-
darum velatus. Regio nubium, alt. 2140 m s. m. — 2. 5. 1894 (cum f. pusilla in eodemque caes-
pite; est forma valde elongata) (No. 1273).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 1274).
Var. grandiretis n. var.
Formae typicae similis sed major, foliis paulo latioribus, versus basin magis dilatatis ciliis longissi-
mis, amphigastriis longe 4—5 ciliatis, commissura lafa brevi. Cellulae multo majores + 0:046x 0:03 mm
paulo incrassatae.
Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga-bodas« in silva. Regio nubium, alt. 1560 ın
s. m. — 15. 2, 1894 (No. 1275).
Var. Sumatranus n. var.
Inter formas Ch. coaliti sane maxima, cum foliis ultra 5 mm latus sed flaccidus, folia densa latissima
fere ut in var. angusto formata sed multo majora, ciliae longae cellulae ut in typo vel paulo majores sub-
leptodermes. Amphigastria magna 6—I1ciliata commissura latissima (+ 3 cellulas lata).
Sumatra occid.: In monte Singalang in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt. 1800 m
s. m. — 26. 7. 1894 (ciliae amphig. saepe 6 tantum; an sit transitus ad formam typicam?)
(No. 1276).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad truncos putri-
dos. Regio nubium, alt. 2320 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 1277).
Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. + 2800 m s. m. —
25. 7. 1894 (No. 1278).
Sumatra occid.: In monte Ignivomo Merapi inter frutices alpinos infra craterem. Regio alpina, alt.
— 2600 m s. m. — 31. 7. 1894 (No. 1279).
Var. affınis (R. Bl.et N. abE.) N. ab E.
Formae typicae similis sed differrens foliis apice arcuato-angustatis, sinu sublunari, eiliis multo bre-
vioribus, cellulis superpositis 3—-4 non elongatis. Amphigastria parva 4(—6) ciliata, commissura saepe
angustior. Cellulae leptodermes paulo minores.
*Java: Prov. Batavia. In vicinitate urbis Buitenzorg, Kampong Mandarena ad terram. Regio calida,
alt. + 250 m s. m. — 1. 3. 1894 (est forma minus evoiuta) (No. 1280).
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok; prope fontem ad saxa. Regio calida, alt.
500 m s. m. — 24. 3. 1894 (f. commissura angustiore paulo longiore) (No. 1281).
Plantae Indicae. Series II. 203
Java: Prov. Batavia. In monte »Gunung-Burung« (»Gunung-Bunder«) in silva primaeva ad saxa calca-
rea. Regio calida, alt. 200—300 m s. m. — 19. 12. 1893 (No. 1282).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. 750 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1282 b).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad arbo-
rum truncos. Regio nubium, alt. = 1420 m s. m. — 8. 5. 1894 (f. pusilla, an minus bene evo-
| luta) (No. 1283).
| Sumatra occid.: In faucibus dietis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad terram in spelunca
obscura. Regio calida, alt. 450 m s. m. — 21.7. 1894 (forma tenerior angustior transitoria ad
formam remotifoliam) (No. 1284).
Forma remotifolia n. f.
Laxior. Folia quoad formam cum var. affini congruentes sed remotiora, amphigastriis parvis (saepe
4-ciliatis), commissura angusta longe decurrens. Cellulae saepe majores, leptodermes.
-
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt. &
1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (No. 1285).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja«, in Dessa
Artja ad terram. Regio pluvialis, alt. 800 m s. m. — 6. 4. 1894 (pl. an juvenilis?) (No. 1286).
*Java: Prov. Batavia. In declivibus septentr. Gedeh ad arbores. Regio pluvialis + 1000 m s. m. —
21. 1. 1894 (No. 1287).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango, prope Tjibodas ad rupes humidas secus
viam versus Sindanglaija. Regio pluvialis, alt. 1300 m s. m. — 23. 4. 1894 (No. 1288).
Sumatra occid.: In faucibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad rupes. Regio calida, alt.
640 m s. m. — 21. 7. 1894 (No. 1289).
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ENTE EDEN) N SEERNTORNN,
161. Chiloscyphus porrigens n. Sp.
|
Valde affinis Chiloscypho coalito cui colore, habitu et magnitudine omnino similis est. Folia densa
distiche patula sed non a caule recto angulo distantia sed oblique porrigentes, oblongo rec-
tangularia ultra 2 mm longa, vix 1 mm lata, basi vix latiore, apice subconstricto truncato sublunatim
emarginata, bidentata, dentibus brevibus 3—4 cellulas tantum longis, cellulae majores + 0'046 mm, diam
leptodermes, trigonis nullis. Amphigastria caule duplo latiora, breviter 4 ciliata, cum foliis adjacentibus
_ commissura lata connata. Cetera non vidi.
Foliorum directione et forma multo angustiore, sinu apicali lunato, dentibus brevioribus (ut in
Ch. coalito var. affini) cellulis majoribus a Ch. coalito distinguendus.
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak, in silvis primigeniis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. + 800 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1290).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 12—1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1291).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. + 700 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1292).
Ibidem: Ad saxa. Alt. 750 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1293).
Ibidem: Ad saxa. Alt. + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1294).
Java: Prov. Batavia. In Monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (No. 1295).
*Java: Prov. Batavia. In decliv. septentr. montis Gedeh ad arbores. Regio pluvialis, alt. <H SO0 m
s. m. — 21. 1. 1894 (No. 1296).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 27
204 V. Schiffner,
162. Chiloscyphus argutus (Reinw. Bl. et N. ab E.) N. ab E.
Species communis quam maxime variabilis quoad foliorum formam, denticulationem et areolationem,
formis transitoriis cum Ch. Endlicheriano (qui certe nil est nisi varietas Ch. arguti, sane idem ac
var, nostra paucidentatus) et Ch. Zollingeri conjunctus, a quibus autem forma typica valde recedit. — Var.
subtilis Syn. Hep. e specimine originali nil est nisi status juvenilis haud bene evolutus, igitur delenda. —
Ipse formas sequentes legi:
Forma typica.
Folia breviter rectangularia, apice late rotundato subregulariter pluridentato, dentibus 6—11. Amphi-
gastria 4-partita, ciliis accessoriis nullis. Hanc formam refert specimen orig. Chiloscyphi arguti in Herb.
Lindenbergii sub No. 4382 asservatum, qua de causa pro forma typica hic statuo, quamquam sine
dubio var. mea ciliatistipus formam omnium optime evolutam et frequentissimam sistit.
*Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad terram. Regio calida, alt. + 260 m s. m.
— 12.11. 1893 (No. 1297).
*Ibidem; Ad terram et ad radices. — 3. 1894 (No. 1298).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kampong Djabaru, ad Arengam sacchariferam. Regio
calida, alt. + 250 m s. m. — 31, 3. 1894 (No. 1299).
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad truncos putridos in silva primaeva. Regio calida, alt.
—+ 500 m s. m. — 28. 12. 1893. (forma minus evoluta cum. var. subtili Syn. Hep. bene congrua)
(No. 1300).
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak, in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio nubium,
alt. 900 mı s. m. 5. 12. 1893. (forma tenerior, an minus bene evoluta, foliorum dentibus
brevibus valde variabilibus quoad nummerum 2-—7) (No. 1301).
Ibidem: Adrarbores et ad saxa. Alt. + 1200 m s. m. — 5. 12. 1893. (foliis brevioribus ad var.
subquadratum accedens.) (No. 1302 )
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa. Regio
pluvialis, alt. 750 m s. m. — 28. 1. 1894 (c. per. — fol. dentibus 5—6 tantum.) (No. 1303).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silvis secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. + 1000 m s. m. — 19. 1. 1894 (f. tenerior) (No. 1304).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos. Regio nubium, alt. 1500 m s. m. — 21.4. 1894 (dentes folior. in una eademque
planta 2—7.) (No. 1305).
Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1570 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 1306).
*IJbidem: Ad truncos putridos. Alt. 1530 m s. m. — 24. 4. 1894 (c. fr. mat.) (No. 1307).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1640 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1308.)
Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (ec. per jun.) (No. 1309).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dietum
»Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1685 m s. m. — 2.5. 1894 (No. 1310).
*Ibidem: Ad saxa. Alt. 2130 m s.m. — 2. 5. 1894. (foliis brevioribus ad var. subguadratum accedens;
pl &) (No 1811).
Sumatra occid.: In faucibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad saxa. Regio calida,
alt. 460 m s. m. — 21.7. 1894 (No. 1312).
*]bidem: Ad saxa. Alt. 535 m s. m. — 21. 7. 1894 (No. 1313).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad truncos putridos.
Regio nubium, alt. 1800 m s. m. — 24. 7 1894 (forma a varietate subguadrato haud longe
distans.) (No. 1314).
*Ibidem: Ad arbores. Alt. 2040 m s. m. — 24.7. 1894 (forma ut praecedens.) (No. 1315.)
Plantae Indicae. Series II. 205
Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi ad arbores in zona infra silvam primae-
vam. Rezıo nubıum, alt. 1600— 1680 m s. m. — 30.7. 1894 (forma foliis brevioribus latioribus.)
No. 1316).
Var. subquadratus n. var.
Planta saepe gracilior elongata. Folia brevia subquadrata vel imo latiora quam longa, dentibus longis
nummerosis (+ 7); amphigastria ut in forma typica.
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad rupes in silva primaeva. Regio calida, alt. + 350 m s. m.
— 28. 12. 1893 (No. 1317).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1100 m s. m. -—- 7. 4. 1894 (No. 1318).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
truncos putridos. Regio nubium, alt. = 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (pl. Z) (No. 1319).
Java: Prov. Preanger. In Cinchoneto »Daradjat« prope Garut ad truncos putridos. Regio nubium,
alt. = 1730 m s. m. — 12.2. 1894 (No. 1320).
Sumatra o®cid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad truncos putridos. Regio pluvialis alt.
13— 1400 m s. m. — 26. 7. 1894 (No. 1321).
“Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi ad terram. Regio alpina, alt. + 2400 m
s. m. — 30. 7. 1894 (No. 1332).
Var. ciliatistipus n. var.
Saepissime major et robustior. Folia majora, longiora ad 25 mm longa basi paulo latiora quam
apice, dentibus 6—10 longioribus; amphigastria majora ciliis accessoriis ornata, dentibus lateralibus
‚longissimis ciliiformibus curvatis.
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad terram. Regio calida, alt. + 260 m s. m.
— 23. 11. 1893 (No. 1323).
*Ibidem: Ad arborum truncos. — 11. 1893 (No. 1324).
Ibidem: Ad fossarum margines. — 11. 1893 (No. 1325).
Ibidem: Ad radices Oreodoxae acuminatae. — 21. 11. 1893 (No. 1326).
Ibidem: Secus vias. — 12. 11. 1893 (No. 1327).
*Ibidem: Ad terram. — 12. 1893 (No. 1328).
Ibidem: Ad radices Palmarum. — 3. 1. 1894 (No. 1329).
Ibidem: Ad terram. — 3. 1894 (No. 1330).
Ibidem: Ad arborum radices. — 10. 7. 1894 (No. 1331).
*Java: Prov. Batavia. In vicinitate urbis Buitenzorg ad terram humidam prope Kampong Mandarena.
Regio calida, alt. + 200 an s. m. — 27. 11. 1893 (No. 1332).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kampong Baru ad saxa. Regio calida, alt. + 230 m
s.m. — 11.3. 1894 (No. (1333).
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arborum radices. Regio calida, alt. +
500 m s. m. — 24. 3. 1894 (No. 1334).
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad Cocoes nuciferae radices. Regio calida,
alt. = 260 m s. m. — 12. 9. 1893 (Nr. 1335).
Var. excisus n. var.
Folia angustiora, dentibus 3—4 valde irregularibus validis, sinubus rotundatis profundis
‚ discretis. Amphigastria ut in forma typica. Cellulae submajores leptodermes. Varietati paucidentato
proximus.
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi in topiaria ad lateres humidos. Regio calida,
alt + 260 m s. m. — 19. 11. 1893 (No. 1336).
27*
206
V. Schiffner,
Java: In horto botanico Buitenzorgensi ad saxa. Regio calida, alt. = 260 m s. m. — 14. 4. 1894
(No. 1337).
Var minor n. var.
Multo minor, 2:5—3 cm longus, cum foliis paulo ultra 15 mm latus. Folia quoad formam fere ut
in typo, 5—6-dentata dentibus brevibus 2—3 cellulas longis. Amphigastria parva 4-partita. Cellulae ut in
typo. Perianthium dorso ad medium fere fissum marginibus spinuloso ciliatis, ore in lacinias angustas
longas partitum, laciniis spinuloso-ciliatis.
Java: Prov. Batavia. In monte »Gunung Burung« (»Gun. Bunder«), in silva primaeva ‘ad arbores.
Regio calida, alt. 200— 300 m s. m. — 19. 12. 1893 (ec. per.) (No. 1338).
®
Var. brevidens n. var.
Var. minori vix major, foliis paulo latioribus, 2—4-denticulatis, denticulis brevissimis 1—2
cellulas longis. Areolatio et amphigastria ut in typo. Color obscure viridis.
gastria minora 4-partita. Differt a Ch. Zollingeri statura minore, flaceiditate minore, colore intensiore et
cellularum parietibus validioribus. Vix dubitandum est, quin sit Ch. Endlicherianus hujus loeci.
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad truncos putridos in silva primaeva. Regio calida, alt,
— 400 m s. m. — 28. 12. 1893 (No. 1339).
Var. paucidentatus n. var.
Formae typicae paulo minor. Folia apice paulo contracta 2—5-dentata. Cellulae ut in typo. Amphi-
*Java: Prov. Batavia. Ad arborum truncos in horto botanico Buitenzorgensi. Regio calida, alt.
— 260 m s. m. — 11. 1893 (No. 1340).
Ibidem: Ad vias. Alt. + 260 m s. m.— 2. 1894 (forma an transitoria ad Ch. Zollingeri?) (No. 1341).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kotta-Batu, ad arbores. Regio calida, alt. — 300 ın
s. m. — 7. 2. 1894 (No. 1343).
Java: Prov. Batavia. In monte »Gunung Burung« (»Gun. Bunder«), in silva primaeva ad saxa cal-
carea. Regio calida, alt. 200—300 m s. m. — 19. 12. 1893 (pl. S — forma paulo in f. typicam
recedens) (No. 1344).
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad truncos putridos in silva primeva. Regio calida, alt. °
+ 400 m s. m. — 28. 12. 1893 (No. 1345).
EEE
163. Chiloscyphus Zollingeri Gott.
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad radices Oreodoxae acuminatae una cum
Ch. arguto var. ciliatistipo in uno eodemque caespite. Regio calida, alt. + 260 m s.m. —
21. 11. 1893 (No. 1346).
*Java: Prov. Batavia. In vicinitate urbis Buitenzorg, Batu-Tulis-ketjil; inter saxa secus viam. Regio
calida, alt. + 200 m s. m. — 23. 11. 1893 (1347).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi, Kampong Tjibogea ad saxa. Regio calida, alt. + 250m
s. m. — 31. 3. 1894 (ec. per. jun.) (Nr. 1348). i
*Java: In agro Buitenzorgensi, Kampong Bodjong-Djenko. Regio calida, alt. + 250 m s. m. — 31. 3. |
m nn
1894 (c. per. jun.) (No. 1349). ö
*Java: In agro Buitenzorgensi, Kampong Djabaru. Regio calida, alt. + 250 m s. s. — 31. 3. 1894
(No. 1350).
|
*Java: Prov. Batavia. In vico Gadok ad saxa. Regio calida, alt. — 400 m s. m. — 24. 3. 1894
(No. 1351).
Plantae Indicae. Series II. 207
Var. pluridentatus n. var.
Differt a forma typica foliorum dentibus 4—6. A Ch. arguto var. paucidentato distinguendus flaceidi-
tate, statura majore, colore pallidiore et foliis majoribus, tenerioribus. An sit idem ac. Ch. Endlicherianus.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primigeniis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
—+ 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (No. 1352).
Var. fissistipulus n. var.
Amphigastriorum laciniae ciliis accessoriis nonnullis auctae (omnino ut Ch. arguto var. ciliatistipo);
amphigastria foliis uno latere approximata sed omnino libera. Ceteris notis cum typo omnino convenit.
Java: Prov. Batavia. In vicinitate urbis Buitenzorg prope Kampong Mandarena ad terram humidam.
Regio calida, alt. + 200 m s. m. — 27. 11. 1893 (1353).
Ibidem: Alt. 250 m s. m. — 1.3. 1894 (No. 1354).
Var. rotundifolius n. var.
Saepe magnus ad 7 cm longus, grandifolius, foliis fere orbicularibus saepe latioribus quam latis,
2—3 (raro ad 5)-denticulatis. Amphigastria ut in forma typica.
Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad terram. Regio calida, alt. + 260 m s. m.—
3. 1894 (c. fl. ©) (No. 1355).
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok in cultura Theae ad arborum subumbrantium
truncos. Regio calida, alt. + 500 m s. m. — 24. 3. 1894 (No. 1356).
Var. subintegerrimus n. var.
Foliis his omnino integerrimis apice rotundatis, his 1—2 (raro ad 3)-denticulatis; ceterum ut forma
typica.
*Java: Prov. Batavia. In horto botanico Buitenzorgensi ad terram. Regio calida, alt. + 260m s. m.—
1. 1894 (c. fl. ©) (No. 1357).
Ibidem: Ad radices Nipae fruticantis. 4. 7. 1894 (c. per. jun.) (No. 1358).
*Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi; Dessa Dramaga ad terram. Regio calida, alt. — 200 ım
s. m. — 26. 12. 1893 (No. 1359).
164. Chiloscyphus integerrimus n. Sp.
Sterilis. E minimis, — I cm longus, cum foliis 175 mm latus, simplex, vix radiculosus olivaceo-
viridis. Folia densa, angulo subrecto a caule distantia, lingulato-rectangularia, O'8 mm longa, 05 mm
lata, apice late rotundata integerrima vel rarissime denticulo unico munita. Cellulae parvae subquadratae
+ 0:017 mm diam. circacircum paulo aequaliter incrassatae Amphigastria parva, caule parum latiora
4-dentata, uno latere (vel utrinque) angustissime cum foliis adjacentibus connata.
Chiloscypho arguto affinis sed certe distinctus statura exigua. Foliis intergerrimis et cellulis multo
minoribus.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, — 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 1360).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1530 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 1361).
165. Chiloscyphus aselliformis (Reinw., Bl.et N. ab E.) N. ab E.
Planta speciosissima valde variabilis quoad magnitudinem, amphigastriorum formam, foliorum et
amphigastriorum dentationem, sed formae vel varietates omnes formis intermediis conjunguntur et saepe
complures in uno eodemque caespite reperiuntur.
[}
.)
208 V. Schiffner,
Forma typica.
Magnus vel maximus, robustus. Folia apice tantum dentibus 2—pluribus armata, dentibus duobus
ceteris multo majoribus ciliiformibus longissimis. Amphigastria maxima oblata apice normaliter 4-dentata,
dentibus mediis multo majoribus.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1160 m s. m. — 5. 1. 1894 (Var. diversidenti subaffinis, paulo minor) (No. 1362).
*Ibidem: Alt. 1250 m s. m. — 5. 1. 1894 (paulo minor, ceteris notis omnino typicus) (No. 1363).
Ibidem: Alt. 1300 m s. m. — 5. 1. 1894 (folia biciliata, amph. pluridentata) (No. 1364).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (c. per.) (No. 1365).
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2620 m s. m. — 9.5. 1895 (f. maxima,
ce. per.) (No. 1366).
*Ibidem: Alt. 2820 m s. m. (f. maxima, c. per.) (No. 1367).
*Ibidem: Alt. 2960 m s. m. (f. permagna) (No. 1368).
*Java: In cacumine montis Pangerango, sparse inter Herbertam. Alt. 2985 m s. m. -— 9. 5. 1894
(No. 1369).
Java: In monte Pangerango. Inter Lebak-Saät et Kandang-Badak ad arbores. Regio nubium, alt.
— 2200 m s. m. — 9. 5. 1894 (f. permagna) (No. 1370).
Java: Prov. Preanger. In regione superiore montis ignivomi Gedeh supra Kandang-Badak. Regio
alpina, alt. + 2500 m s. m. — 10.7. 1894 (ec. per. et pl. 3) (No. 1371).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad truncos putridos. Regio
nubium, alt. 1470 m s. m.— 24. 7. 1894 (paulo minor, foliis subangustioribus biciliatis, amphig.
magis rotundatis) (No. 1372).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt. 1800 m
s. m. — 26. 7. 1894 (paulo minor, foliis subangustioribus biciliatis ciliis brevibus, amph. ut in
typo) (No. 1378).
*Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. + 2800 m s. m. —
25. 7. 1894 (omnino typicus, c. per.) (No. 1374).
Var. diversidens n. var.
Formae typicae interdum paulo minor. Folia apice longe biciliata et margine ventrali et dorsali
denticulis brevibus armatis. Amphigastria rotunda vel suboblata apice longe bidentata, dentibus sinu
angusto discretis et marginibus dentibus et denticulis plus minus nummerosis armata.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1710 m s.m. — 24.4. 1894 (quoad amphigastria huc
pertinet, sed foliorum margines saepe integerrimi) (No. 1375).
Sumatra occid.: In monte Singalans; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1800 m s. m. — 24.7. 1894 (pl. /) (No. 1376).
Ibidem: Alt. 1900 m s. m. — 24. 7. 1894 (forma paulo aberrans dentatione foliorum) (Nr. 1377).
*Sumatra occeid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
alpina, alt. + 2500 ım s. m. — 25. 7. 1894 (No. 1378).
Var. multiciliatus n. var.
Onmino idem ac var. ß Syn. Hep. — Differt a forma typica, quacum habitu et magnitudine convenit
foliorum margine dorsali ciliis nonnullis longis armato, nec integerrimo.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 8. 5. 1894 (No. 1379).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (ec. per.) (No. 1380).
Plantae Indicae. Series II. 209
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dicetum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (No. 1381).
Java: Prov. Preanger.’In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum dictum
» Tjiburrum«. Regio nubium, alt. 1740 m s. m. — 2. 5. 1894 (ec. per.) (No. 1382).
Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores, alt. + 2920 m s. m. — 9. 5. 1894
(No. 1383).
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1720 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 1384).
| Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 2050 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 1385).
Var. Neesii n. var.
Planta omnibus partibus multo minor. Folia apice bidentata vel biciliata (raro dente tertio minore
adjecto), amphigastria multo minora orbicularia vel paulo oblonga apice bidentata, aut dentibus minimis
'sinu levi lato diseretis ceterum integerrima (forma mutica mihi = Var. 8 Syn. Hep.), aut longius biden-
tata, dentibus subporrectis sinu angusto discretis et ceterum margine denticulatis (forma subdentata mihi
Var. 7 Syn. Hep.). Forma mutica et subdentata formis transitoriis conjunguntur.
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1350 m s. m. — 5. 1. 1894 (inter f. subdentatam et f. muticam, pl. 2) (No. 1386).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1120 m s. m. — 7. 4. 1894 (pl. Z; f. mautica)
(No. 1387).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 20. 4. 1894 (f. subdentata) (No. 1388).
*Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tji-
bodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1645 m s. m. — 28. 4. 1894 (transitus ad f.
typicam; c. per.) (No. 1389).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dietum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1900 m s. m. — 2.5. 1894 (f. subdentata
et formae transitoriae ad typicam) (No. 1390).
166. Chiloscyphus acutangulus n. sp.
Dioicus. Habitu formis minimis Ch. aselliformis cui proximus valde similis, ad 25 mm longus
cum foliis ad 4 mm latus, subsimplex pallide flavo-viridis, nitens. Folia late ovato-triangularia dorso
per paria connata, margine dorsali angustius reflexo vel plano integerrimo, apice grosse bidentato
dentibus acutis sinu profundo plerumque acuto discretis, margine ventrali integerrimo vel 1—2-
‚dentato. Cellulae subrotundae subsinuatae = 0:03 mm diam. parietibus tenuibus sed trigonis magnis
nodosis lineis tetraedricis notatis, cuticula laevis. Amphigastria rotundo-quadrata, caule + 5 plo latiora
utrinque tractu lato cum foliis connata apice ad medium subacute incisa, bidentata sinu angusto saepe
Jacuto, marginibus 2— 4-denticulata. Perianthium in ramulo brevi cyathiforme, ad 4 mm longum profunde
pluriplicatum, ore late aperto longe ciliatum. Involucrum perianthio brevius, foliis et amphigastrio late
Ovatis lacerato spinoso-ciliatis, vario modo connatis, mox folia alte connata et amphigastrium liberum
ı'mox amph. cum folio adjacente uno latere alte connatum, mox ominibus in calycem connatis. Spiculae
|d ut in Ch. aselliformi sed minores.
Ch. aselliformi valde affinis et forse ejus varietas extrema, sed differt statura minore foliis an-
| gustioribus aliter formatis, sinu inter dentes profundo saepe acuto, amphigastriis minoribus paulo aliis,
]
cellulis multo minoribus ceterisque notis.
|
zZ
210 V. Schiffner,
*Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi; Kotta-Batu, ad arbores. Regio calida, alt. + 300 m
s.m. — 7.2. 1894 (No. 1391).
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 500 m
s. m. — 24. 3. 1894 (No. 1392).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra locum
dictum »Tjiburrum« ad arbores. Regio nubium, alt. 1740 m s.m. — 2. 5. 1894 (c. per.)
(No. 1393).
*Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas«, in silva primaeva. Regio nubium,
alt. 1560 m s. m. — 15. 2, 1894 (pl. J') (No. 1394).
167. Chiloscyphus bifidus n. sp.
Sterilis. E minoribus, ultra 30 mm longus, cum foliis = 3 mm latus, subsimplex arcte repens, ex
amphigastriorum basi fasciculatim radicellosus. Folia densa distiche explanata dorso per paria connata,
oblongo-deltoidea, cum dentibus 15mm longa, basi Imm apice O'5mm lata, apice sinu profundo
acutiusculo incisa dentibus longis apice cellulis 3 superpositis elongatis, margine dorsali et ventrali sub-
strictis integerrimis. Cellulae fere ut in Ch. aselliformi: apicales subrotundae paulo sinuatae, + 0'046 mm
diam, parietibus tenuibus sed trigonis magnis subnodosis, lineis tetraedricis notatis cuticula laevi. Amphi-
gastria non imbricata caule vix 3plo latiora, ovata apice longe bidentata dentibus acutis sinu angusto pro-
fundo discretis, marginibus 1—3-denticulata, utrinque late cum foliis adjacentibus connata, commissura
5 cellulas lata.
Ex affinibus Chil. aselliformis sed gracilitate, foliorum et amphigastriorum forma omnino alia optime
diversus.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas ad
arborum truncos. Regio nubium, alt. + 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 1395).
168. Chiloscyphus fragilicilius n. sp.
Dioicus. Magnitudine et habitu necnon foliorum et amphigastriorum eircumscriptione valde similis
Ch. bifido cui affinis sed differt his notis: Folia apice quam maxime irregulariter bidentata, dentibus saepe
inaequalibus his brevissimis obtusis his longissimis ciliiformibus, qui autem ob fragilitatem insignem saepe
anfracti sunt. Cellulae submajores simillimae sed cuticula minute granulata. Amphigastria majora imbricata.
Inflorescentia © juvenilis tantum visa cum primordis perianthii. Folia in ramulo 9 trijuga, involu-
cralia cum amphigastrio utrinque alte connata, dorso libera, lacerato ciliato-dentata, amphigastrium pluri-
fissum.
*Sumatra occid.: In faucibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad rupes, rarissimus!
Regio calida, alt. + 360 m. — 21. 7. 1894 (No. 1396).
169. Chiloscyphus Wettsteinii n. sp.
(= Ch. combinatus quoad pl. Javan.).
Dioicus. E majoribus, 4—5cm longus et cum foliis 4—5mm latus, fuscescens, laxe caespitosus vel
inter muscos, parce radicellosus, pauciramosus vel simplex. Folia densa distiche explanata angulo recto
a caule distantia, dorso per paria anguste connata, longe deltoidea, 2:5 mm longa, basi 16mm, apice
plus duplo angustiora grosse tridentata (interdum dente accessorio in margine ventrali praesente).
Cellulae subrotundae, + 0'036 mm diam., trigonis magnis nodosis lineis tetraedricis notatis, cuticula
laevissima. Amphigastria magna subcontigua cum foliis utrinque latiuscule connata, plus duplo latiora
Plantae Indicae. Series II. all
-quam longa, dense ciliato-spinosa ciliis saepissime dichotomis. Ramulus © brevis; folia floralia trijuga, ın-
volucralia non connata ovato-lanceolata, ut et amphigastrium liberum late ovatum ultra medium bifidum
laciniato spinosissima, laciniis longissimis nonnullis ramificatis. Perianthium (valde juvenile) ore laciniatum
’
Plantam elegantissimam, rarissimam grato animo dicavi viri botanico ingenioso, amieissimo Dri
@Richardo Wettstein Equite de Westersheim.
Valde affinis est species nostra Chiloscypho combinato neotropico, quocum a cl. Sande Lacoste
eommutata erat, sed certe differt colore rufofusco, foliis longioribus angustioribus basibus dorsalibus
semper conspicue connatis, cellularum trigonis magnis nodosis, perianthii et involucri ciliis multo lon-
gioribus et praeprimis inflorescentia dioica (in Ch. combinato autoica!).
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
= 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (No. 1397).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa.
Regi® pluvialis, alt. + 800 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1398).
170. Chiloscyphus succulentus Gott.
Certe non est ponendus inter »Perfoliatos«, generis Chiloscyphi sectionem; foliorum bases
dorsales enim non revera connatae sunt, quamquam valde approximatae. Sectio » Perfoliati< ceterum
non est in affinitatibus naturalibus posita; sunt enim e. g. in Ch. combinato bases dorsales plerumque
_ discretae in Ch Wettsteinii affinissimo semper connatae.
Foliorum apex in Ch. succulento valde variat, mox est integerrimus, mox 1—2-denticulatus in
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primigensiis ad latus septentr. ad truncos putridos.
Regio pluvialis, alt. + 900m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1399).
Ibidem: Ad saxa et ad terram. Alt. + 1200 m s. m. 5. 12. 1893 (ec. per.) (No. 1400).
*Ibidem: Ad saxa. Alt. + 1000 m s. m. — 31. 12. 1893 (e. per. jun.) (No. 1401).
171. Chiloscyphus decurrens (Reinw. Bl. et. N. ab. E.) N. ab E.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primigeniis ad latus septentr. ad arbores. Regio
pluvialis, alt. + 800m s. m. — 5. 12. 1893 (ec. fr.) (No. 1402).
Ibidem: 900 m s. m. — 5. 12. 1893. (No. 1403).
*Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad saxa
Regio pluvialis, alt. + 800m s. m. -— 28. 1. 1894 (No. 1404).
*Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores. Regio calida, alt. + 500 m
s. m. — 24. 3. 1894 (No. 1405).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1530 m s. m. — 21. 4. 1894 (ec. per.) (No. 1406).
*Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1690 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1407).
*Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1408).
Java: Prov. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum » Tjiburrum« prope
Tjibodas ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1575 m s. m. — 28. 4. 1894 (ec. per.)
(No. 1409).
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1645 m s. m. — 28. 4. 1894 (ec. per.) (No. 1410).
*Java: In montis Pangerango regione alpina ad arbores. Alt. 2780 m s. m. — 9.5. 1894 (No. 1411).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 28
212 V. Schiffner,
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt. 15—
1600 m s. m. — 26. 7. 1894 (No. 1412). R
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1720 m s. m. — 24. 7. 1894 (ce, per.) No. 1413).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores,
Regio nubium, alt. 1760 m s. m. — 25. 7. 1894 (No. 1414).
Var. latifolius n. var.
Folia latissima, sublatiora quam longa; amphigastria saepissime minus dentata. Typo plerumque
daulo minor.
*Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok ad arbores rarior. Regio calida, alt.
=E 300425. m. — 2483. 1892 (No. 1412):
Java: Prov. Batavia. Ad decliv septentr. montis Salak in faucibus torrentis Tjiapus ad arbores.
Regio pluvialis, alt. 790 m s. m. — 28. 1. 1894 (No. 1416).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio
pluvialis, alt. 1250 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 1417).
Var. bilobus n. var.
Minor, tenerior, foliis angustioribus apice emarginato-bilobis vel sinu profundiore subacuto bilobis,
lobis obtusis. Amphigastria longius dentata. Ramulus © (juvenilis visus) ut in typo.
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. = 1500 m s. m. — 18. 4. 1894 (No. 1418).
Sumatra occid.: In monte Siboga prope Padang-Pandjang ad arborem ad viam. Regio pluvialis,
alt. 780—900 m s. m. — 22. 7. 1894 (No. 1419).
Var. speciosus n. var.
Planta speciosissima haud raro ultra 30cm longa, vix radicans flaccidior. Folia multo longiora et
angustiora, apice rotundato vel haud raro breviter biloba. Folia et amphigastrium involucralia profundius
bifida et magis et longius dentata. Cellulae majores.
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dietum »Artja« in silva pri-
maeva ad terram inter frutices. Regio pluvialis, alt. 1040 m s. m. — 7.4. 1894 (c. per. et d‘)
(No. 1420).
Java: Prov. Preanger. Apud fontes calidos supra » Tjiburrum« prope Tjibodas ad truncos emortuos
copiose. Regio nubium, alt. 2140 m s. m. — 2.5. 1894 (c. pr. et 2) (No. 1421).
Sumatra occid.: In monte Singalang; in regione inferiore ad arbores. Regio nubium, alt. 15 — 1600 ın
s. m. — 26. 7. 1894 (c. per.) (No. 1422).
172. Chiloscyphus turgidus n. sp.
Dioicus. Caespites formans magnos molles fuscescentes ad nigro-badios. Planta ad 7 cm longa, vix
ramosa, parum radicellosa, subnitens, mollis, fere tereti-foliosa. Folia valde imbricata dorso per paria
anguste connata, fere orbiculata paulo latiora quam longa, explanata ad 2 mm longa, 2:75 mm lata,
apice levissime emarginata vel integra, in dimidio dorsali valde inflato-convexa marginibus valde
reflexis, in dimidio ventrali autem ventricoso-concavis. Cellulae + 0:035 mm diam., stellatae,
trigonis maximis fere contiguis, hic illic confluentibus lineis tetraedricis (cellularum limitibus) notatis. Cuti-
cula luminis minutissime granulata, trigonorum lineolis densissimis radiantibus exasperata.
Amphigastria utringue commissura 4 cellulas lata cum foliis adjacentibus connata, subimbricata, plana
orbicularia vel suboblonga + 1'25 mm diam., apice bidentata, dentibus validis sinu lato sublunari dis-
Plantae Indicae. Series 1. 213
ceretis, marginibus dentieulis pluribus armata. Ramulus ® brevis; folia trijuga. Folia involueralia omnino
libera, late ovata, 2 mm longa, breviter bifida irregulariter spinoso-dentata, amphigastrium aequale, libe-
rum breviter 4-fidum, spinoso-dentatum. Perianthium magnum, obovatum, ore late aperto 6—plurilacinia-
tum, laciniis ovato-lanceolatis acutis spinoso-dentatis. Calyptra fere stipitata, archegonia sterilia partim
stipite insidentia. Planta 5 ignota.
Chiloscyho decurrenti affınis notis autem supra laudatis primo visu distinguenda.
*Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad latus austro-orient. ad arbores. Regio
nubium, alt. 1950 m s. m. — 25. 7. 1894 (c. per.) (No. 1423).
Sumatra occid.:.In cacumine montis Singalang ad arbores. Regio alpina, alt. + 2800 m s. m. —
25.7. (c. per.) (No. 1424).
173. Chiloscyphus parvulus n. sp.
Dioicus. Vix caespitosus, e minimis, 1I—15 mm longus, cum folis ultra 15 mm latus, repens, parce
radicellosus, simplex, brunneolus, partibus junioribus pallide luteo-viridis, subnitens. Folia distiche patula,
dorso per paria approximata vel subconnata, ovato-lingulata integerrima. Cellulae rotundae, - 0°03 mm
diam. lumine non eroso-sinuato, trigonis parvis, nequaquam nodosis, cuticula laevissima. Amphi-
gastria caule vix triplo latiora latiuscule cum foliis adjacentibus connata, 6—pluridentata dentibus anterio-
ribus majoribus. Ramulus @ maxime juvenilis tantum visus, foliis nondum satis evolutis.
Quasi Chilosceyphum decurrentem omnibus partibus valde diminutum in mentem revocat, sed exigui-
fate et areolatione longe distat. Nequaquam status juvenilis Ch. decurrentis esse potest e mea sententia,
cum organa fructificationis adsint. Est planta rarissima.
Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad arbores in silva primaeva. Regio calida, alt. + 400 m s. m,
— 28. 12. 1893 (No. 1425).
174. Chiloscyphus caesius n. sp.
Dioicus. Caespites laxos planos aliis muscis commixtos formans. Planta arcte repens dense radicel-
losa, ad 2:5 cm longa, cum foliis ad 4 mm lata subsimplex intense caesia vel fere pallide caerulea,
dense foliosa. Folia explanata vel sursum assurgentia oblongo lingulata 1'7 mm longa, vix 1 mm lata,
dorso per paria anguste connata, apice emarginata lobis late rotundatis. Cellulae subrotundae +
0:04 mm diam., opacae sinuatae trigonis magnis nodosis subcontiguis, lineis tetraedrieis notatis. Cuti-
cula massa granulosa (an cera?) obducta in aethere fere omnino solubili, quo facto color caesius in
obscure fuscoviridem mutatur; sed cuticulae ipsius structura subscabra remanet. Amphigastria subimbri-
-cata, caule plus triplo latiora, rotundiuscula antice longe bidentata, dentibus acutis porrectis sinu angusto
discretis, lateribus paucidentata, utrinque late cum foliis adjacentibus connata. Ramuli @ foliis subbrevi-
.ores, foliis trijugis; involucralia et amphigastrium inter se omnino libera, simillima ovata, longe et dense
-eiliato-dentata, dentibus 2 apicalibus longioribus. Plantam / non vidi.
Ex affinibus Ch. decurrentis sed colore ceterisque notis omnino dissimilis. Planta rarissima, colore
euriosissima.
*Java: Prov. Batavia. In monte Pantjar ad arbores in silva primaeva rarissimus una cum Ch. parvulo.
Regio calida, alt. + 400 m s. m. — 28. 12. 1893 (No. 1426).
*Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; ad saxa secus viam supra pagum Tugu. Regio plu-
vialis, alt. 1300 m s. m. — 5. 1. 1894 (pl. ©) (No. 1427).
2 Sumatra oceid.: In faueibus dictis »Aneh« ad pedem montis Singalang ad rupes. Regio calida, alt.
m. + 360 m s. m. — 21. 7. 1894 (pl. ©) (No. 1428).
!
214 V. Schiffner,
175. Chiloscyphus propaguliferus n. Sp.
Sterilis. Laxissime caespitans, caesius vel caerulescens, simplex vix radicellosus, e minori- |
bus, 10—15 mm longus, = ? mm latus. Folia basi contigua, fere rectangulariter a caule distantia, expla-
nata lingulato-lanceolata, dorso per paria approximata sed vix connata, — | mm longa, basi ad Oo mm
lata, apice angustiora et normaliter inaequaliter bidentata sed fere semper propagulis corrosa. Cellulae”
subrotundae + 0:03 mm diam., opacae, sinuatae, trigonis magnis nodosis subcontiguis lineis tetraedri-
eis notatis. Cuficula massa granulosa (an cera?) obducta in aethere solubili, cuticula ipsa laevissima
et pellucida. Amphigastria contigua caule paulo latiora utrinque cum foliis adjacentibus anguste connata,
ovato-lanceolata, apice brevissime bifida in utroque latere dente uno (raro duobus) brevi armata.
Propagula in cellulis marginalibus apieis folii prominentibus orta, glabra 2—4-cellularia. Cetera deside-
rantur.
Colore curiosissima et cellularum .opacarum indole cum Ch. caesio quadrat cui certe affinis, sed dif-
fert minutie, foliis angustioribus, cellulis minoribus, amphigastriis omnino aliter formatis necnon propagu-
lorum praesentia. Propagula in nulla alia specie Chiloscyphi generis observavimus. Colore et habitu planta
nostra rarissima haud absimilis est Bazzaniae vittatae.
ha
Java: Prov. Batavia. In monte Megamendong; in silva primaeva apud lacum »Telaga-Warna« ad
arbores. Regio pluvialis, alt. + 1400 m s. m. — 5. 1. 1894 (No. 1429).
176. Saccogyna rigidula (N. ab E.) Schffn. 5
(= Chiloscyphus rigidulus N. ab E. = Chil. muricellus De Not.)
Cum haec planta valde variabilis nondum sufficienter descripta esset, descriptionem fusiorem neces-
sariam puto. i
Dioica. Depresso caespitosa vel inter muscos repens, modice radicellosa olivacea non nitens sed fere
velutina, ad 4 cm longa cum foliis ad 3:5 mm lata (saepe autem minor), pauciramosa, ramis omnibus ex
amphigastriorum angulis ventraliter ortis, dense foliosa. Folia distiche explanata (raro assurgentia) obli-
que a caule distantia opposita, dorso basibus valde approximata vel conspicue sed anguste connata, quoad
formam valde variabilia anguste lingulata (vel in varietatibus) plus minus ovata, apice integerrima vel 1 —2-
denticulata. Cellulae subrotundae, = 0°036 mm diam. leptodermes, trigonis parvis non vel vix nodosis;
cuticula minute papillosa (raro sublaevis). Amphigastria utrinque angustissime cum foliis adjacentibus
connata ad basin fere bifida, caule vix latiora, lobis acutis porrectis vel paulo divergentibus. Ramuli 9
brevissimi, gemmiformes, ex amphigastriorum angulis (ventraliter) orti. Perigynium caulis ventre adhaerens
ad 3 mm longum, = 1 mm crassum, extus radicellosum, apice foliis involucralibus biseriatis trigonis,
saepe bifidis et subdentatis coronatum. Archegonia sterilia in perigynii alveum immersa sed haud pro-
cul ab ore posita, cum calyptra ultra °/, longitudinis cum perigynii pariete interiore connata sit. Spo-
rogonii capsula ovato-cylindrica, apice subacuta 15 mm longa, 0'7 mm crassa fusco-nigra. Setae basis
involucello longo eircumdata cylindrico margine supero cellulis transverse vermiformibus formato. Capsu-
lam apertam non vidi. Ramuli Z aut brevissimi ovati aut longiores curvati; folia perigonialia 4—8juga,
hemisphaerico cavata inconspicue bidentata et margine suberenulata, antheridium solitarium globosum
foventia; amphigastria caulinis similia sed multo minora.
Chiloscyphus granulatus Schffn. pro certo ad Saccogynam pertinet. A. S. rigidula differt statura
multo majore, amphigastriis circuitu ovatis vel imo late orbiculatis caule 2—4plo latioribus.
Vix dubitandum, quin sit plantaa cl. Nees ab Esenbeck sub nomine Chilosc. pallescentis inter
Javanicas enumerata nil aliud, quam forma S$. rigidulae. Specimina Javanica Ch. pallescentis in herbario
et Neesiano et Lindenbergiano frustra quaesivi.
Plantae Indicae. Series L. 215
Forma typica.
E majoribus. Folia anguste linguaeformia, ad 1'5 mm longa et medio O°S mm lata, apice aut
integra aut subemarginata. Amphigastria parva caule vix latiora, lobis acutis vix divergentibus. Cuticula
cellularum plus minus conspicue papillosa.
Java: Prov. Batavia. In monte Salak in silvis primaevis ad latus septentr. ad arbores. Regio plu-
vialis, alt. + 800 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1430).
Ibidem: Regio nubium, alt. 1200— 1300 m s. m. — 5. 12. 1893 (No. 1431).
Java: Prov. Batavia. Ad decliv. septentr. montis Pangerango apud locum dictum »Artja« in silva
primaeva ad arbores. Regio pluvialis, alt. 1120 m s. m. — 7. 4. 1894 (No. 1432).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 1500 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 1433),
Ibidem: Alt. 1550 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1434).
*Ibidem: Ad arborum truncos. Alt. 1710 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1435).
Java: Pröt. Preanger. In silvis primaevis secus viam ad locum dietum »Tjiburrum« prope Tjibodas
ad truncos putridos. Regio nubium, alt. 1420 m s. m. — 28. 4. 1894 (No. 1436).
Java: Prov. Preanger. In Cinchoneto »Daradjat« prope Garut. Regio nubium, alt. + 1730 m s. m.—
12. 2. 1894 (pl. Z, forma foliis exacte bidentatis omnino cum Ch. muricello De Not. congrua)
(No. 1437).
Java: Prov. Preanger. In monte ignovomo Papandayan. Regio nubium, alt. 1550— 1650 m s. m.—
14. 2. 1894 (c. fl. @ permultis; folia fere omnia apice integerrima) (No. 1438).
*Ibidem: Alt. 1750 m s. m. — 14. 2. 1894 (No. 1439).
*Ibidem: Infra craterem. Regio alpina, alt. + 2000 m s. m. — 14. 2. 1894 (No. 1440).
*Java: Prov. Preanger. Infra lacum vulcanicum »Telaga bodas« inter Polytrichum, locis humidis
ad viam. Regio nubium, alt. 1610 m s. m. — 15. 2. 1894 (pl. ©) (No. 1441).
Ibidem: In silva primaeva ad arbores. Regio nubium, alt. 1560 m s. m. — 15. 2. 1894 (c. perigynüs
et c. fr. jun.) (No. 1442).
*Java: Prov. Preanger. Ad lacum vulcanicum »Telaga bodas«. Regio nubium, alt. 1660 ı» s. m.—
15. 2. 1894 (No. 1443).
*Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang. Regio alpina, alt. + 2850 m s. m. — 25. 7. 1894
(No. 1444).
*Sumatra occid.: Ad decliv. occid. montis ignivomi Merapi; in silva primaeva ad truncos putridos.
Regio nubium, alt. 2050 m s. m. — 30. 7. 1894 (forma tenera, pellucida, Naccida) (No. 14445)
Var. latifolia n. var.
Folia ovata ad fere late-ovata, integra vel I—2-denticulata, fere semper assurgentia; formis
ıtermediis cum typo connectitur. Ut in typo proveniunt formae duo: forma major. — Folia latissima
a plerumque integerrima; amphigastria caule latiora laciniis divergentibus; cellulae minus papillosae. —
n sit haec idem ac Chiloscyphus pallescens Javanicus?
Java: Prov. Preanger. Ad lacum vulcanicum »Telaga bodas«. Regio nubium, alt. 1660 m s. m. —
15. 2. 1894 (No. 1445).
Forma minor.
Planta minor rigida, terricola; folia assurgentia minora non tam lata apice saepe emarginato-
ntata. Amphigastria caule vix latiora subdistantia. Cellulae valde papillosae.
" Java: Prov. Preanger. Ad ripas lacus vulcanici »Telaga bodas« ad terram. Regio nubium, alt
1660 m s. m. — 15. 2. 1894 (pl. Z') (No. 1446).
216 V. Schiffner,
Var. latistipula n. var.
Major; folia bidentula valde papillosa. Amphigastria majora supra basin caule plus duplo latiora,
ovato-acuta, profunde bifida, lobis acutis porrectis. An sit potius ad S. granulatam (Chiloscyphus grann-
latus Schffn. olim.) ponenda?
Java: Prov. Batavia. In Monte Megamendong in silva primaeva ad arbores ad ripas lacus vul-
canici »Telaga-Warna«. Regio nubium, alt. + 1460 m s. m. — 15. 1.1894 (pl. @) (No. 1447).
Var. irrepens n. var.
Pro more magna elongata (+ 5cm) Naccida autem, inter muscos erecte crescentes repens, rufescens.
Folia lata deltoideo-ovata, apice oblique truncata semper bidentula. Amphigastria caule latiora, lobis,
divergentibus. Perigynia normalia, foliis involucralibus majoribus.
*Sumatra occid.: In cacumine montis Singalang; inter muscos ad terram rarissima. Regio alpina,
—+ 2800 m s. m. — 25.7. 1894 (c. perigyniis) (No. 1448).
Var. laevifolia n. var.
Varietati Zazifoliae simillima, magis ramosa folia semper fere bidentula subemarginata. Cellulae
autem leptodermes trigonis nullis, cuticula ad speciem laevissima, sed valde aucta papillarum
vestigiis obviis. Proveniunt formae majores et minores. Cum typo formis intermediis conjungitur. —
In statu sterili Lophocoleae Kurzii valde similis, statim autem distinguenda ramificatione ventrali.
Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in silvis primaevis supra Tjibodas
ad arborum truncos. Regio nubium, alt. 1540 m s. m. — 21. 4. 1894 (No. 1449).
*Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1630 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1450).
Ibidem: Ad truncos putridos. Alt. 1700 m s. m. — 24. 4. 1894 (No. 1451).
Jackiella n. gen.
Habitus Nardiae vel Aploziae, radicellosa, repens vel suberecta, e ventre parce ramosa. Folia
alterna succuba subratunda integra et integerrima. Amphigastria ad caulis apicem tantum obvia
rudimentaria, ceterum omnino nulla. Ramuli © ventrales gemmiformes, foliis involucralibus bijugis ovato
triangularibus integerrimis. Perigynium carnosum ovato-cylindrieum radicellosum caulis ventre adhaerens.
Archegonia sterilia non in perigynii alveum descendentia sed intra folia involucralia in
apice perigynii remanentia. Calyptra omnino cum perigynio connata, archegonii foecundati
collum tantum liberum. Sporogonii pes parvus, involucellum pappi aü instar e pilis innum-
meris longissimis tenuissimis flexuosis formatum. Seta longa, intus fusiformi-cava. Capsula
cylindrico-ovata brunnea ad basin bivalvatim dehiscens, valvulae ab apice '/, longitudinis fissae.
Elateres liberi longi, apieibus non tantum attenuati, bispiri spiris planis arcte tortis fuscorufis. Sporae
parvae laevissimae. Ramuli 5’ ventrales spicaeformes, curvati, tenues, foliis perigonialibus densis pluri-
jugis, antheridiis solitariis. Propagula ad foliorum superiorum margines saepius obvia, unicel-
lularia.
Genus hoc distinctissimum sincero animo dicavi amicissimo Dri J. B. Jack, seniori hepaticolo-
gorum praeclaro.
Saccogynae genus huic affine differt habitu chiloscyphoideo, foliis saepe bidentatis, amphigastriis
semper conspicuis majusculis plerumque bifidis, archegoniis sterilibus in perigynii alveum immersis,
calyptra ultra medium tantum cum perigynio connata, invollucello cupuliformi vel ochreaeformi,
capsula ad basin 4-valvi ceterisque notis.
Plantae Indicae. Series II. DAT
177. Jackiella Javanica n. sp.
Dioica. Caepitosa ad terram humidam argillaceam et ad saxa; habitu Nardiae scalari nostrati
similis. Planta subsimplex vel e ventre pauciramosa, olivaceo-viridis infra fusca (nunquam rubella),
10—15 mm longa, repens apice assurgens, subtus radicellosa, rhizoidis pallidis. Folia densa, valde con-
cava, saepe assurgentia vel sursum conniventia latissime cordiformia, basi lata sublongitudinaliter
adnata, ultra 1 mm longa, fere aequilata vel paulo latiora ad 1'3 mn lata, integerrima. Cellulae firmae,
submarginales + 0'027 mm diam., lumine subsinuato trigonis subnodosis conspicuis, cuticula laevis-,
ima. Amphigastria in partibus caulis junioribus tantum obvia, minutissima, cellulis paucis aedificata
caule nulla. Perigynium ovato-cylindricum 33 mm longum, vix 1 mm crassum, foliis involucralibus
coronatum. Capsula cylindrico-ovata 13 mm longa, 075 mm crassa, fusca. Seta 8-10 mm longa, in
sectione transversa cellulis periphericis 8 aedificata, intus cava. Elateres ad O3 mm longi paulo ultra
0:01 mm lati bispiri spiris rufofuseis. Sporae globosae 0'007 mm laevissimae. Ramuli / tenues, foliis
Saepe longiores curvati, folia perigonialia cavissima integerrima, monandra.
In statu Sterili caute a Nardia truncata distinguenda, quae haud raro in uno eodemque caespite
erescit. — Paulo variat:
Forma typica.
Viridis, parum brunnescens, repens. Folia subexplanata et minus concava, vix latiora quam longa
magis rotundata. — Ex mea sententia est forma locorum umbrosiorum, humidiorum.
Java. Prov. Batavia. In horto dicto »Cultuurtuin« ad Tjikeumeuh prope Buitenzorg ad fossarum
margines frequens. Regio calida, alt. + 250 m s. m. — 24. 11. 1893 (ce. fr. mat. et pl. /)
(No. 1452).
Ibidem: Ad terram, praecipue in cultura Palaguii Guttae, frequens. 8. 3. 1894 (c. fr. mat. et.pl. /)
(No. 1453.)
_ *Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi; Kampong Babakan ad terram. Regio calida, alt.
+ 230 m s. m. — 2. 4. 1894 (No. 1454).
*Java: Prov. Batavia. In monte Salak; in silvis primaevis ad latus septentr. Regio pluvialis, alt.
1200— 1350 m s. m. — 5. 12. 1893 (pl. f) (No. 14545).
*Java: Prov. Preanger. In decliv. austral. montis Pangerango; in horto montano »Tjibodas« ad
terram. Regio nubium, alt. + 1420 m s. m. — 1.5. 1894 (No. 1455).
*Ibidem: 29. 4. 1894 (forma parva ad. var. cavifoliam accedens) (No. 1456).
Forma transitoriae ad varietatem cordifoliam.
Java: In horto botanico Buitenzorgensi ad terram secus vias, haud frequens. Regio calida, alt.
+ 260 m s. m. — 10. 3. 1894 (forma varietati propior) (No. 1457).
*Java: Prov. Batavia. In horto dieto »Cultuurtuin« ad Tjikeumeuh« prope Buitenzorg ad fossarum
margines. Regio calida, alt. + 250m s. m. — 24. 11. 1893 (forma typo propior.) (No. 1458).
Ibidem: Ad terram. — 24. 11. 1893 (No. 1459).
Ibidem: Ad terram, praecipue in culturis Palaquii Guttae. — 27. 2. 1894 (c. fr. mat. et pl. f)
(No. 1460).
*Ibidem: Ad terram. — 14. 4. 1894 (No. 1461).
Var. cordifolia n. var.
Fuscescens, magis elongata assurgens vel suberecta. Folia sursum assurgentia longiora quam
ata cordiformia; cellulae angulis mediocriter incrassatis — An forma locorum minus humidorum minus
Eh)
Imbrosorum?
218 V. Schiffner, Plantae Indicae. Series I.
Java: Prov. Batavia. In horto dicto »Cultuurtuin« ad Tjikeumeuh prope Buitenzorg ad fossarum
margines. Regio calida, alt. + 250m s. m. — 24. 11. 1893 (No. 1462).
Java: Prov. Batavia. In agro Buitenzorgensi. Kotta-Batu ad saxa. Regio calida, alt. + 300m s. m.
— 7.2. 1894 (c. fr.) (No. 1463).
Java: Prov. Batavia. Gunung Pasir-Angin prope Gadok sub frutieibus ad terram secus viam.
Regio calida, alt. + 500 m s. m. — 24. 3. 1894 (c. fr. et pl. Z') (No. 1464).
Ibidem: Cum praecedente, forma elongata erecte inter Polytricha crescens ad 4cm longa (No. 1465).
Var. cavifolia n. var.
Minor, fuscescens, repens. Folia breviora, latiora quam longa, sursum assurgentia, valde cava.
Cellulae trigonis nodosis majoribus. Ut videtur locis editioribus indigena.
Java: Prov. Preanger. In Cinchoneto »Daradjat« prope Garut ad terram. Regio nubium, alt. =
1730 m s. m. — 12. 2. 1894 (c. perigyniss et pl. 5) (No. 1466).
Java: Prov. Preanger. In monte ignivomo Papandayan, ad viae latera in silva. Regio nubium, alt.
1550m s. m. — 14. 2. 1894 (pl. Z) (No. 1467).
*]bidem: Ad viae latera in silva. Alt. 1760m s. m. — 14. 2. 1894 (No. 1468).
Sumatra occid. In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad ripas torrentis.
Regio nubium, alt. = 2000 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 1469).
178. Jackiella renifolia n. sp.
Dioica. Colore et habitu omnino cum J. Javanica var. cavifolia congrua. Folia densissima, cavis
sima cauli lateraliter accumbentia, reniformia plus duplo latiora quam longa, basi ventrali valde
ampliata et supra caulem protracta, cavissima. Cellularum trigona crassa nodosa, lineis tetraedrieis
notata.
Perigynia et spiculae / ab illis J. Javanicae vix differre videntur.
Sumatra occid.: In monte Singalang; in silvis primaevis ad decliv. orient. ad terram. Regio
nubium, alt 1680m s. m. — 24. 7. 1894 (c. perigyniis) (No. 1470).
Ibidem: Ad terram. Alt. 1720 m s. m. — 24. 7. 1894 (No. 1471).
179. Jackiella Singapurensis n. sp.
Dioica. Laxe caespitosa suberecta vel adscendens gracilis, apice incurva, saepe infra pallide
fuscescens, rarius olivacea. Folia minus densa plerumque paulo assurgenti errecta caviuscula, oblique
ovato triangularia, I mm longa; conspicue angustiora, acutiuscula vel acuta, basi ventrali minime
protracta. Cellulae ut in J. Javanica trigonis conspicuis. Amphigastria subnulla. Ramuli © ventrales
parvi, gemmiformes, foliis involucralibus pallidis subintegerrimis (omnino ut in J. Javanica). Perigynia
matura et inflorescentiam Z' von vidi.
Jackielae Javanicae valde affinis ejusque varietati cordifoliae quoad habitum, colorem, gracilitatem |
valde similis, sed statim differt foliorum forma apiceque plus minus acuto.
Insula Singapore: In monte »Bukit-Timah« ad terram graniticam humidam, copiose. Regio
calida, alt. 100—150 m — 6. 11. 1893 (c. flor. @) (No. 1472).
j
DER NORMALE SEHNERVENEINTRITT DES
MENSCHLICHEN AUGES.
KLINISCHE UND ANATOMISCHE UNTERSUCHUNGEN
VON
Dr. ANTON ELSCHNIG,
PRIWATDOCENTFÜR AUGENHEILKUNDE AN DER K. K. UNIVERSITÄT IN WIEN.
MIKROPHOTOGRAPHIEN VON PROFESSOR O. ZOTH
(PHYSIOLOG. INSTITUT GRAZ).
(Mit 20 Textfiguren und 16 Mikrophotogrammen auf 8 Tafeln.)
(VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 12. OCTOBER 1899.)
Vorwort.
Die normale, topographische Anatomie des Eintrittes des Sehnerven in’s Auge hat nicht Schritt
gehalten mit der pathologischen Anatomie dieses Organtheiles. Während letztere durch zahllose, den
ısammenhang zwischen den klinischen Erscheinungen und den denselben zu Grunde liegenden ana-
ischen Verhältnissen erforschende Arbeiten im reichsten Maße gefördert wurde, wendete sich der
rmalen Anatomie ein sehr geringes werkthätiges Interesse zu. So kommt es, dass in den grundlegendsten
en hierin nicht nur keine Einigung erzielt wurde, sondern die divergentesten Anschauungen in vielen
nkten sich heute schroffer gegenüberstehen denn je; so kommt es, dass wir in manchen Punkten kaum
ogen den einzigen Erfolg versprechenden Weg betreten haben: das Studium der mit dem Ophthalmoskope
sehenen Erscheinungen (an der Sehnervenpapille) an den anatomischen Präparaten desselben Auges,
eshalb habe ich mich bemüht, um die anatomischen Grundlagen der wichtigsten und constantesten
‚Erscheinungen am Sehnerveneintritte des menschlichen Auges — physiologische Excavation, Pigment-
nd Bindegewebsring, Conus — eingehend zu studieren und daraus Anhaltspunkte für ihre Entstehungsart
u gewinnen, eine möglichst große Anzahl normaler Augen anatomisch zu untersuchen, deren ophthalmo-
pisches Bild ich gesehen und durch Notiz und Skizze festgehalten hatte.
Die Frucht jahrelanger Arbeit in diesem Gebiete lege ich hiemit den geschätzten Fachgenossen vor.
Ich verhehle mir nicht, dass meine Untersuchungen noch in mancher Richtung lückenhaft sein dürften,
glaube aber doch, dieselben vorläufig zum Abschlusse bringen zu sollen, zum Theile auch deshalb, um die
Kritik herauszufordern und damit die Anregung zu weiteren Arbeiten zu geben. Die geehrten Fach-
genossen, welche die Schwierigkeiten systematischer Untersuchungen, die an dem so schwer zu gewin-
nenden Leichenmateriale angestellt werden, zur Genüge kennen, mögen in der Kritik Nachsicht walten
lassen, aber mit Aufmerksamkeit das möglichst objectiv beschriebene anatomische Material prüfen.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 29
is
[&6}
D
oO
Anton Elschnig,
LOPEIERIe.
Literaturübersicht.
1. Physiologische Excavation.
Die Erkenntnis des Vorkommens der physiologischen Excavation, ihrer Bedeutung, ihrer Varianten
verdanken wir in erster Linie Eduard v. Jaeger, dem größten Ophthalmoskopiker nicht nur der
berühmten alten Wiener Schule, sondern der ganzen Welt. Die ophthalmoskopische Beobachtung in Ver-
bindung mit der anatomischen Untersuchung im Leben gespiegelter Augen gestattete es diesem großen
Forscher, die bis dahin geltenden Anschauungen über die Form des intraocularen Sehnervenendes dahin zu
corrigieren, dass die Sehnervenoberfläche mit der Netzhautebene zusammenfalle und nicht papillenartig
über letztere sich erhebe; er konnte auch zuerst (1') hervorheben, dass die Sehnervenoberfläche
mitunter eine centrale Einsenkung besitze. Bald erkannten auch andere Ophthalmologen diese
Thatsache, deuteten sie aber fälschlich als krankhafte Veränderung. Dagegen nahm v. Jaeger (2) Stellung
und bewies das Irrthümliche dieser Auffassung. Ohne anscheinend v. Jaeger’s Beobachtungen zu kennen,
betonte Foerster (3) das Vorkommen von »partiellen Vertiefungen«, »Lücken« in der Sehnervenpapille
und bezeichnete sie als »vielleicht pathologisch unwichtig und möglicherweise angeboren«. Foerster
lieferte eine ganz gute Beschreibung dieser »Lücken«, und wies insbesondere auf den Wert der
parallaktischen Verschiebung eines in dem »Ovale« gelegenen Gefäßstückes gegen die Ränder des-
selben zur Documentierung der Lage des Gefäßstückes weit hinter dem Niveau der Papillenoberfläche
hin. »Das Oval war somit eine Lücke.«
H. Müller (4) schuf dann durch anatomische Untersuchungen eine feste Basis für den weiteren
Ausbau der Lehre von der physiologischen Excavation. Er constatirte, dass »in der Mitte (der Papille), in
der Gegend, wo die Hauptäste der Centralgefäße zu erscheinen pflegen, durch das Auseinanderbiegen
des Nervenstammes eine kleine, trichterförmige Vertiefung entsteht«. Er stellte folgende anatomische Typen
der Papillenform auf.
1. Die äußeren Retinaschichten reichen bis dicht an den Rand der Chorioidea heran, um dort, rasch
zugespitzt, zu endigen. Die Netzhaut erreicht daher daselbst eine beträchtliche Dicke, die centrale Grube
des Sehnerven ist höchstens O-2—0'3 mm tief, die äußerste Spitze des Trichterchens erreicht das Niveau
der Innenfläche der Chorioidea bei weitem nicht.
2. Die äußeren Retinaschichten enden schon vor dem Rande der Chorioidea (0: 1—0'3 mm), während
sie schon vorher dünner werden; dadurch ist der Rand der Eintrittsstelle weniger hoch, die Grube wird an
ihrer Basis weiter, während ihre Spitze tiefer zwischen die sich auseinanderlegenden Nervenfasern bis
gegen das Niveau der Chorioidea vordringt.
Diesen Typen gegenüber stellte er als pathologische Vertiefungen der Eintrittsstelle
1. die Abflachung der Papille und Grubenbildung durch reine Atrophie des Sehnerven.
2. Grubenbildung, welche die Merkmale des Zustandekommens durch Druck neben Atrophie besitzt.
H. Müller beobachtete an den erstbeschriebenen normalen Gruben, dass sie gewöhnlich gegen die
Seite des gelben Fleckes hin liegen, während die Hauptgefäße auf der dem gelben Flecke abgewendeten
Seite haraufsteigen.
v. Jaeger, der Entdecker der physiologischen Excavation, lieferte endlich in seinen »Einstellungen
des dioptrischen Apparatesim menschlichen Auge« (5) die erste erschöpfende Darstellung der über-
haupt vorkommenden Varianten derselben, eine Darstellung, an der auch die seither verflossenen 37 Jahre
1 Die Zahlen beziehen sich auf die Literatur-Übersicht am Schlusse der Abhandlung.
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Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 221
überaus fruchtbarer ophthalmologischer Forschung nichts zu ändern, wenig zu ergänzen vermochten.
Er suchte auch durch Nebeneinanderstellung von Abbildungen des ophthalmoskopischen Befundes und des
anatomischen Querschnittes der Papillen der Anatomie der physiologischen Excavation gerecht zu werden,
ein Unternehmen, dessen Erfolge allerdings durch die damals noch höchst mangelhafte histologische Technik
vereitelt wurde. Wenn wir v. Jaeger’s von Zahlreichen klinischen Befunden abgeleitete Beschreibung der
»partiellen« Excavation etwas schematisieren, ergeben sich folgende Typen:
1. Kleine, flache Einsenkungen, so dass sie oft nur schwer nachzuweisen sind. »Geht man in der Ver-
folgung derselben zu minutiös vor, so dürfte es nur wenige Sehnervenquerschnitte geben, in welchen man
nicht verleitet werden könnte, solche anzunehmen. «
2. Trichterförmige Excavation mit abgerundetem Begrenzungsrande, central gelegen, die Central-
gefäße sind in ganzer Ausdehnung in die Excavation zu verfolgen, verzweigen sich schon in der Excavation
selbst zu den Papillargefäßen (v. Jaeger, 5, Taf. I, Fig. 2).
3. Centrale, ganz deutlich und scharf begrenzte Excavation mit steilabfallenden oder überhängenden
Wänden, deren Grund besonders hellweis und graulich oder graubläulich gefleckt ist. Größe (»Öffnung«)
der Excavation und Tiefe sind großen Schwankungen unterworfen; der Größe und Begrenzung der
Excavation entsprechend verhalten sich die Centralgefäße, welche bei den größeren Excavationen immer
schon in ihre zahlreichen Äste aufgelöst den Excavationsrand überschreiten (v. Jaeger, 5, Fig. 4, 6, 8
auf Taf. ]).
In anatomischer Hinsicht unterschied v. Jaeger zwischen wirklichen und scheinbaren
Excavationen. Die wirklichen Excavationen reichen nach v. Jaeger nurbis in die Ebene einer der äußeren
Netzhautschichten oder bis in die Chorioidalöffnung, selten darüber hinaus. Sie seien vorzüglich durch ein
früheres Auseinanderweichen und rascheres Umlegen der Opticusfasern bei ihrem Übertritte in die Netz-
hautebene veranlasst. Die scheinbaren Excavationen sind der Ausdruck »einer größeren Diaphanität
eines Theiles des Sehnerven«, welche ihrerseits bald durch besondere Mächtigkeit der Lamina cribrosa
in den peripheren Theilen bald durch absolut größere Durchsichtigkeit der centralen Theile des Sehnerven
(geringere Mächtigkeit der Lamina, Ausbauchung derselben u. dgl., frühzeitiges Aufhören der Markscheiden
der Sehnervenfasern) bedingt sei. Häufig finde man Excavationen durch »zarte, hyaline Membranen oder
solche Gewebe mehr oder weniger wieder ausgefüllt«. Wie viel Richtiges in dieser noch so primitiven
histologischen Beschreibung enthalten ist, werden wir später noch sehen. Auch darin hat gerade die aller-
neueste Forschung v. Jaeger’s Angaben vollinhaltlich bestätigt (v. Hippel, 11), »dass die partiellen
Excavationen im Auge des Neugeborenen ebenso deutlich ausgeprägt und verhältnis-
mäßig von gleicher Ausdehnung wie bei Erwachsenen vorkommen«.
Eine bedenkliche Verwirrung dieser Lehre von der physiologischen Excavation drohte durch die Auf-
stellungen Mauthner’s (6), welcher auf Grund der Überlegung, dass es anscheinend totale Excavationen
in Augen gebe, deren Sehvermögen normal oder nahezu normal sei, mit scharfer Dialektik dafür eintrat, dass
die großen physiologischen Excavationen nur scheinbare seien, durch abnorme Diaphanität der marklosen
Nervenfasern, frühzeitigen Verlust der Markscheiden der Lamina cribrosa u. s. w. vorgetäuscht würden.
Die Widerlegung dieser Irrlehre verdanken wir Kuhnt, welcher auch mit Benützung moderner histo-
logischer Technik die Anatomie der physiologischen Excavation wesentlich förderte.
Nicht unerwähnt lassen dürfen wir aber an dieser Stelle die genaue Schilderung der physio-
logischen Excavation und ihre Gegenüberstellung mit den erworbenen, glaucomatösen Excavationen durch
Schnabel (7). Schnabel trat gleichzeitig dafür ein, dass die physiologische Excavation als Ausdruck
eines mangelhaften Verschlusses des fötalen Augenspaltes, als Rest des fötalen Augenspaltes aufzufassen
sei, und dass somit das zuerst von Nieden (8) beschriebene Coloboma vaginae nervi optici nur die höchste
Stufe der physiologischen Excavation darstelle.
v. Jaeger’s Vorgang, die anatomische Untersuchung ophthalmoskopisch gesehener Sehnervenpapillen
auszuführen, ahmten nur wenige Forscher nach. Kuhnt (9) demonstrierte und beschrieb die mikrosko-
pischen Präparate der Sehnervenpapillen von 5 Augen mit normaler Sehschärfe und normalem Gesichts-
29%
999 Anton Elschnig,
felde, welche er intra vitam genau ophthalmoskopiert und gezeichnet hatte. Er wies nach, dass die mit dem
Spiegel gesehene Excavation nicht nur im anatomischen Präparate vorhanden war, sondern auch in ihrer
Tiefe und Ausdehnung übereinstimmte, dass somit Mauthner’s »an sich ja recht plausibel erscheinende,
ingeniöse Hypothese betreffs der Diaphanität der Nervenfasern durch diese Präparate erschüttert, wenn
nicht entkräftet sei«. Aus den kurzen, leider nicht durch Abbildungen erläuterten Ausführungen Kuhnt’s
über Form und anatomische Ursache der physiologischen Excavation hebe ich noch Folgendes hervor: »Der
mehr oder weniger umfangreiche mittlere Theil der Papille stellt, gleichsam als wäre er mit einem Loch-
eisen herausgeschlagen, eine steile Grube dar, deren Grund in einer und derselben Höhe mit den tiefsten
Stromalamellen der Aderhaut, bezw. mit dem vorderen Niveau der Sclera liegt«. »Der Grund der Excavation
liegt den Balken der Lamina cribrosa unmittelbar auf, die Nervenfaserbündel verschmächtigen sich
während des Durchtrittes durch die Lamina, und noch viel mehr, sobald der Aderhautrayon erreicht ist und
legen sich innig aneinander, bzw. verschmelzen mit einander«. »Die im Centrum des Opticus verlaufenden
Bündel schwenken im vorderen Theile der Siebplatte, also dicht am Boden der Grube, unter annähernd
rechtwinkeliger Beugung zur Seite, treten auf diese Weise successive in die Randzone vorzugsweise der
inneren Papillenhälfte ein, richten sich hier, zumeist recht steil, auf und gelangen allmählich in die Nerven-
faserlage der Netzhaut». »Die schon normaliter dünnen Bindegewebezüge zwischen den Nervenfaserbündeln
nach innen von der Lamina sind gänzlich geschwunden. Desgleichen zeigen sich jene Körnerreihen,
die sonst in so charakteristischer Weise bis über den Retinaanfang die einzelnen Nervenfaserbündel
trennen, nur in geringer, manchmal selbst nur andeutungsweiser Entwicklung vorhanden. Die Nerven-
faserbündel selbst verjüngen sich beträchtlich, indem sie ihr Gliagewebe bis auf ein Minimum ver-
lieren»!,
Schoen’s (10) Untersuchungen über die Anatomie und Entwicklung der physiologischen Excavation
bewegen sich technisch in derselben Richtung, wie die eben angeführten, ergeben aber ein vollständig
abweichendes Resultat, vielleicht zum Theile deshalb, da er seine Befunde in den Dienst seiner geist-
reichen Hypothesen über die Einwirkung der Accommodation und Convergenz auf die Form und
Begrenzung des Sehnerveneintrittes stellte. Obwohl die Abbildungen der verschiedenen Formen des
normalen Sehnerveneintrittes die einzigen sind, welche seit v. Jaeger in der Literatur vorliegen,
sind sie leider nicht gut verwendbar, da die anscheinend von nicht ganz zweckentsprechenden Prä-
paraten angefertigten Photogramme nicht gut reproduciert sind. Schoen hat die Augen von 5 Personen,
welche er intra vitam ophthalmoskopiert hatte, anatomisch untersucht. Er findet an denselben eine
Bestätigung seiner Ansicht über die schädliche Wirkung der Accommodation auf die Sehnervenpapille.
Gestützt auf seine Theorie, dass »die Sehnen der Meridionalfasern des Ciliarmuskels den ganzen Augen-
inhalt umgreifen und sich an der Grenze zwischen Sclera und Chorioidea in die Sehnervenscheide
einsenken« und dass »der accommodative Ring der Ciliarmuskelfasern bei seiner Zusammenziehung
zu einer ellenbogenförmigen Ausbiegung des Sclerotico-chorioidalcanales führt«, sieht er in der physio-
logischen Excavation die Folge dieser accommodativen Zerrung, findet er bei der physiologischen Excavation
die Lamina cribrosa straff zur geraden Linie ausgezogen und in der Mitte des Sehnerven eine Verdünnung
der Gewebe, »welche in Verbindung mit dem Gefäßtrichter allmälich zur ausgesprochenen Excavation wird«.
Die physiologische Excavation ist für ihn also eine krankhafte Erscheinung, die mit dem Namen accom-
modative Excavation zu bezeichnen wäre. Schoen stellt auf Grund seiner ophthalmoskopischen und
anatomischen Untersuchungen folgende Typen auf: 1. Trichterförmige Einsenkung an der Gefäßpforte
von Schoen »noch nicht als Excavation gerechnet«; er gibt an, dass man »von einer physiologischen Ex-
cavation erst dann zu sprechen pflegte, wenn im Grunde des Trichters die Maschen der Lamina cribrosa
sichtbar wären«). 2. Annähernd cylindrische Excavation, deren Basis weit hinter der inneren Chorioidal-
ebene liegt (»mittlere Excavation«). Eine Abart dieser ist die mittlere tiefe Excavation, welche in ihrer Form
! Ich halte mich verpflichtet, Kuhnt’s Angaben größtentheils wortgetreu zu referieren, da seine Publication, wie erwähnt, in
dem knappen Rahmen eines Autoreferates gehalten ist.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 223
einem Kegelstumpfe mit der Basis an der Lamina gleicht (10, Fig. 39, 3). »Dieses Bild ist der nicht
“immer hervortretende Ausdruck der im anatomischen Theile betonten Thatsache, dass die Auseinander-
zerrung zuerstinder Tiefe beginnt«. 3. Hochgradige Excavation, von 2. sich durch beträchtliche Größe der
Öffnung an der Papillenoberfläche unterscheidend, endlich 4. die randständige Excavation, von der vorher-
gehenden laut Zeichnung nur durch geringere Dicke des die Excavation begrenzenden Nervenfaserwalles
unterschieden (10, Fig. 39, 4 und 6).
Bezüglich der Details verweise ich auf die Originalarbeit des Autors. Auf Einiges werde ich bei den
Literaturangaben über Conus, Bindegewebsring ete. noch zurückkommen müssen.
Aus der neuesten Zeit stammen endlich noch anatomische Befunde am Sehnerveneintritte des Neu-
geborenen, zum Theil zu dem Zwecke aufgenommen, Schoen’s Hypothese durch den Nachweis den Boden
zu entzieher, dass die physiologische Excavation keine erworbene Formanomalie des Sehnerven-
eintrittes, sondern eine bei der Entwicklung des Auges angelegte, daher im Auge des Neugeborenen in
gleicher Weise wie in dem des Erwachsenen vorhandene Bildung ist. v. Hippel (11) konnte an tadellos
conservierten Augen neugeborener Kinder den ausführlichen Nachweis erbringen, dass der lakonische Satz
Merkel und Orrs (32) »die physiologische Excavation zeigt auch jetzt schon (id est beim Neugeborenen)
die bekannte Form«, völlig zu Recht besteht. Er fand nicht nur flachere, mit ihrer Spitze zum Niveau der
vorderen Aderhautebene reichende Excavationen, sondern gibt auch die photographische Abbildung einer
tiefen, napfförmigen Excavation, derenGrund nahezu in die Ebene des Phornix des Zwischenscheidenraumes
fällt. v. Hippel weist an derselben Stelle darauf hin, dass sich dieselbe Verziehung der Nervenfasern
im Scleroticochorioidalcanale auch hier finde, die Schoen als durch Zug der meridionalen Ciliarmuskel-
fasern an den Sehnervenscheiden entstanden erklärt.
Was sonst noch in der Literatur über die physiologische Excavation vorliegt, ist durchwegs aus-
schließlich der ophthalmoskopischen Untersuchung des Sehnerveneintrittes entnommen. Es ist nicht viel.
Biller (12) versuchte die physiologische Excavation in Parallele zu stellen mit dem Conus und suchte in
der Anwesenheit oder Abwesenheit derselben bestimmte Momente für die vorhandene normale oder herab-
gesetzte Sehschärfe der betreffenden Augen. Auf irgend nähere Begründung seiner von Wolffberg
geschaffenen Theorie durch Hinweis auf anatomische oder entwicklungsgeschichtliche Momente verzichtet
der Autor. Ungleich werthvoller sind die Untersuchungen Garnier’s (13), die ich leider, da die Original-
arbeit in russischer Sprache verfasst ist, nur nach dem Jahresberichte für Ophthalmologie wiedergeben kann;
es ist dies die erste auf großem Material basirende Publication, welche über die Häufigkeit des Vorkommens
der physiologischen Excavation in emmetropischen und ametropischen Augen berichtet. Garnier gibt an,
dass, obwohl in jeder Sehnervenpapille eine kleine trichterförmige Excavation entsprechend dem Austritte
der Centralgefäße vorhanden ist, doch nur in 26 Procent der Augen dieselbe auch ophthalmoskopisch nach-
weisbar sei. Die Excavation sei nur dann mit dem Ophtalmoskope zu sehen, wenn die Theilungsstelle der
Centralgefäße von einem spinnartigen Netze von Bindegeweben bedeckt ist, welches seinen Ursprung dem
nicht vollständigen Verschwinden des nach Obliteration der Arteria hyaloidea zurückbleibenden Binde-
gewebes verdankt. Es gibt angeborene, tiefe Excavationen, aber auch analog dem Conus erworbene Ex-
cavationen. Garnier unterscheidet drei Stufen, 1. Excavationen, die das Centrum nur der äußeren Hälfte
der Papille einnehmen, 2. Excavationen, die ungefähr zwei Drittel und 3. solche, die beinahe die ganze
Papille einnehmen, nur einen kleinen Randsaum oben - innen - unten freilassend. Excavationen der ersten
Stufe werden in 141/,°/,, der zweiten in 11°/, und der dritten in !/,°/, aller Untersuchten gefunden. Auf die
Wiedergabe der weiteren Anführungen, die ebenso wie das bisherige mit meinen eigenen Erfahrungen
durchaus nicht übereinstimmen, verzichte ich, und führe nur noch an, dass nach Garnier die meisten Ex-
cavationen (26°/,) bei Myopie vorkommen, bei Emmetropie 24°/,, bei Hypermetropie 25°/,. Die großen
Excavationen kommen hauptsächlich (48°/,) in myopischen Augen vor. Die Entwicklung der Excavation sei,
von Accommodation unabhängig, eine Erscheinung analog der Conusbildung.
Bemerkenswert ist noch, was Klein (18) auf Grund der ophthalmoskopischen Untersuchung von
186 Augen über das Häufigkeitsverhältnis der physiologischen Excavation, sowie über ihr Verhältnis zur
224 Anton Elschnig,
Refraction angibt. Er fand: Keine Excavation in 38:2°/,, u. zw. 26°/, in emmetropischen und myopischen,
78:6°/, in hypermetropischen Augen; in nicht hypermetropischen Augen begegnete er also dreimal so
häufig der physiologischen Excavation, als in hypermetropischen Augen.
Über Veränderungen, welche die Form der Sehnervenpapille und damit der physiologischen Excavation
während des Wachsthumes des Augeserleidet, sind wir noch sehr wenig orientiert. Es ist nur das eine bekannt,
dass schon im Neugeborenen Excavationen von denselben Formen vorkommen, wie im Erwachsenen, gleich-
artige Conusbildungen ebenfalls. Dies hat schon der Begründer unserer Kenntnisse hierüber, v. Jaeger
angegeben, und dies muss als zu Recht bestehend auch heute noch anerkannt werden, wenn auch von Seite
einiger Autoren die Excavation, wie die vorhergehende Literaturübersicht lehrt, als erworbene Form-
anomalie angesehen wird. Entscheidend sind hier wohl die Untersuchungen der Augen Neugeborener
oder jüngster Kinder.
Herrnheiser (15) hat sich hierüber in seinen Beiträgen zur Kenntnis der physiologischen Excavation
näher verbreitet. Nach seinen Angaben fand Schleich an 150 Kindern sehr häufig kleine, centrale
rundliche Excavationen, viel seltener größere, und nur in 2 Fällen fast bis an den Rand reichende
Excavationen. Herrnheiser dagegen, welcher 1920 Augen Neugeborener untersucht hat, kommt zu dem
Schlusse, dass die physiologische Excavation intra vitam erworben und nur in einzelnen Fällen angeboren
sei. Dagegen sprechen mit aller Entschiedenheit Hippel’s Befunde, und ich selbst habe an Kindern inner-
halb der esten Lebensjahre — Neugeborene habe ich bisher nicht in größerer Zahl untersucht — dieselben
Formen der Excavationen gesehen, wie an Erwachsenen (vgl. den Fall 18 meines Materiales).
2. Pigmentring, Bindgewebsring, Conus.
Wir wenden uns nun zunächst zu einem kurzen Rückblick auf unsere Kenntnisse über die — noch
nicht eigentlich in den Bereich des Pathologischen gehörigen — Begrenzungsarten des Sehnerven, also
speciell über den Conus. Obwohl ich in meiner vorliegenden Abhandlung nur den Conus des normalen,
nicht mit Staphyloma posticum Scarpae behafteten Auges in Betracht ziehe, ist es unmöglich, hiebei das
myopische, Staphyloma posticum besitzende Auge ganz außeracht zu lassen, denn der Conus wurde
zuerst im myopischen. Auge gefunden und sogar lange Zeit an dem Irrglauben festgehalten, der Conus sei
eine Prärogative des kurzsichtigen Auges, ja eine nur dem »myopischen Processe« zukommende Folge-
erscheinung. Vor dieser Begrenzungsanomalie muss naturgemäß auch die normale Begrenzungsart
der Papille, Pigment- (Chorioidal-) Ring und Bindegewebs- (Scleral-) Ring Erwähnung finden.
Donders (16) scheint der erste gewesen zu sein, der den Pigmentring näher gewürdigt hat. Er gibt
an, dass der dunkle Ring um den Sehnerveneintritt, den man in vielen Fällen mit dem Augenspiegel
deutlich sehen kann, von einer vermehrten Pigmentanhäufung in der Chorioidea und Sclera
am Rande des Sehnerven abhänge. Liebreich (18) bezeichnet daher auch die mehr oder weniger
dunkle Linie, durch die sich der freie Rand des Chorioidalloches markiert, als Chorioidalgrenze.
Der Bindegewebsring scheint zuerst von Liebreich (17) beschrieben worden zu sein. »Der
sehr helle, ein wenig nach innen von der Contour (id est der Sehnervenscheibe) gelegene Bogen besteh;
wohl nicht in der That aus Lichtstrahlen, die von der Oberfläche des Sehnerven reflectiert wurden, wie man
sich hievon leicht durch kleine Bewegungen, die man mit dem beleuchtenden Spiegel macht, überzeugen
kann, sondern kommt aus der Tiefe und rührt vielleicht von einem Reflexe an der etwas vor-
springenden Übergangsstelle der inneren Sehnervenscheide (Donders) in die Sclerotica
her.« In der Regel trete dies am deutlichsten an der äußeren Hälfte hervor. Später (18) bezeichnete er
»den hellen Bügel oder Ring, der zwischen der Chorididalgrenze (sc. Pigmentring) und jener feinen, granu-
lierten Linie erscheint, mit der sich die Nervensubstanz an der schmalsten Stelle des Sehnerven gegen die
Scheide absetzt,« mit dem Namen Scleralgrenze; er sei von der Umbiegungsstelle der Sclera
in die Sehnervenscheide gebildet.
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Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 225
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Seine ausführlichste Würdigung erfuhr der Bindegewebsring durch v. Jaeger (5, Anmerkung p. 58),
welchem auch hierin fast ausschließlich das Verdienst zukommt, unsere Kenntnisse über denselben
begründet und ausgestaltet zu haben. Er sah die Balken der Lamina cribrosa in den Bindegewebsring über-
gehen, beschrieb die scharfe äußere, chorioidale, die innere unscharfe Begrenzung dieser hellen Grenz-
linie des Sehnerven, die bald allseits, bald nur theilweise, besonders gegen die Macula zu deutlich hervor-
trete. v. Jaeger benannte sie Bindegewebs- oder Scheidenring, von der Ansicht ausgehend, dass das
innere Neurilemm der Sehnerven (Pialscheide) bis nahe zur Chorioidea aufsteige, und daher, auch noch
den Sehnerven an seinem inneren (Kopf-) Ende bei seinem Durchtritte durch die Lamina cribrosa
umgebend, mit dem Augenspiegel sichtbar werde. v. Jaeger hob endlich (5, pag. 36, Anm.) auch zuerst
hervor, dass in der Mehrzahl der Fälle von angeborenen Excavationen der Bindegewebsring vollständig oder
zum Theile sichtbar werde.
Auf diesem Standpunkte beharrte die Lehre vom Pigment- und Bindegewebsring, bis durch Kuhnt’s
(19) ausführliche und exacte Untersuchungen, mit neuerer histologischer Technik zum Theil an ophthalmo-
skopisch untersuchten Augen angestellt, eine wesentliche Ergänzung; respective zum Theil Richtigstellung
erfolgte. Bezüglich des »Chorioidalringes« constatirte Kuhnt, dass er allein auf einer mehrschichtigen
Übereinanderlagerung der Pigmentepithelien beruhe, dass daher die geringere oder stärkere Pigmentirung
des Aderhautstromas ziemlich irrelevant sei. Trotzdem haben viele Ophthalmologen noch heute den
Namen Chorioidalring beibehalten.
Der Bindegewebsring kann nach Kuhnt (19) in zweifacher Weise anatomisch begründet sein. Für
eineGruppe vonFällen bestätigt Kuhnt dieAngabev.Jaegers, dass der ophthalmoskopisch gesehene
Bindegewebsring der Reflex von den zur Glashaut der Chorioidea hinaufstreichenden
Bindegewebsbündeln der pialen Opticusscheide sei. Für die übrigen Fälle von ophthalmoskopisch
sichtbarem Bindegewebsring dagegen gab er eine andere Erklärung, da hier die aufsteigenden Piabündej
fehlten, oder, minimal entwickelt, von der innersten Chorioidea zugedeckt waren; »dagegen war
an diesen Präparaten jener Theil der Aderhaut, welcher den Sehnerven unmittelbar
umfasst, frei von Pigmentepithelien, auch fehlte an ihm jede Spur der Capillaris,
Umstände, die eine totale Reflexion der auffallenden Strahlen geradezu zur physi-
kalischen Nothwendigkeit machten. Hier muss also ein concentrischer, der Capillaren
und Pigmentepithelien barer, äußerster Saum der Chorioidea als anatomische Basis des
Bindegewebsringes angesprochen werden« (p. 58).
Schnabel-Herrnheiser (20) stellen in ihrer dem Conus des myopischen Auges gewidmeten
Abhandlung auch die anatomische Natur des Bindegewebsringes fest. Er ist »der vordere Rand der inneren
Sehnervenscheide. Diese begleitet den Sehnerven durch den Scleral- und Chorioidalcanal, verwächst mit
den Wänden dieser Canäle, das ist mit den dem Sehnerven zugewendeten Seitenflächen der Sclera und
Chorioidea, sendet die unter der Bezeichnung Lamina cribrosa zusammengefassten, sehr zahlreichen, gefäß-
tragenden Bindegewebebalken zwischen die Faserbündel des marklosen Sehnervenstückes und endet in der
Ebene der vorderen Aderhautfläche, indem sie sich mit der Lamina elastica chorioidea verbindet. Da die
innere Scheide ein hohler Cylinder ist, welcher der Oberfläche des Sehnerven unmittelbar anliegt, so muss
der in der Ebene der vorderen Aderhautfläche liegende vordere Rand der Scheide im ophthalmoskopischen
Bilde als weißer Ring erscheinen, der sich zwischen den Sehnervenumfang und den Anfang der Aderhaut
einschiebt« (20, pag. 18). Mit Rücksicht auf die Deutung des zwischen Chorioidea und Sehnerv ein-
geschalteten Bindegewebsringes benennt Schnabel folgerichtig den weißen Ring mit v. Jaeger als
»Scheidenring«.
Die Lehre vom Conus wurde durch v. Jaeger begründet. Wohl wurde gleichzeitig oder fast gleich-
zeitig mit ihm von Anderen im kurzsichtigen Auge die Conusbildung gesehen, aber unter dem mächtigen
Eindrucke der Persönlichkeit v. Graefe’s, welcher den Conus als Folge der Scleroticochorioiditis posterior
erkannt zu haben glaubte, in diesem Sinne ausgedeutet. v. Graefe’s Definition lautete dahin (21, p. 359),
dass die Scleroticochorioiditis posterior jene Amblyopieen so häufig zu Grunde liegende Krankheitsform sei
226 Anton Elschnig,
bei welcher durch chronische Entzündung der Chorioidea die Sclerotica sich um den hinteren Augapfelpo!
ausdehnt und die ectatische Partie derselben durch die atrophierte Chorioidea hindurch ein intensives
weißes Licht hindurchwirft, weshalb sie das Aussehen einer um den Sehnerveneintritt vorwiegend nach
außen hin anliegenden weißen Plaque gewährt.
In einer ausführlichen Beschreibung (21, p. 390) sagt v. Graefe, dass die weiße Figur am Sehnerven
in geringer Entwicklung, meist die Form einer Sichel habe, deren convexer Rand gegen den hinteren Augen-
pol zu gerichtet sei, dass sie sich bei zunehmender Erkrankung vergrößert u. s. w. Auch sah er (21, p. 371)
anscheinend in der Conusfläche Chorioidalgefäße, respective Ciliargefäße, erklärte es aber für einen
Irrthum, wenn man annehme, dass dieselben am Rande der weißen Figur verschwinden; dieser Irrthum
erkläre sich durch das relative Undeutlichwerden der Gefäße bei dunklerem Hintergrunde. v. Graefe
berichtete auch über zwei anatomisch untersuchte Fälle von »Scleroticochorioiditis posterior«. In der
weißen Figur fehlte die Chorioidea vollkommen, die Retina lag’ unmittelbar der Sclera auf, die helle
Beleuchtung der Figur unter dem Augenspiegel erkläre sich also dadurch, »dass das Licht direct durch die
Netzhaut zur Sclera gelangt und diese letztere als stark reflectierende Fläche nur weniggedämpft
zum Vorschein kommt«. Diese Scleroticochorioiditis verursache einen exquisit myopischen Bau des
Auges. — Da war es nun v. Jaeger (5), welcher dieser, wie gesagt allgemein anerkannten Lehre entgegen-
trat und auf Grund weit umfassender klinischer und anatomischer Beobachtungen den Grund legte zu
unserem gesammten Wissen über das Wesen der hochgradigen Myopie und des Conus. Es würde zu weit
führen, wollte ich v. Jaegers Ausführungen auch nur in einer knappen Inhaltsangabe wiedergeben; dies
wäre auch umso überflüssiger, als dieselben ja, wie gesagt, die Grundlage unserer jetzigen Anschauungen
bilden. Ich hebe daher nur hervor, dass v. Jaeger die allerdings bei hochgradiger Myopie am häufigsten
vorkommende Sichelbildung am Sehnerven als Conus von dem die Kurzsichtigkeit bewirkenden
Staphyloma posticum (Ausdehnung der Formhäute des Auges am hinteren Pole) trennte, nachwies,
dass der Conus auch in manchem emmetropischen und hypermetropischen Auge gefunden wird, in
manchem myopischen Auge dagegen, trotz Staphyloma posticum, fehlen könne. Seine anatomischen Unter-
suchungen scheinen sich aber nur auf Coni in Augen mit Staphyloma posticum erstreckt zu haben, ebenso
wie bis heute keine Untersuchung eines Conus in einem emmetropischen oder hypermetropischen Auge
existirt. v. Jaeger erklärte auch, dass im Conus »mitunter das Zeichen einer bei Schließung des Fötal-
spaltes gesehenen Anomalie zu erkennen sein dürfte«.
Die Lehre vom Conus fand dann eine wesentliche Förderung durch Schnabel (22), welcher auch
zuerst die vorkommenden Coni in angeborene — »ein vollständiges Analogon des sogenannten Chorioidal-
coloboms« — und erworbene (bei Staphyloma posticum) schied. Auch stellte Schnabel auf Grund reicher
Erfahrung fest, dass der angeborene Conus in ziemlich gleicher Häufigkeit in Augen jeder Refraction
vorkomme. Später (23) ergänzt Schnabel seine diesbezüglichen Angaben dahin, »dass der angeborene
Conus in genetischer Abhängigkeit vom fötalen Augenspalte steht, mit anderen Worten,
dass er ein partielles Coloboma chorioideae ist«. ä
Fuchs (24) gab dann eine genaue Schilderung der angeborenen Coni nach unten, welche auch er bei
sehr verschiedenen Refractionen vorfand, und lieferte eine Reihe guter Abbildungen derselben.
Auf die weitere Entwicklung der Kenntnisse über die Anatomie des Conus will ich hier nur kurz hin-
weisen. Eine genauere Darstellung und Kritik dieses in vieler Hinsicht äußerst interessanten Werdeganges ist
deshalb überflüssig, weil Schnabel und Herrnheiser in ihrer Abhandlung »Über Staphyloma posticum,
Conus und Myopie« in erschöpfender Weise darüber sich verbreitet haben. Ich glaube dies in vorliegender,
dienormale Anatomie des Sehnerveneintrittes behandelnder Arbeit auch deshalb umso eher unterlassen zu
können, als alle bisherigen Untersuchungen sich, wie schon erwähnt, lediglich auf Coni kurzsichtiger
Augen beschränken. Ich erwähne daher nur die Untersuchungen von Weiß, Stilling und Schoen,
welche alle dahin übereinstimmen, dass die Sicheln der myopischen Augen durch Verzerrungen, welche die
Begrenzungshäute der Sehnerven und dieser selbst im Durchtrittscanale erleiden, erzeugt sind.
A re en
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 227
Weiß (25, b) hatte, was besonders hervorzuheben ist, den schmalen Conus des schwach
myopischen Auges genau untersucht, beschrieben und abgebildet; er bezeichnet ihn folgerichtig als
»conusförmige Verbreiterung des Bindegewebsringes am äußeren Papillenrande« und erklärt das Spiegel-
bild, welches derselbe liefert, dadurch, dass in Folge des Fehlens der Chorioidea an dieser Stelle und
Hinüberziehen der von dichten Laminabalken durchsetzten Nervenfasermasse der weisse Reflex der Sclera,
vermehrt eventuell durch die hinübergezogenen Laminabalken, sichtbar sein müsse.
Stilling (26) — ich gebe seine Ansicht nach der jüngsten Publication über Myopie, nach seinen
Grundzügen der Augenheilkunde (1897) — sieht die Ursache der Entwicklung des Conus in einer activen
Spannung des oberen und einer passiven Spannung des unteren schrägen Muskels und dadurch bedingten
Zerrung des Sehnervenkopfes bei angestrengter Nahearbeit, und hält als die anatomische Grundlage der
weissen Sichel das durch die Verzerrung des Sehnervenkopfes erfolgende Sichtbarwerden der äußeren
Wand des Canalis opticus.
Schoen (10) endlich, welcher eine durch Accommodation und eine andere durch Convergenz
erfolgende Verschiebung der Augenhäute gegen einander statuirt und durch beide verschiedenartige Zug-
wirkungen am Sehnerveneintritte erfolgen lässt, beschreibt folgende verschiedene Conusformen (Autoreferat
im Jahresberichte für Ophthalmologie, 1893, p. 160).
1. Der Scheidenfortsatz (d. i. die Verbindung der Pialscheide mit der Chorioidea) ist temporalwärts
umgeschlagen, seiner äußeren Grenzlinie, dem Scleralringe, liegt der Chorioidalsaum dicht an.
2. Wie bei 1, doch ist der Chorioidalsaum noch weiter zum Scleralringe abgezogen.
3. Wie bei 1, doch liegt der Chorioidalsaum an ursprünglicher Stelle, schwarzer Conus; der Scleral-
ring ist unter der Chorioidea fortgeglitten.
4. Wie bei 1, doch ist der Chorioidalsaum ringsum weiter abgezogen: Ringstaphylom.
d. Es tritt zu einem dieser Bilder noch Zerrungsatrophie der Chorioidea hinzu.
Schnabel und Herrnheiser (20) weisen in ihrer genannten Arbeit nach, dass alle diese Theorien
über die Entstehung des Conus unhaltbar sind, dass die beiden principiell verschiedenen Conusformen, die
ringförmige und die sichelförmige, angeboren seien, durch Bildungsmangel in einer oder beiden äußeren
Augenhäuten in der unmittelbaren Umgebung des Sehnerven bedingt, dass der Conus wohl wachse, aber
nie an einem vorher normalen Auge entstehen könne.
Einige Bemerkungen noch über die Superposition, respective Supertraction. Die erste Angabeüber die
Superposition der Chorioidea glaube ich bei Donders (16) zu finden. Er erwähnt im Anschlusse an die
Besprechung des Pigmentringes, dass »man nicht selten mit dem Augenspiegel eine doppelte Begrenzung
des Sehnerven wahrnimmt, zwischen welchen beiden Grenzen er noch von der Chorioidea bedeckt wird
und in denen er auch zuweilen ein Chorioidalgefäß sah«. Eine sehr gute Abbildung ergänzt die
Beschreibung. Donders erklärt diese Erscheinung damit, dass »der Sehnerv nach dem Aufhören der
Lamina cribrosa dünner geworden ist und daher die Chorioidea, da sie nothwendig nur eine kleinere
Öffnung übrig lasse, gewissermaßen über den Sehnerven hinübergreift«.v. Jaeger (5, Anmerkung zu p. 50)
sieht in dem von Donders beschriebenen Phänomen eine Primitivform des Conus; er beschreibt aber
selbst (5, Anmerkung p. 61 und p. 66, 67) und bildet in unübertrefflicher Deutlichkeit (ö, Tafel II, Fig. 28)
die Superposition im myopischen Auge ab.
Nagel (27) beschreibt dann die Sicheln am nasalen Sehnervenrande und gibt an, dass dieselben
»allerdings von ganz anderer Beschaffenheit als die temporalen Sicheln sind, oft nur in einer wenig auf-
fallenden, nicht scharf begrenzten Entfärbung bestehen«; nach seiner Erfahrung bilden dieselben in gewissen
Categorien myopischer Augen ein ganz gewöhnliches Vorkommnis. Ursache sei wahrscheinlich» die
Herüberziehung der Chorioidalgrenze über den Sehnervenrand«. Auch hiefür hat Schnabel (20, p.21) die
Zerrungshypothesen zurückgewiesen und die nach ihm richtig zu benennende Superposition der
Chorioidea in myopischen Augen als »ungewöhnlich starke Ausprägung des normalen Verhaltens«
erkannt.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 30
228 Anton Elschnig,
Eine vorher ophthalmoskopisch gesehene Sichel nach unten wurde bisher ein einzigesmal untersucht
in einem myopischen Auge von Schnabel-Herrnheiser (20), wobei sich ein mit der Sichel nach außen
übereinstimmender Befund ergab; Salzmann’s (28) Untersuchung betraf einen intra vitam nicht gesehenen
Sehnerveneintritt und ergab den Befund eines Coloboms am Sehnerveneintritte: sichelförmiger Defect der
innersten Schichten der Chorioidea und des Pigmentepithels am Sehnervenrande innen unten, Verdoppelung
der Netzhautanlage im Bereiche der Defectbildung.
Es sollen nun noch einige klinische Untersuchungen über die Conusbüldung Erwähnung finden.
Seggel (29) verbreitet sich auf Grund klinischer Untersuchungen ausführlich über das Wesen des
Conus, seine ophthalmoskopischen Erscheinungsformen und die Abhängigkeit desselben von der Refraction.
Für die ringförmig die Pupille umfassenden, temporal verbreiterten Coni führt er die Bezeichnung Siegel-
ringstaphylom ein. Er unterscheidet zwei Conusformen: scharfrandig mit dem normalen Pigmentring
begrenzte von hellweisser Farbe, und stark pigmentierte, gefleckte Coni mit unscharfer Begrenzung nach
der temporalen Seite. Erstere erklärt Seggel im Sinne Stilling's, letztere dagegen als Folge von
Chorioidalatrophie, benennt sie dem entsprechend als »Scleralconi« und »Chorioidalconi«. Auf seine
weiteren beachtenswerthen Ausführungen über den Zusammenhang von Conus und Orbitalbau kann ich
hier nicht eingehen, da sie in das Capitel »Myopie« gehören.
Von wesentlichem Interesse sind für uns seine Beobachtungen über die Abhängigkeit des Conus von
der Refraction. Er fand Conus bei 4>6D in 0°), H,-,nin 5'8, H,_,n in 78, Hpin97,9 <i!in
16 °/,; bei Emmetropie in 18°), bei M < 1 in 50°/,, mit Zunahme der Myopie Zunahme der Häufigkeit
des Conus, bei M > 9 D bereits in 99 %/,! Ja sogar von dem Grade der Refractionsanomalie sei die Größe
des Conus abhängig, »so zwar, dass fast jeder Dioptrie des myopischen Auges eine bestimmte Conus-
grösse entspricht«; mit Zunahme der Myopie wächst an demselben Auge der Conus. Ringstaphylom fand
sich niemals bei Hypermetropie oder Emmetropie. Eine bestimmte Abhängigkeit des Auftretens von
Conus von der Nahearbeit konnte Seggel nicht feststellen, wohl aber scheinen Emmetrope und Hyper-
metrope mit Conus zufolge des »myopischen Processes« häufiger als conuslose an asthenopischen
Beschwerden zu leiden, welche sie zum Augenarzte führen; daher käme es, dass der Augenarzt, welcher
nur Kranke untersucht, relativ häufiger dem Conus in nicht myopischen Augen begegne.
Schwarz (30) stellte nach ophthalmoskopischen Merkmalen verschiedene Typen der sichel- und ring-
förmigen Gebilden an der Papille auf, denen er bestimmte anatomische Verhältnisse unterlegte.
1. Die Distractionssichel sei weiß oder grauweis gefleckt, ihre äußere Grenze scharf, ihre innere
unscharf, letztere liege tiefer als erstere. »Sie entsteht nach Stilling durch Verziehung der ganzen tempo-
ralen Wand des Scleroticalcanales oder durch Verziehung der Sclera nur in der Nachbarschaft der (hintersten
Lage) Lamina cribrosa«. Durch quantitative Steigerung entsteht aus der Distractionssichel die Siegelring-
form (Distractionsring, Dimmer).
2. Die Sichel nach unten unterscheide sich nur durch ihre Lage von der vorgenannten.
3. Die Retractionssichel, deren innere Grenze weniger scharf markiert sei und keine Niveaudifferenz
besitze, sei wahrscheinlich auf Abzerrung der Aderhaut von der Scleralkante zurückzuführen. »Durch den
Zug der Aderhaut werden Faserzüge der Lamina cribrosa mit eingeschlossenen Opticusfasern über den
Scleralrand herübergezogen. Die weiße Farbe der Sichel ist durch die herübergezogenen Laminafasern und
die Sclera zusammen bedingte.
4. Der Scleralsaum (oder Bindegewebsstreif) »entspricht dem von der Aderhaut freigelassenen Scleral-
streifen zunächst der Papille.« Die Aderhautsichel, der Halo glaucomatosus und Halo senilis seien auf
Schwund der Aderhaut zurückzuführen. Endlich kämen Combinationen der genannten Formen in ver-
schiedenen Variationen vor. .
Auf Biller’s (12) kleine Arbeit habe ich schon bei der Besprechung der Literatur über die physio-
logische Excavation hingewiesen.
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Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 229
IZSEREIT,
Eigene Untersuchungen.
1. Klinische Beobachtungen über physiologische Excavation und Conus.
Obwohl diese Abhandlung der Anatomie des Sehnerveneintrittes gewidmet ist, halte ich es doch für
gerechtfertigt, einige Bemerkungen über klinische Beobachtungen an der Sehnervenpapille anzuschließen,
umsomehr, als ja meine anatomischen Untersuchungen sämmtlich an vorher ophthalmoskopisch unter-
suchten Augen ausgeführt wurden und dieselben ausschließlich zu dem Zwecke angestellt wurden, alle
ophthalmoskopisch sichtbaren Eigenschaften des normalen Sehnerveneintrittes in ihrer Wesenheit, in ihrer
anatomischemGrundlage und Entstehung zu erkennen.
So will ich ganz kurz über die Häufigkeit des Vorkommens der verschiedenen Formen der Ex-
cavationen, des Bindegewebsringes u. s. f. auf Grund einer allerdings kleinen, eigenen Statistik berichten;
ich habe hier besonders auf den eventuellen Zusammenhang der verschiedenen Eigenschaften der Seh-
nervenpapille mit der Refraction des betreffenden Auges Rücksicht genommen, da aus meiner anatomischen
Casuistik irgend eine statistische Ableitung in dieser Hinsicht keineswegs vorgenommen werden darf. Ist
man doch bei der Beschaffenheit des anatomischen Materiales von tausend Zufälligkeiten abhängig, war
doch eine ganz genaue Refractionsbestimmung sowie Untersuchung der Function des Auges an den oft
schon moribunden Kranken, denen post mortem die Augen enucleiert wurden, in vielen Fällen ganz
unmöglich durchführbar. So muss also dann die anatomische Casuistik durch eine klinische ergänzt
werden.
Das der nachfolgenden Statistik zu Grunde liegende Material entstammt zum großen Theile der
Klinik (respective dem Ambulatorium der Klinik) meines verehrten Lehrers Hofrath Professor Schnabel
zum Theile meinem Privatambulatorium. Es wurden in die Statistik ohne Auswahl alle Individuen,
respective Augen aufgenommen, welche keinerlei Erkrankung (ausgenommen die der hochgradigen Myopie
eigenen Chorioidalveränderungen) darboten und deren Sehschärfe genau festgestellt werden konnte. Die
Refraction habe ich natürlich ausnahmslos selbst im aufrechten Bilde genau bestimmt. Die Statistik ist
deshalb so relativ klein, da ich nur meine Aufzeichnungen aus dem letzten Jahre, seitdem ich die vor-
liegenden anatomischen Untersuchungen bereits vollendet hatte, hierzu verwertet habe.
Um vollständig jedes Missverständnis auszuschließen, will ich vorher noch die Nomenclatur, welche
ich im folgenden festhalten werde, kurz feststellen, soweit sie nicht ganz allgemein übereinstimmend
gebräuchlich ist.
Die braunen oder schwarzen, den Beginn des glattrothen Fundus meist markierenden Linien werden
Pigmentring genannt.
Den hellen Ring oder Halbring, welcher, gegen die Papille bald scharf, bald unscharf abgrenzt,
manchmal hellweiß, manchmal leicht graulich gefleckt ist, bald im Niveau des angrenzenden pigmentierten
Augengrundes, bald tiefer zu liegen scheint, bezeichne ich als Bindegewebsring.
Eine helle, sichel- oder ringförmige Zone, welche die Papille vom glatt pigmentierten Augengrunde
trennt, welche gegen den letzteren scharf und in einem Kreisbogen, meist durch einen deutlichen Pigment-
ring abgegrenzt ist, bezeichne ich mit v. Jaeger als Conus, ob ihre Fläche nun glatt, hellweiß oder dunkel-
graulich gefleckt, im Niveau des Augengrundes oder ein Geringes tiefer als derselbe gelegen ist. Von einem
doppelten Conus spreche ich, wenn die helle Zone aus zwei deutlich abgrenzbaren Sicheln zusammen-
gesetzt erscheint, deren innere, der Papille angrenzende, glatt-hellweiß, deren äußere mehr oder
weniger dunkel graulich gefleckt erscheint. Liegt die Conusfläche bedeutend tiefer, so dass sie
30*
230 Anton Elschnig,
wie eine grubenartige Vertiefung erscheint, und wird sie von dem Papillengewebe zu beiden Seiten
deutlich wallartig überragt — es ist dann auch immer abnorme Form und Farbe der Papille, abnorme
Lage und Verlauf der Centralgefäße, abnorme Gefäßverbindungen u. Ss. f. vorhanden — so nenne
ich das Randcolobom des Sehnerven — es ist dies anatomisch, wie ich aus zwei eigenen Untersuchungen
weiss, ein Colobom der Chorioidea am Rande des Sehnerven mit congenitalen Anomalien des Sehnerven
und der Netzhaut. Jene »mächtigen weißen Felder von buchtiger Begrenzung und unregelmäßiger
Pigmenteinsäumung« (Schnabel, 20, p. 23), wie sie in hochgradig myopischen Augen so häufig beobachtet
werden, sind als circumpapillare Chorioidalatrophie vom Conus leicht anatomisch, aber besonders im hoch-
gradig myopischen Auge oft kaum ophthalmoskopisch zu unterscheiden.
Mit dem Namen Superposition des Pigmentephitels bezeichne ich auf Grund meiner ana-
tomischen Erfahrung darüber einen Befund, ähnlich dem, was bisher als »Supertraction« oder »Super-
position« (Schnabel) benannt wurde. Wir finden so häufig am Rande der Papille, aber auch am äußeren
Rande eines Bindegewebsringes oder Conus eine sichelförmige, selten kreisringförmige (also die Papille
ringförmig umgebende), schmale Zone, die eine andere, meist dunklere Färbung besitzt als der übrige
Augengrund, die bei geringerem Pigmentgehalte in toto, bei dunklerer Pigmentierung (Pigmentsichel, wie
vielfach verbreiterter Pigmentring) an seinem äußeren peripheren Rande transparent erscheint, das heißt
hell aufleuchtet, sobald durch eine leichte Spiegeldrehung das ophthalmoskopische Lichtbild dem entgegen-
gesetzten Papillenrande genähert wird, die betreffende Zone aber selbst nicht mehr direct belichtet ist. Die
nicht dunkel pigmentirten Superpositionssicheln sind meist durch einen außerhalb ihres transparenten
Randes gelegenen Pigmentring vom Fundus geschieden; da sie oft auch an dem der Papille angrenzenden
Rande einen Pigmentring tragen, erscheinen sie dann ganz von Pigment eingesäumt.
Sowie diese Benennungen meinen Beobachtungen über die anatomischen Grundlagen der ein-
zelnen Begrenzungsarten der Papille entsprechen, werden auch die mit den Zahlen I—-IV und Unter-
abtheilungen (IL,_.,, IIL'',) benannten Excavationsformen nach ihrer anatomischen Verschiedenheit auf-
gestellt.
Excavation I ist die leichte, kaum heller als die übrige Papillenfläche gefärbte, trichterförmige Ein-
senkung lateral von der Centralarterie, in der meist die Vereinigung der beiden Papillenvenen sichtbar ist.
Es ist also jene Form, die z. B. von Schweigger (Augenspiegel, p. 75) noch überhaupt nicht als physio-
logische Excavation bezeichnet wird. (Vergleiche die ophthalmoskopischen Skizzen I und II in den
Magnus’schen Unterrichtstafeln, Heft XIV.)
Excavation II ist die grubenförmige, ringsum gleich steil oder (IIl,) in der lateralen Hälfte etwas
weniger steil begrenzte Excavation, welche, in der lateralen Papillenhälfte gelegen, von den genau oder
fast genau im Centrum der Papille sich vereinigenden Papillenarterien begrenzt wird.
Excavation Ill ist die centrale Excavation, entweder flach begrenzt oder von allseits gleich steilen oder
gleich überhängenden Wänden gebildet; die Vereinigung der Papillenarterien liegt in der medialen Papillen-
hälfte, und zwar an der medialen Wand der Excavation, oder oft (bei IIl,) darunter verborgen, oder an der
Basis der Excavation; die Excavation ist also nicht durch die Papillenarterien begrenzt, sondern es bilden
entweder nur kurze Verlaufsstücke der Papillenarterien die Begrenzung, oder die Gefäße kreuzen nur den
Excavationsrand oder durchbrechen den die Excavation umschließenden Nervenfaserwall (Unterrichtstafeln
ENG SAID
Die vierte Form der Excavation ist jene, deren mediale Wand überhängend, deren laterale unmerklich
in die Ebene der Netzhaut übergeht, die aber lateral an den Papillenrand heranreicht. (Unterrichtstafeln
VL VI
Selbstverständlich finden sich die verschiedensten Übergangsformen, welche die dem Schema zuliebe
gezogenen Grenzen verwischen oder niederzureißen drohen. Will man aber überhaupt bestimmte Typen
1 Unterrichtstafeln «U. T.« bezieht sich auf das angegebene Heft XIV der Magnus’schen Unterrichtstafeln (Elschnig, die
normale Anatomie des Sehnerveneintrittes).
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 231
festhalten, und das ist nicht nur im Interesse der Übersichtlichkeit wünschenswert, sondern, wie sich aus
- dem folgenden ergibt, durch die gesammten anatomischen Eigenschaften der Sehnerveneintritte geboten,
so lassen sich auch diese Fälle den hier aufgestellten Typen einreihen. Es ergibt sich ja, dass die ver-
schiedenen Excavationstypen bestimmte Beziehungen zur Form des Durchtrittscanales, zur Art der
Begrenzung der Sehnervenpapille, zur Histologie des intraocularen Sehnervenstückes selbst aufweisen,
welche auch mit zur Aufstellung, zur Trennung eben dieser Typen und ihrer Unterarten nothwendig
geführt haben.
Meine Statistik enthält 75 emmetropische, 202 hypermetropische und 204 myopische Augen. (S. die
Tabellen I, II und III.) Excavation I fand ich an 19 emmetropischen, d. i. 25°/, der emmetropischen Augen,
j an 99 hypermetropischen (49°%/,) und 86 myopischen Augen (42°/,), sie ist also in hypermetropischen
Augen am häufigsten anzutreffen.
Excavation II an 19 emmetropischen (25'3°/,), 56 hypermetropischen (27 :8°/,), 17 myopischen
= Augen (8:3 °)))-
Excavation III an 21 emmetropischen (28°/,), 38 hypermetropischen (18°8°/,) und 20 myopischen
(9-8°/,) Augefl; darunter die große, napfförmige Excavation (III) an 4 emmetropischen (5:3°/,), 7 hyper-
tropischen (3.4°/,) und 3 myopischen (1:4°/,) Augen; sie ist also gewiss nicht in ametropischen Augen
häufiger anzutreffen, als in emmetropischen.
Excavation IV fand ich an 14 (18°7°/,) emmetropischen, 7 (3.4°/,) hypermetropischen und 61 (30°/,)
myopischen Augen. Sie ist also naturgemäß am häufigsten in myopischen Augen.
Bildungsanomalien (Randcolobome) fanden sich in 2 (2:7°/,) emmetropischen, 2 (1°/,) hyper-
metropischen und 20 (9:9°/,) myopischen Augen.
Sehr instructiv ist auch das Vorkommen der verschiedenen Begrenzungsarten der Papille in den
Augen verschiedener Refractionen.
Keinerlei besondere Begrenzungsanomalie fand ich an 32°/, der emmetropischen, 33°2°/, der hyper-
metropischen und 6°4°/, der myopischen Augen. Mit Beizählung der 8°/, emmetropischen, 20°/, hyper-
metropischen und 1'5°/, der myopischen Augen, welche Pigment-Superposition an der Papille besaßen,
waren 42:7°/, der emmetropischen, 53°5°/, der hypermetropischen und nur 7 8°/, der myopischen Augen
ohne Conus oder Bindegewebsring. Dieses Verhalten, die Abhängigkeit des Vorkommens von Bindegewebs-
ring und Conus von der Refraction des Auges wird noch besser illustriert, wenn nur die 87 höhergradig
hypermetropischen (über 3D) und die 113 höhergradig myopischen Augen (über 5 D) als ametropische
Augen gezählt, die übrigen zu den emmetropischen gezählt werden. Dann finden wir in emmetropischen
Augen 35:2°/, der Papillen, in hypermetropischen 60°9°/,, in myopischen nur 3°5°/, der Papillen ohne
Bindegewebsring oder Conus, finden also entsprechend 64 8°/,, 39: 1°/, und 965°/, der Papillen mit dieser
Begrenzungsform versehen. (Siehe Tabelle I—IIl.)
Da wir wohl berechtigt sind, die hochgradig hypermetropischen Augen als kurze,
die hochgradig myopischen als lange Augen zu bezeichnen, so sehen wir in diesem Ver-
halten wunderschön ausgeprägt, dass Conus und Bindegewebsring umso häufiger vor-
kommen, je länger die Augen sind, dass sie geradezu eine Prärogative des exquisit
langen, des myopischen Auges darstellen.
Das genau Entgegengesetzte ergibt sich bezüglich der Superposition des Pigmentepithels; sie fand sich
an 31 emmetropischen (+ schwach hypermetropischen und schwach myopischen) Augen, also ın 11°),
dagegen in 19, d. i. 22°/, der höhergradig hypermetropischen, und nur in O°8°/, der höhergradig myopischen
Augen.
Ich versage es mir, noch weiter auf das Zusammenvorkommen der verschiedenen Formen von
Excavationen und der verschiedenen Begränzungsarten hinzuweisen; sind ja doch auch die Zahlen, auf
welchen sich meine Statistik aufbaut, für weitgehende Schlüsse zu klein.
Für jene, welche sich näher dafür interessieren, sprechen die beigegebenen Tabellen eine deutliche
Sprache. Auch ergibt sich ja auch aus dem anatomischen Theile dieser Arbeit eine entsprechende Auf-
232 Anton Elschnig,
klärung in dieser Richtung. Nur das eine ist—im Gegensatze zu den Angaben Garnier's z.B. (s. o. pag. 5)
nochmals hervorzuheben, dass die großen Excavationen (IIl,) in emmetropischen Augen überwiegend am
häufigsten zu beobachten sind, und dass eine Abhängigkeit von Conus und Excavation nur in den
myopischen Augen deutlich in der Richtung zu constatieren ist, dass dem Conus am häufigsten die IV.
Excavationsform hinzugesellt ist.
2. Topographische Anatomie des Sehnerveneintrittes.
Den nachfolgenden Erörterungen über die Anatomie des Sehnerveneintrittes liegt die ophthalmo-
skopische und anatomische Untersuchung von 56 normalen, emmetropischen oder in geringem Grade
ametropischen Augen zu Grunde. Sie gehörten 42 Individuen, 18 Männern, 23 Weibern und einem Knaben
von 1!/, Jahren an, welche ich intra vitam genau zu ophthalmoskopieren in der Lage war und bei denen ich
fast ausnahmslos durch eine kleine Skizze Form und Begrenzung der Papille, die Gefäßvertheilung an der-
selben u. s. w. festhalten konnte. Die Bulbi wurden dann möglichst bald post mortem enucleiert und in ver-
schiedenen Härtungsflüssigkeiten conserviert — als die beste halte ich die Müller-Formalinlösung
(2 Th. Müller’sche Flüssigkeit, 1 Th. 10°/, Formalin) --, dann in Alkohol nachgehärtet, der Sehnerven-
eintritt mit einem mehr weniger großen Stücke der angrenzenden Augenhäute herausgeschnitten, in
Celloidin eingebettet und dann meist in zum horizontalen Meridiane der Augen paralleler Richtung mit
dem Mikrotom geschnitten; nur einige Sehnerven wurden mit verticaler Schnittrichtung zerlegt. Meist
wurde die ganze Papille in Serienschnitten, in fast allen Fällen die Gegend der Centralgefäße in lückenloser
Serie untersucht. Besondere Sorgfalt wurde darauf verwendet, die Schnittrichtung in der Achse des Seh-
nerveneintrittes, also parallel den Centralgefäßen, zu erhalten. Die verschiedensten Tinctionsmethoden
wurden angewendet; bevorzugt habe ich die Hämatoxylin-Eosin-, oder in letzter Zeit Haematoxylin-
Congorothfärbung, die Weigert-Päl’sche (oder Schaffer’sche) Markscheiden - Färbung und die
van Gieson’sche Färbung. Fast immer wurde an einigen Präparaten die Färbung der elastischen Fasern
mittelst Orcein (Unna-Taenzer) oder Weigert'scher Farblösung vorgenommen. Einige Bemerkungen
möchte ich über die van Gieson’sche Färbung anfügen. In der gewöhnlichen Anwendung ist die Färbung
der Präparate sehr vergänglich. Meinem Freunde Prof. J. Schaffer (Wien) verdanke ich die Kenntnis der
Haltbarmachung derselben. Schaffer fand, dass durch jedes schwache Alkali die Gieson’sche Lösung
entfärbt wird und nahm an, dass am fertigen Präparate in Folge der Alkalicität des Präparatenglases die
Entfärbung des Schnittes erfolge. Setzt man der Gieson’schen Lösung einige Tropfen Essigsäure oder
Salzsäure zu, so dass der Schnitt (außer der zu schwachen Picrinsäure) etwas freie Säure enthält, so sind
die Färbungen unbegrenzt haltbar.
Ich kann es nicht unterlassen, an dieser Stelle allen Jenen, welche mir durch Überlassung ihres
klinischen Krankenmateriales zur ophthalmoskopischen Untersuchung die Beschaffung eines so großen
Materiales ermöglichten, meinen besten Dank auszusprechen. Es sind dies insbesondere die Herren Prof.
Kraus und Prof. Escherich (Graz), Primarius Docent Päl, Primarius Dr. Redtenbacher und Hofrath
Drasche in Wien. Zu besonderem Danke verpflichtet bin ich auch den Herren Prof. Eppinger (Graz)
und Prof. Weichselbaum (Wien), welche mir das anatomische Materiale in so reichlichem Maße zur
Disposition gestellt haben.
Schließlich drängt es mich, auch meinem theuren Lehrer, Hofrath Prof. Schnabel, welcher mir seit
4 Jahren eine Arbeitsstätte an seiner Klinik eingeräumt und das gesammte Material derselben in liberalster
Weise zur Disposition gestellt hat, auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank zu sagen.
Der genauen Besprechung aller anatomischen Details möchte ich noch einige Bemerkungen voraus-
schicken, in erster Linie die Nomenclatur betreffend, welche ich im Weiteren festhalten werde.
Wenn wir, der embryonalen Entwicklung und nicht der physiologischen Function des Sehnerven an-
passend, den Sehnerven vom Gehirne in das Auge einstrahlend uns vorstellen, so durchbrechen die Seh-
nervenfasern auf diesem Wege zuerst die Sclera, dann die Chorioidea und umkreisen schließlich die
Fee”
Sehnerveneintritt des menschlichen Anges. 233
äußeren Netzhautschichten, um zur Nervenfaserschichte der Netzhaut zu gelangen. Die Augenmembranen
sind zwar entsprechend dem Sehnerveneintritte nicht völlig durchlocht, sie bilden aber, indem sie in noch
näher zu beschreibender Weise an den Sehnerven mehr weniger intact herantreten, einen Canal, den der-
selbe passieren muss, den Durchtrittscanal des Sehnerven. Innerhalb desselben können wir das Seh-
nervenstück zerlegt denken in einen intrascleralen Theil, d. i. jener Theil, welcher von den derben,
gefäßreichen Lagen der sogenannten scleralen Lamina durchzogen wird, einen chorioidalen — charak-
terisiert durch zarte, gefäßarme, chorioidale Laminabalken und die zur Netzhaut mehr weniger weit ein-
strahlenden Kernsäulen — und endlich einen intraretinalen Theil, welcher aber in den meisten Fällen
nicht mehr eine cylindrische oder kegelförmige Gestalt hat, sondern durch die Anwesenheit der physio-
logischen Excavation nur einen ringförmigen Wulst darstellt. Der intraretinale Theil des Sehnerven ist die
sogenannte Sehnervenpapille, die dem Glaskörper angrenzende Fläche des Sehnerven die Papillenober-
fläche, welche je nach der Form und Größe der physiologischen Excavation eine sehr verschiedene
Beschaffenheit hat, ja oft von dem intrasceralen Theile des Sehnerven gebildet wird; sie geht unmittelbar
ohne deutliche Grenze in die innere Netzhautfläche über.
A. Der Durchtritt des Sehnerven durch die Augenhäute.
Der Durchtrittscanal des Sehnerven beginnt im histologischen Sinne dort, wo die Sehnervenfaser-
bündel in die Lamina cribrosa eintreten, das heißt, was ja im normalen Auge dasselbe ist, wo die Seh-
nervenfasern ihre Markscheide verlieren. Soweit Abweichungen von dieser Regel vorkommen, sollen sie
weiter unten (II. Th., 3, und III. Th.) speciell angeführt werden. An dieser Stelle erleidet der Sehnerven-
querschnitt ausnahmslos eine beträchtliche Caliberverminderung, welche dort am ausgeprägtesten ist,
wo die ersten derberen Balken der Lamina cribrosa in den Sehnerven einstrahlen. Die Pialscheide des
Sehnerven ist daselbst deutlich verdickt, so dass der Eindruck erweckt wird, als ob sie dort
eine Art Schnürring darstelle. Die durch diese Stelle gelegte Ebene wollen wir das äußere Durchtritts-
loch des Sehnerven nennen; sie bildet die ideale Basis des Durchtrittscanales. Thatsächlich aber liegt
dieser Durchschnitt fast in allen Fällen, wie eben angegeben wurde, innerhalb des schon in der Lamina
cribrosa gelegenen Sehnervenstückes und schneidet von demselben eine mehr weniger regelmäßige Calotte
ab; die centralen Bündel des Sehnerven verlieren am Eintritte des Sehnerven in’s Auge früher ihr Mark
als die peripheren. Die Markgrenze, damit auch der Beginn der Lamina cribrosa, resp. des durch die
Marklosigkeit und massige Entwicklung des interstitiellen Bindegewebes (Lamina) charakterisierten Stückes,
ist meistens eine ziemlich regelmäßig nach hinten convexe Fläche.
Innerhalb des äußeren Durchtrittsloches, also im Duchtrittscanale, ist die Endigung der verschiedenen
Augenmembranen, der Sclera, Chorioidea, Netzhaut und ihrer einzelnen Theile maßgebend für die Form
des Durchtrittscanales und damit für den Verlauf der Sehnervenfasern und der Centralgefäße, sowie sie
auch von grundlegender Bedeutung ist für die Form der dem Augeninneren zugekehrten Begrenzungsfläche
des Sehnerven, der Papillenoberfläche, also auch für die Form der physiologischen Excavation. Diese selbst
ist aber keineswegs einfach eine Function der Form des Durchtrittscanales. Letztere ist wohl mitbestimmend
für die Form der Excavation, diese selbst aber resultiert aus dem Zusammenwirken verschiedener Factoren.
Deshalb ist also durchaus nicht an eine bestimmte Form des Durchtrittscanales eine bestimmte Form der
Excavation nothwendig gebunden, wohl aber kommen gewisse Formen der Excavation nur bei bestimmter
Form des Durchtrittscanales vor. Aus dem angeführten Grunde erscheint es zweckmäßig, nicht die Form
der physiologischen Excavation, also der Sehnervenpapille resp. der Papillenoberfläche, sondern die Form
des Durchtrittscanales des Sehnerven vorerst als Eintheilungsprincip anzunehmen, wenn wir, zum Theile in
etwas schematischer Weise, da ja vielfache Übergänge zwischen den einzelnen Typen bestehen, der
besseren Übersicht halber die zahlreichen untersuchten Sehnerven in einzelne Gruppen ordnen und in
diesen vorerst gemeinsam besprechen wollen.
234 Anton Elschnig,
I. Typus.
Diese Gruppe umfasst alle jene Sehnervenpapillen, bei denen das innere (retinale) Durchtrittsloch des
Sehnerven im Vergleiche mit dem äußeren (pialen) einfach und regelmäßig verjüngt erscheint, die Achse
des Durchtrittscanales also zur Scleralachse ungefähr senkrecht gestellt ist. Innerhalb dieser Gruppe sind
wieder eine Reihe von verschiedenen Abweichungen zu beobachten, welche dann ebensoviele Unterarten
dieses Typus des Durchtrittscanales bilden.
1. Der Durchtrittscanal verjüngt sich von außen nach innen ganz gleichmäßig und regelmäßig, hat also
ungefähr die Gestalt eines senkrechten Kegelstumpfes (s. Textfig. 1, U. T., Taf. I). Dieser Typus entspricht
dem einfachsten und regelmäßigsten Verhalten der Augenhäute zum Sehnerveneintritte. Die Chorioidea
tritt allseitig symmetrisch über die Sclera gegen die Sehnervenachse vor, grenzt mit allen ihren Schichten an
den Sehnerven an, die bis zum freien Rande normale Pigmentepithel tragende Glashaut der Chorioidea bildet
den Rand des inneren Durchtrittsloches. Die Chorioidea ragt also gleichmäßig, mit ihren innersten Schichten
zunehmend verschmächtigt, sammt dem Pigmentepithel der Netzhaut spornartig über die Scleralöffnung in
den Sehnerven vor. Die mittleren Netzhautschichten (d. i. äußere Körner bis inclusive Ganglienzellen-
schichte) endigen zugeschärft unmittelbar mit dem Pigmentepithel oder etwas außerhalb des Sehnerven-
durchtrittes oder, ebenso häufig, nur leicht abgestumpft oder fast senkrecht abgesetzt am Durchtrittsloche
selbst.
Die periphersten Sehnervenfaserbündel liegen der die Wand des Durchtrittscanales bildenden Sclera-
Chorioidea unmittelbar an, sind zuerst schräg achsenwärts gerichtet, um dann, mehr weniger scharf bogen-
förmig den Chorioidalsporn und die äußeren Netzhautschichten umkreisend, in die Nervenfaserschicht der
Netzhaut überzugehen.
Das ophthalmoskopische Bild dieses Sehnerventypus ist hauptsächlich dadurch charakterisiert, dass
unmittelbar an dem eigentlichen Sehnervenquerschnitte der rothe Augengrund beginnt, natürlich in
jenen Fällen, in denen (s. u.) die Pigmentierung des Randtheiles des Pigmentepithels eine besonders dichte
ist, mit einem wieder unmittelbar an den Sehnerven angrenzenden Pigmentringe; ein sogenannter Binde-
gewebs (Scleral- oder Scheiden-) Ring existiert also niemals.
Bezüglich der Excavation will ich hier nur anführen, dass sie entweder vollkommen central oder nur
leicht lateralwärts gelagert ist, sobald sie etwas größere Dimensionen besitzt, und dass sie in letzterem Falle
lateral fast genau dieselbe Begränzung, dieselbe Gestaltung bezüglich ihrer Wand darbietet wie medial
SUR, 1
2. Eine für die Form des Sehnerveneintrittes, Verlauf der Nervenfasern etc. unwesentliche, aber das
ophthalmoskopische Bild der Begrenzung des Sehnerven meist wesentlich modificierende Abweichung von
diesem Typus besteht darin, dass die Chorioidea nicht mit allen ihren Schichten an den Sehnerven heran-
tritt, sondern gegen letzteren durch ein bald dichtes, bald lockeres, in letzterem Falle pigmentloses, in
ersterem meist pigmentiertes Bindegewebe abgegrenzt ist (Grenzgewebe; s. Textfig. 2). Dies kann sowohl
Fig. 1. Fig. 2.
ND u
R=Retina, P=Pigmentepithel, Ch = Chorioidea, Sc!—= Scelera, N — Neurilemm (Pia), D= Düraischeide, G = Grenzgewebe.
ringsum der Fall sein, als auch lediglich, und dies häufiger, auf die laterale Papillenhälfte beschränkt sein;
auch in ersterem Falle ist die Breite des Grenzgewebes lateral eine beträchtlichere, als medial. Diesem
Grenzgewebe liegt nun die Membrana vitrea chorioideae, mitunter noch mit spärlichen Schlingen der
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 239
Choriocapillaris belegt, in ganzer Breite auf, oder es endet dieselbe etwas vor dem inneren Durchtrittsloche,
und nur bald gut ausgebildete, bald rudimentäre mittlere Netzhautschichten schieben sich über den Rand
der M. vitrea achsenwärts in den Sehnerven vor, dadurch das innere Durchtrittsloch des Sehnerven ein-
engend, und zwar meist in der Weise, dass die innere Körnerschichte zugeschärft am weitesten achsenwärts
vorreicht, mitunter sammt der rudimentären Ganglienzellenschichte, während die äußere Körnerschichte
schon mit oder etwas vor der Glashaut endigt.
Von der Dichte des Grenzgewebes und dem Verhalten des Pigmentepithels, dessen Entwicklung häufig
im umgekehrten Verhältnisse mit der desGrenzgewebes steht, hängt die ophthalmoskopisch zu beobachtende
Begrenzung der Sehnervenpapille ab. Ist das Grenzgewebe locker, das Pigmentepithel bis zum Rande der
- M. vitrea wohl erhalten, respective gut ausgebildet, so ergibt sich das Phänomen der sogenannten Super-
position der Chorioidea, recte des Pigmentepithels. Der Pigmentring, respective der Rand des pigmen-
tierten Augengrundes ist von dem dunkelrothen Grunde in der Umgebung der Papille durch eine meist
heller gefärbte, schmale oder etwas breitere, nie mehr als etwa !/, des Papillendurchmessers betragende
Sichel abgegrenzt, welche besonders an dem äußeren Rande (dem Beginne der voll entwickelten
Chorioidea) befindirecter Beleuchtung (d. h. wenn man während der Betrachtung des Randtheiles durch
Spiegeldrehung das Lichtbild dem gegenüberliegenden Papillenrande nähert; natürlich nur im auf-
rechten Bilde zu sehen) hell aufleuchtet. Selten ist diese Superposition in ganzer Breite durch besonders
dichte Pigmentierung, durch besondere Dichte des Pigmentepithels- dunkel pigmentiert (s. U. T. II und
XI); meist, und wie es scheint immer bei älteren Individuen, ist auch bei Entwicklung eines sehr
deutlichen Pigmentringes die Fläche der eigentlichen Superposition mit etwas mangelhaftem Epithel
bekleidet und dadurch das dahinterliegende Grenzgewebe umso heller durchscheinend. Die Super-
position des Pigmentepithels kann ferner durch einen zweiten Pigmentring, durch stärkere Pig-
mentierung, vermehrte Größe und Dichte des Pigmentepithels gebildet, gegen den übrigen Fundus
abgegrenzt sein. Ich will hier bezüglich des Verhaltens des Pigmentepithels am Sehnervenrande gleich
abschließend bemerken, dass ein Pigmentring dadurch in Erscheinung tritt, dass die Zellen des Pigment-
epithels sehr groß, sehr dicht pigmentiert, mitunter wie aufeinander gethürmt oder anscheinend in mehreren
Schichten vorhanden sind; dies kann in gleicher Weise sich vorfinden, ob nun der Pigmentring an den
Rand der Membrana vitrea chorioidea fällt, oder außerhalb desselben gebildet ist. Innerhalb eines solchen
Pigmentringes oder überhaupt bei mangelhafter Ausbildung des Pigmentepithels am Sehnervenrande kann
sich das Pigmentepithel ganz verschieden verhalten. Die Zellen sind hier manchmal ganz wohl geformt und
regelmäßig angeordnet, aber völlig pigmentlos, oder nur einzelne, dann gewöhnlich um den Zellkern
gruppierte Pigmentkörnchen enthaltend; manchmal, und dies häufiger, sind die Zellen verbildet,. flacher,
schütter stehend und gleichfalls mangelhaft oder gar nicht pigmentiert; oder endlich die Zellen fehlen voll-
ständig, die Retinaschichten grenzen unmittelbar oder durch Vermittlung einer sehr dünnen Schichte
faserigen Gewebes an die Membrana vitrea an.
Je dichter das Grenzgewebe ist, umso weniger gut ist gewöhnlich das Pigmentepithel in dessen Bereich
ausgebildet. Dadurch ergibt sich die zweite Begrenzungsart der Sehnervenpapille in diesen Fällen. Ist das
Grenzgewebe sehr dicht und pigmentlos, das Pigmentepithel fehlend, so grenzt an den Sehnervenrand eine
gegen diesen gewöhnlich unscharf, gegen den Fundus durch einen mehr weniger deutlichen Pigmentring
abgegrenzte weiße oder gelblich-weiße, bandförmige Zone, ein Bindegewebsring an. (U. T. IV.) Die
Farbe des Bindegewebsringes ist natürlich durch den eventuellen Pigmentgehalt des Grenzgewebes, sowie
durch das Verhalten des Pigmentepithels beeinflusst; ist das erstere pigmentlos, das letztere fehlend oder
äußerst rareficiert und pigmentlos, so ist der Bindegewebsring sehr hellweiß; bei entgegengesetztem Ver-
halten des Pigmentgehaltes, also wenn das Grenzgewebe Pigmentzellen enthält und auch noch rudimentäres
Pigmentepithel darüber vorhanden ist, erscheint ein schmaler, graulicher, glatter oder getüpfelter Conus,
dessen Breite durch gleichartiges Verhalten des Pigmentepithels im angrenzenden Bereiche schon normal
entwickelter Chorioidea (als Altersveränderung; s. Fall 23!) wesentlich vergrößert werden kann. Wie die
1 Die Numerierung der Fälle bezieht sich auf die Casuistik im dritten Theile der Abhandlung.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 3
236 Anton Elschnig,
»Superposition«, so kann auch dieser Bindegewebsring oder Conus ringsum ausgebildet sein oder nur, und
zwar häufiger, in der lateralen Hälfte der Papille. Aber auch bei gleichartigem Verhalten der ganzen Circum-
ferenz des Sehnerven pflegt die betreffende Art der Begrenzung ophthalmoskopisch deshalb meist nur lateral
oder wenigstens lateral besonders deutlich sichtbar zu sein, da die Menge und Dichte des Sehnerven-
gewebes (respective der Nervenfaserschichte der Netzhaut) in der medialen Hälfte fast immer eine viel
beträchtlichere ist, als lateral, und daher die Begrenzung des Sehnerven weniger scharf und deutlich
erkennbar ist.
Aber auch nur ein Theil des Sehnerven, ein Quadrant allein kann uns die geschilderten Besonder-
heiten aufweisen; so z. B. in dem oberen äußeren Papillenquadranten eine deutliche »Superposition»
bestehen, im unteren äußeren dagegen der »Bindegewebsring« in Folge Fehlens des Pigmentepithels
sichtbar werden (Fall 8), oder es kann auch am Rande der Glashaut ein Rest des Pigmentepithels stehen
bleiben, und dann sehen wir bei ophthalmoskopischer Untersuchung im hellen Bindegewebsringe einen
schwarzen Pigmentfleck.
Ist das Grenzgewebe bei Fehlen des Pigmentepithels oder sehr mangelhafter Entwicklung desselben
sehr zart, dann lässt es sich ophthalmoskopisch nicht vom Sehnervengewebe unterscheiden; es ist dann
kaum eine hellere Färbung entsprechend demselben am Sehnervenrande sichtbar. Ebenso ist auch die
anatomisch nachgewiesene Vorlagerung der mittleren Netzhautschichten über den Rand der Membrana
vitrea respective Pigmentepithel nur dann sichtbar, wenn das Grenzgewebe, dem sie aufliegen, dicht gewebt
ist. Ist es dagegen sehr locker faserig, dann ist die anatomische Superposition der mitleren Netzhautschichten
über dem Sehnervenkopf der Erkenntnis durch das Ophthalmoskop entrückt.
Der Rand des Durchtrittsloches ist in beiden angeführten Unterabtheilungen nicht immer von der
Glashaut der Chorioidea gebildet, sondern recht häufig ragen die mittleren Netzhautschichten, die inneren
Körner voran, über den Rand der Glashaut achsenwärts in den Sehnerven vor; dieselben liegen dann den
vordersten in den Sehnerven eintretenden chorioidalen Laminabalken, respective den vorgeschobensten
Theilen des Grenzgewebes auf, welches sich hier in die »chorioidale Lamina« auffasert.
3. Eine weitere Abweichung von dem eben beschriebenen Typus besteht darin, dass in der lateralen
Sehnervenhälfte die Chorioidea mit ihren äußeren Schichten in der Höhe der Sclera endet, also der Durch-
trittscanal hier senkrecht cylindrisch ist, die Membrana vitrea chorioideae mit oder ohne Pigmentepithel
darüber hinaus achsenwärts vorgeschoben ist, aber das Grenzgewebe, dem sie und die eventuell noch
weiter vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten aufliegen, von den periphersten Sehnervenfasern durch-
zogen wird, so dass also dieser Theil des Sehnerven nur durch besondere Reichhaltigkeit an Zwischen-
gewebe sowie lockere Structur von dem übrigen Papillengewebe sich unterscheidet (s. Textfigur 3). Die
Glashaut kann, wie erwähnt, hiebei mit Pigmentepithel bekleidet sein, dann haben wir »Superposition«
(s. U. T. M); oder sie ist nackt, dann ist die ganze anatomische Überlagerung des Sehnerven durch Netzhaut-
Glashaut nicht ophthalmoskopisch sichtbar (Fall 20). Diese Modification habe ich nur in der lateralen
Papillenhälfte gefunden.
Der Verlauf der Sehnervenfasern in diesen Fällen unterscheidet sich von dem in den früheren Typen
(Gruppe 1 und 2) dadurch, dass die periphersten Nervenfasern (lateral) zuerst senkrecht zur Scleralfläche
den Durchtrittscanal betreten, unmittelbar vor der Ebene des inneren Durchtrittsloches achsenwärts
abbiegen, um mit scharfer, S-förmiger Krümmung den Rand des inneren Durchtrittloches zu passieren.
Eine weitere, gleichfalls unwesentliche Modification besteht darin, dass die Membrana vitrea chori-
oideae bei I, schon im Bereiche der Sclera-Chorioidea etwas gegen den Bulbus aufgebogen ist, dadurch, dass
das chorioidale Grenzgewebe sich keilförmig gegen die Chorioidea einschiebt.: Es war dies nur an der
lateralen Sehnervengrenze zu beobachten. Diese Modification ist nur deshalb beachtenswert, weil sie einen
Übergang bildet zu den in späteren Gruppen (IIl,, IV, etc.) vorkommenden höhergradigen Anomalien des
chorioidalen Antheiles des Durchtrittscanales.
Zwischen dieser Abweichung und der vorhergehenden (I,) existieren ebensolche Übergänge, wie
zwischen letzterem und dem Haupttypus (I,), insoferne, als an einzelnen Schnitten der Serien, also an
BA Zee Zu 0 2
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 237
einzelnen Stellen ein oder einige Sehnervenfasern das Grenzgewebe durchbrechen, an einigen Stellen die
sonst frei an den Sehnerven angrenzende Chorioidea durch Grenzgewebe von ihm geschieden werden
kann u. dgl. m. Auf kleine derartige Abweichungen vom eigentlichen Grundtypus des Durchtrittsloches habe
ich in der Beschreibung der einzelnen Sehnerven (am Schlusse der Abhandlung) nicht immer besonderes
Gewicht gelegt, um einerseits überhaupt eine Classificierung der Fälle zu ermöglichen und anderseits nicht
allzu weitläufig zu werden.
Bezüglich der Form der Excavation, der histologischen Beschaffenheit des intraocularen Sehnerven-
stückes, der Form und Begrenzung des Zwischenscheidenraumes, Ansatz der Dura an die Sclera etc. ver-
weise ich auf die weiter unten folgenden Zusammenstellungen (Tabelle IV—XI, Casuistik), und bemerke
hier nur, dass in der ersten Gruppe diesbezüglich die größten Variationen vorkommen.
Eine weitere Modification innerhalb dieses ganzen ersten Typus ist dadurch gegeben, dass bei dem
geschilderten jeweiligen Verhalten des inneren zum äußeren Durchtrittsloche, speciell bei der jeweilig
beschriebenen Beschaffenheit der Chorioidea-Retina am Sehnerveneintritte, der sclerale Theil des Durch-
trittscanales insoferne geändert erscheint, als die mittleren und innersten Schichten der Sclera ein- oder
beiderseits (am horizontalen Meridionalschnitte), also ringsum oder nur in einer Hälfte von der Sehnerven-
achse zurücktreten. Es erscheint also der Durchtrittscanal im Bereiche der mittleren und inneren Schichten
der scleralen Lamina scleralwärts ausgebuchtet, mitunter so stark, dass der Querschnitt des Durchtritts-
canales im Bereiche der größten Ausbauchung den des äußeren Durchtrittscanales übertrifft (s. Text-
figur 4). Der Durchtrittscanal hat dann ungefähr die Gestalt eines doppelten Kegelstumpfes, dessen große
Fig. 3. Fig. 4.
Basalflächen in der Gegend der inneren Schichten der scleralen Lamina sich berühren. Es ist dies jene Form,
welche von Schoen als ellenbogenförmige Ausbiegung des Durchtrittscanales bezeichnet wurde. In ihrer
rudimentärsten Entwicklungsstufe besteht sie darin, dass die Sclera im Bereiche der mittleren und innersten
Laminalagen sich schon etwas vor dem eigentlichen Durchtrittscanale zur Lamina aufblättert, so dass die
zuerst noch gestreckt verlaufenden periphersten Nervenfaserbündel durch eine mehr weniger dünne Schichte
dem Laminagewebe gleichen Bindegewebes von der derben Sclera geschieden sind. Im entwickeltsten
Zustande dieser Formanomalie des Durchtrittscanales biegen die peripheren Sehnervenbündel nach
Passierung des äußeren Durchtrittsloches gegen die Sclera axifugal ab, um erst nach Durchbrechung der
innersten scleralen Laminabalken wieder bis zum innersten Durchtrittsloche achsenwärts gerichtet zu
verlaufen. Ist ein »Grenzgewebe« zwischen Sclera-Chorioidea und Sehnerv vorhanden, so liegen die peri-
pheren Nervenfasern diesem innig an. Überhaupt kommt diese scleralwärts gerichtete Ausbiegung des
Durchtrittscanales bald ringsum, bald nur an einer Hälfte bei allen drei Unterarten des ersten Haupttypus
und bei den verschiedensten Excavationsformen vor, und zwar in den verschiedensten Entwicklungsgraden.
Es ist gerechtfertigt, hier schon darauf hinzuweisen, dass dieselbe auch in einem Auge eines kaum ein-
einhalbjährigen Knaben in hohem Grade ausgebildet ist. (Fall 15.)
In dieser letzteren Modification des Haupttypus I ist die Kegeliorm des Durchtrittscanales immer noch
dadurch im Principe gewahrt, dass die Achse des Durchtrittscanales ungefähr senkrecht steht auf der
Scleralfläche und das innere Durchtrittsloch im Verhältnis zum äußeren verjüngt ist. Die nun folgende
31*
an. ”
238 Anton Elschnig,
Gruppe unterscheidet sich im Principe von der vorangehenden dadurch, dass das innere Durchtrittsloch
lateralwärts verschoben erscheint, die laterale Wand des Durchtrittscanales zur Scleralfläche senkrecht
gerichtet ist, also der Durchtrittscanal ungefähr die Form eines schiefen Kegelstumpfes darbietet, dessen
laterale Mantelfläche zur Basis senkrecht gerichtet ist. Es ist also hier gewissermaßen der in der letzten
Unterabtheilung des Haupttypus I (I,) angebahnte Charakter dadurch voll ausgebildet, dass die Membrana
vitrea und die mittleren Netzhautschichten, ebenso wie die Sclera-Chorioidea in einer Flucht mit der pialen
Begrenzung des retrolaminaren Sehnervenstückes endet.
II. Typus.
Wie schon erwähnt, zeichnen sich die diesem Typus eingereihten Sehnerven dadurch aus, dass die
laterale Wand des Durchtrittscanales senkrecht gerichtet ist zur Scleralfläche, während medial wie
gewöhnlich die Chorioidea mit Glashaut und Pigmentepithel spornartig achsenwärts vorragt.
In Analogie mit dem Verhalten der verschiedenen Fälle der ersten Gruppe ergaben sich auch hier
mehrere Unterabtheilungen durch das jeweilige Verhalten der Chorioidea, sowie der Retina im Bereiche der
lateralen Papillenhälfte. Wie dort, kann auch hier die Chorioidea-Sclera lateral und medial deutlich
abgesetzt die Wand des Durchtrittscanales bilden (Type IIl,, siehe Textfigur 5); oder es ist, wie in I,, die
Chorioidea, sowie zum Theil die Sclera (in ihren innersten Lagen) vom Sehnerveneintritte durch ein mehr
weniger derbes Grenzgewebe geschieden, dem die Membrana vitrea chorioideae aufliegt (II,, siehe Text-
figur 6). Es kann endlich, in gleicher Weise wie es als Modification zu I, angegeben wurde, lateral die
Fig. 5. Fig. 6.
Sc
N2 N
Membrana vitrea chorioideae von der knieförmig abgerundet endenden Sclera durch mehr weniger lockeres
Grenzgewebe abgehoben sein, welches sich keilförmig in die eigentliche Chorioidea vorschiebt, ein Ereignis,
welches schon den Übergang zur nächsten Haupttype vermittelt (siehe Textfigur 7). Das die Membrana
vitrea aufhebende Gewebe ist lockerer-faserig und kernreicher, als das Grenzgewebe sonst zu sein pflegt,
nähert sich dadurch mehr der Structur des Sehnervengewebes im Bereiche der Chorioidea, ja mitunter
biegen auch schon die periphersten Sehnervenbündel, leicht schlingenförmig axifugal ausweichend, in dieses
Fig. 7. Gewebe ein, bevor sie den vorspringenden Rand des
6 Durchtrittsloches umkreisen. Dieses letztere ist lateral
fast immer von der M. vitrea selbst gebildet, die nur
«2lten, und dann in äußerst geringer Breite, von den
etwas achsenwärts vortretenden mittleren Netzhaut-
schichten — eigentlich nur inneren Körnerschichten —
überlagert wird (Fall 25); sonst enden die mittleren
Netzhautschichten recht scharf senkrecht oder leicht
abgestumpft unmittelbar am Rande der Membrana vitrea
chorioideae, oder nur eine ganz kleine Strecke lateral-
N D
wärts davon. Medial ist die Begrenzung des Durchtrittsloches in gleicher Weise variant wie in der vorher-
gehenden Gruppe.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 239
Das Pigmentepithel ist nur in der ersten Unterabtheilung ringsum immer bis zum Rande der Glashaut
normal geformt und pigmentiert; das ophthalmoskopische Bild der Papille zeigt dann weder Superposition,
noch Bindegewebsring oder Conusbildung. In den übrigen Fällen ist sein Verhalten lateral ein verschiedenes.
Entweder es ist wieder bis zum Rande normal, und zwar dann, wenn auch das Grenzgewebe, dem es
aufliegt, recht locker faserig ist; ophthalmoskopisch erscheint sein Randtheil superponiert, oder es ist dort,
wo es dem dann meist derberen Grenzgewebe aufliegt, verbildet, rareficiert, pigmentarm, so dass dadurch
das Grenzgewebe der ophthalmoskopischen Besichtigung freiliegt und daher ein Bindegewebsring oder mehr
weniger schmaler Conus sichtbar wird. Beide letztgenannten Varianten, Superposition und Bindegewebsring,
fanden sich auch an derselben Papille vereint; in der einen Hälfte des lateralen Randes, also in einem
Quadranten, fand ich ophthalmoskopisch Superposition, das Pigmentepithel ist bis zum Rande der Glashaut,
welche da schon lockerem Grenzgewebe aufliegt, normal beschaffen und pigmentiert; in dem angrenzenden
Quadranten war ophthalmoskopisch in ungefähr gleicher Breite ein Bindegewebsring sichtbar, anatomisch
ist im Bereiche des etwas derberen Grenzgewebes die Glashaut nackt, das Pigmentepithel fehlt oder ist
höchstgradig zareficiert (Fall 28, L.).
Die an den Fällen der ersten Gruppe häufig gesehene scleralwärts gerichtete Ausbiegung der mittleren
und innersten Sclerallagen im Durchtrittscanale ist hier wohl mehrmals angedeutet, aber nie sehr hochgradig
entwickelt.
Bezüglich der physiologischen Excavation der Fälle dieses Typus ist vorläufig nur soviel zu sagen,
dass sie immer etwas lateralwärts excentrisch von der Papillenmitte gelegen ist und nie eine so gleichmäßig
symmetrisch schüsselförmige oder napfförmige Gestalt hat, wie in einzelnen Sehnerven des I. Typus.
Als in diese Gruppe (II) gehörig wären noch zwei Augen eines Individuums besonders zu erwähnen,
welche eine leichte Bildungsanomalie aufweisen. An dem einen Auge (Fall 29, R.), an dem die Anomalie
deutlicher hervortritt, ist lateral die Glashaut durch Grenzgewebe von der Chorioidea, die bis zum Seh-
nerven gut ausgebildet ist, leicht abgehoben; die vordersten chorioidalen Laminabalken weichen stark
bogenförmig nach hinten aus. Die mittleren Netzhautschichten (innere Körner- bis Ganglienzellenschichte)
sind über den Rand der Glashaut in den Sehnerven vorgeschoben, zum Theile noch zwischen Grenzgewebe
und Glashaut eindringend, und werden von den periphersten Sehnervenbündeln bogenförmig umkreist. Es
ist also 'hinter der Ebene des Glashautrandes ein taschenförmiger Raum, durch Netzhautgewebe gefüllt
geschaffen. Da ich unter meinen Sehnervenpräparaten die zweier Fälle besitze, bei denen eine taschen-
förmige Netzhautanlage bis über die Lamina. cribrosa hinaus nach hinten in den Sehnerven (in die Pial-
scheide) ausgestülpt erscheint, muss ich die beschriebene Anomalie als einen rudimentären Entwicklungs-
grad einer Netzhautanlage im Sehnerven ansehen. An dem zweiten Auge desselben Individuums sind wohl
auch die innere Körner- bis Ganglienzellenschichte über den Rand der Glashaut in den Sehnerven vor-
geschoben, aber da die vordersten chorioidalen Laminabalken reichlicher entwickelt sind und gestreckter
verlaufen, nur wenig hinter die Ebene der Glashaut in den Durchtrittscanal des Sehnerven eingelagert
(ETVID:
II. Typus.
Die Sehnerven, welche dieser Gruppe eingereiht sind, zeichnen sich dadurch aus, dass der Durch-
trittscanal schräg lateralwärts gerichtet ist, die Gestalt eines gegen das Bulbusinnere zu sich verjüngenden,
lateralwärts gebogenen Rohres besitzt. Medial ragt immer die Chorioidea mit Pigmentepithel spornartig in
den Sehnerven vor, lateral weicht die Chorioidea von der Sehnervenachse zurück, so dass die Sclera mit
den äußersten Chorioidalschichten ein gegen das Bulbusinnere zu sehendes Knie bildet. Je nach dem Ver-
halten der Glashaut der Chorioidea, respective der mittleren Netzhautschichten zu diesem Knie ergeben sich
die Varianten dieses III. Haupttypus.
Bevor ich aber dieselben ausführlicher beschreibe, glaube ich einige Bemerkungen über die histolo-
gische Structur dieses »Kniees« der Chorioidea-Sclera einfügen zu müssen, um die folgenden Erörterungen
abkürzen zu können. Soweit die Fläche des »Kniees« noch der Achse des Sehnerven parallel liegt, also in
240 Anton Elschnig,
seinem hinteren Antheile, ist es ausschließlich der Sclera, respective den daraus ausstrahlenden Lamina-
balken angehörend. Die der Netzhautebene parallele Fläche ist aber von einem reichliche, den Stromazellen
der Chorioidea gleichende Pigmentzellen enthaltenden Gewebe gebildet, welches häufig mit den Chorioidal-
gefäßen zusammenhängende Gefäße enthält und direct lateralwärts in die äußeren Chorioidalschichten zu
verfolgen ist. Es müssen diese inneren Lagen des »Kniees» daher als rudimentäre Chorioidalanlage ange-
sprochen werden, wie dies auchSchnabel undHerrnheiser (20) für den Sehnerveneintritt desmyopischen
Auges erwiesen haben. Diese chorioidale Anlage ist immer durch eine in ihrem Volumen sehr variante
Schichte von Grenzgewebe gegen den Sehnerven, respective die Netzhaut abgegrenzt, welches also die
Oberfläche des ganzen Kniees bekleidet. Das Knie ist also aus Sclera und rudimentärer Chorioidea gebildet,
die durch Grenzgewebe vom Sehnervengewebe geschieden sind. (Kr, Textfigur S—12.) i
l. Die Form des Durchtrittscanales ähnelt dadurch der letzten Variante des II. Typus, dass in der
lateralen Sehnervenhälfte die Glashaut, durch lockeres Grenzgewebe oder Sehnervengewebe von den
äußersten Chorioidallagen, respective innersten Sclerallagen abgehoben, über das Knie der Sclera-Chori-
oidea achsenwärts vortritt und meist auch noch die mittleren Netzhautschichten, Ganglienzellenschichte und
innere Körner voran, über den Rand der Glashaut achsenwärts vortreten, zuletzt den aus dem Grenzgewebe
ausstrahlenden innersten »chorioidalen« Laminabalken anliegend (Textfig. 8, Taf. VI, Fig. 1 und 2). Eine durch
den immer von den mittleren Netzhautschichten gebildeten Rand des inneren Durchtrittsloches und den vor-
tretendsten Punkt der Sclera gelegte Ebene steht ungefähr senkrecht zur Scleralfläche und schneidet vom
Sehnervengewebe ein prismatisches Stück ab, welches nach vorne an dieGlashaut, respective vorgeschobene
Netzhaut, nach hinten-außen an die Chorioidea-Sclera angrenzt oder von ihr noch durch eine dünne Schichte
Grenzgewebe getrennt ist. Der Randtheil der Glashaut, soweit sie dem Sehnerven, respective Grenzgewebe
aufliegt, ist in meinen Fällen niemals mit normalem Pigmentepithel bekleidet; dieses beginnt erst außerhalb
des Randes dort, wo die Chorioidea ganz normal gebildet ist. Das Grenzgewebe ist immer mehr weniger
locker, das aus demselben, respective den vordersten Chorioidalschichten ausstrahlende Gewebe, das als
innerste Balken der chorioidalen Lamina den Sehnerven durchzieht und dem die vorgeschobenen mitt-
leren Netzhautschichten aufliegen, ist immer recht massig entwickelt.
Der ophthalmoskopisch in allen Fällen gesehene Bindegewebsring oder Conus ist also anatomisch
dadurch bedingt, dass: das vorspringende Knie der Sclera-Chorioidea durch Zurücktreten des normalen
Pigmentepithels gegen das Bulbusinnere freigelegt ist. Das die Stütze des Randes der Glashaut, respective
der vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten bildende chorioidale Laminagewebe ist nicht immer massig
und derb genug, dass es die hellweiße Farbe des Conusgrundes allein erzeugt haben kann, wenn es auch
jedenfalls dazu beigetragen hat. Die dunkle Fleckung der Conusfläche, welche häufig zu beobachten war,
ist jedenfalls durch die rudimentären, äußeren Chorioidallagen, welche mit der Sclera das Knie bildeten,
bedingt gewesen, und da diese die hellweiße Farbe des Conus zum Theile deckten, ist wohl diese Färbung
größtentheils durch die Sclera selbst erzeugt gewesen. Wir kommen unten noch ausführlicher hierauf
zurück.
Die Excavationen, welche die Sehnerven dieser Gruppe besitzen, unterscheiden sich nicht von
denen des Typus II, da jaim Grunde die Form des Durchtrittscanales mit dem genannten übereinstimmt.
2. Hier ist das Knie der Sclera-Chorioidea gegen das Bulbusinnere zu freigelegt dadurch, dass die Glas-
haut der Chorioidea und mit ihr die mittleren Netzhautschichten lateralwärts vom scleralen Durchtritts-
loche zurückweichen; also jene Form, die bezüglich des eigentlichen Durchtrittscanales in der Unter-
abtheilung I noch durch Vortreten der Membrana vitrea chorioideae, respective mittleren Netzhautschichten
gewissermaßen coupiert ist, ist hier voll entwickelt: Die Form der gebogenen, gegen das Bulbusinnere zu
etwas verjüngten Röhre (Textfig. 9, Taf. V; Taf. VII, Fig. 1 und 2). Das Knie der Chorioidea-Sclera ist
immer durch eine bald sehr dünne, bald aber mächtige Schichte von Grenzgewebe gegen den Seh-
nerven abgegrenzt, von welchem die dünnen, gegen das Bulbusinnere leicht convex vortretenden Balken
der chorioidalen Lamina entspringen. Das Grenzgewebe drängt sich häufig noch ein kleines Stück unter
den Randtheil der Glashaut gegen die Chorioidea vor, aber nie in großer Breite, und ist dann in den
Sehmerveneintritt des menschlichen Auges. 241
von mir anatomisch untersuchten Fällen dieser dem Grenzgewebe aufliegende Randtheil der Glashaut von
- sehr rareficiertem, verkümmertem, pigmentlosem Epithel belegt.
Da das Knie der Chorioidea gegen das Bulbusinnere nur von einer relativ dünnen Lage von Seh-
nervengewebe bedeckt ist, zeigen sich die diesen Typus des Durchtrittscanales aufweisenden Sehnerven
- bei ophthalmoskopischer Untersuchung von einem Bindegewebsring, respective schmalen Conus begrenzt,
der aber in meinen Fällen nie breit war; ist das Knie der Chorioidea-Sclera stärker pigmentiert, so erscheint
der Bindegewebsring respective Conus dunkel gefleckt.
Fig. 8. Fig. 9.
Die Netzhaut endet in diesen Fällen lateral mit ihren mittleren Schichten scharf abgesetzt oder leicht
- zugeschärft mit dem Rande der Glashaut oder unmittelbar außerhalb desselben. Medial sind die Verhält-
nisse so variant, wie bei allen anderen Typen.
Die Excavationen der diesem Typus angehörenden Sehnerven, ebenso die der nächsten Unter-
abtheilung, sind naturgemäß dadurch ausgezeichnet, dass ihre laterale Wand langsam ansteigend in die
| Netzhautoberfläche übergeht, die mediale dagegen steil oder überhängend ist.
i 3. Die dritte Variante dieses Haupttypus ist eine geringfügige, eigentlich eine Combination der
ersten und zweiten Unterart desselben (Textfigur 10). Das Knie ist lateral breiter freiliegend, die Glashaut
weiter vom Sehnerven zurücktretend, leicht aufgebogen durch Sehnerven-, respective Grenzgewebe, die
mittleren Retinaschichten wieder etwas weiter achsenwärts vorgelagert, dem Sehnervengewebe, respective
dem aus: dem Grenzgewebe einstrahlenden vordersten Laminabalken aufliegend. Aber das Knie ist, wie
gesagt, breiter, viel stärker von Sehnervengewebe überlagert, und die Glashaut ist leicht bulbuswärts
durch letzteres aufgebogen. Der Sporn der Chorioidea medial ist hiebei durchaus nicht wesentlich ver-
| schieden, nicht hochgradiger ausgebildet, als im Durchschnitte an den Individuen der ersten und zweiten
Unterart.
| Fig. 10. Immer ist ein Conus ophthalmoskopisch sichtbar,
LER wenn er auch dadurch, dass das Knie der Chorioidea-
Sclera von Sehnervengewebe zum Theile überlagert sein
kann, gegen diesen mitunter wenig abgegrenzt ist.
An beiden Sehnervenpapillen eines Individuums,
welche der letzten Unterabtheilung dieser III. Gruppe
angehören (Fall 37), findet sich eine Bildungsanomalie,
welche noch speciell besprochen zu werden verdient.
Lateral ist an beiden Sehnervenpapillen nur eine
mächtigere Breite des Kniees der Sclera-Chorioidea
auffallend, und die Ausbildung der Lamina cribrosa. Die sclerale Lamina tritt, schon von dem Knie ent-
springend, leicht convex gegen das Bulbusinnere vor, die chorioidale ist mächtig entwickelt, die Glashaut,
| in großer Breite nackt, liegt dichtem, in die chorioidale Lamina übergehenden Grenzgewebe auf, die
inneren Netzhautschichten (Ganglienzellen- und innere Körner-Schichte) sind darauf gegen die Sehnerven-
achse vorgeschoben, besonders an dem einen der beiden Augen. Eine besondere Bildungsanomalie findet
242 Anton Elschnig,
sich medial. Hier treten die Ganglienzellen- und innere Körner-Schichte, respective ihre Rudimente, über
den Rand der Glashaut und Pigmentepithel achsenwärts vor, sind aber von letzterem gegen das Bulbus-
innere abgehoben durch Sehnervenfaserbündel, welche schlingenförmig axifugal umbiegend ein kleines
Stück zwischen beide sich eindrängen. Es ist also hier eine rudimentäre Verdoppelung der Netzhaut
angelegt. Auch sonst weist dieses Augenpaar an der Beschaffenheit der Sclera, der Duralscheide und
des Sehnerven einige Besonderheiten auf, welche im ausführlichen anatomischen Befunde genauer ange-
führt sind.
Es muss noch erwähnt werden, dass an mehreren Sehnerven jene scleralwärts gerichtete Ausbiegung
des Durchtrittsloches im Bereiche der mittleren und innersten Sclerallagen, welche auf Seite 19 genauer
charakterisiert wurde, in meist nur geringfügiger Weise ausgeprägt erscheint, ein Vorkommnis, wodurch
ein Übergang zu dem nächsten Typus angebahnt ist.
Da die Sehnerven dieser Gruppe, besonders der letzten Unterabtheilung, die Form des Sehnerven-
eintrittes des myopischen Auges imitieren, respective naturgetreu darbieten, erscheint eine Beachtung
der ophthalmoskopisch constatierten Refractionen von besonderem Interesse.
Die Gruppe enthält 11 Augen, wovon 6 in die erste, 2 in die zweite, 3 in die dritte Unterabtheilung
gehören. Die der ersten Unterabtheilung waren sämtlich emmetropisch (nur bei einem ist notiert: E bis M1,
Maculae corneae!), die der zweiten gleichfalls, in der dritten sind zwei hypermetropische Augen eines
Individuums und ein emmetropisches. Auffallend sind allerdings die großen Achsenlängen, welche die
Messung einiger der betreffenden Augen ergab (mit Ausnahme zweier emmetropischer der ersten Unter-
abtheilung, deren Messung unterlassen worden war). In der ersten Unterabtheilung 2 emmetropische
Augen, Achsenlänge 23 mm und 24 mm, 2 hypermetropische eines Individuums, Achsenlänge 23:2 und
22-5 mm, in der zweiten 2 emmetropische Augen eines Individuums, Achsenlänge 23°2 mm; in der
dritten 1 emmetropisches Auge, Achsenlänge 25 mm, 2 hypermetropische eines Individuums mit derselben
Länge!
IV. Typus.
Die mediale Wand des Durchtrittscanales ist wie in den vorherigen Typen beschaffen, aber der
Chorioidalsporn ragt dünn ausgezogen weiter über den Sehnerveneintritt vor, als gewöhnlich — also
anatomische Superposition ; ophthalmoskopisch trat sie in keinem Falle auffallend in Erscheinung.
Die laterale Wand dagegen ist, soweit sie durch Sclera-Chorioidea gebildet ist, also abgesehen vor-
läufig von dem Verhalten der Membrana vitrea und der Netzhaut, in folgender Weise gebildet: Das äußere
Durchtrittsloch ist (an der Stelle der Markgrenze) durch Vortreten der mächtiger entwickelten Pia mit der
medialen Sehnervenhälfte symmetrisch eingeengt; der Durchtrittscanal erweitert sich aber dann stark und
zwar so plötzlich, dass eine scharfe Stufe entsteht, ist dann im Bereiche der mittleren und inneren
Scleralschichten ungefähr senkrecht zur Scleralfläche, so dass also die periphersten Sehnervenfaserbündel
zuerst achsenwärts umbiegen, dann scharf axifugal abbiegen, um neuerlich fast rechtwinkelig umbiegend
bis zum Bereiche der Chorioidea zur Scleralfläche ungefähr senkrecht zu verlaufen. Ihre weitere Lage
und Verlaufsrichtung ist durch das Verhalten der Membrana vitrea und der Netzhaut gegeben, durch die
auch die beiden Unterabtheilungen dieses Typus charakterisiert sind, und zwar:
1. (Durch zwei Augen [Fall 31 L., 32 R.] repräsentiert.) Die Chorioidea weicht lateral mit ihren
innersten Schichten zunehmend vom Sehnerven zurück, bildet also mit der Sclera ein leichtes Knie, das
vom Grenzgewebe bedeckt ist, aus dem die reichlichen oder spärlichen Laminabalken ausstrahlen. Der
Randtheil der Membrana vitrea chorioideae ist durch Grenzgewebe bulbuswärts aufgebogen und wird noch
überragt durch sehnervenwärts vortretende mittlere Netzhautschichten, welche, den vordersten Balken
der chorioidalen Lamina aufliegend, die Ganglienzellenschichte am weitesten vertretend, den Rand des
Durchtrittsloches bilden. Das innere Durchtrittsloch fällt dadurch ungefähr in die Höhe des stärksten
Vorsprunges der Pialscheide, also des äußeren Durchtrittsloches. Die periphersten Sehnervenbündel biegen
daher im Bereiche der Chorioidea zuerst lateralwärts (axifugal), dann stark achsenwärts um und umkreisen
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 243
dann ziemlich scharf hakenförmig gebogen den Rand des inneren Durchtrittsloches. (Textfig. 11, U. T. V.)
Der eine der beiden Sehnerven (Fall 32 R.) zeigte in den unteren, äußeren Randpartien, entsprechend
der größten Conusbreite, eine Abweichung insoferne, als die Vorlagerung der mittleren Netzhautschichten
über den Rand der Glashaut auf ein Minimum reducirt ist, somit das Knie der Chorioidea-Sclera nackt
gegen das Bulbusinnere freiliegt. Es ist dies ein Übergang zu der zweiten Art dieses Typus.
Das Pigmentepithel ist in einem Falle bis zum Rande der Glashaut, also auch dort, wo sie schon
durch Grenzgewebe von der Chorioidea aufgehoben ist, normal pigmentiert; ophthalmoskopisch war
außerhalb des schmalen Conus eine deutliche »Superposition« gesehen worden. In dem zweiten Falle ist
der Randtheil der Glashaut nur von rareficiertem und pigmentlosen Epithel bis nahe zum Rande bedeckt,
ophthalmoskopisch ein doppelter, innen weißer, außen graugefleckter Conus gesehen worden; ersteres
entsprechend dem gegen die Netzhaut freiliegenden Grenzgewebe, letzteres entsprechend dem durch
mangelhafte Bildung des Pigmentepithels sichtbaren Randtheile der Chorioidea.
Beide Augen waren emmetropisch, anatomisch geformt wie emmetropische Augen, hatten aber eine
besonders für weibliche emmetropische Augen ungewöhnliche Größe; Achsenlänge 25 mm.
2. Der diese Unterart des Typus IV aufweisende Sehnervenkopf unterscheidet sich von den vorher
beschriebenen dadurch, dass die mittleren Netzhautschichten nicht über den Rand der Membrana vitrea
vortreten, sondern mit demselben abgestumpft endigen (Textfig. 12, Tafel V). Das Knie der von dichtem
Grenzgewebe bedeckten Chorioidea-Sclera ist nur klein, das Pigmentepithel bis zum Rand der Membrana
vitrea gut entwickelt, ophthalmoskopisch war ein hellweißer Bindegewebsring sichtbar. Es unterscheidet
sich dieses Auge von Angehörigen des Typus III, nur dadurch, dass lateral am Eintritte des Sehnerven in
den Durchtrittscanal die beschriebene stufenartige Vorragung der Pia + äußersten Sclerallagen besteht.
Fig. 11. Fig. 12.
Pin
?
cr
dl
Dies Auge, Fall 28R., war emmetropisch, hatte aber die für ein emmetropisches männliches Auge
immerhin seltenere Länge von 25 mm.
V. Typus.
Während an allen bisher beschriebenen Sehnerven die Achse des Durchtrittscanales entweder
senkrecht zur Scleralfläche war, oder mit derselben einen lateralwärts offenen Winkel einschloss, bildet
in den diesen Typus repräsentierenden Fällen die Achse des Durch- Fig. 13.
trittscanales mit der Scleralfläche einen medialwärts offenen -— Ein,
. . ugs . . ar TFT
Winkel. Amhorizontalen Meridionalschnitte erscheint der Sehnerven- = en ı (Ge 5
HS
ITS
IN 2
eintritt so wie im Typus Il oder III, aber gewissermaßen im Spiegel-
bilde gesehen, als ob medial und lateral vertauscht wären (Typus er
inversus). Lateral tritt also die Chorioidea, respective Membrana vitrea
mit Pigmentepithel spornartig in den Sehnerven vor, medial ist
die Wand des Durchtrittscanales zur Scleralfläche senkrecht oder
sogar leicht medialwärts schräg. Die Membrana vitrea mit Pigment-
epithel weicht etwas vom Sehnerven zurück (Textfigur 13).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 32
244 Anton Elschnig,
Da nur wenige Repräsentanten dieses Typus mir vorliegen, will ich von einer ausführlicheren
Besprechung derselben an dieser Stelle absehen und verweise auf die detaillierte Beschreibung am
Schlusse der Abhandlung, sowie auf die betreffenden Abbildungen. (Taf, VII, Fig. 2, Taf. VII, Fig. 1
und 2.)
Es ist nur hervorzuheben, dass in einem Auge (Fall 40) angedeutet, in dem Paare eines Individuums
(Fall 41) sehr ausgebildet eine mediale Conus- (respective Bindegewebsring-) bildung vorhanden ist;
Glashaut und Pigmentepithel treten stark zurück, lassen ein knieförmiges Wandstück des Durchtritts-
canales entsprechend den äußeren Chorioidalschichten, aus Sclera-Chorioidea und Grenzgewebe gebildet,
frei, welches gleichzeitig die größte Einengung des inneren Endes des Durchtrittscanales, also das innere
Durchtrittsloch bildet. Ophthalmoskopisch waren die Coni ebenso wie der anatomisch gleichartig begrün-
dete Bindegewebsring dieses ersterwähnten Auges nicht sichtbar, da das darüber liegende Sehnerven-,
respective Netzhautgewebe sehr dicht und dick ist. Eine gleiche Kniebildung der Chorioidea findet sich
ringsum an einem weiteren Auge (Fall 42), das durch starke, scleralwärts gerichtete Ausbiegung des
Durchtrittsloches im Bereiche der mittleren Scleralschichten ausgezeichnet ist; ophthalmoskopisch: ring-
förmiger Bindegewebsring (U.-T. IX).
B. Die physiologische Excavation und ihre Entstehung.
In der vorstehenden Übersicht wurde auf Form, Größe, Begrenzung der physiologischen Excavation
keine Rücksicht genommen. Es muss daher im Folgenden von diesem Gesichtspunkte aus das gesammte
anatomische Material nochmals gesichtet werden, und halte ich es im Interesse der Übersichtlichkeit am
besten, wie vorhin nach der Form des Durchtrittscanales, nunmehr nach der Form der Excavation die
einzelnen Individuen zu gruppieren. Aus der Zusammenstellung der einzelnen Formen ergeben sich
folgende Typen: }
I. Kleine, trichterförmige Excavation.
Die Excavation ist klein, d. h., in der Fläche nur einen sehr kleinen Theil des Sehnervenquer-
schnittes einnehmend und wenig tief; ihre bald ziemlich scharfe, bald leicht abgerundete Spitze reicht
meist nicht hinter die Ebene des inneren Durchtrittsloches, in vielen Fällen erreicht sie dieselbe nicht. Sie
liegt entweder central oder nur leicht lateral excentrisch, ihre Wände sind, ausgenommen die Stelle
medial, wo die Centralgefäße an derWand liegen, von denNervenfasern derPapille selbst gebildet und meist
lateral ebenso steil abfallend wie medial. (Siehe Textfigur 1, U.-T.I.) Es kann aber die mediale Wand
auch nahezu senkrecht stehen auf der Ebene des inneren Durchtrittsloches des Sehnerven, die laterale
dann stärker lateralwärts geneigt sein (U. T.1I.). Die Centralarterie liegt meist ungetheilt an der medialen
Wand der Excavation, theilt sich erst an der Papillenoberfläche; die beiden Papillenvenen senken sich
getrennt in die Excavation ein, gleichfalls an ihre mediale Wand angeschmiegt, und vereinigen sich erst
an der Spitze der Excavation zur Centralvene.
Diese Form der Excavation kommt nur bei zwei Typen des Durchtrittscanales des Sehnerven, der
ersten und der letztangeführten, vor. Der ganze Canal ist enger, als bei allen anderen Excavationsformen.
Das äußere Durchtrittsloch hat einen Durchmesser von 1'387 mm im Mittel (2:00 mm maximal, 1:70 mm
minimal); der Durchmesser des inneren Durchtrittsloches beträgt im Mittel 125mm (maximal 1:32,
minimal 1'18 mm). Das Verhältnis beider Durchmesser ist also wie 100:67, beider Flächen wie
100:44. Die Verjüngung des Durchtrittscanales gegen die Papille zu ist also eine sehr beträcht-
liche, eine viel größere, als bei allen anderen Excavationsformen, und das innere Durchtrittsloch
ist auch absolut klein. Es kann aber auch eine scleralwärts gerichtete Ausbiegung im Bereiche der
scleralen Lamina (»Ellenbogen« Schoen’s) bestehen bei fast völligem Fehlen der Excavation (41 R., L.).
(Siehe Tabelle IV.)
Die histologische Beschaffenheit des intraocularen Sehnervenstückes ist in allen Fällen überein-
stimmend; sie ist dadurch charakterisiert, dass das gesammte Stütz- und Bindegewebe des Sehnerven
sehr reich und mächtig entwickelt ist, also sowohl die sclerale, als auch die chorioidale Lamina sehr
m 20
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 24
au
stark ausgeprägt ist; auch die Kernsäulen sind dicht und breit. In zwei Augen (Fall 41, R., L.) ist auch die
Masse des eigentlichen Nervengewebes durch die Anwesenheit von Markscheiden im intraocularen Seh-
nervenstücke wesentlich vermehrt. Dementsprechend ragt auch in allen Fällen die Papillenoberfläche
ziemlich weit über die Ebene des inneren Durchtrittsloches vor.
Die Nervenfaserbündel streichen im Durchtrittscanale genau oder fast genau symmetrisch, respective
zur Sehnervenachse strebend bis über das innere Durchtrittsloch hinaus, um dort erst recht gleichmäßig
nach allen Seiten auseinanderzuweichen.
Zufolge der absoluten und relativen Enge des inneren Durchtrittsloches und der mächtigen Ent-
wicklung des Stütz- und Bindegewebes füllt der Sehnerv den Durchtrittscanal völlig aus, quillt gewisser-
maßen noch über das Chorioidalloch gegen das Bulbusinnere vor, und nur durch das Auseinanderbiegen
der Nervenfasern entsteht eine kleine, trichterförmige Einsenkung in der Papillenmitte. Die Sehnerven,
welche diese Beschaffenheit haben, sind auch die einzigen, bei denen das intraretinale Sehnervenstück
papillenartig gegen das Augeninnere vorragt.
-
II. Lateral gelegene, ungefähr cylindrische Excavation.
Die Excavation liegt leicht excentrisch in der lateralen Papillenhälfte. Ihre mediale Wand fällt
ungefähr in den verticalen Meridian der Papille, liegt nahezu senkrecht zur Ebene des inneren Durch-
trittsloches, die laterale Wand liegt der medialen nahezu parallel oder nur leicht lateralwärts geneigt. Die
lateral an den centralen Bindegewebsstrang angrenzenden Nervenfaserbündel biegen schon unmittelbar
nach ihrem Eintritte in die sclerale Lamina peripherwärts aus und passieren daher das innere Durchtritts-
loch schon in einigem Abstande von dem centralen Bindegewebsstrang, während die Bündel der medialen
Sehnervenhälfte ihre ursprüngliche Richtung bis dahin noch bewahrt haben. Dadurch entsteht eine
ungefähr cylindrische Aushöhlung, deren mediale Wand vom centralen Bindegewebsstrange, respective
von den Centralgefäßen gebildet ist, an deren Basis die sclerale Lamina bloßliegt (siehe Textfig. 15;
Fig. 14. Fig. 15. Fig. 16.
Fig. 1 auf Taf. I). An manchen Sehnerven ist dieser von den Nervenfasern freigegebene Raum wieder
von Bindegewebe, das mit dem centralen Bindegewebsstrange, respective der chorioidalen Lamina innig
zusammenhängt, so ausgefüllt, dass nur eine leichte, trichterförmige Excavation übrig bleibt (Text-
figur 14). Während diese Fälle einen Übergang aus Excavationstypus I zu II bilden, kann eine An-
näherung dieses Typus an die später zu beschreibenden Typen dadurch gegeben sein, dass die laterale
Wand der Excavation etwas lateralwärts geneigt ist (Übergang zu IV, Textfigur 16), oder dass die mediale
gleichfalls leicht medialwärts geneigt ist, somit die Excavation sich der Muldenform nähert (Übergang
zu III).
Die Centralgefäße verhalten sich zur Excavation ungefähr wie bei der ersten Excavationsform, die
Centralarterie liegt an der medialen Wand, ihre erste Verzweigung bildet den medialen Rand der
Excavation. Sie ist an keine bestimmte Form des Durchtrittscanales gebunden, aber die Weite des
Durcehtrittscanales ist eine absolut größere und das innere Durchtrittsloch ist auch relativ weiter, d. h. der
Durchtrittscanal verjüngt sich gegen das Bulbusinnere zu weniger, als bei Excavation I. Das äußere
32*
246 Anton Elschnig,
Durchtrittsloch hat im Mittel einen Durchmesser von 2:16 mm (minimal 1:80 mm, maximal 2:44 mm),
das innere von 1'56 mm im Mittel (minimal 1:35 mm, maximal 1:90 mm); die Durchmesser beider ver-
halten sich daher wie 100: 72, ihre Flächen wie 100:52. Dies Verhalten ist am wenigsten ausgeprägt bei
der ersten Unterart dieses Typus, welche ja noch der ersten Excavationsform am meisten sich nähert; aber
auch hier ist das Verhältnis der Fläche des äußeren Durchtrittsloches zu der des inneren zu Gunsten der
Größe des letzteren vermehrt (100:49 gegen 100:44 bei Excavation ]). Aber nicht die Mittelzahlen allein
zeigen diese Thatsache, auch die Individuen. Während das genannte Verhältnis bei Excavation I bis
100: 36 ansteigt, erreicht es bei Excavation II seine größte Höhe mit 100::45, sinkt aber bis 100:70 (im
erstgenannten Falle nur bis 100:50) ab. (Siehe Tabelle V]).
Dies Verhalten in Verbindung mit der Art der Entwicklung des Stütz- und Bindegewebes im intra-
ocularen Sehnervenstücke bedingt die Form der Excavation. In der medialen Sehnervenhälfte ist es
ungefähr so stark entwickelt, wie im vorhergehenden Excavationstypus. Die der medialen Sehnerven-
hälfte angehörenden Sehnervenbündel füllen daher noch das innere Durchtrittsioch am Querschnitt in der
medialen Hälfte aus. Das Zwischengewebe der Sehnervenbündel der lateralen Hälfte dagegen ist ungleich
weniger entwickelt, das Volumen nimmt in der scleralen Lamina schon rasch ab, die Sehnervenbündel
müssen sich daher der lateralen Wand anlegen, vom centralen Bindegewebsstrange zurückweichen, eine
»Excavation« freilassen.
Je geringer die Masse des interstitiellen Gewebes im intraretinalen und intrachorioidalen Stücke ist,
umso größer ist die Excavation; je relativ geringer sie an ersterer Stelle ist, umso flacher begrenzt, umso
stärker peripherwärts (gegen die Netzhaut) geneigt ist die Wand der Excavation.
Diese aus 19 Augen bestehende Gruppe enthält auch 7 Augen, an denen das unten genauer zu
beschreibende »Schaltgewebe« im centralen Bindegewebsstrange, von der Basis der Excavation längs der
Centralarterie, mitunter bis hinter die äußeren Lagen der scleralen Lamina in den Sehnervenstamm zurück-
reichend, schön entwickelt sich vorfindet (siehe Fig. 1, Taf. I), 3 Augen, in denen es angedeutet vorliegt.
I.
Die Excavation liegt fast ganz oder ganz central, die Sehnervenfaserbündel weichen, bevor sie die
innere Fläche der Lamina cribrosa passiert haben, nach allen Richtungen peripherwärts auseinander, auch
die Centralgefäße, ob sie nun schon, wie es besonders in der letzten Unterart dieser Gruppe der Fall ist,
am Boden der Excavation selbst, d. i. also in der Gegend der inneren Laminafläche sich verzweigen, oder
ob nur die Venen hier sich vereinigen, die Centralarterie dagegen erst an der medialen Wand der Ex-
cavation sich theilt, erreichen nicht die Oberfläche der Papille. Die Excavation ist völlig oder fast völlig
symmetrisch, ihre mediale Wand so beschaffen wie die laterale, ebenso auch oben und unten, wenngleich
mitunter, besonders im ophthalmoskopischen Bilde, wo wir ja nicht senkrecht zur Papillenfläche sehen,
aber auch im anatomischen Präparate die laterale Wand etwas weniger steil ansteigt, respective, wenn die
mediale überhängt, die laterale nur senkrecht zur Papillenoberfläche gerichtet ist.
Die dritte Excavationstype, welche als centrale, napf- oder schüsselförmige Excavation zu
bezeichnen ist, ist in der einen ihrer Unterarten, III,, wieder wie die erste an eine, respective zwei Formen
des Durchtrittscanales gebunden, an Typus I und V, also an einen nahezu symmetrischen, senkrecht zur
Scleralfläche stehenden oder nur ganz leicht nach außen oder innen geneigten conischen Durchtrittscanal,
während die anderen Unterarten auch bei anderen Typen des Durchtrittscanales vorkommen. Derselbe ist
kaum absolut weiter als bei Excavation II. Der Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches beträgt im
Mittel 2:11 mm, minimal (abgesehen von 'dem Kinderauge Fall 18, das nicht mit in Rechnung gezogen
werden darf) 1’Sö mm, maximal 2:50 mm, der des#inneren im Mittel 1:56, minimal 1’30, maximal
1:75 mm; aber die Verjüngung desselben gegen das Bulbusinnere ist eine etwas geringere, der Durch-
messer des äußeren Durchtrittsloches verhält sich zu dem des inneren im Mittel wie 100: 74 (maximal
100:65, minimal 100:83), ihre Flächen wie 100:55 (maximal 100:42, minimal 100:76). Der Haupt-
unterschied gegenüber den Sehnerven, deren Excavation dem II. Typus angehört, beruht in dem bereits
En nn
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 247
angedeuteten Verhalten der Sehnervenfaserbündel im Durchtrittscanale, welches bedingt ist durch das
Verhalten des Stütz- und Bindegewebes des intraocularen Sehnervenstückes. Obwohl alle mit Excavation III
behafteten Sehnerven im großen und ganzen darin übereinstimmen, ergeben sich doch gerade durch die
feineren Unterschiede die drei Unterarten des Typus IIl der Excavation. (Siehe Tabelle VI.)
1. Ist das Stütz- und Bindegewebe im intraretinalen Sehnervenstücke gering, im intrachorioidalen,
je weiter nach rückwärts, umso mächtiger entwickelt, und zwar im ganzen Querschnitte ungefähr in
gleicher Weise, so müssen sich die Nervenfaserbündel, nachdem sie in die sclerale Lamina eingetreten
oder sie passiert haben, symmetrisch nach allen Seiten umlegen, um gegenseitig und mit den Wänden des
Durchtrittscanales in Contact zu bleiben; es entsteht eine muldenförmige, allseits langsam in die Retina-
fläche übergehende Excavation, deren Tiefe durch eine stärkere Entwicklung von Bindegewebe, vom
centralen Bindegewebsstrange ausgehend, noch verringert werden kann, so dass dann die Basis der Ex-
cavation in oder nur wenig hinter die Ebene des inneren Durchtrittsloches zu liegen kommen kann. Siehe
IT: Textfieg. 17, Fig. 2 auf’ Taf.
2. Die Excavation ist flacher dadurch, dass im ganzen intrascleralen und intrachorioidalen Theile
der Sehnerv S@hr reichliches Stützgewebe enthält, das die Excavation begrenzende, intraretinale Nerven-
gewebe dagegen ein sehr geringes Volumen besitzt, da sein Stützgewebe äußerst spärlich entwickelt ist
(siehe Fall 17, Fig. 1, Taf. II; Textfig. 18). Die Basis der Excavation ist wieder durch recht reichliches Binde-
Fig. 17. Fig. 18.
gewebe gebildet, welches mitunter die Excavation so seicht werden lässt, dass ihre Basis nicht hinter die
Chorioidalebene fällt. Die Öffnung der Excavation ist dagegen immer eine sehr große, bis zwei Drittheile
des Papillenquerschnittes oder etwas darüber. Diese Excavation kommt nur bei Typus I, sowie bei
Typus II des Durchtrittscanales vor. Bemerkenswert ist, dass ein Individuum dieser Unterabtheilung einem
11/, Jahre alten Kinde angehört (Fall 18).
Die Durchmesser des äußeren und inneren Durchtrittsloches betragen im Mittel 2:09 und 161 mm,
verhalten sich also wie 100:76, ihre Flächen wie 100:58, die relative
Weite des inneren Durchtrittsloches ist daher so groß, wie bei keiner
anderen der bisher besprochenen Excavationsformen.
3. Diese dritte Unterabtheilung (Textfig. 19) enthält die großen,
tiefen Excavationen mit überhängenden Wänden, sehr deutlicher
Laminazeichnung an der Basis der Excavation, wie sie in
v. Jaegers Beiträgen zur Pathologie etc. auf Taf. XXIX bis XXXI
und in meinen Unterrichtstafeln auf Taf. VIII abgebildet sind.
Die Wände der Excavation sind, wie gesagt, überhängend,
Fig. 19.
meist medial etwas stärker als lateral, die Centralgefäße theilen
sich schon am Boden der Excavation oder an deren medialer Wand. Die getrennten Papillengefäße
tauchen am Rande der Excavation oder in dem Papillengewebe selbst auf; der Zusammenhang mit
den Centralgefäßstämmen ist daher ophthalmoskopisch nicht sichtbar. Diese Excavationsform kommt nur
bei Typus I des Durchtrittscanales, sowie einmal bei Typus V vor. Das innere Durchtrittsloch ist absolut
groß (1'61 mm Durchmesser im Durchschnitte, Maximum 175 mn), aber im Verhältnis zur Größe des
äußeren Durchtrittsloches kleiner, als in den beiden anderen Arten des III. Excavationstypus. Das äußere
Durchtrittsloch bietet zum inneren das Verhältnis dar: die Durchmesser wie 100:72, die Flächen wie
% |
248 Anton Elschnig,
100:52. Die Größe und Tiefe der Excavation ist daher in erster oder in einziger Linie dadurch gegeben,
dass das Volumen des Sehnervengewebes im Bereiche der innersten Lagen der scleralen Lamina, welche
selbst äußerst schwach entwickelt ist, sich enorm vermindert, dass daher das intrasclerale, noch viel mehr
aber das intrachorioidale und intraretinale Sehnervenstück äußerst arm ist an Stütz- und Bindegewebe.
Die, wie gesagt, sehr schwache sclerale Lamina ist oft stark nach hinten convex, eine chorioidale Lamina
fehlt vollständig, daher das Volumen des das innere Durchtrittsloch passierenden, fast nur aus Nerven-
fasern bestehenden Sehnervengewebes relativ und absolut gering ist. In 4 von den 7 Fällen ist ein vom
Boden der Excavation mehr weniger weit in den Sehnerven zurückreichender Schaltgewebszapfen in den
centralen Bindegewebsstrang eingelagert, einmal ein solcher angedeutet, zweimal fehlt er vollständig. Die
Markscheiden endigen an den Nervenfasern schon recht weit vor der Ebene des vorderen Endes des
Zwischenscheidenraumes, die Nervenfaserbündel weichen daher schon beim Eintritte in die dünne Lamina
stark nach allen Seiten auseinander; die Basis der Excavation liegt 0:35 —0'50 mm hinter der Ebene des
inneren Durchtrittsloches.
IV.
Die Form der Excavation, welche den jetzt zu besprechenden Sehnerven eigen ist, unterscheidet
sich von der der II. und III. Gruppe von Excavationen dadurch, dass die Excavation excentrisch lateral
gelegen und lateral unscharf begrenzt ist, die laterale Excavationswand langsam schräg zur inneren Netz-
Fig. 20.
hautebene ansteigt, während die mediale annähernd senkrecht steht auf der Ebene des inneren Durchtritts-
loches oder sogar leicht überhängt. Sie ist gebunden an Typus IIl,, II, und IV des Durchtrittscanales, also
an eine ungefähr constante Form der Wände des Durchtrittscanales; sie ist mit Sichtbarkeit eines Binde-
gewebsringes oder Conus im Bereiche der lateralen Hälfte des Sehnerven verbunden.
Die histologische Structur des Sehnerven im intraocularen Antheile ist durch recht starke Ent-
wicklung des Stütz- und Bindegewebes im intrachorioidalen und intraretinalen Sehnervenstücke in der
medialen, schwache Entwicklung in der lateralen Hälfte charakterisiert, also analog wie in jenen Fällen
der Gruppe II, in denen die Excavation excentrisch gelagert ist; zufolge des weiteren Vortretens der
Chorioidea-Retina in der medialen, des Zurücktretens beider in der lateralen Hälfte des intraocularen Seh-
nervenendes resultiert die von der sonst bezüglich des Verhaltens des Binde- und Stützgewebes überein-
stimmenden Excavationstype II abweichende Excavationsform. Das äußere Durchtrittsioch ist kleiner als
bei Excavation II und III, das innere aber beträchtlich größer, so dass also eine sehr geringfügige Ver-
jüngung des intraocularen Sehnervenstückes gegen das Bulbusinnere zu vorliegt; die Durchmesser des
äußeren und inneren Durchtrittsloches verhalten sich wie 100:83, ihre Flächen wie 100:69. Schaltgewebe
im centralen Bindegewebsstrange ist an 5 Fällen zweimal gut entwickelt, einmal angedeutet vorhanden.
(Siehe Tabelle VII.)
Ich will hier schon bemerken, dass ich in meinem Materiale kein Auge besitze, welches den
sogenannten Typus inversus der Gefäße mit abnormer Lage der Excavation voll entwickelt aufweist;
angedeutet ist derselbe wohl in Fall 39 und 42, aber die Form der Excavation ist noch die einer centralen
symmetrischen Grube. Ich besitze aber die Präparate eines Auges mit breitem Conus nach unten (Colobom
am Sehnerveneintritte), welches eine mit dem Sehnerven der letzten Excavationsart insoferne überein-
stimmende Form darbot und anatomisch darbietet, dass die Excavation oben überhängend, unten langsam
ansteigend begrenzt ist, also die dem breitesten Theile des Conus entsprechende Wandfläche der
ac
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 249
Excavation langsam in das Netzhautniveau übergeht, ein Verhalten, welches auch nach dem klinischen
Befunde solcher Excavationen von vorneherein zu erwarten war.!
Die vorstehenden detaillierten Ausführungen über die bei den einzelnen Excavationsformen vor-
liegenden histologischen Verhältnisse des Sehnerveneintrittes bestätigen den eingangs derselben auf-
gestellten Satz, dass die Excavation im wesentlichen durch die Form des Durchtrittscanales, und zwar in
erster Linie durch das Verhältnis der Weite des inneren und äußeren Durchtrittsloches, und durch die
Masse und Anordnung des Stütz- und Bindegewebes des intraocularen Sehnervenstückes gegeben ist.
Und dass es so sein muss, lehrt schon ein Blick auf die anatomischen Verhältnisse des Sehnerven-
eintrittes. An der Stelle, wo der Sehnerv seinen Weg durch die Augenmembranen beginnt, tritt eine
höchst wesentliche Veränderung in seiner histologischen Structur ein: die Nervenfasern verlieren ihre
Markscheiden. Dadurch erleidet der Sehnerv plötzlich eine sehr wesentliche Volumsverminderung, welche
nur dadurch zum Theile wett gemacht wird, dass das interstitielle Bindegewebe durch die mächtige Ent-
wicklung der „scleralen Lamina« an Masse beträchtlich zunimmt. Im Bereiche der Chorioidea nimmt dann
der Sehnerv, da eben diese mächtige Bindegewebsentwicklung fehlt, neuerdings beträchtlich an Volumen
ab. Verengt sich nun der Durchtrittscanal des Sehnerven gegen das Bulbusinnere dieser Volumsver-
minderung entsprechend, oder, was dasselbe ist, ist die Ausbildung des Stütz- und Bindegewebes des
Sehnerven im Bereiche der Chorioidea-Netzhaut eine der Weite des inneren Durchtrittsloches entsprechend
mächtige, so füllt der Sehnerv den ganzen Durchtrittscanal aus, eine Excavation entsteht nicht oder nur
in jenem kleinen Maße, das durch das Auseinanderweichen der Nervenfasern im Bereiche der Nervenfaser-
schichte der Netzhaut gegeben ist.
Ist das innere Durchtrittsloch sehr weit, so kann trotzdem noch immer mitunter durch besonders
mächtige Entwicklung des interstitiellen Gewebes das Entstehen einer größeren Excavation verhindert sein,
sowie im Gegentheile auch bei relativ und absolut engem inneren Durchtrittsloche (siehe Excavations-
typus III,) durch besonders geringe Entwicklung des interstitiellen Gewebes eine sehr große und sehr tiefe
Excavation resultieren kann. Gewöhnlich ist aber mit einer relativ und absolut großen Weite des inneren
Durchtrittsloches eine große physiologische Excavation verbunden. Die Masse und Vertheilung des Binde-
gewebes — auf dieses kommt es ja hauptsächlich an, da die Kernsäulen (das Gliagewebe) im Vergleich zu
diesem im intraocularen Sehnervenstücke doch immer nur ein unbedeutendesVolumen besitzen — bestimmt
mit der Form des Durchtrittscanales den Verlauf der Sehnervenfasern, ihre Lage im intraocularen Seh-
nervenstücke, so dass also bei gleicher Masse des Bindegewebes je nach seiner Vertheilung verschiedene
Excavationsformen bei jedem einzelnen Typus des Durchtrittscanales resultieren können. So wird durch
mächtigere Bindegewebsbildung im medialen, schwächere im lateralen Sehnervenantheile eine lateral ex-
centrische Excavation auch bei regelmäßig senkrecht conischem Durchtrittscanal entstehen, bei genau
symmetrischer Entwicklung eine centrale Excavation u. s. w. Würde lediglich die Form des Durchtritts-
canales, lediglich die absolute und relative Weite des inneren Durchtrittsloches für die Form und Größe
der Excavation maßgebend sein, so müsste jedem bestimmten Typus des Durchtrittscanales, jeder
bestimmten absoluten oder relativen Grösse des inneren Durchtrittsioches eine ganz bestimmte Ex-
cavationsform zukommen, was aber in Wirklichkeit durchaus nicht der Fall ist. Die Größe der
Excavation ist somit gegeben durch das Verhältnis des Volumens des intraretinalen und
intrachorioidalen Sehnervenstückes, respective, was dasselbe ist, daja das Volumen der Nerven-
fasern allein wohl ziemlich constant ist, nur das Stütz- und Bindegewebe an Volumen varirt, des Stütz-
und Bindegewebes des intraocularen Sehnervenstückes zurabsolutenundrelativen Weite
des inneren Durchtrittsloches. Die Form der Excavation ist gegeben durch die Ver-
theilung des Stütz- und Bindegewebes auf die einzelnen Antheile des intraocularen
1 Während der Drucklegung dieser Arbeit gelangte ich auch in den Besitz eines Auges mit typischem, schmalen Conus nach
unten, über dessen anatomischen Befund ich an anderer Stelle ausführlich berichten werde,
E.
250 Anton Elschnig,
Sehnervenstückes (intrasclerales, intrachorioidales und intraretinales Stück) und aufdie einzelnen
Antheile der Querschnitte desselben, in Verbindung mit der Form des Durchtrittscanales.
Aus diesen Thatsachen ergibt sich der unwandelbare Schluss, dass die physio-
logische Excavation angeboren ist.
Die Entwicklung des interstitiellen Gewebes im Sehnerveneintritte ist wohl mit der Reife des Fötus
vollendet oder wenigstens in ihrer ganzen Anlageart vollendet. Es widerstritte vollkommen allen unseren
gegenwärtigen Anschauungen, wenn wir annehmen wollten, dass im normalen Sehnerven des Kindes
oder des Erwachsenen, ohne dass eine krankhafte Veränderung des Sehnerven, damit dann auch Er-
krankung der Sehnervenfasern selbst bestünde, das interstitielle Gewebe an einzelnen Stellen desselben
zu- oder abnehmen könne. Wenn wir also vorerst die Form des Durchtrittscanales und seine Weite als
eine während des ganzen Lebens unveränderliche annehmen — um Missverständnissen vorzubeugen,
will ich gleich bemerken, dass ich keineswegs daran festhalte —, so muss die Excavation angeboren sein,
und müsste in ganz derselben Form und Größe vom ersten Lebenstage bis zum letzten bestehen.
Die Weite des Durchtrittscanales ist aber keine unwändelbare, selbst wenn wir vorerst annehmen,
sein Typus sei unveränderlich. Der Durchmesser desselben in den einzelnen Ebenen wächst ja mit der
immer erfolgenden Volumszunahme des Bulbus und des Sehnerven ganz beträchtlich, und da die Zahl der
Nervenfasern, sowie der Querschnitt jeder einzelnen derselben im Neugeborenen wohl dieselbe ist, wie im
Erwachsenen, natürlich abgesehen von den Markscheiden, welche aber, seltenste Fälle ausgenommen, nur
im retrobulbären Theile des Sehnerven in Betracht kommen, so muss eine gewisse Veränderung im Seh-
nerveneintritte erfolgen, auch wenn die Form des Durchtrittscanales ganz genau dieselbe, eine genau sym-
metrische, bleibt. Ist die embryonale Anlage des Sehnerven eine derartige, dass eine derVergrößerung des
Durchtrittscanales entsprechende Vermehrung des interstitiellen Gewebes gewährleistet ist, so behält die
Sehnervenpapille dauernd dieselbe Form, wie im Neugeborenenauge. Besteht also schon im Neugeborenen-
auge eine gewisse Excavationsform, so müsste dieselbe bestehen bleiben beim weiteren Wachsthume des
Auges, doch würde.natürlich auch die Excavation sich entsprechend der Vergrößerung des Sehnervenquer-
schnittes vergrößern, aber der Typus der Excavation müsste unverändert bestehen bleiben. Nur wenn wir dies
zugestehen, dann können wir den für jeden Excavationstypus charakteristischen Verlauf der Nervenfasern,
Anordnung des Bindegewebes etc. begreifen. Auf keinerlei andere Weise können wir verstehen, warum
die Nervenfasern einmal dicht am centralen Bindegewebsstrange verlaufen, ein andermal unmittelbar nach
Eintritt in die sclerale Lamina zum Theil (die lateral angrenzenden Nervenfasern) oder allseitig vom
centralen Bindegewebsstrang abbiegen und die ganz normale Lamina scleralis in schräger Richtung
durchbrechen; warum im ersten Falle sämmtliche aus dem Bereiche der Chorioidea entspringenden
chorioidalen Laminabalken (von so wesentlich wechselnder Masse!) alle am centralen Bindegewebs-
strange inserieren, im zweiten Falle in der ganzen lateralen Hälfte (oder mehr) des Sehnerven schwach
entwickelt sind und nur mit dem die große Excavation auskleidenden endothelialen Gewebe sich
verbinden, aber auch, bei gleichem Verlauf der Nervenfasern als dichtes Gewebe charakteristischer Struetur
die durch das Auseinanderweichen der Nervenfaserbündel entstehende Grube ausfüllen und wieder am
centralen Bindegewebsstrange inserieren können!; weshalb bei der einen Excavationsform die Centralgefäße
im Bereiche der scleralen Lamina, bei einer anderen erst in der Netzhautebene in ihre Äste sich theilen
u. s. f.; weshalb endlich mit den größeren Excavationsformen so häufig die Ausbildung eines eigen-
thümlichen Schaltgewebes im centralen Bindegewebsstrange verbunden ist, das seiner histologischen
Structur nach unbedingt angeboren ist. Wir haben es also gar nicht nöthig, durch ophthalmoskopische
und anatomische Untersuchungen der Sehnerven Neugeborener uns belehren zu lassen, dass die
Excavation im Neugeborenen in denselben Formen vorhanden ist, wie im Erwachsenen; wir postulieren
diese Thatsache aus dem anatomischen Befunde des Sehnerveneintrittes bei den verschiedenen Formen
der physiologischen Excavation.
Es ist aber durchaus nicht auszuschließen, dass bei dem Wachsthume des Auges nicht auch eine
Veränderung der Form (des Typus) des Durchtrittscanales Platz greifen könne. Es ist nur zu gut bekannt,
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 251
dass die einzelnen Theile des Auges während des postfötalen Wachsthumes des Auges in sehr ver-
schiedenem Maße durch das Wachsthum sich verändern. Ich erinnere nur daran, dass die Unter-
suchungen von Merkel und Orr (32) ergeben haben, dass die Stelle zwischen Macula und Sehnerv
überhaupt keine nennenswerte Vergrößerung erfährt. Es ist also sehr wohl möglich, ja sogar aus vielen
Gründen wahrscheinlich, dass einzelne Theile der Sclera oder Chorioidea auf Grund angeborener Eigen-
thümlichkeiten eine andere Flächenvergrößerung während des Wachsthumes erfahren können, und damit
ist dann unter Umständen nothwendig eine Formveränderung des Sehnerveneintrittes verbunden. So
konnte aus den einzelnen Arten des Primitiv-Typus des Durchtrittscanales (I) ohneweiters jede ent-
sprechende Art eines anderen Typus entstehen, ohne dass hiezu irgendwelche geheimnisvolle Zug-
wirkungen oder pathologische Vorgänge irgend einer Art nothwendig wären (aus I;: IL, II,, IV,, V;
aus Il. ausıl,: IIl,, IV, ete,.etc.).
Mit einer solchen Formveränderung des Durchtrittscanales kann und muss eine gewisse Veränderung
der präexistenten Excavation eintreten (so könnte z. B., wenn der Durchtrittstypus I, in den Typus II, über-
geht, ein Excavationstypus Il, in II, und IV übergehen u. s. f.), wie wir aber sehen, ohne dass eine
bestimmte Förmveränderung des Durchtrittsloches allein irgend eine bestimmte Form der Excavation
erzeugen könnte oder würde. Dies könnte nur unter der Bedingung überhaupt ernstlich in Discussion
kommen, wenn jeder Typus des Durchtrittscanales einen bestimmten Excavationstypus mit sich brächte,
was nach der vorhergehenden Übersicht aber keineswegs zutrifft.
Auf Grund alles dessen muss also die physiologische Excavation als eine angeborene Bildung, als
eine Art Spaltbildung im Sehnerven erklärt werden, und zwar in folgender Weise. Bei dem Schlusse der
aus dem Augenblasenstiele gebildeten Rinne, in der sich der Sehnerv entwickelt, ist entsprechend der
Eintrittstelle des Sehnerven der Hohlraum der Rinne noch nicht völlig ausgefüllt vom Sehnervengewebe,
sondern das embryonale Glaskörpergewebe (d. h. das embryonale Bindegewebe, aus dem später der
Glaskörper entsteht), reicht in den Sehnerven zurück und entwickelt sich daselbst weiter mit der weiteren
Entwicklung des Auges. Das in dem centralen Bindegewebsstrange bei großen Excavationen so häufig
vorfindliche, bei fehlender oder kleiner Excavation immer fehlende Schaltgewebe ist aus dieser Glas-
körperanlage hervorgegangen. Dadurch wird verhindert, dass die aus der Chorioidea entstehenden
Laminabalken sich mit solchen aus dem centralen Bindegewebsstrange verbinden, also der Sehnerv
gewissermaßen gegen den Glaskörper abgeschlossen werde. Um der in den Sehnervenkopf eingelagerten
Glaskörperanlage auszuweichen, müssen die centralen Sehnervenbündel von der Sehnervenachse ab-
biegen, müssen sich der Wand des Durchtrittscanales anschmiegen und daraus, aus der dadurch sich
ergebenden Lagerung des Sehnervengewebes, resultieren die verschiedenen Excavationstypen. Es kann
dann noch eintreten, dass ein Theil der Glaskörperanlage sich in festes Bindegewebe umwandelt, dann
erscheint im entwickelten Auge die durch den Verlauf der Nervenfasern ausgebildete Excavation aus-
gefüllt.
Die Anbildung einer physiologischen Excavation im fötalen Auge scheint mir aber auch von Einfluss
zu sein für das weitere Verhalten des Sehnerveneintrittes, für die später eintretenden Formveränderungen
des Durchtrittscanales, und zwar in folgender Weise.
Nehmen wir zuerst jene Fälle in Betracht, bei welchen eine eigentliche physiologische Excavation
fehlt (Typus I der Excavation). Die Randtheile der Chorioidea-Sclera sind hier im Durchtrittscanale durch
ein reiches Netz von Bindegewebsfasern, welche sich am centralen Bindegewebsstrange inserieren,
respective mit den dort entspringenden Balken vereinigen, untereinander verbunden. Bei dem Wachs-
thume des Auges, bei welchem jede einzelne Flächeneinheit der Augenmembranen, ein gleichmäßiges
Wachsthum aller Theile vorausgesetzt, sich um eine gleiche Quote vergrößern müsste, werden
jene Theile wohl offenbar am stärksten sich vergrößern, welche in sich die geringste Widerstands-
fähigkeit gegenüber den in ihnen befindlichen oder auf ihnen lastenden elastischen Spannungs-
verhältnissen besitzen. Eine dichte Überbrückung des Chorioidea-Sclera-Loches am Sehnerven-
eintritte durch den Sehnerven hindurch, wie sie in dem eben angegebenen Sehnerventypus gegeben ist,
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 33
2092 Anton Elschnig,
muss einer übermäßigen Flächenvergrößerung der einzelnen Durchschnitte des Durchtrittscanales oder
des äußeren und inneren Durchtrittsloches einen beträchtlichen Widerstand entgegensetzen — wir finden
in der That bei diesem Typus beide von absolut geringer Weite, die Form des Durchtrittscanales ist eine
ganz regelmäßige, das innere Durchtrittsloch ist auffallend klein gegenüber dem äußeren. Würde in dem
Sinne, wie sich dies Schoen vorstellt, durch abnorme Ausweitung des Durchtrittscanales bei diesem
Typus eine Excavation erst entstehen, so müssten wir im ganzen intraocularen Theile des Sehnerven
Symptome dieser Zerrung wahrnehmen, es müssten an allen Sehnerven mit »beginnender« Excavations-
bildung eine ziemlich gleichmäßig über den ganzen Sehnerven verbreitete Rarefaction des Gewebes,
Lückenbildung, Dehiscenzen, zu bemerken sein, am wenigsten naturgemäß dort, wo das Sehnervenbinde-
gewebe am dichtesten, am centralen Bindegewebsstrange und an den Wänden des Durchtrittscanales; am
reichlichsten dort, wo die beiden ausstrahlenden Bündel einander begegnen, also in den mittleren Partien
des Sehnerven, zwischen der Wand des Durchtrittscanales und dem centralen Bindegewebsstrang. Und noch
mehr wäre wohl in den Sehnervenbündeln selbst, welche der starren Bindegewebszüge entbehren, eine
Auseinanderzerrung zu bemerken!
Ganz anders steht es in jenen Fällen, in denen eine tiefere Excavation ausgebildet ist. Da ist das
den Sehnerveneintritt durchziehende Bindegewebsnetz im Bereiche der inneren, chorioidalen Partien des
Durchtrittscanales defect, setzt also einer Vergrößerung speciell des inneren Durchtrittsloches einen
unverhältnismäßig geringeren Widerstand entgegen. Im Bereiche der lateralen Sehnervenhälfte inserieren
die chorioidalen Laminabalken nicht am centralen Bindegewebsstrange, sie werden bei ihrer Wachs-
thumsdehnung nicht daran festgehalten: das innere Durchtrittsloch vergrößert sich, und damit auch die
physiologische Excavation. Was also ursprünglich zum Theil Folge der größeren Weite des inneren
Durchtrittsioches war, die Excavation, wird zur Ursache derselben. In der That haben wir bei keiner
Form der größeren Excavationsbildungen mehr ein absolut und relativ so kleines inneres Durchtrittsloch
wie bei dem erst besprochenen Typus.
Ich glaube also, dass ebensowenig, wie an einem Sehnerven Typus I, Excavation I, jemals eine
physiologische Excavation durch irgendwelche Zugwirkungen entstehen könne, ebensowenig eine in der
Tiefenausdehnung kleine Excavation sich vertiefen kann. Für ebenso sicher dagegen halte ich es, dass
eine in der Fläche kleine Excavation sich durch Vergrößerung des inneren Durchtrittsloches vergrößern
muss, ja dass die Ausbildung der physiologischen Excavation vielleicht sogar letzterem Vorgange wesent-
lichen Vorschub leisten kann.
C. Die Begrenzungsarten des Sehnerveneintrittes; die Entstehung des Bindegewebsringes und Conus.
Es erübrigt nun noch, dasjenige, was sich aus den vorstehenden Untersuchungen über die ana-
tomischen Grundlagen des Pigment- und Bindegewebsringes, sowie des Conus (im nicht myopischen
Auge) ergibt, zusammenzufasssen.
Bezüglich des Pigmentringes kann ich mich kurz fassen. Meine Beobachtungen stimmen mit
denen Kuhnt’s überein, welcher, wie aus dem Literaturberichte zu ersehen ist, zuerst die Natur desselben
richtig erkannt hat. Der Pigmentring entsteht durch abnorme Größe, abnorm starke Pigmentierung,
vielleicht auch durch mehrschichtige Übereinanderlagerung der Pigmentepithelzellen; die Pigmentierung der
Chorioidea hat mit dem Pigmentringe absolut nichts zu schaffen, der Name »Chorioidalring« müsste also
endlich fallen gelassen werden, da er nur geeignet ist, falsche Vorstellungen über die Natur des schwarzen
Halbringes oder Ringes zu erwecken. Es hat sich aber die sehr bemerkenswerte Thatsache ergeben, dass
der Pigmentring anatomisch nicht immer mit dem Rande der Glashaut der Chorioidea zusammenfällt, ja
nicht einmal immer mit dem Rande des Pigmentepithels am Sehnerven. So kann nicht nur eine völlig
nackte Partie der Glashaut zwischen Pigmentring und Sehnerv eingeschaltet sein, sondern eine zwischen
beiden liegende Zone der Glashaut kann auch ein ganz atrophisches, pigmentarmes oder ganz pigment-
loses Netzhautepithel tragen, welches also den Namen »Pigmentepithel« nicht mehr verdient. In einem
Falle von Randcolobom des Sehnerven habe ich auch vollkommen normal geformtes, aber vollkommen
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 253
pigmentloses »Leukoepithel« zwischen Pigmentring und Sehnerven vorgefunden. Liegt der Pigmentring
nicht am Rande der Glashaut, so fällt dieser innerhalb des Randes der eigentlichen Chorioidea, die Glas-
haut liegt im nackten Bereiche einem gefäßarmen Bindegewebe (Grenzgewebe) auf; der Pigmentring
entspricht also dann in seiner Lage dem Rande der vollentwickelten Chorioidea. Dieser äußere Pigment-
ring kann nun wohl angeboren sein; wir finden ja mitunter bei Superposition des Pigmentepithels ophthal-
moskopisch einen doppelten, die Superposition begrenzenden Pigmentring. Ich halte es aber auch nicht
für sicher, dass häufig dieser Pigmentring sich erst intra vitam auf Grund der angeborenen Bildungs-
anomalie der Chorioidea entwickelt, indem das Pigmentepithel im Bereiche des Randtheiles der Glashaut,
welcher dem Grenzgewebe aufliegt, atrophiert und die angrenzenden Pigmentepithelzellen hyper-
trophieren, ihren Pigmentgehalt vermehren, ohne dass man diesen Vorgang schon als einen patho-
logischen ansprechen müsste.
Der Bindegewebsring besitzt keine ganz einheitliche anatomische Grundlage, sondern kann
durch verschiedenartige Bildungen am Sehnervenrande ophthalmoskopisch in Erscheinung treten.
Die ersteArt, welche unter meinen Fällen die zahlreichsten Repräsentanten besitzt, bietet folgende
anatomische Verhältnisse dar (siehe Fig.1, Taf. III): Zwischen die eigentliche, in allen Schichten wohl aus-
gebildete Chorioidea und den Sehnerven ist eine prismatische Masse von gefäßarmen, pigmentlosen oder
nur wenig pigmentierten Bindegewebe — »Grenzgewebe« — eingeschaltet, welches dadurch der ophthal-
moskopischen Betrachtung freiliegt und daher als weiße oder grauweiße, schmale Sichel erscheint,
dass die bis an den Rand des Sehnerven heranreichende, ihm dicht aufliegende Membrana vitrea chori-
oideae in dessen Bereich kein Pigmentepithel trägt oder nur von höchst verkümmerten Resten eines
solchen bedeckt ist; die Epithelzellen sind flach, sehr ungleich groß, spärlich, und ganz oder fast ganz
pigmentlos. Dieser ophthalmoskopisch als Bindegewebsring erscheinende Bezirk kann durch einen ganz
regelmäßigen Pigmentring abgegrenzt sein, der genau dem Beginne normal ausgebildeter Chorioidea
entspricht. (Siehe Textfigur 2, 6 und 7.)
Diese Art des Bindegewebsringes scheint mit der zweiten Art Kuhnt’s (19, S. 58 und 31 a!) über-
einzustimmen; ein Unterschied dürfte nur in der Deutung der von uns beiden übereinstimmend beob-
achteten Gewebsstructur vorliegen. Kuhnt rechnet das pigmentlose Bindegewebe zur Chorioidea; nach
meiner Auffassung ist es dem von mir sogenannten Grenzgewebe zuzurechnen. Ich werde später auf
dasselbe noch ausführlicher zurückkommen.
In einer zweiten Gruppe von Fällen endigt die Chorioidea mit Glashaut und Pigmentepithel in
einer Flucht mit der Sclera, der Sclerotico-Chorioidalcanal hätte also eine regelmäßig conische oder
cylindrische Gestalt, aber im Bereiche der Chorioidea strahlen dichte und reichliche Bindegewebszüge
als »chorioidale Lamina« in den Sehnerven ein, welche den über den Rand der Glashaut achsenwärts in
den Sehnerven vortretenden mittleren Netzhautschichten als Unterlage dienen und von den Sehnerven-
bündeln in derselben Breite umkreist werden. Es unterscheidet sich diese Art also von der vorhergehen-
den dadurch, dass das Grenzgewebe faserige Structur besitzt, schon mehr nach Art der chorioidalen
Lamina, in welche es übergeht, und dass es nicht von Glashaut bedeckt ist. (Ähnlich wie Textfigur 3 auf
Seite, 19.)
Der histologische Befund dieser Art von Bindegewebsring gleicht dem von Schnabel-Herrn-
heiser in einem myopischen Auge mit ringförmigem Conus beobachteten; während aber hier die ganze
Circumferenz des Sehnerven in gleicher Weise beschaffen war, betraf die Bildung in meinen Fällen nur
die laterale Hälfte des Sehnerven. Da nur zwei Fälle diesen Befund typisch darbieten, bilde ich ihn nicht
in starker Vergrößerung ab. Auf Unterrichtstafel VII ist er erkennbar.
Die dritteArt, welche in zwei Modificationen angetroffen wird, zeigt das entgegengesetzte Verhalten
des Durchtrittscanales des Sehnerven, wie in den vorhergehenden Arten. Die Glashaut der Chorioidea, bis
zum Rande mit normalem Epithel bekleidet, endet außerhalb des Sclerotico-Chorioidalcanales, so dass
Bi: 1 »Das anatomische Substrat des Scleralringes ist darin gegeben, dass die innerste, der Nervensubstanz nächste Stelle der
Chorioidea nicht von Pigmentepithel bedeckt wird und völlig gefäßlos ist.«
33*
254 Anton Elschnig,
gegen das Bulbusinnere, respective gegen den Sehnerven ein mehr weniger breiter, knieförmig abge-
rundeter Randtheil der Sclera-Chorioidea freigelegt erscheint, welcher von einer bald dichten, bald dünnen
Schichte von Grenzgewebe bekleidet ist. (Siehe Textfigur 9 auf Seite 23.) Dieses Knie ist also das ana-
tomische Substrat des ophthalmoskopisch gesehenen Bindegewebsringes, und es wäre nun nur noch die
Frage zu beantworten, welcher Theil des Kniees eigentlich ophthalmoskopisch als Bindegewebsring
erscheint. Da wir zur Erklärung die gleichartigen, schon unter den Conusfällen rangierten Befunde mit
herbeiziehen müssen, so wollen wir erst bei diesen auf unsere Frage zurückkommen.
Während bei dieser, in meinerStatistik nur einmal lateral in reinster Ausbildung (Fall 34 L,U.T.XIV)
vorfindlichen Art des Bindegewebsringes — ein weiteresmal (Fall42L.,U.T.IX und XII) fand es sich ringsum,
aber schon zum Theile der Art 3a sich nähernd, 3mal medial, aber ophthalmoskopisch nicht gesehen —
das Knie der Chorioidea-Sclera, respective das dasselbe deckende Grenzgewebe frei an das Sehnerven-
gewebe angrenzt, ist in der Unterart 3 a das Knie dadurch anatomisch gedeckt, dass Glashaut, zuletzt
nackt, und mittlere Netzhautschichten über den Rand der Chorioidea achsenwärts vorgeschoben sind; die
Glashaut ist hiebei durch lockeres Grenzgewebe oder schlingenförmig chorioidalwärts vordringende
Nervenfaserbündel gegen das Bulbusinnere aufgebogen. (Siehe Textfigur 8 auf Seite 23.) Ist die Glashaut
bis zum Rande pigmentiert, so erscheint das Pigmentepithel ophthalmoskopisch superponiert. An dem
einen der Repräsentanten dieser Art Bindegewebsringes (Fall28R.) finden sich beide Modificationen an je
einem Quadranten (der lateralen Sehnervenhälfte) ausgebildet vor. (Siehe Tabelle VII.)
Der Bindegewebsring findet sich meist nur lateral oder lateral unten, selten ringsum, noch seltener
nur in der medialen Circumferenz des Sehnerven. Ringförmiger Bindegewebsring findet sich unter meinen
Fällen nur einmal in regelmäßiger Breite, und zwar in der dritten Art anatomisch begründet (Fall 42);
medialer Bindegewebsring viermal, aber er war in keinem Falle deutlich ophthalmoskopisch wahrnehmbar,
da das ihn deckende Nervenfasergewebe eine beträchtliche Dicke besaß. Combiniert mit Conusbildung
durch Atrophie des Pigmentepithels findet sich ringförmiger Bindegewebsring mehrmals unter den Conis
beschrieben vor, wobei das anatomische Substrat nicht immer für alle Theile des Bindegewebsringes
dasselbe ist.
Der Conus ist in seiner Anlage nicht von dem Bindegewebsringe zu unterscheiden, wie dies schon
Schnabel-Herrnheiser ausgesprochen haben. Beide sind durch dieselbe Bildungs-, respective Lage-
anomalie der Sclera-Chorioidea-Netzhaut gegeben, und stellen im Principe nur verschiedene Grade einer
und derselben Abnormität dar; aber aus dem Bindegewebsring wird ein Conus, wenn das dem Binde-
gewebsringe angrenzende Pigmentepithel zufolge dervorherbestehenden Anomalie derChorioidea schwindet.
Ich spreche hier selbstverständlich nur von den diesen Untersuchungen zu Grunde liegenden Conis nicht
myopischer Augen, wenngleich es zweifellos ist, dass auch der Conus des myopischen, mit Staphyloma
posticum behafteten Auges sich gleichartig verhält. Wie beim Bindegewebsring, so haben wir also
auch beim Conus drei verschiedene Arten zu unterscheiden.
Die erste Art des Conus stimmt in ihrem anatomischen Verhalten mit der ersten Art des Binde-
gewebsringes überein. Eine prismatische Masse derben Grenzgewebes gränzt die normal entwickelte
Chorioidea vom Sehnerven ab, die Glashaut liegt derselben dicht an oder ist nur durch einige spärliche
Gefäßchen, respective Capillaren von ihr getrennt, aber sie ist von mangelhaftem, verbildeten, pigment-
armen Epithel bekleidet, oder völlig nackt. Wie für den Bindegewebsring, so ist auch für diese Art des
Conus zu sagen, dass sie sowohl nur lateral, als auch ringförmig den Sehnerven umgebend vorkommt,
medial aber dann in letzterem Falle der Conus immer schmäler ist als lateral. Die Conusfläche ist nie breit,
sie liegt in derselben Ebene wie das angrenzende Pigmentepithel, welches oft durch einen wohl ent-
wickelten »Pigmentring« sich gegen den Conus abgrenzt. Mitunter finden wir am Innenrande des Conus
noch kleine Pigmentklümpchen als Reste des ursprünglichen Pigmentringes. Ja, wenn das Pigmentepithel
über der Conusfläche (d. i. dem derben Grenzgewebe) noch erhalten ist, erscheint dasselbe ophthalmo-
skopisch als Superposition; atrophiert es nur in der einen Hälfte, so ist ophthalmoskopisch »Conus und
Superposition« nebeneinander, je die eine Hälfte des äußeren Sehnervenrandes umfassend, sichtbar (siehe
or
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 25
Tabelle IX, Fall 28 L). Atrophiert das Pigmentepithel noch außerhalb des Bereiches der Fläche des Grenz-
gewebes im Bereiche schon normaler Ausbildung sich nähernder Chorioidea, so erscheint ein doppelter
Conus gebildet: innen hellweiß wie ein breiter Bindegewebsring, außen gefleckt, da hier, wenn auch etwas
rareficierte, Chorioidea vorliegt (siehe Fig. 2, Taf. III). Dieser atrophische Theil des Pigmentepithels grenzt
sich mitunter durch einen ganz regelmäßig gebildeten Pigmentring von dem übrigen Fundus ab; die Stäb-
chenzapfenschichte fehlt im ganzen Bereiche des Conus, also muss derselbe in ganzer Breite zum blinden
Fleck gehört haben. Ganz ausgebildet, in größerer Breite, habe ich diese Conuscombination nur in den
Augen älterer Leute anatomisch nachgewiesen, sie wäre also vielleicht als Altersconus aufzufassen. Die
Anfänge aber, Atrophie des Pigmentepithels in schmaler Ausdehnung am Sehnervenrande bei Vorhanden-
sein des geschilderten, den Bindegewebsring oder Conus darstellenden Grenzgewebes, fand ich an vielen
jugendlichen Augen, sie ist also wohl kaum als pathologische Erscheinung, sondern als eine nothwendige,
aber oft erst spät eintretende Folge der angeborenen Anomalie der Chorioidea zu bezeichnen. Ophthalmos-
kopisch kann es, wie erwähnt, äußerst schwer fallen, sie von einer circumpapillaren Aderhautatrophie zu
unterscheiden, wenn, wie ich es hier thatsächlich beobachtet habe, die Conusfläche durch regelmäßigen
Pigmentring Begrenzt ist. (Tabelle IX, Art. 1a.)
Die zweite Art des Bindegewebsringes besitzt in meinen Conusfällen keinen Repräsentanten.
Die dritte Conusart ist wieder nur eine höhere Entwicklungsstufe der dritten Art des Bindegewebs-
ringes. Die durch das frühzeitige Enden der wohl entwickelten Chorioidea-Glashaut-Pigmentepithel
freigelegte Zone der Chorioidea-Sclera ist wesentlich breiter; wie dort, so ist auch hier das Knie der
Chorioidea-Sclera von Grenzgewebe in mehr weniger dichter Lage bedeckt, welches auch durch seine
trictoriellen Eigenschaften leicht von der ersteren sich unterscheiden lässt. Das Grenzgewebe schiebt
sich fast immer noch mehr weniger weit unter die gegen die Netzhaut aufgebogene Glashaut, zwischen
sie und die zunehmend besser entwickelte Chorioidea ein, und da das Pigmentepithel in diesem Bereiche
dann rareficiert, pijgmentarm oder pigmentlos erscheint, ist der Conus wesentlich verbreitert, zerfällt meist in
zwei nicht scharf von einander zu trennende Theile: einen inneren, dem Sehnerven anliegenden, hellweißen
oder nur sehr undeutlich getüpfelten, der meist deutlich tiefer liegt, als die darüber liegenden Papillen-
gefäße, und einen äußeren, durch den Pigmentring gegen den rothen Fundus abgegrenzten, der dem schon
von Glashaut bedeckten, aber noch zum Theile durch Grenzgewebe ersetzten Randtheile der Chorioidea ent-
spricht (Conusart 3a). Wie bei der ersten Conusart, so möchte ich auch hier in der atrophischen Sichel-
bildung keinen eigentlich pathologischen Vorgang sehen, also dieselbe nicht in das Bereich der senilen
Veränderungen oder entzündlichen Vorgänge verweisen, obwohl ich sie ausgesprochen nur in den Augen
älterer Individuen beobachtet habe. Denn in ihren ersten Anfängen zeigt sie sich auch in allen Augen
jugendlicher Individuen, denen die Conusbildung eigen ist; sie ist durch die Bildungsanomalie der Chori-
oidea eingeleitet, und eigentlich pathologische Veränderungen in der Chorioidea-Netzhaut sind nicht vor-
findlich. Immerhin kann aber die atrophische Sichel in manchen Fällen als Altersveränderung auf Grund
einer Bildungsanomalie aufgefasst werden. Durch das Ophthalmoskop ist dieselbe von einer echten, ange-
borenen Conusbildung nicht zu unterscheiden, solange sie von einem regelmäßigen Pigmentring umgrenzt
ist, wie dies thatsächlich in meinen Fällen zutraf; anatomisch könnte eine besondere Rarefaction der
mittleren Netzhautschichten, besonders der äußeren Körnerschichte, wie sie wohl im Falle 27, 38 bestand,
die Annahme einer senilen Anomalie nahelegen.
Die eben gekennzeichnete Conusart erleidet durch das Verhalten der Glashaut und der mittleren Netz-
hautschichten zum inneren Durchtrittsloche verschiedene Modificationen, welche sich in folgende Gruppen
sondern lassen. Während bei dem, allerdings nur durch ein Auge (Fall 34, R.) rein vertretenen Grund-
typus die mittleren Netzhautschichten mit der Glashaut gleichzeitig endigen, das Knie der Chorioidea-
Sclera also nur durch Sehnervengewebe gedeckt ist, treten in der ersten Modification, 3a, die mittleren
Netzhautschichten, und zwar die Ganglienzellenschichte voran, etwas über den schon durch Grenzgewebe
aufgebogenen, nackten Rand der Glashaut achsenwärts vor, ohne jedoch den vorspringenden Rand des
Kniees zu erreichen; die peripheren Nervenfaserbündel ziehen über dieses hinweg chorioidalwärts, biegen
256 Anton Elschnig,
dann scharf hakenförmig wieder achsenwärts um, um mit einer neuerlichen Schlinge die mittleren Netz-
hautschichten zu umkreisen. Die Spitze der ersten Schlinge kann hiebei in den Rand der Glashaut oder
zwischen ihn und das darunterliegende Grenzgewebe fallen. (Siehe Textfigur 10 auf Seite 23.)
Die zweite Modification dieser Conusart erscheint als eine einfache graduelle Steigerung der sub 3a
beschriebenen Art des Bindegewebsringes: das Knie der Chorioidea-Sclera ist in ganzer Breite oder noch
darüber hinaus achsenwärts vorreichend, von superponierten mittleren Netzhautschichten bedeckt, welche
nur zum Theile noch der Glashaut aufliegen, zum Theile dichten und reichlichen chorioidalen Laminabalken;
der Randtheil derGlashaut, durch Grenzgewebe (respective die aus ihm ausstrahlenden chorioidalen Lamina-
balken) gegen das Bulbusinnere aufgehoben, ist von rareficiertem, pigmentlosen Epithel bekleidet; von
der Breite der epithelarmen Zone hängt dann in letzter Linie die Breite des Conus ab, der wieder im
Bereiche des Kniees hellweiß, im Bereiche der wenn auch etwas rudimentären Chorioidea dunkel gefleckt
ist. Wieder kann ich die Rarefaction des Pigmentepithels nicht als eine pathologische, als eine Alters-
veränderung auffassen, da sie sich schon bei je einem Individuum im Alter von 29 Jahren (Fall 26),
35 Jahren (Fall 25) und 53 Jahren (Fall 31 L.) findet. (Siehe Textfigur 8 und 11.)
An einigen Sehnerven mit Conusbildung (respective Bindegewebsring) findet sich eine Bildungs-
anomalie, die ich in ausgeprägter Weise in einem Falle von Randcolobom des Sehnerven gefunden. habe,
die aber bisher meines Wissens noch nicht beschrieben wurde. Während der Rand der Glashaut bei den
Conusfällen meist durch vordringendes Grenzgewebe, respective die daraus ausstrahlenden Züge der
chorioidalen Lamina aufgebogen ist, tritt in manchen Fällen an dessen Stelle ein eigenthümliches Binde-
gewebe, dem große, blassgefärbte, ovale Kerne und spärlichste, rundliche Pigmentzellen eingelagert sind
und das mit dem Rande der mittleren Netzhautschichten in inniger Verbindung steht. Es liegt, keilförmig
zwischen Glashaut und Chorioidea propria vordringend, der Glashaut direct an, da in seinem
Bereiche die Choriocapillaris fehlt, und hängt mit dem Grenzgewebe, respective der chorioidalen Lamina
zusammen, während die Chorioidea sich deutlich davon abgrenzt (Fall 31 R., 29 R., 34, 36, 41; ferner
fand ich es voll entwickelt in einem Conus eines myopischen Auges). Es handelt sich hier allem
Anscheine nach um eine Ausstülpung der Netzhautanlage in die Chorioidea bei der Bildung des Seh-
nerveneintrittes, analog wie ich ähnliche Netzhautausstülpungen in den Sehnerven, respective in die Pial-
scheide zurückreichend an zwei Sehnerven emmetropischer Augen fand; es sind rudimentäre Colobom-
bildungen.
Es ist wohl kaum nöthig, noch ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die einzelnen Conusformen
nicht immer ganz scharf ausgeprägt vorliegen, dass die verschiedensten Übergangsformen vorkommen,
sowie wir ja überhaupt kaum jemals zwei vollkommen gleiche Sehnervenpapillen finden, nicht einmal an
einem und demselben Individuum. Mitunter finden wir sogar an einem und demselben Sehnerven ver-
schiedene Conusformen combiniert, in den sichelförmigen Hörnern des Conus kann die Lagerung der
Chorioidea-Netzhaut zum Sehnerven eine ganz andere sein, als entprechend der größten Breite des Conus,
Die erste Form des Conus-Bindegewebsringes kann durch leichtes Zurücktreten der Glashaut vom Seh-
nerven der dritten sich nähern, die dritte durch stärkere Vorlagerung der Netzhaut in den Sehnerven
ebenso wie die erste der zweiten Conusform ähnlich werden u. s. f. So ist auf Taf. VII, Fig. 1, ein Schnitt
durch die untere Papillenhälfte eines Sehnerven mit Conus Art 3 abgebildet, der in seiner Mitte eine
Cursbildung analog der in Fig 1 und 2, Taf. VI, abgebildeten darbietet. Auch kann sich an demselben
Sehnerven medial Bindegewebsring Art 2, lateral Art 3 finden (Fall 9) u. s. f.
Da immerhin eine abnorme Dehnbarkeit der Sclera an der dem Conus entsprechenden Hälfte des
hinteren Bulbusabschnittes als mit der Conusbildung in irgend einem ursächlichen Zusammenhang stehend
angesehen werden könnte, will ich hier noch kurz däs Verhalten des Zwischenscheidenraumes und der
Sclera am Sehnerveneintritte zusammenfassend erwähnen. Es kommt hier nicht sowohl auf die absoluten
Maße an, als auf das Verhältnis der einzelnen Maße der medial und der lateral vom Sehnerven befindlichen
Regionen: die größte Conusbreite lag ja in allen meinen Fällen lateral oder nur etwas nach unten vom
horizontalen Meridiane des Auges. An 15 Augen mit Conus — Art 3; nur diese verdient natürlich hier
SI]
ID
en
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges.
berücksichtigt zu werden — war der Zwischenscheidenraum medial vom Sehnerven 9mal, und zwar fast
immer sehr beträchtlich, weiter, 3mal, und nur in geringem Grade, enger als lateral, 3mal gleichweit. Die
Dicke der den Zwischenscheidenraum abschließenden Scleralportion war medial 8mal größer, 4mal kleiner
als lateral, dreimal ebensogroß. Im Vergleiche hiezu führe ich an, dass an den Augen ohne Conusbildung
in ungefähr der Hälfte der Fälle der Zwischenscheidenraum medial und lateral gleichweit war, in der
anderen Hälfte dagegen lateral weiter als medial. Die Dicke der den Fornix des Zwischenscheidenraumes
abschließenden Sclera war wieder in der Hälfte der Fälle medial geringer als lateral. Nimmt man von allen
Fällen das arithmetische Mittel, so ergibt es sich, dass durchschnittlich an den Conusaugen die Sclera an
der genannten Stelle lateral dünner ist als medial, an den Augen ohne Coni (oder Bindegewebsringe)
dagegen lateral dicker als medial. Die Dicke der Sclera unmittelbar außerhalb des Duraansatzes war in
allen Fällen lateral größer als medial (ausgenommen je ein Auge mit und ohne Conus, in denen die Dicke
dieselbe war), und zwar verhalten sich die Durchschnittsmaße ungefähr wie 10:8°5.
Wir haben nun noch die Frage zu studieren, welches Gewebe eigentlich die ophthalmoskopische
Erscheinung des Bindegewebsringes, respective Conus liefert. Für die erste Art besteht wohl keinerlei
Zweifel. Durch das Fehlen des Pigmentepithels im Randtheile der Glashaut, soweit derselbe dem dichten
Grenzgewebe aufliegt, ist das letztere selbst gegen das Bulbusinnere freigelegt und erscheint, wenn es
pigmentlos ist, hellweiß, wenn es etwas Pigment führt oder noch, wie dies wiederholt zu sehen ist, am
Rande der Glashaut pigmenthaltige Epithelzellen vorhanden sind, etwas dunkel gefleckt.
Bei der zweiten Art Bindegewebsring sind es die aus dem Grenzgewebe ausstrahlenden chorioidalen
Laminabalken, welche die helle Farbe des Bindegewebsringes liefern. Es scheint also diese Form ungefähr
mit Schnabel-Herrnheiser’s ringförmigem Conus in seiner Art übereinzustimmen.
Nicht ganz so eindeutig scheinen die Verhältnisse bei der dritten Art und ihren Modificationen.
Bei der ersten Unterart sehen wir das von Grenzgewebe bedeckte Knie der Chorioidea-Sclera (d.h.
der Sclera und der rudimentären Chorioidalanlage, durch reichliche Pigmentzellen und einzelne Gefäße
erkennbar) gegen das Bulbusinnere freiliegen. Nur in Fällen, in denen das Grenzgewebe sehr dicht ist, dürfte
dieses allein die helle Farbe des Bindegewebsringes (worunter ich in den nächstfolgenden Erörterungen
auch den hellweißen, inneren Antheil der gleichartig bedingten Conusfälle verstanden denke) erzeugen.
In den Fällen, in denen es weniger reich entwickelt ist, erscheint der Bindegewebsring dunkel getüpfelt;
es muss also die weiße Farbe vorzüglich durch das tiefliegende Bindegewebe der Sclera erzeugt sein, da
wir sonst nicht die Pigmentzellgruppen der rudimentären Chorioidea des Knies als dunkle Tüpfel auf hellem
Grunde sehen könnten; die Tüpfel werden natürlich umso undeutlicher, umso heller grau erscheinen, je
dicker und dichter die sie bedeckende Schichte des Grenzgewebes ist.
In den beiden Unterarten 3a und 35 ist das Knie der Chorioidea-Sclera zum Theile oder ganz von
den aus dem Chorioidalrande (respective dem daselbst befindlichen Grenzgewebe) ausstrahlenden chorioi-
dalen Laminabalken, der nackten Glashaut und den mittleren Netzhautschichten bedeckt. Die letzteren
tragen natürlich nicht zur Färbung des Bindegewebsringes (respective Conus) bei, und es ist daher nur die
Frage, ob die chorioidalen Laminabalken, welche das Knie decken, mit für das ophthalmoskopische Bild
des Bindegewebsringes verantwortlich gemacht werden sollen. Ich glaube ja, und zwar umsomehr, ne
dichter sie sind; allein erzeugen sie nicht den Bindegewebsring, da wieder auf dem hellen Grunde die
dunkeln Tüpfel, welche nur von der rudimentären Chorioidalanlage erzeugt sein können, mehr weniger
deutlich sichtbar werden.
Die dunkelgrau gefleckten Coni, resp. die äußeren Theile der »doppelten« Coni werden dadurch
gegeben, dass im Bereiche des meist noch etwas rudimentären Beginnes der Chorioidea als vollkommener
1 Der während der Drucklegung dieser Arbeit erschienene »Durchschnitt des menschlichen Auges« von Salzmann (Magnus’
U.T., Heft XVIII) zeigt seltsamerweise medial und lateral vom Sehnerven dieselbe Dicke der Sclera. Ich komme später in einer
Anmerkung hierauf zurück.
258 Anton Elschnig,
Membran (also außerhalb der Kniebildung, respective des Grenzgewebes) das Pigmentepithel der Netzhaut
rareficiert, atrophiert ist, nur sehr dürftige und mangelhaft pigmentierte Epithelzellen die Glashaut von
den mittleren Netzhautschichten trennen. Dadurch sieht der Ophthalmoskopiker auf dem weißen Grunde
der Sclera die Gefäße und Pigmentinseln der Chorioidea.
Wie also zu ersehen ist, ist die anatomische Grundlage des Bindegewebsringes in allen Fällen
ein dichtes, die Chorioidea von dem Sehnerveneintritte trennendes Bindegewebe, von mir als Grenzgewebe
bezeichnet, welches entweder durch allzufrühzeitiges Enden der Glashaut mit Pigmentepithel, oder in
sehr zahlreichen Fällen durch Schwund des Pigmentepithels in jenem Bereiche, in dem die Glashaut
diesem Grenzgewebe aufliegt, gegen das Bulbusinnere freigelegt ist. Ich halte es für sicher, dass in
allen Fällen, wenn das Grenzgewebe dünn ist und die Chorioidea als solche frühzeitig endet, bei der
Augenspiegeluntersuchung der weiße Reflex, der von diesem Grenzgewebe ausgeht, noch durch das
durchscheinende Scleralgewebe wesentlich verstärkt wird; in keinem Falle jedoch sind wir berechtigt, den
Bindegewebsring mit dem Namen »Scleralring« zu belegen, nachdem wenigstens unter meinen Fällen sich
keiner fand, in dem der Bindegewebsring durch vollständiges Freiliegen der Sclera bedingt war. Der Name
»Scheidenring« hat nur bedingte Geltung. Sieht man in dem Grenzgewebe, das der Sclera-Chorioidea
aufliegt, das die Chorioidea vom Sehnerven trennt, der nackten Glashaut oder den vorgeschobenen
mittleren Netzhautschichten zur Unterlage dient, und aus dem die vordersten, oft derben chorioidalen
Laminabalken entspringen, das vordere Ende der Pialscheide, so hätte man die Berechtigung, den Binde-
gewebsring »Scheidenring« zu nennen, obwohl seine weiße Farbe meist durch den tiefen Reflex der Sclera
unterstützt wird. Wie ich in dem rein histologischen Theile dieser Abhandlung näher ausführe (S. 49),
hat dieses Grenzgewebe wohl gewiss einen Zusammenhang mit der Pialscheide, enthält sehr häufig
deutlich nachweisbare Pialbalken; es scheint mir aber doch nicht gerechtfertigt, es ohne weiteres als Pial-
scheide zu bezeichnen. Ich halte es daher für am besten, wie man den Namen »Scleralring« fallen lassen
muss, auch den Namen »Scheidenring« fallen zu lassen und nur die Bezeichnung »Bindegewebsring« fest-
zuhalten, welche in keiner Weise präjudicierend die thatsächliche Grundlage des weißen Ringes oder
Halbringes am Sehnerveneintritte angibt.
Conus und Bindegewebsring haben also dieselben anatomischen Grundlagen, unterscheiden sich in
ihren Arten nur durch quantitative, nicht durch qualitative Momente. Aber aus dem Bindegewebsringe
scheint häufig dadurch, dass mit der Bildungsanomalie sich Atrophie des angrenzenden Pigmentepithels
verbindet, ein Conus zu entstehen, wie dieser auch durch einfache Wachsthumsteigerung aus dem Binde-
gewebsringe entstehen kann. Diese Atrophie, welche den einfachen Bindegewebsring oder schmalen Conus
in einen doppelten (d. i. innen hellweißen, außen gefleckten, graulichen) Conus umwandelt, scheint aber
durch die Bildungsanomalie, durch die damit bedingte mangelhafte Ernährung des Pigmentepithels von
Seiten der mangelhaft ausgebildeten Chorioidea bedingt zu sein, also nur als Folge der Bildungsanomalie,
nicht als eigentlich pathologischer Vorgang anzusprechen sein. Bevor ich aber auf die Frage der Ätiologie
des Bindegewebsringes oder des Conus näher eingehe, will ich noch kurz die anatomische Erscheinung
der auch ophthalmoskopisch so häufig nachweisbaren »Superposition des Pigmentepithels« be-
sprechen.
Aus meinen anatomischen Befunden ergibt es sich, dass das ophthalmoskopische Bild der Super-
position dann in Erscheinung tritt, wenn ein mehr weniger breiter Randtheil des Pigmentepithels mit
Glashaut am Rande des Sehnerven nicht normal ausgebildeter Chorioidea, sondern einem — beliebig wie be-
schaffenen — Grenzgewebe aufliegt. Je lockerer das Grenzgewebe ist, je mehr der genannte Randtheil des
Pigmentepithels von der Sclera-Chorioidea abgehoben ist oder je weiter er über den Sehnervenquerschnitt
achsenwärts vorgeschoben ist, umso deutlicher erscheint er bei schwacher Pigmentierung in ganzer Fläche,
bei starker nur an dem immer weniger pigmentierten äußeren Rande bei indirecter Beleuchtung trans-
parent; häufig ist an diesem äußeren Rande ein zweiter Pigmentring ausgebildet. Atrophiert dann — auf
Grund der angeborenen Anomalie, der mangelhaften Entwicklung der Chorioidea, speciellChoriocapillaris —
die superponierte Partie, so liegt das Grenzgewebe (resp. Knie der Chorioidea-Sclera) gegen das Bulbus-
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 259
innere frei, aus der Superposition hat sich ein Bindegewebsring, respective schmaler Conus entwickelt
Dadurch, dass ich dies an mehreren Augen nebeneinander vorkommend gesehen, erhebt sich dieser
geschilderte Entwicklungsgang wohl über den Wert einer bloßen Hypothese, er ist als erwiesen anzu-
erkennen. Die Superposition ist also thatsächlich unter Umständen die Primitivform des Conus, wie dies
v. Jaeger angegeben. Die Superposition muss also durchaus nicht immer in einer thatsächlichen Über-
lagerung des Pigmentepithels über den Sehnervenquerschnitt bestehen; sie ist ophthalmoskopisch und
anatomisch auch bei Anwesenheit jener Art der Conus-, respective Bindegewebsringbildung sichtbar, wo
die Glashaut mit Pigmentepithel erst außerhalb des Randes der Chorioidea-Sclera beginnt, sobald nur hier
wieder der erstere von der Sclera nicht durch normale Chorioidea, sondern durch Grenzgewebe geschieden
und abgehoben ist; hier liegt die Superposition also erst außerhalb des Papillenrandes, den Conus,
respective Bindegewebsring begrenzend. Das Pigmentepithel ist nicht dem Sehnerven, sondern der Conus-
fläche »superponiert«.
Die in vielen Typen des normalen Sehnerveneintrittes in der medialen Hälfte desselben vorfindliche
Überlagerung des Sehnervenquerschnittes durch spornartig ausgezogene Chorioidea+Glashaut+Pigment-
epithel ist mefSt ophthalmoskopisch überhaupt nicht sichtbar, weil das darunter und darüberliegende Seh-
nervengewebe daselbst zu dicht ist, als dass der Reflex von der scleralen Lamina noch den Superpositions-
sporn zu durchleuchten vermöchte.
Wie bei der physiologischen Excavation, so ergibtessich auch für den Bindegewebs-
ring und den Conus schon aus der einfachen Betrachtung der histologischen Verhält-
nisse, dass dieselben auf Anomalien bei der Bildung des Auges zurückzuführen sind.
Die von den gewöhnlichen Verhältnissen abweichenden Bindegewebsbildungen allein im Vereine mit
der dadurch bewirkten besonderen Verlaufsart der peripheren Nervenfaserbündel verbieten die Annahme,
dass wir es hier mit durch irgendwelche noch geheimnisvolle, oder schon — wenigstens den Schöpfern ent-
sprechender Zerrungstheorien — bekannte Zugkräfte bewirkten Veränderungen zu thun haben, wenn
auch die topographischen Verhältnisse der Augenmembranen und des Sehnerven an dessen Durch-
tritte durch die ersteren manchmal den Schein einer derartigen Möglichkeit offen lassen. Um auch für diese
Fälle — und es kann sich hier wohl nur um die als dritte Hauptart des Conus und Bindegewebsringes
beschriebene Form handeln — diesen Einwand zu entkräften, respective die Anwendung der für den
identisch beschaffenen Conus des myopischen Auges bestehenden und sehr angesehenen Zerrungstheorie
auf unsere Coni des emmetropischen und hypermetropischen, damit natürlich auch des myopischen Auges
unmöglich zu machen, werde ich die Ätiologie derselben etwas näher zu beleuchten suchen, wiewohl die
Widerlegung der Zerrungstheorien für den Conus im myopischen Auge in überzeugender Weise bereits
durch Schnabel und Herrnheiser besorgt wurde.
Derjenige Umstand, welcher wohl hauptsächlich dazu geführt hat, den Conus des myopischen Auges
auf eine Zerrung, Verschiebung der Chorioidea zum, respective über dem Durchtrittsioche der Sclera
zurückzuführen und welcher dann verleiten könnte, dasselbe auch für unsere Coni nicht myopischer
Augen zu thun, ist wohl der, dass bei der genannten Conusart der sclerale Antheil (Sclera-Chorioidea) des
Durchtrittscanales ein gegen den Sehneven zu sehendes Knie bildet, welches durch frühzeitiges Enden
der Glashaut der Chorioidea mit Pigmentepithel, respective des eigentlichen Chorioidalstromas gegen den
Sehnerven freigelegt, eigentlich aber von ihm durch eine verschieden dichte Lage eines mehr weniger
dichten »Grenzgewebes« getrennt ist. Es war und ist ungemein bequem, dies Verhalten in der Weise ent-
stehen zu lassen, dass irgend eine Kraft die Chorioidea vom Sehnerven zurückgezogen habe. Der weitere
Umstand, dass in dem »Knie« die Chorioidea, rudimentär entwickelt, enthalten, durch Grenzgewebe, das
mit der Membrana vitrea chorioideae in Beziehungen tritt, bedeckt ist, erleichtert diese Aufstellung einer
»Umkiappung des Scheidenfortsatzes« u. dgl. Ohne mich auf eine ausführlichere Kritik und Widerlegung
dieser ja nur für den Conus des myopischen Auges aufgestellten Hypothesen einzulassen, will ich ver-
suchen, an der Hand des anatomischen Befundes jene Auffassung von der Genese des Conus in den
von mir untersuchten nicht myopischen Augen darzulegen, welche sich mir aus dem Studium der Präparate
Denkschriften der mathem.-naturw. C1. LXX. Bd. 34
en y
260 Anton Elschnig,
aufgedrängt hat. Ich bemerke nur noch, dass ich im Folgenden den Bindegewebsring und Conus
identificiere, wie es sich ja aus der anatomischen Beschreibung schon ergeben hat, und daher kurzweg vom
Conus spreche, aber immer in diesem Begriffe auch den entsprechend gleichartigen Bindegewebsring ein-
bezogen denke.
Ich beginne mit der ersten und zweiten Art des Bindegewebsringes oder Conus. Diese ist anatomisch
dadurch begründet, dass zwischen den Rand der Chorioidea und den Sehnerven ein bald derbes, sclera-
ähnliches, bald parallelfaseriges und dann über den Rand des Scleralloches an der betreffenden Stelle in
den Sehnervenquerschnitt vorgeschobenes, von den peripheren Sehnervenfasern umkreistes Grenzgewebe
eingeschaltet ist, das zwar von der Glashaut der Chorioidea in ganzer Breite oder fast ganzer Breite noch
bekleidet ist, aber dadurch bei ophthalmoskopischer Untersuchung hellweiß erscheint, da die betreffende
Stelle der Glashaut kein normales Pigmentepithel trägt. Dass dieses Bindegewebe kein »Zerrungseffect«
sein kann, ist wohl eindeutig. Seine Entstehung ist auf embryologische Verhältnisse zurückzuführen.
Kuhnt (31) hat nachgewiesen, dass im 6. Monate und Beginne des 7. »sich gewöhnlich zwischen
dem Rande des Sehnerven und derin dieinnerste Sclera und Chorioidea sich verlierenden
Pia ein verschiedenartig gestalteter Raum vorfindet. Derselbe hebt meist spaltartig an
und verbreitert sich nach vorne, wo die vorspringende Lamina elastica ihn gegen das
Augeninnere abgrenzt«. Die Chorioicapillaris und noch mehr die Schichte der kleinen Gefäße enden
vor dem Rande der Glashaut. Dieser Spaltraum verschwinde dann durch reichliche Gefäßeinstülpung von
der Chorioidea und Sclera aus in den Sehnervenstamm, wodurch die innersten Bündel der scleralen und
die der chorioidalen Lamina aufgebaut werden. Thatsächlich finden wir auch in Sehnerven ohne jede
Conusbildung gewöhnlich die Chorioidea durch eine, aber ganz dünne Schichte Grenzgewebe (siehe unten)
bedeckt und ist es außerordentlich wahrscheinlich, dass die diese Conusform bildende größere Binde-
gewebsmasse dadurch sich bildet, dass zufolge relativ zu großer Weite des Chorioidalloches bei der An-
lage der Sehnerven eine mächtigere Bindegewebsbildung nothwendig ist, um die unerlässliche Verbindung
zwischen der Chorioidea-Sclera und dem Sehnerven herzustellen. Dass diese Verbindung auch ausbleiben
kann, lehren die interessanten rudimentären Colobombildungen, die ich an zwei sonst normalen Sehnerven
fand, darin bestehend, dass eine taschenförmige Einstülpung einer rudimentären Netzhautanlage am Rande
der Chorioidea ın den Sehnerven, respective zwischen Sehnerven und Pialscheide bestand!. Obwohl diese
Conusbildung also unbedingt als angeborene, fötale Entwicklungsanomalie anzusehen ist, scheint sie doch
gewöhnlich noch nicht im Neugeborenen oder Kinde sichtbar zu sein. Im Bereiche der Stelle, wo die
Glashaut dem Keile des Grenzgewebes aufliegt, hat dieselbe anfänglich ein normales oder meist sogar
besonders dicht pigmentiertes, großzelliges Pigmentepithel — es ist daher ophthalmoskopisch, wie dies
oben angeführt wurde, eine Superpositon des Pigmentepithels sichtbar. Zufolge mangelhafter
Ernährung, welche diesem Pigmentepithel wohl deshalb zu Theil wird, weil die Chorioidea in diesem
Bereiche nur äußerst rudimentär entwickelt ist, die Choriocapillaris meist ganz fehlt, schwindet sehr früh-
zeitig diese superponierte Epithelssichel, und die bindegewebige Unterlage der Glashaut wird als weiße
Sichel deutlich dem Ophthalmoskopiker sichtbar. Ich muss also v. Jaegers aus ophthalmoskopischen
Beobachtungen gewonnener Überzeugung zustimmen, dass thatsächlich die Superposition die Primitiv-
form des Conus sein könne, mit der Einschränkung, dass dies nur bezüglich der eben in Rede stehenden
Conusarten gilt. Diese sind also als aus angeborener Entwicklungsanomalie hervorgegangene, intra
vitam in ihrer eigentlichen Form sichtbar gewordene Erscheinungen anzusehen. Da die mangelhafte
Ausbildung der Chorioidea, welche nach dem Gesagten als Urgrund dieser Conusbildung zu bezeichnen
ist, meist auch noch in etwas größerer Breite am Sehnervenrande, anstoßend an den Keil des Grenz-
gewebes, bemerkbar ist, darf es nicht wundernehmen, wenn das Pigmentepithel auch im Nachbar-
1 Die Fälle stellen geringere Entwicklungsstadien jener Colobombildungen dar, wie sie z. B. von Goerlitz (Untersuchung
eines sogenannten Coloboma nervi optiei: Archiv für Augenheilkunde XXXV, S. 219, 1897) beschrieben worden. Ich gedenke über
meine Fälle, die Unica darzustellen scheinen, wegen ihrer principiellen Wichtigkeit demnächst an anderer Stelle zu berichten.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 261
bereiche des eigentlichen Conus häufig, ja nahezu gesetzmäßig schon im früheren Lebensalter des
Individuums atrophiert und dadurch dann ein doppelter Conus in Erscheinung tritt, der aber, da seine
Bildung auf Grund angeborener Anomalie und oft schon frühzeitig erfolgt, nicht als pathologische, nicht
als Altersveränderung angesprochen werden soll.
j Ganz anders steht es mit der dritten Conusart, wenngleich auch hier häufig dieselbe Anomalie des
Sehnerveneintrittes, die zur Entwicklung einer größeren Masse von Grenzgewebe führt, ursprünglich
bestanden haben muss. Der principielle Unterschied besteht darin, dass hier die Glashaut der Chorioidea
mit Pigmentepithel vom Sehnervenrande zurücktritt, dadurch die Sclera-Chorioidea, von mehr weniger
dichtem Grenzgewebe bedeckt, gegen das Augeninnere freiliegt. Diese Conusform, die einzige bisher
genauer anatomisch bekannte, ist allerdings wie geschaffen dazu, zur Aufstellung von Zerrungshypothesen
für den Conus des myopischen Auges anzureizen. Es ist für die Erfinder derselben bedauerlich, dass
anatomisch nachweisbare Veränderungen, wie sie als Folge irgendwelcher Zugwirkungen doch auftreten
müssten, Faltenbildungen, Dehiscenzen u. Ss. f., an den Augenmembranen nicht auffindbar sind.
Die zahlreichen Varianten dieser Conusart und die Combination derselben mit einer der früher
beschriebener# sowie die dabei öfters beobachteten Bildungsanomalien können unser Vertrauen in die
Richtigkeit der Hypothesen nicht stärken. Ich glaube die Entstehungsursache unserer jetzt in Rede
stehenden Conusform nicht in mechanischen und dynamischen, sondern in Wachsthumsvorgängen in Ver-
bindung mit und beeinflusst durch Bildungsanomalien suchen zu müssen, respective in der Combination
beider. Es ist wohl zweifellos richtig, dass das Wachsthum jedes einzelnen Theiles der Augenhäute, sowie
der Theile jedes einzelnen derselben auf Grund der ihm bei der Bildung des Auges gegebenen anatomischen
Beschaffenheit erfolgt, dass also schon durch die Anlage des Auges das spätere normale Flächenwachs-
thum der Sclera, Chorioidea, Netzhaut und jedes einzelnen Stückes derselben, damit also die Augenform
überhaupt bestimmt ist. Mit jener mangelhaften Ausbildung des Durchtrittscanales des Sehnerven, welche
zur massenhaften Entwicklung eines Grenzgewebes an einer Hälfte desselben zwischen ihm und Chori-
oidea führt, scheint sich nun eine verminderte Wachsthumsenergie der Chorioidea derselben Seite zu ver-
binden, der zufolge die dritte Conusart auftritt, und zwar in folgender Weise. Wenn während der beim
Wachsthume des in seinem Bau vollendeten fötalen Auges erfolgenden Flächenvergrößerung der Augen-
membranen die Chorioidea und die in ihrem Wachsthume von dieser abhängige Netzhaut der äußeren
Bulbushälfte im Wachsthume zurückbleibt, so muss nothwendig am Sehnerveneintritte eine gegenseitige
Verschiebung der Chorioidea und Sclera platzgreifen, in dem Sinne, dass das Chorioidalloch (respective
innere Durchtrittsloch) über dem äußeren Durchtrittsloche gegen den Ort der schwächsten Flächenver-
größerung der Chorioidea, also in dem gewählten Beispiele nach außen, verschoben wird; die Achse des
intraocularen Sehnervenstückes wird dabei, wie wir es ja thatsächlich im anatomischen Präparate sehen,
an ihrem inneren Ende lateralwärts gebogen oder geneigt, medial ragt ein mehr weniger breiter »Chorioi-
dalsporn« über den Sehnerveneintritt vor. Das vorher von der Membrana vitrea chorioideae bedeckte,
im Durchtrittscanale gelegene Grenzgewebe wird allmählich an der dem Chorioidalsporne gegenüber-
liegenden Seite der zurückweichenden Glashaut der Chorioidea nachfolgen und so immer mehr den
rudimentären hinteren Chorioidalschichten, welche mit der Sclera knieförmig freigelegt werden, parallel
gelagert werden, beide zudecken und im »Conus«, der nunmehr gebildet ist, gegen das Augeninnere
zu bloß liegen, respective nur von dem mit dem Grenzgewebe in Zusammenhang befindlichen Sehnerven-
gewebe bedeckt seın. Wenn ich also auch die Bildung des Conus in nuce bereits in die Entstehungs-
zeit des Auges als solches verlegen zu müssen glaube, so halte ich es doch nicht für unbedingt sicher,
dass der Conus im Neugeborenen immer schon fertig entwickelt ist. Erfolgt doch im extrauterinen Leben
eine verhältnismäßig mindestens ebenso große Vergrößerung des Auges als im Fötus. Der Conus kann
also im extrauterinen Leben nicht nur wachsen gleichmäßig mit dem Wachsthume des Sehnervenein-
trittes und des Auges überhaupt, sondern auch unverhältnismäßig mehr, ja er kann auch erst im extra-
uterinen Leben überhaupt sichtbar werden.
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Anton Elschnig,
Verbindet sich mit dieser Wachsthumsanomalie der Chorioidea eine entgegengesetzte der Sclera (die
Scleralschichten, besonders die äußeren, erfahren in der äußeren Bulbushälfte eine besonders lebhafte
Flächenvergrößerung, in der inneren eine zum Flächenwachsthume der Chorioidea unverhältnismäßig
geringe), so äußert sich dies auch nothwendig in der Art der Einpflanzung der Sehnervenscheiden in das
Auge, der Zwischenscheidenraum bleibt lateral eng, die Dura geht unmittelbar an den Sehnerven ange-
schlossen in die Sclera über; medial dagegen rückt der Ansatz der Dura an die Sclera vom Sehnerven ab;
das vordere Ende des Zwischenscheidenraumes wird buchtig, rechteckig erweitert und vergrößert sich die
Fläche der inneren Scleralschichten bei eventuellem Fehlen der äußeren besonders stark. Die volle Gesetz-
mäßigkeit, in der diese Vorgänge miteinander verbunden sind, erlaubt es, beiden eine gemeinsame Ent-
stehungsursache zuzuschreiben. In dem höchsten Entwicklungsgrade findet sich der Conus, und wieder
gesetzmäßig damit verbunden die Formanomalie des Zwischenscheidenraumes am myopischen Auge, und
für dieses hat Schnabel und Herrnheiser das Bestehen einer weiteren Bildungsanomalie nachgewiesen;
ein Fehlen der äußeren Sclerallagen besonders in der Umgebung des Opticus, häufig auch nur auf einer,
dem Conus entsprechenden Seite besonders auffallend. Für die Annahme, der Conus entstehe durch
mangelhafte Ausbildung und mangelhaftes Flächenwachsthum der Chorioidea-Netzhaut an einer Bulbus-
hälfte, spricht auch der Umstand, dass eine Verschiedenheit des Flächenwachsthums einzelner Theile der
inneren Augenhäute thatsächlich nachgewiesen ist. Die Mitte der Macula lutea ist im Auge des
Erwachsenen ebensoweit vom Sehnervenrande entfernt, als im Auge des Neugeborenen
(Merkel und Orr, 32). Die genannten Forscher haben auch nachgewiesen, dass die Gestalt des Auges
des Neugeborenen eine derartige ist, dass im Vergleiche mit dem bis zur Größe desselben
verkleinerten Auge des Erwachsenen die mediale Hälfte (vom Sehnervenbiszum medialen
Hornhautrande) die gleiche Größe besitzt, die laterale dagegen beträchtlich größer ist. »Es
wächst also bei weiterem Wachsthume des ganzen Körpers die mediale Hälfte in gleicher
Proportion zum Wachsthume des ganzen Körpers, die laterale bleibt zurück.« Der Sehnerv
ist der stabile Punkt, die Hornhaut ändert ihre Lage und Neigung zur Augenachse. Es ist im Hinblicke
darauf erklärlich, weshalb der Conus seinen Sitz am häufigsten am lateralen Papillenrande hat.
Diese Conusart findet sich aber auch am medialen Sehnervenrande und — zwar nicht unter meinen
Fällen — nach allen anderen Richtungen, wenn auch ungleich seltener. Den medialen Conus (respective
Bindegewebsring) muss ich auf Grund meiner Fälle in derselben Weise entstanden erklären, wie den
lateral gelegenen: durch relativ zu geringes Flächenwachsthum der Chorioidea in der medialen Bulbus-
hälfte.
Dass zur Entstehung dieser Conusform aber auch Bildungsanomalie der Chorioidea-Netzhaut, respec-
tive des Sehnerveneintrittes verantwortlich zu machen ist, beweisen meines Erachtens die so häufig dabei
beobachteten Bildungsanomalien derNetzhaut-Chorioidea und der bizarre Verlauf der Nervenfasern über den
Conus. Wir haben in 5Conusfällen eine congenitale Netzhautausstülpung in dieChorioidea entsprechend der
größten Conusbreite gefunden; in fast allen Fällen ist der Verlauf der periphersten Nervenfasern im Conus-
bereiche ein ganz auffallender und nicht durch Zugwirkungen erklärlicher: sie bilden, oft unter die Chori-
_oidea, oft unter die Netzhaut zungenförmig vordringend, ein Knie, dessen Spitze bald in die Chorioidea,
bald in die Glashaut, bald wieder zwischen sie und Netzhaut fällt; sie weichen den derben, vordersten,
chorioidalen Laminabalken aus oder durchbechen sie u. s. f. Dasselbe gilt bezüglich der verschiedenen
Endigungsarten der Netzhaut an der Circumferenz des Sehnerven; bald endigen die mittleren Netzhaut-
schichten senkrecht abgeschnitten am Rande der Glashaut, bald sind sie weit über den Conus, respective
das dann oft massig entwickelte Balkenwerk der chorioidalen Lamina gegen die Mitte des Sehnerven vor-
geschoben, einmal voll entwickelt, das anderemal nurin rudimentärer Form, und alles dies bei der gleichen
1 Siehe S. 291: »Die Fovea centralis fanden wir(i. e. im Auge des Neugeborenen) zu unserer Überraschung
genau ebensoweit von der Mitte des Sehnerveneintrittes entfernt, wie beim Erwachsenen, woraus hervorgeht,
dass ein Wachsthum zwischen diesen beiden Punkten im späteren Leben nicht mehr stattfindet«.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 263
Conusform in verschiedenen Augen in vollständiger Verschiedenheit, anderseits auch in demselben Auge
an verschiedenen Stellen! Gerade diese so wechselvollen Verhältnisse bei relativer Constanz des Grund-
typus ds Conus beweisen, dass immer schon eine Bildungsanomalie vorliegt in jenen Augen, in welchen
es zur Entstehung eines Conus kommt. Welche Varianten in der »Zerrungsrichtung«, in den Angriffs-
punkten der »Zerrung«, in der Art der »zerrenden« Kraft wären nöthig, um auch nur die Entstehung
einzelner dieser Bilder einigermaßen verständlich zu machen! Die Zerrungshypothesen konnten nur
solange einigen Ansehens sich erfreuen, als man auf Grund einiger weniger, vielleicht zufällig thatsächlich
übereinstimmender Befunde die Genese des Conus für alle existierenden Conusformen im Sinne einer
Schablone auffinden zu müssen glaubte. Bis zu welchem Absurdum dies schließlich führte, kann man
daraus ersehen, dass man es auszusprechen wagte: die Glashaut der Chorioidea mit Pigmentepithel werde
— entsprechend der größten Conusbreite — unter der Netzhaut weggezogen! Man musste also eine
andauernde Function der Stäbchenzapfenschichte mit einer beständigen Verschiebung der Außenglieder
derselben gegen die Pigmentepithelzellen — der Conus wächst ja bei der »dauernd progressiven Myopie«
angeblich durch’s ganze Leben! — für vereinbar erklären!
Wenn iCh also. für die Entstehung des Conus und für sein unverhältnismäßiges Größenwachsthum
Wachsthumsanomalien der Augenhäute verantwortlich mache, die durch Bildungsanomalien des Auges
bedingt seien, so habe ich anderseits.auch die Überzeugung, dass manche der Conusfälle als rein ange-
borene Anomalien zu betrachten sind, welche dann im extrauterinen Leben eventuell auch nur mehr ent-
sprechend dem ganzen Körperwachsthume an Größe zunehmen könnten, d. h. also, im Auge des Neu-
geborenen schon in relativ gleicher Größe und Form sich vorfinden, wie im Auge des Erwachsenen.
Es sind dies jene Fälle, in denen die Fläche des Kniees der Chorioidea-Sclera dadurch wesentlich tiefer
liegt als die äußere Netzhautfläche (respective Pigmentepithel), dass sowohl die Chorioidea, als auch die
innersten Sclerallagen in dem Knie rudimentär entwickelt sind und das sonst diesen Defect deckende
Grenzgewebe auch nur in geringer Menge ausgebildet ist. Am schönsten fand ich dies in einem der oben-
erwähnten Colobomfälle entwickelt. Die mangelhafte Ausbildung des Grenzgewebes bei zu großer Weite
des Chorioidalloches ist als Ursache dieser Bildungen anzusehen, welche sich dann mit Netzhautaus-
stülpungen (in die Chorioidea, den Sehnerven oder die Sehnervenscheiden) zu combinieren pflegen. Diese
Fälle von Conus, welche sich weder klinisch, noch auch anatomisch in allen Fällen ganz scharf von den
vorher beschriebenen Formen trennen lassen — entscheidend ist, wie gesagt, eine beträchtlichere Niveau-
differenz der Conusfläche und die Anwesenheit von Bildungsanomalien der Netzhaut oder des Sehnerven —,
sind schon als Colobombildungen (Randcolobome des Sehnerven) zu bezeichnen; sie finden sich aber
sowohl nach unten vom Sehnerven, als auch lateral und wahrscheinlich nach allen anderen Richtungen,
wenngleich ungemein selten.
In ganz ähnlicher Weise, wie den sichelförmigen Conus muss ich mir auch den ringförmigen Conus
respective Bindegewebsring, wie er z. B. in Fall 42 vorhanden ist, entstanden erklären. Die Chorioidea war
allseits am Sehnervenrande mangelhaft ausgebildet, hatte allseits eine geringere Flächenvergrößerung
erfahren, als die Sclera, das innere Durchtrittsioch wurde daher unverhältnismäßig groß, ringsum wurde
ein Saum der Chorioidea-Sclera von Glashaut und Pigmentepithel entblößt.
Ich halte es nicht für ausgeschlossen, wie ich dies schon oben angedeutet habe, dass die Anwesen-
heit einer größeren physiologischen Excavation, die man;zelhafte Ausbildung der chorioidalen Lamina,
respective deren Defect im Bereiche der Excavation, mitunter für das Auftreten oder Wachsen dieses
Conus mit verantwortlich gemacht werden kann. Die einzelnen Augenmembranen, speciell auch die
Glashaut, stehen ja in einem gewissen elastischen Spannungszustand, der auf ihre Flächenvergrößerung
von Einfluss sein muss, und das Chorioidalloch wird daher wohl dann unter sonst gleichen Umständen
umso weniger sich vergrößern, je stärker durch starke Entwicklung einer allseits bis zum centralen Binde-
gewebsstrang reichenden (respective’ auch dort entspringenden) chorioidalen Lamina bei fehlender physio-
logischer Excavation die Ränder des Chorioidalloches unter einander verbunden sind, das Chorioidalloch
somit, gewissermaßen überbrückt, geschlossen ist. Aber auch hier können die Beziehungen zwischen der
964 Anton Elschnig,
Größe der physiologischen Excavation und dem Conus nur sehr lose sein, da gerade bei der größten Ex-
cavationsform (III,) der erste Typus des Durchtrittscanales der gewöhnliche ist.
Auch die verschiedenen, nicht mit der Conusbildung in Beziehung stehenden Anomalien oder besser
gesagt Varianten in der Form des Durchtrittscanales glaube ich in derselben Art, wie die Conusbildung,
durch verschiedenartige Wachsthumsvergrößerung der einzelnen Augenmembranen und deren einzelnen
Schichten erklären zu müssen. Diese dürften schon mit der Geburt des Individuums angelegt sein und sie
finden sich auch thatsächlich schon im Auge des Neugeborenen (v. Hippel, 11).
Mit dem Aufhören des Größenwachsthumes des Auges kann eine Vergrößerung dieser Conusflächen
nicht mehr eintreten. Aber für den Ophthalmoskopiker kann eine Vergrößerung des Conus in derselben
Weise, wie bei den beiden erst besprochenen Conusarten erfolgen: durch Atrophie des Pigmentepithels
in dem dem eigentlichen Conus angrenzenden Bezirke, wodurch dann neben dem mehr weniger tief
liegenden, undeutlich getüpfelten Conus eine gefleckte, Chorioidalgefäße enthaltende oder überhaupt
mitunter deutliche Chorioidalstructur erkennen lassende Sichel entsteht, die sogar durch einen schönen
Pigmentring sich gegen den rothen Grund abgrenzen kann. Die bei der eigentlichen Conusbildung so oft
zu constatierende massige Entwicklung des Grenzgewebes, welches noch unter die Glashaut fortreicht,
oder die gleich localisierte Netzhautanlage in der Chorioidea, also die Bildungsanomalie der Chorioidea am
Sehnervenrande ist als Ursache der mangelhaften Ernährung des Pigmentepithels am Sehnervenrande an-
zusehen und damit als Ursache des Auftretens einer äußeren, »chorioidalen« Hälfte des Conus, welche
besonders im myopischen Auge zu jenen riesigen Conusfiguren führt, die auch durch das ganze Leben
fortschreiten, respective sich verbreitern können. Dass dabei auch Ernährungsstörungen des Pigment-
epithels, respective der Chorioidea aus anderen Ursachen — entzündliche Veränderungen, senile Processe
(Gefäßerkrankungen) — mit im Spiele sein können, soll nicht geleugnet werden; aber für die im jugend-
lichen Auge bei Fehlen aller pathologischen Veränderungen gesetzmäßig auftretende Atrophie des Pigment-
epithels am Conus gibt die Bildungsanomalie allein wohl ausreichende Erklärung.
3. Feinere Histologie des Sehnerveneintrittes.
Ich wende mich nun zu jenen Beobachtungen, welche die feinere Histologie des Sehnerveneintrittes,
speciell der denselben begrenzenden Augenmembranen und des intraocularen Sehnervenstückes betreffen.
Hiezu muss ich vorausschickend bemerken, dass ich von vorneherein nicht die Absicht hatte,
Studien über die feine Histologie des Sehnerven, welche nur durch Anwendung der neuesten histo-
logischen Technik (Ramon y Cayal’s Methode etc.) noch eine Förderung erfahren könnte, anzustellen.
Es lag dies ganz außerhalb des Rahmens dieser, vorzüglich der topographischen Anatomie des Seh-
nerveneintrittes gewidmeten Arbeit. Daher sollen in den folgenden Zeilen auch nur insoweit Bemerkungen
über die Histologie des Sehnerveneintrittes und der angrenzenden Theile der Augenmembranen Platz
finden, als sie sich bei dem Studium der topographischen Verhältnisse mir aufdrängten. Ich vermeide es,
über unsere bisherigen Kenntnisse, welche ich ja nur in einigen Beziehungen zu ergänzen vermag, einen
ausführlicheren und historischen Überblick zu geben, und verweise statt dessen auf die sorgfältigen und
umfassenden Untersuchungen Kuhnt’s (31), welcher auch in dieser Hinsicht dasselbe Thema erschöpfend
behandelt hat. Der besseren Übersichtlichkeit halber werde ich das auf jeden einzelnen Formbestandthei
des Sehnerveneintrittes Bezügliche unter dem betreffenden Schlagworte anführen.
Dura mater und Sclera.
Beide müssen gemeinsam besprochen werden, da ihr histologisches Verhalten oft in einem gewissen
gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse steht, in demWeise, dass bei besonders mächtiger Entwicklung
der Dura die äußeren, selbständigen Scleralschichten mangelhaft entwickelt scheinen, bei schwacher Dura
dagegen meist — am normalen Auge — stark und deutlicher abgegrenzt. Auch hier lassen sich ver-
schiedene Typen unterscheiden, die von einander sich gut unterscheiden lassen, aber natürlich in meiner
Casuistik auch durch recht zahlreiche Übergangstypen mit einander verbunden sind.
Sehmerveneintritt des menschlichen Auges. 265
Der eine Typus ist dadurch charakterisiert, dass die Dura dünn ist, aus sehr lockeren Lamellen
besteht, die sich am Ansatze an die Sclera in zwei mitunter ganz scharf trennbare Blätter scheiden; die
innere Lamelle dringt in das innere Drittel der Sclera ein, die äußere geht in die äußere Fläche der Sclera
über, beide umfassen also eine compacte, etwa die äußeren zwei Drittheile der Scleraldicke betreffende,
- sanz deutlich von der Dura abgesetzte, an derselben abgerundet rechteckig endende Sclerallage
(siehe U. T.X, XI; Taf. I, Fig. 1, 2). Der Zwischenscheidenraum ist dann auch fast immer etwas breiter,
buchtig oder rechteckig begrenzt.
Diese Art des Verhaltens der Dura-Sclera ist an meinen 56 Augen 20mal typisch ausgeprägt, aber
darunter nur 5mal am Meridionalschnitte des Sehnerveneintrittes zu dessen beiden Seiten, in den übrigen
Augen nur an einer, meist der lateralen Seite des Sehnerven. An 13 von allen diesen Augen fand sich eine
Conusbildung. Die Sciera hatte nahezu immer eine durchschnittlich etwas geringere Dicke als in jenen
Fällen, in denen die äußeren Sclerallagen durch einstrahlende Dura zerbündelt ist.
Das gerade entgegengesetzte Verhalten bildet den zweiten Typus: die Dura ist dick, setzt sich mit
breitem Fuße an die Sclera an und bildet fast ausschließlich, nur vorzüglich durch schräg oder circulär
verlaufende S@lerallamellen verstärkt, die äußeren zwei Drittheile bis drei Viertheile der Scleraldicke
(U. T. II, XD). Es können sich hiebei die innersten Duralamellen sogar nach innen, gegen den Sehnerven,
umlegen, dadurch auch noch die vordere Begränzung des Zwischenscheidenraumes bilden und sich an der
Bildung der scleralen Lamina betheiligen (Taf. VI, Fig. 1, Taf. VII, Fig. 2). In meiner Casuistik gehören
8 Fälle diesem Typus an.
Ein dritter, die Mitte zwischen beiden ersteren bildender Typus besteht darin, dass
die äußeren meridionalen Scleralamellen zwar deutlich und reichlich entwickelt, aber durch die wieder
recht breit angesetzten und reichlichen Duralamellen am Sehnervenrande durchflochten, zerblättert werden
In meiner Casuistik findet sich dies 28 mal.
Wie schon erwähnt, kann das Verhalten der Dura und Sclera auch an denselben Augen an ver-
schiedenen Seiten der Circumferenz des Sehnerven ein verschiedenes sein, also z. B. medial der Typus 2
lateral Typus 1 sich vorfinden u. s. w.
Bezüglich der Dura hätte ich noch zu bemerken, dass sie sehr häufig, auch bei anderen als den erst-
genannten Insertionstypus, in der Nähe des Bulbus in zwei deutlich oft durch einen breiten Spalt (nicht
Kunstproduct!) gesonderte Blätter zerfällt, zwischen denen dann die Duragefäße in lockeren Bindegewebs-
maschen eingelagert zu sein pflegen. (Siehe Fig. 1, Taf. V, lateral.) Mehrere solche Längsspalten beobachtete
Axel Key und Retzius (34a, pag. 190).
In jenen Fällen, bei denen die äußeren Sclerallagen scharf abgegrent von der Dura umfasst werden,
erstreckt sich dieser Spalt zwischen den inneren Duralagen und den äußeren Sclerallagen bis zum Über-
gang der ersteren in die Sclera, ist aber dann von einem lockeren Balkenwerke durchsetzt. In diesen
Augen liest auch gewöhnlich der Scleroticalgefäßkranz am scleralen Ende dieses Spaltes, also in der Dura.
In keinem einzigen meiner Augen bestand eine recessus-ähnliche Fortsetzung des Zwischenscheiden-
raumes in die Sclera. wie sie von mehreren Autoren beschrieben, zuerst von v. Jaeger abgebildet wurde,
An einem Auge wurde ein derartiges Verhalten dadurch vorgetäuscht, dass bei rechteckigem Ende des
Zwischenscheidenraumes die Dura an dem Übergange in die Sclera durch ein cystenähnliches Gebilde
(Fettläppchen?) an den Sehnerven angedrückt wurde. Dadurch entstand thatsächlich ein vom vorderen
Ende des Zwischenscheidenraumes ausgehender, der Scleralfläche parallel gelagerter Spaltraum an dem
Sehnerveneintritte, der aber nicht zwischen die Sclerallamellen reichte, sondern nach hinten ausschließlich
von der Dura begrenzt war, welche erst außerhalb des recessusartigen Endes des Zwischenscheidenraumes
in die Sclera überging. Ich bemerke noch, dass ich auch an zahlreichen myopischen Augen, welche ich
untersuchte, einem wirklichen Recessus des vorderen Endes des Zwischenscheidenraumes nicht begegnet
bin. Wie erwähnt, kann dieser Befund dann vorgetäuscht werden, wenn die Duralscheide vom Sehnerven-
rande entfernt an die Sclera sich ansetzt, also der Zwischenscheidenraum breitbuchtig oder rechteckig endet
?
266 Anton Elschnig,
aber das sclerale Ende der Dura eventuell bei der Härtung des Auges in den Winkel zwischen Pia und
Sclera eingepresst wird.
Schließlich muss ich noch erwähnen, dass in manchen Fällen, besonders bei mächtiger Entwicklung
der Dura und schwacher Sclera, einzelne Duralamellen, mitunter deutlich zum Scleroticalgefäßkranz
ziehenden resp. dort entspringenden Gefäßen folgend, die Sclera schräg gegen den Sehnerven zu ver-
laufend durchsetzen und deutliche Ausläufer in die sclerale Lamina, wie auch in die äußeren Chorioidal-
lagen senden können.!
Pialscheide des Sehnerven.
Auch das Verhalten der Pia am Sehnerveneintritte ist verschiedenen Variationen unterworfen,
wenngleich die einzelnen Varianten sich nicht so scharf von einander trennen lassen, wie die der Dural-
scheide des Sehnerven. Es existiert heute wohl keinerlei Zweifel mehr daran, dass die Pialscheide am
Eintritte des Sehnerven in die Sclera nicht endigt, respective sich nach außen umschlagend in die Sclera
übergeht, sondern dass sie den Sehnerven bis zum Durchtrittsloche der Chorioidea begleitet. Dies kann
ich auch nach meinen Untersuchungen im großen und ganzen nur bestätigen. Aber die Zahl, respective
"die Masse der Pialbalken, welche den Sehnerven begleiten, ist eine sehr schwankende, ebenso, wie ihr
Verlauf im Durchtrittscanale ein verschiedener ist. Die äußeren Lagen der Pialscheide, welche besonders
am Sehnerveneintritte meist mächtiger entwickelt erscheinen, verweben sich immer mit der Sclera, indem
sie entweder sich unmittelbar im innersten Drittel der Sclera nach außen abbiegend verlieren, oder mit
deutlichen Längsbündeln schräg die vordere, sclerale Begrenzungswand des Zwischenscheidenraumes
durchsetzen oder sogar die eigentliche Begrenzung des Zwischenscheidenraumes bilden können. Hiebei
können sie sich auch mit in entgegengesetzter Richtung, sehnervenwärts, verlaufenden Duralamellen
begegnen und verflechten.
Die inneren, am bulbären Ende der Pia vorzüglich aus Längsfasern bestehenden Pialamellen biegen
nun zum Theile in die hintersten Bündel der scleralen Lamina ab (siehe U. T., Taf. XVII), zum
Theile streichen sie ohne Richtungsänderung in der Wand des Durchtrittscanales, demselben parallel, bis
in die innersten Chorioidalschichten, daselbst in später näher zu beschreibender Art endigend (U. T.,
Taf. XII). An der Wand des Durchtrittscanales sind sie von den zur scleralen Lamina ziehenden Gefäßen
und Scleralamellen durchbrochen, auseinandergedrängt; manchmal bilden einzelne Längsbündel der Pia
direct die Wand des Durchtrittscanales, manchmal aber biegen sie bogenförmig nach außen in die Sclera ab,
um erst im Bereiche der Chorioidea wieder dem Rande des Durchtrittsloches sich zu nähern. Der so
zwischen ihnen und dem Sehnerven gebildete Raum ist theils von den zur Lamina ziehenden Sclera-
lamellen, theils von wohl vorzüglich der Pia zuzurechnenden cireulären Bindegewebsbündeln mit meist
eirculär verlaufenden, elastischen Fasern ausgefüllt. Auf dem Wege durch die Sclera biegen zahlreiche
Fasern scleralwärts, in dem innersten Drittel der Sclera sich verlierend, zahlreiche sehnervenwärts ab,
welch’ letztere also zum Aufbaue der Lamina cribrosa, besonders der scleralen, beitragen.
Wie schon hervorgehoben, ist die Masse dieser den Sehnerven begleitenden Pialamellen eine äußerst
wechselnde. Während man an manchen Sehnerven fast an jedem Schnitte zur Chorioidea aufsteigende Pia-
bündel wahrnimmt, gelingt es an anderen nicht, an irgend einem Schnitte einer ganzen Serie ein deutliches
derartiges Bündel zu verfolgen. Dementsprechend ist auch natürlich das Verhalten der zur Sclera und Lamina
1 Ich habe die Dickenmasse der Sclera im vorstehenden nicht besonders angeführt, da alle Messungen an gehärteten, in
Celloidin eingebetteten Augen ja nur einen relativen Wert haben. Mit Rücksicht auf den während der Drucklegung dieser Arbeit
erschienenen Augendurchschnitt Salzmann’s (Magnus’ U. T., Heft XVII]), bei welchen die Maße nach Angabe des Autors aus
eigenen Messungen und Präparaten gewonnen wurden, habe ich doch meine eigenen Messungen der Scleraldicke revidiert. Mit Aus-
nahme von zwei Augen, darunter einem mit Conus lateral, war die Sclera lateral am Sehnerven immer, und oft beträchtlich dicker als
medial. Im Durchschnitte betrug die Differenz circa einFünfttheil der Sceleraldicke. An den wenigen in verticaler
Richtung geschnittenen Sehnerven fand ich keinen Unterschied in der Scleraldicke oben und unten vom Sehnerven. Auf die absolute
Dicke der Sclera, welche gleichfalls mit Salzmanns Masen differiert, gedenke ich an anderer Stelle zurüäckzukommen; im Durch-
schnitte beträgt sie lateral vom Sehnerveneintritte (an 30 in Müllerscher Flüssigkeit oder Formalin-Müller gehärteten Augen gemessen)
1:03 mm, medial 0:87 mm.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 267
ceribrosa ziehenden Pialamellen variiert. Eine bestimmte Abhängigkeit dieser verschiedenen Varianten von
den verschiedenen Typen des Sehnervendurchtrittes und der physiologischen Excavation, Conusbildung
u. S. f. aufzufinden gelang mir nicht.
Außerordentlich verschieden ist das Verhalten der Pialscheide, respective der Ausläufer derselben
im Bereiche der Chorioidea. Da es abhängig ist von der Endigungsart der letzteren am Sehnerven, müssen
wir zuerst diese besprechen, bevor wir hierauf zurückkommen können.
Chorioidea.
Die Chorioidea grenzt selten als solche, d. h. in allen Schichten wohl entwickelt, an den Sehnerven
an. Sei nun die Form des Durchtrittscanales eine regelmäßig conische (Typus I) oder in irgend einer
Weise davon abweichende, meist ist zwischen Chorioidea und Sehnerv ein bald dichtes, bald lockeres,
meist ganz unpigmentiertes Bindegewebe eingeschaltet, welches ich mit dem Namen Grenzgewebe
bezeichnet habe. Es besteht aus bald lockeren, bald dichteren, glasig aussehenden Bindegewebsbalken
mit reichlichen, in allen Richtungen sich kreuzenden, meist aber circulären elastischen Fasern, welche
besonders dann, wenn das Grenzgewebe lockerer ist, ganz in den Vordergrund treten. Fast immer sind in
diesem Grenzfewebe von der Pia aufsteigende Balken (mit elastischen Fasern) deutlich nachweisbar, bald
reichlicher, bald spärlicher. Sein Zusammenhang mit der Chorioidea ist ein verschiedener. Dieselbe
erscheint in der unmittelbaren Nachbarschaft schon etwas dichter gewebt, enthält in pigmentreichen
Augen daselbst besonders zahlreiche pigmentierte Stromazellen, spärlichere Gefäße; es geht nun zwischen
der Chorioidea und dem Grenzgewebe ein Faseraustausch vor sich in der Weise, dass aus jedem der
beiden Gewebe Fasern in das andere einzutreten scheinen; von der Chorioidea aus treten auch kleine
Blutgefäße in das Grenzgewebe ein, welche theils darin endigen, theils dasselbe durchbrechen und in den
Sehnervenstamm oder nach rückwärts in die Pialscheide übergehen, sowie auch deutliche Fasern aus der
innersten, der Glashaut anliegenden Schichte in den Sehnerven als vorderste chorioidale Laminabalken
einstrahlen. Ebensolche Balken strahlen auch aus dem Grenzgewebe selbst aus. Je dichter das Grenz-
gewebe ist, umso deutlicher grenzt es sich trotz der genannten, immer zartfaserigen Verbindungen von
dem Chorioidalrande ab. Im Übrigen ist das Verhalten je nach der Form des Durchtrittcanales ver-
schieden.
Bei Typus I des Durchtrittscanales des Sehnerven mitunter zu beiden Seiten, respective rings um
den Sehnerven, sowie bei allen anderen Typen in jener Hälfte, in der die Chorioidea spornartig über den
Sehnerveneintritt vorragt, bildet das Grenzgewebe, scharf und deutlich abgesetzt, die Wand der vorderen
Hälfte des Durchtrittscanales (siehe Taf. III, Fig. 1 und 2). Es ist nach vorne zu von der Glashaut bedeckt,
welcher es unmittelbar anliegt oder von der es noch durch einzelne Capillaren der Choriocapillaris
getrennt ist. Die Chorioidea, schon in der beschriebenen Art modificiert, verbreitert sich mitunter
auf Kosten der Sclera gegen dasselbe, so dass sie durch einen breiteren Fuß mit ihm verbunden ist. Ist das
Grenzgewebe sehr reichlich entwickelt, so drängt es sich keilförmig unter die Glashaut der Chorioidea
vor, ist mitunter daselbst fast parallelfaserig, d. h. hat ganz die Beschaffenheit der daraus hervor-
gehenden chorioidalen Lamina (siehe Taf. VI, Fig. 2). Immer unterscheidet es sich durch blässere Färbung
an Schnitten mit Gieson-Färbung auch tinctorieli von dem derben, scleralen Gewebe.
Bei jenen Typen des Durchtrittscanales, mit denen eine Conusbildung (3. Art!) verbunden ist, lässt
sich das Grenzgewebe immer besonders deutlich studieren (siehe Taf. V, Fig. 2; Taf. VII, Fig. 2;
U. T.XV). Es liegt zunächst dem Knie der Chorioidea - Sclera parallel und tritt wieder mit dem
Rande der Glashaut in innige Verbindung, und zwar in der Weise, dass seine elastischen Fasern mit dem
der Glashaut nach hinten anliegenden elastischen Fasernetze, welches der Choriocapillaris angehört, aber
am Rande der Glashaut, wo die Capillaren schon spärlich sind, besonders reichlich entwickelt ist, in Ver-
bindung treten; niemals sah ich eine elastische Faser desselben direct mit der Glashaut sich verbinden.
Hier schiebt sich auch immer das Grenzgewebe ein Stück zwischen die Glashaut (mit spärlichster Chorio-
capillaris oder ohne solches) und das schon veränderte Chorioidalstroma ein, die erstere gegen das
Bulbusinnere aufbiegend. Die zahlreichen, »chorioidalen« Laminabalken, welche in diesen Fällen
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl, LXX. Bd. 35
268 Anton Elschnig,
manchmal, die Glashaut begleitend, in den Sehnerven einstrahlen und mitünter noch die Unterlage der
superponierten mittleren Netzhautschichten bilden, stammen zum Theile aus dem Grenzgewebe, immer
aber auch zum großen oder sogar größten Theile aus der Chorioidea selbst. (Siehe Taf. VI, Fig. 2.)
Um der Herkunft dieses so ausführlich besprochenen Grenzgewebes nachzugehen, ist es nöthig,
auf Kuhnt’s (31) werthvolle Untersuchungen des Sehnerven menschlicher Embryonen sich zu stützen.
Kuhnt fand an Embryonen des 6. und 7. Monates zwischen der den Sehnerven bis zur Chorioidea
begleitenden Pialscheide und dem Sehnerven einen nach vorne sich verbreiternden und daselbst von der
Glashaut der Chorioidea abgeschlossenen Spaltraum. Durch Gefäßeinstülpungen in den Sehnerven von
der Sclera und Chorioidea her und die damit erfolgende Entwicklung der Lamina cribrosa werde dieser
Raum zum Verschwinden gebracht, doch bleibe als Rest desselben »ein eigenthümliches, zackiges, glasiges
Netzwerk« übrig. Es scheint nun sehr plausibel, dass in Fällen, bei denen der Spaltraum von vorneherein
sehr breit war, dieses Gewebe, zum Theile der Pia, zum Theile der Chorioidea-Sclera angehörig, sich
mächtiger entwickle und gewissermaßen als Lückenbüßer die Chorioidea mit dem Sehnerven verbinde.
Jedenfalls kann ich darin, zufolge der histologischen Structur, nicht ausschließlich die Pia sehen.
An 5 Augen (mit Conusbildung) fand ich von der Netzhaut her keilförmig zwischen die etwas auf-
gebogene Glashaut und die eigentliche Chorioidea vordringend ein eigenthümliches Bindegewebe mit
zahlreichen, großen, rundlichen oder ovalen, blassgefärbten Kernen und sehr spärlichen, rundlichen
Pigmentzellen. Die Choriocapillaris fehlte in diesem Bereiche, das Pigmentepithel war meist rudimentär
entwickelt. Zum Theil bogen periphere Nervenfasern schlingenförmig gegen dasselbe ein, chorioidale
Laminabalken strahlten daraus aus. Von dem Grenzgewebe war es durch die großen Zellkerne.und
durch den Zusammenhang mit den mittleren. Netzhautschichten leicht zu unterscheiden. Ich muss
dieses Gewebe als eine auf niederer Entwicklungsstufe stehengebliebene Netzhautanlage in der
Chorioidea, also als bei der Bildung des Sehnerven erfolgende Netzhautausstülpung, analog den Colobom-
bildungen, erklären.
Die in den Conus-Fällen vomGrenzgewebe ‚gedeckten Lagen der Chorioidea propria sind immer, und
zwar umso hochgradiger verändert, je breiter die Conusbildung ist. Sie besteht schließlich nur aus einem
dichten, faserigen Gewebe, das, sowie schon der Randtheil der noch normalgebildeten Chorioidea, mit der
Sclera innigst verbunden ist und umsoweniger mehr von der letzteren geschieden werden kann, also auch .
diese je nach dem Pigmentgehalte des betreffenden Auges überhaupt mehr oder weniger dicht von Pigment-
zellen durchsetzt ist, welche sich sogar in die Lamina cribrosa erstrecken können. Genauere Details über
die Topographie aller dieser Theile sind im speciellen Theile (III. Theil) einzusehen.
Die Choriocapillaris ist umso besser bis zum Rande der Glashaut erhalten, je geringer das Grenz-
gewebe entwickelt ist. In vielen Fällen reicht sie nur wenig großmaschiger bis an den Rand der Glashaut
Es ist dies einer der wenigen Punkte, in denen ich den Beobachtungen Kuhnt’s (31) widersprechen
muss.
Die Endigung der Glashaut ist eine äußerst wechselnde. Sie endet bald scharf abgesetzt, meist etwas
gegen das Bulbusinnere aufgebogen und mitunter, und zwar nur, wenn daselbst das Pigmentepithel fehlt,
in ihrem Randtheile verdoppelt (siehe Taf. III, Fig. 2), ohne dass man jedoch diese Verdoppelung als eine
»Umklappung« der Glashaut (etwa durch den Zug des schrumpfenden [?] Pigmentepithels entstanden!)
bezeichnen könnte. Nur selten ist ihr freier Rand, und zwar fast nur am medialen Papillenrande, nach
hinten umgebogen.
Niemals sah ich die Glashaut sich auffasern und in die chorioidale Lamina (respective den Seh-
nerven) einstrahlen, wenngleich bei flüchtiger Untersuchung mancher Präparate es so zu sein schien; bei
genauer Untersuchung gut gefärbter Präparate zeigte es sich immer, dass die eigentliche Glashaut scharf
endete, oft wohl zuletzt verdünnt, aber aus dem elastischen Geflechte, das ihr nach hinten anliegt, feine
Fasern in den Sehnerven eintreten. Ich willnur noch bemerken, dass das tinctorielle Verhalten der Glas-
haut an verschiedenen Augen sowohl gegenüber Orcein (Unna-Taenzer) als gegenüber der neuen
Weigert’schen Farblösung für elastische Fasern ein äußerst verschiedenes ist. Während die Glashaut
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 269
einmal dünn, blass gefärbt, homogen erscheint, ist sie an anderen Augen wesentlich dicker, oft uneben
und wie aus einzelnen groben, netzförmig verschlungenen Fasern zusammengesetzt. Die am Rande der
Glashaut an Augen, die mit irgend einer Conusbildung, die mit Rarefaction des Pigmentepithels verbunden
ist, so häufig vorfindlichen Drusenbildungen der Innenfläche der Glaslamelle erscheinen homogen oder
concentrisch geschichtet, bald wie das elastische Gewebe, bald auffallend blass gefärbt.
Lamina cribrosa.
Dem schon über die Lamina cribrosa Bekannten (Kuhnt [31], Hoffmann [33], Retzius [34 2]) und
den im vorstehenden über meine Beobachtungen Angedeuteten habe ich wenig mehr hinzuzufügen. Nach
meiner Überzeugung betheiligen sich an dem Aufbaue der derben, reichlich elastische Fasern enthaltenden
oder fast ausschließlich daraus bestehenden (Sattler 35) »scleralen« Lamina die Pia und die Sclera, sowie
manchmal sogar die Dura in wechselndem Maße. Die zarten, durch ihre Structur und ihr tinctorielles Ver-
halten so sehr von der scleralen Lamina verschiedenen, sehr spärliche elastische Fasern enthaltenden
»chorioidalen« Laminabalken, sind nach meiner Ansicht wieder zum Theil pialen, zum Theil aber immer
auch chorioid@len Ursprunges, so dass also die Bezeichnung »sclerale« und »chorioidale« Lamina nicht
nur auf Grund topographischer Verhältnisse gerechtfertigt ist. Es ist noch zu bemerken, dass die Seh-
nervenscheiden in doppelter Hinsicht sich an dem Aufbaue derLamina betheiligen: durch ihre den Sehnerven
im Durchtrittscanale begleitenden Fasern und durch den centralen Bindegewebsstrang, der ja von diesen
abstammt. Es begegnen sich in der Lamina cribrosa aus der Wand des Durchtrittscanales des Seh-
nerven und aus dem centralen Bindegewebsstrange ausstrahlende Bindegewebsbalken sowohl als Blut-
gefäße. Die bei großen physiologischen Excavationen ‚häufig vorkommende Bildungsanomalie an der
Lamina cribrosa, respective im centralen Bindegewebsstrange (»Schaltgewebe«) werden wir unten näher
besprechen.
Der Grad der Entwicklung, die Masse der einzelnen Theile der Lamina cribrosa, ihre Lage
zu einander und zum Durchtrittscanale des Sehnerven ist schon bei der Besprechung der verschiedenen
Typen des Sehnerveneintrittes entsprechend gewürdigt worden, so dass ich auf die relativ unbedeutenden
Varianten hier nicht mehr ausführlicher zurückzukommen brauche. Während in manchen Fällen bei
großer physiologischer Excavation (vergl. z.B. Taf. II, Fig. 2; U. T. VIII) die chorioidale Lamina fast völlig
fehlt, die sclerale gleichfalls schwach ausgesprochen ist, ist in anderen Fällen — und dann ist eine physio-
logische Excavation nur mehr bei relativ und absolut sehr großem inneren Durchtrittsloche vorhanden —
die choriodale Lamina so derb und dicht, dass sie fast nicht von der scleralen zu trennen ist, und über-
ragen die vordersten Balken, convex gegen das Bulbusinnere vortretend, die Ebene des inneren Durch-
trittsloches. Häufig, nicht immer, reicht die sclerale Lamina dann auch weit in den Sehnervenstamm
zurück, die Markgrenze des Sehnerven liegt weit hinter der Ebene des äußeren Durchtrittsloches im Seh-
nervenstamme. DiesVerhalten kann den ganzen Sehnerven betreffen, z. B. Fall 5, oder nur in der lateralen
Hälfte des Sehnervenstammes gegeben sein, z. B. Fall 13, oder auch nur in der medialen Hälfte, z. B.
Taf. VII, Fig. 2.
Die Wölbung der scleralen Lamina ist geringen Schwankungen unterworfen. Es ist durchaus falsch,
dass bei großen physiologischen Excavationen die Lamina gestreckter verlaufe, als am Sehnerven ohne
Excavation; häufig ist das Gegentheil der Fall, aber nicht immer. Im allgemeinen bildet die hintere Lamina-
fläche eine ziemlich regelmäßige nach hinten convexe Kugelfläche, und nur an Sehnerven mit Conus-
bildungen (Art 3) ist häufig die der Lage des Conus entsprechende Laminahälfte weniger nach hinten
gewölbt, als die gegenüberliegende (siehe Taf. Vl, Fig. 1); aber gerade hier kann auch das Entgegengesetzte
vorkommen (so Taf. VII, Fig. 2; Taf. VIII, Fig. 1), sowie dieselbe Formabweichung bei regelmäßig
conischem Durchtrittscanale sich vorfindet (siehe Taf. II, Fig. 2). Es kann sich hiebei also unmöglich um
irgendwelche imaginäre Zugwirkungen, sondern wohl ausschließlich nur um Anlageverschiedenheiten
handeln.
35
270 Anton Elschnig,
Am schönsten ausgebildet sah ich eine weitin den Sehnerven zurückreichende, massige Entwicklung
der Lamina cribrosa in der lateralen Hälfte an einem Auge mit Randcolobom des Sehnerven (dem hier
nicht beschriebenen rechten Auge von Fall 42).
Netzhaut.
Ausnahmsweise nur endet die Netzhaut, respective die mittleren Netzhautschichten — auf das Ver-
halten der Stäbchen-Zapfenschichte will ich deswegen hiebei nicht näher eingehen, da nur in einer
beschränkten Zahl der Augen die Fixierung eine derartig gute war, dass man dieselbe genauer studieren
konnte — gleichzeitig mit dem Rande der Glashaut der Chorioidea. Ebenso selten ist die Endigungsweise
der Netzhaut zu beiden Seiten, respective ringsum eine gleichartige. Es besteht zwischen dieser und der
Form des Durchtrittsloches ein gewisser, aber nur sehr loser Zusammenhang, so dass also eine bestimmte
Art häufiger bei der einen, als bei anderen Formen des Durchtrittscanales vorkommt. Irgend eine Regel
lässt sich aber, ohne der Statistik einen Zwang anzuthun, nicht aufstellen. Die einzelnen Arten näher zu
besprechen, ist schon aus dem Grunde nicht thunlich, als ja die genauere Beschreibung am besten in der
Casuistik am Schlusse der Abhandlung eingesehen werden kann. Als besonders wichtig muss ich aber
feststellen, dass überaus häufig, bei allen Formen des Durchtrittscanales, eine Superposition der Netzhaut
über das Durchtrittsloch der Chorioidea sich findet, so dass also, meist nur in einer Hälfte des Sehnerven,
aber auch ringsum, die mittleren Netzhautschichten die engste Stelle des Durchtrittscanales, also das
eigentliche innere Durchtrittsloch bilden. (Vergl. U.T. XIIL) Dies vertheilt sich auf die verschiedenen Typen
des Sehnerveneintrittes, wie folgt:
Bei Typus list unter 28 Augen die Netzhaut superponiert ringsum 0 mal, nur an einer Hälfte 13mal,
» » ESS > » » » OA » 4 »
» See dzE> » » » » 2» BINBE » 6 »
» » IV » » 3 » » » » » OO » » » » » 2:
» » Vi » 4 » » » » » [055 » » » » 2 »
Also unter 52 Augen ringsum 2 mal, in einer Hälfte 27 mal.
Die Superposition ist hiebei immer eine derartige, dass die inneren Körnerschichten, respective die
Ganglienzellenschichten am weitesten in den Sehnerven achsenwärts vorreichen, die äußeren Körner
zurücktreten und ihr Beginn entweder mit dem Rande der Glashaut zusammenfällt, oder noch etwas
außerhalb desselben gelegen ist. Die vorgeschobene innere Körnerschichte ist häufig nur rudimentär, eine
aus der Verschmelzung mit der Ganglienzellenschichte, mitunter auch mit der äußeren Körnerschichte
hervorgegangene Lage von Kernen; mitunter aber ist die Trennung der inneren Netzhautschichten völlig
gewahrt und reicht eine wohl ausgebildete Ganglienzellenschichte (siehe Taf. VI, Fig. 1 und 2) bis zum
Rande der inneren Körner oder sogar etwas über denselben hinaus in den Sehnerven vor. Hier haben
also die rudimentären mittleren Netzhautschichten durchaus nicht den Charakter des intermediären
Gewebes Kuhnt’s, sondern die Netzhaut ragt mit einigen ihrer Schichten über den Rand der
Chorioidea thatsächlich in den Sehnerven vor. Auch in einem weiteren Punkte widersprechen meine
Befunde strikte den Angaben Kuhnt’s, dass immer zwischen Netzhaut und Sehnerv ein »inter-
mediäres Gewebe« eingeschaltet sei. Wenn die Netzhaut nur leicht abgestumpft oder fast senkrecht
abgeschnitten endigt (vergl. U. T. XVII), so grenzt sie immer unmittelbar an den Sehnerven mit allen
ihren Schichten an; nur in manchen Präparaten hat es den Anschein, als ob die (zuletzt pigmentlosen)
Pigmentepithelzellen am Rande des Sehnerven sich länglich ausziehen und, die äußere Körnerschichte
umkreisend, direct mit der inneren Körnerschichte zusammenhängen. Wie schon mehrfach hervorgehoben,
können die Netzhautschichten dabei von dem unterliegenden Sehnervengewebe durch die Glashaut
der Chorioidea oder zur chorioidalen Lamina übergehendes Grenzgewebe geschieden sein. Über die
Endigungsweise der M. limitans externa vermag ich für diese Fälle keine sichere Auskunft zu geben,
da sie sich ja durch keine Färbung distinet zur Anschauung bringen lässt. Jedenfalls verbindet sie sich
in Fällen, in denen die äußere Körnerschichte mit normal entwickeltem Pigmentepithel schon vor dem
Rande der Glashaut endet, mit dem die Glashaut dann deckenden rudimentären Pigmentepithel.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 271
Auch dann, wenn die mittleren Netzhautschichten rasch zugeschärft vor dem Rande (außerhalb des
Randes) des Durchtrittsloches enden, kann ein intermediäres Gewebe fehlen, ob nun alle Schichten rasch
verschmälert an dem vorspringenden Punkte zusammenfließen, oder ob (vergl. Fall 28, L., 41, R.) die Netz-
haut so abgeschrägt ist, dass die äußeren Körner am meisten vortreten, alle anderen Schichten immer
mehr zurücktreten, aber vollständig wohl ausgebildet an die Nervenfaserschichte respective die Sehnerven-
fasern angrenzen.
Als »intermediäres Gewebe« imponiert auch eine Bildungsanomalie derNetzhau‘, die ich an 4 Augen
von 3 Fällen vorfand, und zwar jedesmal an der medialen Circumferenz des Sehnerven. Die Sehnerven-
fasern drängen sich schlingenförmig zwischen Pigmentepithel (meist rareficiert) und mittlere Netzhaut-
schichten vor, und zwar mitunter in der Weise, dass die zuletzt dünne und aus auffallend großen, blassen
Kernen bestehende äußere Körnerschichte noch ein Stück zwischen Sehnervengewebe und Pigmentepithel
sich einschiebt, die innere Körner- und Ganglienzellenschichte dagegen anschwellend in ein großkerniges
Gewebe übergeht, das auch epitheloide Pigmentzellen enthält. Es handelt sich offenbar hier um eine
rudimentäre Verdoppelung der Netzhaut am Sehnervenrande. Voll entwickelt fand ich dies im Fall 37
beide Augen, #angedeutet in 36 und 41 L. Es scheint mir durchaus wahrscheinlich, dass jede massige
Entwicklung eines sogenannten intramediären Gewebes auf eine solche rudimentäre Verdoppelung der
Netzhautanlage zurückzuführen ist.
Etwas Analoges scheint auch die Netzhautanlage im Sehnerven, wie sie im Fall 37, L., R., latera
sehr gut entwickelt, aber rudimentär auch in 36 und 41, L., medial vorliegt, zu sein: eine Art Ausstülpung
von Netzhautanlage in den Sehnerven (siehe S. 42). Es schien mir diese Bildungsanomalie an anderen
Augen gleichfalls vorzuliegen, in geringer Andeutung; aber nur bei tadellosem Anliegen der Netzhaut in
der Circumferenz des Sehnerven lässt sich dies mit Sicherheit erkennen, da natürlich nur an solchen tadellos
fixierten Augen die Netzhautendigung am Sehnerven sich genau studieren lässt.
Die Endigungsweise des Pigmentepithels ist schon bei der Besprechung des Conus-Bindegewebs-
ringes und des Pigmentringes ausführlich gewürdigt worden, Ich hebe nur nochmals hervor, dass in Augen
mit Bildungsanomalien des Sehnerveneintrittes im Bereiche abnormer Chorioidea ein normal geformtes,
aber pigmentloses Epithel sich vorfinden kann, welches mitunter am Sehnervenrande sich umzuschlagen
und in die Körnerschichten (rudimentäre äußere Körnerschichte) überzugehen scheint.
Sehnervenpapille.
An jenen Augen, bei denen der Glaskörper nicht durch die Präparation des einzubettenden Bulbus-
stückes von der Sehnervenpapille getrennt, respective davon losgerissen worden ist, erkennt man, dass
der Glaskörper innig mit dem die Sehnervenpapille überkleidenden Gewebe zusammenhängt. Irgend eine
Andeutung des Canalis hyaloideus konnte ich auch an mit Formalin gehärteten Augen, welche bekanntlich
die beste Fixation des Glaskörpergewebes zeigen, nicht auffinden. Die Sehnervenpapille ist von einer bald
ganz dünnen, bald anscheinend mehrschichtigen Membran überkleidet, welche vom centralen Binde-
gewebsstrange ihren Ursprung zu nehmen scheint, daselbst reichliche, den Kernen der Endothelzellen
gleiche, spindelförmige Kerne an- und eingelagert enthält, während gegen die Randtheile der Papille, wo
sie in die Membrana limitans interna retinae übergeht, die Zahl der Kerne rasch abnimmt. An Präparaten
mit Färbung des elastischen Gewebes zeigt sie dessen tinctorielle Eigenschaften, ist aber oft viel blässer
gefärbt als dieses. Die Grenzmembran ist in innigem Zusammenhange mit den Balken der chorioidalen
Lamina in allen Sehnerven, welche eine größere physiologische Excavation besitzen; besonders die
mitunter ja sehr stark entwickelten vordersten chorioidalen Laminabalken gehen deutlich, über das innere
Durchtrittsloch bogenförmig vorragend, in die Grenzmembran über, respective verbinden sich mit deren
Außenfläche, indem sie oft noch daselbst eine beträchtliche Bindegewebsmasse bilden und so die
Excavation verkleinern. Der so gebildete »Kuhnt’sche Bindegewebsmeniscus«, der dann besonders in
Sehnerven mit größerer physiologischer Excavation sehr stark entwickelt ist, ist also als Verdickung der
Grenzmembran aufzufassen. Sehr oft zeigt er die von Kuhnt beschriebene Höhlenbildung, enthält
vielgestaltete Zellen mit Ausläufern, zarte, glasige Fasern u. s. w. (Siehe Fig. 2, Taf. I.) Oft ist auch
ai. .
272 Anton Elschnig,
seine Abgrenzung gegen den Glaskörper keine scharfe, das heißt, aus der Basis der Excavation oder
deren Wänden erheben sich glasige, mit endothelähnlichen Kernen versehene Stränge, welche in den Glas-
körper eingelagert sind und innig mit den Glaskörperfasern zusammenhängen, manchmal netzartig sich
untereinander verbinden und die Excavation gewissermaßen überbrücken. Auch solide Zellstränge, von
glasig aussehender Bindegewebshülle bedeckt und innig mit dem Glaskörpergewebe zusammenhängend,
finden sich recht häufig an den centralen Bindegewebsstrang angesetzt: Reste der Arteria hyaloidea.
In einer relativ großen Zahl von Augen fand ich, dass das lockere, den Kuhnt’schen Bindegewebs-
meniscus bildende Gewebe an der Basis der Excavation sich in Gestalt eines cylindrischen Zapfens in den
centralen Bindegewebsstrang einsenkt und längs der lateralen Wand der Centralarterie, gewöhnlich die
beiden Papillenvenen scheidend, bis zur oder hinter die Außenfläche der scleralen Lamina zurückreicht
(siehe Fig. 2, Taf. IV). Dieser Zapfen, welchen ich Schaltgewebe nenne, besitzt dadurch eine deut-
liche Abgrenzung, dass die periphersten Gewebstheile, welche ihn constituieren, speciell die zelligen
Elemente endothelialen Charakters, sich an der Oberfläche concentrisch anordnen, während die mittleren
Partien sehr locker faserig sind und sowohl endotheliale als runde, dunkel tingierbare Kerne besitzen. Die
scleralen und chorioidalen Laminabalken, welche in der lateralen Circumferenz an das Schaltgewebe
herantreten, verbinden sich dort untereinander und bilden so eine äußere Hülle; die elastischen Fasern
der Lamina verbinden sich in derselben zu einem der Wand des Schaltgewebes parallel gelagerten
elastischen Netze, ganz analog wie dies von Sattler (35) als das normale Verhalten der elastischen
Fasern der Lamina am centralen Bindegewebsstrange beschrieben wurde. Von dem Glaskörper ist das
Schaltgewebe, wenn der Glaskörper nicht losgerissen ist, durch die Grenzmembran geschieden.
Das Schaltgewebe ist bisher nur von Schoen (10) beschrieben und abgebildet worden. Er hielt es
für eine durch Auseinanderzerrung verursachte, also bei der Entstehung der »accomodativen Excavation«
verursachte Gewebsverdünnung. Wenigstens scheint Schoen, soviel aus dessen mangelhaften mikro-
photographischen Abbildungen erkennbar ist, in diesem Schaltgewebe seine »durch Auseinanderzerrung
bedingte Gewebsverdünnung« gesehen zu haben. Ich glaube es wohl nicht nöthig zu haben, genauer zu
erörtern, dass wir es hier der histologischen Beschaffenheit nach mit einer angeborenen Bildungsanomalie
— Einstülpung von Mesodermgewebe in den Sehnerven bei der Ausbildung desselben — zu thun haben;
ich gebe nur kurz an, dass ich das Schaltgewebe in folgender Vertheilung auf die verschiedenen Typen
des Sehnerveneintrittes, respective der Excavationen unter meinen Fällen vorfand.
Bei Excavation I unter 7 Augen: angedeutet O mal, stark entwickelt O mal,
» » II » 24 » » 3 » » » Oo:
» » III » 20 » » 2 » » » 4»
» » IV » 5 » » 1 > » » DI’>
Siehe hiezu die Abbildungen U. T. VII, VII; Taf. I, Fig. 1, Taf. II, Fig. 2, Taf. IV, Fig. 1, 2.
Also an 49 Sehnerven, welche überhaupt größere Excavationen angelegt hatten, wenn sie auch, wie
bei Excavationstypus II, 1, eventuell durch Bindegewebsanlage wieder ausgefüllt waren, fand sich das
Schaltgewebe im centralen Bindegewebsstrange 14 mal vor und 6 mal angedeutet respective rudimentär
entwickelt. Bezüglich der letzteren muss festgestellt werden, dass diese rudimentär entwickelten Schalt-
gewebszapfen sonst die Charaktere des Schaltgewebes besaßen, aber von kleineren Dimensionen waren,
weniger weitin den Sehnerven zurückreichten, mitunter auch als ein fast solider Zellschlauch imponierten.
Keinesfalls waren sie derart, dass man sich etwa vorstellen konnte, dass durch » Auseinanderzerrung«
daraus der typische, große Schaltgewebszapfen werden könnte. Es ist doch auch für die Frage, ob diese
Schaltgewebszapfen irgend einen genetischen Zusammenhang mit der physiologischen Excavation
besaßen, von Wichtigkeit, dass unter den 24 Augen mit relativ kleinen physiologischen Excavationen des
Typus II 8 Augen ihn in schönster Ausbildung aufweisen, unter 20 Augen mit weitaus größeren
Excavationen des Typus IlI nur 4 mal, dass er gerade an den Augen mit der größten Excavations-
form (III, 3) zweimal vollständig fehlte, einmal nur angedeutet vorhanden war.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges.
Tabelle I.
Emmetropie.
i o
: ie Superposition mit Eee Sen
Bindegewebsring Conus Eindegewehsting Superposition 2 e
- 2 = ON
en: ersteres ersteres 8 S Summe und Procent
lateral, medial, BR knaesalsnurs
lateral| oben | unten | lateral| unten : F% lateral m
letzteres letzteres um | 82
medial lateral oO
| ’ |
3 = — 3 1 — — 3 1 8 192523075
4 1 1 3 — 1 — 2 7 19 — 2530),
7 = == = En Ze 2 = Zu 7
= - 2 280),
3 1 4
5 -- = 7 = = 1 == - 1 14 — 187%,
Bildungs- h rn 1 Pr er 1 ei A 270),
anomalie |
Summe und 9/, | 22 2 1 13 3 1 1 7 1 24 75
5 m — m A| I en 4
41 — 54:60), 2 32 — 4270),
43 = 57:30),
Tabelle II.
Hypermetropie.
Bindeseweßsn c Superposition und Eunennosition = EB
* indegewebsring onus Bindegewebsring uperpositio 28
Bes Grad der — ST a WET — he Summe
2 - Ani en ©
form _|uypermetropie Euler es ee | 7 |B lateral 3 medial 2 liunes = 5 En Erncen
Ö I Fe ol 5 | 5 ® &0 lateral eo
Eee ee medial S lateral Er
bis 3 D 151 — | — 6 2 1 1 10 4 11 50)
I bis 6 D 6|— | —- | — —_ 1 3 = —_ 5 1 9 128,99 — 490],
über 6D | 5 al era 1 1 13 121)
bis 3D 11 1 2 1 4 1 14 135
II bis 6 D 3 1 2 | — 1l—-— | —- | — —_ — 4 —_ 3 [14256 — 27:80),
über 6 D 4|—- | - I | - |-|—-|— _ — — — 3 7
2 medial 4 |21
bis 3 D 2 2 2 2 | — 11l—|— —_ —_ 2 { n 5 e
5 6 1 8 -
II 1 bis 6 D —_ 11 — — — 3 — 5 i 33 — 18:80),
a — 1 1
über 6 D 1 — |-|I1-|-|1-|-|-— — — E _ z
bis 3D 2|I|— | — 1 er. | — = [= ar zer 2
IV bis 6 D —|--|1-|-|-|-|-|-—- — _ = —_ _
über 6 D -|—-[I1-|1— 1l—-— | —|— _ — — — =
Bildungs- bis 3 D —- I || — 1l—-— | —- | — —
anomalien bis 6 D Je ei N — — — — = —
ST 55 eos 5 | 3 1 2 33 s | 67 202
il a In nn el | as a I rt ln a rt 21 33-20,
68 — 33% 3—1l Dr, 3 ee 10
a F
91 — 450), 108 = 53:50),
a
94 — 465%,
1 Die kleinen Zahlen bedeuten Excavationsform III;.
274 Anton Elschnig,
Tabelle II.
Myopie.
Superposition und =
3indegewebsring Conus Bee Superposition S e
vations- k N = a2 g Eh
form der Myopie | 5 ® & es 3 & n |B lateral 3 medial later: = = und’Eragenl
Be a | ss En ateral| unten | 2 &
aSlEelsıEı=| 28 | 8 |.8E |S medialls lateral Zr
bis5 D 9 | — 11 — 5 3 5 2 8 nl
I bis 10 D — l—- | — | — Bi 2 2 3 — -— 1 — li 13,86 — 4:20),
über 10. D 27 30 40)
bis 5D 3 3 2 - — — 1 9
II bis 10 D 2 ob. 1 2 5.17—8'30)
über 10 D 2 —_ 1 — 3|
bis5 D Be 1 1 1 = f = ee
1 4
IT 1 Se | ee re 2 — | = | 2 @n Ben
über 10 D zu a
bis 5 D = 24 | 1 25
IV bis 10 D 2 17. — — [19)61 = 300,
über 10D| — | — | — | — |14| — | — 3 En — 17|
Bildungs ER > “ BE =: Eu
|. Een D 1 1 6 8)20 — 9:90,
omaflen | über 10D 1 lei
an, 2a| 2| 2|- lol el2alıo 3 2 2 1. | 18 204
u a ee ne JE IE — Be
28 — 13:79), 155 = 75-90), 5 16= 7'809,
Be en a m I NE
188 — 92:29,
1 Die kleinen Zahlen bedeuten die Form IIl;.
Tabelle IV.
Excavation I.
Durchmesser Verhältnis e
Typus des = : Schalt- Binde: =
Nr. des Falles Alter Durchtritts- |des äußeren| des inneren Baer Conus) 45
GAnele SEN mega Da:Di ZDL:iDE | Webeine a9
Durchtrittsloches in
1 379 1 1-85 1:32 100: 71 100 :50 — —
2 20 ik 1:95 1225 100: 64 100: 41 — —
3 R Ei I, 1:75 1:20 100: 68 100 :47 = —
Su. 'd I 1:70 1:18 100 : 69 100: 48 _ _
16 9 I 2-0 1:20 100 : 60 100: 36 _ —
5 2g I, 1:96 E32 100 : 67 100 : 45 - 1
1
a) 1:86 1:26% 100: 68 100 :46 — 2.
dial
34 9 V ne
41 R | 1:88 1028 100 :68 100 .:46 — 1;
medial
1 nn
Summe: 8 im Mittel 1:87 125) 100 : 67 100: 44 _ 3
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 275
Tabelle V.
Excavation I.
Typus | Durchmesser des | Es verhalten sich
scan: Nr. Alter des —| äußeres : inneres Binde- Super:
des En Durch- | äußeren | inneren Durchtrittsloch Schaltgewebe | gewebs- | Conus | .,.
tionsform| Falles Geschlecht tritts- Fahren. ring BasınoN
auelzs Durchtrittsloches | messer Flächen
25 330g II, 1.92 1'38 100:72| 100::52 — E= 1 _
33 Sl II, 2:60 1:75 100:67 | 100:45 — E= 1 nz
6R 16 9 Is 2:25 1:60 100:71| 100:51 angedeutet — -- 1
eu
3 im Mittell 225 1757. 100:70| 100:49 | 1 angedeutet — 2 1
6L 16 9 Io 2-15 1:90 100:70| 100:49 1 — — 1
Zi 23 9 Iz 1:90 1:34 100:70| 100:50 _ —_ —_ 1
8 19 9. la 2:40 1:60 100:67 | 100:45 = 1 —_ 1
9 211g I; 2:00 1:37 100:68| 100:47 — 1 _ u
10 49 Is 1:90 1:35 100 :71| 100 :50 = —_ 1 —
11 57 9 I; 1:80 1:50 100 :83 | 100:70 1 = — —_
35 49 9 IL, 2:15 1:50 100:70| 100:49 = = 1 -
2 i 2,
7. im Mittell 2-04 1-51 100:74| 100:55 1 angedeutet 2 2 3
12 L ) I; 2:12 1:50 100:71| 100:50| angedeutet 1 = —
61 cf
12 R \ I; 2:44 166 100:68| 100:46 —_ = 1 —_
24 R IL, 2:40 1:75 100:73| 100 ::53 1 -- — —
209g
24 L II, 2-45 1:86 100:76 | 100:58 1 — _ —_
26 69 2 Il, 1:95 1:38 100 :71| 100::50 1 u u 2
28L 48. Il; 220 1:60 100:73| 100: 53 1 .- (1) 1
29 L 46 J' |Isc-ıv)| 2°20 1:60 100:73 | 100 :53 1 1 — -
32 R IV, 1:94 1'50 100 :77 | 100 :60 —_ -- 1 _
39 g
32 L III, 1:95 1:50 100:77 | 100: 60 —_ _ 1 _
Fein > 5 7 Se 5,
Summe 9 im Mittel| 2-18 1:59 | 100:73| 100:53| | angedeutet 2 3 (& 1
Ge-
sammt- 19 » 2-16 1:56 100:72| 100:52
summe
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
276 Anton Elschnig,
Tabelle VI.
Excavation Ill.
Typus | Durchmesser des Durchtrittsloch
E y Nr. des = Be Binde- SunaR
Ze des Alter Deischlg=nBerenaläinneren Verhältnis der Schaltgewebe | gewebs- | Conus aa
tionsform| Falles tritts- BE ring P
ie Durchtrittsloches | messer Äbeen
13 26 9 I; 2-14 1:56 100:73)| 100: 53 — — _ _
14 62 9 Is 1:96 1:54 100:79| 100:62 1 1 —_ 1
15 34 9 I; 225 1:73 100:77| 100:59 — 1 _ E=
16 26 DO I, 2-10 175 100:83| 100:69 —
30 R 24 9 II, (3) | 1°96 1:48 100,75) 100:57 — —_ 1 —_
Mt 30 L | III, (3) 210 1:50 100:71| 100: 51 — —_ 1 —
1
36 29 9 I, Cam) 220 1:50 100:69) 100: 48 angedeutet —— 1 E
37 L B3 III, 1:92 1:30 100:67 | 100: 46 = — 1 =
37 R g III, 1:90 1:28 100:67 | 100:45 == — 1 —
38 il Sf IT, 2-00 1:50 100: 75 | 100 : 56 — — 1 1
39 23 9 V 2-13 1:50 100: 70 | 100:50 - — = =
40 54 V 2-12 1:62 100:76| 100:58 _ 1, medial 2 ==
Summe 12 im Mittel | 2:06 1252 100:74| 100:54 | 1, angedeutet I 3 6 2
17 22 9 I, 2:50 1'75 100:70| 100:49 — =— — 1
18 1, g I; 1:82 1:38 100:73| 100:53 _ — = =E
19 R Is 2:00 1:50 100:75| 100:56 = = 1 =
Il; 29 9 j
19 L I, 1:85 1:50 100:81| 100:66 angedeutet —_ 1 —
20 40 1; 2:00 1-52 100:76| 100:58 _ 1 _ =
27 66 2 II; 1:85 1:55 100:84| 100:69 1 - 1 —_
Summe 6 im Mittel| 2-09 1:60 100:76| 100:58| 1, angedeutet 1 1 3 1
21R 53 9 I; 2:20 1:50 100:68| 100:46 1 — — _
21 I, 2'25 1:50 100:66| 100:45 1 = = >=
22 OD, Io 2-00 1:62 100:80| 100:66| angedeutet 1 1 =
Il, ll sn Ih 2-50 | 1-75 | 100:70| 100:49 1 ar 1 =
RR = % 250 | 1:75 | 100:70| 100:49 1 = 1 z
29 R 46 Iz 2-12 1-38 100:65| 100:42 == 1 == —
42 39 92 V 2:00 1:74 100:87| 100:76 — 1 _ —
Summe 7 im Mittel| 223 1:61 100:72| 100:52|4, angedeutet 1 3 3 —_
Ge- j
sammt- 25 im Mittel | 2-11 1:56 100:74| 100:55 | 6, angedeutet 3 7 12 3
summe
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 27
Tabelle VII.
Excavation IV.
Durchmesser f ® 2
i Typus des Verhältnis des äußeren zum Sch 2
Nr. des Falles Sen Durchtritts- | des äußeren | des inneren inneren Durchtrittsloche = en ED
Geschlecht = gewebe |o | 3
canales — Bslee
Durchtrittsloches Durchmesser Flächen ee
28 R 48.g IV, 2.34 1:86 100:79 | 100:683 1 || =
3ıR II, 2-08 1:74 100 : 84 100 : 70 angedeutet | — 1
SsıL IV, 2:04 1:56 100 : 77 100: 58 1 _ 1
34L - . III, 1:85 1:66 100 : 86 100 :74 -- 1| —
350g 7: |
34 R III, 1:80 1:56 100: 87 100 : 75 = _ 1
Summe 5 im Mittel 2:02 1:67 100 :83 100: 69 2 2| 3
angedeutetl
Tabelle VII.
Bindegewebsring.
Aura
Typus des
N er:
ee Alter en Anmerkung
1 2 3 3a
5 = = =
= 13 2 Lateral
12L 61 I; 1 -- u —_
14 62 I, 1 Ringsum, lateral breiter
15 34 I, 1 _ _ — Lateral
23 79 I f ei sr Medial, ophthalmoskopisch nicht sichtbar
2 gewesen
Oben außen Superposition, unten außen
8 19 I, 9 1 —_ — — Bingegewebsring, ophthalmoskopisch nicht
ges 8 OP P
sichtbar gewesen
20 40 I, 1 Lateral, Übergang zu Art 2
29L = 1 Er
29R 46 II rn | — er Lateral
42 39 V — — 1 —_ Ringsum, stellenweise an Art 2 erinnernd
40 54 V = ET 1 =
DEaTE V meer ES 1 == Medial, ophthalmoskopisch nicht sichtbar
34 gewesen
41L V — => 1 St
34 L 33 Il; — —_ 1 — Lateral
9 21 I; _ _ u 1 Ringförmig, medial Art 1
Am äußeren oberen Rande des Sehnerven,
28R 43 IV, —_ _ —_ | unten außen Superposition des Pigment-
epithels
16 7 2 5 2
36*
278 Anton Elschnig,
Tabelle IX.
Conus.
Typus des
Art des Conus
Nr. des Falles Alter Durchtritts-
Canales 1
la
35
Anmerkung
Ringsum, medial nur angedeutet
Lateral
Oben außen Conus, unten außen
Superposition
Lateral
Ringsum
Lateral
Bindegewebsring ringsum, lateral
“ _ Conus
Lateral
In der unteren Conushälfte
wie 3
In der unteren Conuspartie wie
3—3a
Lateral
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 279
II. Theil.
Casuistik.
1. A. Juliana, 37 J. Linkes Auge, emmetropisch. (U. T. 1.1)
Papille nicht sehr scharf abgegrenzt, nur medial deutlicher Pigmentring, trichterförmige kleine Excavation, an deren Spitze die
Theilung der Centralvene sichtbar ist. Oben außen: ceilioretinale Arterie II. Ordnung.
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Der Sehnerv ist so in das Auge eingepflanzt, dass seine Achse zuletzt nahezu senkrecht steht auf der hinteren Scleralfläche.
Dura mäßig dick, zerbündelt die besonders lateral reichlichen äußeren Sclerallagen. Der Zwischenscheidenraum endet beider-
seits spaltförmig.
Der Durchtrittscanal des Sehnerven ist symmetrisch conisch, die leicht spornartig vortretende Chorioidea, respective Glashaut
mit Pigmentepithel, bildet das innere Durchtrittsloch, vor dessen Rande schon die leicht zugeschärften mittleren Netzhautschichten
endigen.
Die sclerale und die chorioidale Lamina sind recht stark entwickelt, die Kernsäulen steigen besonders medial bis in die
Netzhaut auf.
Kleine, trichterförmige Excavation nahezu im Centrum der Papille, deren etwas abgerundete, ein lockeres, recht kernreiches
Bindegewebe enthaltende Spitze vor der Ebene des inneren Durchtrittsloches liegt.
Die cilioretinale Arterie entspringt aus dem Scleroticalgefäßkranze und zieht, ohne die Chorioidea zu berühren, in die Nerven-
faserschichte der Netzhaut. (An der Abbildung fast ganz getroffen, aber nicht sehr deutlich zu sehen.) (»Cilioretinale Arterien«, Fall 2.)!
Der Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches beträgt 1°85 mm, der des inneren 1'32 mm.
Der Pigmentring ist durch starke Pigmentierung der am Rande des Durchtrittsloches besonders großen, wie gehäuften Pigment-
epithelzellen bedingt. ;
Durchtrittscanal: Typus I,, Excavation: Typus I.
2. K. Wenzel, 20 J. Linkes Auge. Hypermetropie 7 D.
Papille unscharf begrenzt, geringe centrale Einsenkung an den Centralgefäßen.
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Sehnerv senkrecht eingepflanzt, Dura medial dick und mit breitem Fuße angesetzt, die äußeren Sclerallagen spärlich und zer-
bündelt. Lateral Dura dünn, äußere Sclerallagen mächtig und deutlich abgegrenzt, hier der Zwischenscheidenraum spaltförmig;
medial leicht buchtig erweitert.
Scleroticochorioidalcanal regelmäßig conisch, ohne jegliche Besonderheit, die mittleren Netzhautschichten und Pigmentepithel
endigen mit dem schmalen Chorioidalsporn. \
Das gesammte Binde- und Stützgewebe des Sehnerven ist bis weit in die Netzhaut mächtig entwickelt; kleine trichterförmige
Excavation, deren vor der inneren Chorioidalebene gelegene Spitze noch durch leichte Bindegewebsanlage verkleinert wird.
Durchmeser des äußeren Durchtrittsloches 195 mm, des inneren 1'25 mm.
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus I.
3. L. Marie, 51 J. Beide Augen. Emmetropie.
Papillen längsoval, kleine trichterförmige Einsenkung lateral von den fast im Centrum der Papille gelegenen Centralgefäßen;
lateral eine sichelförmige Superposition des Pigmentepithels, deren peripherer Rand bei indirecter Beobachtung deutlich markiert ist
als hellere, durchscheinende Linie.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Linkes Auge. Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, Dura dünn, äußere Sclerallagen wenig stark entwickelt und recht
undeutlich gegen die Dura abgegrenzt, Zwischenscheidenraum beiderseits buchtig begrenzt, medial weiter als lateral. Sclerotico-
chorioidalcanal symmetrisch conisch, medial deutlicher als lateral, leichte scleralwärts gerichtete Ausbiegung im Bereiche der
inneren Lagen der scleralen Lamina. Die Membrana vitrea chorioideae etwas drusig verdickt und von dicht pigmentiertem, großzelligen
Pigmentepithel bis zum Rande belegt, reicht lateral spornartig achsenwärts vor, in diesem Stücke nur durch eine dünne Lage faserigen
unpigmentierten Bindegewebes gegen den Sehnerven abgegrenzt, während erst fast in gleicher Höhe mit der Sclera normal angelegte
Chorioidea sich findet. Auch dieser letztere Rand ist durch drusige, aber schwach pigmentierte Bildungen an der Membrana vitrea
1 Siehe Elschnig, Cilioretinale Gefäße. Archiv für Ophthalmologie, XLIV, p. 145 (1887).
280 Anton Elschnig,
vorschiebt und von den hier scharf S-förmig umbiegenden periphersten Nervenfasern umkreist wird, Medial enden die mittleren Netz-
hautschichten zugeschärft schon vor dem Rande des Pigmentepithels, der fast unmittelbar mit dem Rande des Durchtrittsloches
zusammenfällt; nur eine sehr dünne Schichte spärlicher Kerne, als Fortsetzung der inneren Körner trennt die Nervenfasern vom
Pigmentepithel.
Der Sehnerv ist retrolaminar schon sehr dünn, das Bindegewebe der scleralen Lamina zartfaserig, aber sehr reichlich, ebenso
bestimmt. Das Durchtrittsloch des Sehnerven ist aber noch dadurch etwas eingeengt, dass lateral die verdünnte innere Körnerschichte,
direct den bogenförmig achsenwärts strebenden periphersten Nervenfaserbündeln aufliegend, sich über den Rand des Pigmentepithels
die chorioidale Lamina; der centrale Bindegewebsstrang breit, so dass nur eine kleine, trichterförmige Excavation, deren Spitze nicht
in die Chorioidalebene zurückreicht, entsteht; sie .ist noch durch kernreiches Bindegewebe, das dem centralen Bindegewebsstrange
aufliegt, eingeengt.
Die Superposition des Pigmentepithels am lateralen Papillenrande, welche ophthalmoskopisch sichtbar war, ist anatomisch
dadurch begründet, dass der Randtheil des Pigmentepithels lockerem Grenzgewebe aufliegt und mit dem Beginne der normal ent-
wickelten Chorioidea das Epithel unregelmäßig beschaffen, die Glashaut drusig ist.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°75 mm, des inneren 120 mm.
Durchtrittscanal: Typus I, (mit ieichter, scleralwärts gerichteter Ausbiegung im Bereiche der scleralen Lamina), Superposition
der inneren Körnerschichte lateral. Excavation: Typus 1.
Rechtes Auge. Im großen und ganzen übereinstimmender Befund. Jedoch ist die Dura dünner, die besonders lateral
mächtigen äußeren Sclerallagen sind ganz scharf gegen sie abgegrenzt, der Zwischenscheidenraum beiderseits etwas weiter, als am
linken Auge.
Die Superposition des Pigmentepithels über das Grenzgewebe, das auch medial deutlich ausgebildet ist, ist schmäler als rechts.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 170 mm, des inneren 1:18 mm.
Durchtrittscanal: Typus Is, nur lateral Andeutung der scleralwärts gerichteten Ausbiegung im Bereiche der scleralen Lamina.
Excavation: Typus I.
4. K. Marie, 16. J. Rechtes Auge, emmetropisch. (U. T. II.)
Unscharf begrenzte, kreisrunde Papille; kleine trichterförmige Excavation. Lateral sichelförmige, dunkle Superposition.
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Sehnerv nahezu senkrecht eingepflanzt, Dura dick, breit an die Sclera angesetzt und deren äußere Lagen zerbündelnd. Das
vordere Ende des Zwischenscheidenraumes ist lateral spaltförmig, medial buchtig erweitert.
Der Durchtrittsceanal ist unregelmäßig conisch, seine laterale Wand fast senkrecht zur Sclera, aber das innere Durchtrittsloch
dadurch eingeengt, dass die innere Körner- und Ganglienzellenschichte, letztere am weitesten, achsenwärts über den Rand der Glas-
haut vortreten, zuletzt sehr zarten chorioidalen Laminabalken aufliegend. Die Chorioidea ist hier vom Sehnerven durch lockeres
Grenzgewebe getrennt, dem die bis zum Rande normales, zuletzt dickeres und dichter, pigmentiertes Pigmentepithel tragende Glashaut
aufliegt. Medial tritt die Chorioidea mit Glashaut und Pigmentepithel spornartig zugeschärft weit achsenwärts vor; die” mittleren
Netzhautschichten enden fast senkrecht abgesetzt unmittelbar vor dem Rande des Durchtrittsloches.
Die sclerale und chorioidale Lamina ist stark entwickelt, erstere in der lateralen Hälfte des Sehnerven gestreckt verlaufend, so
dass die Markgrenze hier weiter vorreicht, als medial. i
Trichterförmige Excavation, durch Bindegewebe an der Spitze leicht abgerundet, welche nicht bis zur Ebene des inneren
Durchtrittscanales reicht. Besonders an Präparaten mit Färbung der elastischen Fasern sind ungewöhnlich zahlreiche Piabalken an
der Wand des Durchtrittscanales bis zu der Gegend der Membrana vitrea chorioidea zu verfolgen.
Die Superpositionssichel, welche ophthalmoskopisch gesehen wurde, ist also wieder dadurch begründet, dass das Pigment-
epithel mit Glashaut am Sehnervenrande lockerem Grenzgewebe aufliegt.
Der Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches beträgt 2 mm, des inneren 1:20 mm.
Durchtrittscanal Typus: Is, Excavation: Typus 1.
5. G. Victor, 22 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Kleine Papille, sehr unscharf begrenzt, lateral hellweißer Bindegewebs- und dunkler Pigmentring. Keine deutliche Excavation.
Oben außen cilioretinale Arterie (s. »Cilioretinale Arterien«, Fall 3).
Härtung in Müller’scher Flüssigkeit — 100/, Formalin, 3:1. =
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt. Dura dick, äußere Sclerallagen besonders lateral recht reichlich, aber ganz zerbündelt.
Zwischenscheidenraum schmal spaltförmig. Durchtrittscanal im Verhältnis zum Sehnervencaliber sehr eng, hat die Form eines etwas
schiefen Kegelstumpfes, mit scleralwärts gerichteter Ausbauchung im Bereiche der inneren Lagen der scleralen Lamina, besonders
lateral. Medial ist die Chorioidea durch eine dünne, lateral durch eine viel. breitere Schichte pigmentlosen Bindegewebes gegen den
Sehnerven abgegrenzt (Grenzgewebe), welches der zuletzt schon epithellosen Membrana vitrea chorioideae zur Unterlage dient. Medial
enden die mittleren Netzhautschichten zugeschärft schon außerhalb des Randes der Glashaut, nur eine dünne Schichte kernreichen
Gewebes trennt die Nervenfaserschichte von dieser. Lateral schiebt sich die Glashaut noch, zuletzt zarten, chorioidalen Lamina-
F
|
|
|
|
|
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 281
balken aufliegend, über das Grenzgewebe achsenwärts vor und dient den hier besser entwickelten mittleren Netzhautschichten zur
Unterlage, welche, die Ganglienzellenschichte voran, den Rand des Durchtrittsloches bilden. Die äußere Körnerschichte endet hier
etwas früher, überragt aber noch das wohlgebildete Pigmentepithel, das dort, wo es endet, besonders dicht pigmentiert und groß-
zellig ist.
Die sclerale Lamina ist mächtig entwickelt und reicht sehr weit in den Sehnerven zurück; auch die chorioidale Lamina ist
recht stark entwickelt, die vordersten Balken gegen das Bulbusinnere convex vorragend. Auch die Kernsäulen steigen weit in die
Netzhaut auf, so dass das dichte Papillengewebe stark über das enge innere Durchtrittsloch prominiert und nur im Centrum durch das
Auseinanderweichen der Sehnervenfasern eine leicht abgerundete trichterförmige Excavation entsteht, deren Basis durch recht reich-
liches, kernreiches Bindegewebe, mit der chorioidalen Lamina zusammenhängend, gebildet ist.
Der Bindegewebsring ist also durch reichliches »Grenzgewebe« gebildet, welches von der, aber zuletzt schon epithellosen, Glas-
haut bedeckt ist. Der Theil der Glashaut, der, den superponierten mittleren Netzhautschichten als Unterlage dienend, über das Grenz-
gewebe achsenwärts vorgeschoben ist, wurde ophthalmoskopisch nicht gesehen; Beweis dessen der Verlauf der cilioretinalen Arterie.
Ophthalmoskopisch tauchte sie in kleinem Abstande von dem inneren Rande des Bindegewebsringes aus der Sehnervenpapille auf;
anatomisch durchbricht sie, aus dem Scleroticalgefäßkranze stammend, noch im Bereiche der Sclera die Wand des Durchtrittscanales
und umkreist die mittleren Netzhautschichten dicht an ihrem Rande.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°96 mm, des inneren 132 mm.
Durchtrittsganal: Typus I,;, mit skleralwärts gerichteter Ausbauchung im Bereiche der scleralen Lamina. Excavation: Typus |.
6. P. Marie, 13. J. Beide Augen. Emmetropie.
Wenig tiefe, medial steilwandige, lateral langsam ansteigende physiologische Excavation, ohne Tüpfelung des Grundes, etwa
den halben Pa.D. betreffend. Centralgefäße nahezu central. Lateral eine heller als der übrige Augengrund gefärbte, gegen die Peri-
pherie durch zarten Pigmentstreifen abgegrenzte Sichel, wie Superposition (links nur angedeutet).
Härtung in Müller'cher Flüssigkeit.
Rechtes Auge. Der Sehnerv ist fast senkrecht eingepflanzt. Dura dick, medial mit breitem Fuße in die Sclera übergehend,
die äußeren Sclerallagen wohl deutlich gegen die Dura abgegrenzt, aber durch deren Lamellen aufgeblättert; Abgrenzung der letzteren
lateral deutlicher als medial. Fornix lateral breit spaltförmig, medial rechteckig, circa in der halben Dicke der Sclera.
Seleroticochorioidalcanal regelmäßig conisch, mit geringer Verjüngung nach innen, die Membrana vitrea chorioideae endet mit
dem Pigmentepithel, liegt aber sowohl lateral, als medial, lateral in größerer Breite (fast 0°20 mn) nicht der Chorioidea, sondern
einem lockeren, die Chorioidea-Sclera vom Sehnerven trennenden Bindegewebe auf, welches fast pigmentlos, außer ringförmigen zahl-
reiche dem Scleroticochorioidalcanale parallel laufende Züge enthält, die von den Laminabalken durchkreuzt werden, und einerseits
mit den innersten Lagen der Pia, anderseits mit einer kernreichen Bindegewebsschichte an der Hinterfläche der Membrana vitrea
chorioideae zusammenhängt. Die Netzhaut endet leicht zugeschärft fast gleichzeitig mit dem Pigmentepithel, wobei die äußere Körner-
schichte am weitesten an den Sehnerven herantritt.
In der medialen Sehnervenhälfte ist sowohl die sclerale, als die chorioidale Lamina recht gut entwickelt, die Nervenfaserbündel
liegen dicht dem centralen Bindegewebsstrange an und sind bis in die Netzhaut durch die Gliasäulen geschieden. Lateral dagegen
sind die Nervenfaserbündel schon vor der Lamina durch reichliche, quer vom Bindegewebsstrange abgehende Bindegewebszüge von
diesem getrennt, weichen am Beginne der Lamina nach oben, unten und außen ab, so dass lateral vom centralen Bindegewebsstrange
in einem fast 1/, des Pa.-D. betreffenden Bereiche die zahlreichen, recht lockeren Laminabalken nur mehr von äußerst spärlichen und
dünnen Nervenfaserbündeln in schräger Richtung durchbrochen werden. Der große, so von den Nervenfasern im ganzen intra-scleralen
und -chorioidalen Verlaufe freigegebene Raum wird aber durch ein sehr lockeres, nur an den Centralgefäßen etwas dichteres und kern-
reicheres Bindegewebe so ausgefüllt, dass nur eine abgerundet trichterförmige Excavation erübrigt, deren Spitze circa 025 mm hinter
der Chorioidalebene liegt.
Von der Basis der Excavation erstreckt sich ein nahezu solider Zellzapfen (Schaltgewebe) in den centralen Bindegewebsstrang
bis gegen die Mitte der scleralen Lamina.
Die »Superposition« des Pigmentepithels ist also dadurch bedingt, dass der Randtheil desselben einer breiten Schichte von
Grenzgewebe aufliegt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 225 mm, des inneren 160 man.
Durchtrittscanal: Typus Ig. Excavation: Typus II;.
Linkes Auge. Die äußeren Sclerallagen lateral in toto, medial fast in toto von der Dura umfasst, also schärfer abge-
grenzt und nicht zerbündelt. Zwischenscheidenraum abgerundet spaltförmig.
Das übrige Verhalten ist nahezu identisch mit dem des rechten Auges, nur ist das die Sclera-chorioidea im innersten Theile des
Sehnervendurchtrittes von dem Sehnerven trennende Grenzgewebe viel weniger massig als rechts. Die Excavation hat ungefähr die-
selbe Form wie rechts, die begrenzenden Sehnervenbündel denselben Verlauf. Das Füllgewebe an der Basis der Excavation ist aber
so massig, dass die Excavation weniger tief ist als rechts. Hier erstreckt sich auch ein kernreicher Schaltgewebs-
zapfen vom Excavationsgrunde längs der Centralgefäße, lateral diesen anliegend, bis zur äußeren Fläche
der scleralen Lamina. (Siehe Fig. 1 auf Taf. ]).
Bi.
282 Anton Elschnig,
Der Netzhautbeginn ist etwas vom Rande des Pigmentepithels abgerückt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°15 mm, des inneren 1°50 mm.
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus II,—2.
7. M. Marie, 23. J. Rechtes Auge, emmetropisch.
Grübchenförmige, fast centrale Excavation, von den Papillenarterien medial begrenzt.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Der Sehnerv ist nur ganz leicht nach außen schräg eingepflanzt, Dura dick, mit breitem Fuße in die äußeren Sclerallagen über-
gehend, welche nur spärliche, zerbündelte selbständige Lamellen zeigen.
Zwischenscheidenraum rechteckig begrenzt, medial breiter als lateral; die Pia bildet mit ihren zahlreichen, nach außen um-
biegenden Lamellen die vordere Begrenzung desselben. Der Durchtrittscanal ist medial durch die regelmäßig spornartig vorragende
Chorioidea mit Glashaut und Pigmentepithel eingeengt, die mittleren Netzhautschichten enden fast senkrecht abgesetzt gleichzeitig mit
derselben. Lateral ist der Durchtrittscanal fast senkrecht zur Scleralfläche, die Chorioıdea durch innen etwas abgerundetes Grenz-
gewebe vom Sehnerven geschieden, die bis zum Rande normales Pigmentepithel tragende Glashaut der Chorioidea ist zuletzt durch
das zwischen Grenzgewebe und sie eindringende Sehnervengewebe leicht abgehoben. Die mittleren Netzhautschichten schieben sich
noch, die Ganglienzellenschichte am weitesten vortretend, über den Rand des Pigmentepithels achsenwärts vor, dem Sehnerven-
gewebe, welches daselbst durchaus nicht reichlicheres Bindegewebe enthält, aufliegend.
Die Laminabalken sind sämmtlich zart, aber reichlich; die lateral dem Bindegewebsstrange angrenzenden Nervenfaserbündel
weichen schon am Eintritte in die sclerale Lamina peripherwärts ab, lassen also einen großen Raum an der Papille frei, der aber bis
zur Chorioidalebene mit zartfaserigem, kernreichem Bindegewebe ausgefülllt ist.
Die Superposition der Netzhaut war ophthalmoskopisch nicht sichtbar, da das Sehnervengewebe in deren Bereiche nicht mehr
Bindegewebe enthielt als sonst. Auch die Superposition des Pigmentepithels lateral, die allerdings äußerst schmal ist, war nicht
sichtbar.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 190 nm, des inneren 134.
Durchtrittscanal des Sehnerven: Typus I;. Excavation: Typus II,_».
8. S. Karl, 19 J. Rechtes Auge, emmetropisch.
Große, etwas unregelmäßige physiologische Excavation von geringer Tiefe ohne deutliche Tüpfelung. Die Centralarterie ist
aus der Mitte der Papille auftauchend, der flachen medialen Wand der Excavation angeschmiegt in großer Ausdehnung zu sehen
theilt sich erst an dem medialen Excavationsrande. Andeutung von Typus inversus.
Oben außen schmale Superposition des Pigmentepithels.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv senkrecht eingepflanzt, Dura dick, mit breitem Fuße an die Sclera angesetzt, reichliche äußere Sclerallagen stark zer-
bündelt. Zwischenscheidenraum lateral spaltförmig, medial leicht buchtig verbreitert. Durchtrittscanal symmetrisch conisch, abe!"
verschieden in der oberen und unteren Bulbushälfte. Oben außen ist die Chorioidea durch lockeres Grenzgewebe vom Sehnerven
getrennt, dem die bis zum Rande besonders große und stark pigmentierte Epithelzellen tragende Glashaut aufruht; die mittleren
Netzhautschichten enden fast senkrecht abgeschnitten mit ihr. Unten innen tritt die Glashaut der Chorioidea, bis zum Rande mit
Pigmentepithel besetzt, etwas zurück, so dass ein schmaler Keil zarten Grenzgewebes, in die vordersten Lagen der chorioidalen
Lamina übergehend, achsenwärts vorgeschoben erscheint, dem die leicht verdünnten, aber wohl ausgebildeten mittleren Netzhaut-
schichten (ausgenommen äußere Körner, welche mit dem Pigmentepithel endigen) aufliegen, die Ganglienzellenschichte am weitesten
vorgeschoben.
Das gesammte Stütz- und Bindegewebe des Sehnerven ist stark entwickelt; die centralen Nervenfaserbündel des Sehnerven
weichen schon am Eintritte in die sclerale Lamina stark peripherwärts ab, ebenso legt sich die Centralarterie frühzeitig medialwärts
um, aber der so freigegebene Raum ist durch reichliches, mit der Lamina zusammenhängendes Bindegewebe so angefüllt, dass die
große, aber flache Excavation nur wenig hinter die Chorioidalebene reicht.
Die Superposition des Pigmentepithels oben außen war dadurch gegeben, dass der Randtheil des hier besonders gut aus-
gebildeten Pigmentepithels lockerem, keilförmig vorragendem Grenzgewebe auflag; der äußere Rand der Superposition dürfte auch
dadurch noch deutlicher hervorgetreten sein, als in dessem Bereiche am Beginne normaler Chorioidea das Epithel besonders wenig
pigmentiert ist. Der anatomisch angelegte Bindegewebsring innen unten war offenbar deshalb nicht sichtbar, weil das Grenzgewebe
daselbst sehr zart und das darüber liegende Nervengewebe sehr dicht und dick ist.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2'40 mm, des inneren 160 mm. '
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus II, _9.
9. S. Anton, 21 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Theilung der Centralarterie etwas medial vom Papillencentrum, lateral davon eine innen steil, außen flach und unscharf
begrenzte, nicht tiefe Excavation, deren Grund recht hell gefärbt, aber nicht getüpfelt ist. Ringförmiger, lateral etwas breiterer Binde-
gewebsring mit scharfer Begrenzung.
EEE DU BEE AD GGG
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 283
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv leicht schräg nach außen eingepflanzt, hat ebenso wie das innere Durchtrittsloch einen für ein männliches Auge sehr
- kleinen Durchmesser. Dura dick, bildet ohne deutlich abgegrenzte äußere Sclerallagen die äußeren zwei Drittheile der Scleraldicke.
Zwischenscheidenraum medial 0°65 mm breit, lateral viel schmäler rechteckig endigend, wobei die scleralwärts umbiegenden
äußeren Pialamellen die vordere Begrenzungswand bilden. Der Durchtrittscanal ist in der äußeren Hälfte dadurch unregelmäßig
gestaltet, dass die Sclera-Chorioidea gegen das Bulbusinnere zu von der Sehnervenachse sich entfernt; die Membrana vitrea chorioi-
dea liegt am freien Rande ohne Choriocapillaris dem abgerundeten Knie der bindegewebigen Begrenzung der Chorioidea auf, im
capillarfreien Bezirke auch epithellos, ragte noch ein Stück über die erstere achsenwärts vor und endet dann beträchtlich verdünnt,
während das nach hinten anliegende elastische Netz sich in die chorioidale Lamina auffasert; die inneren, verdünnten, zugespitzten
Netzhautschichten aber treten noch weiter achsenwärts vor, so dass also die periphersten Nervenfasern, um vom Sehnerven zur
Netzhaut zu gelangen, zuerst im Chorioidalcanale leicht axifugal, dann scharf achsenwärts umbiegend dem vorgeschobenen
Netzhautsporne parallel laufen, um endlich den letzteren, wieder hakenförmig umgeknickt, in entgegengesetzter Richtung zu
passieren.
Die vorgeschobenen Körnerschichten liegen ohne deutliches Zwischengewebe dem Sehnervengewebe auf, welches aber hier
sehr reichliche chorioidale Laminabalken enthält. Es ist also eine völlige Übereinstimmung mit U. T.V, XV vorliegend, mit dem Unter-
schiede, dass das sclero-chorioidale Knie, welches als »Bindegewebsring« gesehen wurde, nicht pigmentiert ist.
Medial isigdie Wand des Sclerotico-Chorioidalcanales eine regelmäßige Kegelmantelfläche, die Membrana vitrea chorioideae
ziemlich stark vortretend, in einem schmalen Randtheile pigmentlos und einem derbfaserigen Bindegewebe mit reichlichen elastischen
Fasern anliegend, welches die Chorioidea vom Sehnerven trennt und breite Balken in den Sehnerven einstrahlen lässt (Grenzgewebe).
Die Netzhaut endet hier so zugeschärft wie lateral, die äußeren Körner und Stäbchenzapfen mit dem Pigmentepithel, die inneren
Körner und Ganglienzellen fast unmittelbar an den Rand des Durchtrittsloches herantretend, zuletzt der Membrana vitrea an-
liegend.
Die sehr starke sclerale Lamina liegt sehr flach, nur lateral etwas nach hinten convex. Die chorioidale ist in der lateralen
Hälfte äußerst stark entwickelt, medial steigen breite Kernsäulen bis in die Netzhaut auf. Lateral von der Centralarterie eine medial
‚steil begrenzte Excavation, die aber infolge des Auseinanderweichens der centralen Bündel, der flachen Lage der scleralen und der
starken Entwicklung der chorioidalen Lamina nur knapp in die innere Chorioidalebene reicht. In ihrem Grunde ein lockeres, glia-
ähnliches Gewebe, welches auch den centralen Bindegewebsstrang, respective die Centralgefäße bekleidet.
Der »Bindegewebsring« ist also lateral dadurch anatomisch begründet, dass die Sclera-Chorioidea, von Grenzgewebe bedeckt,
ein gegen das Bulbusinnere freiliegendes Knie bildet, das zwar von der durch Grenzgewebe aufgebogenen Glashaut zum Theile bedeckt
ist, aber infolge des Fehlens des Piıgmentepithels am Randtheile der Glashaut ophthalmoskopisch sichtbar wird; die aus dem Grenz-
gewebe ausstrahlenden chorioidalen Laminabalken, denen die superponierten mittleren Netzhautschichten aufruhen, dürften noch zum
Bindegewebsring gehört haben. Medial ist der Bindegewebsring dadurch gegeben, dass der das Grenzgewebe bedeckende Randtheil
der Glashaut kein Epithel besitzt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2 mm, des inneren 1'37 mm.
Durchtrittscanal: Typus I,, Excavation: Typus Ily.
10. G. Johann, 49 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Die Papille besitzt fast central eine etwa 1/, der Fläche derselben einnehmende Excavation, deren Grund leicht auseinander
getüpfelt ist. Lateral grauliche, nicht scharf begrenzte Sichel.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, Dura dick, Zwischenscheidenraum lateral schmal spaltförmig, medial rechteckig erweitert.
Äußere Sclerallagen nur lateral deutlich abgesetzt, medial sehr spärlich. Scleroticochorioidalcanal conisch, mit leichter seleralwärts
gerichteter Ausbauchung im Bereiche der inneren scleralen Laminalagen in der medialen Wand. Die Chorioidea endet lateral etwas
vor dem Sehnerven, die Glaslamelle liegt in ihrem Randtheile in einer Breite von 0'20 mm einem derben, gefäßarmen, Pigmentzellen
führenden Grenzgewebe auf, ist in dieser Ausdehnung von verkümmertem, pigmentarmen Epithel bekleidet. Die mittleren Netzhaut-
schichten enden hier schräg abgesetzt, wobei die am meisten achsenwärts vorragenden inneren Körner wie .»intermediäres Gewebe«
etwas den Rand des Durchtrittsloches überragen. Medial ist der Canal regelmäßig ohne Grenzgewebe gebildet, die mittleren Netzhaut-
schichten enden leicht zugeschärft vor dem Rande des Durchtrittsloches.
Napfförmige Excavation, deren hinter der inneren Chorioidalebene gelegene Basis von lockerem Laminagewebe gebildet ist,
mit Andeutung eines cylindrischen Schaltgewebes im centralen Bindegewebsstrange (wie Fall 6, Fig. 1 auf Taf. D).
Die sclerale Lamina ist recht mächtig, die chorioidale lateral sehr spärlich entwickelt.
Der schmale Conus ist also dadurch anatomisch begründet, dass der dem pigmentierten Grenzgewebe aufliegende Randtheil
der Glashaut nur sehr rareficiertes, fast ganz pigmentloses Epithel besitzt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1'90 mm, des inneren 135 mm.
Durchtrittscanal: Typus I, mit leichter, scleralwärts gerichteter Ausbauchung medial. Excavation: Typus IlI;.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 37
[86]
&
DB
Anton Elschnig,
11. H. Therese, 57 J. Emmetropie; nicht große, aber tiefe, ziemlich scharf begrenzte Excavation. Leichte Entfärbung des
Pigmentes lateral.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv senkrecht eingepflanzt, Dura mäßig dick, Sclera mit recht scharf abgesetzten äußeren Bündeln. Zwischenscheidenraum
breit spaltförmig. Durchtrittscanal regelmäßig conisch mit Andeutung einer scleralwärts gerichteten Ausbiegung im Bereiche der
scleralen Lamina. Die mittleren Netzhautschichten ziemlich senkrecht abgesetzt am Rande des Durchtrittsloches, medial gleichzeitig
das regelmäßige Pigmentepithel, während lateral die Randpartie etwas unregelmäßig geformte und pigmentierte Zellen besitzt. Mäßig
starke sclerale, lateral starke, medial schwache chorioidale Lamina; Kernsäulen aber besonders medial weit aufsteigend. Trichter-
förmige Excavation, deren Grund eirca 025mm hinter der Ebene des inneren Durchtritsloches liegt, von welchen sich aber noch eine
schmale, eylindrische, lockere Bindegewebsbildung längs der Centralvene bis gegen die mittleren Bündel der wenig nach hinten con-
vexen scleralen Lamina in den centralen Bindegewebsstrang zurück erstreckt, nicht sehr scharf von letzterem zu trennen.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°80 mm, des inneren 1’50 mm.
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus Ile.
12. W. Michael, 61 J. Linkes Auge. Hypermetropie 3 D.
Große, recht hellweiße, fast centrale physiologische Excavation, in der die Centralarterie, an die mediale Wand sich an-
schmiegend, sichtbar ist; deren Theilung liegt noch in der Excavation. Lateral schließt sich an die Papille ein hellweißer, circa
1/, Pa. D. breiter Bindegewebsring (oder scleraler Conus) und nach außen ein tief schwarzer Pigmentring an.
Härtung:: 100/, Formalin.
Der Sehnerv hat in seinem letzten Stücke eine stark S-förmige Krümmung; am horizontalen Meridionalschnitte bildet seine
Achse einen nach innen offenen Kreisbogen. Die starke Dura setzt sich breit an die Sclera an, deren äußere Lagen nur lateral stärker
entwickelt und deutlicher abgegrenzt sind. Zwischenscheidenraum leicht buchtig begrenzt, medial etwas weiter. Der Durchtrittscanal
ist medial conisch, lateral senkrecht cylindrisch, wobei aber in den innersten zwei Drittheilen die Chorioidea-Sclera gegen den Seh-
nerven durch ein reichlich elastische Fasern enthaltendes lockeres, pigmentloses Bindegewebe abgegrenzt ist, welches von den innersten
scleralen Laminabalken durchbrochen wird, und von dem die zarteren chorioidalen Laminabalken auszugehen scheinen.DieMembrana
vitrea chorioideae ist in einem 0:12 nm breiten Randtheile von diesem Bindegewebe nur durch einzelne spärliche Capillaren und eine
sehr dünne Schichte netzförmigen Gewebes getrennt, ist in der doppelten Breite zweischichtig, auch leichtdrusig und ohne Epithelbelag;
ein regelmäßiges, stark pigmentiertes Pigmentepithel beginnt 0°20 mm außerhalb dem Rande der Glashaut, welche mit dem Sehnerven-
rande zusammenfällt (respective mit der Wand des Durchtrittscanales in einer Flucht liegt). Die rareficierte äußere Körnerschichte über-
ragt denRand des Pigmentepithels, die übrigen mittleren Netzhautschichten ragen, die Ganglienzellenschichte am weitesten vorgeschoben,
noch über den Rand der Glashaut eirca O° 15 mm achsenwärts vor, zuletzt den vordersten Balken der chorioidalen Lamina anliegend und
hier schon in eine Art kernreichen Zwischengewebes übergehend; da die das Durchtrittsloch des Sehnerven einengende Superposition der
Netzhaut von den periphersten Nervenfaserbündeln umkreist werden muss, erleiden dieselben eine starke S-förmige Biegung. Ein
ganz gleiches Verhalten, aber in viel geringeren Dimensionen, zeigt sich medial an dem weit spornartig vorgeschobenen Rande der
M. vitrea: sie liegt zuletzt, etwas verdickt, einem netzförmigen Grenzgewebe auf, ist hier epithelfrei, die mittleren Netzhautschichten
enden ungefähr gleichzeitig mit dem Pigmentepithel fast senkrecht abgesetzt vor dem Rande des Durchtrittsloches, bis zu welchem ein
sehr lockeres kernreiches Zwischengewebe vorgeschoben ist.
Die sclerale Lamina ist allenthalben, die chorioidale nur lateral stärker entwickelt; die Centralarterie ist im Bereiche der
scleralen Lamina stark medialwärts gebogen, die lateral davon gelegenen Sehnervenbündel weichen frühzeitig peripherwärts ab, so
dass in der großen physiologischen Excavation, deren Basis circa 0° 16 mm hinter der Ebene des inneren Durchtrittsloches liegt, der
centrale Bindegewebsstrang und nervenloses Laminagewebe bloß liegt. Die Excavation, welche medial steil, lateral sehr flach
begrenzt und weniger tief ist, als medial, ist dadurch noch verringert, dass in ihren medialen Theilen das die Grenze gegen den Glas-
körper bildende endotheliale Häutchen abgehoben, vom eigentlichen Sehnerven durch glasiges, sehr weitmaschig faseriges Gewebe
getrennt ist, welches sich noch, zuletzt, viel dichter und sehr reich an rundlichen, gliaähnlichen Kernen, eine ganz kurze Strecke weit
in den centralen Bindegewebsstrang trichterförmig einsenkt.
Der schmale Conus ist also anatomisch durch breites Grenzgewebe, dem die epithellose Glashaut auflag, gegeben.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 212 mm, des inneren 1'50 mm. -
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus II;.
Rechtes Auge. Hypermetropie 3 D.
Die Excavation ist größer, liegt mehr nach unten außen, die Gefäßvertheilung unregelmäßig, indem die Vereinigungsstelle der
Centralvene nicht sichtbar ist und die obere Temporalvene isoliert in den Sehnerven eintaucht, ebenso die Theilung der Central-
arterie unter dem medialen Excavationsrande verborgen ist. Unten außen schließt sich ein von tiefschwarzem, breiten Pigmentring
begrenzter circa 1/, Pa. D. breiter, hellweißer, am äußeren Rande gefleckter Conus an. Die Excavation erscheint 2 D tief, cilioretinale
Arterien unten außen. (Cilioretinale Arterien, Fall 11.)
Härtung wie links. Schräge, meridionale Schnittrichtung, keine Maße angegeben bezüglich Scleraldicke.
Die Configuration des Sehnerven, der Excavation etc. stimmt nahezu mit der des linken Auges überein. Der Zwischenscheiden-
raum ist aber nur unten spaltförmig, oben dagegen besitzt er eine recessusähnliche, seleralwärts gerichtete spaltförmige Verlängerung
ES ee Eu ee
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 285
mit ihrer Achse der Scleralfläche parallel; ihre vordere Wand ist von Sclera, ihre hintere dagegen von der schon rechtwinkelig abge-
bogenen, daher mit derSclera parallel gewordenen Dura gebildet. Es ist dieser scheinbare Recessus nur dadurch zustande gekommen,
dass die Dura etwas weiter vom Sehnerven sich ansetzt, und ihr vorderstes Stück augenscheinlich durch ein zwischen sie und die
Ciliarnerven und -gefäße eingeschlossenen Fettläppchen — am anatomischen Präparate ein cystenähnliches Gebilde, von einem
dünnen Häutchen begrenzt, spärliche, kernige Massen enthaltend — gegen den Sehnerven, respective Scleralwinkel eingedrückt
wurde.
Durchtrittscanal wie links, das Grenzgewebe breiter und dementsprechend auch der epithellose Randtheil der Glashaut
wesentlich breiter als links, während sonst die Verhältnisse ganz identische sind.
Das innere Durchtrittsloch weiter wie links, daher bei sonst gleicher Beschaffenheit des Sehnervengewebes die Excavation
großer und tiefer.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2’44 mm, des inneren 1'66 mn.
Durchtrittscanal Typus: I;, Excavation: Typus 1];.
13. M. Anna, 26 J. Rechtes Auge, emmetropisch.
Sehnervenpapille scharf begrenzt mit dunklem Pigmentring. Schüsselförmige, centrale Excavation, nicht sehr steilwandig,
Vereinigung, respective Theilung der Centralgefäße am Grunde der Excavation. (U. T. II).
Härtung#M üller’sche Flüssigkeit.
Sehnerven nahezu senkrecht eingepflanzt, Dura lateral dünner als medial; hier etwas vom Sehnervenrande entfernt an die
Sclera angesetzt, die äußeren, nicht reichlichen Sclerallagen zerbündelt. Lateral die äußeren Sclerallagen dick und fast in toto umfasst
von der Dura. Zwischenscheidenraum lateral breit spaltförmig, medial rechteckig.
Durchtrittscanal medial conisch mit leichter, seleralwärts gerichteter Ausbiegung im Bereiche der scleralen Lamina, lateral mit
derselben Abweichung fast senkrecht zur Scleralfläche. Lateral im Bereiche der Chorioidea lockeres, kernreiches Grenzgewebe, dem
die vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten aufliegen (Ganglienzellen am weitesten vorstehend), während das Pigmentepithel
regelmäßig gleichzeitig mit. der Glashaut in einer Flucht mit dem übrigen Durchtrittscanal endet. Medial enden die mittleren Netzhaut-
schichten, wieder die Ganglienzellenschichte am weitesten vortretend, leicht zugespitzt, unmittelbar am Rande des Chorioidal-
loches.
Laminagewebe nicht reichlich entwickelt, die centralen Sehnervenbündel weichen am Eintritte in die sclerale Lamina allseits
peripherwärts ab, so dass eine centrale, O°22 mx hinter die innere Chorioidalebene reichende, flach begrenzte Excavation entsteht,
an deren von Laminagewebe gebildeter Basis sich die Centralgefäße theilen.
Der Pigmentring ist durch abnorme Größe und dichtere Pigmentierung des Pigmentepithels am Rande der Glashaut bedingt;
die Superposition der Netzhaut lateral war ophthalmoskopisch nicht sichtbar.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2 14 nm, des inneren 156 mm.
Durchtrittscanal: Typus I, (mit leichter, scleralwärts gerichteter Ausbiegung im Bereiche der scleralen Lamina). Excavation:
Typus III,.
14. T. Marie, 62 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Tiefe, fast genau central gelegene Excavation, an deren Basis die aus der medialen Excavationswand zurückbiegenden Papillen-
gefäße sich vereinigen. Die mediale Wand der Excavation fast senkrecht abfallend, die laterale steil, aber doch allmählich in das
Netzhautinnere übergehend. Lateral deutlicher Bindegewebsring,.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, Dura dünn, äußere Sclerallagen scharf abgegrenzt, von den Duralamellen umfasst,
Zwischenscheidenraum beiderseits leicht buchtig. Der Durchtrittscanal des Sehnerven ist ungefähr kegelförmig, mit leicht seleralwärts
gerichteter Ausbauchung im Bereiche der scleralen Lamina. Aber die Chorioidea endet sowohl medial als lateral vor dem Sehnerven-
rande, ist von diesem durch ein dichtes Grenzgewebe geschieden, dem in ganzer Breite die zuletzt nackte Glashaut der Chorioidea
aufliegt. Medial erscheint der Rand der Glashaut noch dadurch leicht aufgebogen, dass in einem kleinen Bezirke periphere Sehnerven-
fasern schlingenförmig etwas in das Grenzgewebe eindringen. Lateral bildet die Glashaut mit den gleichzeitig abgestumpft endenden
mittleren Netzhautschichten den Rand des Durchtrittsloches, medial schieben sich die sehr verschmächtigten mittleren Netzhaut-
schichten noch über den Rand der Glashaut in den Sehnerven vor, zuletzt den vordersten chorioidalen Laminabalken aufliegend,
die Ganglienzellenschichte am weitesten vortretend. Die Lamina recht schwach entwickelt, die centralen Sehnervenbündel weichen
schon am Eintritte in die sclerale Lamina peripherwärts aus, so dass eine fast genau centrale, steil begrenzte und tiefe Excavation
entsteht, an deren Basis sich die Centralarterie theilt, während die Theilungsstelle der Vene schon im Bereiche der seleralen Lamina
sich befindet. Zwischen den beiden Papillenvenen schiebt sich ein cylindrischer, aus lockerem, kernreichen, gliaähnlichen Gewebe
bestehender Zapfen von »Schaltgewebe« in den centralen Bindegewebssfrang bis gegen die hinterste Fläche der scleralen Lamina
vor, der mit einem gleichartigen, den Boden der Excavation bildenden Gewebe zusammenhängt, welches gegen den Glaskörper von
einer endothelialen Schichte abgegrenzt ist. (Siehe Fig. 2 auf Taf. I.)
37#
986 Anton Elschnig,
Der »Bindegewebsring« ist also durch von der nackten Glashaut gedecktes Grenzgewebe gegeben; der mediale Binde-
gewebsring, der anatomisch vorliegt, war ophthalmoskopisch wegen der Dichte des deckenden Nervengewebes nicht sichtbar.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 19°6 nn, des inneren 154 mm.
Durchtrittscanal: Typus I; (mit leichten Unregelmäßigkeiten). Excavation: Typus IIl;.
15. T. Therese, 34 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Flache, medial ziemlich steil begrenzte Excavation lateral von den central gelegenen Papillengefäßen, mit schöner Lamina-
zeichnung. Lateral schmaler Bindegewebsring, ringsum tiefschwarzer, breiter Pigmentring. Cilioretinale Arterie oben außen.
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Sehnerv mit nach außen offenem Winkel in dıe Sclera eintreiend, lateral äußere Sclerallagen scharf abgegrenzt, von
circa einem Viertheil der Dura umgriffen, Zwischenscheidenraum hier schmal spaltförmig endend. Medial die äußeren Sclerallagen
zerblättert, Sclera aber nur wenig dünner als lateral, der Zwischenscheidenraum rechteckig begrenzt. Durchtrittscanal des Sehnerven
regelmäßig conisch. Die Membrana vitrea chorioideae bildet den Rand des inneren Durchtrittsloches, ist medial bis an den Rand mit
zuletzt verdicktem und dunkel pigmentierten Pigmentepithel bedeckt, lateral dagegen endigt letzteres 0:20 mm vor dem Rande,
gleichfalls verdickt und dunkel pigmentiert. Die äußeren Netzhautschichten enden beiderseits leicht zugeschärft etwas vor dem Rande
des Durchtrittsloches ohne deutliches Zwischengewebe. Soweit die Membrana vitrea chorioideae unpigmentiert ist, liegt sie derbem,
fast pigmentlosem Bindegewebe auf, das, mit der Sclera zusammenhängend, die Chorioidea vom Sehnerven scheidet. (S. Fig. 1 auf
Tat. III.) j
Lamina cribrosa in allen Theilen stark entwickelt, besonders lateral. Im Centrum der Papille eine etwa die halbe Fläche
der Papille einnehmende Excavation, deren Basis hinter die Chorioidalebene fällt, und wenig die Nervenfasern deckendes Bindegewebe
enthält. Die cilioretinale Arterie ist ein directer Zweig des Scleroticalgefäßkranzes. (»Ciliorefinale Arterien«, Fall 1.)
Der Bindegewebsring ist also dadurch anatomisch begründet, dass das die Chorioidea vom Sehnerven trennende, von der Glas-
haut bekleidete Grenzgewebe durch Fehlen des Pigmentepithels sichtbar wurde.
Der Pigmentring ist durch besondere Größe und starke Pigmentierung des Pigmentepithels am Beginne der Chorioidea gegeben.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:25 mm, des inneren 1°73 mm.
Durchtrittscanal: Typus I. Excavation: Typus II],.
16. K. Anna, 26 J. Emmetropie.
Papille ohne deutliche Excavation, normal begrenzt, leichter Pigmentring; zwei cilioretinale Artc:i:n außen.
Härtung in concentrierter Sublimat-Kochsalzlösung.
Sehnerv senkrecht eingepflanzt. Äußere Sclerallagen lateral deutlich, breit, medial undeutlich abgegrenzt und spärlich.
Zwischenscheidenraum rechteckig endend. Scleroticochorloidalcanal lateral eylindrisch, medial conisch. Ganz regelmäßige Endigung
der Chorioidea-Netzhaut unmittelbar am Sehnerven respective Durchtrittsloche; äußere Netzhautschichten scharf senkrecht abgesetzt,
medial lockeres Zwischengewebe bis zum Durchtrittsloche. Sehr reiche Entwicklung der scleralen und chorioidalen Lamina, Kernsäulen
breit bis in das Netzhautinnere reichend. Dadurch nur eine flache, undeutlich abgegrenzte Excavation fast im Centum der Papille,
etwas lateral, vorhanden, deren Basis, von einer dicken Schichte endothelähnlicher Zellen begrenzt, noch 0:20 mm vor der inneren
Chorioidalebene liegt. Pigmentring ist durch abnorme Größe und Pigmentierung der Epithelzellen am Rande der Glashaut bedingt.
Die cilioretinalen Arterien stammen direct aus dem Scleroticalgefäßkranze (»Cilioretinale Arterien«, Fall 4).
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2'10 mm, des inneren 1'75 mm.
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus III..
17. T. Luise, 22 J. Rechtes Auge. Emmetropie. Sehr große, hellweiße physiologische Excavation mit ganz schmalem Rand-
theile medial; die Centralgefäße theilen sich in der Excavation. Ringsum Superposition des nicht intensiv pigmentierten Pigment-
epithels.
Härtung in conc. Sublimat-Kochsalzlösung.
Sehnerv leicht nach außen schräg eıngepflanzt. Dura dick, bis in das innerste Fünftel der Sclera einstrahlend, die besonders
medial recht spärlichen äußeren Sclera'iıgen stark auffasernd. Zwischenscheidenraum etwas buchtig, medial etwas weiter als lateral,
(dicht erfüllt mit meist polynuclearen Leukoeyten; die Kranke starb an Cerebrospinalmeningitis).
Durchtrittscanal des Sehnerven ganz symmetrisch, die Membrana vitrea chorioidea reicht beiderseits, bis zum Rande mit
normalem Pigmentepithel bekleidet, üler den zugeschärften Rand der Chorioidea achsenwärts vor, zuletzt nach hinten durch eine
dünne, keilförmige Schichte locker-netzförmiges, auch elastische Fasern enthaltenden Bindegewebes (Grenzgewebe) vom Sehnerven
getrennt. Die mittleren Netzhautschichten enden medial etwas "Zugeschärft vor dem Durchtrittsloche, lateral abgerundet an
demselben.
Sclerale Lamina reichlich entwickelt, die centralen Sehnervenbündel sehr früh axifugal ausweichend, so dass dieBasis der sehr’
großen Excavation nur von sehr dichtem Bindegewebe, dessen Maschen da und dort Gliakerne enthalten, gebildet ist. Chorioidale
Lamina sehr schwach, das Nervenfasergewebe schon vor dem Durchtrittsloche nur spärlichstes Zwischengewebe enthaltend, so dass
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 287
der die Excavation begrenzende Nervenfaserwall ringsum außerordentlich schmal ist. Die Centralgefäße theilen sich in der Excavation,
- die Vene schon am Eintritte in die sclerale Lamina (retrolaminar). (Siehe Fig. 1 auf Taf. II.)
Die ophthalmoskopisch gesehene Superposition des Pigmentepithels ist anatomisch auch wirklich dadurch begründet, dass
die Glashaut mit dem Pigmentepithel über den Rand der Chorioidea achsenwärts vortritt, lockerem Grenzgewebe aufliegend.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2-50 mm, des inneren 175 mm.
Durchtrittscanal des Sehnerven: Typus I;. Excavation: Typus IIl,.
18. P. Franz, 11/, J. alt, starb im Grazer Kinderspital (Prof. Escherich) am 4. December 1895. Linkes Auge. Emmetropie.
Normale Papille mit deutlicher, centraler, physiologischer Excavation.
Härtung: 10%, Formalin.
Sehnerv fast genau senkrecht (eher eine Spur medialwärts schräg) eingepflanzt. Die dicke Dura setzt sich beiderseits vom Seh-
nerven entfernt an die Sclera an, breite, recht scharf abgesetzte Sclerallagen umfassend; der Zwischenscheidenraum breit rechteckig,
seine vordere Wand medial O0 90 mn, lateral 0:50 mm breit.
Der Sehnerveneintritt ist nahezu genau symmetrisch, im Bereiche der scleralen Lamina stark erweitert (»ellenbogenförmige
Ausbiegung«), während das chorioioidale Durchtrittsloch durch Vortreten der Membrana vitrea chorioidea symmetrisch eingeengt ist.
Die letztere besitzt lateral bis zum freien Rande Pigmentepithel und ziemlich reıchliche Capillaren, medial dagegen nur Pigment-
epithel, während#eine deutliche Choriocapillaris erst in der Höhe der Scleralöffnung beginnt. Die mittleren Netzhautschichten endigen
rasch zugeschärft, lateral (wo die Fixierung eine tadellose ist) ist das Pigmentepithel durch eine ganz kurze Reihe unpigmentierter Zellen
mit der inneren Körnerschichte in Verbindung.
Die sclerale Lamina ist stark entwickelt, ebenso lateral, die chorioidale Lamina nur lateral stark ausgebildet. Im ganzen
Bereiche der Papille bis in die Netzhaut die Kernsäulen breit. Die sehr große, flache Excavation reicht nur knapp hinter die innere
Chorioidalebene, da der große, durch das frühzeitige Auseinanderweichen der centralen Nervenfaserbündel gebildete Raum im Seh-
nervenkopfe durch sehr kernreiches, faseriges Gewebe fast ausgefüllt ist. Die Centralarterie theilt sich schon in der Excavation,
die beiden Papillenvenen verlassen getrennt das Auge.
Der Sehnerv besitzt eine außerordentliche Ähnlichkeit (fast Identität) mit dem von v. Hippel, Archiv für Ophthalmologie
XLV, Taf. XIV, abgebildeten Sehnerveneintritte eines 3 Tage alten Kindes.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°82, des inneren 1'338 mn.
Durchtrittscanal: Typus I, (mit scleralwärts gerichteteter Ausbiegung im Bereiche der scleralen Lamina). Excavation:
Typus Ills.
19. Sch. Marie, 79 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Gefäßtheilung central, schon in einer flachen, ganz unscharf begrenzten Excavation gelegen.
Ringsum, am schmälsten oben innen, hellweißer, breiter Bindegewebsring, lateral anschließend ein nach außen nicht ganz
scharf abgegrenzte, grünlich-weiße, gefleckte Sichel, beide zusammen etwa ein Drittel des Papillendiameters an Breite betragend.
Linkes Auge. Emmetropie.
Excavation etwas tiefer und deutlicher abgegrenzt, sonst wie rechts. Bindegewebsring und Conusfigur gleichfalls wie am
rechten Auge; lateral kleine cilioretinale Arterie.
Härtung in concentrierter Sublimat-Kochsalzlösung.
Rechtes Auge. Sehnerv stark nach außen schräg eingepflanzt, Dura dick, breit an die Sclera ansetzend und deren äußere,
nicht scharf abgegrenzte Lagen zerbündelnd. Zwischenscheidenraum medial spaltförmig, lateral buchtig erweitert endigend. Durch-
trittscanal symmetrisch conisch, mit scleralwärts gerichteter Ausbauchung im Bereiche der inneren Lagen der scleralen Lamina. Der
vorspringende Chorioidalsporn ist beiderseits durch dichtes Grenzgewebe gebildet, welches die Chorioidea vom Sehnerveneintritte
scheidet und dem der epithellose Randtheil der Membrana vitrea chorioideae aufliegt, in einer Breite von im Maximum ca. 0'20 nm.
Medial ist dort, wo die normaleChorioidea beginnt, sofort das Pigmentepithel normal pigmentiert, während lateralerstca.0 30 mm außer-
halb des Beginnes normaler Chorioidea normales, respective zuerst sehr großzelliges, auffallend dicht pigmentiertes Epithel beginnt
welches nur als unpigmentierte und rasch zunehmend verkümmerte Anlage noch ein Stück achsenwärts vorgeschoben ist, ungefähr
bis zum Ende der Chorioidea. Die ganze Breite dieser pigmentlosen Zone beträgt also ca. 0°45 mm (lateral), wovon ca. 0'20 nm auf
das gegen das Bulbusinnere freiliegende Bindegewebe (Bindegewebsring ophthalmoskopisch!), der größte Rest auf die freiliegende
normal angelegte Chorioidea (gefleckte Sichel!) entfällt. Die mittleren Netzhautschichten enden medial leicht zugeschärft schon etwas
vor dem Rande des Pigmentepithels, lateral die äußere Körnerschichte ungefähr (so wie die Stäbchenzapfenschichte) an derselben
Stelle, während die übrigen Schichten bis zum Rande der Membrana vitrea, d. i. also bis zum Rande des inneren Durchtrittsloches
vorgeschoben sind, die Ganglienzellenschichte am weitesten vorstehend.
Die selerale Lamina ist wenig dicht, chorioidale äußerst spärlich; die Centralarterie legt sich an der inneren Laminafläche
leicht medialwärts um und theilt sich am Boden der recht Nach begrenzten Excavation; die centralen Nervenfaserbündel weichen am
Eintritte in die sclerale Lamina peripherwärts ab, in der Basis der Excavation liegt das etwas sclerotische Bindegewebe des centralen
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288 Antom Elschnig,
Bindegewebsstranges und maschiges Laminagewebe bloß, zum Theile überbrückt durch die endotheliale Grenzlamelle der Papille,
welche dann mit dem eigentlichen Papillengewebe durch zarte Balken in Verbindung steht.
Die größeren Arterien an und in der Sclera haben leicht sclerotische Adventitia- und Intimaverdickung, ebenso die meisten
Chorioidalarterien und die größeren Netzhautarterien; sonstige pathologische Veränderungen fehlen.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2 mm, des inneren 150 mm.
Durchtrittscanal: Typus I, (mit scleralwärts gerichteter Ausbauchung). Excavation: Typus Illy.
Linkes Auge. Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, Zwischenscheidenraum beiderseits buchtig begrenzt, medial weiter als
lateral. Im übrigen ganz wie rechts, nur die laterale Begrenzung -des Durchtrittscanales insoferne abweichend, als die Membrana
vitrea chorioide..e etwas vom Sehnerven zurücktritt, dadurch das die Chorioidea begrenzende Bindegewebe (Grenzgewebe) knieförmig
gegen die Netzhaut freiliegt, aber zum Theil von der leicht superponierten inneren Körner- und Ganglienzellenschichte wieder bedeckt
wird. Alles andere wie rechts, die Excavation noch etwas größer, medial etwas steiler begrenzt.
Die cilioretinale Arterie stammt aus dem Seleroticalgefäßkranze. (»Cilioretinale Arterien«, Fall 7).
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 185 mm, des inneren 150 mm.
Durchtrittscanal und Excavation wie rechts.
20. H. Johann, 40 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Große, physiologische Excavation in der lateralen Papillenhälfte, an deren medialer Wand die Centralarterie sichtbar ist;
laterale Wand allmählich ins Netzhautniveau aufsteigend. Keine deutliche Laminazeichnung, lateral unscharf begrenzter Binde-
gewebsring.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Der Sehnerv fast senkrecht (eine Spur nach innen schräg) eingepflanzt; Dura lateral sehr dünn, die reichlichen äußeren Scleral-
lagen zerbündelnd, medial dick, fast keine äußeren Sclerallagen; der Zwischenscheidenraum hier breit rhomboidisch, an ersterer Seite
breit spaltförmig endigend.
Der Durchtrittscanal fast senkrecht eylindrisch, das innere Durchtrittsloch medial durch leichtes Vortreten der bis zum Rande
normales Pigmentepithel tragenden Glashaut der Chorioidea, lateral durch ein ganz lockeres, kernreiches Gewebe, welches, von dem
derben, breiten Grenzgewebe ausgehend die innersten chorioidalen Laminabalken bildet und von den rareficierten mittleren Netzhaut-
schichten (innere Körner vortretend) bedeckt ist, etwas eingeengt. Das derbe, eigentliche Grenzgewebe ist von der Glashaut bedeckt,
welche aber in diesem Bereiche nur sehr rareficiertes, pigmentloses Epithel besitzt. Medial enden die mittleren Netzhautschichten
abgestumpft knapp vor dem Rande der Glashaut.
Die sclerale Lamina ist recht dicht, aber nicht dick, die centralen Sehnervenbündel weichen schon am Eintritte in dieselbe
nach allen Seiten aus, so dass eine tiefe und große Grube lateral von dem sich mit den Centralgefäßen medialwärts umlegenden
Bindegewebsstrange entsteht, deren Basis 1/, mm hinter der inneren Chorioidalebene liegt und im Bereiche derselben einen Durch-
messer von ca. 0:80 mm besitzt. Ihre Basis ist von dichtem, faserigen Laminagewebe gebildet. Der die Excavation begrenzende
Nervenfaserwall ist besonders lateral sehr arm an Stütz- und Bindegewebe.
Der Bindegewebsring ist dadurch anatomisch begründet, dass das die Chorioidea vom Sehnerveneintritte trennende derbe
Grenzgewebe nur von epithelloser Glashaut bedeckt ist.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2 mm, des inneren 152 mm.
Durchtrittscanal: Typus I;. Excavation: Typus Ill.
21. F. Margaretha, 53 J. Rechtes Auge. Hypermetropie 2 D.
Sehr große, allseits mit überhängenden Wänden begrenzte Excavation, deren Basis hellweiß und dunkel getüpfelt ist; die
Netzhautgefäße verschwinden an dem Rande der Excavation, zwei Papillenvenen und die Centralarterie sind am Boden derselben
sichtbar. (U. T. Fall VIII.)
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Sehnerv nahezu senkrecht eingepflanzt, Dura mäßig dick, die sehr reichlichen äußeren Sclerallagen zerblätternd. Zwischen-
scheidenraum lateral spaltförmig, medial buchtig erweitert.
Duretrittscanal recht regelmäßig conisch, nur medial leichte scleralwärts gerichtete Ausbauchung im Bereiche der inneren
Lagen der scleralen Lamina. Der spornartig vorragende Randtheil ber Glashaut leicht nach hinten umgebogen, nahezu bis unmittelbar
an den Rand mit normalem Epithel bekleidet; die mittjeren Netzhautschichichten enden zugeschärft beiderseits schon vor dem-
selben.
Die scelerale Lamina ebenso wie das Bindegewebe des centralen Bindegewebsstranges sehr spärlich, die chorioidale Lamina
fast ganz fehlend, auch die Kernsäulen sehr spärlich und früh endigend, so dass die an den Rand des inneren Durchtrittsloches ange-
schmiegten, sehr wenig voluminösen Nervenfasern einen sehr großen und tiefen Raum in der Papille freilassen. Lockeres, kernreiches
Bindegewebe bekleidet den Boden der Excavation längs der Centralarterie, welche sich am Boden der Excavation theilt, schiebt sich
ein eylindrisches Schaltgewebe bis in die hintere Fläche der scleralen Lamina in den Bindegewebsstrang ein.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2-20 nm, des inneren 1°50 mm.
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Sehnerveneintritt des menschlichen Auges.
Durchtrittscanal: Typus I,. Excavation: Typus IIlz.
Linkes Auge. Genau dieselbe Form der Papille und Excavation, jedoch ist die Excavation bei gleicher Tiefe von etwas
kleinerem Durchmesser.
Der anatomische Befund ist völlig identisch mit dem des rechten Auges. Nur ist die Bindegewebsmasse im intraocularen Theile
des Sehnerven, speciell die chorioidale Lamina etwas stärker entwickelt als am anderen Auge, dementsprechend der die Excavation
umgebende Nervenfaserwall etwas dicker, diese selbst etwas kleiner.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 225 mn, des inneren 150 mm.
Typen wie rechts.
22. L. Marie, 79 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Fast genau centrale, allseitig steilwandig begrenzte Excavation mit getüpfeltem Grunde, die Papillenarterien an der medialen
Wand verlaufend.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, Dura dick, deutlich abgesetzte aber stark zerbündelte äußere Sclerallagen. Zwischen-
scheidenraum medial 0:36 mn weit, lateral spaltförmig. Durchtrittscanal symmetrisch - conisch mit scleralwärts gerichteter Aus-
bauchung im Bereiche der inneren scleralen Laminalage. Sclerale Lamina dicht, in dem dünnen Nervenfasernwalle, welcher die sehr
große, bis 2 nmuukinter die innere Chorioidalebene reichende Excavation begrenzt, fast kein Stützgewebe, keine Kernsäulen. Die
centralen Nervenfaserbündel weichen am Eintritte in die schmale Lamina nach allen Seiten stark auseinander, auf die fast conti-
nuierlichen innersten Lagen derselben ist ein lockereres zellreicheres Bindegewebe aufgelegt, welches die Basis der Excavation bildet;
Andeutung eines Schaltgewebes im centralen Bindesgewebsstrange. Lateral reicht das Pigmentepithel, sowie die Chorioidea unmittel-
bar an den Rand des Durchtrittsloches heran; medial enden beide unmittelbar davor, die nackte Membrana vitrea chorioideae liegt hier
unpigmentiertem festen Bindegewebe auf, welches, den Durchtrittscanal der Sehnerven bekleidend, aus verschieden gerichteten, auch
zahlreichen elastischen Fasern besteht (Grenzgewebe). Die mittleren Netzhautschichten enden zugeschärft, medial schon vor dem
Rande, lateral am Rande des Durchtrittsloches.
Der anatomisch angelegte schmale Bindegewebsring medial ist wohl dadurch nicht sichtbar gewesen, dass die Nervenfaser-
schichte, welche ihn deckt, relativ dick und dicht ist.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:00 mm, des inneren 1'62 mm.
Durchtrittscanal: Typus I,, Excavation: Typus III,.
23. F. Mathias, 62 J. Beide Augen emmetropisch.
Rechtes Auge: Die Papille ist lateral von einem hellweißen Bindegewebsring begrenzt, ringsum eine im Maximum 1/,
Papillendiameter breite siegelringförmige, lateral breitere gelblichgraue Zone, von breitem Pigmentstreifen begrenzt. Sehr große
napfförmige Excavation, allenthalben steil oder überhängend begrenzt, in der Form gleich U. T. VIII (Fall 21), aber größer, mit dunkel
getüpfeltem Grunde.
Linkes Auge: Die Excavation etwas kleiner, sonst ganz analog; nur lateral eine etwas unscharf begrenzte grauliche Sichel.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Linkes Auge. Sehnerv nahezu senkrecht eingepflanzt, Dura dünn, geht in die äußeren drei Vierteltheile der Sclera über,
umschließt nur medial die deutlich abgesetzte dickere äußere Scelerallage, während letztere außen zerbündelt ist. Zwischenscheiden-
raum beiderseits etwas abgerundet spaltförmig, medial breiter. Der Durchtrittscanal ist im Bereiche der Sclera etwas weiter, als
unmittelbar dahinter, verengt sich dann wieder durch Vortreten der Chorioidea ein wenig, das innere Durchtrittsloch ist aber
relativ und absolut weit. Die Membrana vitrea bildet beiderseits unmittelbar den Rand des Durchtrittsloches, ist aber im letzten,
lateral breiteren Stücke nur dichtem Bindegewebe, welches die Wand des Sehnervencanales der Bulbus bildet (Grenzgewebe), anlie-
gend. Lateral beginnt das Pigmentepithel erst 030 mm außerhalb des Durchtrittsloches, während schon 010 mn von demselben
entfernt die Chorioidea normal gebildet, nur vielleicht die Choriocapillaris etwas rareficiert erscheint. Medial fällt der Beginn des
normalen Pigmentepithels gleichfalls eirca O’10 nm außerhalb des Sehnervenrandes, gleichzeitig mit der normal beschaffenen
Chorioidea.
Die sclerale Lamina ist recht dick, aber locker, die chorioidale fehlt fast vollständig, auch die Kernsäulen sind äußerst spär-
lich entwickelt. Die centralen Sehnervenbündel weichen am Eintritte in die sclerale Lamina stark auseinander, in der Basis der sehr
großen und 0'36,nm hinter die innere Chorioidalebene reichenden Excavation liegt faserig-zelliges Bindegewebe in großer Aus-
dehnung vor. Lateral von den Centralgefäßen findet sich eine cylindrische, etwas hinter die äußere Laminafläche in den centralen
Bindegewebsstrang zurückreichende Anlage sehr lockeren faserig-zelligen Schaltgewebes, wie in Fig. 1 und 2 auf Taf. IV. Von der
Gegend der Vereinigungsstelle der Papillenvenen, an der medialen Excavationswand, erhebt sich ein conischer Zapfen ähnlichen
Bindegewebes in das die Excavation erfüllende Glaskörpergewebe, beide Bildungen innig mit dem Glaskörper zusammenhängend.
Die mittleren Netzhautschichten reichen leicht zugeschärft medial nicht ganz, lateral fast ganz an den Rand des Durchtritts-
loches heran.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°50 mm, des inneren 175 mm.
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290 Anton Elschnig,
Durchtrittscanal: Typus Ia (mit Ausbauchung in der Gegend der scleralen Lamina), Excavation: Typus IIlz.
Rechtes Auge. (Siehe Fig. 2 auf Taf. II.) Die äußeren Scelerallagen sind etwas schärfer abgegrenzt. An der Wand des Scleroti-
cochorioidalcanales ist lateral ein lockeres, mit den Laminabalken zusammenhängendes Gewebe vorhanden, welchem die etwas axen-
wärts vortretende, amRande pigmentlose Membrana vitrea chorioideae aufliegt. Der pigmentlose Theil derselben ist schmäler als rechts.
Die Excavation ist bei sonst ganz gleichem Verhalten (auch embryonale Bindegewebsanlage im centralen Bindegewebsstrange)
ein wenig kleiner als rechts, das Bindegewebe der chorioidalen Lamina etwas reicher entwickelt. Sonst alles wie rechts.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:50 mm, des inneren 1'75 mm.
Typen wie rechts.
Der Bindegewebsring ist durch derbes Grenzgewebe, welches nur von nackter Glashaut bekleidet ist, gegeben, die graue
gefleckte Sichel durch Atrophie des angrenzenden Pigmentepithels (Altersconus?).
24. P. Anton, 19. J. Hypermetropie 3 D an beiden Augen.
Rechts nahezu centrale, napfförmige, 'allenthalben recht steil begrenzte, hellweiße Excavation.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Beide Papillen sind vertical geschnitten.
Rechtes Auge. Sehnerv leicht nach unten schräg eingepflanzt. Dura dick, bildet, mit breitem Fuße an die Sclera heran-
tretend und ihre äußeren Lamellen zerbündelnd, fast die äußeren drei Viertheile der Sceleraldicke. Zwischenscheidenraum schmal
spaltförmig. Der Scleroticochorioidalcanal hat die Form eines nach unten zu etwas schiefen Kegelstumpfes. Der Rand der Membrana
vitrea chorioideae mit Pigmentepithel ist der Rand des inneren Durchtrittsloches, an das die mittleren Netzhautschichten leicht zuge-
schärft fast unmittelbar heranreichen.
Sclerale Lamina dick, aber locker, chorioidale fast fehlend, Kernsäulen wenig über die innere Chorioidalebene aufsteigend.
Recht große Excavation, einem Kegelstumpfe (mit der kleineren Basis nach hinten) gleichend, kaum über die innere Chorioidalebene
reichend, deren Basis von einem lockeren gliaähnlichen Gewebe gebildet wird, welches sich längs der Papillenvenen in Form eines
gegen den Bindegewebsstrang deutlich sich abgrenzenden Cylinders in diesen hinein bis zu den mittleren Schichten der seleralen
Lamina verfolgen lässt (ähnlich wie Fall 23, aber nicht so weit reichend und nicht so deutlich abgegrenzt, mehr gliöser Charakter).
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°40 mm, des inneren 1'75 mm.
Durchtrittscanal: Typus Il,, Excavation: Typus Il;.
Linkes Auge. Ganz analoges Verhalten wie am rechten Auge, nur erscheint die Excavation etwas flacher begrenzt. An
beiden Augen liegt die Excavation nicht genau central; dort, wo der Nervenfasernwall, welcher sie begrenzt, schmäler ist, d. i. unten,
sind seine Kernsäulen schmäler, so dass also die excentrische Lage hiedurch, nicht durch geringere Masse der Nervenfasern, bedingt
ist. An dem Auge, dessen inneres Durchtrittsloch größer ist (linkes Auge), ist die Breite der Kernsäulen eine größere, so dass
dadurch am verticalen Meridionalschnitte annähernd gleicher Durchmesser der Excavation resultiert.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°45 mm, des inneren 1'86 mm.
Durchtrittscanal: Typus II,, Excavation II;.
25. G. Marie, 35. J., rechtes Auge. Hypermetropie 2°5D.
- Papille länglich oval, lateral schmale, scharf abgesetzte graulich gefleckte Sichel. Fast zwei Drittel der Papille einnehmend
nicht tiefe, nur medial steil abfallende, unscharf begrenzte Excavation.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv senkrecht eingepflanzt, Dura dick, Sclera ohne deutliche äußere Lagen, Zwischenscheidenraum lateral spaltförmig,
medial 0°50 mm breit, rechteckig begrenzt.
Durchtrittscanal in den äußeren vier Fünfteln symmetrisch conisch, im letzten erweitert er sich durch leichtes Zurücktreten der
Chorioidalgrenze ein wenig, so dass hier die Chorioidea, bis zum Sehnervenrande wohl ausgebildet und pigmentiert, ein Knie bildet,
das aber nicht vom Grenzgewebe bekleidet ist, sondern dicht an den Sehnerven angrenzt. Die periphersten Nervenfasern dringen
leicht schlingenförmig vor diesem Knie zwischen Chorioidea propria und die Glashaut, letztere bulbuswärts vorbiegend, ein. Der auf-
gebogene Randtheil der Glashaut trägt in einer Breite von 060 mm kein, respective nur ganz rareficiertes, pigmentloses Epithel, die
äußere Körnerschichte endet mit Stäbchenzapfen ungefähr in der Mitte dieses Bezirkes, während die anderen mittleren Netzhaut-
schichten, die Ganglienzellenschichte voran, etwas rareficiert noch ein kleines Stück über den Rand der Glashaut vorgeschoben
sind, zuletzt dem kaum stärker von chorioidalen Laminabalken durchsetzten Sehnervengewebe aufliegend.
Medial endet das Pigmentepithel regelmäßig mit dem Rande der Glashaut, spornartig vortretend, die mittleren Netzhaut-
schichten stumpf zugespitzt unmittelbar davor. Chorioidale und sclerale Lamina stark entwickelt, die centralen Nervenfaserbündel
in den mittleren und inneren Schichten der scleralen Lamina auseinanderweichend, aber dem so entstehenden freien Raume dichtes
Bindegewebe eingelagert, so dass nur eine kaum hinter die innere Chorioidalebene reichende, nur medial steilwandige Excavation
entsteht. .
Der Conus ist also dadurch begründet, dass durch Fehlen (oder Schwund auf Grund der congenitalen Lageanomalie der peri-
pheren Sehnervenfasern lateral?) des Pigmentepithels der Randtheil der Chorioidea-Sclera gegen das Bulbusinnere freigelegt ist; ein
Grenzgewebe existiert hier nicht.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 291
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°92 mm, des inneren 1'38 man.
Durchtrittscanal: Typus II, (mit Andeutung einer scleralwärts gerichteten Ausbauchung medial), Excavation: Typus II}.
26. H. Josefa, 69 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Fast centrale, nicht tiefe Excavation, lateral hellweißer Bindegewebsring und anschließend graulich gefleckter etwas undeutlich
begrenzter Conus.
Härtung: concentrierte Sublimat-Kochsalzlösung.
Sehnerv fast genau senkrecht eingepflanzt, Dura besonders lateral dick, äußere Scleralschichten spärlich und zerbündelt,
Zwischenscheidenraum lateral spaltförmig, medial schmal rechteckig begrenzt. Durchtrittscanal lateral zur Schmalfläche fast senk-
recht, medial conisch. Lateral ist die Chorioidea vom Sehnerven durch auch Pialbalken enthaltendes Bindegewebe mit elastischen
Fasern begrenzt (Grenzgewebe). In derselben Ausdehnung ist die leicht superponierte Membrana vitrea chorioideae völlig pigment-
los, während eine breite lateralwärts angrenzende Zone sehr unregelmäßige oder nicht pigmentierte, unregelmäßig geformte, dünne
Epithelzellen trägt. Medial ist das Pigmentepithel bis zum Rande der Membrana vitrea chorioideae dicht pigmentiert und regelmäßig,
beiderseits enden die mittleren Netzhautschichten etwas außerhalb des Randes des Durchtrittsloches, medial zugeschärft, lateral
dagegen ziemlich scharf abgesetzt, ohne Zwischengewebe.
Sehnervenbindegewebe stark entwickelt, sclerale Lamina weit zurückreichend, kleine schüsselförmige Excavation, deren Basis
wenig hinter der'@horioidalebene liegt. Längs der Centralvenen eine cylindrische Gewebsanlage mit dem die Basis der Excavation
bekleidenden endothelialen Gewebe zusammenhängend, welche in die mittleren Laminaschichten zurückreicht.
Der Bindegewebsring ist durch von nackter Glashaut bekleidetes Grenzgewebe gebildet, der grauliche Conus durch Atrophie
mäßigen Grades des angrenzenden Pigmentepithels.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°95 mn, des inneren 1'38 mm.
Durchtrittscanal: Typus Il,, Excavation Il;.
27. S. Marie, 66 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Die lateralen zwei Drittheile der Papillenfläche sind von einer nicht tiefen und medial deutlicher begrenzten Excavation ein-
genommen, in deren medialem Drittel die Theilung der Centralgefäße erfolgt. Die Basis der Excavation ist weiß mit undeutlicher
graulicher Tüpfelung. In der lateralen Hälfte grenzt an die Papille ein breiter hellweißer Bindegewebsring an, der gegen die
anschließende, graulich gefleckte und kraus gegen den rothen Fundus abgegrenzte Conusfigur nicht ganz scharf abgegrenzt ist.
Lateral unten cilioretinale Arterie, die am Beginn der grauen Sichel entspringt.
Härtung: concentrierte Sublimat-Kochsalzlösung.
Sehnerv stark nach innen schräg eingepflanzt, Zwischenscheidenraum medial sehr weit buchtig, lateral breiter spaltförmig,
am Ende ganz leicht scleralwärts umgebogen. Äußere Scleralschichten nur lateral deutlich entwickelt und abgegrenzt. Durchtritts-
canal lateral cylindrisch, medial conisch, mit leichter scleralwärts gerichteter Ausbiegung im Bereiche der inneren Lagen der scle-
ralen Lamina, stärker medial als lateral. Die Endigung der Chorioidea-Retina, das anatomische Substrat des Bindegewebsringes etc.
ist genau identisch mit Nr. 19 und 26, wobei nur zu bemerken ist, dass in der oberen Hälfte das die Chorioidea gegen den Seh-
nerven begrenzende Bindegewebe von der Membrana vitrea bis zum Rande bedeckt ist, in der unteren Hälfte des Sehnervenquer-
schnittes zum Theile frei liegt und direct an die am meisten vortretenden Ganglienzellen innere Körnerschichte angrenzt. Lateral ist
die sclerale Lamina gestreckt, medial bogenformig nach vorn concav. Chorioidale Lamina schwach entwickelt, große Excavation,
ebenfalls wie im Falle Nr. 19, aber recht reichliches dichtes und kernreiches Gewebe grenzt in der Mitte der Excavation an den
Bindegewebsstrang und die Papillenfläche an, zum Theile kegelförmig in den Bindegewebsstrang bis in die inneren Laminaschichten
eindringend. Die Glaskörpergrenzhaut ist (Härtungseffect) von diesem Gewebe abgehoben.
Die eilioretinale Arterie ist derAst einer kleinen Chorioidal-Arterie, die aus dem Scleroticalgefäßkranze stammt (»Cilioretinale
Arterien«, Fall 9).
Das Grenzgewebe, zum Theile von der nackten Glashaut bedeckt, erscheint als das anatomische Substrat des Bindegewebs-
ringes (oder inneren hellweißen Theiles des Conus), durch Schwund des Pigmentepithels freigelegte Chorioidea-Sclera als Substrat
des äußeren, graulich gefleckten Conustheiles. (Siehe Fig. 2 auf Taf. III.)
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1’85 nm, des ınneren 155 mm.
Durchtrittscanal: Typus Il,, Excavatıon: Typus IIls.
28. S. Peter, 43 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Große Papille, Centralgefäße entspringen medial vom Centrum, lateral davon eine ca. 3/, der Papille einnehmende tiefe,
medial steil begrenzte, lateral undeutlicher abgegrenzte Excavation, deren Basis schön getüpfelt ist. An den lateralen Papillenrand
schließt sich in der oberen Hälfte ein ganz schmaler, hellgrauer, etwas gefleckter Conus an, während in der unteren Hälfte, in
gleicher Breite, aber etwas in die Papillenrundung vorgeschoben, eine tief schwarze Pigmentsuperposition sich findet.
Härtung: Formalin-Müller’sche Flüssigkeit.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
x
38
Ba; ”
292 Anton Elschnig,
Der Sehnerv ist stark S-förmig gestaltet, in seinem letzten Antheile leicht lateralwärts schräg eingepflanzt, Dura dünn; äußere
Bündellagen der Sclera nicht stark entwickelt, nur lateral deutlich gegen die Dura abgegrenzt, zum Theile von ihr umfasst. Zwischen-
scheidenraum leicht abgerundet, lateral etwas weiter als medial. Der Durchtrittscanal ist medial kegelförmig, lateral cylindrisch, aber
beiderseits mit scleralwärts gerichteter Ausbuchtung im Bereiche der inneren Lagen der scleralen Lamina. Medial grenzt die Chorioi-
dea unmittelbar an den Sehnerven, die Membrana vitrea chorioideae ist bis an den Rand mit Pigmentepithel belegt, bildet den Rand
des Durchtrittsloches. Lateral ist das Verhalten ein verschiedenes, je nachdem wir einen Schnitt aus der oberen Papillenhälfte
(schmaler Conus) oder aus der unteren (Superposition) betrachten. Unten biegt sich der Randtheil der Membrana vitrea etwas gegen
das Bulbusinnere auf und ist mit einem sehr großzelligen und sehr dicht pigmentierten Epithel bis zum Rande, d. i. gleichzeitig
dem Rande des Durchtrittsloches, belegt. Der durch das Aufbiegen zwischen ihr, der Chorioidea-Sclera und Sehnerv restierende pris-
matische Raum ist, da die Chorioidea schon vorher endet, durch ein lockeres, sehr gefäß- und pigmentarmes Bindegewebe gefüllt
(Grenzgewebe). Oben dagegen liegt die Membrana vitrea, sehr verdünnt, dem die Chorioidea abschließenden, derberen Grenzgewebe
dicht auf und besitzt nur einen sehr rudimentären, pigmentarmen Epithelbelag.
Die mittleren Netzhautschichten enden leicht abgerundet medial vor dem Rande des Durchtrittsloches, lateral an demselben.
Die selerale Lamina ist nur lateral, wo sie sehr weit in den Sehnervenstamm zurückreicht, mächtiger entwickelt, die chorioi-
dale recht spärlich. Die centralen Nervenfaserbündel weichen schon am Eintritte in die Lamina eribrosa nach allen Richtungen
peripherwärts aus, so dass in der Basis der sehr weiten physiologischen Excavation fast nervenloses, lockeres Bindegewebe vorliegt.
Längs der Centralgefäße senkt sich in den centralen Bindegewebsstrang ein an die hintere Fläche der Lamina reichender Zapfen
lockeren, netzförmigen Schaltgewebes ein, welches mit dem am Boden der Excavation an die Centralgefäße anschließenden gleichen
Gewebe und dem Glaskörper, dessen Grenzmembran fehlt (Kunstproduct), zusammenzuhängen scheint. DieWand dieses Spaltraumes
ist von kernreichem, derbem Bindegewebe, welches mit dem lockeren, den Spaltraum erfüllenden Gewebe organisch zusammenhängt,
gebildet; lateral streichen die die Wand bildenden Bindegewebsringe sehr deutlich senkrecht zum Verlaufe der Laminabalken,
welche davon entspringen, respective sich ansetzen. (Siehe Fig. 1 auf Tafel IV).
Die Superposition des Pigmentepithels im unteren äußeren Quadranten ist also dadurch gegeben, dass der normales Epithel
tragende Randtheil der Glaslamelle durch lockeres Grenzgewebe aufgebogen ist, der schmale Conus des angrenzenden Quadranten
dadurch, dass bei etwas dichterer Beschaffenheit des Grenzgewebes der Randtheil der Glashaut höchst rareficiertes Epithel trägt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°20 mm, des inneren 160 mm.
Durchtrittscanal: Typus II, (mit Ausbauchung), Excavation: Typus II.
29. A. Johann, 46 J. Linkes Auge, emmetropisch.
Fast zwei Drittel der Papille sind von einer medial steil, lateral undeutlich begrenzten Excavation eingenommen, mit deut-
licher Tüpfelung der Basis. Lateral unscharf gegen den Sehnerven abgegrenzter Bindegewebsring, gefleckter Pigmentring (U. m
Fall VID).
Härtung: Formalin-Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv leicht nach außen schräg eingepflanzt, Zwischenscheidenraum lateral breit buchtig, leicht lateralwärts zugespitzt.
Dura dick, lateral deutlich in zwei Lagen gespalten, deren äußere an die Außenfläche der Sclera sich legen, während die innere, stär-
kere bis in das mittlere Drittel der Scleraldicke eindringt und die reichlichen äußeren Sclerallagen zerbündelt. Durchtrittscanal medial
durch starkes spornartiges Vortreten der bis zum Rande mit normalem Pigmentepithel bekleideten Chorioidea conisch eingeengt, late-
ral ungefähr senkrecht zur Seleralfläche mit Andeutung einer scleralwärts gerichteten Ausbauchung im Bereiche der mittleren scleralen
Laminabalken. Der Randtheil der Glashaut trägt hier etwas unregelmäßiges Pigmentepithel, die Chorioidea ist dichter faserig, aber
sonst gut entwickelt; von ihr strahlen recht reichliche chorioidale Lamjnabalken aus, welche aber am Randtheile den in den Seh-
nerven, sogar leicht über die Fläche der Glashaut nach hinten vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten, die inneren Körner voran,
(die großen Ganglienzellen und schon in der ganzen Umgebung des Sehnerven sehr spärlich) bedeckt, und so von den lockeren peri-
pheren Nervenfaserbündeln umkreist werden. Medial enden die mittleren Netzhautschichten zugeschärft schon weit vor dem Rande
derGlashaut und des Pigmentepithels. Von dieser in den Sehnerven vorgeschobenen Netzhautanlage erstreckt sich auch ein keilförmiger
Fortsatz zwischen die capillarenfreie Glashaut und die wohl entwickelte Chorioidea propria, analog wie im Falle 31 R es ausgebildet
entwickelt vorliegt und auch ausführlich beschrieben wird.
Außer im lateralen Randtheile ist das Binde- und Stützgewebe des Sehnerven innerhalb der mäßig stark entwickelten scleralen
Lamina äußerst spärlich, daher, da das innere Durchtrittsloch äußerst weit ist, ein sehr schmaler Nervenfasernwall die große, tiefe,
nur lateral langsam ins Netzhautniveau übergehende Excavation umgibt. Vom Glaskörper durch eine dünne Grenzhaut abgegrenzt,
liegt am Boden der Excavation ein zartfaseriges, rundliche und ovale Kerne enthaltendes Gewebe, welches sich in Form eines breiten,
scharf abgegrenzten cylindrischen Zapfens bis hinter die äußere Fläche der chorioidalen Lamina in den centralen Bindegewebsstrang
erstreckt. (Siehe Fig. 2 auf Tafel IV.)
Der Bindegewebsring ist also nur durch Freiliegen eines derben chorioidalen Laminagewebes, durch welches man vielleicht
auch noch den Randtheil der Sclera durchschimmern sah, gegeben.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2'20 sun, des inneren 1°60 man.
Durchtrittscanal: Typus II,, Excavation: Typus II,(bis IV).
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 293
Rechtes Auge. Ophthalmoskopisch wie links, aber die Excavation ist auch lateral steilwandig begrenzt, und es befindet sich
nur ein ganz schmaler Bindegewebsring lateral.
Anatomisch ein vollkommen übereinstimmendes Verhalten, aber der Durchtrittscanal des Sehnerven ist enger, sowie auch
der Sehnervenstamm, anscheinend zufolge geringerer Entwicklung des Septensystems, ein kleineres Caliber besitzt. Die Centralgefäße
sind an dem Durchtritte durch die Lamina cribrosa leicht S-förmig gewunden, der im centralen Bindegewebsstrang angelegte
Schaltgewebscylinder dem entsprechend geformt; er erstreckt sich gleichfalls weit in die physiologische Excavation vor. Die cen-
tralen Nervenfaserbündel weichen schon in den hinteren Laminalagen stark auseinander, die Excavation dadurch und durch geringere
Entwicklung der chorioidalen Lamina (besonders lateral) steiler und mehr der Gestalt eines Cylinders sich annähernd.
Das Verhalten der Netzhautchorioidea wie links, nur ist auch lateral das Pigmentepithel bis an den Rand der Membrana vitrea
chorioideae regelmäßig gebildet. Die taschenförmige Einsenkung der hier auch noch große Ganglienzellen enthaltenden inneren
Körnerschichte zwischen peripherste Sehnervenfasern und Chorioidea (respective das deren Rand einnehmende faserige Grenzgewebe),
nach hinten von der stark concaven chorioidalen Lamina begrenzt, ist hier noch deutlicher ausgeprägt als links.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2° 12 mm, des inneren 1'338 man.
Durchtrittscanal: Typus I, (annähernd II,), Excavation: Typus IIl;.
| 30. R. Therese, 24 J. Linkes Auge. Hypermetropie 3 D.
Nicht tiefe, lateral. ganz undeutlich begrenzte, nicht getüpfelte Excavation; lateral ein Viertel Papillendiameter breiter, innen
hellweißer, außen getüpfelter Conus, cilioretinale Arterie außen unten (U. T. Fall V).
Härtung: Formalin-Müller’sche Flüssigkeit.
) Anatomischer Befund. Der Sehnerv pflanzt sich ziemlich weit medial vom hinteren Augenpole in die Selera ein, ist auf-
fallend stark S-förmig gestaltet, die Achse seines letzten Stückes bildet mit der hinteren Scleralfläche einen nach außen offenen
Winkel. Die Duralscheide des Sehnerven ist sehr dünn und locker, entfernt sich lateral etwas vom Sehnerveneintritte, so dass der
Zwischenscheidenraum hier am Querschnitte rechteckig endet, dringt mit fast allen Bündeln, die abgerundet endenden scharf abge-
setzten äußeren Sclerallagen umkreisend, in das innerste Drittel der Sclera ein; nur zarte oberflächliche Durabündel umgreifen die
äußeren Scleralagen von außen. Medial ist das Verhalten ähnlich, jedoch sind die äußeren Scleralagen nicht so scharf abgesetzt,
sondern werden vielfach von Duralamellen durchflochten, der Zwischenscheidenraum endigt hier spaltförmig, wobei dessen äußere
‚Wand von der Ansatzstelle der Dura an die Sclera von dieser letzteren allein gebildet wird.
Der Durchtrittscanal hat medial die Form einer Kegelmantelfläche, lateral eine nahezu symmetrische Gestalt, aber mit ganz
besonderen Eigenthümlichkeiten. Entsprechend der Verjüngung des Sehnerven im Bereiche der hintersten Laminalagen tritt die Sclera
hier vor und sendet sehr dichte und zahlreiche Laminabalken, verstärkt durch Piabalken, in den Sehnerven ab. Die innersten, der
Chorioidea angrenzenden Lagen treten jedoch immer mehr und mehr von der Sehnervenachse zurück, und auch das schon gefäßarme,
dicht bindegewebige Chorioidalstroma weicht je weiter nach innen umsomehr vom Sehnerven zurück. Die Chorioidea und innersten
Sclerallagen sind hiebei durch ein netzförmiges, da und dort zarte, zu den inneren Chorioidallagen aufsteigende Piabalken enthal-
tendes Bindegewebe abgegrenzt, welches einerseits sich verdichtend in Chorioidea-Selera übergeht, anderseits sich auffasernd, zarte
und derbere Laminabalken zu den inneren Sehnervenpartien abgibt (Grenzgewebe). Die Membrana vitrea choriodeae tritt etwas weiter
als die innersten Chorioidallagen an den Sehnerven heran, biegt sich schließlich leicht gegen die Netzhaut auf und liegt hier den stark
entwickelten innersten, gegen das Bulbusinnere convex vortretenden chorioidalen Laminabalken auf. Über den Rand der Glashaut
schiebt sich noch ebensoweit, wie die Sclera in den Sclerotico-chorioidalcanal vorreicht, gegen die Achse der Sehnerven eine sich
verjüngende Schichte eines lockeren, kernreichen, aus den mittleren Netzhautschichten hervorgegangenen Gewebes vor, welches den
früher genannten innersten Lagen der chorioidalen Lamina anliegt. Die periphersten Sehnervenbündel, welche der Configuration der
Wand des Durchtrittscanales sich anpassen, zeigen daher einen mehrfach gewundenen Verlauf. Sie biegen nach Passierung der scle-
ralen Lamina zuerst lateralwärts, dann von der Membrana vitrea chorioideae recht- bis spitzwinklig achsenwärts um, und umkreisen
schließlich, um zur Nervenfasernschicht der Netzhaut zu gelangen, nochmals schlingenförmig umgebogen die vorgeschobene Spitze
der mittleren Netzhautschichten.
Das Pigmentepithel endet in der lateralen Hälfte dicht pigmentiert und zuletzt anscheinend mehrschichtig schon entsprechend
der Endigung der Chorioidea, und nur sehr spärliche, meist unpigmentierte und unregelmäßig geformte Zellen liegen noch der Mem-
brana vitrea bis zu ihrem freien Rande auf. Medial endigen Membrana vitrea und Pigmentepithel unmittelbar am Sehnerven, die mitt-
leren Netzhautschichten dagegen schon früher. Das gesammte Stütz- und Bindegewebe des Sehnerven ist sehr reichlich entwickelt,
lateral von den Centralgefäßen befindet sich eine nur bis zur inneren Chorioidalebene reichende, medial steil begrenzte, lateral all-
mählich in das Netzhautniveau übergehende Excavation, in deren den Centralgefäßen anliegenden Theile lockere Laminabalken, von
den gleichfalls lockerer gewebten centralen Nervenfaserbündeln nach allen Richtungen schräg durchsetzt, frei vorliegen.
Die cilioretinale Arterie entspringt aus einer großen, am freien Rande der Chorioidea gelegenen Arterie, welche aus dem Sclero-
ticalgefäßkranze abstammt. Sie liegt zuerst der Glashaut der Chorioidea, dann dem vorgeschobenen intermediären Gewebe dicht an
und umkreist dasselbe, hakenförmig umbiegend, um zur Nervenfasernschicht der Netzhaut zu gelangen, folgt also hier der letzten
S-förmigen Biegung der peripheren Nervenfasernbündel. (Dieser Fall ist noch nicht in der Arbeit. Cilioretinale Gefäße publiciert.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°96snm, des inneren 1'48 mm.
38*
in an s
994 Anton Elschnig,
Durchtrittscanal: Typus III,—IIIz, Excavation fast keine, an Typus III, (oder fast I,) annähernd.
Linkes Auge. Ophthalmoskopisch derselbe Befund, ebenso anatomisch in seltener Übereinstimmung.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°10 mm, des inneren 150 ann.
Der Conus ist also in beiden Augen dadurch anatomisch begründet, dass durch Zurücktreten des Pigmentepithels von Sch-
nerven ein Knie der Chorioidea-Sclera, von mehr weniger lockerem Grenzgewebe (respective chorioidalen Laminabalken) bedeckt
ophthalmoskopisch sichtbar wird.
31. B. Therese, 53 J. Rechtes Auge, emmetropisch.
Sehr große physiologische Excavation, medial überhängend, lateral langsam ansteigend begrenzt. Schmaler graulicher Conus,
lateral, am breitesten unten außen (U. T. VI).
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Sehnerv nahezu senkrecht eingepflanzt, Dura dick, äußere Scleralagen reichlich, recht deutlich abgegrenzt. Zwischenscheiden-
raum lateral spaltförmig, medial buchtig. Durchtrittscanal medial durch spornartiges Vortreten der Chorioidea, die bis zum Rande mit
normalem Pigmentepithel bekleidet ist, regelmäßig conisch, lateral (am Meridionalschnitte) die Wand des Durchtrittscanales nahezu
genau parallel der medialen Wand. Die recht gut entwickelte Chorioidea ist durch frühzeitiges Endigen der Glashaut gegen das
Bulbusinnere freigelegt, aber von einer dünnen Schichte zartfaserigen Gewebes bedeckt, welches dem zuletzt epithellosen Rand der
Glashaut aufliegt und reichliche dichte Laminabalken in den Sehnerven sendet, denen die vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten,
Ganglienzellenschichte voran, aufliegen. In den unteren Randpartien des Conus dagegen fällt der Rand der mittleren Netzhaut-
schichten mit dem Rande der Glashaut zusammen. Hier findet sich folgendes interessantes Verhalten. Die etwas aufgebogene Glas-
haut der Chorioidea trägt nahezu bis zum freien Rande, zuletzt etwas rareficiertes, pigmentarmes Epithel, aber in einer Breite von
ca. 1/, mm keine Choriocapillaris; von der hier ganz wohl entwickelten Chorioidea propria ist sie durch ein mit dem Grenzgewebe
zusammenhängendes, glasiges Bindegewebe geschieden, dem große epitheloide Zellkerne (große, längliche, blassgefärbte Kerne) und
nur sehr spärlich rundliche Pigmentzellen eingelagert sind. Aus diesem Gewebe strahlen die vordersten Laminabalken aus, es biegen
auch zum Theile schlangenförmig chorioidalwärts vordringende Nervenfasern ein, und geht das Gewebe nach vorn in die mittleren
Netzhautschichten über. Es ist dies eine Bildungsanomalie — als »Netzhautausstülpung in die Chorioidea« zu bezeichnen — wie
ich sie vollentwickelt in großer Ausdehnung in einem Falle von Randcolobom des Sehnerven, rudimentär noch in einigen anderen
Conusfällen (ein myopisches Auge, dann Fall 29 R, 34 R, 36 und 41 dieser Casuistik) vorgefunden habe. Medial enden die mittleren
Netzhautschichten vor dem Rande des Durchtrittsloches.
Sclerale Lamina sehr reich, chorioidale, ausgenommen im Bereiche des Conusrandes, sehr spärlich entwickelt. Sehr große,
lateral sehr langsam ansteigende Excavation.
Der Conus ist also durch Freiliegen der Chorioidea-Sclera, bedeckt vom Grenzgewebe, gegen das Bulbusinnere bedingt. Er
erschien ophthalmoskopisch schmäler als anatomisch, da das anatomisch zur Conusfläche gehörende Knie der Sclera mit den aus-
strahlenden, sehr dichten, scleralen Laminabalken von dichtem Sehnervengewebe bedeckt ist.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:08 mm, des inneren 1°74 mm.
Durchtrittscanal: Typus IIl,, Excavation: Typus IV.
32. J. Rosa, 39 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Papille ganz leicht schräg oval, in den lateralen zwei Drittheilen scharf begrenzte hellweise Excavation. Die untere äußere
Papillenhälfte umgreift ein hellweißer, in den Randpartien wenig gefleckter Conus, unten außen am breitesten; daselbst entspringt
eine große, im horizontalen Papillenmeridiane lateral ungefähr an dem Begrenzungswall der Excavation eine kleinere cilioretinale
Arterie (S. cilioretinale Arterien, Fall 8).
Härtung: 10%, Formalin.
Der Sehnerv ist im letzten Antheile S-förmig geschlängelt, pflanzt sich so in die Sclera sein, dass seine Achse zuletzt einen nach
unten-außen offenen Winkel bildet. Dura mäßig dünn, die sehr reichlichen äußeren Scleralagen zerbündelnd. Zwischenscheidenraum
spaltförmig. Der Durchtrittscanal ist medial regelmäßig conisch, die mittleren Netzhautschichten etwas außerhalb des Randes der
Glashaut und des Pigmentepithels endigend. Lateral tritt dieChorioidea propria mit Glashaut etwas vom Sehnerven zurück, so dass ein
flaches Knie der Chorioidea-Sclera gegen das Bulbusinnere sieht. Die zuletzt schon sehr rareficiertes Epithel tragende Glashaut ist
bulbuswärts durch lockeres, schlingenförmig gegen die Chorioidea vorgeschobene Sehnervengewebe aufgehoben; reichliche chorioi-
dale Laminabalken, die Glashaut fortsetzend, ragen convex gegen das Bulbusinnere vor und dienen den wohl erhaltenen mittleren
Netzhautschichten zur Unterlage, welche, die Ganglienzellenschichte voran, so weit achsenwärts vorragen, dass eine durch den
Rand des inneren und des äußeren Durchtrittsloches gelegte Ebene hier auf der Sclera senkrecht steht. Je weiter gegen den unteren
Rand des Sehnerven, desto breiter tritt die Sclera-Chorioidea durch Zurückweichen der Glashaut vor, aber auch die Superposition der
mittleren Netzhautschichten wird immer geringer, so dass am inneren unteren Ende des Conus (der die Papille an Schnitten nahe
dem unteren Papillenrande ringförmig zu umfassen scheint — Fig. 1 auf Taf. VII) das Knie der Chorioidea-Sclera, von nur sehr wenig
Grenzgewebe bedeckt, völlig freiliegt, die mittleren Netzhautschichten außerhalb des Randes der mit normalem Epithel bedeckten
Glashaut zugeschärft endet. Die sclerale Lamina mächtig entwickelt und weit in den Sehnerven zurückreichende, die chorioidale
besonders in der lateralen unteren Hälfte. Die centralen Sehnervenbündel weichen am Durchtritte durch die erstere nach allen Seiten
Sehmerveneintritt des menschlichen Auges. 295
auseinander, die Centralgefäße legen sich zuletzt etwas medialwärts um, der so gebildete Raum ist aber durch reichliches Bindegewebe
des centralen Bindegewebsstranges und durch lockeres, dem Laminagewebe ähnliches Bindegewebe bis zur inneren Chorioidalebene
ausgefüllt. Der Conus ist also durch knieförmiges Vortreten der Sclera-Chorioidea, welche aber zum Theile durch superponierte
mittlere Netzhautschichten, respective chorioidale Lamina gedeckt sind, gebildet.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 195 mm, des inneren 150 mm.
Durchtrittscanal: Typus III,, Excavation: Typus Il, (annähernd an IIT,).
33.H. Gottfried, 51 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Centralgefäße im Centrum der Papille, lateral davon eine flache, nicht steil begrenzte Excavation mit Andeutung von Tüpfe-
lung; schmaler hellweißer, in den Randtheilen graulich gefleckter Conus lateral, nicht sehr scharf abgegrenzt.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv leicht nach außen schräg eingepflanzt, Dura dick, äußere Scleralagen durch Duralamellen aufgefasert, Zwischen-
scheidenraum beiderseits ca. 0'25 mn weit, buchtig begrenzt. Durchtrittscanal sehr unregelmäßig, medial die zugeschärfte Chorioi-
dea mit Membrana vitrea und Pigmentepithel ca. 0°70 mım weit achsenwärts vorgeschoben, während lateral im Bereiche der scleralen
Lamina die derben einstrahlenden Scleralamellen achsenwärts vortreten, die Chorioidea zurückweicht, die Membrana vitrea wieder bis
zur Höhe der vorragenden Sclera achsenwärts vortritt, aber im letzten Stücke derbfaserigem Grenzgewebe aufliegend und epithellos.
Der Rand der vifrea ist gegen das Bulbusinnere zu aufgebogen und setzt sich in straffe bindegewebige Balken fort welche, stark
convex vortretend, als innerste chorioidale Laminabalken die laterale Sehnervenhälfte durchsetzen. Diese Balken werden zum Theile
von den periphersten Sehnervenfasern umkreist und dienen den über den Rand der Membrana vitrea chorioideae achsenwärts vor-
gelagerten mittleren Netzhautschichten, welche etwas abgeschrägt enden, wobei die Ganglienwellenschichte am weitesten vortritt,
zur Unterlage. Das gesammte Bindegewebe des Sehnerven ist sehr stark entwickelt, besonders die chorioidale Lamina lateral, medial
steigen breite Kernsäulen zur Netzhaut auf. Es besteht nur eine flache grübchenförmige Excavation, deren durch lockeres kernreiches
Bindegewebe gebildete Basis vor der Ebene des Durchtrittsloches liegt. Medial enden die mittleren Netzhautschichten, rasch zuge-
schärft, etwas vor dem Rande des Durchtrittsloches; das Pigmentepithel ist in derselben schmalen Zone pigmentlos.
Der Conus ist also anatomisch dadurch begründet, dass durch Zurücktreten der inneren Chorioidallagen ein von derbem
Grenzgewebe bedecktes Knie der Chorioidea-Sclera gegen das Bulbusinnere freiliegt, aber zum Theile noch von nackter Glashaut
bedeckt ist. Die derben, aus den vordersten Partien des Grenzgewebes ausstrahlenden Laminabalken haben jedenfalls zur hellweißen
Farbe des Conus beigetragen.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:60 mn, des inneren 1'75 mm.
Durchtrittscanal: Typus III,, Excavation: II,.
34. D. August, 33].
Linkes Auge. Emmetropie.
Lateral hellweißer, gegen den dunklen Pigmentring zu leicht graulich gefleckter Bindegewebsring, große, medial steil, lateral
undeutlich begrenzte Excavation mit getüpfelter Basis (U. T. IV).
Härtung: 100/, Formalin.
Sehnerv leicht nach außen schräg eingepflanzt, Dura dünn, deutlich in zwei Lagen zerfallend, welche lateral die scharf
abgesetzten äußeren Scleralagen umgreifen, medial die äußeren Scleralagen zerbündeln. Zwischenscheidenraum medial spaltförmig,
lateral unregelmäßig breit buchtig.
Durchtrittscanal medial conisch mit einer leichten scleralwärts gerichteten Ausbauchung im Bereiche der mittleren scleralen
Laminalagen. Das Pigmentepithel mit Glashaut tritt aber von dem die Chorioidea abgrenzenden Bindegewebe (Grenzgewebe) etwas
zurück, so dass letzteres den vorspringenden Rand des inneren Durchtrittsloches bildet. Die mittleren Netzhautschichten enden vor
demselben, ein lockeres, kernreiches (»intermediäres«) Gewebe trennt die Nervenfasern vom Pigmentepithel. Die laterale Wand des
Durchtrittscanales ist nahezu parallel der medialen. Die Glashaut der Chorioidea bis zum Rande mit normalem, respective am Rande
verdickten Pigmentepithel bekleidet, tritt mit den inneren Chorioidalschichten vom Sehnerven zurück, zuletzt durch ein zartfaseriges
Grenzgewebe, welches das vorspringende Knie der Chorioidea-Sclera in dünner Schichte bekleidet, bulbuswärts aufgebogen. Die
mittleren Netzhautschichten enden nur ganz leicht abgestumpft unmittelbar am Rande der Glashaut.
Binde- und Stützgewebe im allgemeinen spärlich, Kernsäulen nur medial weit aufsteigend, lateral und im Bereiche des Randes
der Glashaut zahlreiche chorioidale Laminabalken vorhanden. Excavation recht tief und groß, durch zarte bindegewebsähnliche
Fasern, welche von dem die Papille bekleidenden endothelialen Gewebe ausgehen und sich gegen den Glaskörper zu stellenweise zu
einer Membran verdichten, zum Theile ausgefüllt.
Der Bindegewebsring ist dadurch bedingt, dass durch Zurückweichen der Glashaut mit Pigmentepithel ein nur von zartem
Grenzgewebe in dünner Schichte bekleidetes Knie der Chorioidea-Sclera gegen das Bulbusinnere frei lag; die darin enthaltenen
Pigmentzellnester (den Stromazellen der Chorioidea gleich) verursachten die dunkle Fleckung des Bindegewebsringes.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1'85 mm, des inneren 1'66 mm.
Durchtrittscanal: Typus III;, Excavation: Typus IV.
296 Anton Elschnig,
Rechtes Auge. Ophthalmoskopisch unterscheidet sich die rechte Papille von der linken lediglich dadurch, dass an Stelle
des Bindegewebsringes sich ein ca. 1/s Papillendiameter breiter, gegen den Fundus scharf mit Pigmentring abgegrenzter, graulich
gefleckter Conus findet, der gegen die Papille zu heller gefärbt, undeutlich begrenzt ist.
Härtung wie links.
Der anatomische Befund ist fast identisch mit dem des linken Auges. Nur ist die Membrana vitrea chorioideae lateral noch
weiter vom Sehnerven zurückgewichen, das die Chorioidea-Sclera gegen den Sehnerven abgrenzende Bindegewebe viel mächtiger ent-
wickelt, und die Membrana vitrea dort, wo sie diesem Gewebe, leicht gegen das Bulbusinnere aufgebogen, anliegt, ohne Pigment-
epithel. Die mittleren Netzhautschichten grenzen hier durch ein etwas stärker entwickeltes Zwischengewebe der pigmentlosen Glas-
haut an, zum Theile leicht über deren Rand achsenwärts vorragend, so dass die periphersten Nervenfaserbündel diesen vorspringenden
Rand mit einer achsenwärts gerichteten Schlinge umkreisen müssen (angedeutet, wie dieser Verlauf z. B. im Falle 32, L. A., hoch-
entwickelt vorliegt). Auch findet sich, mit dem intermediären Gewebe zusammenhängend, eine kleine rudimentäre Netzhautanlage im
Bereiche der epithellosen und capillarfreien Glashaut der Chorioidea lateral unten (wie 31, R.).
Die sclerale Lamina reicht lateral weit in den Sehnerven zurück, im übrigen ist sie schwach entwickelt, ebenso die chorioidale
Lamina in der medialen Papillenhälfte, während sie lateral, wie links, recht stark angelegt ist. Die Excavation dadurch lateral flacher
als am linken Auge.
Der schmale Conus ist also dadurch begründet, dass die Chorioidea-Sclera, von einer dicken Schichte dichten Grenzgewebes
bekleidet, knieförmig freiliegt, und auch noch durch Fehlen des Pigmentepithels am Randtheile der Glashaut die mit Grenzgewebe
zum Theile gedeckte Chorioidea sichtbar ist. Der »Pigmentrings, durch abnorme Größe und starke Pigmentierung des Pigmentepithels
bedingt, liegt nicht am Rande der Glashaut, sondern außerhalb desselben,
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°80 mm, des inneren 1'56 mm.
Durchtrittscanal: Typus III, (—III;), Excavation: Typus: IV.
35. S. Marie, 49 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Lateral dunkel gefleckte, ganz schmale Sichel an die Papille angrenzend, mit Pigmentring begrenzt. Centrale, nicht tiefe,
grübchenförmige Excavation, flach begrenzt, ohne Tüpfelung.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Anatomisch: Sehnerv leicht nach außen schräg eingepflanzt, Dura medial mit breitem Fuße an die Sclera angesetzt, fast ohne
äußere Scleralagen, lateral die äußeren Scleralagen scharf abgesetzt, von wenigen Durabündeln außen umfasst, aber sie endigen
schon über 1 mm von der Pialscheide entfernt, dadurch der Zwischenscheidenraum hier weit, trapezoid endigend. Zwischenscheiden-
raum medial leicht buchtig erweitert. Die Form des Durchtrittscanales unregelmäßig, medial ein ziemlich weit vorspringender Chorioi-
dalsporn, an dem die Glashaut der Chorioidea, Pigmentepithel und auch leicht abgerundet die äußeren Netzhautschichten endigen;
lateral dagegen endigt die im letzten Stücke dichte bindegewebige Chorioidea abgerundet etwas vor dem Sehnerven, respective
Sclera, ihr vorgelagert ist gegen ersteren ein wenig pigmentiertes Bindegewebe, das sich auch noch zwischen die nach innen auf-
gebogene, schon epithellose Membrana vitrea chorioideae und die Chorioidea selbst keilförmig eindrängt. Die Glashaut setzt sich
dann in eine dünne Lage straffer Bindegewebszüge, die innersten Lagen der chorioidalen Lamina über, den Sehnerveneintritt convex
vorragend, fort, so dass die Nervenfasern des Sehnerven, vorher schon von der Achse nach außen abgebogen, wieder axenwärts
verlaufen müssen, um, scharf S-förmig gewunden, den vorspringenden bindegewebigen Rand des Durchtrittsloches passie-
rend, zur Netzhaut zu gelangen. Die mittleren Netzhautschichten endigen scharf schräg abgesetzt, die Ganglienzellen am weitesten
axenwärts in den Sehnerven vortretend, axenwärts vom Rande der Membrana vitrea chorioideae. Der Rand des Durchtrittsloches ist
hier von dem dunkler pigmentierten dickeren Rande des Pigmentepithels (welches sich als pigmentlose Zellenschichte noch fast bis
zum Rande der Membrana vitrea verfolgen lässt) ca. 040 mn entfernt. Sclerale Lamina besonders lateral, und Bindegewebsstrang
stark entwickelt, die Nervenfaserbündel in der lateralen Hälfte schon am Eintritte in die erstere von dem centralen Bindegewebs-
strange ausbiegend, der so entstandene Raum aber durch straffes, mit dem centralen Bindegewebsstrange zusammenhängendes
Bindegewebe und durch die Superposition der Netzhaut eingeengt und abgeflacht, so dass die abgerundete Basis kaum hinter die
innere Chorioidalebene fällt.
Der Conus ist also in derselben Weise anatomisch begründet, wie im vorhergehenden Falle, wenngleich die ganze Conus-
fläche, das Knie der Chorioideasclera, durch superponierte mittlere Netzhautschichten gedeckt war.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°15 mn, des inneren 1:50 mm.
Durchtrittscanal: Typus III,, Excavation: II,—II».
36. P. Thekla, 29 J. Linkes Auge, emmetropisch.
In der lateralen Hälfte eine medial steil begrenzte, lateral allmählich auslaufende Excavation mit hellweißer Basis. Lateral
ganz schmaler, zum Theile durch Pigmentklümpchen gedeckter Conus.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt. Dura medial dick, bildet, von der Pia entfernt an die Sclera breit angesetzt, fast allein
die äußeren zwei Drittheile der Scleraldicke; lateral ist sie dünner und umfasst die recht scharf abgesetzten äußeren Sclerallagen.
Zwischenscheidenraum medial 0:60 mm, lateral 0:36 man breit.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 297
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Grenzgewebe gegen den Sehnerven abgeschlossen, von demselben zurück, die bis zum Rande aber zuletzt unregelmäßiges Epithel
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Durchtrittscanal in den äußeren zwei Drittheilen regelmäßig conisch, die Chorioidea dagegen weicht lateral, von derbem
- tragende Glashaut ist durch das gegen das Bulbusinnere knieförmig freiliegende Grenzgewebe leicht dahin aufgebogen; über sie hin-
aus sind in den Sehnerven axenwärts die mittleren Netzhautschichten, rasch abgestumpft, soweit vorgeschoben, zuletzt den vordersten
zarten chorioidalen Laminabalken anliegend, dass der Rand des Durchtrittsloches noch achsenwärts vom vorspringenden Rande des
Grenzgewebes liegt. An einigen Schnitten sieht man auch lateral unten eine rudimentäre Netzhautanlage ein kleines Stück keilförmig
zwischen Glashaut und Chorioidea eindringen, wie in 31, R. Die peripheren Nervenfasern bilden also eine chorioidalwärts gerichtete
Schlinge unter den vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten. Medial ist die Chorioidea regelmäßig spornartig vorragend, aber
gleichfalls durch eine dünne Schichte Grenzgewebes, dem die zuletzt drusige, aber epitheltragende Glashaut aufliegt, vom Sehnerven
geschieden. Die mittleren Netzhautschichten enden zugeschärft 0-24 mm vor dem Rande der Glashaut, nachdem sie in ein großkerniges
Gewebe (intermediäres Gewebe) übergegangen sind, das aber, ähnlich wie bei Fall 37, noch leicht durch Nervenfasern, die schlingen-
förmig gegen die Netzhaut einbiegen, abgehoben ist. Die sclerale Lamina recht mächtig, lateral gestreckt oder leicht gegen das
Bulbusinnere convex, chorioideale Lamina besonders lateral sehr stark, Kernsäulen weit aufsteigend. Die lateral von centralem
Bindegewebsstrange gelegenen Nervenfasernbündel durchbrechen peripherwärts gerichtet die sclerale Lamina, die so gebildete Grube
‚ ist aber größtentheils durch kernreiches, gegen den Glaskörper zu dichteres Bindegewebe ausgefüllt, so dass nur eine ungefähr in
die innere Chorioidalebene reichende flache, aber in der Fläche recht große Excavation vorliegt.
Der Bindeggwebsring ist also durch knieförmiges Vorragen eines dichten Genzgewebes, das nur zum Theile von Glashaut mit
rareficiertem Epithel bedeckt ist, gegeben.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:20 wm, des inneren 1:50 mm.
Durchtrittscanal: Typus III,, Excavation: Typus III, (annähernd an II,).
37. R. Franz, 23 J. Linkes Auge. Hypermetropie 3 D (U. T. XI und XVII).
Undeutliche flache Excavation in der lateralen Papillenhälfte; temporal ein 1/, Papillendiameter breiter, scharf von dunklem
Pigmentring begrenzter Conus, innen hellweiß, außen leicht gefleckt.
Härtung: 10/, Formalin.
Sehnerv nach außen schräg eingepflanzt, Dura dünn, lateral aufgelockert breit angesetzt, mit spärlichen Bündeln die dicken
scharf abgegrenzten äußeren Sclerallagen umfassend; medial ähnlich, aber hier der Zwischenscheidenraum sehr weit buchtig, latera
schmal. Durchtrittscanal sehr unregelmäßig. Medial schiebt sich ein breiter Chorioidalsporn, fast bis zum Rande von regelmäßigem
Pigmentepithel bedeckt, in den Sehnerven vor. Die äußere Körnerschichte endet, zuletzt dünn und aus großen blassgefärbten Kernen
_ bestehend, ca. 1/, mm außerhalb des Randes der Glashaut, die übrigen mittleren Netzhautschichten sind durch schlingenförmig vor-
tretende Sehnervenfasern abgehoben, und schieben sich, zuletzt unregelmäßig kolbig anschwellend und höchst unregelmäßig gestal-
tet, achsenwärts in den Sehnerven vor. Dem Sehnervengewebe, welches sich zum Theile auch zwischen die rareficierte äußere und
innere Körnerschicht einzudrängen scheint, sind große epitheloide Zellen eingelagert, ebenso dem kernreichen, den Rand der mitt-
leren Netzhautschichten bildenden Gewebe; diesem letzteren auch einzelne rundliche Pigmentzellen.
Lateral tritt die Chorioidea stark vom Sehnerveneintritte zurück, so dass die Sclera ein breites freies Knie bildet, welches nur
durch rudimentäre Chorioidalanlage und Grenzgewebe bedeckt ist. Von der Chorioidea strahlen sehr reichliche und dichte Lamina-
balken aus, welche dem zuletzt epithellosen Randtheil der Glashaut aufliegen und diesem sowie den noch weiter axenwärts vortre-
tenden rareficierten mittleren Netzhautschichten als Unterlage dienen. Die periphersten Nervenbündei biegen in das dichte Lamina-
gewebe ein, erleiden also, um wieder zur Netzhaut zu gelangen, eine doppelte S-förmige Biegung.
Die Lamina ist mächtig entwickelt, die Kernsäulen steigen fast allenthalben bis in die Netzhaut auf. Die sclerale Lamina reicht
medial weiter in den Sehnerven zurück als lateral. Es besteht nur eine flache grübchenförmige centrale Excavation, deren Basis vor
der inneren Chorioidalebene liegt.
Der Conus ist dadurch begründet, dass durch Zurücktreten der Glashaut und Chorioidea ein breites, vom Grenzgewebe
und dichten chorioidalen Laminabalken bedecktes Knie mit rudimentärer Chorioidalanlage gegen das Bulbusinnere freiliegt, und
außerdem auch der schon von Glashaut gedeckte Randtheil der Chorioidea kein regelmäßiges pigmentführendes Epithel trägt.
Die Bildungsanomalie am Netzhautbeginne medial ist als rudimentäre Verdoppelung der Netzhaut zu erklären.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1’92 mm, des inneren 1'30 mm.
Durchtrittscanal: Typus III,, Excavation: II,.
Rechtes Auge. Refraction und Papille wie links, der Conus etwas schmäler und weniger scharf begrenzt.
Härtung wie links.
Der anatomische Befund ist, abgesehen von kleinen Differenzen in den Maßen, völlig identisch mit dem des linken Auges.
Jedoch ist der Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, und grenzen sich die äußeren Sclerallagen nicht ganz so scharf gegen die Dura
ab, wie am anderen Auge.
Bemerken will ich noch, dass in dem eigenthümlichen gliös-nervösen Gewebe, das als Fortsetzung der mittleren Netzhaut-
schichten medial über den Rand des Chorioidalloches achsenwärts vortritt und das von den Sehnervenfasern umkreist wird, auch
im linken Auge große, epitheloide Pigmentzellen eingelagert sind, wodurch es umso sicherer als embryonale Netzhautanlage erkannt
werden kann.
298 Anton Elschnig,
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 190 „m, des inneren 128 mm.
Durchtrittscanal: Typus IIl,, Excavation: III,.
38. F. Marie, 71 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Papille ist von einem ringförmigen, hellweißen, nur wenig gefleckten, kraus begrenzten Hof umgeben, der medial etwas breiter
als lateral ist, an ersterer Stelle mehr als 1/, P. D. an Breite beträgt. Flache, nur medial steil begrenzte Excavation. Papillenarterien
fast central entspringend.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit. 2
Achsenlänge des Auges 24mm. Sehnerv senkrecht eingepflanzt. Dura dünn, äußere Scleralagen spärlich, nur lateral deutlicher
hervortretend. Zwischenscheidenraum lateral buchtig, medial bis 0:70 mn weit rechteckig abgegrenzt. Durchtrittscanal medial conisch,
mit starkem, spornartigen Vorragen der Membrana vitrea lateral bis zu den inneren Lagen der scleralen Lamina symmetrisch conisch,
dann aber tritt die Sclera-Chorioidea spitzwinkelig zurück, so dass zuletzt die mediale und laterale Wand parallel sind; die Membrana
vitrea tritt lateral wieder etwas achsenwärts vor, noch weiter die rareficierten mittleren Netzhautschichten, so dass die peripheren
Nervenfaserbündel zuerst bis zur inneren Ebene der scleralen Lamina achsenwärts, dann bis zum Rande der Glashaut fast recht-
winkelig umgebogen axifugal, dann ebenso achsenwärts verlaufen müssen, um endlich wieder, die superponierten mittleren Netzhaut-
schichten hakenförmig umkreisend, zur Netzhaut zu gelangen. Medial liegt der schon epithellose Randtheil der Glashaut derbem ,
Grenzgewebe auf, aber auch außerhalb des Bereiches desselben ist sowohl medial als lateral die Chorioidea atrophisch, die Gefäß-
wände etwas verdickt, in derselben Ausdehnung das Pigmentepithel, sowie auch zum Theile die äußeren Netzhautschichten
rareficiert.
Das gesammte Sehnervenbindegewebe stark entwickelt; flache, kaum über die innere Chorioidalebene hinausreichende
Excavation, deren Basis von kernreichem Bindegewebe begrenzt ist, die medial fast überhängend, lateral weniger steil begrenzt ist.
Die Centralarterie bildet im Bereiche der scleralen Lamina eine medialwärts gerichtete Biegung, dann, der Wand der Excavation
angeschmiegt, eine entgegengesetzte Biegung, um erst am Rande der Excavation sich zu theilen.
Der centrale Bindegewebsstrang ist im Bereiche der Excavation von einer mehrfachen Zellschichte bekleidet; diese schwillt an
dem prominentesten Theile der unteren Papillenarterie, unmittelbar nach ihrem Ursprunge, mächtig an und setzt sich in einen zapfen-
förmig in den Glaskörper vorragenden soliden Zellstrang, der von verdichteten Glaskörperlamellen bekleidet ist, fort. (Rudimentäre
Arteria hyaloidea persistens.)
Es besteht also neben dem durch die Topographie der inneren Augenmembranen am lateralen Sehnervenrande angelegten
Conus eine circumpapilläre Chorioidalatrophie, welche wohl als »Altersconus« aufzufassen ist. Die eigentliche Conusbildung ist wie
im Falle 32 L. bedingt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2 mm, des inneren 1'50 mm.
Durchtrittscanal: Typus IIl,. Excavation: Typus II,.
31.1 B. Therese, 53 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Über zwei Drittheile der Papille sind von einer medial überhängenden, lateral steil begrenzten Excavation eingenommen. Lateral
ein innen hellweißer, außen grau gefleckter Conus; im Maximum !/, Papillendiameter breit. (U. T. V.)
Härtung: Müller'sche Flüssigkeit.
Sehnerv nahezu senkrecht eingepflanzt, Zwischenscheidenraum beiderseits leicht buchtig erweitert, Durarechtdick, diebesonders
lateral sehr zahlreichen, äußeren Sclerallagen recht scharf gegen sie abgegrenzt. Sehnerv am Beginne der scleralen Lamina stark ver-
jüngt, ungefähr den mittleren Lagen derselben entsprechend wieder stark erweitert; während aber medial wieder die Chorioidea mit
der bis zum Rande normales Epithel tragenden Glashaut stark spornartig vorragend den Durchtrittscanal conisch einengt, sind lateral die
inneren Scleral- und die äußeren Chorioidalschichten senkrecht abgesetzt, die inneren Chorioidallagen treten dann noch mehr zurück,
so dass die Chorioidea-Sclera, von einer dünnen Schichte dichtfaserigen Grenzgewebes bedeckt, knieförmig abgerundet erscheint. Das
genannte Grenzgewebe dringt noch unter die Glashaut der Chorioidea ein, dieselbe aufbiegend, und entsendet als Fortsetzung der-
selben zarte chorioidale Laminabalken in den Sehnerven, denen, etwas über die Chorioidalebene vortretend, die vorgeschobenen
mittleren Netzhautschichten, die großen Ganglienzellen voran, aufgelagert sind. Soweit die Glashaut dem Grenzgewebe aufliegt, ist
sie von sehr schütterem, unregelmäßig geformten und pigmentlosen Epithel bedeckt; erst circa 0:44 mm außerhalb des vorspringenden
Kniees der Chorioidea-Sclera beginnt sehr dunkel pigmentiertes Epithel.
Die selerale Lamina, stark entwickelt, reicht weit in den Sehnerven zurück; die Nervenfaserbündel biegen am Durchtritte durch
dieselbe nach allen Richtungen peripherwärts ab, wobei sich die Centralgefäße, welche in der lateralen Sehnervenhälfte gelegen sind,
medialwärts umlegen. So entsteht, da der intrachorioidale Theil des Sehnerven äußerst spärliches Stütz- und Bindegewebe besitzt,
eine sehr große und tiefe Excavation, in deren Grunde sclerale Laminabalken, von dichtem, glasigen Bindegewebe mit zahlreichen,
endothelähnlichen Kernen bedeckt, bloßliegen. Das genannte Gewebe setzt sich als Schaltgewebszapfen weit in den centralen Binde-
gewebsstrang fort.
1 Die untersuchten Augen sind nach dem Typus des Durchtrittscanales geordnet; die beiden Augen derselben Individuen
haben, auch wenn sie verschiedenen Typus darboten, dieselbe Nummer.
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 299
Der breite Conus ist also theils durch Freiliegen des mit Grenzgewebe bekleideten Kniees der Chorioidea-Sclera (hellweißer,
innerer Theil), theils durch mangelhafte Bildung des Pigmentepithels im Bereiche des Randtheiles der Glashaut (gefleckter, äußerer
Theil) bedingt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:04 mm; des inneren 1:56 mm.
Durchrittscanal: Typus IV,. Excavation: IV (IIl,).
32. J. Rosa, 39 J. Linkes Auge. Emmetropie.
Papille leicht schräg oval (mehr wie links), in den lateralen zwei Drittheilen scharf begrenzte, hellweiße Excavation; lateral
ein ein Viertel Papillendiameter breiter Conus, dessen größte Breite dem kleinen Durchmesser der Papille entspricht. Der lateralwärts
angrenzende stärker pigmentierte Saum des Pigmentepithels scheint »superponiert«.
Härtung: 100/, Formalin.
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt, Dura lateral dick, medial dünner, äußere Sclerallagen beiderseits stark zerbündelt.
Zwischenscheidenraum beiderseits spaltförmig, medial breiter.
Die Form des Durchtrittscanales ist so völlig übereinstimmend mit der des vorhergehenden Falles 31 L., dass ich von einer
Beschreibung wohl absehen kann. Jedoch ist die chorioidale Lamina lateral so mächtig entwickelt, dass sie in ihrer Structur kaum
von der seleralen zu unterscheiden ist, und dient wieder den vorgeschobenen mittleren Netzhautschichten zur Unterlage. Die Glas-
haut ist nur in kleiner Breite mit sehr rareficiertem Epithel bedeckt, angrenzend daran, wo sie noch durch Grenzgewebe aufgehoben
ist, ist das Epithel stark pigmentiert (Superposition); entsprechend der größten Breite des Conus, lateral unten, fehlt die mächtige
Entwicklung der chorioidalen Lamina und die Superposition der mittleren Netzhautschichten, das Nervengewebe liegt dem die
Chorioidea-Sclera in dünner Schichte bekleidenden Grenzgewebe direct auf. (Also ähnlich wie am anderen Auge, Fig. 1, Taf. VII.)
Die Excavation ist kleiner, aber recht tief, lateral gelegen. (Siehe Fig. 1 und 2 auf Taf. VI.)
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 194 mm, des inneren 150 mn.
Durchtrittscanal: Typus IV,. Excavation: Typus ll;.
28. S. Peter, 43 J. Rechtes Auge. Emmetropie.
Papille kreisrund. Excavation wie links, aber auch lateral deutlicher abgegrenzt. Außen unten ein mit Pigmentring begrenzter
hellweißer Bindegewebsring.
Härtung wie links.
Sehnery zuletzt S-förmig, in seinem letzten Stücke leicht medialwärts schräg. Zwischenscheidenraum medial weit buchtig,
lateral schmal. Dura lateral dick, in zwei Lagen zerfallen, welche, breit angesetzt, die äußeren Sclerallagen fast in toto umfassen;
medial schwächer und die spärlichen äußeren Sclerallagen zerbündelnd.-
Durchtrittscanal medial conisch, mit starker, scleralwärts gerichteter Ausbauchung im Bereiche der inneren scleralen Lamina-
schichten. Die mittleren Netzhautschichten enden medial schräg abgesetzt, die äußeren Körner vorstehend, vor dem Rande des Durch-
trittsloches. Lateral treten die inneren Lagen der Sclera und die Chorioidea plötzlich stark gegenüber dem vorspringenden Pialansatze
zurück, zuerst senkrecht zur Scleralfläche abgesetzt, dann aber treten die inneren Chorioidalschichten noch mehr vom Sehnerven
zurück, so dass die Sclera Chorioidea gegen den Sehnerven ein von einer recht dünnen Schichte von Grenzgewebe bekleidetes Knie
bilden. Der Rand der Glashaut ist durch dieses Grenzgewebe von der Chorioidea abgehoben und zuletzt leicht bulbuswärts auf-
gebogen und in diesem Bereiche das unmittelbar vorher großzellige und dicht pigmentierte Epithel rareficiert oder fehlend. Die mittleren
Netzhautschichten enden mit dem Rande der Glashaut. Die peripheren Nervenfaserbündel müssen also lateral zuerst, bis zum Eintritte
in die sclerale Lamina, achsenwärts, im Bereiche der äußeren Lagen derselben stark scleralwärts, im Bereiche der inneren Lagen
derselben, senkrecht zur Scleralfläche verlaufen, um dann zum Theile mit einer chorioidalwärts gerichteten S-hlinge in die Nerven-
faserschichte der Netzhaut überzugehen.
Die centralen Nervenfaserbündel weichen am Eintritte in die sclerale Lamina nach allen Seiten peripherwärts auseinander, so
dass eine sehr große und sehr tiefe Excavation entsteht, welche durch lockeres Bindegewebe, gegen den Glaskörper durch eine Grer z-
membran bedeckt, zum Theil angefüllt ist, welches Bindegewebe sich als Schaltgewebszapfen weit in den centralen Bindegewebs-
strang nach hinten erstreckt. Scelerale Lamina stark entwickelt und weit nach hinten reichend, chorioidale zartfaserig.
Der Bindegewebsring ist also anatomisch durch Freiliegen der knieförmig vortretenden Chorioidea-Sclera, die mit zartem
Grenzgewebe bedeckt ist, und Fehlen des Pigmentepithels im Randtheile der Glashaut, soweit sie diesem Grenzgewebe aufliegt,
bedingt.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°34 mm, des inneren 1'86 mm.
Durehtrittscanal: Typus IV). Excavation: Typus IV.
39. K. Juliana, 23 J. Linkes Auge Emmetropie.
Centrale, grübchenförmige Excavation, an deren medialer Wand die Centralarterie in ganzer Ausdehnung sichtbar ist.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 39
300 Anton Elschnig,
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv senkrecht (oder mit einer leisen Neigung nach innen) eingepflanzt, Dura besonders lateral deutlich in zwei Schichten
gespalten, bildet nahezu allein die äußeren zwei Drittheile der Scleraldicke. Zwischenscheidenraum spaltförmig.
Der Durchtrittscanal ist unregelmäßig eonisch, mit Neigung medialwärts. Lateral tritt die Chorioidea, bis zum Rande mit Glas-
haut und normalem Epithel, leicht spornartig vor, die mittleren Netzhautschichten enden zugeschärft mit ihr: fast kein Grenzgewebe.
Medial ist die Wand fast senkrecht zur Sceleralfläche, nur die Glashaut mit normalem Pigmentepithel schiebt sich noch über das
faserige Grenzgewebe achswärts in den Sehnerven vor, die mittleren Netzhautschichten enden mit ihr senkrecht abgesetzt. Das Ver-
halten ist also gegenüber Typus Il so, als ob medial und lateral vertauscht wären.
Lamina ceribrosa scleralis schwach, aber die Kernsäulen sind weit in die Netzhaut aufsteigend, die eigentlich chorioidale
Lamina dagegen sehr spärlich entwickelt; die centralen Nervenfaserbündel weichen am Eintritte in die sclerale Lamina nach allen
Seiten aus, so dass eine bis circa 040 mm im horizontalen Durchmesser haltende Excavation entsteht, die aber bis nahezu an die
innere Chorioidalebene heran durch lockeres, kernreiches Laminagewebe ausgefüllt ist.
Dieser Fall bildet den Übergang vom Typus I des Durchtrittscanales zum TypusV, wie er im nachfolgenden Auge schon typisch
gegeben ist.
Excavation: Typus IIl;.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2°13 mm, des inneren 150 mm.
40. S. Franz, 54.J. Linkes Auge. Emmetropie.
Papille nicht sehr deutlich begrenzt, kleine, flache Excavation.
Härtung nach Wolters (Chrom-Kupfer-Alkohol.)
Der Sehnerv ist stark nach innen schräg eingepflanzt, die Duralscheide bildet daher mit der Sclera lateral einen sehr spitzen,
medial einen offenen (stumpfen) Winkel, und bildet breit angesetzt fast allein die äußeren zwei Drittel bis (medial) drei Vierte
der Scleraldicke. Zwischenscheidenraum medial breit buchtig, lateral eng spaltförmig. Der Durchtrittscanal hat genau die Form wie
Fall34, L., aber als ob medial und lateral vertauscht wären. Lateral reicht die Glashaut der Chorioidea, am Rande breitem Grenz-
gewebe aufliegend und etwas rareficiertes Pigmentepithel tragend, spornartig über den Sehnervenquerschnitt vor, medial tritt Glas-
haut und Pigmentepithel wie im Fall 34, L,, lateral, etwas vom Sehnerven zurück, so dass die Chorioidea-Sclera, von derbem
Grenzgewebe gedeckt, knieförmig in den Sehnerven vorragt. Die mittleren Netzhautschichten enden hier knapp außerhalb des Randes
der Glashaut, medial mit demselben, aber die Ganglienzellen etwas achsenwärts vortretend. (Siehe Fig. 2 auf Taf. VII.)
Die sclerale Lamina stark entwickelt, lateral aber nach dem Bulbusinneren convex, nur medial concav, im Ganzen also eine
uförmige Figur bildend. Die centralen Sehnervenfaserbündel schon im Bereiche derselben etwas peripherwärts auseinanderweichend,
aber die so entstehende, und, da die Kernsäulen weit in die Netzhaut aufsteigen, die chorioidale Lamina stark entwickelt ist, nur
kleine Grube noch durch Bindegewebe zum großen Theil ausgefüllt.
Es ist also medial ein Bindegewebsring anatomisch angelegt, der aber wohl deshalb nicht deutlich sichtbar war, da er von
dichtem Nervengewebe bedeckt ist.
Durchtrittscanal: Typus V. Excavation: Typus III,.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:12 mm, desinneren 1 62 mm.
41. K. Constanze, 34 J. Beide Augen, emmetropisch.
Linkes Auge. Papille sehr unscharf begrenzt, ohne Excavation; unten ein fast papillendiameter breites Büschel mark-
haltiger Nervenfasern unmittelbar über dem Papillenrande beginnend, oben und medial nur die Nervenfaserausstrahlung besonders
deutlich zu sehen.
Härtung: Müller’sche Flüssigkeit.
Sehnerv fast senkrecht eingepflanzt. Dura besonders lateral sehr dünn, hier die mächtigen äußeren Scleralagen sehr deutlich
abgegrenzt, medial dagegen zerbündelt. Durchtrittscanal dadurch unregelmäßig, dass beiderseits im Bereiche der scleralen Lamina
eine starke, scleralwärts gerichtete Ausbauchung besteht, und dass zwar lateral die Chorioidea regelmäßig mit Glashaut und Pigment
epithel spornartig achsenwärts vortritt, medial dagegen ein »Sporn«, von Chorioidea und Grenzgewebe gebildet, durch Zurückweichen
der Glashaut mit Pigmentepithel bulbuswärts freiliegt und hier vom Sehnervengewebe bedeckt ist. An einer kleinen Stelle ist medial
der Rand der Glashaut leicht aufgebogen durch ein große epitheloide Zellen enthaltendes Gewebe, das, mit den mittleren Netz-
hautschichten zusammenhängend, sich keilförmig zwischen die Glashaut und die Chorioidea propria — Capillarschichte fehlt hier —
eindrängt. (Siehe Fig. 2 auf Taf. VIII.) .
Die mittleren Netzhautschichten enden hier zugespitzt außerhalb des Randes der Glashaut, das Pigmentepithel etwas stärker
pigmentiert mit demselben; lateral ebenso. Medial findet sich auch eine Andeutung von Verdoppelung der Netzhaut am Rande des
Sehnerven (s. Fall 37).
Das gesammte Binde- und Stützgewebe des Sehnerven ist in seinem intraocularen Antheile mächtig entwickel, die Pia besonders
lateral mit deutlichen mächtigen Bündeln gegen die Chorioidea aufsteigend, das enge, dünne Durchtrittsloch dadurch völlig vom-
“
Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. sol
Sehnerven ausgefüllt, das Sehnervengewebe, zahlreichste markhaltige Faserbündel enthaltend, stark pilzförmig vorragend, ohne
deutliche Excavation.
Der anatomisch medial angelegte Bindegewebsring ist offenbar deshalb ophthalmoskopisch nicht sichtbar gewesen, da das
deckende Nervengewebe dick und dicht ist.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1°86 man, des inneren 1'26 mm.
Durchtrittscanal: Typus V. Excavation: ],.
Rechtes Auge. Medial, oben und unten je ein Büschel markhaltiger Nervenfasern, sonst wie links. (U. T. XIl.)
Der anatomische Befund ist genau mit dem des linken Auges übereinstimmend, auch bezüglich der Bildung des Bindegewebs-
ringes, respective Conus medial. h
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 1’88 mn, des inneren 128 mm.
Die hier an beiden Augen nur medial angelegte Conus- (respective Bindegewebsring-) -Bildung ist am folgenden Auge ringsum
ausgebildet.
42. J. Rosa, 39 J. Linkes Auge. Myopie 7—8SD.
Papille von einem oben schmalen, unten breiteren Bindegewebsring umgeben, oben durch Pigmentierung abgegrenzt, unten
schmale, grauliche, conusähnliche Zone; große, überall steile, oben überhängende Excavation ohne deutliche Tüpfelung. (U. T. IX
und XII.) . j
Härtung: 100/, Formalin.
Sehnerv nach innen schräg eingepflanzt. Dura besonders medial locker und dünn, sehr spärliche äußere Sceleralagen, daher
Selera sehr dünn. Zwischenscheidenraum spaltförmig.
Der Durchtrittscanal hat die Gestalt eines doppelten, mit den breiten Basalflächen verbundenen Kegelstumpfes (also eylindrisch
mit sehr starker, scleralwärts gerichteter Ausbauchung im Bereiche der inneren Lagen der scleralen Lamina). Die Glashaut tritt aber
allseits noch etwas vom Sehnerven zurück, bulbuswärts durch Grenzgewebe aufgebogen, so dass das letztere (respective die Chori-
oidea-Sclera) gegen den Sehnerven knieförmig vorragt. Lateral zahlreiche chorioidale Laminabalken, welche, vor die Chorioidalebene
bulbuswärts vortretend, die scharf abgesetzten mittleren Netzhautschichten begrenzen. Medial sind die mittleren Netzhautschichten
sehr stark abgeschrägt, nur die äußören Körner den Rand der Glashaut erreichend.
Entsprechend der oberen Papillenhälfte ist die Glashaut bis zum Rande mit zuletzt sehr dickem und stark pigmentierten Epithel
bekleidet (Pigmentring), in der unteren Papillenhälfte dagegen daselbst das Pigmentepithel rareficiert, soweit die Glashaut dem Grenz-
gewebe aufliegt, und erst außerhalb desselben zuerst mit sehr dicht pigmentiertem und großzelligen Epithel bedeckt.
Die sclerale Lamina mächtig entwickelt, lateral sehr weit in den Sehnerven zurückreichend; die Centralgefäße, welche hier in
der lateralen Sehnervenhälfte liegen, biegen im Bereiche der Sclera stark medialwärts um, liegen also in der großen und tiefen
Excavation schräg flächenhaft bloß, die Centralvene theilt sich am Boden, dıe Centralarterie an der medialen Wand der Excavation.
Die centralen Sehnervenbündel sind medial so gelagert wie die Centralgefäße, biegen lateral von denselben peripherwärts ab,
der so zwischen ihnen und dem centralen Bindegewebsstrang restierende Raum durch kernreiches Laminagewebe gefüllt. Kernsäulen
weit aufsteigend, chorioidale Lamina sehr spärlich.
Der ringförmige Bindegewebsring dieses Auges ist also durch knieförmiges Vortreten eines Wulstes von Sclera-Chorioidea
gegeben, welcher aber medial zum Theil durch zuletzt nackte und durch lockeres Laminagewebe gegen das Bulbusinnere aufgehobene
Glashaut bedeckt ist.
Durchtrittscanal: Typus V mit sehr starker Ausbauchung im Bereiche der mittleren Laminalagen.
Excavation: Typus IIl;.
Durchmesser des äußeren Durchtrittsloches 2:00 mm, des inneren 1°74 mm.
Der Partner dieses Individuums besitzt eine Bildungsanomalie des Sehnerven.
(f
302 Anton Elschnig,
ZspomnouR ww
31.
3la.
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383.
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Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. 303
Erklärung der Tafeln.
Die Mikrophotogramme, welche mein Freund Prof. ©. Zoth (physiologisches Institut Graz) nach meinen Präparater auf
genommen, sind fm Lichtdruck direct von der Platte reproduceiert. Die Figuren: 2 und 3 auf Taf. Ill, 2 auf Taf. IV, V, VI und VI
sind in 75facher, alle übrigen in 25facher Vergrößerung aufgenommen. Die Aufnahmen sınd von Präparaten nachstehender, in der
»Casuistik« ausführlich beschriebener Fälle angefertigt.
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I: Fall 6, L. A. Färbung des Präparates: Hämatoxylin-Congoroth.
14, R. A.
UER.
23, L.
15, R.
Dl..
28,1.
29,L.
28, R.
32,L.
32, R.
40, L.
41,L.
»
»
van Gieson.
Hämotoxylin-Eosin.
Weigert’s elastische Faserfärbung.
van Gieson.
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Hämatoxylin-Eosin.
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Hämatoxylin-Congoroth.
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A. Elsehnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. Tafel 1.
Mikrophot. Prof. O. Zoth, Graz. Lichdruck v. M. Jaffe, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe. Bd. LXX.
A. Elsehnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. Tafel 1.
Mikrophot. Prof. O. Zoth, Graz Liehtdruck v. M. Jaffe, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien. math.-naturw. Classe, Bd. LXX.
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A. Elsehnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. Tafel I.
Mikrophot. Prof. O. Zoth, Graz. Lichdruck v. M. Jaffe, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe, Bd. LXX.
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A. Elschnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. Tafel IV.
Mikrophot. Prof. O. Zoth, Graz. k Liehdruck v. M. Iaff6, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe, Bd. LXX.
A. Elschnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. Tafel V.
Mikrophot. Prof. O. Zoth, Graz. Lichdruck v. M. Jaffö, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe. Bd. LXX.
A. Elsehnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges. Tafel VI.
Mikrophot. 'Prof. O. Zoth, Craz Lichtdruck v. M. Jaffe, Wien
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien. math.-naturw. Classe, Bd. LXX,
A. Elschnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges, Tafel VII
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Mikrophot, Prof. O. Zoth, Graz. Lichtdruck v.M. Jaffe, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe, Bd. LXX.
Ar Elschnig, Sehnerveneintritt des menschlichen Auges, Tafel VII.
Mikrophot. Prof. O. Zoth, Graz.
Liehtdruck v. M. Jaffe, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe. Bd. LXX.
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DESCENDENZTHEORETISCHE UNTERSUCHUNGEN.
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UNBERSUCHUNGEN
ÜBER DEN
SAISON -DIMORPHISMUS IM PFLANZENREICHE
VON
R.v. WETTSTEIN.
(Mit 6 Tafeln und 8 Textfiguren.)
(VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 19. OCTOBER 1899.)
Im Jahre 1895 habe in ich einer kleinen Abhandlung! gezeigt, dass die Erscheinung des Saison-
Dimorphismus, welche bis dahin nur aus dem Thierreiche bekannt war, auch im Pflanzenreiche vor
kommt, wenn auch in einer anderen Form. Ich habe damals insbesondere auf das Vorkommen der
Erscheinung in den Gattungen Genfiana, Euphrasia und Alectorolophus hingewiesen und betont, dass in
Bezug auf die Beantwortung descendenztheoretischer Fragen die Erscheinung geradeso die Aufmerksam-
keit der Botaniker verdient, wie sie die der Zoologen schon längst gefunden hat.?
Wenn ich jetzt auf diese Frage zurückkomme, so geschieht es insbesondere aus zwei Gründen.
Erstens haben mich fortgesetzte Untersuchungen mit einer großen Zahlneuer Fälle von Saison-Dimorphismus
bekannt gemacht, zweitens lassen diese neuen Fälle, sowie neue Gesichtspunkte, die sich anderweitig
ergaben, ein viel mehr abschließendes und allgemeines Urtheil über die erwähnte Erscheinung zu. Wenn
ich überhaupt die Erscheinung des Saison-Dimorphismus in den letzten Jahren zum Gegenstande ein-
gehender und fortgesetzter Untersuchungen gemacht habe, so hat dies seinen Grund darin, dass
zweifellos in dem Entstehen saisondimorpher Arten ein Fall von Artbildung in jüngster
Zeit vorliegt, der einen Einblick in die Vorgänge bei der Artneubildung zulässt. Eingehendes Studium
1 Der Saisondimorphismus als Ausgangspunkt für die Bildung neuer Arten im Pflanzenreiche. Ber. d. deutsch. bot Ges., XIII.
1895, S. 303.
® Vergl. insbesondere Weismann A., Studiery zur Descendenztheorie, I. Über den Saisondimorphismus der Schmetterlinge,
1875. — Brandes G., Der Saison-Dimorphismus bei einheimischen und exotischen Schmetterlingen. Zeitschr. f. Naturw., Bd. 66,
S. 277. 1894. — Weitere Literatur habe ich I. ec. angegeben.
306 R.v. Wettstein,
derartiger, eine directe Beobachtung zulassender einzelner Fälle halte ich aber für das einzig Richtige,
wenn wir die allgemein biologisch so wichtige, leider so häufig nahezu ausschließlich theoretisch
behandelte Frage nach dem Entstehen neuer Arten einer allgemein zutreffenden und befriedigenden
Beantwortung zuführen wollen.
Eine Reihe derartiger Einzeluntersuchungen gedenke ich unter dem Gesammittitel »Descendenz-
theoretische Untersuchungen« zu veröffentlichen.
Wenn ich zunächst die wichtigsten Resultate der eingangs citierten kurzen Mittheilung resumiere,
so ergibt sich Folgendes:
In den Gattungen Gentiana, Sect. Endotricha, Euphrasia und Alectorolophus findet sich mehrfach die
Erscheinung, dass Arten in je zwei gegliedert sind, in eine im Jahre frühblühende und in eine
spätblühende. Die frühblühenden Arten besitzen alle denselben morphologischen Bau,
nämlich unverzweigte oder schwach verzweigte Stengel mit wenigen verlängerten Internodien und stumpfe
Stengelblätter; anderseits ist wieder ein bestimmter morphologischer Bau, zahlreiche kurze Inter-
nodien, verästelte Stengel, spitze Stengelblätter für die spätblühenden Arten charakteristisch.
(Vergl. diesbezüglich die Abbildungen a. a. O., ferner die Tafeln in meinen Monographien, betreffend
Euphrasia und Gentiana.)
Dieser morphologische Aufbau hängt mit der Tendenz der frühblühenden Arten zusammen,
vor einem gewissen Zeitpunkte zur Fruchtreife zu gelangen, während die spätblühenden
die Tendenz besitzen, erst nach diesem Zeitpunkte mit dem Blühen zu beginnen. Dieser
Zeitpunkt fällt mit dem Höhepunkt in der Entwicklung der mitteleuropäischen Wiesen und dem plötzlichen
Ende derselben durch die erste allgemeine Mahd zusammen. Hier führte daher die Bildung der
erwähnten saisondimorphen Arten auf die auslesende Wirkung der Wiesenmahd zurück.
Sie bewirkte nach meiner Anschauung durch lange andauernde Zuchtwahl, dass aus einer ursprünglich
monomorphen Art, welche variierte und dadurch früher- und späterblühende Individuen produceierte, zwei
saisondimorphe Arten wurden.
Demnach erschien mir die Bildung der saisondimorphen Arten als eine Artbildung
im Sinne Darwin’s, als einer der wenigen Fälle, auf den heute noch die von ihm
begründete Selectionstheorie scheinbar uneingeschränkt sich anwenden lässt. Mit Rücksicht
darauf, dass es im Pflanzenreiche auf diese Weise zur Bildung saisondimorpher Arten kam,
schlug ich! für die Erscheinung den Ausdruck Saison-Artdimorphismus vor, im Gegensatze zum
Saison - Generationsdimorphismus, welcher Verschiedenheiten der Generationen derselben Art
bezeichnen soll, wie solche sich insbesondere im Thierreiche finden.
Im Folgenden will ich nun untersuchen, inwieweit die von mir 1895 gegebene Erklärung des
Saison -Artdimorphismus zutrifft, vorerst jedoch die neuen Thatsachen und Gesichtspunkte darlegen,
welche bei jener Untersuchung zur Erläuterung kommen sollen.
I. Die Verbreitung der Erscheinung des Saison-Dimorphismus im Pflanzen-
reiche.
In der schon mehrfach citierten Abhandlung habe ich den Saison-Dimorphismus bei Arten der
Gattungen Gentiana, Euphrasia und Alectorolophus erörtert. Alle drei Gattungen bildeten seither den
Gegenstand eingehender Monographien, in welchen die einschlägigen Verhältnisse ausführlich behandelt
1 Monographie der Gattung Euphrasia. Leipzig, 1896. S. 17.
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Saison-Dimorphismus 307
wurden.! Wenn ich im Folgenden die bezüglichen Resultate dieser Monographien kurz wiedergebe, so
geschieht es einerseits, um hier das ganze, den Saison-Dimorphismus im Pflanzenreiche betreffende
Materiale zu sammeln, anderseits, um die Ergebnisse jener Monographien hier von einem indessen von
Murbeck® mit Glück geltend gemachten Gesichtspunkte aus zu revidieren. Eine Ergänzung fanden die
- erwähnten Monographien bezüglich des Saison-Dimorphismus ihrer Arten überdies durch einzelne kleinere
Arbeiten von Sterneck®” und mir.!
Indessen wurde der Kreis der in Betracht kommenden Arten wesentlich erweitert. Buchenau” ver-
öffentlichte einen Fall von Saison-Dimorphismus in der Gattung Triglochin und Hoffmann® konnte
gelegentlich einer Studie über die Gattung Odontites einen sicheren und einen möglichen Fall von Saison-
Dimorphismus in dieser Gattung nachweisen. Der erstere fand eine Bestätigung durch Culturversuche
Heinricher's;” auch Borbäs schenkte gelegentlich der Bearbeitung der in Ungarn vorkommenden
Odontites-Formen“ dem Saison-Dimorphismus der Gattung seine Aufmerksamkeit.
Ich selbst habe in den letzten Jahren nicht bloß die Erscheinung des Saison-Dimorphismus bei den
von mir früher diesbezüglich studierten Gattungen und bei Odontites weiter verfolgt, sondern ins-
besondere dieselbe -bei neuen Gattungen constatiert und untersucht, nämlich bei Melampyrum,
_ Orthantha, Galium, Ononis und Campanula.
Alle die genannten Fälle, mit Ausnahme jenes bei Zriglochin, den ich nicht untersuchen konnte,
sollen im Folgenden eingehend behandelt werden. Ich möchte nur bei diesem Anlasse bemerken, dass
meine Vermuthung, betreffend das Vorkommen von Saison-Dimorphismus bei Ch/ora® sich nach meinen
seitherigen Untersuchungen nicht bestätigt hat, dass ich dagegen dem Vorkommen der Erscheinung bei
einigen weiteren Arten, darunter Chrysanthemum Leucanthemum auf der Spur bin, ohne aber diesbezüg-
lich bis jetzt zu einem Abschlusse gekommen zu sein.!®
ı. Alectorolophus.
In der schon erwähnten eingehenden und die bis dahin völlig verworrene Systematik der Gattung
ungemein klärenden Abhandlung hat Sterneck die Gattung Alectorolophus monographisch behandelt. Es
gelang ihm in derselben sieben saisondimorphe Artenpaare nachzuweisen, deren spätblühende Arten von
den frühblühenden durch die S. 2 [306] angegebenen Merkmale sich unterscheiden und überdies noch
dadurch, dass bei den spätblühenden Arten in der Regel zwischen den Ansatzstellen der obersten Äste und
denen der untersten Blüten einige Blattpaare eingeschaltet sind.
)
I Wettstein, R. v. Monographie der Gattung Euphrasia. Leipzig (Engelmann), 1596. — Wettstein, R. v. Die Arten der
Gattung Gentiana, Sect Endotricha und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang. Denkschr. der Wiener Akad. LXIV. Bd.,
1896. — Sterneck J., v. Beitrag zur Kenntnis der Gattung Alectorolophus. Öster. botan. Zeitschr. XLV. 1895.
® Murbeck S. Über eine neue Alectorolophus-Art und das Vorkommen saisontrimorpher Arten-Gruppen innerhalb der Gattung.
Österr. bot. Zeitschr., 1898. S. 98, Z
3 Sterneck J., v. Alectorolophus palulus. Österr. bot. Zeitschr. 1897. S. 433.
i Wettstein, R. v. Aleclorolophus Sterneckii spec. nov. Österr, bot. Zeitschr., 1897, S. 357.— Euphrasia Bicknellii sp. nov.
in Dörflers Sched. ad. Herb. norm. Cent. XXXIV.
5 BuchenaufF. Ein Fall von Saison-Dimorphismus in der Gattung Triglochin. (Abh. d. naturw. Ver. zu Bremen. !3d. XII,
S. 408. 1896.)
% Hoffmann J. Beitrag zur Kenntnis der Gattung Odontiles. Österr. bot. Zeitschr. 1897. S. 113.
? Heinricher E. Die grünen Halbschmarotzer. II. Jahrb. f. wiss- Bot. XXXII. Bd., Heft 3, S. 425 ii. 1898.
Ss Borbäs V. v. in Termeszetrajzi füzetek. XXI, pag. 411. (1898.)
9 Vergl. Ber. d. deutsch. botan. Ges., XIII. 1895. S. 309.
10 Borbäs scheint in der eitierten Abhandlung seiner Meinung Ausdruck zu geben, dass Saison-Dimorphismus noch bei einigen
anderen von ihm genannten Gattungen vorkommt, doch war mir leider der betreffende Passus in seiner magyarisch geschriebenen Ab-
handlung nicht verständlich. — Nach Abschluss des Manuscriptes der vorliegenden Abhandlung gelang mir der Nachweis saison-
dimorpher Arten der Gattung Gentiana in Nordamerika (vgl. Österr. botan. Zeitschr. 1900 Nr. 6); auf einige mögliche Fälle von
Saison-Dimorphismas machte in jüngster Zeit Ascherson aufmerksam. (Synopsis d, mitteleurop. Flora I, Bd., S. 277, 11. Bd., S. 358.)
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Pd. 40
Bu
308 R. v. Wettstein,
Diese sieben Artenpaare sind:
Frühblühende Spätblühende
A. Alectorolophus (Scop.) Stern. A. Kerneri Stern.
4A. glandulosus (Simk.) Stern. A. Wagneri (Deg.) Stern.
A. goniotrichus Stern. A. ramosus Stern.
A. major (Ehrh.) Rchb. A. serotinus (Schönh.) Beck.!
A. pulcher (Schum.) Wimm. A. alpinus (Baumg.) Stern.
A. l/anceolatus (Neilr.). A. angustifolius (Gmel.) Heynh.
A. minor (Ehrh.) Wimm. 4A. stenophylius (Schur.) Stern.
Hiezu kamen noch von europäischen Arten:
Frühblühende Spätblühende
A. Freynii Stern.
A. pumilus Stern.
A. Wettsteinii Stern.
A. pubescens (Boiss. Heldr.) Stern. eh ER
A. Dinaricus (Murb.) Stern
Diese zuletzt erwähnten waren demnach bezüglich ihres Saison-Dimorphismus noch zweifelhaft.
In der den Untersuchungen Sterneck’s folgenden Zeit gelang es nun ihm selbst und anderen durch
ihn Angeregten, die Stellung dieser Formen vollkommen aufzuklären.
Zunächst gelang es mir, die zu A. Freynii als spätblühende Parallelart gehörige Form aufzufinden,
welche mit ihr morphologisch bezüglich aller bei Alectorolophus in Betracht kommenden Merkmale überein-
stimmt, sich von ihr gerade nur durch die Merkmale der spätblühenden Arten unterscheidet. Ich beschrieb
diese Art als A. Szerneckii in der Österr. bot. Zeitschr. 1897, S. 357. Damit schließt sich das Artenpaar
A. Freynü—A. Sterneckii vollkommen den sieben früher aufgezählten Artenpaaren an.
Dann gelang es Sterneck, eine spätblühende Parallelart zu A. Alectorolophus zu finden, die er
A. patulus nannte,? während er den früher für diese spätblühende Parallelart gehaltenen A. Kerneri als
eine dem A. patulus nahe stehende, aber diesen in höheren Lagen vertretende Art auffassen lernte.
Einen wesentlichen Schritt weiter in der Erkenntnis machte Murbeck mit seiner Abhandlung Ȇber
eine neue Aleczorolophus-Art und das Vorkommen saisontrimorpher Art-Gruppen innerhalb der Gattung«.®
Er stützte sich auf eine bei Gentiana von mir gemachte Beobachtung, welche lehrte, dass G. campestris und
G. calycina in der Hochgebirgsregion in einer nicht saisondimorph gegliederten Form vorkommen,
dagegen in tiefen Lagen saisondimorph gegliedert sind und wies darauf hin, dass in analoger Weise sich
die Verhältnisse bei manchen anderen Gentianen und bei Alectorolophus ganz natürlich erklären lassen.
Schon Sterneck hatte aus dem morphologischen Baue ganz richtig geschlossen, dass die oben als
noch nicht ganz geklärt bezeichneten Formen in ganz klaren Beziehungen zu gewissen saisondimorphen
Artenpaaren, respective Arten stehen; so zeigte er, dass A. pumilus mit A. Freynii, A. Wettsteinii mit
A. goniotrichus und ramosus, A. pubescens mit A. glandulosus und Wagneri nahe verwandt ist; er deutete
diese drei Arten directe als (S. 57 des Separatabdruckes) alpine Parallelformen zu den eben genannten,
ihnen nahestehenden. Der bei Alectorolophus so allgemein vorkommende Saison-Dimorphismus bestimmte
! Ich gebrauche hier die von Sterneck a. a. ©. verwendete Nomenelatur. Über den Gebrauch des Namens A. monlanus
(Saut.) statt 4. serolinus vergl. später.
2 Österr. bot. Zeitschr. 1897. S. 433,
3 Österr. bot. Zeitschr. 1898. S, 41 if,
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Saison-Dimorphismus. 309
ihn aber, den Versuch zu machen, diese drei Arten in die Gruppen der »frühblühenden« und »spät-
blühenden« einzureihen.
Murbeck machte nun am angegebenen Orte darauf aufmerksam, dass es zweifellos natürlicher ist,
diese alpinen Formen als saisondimorph nicht gegliederte Parallelformen zu den ihnen morphologisch so
nahe stehenden saisondimorph gegliederten Formen der tieferen Regionen aufzufassen, welche biologisch
(bezüglich der Blütezeit) und morphologisch mehr minder die Mitte zwischen diesen halten. Wir hätten
demnach bei den hier in Rede stehenden Arten folgende Verhältnisse: Jeder Typus ist in zwei Formen
gegliedert, in eine Hochgebirgsform und in eine Form der tieferen Lagen. Dieselben verhalten sich zu
einander ähnlich, wie etwa Myosozis alpestris zu M. silvatica, wie Solidago alpestris zu S. virgaurea etc.,
d.h. sie sind geographische Repräsentativ-Species. Die Hochgebirgsform ist nun, entsprechend der kurzen
Vegetationsdauer monomorph, d. h. saisondimorph nicht gegliedert, die Form der tieferen Regionen ist
- saisondimorph gegliedert.
Dabei kann das genetische Verhältnis der Formen zu einander ein sehr verschiedenes, von Fall zu
- Fall erst sicherzustellendes sein; es kann der Hochgebirgstypus der ursprüngliche sein, der beim Herab-
steigen sich diMorph gliederte; es kann die Stammform der beiden saisondimorphen Formen die ursprüng-
liche sein, die beim Hinaufsteigen in das Hochgebirge zur Hochgebirgsform wurde, anderseits in den
‚tieferen Regionen sich gliederte; es kann endlich eine der beiden saisondimorphen Formen der Ausgangs-
_ punkt für die Hochgebirgsform geworden sein.
Stelle ich die vorhin erwähnten, von Sterneck unterschiedenen Arten mit Hinzurechnung des 4.
Sterneckii und A. patulus, sowie des von Murbeck in neuester Zeit aufgestellten A.asperulus nach diesen
neuen Gesichtspunkten zusammen, so ergibt sich folgende Übersicht:
Saisondimorphe Formen tieferer Regionen:
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Ungegliederte Hochgebirgsform früblühend spätblühend
1. A. Kerneri Stern. A. Alectorolophus (Scop.) Stern. A. patulus Stern.
2. A. pubescens (B. H.) Stern. A. glandulosus (Simk.) Stern. A. Wagneri (Dg.) Stern.
3. A. Wettsteinii Stern. A. goniotrichus Stern. A. ramosus Stern.
4. 2 A. major (Ehrh.) Rchb. A. serotinus (Schönh.) Beck.
5 ? A. pulcher (Schum.) Wimm. A. alpinus (Baumg.) Stern.
6 ? A. lanceolatus (Neilr.) Stern. A. angustifolius (Gmel.) Haynh.
(2 2? A. minor (Ehrh.) Wimm. A. stenophyllus (Schur.) Stern.
8. A. pumilus Stern. A. Freynii Stern. 4A. Sterneckii Wettst.
9. A. Dinaricus (Murb.) Stern.!
10. A. asperulus Murb.?
In dieser Zusammenstellung fällt zunächst das Fehlen der ungegliederten Formen bei 4, 5, 6 und 7
auf. Zwei dieser Lücken sind nun in jüngster Zeit durch Auffindung der betreffenden Formen ausgefüllt
worden. Sterneck beschrieb in einer Abhandlung, welche eine Revision des Alectorolophus-Materiales
des Herbarium Delessert enthält einen im arktischen Gebiete vorkommenden, dort das Artenpaar A. minor-
stenophyllus vertretende Alectorolophus als A. borealis.” Alles berechtigt uns zu der Annahme, dass dieser
A. borealis die saisondimorph nicht gegliederte Parallelform zu jenem Artenpaare ist. Dass hier die
ungesliederte Form nicht dem Hochgebirge, sondern dem arktischen Gebiete angehört, spricht sehr für
den von Sterneck! angenommenen nordischen Ursprung der » Minores«.
1 Ich stelle die Pflanze hieher nach Murbeck, Österr, bot. Zeitschr. 1898. S. 90.
2 Vergl. Murbecka.a. O.
3 Ann. d. Conserv. et du Jard. bot. de Geneve, III, p. 17 --26.
4 Österr. bot. Zeitschr. 1895. S. 379.
40*
310 R.v. Wettstein,
Die zu dem Artpaare A. major-serotinus gehörende ungegliederte Form glaube ich in dem in letzter
Zeit von Chabert! beschriebenen A. ovifugus erblicken zu sollen. Derselbe wurde in einer Meereshöhe
von 2500-—- 2900 m in den Hochgebirgen an der Grenze zwischen Savoyen und Piemont aufgefunden und
weist alle jene Merkmale auf, welche die erwähnte ungegliederte Form aus Analogiegründen aufweisen soll.
Was die in der Übersicht fehlenden Formen, die als urgegliederte Typen sich den Artpaaren
A. lanceolatus-angustifolius und A. pulcher-alpinus anschließen würden, anbelangt, so bedürfen dieselben
einer kurzen Erläuterung, welche ich hier mit Zugrundelegung meiner speciell diesem Punkte gewidmeten
Beobachtung des letzten Jahres hier einschalten möchte. Beide Artpaare sind Gebirgspflanzen; von ihnen
fehlen die spätblühenden Formen den höheren Lagen, während die frühblühenden ebenso in höheren wie in
tieferen Lagen vorkommen. In tieferen Lagen weisen dieselben die typischen Merkmale der »frühblühenden
Arten« auf, in höheren Lagen werden die Stengel und deren Internodien kürzer, die Zahl der Internodien wird
kleiner, kurz, die Pflanzen nehmen dort den Charakter der »ungegliederten« Formen an. Ich habe dieses Ver-
halten an vielen Orten Tirols, Niederösterreichs und der östlichen Schweiz (Engadin) studieren können. Die
Fälle sind nun in zweifacher Weise zu erklären. Entweder liegen hier, ähnlich wie ich dies später für
Melampyrum silvaticum und pratense nachweisen werde, zwei geographische Arten vor, eine Hochgebirgs-
form und eine Thalform, von denen die erstere gelegentlich an tieferen Standorten auftritt und dort eine
frühblühende Form vortäuscht — oder es ist jeder Typus analog den früher besprochenen Arten, in drei
Formen gegliedert, von denen hier nur die Hochgebirgsform von der frühblühenden der tieferen Regionen
schwerer zu unterscheiden ist. Welche von beiden Erklärungen zutrifft, das ist nur durch den Cultur-
versuch zu entscheiden. Für dıe letztere Erklärung scheint zu sprechen, dass die beiden »irühblühenden«
Arten A. lZanceolatus und A. pulcher nach Sterneck? in tieferen Lagen wohl ausgeprägte Varietäten
besitzen, die er var. subalpina Stern. und var. elata Stern. nannte. Sollte sich die zweite der gegebenen
Erklärungen als die richtige erweisen, dann hätten die Namen lazceolatus und pulcker den ungegliederten
Hochgebirgsformen zu verbleiben und die beiden frühblühenden Thalformen die Namen A. subalpinus
Stern. und elafus Stern. zu erhalten.
A. Dinaricus und A. asperulus scheinen nach Murbeck Hochgebirgsformen zu sein, bei denen
sowohl die Ausbildung vicarierender Formen tieferer Lagen als deren saisondimorphe Gliederung
unterblieb.
Die Systematik der europäischen Arten der Gattung Alectorolophus erscheint nach dem Vorstehenden
geklärt wie die weniger anderer Gattungen.” Um dem praktischen Bedürfnisse der Systematik Rechnung
zu tragen, stelle ich im Folgenden den derzeitigen Stand der Systematik dieser Arten der Gattung
schematisch dar. Ich bemerke, dass ich die nach den vorstehenden Erörterungen und nach Sterneck’s
und Murbeck's Darlegungen als Abkömmlige derselben Form aufzufassenden Arten jüngeren Datums
unter Artbegriffe höheren Ranges als Unterarten zusammenfasse. Zur Bezeichnung von Arten höheren
Ranges verwende ich den jeweilig ältesten Namen im erweiterten Sinne, da es mir als eine zwecklose
Belastung der Nomenclatur erschiene, hiefür neue Namen vorzuschlagen. Ein Citieren der jeweilig
gemeinten Art ergibt sich ganz einfach. Wird eine bestimmte Subspecies, d.h. eine der heute lebenden
Formen gemeint, so ist der Namen A. Kerneri, Alectorolophus, patulus etc. zu gebrauchen, will man
Sammelnamen verwenden, so wird dieser beispielsweise lauten A. Alectorolophus (Scop.) Stern. ampl.
Eine Abstufung zwischen den Unterarten, etwa ihrem Alter entsprechend, nehme ich nicht vor, da sich
1Chabert A. Etude sur le genre Rinanthus. (Bull. de l’herb. Boissier, VII, No, 6 a 7.) 1899.
2 Österr. bot. Zeitschr. 1895. S. 227 und 273.
3 Das Manuscript war nahezu abgeschlossen, als die erwähnte Arbeit Chaberts erschien. Dieselbe beschreibt 5 neue europäische
Arten. Von diesen ist eine, A. ovifugus Chab., in der nachstehende Übersicht aufgenommen, A. Songeoni Chab. erscheint mir unter
den Begriff des A.montanus zu fallen. A. Facchinti Chab., A. Heribaudi Chab. undA. Perrieri Cab. vermag ich nach den Diagnosen
allein nicht zu beurtheilen, doch so viel lässt sich aus denselben mit Sicherheit entnehmen, dass sie keine Modification der Übersicht,
höchstens einen Zusatz zu denselben nöthig machen können. Ich betone daher hier ausdrücklichst, dass es sich nur im folgenden
um eine Übersicht der bisher bekannt gewordenen Arten, nicht um eine solche der ganzen Gattung handelt.
Saison-Dimorphismus. Sıl
eine solche nicht streng begründen ließe.! Über Standortsvarietäten, Variationen u. dgl. vergl. man die
mehrfach citierte Arbeit Sterneck’s, sowie jene Chabert's.
Arten Unterarten
\ A. Kerneri Stern. — u?
1. A. Alectorolophus (Scop.) Stern. ampl. A. Alectorolophus (Scop.) Stern. — t.
SE patulus Stern. — S.
A. pumilus Stern. — u.
n——
h
2A. Freynii Stern. amp). . A. Freymii Stern. — f.
A. Sterneckii Wettst. — S.
A. pubescens (B. et H.) Stern. — u.
3. A. pubescens (B. et H.) Stern. ampl. . A. glandulosus (Simk.) Stern. — f.
| A. Wagneri (Deg.) Stern. — s.
\ A. Wettsteinii Stern. — u.
4. A. gonioffichus Stern. ampl. . , A. goniotrichus Stern. — 1.
A. ramosus Stern. — S.
\ 2? A. ovifugus Chab. — u.
5. A. major (Ehrh.) Rchb. ampl. A. major (Ehrh.) Rehb. — f.
( A. montanus (Saut.) Fritsch.” — s.
\ A. pulcher (Schum.) Wien. — u.
6. A. alpinus (Bmg.) Stern. ampl. 2 (A. elatus Stern.) — f.!
A. alpinus (Bmg.) Stern. — s.
| A. lanceolatus (Neilr.) Stern. -- u?
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(A. subalpinus Stern.) — f.!
A. augustifolius (Gmel.) Heynh. — s.
7. A. angustifolius (Gmel.) Heynh. ampl.
—
8. A. Dinaricus (Murb.) Stern.
9. A. asperulus Murb.
\ A. borealis Stern. — u.
Beaeminor (Ehrh.), Stern. amp. 2 2 2. A. minor (Ehrh.) Stern. — f,
A. stenophyllus (Schur.) Stern. — Ss.
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Murbeck° hat für die im Vorstehenden behandelte Erscheinung, dass manche Arten eine Drei-
gliederung in dem Sinne aufweisen, dass eine saisondimorph nicht gegliederte Hochgebirgs- oder
arktische Form vorhanden ist und zwei ihr sehr nahe verwandte saisondimorphe Formen niedriger,
respective nicht arktischer Gebiete, den Ausdruck Saison-Trimorphismus vorgeschlagen. Der Vorschlag
erscheint dadurch begründet, dass die nicht saisondimorph gegliederten Formen nicht nur morphologisch,
sondern auch biologisch (bezüglich der Blütezeit) sich intermediär zwischen den saisondimorphen ver-
halten. Man ist infolge dessen imstande, in gewissen Gegenden, z.B. in den Alpen dreimal im Jahre
verschiedene, aber sehr nahe verwandte Arten blühend zu finden.
1 Ein Vergleich zeigt, dass die folgende Übersicht kein neues System der Gattung ist, sondern die den neueren Erfahrungen
entsprechend ergänzte und modifieierte Übersicht Sterneck’s (Österr. bot. Zeitschr. 1895. S. 469 ff).
2 Ich bezeichne die »ungegliederten« Formen mit u, die frühblühenden mit f, die spätblühenden mit s.
3 Fritsch wies (Verh. d. zool bot. Ges., 1898, S. 320) mit Recht nach, dass A. monlanus Sauter (1857) mit A. serotinus
Schönh. (1866) identisch ist, so dass, so unangenehm eine derartige Namensänderung ist, die Planze A. montanus zu heißen hat.
‘Die Aufnahme dieser beiden Namen ist provisorisch; vergl. oben.
5 Österr. bot. Zeitschr. 1898. S. 98.
319 R.v. Wettstein,
Ich möchte trotzdem, so sehr ich sonst in allen, den hier behandelten Gegenstand betreffenden
Fragen mich mit Murbeck in Übereinstimmung befinde, die Bezeichnung Saison-Trimorphismus für die
erwähnte Erscheinung nicht anwenden, und zwar aus folgenden Gründen. Unter Saisondimorphismus
verstehe ich die Erscheinung, dass eine Art in zwei in demselben Gebiete vorkommende, in Anpassung
an zeitlich verschiedene Factoren enstandene Arten sich gliedert. Das Wesen des Saison-Dimorphismus
liegt mithin in der räumlichen Vereinigung und in der zeitlichen Trennung der Arten. Der besprochene
sogenannte Saison-Trimorphusmus bezeichnet ein Phänomen, bei dem eine zeitliche Differenzierung mit
einer räumlichen zusammenfällt. A. Alectorolophus und A. patulus sind beispielsweise saisondimorphe
Arten, dagegen stellen beide zusammen einen Typus dar, welcher das Ergebnis einer geographischen
Differenzierung eines Urtypus in diesen und in A. Kerneri ist. Der sogenannte Saison-Trimorphismus ist
also eine Combination eines Saison-Dimorphismus mit einem geographischen Dimorphismus. Ich möchte
den Ausdruck Saison-Trimorphismus für den denkbaren Fall reservieren, in welchem in demselben
Gebiete, in Anpassung an zeitlich geschiedene Factoren, drei Formen vorkommen.
2. Gentiana.
In meiner eingangs erwähnten Abhandlung habe ich auf Grund eigener! und Murbeck’s? Unter-
suchungen neun Fälle von Saison-Dimorphismus in der Section Endotricha der Gattung Gentiana aufzählen
können. Ich habe dann die ganze Artengruppe nochmals eingehend studiert und die Resultate in meiner
Monographie? derselben niedergelegt. Die Abweichungen dieser Resultate von jenen der ersten Abhand-
lung bestanden in einigen nomenclatorischen Änderungen, in der Einziehung eines Artenpaares und ins-
besondere in der Auffindung des Umstandes, dass bei einzelnen Arten (G. campestris und G. calycina) es
außer den saisondimorph gegliederten Formen auch eine ihnen ungemein nahe stehende, nicht gegliederte
Form gibt (vergl. S. 321 [13 der S. A.] und 326 [19]). An diese Auffindung knüpfte, wie schon erwähnt,
Murbeckan, als er die analogen Verhältnisse bei Alectorolophus besprach und dem eben besprochenen
Begriff des Saison-Trimorphismus aufstellte.
Wenn ich heute auf die Gentianen aus der Section Endotricha nochmals zurückkomme, so geschieht
es, weil ich bei fortgesetzten Studien zur Überzeugung kam, dass die eben berührte Erscheinung all-
gemeiner verbreitet ist und zu systematischen Consequenzen führt. Ich bedauere es lebhaft, dass ich damit
neuerdings das System der Gruppe etwas alteriere; der einsichtige Systematiker wird aber bemerken, dass
es sich dabei nicht etwa um infolge früherer flüchtiger Beobachtungen nöthige Einschränkungen, sondern
um den fortschreitenden Ausbau des Systemes infolge fortgesetzter Vertiefung der Beobachtungen
handelt.
In meiner Monographie kam ich zu folgendem Ergebnisse bezüglich der Systematik der Artengruppe :?
Gesammtart Unterarten ersten Ranges Unterarten zweiten Ranges
-
m
r. crispata Vis.
' G. hypericifolia (Murb.) W.
ä s ; i \ @. Suecica (Froel.) Murb.
DG. camypestmis, Ss I 2 Ra GComIpeseriSsnle : >
rer \ ! G. Germanica (Froel.) Murb.
G. Baltica Murb.
3. G. Neapolitana (Froel.) Wettst.
1 Wettstein R. v. Untersuchungen über Pflanzen der österr.-ung. Monarchie. I. Die Arten der Gattung Gentiana, Sect. Endo-
tricha. Öst. bot. Zeitschr. 1891—1892. ‚
2 Murbeck S$. Studien über Gentianen aus der Gruppe der Zndotricha. Acta horti Berg. II, N. 3.
’ Wettstein R. v. Die Arten der Gattung Gentiana, Sect. Endotricha und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang.
Denksch. d. Wiener Akad. LXIV. Bd. S. 387 (69). 1896.
1 Über anderen Ansprüchen gerecht werdende Formen dieses Systemes vergl. a. a. ©. S. 376 (69 S.-A.).
we]
Saison-Dimorphismus.
Gesammtart Unterarten ersten Ranges Unterarten zweiten Ranges
G. Biebersteinii Bge.
\ G. antecedens W.
ep)
gabiean Kach);W. ! G. anisodonta Borb.
G. pilosa W.
u j \ G. Norica Kern.
G. Sturmiana Ss.l.. .» : :.. ee en
\ @. solstitialis W.
! G. Wettsteinii Murb.
G. solstitialis W.
G. Rhaetica Kern.
G. Wettsteinti s.]. .
4. tw. polymorpha Wettst.
G. Rhaetica s.|.
(+. Murbeckü W.
a G. Intescens Vel.
G. Austriaca Ss. |.
=
(ep)
. Austriaca Kern.
. praecox Kern.
07
an
G. praecox 5 . Carpathica W.
G. Bulgarica \Vel.
8. G. Caucasea Curt.
Q
. uliginosa W illd.
\
| G. Ajanensis Murb.
\ G. acuta Michx.
G. lingulata Ag.
‚Amarelal...22...} ingulata A:
D
6. G. Amarella s.|.. G. axillaris Schm.
Die als Unterarten I. Ranges aufgezählten Formen stellen die geographische Gliederung der als
Gesammtarten aufgezählten Typen dar. Die als Unterarten Il. Ranges aufgeführten Formen stellen die
saisondimorphe Gliederung der Unterarten I. Ranges dar. Nachdem die geographische Gliederung der
saisondimorphen vorausgehen musste, erscheint diese Abstufung der Unterarten ganz gerechtfertigt.
Über die saisondimorphen Formen habe ich in meiner Monographie S. 311—313 (S. A., S. 3—5)
nähere Mittheilungen gemacht. Ich füge nur hinzu, dass ich seither G. solstitialis und G. Rhaetica aus
dem Gschnitzthale in Tirol im botanischen Garten in Prag je in zwei Generationen cultiviert habe und dass
sich beide Pflanzen hiebei ebenso bezüglich ihrer morphologischen Charaktere, wie bezüglich ihrer
relativen Blütezeit als constant erwiesen.
Bezüglich zweier Arten, G. campestris und G. calycina, die ich an vielen Punkten Tirols selbst
studieren konnte, machte ich — wie schon erwähnt — bereits vor Veröffentlichung meiner Monographie
die Beobachtung, dass sie an höheren Standorten nicht saisondimorph sind, während sie in tieferen Lagen
saisondimorph gegliedert erscheinen. Ich glaubte berechtigt zu sein, die erstere Form als die ältere aufzu-
fassen und verwendete daher die Namen G. campestris und G. calycina in zweifachem Sinne, einerseits
zur Bezeichnung der Hochalpenform, anderseits zur Bezeichnung der theoretischen Sammelspecies für
die beiden saisondimorphen Formen. Indessen haben mich fortgesetzte Studien, insbesondere auch die
Durchsicht eines reichen und schönen Materiales, das mir die Herren Dörfler und Ronniger! in Wien
freundlichst zur Verfügung stellten, zur Überzeugung gebracht, dass die zuerst bei G. campestris und
G. calycina constatierte Erscheinung verbreiteter ist; anderseits nehme ich heute daran Anstand, Namen
wie erwähnt, in zweifachem Sinne zu gebrauchen, da dies — wie die Erfahrung zeigte — verwirrender
1 Herr Ronniger hat selbst seit Jahren die Arten der hier in Rede stehenden Gruppe studiert und die Resultate seiner
Studien in seinem Herbar niedergelegt; ich bin ihm daher umsomehr für die Überlassung seines Herbars verbunden,
4
4
314 R.v. Wettstein,
wirken kann, als die Neuschaffung von Namen, welche ich mit jenem Vorgange umgeben zu können
glaubte.
Ich möchte nun die sich als nothwendig herausstellenden Änderungen an der Hand des auf S.9
abgedruckten Schemas besprechen und hiebei auch einige andere Entdeckungen der jüngsten Zeit
verwerten.
1. G. crispata Vis. In meiner Monographie deutete ich die Möglichkeit an, dass G. crispata saison-
dimorph ist, doch konnte ich die Frage infolge des zu geringen Materiales nicht definitiv beantworten.
Neuerlich erklärt Borbäas! die Pflanze für saisondimorph und nennt die frühblühende Form G. amblyphylla
Borb. Ich kann die Richtigkeit der Angaben nicht prüfen, möchte aber meiner Meinung dahin Ausdruck
geben, dass — nach Analogie der anderen Arten — G. crispata als Gebirgspflanze entweder monomorph
oder trimorph ist.
2. G. campestris L. Für die in den höheren Gebirgen Mitteleuropas und in den arktischen Regionen
vorkommende, nicht saisondimorph gegliederte Form, welche ich als G. campestris s. str. bezeichnete,
gibt es einen ganz unzweideutigen Namen in G./slandica Murb. pro var. (Acta horti Berg. II, Nr. 3, p. 10,
und in Österr. bot. Zeitschr. 1898, S. 90.) Ich gründe diese Identificierung nicht bloß auf die Beschreibung
und Ausführungen Murbeck’s a. a. O., sondern auch auf Exemplare, welche er selbst als G. Islandica
bezeichnete. Diese G. /slzandica nimmt eine deutliche Zwischenstellung zwischen G. Suecica (Froel.)
und G. Germanica (Froel.) ein, doch sieht sie infolge der stumpferen Blätter, der geringeren Internodien-
zahl zumeist der ersteren ähnlicher. Sie unterscheidet sich von beiden Arten durch die geringere Höhe,
von G. Suecica überdies durch die kurzen Internodien des Stengels, durch die manchmal größere Zahl der-
selben, durch die weniger stumpfen Blätter, von G. Germanica überdies durch weniger Internodien und
stumpfere Blätter. Die Blütezeit fälltin den Alpen in die Monate Juli bis Ende August, also in die Zeit, in der
G. Suecica abgeblüht ist, G. Germanica zumeist noch nicht die Blüten geöffnet hat. Was das geographische
Verhältnis der G. Islandica zu den beiden saisondimorphen Formen anbelangt, so gehört die Pflanze der
alpinen Region und des arktischen Gebietes durchwegs der G. /slandica an; die saisondimorphe
Gliederung tritt nur an niedrigeren, respective südlicheren Standorten ein.
3. G. Neapolitana (Froel.) halte ich für sicher monomorph. Sie hat den Typus einer hochalpinen
Pflanze, ist also etwa der G. Islandica analog. Im Auftrage J. Dörfler’s hat vor Kurzem Rigo ein reiches
Materiale dieser so seltenen Pflanze gesammelt (ausgegeben in Dörfler Herb. normale sub Nr. 3745),
das mir zurAnsicht vorlag und das mich in jener Ansicht bestärkte.
4. G. polymorpha Wettst. Von den Unterarten dieser Sammelspecies hielt ich 1896 vier, nämlich
(7. Biebersteinii, G. pilosa, G. Murbeckii und G. Bulgarica für monomorph, d. h. für nicht saisondimorph
gegliedert. Ich habe keinen Grund, diese Meinung zu ändern. Von G. Murbeckii? und G. Bulgarica® sah
ich seither reiches Materiale; ich halte beide für sicher monomorph; von @. Biebersteinii sah ich kein
weiteres Material; diese Art kann möglicherweise saisondimorph sein.
Bezüglich G. calycina habe ich schon in meiner mehrfach citierten Abhandlung angegeben, dass sie
trimorph sei. Ich sagte damals (Monogr. S. 326, S. A. S. 18): »In gewissen Gegenden, insbesondere in
relativ niedrig gelegenen, also in Thälern und auf den Höhen der niedrigeren Bergregion treffen wir eine
deutliche ‚Aestivalis‘-Form, welche die Artmerkmale der G. calycina aufweist und überdies eine viel
später blühende ‚Autumnalis‘-Form mit denselben, so charakteristischen Speciesmerkmalen. An höher
gelegenen Standorten, also in der alpinen und subalpinen Region dagegen findet sich bloß eine Pflanze
mit den Kennzeichen der G. calycina, die weder vollständig die Merkmale der Aestivalis-, noch die der
1 Termeszetrajzi füzetek. NXI., p. 465. (1898.) s
2 Über die Nomenelatur der Art vergl. Dörfler in Sched. ad herb. norm. Cent. XXXVIIL., p. 278 (1898), Wettstein in
Österr. bot. Zeitschr., 1899, S. 70.
® Formanek beschrieb in jüngster Zeit (Deutsche bot. Monatschr., 1898, Nr. 2) zwei neue Gentiana-Arten aus der Balkan-
halbinsel unter dem Namen G. rhodopea und G. serbica. Nach eingesehenen, mir vom Autor freundlichst übersendeten Exemplaren
sind beide mit @. Bulgarıca identisch.
4
;
a a id u u
EEE WEBER EDER BEE
Saison-Dimorphismus. 315
Autumnalis-Formen aufweist. Der Sachverhalt ist nicht schwer zu verstehen; er ist analog wie bei
G. campestris. In höheren Lagen ist die Vegetationszeit zu kurz, als dass hier zwei saisondimorphe
Arten nacheinander zur Blüte und Fruchtreife gelangen könnten; hier findet sich G. calycina zudem
häufig an steinigen Abhängen, also an Standorten, an welchen die Verhältnisse, die nach meiner Auf-
fassung den Saison-Dimorphismus herbeiführten, gar nicht herrschen«. Ich habe dem heute wenig hinzu-
zufügen, höchstens die Bemerkung, dass auch in biologischer Hinsicht die Hochgebirgsform der G. caly-
eina intermediär zwischen den beiden saisondimorphen ist. Ich habe 1894 am Fuße des Finsterstern bei
Sterzing am Eingange in das Pfitschthal am 2. August G. antecedens m., die frühblühende Form, in
nahezu abgeblühtem Zustande gesammelt. 300 m höher, am Abhange des Finsterstern, stand die Hoch-
gebirgsform in voller Blüte. Dagegen möche ich heute in nomenclatorischer Hinsicht einen etwas ver-
schiedenen Standpunkt einnehmen; ich möchte den Namen G. calycina (Koch) Wettst. für die Hoch-
gebirgsform benützen und die ganze Artgruppe — da G. calycina die älteste der in Betracht kommenden
Namen ist — als G. calycina (Koch) Wettst. ampl. bezeichnen.
1896 hielt ich die anderen Unterarten der G. polymorpha, nämlich G. Sturmiana s. 1., G. Wett-
steinü s.1., G. Rhaetica s.]., G. Austriaca s.1. und G. praecox s.]. für vollständig saisondimorph gegliedert,
also für vollständig in je zwei saisondimorphe Arten aufgelöst. Heute möchte ich glauben, dass die Mehr-
zahl dieser Formen, nämlich G. Stzurmiana, G. Rhaetica, G. Austriaca sich genau so wie G. campestris
und G. calycina verhält, d.h. dass bei diesen Arten einerseits eine intermediäre, nicht saisondimorph
gegliederte Hochgebirgsform, anderseits eine in zwei saisondimorphe Arten aufgelöste Form der tieferen
Regionen existiert. Zum Belege hiefür möchte ich Nachstehendes mittheilen.
In Bezug auf G. Rhaetica machte ich folgende Beobachtungen: Ich weilte anfangs August 1897 im
Ötzthale in Tirol und sammelte am 8. August auf feuchten Wiesen bei Ötz G. solstitialis m., die früh-
blühende Form der G. Rhaetica im Fruchtzustande. Es waren nur wenige Exemplare zu finden, da die
Mehrzahl abgemäht worden war. Zwei Tage später sammelte ich um Vent in der alpinen Region eine in
den Formenkreis der G. Rhaetica gehörende Form in vollster Blüte, welche weder der frühblühenden
G. solstitialis, noch der spätblühenden G. Rhaetica zugezählt werden konnte. Sie unterschied sich von
beiden durch den niedrigen Stengel, von G. solstitialis außerdem durch die zahlreicheren kürzeren Inter-
nodien, von G. Rhaetica durch die weniger zahlreichen Internodien und stumpfen Blätter. Es lag da zweifel-
los die alpine, nicht saisondimorph gegliederte Form des Typus der G. Rhaetica vor. Aus dem Ötzthale reiste
ich in das Gschnitzthal in Centraltirol und konnte nun dort dieselbe Erscheinung beobachten. Auf den
feuchten Wiesen des Thales bei Trins hatte ich am 12. Juli die letzten Exemplare der G. solstitialis im
abgeblüten Zustande gesammelt. Als ich am 13. August das südlich von Trins gelegene Leitenjoch bestieg
fand ich auf den Wiesen in der Höhe von 1800— 2000 m massenhaft meine Geztiana von Vent in voller
Blüte. Ich konnte sie dann auf dem ganzen, das Gschnitzthal nach Süden abschließenden Urgebirgs-
bergzuge (Steinacher-Joch, Truna-Joch etc.) nachweisen. Am 22. August öffneten drunten im Thale bei
Trins die ersten Exemplare der G. Rhaetica ihre Blüten. Im Gschnitzthale lässt sich daher folgende Auf-
blühfolge bei den Gentianen aus der Gruppe G. Rhaetica beobachten: Im Vorsommer (Juni und anfangs
Juli) blüht auf den Thalwiesen die frühblütige Form G. solszitialis m.; zur Zeit ihres Abblühens beginnt
die Hochgebirgsform in der alpinen Region ihre Blüten zu öffnen; wenn diese abblüht, gelangt auf den
'Thalwiesen, und zwar vielfach an denselben Stellen, an denen früher G. solstitialis stand, G. Rhaetica zur
Blüte.
Bei G. Rhaetica liegt mithin der schon bei Alectorolophus besprochene Fall von Trimorphismus in
typischer Weise vor. Es ergibt sich mithin die Nothwendigkeit der Neubenennung der nicht saisondimorph
gegliederten Hochgebirgsformen; ich benannte sie mit Herrn J. Dörfler als G. Kerneri.!
Der Trimorphismus, den ich bei G. Rhaetica s.1. im Ötzthale und im Gschnitzthale in Tirol beob-
achtete, dürfte im ganzen Verbreitungsgebiete des Typus sich finden. Ich selbst sah G. Kerneri mehrfach
1 Vergl. Dörfler, Sched. ad herb. norm. Cent. XXXVII, p. 277 (1898).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 4
316 R.v. Wettstein,
in Centraltirol; aus Osttirol wurde sie vonTreffer in Dörfler's Herbarium normale sub Nr. 3758 und 3757
ausgegeben.
Bezüglich G. Sturmiana s. |. theilte ich schon in meiner Monographie S. 333 (25 des S. A.) mit, dass
mir eine Form unterkam, welche ich weder mit G.Norica (der frühblühenden Art), noch mit G. Sturmiana
Kern. (der spätblühenden Art) identificieren konnte, sondern »für eine der mutmaßlichen saisondimorph
noch nicht gegliederten Stammart der beiden nahe stehende Form« hielt. Diese Pflanze war die von
J. Kerner bei Hinterstoder in Oberösterreich gesammelte, in A. Kerner Flora exsiccata Austro-Hungarica
sub 2192 unter dem Namen G. spathulata ausgegebene. Ich habe von dieser Form seither reichliches
Material gesehen, insbesondere solches, das Herr Ronniger in der Umgebung von Gmunden in Ober-
österreich sammelte, und bin zur Überzeugung gekommen, dass es auch bei G. Sturmiana den natürlichen
Verhältnissen am besten entspricht, drei Formen zu unterscheiden, nämlich die saisondimorph nicht geglie-
derte Form der alpinen und oberen subalpinen Region, dann die frühblühende Thalform (G. Norica) und die
spätblühende Thalform (G. Sturmiana Kern.). Die ersterwähnte Form steht auch in diesem Falle etwa in
der Mitte zwischen den beiden anderen, bald der einen, bald der andern ähnelnd. Im allgemeinen unter-
scheidet sie sich von beiden durch niedrigeren Wuchs, von G. Norica überdies durch zahlreichere (bis 7)
kürzere Internodien, spitzere Blätter und die manchmal engeren, mehr röhrigen Corollen; von G. Sturmiana
Kern. überdies durch geringere Zahl der Internodien, durch weniger spitze Bläter und häufig durch die
mehr glockigen Corollen. Ich habe in Taf. I den Formenkreis der G. Sturmiana s.]. abgebildet, und
möchte bemerken, dass die Habitusbilder der einzelnen Formen ebenso für G. Sturmiana als — natur-
gemäß mit durch die Artmerkmale bedingte Modificationen — für die anderen trimorphen Gentiana-
Arten gelten können.
Die G. Sturmiana der alpinen Region gehört wohl durchwegs zur saisondimorph nicht gegliederten
Form. Die Pflanze variiert je nach dem Standorte recht sehr. An relativ niedrigen Standorten — an denen
sie gewiss manchmal an secundärer Fundstätte sich findet — ist sie höher, vielblütiger; die Corollen sind
mehr röhrenförmig und ähneln damit mehr jenen der G. Sturmiana (Taf. I, Fig. 3). Dieser Form gehören
beispielsweise die in A. Kerner, Flora exsiccata Austro-Hungarica sub Nr. 2192, die in Dörfler’s
Herbarium normale sub 3750 ausgegebenen Exemplare an. An höheren Standorten wird die Pflanze
niedriger, armblütiger (Taf. I, Fig. 4), die Corollen werden oft relativ größer, mehr glockenförmig: var.
calycinoidea L. Keller,!' bis endlich auf den höchsten Erhebungen winzige, unverzweigte, oft nur ein-
blütige Exemplare sich finden: var. pygmaea Glaab.” Was die Blütezeit anbelangt, so verhält sich
diese ungegliederte alpine Form der G. Sturmiana wahrscheinlich im Vergleiche mit G. Norica und
Sturmiana Kern. intermediär. Es kann gelegentlich — und das gilt natürlich von allen hier in Betracht
kommenden Arten — dadurch zu einer scheinbaren Änderung dieses Verhältnisses kommen, dass die
Pflanze an niedere Standorte herabsteigt, dort, wie alle anderen Alpenpflanzen an derartigen Standorten,
relativ zeitlich zur Blüte kommt, vielleicht sogar früher als G. Norica. Auf einen solchen Fall führe ich
die Angabe J. Kerner’s (Schedae ad flor. exs. Austro-Hungarica VI, p. 57, 1893) zurück, dass bei Hinter-
stoder in Oberösterreich die G. spatulata, d. i. unsere Pflanze, zuerst aufblüht, der dann G. Norica und
dann erst G. Sturmiana folgt.
Was den Namen für unsere Pflanze anbelangt, so existiert ein solcher in G. aspera Hegetsch-
weiler” Hegetschweiler beschreibt a. a. ©. die Pflanze so weit, dass es deutlich ist, dass damit nur
eine Pflanze aus dem Formenkreis der G. Sturmiana gemeint sein kann. Schon die Fassung der
Beschreibung, die Angabe der Blütezeit und des Fundortes macht es unwahrscheinlich, dass eine der
beiden saisondimorphen Thalformen gemeint sei (vergl. auch meine Ausführungen in der Monographie
S. 336). Dass es sich um die hier in Rede stehende Pflanze handelt, geht zur vollen Evidenz aus den
1 Verh. der k. k. bot. Ges. 1898. S. 317. — Vergl. auch Dörfler, Herb. norm. Nr. 3751.
Deutsche bot. Monatsschr. 1893. S. 95 pro var. G. Germanicae.
3 Hegetschweiler und Heer, Flora von Schweiz. S. 210 (1840).
[1
Saison-Dimorphismus. 317
Original-Exmplaren Hegetschweiler's in dessen Herbarium, welches das botanische Museum der Uni-
versität Zürich aufbewahrt und in das ich Einsicht nehmen konnte, hervor. Auf die Anwendbarkeit des
Namens G. aspera auf die vorliegende Pflanze machte mich Herr J. Dörfler aufmerksam.
Auch G. Austriaca s. |. ist nunmehr zu den trimorphen Arten zu rechnen. In meiner Monographie!
führte ich die saisondimorphe Gliederung des Typus in die frühblühende Art G. /utescens Vel. und in
G. Austriaca Kern. durch und erwähnte bei letzterer, dass in der oberen Berg- und in der Alpenregion
eine Form, gekennzeichnet durch kürzere und breitere Blätter, kürzere Kelchzipfel und relativ niedrige,
reichverzweigte Stengel: die var. montana Wiesb., vorkomme. Ich glaube nunmehr, dass diese Form
auch hier die saisondimorph nicht gegliederte Hochgebirgsform, die der G. aspera, Kerneri etc. analog
ist, darstellt. Ich komme zu dieser Ansieht nicht bloß auf Grund der unleugbaren morphologischen
Analogie mit den eben erwähnten Formen, sondern auch auf Grund des Materiales, das ich indessen von
verschiedenen Seiten erhielt, insbesondere von Herrn Ronniger in Wien, der die G. Austriaca-Formen
im Gebiete der niederösterreichischen Alpen und Voralpen mit großer Sorgfalt sammelte.
Leider kann der Name G. montana Wiesb. als Artbezeichnung nicht zur Verwendung kommen, da
es bereits eife G. montana Forster (1786) gibt. Ich habe daher die Pflanze zusammen mit Herrn
J. Dörfler in den Schedae ad herb. norm. Cent. XXXVII, p. 283 (1898) als G. Neilreichii bezeichnet.
Was die Verbreitung der G. Neilreichii anbelangt, so erstreckt sich dieselbe über die alpine Region der
Berge im niederösterreichisch-steirischen Grenzgebiete (Schneeberg, Raxalpe, Gippl, Sonnwendstein etc.).
Eine Revision der 1896 von mir unterschiedenen Unterarten der G. polymorpha ergibt
mithin, dass vier derselben trimorph sind. Von einer derselben wusste ich dies bereits damals,
von einer zweiten vermuthete ich es, bezüglich der beiden anderen haben erst die letzten Jahre die
Erkenntnis gebracht.
Was die zwei bisher nicht besprochenen, noch verbleibenden Unterarten, G. Wettsteinii s.]. und
G. praecox s. |. anbelangt, so wäre es bei beiden möglich, dass auch hier ein Trimorphismus existiert,
d. h. dass in den in den Arealen derselben liegenden Hochgebirgen eine nicht saisondimorph gegliederte
Form vorkommt. Für G. Wettsteinii s.1. wäre diese Möglichkeit im Bereiche der westlichen schweizer und
der östlichen französischen Alpen gegeben, für G. praecox s. l. im Bereiche der Centralkarpathen. Nach
gewissen Anzeichen möchte ich sogar für beide Arten die Existenz dieser Formen vermuthen, ohne sie
aber bisher mit Sicherheit beweisen zu können.
5. G. Caucasea. Ich habe zu dem in meiner Monographie S. 356 (S. A., S. 48) Gesagten nichts
Wesentliches hinzuzufügen. Es haben sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass G. Caucasea saison-
dimorph oder sogar trimorph sei; sie macht mir den Eindruck einer ungegliederten Form analog wie bei
G. Neapolitana, Murbeckii, Bulgarica, crispata.
6. VonG. Amarella s. |. war mir 1896 die geographische Gliederung des Typus in vier geographische
Unterarten (uliginosa, Amarella, Ajanensis, acuta) und die saisondimorphe Gliederung der zweiten dieser
Unterarten (G. Amarella L.) in G. lingulata (frühblühend) und G. axillaris (spätblühend) bekannt. Durch
Murbeck wurde auch für diese Unterart ein Trimorphismus nachgewiesen; er zeigte? dass eine von
ihm schon früher? als Varietät der G. lingulata unter dem Namen subarctica beschriebene Form den im
arktischen Gebiete vorkommenden, nicht saisondimorph gegliederten Typus darstellt.
In phylogenetischer Hinsicht ist es — dies mag hier eingeschaltet werden — sehr interessant, dass,
während die Arten der Gattung, für die ich einen Ursprung im Bereiche der Alpen annehmen zu müssen
glaubte, in der Hochgebirgsregion derselben saisondimorph nicht gegliederte Formen aufweisen, diejenigen
Arten, für welche sich aus anderen Gründen ein nordischer Ursprung ergab (G. Amarella, vergl. 374,
1 S. 346— 349.
Über eine nothwendige Änderung der Autoreneitation vergl. Dörfler in Sched. ad herb. norm. Cent. XXXVIIT, p- 285 (898).
3 Österr. bot. Zeitschr. 1898. S. 90.
1 Acta horti Bergiani. Bd. 2. Nr. 3.
18
41*
318 R.v. Wettstein,
respective 66 der S. A. meiner Monographie), die ungegliederten Formen im arktischen Gebiete besitzen.
Ich kann mir einen schlagenderen Beweis für die Richtigkeit meiner Anschauungen bezüglich der Phylo-
genie der hier behandelten Arten nicht denken.
Ich fasse das im Vorstehenden über die Arten der Gattung Gentiana, Sect. Endotricha Gesagte in
ein übersichtliches Schema zusammen. Dasselbe stellt jene Modification des auf S. 377 (S. A. S. 69)
meiner Monographie gegebenen und hier auf S. 9 abgedruckten Schemas dar, welche die seither
zugewachsenen Kenntnisse nöthig machen. Ich habe die Änderungen gegenüber jenem Schema durch Bei-
setzen eines * sofort kenntlich gemacht. Wie man sieht, sind diese Änderungen keine tiefgreifenden und
vor allem keine wesentlichen. Sie betreffen die Aufnahme der Hochgebirgs-, respective arktischen Formen
unter die Unterarten zweiten Ranges und die dadurch in einem Falle nothwendig gewordene Änderung
des Namens der Unterart ersten Ranges. Das Schema stimmt in der Anlage mit dem für Alectorolophus
(vergl. S. 7) gegebenen überein; die hier als Unterarten ersten Ranges bezeichneten Formen sind den
dort als Arten bezeichneten äquivalent. Mutmaßlich oder möglicherweise existierende, aber noch nicht
nachgewiesene Formen habe ich durch Einsetzen eines »?« angedeutet; vielleicht finden sich dadurch
Botaniker der dabei in Betracht kommenden Gebiete veranlasst, auf solche Formen zu achten.
Unterarten ersten Ranges E Unterarten zweiten Ranges
Gesammtart (Arten) (Unterarten)
l. 1. G. crispata Vis.
>
2. G. hypericifolia (Murb.) Wettst.
\ \ * G. Islandica Murb.
I. G. campestris L. ampl.. . . 3: G. cammestrisi. - 2.22.2127. 62Sueerca (Kroel)aNkand:
| G. Germanica (Froel.) Murb.
| 4. G. Baltica Murb.
III. 5. G. Neapolitana (Froel.) Wettst.
( 6. @. Biebersteinii Bge.
7. G. calycina (Koch) Wettst. | 3 S a ee
. anlecedens W ettst.
a | G. anisodonta Borb.
8. G. pilosa Wettst.
\ * G. aspera He.
9. G. aspera Heg. ampl. » G. Norica Kern.
G. Sturmiana Kern.
\ 2 Re. ?
10. G. Wettsteinii Murb. ampl. . : G. solstitialis W ettst.
IV. G. polymorpha Wettst. . . } G. Weitsteinii Murb.
\ * G. Kerneri Dörfl. u. Wettst.
11. G. Rhaetica Kern. ampl... . G. solstitialis Wettst.
{ G. Rhaetica Kern.
12. G. Murbeckii Wettst.
\ * G. Neilreichii Dörfl.u.Wettst.
13. G. Austriaca Kern. ampl. . G. Iutescens V el.
| G. Austriaca Kern.
Ge,
14. G. praecox Kern. ampl. : G. praecox Kern.
| G. Carpathica Wettst.
115. G. Bulgarica Vel.
Saison-Dimorphismus. 319
= Unterarten ersten Ranges Unterarten zweiten Ranges
Gesammtart
Arten) (Unterarten)
V. 16. G. Cancasea * Lodd.
/ 17. G. uliginosa Willd.
\ G. subarctica Murb.
len Amaeella®., 2 2... 1:w: G. lingulata Ag.
| G. axillaris Schm.
VLGA la | / \ (event. G. Holmii W ettst.)
.G. Amarella L. ampl. ; ; Bern
Br: ; \ 19, G. acuta Mx. ampl!.... . G. plebeja Cham.
G. acuta Mx.
(event. G. Pringlei W ettst.)
20. G. Mexicana Gris. . . - . G. Hartwegii Benth.
G. Mexicana Gris.
3. Euphrasia.
Über den Saison-Dimorphismus der Euphrasia-Arten habe ich in meiner vorläufigen Mittheilung
über den Saison-Dimorphismus im Pflanzenreiche (1895) und in meiner Monographie der Gattung (1896)
berichtet. Gerade die Arten dieser Gattung boten mir Gelegenheit zu eingehenden Beobachtungen, und die
mehrjährigen Culturversuche, welche ich mit den saisondimorphen Formen von E. Rostkoviana im weiteren
Sinne im botanischen Garten in Prag durchführen konnte, haben wesentlich dazu beigetragen, um die
Erscheinung überhaupt sicherzustellen und eine Erklärung derselben anzubahnen. Ich verweise dies-
bezüglich auf die beiden genannten Arbeiten und möchte hier nur die seither hinzugekommenen
Erfahrungen mittheilen und damit den heutigen Stand unserer Kenntnisse über den Saison-Dimorphismus
der Gattung markieren.
Bei Euphrasia ist Saison-Dimorphismus viel seltener als bei Gentiana und Alectorolophus. Ich
konnte ihn 1895 in meiner vorläufigen Mittheilung? für drei Arten angeben. Es waren dies:
Arten Unterarten
x . montana Jord. (frühblühend).
1. E. Rostkoviana Hayne amp). R | Eh: N
. Rostkoviana Hayne (spätblühend).
E
E
\ E.tenuis (Brenn.) W. (frühblühend).
E
E
2. E. brevipila Burn. u. Gremli. ampl. . ia Bio @ pälklihend).
m: ;; | \ E. coerulea Tausch. (frühblühend).
een) Welten SnpE ee I E.curta (Fr.) W. (spätblühend).
In meiner Monographie der Gattung kam ein viertes solches Artenpaar hinzu:
BwRrsiricta ost amp! „u. mr zum. 5 a, De
B. 5 : Host. (spätblühend).
Seither kam infolge desUmstandes, dass Herr Bicknell? die frühblühende Parallelart der Z.Tatarica
auffand, noch ein fünftes Artenpaar hinzu.
E. Bicknelli Wettst. (frühblühend).
5. E. Tatarica Fisch. amp!. ? h ER
E. Tatarica Fisch. (spätblühend).
1 Die Aufnahme der Gliederung der G. acuta und G. Mexicana erfolgte während der Correctur dieser Abhandlung auf Grund
meiner indessen (Österr. bot. Zeitschr. 1900, Nr. 5 und 6) veröffentlichten Untersuchungen über die nordamerikanischen Arten der
Gattungsgruppe.
2 Ber. d. deutschen bot. Ges. 1895. XIII. Bd., S. 308.
3 Vergl. J. Dörfler, Sched. ad herb. norm. Cent. XXXIV. (1897.)
320 R.v. Wettstein,
Für einige andere Arten halte ich Saison-Dimorphismus für möglich, so möchte ich darauf hinweisen,
dass — wie ich schon in meiner Monographie S. 199 darlegte — die im Himalaya heimische E. paucifolia
Wettst. den morphologischen Bau einer frühblühenden Art besitzt, dass es mir ziemlich wahrscheinlich
erscheint, dass sich von der mitteleuropäischen E. Kerneri Wettst. eine frühblühende Parallelart wird
finden lassen.
Eine andere Frage ist die, ob der in dem Alectorolophus und Gentiana gewidmeten Abschnitte
erwähnte Trimorphismus auch in der Gattung Euphrasia vorkommt. Die Frage gehört zwar anscheinend
nicht hieher, nachdem es sich, wie ich S. 8 ausführte, dabei nicht um einen Saison-Trimorphismus,
sondern um eine Combination von Saison-Dimorphismus mit einem geographischen Dimorphismus
handelt, doch kann ich der Erörterung der Frage hier nicht aus dem Wege gehen, da sie für die
Erklärung des Saison-Dimorphismus von großer Wichtigkeit ist.
Ich habe in der letzten Zeit die saisondimorphen Zuphrasia-Arten abermals vorgenommen, um sie
diesbezüglich zu untersuchen und kann sagen, dass allerdings Erscheinungen zu beobachten sind, welche
mit dem erwähnten Trimorphismus in Beziehung stehen,! dass es mir aber nicht möglich ist, denselben
so klar und überzeugend zu beweisen, wie dies bei den anderen erwähnten Gattungen möglich war.
E. Tatarica lasse ich ganz unbesprochen, da über den Formenkreis derselben mir zu wenig
Materiale vorliegt, als dass ich über denselben urtheilen könnte.
Diejenige Art, bezüglich der ich eingehendere Beobachtungen anstellen konnte, ist E. Rostkoviana,
welche in relativ niedrigen Gegenden häufig saisondimorph ist. Nachdem E. Rostkoviana im arktischen
Gebiete nicht vorkommt, lag es nahe, in den Alpen nach einer saisondimorph nicht gegliederten Form zu
fahnden. Nun steigt in der T’hat E. Rostkoviana in den Alpen hoch empor; ich sah sie in den Central-
alpen Tirols vielfach noch in einer Meereshöhe von 2200 m, und dort nimmt sie Eigenschaften an, welche
dafür zu sprechen scheinen, dass eine etwa intermediäre Form zwischen E. monlana und E. Rostkoviana
s. str. vorliegt. Diese Eigenschaften sind: Die im Vergleiche mit E. Rostkoviana schwächere Verzweigung,
die stumpferen Blätter und die frühe Blütezeit. Letztere konnte ich mehrfach beobachten. Am 20. Juli
1896 bestieg ich von Trins im Tiroler Gschnitzthale aus das Padaster-Joch. Im Thale blühte E. Rostkoviana
(E. montana fehlt daselbst) noch nicht; bei 1800 m trafich E. Rostkoviana bereits blühend an. Dasselbe
beobachtete ich am 23. Juli 1897 im Sondesthale bei Gschnitz in einer Meereshöhe von ca. 1800— 2000 m
und am 21. Juli 1899 oberhalb der Lapones-Alpe bei Gschnitz bei ca. 1850 m.
Trotz aller dieser Momente kann ich mich nicht entschließen, die alpine Form von E. Rostkoviana
als nicht saisondimorph gegliederte Art abzutrennen. Mich bestimmt hiezu Folgendes: Zunächst sind die
morphologischen Eigenthümlichkeiten der alpinen Form nicht derart, dass sie unbedingt als eine inter-
mediäre Form zwischen E. montana und E. Rostkoviana aufgefasst werden müsste; dieselben morpho-
logischen Eigenthümlichkeiten können ganz befriedigend als durch den alpinen Standort bedingte Modi-
ficationen der E. Rostkoviana aufgefasst werden. Zweitens fehlt in einem großen Theile des Gebietes, in
dem die alpine Form vorkommt, E. montana, die frühblühende Art, und drittens sind die morphologischen
Übergänge von E. Rostkoviana zu dieser alpinen Form so allmälige, dass es mir schon aus diesem Grunde
unmöglich ist, eine Unterscheidung vorzunehmen. Die frühere Blütezeit der alpinen E. Rostkoviana gegen-
über der Thalform kann durch das analoge Verhalten anderer Pflanzen (Calluna vulgaris? Parnassia
palustris u. a.) hinreichend erklärt werden.
Ich möchte mithin noch keine definitive Entscheidung treffen und vorläufig nur sagen, dass es mir
derzeit nicht möglich ist, die Existenz des in Rede stehenden Trimorphismus bei E. Rostkoviana zu
beweisen.
! Auch Murbeck, ein vorzüglicher Kenner der Euphrasien, sagt (Österr. bot. Zeitschr., 1898, S. 93), dass ein ähnlicher
Trimorphismus auch innerhalb der Gattung Zuphrasia „gespürt“ werden kann.
2 Vergl. A. Kerner, Pllanzenleben. 1. Aufl. T. Bd. S. 281.
Saison-Dimorphismus. 321
Ähnlich verhält es sich bei E. brevipila und E. curta. Hier könnten die nicht saisondimorph
gegliederten Formen im Norden Europas vorkommen. Auch hier machte manches Exemplar, das mir in
diesemFall einen Beweis nicht zu erbringen. Eine Klarstellung in dieser Hinsicht könnte durch Botaniker,
welche Gelegenheit haben, die Pflanzen in ihrer Heimat zu beobachten, erfolgen.
Bezüglich E. stricta möchte ich bemerken, dass es von dieser eine alpine Form, die E. pumila
Kern., wohl gibt, dieselbe — ich kenne hinlänglich ihr Verhalten am Originalstandorte — aber gewiss mit
den früher besprochenen saisondimorph nicht gegliederten Formen nichts zu thun hat; es ist eine sich
von E. stricta Host s. str. ableitende extreme Form.
4. Odontites.
|
Herbarien vorglag, den Eindruck, als wenn es diese Form darstellen würde, doch vermag ich auch in
| Schon in meiner ersten Abhandlung über den Saison-Dimorphismus im Pflanzenreiche habe ich auf
das Vorkommen desselben in der Gattung Odontites aufmerksam gemacht.! Auf meine Anregung hin hat
- dann Herr J. Hoffmann eine monographische Bearbeitung der europäischen Arten der Gattung
Odontites in Angriff genommen und speciell den von mir beobachteten Fall genau untersucht.” Derselbe
betrifft das Verhältnis der O. verna (Bell.) Dum. zur O. serotina (Lam.) Rchb. Eshat sich herausgestellt,
_ dass zweifellos der von mir angenommene Saison-Dimorphismus hier zutrifft, dass O. verna als früh-
blühende Parallelform von O. serotina aufzufassen ist. Der systematische Ausdruck hiefür wäre:
Art Unterarten
| ©. verna (Bell.) Dum. (frühblühend).
O. Odontites (L.) Wettst. TREE 5 Ä ANHET.
l ©. serotina (Lam.) Rchb. (spätblühend).
Ich möchte hier den Fall nur kurz behandeln. O. verna findet sich in demselben Gebiete, wie
O. serotina, jedoch an anderen Stellen, sie wurde stets nur auf Feldern zwischen Getreide beobachtet;
O. serotina findet sich bekanntlich auf schlechten Wiesen, an steinig grasigen Stellen, in Stoppelfeldern
etc. und blüht dort wesentlich später als O. verna. Erstere vom Juli bis in den October, letztere vom Mai
bis Juli.? Mit diesem verschiedenen biologischen Verhalten gehen wesentliche morphologische Unter-
schiede Hand in Hand. Bei O. verna finden sich weniger und längere Stengelinternodien, geringere Ver-
zweigung, stumpfere Blätter und längere Bracteen, mithin mitAusnahme des letzten durchwegs Merkmale,
welche sich bei Gentiana, Euphrasia und Alectorolophus als charakteristisch für frühblühende Arten
finden. Auch die zwischen der obersten Verzweigung und dem untersten blütentragenden Deckblatte ein-
geschalteten Blätter, welche die spätblühenden Arten der Gattung Alectorolophus kennzeichnen, finden
sich bei O. serotina.
Hoffmann hat mit Rücksicht auf diese biologischen und morphologischen Verhältnisse die beiden
genannten Arten als ein zweifellos saisondimorphes Artenpaar bezeichnet, und schon auf das besondere
Interesse hingewiesen, das diesem Falle zukommt, da es sich bei der frühblühenden Art hier nicht um
eine Wiesen bewohnende Art, sondern um eine Pflanze in Getreidefeldern handelt. Es ist in hohem Maße
beweisend für die Richtigkeit meiner Auffassung, dass der Wiesenschnitt das Auslesende bei der Ent-
stehung der frühblühenden Arten war, wenn man sieht, wie hier der Schnitt der Felder die analuge
Wirkung hervorruft, wenn ferner in Betracht gezogen wird, dass der dem ersten Wiesenschnitte gegenüber
durchschnittlich um einen Monat verspätete Felderschnitt auch eine Verspätung der Blütezeit der früh-
blühenden Art um circa einen Monat zur Folge hat.
1 Ber. d. deutsch. bot Ges., XIII. Bd., S. 309 (1895).
2 Vergl. J. Hoffmann, Beitr. z. Kenntn. d. Gatt. Odontites in Österr. bot. Zeitsehr. 1897. — Die Untersuchungen des Ver-
fassers bezogen sich auf die ganze Gattung, doch konnten infolge schwerer Erkrankung desselben bisher nur die einen Theil
derselben betreffenden Resultate zur Veröffentlichung gelangen.
3 In klimatisch ungünstigeren Gebieten verschieben sich naturgemäß diese Termine,
322 R.v. Weltstein,
Ich selbst habe die beiden Arten durch drei Jahre im botanischen Garten in Prag cultiviert und
bezüglich ihres biologischen und morphologischen Verhaltens studiert. Die zur Aussaat verwendeten
Samen von O. verna sammelte der Garteninspector M. Tatar 1896 in Getreidefeldern bei Hloubocep bei
Prag, jene von ©. serotina in der Scharka bei Prag. Die Samen wurden im October 1896 in zwei
unmittelbar nebeneinander liegende, schon vorher mit Gras bebaute Beete ausgesäet. Die Keimung erfolgte
der Hauptmenge nach in der Zeit zwischen 4. und 19. März 1897, und zwar bei beiden Arten ungefähr
gleichzeitig. Schon nach vierWochen aber war das Aussehen der beiden Pflanzen ein total verschiedenes;
die Pfianzen von O.verna wuchsen kräftig in die Höhe, jene von O. serotina zeigten deutlich die Tendenz
der Retardation der Entwicklung, sie blieben relativ niedrig, hatten dabei verhältnismäßig zahlreiche
Internodien und in den Blattachseln reichlichst Astanlagen. Die ersten Exemplare von O. verna kamen am
24. Mai zur Blüte, die reichste Blütenentfaltung fiel in die Zeit vom 30. Mai bis 6. Juni, Ende Juni waren
die meisten Pflanzen abgeblüht. Die ersten Exemplare von O. serotina kamen am 20. Juli zur Blüte,
der Höhepunkt der Blüte fiel in den August; am 10. September waren nur mehr einzelne Blüten zu finden.
Exemplare, welche diesem im Jahre 1897 durchgeführten Culturversuche entstammen, sind auf Taf. II,
Fig. 1 (O. verna) und 2 (O. serotina), abgebildet.
Die von den Versuchspflanzen abgenommenen Samen wurden am 15. October 1897 in zwei analoge
Beete angebaut. ImJahre 1898 verlief die Entwicklung der beiden Arten in ganz analogerWeise wie 1897.
Die ersten Keimlinge beobachtete ich bei beiden Arten am 9. März, die ersten Blüten bei O, verna am
20. Mai, bei O. serotina am 17. Juli.
Über ähnliche Culturversuche, ausgeführt 1897, berichtet E. Heinricher in einer vor kurzem
erschienenen Abhandlung." Die Resultate, die ich erhielt, stimmen mit den von Heinricher erzielten
vollkommen überein.?
Auf Grund all’ dieser Beobachtungen möchte ich O. verna und O. serotina als zwei zweifellos
saisondimorphe Arten derselben Abstammung auffassen.?
Ein Trimorphismus, wie er sich bei Alectorolophus und Gentiana beobachten ließ, kommt bei
Odontites gewiss nicht vor. Der Typus fehlt dem arktischen und hochalpinen Gebiete voll-
kommen.
1 Die grünen Halbschmarotzer. II. (Jahrb. f. wiss. Bot., XXXII, Heft 3, S. 430 ff.).
2 Ich möchte die Gelegenheit der Erwähnung dieser Abhandlung benützen, um einen recht überflüssigen Einwand, den H. bei
diesem Anlasse macht, zurückzuweisen. Bei meinen eigenen Untersuchungen über Euphrasia und Gentiana, bei jenen Sterneck’s
über Alectorolophus und jenen Hoffmanns über Odontites hatte sich herausgestellt, dass die spätblühenden Arten sich durchwegs
durch reichere Verzweigung von den frühblühenden unterscheiden. H. gibt das selbst zu, sagt aber dann »dass die Verzweigung von
den Ernährungsverhältnissen so sehr abhängig erscheint, dass sie nur im bescheidensten Maße und in der vorsichtigsten Weise dia-
gnostisch verwendbar erscheint«. Er leitet diesen Einwand, den er recht ausführlich behandelt, davon ab, dass bei kümmerlicher
Ernährung auch unverzweigte Exemplare von spätblühenden Arten, bei recht üppiger Ernährung auch stärker verzweigte Exemplare
von frühblühenden Arten vorkommen. Das ist etwas allbekanntes und selbstverständliches, ist aber nicht im Entferntesten ein
berechtigter Einwand. Jeder die Verhältnisse in der Natur beobachtende Naturforscher weiß, dass je nach den Ernährungs-
verhältnissen solche Variationen vorkommen, jeder Systematiker weiß, dass Diagnosen die normaler Weise und am häufigsten vor-
kommenden Fälle zu berücksichtigen haben und unmöglich alle vorkommenden individuellen Abweichungen berücksichtigen können.
— Ein recht einfaches Beispiel wird dies klarmachen. Jeder weiß, dass für Ayacinthus orienlalis die traubige Inflorescenz charak-
teristisch ist, jeder hat schon gelegentlich dürftig ernährte einblütige Hyacinthus-Stengel gesehen, trotzdem wird wohl niemand
sagen, »das Merkmal der in Trauben stehenden Blüten sei nur im bescheidensten Maße und in der vorsichtigsten Weise diagnostisch
verwendbar«. — Dass die stärkere Verzweigung der spätblühenden Formen nicht durch Ernährungsverhältnisse allein bedingt ist,
geht mit vollster Evidenz daraus hervor, dass die Anlagen der axillaren Sprosse sich schon in der überwinternden Knospe finden, wie
ich dies bei Gentiana Rhaetica constatieren konnte.
3 Wenn Borbäs trotz der vorher durch Hoffmann erfoleten Klarstellung dieser Beziehungen in einer jüngst erschienenen,
mir leider infolge der Abfassung in magyarischer Sprache nur zum kleinsten Theile zugänglichen Abhandlung (A fogörömfü hazai
fajairöl. Termeszetrajzi füzetek XXI.) O. verna und O. serolina (seine O. Odontites) als primäre Arten von einander trennt und durch
Dazwischenstellung von nicht weniger als zwei ebensolchen Arten distanziert, so beweist dies nur wieder, wie weit die Systematik
vieler Botaniker von wahrer Erfassung descendenztheoretischer Prineipien ist.
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Satson-Dimorphismus. 323
Einen zweiten Fall von Saison-Dimorphismus bei Odontites hat Hoffmann in seiner citierten
Abhandlung! wahrscheinlich gemacht. Es betrifft O. Jaubertiana (Bor.) Dietr., respective OÖ. chrysantha
(Bor.).
5. Orthantha.
Das so häufige Vorkommen des Saison-Dimorphismus bei Euphrasia, Alectorolophus und Odontites
leste den Gedanken nahe, auch bei den übrigen Gattungen der Rhinanthaceen Umschau zu halten. Einen
sehr klaren Fall von Saison-Dimorphismus beherbergt die kleine Gattung Orthantha, welche nur drei
Arten umfasst. Eine davon, die O. Aucheri (Boiss.) Wettst. ist — soweit mir bekannt — monomorph;
die beiden anderen Arten O. Zutea (L.) Kern. und O. lanceolata (Rchb.) Wettst., stellen Parallelformen
eines saisondimorph gegliederten Typus dar, wobei die erstere die spätblühende, die letztere die früh-
blühende Art repräsentiert.
Ich konnte diese meine Auffassung leider bisher auf experimentellem Wege noch nicht beweisen, da
die Samen von, O. lanceolata, welche ich zweimal nach langen Bemühungen aus der Umgebung von
Chambery in Frankreich erhielt, sich im folgenden Jahre nach erfolgter Aussaat als Samen von ©. /utea
herausstellten. Doch sind die Gründe, welche in diesem Falle für den Saison-Dimorphismus sprechen, so
zwingender Art, dass ich an der Richtigkeit der Deutung nicht zweifeln möchte.
Die beiden Arten stehen sich im Blüten- und Fruchtbaue so nahe, dass ein Unterschied in diesen
Organen nicht zu finden ist. Wenn Reichenbach in seinen Icon. flor. Germ. et Helv., tom. 20, tab. 107
u. 108, einen überaus auffallenden Unterschied in der Blütenform und -Größe zeichnet, so ist er im
Irrthume. Die Unterscheidungsmerkmale der beiden
Taf. II, Fig. 3 [O. Zanceolata] und 4 [O. Zutea]):
Pflanzen sind im wesentlichen folgende (vergl. auch
O. lanceolata.
Stengel zur Zeit der Blüte bis an die Basis |
beblättert, unter der Inflorescenz mit 6— 10 Inter-
nodien, wenig ästig, Äste aufrechtstehend, Inter-
nodien lang.
Stengelblätter lanzettlich, gezähnt, stumpf-
lich.
Bracteen ebenso, länger als die Blüten.
In Feldern. Juni—Juli.
O. Intea.
Stengel zur Zeit der Blüte an der Basis fast
stets nackt, unter der Inflorescenz mit 10—30 Inter-
nodien, mit zahlreichen bogig abstehenden Ästen,
Internodien kurz, oft sehr kurz.
Stengelblätter bedeutend schmäler, lineal,
spitz, ganzrandig oder die unteren schwach gezähnt.
Bracteenalle kürzer als die Blüten oder nur
die untersten länger.
Auf trockenen Anhöhen, Wiesen etc. August
bis October.
Ein Vergleich dieser beiden Charakteristiken zeigt sogleich, dass wir es mit zwei Pflanzen zu thun
haben, die sich zu einander wie die saisondimorphen Formen von Odontites verhalten. Die wenigen
langen Stengelinternodien, die breiten Blätter, wenigen aufrechten Äste, die langen Bracteen charak-
terisieren in Verbindung mit der frühen Blütezeit die O. lanceolata als frühblühende Parallelart von
O. lutea. Die Analogie dieses Artenpares mit Odontites verna und serotina ist eine vollkommene; sie
bezieht sich auf sämmtliche morphologischen Eigenthümlichkeiten, auf die Blütezeit und auf das Vor-
kommen. Auch O. lanceolata findet sich nämlich stets in Getreidefeldern, während C. lutea eine Pflanze
schlechter Wiesen, trockener Abhänge u. dgl. ist. Diese Analogie fiel übrigens, soweit es sich um die
morphologischen Momente handelt, auch früheren Beobachtern schon auf. Reichenbach sagt schon®:
1 Österr. bot Zeitschr., 1897, S. 238.
2 Flora Germanica excurs., p. 892.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
324 R.v. Wettstein,
»cum O. verna habitu omnino convenit« und in Grenier et Godron, Flore de France! heißt es: »cette
plante a l’aspect et les feuilles del’ O. rubra«.
Meines Wissens wurde O. Zanceolata bisher nur im südöstlichen Frankreich mit Sicherheit beobachtet, |
wo sie sich gemeinsam mit O. /utea findet. |
Der systematische Ausdruck für die im vorstehenden mitgetheilte Erkenntnis lautet:
Art Unterarten
| ©. lanceolata (Rchb.) Wettst. — (frühblühend.)
le | O. Tutea (L.) Kern. — (spätblühend.)
6. Melampyrum.
Bei den bisher besprochenen fünf Gattungen ließ sich das Vorkommen des Saison-Dimorphismus
nicht nur mit voller Bestimmtheit beweisen, sondern es ließen sich auch für die Systematik der Gattungen
wichtige Consequenzen aus diesen Beweisen ziehen. Es war dies insbesondere dadurch möglich, dass die
Gattungen monographisch bearbeitet wurden, so dass durch die Verwertung der Erkenntnisse über den
Saison-Dimorphismus sich die Systematik geradezu zu einem gewissen Abschlusse bringen ließ.
Anders verhält es sich bei den fernerhin zu besprechenden Gattungen. Auch bei diesen konnte ich das
Vorkommen von Saison-Dimorphismus mit Sicherheit nachweisen, aber bei diesen Gattungen ist die
Systematik heute noch eine so unklare, dass ich systematische Consequenzen aus jenem Nachweise nicht
ziehen, sondern nur vorbereiten kann. Zweifellos wird auch in diesen Gattungen, zumal bei Melampyrum,
Ononis und Galium die Beachtung des Saison-Dimorphismus wesentlich zur Klärung der Systematik
beitragen. Um diese Klarstellung schon jetzt selbst zu bringen, mich einer monographischen Bearbeitung
der Gattungen zu unterziehen, das konnte ich nicht über mich bringen, da ich zur Zeit viel zu sehr mit
anderen, meine Zeit und Aufmerksamkeit absorbierenden Arbeiten beschäftigt bin. Ich bringe daher meine
Beobachtungen im folgenden so weit als dies für die Frage des Saison-Dimorphismus von Wichtigkeit
ist, betone aber ausdrücklich, dass in systematischer Hinsicht dieser Theil der vor-
liegenden Arbeit niehts abgeschlossenes bringt.
Von großer Verbreitung ist der Saison-Dimorphismus oder eine mit demselben in Zusammenhang
stehende Erscheinung bei der Gattung Melampyrum, so ausgeprägt sind vielfach die diesbezüglichen
Verhältnisse, dass es geradezu Wunder nehmen muss, dass der Saison-Dimorphismus dieser Gattung bisher
ganz unbeachtet blieb. Ich muss daher der Besprechung dieser Gattung etwas mehr Raum widmen.
a) M. grandiflorum Kern.’ und M. angustissimum Beck.’
Eine durch den Blüten-, respective Corollenbau recht ausgezeichnete Gruppe von Melampyrum-Arten,
welche auf den Rand des pannonischen Gebietes von Europa beschränkt zu sein scheint, ist jene, der die
zwei Arten angehören. Zu ihr zählen überdies noch M. fallax Celak. Prodrom. flor. Böhm., S. 832 (= M.
Bohemicum A. Kern. in sched. ad flor. exs. A.H. Nr. 135. 1881. = M. nemorosum v. stenophyllum Celak.
in Österr. bot. Zeitschr. XXIX. S. 365. 1897) und M. Bihariense A. Kern. in Schedae ad flor. exs. A.H.
Nr. 625 (1883). Ich will mich über die Beziehungen dieser beiden Arten nicht äußern, sie sind noch nicht
in jeder Hinsicht klargestellt. Das Verdienst, die erwähnte Artengruppe gegen andere, ähnlich sehende
1 Tom. II, p. 609.
2 Schedae ad floram exs. Austro-Hung. N. 626 (1883).
3 Abh.d. k. k. zool. bot. Ges. 1882, p. 187, Taf. XIV, Fig. 6.
*
Saison-Dimorphismus. 325
_ Melampyrum-Arten, speciell gegen das nicht immer leicht davon zu unterscheidende M. subalpinum
_ (Juratzka) Kern. abgegrenzt zu haben, gebürt Beck.! (Vergl. die Abbildungen.)
Was nun die beiden erwähnten Arten M. grandiflorum und M. angustissimum anbelangt, so
bestehen zwischen beiden einige recht auffallende Beziehungen. Beide sind, soweit mir bekannt, bisher
bloß aus den niederösterreichisch-steirischen Voralpen bekannt geworden. Sie stimmen im Blütenbaue?,
in den Behaarungsverhältnissen, also in zwei wesentlichen Momenten so sehr überein, dass an ihrer
nahen Verwandtschaft nicht länger zu zweifeln ist. Beck (a. a. O.) hat dem auch Ausdruck verliehen,
indem er beide Pflanzen als Abänderungen derselben Art auffasste.
Die Unterschiede zwischen beiden Arten (vergl. Taf. III, Fig. 1 [M. grandiflorum]| und 2 [M. angu-
stissimum|) sind folgende (vergl. auch Beck a. a. O.).
M. grandiflorum besitzt breitere Blätter, die unteren Deckblätter sind lanzettlich, die oberen auf-
fallend breiter (10—25 nm breit), am Grunde mit sehr feingespitzten Zähnen besetzt und kurz zugespitzt.
- Die nicht ganz aufgeblühten Infloreszenzen erscheinen daher nicht schopfig.
Eig. 1. Fig. 2,
Fig. 1—5 Blüten von:
1. M. grandiflorum Kern.>
2. M. anguslissimum Beck.
3 M. subalpinum (Jur.) Kern.»
4. M. Bihariense Kern.®
5. M. nemorosum L.?
Die Zeichnungen wurden nach aufge-
kochten Blüten mit dem Zeichenapparte bei
derselben Vergrößerung gezeichnet.
Vom 1. und 5. wurden relativ kleine
Blüten gezeichnet.
| M. angustissimum besitzt schmälere Blätter, die unteren Deckblätter sind lineal-lanzettlich, die oberen
| zumeist nicht bedeutend breiter, am Grunde mit weniger zahlreichen Zähnen besetzt und lang zugespitzt.
Die nicht ganz aufgeblühten Infloreszenzen erscheinen daher schopfig. Zu diesen Unterschieden kommen
noch folgende (vergl. Taf. III): M. grandiflorum ist zumeist eine steifaufrechte, unverzweigte oder schwach-
1 Flora von Niederösterreich. S. 1071.
® Der Unterschied in der Blütengröße ist nicht so bedeutend und constant, als nach dem Namen der einen der beiden Arten
angenommen werden könnte. In der Regel hat M. angustissimum kleinere Blüten, aber es kommen oft genug gleich große Blüten vor.
Ich habe speciell darauf 1891 und 1899 an den Standorten der Pflanzen geachtet.
» Exemplar der Flora exs. Austro-Hung. Nr. 626.
4 » » » » > Nr. 627.
5 > ara » » Nr. 134.
& » aus Schultz's Herb. norm. Nr. 2973.
» der Flora exs. Austro-Hung. Nr. 624.
Br
326 R.v. Wettstein,
verzweigte Pflanze (im letzteren Falle mit aufrecht stehenden Ästen). Die Zahl der Stengelinternodien
unterhalb der ersten Blüte ist gering (inclusive des Hypocotyl’s 3—5). Zwischen den obersten Ästen und
den untersten Blüten finden sich zumeist keine Blattpaare. M. angustissimum besitzt hingegen einen auf-
steigenden Stengel, der bei kräftigen Exemplaren stets mit spreitzenden Ästen versehen ist. Die Zahl der
Internodien zwischen der Stengelbasis und den untersten Blüten ist zumeist eine ansehnliche (5— 12).
Zwischen den obersten Ästen und der untersten Blüte finden wir am Hauptstengel in der Regel 4—5 Blatt-
paare.
Schon diese Gegenüberstellung zeigt, dass M. grandiflorum sich von M. angustissimum durch Merk-
male unterscheidet, die bei anderen Gattungen (Gentiana, Euphrasia) Merkmale der frühblühenden Arten
gegenüber den spätblühenden sind. Damit stimmt auch das biologische Verhalten der Pflanzen überein.
M. grandiflorum ist eine Wiesenpflanze und blüht bedeutend früher als M. angustissimum. Ich beobachtete
M. grandiflorum wiederholt am Semmering, auf der Gahnswiese am Schneeberg, im Höllenthale in Nieder-
österreich. Es findet sich dasselbe auf üppigen Wiesen oder an Waldrändern zwischen Büschen, aber
noch zwischen Gras. Die Pflanze blüht dort etwa im Juni; die ersten Blüten fand ich 1891 auf dem
Semmering am 28. Mai, die letzten 1892 an derselben Stelle am 4. Juli. 1899 war am 12. Juli die Pflanze
ebendort vollständig abgeblüht. Mit der frühen Blütezeit hängt es zusammen, dass bei M. grandiflorum
zur Zeit der Blüte zumeist die Cotyledonen noch vorhanden sind. M. angustissimum dagegen ist eine
Pflanze der lichten Wälder und buschigen Abhänge, sie blüht später, in der Regel im Juli und August.
1891 fand ich am 2. Juli bei Reichenau in Niederösterreich die Pflanze eben aufgeblüht, 1899 blühte sie
an derselben Stelle am 9. Juli noch nicht.
Das Verhalten der beiden Pflanzen zu einander ist also genau das gleiche, wie das der anderen
saisondimorphen Arten. Eine entsprechende, etwa der alpinen Region angehörende, ungegliederte Form
fehlt hier.
Was die Constanz der Formen anbelangt, so kann ich nur eine Beobachtung mittheilen. Ich sammelte
am 4. Juli 1892 von M. grandiflorum Samen, welche im Herbste desselben Jahres im Wiener botanischen
Garten angebaut wurden. Die daraus sich entwickelnden Pflanzen traf ich am 25. Mai 1893 gelegentlich
eines Besuches des Wiener botanischen Gartens in voller Blüte. Sie stellten typisches M. grandiflorum dar.
b) M. nemorosum L.! und M. Moravicum H. Br.?
Das, was in den meisten mitteleuropäischen Floren als M. nemorosum bezeichnet wird, ist eine all-
gemein verbreitete, wohlbekannte Pflanze. Die blauen Bracteen zeichnen die Pflanze aus und lassen sie
höchstens in Vergleich ziehen mit M. subalpinum (Jur.) Kern. oder mit einer der mit M. grandiflorum Kern.
verwandten Formen (vergl. Beck, Flora von Niederösterr., S. 1071), die aber durch die Gestalt der Corolle
wesentlich abweichen (vergl. Abb. auf der Vorseite).
M. nemorosum ist eine Pflanze der lichten Wälder, der buschigen Stellen und Holzschläge und
macht biologisch und morphologisch den Eindruck einer spätblühenden Art im Sinne der saisondimorph
gegliederten Pflanzen. Sie blüht in der Zeit vom Juli bis September, besitzt bei halbwegs normaler Ent-
wicklung sparrig abstehende Äste und trägt zumeist zwischen dem obersten Aste und der untersten Blüte
ein oder mehrere Blattpaare. Die Keimblätter sind zur Blütezeit stets verwelkt oder abgefallen.
Durch H. Braun wurde 1884? die Aufmerksamkeit auf eine mit M. nemorosum sehr nahe ver-
wandte Pflanze gelenkt, welche er M. Moravicum nannte. Dieses M. Moravicum unterscheidet sich von
M. nemorosum durch die einfachen oder wenig verzweigten aufrechten Stengel, dann durch die
schmäleren, nicht eiförmigen, sondern länglich-lanzettlichen Stengelblätter. Zumeist ist die Zahl der
1 Spec. plant. ed. 1. p. 605. (1752.)
D)
2 Österr. bot. Zeitschr. 1884. S. 422.
» A. a. O. und in Schedae ad flor. exs. Austro-Hune., Nr. 1397, \
EEE WE WERE EEE EEE UNE, €
Saison-Dimorphismus. 327
Stengelinternodien eine geringere als bei M. nemorosum. die Cotyledonen sind häufig zur Zeit der Blüte
noch vorhanden und frisch.
Schon die Beachtung dieser Merkmale zeigt bei Berücksichtigung der sonstigen großen Ähnlichkeit
zwischen beiden Pflanzen, dass L. Moravicum und M. nemorosum in analoger Weise, wie manche andere
frühblühende Art von der dazugehörigen spätblühenden unterschieden ist. Dazu kommt nun noch der
Umstand, dass M. Moravicum eine Wiesenpflanze ist und früher als M. nemorosum, nämlich schon im
Juni blüht.
Es erscheint mir daher gar nicht fraglich, dass M. Moravicum eine frühblühende Parallelart zu der
Pllanze ist, die wir zumeist als M. nemorosum bezeichnen.
Einige andere Fragen, die sich an den Fall knüpfen, sind aber heute noch unbeantwortet.
Zunächst die nomenclatorische Frage, ob nicht gerade M. Moravicum das M. nemorosum Linne's
ist, eine Frage, die dadurch nahegelegt wird, dass ich mehrfach M. Moravicum aus Skandinavien sah.
Ferner erscheint es mir noch fraglich, ob nicht in diesem Falle die dritte, saisondimorph nicht
gegliederte Form vorkommt; ich sah wenigstens mehrfach intermediäre Formen. Ich gedenke auf diese
Seiten der Ffage, also auf die systematische Klarstellung der ganzen Formengruppe noch zurück-
zukommen, und möchte hier nur den bei M. nemorosum auch vorkommenden Saison-Dimorphismus con-
statirt haben.
M. Moravicum sah ich bisher von folgenden Standorten:
Wiesen der Berge bei Wsetin in Mähren, 1. Juni; leg. Bubela.
Wiesen um Grottau; leg. Menzel.
Wiesen bei Aistersheim in Oberösterreich, 9. Juni; leg. Keck.
Janowaner Wald in Galizien, 9. Juni; leg. Woloszczak.
Stockholm, Tegelhagen, 2. Juli; leg. Murbeck.
Stockholm, Stockby-Ojmsholm, 3. Juli; leg. Murbeck.
Serajevo in Bosnien, Juni; leg. Beck (etwas?).
c) M. silvaticum.
A. Kerner hat in Österr. bot. Zeitsch. 1870, S. 267 ff. darauf aufmerksam gemacht, dass im Bereiche
der Alpen zwei Melampyra vorkommen, welche gewöhnlich als M. silvaticum L. zusammengefasst werden.
Ich kenne beide, da ich mehrfach Gelegenheit hatte, sie zu beobachten, und kann die von Kerner ange-
führten Unterscheidungsmerkmale bestätigen.
Während Kerner in der angeführten Abhandlung die beiden Pflanzen nicht besonders benannte, hat
er später die eine der beiden Pflanzen vielfach unter dem Namen M. laricetorum oder M. silvaticum var.
laricetorum versendet. Dieses M. laricetorum — wie ich die Pflanze indessen nennen möchte — unter-
scheidet sich nach Kerner von M. silvaticum durch die auffallend breiten, an der Basis über dem keil-
förmig verschmälertem Grunde jederseits mit 1—2 Zähnen versehenen Bracteen und durch die größeren,
insbesondere längeren Kelchzipfel. Ich kann noch hinzufügen, dass dieses M. laricetorum durch die
steif aufrechten, nicht oder wenig verzweigten Stengel, durch die geradezu fleischigen Blätter und Bracteen,
durch die aufrecht abstehenden Äste und schon sehr früh, am 3.—4. Knoten auftretende Blüten sich von
M. silvaticum unterscheidet.! Die Zahl der Zähne an der Basis der Bracteen kann jederseits bis 5 betragen.”
Ich habe Exemplare der beiden Pflanzen auf Taf. IV in Fig. 1 (M. laricetorum) und 2 (M. silvaticum) abgebildet.
M. silvaticum ist bekanntlich in Wäldern und an buschigen Stellen der Bergregion und Voralpenzone
weit verbreitet; auf Wiesen der alpinen und subalpinen Region wird es durch M. laricetorum vertreten.
1 Ich muss hier ausdrücklich betonen, dass diese Merkmale an üppigen Exemplaren sehr deutlich ausgeprägt sind; es kommen
aber hier, geradeso wie bei M. silvaticum Standortsvarietäten vor, welche die Verwischung des einen oder anderen Merkmales
bedingen und oft eine Bestimmung thatsächlich schwer machen.
2 Manchmal fehlen diese Zähne an den untersten Bracteen, ebenso sind manchmal, wenn auch selten, an den obersten
Bracteen von M. silvaticnm einzelne Zähne zu finden.
4
328 R. v. Wettstein,
Die Existenz dieser hier als M. laricetorum bezeichneten Pflanze neben M. silvaticum ist schon
früheren Botanikern aufgefallen.
Zunächst dürfte sie Person dazu bestimmt haben, in seiner Syn. plant. II, p. 151 (1807) das M. sil-
valicum in M. alpestre umzutaufen, da ihm vermuthlich in erster Linie die als M. laricetorum bezeichnete
Pflanze vorlag.
Tausch beobachtete beide Pflanzen im Riesengebirge, ei hielt die Pflanze der Wälder für M. szl-
valicum, die der Gipfelwiesen für M. pratense L. — hiezu wohl in erster Linie durch das Vorkommen auf
Wiesen verleitet — und gab beide unter diesen Namen in seinen Exsiccaten unter Nr. 12015 (»M.pratense»)
und Nr. 1202 ®M. silvaticum») aus.‘
Fischer und Neumann erkannten das M. laricetorum des Riesengebirges als von M. silvaticum
verschieden und nannten es M. Sudeticum (in schedis; herb. univ. germ. Prag).
Ob Schur (Enum. plant. Transs., p. 506 und Sertum Nr. 2129) mit seinem M. dentatum, resp. der
var. dentatum von M.silvaticum das M.laricetorum meinte (vergl.Beck, Flora von Niederösterr., S. 1071),
möchte ich heute noch unentschieden lassen, da die Entscheidung dieser Frage mit der Klärung der
Systematik und Nomenclatur der Melampyra der Ostkarpathen überhaupt zusammenhängt, insbesondere
mit der Erklärung des M. saxosım Baumg. Garcke (Flora von Deutschl., 17. Aufl., S. 453) identifieierte
unsere Pflanze mit M. saxosum. Ich hoffe demnächst auf diese Frage zurückkommen zu können, für heute
möchte ich nur sagen, dass im Bereiche der Ostkarpathen nach dem von mir gesehenen Materiale der
Typus des M. silvaticum auch in zwei, den erwähnten analoge, Typen gegliedert ist; fraglich ist nur,
ob in jenem Gebiete M. silvaticum vorkommt, oder eine andere, dasselbe substituierende Art (die eventuell
M. saxosum Baumg. zu heißen hätte?), oder ob beide Arten vertreten sind. |
Ich will es daher hier absichtlich vermeiden, die ziemlich complicierte systematische und nomen-
clatorische Frage des M. silvaticum ganz aufzurollen und mich bloß mit dem biologischen und morpho-
logischen Verhältnisse der beiden eingangs erwähnten Formen beschäftigen, die ich zu diesem Zwecke
als M. laricetorum Kern.? und als M. silvaticum vorläufig bezeichne.
Fig. 6. Fig. 7. Fig. 8.
In Fig. 6—8 Blüten von
> Ge = EEE rn 6. M. saxosum Baumg.t
3% Y BE £® 7 % R N / & 7. M. laricetorum Kern.
2 v ER ‚ 2 \ B4 en FRE 8. M. silvaticum L.®
EIN a G Die Abbildungen wurden nach aufge-
S Fr ö kochten Blüten mit dem Zeichenapparate
/ \) hergestellt.
Was die Verbreitung der beiden Planzen anbelangt, so ist M. laricetorum eine Pflanze der alpinen
und montanen Wiesen, M. silvaticum eine Pflanze der Wälder der Berg- und Voralpenregion.
Ersteres möge aus folgendem Standortsverzeichnisse hervorgehen, welches Fundorte aufführt, an
denen ich die Pflanzen selbst sammelte oder von denen mir Exemplare vorlagen;
1 Dieser Irrthum bedingte die durch einen anderen Umstand berechtigte Neubenennung des in den Niederungen vorkommenden
»M. pratense« als M. commutatum durch Tausch,
? M. saxosum Baumg. scheint mir nach Original-Exemplaren und nach Exemplaren vom Original-Standort in der That von
M. silvaticum verschieden zu sein und zwar insbesondere durch die größeren Corollen (vergl. die Abb.). In den subalpinen Regionen
der Tatra beobachtete ich heuer (1. Julı 1899) nur M. silvaticum.
3 Ich verwende gerade diesen Namen, da mir der Name M. alpestre Pers. ein Sammelname zu sein scheint, da M. pratense
Tausch selbstverständlich wegen des Linn&’schen Homonyms nicht gebraucht werden kann, da M. denlatum Schur nach dem
oben Gesagten bezüglich seiner Anwendung ganz fraglich ist.
4 Exemplar von Guttin, leg. Vagner,
5 Exemplar vom Glatzer Schneeberg, leg. Oborny.
% Exemplar aus Trins, Tirol,
Salson-Dimorphismus. 329
Österreich-Ungarn.
Tirol. Mieders im Stubaithal auf Wiesen (A. Kerner), Gleinserjöchl in der Waldrast (A. Kerner),
Wiesen am Blaser (Wettstein), Trunajoch, Martarthal, Laponesalpe bei Gschnitz (Wettstein), Wiesen
am Öberbergerjoch (A. Kerner), Wiesen am Vilsalpsee im Thannheimerthal (Zimmeter), Seefeld (Sarnt-
hein).
Steiermark. Wiesen des Semmering (Wettstein), auf dem Wege von Hinterberg auf den Pleschaitz
am Saume eines-Fichtenwaldes (KraSan), Mautern (Breidler), Raduha (Kocbek).
Niederösterreich. Gahnswiese des Schneeberges (Wettstein), Wechsel (Beck), Raxalpe (Son-
klar).
Böhmen. Riesengebirge. Elbwiesen (Wettstein), Krkonosch (Wettstein und Freyn), Spindler-
baudenwiese (Wettstein), Riesengrund (Wettstein), Hohenelbe (Kablik), Johannisbad (Opiz)
— »Sudeten« (Tausch).
Mähren. Glatzer Schneeberg (Oborny).
= Schweiz.
Engadin. Piz Lounghin (Wettstein), Morteratsch-Gletscher (Wettstein).!
Es scheint daher M. laricetorum die in Anpassung an die Vegetationsverhältnisse der alpinen und
subalpinen Wiesen entstandene Sippe zu sein, die sich zu M. silvaticum wie zahlreiche andere Alpen-
pflanzen zu Thalarten, wie etwa Myosotis alpestris zu M. silvatica, verhalten. Das Vorkommen zweifel-
loser Zwischenformen in einer zwischengelegenen Zone spricht dafür. Ich lasse es dabei dahingestellt, ob
M. laricetorum oder M. silvaticum als der ältere Typus anzusehen ist, da ich diesbezüglich den Resultaten
einer monographischen Untersuchung nicht vorgreifen möchte.
Ich bespreche den Fall, der ja nach dem bisher Gesagten kaum hieher zu gehören scheint, aus
folgenden Gründen:
Melampyrum laricetorum weist Merkmale auf, welche es morphologisch als eine frühblühende
Parallelart im Sinne der saisondimorphen Arten erscheinen lassen könnte. Es besitzt nämlich (vergl. Abb.
auf Taf. IV, Fig. 1) steif aufrechte, wenig verzweigte Stengel und aufrechte Zweige, die Blüten entspringen
stets aus den Achseln der über den Verzweigungen unmittelbar folgenden Blätter, die Deckblätter zeichnen
sich durch ihre Breite und Stumpfheit aus, die Zahl der Internodien ist unterhalb der untersten Blüten eine
ausnehmend geringe.
Die Versuchung, M. laricetorum für eine frühblühende Parallelart des M. silvaticum zu halten, wird
manchesmal umso größer, als thatsächlich hie und da M. laricetorum an denselben Standorten wie M. sil-
vaticum vorkommt und an solchen wesentlich früher als dieses blüht. So beobachtete ich 1895 auf den
Lärchwiesen an den Gehängen des Blaser in Tirol oberhalb Steinach Folgendes: Am 26. Juli war M. lari-
cetorum bereits vollständig abgeblüht und in Frucht, M. silvaticum stand etwa 100 Schritte davon am
Waldesrande in voller Blüte. Am 4. August 1894 fand ich in einem moosigen Föhrenwalde am Fuße des
Trunajoches im Tiroler Gschnitzthale M. laricetorum in typischen Exemplaren vollständig in Frucht und
unmittelbar daneben M. silvaticum in voller Blüte: Die Differenz im Beginne des Blühens betrug in beiden
Fällen circa 4 Wochen.
Anfangs glaubte ich einen neuen Fall von Saison-Dimorphismus vor mir zu haben, doch legte eine
genauere Betrachtung eine andere Deutung des Falles näher. Auf den die beiden Standorte beherrschenden
Höhen (Blaser, respective Trunajoch) findet sich M. laricetorum nicht selten. Die beiden erwähnten Thal-
standorte sind reich an alpinen Pflanzen, welche aus der alpinen Region der dominierenden Höhen herab-
gestiegen sind. Auf den Steinacher Lärchwiesen finden sich unter anderen bei circa 1200 m Höhe Alectoro-
lophus lanceolatus, Pedicularis Jacquini, Dryas octopetala, Euphrasia versicolor, Gentiana latifolia
1 Von einer Aufzählung der Karpathen-Standorte, welche hieher zu gehören scheinen, sehe ich aus den eben angedeuteten
Gründen ab.
330 R. v. Wettstein,
Loiseleuria procumbens, Silene acaulis ete. und in nächster Nähe des Standortes am Fuße des Trunajoches:
Silene acanlis, Dryas octopetala, Soldanella alpina, Gentiana latifolia, Saxifraga caesia etc.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass M. laricetorum daan secundären Standorten sich findet, hier,
wie alle Alpenpflanzen an Thalstandorten, relativ früh blüht und so einen Saison-Dimorphismus vortäuscht.
In Wirklichkeit liegt ein Fall von geographischem Dimorphismus vor, der aber infolge von Übertragung
der einen Art in das Gebiet der anderen einem Saison-Dimorphismus sehr ähnlich wird. Ich möchte diese
Erscheinung als Pseudo-Saisondimorphismus bezeichnen.
Der hier in Rede stehende Fall scheint mir aber im Hinblicke auf den Saison-Dimorphismus sehr
interessant, weil er zeigt, wie unter gewissen Voraussetzungen Saison-Dimorphismus entstehen
könnte. An Standorten, wie den beiden erwähnten wäre die Möglichkeit geboten, dass aus den anfangs
zufällig nebeneinander wachsenden geographischen Arten oder Rassen durch Auslese zwei saisondimorphe
Arten werden. Es könnte also der Pseudo-Dimorphismus zu wirklichem Saison-Dimorphismus führen. Bei
Besprechung des Zustandekommens des Saison-Dimorphismus überhaupt werde ich diese Möglichkeit
eingehend in Betracht ziehen müssen.
d) M. pratense.
Bei M. pratense finden sich Verhältnisse, die mit denen bei M. silvaticum auf das Genaueste über-
einstimmen. Auch hier war es A. Kerner, dem die einschlägigen Thatsachen zuerst auffielen. Er betonte
in seiner Abhandlung »Über einige Arten der Gattung Melampyrum«,! dass unter dem Namen M. pratense
zwei verschiedene Pflanzen zusammengefasst werden, die eine davon ist die in Wäldern, an buschigen
Stellen in ganz Mitteleuropa so häufig vorkommende Pflanze, welche Tausch in Plant. select. Nr. 1201
als M. commutatum ausgab, die aber Persoon in seiner Syn. plant. II, p. 151 schon viel früher als
M. vulgatum bezeichnet hatte und die ich der Unzweideutigkeit der Bezeichnung halber auch im folgenden
so nennen möchte.? Die zweite Pflanze ist eine Bewohnerin der alpinen und montanen Wiesen der mittel-
europäischen Gebirge und des hohen Nordens Europas. Kerner muthmaßte in ihr das M. pratenseLinne.
Diese Muthmaßung findet in den Angaben der Linn&’schen Diagnose! »florum conjugationibus remotis.»
»habitat in Europae borealis pratis siccis« eine gewichtige Stütze, weshalb auch ich im folgenden dieses
Melampyrum als M. pratense L. bezeichnen möchte, ohne damit allerdings einer definitiven nomen-
elatorischen Klarstellung der Pflanze vorgreifen zu wollen.
Was die Unterscheidung der beiden Pflanzen anbelangt (vergl. Taf. IV, Fig. 3 [M. pratense] und 4
[M. vulgatum]), so ist M. pratense durch die steif aufrechten, relativ kurzen, unverzweigten oder nur mit 1—2
Paaren aufrechter Äste versehenen Stengel, durch die geringe Zahl der Internodien unter der untersten Blüte
(2—4), durch die unmittelbar über der obersten Verzweigung stehenden Blüten, durch die schmalen, aus
breiter Basis lang zugespitzten Blätter und Bracteen, durch die ungezähnten oder an der Basis nur jederseits
mit 1—2 Zähnen versehenen, die Blüten stets an Länge übertreffenden Bracteen charakterisiert. M. vulgatum
dagegen hat aufsteigende oder niederliegende, meist stark und sparrig verzweigte Stengel, welche bis zur
ersten Blüte 5— 15 Internodien aufweisen und zwischen dieser Blüte und der obersten Verzweigung 1— 10:
Blattpaare tragen. Die Blätter sind von sehr wechselnder Form, eiförmig, eilanzettlich oder lineal; die Bracteen
tragen zumeist an der Basis jederseits 2—7 Zähne und die obersten derselben sind kürzer als die Blüten.
1 Österr, bot. Zeitschr., XX, 1870. S. 271.
? Das Fallenlassen des zwar ziemlich eingebürgerten Namens M. commutatum Tausch ist an und für sich nicht zu bedauern,
da Tausch damit nicht bloß jene Pflanze meinte, die wir jetzt gewöhnlich als M. commutalum bezeichnen, sondern den ganzen
Formenkreis des M. pratense (nämlich M. commutatum + M. pratense s. str.) im Gegensatze zu M. laricelorum, welches er für
Linne’s M. pratense nahm. Dies beweist der Befund im Herbarium der deutschen Universität Prags. Dort liegen als M. commutatum
Tausch (zum Theile von Tausch selbst bestimmt, zum Theile von Kosteletzky mit »M. commutatum Tausch!« bezeichnet)
mehrfach Pflanzen von Königssaal (= vulgatum) mit solchen aus den Sudeten (—=pralense s. st.) gemischt. — Auch in den
ausgegebenen Tausch’schen Exsiccaten liegen meistens neben der Pflanze von Königssaal einzelne Stücke der Sudeten-Pflanze.
3 Spec, plant. ad. 1, p. 605.
FE
Saison-Dimorphismus. 33l
Kerner gibt am a. O. S. 272 noch einige Unterschiede an, welche er der Untersuchung der lebenden
Pflanze entnahm.
Wie schon erwähnt, bewohnt M. vulgatum die niedrigen Gegenden und die Bergregion von fast ganz
Mitteleuropa und findet sich stets an schattigen Stellen, also in Wäldern, an Waldesrändern, in Holz-
schlägen, an buschigen Stellen u. dgl. — M. pratense dagegen ist eine ausgesprochene Wiesenpflanze; sie
findet sich vielfach massenhaft in der alpinen Region der Alpen, in der höheren Bergregion und dann im
Norden Europas. Ab und zu steigt M. pratense an feuchten Stellen im Bereiche der Alpen an tiefere Stand-
orte herab, wie dies ja so viele Alpenpflanzen thun. Dieser Umstand veranlasste viele Autoren (A. Kerner
a.a. O., Beck, Flora von Niederösterreich, S. 1070) M. pratense L. mit M. pratense 8 paludosa Gaudin
(Flor. Helv. IV, p. 122 [1629]) und M. pratense var. turfosa Juratzka (Verh. der k. k. zool. bot. Ges. in
Wien, 1857, p. 511) zu identificieren, was ich aber für nicht ganz gerechtfertigt halte, da nach mir vor-
liegenden Fxemplaren auch eine ganz eigenthümliche, sumpfbewohnende Varietät von M. vulgatum
existiert.
Ich sah bisher M. pratense von folgenden Standorten:
-
Österreich-Ungarn.
Tirol. Wiesen des Padaster und des Leitenjoches bei Trins (Wettstein), Wiesen am Blaser bei
Matrei (A. Kerner). Wiesen n. der Waldrast bei Mieders (A. Kerner), Wiesen bei Igls n. Innsbruck
(Sarnthein), Wiesen bei Seefeld (Sarnthein), Wiesen bei Sexten im Pusterthale (Huter), Kolsassthal
(Nigg)]).
Niederösterreich. Wiesen am Jauerling (J. Kerner, Wettstein).
Böhmen. Kamm des Riesengebirges, zum Beispiel Elbwiesen (Wettstein), Aupagrund (Fiek),
Leiterberg (Kolenati).
Schweiz.
Engadin. Piz Lounghin (Wettstein), Val di Fain (Wettstein).
Lappland.
Quickjock (Andersson).
Nach dem Vorkommen und der Existenz von geographischen und morphologischen Zwischenformen
in den Grenzgebieten erscheint es mir ganz zweifellos, dass M. pratense L. eine Repräsentativspecies
von M. vulgatum ist. Es ist nun sehr interessant, dass M. pratense zu M. vulgatum sich in jeder Hinsicht
genau so verhält, wie M. laricelorum zu M. silvaticum. Gleichwie M. laricetorum stimmt M. pratense in
morphologischer Hinsicht vollkommen mit den frühblühenden Arten der saisondimorph gegliederten
Typen überein, gleichwie M. silvaticum hat M. vulgatum das Aussehen einer spätblühenden Art. Gleichwie
M.laricetorum kommt auch M. pratense gelegentlich an tieferen Standorten secundär, und zwar zusammen
mit M. vulgatum vor, blüht dort früher als dieses und bewirkt gleichfalls einen Fall von Pseudo-Saison-
dimorphismus.
Im Hinblicke auf die Erklärung der Erscheinung des Saison-Dimorphismus ist M. pratense s.1. daher
von gleichem Interesse wie M. silvaticum s. |].
e) M. arvense.
Auch bei M. arvense finde ich Anhaltspunkte, welche für das Vorkommen eines Dimorphismus
sprechen. Wenn ich hier dies nur anhangsweise hervorhebe, so geschieht es, weil ich erst weitere
Beobachtungen abwarten will, bevor ich ein Urtheil abgebe, insbesondere bin ich keineswegs sicher, dass
der hier vorkommende Dimorphismus ein Saison-Dimorphismus ist.
M. arvense findet sich bekanntlich in Mitteleuropa fast durchgehends als Ackerunkraut,! also unter
denselben Umständen, wie Odontites verna und Orthantha lanceolata. Die Pflanze stimmt morphologisch
1 Vergl. z.B. Beck, Flora von Niederösterr., p. 1070. — Linne, Spec. plant., ed. 1, p. 605. — Reichenb., Flora Germ.
exc., p 357. — Garcke, Flora von Deutschl., 17. Aufl., S. 452. — Sendtner, Veget. Verh. d. Südbay. S. 839.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 43
338 R. v. Weitstein,
und biologisch mit den frühblühenden Arten der verwandten Gattungen überein. Im südöstlichen Europa
scheint die Pflanze auch an anderen Standorten, auf Wiesen, an sonnigen Abhängen u. dergl.! vorzu-
kommen und Exemplare, welche ich von solchen Standorten sah,? trugen die Merkmale der spätblühenden
Arten an sich, das heißt, relativ schmale Blätter, reiche, abstehende Verzweigung, zahlreiche Internodien.
Die meisten Exemplare von M. pseudobarbatum Schur (Sertum Nr. 2125 a, Enum. flor. Transs., p. 506),
welche ich sah, stellen diesen Typus dar.
Indem ich es noch dahin gestellt sein lasse, ob dieser Dimorphismus im südöstlichen Europa
constant ist und ob er sich als ein Saison-Dimorphismus darstellt, möchte ich doch heute schon auf das
Interesse aufmerksam machen, das speciell diesem Falle eventuell in einer gewissen Richtung zukommt.
Wenn wir annehmen, dass die ackerbewohnende Form die abgeleitete ist, dass mithin die Heimat
der Pflanze dort liegt, wo sie nicht bloß in dieser abgeleiteten Form sich findet, sondern noch in einer
zweiten Form an Standorten, welche den menschlichen Einflüssen entzogen sind, so ergibt sich für
M. arvense mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, dass die Pflanze in Ost- und Südeuropa heimisch ist und
ihre heutige weite Verbreitung mit dem Getreide gefunden hat
7. Ononis.
Einen ganz zweifellosen und dabei sehr interessanten Fall von Saison-Dimorphismus fand ich in der
Gattung Ononis.
Im Jahre 1890 beobachtete ich auf feuchten Wiesen nächst Mühlau bei Innsbruck anfangs Juli eine
Ononis, welche dem Abblühen nahe war; 1891 fand ich Ende Juni auf einer feuchten Wiese im Kloster-
thale bei Gutenstein in Niederösterreich dieselbe Ononis ebenfalls schon stark abgeblüht; 1892 sah ich sie
wieder und zwar in voller Blüte anfangs Juli auf einer feuchten Wiese im Gschnitzthale in Tirol. Es war
dies dieselbe Ononis, welche Kerner aus der Umgebung Innsbrucks unter dem Namen O. foetens All.
oder als ©. mitis Gmel. vielfach verschickt hatte, die Beck 18913 als O. Austriaca beschrieb.
Die Pflanze unterscheidet sich von Ononis spinosa desselben Gebietes insbesondere durch höhere,
wenig ästige, ruthenförmig aufwärtswachsende, nicht oder nur vereinzelt dornige Äste, durch größere
Blätter, durch einzelnstehende Blüten und durch an den Enden der Inflorescenzen schopfig zusammen-
gestellte sterile schmale Blättchen. (Vergl. Taf. V, Fig. 1.)
Zu der ihr sehr ähnlichen O. spinosa steht nun unsere Pflanze in einem eigenthümlichen Verhältnisse.
Sie findet sich in denselben Gegenden wie diese —in den Alpen steigt sie etwas höher hinauf als
O. spinosa — ist aber stets eine Wiesenpflanze und blüht entschieden früher als O. spinosa. Im Gschnitz-
thale konnte ich folgende Daten feststellen:
1893. O. foetens am 5. Juli in voller Blüte.
O. spinosa (bei Steinach) am 14. August aufblühend.
1894. O. foetens am 12. Juli vielfach schon mit Früchten.
O. spinosa am 17. August aufblühend.
Dieses Verhalten brachte mich auf die Vermuthung, es könnte sich hier um einen Fall von Saison-
Dimorphismus handeln, bei dem dann O. foetens die frühblühende, O. spinosa die spätblühende Parallelart
darstellt. Fortgesetzte Beobachtungen und Culturversuche bestätigten diese Ansicht.
1 Vergl. Juratzka in Verh. d. zool. bot. Ges.,Wien, 1857. Sitzungsber., S.118,—A.Kerner, Veget. Verh., Nr. 1269.— Marsch.
a Bieb. Flora Taur. Cauc., II, p. 71 (1808) (»creseit ß. i. e. forma bracteis pallidis in campis herbidis aprieis«). — Boiss., Flor.
Orient., IV, p. 481, sagt von der var. ß. elatius Reut.: »hab. in dumosis«,
2 Siebenbürgen. Bergabhänge bei Alt-Rodna (leg. Porcius).
» Torda (leg. Sagorski).
Ungarn. Sandhügel bei Puszta Sallosar Erdöhegy, Puszta Peszer zwischen Tatar Szt. Gyüörgy in Alsö Dabas (leg. A. Kerner).
Russland. Bergschluchten unter Sträuchern bei Sarepta (leg. Becker). Anatolien (Wiedem.).
3 Verh. d. zool. bot. Ges., XLI. Bd., Abh. S. 794.
u
Saison-Dimorphismus. 333
Was letztere anbelangt, so möchte ich darüber Folgendes mittheilen:
1894 sammelte ich im Gschnitzthale in Tirol Samen von ©. foetens (12. Juli), um Gossensass am
Brenner am 24. September Samen von ©. spinosa. Dieselben wurden
1895 im alten Prager botanischen Garten in gleiche Beete angebaut und lieferten zahlreiche Pflanzen.
Vereinzelte Exemplare beider Arten kamen schon 1895 zur Blüte und zwar O. foetens am 26. Juni,
©. spinosa am 17. Juli. Die Mehrzahl der Exemplare gelangt aber erst
1896 zur Blüte. Sie bildeten in diesem Jahre umfangreiche üppige Büsche. Beide Arten wiesen ihre
7. Juni, O. spinosa am
2.Juli. Von den Culturpflanzen abgenommene Samen wurden zu einer zweiten Versuchsreihe im Jahre
1897 verwendet. Auch diesmal kamen einige Exemplare (3 von O. foetens, 4 von O. spinosa) schon
1897 zur Blüte, und zwar O. foetens am 3. Juli, O. spinosa am 31. Juli. Einzelne Exemplare schickten sich
noch später zum Blühen an, doch machten diese in mehrfacher Hinsicht keinen normalen Eindruck,t
weshalb ich sie hier außer Betracht lassen will.
wesentlichsten Merkmale ganz typisch auf. O. foetens öffnete die ersten Blüten am
1898 kam die gesammte Menge von Pflanzen (18 von O. foetens, 24 von O. spinosa) reichlichst zur
Blüte. O. foefens, die morphologisch gleich geblieben war, öffnete am 15. Juni, ©. spinosa, deren Äste
auffallend weich und wenig dornig waren, am 2. Juli die ersten Blüten.
Als Hauptergebnis dieses Versuches, der im Juli 1893 mit Rücksicht auf die Verlegung des Prager
botanischen Gartens abgebrochen wurde, hebe ich hervor, dass O. foetens in zwei Generationen die
erbliche Constanz ihrer Merkmale gezeigt hatte, dass der Unterschied in der Blütezeit durch die Cultur im
Garten nicht wesentlich beeinflusst wurde.
Ich halte demnach O. foetens für eine frühblühende Parallelart von O. spinosa. Es ist ja bei dem voll-
ständig abweichenden Gesammtbau, den eine Ononis gegenüber den Vertretern von früher behandelten
Gattungen aufweist, einleuchtend, dass hier die frühblühende Art nicht dieselben morphologischen Eigen-
thümlichkeiten wie die analogen Arten bei anderen Gattungen aufweist, aber immerhin sind einige Ana-
logien doch da, zum Beispiel die stark verlängerten Stengelinternodien, die schwächere Verzweigung.
Von besonderem Interesse scheint mir in diesem Falle ein die frühblühende Art charakterisierendes
Merkmal. O. foetens ist wehrlos, ©. spinosa dornig. Es könnte dies vielleicht damit erklärt werden, dass in
Anbetracht der schwachen Astbildung überhaupt, der relativ kurzen Entwicklungsdauer der ganzen Pflanze
die Dornbildung unterbleibt. Von einem höheren Interesse erscheint aber die Sache, wenn in Betracht
gezogen wird, dass der Besitz der Dornen gerade für eine spätblühende Pflanze von Wert ist, für. eine
frühblühende Pflanze dagegen überflüssig. ©. spinosa braucht im Herbste den Schutz der Dornen; die
Pflanze blüht an Stellen, wo sie dem Thierfraße ausgesetzt ist. Mac Leod? hat gelegentlich einer
Besprechung meiner ersten Arbeit über den Saison-Dimorphismus mit vollem Rechte auf die bemerkens-
werte, von mir noch weiterhin zu würdigende Thatsache aufmerksam gemacht, dass bei den saison-
dimorphen Pflanzen die spätblühenden gegen Tbierfraß geschützt sind, und es dürfte daher gerechtfertigt
sein, in dem Vorhandensein, respective Fehlen der Dornen specielle Anpassungserscheinungen der beiden
Parallelarten zu erblicken.
Was die im vorhergehenden gebrauchten Bezeichnungen für die beiden Ononis-Arten anbelangt, so
möchte ich sie nur mit wenigen Worten begründen.
Die spätblühende Art bezeichnete ich als »O. spinosa«. Ich weiß sehr gut, dass O. spinosa ein nicht
leicht zu entwirrender polymorpher Typus ist. Wenn ich also hier den Namen gebrauche, so geschieht es
in dem Bewusstsein, dass vielleicht später einmal dieser Name in einem engeren Sinne wird gebraucht
werden müssen; ich kann hier — ohne geradezu vorher eine monographische Bearbeitung der Gattung
1 In dem sehr feucht gelegenen alten botanischen Garten in Prag kam es insbesondere in den letzten milden Herbsten bei
vielen Pflanzen vor, dass sie bis spät in den Herbst hinein abnormer Weise blühten.
2 Bot. Jarboek. 1896. S. 154.
43
334 R. v. Wettstein,
vorzunehmen — eine genauere Bezeichnung nicht gebrauchen, und will darum nur hervorheben, dass hier
mit dem Namen O. spinosa die Form der alpinen Thäler gemeint ist.
Was die frühblühende Art anbelangt, so hat sie gewiss O. foetens All. zu heißen. A. Kerner hat sie,
wie schon erwähnt, ursprünglich für O. foetens erklärt; später hielt Beck (a. a. OÖ.) diese Bezeichnung für
unrichtig und belegte die Pflanze mit dem Namen O. austriaca. Haussknecht hat dann nachgewiesen, !
dass dennoch die Bezeichnung der Pflanze als O foetens ganz gerechtfertigt war, da er die Pflanze am
Allionischen Original-Standorte sah, da ferner die schlechte Abbildung in Allioni, Flora Pedemontana
gegenüber den Gründen, welche für die Identificierung sprechen, nicht ins Gewicht fällt. Ich pflichte dieser
Anschauung Haussknecht’s vollkommen bei, und möchte nur noch hinzufügen, dass die Abbildung
Allioni’s (l. c., p. 317, tab. XXXI) trotz ihrer geringen Güte dennoch die Merkmale, welche Beck an ihr
vermisst, zum guten Theile aufweist. Dies gilt insbesondere von den Nebenblättern. OÖ. foetens besitzt,
besonders im oberen Theile der Äste, große, laubige Nebenblätter; nun sind in der Abbildung allerdings
kleine Stipulae eingezeichnet, dass aber die Pflanze, nach der die Abbildung angefertigt wurde, thatsächlich
die großen Nebenblätter der O. foetens besaß, geht daraus heavor, dass der Zeichner bei vielen Blättern
5 Blättchen statt 3 zeichnete. Er hat offenbar die Verhältnisse nicht richtig erkannt und die großen,
laubigen Stipulae für Fiederblättchen angesehen.
Das Vorkommen von Saison-Dimorphismus bei einer Art der Gattung Ononis ist vielleicht geeignet,
auch bei anderen Arten der bekanntlich systematisch recht schwierigen Gattung zur Erklärung mancher
Erscheinung beizutragen.
8. Galium.
Durch Prof. Dr. K. Fritsch in Wien wurde ich 1895 auf einen Fall von Saison-Dimorphismus auf-
merksam gemacht, den ich seither verfolgte und der auf das Vorkommen der Erscheinung bei einer
weiteren Gattung hinweist. Seit lange bekannt sind zwei den Typus des Galium verum aufweisende
Galium-Arten der mitteleuropäischen Flora, die eine wird zumeist als G. verum L., die zweite richtig als
G. praecox (Lang?) (= G. Wirtgeni F. Schultze?) bezeichnet. Die beiden Pflanzen besitzen zweifellos
sehr nahe Verwandtschaft, was schon darin zum Ausdrucke kommt, dass @. praecox von fast allen Autoren,
die es erwähnen, als Varietät zu G. verum gezogen wird.
Die Unterschiede zwischen beiden Formen sind folgende (vergl. auch Taf. V, Fig. 2 [G. praecox] und 3
[G. verum])):
Galium praecox, Galium verum.
Stengel steif aufrecht, aus nicht sehr zahl- Stengel niederliegend oder aufsteigend, aus
reichen, stark verlängerten Internodien aufgebaut.
Äste vereinzelt und kurz.
Blätter 1—2 mm breit, meist wesentlich kürzer
als die Internodien.
Blütenrispe locker, verlängert, verästelt; Äste
kürzer als die Stengelinternodien.
Blüten fast geruchlos.
zahreichen, relativ kurzen Internodien bestehend.
Äste meist zahlreich.
Blätter selten 1 mm an Breite übersteigend, oft
so lang oder länger als die Internodien.
Blütenrispe dicht, gedrungen, verästelt; Äste
länger als die Stengelinternodien.
Blüten duftend.
An Interesse gewinnen diese morphologischen Unterschiede, wenn man das biologischen Verhalten
der beiden Pflanzen in Betracht zieht. G. praecox ist stets Wiesenpflanze und blüht zeitlich im Jahre, im
1 Mitth. des thür. bot. Ver. N. F. VII. S. 12. 1895.
2 In Hagenb. Flora Basil. Suppl. p. 26 (1843).
3 Arch. II., p. 201 und 279 (1855).
4 Vergl. Beck, Flora von Niederösterr., S. 1123. — Haläcsy u. Braun, Nachtr. zur Flora von Niederösterr. S. 96. —
Gremli, Excurs. Flora f. d. Schw. 8. Aufl., S. 211. — Garcke, Illustr. Flora. 17. Aufl. S. 283 ete.
Saison-Dimorphismus. 335
Mai und Juni; G. verum findet sich auf Wiesen, aber ebenso häufig an Rainen, an buschig-steinigen
Stellen etc. und blüht stets später, von Ende Juni bis September. Die Pflanzen verhalten sich also biologisch
und morphologisch zueinander wie die saisondimorphen Euphrasien und Gentianen, und ich möchte nicht
daran zweifeln, dass hier ein Fall von Saison-Dimorphismus vorliegt, umsomehr, als mir ein im botanischen
Garten der Universität Prag ausgeführter Culturversuch bewies, dass wir es hier keineswegs mit zufälligen
Variationen zu thun haben.
Ich sammelte 1896 auf den Wiesen um VSetat in Böhmen Ende Juni Früchte von G. praecox und im
September desselben Jahres in der Scharka bei Prag Früchte von G. verum. Die Samen wurden am
10. October in Töpfen angebaut. Im Jahre 1897 kamen beide Pflanzen zur Entwicklung und trieben zahl-
reiche, nicht blühende Sprosse. Einzelne Exemplare kamen noch im Laufe des Jahres zur Blüte, die
Blütenbildung erfolgte aber ganz unregelmäßig; ich hatte die Empfindung, dass sie abnorm, wohl durch
die Verhältnisse im Garten bedingt sei. Ende September 1897 wurden beide Pflanzen im Freilande aus-
gesetzt. 1898 entwickelten sie sich zu üppigen, reich blühenden Exemplaren. G. praecox kam am 24. Mai
zur Blüte, zeigte vollkommen typisches Aussehen und war Mitte Juni im Abblühen. Das unmittelbar
daneben steh@nde G. verum öffnete am 18. Juni die ersten Blüten und blühte bis in den September hinein.
G. praecox entwickelte später auch noch einzelne schwache Inflorescenzen, die aber wohl ein abnormer
Weise eintretendes zweites Blühen darstellten.
Ich vermuthe, dass die Erscheinung des Saison-Dimorphismus in der Gattung Galium verbreiteter
ist; mehrfache Beobachtungen, die ich in den letzten Jahren an Formen aus der Verwandtschaft des
G. Mollugo und G. Austriacum machte, bringen mich zu dieser Vermuthung. Die große Complication! der
Systematik der Gattung hängt vielleicht zum Theile damit zusammen.
9. Campanula.
Seit ungefähr 12 Jahren verfolge ich in Centraltirol eine auffallende Erscheinung an » Campanula
glomerata«. Die Pflanze blüht auf den Wiesen der subalpinen Thäler im Juni und Juli und weist üm diese
Zeit dieselbe Gestalt auf, wie sonst an analogen Standorten im Bereiche der Alpen. Sie ist eine Pflanze von
20—40 cm Höhe mit schlanken Stengeln und relativ langen Stengelinternodien (vergl. Taf. VI, Fig. 1). Die
Pflanze fruchtet im Verlaufe des Juli und August. Im Spätsommer und Herbste tritt nun eine zweite
»C. glomerata« von ganz anderem Aussehen auf. Auf den um diese Zeit kurzgrasigen Wiesen finden sich
von August bis in den Spätherbst? niedrige, oft außerordentlich blütenreiche Exemplare, deren Stengel
vielfach nur eine Höhe von 3—4 cm erlangen (vergl. Taf. VI, Fig. 2). Die Folge dieser geringen Stengel-
höhe in Verbindung mit der verhältnismäßig reichen Blütenentfaltung ist, dass diese Campanula in Form
von niedrigen, das umgebende Gras kaum überragenden Blütenbüscheln auftritt. Diese Campanula findet
sich an manchen Stellen überaus häufig und sie gehört geradezu zu den bezeichnendsten Pflanzen der
August und Septemberflora einiger Tiroler Centralalpenthäler, wie des Gschnitz-, Wipp-, Navis-, Pfitschthales.
Ich hielt anfangs die Erscheinung für eine directe Folge des Wiesenschnittes insoferne, als ich glaubte, es
handle sich um Exemplare der C. glomerata, welche im Sommer ihrer Hauptaxe beraubt wurden und die
nun im Herbste zum zweitenmale zur Blüte kamen auf Ästen, welche aus den Achseln der untersten
Blätter entsprangen. Ich hielt die Erscheinung für analog mit einer, die sich in denselben Thälern ganz
allgemein an C. patula wahrnehmen lässt, deren durch den Wiesenschnitt verletzte Stengel am Grunde
neue Äste treiben und auf diese Weise auf den Brachfeldern und Wiesen im Herbste zu einem zweiten
Flor gelangen.
Erst durch meine Beobachtungen über den Saison-Dimorphismus bei Gentiana und Euphrasia wurde
meine Aufmerksamkeit in höherem Maße auf jene Campanula gelenkt, welche zu gleicher Zeit und oft an
1 Vergl. zum Beispiele H. Braun in österr. böt. Zeitschr. 1892, S. 131 ff., in Schedae ad flor. exs. Austro-Hung. Heft 6 etc.
2 Einzelne Blüten beobachtete ich 1893 in Trins noch am 6. October.
336 R. v. Wettstein,
E3
denselben Stellen wie spätblühende Arten, so Gentiana Rhaetica und Euphrasia Rostkoviana zur Blüte
gelangt. Speciell die Analogie mit G. Rhaetica drückt sich in einer so großen habituellen Ähnlichkeit aus,
dass die Pflanzen geradezu mit einander verwechselt werden können.!
Eine genauere Untersuchung zeigte nun, dass die im Herbste blühende » Campanula glomerata«
keineswegs aus verletzten Exemplaren besteht. Normalerweise? sind auch bei dieser Pflanze die Haupt-
stengel vollkommen unversehrt, sie sind nur verkürzt und gestaut, die Blüten stehen auch keineswegs auf
axillären Seitenästen, sondern genau so wie bei der Sommerform in den Achseln der obersten Blätter des
Hauptsprosses. Sprach schon dies dafür, dass wir es in der herbstblütigen »C. glomerata« mit mehr als mit
einer bloßen Abnormität zu thun haben, so gieng dies mit voller Evidenz aus dem Culturversuche hervor.
Im September 1894 sammelte ich auf einer Wiese bei Trins im Gschnitzthale Samen der herbst-
blütigen C. glomerata, welche im Frühjahre 1895 im Prager botanischen Garten in Töpfen angebaut
wurden.
Von den zahlreich aufgehenden jungen Pflanzen blieb aber aus mir unbekannten Gründen nur ein
kleiner Theil erhalten und im Herbste des Jahres 1895 besaß ich 4 kräftige Pflanzen, welche in Töpfen im
Freien überwintert wurden.
Im Jahre 1896 kamen alle 4 Pflanzen Ende Juni und Anfang Juli zur Blüte. Sie stimmten mit den
wildwachsenden Pflanzen im wesentlichen vollständig überein, waren nur üppiger entwickelt, das heißt sie
besaßen größere Blätter, etwas längeren Stengel; eine bei Gartenexemplaren ganz natürliche Erscheinung.
Mitte August wurden die Samen einer Pflanze abgesammelt (die drei anderen wurden blühend aus-
genommen und präpariert) und noch im selben Herbste auf einem Beete im Freien ausgesäet. Im Jahre 1897
zählte ich auf diesem Beete 65 Pflanzen, die 1897 nicht zur Blüte kamen. Im Jahre 1898 gelangten davon
28 zur Blüte. Auch in dieser 2. Generation waren die charakteristischen Merkmale der Pflanze vollkommen
erhalten geblieben; die Stengelhöhe betrug 8S—20 cm, während in unmittelbarer Nähe unter ganz gleichen
Verhältnissen cultivierte C. glomerata eine Stengelhöhe von 42—64 cm aufwies. Dieses Ergebnis erscheint
mir umso wichtiger, als in dem alten botanischen Garten in Prag, in welchem die Versuche durchgeführt
wurden, ‚infolge seiner tiefen, feuchten und schattigen Lage alle Pflanzen die Tendenz der starken Axen-
verlängerung zeigten, was zur Folge hatte, dass beispielsweise Verbascum Thapsus, Dipsacus laciniatus,
Echinops-Arten u. dgl. Stengel bis zu 3 m Höhe trieben.
Ein Exemplar der im Jahre 1898 zur Blüte gelangten Versuchspflanzen ist auf Taf. VI, in Fig. 3
abgebildet.
Von den 37 Versuchspflanzen, die 1898 nicht zur Blüte kamen, nahm ich 20 im Frühjahre 1899 nach
Wien mit, wo sie durchwegs Ende Juni zur Blüte kamen und gleichfalls die charakteristischen Merkmale
ausnahmslos zeigten.
Die im vorstehenden mitgetheilten Beobachtungen und Experimente berechtigen nunmehr, die spät-
blühende Campanula glomerata von der frühblühenden zu trennen; ich möchte sie vorläufig als C. serotina
bezeichnen und als eine spätblühende Parallelart von C. glomerata der Alpen auffassen. Ich muss hier
den Namen C. glomerata in diesem eingeschränkten Sinne gebrauchen, da mir bei Durchsicht eines reichen
Materiales von C. glomerata vollkommen klar wurde, dass es sich da um eine sehr polymorphe,
insbesondere geographisch gegliederte Art handelt, deren Klarstellung aber nicht so einfach ist und der
Zukunft vorbehalten werden muss.?
1 Herr Dr. Focke in Bremen machte nach einer brieflichen Mittheilung (December 1898) unabhängig von mir im Gschnitzthale
dieselben Beobachtungen wie ich an C. glomerata; anch er hielt aus größerer Entfernung die Campanula für Gentiana Rhaetica und
umgekehrt. Dr. Focke wollte seine Beobachtungen publicieren, sah aber davon mit Rücksicht auf meine bevorstehande Veröffent-
lichung ab, was ich hier hervorheben möchte.
2 Dass ab und zu ein abgeschnittener oder abgebissener Stengel vorkommt, der dann axillare Sproße entwickelt, ist bei einer
Wiesenpflanze selbstverständlich.
3 Über den Polymorphismus vergl. beispielsweise: Beck, Flora von Niederösterr., S. 1100. — Reichenb. Iconogr. VI,
S. 751 ff.
Saison-Dimorphismus.
337
Was die Unterscheidung der. ©. serotina von C. glomerata (letztere in dem eben präcisierten
engeren Sinne genommen) anbelangt, so mag dieselbe durch die nachstehende Tabelle erleichtert
werden.
C. glomerata.
Hauptspross zur Blütezeit 20—50 cm hoch.
Endständige Inflorescenz über die Stengel-
blätter hervorragend, so dass die Spitzen der obersten
Stengelblätter die Basis der Inflorescenz nicht
erreichen.
Stengelinternodien verlängert, oft länger als die
Stengelblätter.
Stengelblätter stumpflich.
Blütezeit: Mai bis August.
C. serotina Wettst.
Hauptspross zur Blütezeit 3—15 cm hoch.!
Endständige Inflorescenz am Grunde von den
Stengelblättern erreicht oder überragt.
Stengelinternodien sehr verkürzt, stets kürzer
als die stengelständigen Blätter.
Stengelblätter scharf zugespitzt.
Blütezeit: August bis October.
Vgl. Taf. VL, Eig 1. Vgl. Taf. VI, Fig. 2 und 3.
.
Andere Merkmale, welche häufig zutreffen, wie die dickliche, geradezu lederige Consistenz der
Blätter von C. serotina, deren Form u. dgl., möchte ich nicht hervorheben in Anbetracht der großen
Variabilität der ©. glomerata.
Ich muss mich darauf beschränken, das Vorkommen eines zweifellosen Saison-Dimorphismus bei
Campannla glomerata in den Alpen zu constatieren; ich kann eine Consequenz für die Systematik in
diesem Falle noch nicht ziehen, da, wie schon erwähnt, der ganze Formenkreis noch viel zu wenig geklärt
ist. Ebenso kann ich die Verbreitung der C. serotina noch nicht genau angeben. ?
In Bezug auf die Erklärung des Saison-Dimorphismus erscheint es mir wichtig, zu constatieren, dass
C. glomerata nach meinen Beobachtungen nur in der subalpinen Wiesenregion saisondimorph ist, dass sie
in der alpinen Region vollständig fehlt.
Nicht unerwähnt darf ich lassen, dass ich auch bei anderen Campanula-Arten einen Saison-
Dimorphismus vermuthe. So möchte ich darauf hinweisen, dass in der Gruppe der mit C. rotundifolia
verwandten Arten relativ frühblühende, Wiesen bewohnende Arten (C. solstitialis Kern., C. stiriaca
Sch. N.K.) und ihnen sehr nahe stehende spätblühende Arten existiren. Vielleicht wird eine grössere
Beachtung des Saison-Dimorphismus auch bei dieser Pflanzengruppe zur Klarstellung des heute noch
herrschenden systematischen Chaos beitragen können.
Il. Das Zustandekommen des Saison-Dimorphismus und dessen Bedeutung für
die Entstehung neuer Arten.
In der mehrfach citierten kurzen Abhandlung über den Saison-Dimorphismus im Pflanzenreiche
habe ich denselben in der Weise zu erklären versucht, dass die regelmäßig wiederkehrende Zerstörung
der mitteleuropäischen Wiesenpflanzen, respective ihrer Fortpflanzungsorgane durch die Heumahd,
durch Auslese aus den ursprünglich monomorphen, im Sommer blühenden Pflanzen je zwei Parallelarten
machte, von denen die eine vor jener Mahd zur Fruchtbildung gelangt, während die andere erstnach
1 An abnormen, schattigen Standorten oder bei Exemplaren, die zwischen Gebüsch hervorwachsen, kann naturgemäß der
Spross länger werden.
2 Die von Reichenbach in Thüringen auf sonnigen Hügeln gesammelten und in Iconogr. VI, Tab. D LII, dargestellten
Exemplare erinnern infolge der kurzen Axen etwas an C.serolina, doch möchte ich sie nicht dafür, sondern für Zwergformen
der C. glomerata halten. In Thälern des westlichen Tirol (Oberinnthal), sowie im Engadin konnte ich 1899 C. serotina nicht finden
ebensowenig 1900 im tiroler Vintschgau.
338 R. v. Wettstein,
derselben zu blühen beginnt. Ich sah also in dem Zustandekommen der saison-dimorphen Arten einen
jener Fälle, den der sogenannte Darwinismus zu erklären vermag.
Wenn ich nun auf diesen Erklärungsversuch zurückkomme, so geschieht es nicht, weil etwa dem-
selben von irgend einer Seite widersprochen worden wäre oder weil ich ihn wesentlich zu modificiren
hätte, sondern deshalb, weil mir derselbe auf Grund des nunmehr vorliegenden viel umfangreicheren
Materiales einer Überprüfung wert erscheint, und weil ich der Ansicht bin, dass jeder einzelne der
Forschung erschlossene und zugängliche Fall der Artbildung nicht eingehend genug untersucht werden
kann. Und so glaube ich denn auch, dass in dem vorliegendenFalle die folgenden Erörterungen einige neue
Gesichtspunkte abgeben werden. 1
Versuche ich es zunächst, das zur Erklärung zu verwertende, im Vorhergehenden dargelegte
Materiale übersichtlich zu gruppieren, so ergeben sich folgende Fälle:
a Odontiles.
Lz a Nu 5 & 2 ” =
Gattungen Alectoro- Sct. Euphra Gr BRpE Or Melam Gakım |‘ Onoris Cam
lophus Endo- sia der 0, | /hantha | pyrum panula
TH Odontites
Monomorpheti Hochgebirgs- oder 2 7 zahlreich | 2) 2) 2) 2) 2) 2)
arktische Arten
In der Hochgebirgs- oder arktischen
Region monomorph und in den
Niederungen,, resp. in südlicheren | „,-
I ’ 7 4 r ?
Gebieten saisondimorph. Be ö
Die monomorphe Form intermediär
zwischen den saisondimorphen
Saisondimorphe Hochgebirgs- oder 0 0 N)
arktische Arten
In der Hochgebirgs- und arktischen
Region fehlend, in niedrigeren, re- |, _, 4 5 =
spective südlicheren Gebieten saison- 2er a S
dimorph
Saisondimorphe Arten mit einer
monomorphen oder nahe verwandten 0 3 Me
Art in einem benachbarten, nicht
arktischen und nicht alpinen Gebiete
Gesammtzahl der saisondimorphen rs
Artpaare 8 8 5 1 1 5)2 ev. 3 il 1 1
Von den saisondimorphen Arten
bewohnt die frühblühende nur Wiesen 8 8 5 I 1 5)2 ev. 3 1 1 1
oder Felder
Von den saisondimorphen Arten
bewohnt die spätblühende Wiesen 3 . ® 2 E l 1 1 ;
Von den saisondimorphen Arten
bewohnt die spätblühende aus- v 2
schließlich oder auch andere Stand- 6 6 0 1 1 >)2 ev.3 1 1 0
orte
1 Unter monomorph verstehe ich hier der Kürze halber »nicht saisondimorph«.
2 Die Gattungen Odontites, Orthantha, Melampyrum, Galium, Ononis, Campanula können nur im zweiten Theile der Tabelle
in Betracht kommen, da es in dem ersten sich nur um die Gesammtzahl der Arten handelt, während von den genannten Gattungen nur
die in dieser Abhandlung besprochenen Arten hier berücksichtigt werden.
3 Die Eventualität ergibt sich dadurch, dass für A. major, anguslifolius und alpinus der Trimorphismus noch nicht sicher steht.
(Vgl. S. 7 des Sep. Abdr.)
* Die Eventualität ergibt sich dadurch, dass für G. Wettsteinii und G. praecox der Trimorphismus noch nicht sicher steht.
5 Die letztere Zahl bezieht sich auf M. arvense.
2 „Zul „© 22] „US 225 DC Eee
a al > Am 2
Saison-Dimorphismus. 339
Aus dieser Zusammenstellung lassen sich zunächst folgende Sätze ableiten:
1. Saisondimorphe Hochgebirgs-, respective arktische Pflanzen gibt es nicht.
2. Der Saison-Dimorphismus findet sich stets in Niederungen oder in der Berg-
region, und zwar derart, dass wenigstens die frühblühende Art auf Wiesen oder in
Feldern vorkommt.
3. Es kommt nicht vor, dass an demselben Standorte saisondimorphe und eine
ihnen sehr nahestehende monomorphe Art existieren.
4. Dagegen ist es häufig zu beobachten, dass in einem Gebiete saisondimorphe
Arten vorkommen und in einem benachbarten Gebiete eine beiden Arten nahestehende
monomorphe Art existiert.
5. Die spätblühenden Arten sind häufig nicht an das Vorkommen in Wiesen oder
Feldern gebunden.
Daraus ergibt sich, dass der Saison-Dimorphismus der Pflanzen, soweit er bisher
bekannt ist, eine für die Flora der Wiesen und Felder gemäßigter Klimate (zunächst in
Europa) cha#akteristische Erscheinung ist, welche eine so nothwendige Consequenz
Sewisser Standortsverhältnisse ist, dass an dem gleichen Standorte intermediäre
Formen gar nicht vorkommen können.
Damit sind wir der Präeisierung und Erklärung des Phänomens um einen wesentlichen Schritt näher
gekommen.
Versuche ich es nun, alle Erklärungsversuche aufzuführen, welche momentan überhaupt möglich
wären, welche ich auch durchwegs zeitweise in Erwägung zog, so ergibt sich Folgendes:
1. Zunächst lag der Gedanke nahe, dass die saisondimorphen Formen nur individuelle Standorts-
varietäten sind, direct hervorgerufen durch den Standort, etwa in dem Sinne, dass feuchte, üppige Wiesen,
gedüngte Felder die Entwicklung einzelner Individuen begünstigen und dadurch die frühblühenden
Formen erzeugen. Dass diese Erklärung absolut unzulässig ist, bewiesen die zahlreichen Culturversuche
welche ich im Laufe der Jahre durchführte, deren Ergebnisse auch durch einzelne Culturversuche anderer
(Heinricher) bestätigt wurden. Sie zeigten, dass die morphologischen und biologischen Eigenthümlich-
keiten der saisondimorphen Arten erblich constant sind.
2. Ein zweiter Erklärungsversuch lag mir am Beginne meiner Studien nahe, als ich den Saison-
Dimorphismus so verbreitet in der Gruppe der halbschmarotzenden Rhinanthaceen fand. Ich glaubte an
einen Zusammenhang zwischen der Lebensweise der Pflanzen und dem Saison-Dimorphismus, etwa in
dem Sinne, dass ein weitergehender Parasitismus die Entwicklung einzelner Formen beschleunigt. Auch
von diesem Versuche kam ich bald ab, als ich sah, dass der Saison-Dimorphismus auch bei Gattungen
vorkommt, bei denen von einem Parasitismus keine Rede ist. Das häufige Vorkommen des Saison-
Dimorphismus bei Rhinanthaceen dürfte eher damit zusammenhängen, dass der Saison-Dimorphismus von
besonderer Bedeutung für ein- oder zweijährige Pflanzen ist und unter den annuellen Wiesenpflanzen
verhältnismäßig viele den Rhinanthaceen angehören.
3. Eine dritte Erklärungsweise, drängte sich auf, als es sich zeigte, dass bei Gentiana annuelle und
bienne Arten vorkommen, was Murbeck in seiner mehrfach erwännten Arbeit über die endotrichen
Gentianen so glücklich zur systematischen Scheidung geographischer Rassen verwendete. Es wäre ja
denkbar gewesen, dass die bei Gentiana Amarella und Gentiana campestris nachgewiesene Gliederung
in annuelle und bienne Pflanzen verbreiteter ist, -und dass die biennen Formen früher im Jahre als
die zugehörigen annuellen Formen blühen, analog, wie ich dies für einige andere Pflanzen (Capsella bursa
pastoris, Lamium purpureum) nachweisen konnte. Der von Murbeck erbrachte Beweis, dass alle
saisondimorphen Gentianen bienn sind, die Verhältnisse bei allen anderen Gattungen machten alsbald diese
Erklärungsweise unmöglich.
4. Zu einer anscheinend recht einfachen Erklärung könnte das Verhalten einzelner der besprochenen
Pflanzen verleiten. Wir haben bei zwei Melampyrum-Arten, bei M. silvaticum und M. pratense, gesehen,
Denkschriften der mathem.-naturw. Classe. LXX. Bd. 44
340 R. v. Wetlstein,
dass sie in relativ niedrigeren Gegenden als reichverzweigte Waldpflanzen, in der höheren Bergregion als
Wiesenpflanzen mit dem Habitus und dem morphologischen Aufbaue der frühblühenden Arten auftreten.
Nun kommt es bei solchen Pflanzen höherer Regionen bekanntlich sehr häufig vor, dass sie an tiefere
Stellen gerathen, dort mit Rücksicht auf ihren an eine kurze Vegetationszeit angepassten, festgehaltenen
Gesammtbau relativ früh zur Blüte und Fruchtreife gelangen. Dadurch kann es — wie ich dies im
„Speciellen Theile« ausführlich darlegte — gelegentlich dazu kommen, dass an solchen relativ tiefen
Standorten bei Anwesenheit der zweiten Art es zu einem Phänomen kommt, das auf das Genaueste dem
Saison-Dimorphismus gleicht, jenes Phänomen, das ich auf Seite 26 des Sep. Abdr. als Pseudo-Saison-
Dimorphismus bezeichnete.
Die Versuchung, die ganze Erscheinung des Saison-Dimorphismus auf diese Weise zu deuten
würde vielleicht um so näher liegen, als — wie die Tabelle auf S. 34 sagt — es relativ sehr häufig vor-
kommt, dass saisondimorphe Arten in der Hochgebirgsregion durch ihnen nahestehende, den frühblühen-
den Formen oft sehr ähnliche Arten vertreten werden.
Und dennoch kann auch diese Erklärungsweise unmöglich ausreichen, was schon daraus hervor-
geht, dass bei zahlreichen, ganz typisch saisondimorph gegliederten Formen entsprechend alpine Typen
gar nicht existieren, und auch nichts zur Annahme verleiten könnte, dass solche existiert haben (zum
Beispiel Odontites, Orthantha, Ononis, Galium etc,), dass die frühblühenden Arten vielfach in Gebieten
vorkommen, wo von einem Hinabsteigen von hohen Standorten keine Rede sein kann. Ferner spricht
gegen diese Erklärungsweise der Umstand, dass es ja mitunter bei den trimorphen Arten vorkommt, dass
die nicht saisondimorph gegliederte alpine Form an Standorte herabsteigt, wo die beiden zugehörigen
saisondimorphen Arten vorkommen, dass sie aber dann von beiden deutlich verschieden bleibt und
keineswegs zur frühblühenden Form wird; man vergleiche das Verhalten der G. aspera zu G. Norica
und G. Sturmiana im Gebiete des Gmundenersees und bei Hintertoder (S. 12 des Sep. Abdr.). Endlich
wäre es in hohem Maße unnatürlich anzunehmen, dass zwei Pflanzen dauernd an demselben Standorte
sich erhalten können, welche in Anpassung an räumlich benachbarte, verschiedene klimatische Verhält-
nisse kurz vorher entstanden sind.
Es erscheint mir also als ausgeschlossen, die Erscheinung des Saison-Dimorphismus in der-
selben Weise zu erklären, wie den Pseudo-Saison-Dimorphismus. Dagegen möchte ich schon hier betonen,
dass letzterer beim Zustandekommen des ersteren manchmal mitgewirkt haben kann, worauf
ich noch zurückkommen werde.
5. Schließlich könnte noch der Versuch gemacht werden, den Saison-Dimorphismus durch eine
directe Anpassung zu erklären.
Ich habe schon wiederholt betont, dass ich zu denjenigen zähle, die der sogenannten directen
Anpassung einen sehr großen, ja den allergrößten Spielraum bei der Entstehung neuer Formen ein-
räumen, aber trotzdem kann ich in diesem Falle an eine alleinige Wirkung derselben nicht glauben. Ich
will ganz davon absehen, dass ich mir den Mechanismus des Vorganges, dass eine Art im gleichen Areale
in zwei bezüglich ihrer Entwicklung verschiedene Arten sich spaltet, gar nicht vorstellen könnte, sondern
möchte nur ein paar objective Momente anführen, welche mir gegen.eine solche Annahme zu sprechen
scheinen. Directe Anpassung pflegt sich auf die Vertreter eines Typus im ganzen Bereiche des Gebietes,
in welchem die die Anpassung bedingenden Factoren wirksam sind, zu äußern. Sie bewirkt die Um-
prägung der Arten überall dort, wo die Anpassung nöthig ist. In unserem Falle ist dies nicht der Fall. Der
Saison-Dimorphismus wäre in vielen Gebieten wertvoll, wo er sich nicht findet, sondern nur eine der
saisondimorphen Formen vorhanden ist; so ist beispielsweise die frühblühende Zuphrasia montana auf
relativ wenige Vorkommnisse im großen Areale der E. Rostkoviana beschränkt, wäre sie etwa durch
directe Anpassung aus E. Rostkoviana entstanden, so müsste sie unbedingt ein größeres Areale
bewohnen. Ferner scheint mir gegen directe Anpassung als alleinige Ursache der Formenbildung folgende
Überlegung zu sprechen. Directe Anpassung ist die Folge der Einwirkung bestimmter klimatischer oder
terrestrischer Factoren auf die Pflanze, welche zur Folge hat, dass an einem bestimmten Orte die Pflanze
Saison-Dimorphismus. 341
= eine bestimmte Beschaffenheit annimmt. Es wäre nicht verständlich, wieso directe Anpassung an dem-
"selben Orte zwei verschiedene Formen erzeugen sollte. Selbst der Umstand, dass der Wechsel der
Jahreszeiten an demselben Orte verschiedene klimatische Verhältnisse erzeugt, kann da nicht in Betracht
kommen, da sonst dieser Wechsel bei viel zahlreicheren Pflanzen und vor allem nicht bloß bei Wiesen-
J pflanzen Saison-Dimorphismuss erzeugen müsste. Ich kann daher in diesem vorliegenden Falle in der
directen Anpassung nicht die alleinige Ursache der Artenbildung erblicken; ich betone das Wort
»alleinige«, da, wie ich noch weiter anführen werde, dieselbe immerhin bei derselben mitgespielt haben
dürfte.
Die Versuche, irgend eine andere als die von mir 1895 gegebene Erklärung für den
Saison-Dimorphismus zu finden, führen mithin zu keinem befriedigenden Resultate.
- Würde schon dieser Umstand mich bestimmen, meine Erklärung aufrecht zu erhalten, so tritt noch hinzu,
- dass ich glaube, aus dem mir nun vorliegenden Materiale neue Beweise für die Richtigkeit meiner Annahme
_ erbringen zu können.
; Im Jahre 1895 leitete mich folgende Überlegung:
} Beacht@t man den morphologischen Aufbau und die Entwicklung der beiden saisondimorphen
Formen, so zeigt sich deutlich, dass die frühblühenden die Tendenz haben, vor einem gewissen Zeit-
punkte zur Blüte und Fruchtreife zu gelangen. Die Ausbildung aller nicht unbedingt nöthigen Organe
entfällt, mit einem Minimum von Blättern und Ästen eilt die Pflanze zur Blüte. Die spätblühenden
Formen haben die entgegengesetzte Tendenz. Sie verbleiben möglichst lange unter einem gewissen
Niveau, treiben zahlreiche kurze Stengelinternodien, zahlreiche Stengelblätter, legen in den Achseln
derselben Äste an, und beginnen erst spät die Äste zur Entwicklung zu bringen, zu blühen und zu
fruchten.
Die frühblühenden Formen trachten also vor einem bestimmten Zeitpunkte ihre
Entwicklung abzuschließen, welcher für die spätblühenden in einer gewissen Höhe
eine Gefahr bedeutet. Der Zeitpunkt ist ungefähr Mitte Juni bis Mitte Juli, die Höhe entspricht der
Höhe, in der um diese Zeit auf unseren Wiesen und Feldern durch die Mahd die Pflanzen verletzt werden.
Diese Überlegung, in Verbindung mit einem ad hoc angestellten (a. a..O. S. 309) Experimente, legte mir
den Gedanken nahe, dass die beiden saisondimorphen Arten auf eine Art zurückführen sind, welche im
Sommer blüht. Der um diese Zeit überall in Mitteleuropa seit vielen Jahrhunderten regelmäßig aus-
geführte Schnitt der Wiesen und Felder machte diese Pflanzen unzweckmäßig, da nur wenige zur Blüte
und Fruchtreife gelangen konnten; zweckmäßig waren jene gebaut, welche infolge individueller Variation
rascher oder langsamer sich entwickelten, mithin früher oder später blühten. Der regelmäßige Schnitt
der Wiesen und Felder hat daher im Laufe der Zeit auslesend gewirkt, er hat, anknüpfend
an individuelle Variationen, im Wege der Zuchtwahl die beiden saisondimorphen Arten
geschaffen.
Wenn ich nun heute auf diese Erklärung zurückkomme und den ganzen Vorgang auf Grund des
neu hinzugekommenen Materiales neuerlich prüfe, so möchte ich zweierlei unterscheiden, nämlich den-
jenigen Factor, welcher zunächst an dem Zustandekommen der beiden Formen betheiligt ist, das wäre
hier die Zuchtwahl und dann jenen Factor, welcher der Zuchtwahl erst Gelegenheit gab, auslesend zu
wirken, das wäre nach meiner Auffassung von 1895 die individuelle Variation.
Für die Wirksamkeit der Zuchtwahl möchte ich folgende Beweise erbringen:
1. Vor allem ist es wichtig zu betonen, dass, wie sich aus der auf S. 34 mitgetheilten Tabelle ergibt,
bei sämmtlichen saisondimorphen Arten wenigstens eine der beiden Parallelarten auf Wiesen oder
Feldern vorkommt, also an Orten, wo die als auslesend angenommene Mahd wirksam ist. Besonders
instruetiv sind in dieser Hinsicht diejenigen Gattungen, welche Wiesen, respective Felder bewohnende
Arten enthalten und solche, die an anderen Standorten vorkommen. So findet sich bei Enphrasia und
Melampyrum Saison-Dimorphismus nur bei Arten des ersteren Vorkommens, während er bei den zahl-
reichen anderen Arten fehlt.
44*
“
342 R. v. Wettstein,
2. Die Erscheinung des Saison-Dimorphismus ist am ausgeprägtesten in den subalpinen und Berg-
gegenden Mitteleuropas, in den Niederungen Nordeuropas, also gerade in jenen Gegenden, in welchen
eine geregelte Wiesenwirtschaft am meisten sich entwickelte und in der Ökonomie der Bevölkerung die
größte Rolle spielt. Für einen Bewohner eines Gebietes mit ausgedehnten Heiden und Wäldern mag es
etwas gekünstelt erscheinen, dem Wirtschaftsbetriebe durch den Menschen bei der Ausbildung von
Pflanzenformen eine so große Rolle zuzuschreiben; wer aber weiß, wie weit die Grasnutzung in den
erwähnten Gebieten geht, wie beispielsweise in den Alpenthälern im Juli alljährlich die Wiesen so gründ-
lich abgemäht sind, dass es schwer fällt, ein paar blühende Wiesenpflanzen zu erhalten, wer bedenkt,
dass diese Behandlung der Wiesen mit voller Gleichmäßigkeit seit vielen Jahrhunderten ausgeübt wird
und in früheren Zeiten, wo ungünstige Verkehrsverhältnisse den Menschen noch mehr als heute zwangen,
mit den Erzeugnissen seines Grund und Bodens auszukommen, eine noch größere Bedeutung besaß, den
kann es nicht Wunder nehmen, wenn dieses seit so langer Zeit im großen Stile ausgeführte descendenz-
theoretische Experiment zu positiven Ergebnissen führte. Ich möchte sogar behaupten, dass der Einfluss
der Behandlung unserer Wiesen durch die Menschen in Bezug auf die Morphologie und Biologie der
Wiesenpflanzen ein viel größerer war, als wir heute noch annehmen, und ich behalte mir eine eingehende
Schilderung dieses Einflusses auf eine andere Gelegenheit vor.?
3. Die Bedeutung des Wiesenschnittes in Hinblick auf eine züchtende Wirkung erscheint erst im
rechten Lichte, wenn wir in Betracht ziehen, dass unsere Wiesen in den sub 2 genannten Gebieten über-
haupt keine ursprüngliche Formation sind, sondern ihre Existenz ausschließlich dem Einflusse des
Menschen verdanken.? Die Wiesen erhalten sich nur, wenn deren Übergang in andere Formationen durch
den Menschen constant verhindert wird, und geradeso wie der Wiesenschnitt das Aufkommen von
größeren, dieWiese durch Beschattung gefährdenden Pflanzen verhindert, so verhindert er das Vorkommen
ungünstig gestalteter Pflanzenformen unter den gewünschten Componenten der Wiese.
4. Sehr lehrreich und in Hinblick auf die hier behandelte Frage beweisend, ist der Vergleich jener
Wiesen, welche jährlich nur einmal gegen das natürliche Ende der Vegetationszeit oder gar nicht gemäht
werden, der alpinen Wiesen mit den Thalwiesen, deren erste Mahd mitten in die Vegetationszeit fällt.
Auf den alpinen Wiesen gibt es, wie ich schon auf Seite 35 bemerkte, keinen Saison-Dimorphismus. Dies
ist nicht nur dadurch begründet, dass die Vegetationszeit zu kurz ist, um zwei Generationen in demselben
Jahre zuzulassen, sondern insbesondere dadurch, dass hier der Wiesenschnitt mitten in der Vegetations-
zeit wegfällt. Die Folge davon ist, wie wir gesehen haben, dass auf alpinen Wiesen vielfach Formen von
sonst saisondimorphen Arten vorkommen, welche weder den früh- noch den spätblühenden Arten gleichen,
sondern eine Mittelstellung zwischen ihnen einnehmen, die in vielen Fällen dazu verlockt, in diesen
Formen geradezu die Stammarten der sonst saisondimorphen Formen zu erblicken.
Analoges, wie ich hier für die alpinen Wiesen anführte, gilt natürlich auch für die Wiesen der
arktischen Region.
9. Als ein weiterer wichtiger Beleg erscheint mir der Unterschied in der Blütezeit jener frühblühenden
Arten, welche in Wiesen vorkommen und jener, die Felder bewohnen.
Die frühblühenden Gentiana- und Euphrasia-Arten gehören beispielsweise zu den ersteren, die
frühblühenden Odontites- und Orthantha-Arten zu den letzteren. Die ersteren blühen in Mitteleuropa im
Mai und Juni, seltener (bei entsprechender Höhenlage) noch etwas später, die letzteren blühen im Juni,
Juli, sogar noch bis in den August hinein. Dies trifft nun auf das Auffallendste mit den Terminen der
1 Dass der Mensch auf alle Wiesenpflanzen einen ihre Natur tief berührenden Einfluss nimmt, ist den mit unseren Wiesen sich
mehr beschäftigenden landwirtschaftlichen Fachmännern längst bekannt, vergl. z.B. Schreiber H. »Die Wiesen der Randgebirge
Böhmens.« Staab. 1898.
2 Vergl. auch Mac Leod im Bot. Jahrb. VI. 1895. S. 381—418, 456—471.
3 Vergl. z. B. Stebler und Schröter, Beiträge zur Kenntnis der Matten und Weiden der Schweiz. — Warming, Ökol.
Pflanzengeogr. S. 319. — Sendtner, Veget. Verh. des bayr. Waldes. -- Beck, Flora von Nieder-Österreich. S. 57 etc.
i
Saison-Dimorphismus. 343
Wiesen-, respective Feldermahd zusammen Es ist natürlich, infolge der verschiedenen Höhenlagen, nicht
möglich, für die letzteren allgemein giltige Termine anzugeben, es läßt sich nur im allgemeinen sagen,
dass die erste allgemeine Wiesenmahd in Mitteleuropa in günstigen Lagen in der ersten Hälfte des Juni
beginnt und bis in den Juli hinein dauert, dass der Getreideschnitt (Roggen) in denselben Gegenden etwa
in der ersten Hälfte des Juli beginnt, und den klimatischen Verhältnisen entsprechend, sich bis Ende
August hinziehen kann.! Der Unterschied zwischen Beginn der Wiesenmahd und Getreideschnitt beträgt
mithin etwa 4 Wochen und ebenso groß ist das Intervall zwischen der Blütezeit der frühblühenden wiesen-
- bewohnenden und frühblühenden Felder bewohnenden Arten. Ein einziges Beispiel sei hiefür angegeben.
Im Jahre 1897 begann der Wiesenschnitt um Trins im Gschnitzthale (Tirol) am 5. Juli, an diesem Tage konnte
kein normal blühendes Exemplar der G. solstitialis (frühblühende Parallelform der G. Rhaetica) mehr
gefunden werden; der Felderschnitt begann ebendort am 18. August; am 15. August konnte ich in den
Feldern Alectorolophus Alectorolophus(frühblühbend) noch in letzten Blüten sammeln.
6. Auf einen recht interessanten, in gewissem Sinne indirecten Beweis für die Richtigkeit meiner
Ansicht in Bezug auf die Wirksamkeit der Zuchtwahl hat Mac Leod? aufmerksam gemacht. Er hat mit
Recht darauf Hingewiesen, dass Saison-Dimorphismus sich durchwegs bei solchen Pflanzen findet, deren
Herbstform gegen Viehfraß geschützt ist. Er machte darauf aufmerksam, dass Gentianen, Euphrasien und
Alectorolophen vom weidenden Vieh gemieden werden, und dasselbe gilt von den neu hinzugekommenen
Fällen, sicherlich von Ononis und Campanula, vermuthlich von den übrigen Rhinanthaceen. Nur diesem
Umstande ist es zu danken, dass sich die spätblühenden Arten überhaupt bilden konnten, da sie ja auf
den hberbstlichen Wiesen dem Viehfraße in hohem Maße ausgesetzt sind. Danach wäre zu erwarten, dass,
wenn der Schnitt das Auslesende ist, es frühblühende Arten gibt, die auf jene Schutzmittel verzichten, da
ja bekannt ist, dass nicht gemähte Wiesen sorgfältigst vor dem Weidevieh bewacht werden. In der That
liegt ein solcher Fall vor, und zwar bei Ononis, also gerade bei jener Gattung, bei der das Schutzmittel
der Herbstform eine morphologische Ausgestaltung darstellt (Dornen), die leichter eine Abschwächung
erfahren kann. Ononis spinosa ist als spätblühende Art gegen weidende Thiere durch Dornen geschützt,
O. foetens, die frühblühende Art ist wehrlos; sie braucht sich — um mich bildlich auszudrücken — nicht
‚mit der Bildung der Dorne aufzuhalten, sie trachtet baldigst zur Blüte und Fruchtreife zu gelangen.
7. Schließlich kann ich nicht umhin, auf die Analogie hinzuweisen, welche zwischen den saison-
- dimorphen Pflanzen und den meisten Unkräutern unserer Felder bestehen. Bekannt ist, dass weitaus die
meisten Feldunkräuter einjährig sind, von denen manche Gattungen angehören, die sonst vorherrschend
1 Ich möchte hier diesbezüglich einige Daten mittheilen:
Beginn der Wiesenmahd um Wien (1899) . 28. Mai.
N » » Prag (1898) e 229.3
» » » in den niederösterr. Voralpen (1899) . . 10. Juni.
» um Domsdorf in Schlesien (1898) . . 12. Juni (Mitth. v. J. Wettstein).
»
»
® Bot. Jahrb
»
»
»
»
> Zwickau in Böhmen (1898)
» Rumburg in Böhmen (1898) .
in der Schweiz. Ebene . . .
Bergregion .
» Trins, Tirol 1300 m (1897)
Roggenmahd um Wien (1899) . . .
»
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in den niederösterr. Voralpen (1899) .
um Domsdorf (1898) ,
» Zwickau (1898) &
» Rumburg (1898) .....
in der Schweiz. Ebene
>» >» > Bergregion
STINE I ale cn
. Dodonaea. 1896. S. 154.
14, >
. 10.—15.Juni(Mitth.v.A.Jakowatz.)
. Ende Mai
(Mitth. v. A. Jakowatz).
Mitth. v. Prof.Stebler.
Re re ee,
Julie
al
la. Jult.
. 20. Juli (Mitth. v. J. Wettstein).
. Ende Juli (Mitth. v. A. Jakowatz).
. Anfang August (Mitth.v.A.Jakowatz).
. Ende Juli
, Anf. August
. Mitte August.
Mitth.v. Prof. Stebler.
344 R. v. Wettstein,
perenne Arten enthalten. Man nimmt wohl mit Rechtan, dass der Feldbau, der mit seinem Umgraben, Ab-
schneiden etc. das Aufkommen perenner Arten hindert, da auslesend gewirkt hat und zum Theile die
annuellen Arten hervorrief. Einen ganz analogen Einfluss spreche ich der dem Feldbau wohl ziemlich
gleichalterigen wirtschaftlichen Behandlung der Wiesen bezüglich der Wiesenpflanzen zu.
Ich glaube, dass die vorstehenden Beweise genügen, um im Vereine mit den früher gebrachten, die
Richtigkeit meiner Auffassung bezüglich der Zuchtwahl, respective bezüglich der züchtenden Wirkung
des Wiesen- und Felderschnittes zu belegen. Ich stehe umso weniger an, diese Auffassung hiemit neuer-
dings zu vertreten, als ich triftige Einwände nicht zu finden vermag.
Mir erscheint demnach die Annahme, dass der alljährlich regelmäßig sich wieder-
holende Schnitt der Wiesen und Felder dasjenige ist, was zunächst durch Auslese das
Entstehen der saisondimorphen Arten herbeiführte, als gesichert.
Ich betrachte aber damit die Frage nach dem Zustandekommen des Saisondimorphismus keineswegs
als vollständig beantwortet. Wenn wir in der Behandlung der Wiesen durch den Menschen dasjenige
erkannten, was durch Zuchtwahl allmählich die Ausbildung der saisondimorphen Formen zur Folge hatte,
so setzt doch das Eingreifen der Zuchtwahl, wie schon erwähnt, Variationen voraus, welche das Neue
schufen, das die Zuchtwahl begünstigen konnte. Wir müssen in unserem Falle annehmen, dass die
Stammarten der saisondımorphen Arten so variierten, dass einerseits Formen entstanden, welche durch
Zuchtwahi zur frühblühenden Art wurden, dass anderseits Formen auftraten, welche auf analoge Weise
zu den spätblühenden Arten wurden. Was veranlasste nun jene Variationen? Um dies beant-
worten zu können, müssen wir wissen, worin denn diese Variationen bestanden, in welchen Merkmalen die
variierten Formen von den Stammarten abwichen. Dies setzt aber die Feststellung des Aussehens der
Stammarten voraus.
Es ist verlockend und naheliegend anzunehmen, dass die Stammarten der saisondimorphen Arten
morphologisch und biologisch zwischen denselben die Mitte hielten. Solche Arten wären etwa die
Hochgebirgs-, respective arktischen Formen bei den trimorphen Alectorolophus- und Gentiana-Arten. Ich
selbst war aus diesem Grunde früher geneigt, in einzelnen Fällen diese Hochgebirgsformen mit den
Stammarten zu identificieren und auch mit gleichen Namen zu belegen.! Ich möchte auch für einzelne
Fälle heute noch die Möglichkeit zugeben, dass derartige hochalpine oder arktische Arten mit den Stamm-
arten übereinstimmen, so zum Beispiel bei Alectorolophus minor, Gentiana campestris und G. Amarella,
doch möchte ich dies nicht als allgemein giltig ansehen, sondern 3 Fälle unterscheiden:
1. Die hochalpinen oder arktischen, intermediären Formen sind den Stammarten gleich; vergl. die
eben angeführten Fälle.
2. Die Stammart sah der frühblühenden Art ähnlich oder war dieser gleich: Campannla.
3. Die Stammarten sehen den spätblühenden Arten ähnlich.
Ich halte den dritten Fall für den weitaus den häufigsten, und zwar aus folgenden Gründen:
1. Es kommt sehr häufig vor, dass Arten, welche saisondimorphe Arten vertreten und mit
ihnen zweifellos überaus nahe verwandt, dabei aber monomorph sind, den Typus der spätblühenden
Arten zeigen. Einige Beispiele seien diesbezüglich genannt: Euphrasia curta ist saisondimorph und
zerfällt in E. curta und E. coerulea. Im nordwestlichen Theile von Mitteleuropa wird E. curta ganz
allgemein von der monomorphen E. nemorosa vertreten, welche vollkommen den Typus der spätblühenden
Arten zeigt. Es liegt nun keinerlei Grund für die Annahme vor, dass etwa E. nemorosa aus der spät-
blühenden E. curta entsprang und aus diesem Grunde den Habitus derselben zeigt, sondern viel näher
liegt die Annahme, dass E. nemorosa eine Schwesterart der nicht gegliederten Stammart der E. curta ist.
Ein zweites Beispiel bietet E. stricta. E. stricta ist saisondimorph und wird in anderen Theilen von Europa
durch die monomorphen Arten E. pectinata und E. tatarica vertreten.! Es ist ganz sicher, dass diese
! E. talarica kann hier als monomorph gelten, da die frühblühende Parallelart derselben nur in einem ganz verschwindend
kleinen Antheile des Gesammtareales sich findet.
Saison-Dimorphismus. 345
beiden letzteren phylogenetisch älter und daher der Stammart der E. stricta relativ näher stehend sind.
Nun sind aber beide Arten vom Typus der spätblütigen. Eine Ausnahme scheint Odontites zu machen,
da das saisondimorphe Artenpaar O. verna und O. serotina im nördlichen Europa in einem großen
Gebiete durch O. litoralis (Fr.), welche den Eindruck einer frühblühenden Art macht, vertreten wird.
Doch gerade dieser Fall ist bei näherer Betrachtung im Sinne meiner Anschauung sehr belehrend. Nach
der Gesammitverbreitung der Gattung scheint Odontides Odontites L. einen relativ südlicheren Ursprung
zu haben, und im Süden wird die Pflanze durch mehrere Arten vom Typus der Spätblühenden: O. canescens
Rchb., O. Sicula Guss. vertreten. O.litoralis erscheint als die letzte Ausstrahlung des Typus nach
Norden und erst aus O. verna hervorgegangen zu sein.
2.Als ein zweiter und sehr wesentlicher Grund für die Annahme, dass die spätblühenden Formen den
Stammtypen ähnlicher sind, erscheint mir der Umstand, dass die spätblütigen Arten häufig an Orten vor-
kommen, wo eine Zuchtwahl im Sinne der Ausbildung saisondimorpher Arten gar nicht thätig ist,
während die frühblühenden Arten immer an Orten sich finden, wo sie der Zuchtwahl ausgesetzt sind.
Die spätblühenden Arten — im gewissen Sinne mehr als wildwachsende Arten erscheinend — konnten
sich infolge d@8sen vielfach unverändert erhalten, die frühblühenden mussten sich anpassen. Es sei da
nur zum Beispiel darauf hingewiesen, dass Melampyrum nemorosum und angustissimum Waldpflanzen
sind, dass Alectorolophus angustifolius, montanus nicht so sehr auf Wiesen, als vielmehr auf Geröllhalden,
steinig grasigen Stellen u. dgl. vorkommen, dass Orthantha lutea geradezu eine Pflanze sonniger Heiden,
buschiger Stellen u. dgl. ist, während die analogen fortblühenden Arten: Melampyrum moravicum und
grandiflorum, Alectorolophus lanceolatus und major, Orthantha lanceolata typische Wiesen-, respective
Feldpflanzen sind.
3. Als ein dritter Grund für meine Annahme erscheint mir der Umstand, dass gegenüber der großen
und allgemeinen Verbreitung der spätblühenden Arten vielfach die frühblühenden den Eindruck localer
und vereinzelter Vorkommnisse machen, so dass man zur Vorstellung kommt, als wenn nur an einzelnen
hiefür geeigneten Stellen es zur Ausbildung der frühblühenden Arten aus den spätblühenden kam. Es gilt
dies beispielsweise in auffallendster Weise von sämmtlichen saisondimorphen Zuphrasia- und Melam-
pyrum-Arten, von dem besprochenen Galium, von Orthantha und Ononis,; in zwar weniger auffallender
aber deutlicher Weise von den saisondimorphen Gentianen. Allerdings verhalten sich einige Alectoro-
lophus-Arten entgegengesetzt, wie zum Beispiel A. Alectorolophus, für den ich eine nachträgliche große
Verbreitung der frühblühenden Art annehmen möchte.
4. Schließlich dürfte der Umstand mit in Betracht kommen, dass die spätblühenden Arten zumeist
eine reichere Organbildung und Ausgliederung als die frühblühenden Arten aufweisen, während
die morphologischen Eigenthümlichkeiten derselben sich im Vergleiche mit jenen als ein Wegfall
von Eigenschaften, zum Beispiel als ein Ausfall der Verzweigung, der Dornbildung u. dgl. darstellen. Es
ist jedenfalls leichter vorstellbar, dass durch die auslesende Wirkung der Wiesen- und Feldermahd es
zur Ausbildung einer Form kommt, welche gewisse Merkmale nicht hat, als dass auf diesem Wege ganz
neue morphologische Eigenthümlichkeiten erworben werden.
Ich bin also geneigt anzunehmen, dass im allgemeinen — allerdings mit einzelnen
schon erwähnten Ausnahmen! — die spätblühenden der saisondimorphen Arten den
mutmaßlichen Stammarten derselben näher als die frühblühenden Arten stehen, dass
mithin durch Auslese erst die letzteren aus jenen hervorgegangen sind.
Was veranlasste nun die Variationen, welche die Auslese ermöglichten und deren Richtung wir
eben erkannten?
Es macht mir nun keineswegs den Eindruck, als wenn diese Variationen in allen Fällen ganz regel-
los gewesen wären und nur sozusagen zufällig immer zu der für die fortblühenden Arten zweckmäßigen
1 Auch die auf S. 40 sub 1 erwähnten Fälle sind eigentlich keine Ausnahmen, da ja auch die Vorstellung zulässig ist, dass
zuerst aus den intermediären Stammarten die spätblühenden und dann aus diesen die frühblühenden Arten wurden.
|
346 R. v. Wettstein, Saison-Dimorphismus.
Form führten. Ich möchte dies nicht glauben, weil sämmtliche frühblühenden Arten morphologisch so sehr
übereinstimmen, dass man vielmehr zu dem Eindrucke kommt, sie seien unter dem directen Einflusse des-
selben Factors entstanden.
Ich denke mir daher den Vorgang anders. Ich stelle mir vor, dass zumeist zuerst aus den
Pflanzen vom Typus der spätblühenden in directer Anpassung ‘an standortliche Ver-
hältnisse abweichende Formen, die sich morphologisch den frühblühenden näherten,
welche eben infolge der standortlichen Verhältnisse früher zur Blüte gelangten, ent-
standen und dass aus diesen dann im Wege der Zuchtwahl die frühblühenden Arten
wurden.
Diese Vorstellung wird durch eine Reihe von Thatsachen gestützt: wir sahen bei Melampyrum
silvaticum und pratense Standortsformen aus den spätblükenden Typen entstehen, welche morphologisch
und, wenn sie an abnorme Standorte kamen, auch biologisch ganz mit den frühblühenden Typen überein-
stimmen (S. 25ff. des Sep. Abdr.); wir lernten in den hochalpinen Formen Typen kennen, welche vielfach
zweifellos in directer Anpassung aus Thalformen entstanden und große Ähnlichkeit mit frühblühenden
Arten aufweisen; wir finden in ©. litoralis eine Form, welche in directer Anpassung an die Verhältnisse
eines bestimmten Gebietes aus ©. Odontites hervorging und täuschend den frühblühenden ©. verna ähnelt;
ich weise schließlich darauf hin, dass bei E. Rostkoviana und verschiedenen Gentianen an feuchten üppigen
Standorten Formen entstehen, die morphologisch und biologisch den frühblühenden Arten oft schon recht
nahe kommen:
Nicht ganz ausschließen möchte ich aber, dass in manchen Fällen auch zufällige
Variation (Heterogenesis) den Anlass zur Formneubildung gab, so vielleicht bei Campanula
glomerata und einigen anderen.
Als das Hauptergebnis der vorstehenden Betrachtungen über den Saison-Dimorphismus im
Pflanzenreiche möchte ich Folgendes bezeichnen: £
Der Saisondimorphismus ist im Pflanzenreiche ein specieller Fall der Neubildung von Arten, bei
welchem in Anknüpfung an Formveränderungen infolge directer Anpassung an standortliche Ver-
hältnisse, sowie infolge zufälliger Variation, durch Zuchtwahl es zu einer Fixierung der neuen Formen
kommt. Der directen Anpassung, respective individuellen Variation (Heterogonesis) fällt hiebei die
Neuschaffung der Formen, der Selection die Fixierung und schärfere Ausprägung derselben durch Aus-
scheidung des Unzweckmäßigen zu.
Ich möchte — um Missverständnisse zu vermeiden — nachdrücklichst betonen, dass diese Erklärung
der Formenbildung zunächst nur für die hier betrachteten Fälle gilt.
Wenn ich der Feststellung dieser Thatsache so viel Raum und Mühe widmete, so geschah es, weil
mir die Sache in dreifacher Hinsicht von besonderem Interesse zu sein scheint.
Erstens liegt ein Fall vor, der in recht klarer Weise einen Einblick in den Vorgang der Art-
bildung zulässt. Der Fall ist keineswegs für diesen Vorgang im allgemeinen typisch, aber — wie ich
schon eingangs erwähnte — nur ein eingehendes Studium jedes Einzelfalles wird uns schließlich ein
Urtheil über das Wesen dieses Vorganges gestatten.
Zweitens haben wir es hier mit einem Fall von Formneubildung zu thun, für dessen Dauer wir
gewisse Anhaltspunkte besitzen. Zum Zwecke der Beurtheilung des relativen Alters der Pflanzenformen
ist es von eminenter Wichtigkeit, wenn wir wenigstens in einzelnen Fällen diesbezüglich bestimmte
Anhaltspunkte gewinnen können.
Drittens spricht die Erscheinung des Saison-Dimorphismus für den großen formbestimmenden
Einfluss, welchen die seit Jahrhunderten gleichmäßig betriebene Behandlung gewisser Forma-
tionen durch den Menschen auf die Pflanzenwelt ausübt und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf
weitere Folgen dieses Einflusses.
Fig.
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Tafel 1.
Alle Tafeln stellen photographische Reproductionen von Herbar-Exemplaren in 2/3 der natürlichen Größe dar.
Gentiana Norica A. et J. Kern. — Exemplar von Aussee, gesammelt von A. Kerner.
Gentiana Sturmiana A. & J. Kern. — Exemplar von Hötting bei Innsbruck, gesammelt von R. v. Wettstein.
und 4. Gentiana aspera Hegetsch. — 3 Exemplare von Hinterstoder, gesammelt von J. Kerner, 4 Exemplare von der
Gipfelregion des Traunstein, gesammelt von R. v. Wettstein.
R. v. Wettstein: Saison-Dimorplismus. laf. I.
Eckert ad nat. phot. Lichtdruck von J. Löwy, Wien.
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien. matlh.-naturw. Olasse, Bd. LXX.
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u Fig. 1. Odontites verna (Bell.) — Exemplar, eultiviert 1897 im botanischen Garten zu Prag. ER
» 2. Odontites serotina (Lam.). — Exemplar, cultiviert 1897 im botanischen ‚Garten zu Prag.
» 3. Orthantha Tanceolata Reichb .). — Exemplar von Argenton, Basses Alpes, gesammelt v. Eu Reverchon.
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» 4. Orthantha lutea (L.). — nen: aus der Scharka bei Prag, gesammelt von R. ee ag
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Denksehriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Olasse. Bd. LXX.
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Tafel II.
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6; Fig. 1. Melampyrum grandiflorum A. Kern. — Exemplar von Wiesen des Semmering, gesammelt von R. v. We
» 2. Melampyrum angustissimum Beck. — Exemplar aus den Föhrenwäldern bei Reichenau, Niederösterr
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R. v. Wettstein: Saison-Dimorphismus l'af. III
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Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien. math.-naturw. Classe, Bd. LXX.
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Tafel IV.
Fig. 1. Melampyrum laricelorum A. Kern. — Exemplar, gesammelt bei Steinach in Tirol von A. v. Kerner,
Bu2r » silvaticum L. — Exemplar, gesammelt bei Ebensee in Oberösterreich von L. Stohl.
er pratense L: — Exemplar, gesammelt bei Seefeld in Tirol, von Grf. Sarnthein,
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vulgatum Pers. — Exemplar, gesammelt bei Großpriesen in Böhmen von R. v. Wettstein.
R. v, Wettstein: Saison-Dimorphismus ) IV.
Denksehriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe, Bd. LXX.
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2. Galium praecox Lang. — Exemplar, cultiviert im botanischen Garten in Prag 1898.
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Tafel VI.
Fig. 1. Campanıla glomerata L. — Exemplar von Aistersheim in Oberösterreich, gesammelt von R. Keck.
RL, > serotina Wettst. — Exemplar, gesammelt auf Wiesen bei Trins von R. v. Wettstein.
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R. v. Wettstein: Saison-Dimorphismus. Taf. VI.
Eckert ad nat. phot Lichtdruck von J, Löwy, Wie
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien. math.-nalurw. Classe, Bd. LXX.
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KIMMTIEFEN-BEOBACHTUNGEN ZU VERUDELLA
AUSGEFÜHRT VON
KARL KOöSS,
K. UNDK. LINIENSCHIFFS-LIEUTENANT
UND
EMERICH GRAF THUN-HOHENSTEIN,
K. UND K. LINIENSCHIFFS-FÄHNRICH.
(Mit 13 Tafeln und 6 Textfiguren.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 4. JÄNNER 1900.
Inhalt;
I. Einleitung. VI. Darstellung der Beobachtungen.
II. Beobachtungsort. : VII. Besprechung der einzelnen Beobachtungen, Schlüsse
III. Instrumente. daraus.
IV. Vorgang beim Beobachten. VII. Zusammenfassung der Ergebnisse, Anwendung in der
V. Formeln. Navigation, Zusätze.
Anhang, enthaltend die Original-Beobachtungen.
I. Einleitung.
Auf Grund eines vom Linienschiffs-Lieutenant Koss am 22. Juli 1898 vorgelegten und in den
»Mittheilungen aus dem Gebiete des Seewesens«, Heft XI, 1398, veröffentlichten Memorandums hat das
k. und k. Reichs-Kriegs-Ministerium, Marine-Section, mit Erlass P. K./M. S. Nr. 2977 vom 10. October,
Untersuchungen über die Veränderlichkeit der Kimmtiefe — als Fortsetzung der auf S. M. Schiff »Pola«
1897/98 im Rothen Meere gemachten und von der kais. Akad. d. Wiss. veröffentlichten Kimmtiefen-
Beobachtungen — genehmigt und als Beobachter Linienschiffs-Lieutenant Koss und Linienschiffs-Fähnrich
Emerich Graf Thun-Hohenstein bestimmt.
Der Zweck der Beobachtungen war die Erweiterung der schon vorhandenen und sodann Anwendung
ihres Ergebnisses erstens auf astronomische Positionsbestimmungen in See und zweitens auf die Distanz-
messung von Schiffen oder Landwerken aus gegen Öbjecte in See.
Die Beobachtungen, Messung von Zenitdistanzen der freien Kimm von einem geeigneten Standorte
in der Nähe des Forts Verudella aus, waren auf die Dauer eines Jahres auszudehnen und mit
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 45
4
November 1898 beginnend die ersten vier Wochentage jedes Monates vom Morgen bis zum Abend
vorzunehmen, um so alle Jahres- und Tageszeiten und verschiedene Wetterlagen zu umfassen. Ein
348 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
verlässlicher Unterofficier hatte während der Beobachtungen von einem Tender — einem Dampfboote |
von beiläufig 20 Tonnen — aus, nahe an der anvisierten Gegend der Kimm Luft- und Wassertemperaturen
zu messen.
U. Beobachtungsort.
Die Wahl eines geeigneten Standortes war insoferne schwierig, als er mehrere Bedingungen zu
erfüllen hatte: Freie Sicht auf einen möglichst großen Theil des Meereshorizontes, Seehöhe von ungefähr
15m, er sollte leicht zugänglich sein und auch erlauben, dass man leicht zum Strande hinabsteigen
könne, um die Wassertemperatur zu messen und Pegelablesungen zu machen, er sollte so abgelegen
sein, dass Störungen ausgeschlossen schienen, und doch so nahe an irgend einer Behausung liegen, dass
man die dort aufzuhebenden Instrumente rasch an den Beobachtungsort bringen und abends wieder zurück
schaffen konnte, auch sollte die Behausung Verpflegung gewähren und womöglich auch Unterkunft für
die drei als Handlanger zugetheilten Matrosen.
DieWahl fiel schließlich auf eine Stelle an der Seeseite des Küstenforts Verudella, 4 kım südlich von
Pola. Man war hier durch das Fort gegen die im Winter zu befürchtende Bora (NO-Wind) geschützt,
hatte die freie Kimm von SSO über S und W bis NNW vor sich, und wenn man auch, um die gewünschte
Seehöhe zu erreichen, auf beiläufig 30 m landein rücken musste, kamen von dieser Strecke doch nur an
die 10 m auf sanften Hügelabhang, der an eine nahezu senkrechte, gestufte Felswand reichte, die zu dem
1—3m hohen, steinigen Klippenstrand abfiel. Es war also zu erwarten, dass die in Augeshöhe zu
messende Lufttemperatur durch Bodenbestrahlung nicht beeinflusst werden würde; besonders deshalb,
weil der in der schönen Jahreszeit regelmäßig um Mittag einsetzende NW-Wind (imbatto) frei von der
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See her streichen konnte.
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Fig. 1.
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U 4
- —
Hier wurde der Boden geebnet und der Pfeiler für das Universal errichtet. Beiläufg In
ober Mittelwasser wurde eine Wassermarke WM in den Fels eingemeißelt, neben die während der
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 349
Beobachtung ein solider, in Centimeter getheilter Pegel befestigt wurde. Die jeweilige Seehöhe des
a a u a0
EZ u 22 SS a zn m a u A 24 Lu 200 Du za
Instrumentes ergab sich also aus:
a) dem constanten, durch Nivellirung gemessenen Höhenunterschiede zwischen WM und der Instru-
menten-Axe = 14°'90 m;
b) dem Unterschiede zwischen dem Pegel-Theilstriche, mit dem WM abschnitt (während eines Beob-
achtungstages constant) und zwischen dem Striche, bis zu welchem das Wasser reichte.
Anfangs März wurde in einer Zwischenhöhe ein zweiter Standpunkt, S,, hergerichtet, mit der
Absicht, den Universalpfeiler dorthin zu versetzen und von nun an mit dem Universale aus dieser Höhe
zu beobachten; es wurde also in S, eine Bodenfläche cementiert und ein Pfeiler darauf errichtet. Dann
aber wurde von hier aus nur mit dem Nivellier-Instrumente beobachtet, das auf einen in den Pfeiler ein-
gegipsten Holzzapfen aufgesetzt wurde, wobei die Axe seines Fernrohres 5° 70m unter der des Universales
zu liegen kam; für die Beobachtungen von S, aus ist also die Seehöhe um 570 ın kleiner als die jeweils
für S, angegebene.
Vom 14#April an sind auch Beobachtungen von einem noch höheren Standorte aus, in den Tafeln
S, genannt, mit dem in 1092 verwendeten oder mit einem zweiten ebensolchen Instrumente gemacht
worden; hiefür ist die Seehöhe um 26:05 m größer als die jeweilige des Universals zu nehmen.
III. Instrumente.
Zum Messen der Zenitdistanzen dienten zwei Instrumente:
1. Ein astronomischesUniversal von Starke und Kammerer in Wien, vom Besitzer Herrn Dr. Egon
Ritter v. Oppolzer der Marine für die beiden Rothen-Meer-Expeditionen mit S. M. Schiff »Pola« im
Jahre 1895 leihweise überlassen und seither noch in Benützung. Knierohr von 40mm Öffnung, Fadennetz
auf Glas eingerissen; für die vorliegenden Beobachtungen war eigens anstatt der beiden zum Instrumente
gehörigen Oculare mit 30- und 50facher Vergrößerung ein Mittenzwey’sches astronomisches Ocular
mit 2Ofacher Vergrößerung angeschafft worden, weil die Kimm bei stärkerer Vergrößerung zu unscharf
erscheint, als dass man sie gut einstellen könnte. Der Horizontalkreis (bei diesen Beobachtungen nur beim
Übergange von einer Kreislage zur anderen gebraucht, um den Obertheil gerade um 180° zu verdrehen)
und die beiden Höhenkreise 20cm Durchmesser auf 10’ getheilt; die Ablese-Mikroskope mit je zwei Paaren
Parallelfäden geben Doppelsecunden. Umlegevorrichtung, Federentlastung mit Gleitrollen.
Aufsatzlibelle von 2°'2, Höhenlibelle von 2'2, Parswert, der sich mit der Blasenlänge um sowenig
ändert, dass nur dieser, der mittleren Blasenlänge entsprechende Wert angewendet wurde.
Das Instrument ist zweimal auf Durchbiegung des Fernrohres untersucht worden, und hat hiebei
die Summe der Zenitdistanzen zweier auf einander collimierter Theodolithe, in deren Mitte es gestellt
wurde, im Juli 1897 mit 179° 59’ 59'5 und anfangs November 1898 mit 179° 59° 59'8 ergeben, so dass
man es als biegungsfrei ansehen kann.
2. Ein Nivellier-Instrument von Starke und Kammerer von der Gattung, die beim Präcisions-
Nivellement durch das militär-geographische Institut verwendet wird, aber ohne Reiterlibelle, Parswert
der festen Libelle 12°, Winkelgleichung der Messschraube w = 641'56 (m—n)—0 0957 (m?—n?), worin
m, n die Schraubenlesungen bei Einstellung auf das eine und das andere Object sind; zweites Glied
durchaus zu vernachlässigen.
Für das Universal-Instrument war ein aus fünf Stücken bestehender Steinpfeiler, wie sie bei
Schweremessungen mittels Pendelbeobachtungen dienen, im Gesammtgewichte von 400%g mit Gips
und Cement auf dem Felsboden errichtet, und auf seine Oberfläche wurde der messingene Dreiarm auf-
gegipst, in dessen Rinnen die Fußschrauben des Universals kamen; das Instrument hatte somit eine
überaus solide Aufstellung.
45*
350 Karl Koss und Emerich Graf Thun- Hohenstein,
Zum Schutze des Pfeilers wurde eine aus vier Seitenwänden, Dach und Boden bestehende Holzhütte
darüber errichtet, die an den Beobachtungstagen auseinander genommen wurde, so dass nur der vom
Pfeiler isolierte Boden als Podium blieb. Das Instrument wurde mit einem großen Sonnenschirme
beschattet.
Das Nivellier-Instrument wurde anfangs auf einem gewöhnlichen Dreifuß, dann auf einem in $,
errichteten Mauerpfeiler verwendet und auch mit einem Schirme vor Sonnenstrahlen geschützt.
Zum Messen der Temperatur dienten:
1. Ein kleines Assmann’sches Aspirations-Psychrometer, in ganze Grade getheilt; der Vergleich
mit dem Normal-Thermometer der geophysikalischen Abtheilung des Hydrographischen Amtes ergab als
die an die Ablesung anzubringenden Correcturen:
Linkes Thermometer Rechtes Thermometer
Bei 0° —0°3 —0°3
10 —0°5 —0°8
20 —0'5 — 0:4
30 —0°5 —0'3
40 —0'3 —0:1 |
Nachdem dieses Paar Thermometer im November und December 1898 gebraucht worden war, wurde
am 5. Jänner 1899 vormittags das linke Thermometer gebrochen, so dass von da an (bei den Beob-
achtungen am 7., 10. und 11. Jänner) die Ablesungen sich nur auf das rechte Thermometer beziehen.
Die zwei dann neu eingesetzten T'hermometer (bei den Beobachtungen im Februar und später in
Verwendung) erforderten als Correctur:
Linkes Thermometer Rechtes Thermometer
Beis202 —0°5 0°
10 —0'5 0
20 —0°5 0)
30 —0'6 (0)
Mit 1. Mai wurde ein großes Assmann’sches Aspirations-Psychrometer in Gebrauch genommen;
Correctionen:
Linkes Thermometer Rechtes Thermometer
Bei 0, 0° 0°
10 +0°1 —0°1
20 +0:05 — 0:05
30 0 0)
Also Mittel beider Thermometer fehlerfrei. Die Thermometer sind in 1/,° Grad eingetheilt und man
schätzte auf halbe Zehntel ab; so ergeben sich die eingetragenen Hundertel.
Diese Instrumente wurden nur am Beobachtungsorte verwendet.
2. Ein Fuess’sches Trockenthermometer, in !/,° getheilt, mit Aspirator, Nr. 1916 nach Prüfungs-
schein der deutschen physikalischen Reichsanstalt zwischen 0° und 30° um 0°06 zu hoch, Nr. 1915
zwischen 0° und 30° auf & 0°02 richtig; beide als fehlerlos angenommen, nur auf dem Tender zum
Messen der Lufttemperaturen verwendet.
3. Ein Fuess’sches Wasserthermometer, in !/,° getheilt, mit Schöpfgefäß, nach Prüfungsschein
dep:
bei 0° ohne Fehler,
10 um O°1 zu niedrig,
80 ohne Fehler.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 351
Verwendet zum Messen der Wassertemperatur:
November—December 1898 am Tender,
Jänner—Februar— März 1899 am Beobachtungsorte zusammen mit dem folgenden Pinsel-
thermometer,
von April an wieder am Tender.
4. Baudin’sches Pinselthermometer, in 1/,° getheilt; der Vergleich mit dem Normalthermometer
der geophysikalischen Abtheilung ergab am 27. Juli 1898 als Correctur:
Bei 10° —0°8
20 —0'59
30 —0°3
Verwendet zum Messen der Wassertemperatur am Beobachtungsorte.
9. Aneroid-Barometer in Metallfassung.
.
IV. Vorgang beim Beobachten.
Die Zenitdistanz der Kimm wurde mit dem Universal durch Einstellen des Horizontalfadens auf die
Kimm und Ablesen beider Mikroskope und der Höhenlibelle in beiden Kreislagen gemessen und in
bekannter Weise berechnet.
Der Dreiarm wurde so auf den Pfeiler aufgegipst, dass die Fußschraube des Universals gegen den
Tender, und, als dieser nicht verwendet wurde, seewärts, beiläufg WSW, wies, und die Messungen
geschahen in dieser Richtung, weil da die hin und wieder erforderliche Berichtigung der Axenstellung am
einfachsten war, die Libelle stand in der Richtung einer Fußschraube; sehr oft musste man aber hievon
abweichen, weil die Kimm in dieser Richtung zu matt wurde, oder weil die Sonne dort blendete und
dergleichen. Zumeist wurde beim Wechseln der Richtung die Kimmtiefe in der bisherigen und unmittelbar
darauf in der neu gewählten Richtung gemessen, es fanden sich aber keine Unterschiede, die 3” über-
stiegen hätten. So im Winter; zu Anfang des Sommers zeigten sich besondere, später zu besprechende
Erscheinungen und man beobachtete immer in der Windrichtung.
Bei einigen der gemessenen Kimmtiefen sind + x” beigefügt; dies ist der Betrag, um den der Winkel
als unsicher geschätzt wurde. Die Schätzung geschah beim Einstellen, und es gab der Abstand zweier,
zum Mittelfaden paralleler Horizontalfäden, einer 18” oberhalb, einer 18” unterhalb davon, das Maß ab;
diese Schätzung wurde bei Blatt 15 gemacht, weil die Kimm ganz zerzaust erschien und die beobachtete
Kimmtiefe ungewöhnlich groß war, der Beobachter aber wenigstens einen beiläufigen Anhalt dafür haben
wollte, wie weit die Abweichung der beobachteten Kimmtiefe von der normalen als reell anzusehen wäre.
Bei Blatt 18wurde der Einstellungsfehler auch einigemale angegeben, weil die Kimm ganz außergewöhnlich
hoch lag, wobei sie sehr weit, gar nicht gekräuselt, sondern ganz eben und nur hin und wieder matt
erschien.
Die Winkelmessungen sind von uns Beiden unmittelbar nacheinander gemacht worden, und es ist,
nachdem Thun die nöthige Sicherheit erlangt hatte, von Blatt 2 an das Mittel.der beiden individuellen
Resultate verwendet worden; Blatt 9—17sind von Koss allein beobachtet, daT'hun krank war; bei Blatt 18
haben anfangs beide beobachtet, dann abwechselnd einer, und von 3" p. m. hat Koss allein die Kimm-
tiefe, Thun aber die Temperaturen gemessen, um mehr Beobachtungen zu erhalten — hiebei sind aber
zur Controle einige Winkelmessungen doch von uns beiden gemacht worden, insbesondere die, bei denen
die Kimm über dem Augeshorizonte lag.
In der Folge hat Koss die Beobachtungen mit dem Universale aus S, und die Temperaturs-
messungen, Thun die Beobachtungen mit dem Nivellier-Instrumente aus S, und S, gemacht.
=
352 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Mit dem Nivellier-Instrumente wurde bei der Normaleinstellung der Messschraube die Libelle mittels
der Stellschrauben zum Einspielen gebracht und dann die Kimm mit der Messschraube in das Fadenkreuz
des um 45° gegen die Horizontale verdrehten Fernrohres eingestellt; die Differenz der nunmehrigen
Ablesung der Messschraube von ihrer Normalen gibt als (n—n) in die Winkelgleichung eingesetzt den
Winkel. War das Rohr nur um sehr Weniges zu heben oder zu senken, wie bei den Messungen von
Blatt i8, so dass die Blase der Libelle noch sichtbar blieb, so wurde auch diese abgelesen und der Winkel
ergab sich auch direct hieraus.
Um einen allfälligen Collimationsfehler auszumerzen, den vielleicht die unrichtige Stellung des
Fadenkreuzes oder ein Fehler in der Ausgangsstellung der Messschraube oder in der Libellenstellung her-
vorrufen konnte, maß man täglich vor Beginn der Beobachtungen den ein- für allemal mit aller Sorgfalt
(Verdrehen des Fernrohres um seine Längsaxe und Umlegen in seinen Lagern) mehrmals bestimmten
Elevationswinkel einer 200 u von S, in den Felsen eingehauenen Marke und brachte den Unterschied des
einfach (ohne Verdrehen oder Umlegen) gemessenen Winkels gegen den wahren Elevationswinkel als
Indexfehler an die Kimmtiefenmessungen dieses Tages an.
Die Messung der Lufttemperatur geschah am Beobachtungsorte mit dem Assmann’schen Aspira-
tionspsychrometer, am Tender mit dem mit Aspirator versehenen Trockenthermometer, noch möglichst
vor Bestrahlung geschützt; die am Beobachtungsstande in 10, 5 und 3 m gemessenen Temperaturen sind
von so hohen Klippenstellen aus beobachtet, über die die Luft frei hinwegstrich.
Die Wassertemperaturen sind dicht an der Oberfläche gemessen.
V. Formeln.
Die angewendeten Formeln, deren Ableitung in jedem Handbuche der Geodäsie u. s. w. zu finden ist
und deshalb hier nicht wiederholt wird, sind:
1. Geodätische Kimmtiefe, d. i. der ohne Rücksicht auf Refraction zu berechnende Tiefenwinkel
der Kimm =
1 2%
sint'VR’
worin h die Augeshöhe, R der Erdhalbmesser ist. Nach dieser Formel sind folgende Täfelchen berechnet:
Augeshöhe eh 7 Augeshöhe en x Augeshöhe ee
9:8 oOoN TSus 73 416 12.26
9'9 2 r 15°6 36 41'7 26
10°0 4 KT De 38 41°8 27
10'1 6 15'8 | 39 41°9 28
10°2 8 15'9 41 1 42°0 29
I0'3 10 16°0 1 42 42°1 30
10'4 12 16 ı 44 ARD 31
10°5 14 16°2 45 42°3 31
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 353
2. Refractionscoäfficient (Verhältnis TC zwischen dem Winkel D, den die beiden im Anfangs-
d im Endpunkte an die als Kreisbogen betrachtete Lichtcurve gezogenen Tangenten miteinander bilden
und zwischen dem Centriwinkel C im Erdmittelpunkte)
gehoben
Winkel, um den die Kimm gegen ihre geodätische Lage — ——— erscheint
gesenkt
+K=2 = = ;
: Centriwinkel im Erdmittelpunkte
Centriwinkel ist gleich der geodätischen Kimmtiefe.!
Fig. 2.
A
„7
. [2
Bei einem Objecte innerhalb der Kimm
gehoben
Winkelnum’denes ———.. erscheint
gesenkt
— =
=: Centriwinkel in Erdmittelpunkte
Durch Refraction wird die geodätische Kimmtiefe zur
Depression
ur b 273 8
KR
1 3e
Be; sera
FT TE:
g 2h
2_ = 1—0:00265 cos 2B— —,
®& p
vorin p der Krümmungsradius des Erdellipsoides im betreffenden Azimute, h die Seehöhe, B die geo-
graphische Breite, 5 der auf 0° reducierte Stand des Quecksilberbarometers, 7 die absolute Temperatur
der Luft = 273 + i° der Centesimalscala, v deren Änderung für Im Höhe und e die Spannung des
Wasserdampfes in Millimetern Quecksilbersäule ist.
1 Weil die Refraction den Ausgangspunkt des Lichtstrahles gegen jenen Punkt, in welchem die vom Auge aus gezogene
de die Erdkrümmung berührt, hinaus- oder hereinrückt, so müsste man eigentlich setzen: X= 2 mal Hebung der Kimm über die
354 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Hierin wird — für die Breite von 45° und bei Vernachlässigung des dritten Gliedes = 1; e= 10 mm,
6
b = 760 mm gesetzt, ergibt in strenger Übereinstimmung mit der Jordan'schen Formel:
K = 6:346 (c+0:034) bei 10° Lufttemperatur,
K= 6:144 (c+0:034) » 15° »
K = 5:942 (e+0:034) » 20° »
K = 5:740 (z+0:034) » 25°
VI. Darstellung der Beobachtungen.
An die beobachtete Kimmtiefe war zunächst die Seegangsreduction anzubringen: Seegang bewirkt
stets eine Hebung der Kimm, weil die Visur immer nur einen Wellenkamm streift. Man sieht die Kimm
Fig. 3.
um jenen Winkel gehoben, unter dem die Wellenhöhe aus der Entfernung des Beobachters erscheint,
wofür folgendes Täfelchen berechnet worden war:
Hebung der Kimm bei
Halbe
Wellenhöhe 10 16 42
in Meter
Meter Augeshöhe
o'I 2 2% 11%
o'2 4 3 2
5 |
03 6 5 3
o'4 $ 7 3
os5 10 9 4
0:6 12 10 5
Da es schwer ist, eine Wellenhöhe von mehr als einem halben Meter auf einen Decimeter zu
schätzen, so beobachteten wir an Tagen mit stärkerem Seegange nicht.
Die durch Refraction bewirkte Hebung oder Senkung der Kimm wurde aus dem Unterschiede
erhalten:
(Geodätische Kimmtiefe für die jeweilige Augeshöhe)—(Beobachtete Zenitdistanz der Kimm — 90° +See-
gangscorrectur).
Nach dem bei den »Pola«-Beobachtungen eingehaltenen graphischen Verfahren wurden die an einem
Tage gefundene Werte der Hebung oder Senkung der Kimm gegen die geodätische Kimmtiefe auf je ein
Blatt carriertes Papier der Zeit nach aufgetragen, Hebung oberhalb, Senkung unterhalb der Abscissenaxe
und durch die einzelnen Punkte wurde eine ausgleichende Curve gezogen; auf einem zweiten Blatte
we
u RI EU GE
Er re
or
=
(d)
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 3
wurden die gemessenen Luft- und Wassertemperaturen aufgetragen und durch die einzelnen Punkte con-
tinuierliche Curven gezogen. Die 3 Curven: Temperatursdifferenz zwischen Wasser und Luft in I m,
zwischen Wasser und Luft in 37n und zwischen Wasser und Luft in Augeshöhe wurden von diesem
Blatte auf das Blatt mit der Hebung oder Senkung der Kimmtiefe übertragen. !
Nach den Erfahrungen bei den »Pola«-Beobachtungen hält sich der Gang der Refraction an keine
mit dem halben Tagbogen zusammenhängende Periode (fürs Binnenland durch Hartl erwiesen), so dass
man für das Auftragen der Beobachtungen, ohne die Beobachtungszeit in Theile des halben Tagbogens
verwandeln zu müssen, nur darauf zu achten hatte, die einfache Stundeneintheilung genügend breit zu
halten, so dass die Curven sich gut darstellen. Die Blätter waren der Quere nach in Stunden von 24 mm
getheilt und von einer beliebig gewählten Abseissenaxe aus wurde aufgetragen: die Hebung (Senkung)
der Kimm gegen ihren geodätischen Ort mit dem Maßstabe 1’ zu3mm nach oben (unten) zu und die
Temperatursdifferenz Wasser co Luft in Im, Wasser oo Luft in 3m, Wasser c» Luft in Augeshöhe
im Maße 0°1 = 6 mm, im Falle die Luft wärmer war als das Wasser, nach oben zu.
Die Abscissenaxe stellt also die geodätische Kimmtiefe vor, und diesen Wert sollte die thatsächlich
zu beobachteflde auch haben, wenn keine Refraction stattfände, d.h. wenn die ganze Luftschichte, die der
Lichtstrahl von der Kimm aus bis zum Auge zu durchlaufen hat, durchaus gleiche Temperatur hat, also
die einzutragende Temperatursdifferenz eben =0ist und die Temperatursdifferenzencurve mit der Abscissen-
axe zusammenfällt. (Wie sich zeigen wird, ergibt sich für die Temperatursdifferenz OÖ doch noch eine
Hebung der Kimm, weil die durch den Druck der oberen auf die unteren Luftschichten bewirkte Zunahme
der Dichte nach unten auch bei durchwegs gleicher Temperatur eine Refraction erzeugt.)
VI. Besprechung der einzelnen Beobachtungen, Schlüsse daraus.
Es werden im folgenden die Beobachtungen nach ihrem zeitlichen Verlaufe besprochen, weil dies
die beste Übersicht über die eingeschlagenen Irrwege und das inmitten der Arbeit geglückte Auffinden des
richtigen Weges bietet.
Auch sei gleich hier bemerkt, dass die Beobachtungen nicht, wie es beabsichtigt war, gerade auf die
vier ersten Monatstage fallen, sondern zumeist bis in die Mitte des Monates reichen, weil das Wetter
gerade während dieses Jahres im großen und ganzen unbeständig war. Vier im ersten halben Jahre aus-
gefallene Tage sind im April nachgetragen worden.
Schon der erste Tag zeigte, dass der Gang der Hebung oder Senkung der Kimm, so wie es die
»Pola«-Beobachtungen ergeben hatten, mit den Temperatursdifferenzen zusammenhängt, nur blieb es
noch unentschieden, ob mit der Differenz zwischen Wasser und Luft in 1 m oder in 3 m oder in Auges-
höhe. Der 2. Tag zeigte, dass die Temperatursdifferenz zwischen Wasser und Luft in Augeshöhe aus-
zuschließen sei. Die folgenden Tage bestätigten dieses, und weil nach dem Ergebnisse der »Pola«-Beob-
achtungen das ganze Temperatursgefälle in einer sehr niederen Schichte — von beiläufig !/, m ober
Wasser — stattfand, so begannen wir mit dem 7. Tage auch die Lufttemperatur so dicht am Wasser zu
messen, als es der Seegang erlaubte, in 0:2 m ober Wasser, am 8. Tage in O1 m. Die folgenden Blätter
sind durch die Ungunst des Wetters unvollständig ausgefallen; die Blätter bis einschließlich 13, mit Aus-
nahme von 11, zeigten aber, dass die Lufttemperatur von 0:1 ın bis 5 m Seehöhe bis auf das Zehntel des
Grades dieselbe bleibt. Bei 11 und 12 war das eine Thermometer des Assmann befeuchtet worden, und es
ist die relative Feuchtigkeit der Luft mit dem Gange der Kimmhebung verglichen worden — mit demselben
Resultate, das schon die »Pola«-Beobachtungen ergeben hatten, dass nämlich die Feuchtigkeit die Refrac-
tion nicht beeinflusst, wie es auch die Formel beim Einsetzen stark verschiedener Werte des Dunstdruckes
bestätigt.
! Die Temperatursblätter sind nicht reproduciert worden; mit den Temperatursablesungen kann man sie sich leicht herstellen.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bi. 46
BE
356 KarlKoss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Bisher hatten die frühen Morgenbeobachtungen bei sehr steilem Ansteigen der Temperaturen j
Unregelmäßigkeiten der Kimmtiefe gezeigt, deren Grund wohl darin zu suchen war, dass die mit Sonnen-
aufgang beginnende rege Durchmischung der Luftschichten einige Zeit braucht, um die in der Nacht
gestörten Temperatursverhältnisse wieder normal zu machen. Man hat deshalb vom 13. Tage an wegen
Unverlässlichkeit aller Beobachtungen, bei denen die Lufttemperatur in Augeshöhe um Vieles geringer
war als die unten, die sehr zeitlichen Beobachtungen aufgegeben und erst von dann an beobachtet, wann
die Augeshöhentemperatur größer war als die der Luft am Wasser.
Vom 8. bis zum 15. Tage (einschließlich) waren die Temperatursmessungen vom Tender aus auf-
gegeben, weil der Steuermann erkrankt war und sein Ersatzmann ganz unverlässlich maß; die bisher am
Beobachtungsorte gemessenen Wassertemperaturen weichen nur um 0:2 m bis 0°3 von den gleichzeitig
draußen gemessenen ab, und sie für diese 8 Tage ausschließlich zu verwenden, konnte keinen Fehler
verursachen.
Die bisherigen Beobachtungen hatten folgende negative Resultate ergeben:
Wenn auch die augenfällige Abhängigkeit der Refraction vom Unterschiede zwischen der
Wasser- und Lufttemperatur nicht so erklärt werden kann, dass das Wasser seine Wärme an die
Luft ausstrahlt! — denn einestheils wird dies durch die Temperatursbeobachtungen verneint und |
anderntheils gibt es, falls die Luft kälter ist als das Wasser, keine Ausstrahlung nach unten (und
gerade in diesem Falle stimmten die Punkte im Enddiagramm besonders gut) —, so könnte man sie
sich vielleicht durch Insolation erklären; es waren aber die Beobachtungen vom 1., 9., 10. und
11. Tage, bei Bewölkung 10, die vom 3. bei Bewölkung 2—3, die vom 2., 4.,.9., 6., 7. und Sc Name
bei wolkenlosem Himmel gemacht worden, und da die Bewölkung die Insolation vereiteln müsste, ist
die Annahme, die Refraction würde durch Insolation bewirkt, ausgeschlossen.
Bei Zusammenstellung der bisherigen Blätter nach dem Unterschiede zwischen der I m- und
3 m- oder zwischen der 3 m- und der Augeshöhen-Temperatur zeigte sich auch kein Zusammenhang
der Refraction mit einer dieser Differenzen.
Die Hebung oder Senkung der Kimm hängt weder vom Luftdrucke, noch von der Feuchtigkeit
ab, noch von der allgemeinen Temperaturslage (wärmere oder kältere Tage), noch auch von der
Tageszeit.
Da der Zusammenhang zwischen Refraction und Temperatursunterschied zwischen Luft und Wasser
denn doch in etwas der Luft und dem Wasser Gemeinsamen gesucht werden musste, der Wärme-
austausch zwischen beiden Elementen sich aber auch nicht in O1 m oder 0-2 m Abstand von der Wasser-
oberfläche mit dem Thermometer nachweisen ließ, so verfiel man auf die Annahme, er fände in noch
geringerem Abstande statt, in einer ganz dünnen, auf dem Wasser liegenden Lufthaut. Nimmt man an,
dass die ganze Temperatursdifferenz zwischen Luft und Wasser in dieser dünnen Schichte ausgeglichen
wird, so erhält man ganz abnorme Refractionscoöfficienten,
falls die Luft wärmer ist, positive, wenn das Wasser wärmer
ist, negative, und man wird auf folgende Betrachtung der
zwei Fälle geführt:
1. Ist die Luft kälter, so wird der Kimmstrahl ins
Wasser gebeugt, es gibt für ihn keinen Weg; erst jener
Strahl »x, für welchen der Refractionswinkel gleich dem
Winkel zwischen »x und der Tangente an der Wasserfläche
in x ist, findet einen Weg, kommt an der oberen Grenze der
(unverhältnismäßig dick gezeichneten) untersten Schichte
mit einer um den Refractionswinkel vermehrten Neigung an
und trifft ein Auge in 16 m Höhe mit starker Depression.
! Es ist dies auch die von Chauvenet in seinem Manual of Spherical
er and Practical Astronomy bei Behandlung der Kimm-
tiefe (1. Band, S. 175) gemachte Voraussetzung.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 357.
9. Ist die Luft wärmer, so ergibt sich bei der geringen Höhe der Schichte der Co&fficient bedeutend
rößer als 2; aber schon der Coöfficient 2 bewirkt totale Reflexion und der Kimmstrahl langt an der oberen
Grenze der Schichte mit horizontaler Richtung an; ist der Fig. 5.
Coöfficient > 2, so ist jener Punkt x innerhalb des Kimm-
trahles zu suchen, für welchen (vermöge des geringeren
Centriwinkels) sich ein solcher Refractionswinkel ergibt,
dass nx um diesen hinaufgeschwenkt, horizontal wird; der
Strahl geht dann von n aus horizontal weiter und trifft in 16m
Höhe mit jenem <£ ein, den der aus 16—0'1m = 15'9 m
zu ziehende Kimmstrahl hätte.
Diese Annahme hatte man anfangs einem vierten
Abschnitte der »Pola« - Veröffentlichung, nämlich über
»Refractions-Co&fficienten« zugrunde gelegt, den man aber noch im Drucke zurückgezogen hat, als
man die Annahpe als irrig erkannte; sie ist nicht stichhältig, wie folgende Überlegung zeigt: der erste
Fall lässt wohl eine unbegrenzte Senkung der Kimm zu, man braucht nur x näher an den Fußpunkt von
n zu rücken; aber der zweite Fall lässt als Maximalerhebung nur jenen Wert zu, den die geodätische
Kimmtiefe von einer um O'1 m niedereren Augeshöhe aus hat, also eine Hebung nur um 1”. Da aber
Hebungen bis zu 180” mit großer Regelmäßigkeit beobachtet sind, so ist die Annahme einer O'I m —
Schichte, in der der ganze Temperatursunterschied stattfände, falsch; man müsste der Schichte min-
destens 3m Dicke geben, was aber mit den Temperatursbeobachtungen nicht übereinstimmt. Auch andere
Erwägungen lassen diese Annahme als einen Irrweg erkennen: schon bei ganz ruhiger Luft müsste sich
diese unterste Schichte heben, wenn sie wärmer ist, und wenn sie kälter ist, so wird sie der Wind jedes-
falls zerstören.
j Vom 18. Tage an giengen gleichzeitig mit den aus 16m Seehöhe gemachten Universalbeobach-
_ tungen auch Kimmtiefenmessungen aus S, mit dem Nivellierinstrumente einher, weil die aus den bis
dahin erhaltenen Beobachtungen construierte Enddiagrammsgerade (über deren Construction siehe vor-
greifend Seite 26) um 12” oberhalb der Linie aus den »Pola«-Beobachtungen lag und wir diesem Unter-
Schiede nachforschen wollten, indem wir aus verschiedenen Augeshöhen zu messen beschlossen.
Es zeigte sich bald, dass die Enddiagrammslinie für die Augeshöhe von 10°4m ebenso wie die von
den »Pola«-Beobachtungen für 6:45 m giltige parallel zu der für 16 »» Augeshöhe verlief, nur schnitt die
von 6:45 m in der Höhe von 14” die Ordinate von 0° Temperatursdifferenz, die von 10°4m in 17” und
- die von 16 m in 26” Höhe. Wir gewahrten dies gerade zur Zeit, als wir es als unrichtig erkannt hatten
- den Temperatursunterschied zwischen Luft und Wasser in einer untersten Luftschichte auszugleichen,
_ und von diesem Irrwege zur Ansicht ‘gekommen waren, dass man die Erscheinungen durch Verände-
rungen der Luftdichte infolge von Auflockerung zu erklären hätte.
Von dieser neuen Ansicht ausgehend, erkannte man zunächst die eine Bemerkung in der »Pola«-
Arbeit, dass der Luftdruck der oberen Luftschichten auf die untere nichts ausmache, als einen Irrthum
setzt man in die Formel (3) des Refractionsco£fficienten = O0 ein, so erhält mank = +0'20 als Aus-
druck der Refractionswirkung, die daraus hervorgeht, dass lediglich durch den Druck der oberen Luft-
schichten auf die unteren — alle gleich temperiert angenommen — die Dichte der unteren vergrößert und
somit ihr Brechungsvermögen geändert wird. Mit diesem Coöäfficienten erhält man bei 16 m Augeshöhe
46”, bei 10:4 m 37” und bei 6°45 m 29” Hebung. Will man nun die Einwirkung der Wärme auf die
Refraction untersuchen, so muss man jedesfalls zunächst die Einwirkung des Gewichtes der Luftschichten
abschlagen, also diese Beträge von den beobachteten Werten der Hebung (Senkung) der Kimm abziehen,
oder die Verrückung der Kimm gegen die geodätische Kimmtiefe + diesem Betrage betrachten; es ist
also die bisherige Abscissenaxe des Enddiagrammes um 46” für die 16 m-Linie, um 37” für die 10 m-
Linie und um 29” für die »Pola«-Beobachtungen zu heben. Hiedurch wird die zur Temperatursdifferenz
0° gehörende Ordinate
|
|
|
46*
2
ns Dr a
398 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
bei 16 m aus +26” zu — 20"
Om » #197» — 18"
64m» + » — 15
Die den drei Augeshöhen entsprechenden Linien sind somit einander recht nahe gerückt, nur
stehen sie in der Nullabscisse noch von der Axe ab und dies führte darauf, dass die ganze mit dem Tem-
peratursunterschiede zwischen Luft und Wasser einhergehende Veränderung der Kimmtiefe in einer
Änderung der Wärmeabnahme mit der Höhe zu suchen ist; dann hat man aber für den Fall: Temperaturs-
unterschied Luft weniger Wasser (von nun an mit A bezeichnet), A = O auch die Einwirkung der nor-
malen Temperatursabnahme nach oben zu berücksichtigen.
Landbeobachtungen haben als normale Höhe, über die die Lufttemperatur um 1° abnimmt, für die
freie Atmosphäre in größerer Höhe durchschnittlich 172m ergeben; '! diese Zahl auf unsere Beobachtungen
anzuwenden, wäre wohl nicht einwandfrei, weil auf See die Verhältnisse sicher anders liegen als am
Lande; es soll also aus den vorhandenen Seebeobachtungen selbst ein Wert bestimmt werden.
Die »Pola«-Beobachtungen geben:
Lufttemperatur in Augeshöhe, d. i. 6°45 m—Luft- Lufttemperatur in der Mars, d. i. 14:7 m—Lutt-
temperatur am Wasser, d. i. 0:60 m ober Wasser temperatur in Augeshöhe, d. i. 6‘45 m ober Wasser
1. Tag —0°1 —0'2 +0:3
DES +0'2 0 —0'2
3.» +01 I ee
4. >» —0'3 10)
93 (0) —0:2 +0:2 +0°2
6. » —0'20 —0°2 —0'3 —0:2
Tan > 0 —0:1 —0:1 —0°2
SE — 0:31 —0':1 —0'1 —0'2
Eh — 0:20 —0'2 —0'2 0
O3 —0'10 Mittel —0'1 —0°4 —0'3 Die
11 — 0:28 aller Se! einzelnen
12 2 tagsüber ren Differenzen
13 — 0:28 0 —0:3 —0:1 —0°1
BR 0:28 gemachten ee jedes
er _0:30 Messungen o Tages
lo —0:27 —0:1 —0'2
I —0'20 —0:1 0
los: —0'25 —0'1 —0:1 —0°1
19.83 —0°17 —0:1 —0':1 —0'1
20. » — 0:32 —0:1 —0'1
ai —0:14 (=1-2)2 —0-3 —0-2
22,» —0'08 —0:2 —0°2 +01 +0°1
Bar» —0:23 — 04 0—02 (—06)? —O1 —0O1
24. » —0°16 —0'1 —0:1 —0:2 —0°1
Mittel —0°175 auf 5°85 m oder pro Meter —0°029. — 0'123 auf 8:3 m oder pro Meter —0°015.
1 Näheres hierüber inJordan’s Vermessungskunde, II. Bd., 1897, S, 542; es ergeben sich Werte der Temperaturs-Abnahme
pro Meter zwischen 0°009 und 0°014 für die Seehöhe von Om, aber durch Extrapolation.
? Die beiden eingeklammerten Werte als offenbar irrig weggelassen,
| Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 359
1
h
i
4
}
;
An Differenzen zwischen Augeshöhe und 0'6 m Seehöhe liegen allerdings mehr vor als an solchen
zwischen Augeshöhe und Mars; sie sollen aber mit gleichem Gewichte verwendet werden, weil die
letzteren verlässlicher sind. Aus einer anderen Quelle ist noch ein Wert der gesuchten Größe zu ent-
“nehmen: in dem Werke »Zenitdistanzen zur Bestimmung der Höhenlage der Nordseeinseln Helgoland,
R}
Neuwerk und Wangeroog«? sind Lufttemperaturen gegeben, die auf Helgoland gleichzeitig in 67 73 m
und 56 84 m Seehöhe, auf Neuwerk gleichzeitig in 31'74 m 22:54 m und 9'16 m Höhe, alle im August
1878 beobachtet wurden; die Helgoländer Beobachtungen erscheinen wegen zu großer Höhe als für den
vorliegenden Zweck — Bestimmung des Temperaturgefälles zunächst dem Wasser — nicht verwendbar;
die Neuwerker Beobachtungen geben bei Anwendung der Seite 49 und 50 jenes Werkes angeführten
'Thermometercorrectionen folgende Tagesmittel aus 3—5 Einzelnwerten:
Oben—Mitte Mitte— Unten
August 6. 5 — 0:34 : — 0:06
7 i 31 +0'13 £
”
SD : 14 i 28
9. +0:05 < 38 ;
10. 27 3 ; 52
1 5 23 11
12 : 0) 11
13. 3 16 6 i
14. : 24 e 3
15. > 16 5 9
16. i 20 1
7. ; 37 6 :
18. 01 P 5 13
19 2 50 17 :
20. : 12 5 30
2ailz : 18 b)
22, : 21 10 :
23. b 24 : 20
24. i 19 i 12
25. : 29 ; 6
26. ä 29 : 29
20. : 24 - 15
28. : 22 : 23
29. s 54 20 :
30. © 22 ) 34
3.4, 5 7
Mittel = —0°197 —0°057
oder pro Meterr= —0:021 —- 0'005
Mittel = —0°013.
Als der verlässlichste erscheint der Wert —0°015 aus den Beobachtungen auf der »Pola« in Auges-
höhe und in der Mars, denn da konnten die Temperaturen gut gemessen werden; die Nordseebeobach-
1 Veröffentlichung des kön. preuß. geodät. Institutes 1895.
u |
360 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
tungen sind mit gewöhnlichen Thermometern gemacht. Es soll also einstweilen = — 0°015 als Nähe-
rung verwendet werden; in der Folge werden sich genauere Bestimmungen ergeben.
Diese Größe — 0:015 von r (1° Temperatursabnahme auf 67 m Höhe) ergibt in die Coöfficienten-
formel eingesetzt bei 15° Temperatur:
K=6 15 (— 0'015 + 0°:034) = + 0:11;
hiemit erhält man
bei 16 m Seehöhe 25” Kimmhebung
10.4 m >» Sul »
» 645m » 16” »
und die um diese Beträge verschobenen Diagrammslinien geben dann für 0° Temperatursdifferenz
zwischen Luft und Wasser die Ordinaten
len MOD 5 el
3 OA el)
» |
Die hier angesetzten Beträge entstammen einem aus dem ersten Drittel der ganzen Beobachtungs-
reihe roh gewonnenen Diagramme und sind keine endgiltigen Werte, sondern dienten nur zur allgemeinen
Orientierung. Bei diesem so ganz neuen Gegenstande mussten eben Beobachtung und deren Erklärung
Hand in Hand einhergehen, damit man ermessen könne, was zu beobachten sei.
Somit war also die Einsicht in das Wesen der Sache erlangt, als sich ein sehr merkwürdiger Fall
ergab:
Der 17. März ließ ein stetiges Steigen der Kimm beobachten; sobald wir dies bemerkten, legten wir
die Messungen sehr dicht aneinander, so dass von 1 bis 6 Uhr 37 Beobachtungen, also mit beiläufig 8”
Zwischenzeit geschahen; von 1"3” bis 446" hatte die Kimmtiefe von 6’ 6" auf 1' 22" abgenommen,
um 4” 57" lag die Kimm 1’ 7" über dem Augeshorizonte und erhielt sich auf dieser Höhe durch eine
Stunde. Um diese merkwürdige Thatsache gegen Zweifel und Einwände zu sichern, beobachtete jeder von
uns, und zwar sowohl mit dem Universale als auch mit dem eigens deswegen neben dem Universale in
gleicher Höhe aufgestellten Nivellierinstrumente und überdies beide aus 10:3 m Seehöhe mit dem Nivellier-
instrumente allein; von diesem tieferen Standpunkte aus erschien die Kimm 3’ 19’ über dem Auges-
horizonte. An eine beobachtete Sonnenhöhe würde man bei 16m Augeshöhe 7’ 5" und bei 10:3 m
Augeshöhe 5’ 41" Kimmtiefe angebracht und somit einen Fehler von 8—9' in die Besteckrechnung ein-
geführt haben. =
Die Beobachtung allein eines solchen Falles wäre nur geeignet, die Kimmtiefe als etwas sehr
Unsicheres erscheinen zu lassen; es musste sich auch eine Erklärung und die Möglichkeit dazu finden,
solche abnorme Verschiebungen der Kimm aus den Temperatursmessungen vorauszusagen, und zwar mit
Sicherheit, wenn auch mit geringerer Genauigkeit.
Es lag auf der Hand, dass bei dem sehr flauen Winde, der an diesem Tage herrschte, die Tempe-
ratursverhältnisse wohl von den gewöhnlichen abgewichen sein mochten; der Umstand, dass die Curve
der Augeshöhentemperatur nicht wie gewöhnlich nur mittags durch die Bodenerwärmung steil in die Höhe
getrieben war, um nachmittags ebenso jäh abzufallen, sondern sich in bisher noch nicht vorgekommener
Höhe den ganzen Nachmittag und Abend ober der O4 m-Curve erhielt, ließ annehmen, dass es sich an
diesem Tage um eine thatsächliche Zunahme der Lufttemperatur nach oben zu, nicht bloß über Land,
sondern auch über See handle. Berechnete man aus der höchsten Augeshöhentemperatur 17°6 und der
zugehörigen O’4 m-Lufttemperatur von 12°6 die Temperaturszunahme per Meter = + 0°321, -und
hieraus den Refractionsco£fficienten K= +2°19, so ergibt dieser die Kimm 43" oberhalb des Augeshori-
Kimmtiefen-Beobachtumgen zu Verudella. 361
zontes; nahm man die 17°2 als 10:3 m - Temperatur an, so ergab sich als Temperatursabnahme bis
510.3 mr = +0°465, hiemit Ä= +3'06, der die Kimm in 10:3 m Höhe 3' 6" über dem Augeshorizonte
‚erscheinen lässt. Die Verschiedenheit der zwei Werte von x weist darauf hin, dass man ein von unten
Each oben zu abnehmendes z in Rechnung nehmen müsste, und zwar ein solches, dass die für 10:3 m
angenommene Temperatur + der für die 57m oberhalb davon entfallende Temperaturszunahme 17°6
ausmache; man hätte nach der Jordanschen Formel mit veränderlichem r, also mit zweierlei Co£fficienten,
einem in der untersten Schichte und einem davon verschiedenen in den obersten zu rechnen, was bei
= des sogleich zu besprechenden nächsten solchen Falles geschehen wird.
Einstweilen soll diese rohe Überschlagsrechnung genügen, zumal da die bisher in Augeshöhe
2
emessenen Temperaturen nicht einwandfrei waren, sondern, wie gesagt, mittags die Einwirkung der
"Bodenerwärmung recht deutlich zeigten, man sich also nicht mit Sicherheit darauf verlassen konnte, Die
jetzt erlangte Einsicht, dass es sich um genaue Kenntnis der Temperatursänderung mit der Höhe handle,
ließ uns bei den nächsten Beobachtungen anfangen, von einer gegen See zu senkrecht abfallenden Klippe
aus 9m Seehöh@fdie Lufttemperatur zu messen, um aus dem Unterschiede der hier und der am Wasser
zu beobachtenden Lufttemperaturen eine Controlle zu den »Pola»-Beobachtungen zu erhalten, die den
einzig verlässlichen Wert des r für Seeräume boten. Eine größere Höhe, die einwandfreie, sichere Tem-
_ Peratursmessungen zugelassen hätte, ließ sich bei Verudella leider nicht finden. Die Stelle liegt gerade
"seewärts von SS, (s. Fig. 1).
2
der Kimm bis über den Augeshorizont, so doch mit einer Hebung bis halben Weges zwischen gewöhn-
licher Kimmtiefe und Augeshorizont. Von der richtigen Einsicht in die Verhältnisse geleitet, maßen wir
diesesmal die den Ausschlag gebenden Temperatursunterschiede, und zwar mit aller Sorgfalt, und der Tag
wurde überaus lehrreich. Das Wetter war an diesem Tage dem vom 18. März ähnlich: sehr flaue Briese,
‚oft kaum ein Windhauch; es konnte sich also wieder ergeben, dass die unterste Luftschichte um ein
Einen Monat später, am 18. April, ergab sich wieder ein ähnlicher Fall, wenn auch nicht mit Hebung
_Beträchtliches kühler war als die oberen. Die Messungen ergaben als Unterschied zwischen der Luft-
temperatur in 9 m weniger der in 1 m Seehöhe:
um Su jsre 29 urn I Sa Sale
8.0.55 +13 219 — 0:3
9 20 +04 AL 41:9
10 10 +05 38.8 +11
35 +1'2 3, 42 +07
VER) +07 4 36 +0°8
1710 +0°6
j Man erhält durchschnittlich 0°68 als Temperatursunterschied über 8 m Höhe für die Zeit bis ein-
schließlich 1" 53” und 0°84 für später, also Temperatursänderung pro Meter = +0°085 und +0: 105,
hiemit XK= +0:71 und +0:83, woraus sich die Hebung der Kimm über ihren geodätischen Ort zu 164"
‚und 192° berechnet; die beobachtete Hebung war — im Mittel der von S1/," bis 11/," wachsenden
Beträge — 155" und im Mittel zwischen 2" und 4" 230. Diese Berechnung gestaltet sich für die Auges-
‚höhe von 10:3 m so: mit X = +0°71 und +0:83 Hebung der Kimm um 132" und 154° gegenüber den
‚auf die angeführte Weise ausgezogenen Mittelwerten 167° und 2 251° der Beobachtung; es zeigt sich also
‚auch hier wie am 17. März, dass die 10-3m — Beobachtungen einen stärkeren Coäfficienten verlangen,
also darauf hindeuten, dass die Temperaturszunahme in den unteren Luftschichten stärker ist als in den
oberen. Setzt man das r in irgend einer Seehöhe von h Metern — einem t„ in der untersten Schichte
+h .n, won die Veränderung des r, mit der Höhe ist, so ergeben die Vor- und die Nachmittagsbeob-
j
.
362 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
I
achtungen dieses Tages zusammengefasst bei Anwendung der Jordanschen Formeln! die vier Bedin-
gungsgleichungen:
vormittags
RB
nachmittags
I Ad+2Ky
370. Dr 3 —an7, 370, 2) era — 281.
1 K,+2K, 1 Ko-+2Kı
AR‘ BS% en ER AAV als BMA TIL ZT tn) v
162. 5 3 =D 462. 0 3 ER.
worin 5
Kr = b(,+h.n+0 034) und K = ba +h.n+0:0834). ;
Die Temperaturszunahme in der untersten Schichte dürfte nachmittags anders als vormittags
gewesen sein, weshalb ein r, und ein rg) angenommen wurde; auch ist zur Vereinfachung statt des Fac-
—.
tors 6°15 rund 6 angesetzt worden. Die Auflösung der vier Gleichungen nach der Methode der kleinsten
Quadrate liefert: t
= —0:0108 = 0,191 4 = +0'250; f
hiemit erhält man {
vormittags nachmittags
N, 135 1:70
Ko 0:70 0%
Kr 0°31 0:66
und mit diesen Coöfficienten
für 19 93m K=
Kot2Kun _ 0.99
0
für 1’ 3m X= 1:25,
ne a ©
Hebung 170' gegen 167" beobachtet, Hebung 231" gegen 237" beobachtet,
für 16m K= 0:66
Hebung 153" gegen 155" beobachtet.
Die Temperatursdifferenzen stellen sich hiemit so:
für 6m Kz= 1:01
Hebung 233° gegen 230" beobachtet.
a. m. p- m.
Änderung pro Meter zu unterst . +0°191 +0°250
» » >» in 9m Höhe . . +0:105 +0:164
Änderung pro Meter im Mittel & 0°148 0°207
Temperatursunterschied über 8 m 1°18 1°66
» » 8m im Mittel nach Beob. 0:68 0:80
die größten beob. Werte des Temperatursunterschiedes waren 1'3 1:9
Diese gute Übereinstimmung veranlasst uns, auch die an diesem Tage aus 42 m Seehöhe gemachten
Beobachtungen mit einzubeziehen und auch auf den 17. März zurückgreifend die damaligen Beobach-
tungen in dieser Weise zu behandeln. Hiebei wollen wir aber, weil aus 42 m Höhe für den 18. April nur’
die zwei Messungen um 10" a. m. und 2" 45” p- m. vorliegen, die zu diesen Zeiten aus 16 m und aus 10m
! Von Jordan zuerst in den Astron. Nachrichten Nr.
2095 v. J. 1876 und zuletzt in seinem »Handbuch der Vermessungs-
kunde«, 2. Bd.,
1897, veröffentlicht; ihre charakteristische Eigenthümlichkeit ist die, dass sie eine beliebige Änderung der Tempera-
tursabnahme mit der Höhe, x einzusetzen gestatten, so dass man für einen unteren Punkt einen Refractionseoöffieienten Ä,, für einen
oberen As erhält und sich die Abweichung des Lichtstrahles von der Geraden im oberen Punkte zu nn halbem Centriwinkel
berechnet. Das diesen Formeln Eigenthümliche ist in der Anwendung von
Kı-t2Ks \ SWR F
37 benützt worden, die X,Ay sind nach der ein-
gangs gegebenen abgekürzten Formel berechnet.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
363
beobachteten Werte der Kimmtiefe, um genauer vorzugehen, so ansetzen, wie sie sich aus den Curven-
blättern als Mittel der Ordinaten von 91/,, 9%/,, 10, 10'/,, und 10!/," a. m., beziehungsweise 21/,, 21/,, 2°/, 3
und 3!/," p.m. ergeben; das »n soll für den 17. März dasselbe wie für den Vor- und Nachmittag des
18. April sein, die Temperaturszunahme in der untersten Schichte soll aber verschieden angesetzt und mit
Tr,r4 bezeichnet werden. Man hat dann die acht Gleichungen:
rR79
\ aus 10 m Höhe HD = 6: Se
[a77}
vom 17. März < ? 599
» 16m RZ 460
I RER Eee
/ 10 m ER IK 08: 370
Ne 141
= ai 18. April a. m. » 16m « Kö+2K —6. 462
} et , 104
» 42 m ENGE 750
e & 214
» 10m EAN ı 370
| Se 217
a EEE 12 5 ee 1:5 U ER 469
177
» 42m » RAR Rn 6 u
\ = 750
Mit der angenommenen Bezeichnung von Tr, to lauten diese Gleichungen:
T+ 6°67n—0'48 = 0
T+10:67n—0'34 = 0
o+ 6°67n—-011=0
7, +10°67n—0 07 =0O
o„tr283n —001=0
o+ 6'67n-0'16=0
7+10:67n—-0:12=0
ne
und ergeben, nach kleinsten Quadraten aufgelöst: a = —O 00528, T= +0°46,7,= +0:14, 1, = +0'19
und man erhält:
17. März 18. April a. m. 18. April p. m.
Bei 10:3 m
K+2:75 K+0:837 K+1'13
Hebung 143' über dem Augeshorizont,
gegen 203" beobachtet.
Bei 16 m
K+2:63
Hebung 146' über dem Augeshorizont
gegen 60° beobachtet.
Bei 42 m
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
Hebung 161",
gegen 167° beobachtet.
K+0:75
Hebung 173',
gegen 155° beobachtet.
K+0:19
Hebung 72",
gegen 104" beobachtet.
Hebung 209°,
gegen 237° beobachtet.
K+1:01
Hebung 233",
gegen 230" beobachtet.
K-+0:45
Hebung 169",
gegen 177" beobachtet.
47
364 Karl Koss und Emerich Graf Thu n-Hohenstein,
Die Temperatursdifferenzen stellen sich hiemit so:
17. März 18. April a.m. 18. April p. m.
Änderung pro Meter zu unterst . . . . 2... +0:46 +0:14 +0:19
> Eine none rer in 9m +0:10 +0'15
Temperatursunterschied über 16m Höhe . + 6°6 über 8m +1°0 +1?°4
Größter beobachteter Unterschied. . . - . 9.0 1-3 1.9:
Die Differenz zwischen den 6°6 und 5°0 des 17. März überschreitet wohl die der Temperaturs-
messung beizulegende Unsicherheit; auch werden die Beobachtungen des anderen Tages nicht so gut
wiedergegeben wie durch die Behandlung der vier Gleichungen für sich allein, und man wäre versucht,
ein » für den einen Tag und ein anderes n für den anderen Tag, also fünf Unbekannte aus den vier Glei-
chungen zu bestimmen, wozu man noch als Bedingung aufstellen könnte, dass die aus Tr,undr/ mit den
beiden » resultierenden Beträge der Temperatursabnahme über 16 m, beziehungsweise 8 m Höhe den
wirklich beobachteten möglichst nahe kommen sollen. Weil dieses aber zu weit führen würde und man
die schon jetzt erreichte Annäherung angesichts der überhaupt zu erreichenden Genauigkeit als genügend
gelten lassen kann, so wollen wir es unterlassen, umsomehr als in solchen besonderen Fällen die jewei-
lige Temperatursvertheilung sehr verschieden ausfallen mag, der Rechnung also kein allgemein praktischer
Wert beizumessen wäre.
Es bestätigt sich also, dass bei sehr flauer Briese eine starke Temperaturszunahme pro Meter auf-
tritt, die nach oben zu rasch abnimmt und eine besondere Erhebung der Kimm bewirkt;! mehr als dieses
noch hat dieser Tag auch die sehr wichtige Thatsache gezeigt, dass solche Abweichungen von den
gewöhnlichen Verhältnissen sich nicht über den ganzen Seeraum zu erstrecken brauchen, sondern stellen-
weise auftreten können. Die ganz leichte NW-Briese hatte auf der Fläche, die sie bestrich, diese unge-
wöhnliche Temperatursvertheilung aufgehoben, indem sie die Luft durchmischte, und deshalb fällt auch
die im NW beobachtete Kimmtiefe überein mit der nach dem Diagramm zum Temperatursunterschiede
zwischen Luft und Wasser gehörenden; während gleichzeitig in der Südgegend, wohin der NW-Wind
nicht durchgegriffen hatte, wo also die besondere Temperatursvertheilung noch bestand, die Kimm um
ein so Beträchtliches höher erschien; ja es war sogar möglich, in dem beiläufig 1/,° umfassenden Gesichts-
felde des Fernrohres zugleich links die hohe Kimm der abnormalen Südgegend und rechts die um 2'
tiefer liegende der normalen Nordwestgegend zu sehen.
Ähnliche Unregelmäßigkeiten waren auch am 30. Tage, d. i. am 3. Juni zu beobachten; wir maßen
die Kimmtiefen in der Richtung NW, gegen den Wind; die um 2" aus S, und um 2" 6m aus S, gegen
Westen zu (genauer: um 60° aus S, und um 80° aus S, nach links von der Windrichtung) gemessene
Kimm lag aus S, um 2'13" und aus S, um 2'43° tiefer als die Kimm in der Windrichtung; der Wind
hatte eben noch nicht über den ganzen Seeraum durchgegriffen. In solchen Fällen stellt sich »Lateral-
refraction« ein.
Die aus den Temperatursmessungen berechnete Hebung der Kimm stimmt mit den beobachteten
Werten, und dies war uns ein Beweis dafür, dass der eingeschlagene Weg der richtige war; und von dem
jetzt eingenommenen Gesichtspunkte aus konnten wir nicht nur die bisher schon vorliegenden Beobach-
1 Es ist hier der Platz, eine Bemerkung über solche abnorme Hebung der Kimm zu besprechen, nämlich die Frage: Wieso
kommt es, dass mn von solchen Fällen (Hebung über den Augeshorizont), die sich ja doch öfters ereignen müssten, noch nie etwas
gehört hat? Die Antwort ist die, dass wohl schon mancher Navigationsofficier hin und wieder aus einer Höhenbeobachtung eine
augenscheinlich um 10—15' irrige Position erhalten hat, dass er aberih einem solchen Falle eher eine grobe Irrung im Ablesen oder
Aufschreiben angenommen hat als einen Fehler in der Kimmtiefe, zu dessen Feststellung er zudem keine Zeit gehabt hätte, überdies
auch keine Mittel. Dass sich bei den vorliegenden Beobachtungen nur zwei solche Fälle ergeben haben, wiewohl sie ein’ Jahr
umfassen, ist eben dem örtlichen Wetter zuzuschreiben, das im Winterhalbjahre entweder südlichen oder Nordwestwind, im Sommer
zumeist Nordwest bringt, und dem Zufalle, der von den 48 Beobachtungstagen des Jahres eben nur zwei so ausgezeichnet hat. Von
Kimmfehlern bis zu 5' berichten übrigens Raper, Practice of Navigation und Magnaghi, Gli strumenti a rillessione.
u
EEE
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 365
tungen auf ihre Verwendbarkeit hin kritisch sichten, sondern besaßen auch einen Maßstab, um in Hin-
kunft während der noch zu machenden Beobachtungen ihre Verlässlichkeit uder ihre Abweichung vom
Normalen zu ermessen.
Die Messungen des Temperatursunterschiedes über 8 m wurden mit aller Sorgfalt weiter betrieben;
sie hatten einen endgiltigen Wert des r zu liefern, und die jeweils an einem Tage gemessenen Beträge
" dieser Größe ließen beurtheilen, um wie viel die Hebung oder Senkung der Kimm durch die Anomalie
des t vom Mittel entfernt wurde. Zusammengestellt sind sie auf S. 81.
So ergab sich über die Verwendung der Blätter für das Enddiagramm Folgendes:
Blatt 2, vom 12. November: Die 3m-Temperatur ist beträchtlich geringer als die von Im; Kimm
- jedesfalls gesenkt, Betrag nicht sicher anzugeben; Wind sehr schwach. Beobachtung nicht verwendet.
Blatt 9, vom 7. Februar: Aus den in 10 m und in 0:2 ım gemessenen Lufttemperaturen ergibt sich t
im Durchschnitte zu —0°023; dieses gibt gegenüber dem normalen z = —0°015 ein um 0:05 größeres
K, und dieses wieder um 11" mehr Hebung. Da die 10 m-Temperatur nicht unverlässlich ist, so wird auf
Grund dieser Rechnung das Mittel +4" der Curvenordinaten um 11° vermindert, also mit dem Betrage
7' Senkung um Mittel —1°9 der Temperatursunterschiede zwischen Wasser und Luft in O°2 m fürs
Enddiagramm verwendet.
Blatt 12, vom 7. März: Der Wind flaute um 10" rasch, es konnte sich also warme Luft in der Höhe
ansammeln und eine Temperaturszunahme statt einer Abnahme nach oben bewirken, was die Kimm in
die Höhe treibt; es soll daher nur der 9'/,"-Wert: 104" Senkung der Kimm bei —9°7 Temperatursunter-
schied zwischen Luft und Wasser verwendet werden.
Blatt 14, vom 16. März: Die 3 m-Temperatur war durchschnittlich gleich der von O'4 m, also r = 0;
der Unterschied dieses z gegen das normale von —0°015 macht 0:10 im K aus, und dieses 23° mehr
Hebung als normal; es ist also das Mittel aller Ordinaten 81" um 23" vermindert, also 58" Hebung bei
der durchschnittlichen Differenz +1°3 zwischen Luft- und Wassertemperatur zu verwenden.
Blatt 15, vom 17. März: Ist für sich behandelt worden.
Blatt 19, vom 10. April: Die Lufttemperatur dürfte vormittags wegen des über Land streichenden
flauen NO-Windes zu hoch gemessen worden sein; der Vormittag nicht zu benützen, weder bei den Beob-
achtungen aus S,, noch bei denen aus S,.
Blatt 22, vom 17. April: Die in 9 m gemessene Temperatur war vormittags um 0°55 und 0°15 höher,
nachmittags um 0°10 und 0°40 tiefer als die in 1 m; dieser Abweichung des r vom Normalwerte ent-
spricht eine vormittags starke, tagsüber abnehmende Hebung der Kimm über den Diagrammswert; die
Tagesreihe nicht verwendbar, weder aus S, noch aus S;,.
Blatt 23, vom 18. April: Ganz abnorm, schon für sich betrachtet.
Blatt 24, vom 20. April: Temperatursabnahme über Sn durchschnittlich —0?03, t = — 0'004, Unter-
schied gegen normales x (—0:015) ist —0-O11, Unterschied im K 0:07, Unterschied in der Kimmhebung
16"; der Mittelwert aller halbstündigen Ordinaten von 1" bis 6'/,", nämlich 54", wird um 16" vermindert,
also 38" Hebung zum Mittel der Temperatursdifferenzen-Ordinaten, d. i. zu +0°2 fürs Enddiagramm
verwendet. Für S, macht der Unterschied 0:07 im K 13" Hebung der Kimm aus; fürs Enddiagramm
wird also das Mittel der halbstündigen Ordinaten 46" um 13" vermindert, also 33° Hebung zu +0°2
Temperatursdifferenz verwendet.
Blatt 25, vom 1. Mai: Im Mittel ergeben die nachmittägigen Temperatursmessungen bei Auslassung
des 5" 5®-Wertes = +0°022, woraus eine Hebung der Kimm um 51" über den Diagrammswert folgt, es
wäre also fürs Enddiagramm einzustellen: das Mittel der Ordinaten von 1" bis 51/,® 75" um 51" vermin-
dert, also 24" Hebung zu +0°6 Temperatursunterschied. Für die Beobachtungen aus S, in derselben
Weise: 73"—40"—= 33" zu +0°6. Mit Rücksicht auf die bei Blatt 36 besprochene Nachwirkung den Tag
überhaupt nicht verwendet.
Blatt 26, vom 2. Mai: Aus den Temperatursunterschieden nachmittags ? = +0'02, Kimm zu stark
gehoben; für den Vormittag findet man zwar = +0:03, aber der Wind war frischer (2—3) als nach-
\ ie
47*
366 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
mittags (1); nur Vormittag verwendbar aus S, und S,. Aus S, liegen drei einzelne Beobachtungen vor:
52°, 64" und 72° Hebung über die geodätische Kimm bei +1°0, 0° und +0°3; Mittel 63" bei +0°4,
Alle vorhergängigen ganz vereinzelten Beobachtungen aus S, nicht berücksichtigt.
Blatt 27, vom 6. Mai: Aus den Temperatursmessungen von 10" 20”, 10" 50" und II 25m — 0, aus
denen von 1" 15” bis 6" O0" = -—-0:002 und 6% 25" pis 7h 20m — +0'03; das erste hebt die Kimm
um 20", das dritte um 25° über den Diagrammswert, und es sind nur die Beobachtungen zwischen ITRE
und 6" zu verwenden; aus S,, S, und S, im Mittel der halbstündigen Ordinaten zwischen 11" und 6":
1" Hebung für S,, 20" Senkung für S,, 21" Hebung für S, bei —1°3 Temperatursunterschied.
Blatt 28, vom 13. Mai: Bis 10° 10” normales r; das Mittel aller halbstündigen Ordinaten von 10!/,"
bis einschließlich 4!/," beträgt für die Beobachtungen aus SS], 66",47'’,29", woraus sich X zu
0:17, 0:20, 0:16 und ferners t zu —0°006, 8°, —0°007 berechnet, also hervorgeht, dass wenn der Tem-
peratursgradient gestört ist, die Störung nicht durch alle Schichten durchwegs gleichmäßig zu sein
braucht. Aus den Temperatursangaben von 10" 30” an findet sich — bei Auslassung des unwahrschein-
lich hohen Wertes von 1" 35" — t zu +0:005; weil der Wind den ganzen Tag hindurch sehr flau war,
den ganzen Tag nicht berücksichtigt.
Blatt 29, vom 2. Juni: Temperatursänderung pro Meter durchschnittlich +0°034 bei Temperaturs-
differenz +3°6; aus den bisherigen Beobachtungen hat man den Temperatursdifferenzfactor für 9 m
0:0017,1 es müsste also ct = —0:018 +36 X 0-0017 = +0:043 sein; das beobachtete r stimmt hiemit so
nahe überein, dass der Tag ohne weiteres verwendet wird, und zwar für die 16 m-Beobachtungen Mittel
aller Ordinaten von 8" bis einschließlich 5%: 107° Hebung zu +3°6 Temperatursunterschied; die Beob-
achtungen aus S, in zwei Gruppen getrennt, um für das Enddiagramm die benöthigten höheren Beträge
der Temperatursdifferenz zu erhalten, also Mittel der Ordinaten bis einschließlich 1": 120" Hebung zu
+5°2, Mittel 11/,” bis einschließlich 5t/,%: 64" zu +1°8. Die -aus S, gemachten Beobachtungen 108"
Hebung zu +5°1 Temperatursunterschied, 120° zu +5°5, 151" zu +6°2, 123° zu +2°4 und 115" zu
+2°0 nur im Mittelwerte 123" zu 4°2 benützt.
Blatt 30, vom 8. Juni: x durchschnittlich — +0°048; mit Temperatursdifferenz +4°2 7 = —0:018
+0°:0017x4'2 = +0:053; die Mittelwerte verwendet, nämlich aus S, 123" bei +4°4, aus S, 118° bei
+4°5.
Blatt 31, vom 6. Juni: x sollte bei Temperatursdifferenz +0°6 —0-015 +0:0017 . 6 = —0°005
sein, findet sich aber im Mittel bis einschließlich 4% 25” bei Auslassung des 3" 25%-Wertes zu +0°009;
diese Abweichung des Temperatursgradienten vom normalen macht 0:08 im K aus, ergibt also die Kimm
für S, um 18° zu hoch, und das Mittel der Ordinaten wäre um so viel vermindert zu verwenden; da aber
der NW-Wind vom frühen Morgen an geweht hat, ist es ziemlich sicher, dass die Luft gut durchgemischt
war und das Temperatursgefälle nahezu normal war und die erwähnten +0°009 sich nur durch Bestrah-
lung der Klippe ergeben haben. Von 4'/," an hat der Wind geflaut; daher das Mittel aller Ordinaten bis
4", d.i. für S, mit 46°, für S, mit 29° zu +0°6 Temperatursunterschied angesetzt.
Blatt 32, vom 7. Juni: Bis einschließlich 3% 5” x durchschnittlich +-0°013, sollte aber bei der Tem-
peratursdifferenz +0°1 (Mittelwert) = —0:015 +0-0017 = —0:013 sein; indes sind die 9 m-Tempera-
turen wegen starker Bestrahlung der 9 m-Klippe unverlässlich. Tagesreihe ungeändert verwendet aber
nur bis 4%;- nachher flaute der Wind rasch, weshalb wir auch das Beobachten aufgaben; Mittelwerte bis
+: aus S, 33° zu +0°1, aus S, 15" zu 0°0; aus S; das Mittel der 101/,"-, Mittags- und 11/,"-Beobach-
tung 30° zu 0°0.
Blatt 33, vom 4. Juli: x im Mittel —0°O11, sollte bei Temperatursdifferenz —0°5 (im Mittel) gleich
—0°015 —5 0':0017 = —0'024 sein; die fehlenden 0,013 machen im K’ 0:08 aus, was eine Hebung um
18° für S, und um 30' für S, über den Normalwert bewirkt; es werden also — im Mittel aller Größen von
10" an — die aus S, und S, beobachteten 27" und 46' weniger den berechneten 18° und 30°, also 9°
und 16° Kimmhebung bei Temperatursdifferenz —0°5 fürs Diagramm verwendet.
! Endgiltiger Wert 0-0016, siehe S. 32.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 367
Blatt 34, vom 10. Juli: z im Mittel der Temperatursmessungen bis einschließlich 3" 25” —0°002;
später durchschnittlich +0:005, also gegenüber dem normalen = — 0'015 um 0:020 verschieden, was
0:12 Unterschied im X und 28° Hebung übers Normale ausmacht. Die Beobachtungen deswegen nur bis
einschließlich 4" verwendet; bis zu dieser Zeit r im Mittel —0°02, sollte bei der durchschnittlichen Tem-
peratursdifferenz von +0°2 zwischen Luft und Wasser = —0'015 +2 ..0 0017 also = —0?012 sein; der
Unterschied von 0:010 im r verursacht einen Unterschied von 0°06 im X, und dieser eine Hebung der
Kimm übers Normale um 14" für S,, um 23° für S,; deswegen die Mittelwerte bis 4" 31° für S, und 43"
für S, um 14° und 23" vermindert, also 17" und 20" fürs Enddiagramm verwendet.
Blatt 35, vom 14. Juli: Weil Ostwind über Land, und nur sehr flaue weht, wird der Temperaturs-
unterschied zwischen I m und 9m ganz unverlässlich; aus demselben Grunde durchwegs das Mittel der
am Beobachtungsorte in I m und der am Tender (1 Meile vom Lande) in 2 m gemessenen Lufttempera-
turen genommen. Dicht unter Land Strömung bemerkbar, daher nur die am Tender gemessenen Wasser-
temperaturen benützt. Die Curve der Kimmhebung aus S, ist normal, die aus S, liegt aber oberhalb von
ihr und die aus,S, hat durchschnittlich dieselbe Ordinatenhöhe wie die aus S,; es war also die Tempe-
ratursvertheilung so, dass sie bis 10 m starke Refraction bewirkte, oberhalb davon war bedeutend gerin-
‚geresr, so dass sich die Refraction für 16 z im Durchschnitte normal stellte und die aus 42 m zu beob-
-achtende nur um ein Geringes unters Normale sank. Den ganzen Tag nicht verwendet.
Blatt 36, vom 15. Juli: Der Ostwind vormittags hat am Beobachtungsorte die Lufttemperaturen
‚jedesfalls zu hoch messen lassen; daher durchwegs Mittel der hier und der am Tender gemessenen Tem-
peraturen verwendet. r ergibt sich im Durchschnitte bis einschließlich 2" 15" zu +0°046; mit dem durch-
schnittlichen Unterschiede 3°5 zwischen Luft- und Wassertemperatur erhält man durch Rechnung
- —0:015 +35 . 0:0017 = +0°045; der beobachtete und der berechnete Wert stimmen sehr schön, und
"beide sind umso verlässlicher, als frischer Wind war; mit dem Einsetzen des Westwindes ist die Luft-
temperatur gefallen, durch die Nachwirkung aber der hohen vormittägigen Temperatur ist das Gefälle
nicht auf den der Differenz zwischen Luft und Wasser entsprechenden Betrag herabgegangen, sondern
“darüber geblieben (wie auch auf Blatt 13, 17, 25, 29 und 30), die directe Beobachtung ergibt von 2" 25"
anzt= +0:044 im Mittel, aber wegen der nachmittägigen Bestrahlung der 9 m-Klippe unsicher, wohl zu
groß. Die Curve nur bis 1" verwendet: Mittel der Ordinaten 8" bis 11/," 96° Hebung zu 3°5 Temperaturs-
unterschied für S,; Mittel 81/," bis 11/,® 101" Hebung zu 3°6 für S,; Mittel 11” bis 51/," 95° Hebung zu
2°4 für S,. Temperatursgradient ungleichmäßig in verschiedenen Höhen.
Blatt 37, vom 3. August: Mittel der am Tender und der selbst gemessenen Luft- und Wassertempe-
raturen verwendet. Aus S, Mittel 8-6": 26° Hebung zu 0°0, aus S, Mittel 91/,—5%/,": 37° Hebung
zu 0°0.
Blatt 38, vom 8. August: r ergibt sich zu durchschnittlich +0°001, sollte aber beim durchschnitt-
- lichen Temperatursunterschiede +0°3 —0?°010 sein; der Unterschied von 0°O11 im r macht 0:07 im X
aus, also 16° mehr Hebung bei S,, 27" bei S,; für S, das Mittel der Ordinaten von 71/," bis einschließ-
lich 1" 55" um 16° vermindert, also 39" Hebung zu +0°3 Temperatursdifferenz und für S, das Mittel
91/,— 1", 60" um 27° vermindert, also 33" Hebung zu +0°3 verwendet.
{ Blatt 39, vom 10. August: Da ein Gewitter vorangegangen war und der Wind frisch wehte, stand zu
| erwarten, dass die Kimmtiefe ganz normal sein werde; die aus S, beobachtete hielt sich aber um beiläufig
30° unterm Normalen. Gegenüber dem bisher fast immer vormittags eingetretenen Steigen der Wasser-
temperatur ist ihr heutiges Fallen verdächtig, umsomehr, als es durch keine Tenderbeobachtungen bestä-
- tigt wurde, und dürfte wohl durch einen kalten Strom unter Land bewirkt worden sein; da überdies die
42 m-Kimm um ungewöhnlich Vieles höher liegt als die 16 m-Kimm, und man auch den Temperaturs-
gradienten nicht messen konnte, weil der Wind über Land strich, den ganzen Tag verworfen.
Ein warnendes Beispiel!
Blatt 40, vom 11. August: Wiewohl die Wassertemperatur durch keine Tendermessungen controliert
ist, ist sie doch vertrauenswert, weil sie den gewöhnlichen Anstieg bis 2" macht. Lufttemperatur vormit-
368 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
tags unverlässlich, weil Landwind, daher auch kein Temperatursgefälle zu messen. Um 1" setzt westliche
Brise ein, Beobachtungen von 11/," bis 6" verwendet: aus S, im Mittel +3" zu —1°0, aus S, —8' zu
—1?°0, aus S, +28’ zu —0°9.
Blatt 41, vom 1. September: Normal. Verwendet: Mittel der selbst und der vom Tender gemessenen
Wassertemperaturen, Lufttemperaturen nur die selbstgemessenen. Mittelwerte: aus S, 111, —61/, 2 Ts
zu —0°5 Temperatursunterschied, aus S, +19" zu —0°5.
Blatt 42, am 2. September: Im Mittel der zwischen 10" 15" und 5} 5" gemessenen 12 Werte ist die
Temperatursabnahme von I m auf 9 m —0°027, also t = —0°003, sollte aber bei dem mittleren Tempe-
ratursunterschiede zwischen Luft und Wasser von —0°1 gleich —0'015 —1 . 0:0017 = —0:013 sein,
der Abgang von 0'010 im r macht 0°06 im K aus, also in der Kimmtiefe 14° für S, und 11" für S,; &8
wären also die Mittelwerte der Curvenordinaten um diese Beträge vermindert in Rechnung zu bringen,
d. i. für 5, 31° —14" — 17° und für S, 33"—11" = 22"; dass trotz dieser Berichtigung sich für S, eine
größere Hebung als für S, ergibt, deutet darauf hin, dass die Störung des Temperatursgradienten in
unteren Schichten stärker war als in oberen. Den Tag nicht verwendet.
Blatt 43, vom 6. September: Die Wassertemperatur zwar nur am Beobachtungsorte gemessen, da
kein Tender zur Verfügung stand, aber sie zeigt den ganz normalen Anstieg um 1°8 von 8" bis 2" SD
dass sie ganz verlässlich erscheint. Der Temperatursgradient scheint in den untersten Schichten ein wenig
gestört gewesen zu Sein (rt negativ größer), denn die Kimmhebung aus S, kommt mittags an die aus S,
heran und erhebt sich dann darüber; die Curven deshalb nur bis 3" verwendet, von welcher Stunde an
das Flauen des Windes die Störung vermehrte. Für S, Mittel 81/,—5" +16" zu —0°1, für S, Mittel
11% —21/,® +10" zu —0°3.
Blatt 44, vom 7. September: Genau so wie gestern. Im Mittel der Ordinaten 9—3!/,®: aus S, +20"
und aus 5, +19" zu 02.
Blatt 45, vom 3. October: Normale Verhältnisse. Nach 4" flaut der Wind, was die Kimm in die
Höhe treibt. Die Beobachtungen aus S, von 1—4" mit dem Mittelwerte +15" zu —0°7 für die Gleichung
verwendet; aus S, im Mittel von 10" bis 4” mit +10" zu —O°4. Für die Temperatursdifferenzencurve
Mittel der selbst und der vom Tender gemessenen Wassertemperaturen, von Lufttemperaturen nur die
selbst gemessenen benützt.
Blatt 46, vom 6. October: Der anfangs herrschende Ostwind bringt unregelmäßige Temperaturs-
vertheilung mit sich, nach den Messungen von 9" 5", 9" 40% und 10" 10” durchschnittlich re = +0°010,
das die Kimm übers Regelmäßige hebt. Der um 9" einsetzende und um 11" frischende Südwind macht die
Verhältnisse normal, von 10".40" an r durchschnittlich —0'015; die Beobachtungen von 11" an verwen-
det mit: +32" aus S, und +22" aus S, zu 0°0 Temperatursunterschied. Construction der Temperaturs-
curven wie am 45. Tage.
Blatt 47, vom 9. September. Wie es schon mehrmals vorgekommen ist, hat die Kimmtiefe morgens
nicht die volle, der Temperatursdifferenz entsprechende Senkung, erst nachmittags tritt Übereinstimmung N
ein, allerdings nur für kurze Zeit, denn die Kimmtiefencurve macht den jähen Sturz der Temperaturscurve
nicht ganz mit. Leider war der Temperatursgradient nicht directe zu messen, denn bei dem übers Land
kommenden Nordostwinde war es ganz aussichtslos, richtige 9 m-Temperaturen zu messen. Dass der
Gradient gestört war, zeigt sich in dem Unterschiede zwischen der Senkung der Kimm aus S, und der
Senkung für S,; die Differenz sollte 9" ausmachen, beträgt aber anfangs 40", sinkt über Mittag auf 8"
und steigt von 2” an wieder auf 24". Den durchschnittlichen Verhältnissen kommen die Curven nur in
der um 2!/," gemeinsam erreichten Culmination nahe mit —79' aus S, und — 102" aus S, zu —5°4;
wegen der besprochenen Unsicherheit den Tag nicht verwendet.
Construction der Temperaturscurven wie am 45. Tage.
Blatt 48, vom 10. October: Günstiger Nordwestwind, sichere Beobachtung. Construction der Tem-
peraturseurven wie am 45. Tage. Mittelwerte;
j
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 369
o
111/,—4" aus S, 58" Senkung zu —3°9,
10ER 3 8,74 : ce
Es werden nun die Ergebnisse der Beobachtungen zusammengefasst, wie folgt:
Die »Pola«-Beobachtungen haben schon eine unmittelbare Abhängigkeit der Kimmtiefe vom Unter-
Schiede zwischen Luft- und Wassertemperatur gezeigt, und zwar eine Abhängigkeit linearer Art; indem
man nun die Durchschnittswerte (Mittel der Ordinaten von halber zu halber Stunde) der einzelnen Tage
der jetzt gemachten Beobachtungen nimmt und nach der Gleichung ansetzt:
Hebung der Kimm über (oder Senkung unter) den geodätischen Wert in Secunden = a. Unterschied
zwischen Luft- und Wassertemperatur in Zehntelgraden + b, so erhält man folgende Gleichungen:
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14. » nach Bemerkung S. 19 berichtigt . . . +13a+b— 58 =0 — 2
15. » abnorm, besonders behandelt . . . .. _
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33. » nach Bemerkung S. 20 berichtigt . . . — 5a+b—- 9=0 +7
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nach Bemerkung S.
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nach Bemerkung S.
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Mittel 10—4"
und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
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Nach Bemerkung S. 19.
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nach Bemerkung S.
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. + ba+b— 26=0
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. +18a+b— 64 =0
. +45a+bd—118 = 0
. + ba+b— 29=0
0a+b— 15 =0
. +364-+5—-101 =0
. - lda+b+
. — 3a+b— 10=0
. — 2a+b— 19=0
.— 4a+b—
er)
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Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 371
Tag Rest
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33. > » » S.20 berichtigt . . . — Sa+b— 16=0 +10
34. » » » S.21 » 2... 24a-+b= 20=0 +20
35. >» » » S. 21 ausgeschlossen - u
3a > Mittel. HIN N 2... 42a rb— GO — 9
ro OR » 91,—51), 5 a 0a+b- 37=0 — 1
38. » nach Bemerkung S. 21 berichtigt . . . + 3a+b—- 3=0 +9
89. » » > S. 21 ausgeschlossen . _ —
40. » Mittel 11/,—6" en 2 9a b— 280 — 10
41. » rl 2 ne ee 01 N Ki) +7
42. » nach Bemerkung S. 22 nicht verwendet . _ _
Hieraus ergeben sich nach der Ausgleichsrechnung die Gleichungen:
=
für S, Hebung (Secunden) = 2:096 AZehntelgrade 4 360
2 R — 2:207 A +27°5
» S, » » ZAHN, +17°9.
Anmerkung: 1. Der Ausgleich nach einer Gleichung zweiten Grades y— ax?+ba-+.c ist für S, versucht worden und hat
eine nahezu gerade Linie ergeben.
2. Bei jeder Bedingungsgleichung ist der mit den endgiltigen Größen verbleibende Rest angesetzt; man übersieht so die
Genauigkeit der Beobachtungen. Antangs beabsichtigte man, in den Tagesblättern die Kımmtiefencurve so einzuzeichnen, wie sie
sich auf Grund der Endgleichung nach der 1 m = Temperaturscurve hätte ergeben sollen; man hat es aber nicht gethan, um die
Übersichtlichkeit nicht zu stören. Übrigens kann es der Leser selbst thun.
Hiezu treten noch die auf der »Pola«-Expedition aus 6°45 m Augeshöhe gemachten Beobachtungen;
sie sind zwar schon in ihrer Veröffentlichung zu einer Enddiagrammlinie zusammengefasst worden, aber
nur graphisch, und der Gleichmäßigkeit wegen hat man sie jetzt neuerdings, und zwar auf die oben
beschriebene Weise behandelt; den 7. und den 15. Tag hat man ganz ausgeschlossen, weil die Wasser-
temperatur gegen Mittag fällt, was mit Sicherheit auf eine Fälschung der Messung durch Strom hindeutet;
_ auch den 13. Tag, weil der allzujähe Anstieg der Wassertemperatur zu Mittag auch auf Strom schließen
lässt. Von den übrigen 21 Tagen ist ohne weiteren Abstrich einzelner Curvenstücke das Mittel der Tem-
peratursdifferenz und das der Kimm-Hebung oder -Senkung von 10 zu 10 Hunderteln des halben Tag-
bogens, also nahezu von halber zu halber Stunde, gebildet und die Anzahl der Ordinaten als Gewicht
angesetzt worden; man bekommt die Gleichungen:
Tag Rest
Is Tag. Mittel’ aus1s Ordnaten Er. nn 2. 0a+b— 7=0 + 8°
PR » » 16 » a .+ 7a+b—26 =0 + 4
3. > » » 10 » Bent o8dtb 130 +58
4. » » 16 » era — Barb— 60 — 2
5. >» » » 19 » en. Senlarb—20=,0 — 3
6. » » » 20 » an Tarb—= AO — 4
02 » sausgeschlosseeuemeg ara nu... — —
8. x» Mittel aus I Ordaee .» . 2... 2: „ellard+ S=0 0
9. » » » 13 » ne „—l2gaEbE22=0 +12
10. » » 16 » a — 7
155% » » 19 » Bere. Tarb I =0O +1
( > » 18 » nn babe —12
IB, 2 ausgeschlossen sr ra En —
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 48
372 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Tag Rest
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und hieraus mit Rücksicht auf die Gewichte die Gleichung der Diagrammsgeraden
Hebung " = 2:119 AZehntelgrade 4 1510,
Die diesen Gleichungen entsprechenden Geraden sind im »Enddiagramm« dargestellt;! für die Anwen-
dung der Ergebnisse dieser Beobachtungen in der Nautik bietet das Diagramm das einfachste Mittel: mit
der Augeshöhe und mit dem Unterschiede zwischen Luft- und Wassertemperatur entnimmt man der Dar-
stellung den Betrag, um den die Kimm gehoben oder gesenkt erscheint und schlägt diese Größe zur geo-
dätischen, für die Augeshöhe giltigen Kimmtiefe dazu.
Wenn man die aus dem Diagramm mit A zu entnehmende Hebung oder Senkung der Kimm auf
jedem Blatte aufträgt — was beim Zeichen der Blätter unterblieben ist, damit die Übersichtlichkeit nicht
leide, — so macht die Übereinstimmung der so erhaltenen Curve mit der die Beobachtung darstellenden
eben so wohl die Richtigkeit des Verfahrens augenfällig, als die Klaffungen auf einzelnen Blättern eine
Unsicherheit zeigen, die später besprochen wird.
Das Diagramm soll aber weiters noch theoretisch behandelt werden, wozu zunächst die Mittelwerte
einiger Beobachtungsgrößen zu bilden sind:
1. Augeshöhe. Für jeden zur Bildung der Gleichungen benützten Tag wird das einfache Mittel aller
notierten Werte der Augeshöhe genommen; das Mittel hievon gibt die durchschnittliche Augeshöhe für
S,; das Mittel der Werte jener Tage, die Gleichungen für S, (S,) geliefert haben, gibt um 5-70 vermin-
dert (um 26°05 vermehrt) die Augeshöhe für S, (S,).
2. Temperatur. Für jeden zur Aufstellung der Gleichungen benützten Tag wird das Mittel der im
verwendeten Zeitraume abgelesenen 1 m (oder 0:5 m, 0:2 m, O1 m =) Lufttemperaturen genommen und
aus diesen Tageswerten das Mittel gebildet.
3. Luftdruck. Ebenso wie mit den Temperaturen. Man erhält also:
Lufttemperatur corrigiert Augeshöhe Luftdruck
1a BET. 5, LEER re 15:9 766-9
2. » nicht verwendet ee — —
3 SA a7 fe NZ 16°0 67:0
Als LEBEN EB a, Pe 4.5 15-8 65:0
9. I a ee a Kar 15°8 61°8
6. >» En 15:8 65-6
ae DE en A} 16-1 68-1
8. > U Rn nel Karen 15:9 65-7
1 Und zwar innerhalb jener Grenzen des Temperatursunterschiedes A, welche durch die Gleichungen gegeben sind, voll aus-
gezogen; und darüber hinaus gestrichelt bis zu den äußersten Einzelnwerten des A, die zu den in den Gleichungen verwendeten
Mittelwerten beigetragen haben.
u eiserne. Be
u A u
9. Tag
10.
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12.
13.
Für
»
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S;
S;
S;
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
ln:
8—4
81, — 31, - UT DR
nur einen Punkt verwendet,
berücksichtigt .
a.
0-51,
abnormal, nicht verwendet .
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nicht verwendet
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11-31),
nicht verwendet
111/,—4*
Mittel aller. .
Mittel der 19 benützten Tage .
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Lufttemperatur corrigiert
gr
10E
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| So ES re)
hier nicht
kalt)
DD
oO
Do SO au
. 244
.25°3
aa,
Se)
.23'2
22301.
. 20:3
. 20:8
. 15°5
Augeshöhe
19°7
16:0
16-1
16°0
16-1
16:0
16:0
16:9
„212
Luftdruck
7620
63:0
60:3
an oa Qu
w
&
So
oO
ww Oo
(6%)
94'6
6'8
588°6
618
62.2
64°7
610
58-1
60:0
60°1
972
89°5
99:6
59:0
62°5
61:0
63:0
17
71°2
7610
48*
374 Karl Koss und Emerich Graf Thu n-Hohenstein,
Die »Pola«-Beobachtungen haben folgende Mittelwerte:
Augeshöhe 645 m, Augeshöhentemperatur 25°1, Luftdruck 760 mm; überdies noch: Feuchtigkeit
71°/, Dunstdruck 9 mm.
Aus den vier Diagrammslinien kann man nun berechnen: die wahre Temperatursabnahme mit der
Höhe, nämlich das t, indem man dafür den S. 13 gefundenen Näherungswert —0-015 einsetzt und dazu
eine Verbesserung ® sucht; dann die Änderung, die diese Größe je nach dem Unterschiede A zwischen
Luft- und Wassertemperatur erleidet. Zu dieser Berechnung werden die beiden Endpunkte jeder Dia-
grammsgeraden verwendet und aus den im V. Abschnitte für verschiedene Lufttemperaturen gegebenen
Gleichungen des X die Factoren 6:07 für 5,603 für S,,5°89 für S, und 5:74 für die »Pola«-Beobach-
tungen interpoliert; für das X selbst dient die dort unter 2 gegebene Formel. Man erhält, indem man die
Factoren des A für die vier Augeshöhen mit ff» fıs und f,, bezeichnet, die Gleichungen:
3 j Ir Hebuner Due, j ’
Schema: RB 2 oe Factor ( Ö O015+0-+0 034 -+fA)
oder
: Hebung sr,
nn a ee Zu
+ 75, +0'019— 29-8 2 =ü
2 ESERTIT
6m R
nl » op Ze
@—25 f, +0'019+ 38 0574.39, 7
[9]
LE
10 m -
2
[a —4 fio+0:0194 70:0 = 0
[9]
o +56 +0°:019 1511 — —_— 09
6:07.460
16m | 2
0-57 fi+0:010+ 98:3... — —0
| © +42 f+0°019- 124-0, 0,7, =0
89.747
42 m | >
| 0-18 5+0:019-— 37 =
Hieraus die Endgleichungen
Wr, Eon a u lllrR,, —I 2 =D
w—25f, 00m EA ONE, Seele +0:0640 = 0
o+ Of +32 EAU. On — 0209760
o+ Of, —AN BEINE Sr Ulyp E0208 HE 0
“HD, SE ealchpn + 0 — 0.082 =D
o+ Of, #0 ae, E07 +0'0893 = 0
o+ Of, A BU u —0'0374 = 0
wer Di) 9 SEO ee
Bo A un
—. EZ u Zu 2
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 375
Hieraus
die Verbesserung des r o = —0'00148
70200250
90093
90055
a = 0008.
Setzt man diese Größen in die Gleichungen ein, so erhält man:
( bei A= +0°7+ 29" gegen 30"
bei 6 m und überdies bei A=0 + 14' gegen 15"
er ee et
| beiA = +5°2+131" gegen 129°
bei 10m / und überdies bei A = 0 + 20" gegen 18"
u A a 70
IN EHn 2 151° . >
bei 16 FE H und überdies bei A= 0 + 24" gegen 27’
! A= —5°:7—101 ».— 9
| beiA = +4°2+125' gegen 124°
A= —1'3+ 12 » 9
bei 42 ın und überdies bei A= 0 + 38" gegen 36.
Zunächst muss hier bemerkt werden, dass auch die Annahme, das r nähme nach oben zu mit dem
Quadrate der Höhe ab, versucht worden ist; die Rechnung nach der Formel:
Temperatursabnahme in der Höhe „= —0°015+0-+ (h?—10:6?)m+A.f*
hat aber ein minimales m (erst in der 6. Stelle) ergeben und hiedurch die Voraussetzung einer solchen
Abnahme des r als unrichtig erwiesen.
Der normale Temperatursgradient, nämlich der für A = 0 giltige, ist bis zu 42 m Höhe gleichartig;
dass er, durch ein A verändert, in den unteren Schichten stärker ist als in den oberen, ergibt sich auch
bei der soeben zurückgewiesenen Voraussetzung quadratischer Abnahme gegen oben genau so wie bei
der endgiltig durchgeführten und hat mit der Gleichmäßigkeit des r über die ganzen 42m bei A = O nichts
zu schaffen.
Um zu den berechneten Werten zurückzukehren, so bleibt es sich algebraisch gleich, ob man den
Zuschuss fA als eine Änderung des r oder als eine des Gliedes 0:034 ansieht; letzteres geht aber des-
wegen nicht an, weil schon —2° Temperatursunterschied zwischen Luft und Wasser dieses Glied, das
die Wirkung des Luftdruckes darstellt, aufheben, was besagen würde, dass die Luft kein Gewicht hätte.
Man hat also den Betrag fA als eine Änderung des ı zu betrachten und die Sache so anzuschauen: haben
Luft und Wasser gleiche Temperatur, so nimmt die Lufttemperatur um 0°015 pro Meter nach oben zu
ab; ist das Wasser wärmer (kälter) als die Luft, so wird durch den Wärmeaustausch, den der Wind fort-
während unterhält, die dem Wasser nächste Schichte erwärmt (abgekühlt) und hiebei immer gewechselt,
wodurch auch die Temperatursabnahme, das r, vergrößert (verkleinert) wird. Dass sich diese Änderung
aus den »Pola«-Beobachtungen anders als aus den in Verudella gemachten ergibt (0:0025 A gegenüber
durchschnittlich 0:0013A), mag seinen Grund darin haben, dass jene hauptsächlich aus einer wärmeren
Gegend als diese stamme, möchte aber vielleicht auch daher rühren, dass die Verudella-Beobachtungen
aus größerer Augeshöhe gemacht sind und der Wärmeaustausch zwischen Luft und Wasser die Tempe-
ratursabnahme in den untersten Schichten stärker ändert als in den oberen. Die als erste angeführte
= Der Ausdruck #2— 10:6? stammt daher, dass sich der Näherungswert —0°015 des x aus den »Pola«-Beobachtungen für 10:6
Seehöhe ergibt und für eine Abnahme des x mit dem Quadrate der Höhe die Formel aufgestellt wurde:
%, = —0:015+(4?— 10:62) m.
Bi
376 Karl Koss ımd Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Annahme muss den Einwand erleiden, dass es sich Ja nur um Differenzen zwischen Luft- und Wasser-
temperatur, handelt und es nicht recht einzusehen ist, wieso ein Unterschied von 1° zwischen Luft und
Wasser die Temperatursabnahme mit der Höhe verschieden ändern soll, je nachdem er bei 25° oder bei
15° wirkt. Um die zweitgegebene Ansicht zu bestätigen oder zu verneinen, bieten die Verudella-Beobach-
tungen selbst ein Mittel:
Die Durchschnittstemperatur der aus den drei Augeshöhen vorliegenden Beobachtungen ist nahezu
dieselbe, so dass die für die drei Höhen berechneten Factoren f mehr als theoretisches Interesse bieten;
denn wenn 9 Jis; fıs ein plausibles Verhältnis untereinander und gegen den A-Factor f, der »Pola«-
Beobachtungen zeigen, so rechtfertigen sie die Annahme, dass der Temperatursgradient t durch den
Unterschied zwischen Luft- und Wassertemperatur in verschiedenen Höhen verschieden geändert wird,
und diese Annahme rechtfertigt es weiterhin, eine solche Regelmäßigkeit als unabhängig von der all-
gemeinen Höhe der Temperaturen anzusehen und zu erwarten, dass wahrscheinlich in allen Klimaten
sich der Temperatursgradient nur mit der Höhe, nicht aber mit der allgemeinen Temperaturslage ändert
— diese findet ihren Ausdruck im X-Factor.
Trägt man über einer in die Meter der Augeshöhe getheilten Abscissenaxe die Factoren f als Ordi-
naten auf, so erhält man eine der Parabel ähnliche Curve, und weil eine mit dem Quadrate der Höhe ein-
hergehende Änderung des Gradienten rt von vorneherein sehr plausibel erscheint, so ist man von dieser
Annahme ausgegangen. Wenn nun die durch einen Temperatursunterschied A zwischen Luft und Wasser
bewirkte Änderung der Lufttemperatur sich nach dem Gesetze der Parabel mit der Höhe ändern soll und
die Änderung zu unterst A. 9, (worin ®, den Factor in der Nullschichte bedeutet), in der Höhe A aber
A.p, ausmachen soll, so müssen die Factoren 9. 9n dem Parabelgesetze entsprechen:
Fig. 6. (9 -Mm =p.-h.
Die Änderung‘ der Temperatur ist dann zu unterst
A.9,, in der Höhe h A.p,„, also ändert sich r um
AN N
SA —A.fı
Also 9,— 9, = h. f„ und der Parameter der Parabel ergibt
sichp =h. f)?, wofür sich die einzelnen Werte finden
6m p = 4055 ı
Be BEN 10m PS
Pe 16. m p = 1208 ( N
42 m p = 3637
Bemisst man die Gewichte nach der Anzahl von Beobachtungstagen, die für jede einzelne Auges-
höhe vorliegen, nämlich 19 für S,, 38 für S, und 11 für S,, so erhält man aus den Verudella-Beobach-
tungen
u 3992.
Es wird sich zeigen, dass diese Größe auch die » Pola«-Beobachtungen gut wiedergibt.
Solange man keine Annahme über », macht, bleibt die Parabel ihrer Höhenlage nach unbestimmt,
und man weiss über sie nur, dass ihr Scheitel die Nullordinate berührt. Zu weiteren Berechnungen
nehmen wir $%, = 10.000 Einheiten der 4. Stelle an, d. h. dass A mit vollem Betrage der untersten Luft-
schichte mitgetheilt werde; dieser Annahme braucht selbstverständlich die Wirklichkeit nicht zu ent-
sprechen; sie wird nur wegen der Übersichtlichkeit und um leichter zu rechnen gemacht, und es ist wohl
zu bemerken, dass die Differenz der Factoren %0—9. Sich bei was immer für Werten von 9, immer gleich
bleibt; man hat
9, = 10000-63: „V/R
Kimmtiefen-Deobachtungen zu Verudella. 377
fur ne Om 2... 10000
he=026 9970 5.32 gebraucht
| 9937 S.32 gebraucht
= 6.45 9840
ze) 98117 5282 gebraucht
H=10=15 9800
RI 1427, 9759
BR 19.80 9749 S. 32 gebraucht
B"=Al@8 9592.
ra = 0:00248 gegenüber dem aus dem Ausgleiche hervorgegangenen 0:00250,
Br
Jo = 09:00197 gegen 0:00193,
Fi; = 900158 gegen 0:00158
Fi = 09:00097 gegen 00094.
Der Factor also, mit dem ein Temperatursunterschied zwischen Luft und Wasser in die unterste oder
‚überhaupt in irgend eine Luftschichte eingeht, bleibt absolut unbestimmt; indes entsprechen die relativen
‚Werte dieser Factoren bei einer ganz annehmbaren Voraussetzung (quadratische Abnahme mit der Höhe)
den aus den Beobachtungen gefundenen Beträgen ganz gut, und man kann sich damit begnügen, da es ja
immer nur auf die Kenntnis der Differenz zweier solcher Factoren ankommt.
Anmerkung: Man könnte argwöhnen, dass die Factoren f vielleicht durch das für alle Gleichungen gleich angenommene rt
gezwängt mit nicht ganz richtigen Beträgen aus der Ausgleichsrechnung hervorgegangen wären; aber die Geringfügigkeit der Reste,
die beim Einsetzen des endgiltigen < bei A—= 0 übrig geblieben sind, beweist, dass t sehr nahe am richtigen Werte liegt, also auch
die f dadurch nicht gezwängt sind. Die Verschiedenheit der f möchte viclleicht in der Unrichtigkeit des X-Factors ihren Grund haben;
aber selbst wenn dieser um 02 falsch wäre, also z. B. 594 statt 5°74 lauten sollte, so würde, weil das Product 5°74 f—= 0:0140
erhalten bleiben muss, das f statt mit 0-0025 mit 0°0023 herauskommen. Streng richtig ist das befolgte Verfahren nicht, denn die
"Formel mit einfachem X setzt gleichmäßige Änderung des x voraus. Wendet man die Jordan'sche Berechnung mit zweierlei A an
)
5 B AN : ’ \ Yot2 %s :
so hat man, bei Bezeichnung der neuen A-Factoren mit b in den 8 Bedingungsgleichungen S. 28 ! 3 anstatt f, einzusetzen
: Yot2 Ye ee a a
u. 5. f., und die berechneten f sind: f, = TSV; wobei diese ı) unbestimmt bleiben; sie werden erst durch eine fernere
Bedingung bestimmt, z. B. die quadratischer Abnahme &do— ty)? —=p.h; das ergibt aus den Verudella-Beobachtungen allein:
Vr —=41, 05 =04,4; = 10 2,0, = 15:0, by, = 273 der vierten Stelle, woraus sich fg = 191, fie = 19°, fa = 97
und für die »Pola«-Beobachtungen d,— 16'8, f, — 20°3 (gegenüber den 25:0 aus dem Ausgleiche) findet.
Hiemit ist der Factor directe bestimmt, mit dem A in die Temperatur der untersten Schichte eingeht; weil aber die Rechnung
mit einfachem X bequemer ist, so behält man diese bei.
Mit den »-Factoren kann man aus den in drei Standpunkten übereinander gemessenen Temperaturen
den absoluten Wert des r bestimmen, und deshalb sind außer den » für die vier Augeshöhen auch die @ für
0:6 m und 14:7 m Höhe angesetzt worden. Die auf S. 12 wiedergegebenen »Pola«-Beobachtungen haben
das zu —0:029 und zu —0:0015 geliefert und diese beiden Werte sind (zusammen mit einem beson-
derer Herkunft!) im Mittel als genähertes r in Rechnung genommen worden; es ist aber weder das eine
1 Die Nordseebeobachtungen könnten zwar auch so wie folgt untersucht werden, aber man unterlässt es, weil die Tempera-
turen nicht mit Aspirationsthermometern gemessen sind.
378 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
noch das andere ein reines r, denn die »Pola«-Beobachtungen sind bei einem A von durchschnittlich —0°6
gemacht worden; es ist also jeder Wert eigentlich z + A . f und es gelten die Gleichungen
A nf 3
:6 BF — 0.015,
16 Ts Pe — _0:029,
woraus beim Einsetzen der berechneten 9 sich x zu —0:008, und —0°015, findet, Mittel —o'o12.
Die Ausgleichung der Diagrammslinien hat für diese wichtige Größe —o'0165 geliefert, wobei zu
berücksichtigen ist, dass der zum angenommenen t—= —0:015 gefundene Zuwachs ® = — 0:0015 viel-
leicht eigentlich eine Verbesserung des Luftdruckgliedes 0034 ist (vgl. hiezu den Zusatz II, S. 35), und
die directen Messungen des Temperatursunterschiedes über 8 m (s. Anhang) ergeben bei Benützung des
Factors ae = 0:0016 durchschnittlich c = —0°008, wahrscheinlich zu klein, weil die 9 m-Tempera-
tur wegen Bestrahlung der Klippe nur zu hoch gemessen worden sein dürfte, nie zu tief, und auf die dicht
am Wasser gemessene I m-Temperatur keine Bestrahlung eingewirkt hat.
In Anbetracht der Schwierigkeit, diese Größe zu messen, kann man sich mit dieser Übereinstimmung
zufrieden geben.
Auf Grund der Beobachtungen ist also die einfache Gleichung des Refractionscoöfficienten von S.8
in folgender Abänderung aufzustellen:
K = Factor (—0:0165 + 0-034 + A. f),
wobei der Factor vor der Klammer wie bisher
bei 10° Lufttemperatur 6:35
15 6:14
20 9.94
28 5:74
beträgt;
A ist der in Zehntelgraden anzugebende Unterschied: Lufttemperatur in 1m Seehöhe weniger
Wassertemperatur an der Oberfläche; der Factor f beträgt
bei 6°'45 m Augeshöhe 0:00250
10-15 000193
15:86 0-00158
41-8 000094
und kann für irgendwelche Augeshöhe h aus der Formel f — Er, wobei 9 = 9, — 63:18 V/ ist,
33-1
8
also aus f = —-— gefunden werden.
Vh
Die bei diesen Beobachtungen vorgekommenen extremen Werte des Refractionscoöfficienten sind:
K=-+2:75 aus der Berechnung S. 17
undX=—0'45 » >» Senkung um 9N 30m am 12. Tage aus S,
oder kn res > > >» 9h52m „ 48, > » 59.
Die Frage nach einem mittleren Werte des X entfällt wohl angesichts der aufgedeckten Veränderlichkeit dieser Größe.
Bemerkenswert ist auch, dass die Kimm bei starker Hebung eben und sehr fern, bei starker Senkung rauh und nahe erschien
(s. 13., 15. und 12., 47., 48. Tag),
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 379
VIII. Zusammenfassung der Ergebnisse, Anwendung in der Navigation.
Aus den Beobachtungen geht hervor:
1. Die Kimmtiefe Ändert sich mit dem Unterschiede zwischen der Temperatur der Luft und der des
Wassers.
3. Der Betrag, um den die Kimm gehoben oder gesenkt wird — bis zu 3' auf oder ab — kann für
verschiedene Temperatursdifferenzen dem Enddiagramme entnommen werden und gibt, zur geodätischen
Kimmtiefe dazugelegt, die jeweils als Correction einer beobachteten Gestirnshöhe anzuwendende Kimm-
tiefe; oder man kann aus der Schlussgleichung (S. 32) die Hebung oder Senkung berechnen und für
verschiedene Augeshöhen nach der Temperatursdifferenz in Tabellen zusammenstellen.
3. Der Luftdruck und die Feuchtigkeit haben keine merkliche Einwirkung auf die Kimmtiefe, auch
die Bewölkung nicht. Die allgemeine Höhe der Temperatur ändert den Refractionscoäfficienten um ein
Geringes (die Kimm für 10 m Augeshöhe und für +38°0 Unterschied zwischen Luft und Wasser ist bei
10° Lufttemperatur um 30° höher als bei 25° Lufttemperatur).
4. Die Hebung oder Senkung wird durch die Abnahme der Lufttemperatur mit der Höhe bewirkt;
dieses Temperatursgefälle macht, wenn Luft und Wasser gleich warm sind, eine Temperatursabnahme
nach oben von 0'016 pro Meter aus (1° auf 60m Höhe) und wird durch einen Unterschied zwischen
Luft- und Wassertemperatur geändert, und zwar in den unteren Schichten stärker als in den oberen;!
Be 2 0 en U ZZ
diese Ungleichmäßigkeit folgt einer Parabelgleichung und der Temperatursgradient lässt sich aus der
S.32 gegebenen Formel berechnen.
Die in der Schlussgleichung gegebenen Größen sind Mittelwerte aus vielen Beobachtungen
(260 Zenitdistanzen aus 6 m, 360 aus 10 m, 740 aus 16 m und 160 aus 42 m und mehr als 1000 Tempe-
ratursmessungen); in einem gegebenen Einzelnfalle kann der Temperatursgradient, trotzdem das Wetter
un A
anscheinend ganz normal ist, um so viel von dem nach der Formel zu berechnenden abweichen, dass
man eine Abweichung der berechneten Kimmtiefe von der thatsächlichen um 30" gewärtigen muss; wenn
die Lufttemperatur in jähem Steigen oder Fallen ist, so kommt der Temperatursgradient nicht immer
gleich nach, und es ist auch in einem solchen’Falle eine Unsicherheit der Kimmtiefe bis zu 30°, bewirkt
durch die Störung im Temperatursgefälle, zu erwarten.
5. Die aus dem Enddiagramm oder der Schlussformel zu entnehmenden Größen gelten für den Fall,
als eine Briese von mindestens der Stärke 2 die Luft gut durchmischt; bei schwächerem Winde kann es
geschehen, dass warme Luft sich in der Höhe sammelt und ohne dass der Wind sie mit der unteren käl-
teren durchzumischen vermöchte, über dieser liegen bleibt, wodurch sich eine ganz abnorme starke
Zunahme der Temperatur nach oben ergibt und hieraus eine besonders starke Hebung der Kimm, bis auf
3' über die durchs Auge gedachte Horizontalebene, also eine Hebung der Kimm um 10'. In einem
solchen Falle ist der Unterschied zwischen der Lufttemperatur zunächst dem Wasser und zwischen der
Lufttemperatur in Augeshöhe, getheilt durch die Anzahl Meter des Höhenunterschiedes als Temperaturs-
gefälle (hier also als Temperaturszunahme nach oben t +) pro Meter in die Formel für den Refractions-
coöfficienten einzusetzen und damit die Hebung der Kimm zu berechnen.
6. Die Wassertemperatur messe man mit einem Pinsel- oder besser noch mit einem Schöpfthermo-
meter; die Lufttemperatur so nahe ober Wasser als möglich und (mit Rücksicht auf Punkt ö) auch in
Augeshöhe mit einem Aspirations- oder doch mit einem Schleuderthermometer; 1° Fehler in der Tempe-
ratursdifferenz zwischen Luft und Wasser macht (bei 10 m Augeshöhe) rund 20" in der Kimmtiefe aus;
1 Das ist wohl eine Folge der allgemein bekannten Thatsache, dass der Wind in der Höhe stärker weht als unten — wie
man es am Tragen der Segel schon auf 10 m» Höhenunterschied ganz deutlich merkt; die oberen Luftschichten werden besser durch-
gemischt als die unteren. Hieraus folgt auch, dass wenn beim Flauen des Windes die normale Temperatursabnahme gestört wird, die
Störung zuerst in den unteren Schichten auftritt und dann erst in den höheren; vgl. den 42., 43. Tag.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 49
380 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
1° Fehler imUnterschiede der Lufttemperaturen unten und in Augeshöhe bei den im Punkte 5 besprochenen
Umständen verursacht bei 10 m Augeshöhe rund 2' Fehler in der Kimmtiefe.
Wenn man die Möglichkeit solcher Fehler berücksichtigt und die im Punkte 4 dargelegte, nicht zu
vermeidende Ungenauigkeit von 30" in Betracht zieht, und überdies noch erwägt, dass die Temperaturs-
verhältnisse vom Schiffe aus, wo man sie bestimmt, bis zur Kimm hinaus sich von Meile zu Meile stark
ändern können, so kann man der Kimmtiefe bei aller Sorgfalt der Messungen keine größere Genauigkeit
als ®/,' beimessen und hat dieses in der Positions-Bestimmung und -Beurtheilung zu beachten.
In dem im Punkte 5 betrachteten Falle ist überdies zu erwägen, dass wenn die Luftschichten in so
abnormer Weise lagern, dieses wohl auch noch für eine gewisse Höhe über dem Auge des Beobachters
gilt und außer einer abnormen Hebung der Kimm wohl auch der vom beobachteten Gestirne kommende
Lichtstrahl im letzten Stücke seines Weges, in den letzten Metern ober dem Auge des Beobachters noch
eine besondere Ablenkung erfährt.
Gegenüber dieser Ungenauigkeit kann man wohl auch davon abstehen, an die Kimmtiefe die See-
gangscorrection anzubringen, umsomehr als in Gelegenheiten, wo diese Correction 20" überschreitet,
d. i. bei mehr als 2» Wellenhöhe zwischen Kamm und Thal, ohnehin die ganze Höhenbeobachtung zur
See nur auf 2' genau gelten kann.
Wegen der dargelegten Ungenauigkeit scheint es sich zu empfehlen, entweder durch die Anwen-
dung des Fleuriais’schen Gyroskopsextanten oder eines Libellensextanten die Bestimmung der Kimm-
tiefe ganz überflüssig zu machen oder die Kimmtiefe mit einem Instrumente zu messen (Steinheil’scher
Prismenkreis, Trougthon’s Dipsector, Pistor- & Martin’scher Reflexionskreis, Amici-Magnaghi’scher
Prismenkreis); in letzterem Falle aber misst man den Winkel von einer Kimmlinie übers Zenit zur anderen
Kimm und muss, um die Kimmtiefe zu erhalten, die Annahme machen, dass die Refractionsverhältnisse
über der einen Gegend des Horizontes dieselben seien wie in der gegenüberliegenden, was, wie der 15.,
23. und 30. Tag gezeigt haben, eine falsche Annahme sein kann, denn die Kimm mag in der einen
Richtung normal und in einer nur um \/)a° davon abliegenden Richtung um 3' verschieden sein.
Schluss.
Wenn solche Kimmtiefenbeobachtungen noch anderswo und anderswann gemacht werden sollten,
so dürften sich die hier gefundenen Werte der Coäfficienten wohl nur um ein ganz Geringes ändern;
besonderes Augenmerk wäre auf die Messung des Temperatursgefälles zu richten (Temperatursmessungen
in 0, 10, 20 m Seehöhe oder so ähnlich; Wassertemperatur an der Kimm, beim Beobachtungsstande und
halben Weges dazwischen messen; Achtung auf verschieden temperierte Stromstriche). Von Wert und
Interesse wären Beobachtungen in extremen Temperaturen, z. B. in hohen Breiten zur Winterszeit und
unter den Tropen im Sommer. Nachtbeobachtungen könnten wohl Interesse bieten, es dürfte ihnen aber
nicht viel praktischer Wert beizumessen sein, weil die Höhenbeobachtungen zur See, auf die ihr Ergeb-
nis anzuwenden wäre, bei Nacht so wie so roher sind.
Zusätze,
IR
Auf dem französischen Kriegsschiffe »La Galisonniere« sind im Laufe des Jahres 1884 im Rothen
Meere, im Indischen Ocean und im Chinesischen Meere Kimmtiefenbeobachtungen aus 9m Augeshöhe
gemacht,und in den Comptes rendus vom Jahre 1886, S. 495, veröffentlicht worden; bei ihrer Bespre-
chung (S. 597 a. a. O.) hat aber die in der Reihenfolge der Gruppen auftretende Abnahme der Kimmtiefe
(Zunahme der Hebung) gewisse Zweifel wachgerufen, und man hat aus ihnen nur darauf schließen
zu können geglaubt, dass der bisher verwendete Refractionscoöfficient zu groß ist. Bei genauerer Betrach-
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 381
tung von unserem Standpunkte aus ergeben sie aber ein ganz annehmbares Resultat und reihen sich ganz
gut in unsere Beobachtungen ein. In den Comptes rendus sind die 62 Beobachtungen in fünf Zehner-
und eine Zwölfergruppe zusammengefasst, die nach der von uns gebrauchten Bezeichnung lauten:
+ +a-+b—- 43=0
+13a+b—- 90=0 R
|
+ Ja+b-135 =
+122a+b-153=0
+14a+b—285=0
+15a+b—213=0.
Hieraus findet man durch die Ausgleichsrechnung die Gleichung:
Hebung" = 1:60 A Zehntelgrade _2!6,
Die Die Tore dieser Geraden weicht nicht stark ab von der Schiefe unserer Enddiagrammslinien, nur
liegt sie beträchtlich tiefer. Nach Assmann's Untersuchungen! misst man die Lufttemperatur mit einem
Schleuderthermometer stets höher als mit dem Aspirationsthermometer, im Maximum um 1°5 höher. Da
es zweifelhaft ist, wie die Lufttemperatur auf der »Galisonniere« gemessen worden ist, kann man zwar
diese Beobachtungen nicht sicher mit unseren vergleichen; wenn man aber, mit Rücksicht darauf, dass
Temperatursmessungen an Bord schwieriger sind, zumeist zu hoch ausfallen und die fraglichen wahr-
scheinlich nicht einmal mit Schleuderthermometern gemacht wurden, die Lufttemperaturen als durch-
gängig um 11/,° zu hoch annimmt, so hat man die Linie um 1!/,° nach rechts zu verschieben. Die Glei-
chung ergibt für —2°0 und für —2°0 die Ordinaten +29°5 und —34'5; um die 11/,° verschoben ist die
Gerade zwischen +0°5 mit +29'5 und zwischen —3°5 mit 34'5 einzuzeichnen; dann fällt sie nahezu
überein mit unserer 10 »n-Linie, siehe das Enddiagramm.
I.
In den »Ricerche sul coefficiente di rifrazione terrestre, Reina e Cicconetti, Roma 1896« wird auf
S.47 festgestellt, dass der aus den Temperaturen berechnete Refractionsco&fficient im allgemeinen größer
ausfällt als der aus den Winkelbeobachtungen abgeleitete (gleichzeitige, gegenseitige Zenitdistanzen-
messung zwischen zwei Stationen bei 24km Entfernung und 900 m Höhenunterschied).
Im Durchschnitte der dort gegebenen 98 Werte macht dieser Unterschied 0°O10 aus, und wenn
man das dem Luftdruckgliede zur Last legt, das auch in den dort angefügten Formeln 0'034 beträgt, so
findet man, dass dieses um 0°0013 zu verringern ist. Die Berechtigung hiezu ist wohl noch nicht erwiesen
immerhin aber gewinnt das auf S. 32 über eine Verbesserung des Luftdrucksgliedes Gesagte einige Wahr-
scheinlichkeit.
II.
Die Comptes rendus der Pariser Akademie der Wissenschaften enthalten im Hefte 5, Juli 1899, einen
Auszug von Kimmtiefenbeobachtungen des Professors Forel am Genfer See. Sie ergeben, wenn man je
die ersten und letzten vier Reihen als zu schwach besetzt weglässt, eine Gerade von der Gleichung:
Hebung" —= 3-3 A Zehntelgrade +34"
für 2:8 m Augeshöhe. Im Vergleiche mit unseren Linien ist die Gerade etwas zu steil und liegt auch zu
hoch, denn für A = 0 müsste die Hebung der Kimm über den geodätischen Wert der Kimmtiefe bei
dieser Augeshöhe 11" ausmachen. Diese Beobachtungen weisen starke innere Ungenauigkeiten auf,
I Assmann, das Aspirationspsychrometer, Abhandlungen des kön. preuß. meteorol. Institutes, 1892.
49°
382 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
IV.
Die im Jahre 1883 von der deutschen Expedition im Kingua-Fjorde in 66° 36' N. B. angestellten
Refractionsbeobachtungen! — Messungen der Zenitdistanzen einer 7 km vom Universalinstrumente ent-
fernten und um 11/, m tiefer liegenden Mire — haben den größten, bis dahin beobachteten Wert des
Refractionsco£fficienten O'81 ergeben; unsere Beobachtungen gehen noch darüber hinaus. Leider fehlen
in der Veröffentlichung die Temperaturen des Wassers im Fjorde, über den die Visur strich, und man
kann die durch unsere Beobachtungen dargethane Veränderlichkeit des Temperatursgradienten je nach
dem Unterschiede zwischen Luft- und Wassertemperatur nicht an jenen Beobachtungen prüfen.
1 Archiv der deutschen Seewarte, 1887.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 383
Die Original-Beobachtungen.
Die beobachtete Kimmtiefe ist noch wegen Seeganges zu corrigieren, in den Diagrammen ist dies schon
geschehen.
1. Tag. 9. November 1898.
Unterschied:
AR SER: Der Augeshöhe entsprechende
geodätische Kimmtiefe
— beobachtete
sh zom = 13
35 ie .
54 I
O2 —_— 8
30 — 6
48 —F3
10 4 {6}
30 + 8
43 Zee 13
uf neo + 18
9 + 16
24 + 14
45 10
57 + mW
12250 + 18
26 + 1
45 +17
3 10 + 22
42 + 21
4 14 + 18
iigernadeest Beobachtungsstand
Luft in 3m | Luft in ım Wasser Luft in 16 m Wasser
14'9 15'4 176 = =
8 TSG 15°9 17'6 _
8 20 _ _ — 14'2 —
8 30 15'4 15'7 17:6 — ==
3435 _ —_ _ 14'8 180
8 45 _ 15'0
9 0 15:6 15°9 17:6 — =
9 12 _ _ u I 18°0
9 30 15°6 16°0 17'6 15°8 _
948 —_ —_ —_ 16'2 _
10 0 16°1 16°6 17'6 F _ _
10 4 .- —_ —_ = 167 El,
10 30 16-3 17'0 17:6 S 17'0 —_
10 43 — — = & 170 —
iI 0 16°5 16°6 Urn 2 Inc —
Do — = m Ei —
024 _ _ — & jo 17°8
20239 16°6 16°8 177 E _ —
ı1 45 == == — 2 5
cr — — — 2 17°7 17:8
220 070 72 Bez 17'8 8 _ =
o 30 16°8 16°9 17°9 ‘2 — ==
ro) 167 16°9 17'9 = —_ _
1 30 16'8 169 17°9 F
En — = -_ R= 174 18°0
2 o 16:6 17'0 17°9 E = —_
245.26 _ — = 16°9 180
i 2/2.30 16°4 16°6 17°9 —_
2 45 = = _ 16°8 _
ee) 16°4 16°6 18°0 — -
3 Io _ _ 72 18'0
3 30 16°4 16°6 ı8°0 _
342 = — _ 16°2 —
AS EO 16°4 16:6 18:0 —_ _
4 14 _ — _ 15'8 18:3
4 30 15.9 15°9 17'9
Den ganzen Tag über Wind O 1, See NW, h/2 = 0:15, Bewölkung 10. Kimm matt.
384
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
2. Tag. 12. November 1898.
Unterschied:
et Der Augeshöhe entsprechende
geodätische Kimmtiefe
— beobachtete
sh ı2m ara ug
34 + 15
9 24 — 8
46 — II
10 4 Zu
23 — 8
40 —_— 5
56 —u
II 19 + 1
40 + 1
0 0) SE anX
20 + 9
2 + ıı
58 ze \ıfo)
2 20 + 12
46 ZS
3 8 + 18
26 + 12
47 Zi)
5 Zu RN
2 + 8
Rn ln nen nn ne nn ee Tl
Iesnndeeyr Beobachtungsstand
Zeit _— -
Luft in 3 an Luft in ı m Wasser Luft in 16 m Wasser
sh 2m — _ = 15°0 17'9
18 _ u —_ 16:05 —
30 17'9 179 17:6 = =
34 — — _ 16°05 18°2
9.0 17°6 17'6 17'9 2 —_
24 — — —_ 180 17'8
30 174 17'7 17'9 FE SE:
46 _ u —_ . 18205 18'0
10 0 17°4 17'8 17'9 2 — —_
4 — = _ E 185g 17°9
23 en — — 2 18:8 18°2
30 17'4 17°8 17°9 ® = =
40 = — — Ei ur858 18'2
56 — — — re —
U Ne) 17"8 18°2 17'9 5 — _
19 = en — =, 27705 =
30 17°8 18°3 17'8 = — —
40 —_ - _ E70 182
1226 178 18°3 Nuhr] u _ =
o 30 18'2 19°0 17'6 2) _ —_
KO 18°0 18:6 en 3 _ 18'2
20 — — = 3 18'0 _
2 > 2 Ri E 25 ze
2 182 18°7 17'8 2 18:05 182
20 — E= — ST 2180705 18°2
30 18°0 18°4 178 —_ =
46 — — _ 18:05 —
270 17°8 18°2 17'8 —_ —
8 — — —. 17°9 18'2
30 17'0 176 17°8 _ —_
rt — = ._ 17'4 18'2
4 0 168 2 pe = _
24 = = = AUTEHT 18'0
30 16°5 16:6 Ba un —
Sehr ruhiges, heiteres Wetter, Bewölkung 2, Wind S 0—1, See ganz ruhig, Kimm gut. Nachmittags
Briese W 1; Umstände den ganzen Tag sehr günstig, Messung sicher.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 385
3. Tag. 14. November 1898.
nt ne
|
| Unterschied:
2 - Der Augeshöhe entsprechende geodätische
P SR UN: Ki : |
immtiefe
| — beobachtete
7h gom 19"
s 4 — 20
25 — 20
41 SEI
9 6 — 25
20 — 24
40 >
56 — 34
10 15 —ı.'33
24 — 30
46 —Uc)
11 6 — 22
23 — 29
36 — 24
uud | 46 — 24
55 — 25
o 40 — 20
1,27 — 10
46 =
2 307, — 10
Auerucdzert Beobachtungsstand
Zeit - Nee en 3
Luft in 3 m Luft in ım Wasser Luft in 16 m Wasser
7u zom 136 14'0 | S =
40 u == = 116 17'8
8 [0] 14'2 14°5 17'4 se
4 — = = 12.75 —
25 — — _ IsE3 u
30 148 15-1 17'4 = —_
4 = — — 14°3 17°9
0° 0 146 14'8 17'4 = —
6 = == = 146 —
20 — — — 14°6 E=
30 14:6 148 174 Sc ken =
40 — — —_ In ET. —_
56 = nr — ge 17'8
10, ı0 14:6 148 17°5 E — en
= = Sm ze ng =
30 14°9 15'2 17°5 & ie Tr
46 - — —_ = — le)
Io 14'9 15°2 17°5 E ee
23 _ — _ a 17 18'0
30 ER 15.4 Tan < == —
55 IE = — 5 ı81 17'8
276 5'2 15'6 17'4 =)
2730 o 15'4 17'4 er = =:
40 _ _ — s 1715 —
Kro 2 I) 17°4 = Ge
2 24 — — — iso 17'8
30 15°6 16°0 RA © a
46 — — = = _ 17°8
Re 15:6 15°8 17°5 Zi = a
17. —_ _ Ber. LISX en
30 15°6 15:8 17°6 m er
34 == = lg —
55 = — e F& 17°9
3 e x 15°8 16°0 1725 4 ex
15 = er — 16 18'0
30 E57] 16°0 7 _ —
ee) 15'4 15'6 17'6 _ =
10 _ —_ _ 15 0 10'0
30 15°1 0503 | 17°5 = —
Ruhiges Wetter, Bewölkung 3, 9" setzt NW 1 ein. p. m. Seegang h/2? = 0'2 m, Wind NW 2,
Zul.
386 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
4. Tag. 16. November 1898.
Unterschied:
Aa Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
sh 22m 4, Zn
28 — 14
36 — 16
45 =
OO. |
20 —z210
38 — 206
ı10 0 — 25
8 — 28
2 — 23
40 —
57 27,
TER» — 32
19 — 31
30 — 29
39 — 28
o 2 z— 27
ı 18 — 29
36 — 2)
Re) — 28
14 u
34 — 26
8 2 — 28
sie — 25
a | Tender Beobachtungsstand
eit
Luft in 3m Luft in ım Wasser Luft in 16 ın Wasser
7u zom 120) 28 17 — —
50 FR = = 955 17°8
8 o 128 13.2 17 — pa
22 = = — To%2 —
30 13°0 13°5 17'0 3 _ —_
36 _ —_, _ ST _
98209 13°4 138 TEE E 12°4 17'8
20 — == =, S 14:2 17°8
30 13°6 14'0 172 = —_ n_
107 20 137 140 172; ea — —_
8 _ — — Rn 17'8
30 13'8 14'2 > E - —
40 _ = = E 15'9 SE
57 = — DEE 150 1ı7'8
11 {6} Big 14'2 fe) > — =
30 9 144 1723 2 — =
34 = = _ 3 153 18:0
12 0 13°9 14°4 17'3 = —
o 30 14'0 146 Dan 3 == —
52 = = — iS sg 18'0
u 66) 141 14°3 17°3 = =
30 144 14°6 1725 2. — =
29 14'4 14°6 173 = ı6'0 18°0
30 14'4 14:6 17°3 = w
2 @ 14'2 14:6 17°3 14°9 Dei
30 14'3 144 s 1703 14°4 17°8
35 = u = 14"45 =
ao 14°4 14°5 17°3 Zu —
Morgens Bewölkung 2, anfangs mistig, dann sonnig, Wind NO 1, 1/2 = 0:2 m; Vormittags NO 3;
2» NW 2. Tender gibt ganze Wellenhöhe draußen zu %,, m an, h/2= 0:3 m verwendet.
«
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 387
5. Tag. 3. December 1898.
Unterschied:
A: Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
oh 38m — 10"
47 — r.:
ı 6 — 1
22 — 18
35 ri
58 Sr
54 >; 1%
Dı Aa — 6
58 —3
- 213 — 2
37 —u 5
57 ziu«2
3ean 35%
36 + 12
50 + 16
4.0 + 14
8 —+ 20
15 + 23
Ieeanldre,r Beobachtungsstand
Zeit -
Luft in 3 m Luft in ı m Wasser Luft in 16 m Wasser
u
9°4 9:8 15°3 = =
10'8 114 TEE 8:8 16°4
123 217 15°6 — Zw
a er => gi =
— — — 120 16°4
92278 11:6 12°0 15'7 — =
30 12°0 12'4 15°6 = — —
45 — _ — » 12'2 —
10 0 12'0 12'4 156 E — —_
22 — - _ E 122 16°4
30 12°3 12°4 15°6 2 _ -_
42 = _ — RI RER, _
ir 0 12'4 12'9 15'6 S . _
6 < = = a arg 16°4
30 12'4 12°9 15°6 a —_ —
12,0 12°6 13'°2 156 < une 16°4
o 30 - 12'9 13°4 156 5 — —
54 — _ — 3 15°9 16°5
17.0 12'9 13'4 156 = — _
30 13:3 13:7 15:6 5 = ==
44 == =; — ae 16°3 16°5
2 o 13:6 14°2 1SC7 2 u —
13 —_ —_ —_ = 15°4 —
30 14'2 14°4 15'6 3 — —
57 N — _ _ = 15°5 3
Sr] 14'0 14°3 nE — —
30 138 14'0 2525 = —
36 — _ — 136 16°4
49 14'0 TA32 15°6 T2uB _
4 15 = = _ Y2u2
Heiter, leichte NW-Briese und -Dünung, h/2 = 0°2 m, Kimm scheint entfernter zu liegen.
i Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 50
©
(6,6)
(0)
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
6. Tag. 5. December 1898.
Unterschied:
Ze Der Augeshöhe entsprechende geodätische
2 Kiemmtiefe
— beobachtete
8b zm + 32"
19 + 31
30 + 31
44 + 25
99 22
29 + 20
50 27
or 02 + 26
14 E12
30 = 825
54 + 26
KL + 28
35 22 732
58 + 34
0 45 + 46
1027 + 63
45 u
57 + 42
2 24 + 34
36 = 33
48 + 36
Id u ee
25 + 30
36 + 32
57 + 31
en ne ne ne ee en 2 ee 2 ee us en Mn ze BZ. = en Se 2 nn 0 Do 2.2 220 u SS 2 a So 2
Teunsdeeer Beobachtungsstand
Zeit =
Luft in 3m Luft in ı m Wasser Luft in 16 m Wasser
agom 13'0 134 15°6 = =
50 — — — KT 16°4
8270 14°6 14'8 15°5 _ —
19 _ — —_ 13°0 16'2
30 146 14°8 154 — _
44 _ = = 1385 ES
9 0 14°7 14°8 15°5 1 = —
29 = => = 8 14'7 =
30 14'8 15'1 RSG E — —_
50 _ —_ —_ SS 14°9 16°2
10220 14°9 21502 15:6 a = En
30 14°9 151 15°5 2 15°9 ı6'2
xt Wo 14'9 2 15°5 5 _ _
30 15°0 15:4 15°4 BE =
8
35 _ u — g 1770 16°2
58 — _ nano —_
ı2 0 15'2 15:6 Kir a) Wa —
o 30 Is. 15'9 15'6 8 — =
45 = _— = ‘3 18°2 16°4
u io 1.5120 16°2 15:8 2 — _
27 Be — — 5 189 16'2
30 15'7 10:0 15:7 20 — —
ZERO 158 16'2 158 2a — —
2 _ - _ a rc 16'2
30 15:9 16° 3 15°9 Se —
48 — — _ 17'4 ı6'2
3.8 15'9 16°3 15°7 = —
5 = ER Ir 173 z=
30 15°6 15'8 156 _ _
36 u —_ _ 16°4 —_
57 — —_ 15'6 16'2
4 0 5'4 15:6 15:6 == =
30 2 152 15°4 — —
Sonnig, heiter, Bewölkung 0, Wind NO 1, h/2 bis 1!/," 0:35 m, von 2" an 0:2 m.
weit entfernt.
Kimm erscheint
PR
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 389
7. Tag. 10. December 1898.
—äÖööÖ“eeeeeeeee ne en en en ee een u en nn
Unterschied: Unterschied:
Zeit Der Augeshöhe entsprechende geodätische Zeit Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete Kimmtiefe — beobachtete
gh qım | —. 31“ 0, 08 ae
9 o | — 10 ET)
26 2: 24 + 16
47 zu) 47 a)
53 - 9 2 ı8 + 6
10 10 — 4 40 + 8
23 EA 34 5 Zt
32 + 9 10 479
5o + 15 38 + 10
II 5 + 18 47 + 13
25 ae 57 = 10
32 + 15 Az + 23
53 | + 17 18 222
Pr TE Je en Ti nn nn a u u. un a m
: Rrernedr et Beobachtungsstand |
zei Luft in 3 m Luft nım | Luftino'2m Wasser | Luft in 16 m Wasser
zu zom [2 IT’4 116 12'0 15'2 = =>
45 = — == — Tor 16°0
Bed 11'6 11'8 L2u2 2023 _ —_
10 u = = Ze 9°9 =
15 = 119 126 _ _ —
30 12° 1 12°6 13°0 — 9'9 15°8
41 — — = = 10°55
45 12°4 La 13°0 = — —_
9.0 12-3 Na 13'0 DNS — —
13 —— — — — IT"7 —_—
15 _ 12'7 13°0 _ — —
30 12'4 13'0 13'4 —_ _ _
34 = — 7 —— 123 —
45 = 13-1 2303 == — =
47 = zu = se: u au 2
53 = 8 23
I. 0 12'8 12°9 13.2 1503 E —_ —
2 = an 2 22 Er
10 = = = = 5 1415 -
15 13°0 11 13°4 _ Bel —
30 == 2303 13:6 = = — —
32 = = = = 3 14:95 =
43 = - _ — i — -
45 = 13°5 138 =y 2 = —
U ERe) 13'8 14'0 14'4 15'2 fe = =
5 a3 =E = RE, =
25 T= 141 144 > > =
30 140 14°3 14°7 — ie
38 — - _ — 3 15° 156
45 == 14'2 146 — ® —
12 0 141 14'3 14°5 150 = = =>
o 15 -- 141 14°3 —_ E x =
30 13'9 141 14'4 — = — —
45 73 14'2 14'2 _ —
53 —E = — — 16°1 15'8
u 14°4 14°7 147 15°0
15 - 14°3 14'5 — — —.
28 zu = = = 15°45 =
30 > 13°7 140 = = =
45 —_ 14°0 14°0 - E= —
| 47 — — _ _ _ 15°8
er) 14'0 Kar 14 I I5°1 — _
15 = 1379 13'9
25 = — — = 14'55 158
30 14'0 14°5 148 —
3.0 138 14'3 14°8 — = =
5 — — _ —_ = 15'8
15 — 13"8 14'0 —
253 — _ — — 13°5 Be
30 — 13°'9 14°0 — _
45 == 13'8 14'2 — — —
57 — >= — _ 12:3 —
4, © 13°8 14'0 14'2 15'2 _ _
15 — 13°8 14°0 _
21 | — | _ — — N NR! 15°8 |
Morgens heiter, Wind N 1; vormittags O 1, nachmittags OSO 1—2, prächtiges, klares Wetter, sonnig,
h/2 0:3 m. Kimm sehr gut. 50*
N
390
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
8. Tag. 5. Jänner 1899.
Unterschied:
Te Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
gh qm — N
93 nd
35 ==n35
I0 0 — 43
25 Zr.
40 — 28
52 zu’ uer:
N — 24
34 —= 25
50 — 28
ı 24 — 8
50 — ıı
ZEIT — 13
3 14 =
4 0 |
4 18 — 10
Beobachtungsstand
Tender
von da an nur rechtes abgelesen.
Zeit
Luft in 16 u Luft in 10 m Luft in 5 m Luft ino 2m Wasser Luft in 3 m
st om 3'8 _ — — — 4'9
30 = ur a za =: 50
44 43 == u =; 12°9 ==
OE5° — Es — 5w3
16 35% 583 53 64 — =
30 FnR I eo IE
35 053 = = = 2 GE
48 8-15 8'05 N — —_ —
Io 0 — _ —_ _ = 9'2
30 9°2 9°5 19°4 9°2 13°0 9'2
43 _— 10'6 10'8 10'4 1358 —_
Ir Wo —_ —_ —_ — — 9'9
4 10°4 10'6 10°0 10'2 —_ —
30 _ — _ _ _ 10°I
22070 = _ 2 _ — 12°2
o 30 _ — = SZ 15°3
u) _ _ —_ _ — 12'0
24 12'2 —_ —_ — 13.2 —_
30 _ _ .- —_ _ 12'0
2, 0 _ —_ _ _ —_ 115
27 _ II’o Kol] 10'8 13:37 —
30 _ —_ —_ _ a]
32° — —_ — _ _ 10°7
25 94 10°1 07 10'0 13°0 _
30 = = —— — — 929
48 87 9°1 9°3 9°3 130
AO _ _ _ — _ 10'2
22 7'8 8:0 80 83 13'0 —_
30 == J = = — Ta 97
! Bis 10" 30m Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer; bei der 5 m-Beobachtung linkes Thermometer gebrochen,
Heiter, Bewölkung 0, Wind NO 1, See r, draußen Schäfchen, Kimm etwas zerzaust, h/2 02 m.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 391
9. Tag. 7. Februar 1899.
en —
Beuee | Beobachtungsstand
er Augeshöhe B Bere
Zeit SUSDIEERERdE Zeit | | Wasser
ee Luftin ı6#t|Luft in ro ar) Luft in 5m Luft NG: oo se eg
Pe Be Kugeltherm.|Pinseltherm.
}
- sh om _ _ _ _ 0:6 | nA
h m
; ns eS i 2 67 — fan 76 er 3%
= RG 10 70 _ E _ _ --
gh+5 rs 25 7°3 74 1053 29 10'0 I174
17 +9 = = = = er = a.
38 ie 43 2 25 17, 80 20-7, 11'5
10 15 oe r ei 8. s- 5 0: en
a8 A 9 2 o o 2 10'7 DES
Iı1 13 ers Ei 7"9 A Fr s- N? Ze
26 2.78 23 79 7'95 05 2 zs“ u
29 s'o _ = = >
42 8.05 82 82 835 -10'6 11'4
- 49 S’2 Ja, ee aB. ae
Io 18 89 3:6 835 875 10°5 114
26 8:85 — _ —_ —_ _
52 9°15 8:9 875 5°9 = =
TI 0 9'2 _ —_ —_ _ —_
29 9'85 g’I g’ı 9'22 10°6 11:35
45 10715 = ä = = = >=
Lufttemperatursangaben sind das Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer.
Bewölkung 0, Wind SO 2, See leicht bewegt, h/2 = 0°3 m, Kimm scharf. Gegen Mittag Regen.
10. Tag. 15. Februar 1899.
en | Beobachtungsstand
er Augeshöhe
I
a rreehense Zeit Wasser
2 Luft in ı5 mn Luftinz m |Luftino'ım -
Br BERRTEN Kugeltherm. | Pinseltherm.
Zu gom ER zu gm _ — 89 10°8 116
8 0 re 37 = = > uy ZN
40 —_ —_ _ 10°9 ı1'6
20 + 16 Q
42 + u we 2E 2 aa > Es
6 Ber 2 g°ı 9°3 9°4 11:0 ER
22 + 10 au u Er Er 5 ER
45 2 E 30 _ 9°3 9°7 Ir’o 217
10 14 ner: 55 = gb 9°8 110 116
NER Br es BEE 23 = = r
ii ı6 er 15 957 9°5 97 =
46 18 32 SE 97 9°7
re ER 56 96 9:8 10°0 110 11'7
2 3 Beer 10 22 10°4 10°4 10°5 — —
25 + 17 56 10'8 106 ro'8 110 116
45 Ber BUS ch: 110 —_ 2
2 7 es 33 118 — II-5 = =
48 39% 55 _ 116 11.6 [) 7
3015 Ing: Br arg E72 ge) 110 "8
38 Re 33 Eres 0.10 11'4 _ _
Te ar 223 12°8 116 DT _ —_
12 13°0 _ _ — =
26 12 0 IL’4 ı1"6 11-2 ı1°8
55 _ 173 3 110 ı1'8
3, 22 RL=3 I102 | I1’o 11"8
A 33 Dna 11'2 1704 DEIT 119
ne I
| Mittel beider kleinen Assmann-T'hermometer.
Bewölkung 10, Wind: a. m. O 0—1, p.m.S I. See ganz ruhig, kaum gekräuselt. Beobachtung
wegen besonderer Ruhe der See und der Luft besonders verlässlich.
392 Karl Koss und Emerich Graf Thunm-Hohenstein,
11. Tag. 3. März 1899.
Unterschied: Beobachtungsstand
Der Augeshöhe Y ° 5
Zeit Sala. Zeit Wasser
geodätische | 5 fti 4
Kimmtiefe Luft in ı5 m Luft in o'°5 m ne BE
Beatles inseltherm. xugeltherm.
gl zom + 37° sh om Ss 8:5 108 _
I . a ee —
40 + 37 BE >
36 10°2 10'0 ı1'o 10°I
Ko. 008 Sr 5 2
9 20 1238 110 ITEUT 10°
36 + 34 : 5 : ;
50 10 I1’4 Kara 101
II 42 + 64
a + 51 10 15 _ Kerne 10° 10°1
1 rg 45 13'8 12'0 ı01 10'2
6 x “: II 20 a0 Dan IT" 10'3
m 4 48 DAS 12'8 KYET 10°3
a Ba ; ar az Dem 0 10°4
> > A 26 13'0 12'8 II’4 10'5
40 E = ZN oO nase 12'9 Ks 10'6
3 15 + 65 30 1322 er] _ —
27 + 68 49 n2u 13°0 ne 10°7
45 + 68 57 na - = =
30024 gez D2R 1 10'8
53 mau 12°4 Tirzain 10'8
Aro g27 _ _ —
Die Lufttemperaturen sind das Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer.
Heiter, sonnig, a. m. Wind SO I, See ruhig, Kimm mistig. 11? Wind S 1—2, p. m. SW, zuletzt
WSW 1. Von 2% an h/2 = 0:2 m.
12. Tag. 7. März 1899.
Seen 3eobachtungsstand
er Augeshöhe
Zeit En Zeit Wasser
geodätische R er
Knnters Luft in 15 m Luft in 05m u ETe —
eesohfets Pinseltherm. Kugeltherm.
gh ı5m — 109" +25" 9% Chr 4'2 3"8 10'5 9:8
25 — 95 +20 39 4°5 4"5 10°5 94
50 — 8 5 Ton 4'5 5'2 10'7 9:6
a — 76 Zıs 38 5:8 Ba 10°8 10'0
18 — N 55 6'2 6'0 10°8 1o'I
33 = 6 <Ero ı1 38 6°8 5:6 10°9 10'2
52 an TEN 12070 80 5'8 — —
II 18 — 60 -+ıo 259 Be 38 Bo ur
30 Bir} En 140 6°5 ST 10'9 10'2
52 Besen 2023 58 5 10'9 10'2
Br — 65 Zu 3 08 Be 5.6 ı1°0 10°3
een 97 8 18 63 5.4 I1'o 10°3
2 15 = 8 ro A 26 4'8 5, DIET 10'3
35 23
48 Zn Se Die Lufttemperaturen sind das Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer.
BR: moegg
45 — 7 ES
4 10 34
Heiterer Morgen, Wind NO 2; gestern heftiger NO, über Nacht schwach. Kimm zerzaust, ferne
Fahrzeuge erscheinen frei von der Kimm. h/2 = 0'5 m. 10% h/2 = 0:4—0'3 m. Wind flaut rasch. 11"
h/2 =0:3m, O0" Wind dreht nach SO. 0®/," Wind SO 1—2, See ruhig, h/2 O-1 m. 21/,* Wind SW 1,
Kimm eben, viel sicherer zu beobachten. 4" flauen Wind und See.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 395
13. Tag. 15. März 1899.
Unterschied:
Zeit Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
gh ızm 42 ER Se
28 + 131
42 + 140
58 + 136
10 23 + 150
48 + 150
ıı 16 + 166
33 + 170
40 + 11
u 55 170
o 50 Zee 179
IS + 190
33 + 176
52 + 186
ZEN. + 190
28 + 161
42 + 161
3 ı8 + 127
38 + 144
51 + 161
AL2) E- 148
27 + 144
47 + 128
So —- 117
|
Beobachtungsstand
Zeit Wasser
Luft in ı5 »n Luft in 3 m Luft in o'4m
Pinseltherm. Kugeltherm.
gh om 15'9 15°6 15°0 11'2 10'4
33 = 16°3 15'3 2722 10'4
10 10 18'0 273 16°9 Dre 10°5
30 —_ 17'0 16°7 223 10'5
Re 2 18°5 17'0 207-3 I1’4 106
23 —_ 17°8 Den, I1'4 10°'6
52 18°1 178 Ken, 11'4 10:6
Or.65 19°3 18°5 18:6 INS 10:6
NaErS 18°3 18:6 18°4 Lr=s 10:6
40 = 18'2 18°6 Kurlain 10:6
28 _ 18°9 18:6 a L 10:6
35 18°4 14'4 14'3 — —
50 16°7 15'9 15°5 DES 10:6
223 16°0 14°3 13°8 TuryelS; 10°6
45 — 14'7 15'0 DER 10°6
55 15'9 15°3 15"3 11°5 10:6
4 18 15°1 Tau 14° 1 RSS 10°6
35 _ _ 14°5 er 10:6
5.9.0 4°5 143 14'3 TESIS 10°6
ce 20 14'8 13°8 13°5 I1'5 10:6
Die Lufttemperaturen sind das Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer.
Heiter, Bewölkung 0, Wind O 3—4, See ruhig, h/2 = 0'I m, Kimm gut, erscheint sehr weit. ji
Wind O 3—2. 2" Wind setzt draußen auf NW um; 21/,® NW bis hieher durchgedrungen; NW 2; See
nur leicht gekräuselt, 1/2 = 0, Kimm sehr scharf.
394 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
14. Tag. 16. März 1899.
Zeit
Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
ızı 45m
44
20
36
51
34
50
29
34
42
2
a ee
nn a a ne en on nl ln nn Sn ne u © Be nn}
Beobachtungsstand
Zreut Wasser
Luft in ı5 m Luft in 3 m Luft in o'4 m
Pinseltherm. Kugeltherm.
ııh 45m 13°5 u E= 116 ı1'0
55 = 119 11°7 = =
re 12 14'5 — u —_ —_
20 -— 11°9 12'2 gt _
47 14'3 Raus 12°5 11°4 =
2,16 15'2 122 12'0 I1’4 10'7
37 13°8 = 12'3 — =
56 else) TzL 121 11'4 10°6
ze Mur — —_ 12°6 _ —
37 136 129 12.02 114 10°6
4 3 TER rg 13'2 Er
25 138 1223 12'4 UXeS 10'6
49 13°6 _ 12"8 —_ —
Beeer2 T3=1 1227 13°0 11°4 10'6
29 IST _ 12°9 — —_
46 — 12°7 1202 114 106
0755 — 1221 1232 — —
Se Be Os __
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
Heiter, Wind NW 2, See leicht gekräuselt, 1/2 = 0, Kimm sehr scharf. Stets sehr gut zu beob-
achten.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 395
15. Tag. 17. März 1899.
Z eilt Gemessene Kimmtiefe Zeit Gemessene Kimmtiefe
IL 30m 5" 39" 2 Dr Bag en
15:3 Di, 54 Bu 27 Sn
15 6 4 57 1 49
27 5 46 Au? ey
33 5 45 5 20237. 224
38 5 39 10 Bun 12 254
56 5 34 18 o 52
2200 4 47 21 0,27
11 4 45 24 0 53
20 a 27 26 1.12
34 4 27 32 1434
46 4 27 39 1 32
Bus 3 52 46 22,
15 30533 57 —1 7
27 20) ee) —1 0
31 Zus 4 —1 0
Br 35 a6 12 —1 0
- 40 2) Ian Ei 8 34 —
46 Sy 51 —1 2 |
EEE ee ee re a n
Beobachtungsstand
d
d Fresit Wasser
| Luft in 15 m Luft in 3 m Luft in o'4m j
| Pinseltherm. Kugeltherm.
l
zn zom 14°9 126 Rau 10°7
x 18 15'9 13'9 14°1 11'5 10°7
24 16'4 - 13°8 ze =:
| “ = = S Sr =
2 = 13'4 14'9 = =
| 22 16°9 — 14°7 1202 114
45 16 9 13°3 = =
3. 370 17°9 — =
18 — 14'9 14°8 1202 IL’4
44 — —_ 14°3 —_ _
| 49 — — 13°0 = =
53 — _ 12°9 _
; 55 —_ ger _ 12'0 u
aus — = 14°4 _
9 — — 146 — —
16 172 14'6 14°5 _ —
| 36 == = ES] —_ —
| 40 _ = 144 — —_
} 48 16-3 a > a er
57 — 14'2 — — ee
5 40 148 IST UNO _ —_
| en En u
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
| Augeshöhe durchwegs 16:0 m, geodätische Kimmtiefe 7' 42°. Prächtiges Wetter, Wind NW 1—2
See eben nur leicht gekräuselt, 7 = 0, Bewölkung 0. 2" Wind flauend. 3" 0" mit Nivellier-Instrument
10:4 m ober Wasser 3' 33" Kimmtiefe gemessen, Koss. 3" 40%" Wind NW 1—0. 3" 54" Wind etwas
frischend 1—2. Die See hat wohl im NW Streifen, ist aber von W an S-wärts (Beobachtungsrichtung SW)
durchwegs leicht gekräuselt, also eine Irrung mit Streifen ausgeschlossen. Luft draußen milchig. 41/,"
sieht man mit freiem Auge die Kimm gewellt (beiläufig 1 Strich Azimutsunterschied zwischen Kamm und
Thal) und diese Wellen wandernd.
5% 10% Koss mit Nivellier-Instrument in genau Höhe des Universals —54" Kimmtiefe gemessen.
521 ar hun » » » » » » » al » »
2 17 Koss » » » » » » » —30 » »
BEE NKOSS € —3'18'
5 25 cr » » aus 10°3 m Seehöhe 173 98 »
Sonne im Untergehen (6" 10") stark flach gedrückt. Die Kimm erschien den ganzen Tag sehr weit
entfernt.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 51
a
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
4
396
Unterschied:
Der Ausgeshöhe
Zeit entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
ıh 6m le
24 + 89
35 1 98
52 + 81
2 I + 74
ı8 73
40 + 67
343 + 64
19 + 64
29 + 62
50 + 61
16. Tag. 5. April 1899.
Beobachtungsstand Tender
Zeit
aus in ı6n | Luft in 4m |Luft in 0'3 m Wasser Wasser
Ih gm 17'0 ser 13°8 | 1302
15 —_ = _ —_ DISS)
42 15°6 13°8 13°9 12°0
2m ERS 1823 Le 1SR, 12°0
20 _ — _ 1153
30 — 13-3 13°3 12°0 —_
Br 149 13°2 13°3 — =
20 — — — _ 118
3 14'0 12 8 25 12°1 --
AERO — = —_ —_ ı1'6
27 Bali 12°5 _ — _
34 >= zq, 12'3 — —
a Te in
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
1" Wind NW 1—2, Bewölkung 6—7, See h/2 = 0:1 m, Kimm gut. 2" Wind flaut. 4" Bewölkung 10
Wind 0—1, Wetter bleiern, Kimm zu matt. Gestern SO-Wind, Regen, heute Morgens aufgeheitert.
Unterschied:
Der Augeshöhe
Zeit entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
S Sa
7h 24m Bye ma —-
37 Sr 2 =
54 uf =
8 ıı + 75 —_
35 —+ 86 —
3 Sch —
15 = an + 69"
40 + 87 + 76
55 + 87 =
NOS, + 86 + 84
Io + 89 + 88
34 + 92 + 84
50 + 91 _
De Sc ch] + 98
„2 —+ 96 + 88
33 + 94 a
41 + 92 -
57 > 99 + 67
or 12 —+113 + 84
54 A275 Zu Se)
>) —+ 70 —_
27 + 56 + 36
40 + 44 25
53 en 7
58 + 49 0297
2422 + 48 + 27
35 0 >31
Ze) 2267 =
54 + 62 52
3 23 + 48 735
Heiterer Morgen,
17. Tag. 6. April 1899.
Beobachtungsstand
Zeit
|
Luft in 16» | Luft in 3m Luft in 0o'3 m
7h ı8m 12'3 r2c 72.25
45 13'3 13'6 1375
80 _ — _
18 14'2 14'0 731.9
44 IT 14'8 14'8
De == — =
Io _ 14"5 14°4
15 155 = En;
49 15'8 7555 15'0
Io 0 —_ —_ —_
18 16°3 15°1 14°7
53 — 15'2 14°6
0b ke) —_ _ —
25 17'6 15:53 15°3
45 15°4 — 12'7
2o E _ —_
3 13'7 12'5 12°5,
58 13'8 1355 13°3
re} — = —_
33 _ 12.7 126
40 03.05 = —
58 1327 13 0 12°6
6) _ u _
28 13'8 SET gez
45 — 13°0 13°9
Ber IE = IF
28 14'4 nass 13°8
50 13°8 n 13-0
4, 20 _ — —
ee ee
Mittel beider kleinen Assmann-T'hermometer
Wasser
Tender
Wasser
Wind O 2—3, See ruhig, draußen Schäfchen, Kimm sehr gut. 11" Wind flaut
Bewölkung 7, keine Schäfchen. Wind SO 2—1.
11°/,® Wind setzt nach W um. Mittags Wind NW. 11/,"
NW 0—1, Luft trüb, 3" nahezu windstill, Bewölkung 10, bleiernes Wetter.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 397
18. Tag. 7. April 1899.
Unterschied:
{ | Der Augeshöhe entsprechende geodätische
nt Kimmtiefe — beobachtete
Sı | S; 4
7h ız | a 65" RL
24 —+ b2 —
40 + 67 ya
54 nen) =
8 15 + 71 + 66
40 —+ 66 —_
53 + 64 + 66
9, US + 63 + 62
30 + 64 + 61
55 205 =
ol 3172 + 65 + 64
35 + 69 =
ae) + 69 =
13 _ —+ 60
27 + 65 —
. 40 — Ag
47 + 63 —
oe 70 + 51
55 + 74 =
TS + 59
25 er ze
30 _ + 63
45 | a + 49
50 + 68 + 61
ee) — + 09
7 ) =
20 + 69 —
35 Ze + 61
45 — + 69
50 570 + 67
3uaTo) —+ 76 --
25 — + 66
32 E73 _
55 + 81 — |
4 8 = + 76 |
EEE ee BEE pp error rer EERREREERE SEE gene SEEN nenn
he | Beobachtungsstand Tender
| Luft in 16m | Luft inam | Luft in o’3m Wasser Wasser
7 ıgm 1223 12:0 ve 119 =
48 141 10 12°8 120 —
Bu 3 148 ey 13°7 = _
15 — —_ — — 114
28 —_ 14'3 143 12'0 =
49 16°1 14°3 14'2 — —
io} - 14'4 14'2 12°0 —
15 —_ — pe — 11'4
26 i 16°5 14°5 14°3 == —
45 Zu = —_ 2 —
10 10 102 N —_ — 2 _
15 == — 116
31 16°6 14°6 4'4
55 14'06 14°4 12/72) ==
Id 15 _ — —_ 110
32 16°3 143 141 DZRM;
55 14:6 14°3 = =
[ee 57 _ — 116
58 16° 1 15°4 141 12°4 _
IITE _ _ . 11°7
35 = 14'0 14°3 12'3 =
Az SR 13'9 139 en =#
15 = —_ _- = Kae
23 16°1 143 14°1 12°4 —
45 m; 13°7 7359 RZ =>
EI 15'2 141 Yan, 1233 Rey
4 0 Ser 13°9 13'2 12°3 _
u 1 ee en
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
Heiter, Bewölkung 0, Wind: morgens O 1, 9" OSO 1—2, 10" SO 2—3, 4" SO 4—5. See morgens
ruhig, 31/," h/2 = 0:3 m, 4" 0:5 m.
51#
398 Karl Koss und Emerich Graf Thum-Hohenstein,
19. Tag. 10. April 1899.
Unterschied: Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische \Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zeit Kimmtiefe Zuesit Kimmtiefe
— beobachtete — beobachtete
Sı S 5; | Sa
oh qm u 19" =. oh 6m — + 34
7 4 2>2 — 14 12023 est],
20 +2 — 3 —+ 30 _
38 —+ 20 —_ 18 —+ 31 + 12"
45 Zu a 25 — + 18
58 + 22 — 45 109% Sea
8 23 2032 = 55 = + 19
30 _ —+- 22 2 022 _ + 35
42 35 — 28 134 -
48 — + 24 45 + 32 _
9,03 + 37 34 _ + 26
23 ir 30 27, 30 + 34 z
45 + 42 + 41 40 —_ + 27
ı0 © + 40 _ AT RO + 35 + 32
20 + 46 — 18 — + 29
27 = —+ 40 43 — —+ 26
40 + 40 —_ 45 + 35 =
52 + 40 + 48 50 _ + 40
nr ) = + 4I 5 10 == tr 34
18 + 42 — 40 + 38 —
38 -+ 39 + 61 45 + 28
48 —+ 40 + 21 55 | + 40 —
eo) + 25 —_ [a 2 —+ 40 —
Zeit Beobachtungsstand Tender
Luft in 16 u Luft in 4m Luft in o'3 m Wasser Wasser
6h 52m 8°5 77 7:6 118 u
7. 10 _ 10'9 10°4 118 _
27 11'9 02 a E= —_
DZ _ 12'8 12°8 12,0. ı11'0
33 13°5 13°4 13°6 120 —_
OR 14'2 _ _ —_ Umor
10 — 13'8 13'8 B
5o 15°4 14'1 14'2 12°0 —
KowsLo — —_ —_ = 11'2
11 _ 14'9 14'8 _ —
48 16°5 14°3 141 —
Tr > = 13°3 13°4 = 11°5
8 15°3 = — —_
30 = 14'7 13°9 = —
59 — 12,2 1ı2°6 12'8 LrSY
o 14 14'0 — _ —_ —
KE2 _ 12'1 12'0 12°4 6 13
23 13'0 121 R2Y 1202 —
2. °8 = — — —_ 116
13 14°4 12'5 Ber 23 —_
25 _ _ 12.7 = =
51 13'9 12'3 12.2 12°3
2 ee) — —_ — — 116
33 113107] 124 12:6 2:3 —
au 20 — = 77 — EI,
10 —_ 12'3 12°4 —_ _
56 1308 12°4 1223 12%
5 0 n — — —_ KLESR
33 12°9 aus N 12-7 _
620 _ — _ — 11:2
13 12'0 11'8 11'9 n
I gr 2
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
7" heiter, Wind ONO 1—2, Bewölkung 0, Kimm sehr gut, noch ein wenig rauh von der gestrigen
Bora, h/2 = 0'2 m; 81/," h/2 = 0, Kimm sehr scharf. 11'/," Wind flauend, 11" 55" NW. Wind plötzlich
eingesetzt, O" 0" hier schon Schäfchen; p. m. NW-Wind 3
4, AN W/D = 0:2 m.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
20. Tag. 11. April 1899.
Unterschied:
RE: Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
S; Sy
+ 38" =
+ 40
= Set
+ 40
+ 48 =
Er —+ 30
+ 51 —
= + 36
+ 42 —
es + 27
12734 =
— + 25
Be) —
= + 25
+ 32 —
— —+ 18
+ 36 =
er + 23
+ 38 7
21247 _
+ 42 =
er + 27
a y 7
+ 44 2933)
= 12133
+ 48 + 39
53 =
= = 39)
+ 61 —
+ 64 E52
+ 64 4-58
; + 68 + 57
E_
Te: Beobachtungsstand Tender
Luft in 10m | Luftinam | Luft in 05m Wasser Wasser
zb m 3 10°I 10'1 12'0 —
42 8 2023 119 12°0
45 — — — pe ır1
8. 20 — 12-7 222 12 © _
47 13'9 126 12°8 12'0 I1’4
9 23 —— I2=5 126 — _
47 23°7 2203 —_ _ LIESS
55 — — 126 -
10, 23 12°9 12°6 12°8 12°0
45 — = = == ELE7
53 12'9 123 12.2 12'2 —
II 45 _ — — —_ 12'0
ou oO —_ 12°6 BASS _ —
45 —_ _ _ —_ 12'0
DES —_ 126 Neo, 12°7
25 13:6 — = - -
45 —. — — —_ 12°0
209 702 12'8 12°8 12:7 _
45 — _— _ — 12'0
Ber? 14'0 12:8 12'9 er E—
45 _ — _ _ 12'0
52 = 12°9 12'8 12°8 _
4 10 13-3 13°6 13°1 —_ —
27 == 13'0 13°0 12'8 —
40 — 13'0 12'9 — —
f 45 _ _ _ _ 119
58 13°0 12°9 12°9 —
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
399
"Morgens heiter, Wind O 1—2, See ruhig, Kimm gut. 9'/," Wind SO 1, 11!/," S 1—2, 2" SW 1—2,
3a" S3, 4" S3—4, frischt rasch, Bewölkung 10, h/2 = 0:3 m. 4'/," Kimm matt, Luft sehr feucht.
Karl Koss umd Emerich
400
Unterschied: |
Der Augeshöhe
Zeit entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
S, &
ae See ==
32 —+ 50 —
43 + 49 —
50 — + 46.
8 16 + 51 —_
33 — + 40
40 21252 ag
93 = + 46
Kos, 21257 -
45 + 56 + 46
TOSEmE —+ 61 _
30 —_ + 51
55 = u
te 55 + 63 —_
7" heiter, Wind SSW 1—2
3—4, See wächst rasch. 9°%/," n/2 = 0'4 m, Bewölkung 10. 11" 1/2 =
Graf Thun-Hohenstein,
21. Tag. 14. April 1899.
Beobachtungsstand Tender
Zeit hr
Luft in ı6 2 | Luft in 4m Luft ino'sm Wasser Wasser
7 gm 116 11'8 12'2 _ _
Ss 5 — 12'0 122 1228 _
13 11'9 2 — = —
45 11'9 — = — =
52 - 12'2 4 ar —
9 40 E= 12°6 7 — _
52 1223 — _ _
TORE, — — u — ı1°6
55 12°5 - — BL
ul 0) _ 12°6 12'8 — =
15 — — — 116
a el re E
Mittel beider kleinen Assmann-Thermometer
See h/{? =0'1 m, Bewölkung 0, Kimm gut. 81/,? n/2 = 0'3m, SSW
0:5 m, Bewölkung 7, Wind SSW
4—5. 11!/," wegen Frischens von Wind und Seegang Beobachten aufgegeben. Reihe wichtig, weil bei
starkem Winde beobachtet. Pegel wegen Seeganges wegnehmen müssen, Wasserstand nach Schätzung
gleich geblieben, Augeshöhe 16:0 m —0'1 ım.
Wind S1,
Unterschied:
Der Augeshöhe
Zeit entsprechende geodätische
Kimmtiefe
— beobachtete
S | 5
6h zom + 98" =
38 + 87 =
52 => 0) >
7 26 + 79 —
SER + 84 —
35 + 82 =
48 + 89 _
9 0 + 85 —
24 2208 ==
45 —+-100 —
om 2 —+ 90 —
40 + 98 =
We uo) —-I1Io + 64°
40 + 85 + 81
o 0 _ _
10 + 76 + 66
15 — +
45 + 66 + 59
53 — =
2 ı8 + 069 _
25 u _
30 Be =E
38 + 4I
45 = 54
ke) + 42 —+ 68
22. Tag. 17. April 1899.
Beobachtungsstand Tender
Zeit
I
Luft in ı m Wasser Wasser
6h om ang) \ en
30 Zr L2uR
Ta1o 12'8 —
30 — j ER ar
8 30 Mittel beider >
90 6 13°5 ) kleinen er
30 2 Assmann- em
32 13°9 | Thermometer =
ROSS 13'8 12'8
32 = >
a 14'2 12'7
30 = er
zo 13° —
o 30 —. wi
I ı er
Er Er nur rechtes a
55 13°4 / Thermometer 133
2 20 13:3 13°3
30 = —
3 ı0 13-8 Er
30 — a
[3
todte See h/2 = 0-4, p.m. 0°3 m, ganz bewölkt, trüb, Kimm gut.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
23. Tag. 18. April 1899.
Beobachtete Kimmtiefe IN Beobachtungsstand Tender
| Ss Luft in 9m | Luft in ım Wasser Wasser
|
8h om IS rn 7" som = = = 12°8
28 5 52 u 8 6: 5 a
53 5 31 FE 15 ER, 16°2 13°3 —
9 17 5 en u 50 = = = 13'0
a I 2 34, .
5 en EN 55 17'2 159 13°4 —
no 7 929 —_ ° 9 20 16°6 16°2 13°4 _—
10 == 30:39
24 5 28 we so be = 1375
3 30,9 = 55 — 16°5 — =
rn : RE 3 1e> 10 10 u 16°0 13°5 —
46 22 - 20 16°5 — _ =
50 5 20 —— 28 Er . za a
55 9 _ Zi
57 — 34.23 38 — 15°3 = —
Du 9 4 53 — 5
22 4 35 a8 = % Fr = ng
30 a: —_ 0 Re — UIRSET 1354; =
40 ET Se Air) ne - =
50 4 56 3 16 5 - =
8 4 5I _ a8 182 17'0 13,4 —_
12 — 3 14 iR N Ei {
35 Fl 24T > Se
39 - 75-57 oo 18°2 LG — —
16 _
Pi:2- San a a a Bere
2.0 ET) 270 I 10 18°2 176 13°6 _
2 Ar" z er 50 16°9 16°4 13°8 14°4
13 4 7 —— 2) 16°5 16°8 14'0 _
20 4 0) ß
31 ATS 20.08 47 — ı6° 1 —= =
42 2310 50 — —_ — 138
E £ 3 Be Een DS: ı6°1 15°0 -- _
15 4 4I — 42 1722 16°5 14'2 —
5 ; 1“ x 5® == E= u 13°8
4I 5 40 o 55 4 36 18:5 Ten 141 =
45 3 21 = En > ee .
55 5.49 ER, .. I
4 ° 230 = ——— U —mn
7 Z. 1 35 rechtes kleines Assmann-
15 250 Fi Thermometer
17 5 43 —
Augeshöhe für S,: bis 11% 20” 16-0, 11% 30” 15-9, 1 8" 15:8, 2% 13” 15-75, von 3" 45” an 15°7m
8" schmieriges Wetter, Wind SO 0—1, im NW Nebel und Windstille mit nicht gekräuselter See, so dass
die Kimm nur in SSO zu beobachten ist; See ganz ruhig. 9" 35" im S klar, WSW gegen NW dunstig.
10% Wind S 1. 11" leichter Hauch aus NW. 11" 10" SO—1. 11"40” es trübt sich auch im S. 10%/,"
schien sich im NW ein Gewitter zu bilden, ist jetzt vergangen, die Gegend noch trüb. 21/," »bleiernes«
"Wetter, nahezu windstill; durch 3" leichter Hauch aus W. 2!/," Hauch aus S. 2" 57" NW 1 bis hieher
durchgedrungen, im Süden Windstille. 3% 36" gegen NW gemessen (40° am Horizontalkreise), alles Bis-
herige im SW (130° Horizontalkreis). 3" 41" NW (40°); in 138° Horizontalkreis ist die Schiefe der Kimm
‘so merklich, dass sie am linken Ende des oberen Mittelfadens und am rechten des unteren schneidet
(Distanz beider Fäden 40", Entfernung ihrer Enden 20'); auch beim Schwenken des Rohres gegen NW
weicht die Kimm von den Mittelfäden auf den nüchst oberen Faden, also 2' nach oben. 3" 45m SW
‚gemessen (130° Horizontalkreis), 3" 55” und 4" 17" NW, 4" O0” und 4" 15” SW. Aus S, 3"55" NW, das
übrige SW. 4" Wind NW 0—1, See gekräuselt; in 140° Horizontalkreis sieht man im Gesichtsfelde des
Instrumentes eine Kimm rechts am Mittelfaden, eine links am nächst oberen Faden (2' höher). 4'/," alles
mistig. Aus S, gemessen: 9"58" 10’48”, 10" 2" 10'43’; 2" 42” 9'31", 2147” 9'32°
402 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
24. Tag. 20. April 1899.
Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zeit Kimmtiefe
— beobachtete
S; Sa
ıh gm E48” =
10 ie + 39"
22 + 48 —
26 — + 39
30 —+ 46 SAT
53 == + 32
25 en 7
34 — + 406
42 + 47 >=
50 — + 46
3 14 + 48 At
420 + 54 + 40
45 + 02 Sr 5
ER) I + 064
37 + 069 —_
0270 + 64
Io —+ 09 —
28 + 72 —
38 —_ + 68
46 + 70 —
Beobachtungsstand Tender
et
Luft in g an Luft in ı m Wasser Wasser
ııh zom 14'2 13°9 13°7 ——
o 30 — E— _ 12.7
7, 13'25 13735 14'0 FE
30 _ — pe 13°0
40 IST 13 0 — —
27250 128 12°75 14'0 —_
25 12°7 12'8 _ —_
30 — m = Zion
52 12°8 12"85 —_ —
3220 13.0 13°0 140 =
30 _ = — Tzion
A 13.0 KT — —
30 — —_ — 12°5
53 13'0 13'1 14°0
Bu 25 ot 13°25 — —
30 _ — —_ 12'5
50 DZ Tr — —
6 30 130 13°0 — 1263
35 12'9 13'0 -- =
: nur rechtes kleines Assmann-
Thermometer |
1" Bewölkung 10, Wind WSW 3, See h/2 = 0'1 m, ganz leichter Regenschauer, 31/,” wieder.
A Wind S 2-3} Bewölkung 3. Kimm immer sehr scharf.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
m ne m ng ve De nn en m ee ne u mu
25. Tag. 1.Mai 1899.
Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zeit Kimmtiefe
— beobachtete
S; Sp
On + 86° | =
208 15 => We] | —=
28 + 58 _
4ıI 59 ae
53 = 15% =
In 8 -- + 42
22 055 ar a
39 + 67 2859)
a) + 65 —
10 == im 76)
20 2197
27005 —: + 74
—_ 8 + 81 u
15 + 8ı + 76
30 + 78 + 62
3.0 075 + 63
11 — + 64
23 + 7ı _
5o _ + 62
Au 35 —+ 66 _
30 —_ + 76
33 —+ 60
57 +65 =
Bo _ + 066
18 + 63
35 501 —
54 + 064 + 90
Beobachtungsstand Tender
Zeit
Luft in om Luft in ım Wasser Wasser
sh zom _ — _ 13:6
32 38 a — = 13°5
10 9 19'15 18:85 14°3 —
30 = 3= > 7355
35 1495 14'065 > =
un 13 15'89 14'70 14°6 —
30 16°10 15'10 —_ 13°5
53 — 14°65 15°0 _
DOSE y7 = = 1355
Knz 14'40 14'25 — =
30 — — — 136
55 14°75 14'25 14°5 SE
2 30 14'85 14°30 _ 13°6
3 ı0 1475 14'95 144 —
30 —_ —_ —_ 14°0
47 14"65 14°55 = Z=
4 25 1485 14b5 _ =
30 _ _ E 140
BuS5 14'85 14'35 = ER
30 _ — —_ 14°0
45 14'70 14'75 14'7 ar
6 30 _ _ _ 13'8
u rn
Mittel beider großen Assmann-
Thermometer
10" Wind O 2, Bewölkung 0, heiter, See ruhig h/2 0. 10'/," Wind setzt nach NW um. 101/," NNW
2—3, 11% 3—4, 1" 2—1, Bewölkung 8, 5°/," NNW 1.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 52
404
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
er ee nn nn
Unterschied:
Der
Pod Augeshöhe entsprechende
geodätische Kimmtiefe
— beobachtete
S; Sy Sa
sh om en 24" == _
3 + 24 — >—
15 = N E237 —
24 + 31 —_ —
45 Sr gu — —
so BE 7027 —
97212 + 34 =
37 21835 — a
208 13 + 37 —+ 30 —_
43 + 34 —
45 = = + 52"
II 10 — + 24
20 + 31 — _
32 — + 23 _
37 2033 — ==
48 30 | SE 3 =
0255 212835 — —
NT — Zu ogh =
33 + 4I = =
53 — —— + 64
Ds + 46 — —
8 + 46 _ —
25 47, — ——
34 == + 46 _
45 + 50 = =
52 —_ —+ 51
3 10 + 56 _ + 72
35 2055 Sr 50
58 + 62 — —
4 15 = + 63 —_
29 + 60 | +64 =
55 + 66 —_ —
5 10 + 69 = =
15 —_ + 65 —
26. Tag.
2. Mai 1899.
Beobachtungsstand Tender
Zrerist Z
Luft in 9 m | Luft in ım Wasser Wasser
sh om e r- = 13'4
12 14°25 Diary, 14 2 _
38 14°55 14°35 1425 3
9 0 = — — 13°5
10 0 —_ — — 13°5
2 14'75 14°35 14°35 ne °
33 15°05 14°55 14°35 ==
oe © — _ En 23
6 15'05 14°65 14'35 _
33 13'75 13'70 = —
44 — 13"85 14°3 z
o 0 — _ _ 13
Deo 14'20 14°10 14°4 14'0
44 14:08 14°03 — =
Bo —_ 2 2 140
18 13°75 13715 IA=5 =
38 13°85 13°75 = zu
30768 1415 14°13 —_ 13°8
22 14-35 14°25 14'6 =
4 0 —_ —_ —_ 1338
6 14°53 14'135 14°5 —
38 == SE IB 1377
4 14'92 1468 14°5 —
Mittel beider großen
Assmann-Thermometer
Am 4. Mai gemessen, als wegen Unsichtigkeit der Kimm |
keine Kimmtiefen zu beobachten waren.
6h
Himmel umzogen, Wind OSO 1, See ruhig,
20
16
30
45
25
30
30
20
30
50
30
30
Kimm gut. 9" Wind SSO 2, 111/," und später S 2.
1430
1435
14°25
15°25
14°58
14°33
14'48
14'55
14°55
14°53
14°45
14:65
14:30
14'35
14°55
14'38
14°53
14°55
14'065
1465
——sssse nn m
Mittel beider großen
Assmann-Thermometer
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 405
27. Tag. 6. Mai 1899.
Mi
N
% Unterschied: Unterschied:
5 Der Augeshöhe entsprechende geodätische \Der Augeshöhe entsprechende geodätische |
| Zuesint Kimmtiefe Zeit Kimmtiefe
'- — beobachtete | — beobachtete
j S; S2 S3 S; S2 S;
oh om — 10 _ _ 29 — 7 = —_
21 — 7 -— _— 32 — — —+ 22
30 Z—a5. > z 55 Zu —E =
40 = 5 — = 4 0 — — —
52 —_ — 26% = 15 — — 20 _
11 o — II — — 22 et —_ —_—
9 — -— _ 5 ° le _ —_—
14 _ _ —+ 19" 14 + ıı — 9 —
30 — ı — 15 u 50 + 21 — —
46 29, a = 6 2 = = 35
50 — — 22 — 6 + 19 — —
o 4 == — = 28 10 = — + 37
0 ES — Io _ —_ 26 = + 8 _
11 = —_ + ıı B2 + 29 _ _
30 = —ı25 — 47 + 34 = —
38 — ı — _ 50 _ + 17 —
272 — 3 _ - Rt) + 39 — —
15 —_ — 24 —_ 2 _ + 24 —_
38 — 7 — 29 _ 8 + 38 — —
ST, | Zn — 13 +41 = =
10 —i ST ah I
Beobachtungsstand Tender
Zresi t
Luft in gm Luft in ı m Wasser Wasser
oh zoM 10'095 10'095 — —
50 I1'10 20203 14 2 _—
Ira 25 Nrr2R 11'283 -- —
52 —_ ı1"65 _ _
Wer; 1155 1173 14°4 _
30 — = — 23,05
2 Re) 1188 11'883 14°4 _
30 — en = 1375
55 11'83 11'88 146 _
30030 —_ = — 13°5
50 — 13270 14°5 _
4 12 13°45 13733 —. =
30 — —_ er. 13°5
25 13°48 13°53 = ==
30 —_ u - 13°4
6 0 13°45 13°48 14°5 —
25 13"40 13°33 14°5
30 _ _ _ Da
55 11'095 11°85 _ _
720 12'00 ı1"60 = -
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
10% Wind SSO 1—2, Bewölkung 5, See ruhig, leicht gekräuselt. 11? Wind S 1—2, 31/," ebenso,
Wind flaut rasch. 7" 13” Sonnenuntergang. Kimm den ganzen Tag gut.
406
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Heiter, See ganz leicht gekräuselt, Wind S-WSW 1—2.
28. Tag. 13. Mai 1899.
Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zweit Kimmtiefe
— beobachtete
Sı S2 S3
sh 45m Frohb, == pm
9 18 ER) =
32 — + 37" -
46 +47 z= a5
TO Een a en
5 = + 76°
20 — + 44 =
42 =253 = 76
52 + 50 + 38 =
II 10 == + 40 =
16 + 4I — —
27 — = —+ 80
34 + 42
41 Ku 2033 =
53 39
o oo = = =r73
115 = Zum He}
20 ar.) = =
31 — + 40 =
48 ar = =
56 Z 37 ==
2 ı8 —+ 50 _ _
44 243 + 20 _
3 0 + 28 — _
20 + 50 =
22 E= — + 42
42 + 49 =
4 0 — + 8
18 = — E53
20 + 48 =
34 — 2.12 =
41 —+ 50 _ _
45 ad =
Beobachtungsstand Tender
Zse it
Luft in om Luft in ım Wasser Wasser
sh 55m 16'08 1608 15'2 _
9 30 15'70 15'068 u _
Io 10 15°20 15'25 15°4 _
30 15'065 15'65 163 —
u ie) 15°65 15'065 _ _
45 1558 15'58 16°4 7=
135 16°30 15'98 17'0 —_
I 50 >: En == 15°5
2 10 16°08 16°03 —_ u
50 —_ — .—_ 15°8
3 ı0 16'25 ı6'15 16"8 >=
35 16'25 16‘15 — —_
50 —_ — — 15'8
AuES 16'28 16°63 168 =
50 _ — — 15'8
55 16'28 16°25 166 =
SE > or a a
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
F Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 407
29. Tag. 2. Juni 1899.
Unterschied:
\Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zeit Kimmtiefe
— beobachtete
S, S, S3
7l 4om —+107" — —
57 —-I10 _ —_
8 22 —+-120 +113" —
38 = = —
55 —+-126 — u
9210 —_ -- —+-108"
14 —+-127 —_ —_
28 — —+117 —
5o +126 —_ —_
52 —_ —+119 —_
0.78 —_ — —+-120
20 —+121 — =
- 46 —+118 — _—
50 — —+114 _
IT 28 -+138 -+139 —
42 +136 +-139 =
55 3 zn +150
1 22 — — —+123
33 +11 u 115
35 21 79 mc I:
44 475 S7
2. = 7,3 EB ,
10 E79 —
40 + 89 — —
35 10 + 56 — —_
20 — + 82 E—
25 + 74 —
35 + 56 — _
38 +43 =
40 = = Zus
53 + 80 —
25 == + 38 =
Io + 84 — —
15 — + 42 _
28 = + 44 ==
30 + 84 — —
40 + 88 —_ —
46 77 E45 >
55 + 90 BZ =
5413 RE + 45 >;
20 -+100 + 55 —
Rt Beobachtungsstand Tender
e Luft in gm | Luft in ı m Wasser Wasser
|
zent 20'75 20°75 17'4
8 40 21'064 21'46 17'6
9 30 2225 22°23 TZuS
ıo Io 23'25 2235 1723
35 _ 2200 —_
II 35 23'15 17°6
50 = 23'25 =:
125 — 19'75 18'0
55 18°75 18:38 "TE Kein Tender
2IE 2 18°75 18'10 18'0
55 = 19°65 =
Se, — 20'065 —
20 19'45 18:65 _
45 1940 19:40 18-1
4220 19:08 18°45 18°7
45 19 25 18°73 18°7
Raus 19'88 19'55 18:6
N |
Mittel beider großen Assmann-Thermometer| Pinsel-Thermometer
Heiter, See leicht gekräuselt. Morgens Wind O 2, 10°/," SO 2, 1!/," setzt NW-Wind ein, dann NW 3.
408
{Een een nn en.
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
Unterschied:
Der Augeshöhe
er ensprechende geodätische
7 Kimmtiefe
— beobachtete
Si Sp
5 oh 45m -+125" =
55 = 120"
Tor 06 125 —
13 — +134
3ı —+138 —
DI lo —_ —+144
7 —+-158 —
26 —+148 —+161
35 Er +154
40 +147 =
53 —+155 —+148
je) —+157 _
32 +133 TE
36 = -+149
45 —+-112 u
56 -HIo5 =
27 2 -+-103 -+-108
24 +-106 —+ 90
37 = 12,90
46 —+-103 _
3 23 + 96
AO + 96 rl
23 — ST
28 295 =
40 — —+ 82
Dez +106 + =
37 —+106 —_
30. Tag.
3. Juni 1899.
ESG RE
Beobachtungsstand Tender
Zreniet
Luft in 9» | Luft in ı m Wasser Wasser
gh 55m 2405 AB 1728 —
Io Io 2 -- _ 17.22
20 24°65 23075 18 0
EI MO -— 23425 18°0 —
10 E= — 17'0
20 — 23'883 —
35 _- 23'88 180 —
50 — 24'0 - —
o 10 — — = 17'0
ı 10 — = — 17"4
23 24°73 24°23 18'2 —
40 _ 24'588 — _
2710 — — — 17'8
33 19'28 19'905 18°1 —
al 20°45 19'098 _ _
Io — — — 18'0
4 Io — — _ 180
20 19°13 1881 18'5 —
Due 19°05 18:65 18'5 -
Io = — 17'8
45 20°35 20'10 _ —_
6 20 20'065 20:60 —_ —
——s mn
Mittel beider großen
Assmann-Thermometer
Heiter, Wind O 3—4, See leicht gekräuselt, Kimm matt. 2} 17" NW-Wind bis hieher durch-
gegriffen. 21/,” NW 3. Wetter wie gestern. Außer diesen in der Richtung NW (60° am Horiz.-Kreise)
gemachten Beobachtungen noch folgende in anderen Richtungen:
Beobachtete Kimmtiefe
So
Zueriet
S
ee ya” | o° Hor.-Kreis
z % 3 ' v
6 ER) 70 > 7
13 = 4 45
17 oz 40 >
20 SS 10 »
22 4 3 7349 »
24 = ı 37
27 —_ 220
30 ZT 3 51
165° Hor.-Kreis
205 >
165 >
135 »
105 >
Richtung NW 245° am Horizontalkreise des Nivellier-Instrumentes (mit der Sonne getheilt). Weiter
gegen S zeigt sich die Kimm beim Abschwenken mit dem Fernrohre des Universals ebenso hoch wie
in 340°.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 409
31. Tag. 6. Juni 1899.
| Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
| Zeit Kimmtiefe |
— beobachtete
S; Sa
7b zom —- Bar ex
40 _ + 21"
57 + 51 —;
Be — + 25
34 + 54 =
O8 E35 + 54 —
35 7 + 29
40 = 39 —
To TE —_ + 30
22 + 4I —_
34 = + 28
u + 4I + 28
27 — + 30
- 45 + 42 —
50 — + 31
2 20 + 46 —
30 — — 24
2 + 47 —;
10 u + 25
38 +43 + 26
55 = 5230
3. 26 + 52 + 29
37 + 47 >
45 >= + 29
4 4 + 47 Z;
3 E= + 31
34 22557 ==
45 — + 42
47 2259 ==
5 13 — 7,
20 + 67 —
36 — + 50
48 72 =
nn ee nn
ek Beobachtungsstand Tender
Br? Luft in gm Luft in ım Wasser Wasser
7u zom 18'25 18°45 | 18'7 —_
8 0 -- — _ 18°2
10 18:68 18'065 — —_
35 18:88 18'093 19'0 —_—
9.0 E _ — 18°4
20 19:38 19'28 —_ _
101 0 —_ — — 18°5
BE 1948 19°33 19'4 35
N Oo _ — E= 18°5
25 19"65 19°49 7 =
50 19°75 19:65 19°6 =
o o — — —_ 18'8
12,0 = Ze FE 1925
30 19°88 19'88 19°8 —
290 —_ —_ — 19'4
10 20'20 ° 2008 — —
55 20'28 20'10 20'2 —
ee — — —_ 19°6
25 20'58 20'183 _ —
ke) _ — | —_ 20°0
25 h 20°48 20°30 19°7 —_—
49 — — gr 19°5
15 20'50 20°'I0 — a
40 | 20'75 20'15 19°6 —
02776 —_ —_ — 19°4
a en EEE |
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
Heiter, Bewölkung 0, Wind NW 1—2 überall, See ganz ruhig, leicht gekräuselt, Kimm matt. 9"
W 3. Wind flaut nachmittags ein wenig, 5%/," Stärke 2. Temperatursdifferenz zwischen 9 und I m sehr
erlässlich zu messen, weil den ganzen Tag Seewind wehte.
410 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
32. Tag. 7. Juni 1899.
Unterschied: Unterschied: |
Der Augeshöhe entsprechende geodätische Der Augeshöhe entsprechende geodätische
FEKENUN Kimmtiefe Zmesict Kimmtiefe
— beobachtete — beobachtete
S1 S3 S3 Sı S2 S3
—m
7ı zom er Br ee = ah gm = 328 —
8 18 + 37 _ _ Saar — + 12" _
48 212835 — — 32 = Staa =
97249 2033 — = 40 3 a ——
Io 12 — + 18" — 45 — + 4 u
34 = = + 29° 4 20 30 = =
40 22830 2 = 37 = #7 ==
55 I + 24 u: SEO 2230 =
le) + 33 _ —_ 25 + 32 + 21 —
20 3 — = 42 aa
35 = +19 = 45 + 39 = + 58
47 + 34 — = 6 0 — + 24 ==
Os — — + 32 20 n + 18 _
2A -- _ + 30 36 + 49 _
27 + 32 — = 45 = = + 58
2770 — en = 58 Zus! —
16 33 = = Ta, = 33 7
33 = = 213 = 15 7.02 37 —
50 — + 12 _
JENE
Zeit Beobachtungsstand Tender
Sr
Luft in 9 m Luft in ı m Wasser Wasser
7h 25m 19'28 19°08 18:6 _
8 0 == — — 18°3
8 19°08 18:88 — —
9.0 _ u u 18°3
E) 19°33 19'40 X, a
10 20 19:68 19'55 19'7 19'0
25 19'83 19.83 = =
50 19'90 19'78 — —
lo) — En —_ 19'8
40 20'18 20'13 — —
or lo —_ —_ — 20'0
ee) — _ — 20°I
40 20°53 20'43 _ _
2028 — —_ — 20°5
25 20'068 20°48 — —_—
Seo — — — 20'8
5 20'73 20°65 _ _—
50 21'05 20'68 _ —
ABELO _ _ — ZT
50 21'07 20'75 _ —_
Bro —_ _ _ 21'0
35 NS 20°85 i —_ —
6.70 —_ —_ —_ 21'0
25 20'093 20 65 — —
VE k) —_ _ —_ 21'0
5 2128 20'83 = —
ee I er
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
Wetter wie gestern, Wind schwächer NW 1—2, 11" Stärke 3, Kimm sehr gut. 4" Wind flaut, 6!/sa
Stärke 1. Temperaturen wie gestern sicher zu messen.
33. Tag. 4. Juli 1899.
| (emmmanmEnmsCmEREEEFIAgmEET NE Town APBEOBEN DUOPSOEGB. ASUS CD ne rem
| ae Beobachtungsstand Tender
| entsprechende geodätische Zeh
= 5 et
Kimmtiefe
— beobachtete Luft in gm | Luft in ı m Wasser Wasser
Sı S3
zu on PX 1965 .o er
aa = 55 _ 19:65 4 _ |
+ 23 _— 8 o — — - 20'8 |
427 — 3 —— 20°13 21’4 —
+ 27 —_ gero = —_ _ 20°7
— + 47" 30 | 20°55 20°55 21'4 —
+ 29 u 20). © —_ E —_ 207
— —+ 50 5 20'48 20°48 =, = |
ei 31 —_ 43 20°52 20°52 6 —_
= + 47 I 20 u — 20°9
4-31 _ 15 20:60 20°65 S5 —
Se 40 | 20'35 20'65 6 —_
—_ + 45 070 — . 27003
30 = I [6) — = 21'3
== A 20 20'48 20°55 —
+ 31 — 2EEO 20°50 20°65 21°8 21'3
— + 48 25 20°53 20°65 = -
— + 42 ee) 20:68 20°73 21'8 203
+ 28 —_ 35 20°78 20'93 "6 _
_ + 46 So) —_ — 2ye2 |
+ 29 _
_ + 55 Mittel beider großen
031 — Assmann-Thermometer | |
+3 54 Bemerkung: Lufttemperatur in 9 m anfangs nicht sicher zu messen, |
weil der Wind über die Klippe streicht; erst von 10b an, |
weil der Wind gedreht hat und gerade von See her frisch |
Zweit
sh om
13
9.0
50
Io o°
20
II o
40
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
411
weht.
7° Wind 0 2—3, Bewölkung 2, See ruhig, heiter. 9" 20” 7/2 = 0:2 m, Wind SO 3, 111)" S3
I)" SW 3, 31/," SSW 3, h/2 = 0:25 m. Kimm den ganzen Tag sehr gut.
Temperaturen 5. Juli beobachtet, als wegen zu heftigen Seeganges keine Kimmtiefen zu messen waren.
Luft in gm
20°13
20°15
20°13
20:10
20'21
20'13
Beobachtungsstand Tender
Luft in ım Wasser Wasser
A|
— — 20°7
20'20 21°8 —_
20°23 216 20°5
20'25 — —_
-- == 20°5
20°18 _ —_
20°23 -- 20°7
20'23 21°5 =
nn nn 7
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
Lufttemperaturen sicher zu messen, weil Wind von Stärke 3—4 gerade von See her weht.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
412 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
34. Tag. 10. Juli 1899.
ES
Unterschied: Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zren tet Kimmtiefe Zeit Kimmtiefe
— beobachtete — beobachtete |
S; S3 Sı | S3 |
7h zom e- 38% Se ıh zgm ze rn 34"
8 20 + 32 _ 26 + 27" —
53 + 32 —e 47 = + 45
DER =, + 53 50 +_29 FE
26 + 40 E 3 4 — + 46
35 — 58 15 == 285 —
50 E30 Ze 27 = + 42
ı(o) 6) + 38 — 34 + 24 _
10 a7 + 46 42 — + 41
22 = =E 51 456 — a
37 ME, +43 15 + 26 5
40 712,32 —E 35 + 22 =
DT ro + 36 u 46 + 26 —
30 21035 = 5 4 735 =
35 —E + 4 10 Fe + 42
42 21 027 a 30 77, + 45
48 = + 40 40 +47 + 45
2ur9 33 Ze 50 > = 45
2 = + 45 6 10 + 50 +49
ı 13 — 27.28) 23 + 49 E52
25 Zr = 47 550 ==
30 = 934 a3 = + 58
43 2230 12,30 10 + 49 =
Beobachtungsstand Tender
Zuerst = = W W.
| Luft in om Luft in ı asser asser
7h 58m _ 21°48 21'8 _
8 30 — 21'093 219 —
Be) 22°45 22'35 =E =
43 21°88 2209 22'4 En
10 0 — . 21'8
5 == 2275 22'4 —
35 22'15 22.15 22'5 u
55 21'98 22°13 227 —
u) —_ —_ — 22°0
20 21'98 22°15 —— _
55 22°13 2208 22°5 =
Ko u _ —_ —_ 22°0
Io —_ E= 22=2
20 22'45 22'35 22 —_
270 2248 22°53 — Da
45 22'45 22'40 22.5 ——
30.0 — — _ Ze
25 2255 2245 22°6 =
Ko) _ —_ — 2zT
25 22'28 Zen 22'8 —
55 22'48 22°48 22°8 =
Bo — — _ 22'8
35 2238 22'43 22'°8 —
6 o — — _ z2=7
5 22°73 22'483 22°6 —_
35 22°73 22'68 — _
Te) P2u32 2237 225 22°5
| ee ee
Mittel beider großen Assmann-
Thermometer
8" Wind O 1, See ruhig, trüb. Aufheiternd, 9% Wind SSO 1—2, 10" 2—3, 10%/," SSW 3, 1" 25”
NW 2—3, heiter, 2" NW 3, 4" Stärke 4, 6" flauend 2—1.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 413
f 35. Tag. 14. Juli 1899.
i Unterschied: Unterschied:
E Zee Der Augeshöhe entsprechende geodätische 7Heht | Der Augeshöhe entsprechende geodätische
. en Kimmtiefe — beobachtete 39: Kimmtiefe — beobachtete
Sı | S) | S3 | Si S3 S3
er 75" Es es oh zom = | E_ | L 93°
— + 40° = 1. 0 2398 — | =
+ 78 —_ — 12 — + 58" | --
_ + 82 — 20 —_ + 51 | —_
_ + 79 25 + 61 _ —_
+ 32 Ze = 44 = = + 94
= + 83 — 47 +41 = =
+ 8ı — — 53 + 40 = —_
—_ — + 68° 223; + 23 —
—E til = 49 239 — —
—_ — = SEE + 064 — —
+ 81 + 89 == 34 21007 + 69 =
= — + 85 48 Ze = 1274
+ 80 —_ + 87 AO + 68 + 95 —
— -+108 = 21 77 — |
—+.88 = — 32 = = + 88
— = + 91 38 SR —_ =
E= —+-106 — 47 — —+ 88 —
_ —+-119 — 5 46 — —+-103 —
+ 85 _ — (DE) _ — + 87
_ _ + 84 )
| BENENNEN OPER SO Lam POT ST SOaBORaR um COST OBERE nn Ins N Songs m nr Un 2 Un BETT DI TUI TE DE DO mn ET LT re Jr COMO EG mer HER AuEOES DE Se 2 Se BOB on Pe og rn
Beobachtungsstand Tender
Luft nom | Luftinım | Wasser Wasser | Luft in 2m
| = = = = 23'0
| 25°75 | 25°90 23°8 = =
_ _ — Er | 25'8
2630 2610 23°8 u _
—_ —_ — — 25'6
26°78 26°30 | 2306 u
— — | _ 23°3 25'6
26°45 2608 Zu == _-
= = z; = 254
— >= 7 23'2 25°4
27'20 26 58 23'0 — —
= == = = 254
28°15 2688 23'0 —_ _
= 5 — 23°1 25°5
_ 2665 229 —_ —_
_ — — _ 25'6
— 26°90 23'0 —_ _
— = 7x 23°3 25'2
-— —_ _ _ 25,2
_ — -- 23'2 25°0
24'30 23'90 240 _ E=
—_ —_ _ _ 252
24°48 24'25 243 24°0 244
_ _ —_ 24°8
—Z 24'45 246 = =
25"88 25°73 24'2 23°9 25°0
— 26°48 24°2 _ —
—_ n— — —_ 2162
_ 26°55 24°2 — —
= =: = 23'4 25'2
u 27'00 | 24'2 — —_
_ _ — — 26°0
— 27'00 | 24°3 —_ —
— 26°65 | on ==
—_ —— — 24°0 25°8
u 26°15 —_ — —
me == Te = 2579
— 26°25 24'2 Dan 26 o
® D—m — Tim I
Mittel beider gr. Assmann-Therm.
71/," Wind O 1—2, See ruhig, Kimm gut, Bewölkung 0. 8" O 2, hat nur in der Südgegend bis an
die Kimm hinaus durchgegriffen, im NW nur bis auf 1 Meile vom Lande, daher gegen S beobachtet. 9"
‚0 3—4. 1" 50” ist NW-Wind hergekommen, von jetzt an gegen NW beobachtet. 4!/," NW 2. 49/," Wind
spielt, O 1—2 überall bis auf 3 Meilen seewärts. i 53*
Bo
414 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
36. Tag. 15. Juli 1899.
Unterschied: Unterschied:
Zr Der Augeshöhe entsprechende geodätische et: Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete Kimmtiefe — beobachtete
S, S) Sz Sı S5 Sa
7h 57m + 80" — — ıh 22m —_ + 91
8 18 _ + 97" —_ 32 = —+-121 —
26 + 82 _ —_ 57 —+105" _ _
45 = 12095 = 2.033 318 3,
58 + 85 = = 10 = = = 2055
9 10 — + 94 — 17 78 _ =
32 + 55 — — 50 + 87 + 69 —_
45 2 +IoI I Su, erh Zx + 98
58 — + 98 —_ 16 — —+- 60
io 2 + 87 —_ —_ 21 + 73 — —
18 = E97 — 35 > + 69 —
24 + 93 — — 48 + 75 —
35 = = #987 55 = == + 89
50 —_ + 94 — 4 Io — + 65 —_
53 2295 n Er 15 + .67 =F
DIE, + 97 + 94 = 36 — —— + 90
16 _ = + 96 45 + 69 _
40 = 103 Ir 50 = 15270. ==
46 —_ —_ —+-108 5. 0 + 68 - —
50 103 — = 3 TE = 75
o 30 —+-I15 — —_— 32 — _ + 38
1.19 —+-108 — -_ 6 0 — + 65
15 + 76 — —_
ek Beobachtungsstand Tender
Luft in 9 m Luft in ı m Wasser Wasser | Luft in 2m
sh om _ 2608 23°4 230 _
30 = — _ = 25'2
33 26°45 26'28 2373 — =
BE O = = == 23°0 25'4
8 27'00 2668 2353 — =
30 = ER; — = 25'4
40 27228 26:68 2351002 —_ —
TOO — = _ 23°0 25'4
10 272833 27'10 23°2 E _
30 — = —= = 25°5
IT 6 27'88 Due 23.5 2301 23m
25 27°75 27'88 232 —_ —_
30 &2 ee = _ 25'8
45 ze 27'709 23°3 = =
o 0 = — — 23'0 25°8
30 — — _ = 2082
34 Z— 27'78 23°6 = —
1.0 —_ — 231 26'3
30 29'23 28'85 23°8 —_ 26"4
2720 = —_ = 23.2 24°'6
9 = 24'065 23°9 = er
25 25'25 24°93 244 — =
30 = Br =* es 24'4
32 _ 24'68 24°0 —_ o
SS Far == Zn 23°5 24'7
3 24°70 24'35 24°0 = —
30 Fr Fu 7, zZ 24°5
40 2488 24'583 23'8 _ .—
4 0 u = or 23°5 24'7
10 25'28 24°95 24'0 ze ER
30 gg: = == — 24°6
52 25'13 24'85 24'0 — >
5,9 a = Nu 23°4 24°6
30 25'30 24'85 23°8 Ya 24°7
6,770 u = = 23°4 24'8
10 2488 24°45 238 _ _
30 = — = — 24°8
Do = Zr = 23°4 24'6
nee, ent ,,
Heiter, Wind O 4 überall, See ruhig. 2" 0” NW-Wind hergekommen, von jetzt an gegen NW beob-
achtet. 21/," NW 4—5, 2" 50” 3—4, 3° und späterhin Stärke 3. 2" 17” Kimmtiefenunterschied im Süden
+110" aus S,.
} Mittel beider gr. Assmann-Therm.
37. Tag. 3. August 1899.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella.
415
Unterschied:
Fr: Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Zr: Kimmtiefe — beobachtete
Si S3
rk
! 7h zom —-- 30" ==
8 30 30 ==
Fe ) 12,38 a
10 = + 44
46 + 30 + 52
Lose} + 36 + 52
36 — + 26
52 —+ 20 + 27
ULSERA, + 23 =
N 52 + 23 —+ 28
ı 28 + 16 333
2 20 — 20 + 23
Se) 15 ==
- 7 _ + 32
33 + 21 —
44 + 2I +45
4 2 23 ==
34 ee =>
42 — + 42
5.1085 er use
22 34 —
48 Dr u
| 0 0 _ 2 56)
| | 10 + 49 —
en m ä—
Beobachtungsstand Tender
Luft in gm | Luft in ım Wasser Wasser Luft in 2 m
j
f sh om 23'48 23°50 24'0 — =
30 _ —_ —_ — en
40 23°65 23'68 24'1 _ —
4 97.0 —_ = —_ 241 24°3
8 23'88 23'85 24:3 — Se
30 —_ = = — 242
| 10 {6} 2413 24°13 24°4 24'8 24°25
30 IT TE DE — 24°45
47 24°35 2438 24'6 -- —
00) — == = 24'8 25°0
13 24°50 24°50 | 24'8 -_ =
30 — —_ — _- 2N7
44 24'48 2455 24'8 — =
Deo — — = 25°0 ZT
30 — == = —_ 22%
1 56 —_ — — 25'0 250
30 — — —_ —_ 25'0
40 24°53 24°55 25'2 FE =
2 0 == —— = 25'°1 25°0
2 30 24°63 24°68 25°2 — 25'2
3 0 = — = 25'0 25°2
15 SE) 24'75 25'5 -- —
25 — 2483 —— —
30 = — —_ —_ 25'2
Fe) — 24'88 254 25°0 25'2
30 — _ — 222
50 — 24'90 25'3 nz I
520 == — E= 25°0 25'2
15 = 25'08 2er _
30 = = = —_ 25'2
45 = 25'13 25°0 — =
6 o — — z— 24'8 2u.2
20 — 25'70 24°9 == er
30 — = —_ 24'5 25'0
nm 2
Mittel beider gr. Assmann-Therm.
Heiter, Bewölkung 0, See ruhig, Wind NW 1—2, 10" 2, mittags und nachmittags 3. Kimm gut,
verlässliche Reihe.
416 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
38. Tag. 5. August 1899.
Unterschied:
eat Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
S; S3
7h zom | Pr EIN —
8 0 + 53 -
17 + 58 =
33 + 60 —
9 6 2159 =
14 — —+ 62"
30 Sr + 65
55 = + 62
10m 70 Se NN —
15 = + bo
24 7 ==
30 == m oh
45 53 22356
57 Sr 98 =
11 {6} — —+ 60
15 = = 59
30 — + 66
40 —+ 58 —_
50 + 59 + 63
I 40 733 + 48
Beobachtungsstand
Pen |
Luft in om Luft in ı m | Wasser
ron = 2500 25°3
Eee Ce) —_ 25'20 25°4
40 2550 25°50 25°4
IE 25075 25°75 25°4
25 25:68 25'68 2SSE
Io Io 25°55 25°55 25°5
40 25'20 25'25 25°5
II 5 25°45 25°33 25°5
35 25'45 25°48 25°4
27250 24°50 24°48 25°4
Es a nenne
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
Kein Tender zur Verfügung
71/;"» Wind OSO 3, See ruhig, Bewölkung 3, Scirocco im Anzuge, Kimm gut. 8!/,* Wind draußen
SW, 9" auch hier. 91/," SW 3—4, Bewölkung 10. O1/," leichter Regen, 1'/," Wind WSW 3—4.
Kimmtiefen Beobachtungen zu Verudella. 417
39. Tag. 10. August 1899.
Unterschied:
RER: Der Augeshöhe entsprechende geodätische |
Kimmtiele — beobachtete |
S; Sz
$h 2m en Sr —
32 + ı —
53 6 _
9 13 — Se 4
28 ar + 38
47 — + 38
10 vo + 2 + 32
15 _ + 32
30 + 8 + 39
45 == 1237
ER) _ .—+ 36
10 + 15 —
46 + 18 —
52 _ + 44
I 23 17, 249
2 o e— + 54
15 et) + 49
30 — 212253
42 + 18 —
45 : + 49
30 7 = 54
45 1221 —
4 20 + 27 + 52
52 + 23 Zw
56 + 23 =
17 > 083,
Beobachtungsstand
Luft in om Luft in ı m Wasser
20'20 23°0
20°45 22°9
21’10 227
21°53 22°3
22‘10 22.2
22°55 21°7
2240 22'0
Nicht zu messen, 22°70 220
weil der Wind über Land 23390 =
22'90 ZT
streicht 23'35 228
2340 22°7
23°35 22'7
23°35 230
23°40 22'8
Mittel beider großen
Assmann-Thermometer
Tender nicht zur Verfügung
8" Bewölkung 0, Wind NO 4—5, See 1/2 =0'4 m. Wind 1!/," NO 4, 4" NO 3; See tagsüber im
Abnehmen, 3" h/2 0. Kimm anfangs zerzaust, p. m. scharf. Die Nacht vorher Gewitter.
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
40. Tag. 11. August 1899.
| Unterschied:
Ze Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
| Sı S2 | S3
gh zom — Ton =
en = — 5) =
12 — 2 = —_
32 — 4 — 18 —
TOR 2 + 10 — 16 u
33 38 —_=.& =
II [e) +35 — 6 —
54 + 6 — ı —
KT + 2 — 2 _
27 + ı —_
45 — RE —
2 5 + ı
32 + 4 + 30"
48 —_ — u —
52 ee Im:
Ei u) — — + 28
15 — — 2 _
22 a | =, 35,
35 Ex zu 22027
45 = —' +8 Fu)
4.0 — — + 36
10 + 3 _
30 —_ — 10 --
45 AS =
5. 13 > = SE, 19
25 Fa u) =
27 zei — ==
33 — = tr 24
50 _ — + 28
58 +8 —_ —_
brns — + ı —
Beobachtungsstand
ee
Luft in gm Luft in ı mn | Wasser
$h 4om — 22'08 22'7
9 20 _ 21°03 22°8
50 — 22°58 23°0
10.25 _— 23'10 23'0
II 10 —_ 2315 23'0
40 _ 23:25 23w2)
el 22"47 22°70 24°0
5 22°43 22°45 24°0
40 22°45 2253 24'4
3210 22'48 Donz 24'0
40 22'53 22°58 24'0
4 25 22'065 22'73 24'0
55 IE 22°75 N
bzo 22:70 22°83 23°9
6 10 22'78 22'85 23°9
IE e p ———eentsusenn nun 2
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
Heiter, klar, See ruhig, Wind O, überall, Stärke 2. 1! Wind WSW 2-3, 24 W 2-3, 53 WNW 3.
Kimm sehr gut.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 419
{>}
41. Tag. 1. September 1899.
Unterschied:
Zeit Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
h S; | Sy
ııh zom + 10" + 13°
a + ı2 + 13
30 = Sige 7
40 =6r,9 =
2710 + Io + 14
32 Ba, +19
40 + 14 _
50 _ + 12
Re) + 12 _
15 + 21
- 30 +19 23
1 4.0 + 18 —
10 E— + 26
32 + 22 —+ 28
ger 29 E27 SZ
45 433 243
007 — =E39
15 + 38 ==
30 + 38 =
Tr
| RER Beobachtungsstand Tender
| Et ee Wasser Wasser Eifinzim
R ııı om — — _ 241 _
| 30 = 23'48 24'5 — 24°0
| o o — — —_ 24'2 24°1
| 30 = = —= = 241
| I [e) . — — 24 2 24'1
| 23 23°6bo 2368 24'7 =
30 — — — 241
| 2,0 23'75 24°9 24'2 24'2
| 30 23'75 23°85 = = 241
ar) _ _ — 24'4 24 2
15 23°85 23°85 2 —_ _
30 _ _ E— — 24°2
50 23°78 23:88 25°3 =
4 0 _ _ u 24°5 24'2
10 23°85 23:88 2322 _ n
30 — _ an > 24°3
45 23°95 23 98 25°3 =; AZ
0 = = 24'2 24°3
10 24°03 2410 25'2 .- --
30 _ —_ _ 24'2
35 2408 24'13 25'2 Fr FR
0.0 2413 24'15 25°0 24'°2 24'2
25 24°20 24'25 25°0 FE
30 _ —_ _ —_— 241
45 = = = 24'1 —
1 Dr ——
Mittel beider großen Assmann-
: Thermometer
Morgens Windstille, dann NO, geht vormittags auf S über. Heiter, Bewölkung 0, See ganz ruhig.
11/," Wind SW 2, 13/," WSW 3—4 überall, 4" WSW 4. 6°/," Sonnenuntergang. Kimm sehr gut.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bi. 54
420 Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
42. Tag. 2. September 1899.
Unterschied:
RER Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
S | 5
sh om = 20" =
30 + 20 —
OEO + 25 + 15"
17 — + 18
30 -++ 29 + 22
Tor 70 + 31 + 21
30 + 29 + 21
TI 0 + 29 + 21
30 2 = 38
50 —+ 28 == 92
v8 + 32 —
15 — + 36
40 — + 42
50 36 —
2 6 — —+ 41
30 5 + 42
45 939 >=
50 = + 47
37 209 a1 31, + 45
45 285 Er
50 —= + 43
4 20 + 35 —+ 40
Le) + 38 + 38
re SO VO OS BP PET EE PB ZB erg PS GBP VEREBG =D TRERE EEB TREE BER ETEER GC r EEE WOESCRSOETTEFRENEERTCSELCAE SEE CEBESCEEEECERETEECeE TOtOC EEE EEE EEE
Zee Beobachtungsstand Tender
| Luft in g m Luft in ı m Wasser Wasser Luft in 2 ın
sh on u = —_ = Zu
10 — 23'28 24°3 — E=
30 = = IS 24'0 23°3
40 = 23°48 24°3 == =>
ne) — = — 24°0 23°5
10 — 24'00 24'4 —
30 — — — — 2A
409 = 24'40 24°5 =. =
to vo _ —_ _ 24'0 241
15 23°63 23:65 247 — =
30 —_ — — —_ 24°1
50 — 23'88 24°8 — —
Fo — — — 24'2 24°3
na 23'93 24'05 24°8 = Sin.
30 — — — = 203
40 24.23 24'253 25°0 — =
o220 — — — 24°6 25'0
30 — — — — 250
1750 — u —_ 24'8 25'0
15 24°45 24°48 = >= ZE
30 _ = — —_ 25'I
45 24'65 24°68 251 E= =
2 © _ — E— 24°8 251
10 24°55 24'70 250 — =
30 — — — — 25°0
30 2468 24°70 248 — —
36 -— _ _ 246 250
10 24°73 2468 25.2 —— ==
30 24'48 24"48 25'2 25’0
A 9 24'45 24°38 25'2 24:6 24°5
30 24"45 24°45 25°3 = 24'4
ga _ —% — 24°6 24°4
5 2450 24'55 nz E IX
30 — — en 24°06 24°4
rm I mn
Mittel beider gr. Assmann-Therm.
S" Wind S 2—3 überall, See ganz leicht bewegt, Luft ein wenig schmierig. 91/," Wind S3-4,
11" SW 3, 1" W 3-4. Kimm den ganzen Tag scharf.
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 421
43. Tag. 6. September 1899.
Unterschied:
Ze Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
Sı | S2
gh I5m Er =
45 Sn 35 gr
97215 S >=
45 Zu ==
10 15 eg =
35 m zur eeN
45 =. 4 Zu
DIE e — 6
10 ==
45 _ N
52 a
o 50 + Io + 12
140 ee)
55 — + 22
27720 = Be Zr
Bar = 77
27 Ste 38 5
40 = + 43
4 0 + 32 =
2 > 12 45
30 + 34 Er
40 - 250
5 27 + 45 250
Beobachtungsstand
Zue U
Luft in gm Luft in ım Wasser
7b som _ _ 228
25 22°48 22'48 zo
55 22'58 22'bo 22°8
25 22°75 DESTS 23'0
o 22°83 22'883 Zn
25 22:95 23'03 23°8
o 22°95 23°13 23°8
40 23°03 2310 24'2
45 — 23°45 243
50 2375 23'883 24°5
40 2400 24'05 24°5
15 24'05 24.13 24'4
10 2418 24'10o 24°5
35 24'10 24'15 24°5
15 24 10 24'10 24'5
ss ge I TI Tr ot
Mittel beider großen Assmann-Thermometer
Kein Tender zur Verfügung.
S Heiter. 81/," Wind S1—2, 3/,S 2, 91/5 S 3, 11%/," SW 3, p.m. W 3, 51/,* W 2-1. See ruhig,
‚imm gut.
4
54%
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
44. Tag. 7. September 1899.
Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
zent Kimmtiefe
— beobachtete
S; Sy
$h zn Er 13" —
25 73 + 14"
50 + 16 + 17
9 10 — + 6
24 + 12 —_
40 —— STZAr4
52 21279 Du
Io 0 — 7
15 + ıı —_
20 —_ —.%
40 = 03
45 12 Fr
II o —_ el
35 +15 210
52 Er Er
DM2 + 19 + 25
1 40 + 28 =
2 o —+ 27 —+ 29
30 7,30 Zen 3A:
3,280 E22 Zt
30 + 30 35
220 -+ 29 + 32
30 + 34 35
Beobachtungsstand
Ares t
Luft in om Luft in ı m Wasser
Be —_ 2385 23'3
35 23'068 23°78 23°5
9 10 23°35 2338 23'8
45 23°43 23553 24'0
1027 23"05 23'18 24'3
50 23°05 23°15 24'4
II 30 23°43 23°50 24°5
48 — 23'68 24'6
o 48 —_ 24'08 24°7
2250 2408 24°15 2A
2 40 24'23 24°30 25'0
SE,70 24'28 24°35 24'7
4 10 2433 24'38 248
40 2430 24'48 24°9
nn 7
Mittel beider großen Assmann-Thermomete
Kein Tender.
Heiter, See ruhig, Wind a.m. S 3, mittags WSW 3—4, p.moW 3,
} Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 423
45. Tag. 3. October 1899.
Unterschied:
Der Augeshöhe entsprechende geodätische
eat Kimmtiefe — beobachtete \
S; | 5
I
gh 14m en —+ 20" |
36 _ + 21 |
) 1 — + 1 |
30 — + 21
50 = 19
EIN _ + ıı
25 EZ + ıı
45 + 29" + 10
(er — + 7
Teure + 16 —
30 = 13, ——
40 — + ıI
Pe) +9
- 23 + 13 —
30 — +38
40 Er —
45 — + 8
55 + 21 —
Eu) —e ae 8
15 + 15 + 2
30 + 18 + ı
40 — + 4
55 + 16 + 6
4215 -+- 20 + 38
25 + 17 —
45 + 24 510
GE Wo — + 6
et, Beobachtungsstand Tender
Dsner aena] Wasser Wasser Luft in 2 m
BISERIS = 20°73 217, == =
mo _ — _ 21'0 20°5
9 30 _ 21'10 Dr 21'0 E
56 _ 21'10 21°7 — =
10 0 _ = _ 21°0 ZI
10 20 — 21'28 DT, — =
30 _ — —_ 210 _
42 — 21'35 21.7 — ——
il © _ _ _ ZINK 214
14 _ 21'50 21.7 — =
30 _ — 211 _
39 _ 20'85 21°6 —_
56 = 20'48 27 = =
Bro _ _ —_ 21°0 219
30 _ _ —_ ZITLÖF _
130 _ —_ —_ 2LST ZEN
20 2030 20°45 21°9 _ —
30 —_ —_ — 2u62 —_
270, —_ — — 2182 2103
15 20° 30 20:80 — —uUR =
30 — — 211 —_
45 20'18 2030 — —_ =
3270 = _ _ 21°1 2u01
10 19'98 20'08 Zu —_ —
40 20'15 20°30 —_ 212.2 _
AL 2013 20° 30 — —_
40 _ 20°40 _ En —
Der) _ 20'30 ZuUuz u —
Mittel beider gr. Assmann-Therm.
h Heiter. Morgens leichte SW-Dünung, Wind S 1—2, Kimm dunstig. 01/," setzt Wind W 3 ein, See
ruhig, Kimm gut. 5" WNW 2.
424
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
46. Tag. 6. October 1899.
Unterschied:
Desk Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete
5, | 5
7h zom Er ErD, =
42 _ + 5"
so + 16 —
10 = Pr:
30 + 20 _
40 _ +4
9 o — 2 —
3 = SE, a
15 + 32 + 11
30 23.535 =
32 — 776
10.0 + 43 +24
15 tz ‚40 229
30 a Se 2
52 —z |
10 We) + 26 —_
15 ee St ,05
30 + 30 + 16
50 = Ag
2 + 31 _
13 1.34 =
40 —_ + 28
2509 +3 + 24
30 + 32 —+ 22
BO 35 Ze
30 + 30 + 29
Te Beobachtungsstand Tender
Luft in gm | Luft in ı m | Wasser Wasser Luft in 2m
zh 5m — 1803 Ze > =
35 — 18'50 21003 — —
Sans = 19'35 21°3 = =
30 —_ — _ 20°7 20°7
35 a7 19°75 21'3 RZ Zi
9 0 En — er 20'8 20'6
5 20'10o 20°18 210.3 — —
30 — —_ — 20°8
40 20°48 20'28 213 — =
10 0 n— — — 20'8 21°0
10 20°73 20°58 20 _ —_
30 _ _ _ 20'8 _
40 BOuNS 20°73 21°3 — —_
ee) _ —_ _ 20°9 2
10 2063 20°75 214 —_ _
30 _ —_ = 20°9 _
40 2060 20°75 21°4 — —_
o 0 —_ —_ - 21'0 214
30 _ —_ _ 21'0 _
Io —_ _ —_ 20'9 2107
30 _ —_ — 20°9 --
45 20°73 2095 21°4 — _
2 © — _ —_ 20'9 202
20 20'88 20:87 214 — —
30 —. = 20°9 =—
45 20°80 20'88 == — _
EV de) 20°73 20'85 2m - —
40 —_ 20.75 21.3 _ —
2 em —— =
Mittel beider gr. Assmann-Therm.
71/," heiter, Wind O 2, See überall leicht gekräuselt. 9" Wind S 2. 91/,® Bewölkung 10. 11" Wind
S 3. 01/," leichter Regen. 21/," Regen aufgehört. Bewölkung 10, Wind S 3-4. 31/," Regen.
|
1
j
i
EEE u hen
mer
En
.
A er
97 EEE TWEEEFRE
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 425
47. Tag. 9. October 1899.
Unterschied: Unterschied:
Eh Der Augeshöhe entsprechende geodätische er Der Augeshöhe entsprechende geodätische
Kimmtiefe — beobachtete Kimmtiefe — beobachtete
S; | S) Ss; | S
gh zom = 85" ae ıh ı2m — 91 y sr
53 n — 128" 30 — 86 — 120"
9 10 — 78 . — 125 7 76} — 78 — 102
20 — 76 _ 30 — 74 —105
30 — 5 —ı122 53 — —102
53 —_ —ı26 30..0 — 83 —
101 0 — 84 = I5 — 83 — 109
18 -- —127 30 — 83 — 122
30 — = 38 — 89 —
45 = u 4 0 — 87 — 114
1 06 — 77 —117 15 — 88 —III
20 — 81 — 113 30 — 86 —ı16
30 — 78 _ 45 — 87 — 121
435 m — 86 — 101 so — 88 — 130
52 eo = 15 u — 122
o 48 — 90 — 22 = —II5
58 — — 124 30 — 83 —113
I 1
Beobachtungsstand Tender
Zuerit
Luft in om Luft in ı m Wasser Wasser Luft in 2m
sh zom == — 19°8 11'4
guam.o 11'70 20°4 19°9 114
25 11'48 20'4 —_ _
30 Bar = 19°9 ==
50 1185 20°3 —— —
10)=./0 —_ —_ 199 1322
20 12°38 203 — —
30 >> — 2979 =
40 12°43 2.073 _ _
Si 12'35 = =
Io _ —_ 19'9 1302
10 12'80 20°3 —_ —_
30 = = 19'9 =
35 1260 20°3 —
- 2 ;r Weil der Wind a = es mr
| 30 über Land kommt, — n 20°0 —_
| ö = Temperaturs- 3 Ze 288 sa:
15 messung als 14'00 — —_ —_
| = aussichtslos En A DR 7
55 unterlassen. 1420 _ —_ —_
2 od — — 20°0 14°1
15 14°45 20'2 - E
30 —_ - 20°0 2
40 14'20 20,52 _ —_
BRNO. _ _ = 20'0 15°0
5 14'18 _ - n
25 1410 20'2 . —_ u
45 1400 Z= E:: =
4.5 13'90 20'2 — —_
35 13435 20'2 - — Er
50 12'80 20'2 —_ —_
Dr 12'30 27 > 2
20 1200 20°2 _ _
Mittel beider gr. Assmann-Therm.
9" heiter, Wind NO 5, See ruhig, klar. Von 4" an. Wind flauer. 5'/," Sonnenuntergang. Durchwegs
h/2 = 0'25 m. Kimm den ganzen Tag sehr zausig, Kimmtiefe a.m. #10', p.m. +8".
derung des einen Beobachters später angefangen.
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein,
nen nn nenn Te na
48. Tag. 10. October 1899.
Unterschied:
Feik | Der Augeshöhe entsprechende geodätische
= Kimmtiefe — beobachtete
| S | Sa
ag = — 194,
52 = 293
20, 13 —_ — 89
5I == rk)
rue Su — 84" —
20 E= — 67
35 85 13
50 7:88 =
5I —: So
0770 — 63 _
0) — 53 —_
20 — 506 — 66
30 58 —
45 52 — IE
2 0 in 05
30 — 55 —
53 — —
3.0 — 49 und
er 7 — la:
30 u) =
35 Ei — 74
u 0) — 4 =
>= == u
Den ganzen Tag NW-Wind 5 überall, See h/2 = 0°2 m, heiter. Beobachtung aus S, wegen Verhin-
Beobachtungsstand Tender
Zeit
Luft in ı an Wasser Wasser Luft in 2 m
sh zom er ar 19°2 13°2
9 0 — — 19'2 141
30 >= == 19°3 FE
43 14°03 20°0 E =
10 0 —_ E= 19'2 14°9
5 1440 20°0 _ —_
30 = u 19'2 —_
11 o 14:82 200 19'2 15'2
30 Zn = Ser =
45 1508 20'0 _ —
o 0 —_ —_ rosa 151
30 > = 19"3 Zr
u) _ _ 193 542
7 25033 200 u 3
30 zu = 19°3 en
40 15'48 _ —_ —
ZERO 3 — _ 19'3 171
10 1535 20'0 —_ _
30 Eu .> 19°3 ==
3 15:38 — — —4
37 10 —_ — 193 16°5
5 1570 20°1 _ —
a5 1575 20'I — =
4 5 16°00 20'0 — —
Mittel beider großen F
Assmann-
Thermometer
Kimmtiefen-Beobachtungen zu Verudella. 427
Zusammenstellung der direct beobachteten Werte der Temperatursänderung mit der
Höhe.
26. Tag. Nicht zu benützen, Wind zu flau.
4. Mai. Mittel der Differenzen: Luft in 9m —Luft in 1 m—0°089, Gradient pro Meter — 0'011;
A durchschnittlich +0°6, also mit dem Factor Pe — 00016 von Seite 32
= —0'011—6.0°0016 = a TE ORG ZI
27. Tag.
28. >»
Nicht zu benützen. Wind zu flau.
29. Tag#Bei Auslassung des offenbar irrigen Wertes von 10" 10" Gradient durchschnittlich +0°034
bei A+3°6, also
Der. 02034-300200 nern 205024.
30. Tag. Gradient durchschnittlich +0°048 bei A+4°2, also
er 004 40000 Ze ee 020109.
31. Tag. Gradient bis einschließlich 2" 55" (nachher Wind zu flau) +0°008 bei A+0°6, also
Er 02008680. 0016 er 02002:
32. Tag. Wegen starker Bestrahlung der Klippe nicht zu verwenden.
33. Tag. Von 9" 30” an Gradient durchschnittlich —0°O011 bei A—0°5, also
ve rINENET Zee 2 —0°003.
5. Juli. Gradient durchschnittlich —0 010 bei A—0?8, also
De NEON SE OEOO TO 202.003:
34. Tag. Bis einschließlich 3? 25” Gradient durchschnittlich —0:002 bei A+0°2, also
m 05.002 22.02.0016. = a a 2.0005:
35. Tag. Wind zu flau, nicht zu benützen.
36. Tag. Bis einschließlich 2" 15” Gradient durchschnittlich +0'046 bei A+3°5, also
Be 02015 39.020010 en a ne Er 02010,
37. Tag. Nachmittags wegen Bestrahlung der Klippe keine 9 m-Temperaturen gemessen; bis ein-
Sehnen chl2230% Gradiene- 0.004. peWA 0-0 also —.. 2 0 u 200 He u een 2 00: 07004.
38. Tag. Gradient durchschnittlich +0'001 bei A+0°3, also
Beer 0200 3202-0010 2 ee 05000.
39. Tag. Beobachtung misslungen, Wassertemperatur unsicher.
40. Tag. Gradient durchschnittlich von 1" 22” bis 6 —0.011 bei A—1?°0, also
= 7 07018.810:0-.001 8 = Se Rn A 000,
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 55
428
41:
42.
43.
44.
46.
47.
48.
Karl Koss und Emerich Graf Thun-Hohenstein, Kimmtiefen-Beobachtungen etc.
Tag.
Tag.
Tag.
Tag.
5. Tag.
Tag.
Tag.
Tag.
Gradient durchschnittlich —0'007 bei A—0°5, also
et = —0'007+5.0':0016 =
Gradient abnormal, s. S. 22.
Gradient durchschnittlich —0:008 bei A -0°2, also
= —0:008+2.0:0016 =
Gradient durchschnittlich —0'011 bei A—0°1, also
= —0':011+0:0016 = .
Gradient durchschnittlich —0°025 bei A—0?7, also
t= —0'025+7.0:0016= .
Gradient von 10" 40” an (s. Bemerkung S. 22) —0'015 bei A 0°0, also
el
Landwind, Gradient nicht zu messen.
Gradient nicht gemessen.
Mittel .
ERREGT
a
+0°0oo1.
. —0°005.
. —0°009.
. —0°014.
. —0°015.
. —0°008.
a
=; 8
| STuandwnoreneo [777 = B: > =
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ÜBER
ENTWICKLUNG UND BAU DER PARS INFERIOR LABYRINTHI
DER HÖHEREN SAUGETHIERE
EIN BEITRAG ZUR MORPHOLOGIE DES OHRLABYRINTHES
VON
— Dr. GUSTAV ALEXANDER,
GEW. PROSECTOR DER ANATOMIE, ASSISTENT DER UNIVERSITÄTS-OHRENKLINIK IN WIEN.
AUS DEM 1. ANATOMISCHEN INSTITUTE IN WIEN.
(Mit 9 Tafeln und 4 Textfiguren.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG VOM 5. APRIL 1900.
Inhartt
Seite Seite
ER N ee er Fe 16 229] A. Die Gewebsentwicklung des Sacculus. . . 36 [464]
BEBeSchreibenden/Theil, on. 200 a Na an 6 [434] B. Die Gewebsentwicklung des Ductus reuniens 39 [467]
Be Verpleichender Theil... 2... wa... 28 [456] C. Die Gewebsentwicklung des Vorhofblind-
1. Die Formentwicklung der Pars inferior labyrinthi SECKESIE FA N. Pe anna aan 44 [472]
Anhang: Bemerkungen zur Formentwicklung 3. Zur Phylogenese der Pars inferior labyrinthi
der Pars superior labyrinthi ........ 33 [461] GSESWERDEItHIETEE a ee ee NE OO
2. Die Gewebsentwicklung der Pars inferior laby- Eiteratürverzeichnisine el Winsen N A 53 [481]
1 EIER U EEE 36 [464] | Figuren- und Zeichenerklärung . . .. . 2... ... 54 [482]
Einleitung.
Der vorliegenden Untersuchung lag zunächst die Absicht zugrunde, an erwachsenen Säugern den
Ductus reuniens und den Vorhofsblindsack der Schnecke hinsichtlich ihres feineren Baues und der topi-
schen Verhältnisse zur knöchernen Umgebung zu studieren. Es sollte dadurch einerseits die Kenntnis von
der Anatomie des Säugethierohres eine Ergänzung erfahren, nachdem ausreichende Angaben über diese
heile bisher fehlen, anderseits konnte ich hoffen, Gesichtspunkte für die morphologische Betrachtung der
genannten Abschnitte in der Wirbelthierreihe zu gewinnen.
Sehr bald zeigte sich jedoch, dass eine noch so umfassende Untersuchung an entwickelten Thieren
allein nicht ausreiche, ja die Befunde forderten unmittelbar, auch das Studium der embryologischen Ent-
wicklung dieser Theile in die Arbeit einzubeziehen. Die Resultate desselben sind, soweit sie das Meer-
chwein betreffen, im Folgenden mitgetheilt. Im Anschlusse an sie wird die Veröffentlichung der Unter-
suchungsergebnisse an erwachsenen Säugern erfolgen.
or
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%
430
Ich beschränke mich darauf, eine Übersicht über das verwendete Dauer-, d.h. Serienmaterial zu
liefern und will beiläufig bemerken, dass daneben ausgedehnt auch die Präparation unter der Lupe
sowohl, um einzelne Labyrinththeile weiterhin mikroskopisch zu zergliedern, als auch zum Studium
grober Verhältnisse in Anwendung gezogen wurde.
Die Embryonenmaße beziehen sich, wenn nicht anders bemerkt, auf die fixierten und in Alkohol
nachgehärteten Objecte, die Maßangaben bezüglich der einzelnen häutigen Theile auf die fertige Schnitt-
serie oder das nach ihr angefertigte Plattenmodell.
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30. Zehn Stunden altes Meerschwein
31. Erwachsenes Meerschwein
Die im Text gebrauchten Ortsbezeichnungen beziehen sich auf die Lage des Labyrinthes im Kopfe des in natürlicher Stellung
befindlichen Thieres. Danach sind die Bogengänge und der häutige Vestibuluminhalt hinten und oben, die Schnecke vorne und unten
i Im Texte der Arbeit kurz als »Länge« des Embryo bezeichnet.
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Gustav Alexander,
Übersicht der untersuchten Embryonalstadien.
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Anzahl der Serien
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Zusammen 61 Serien.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 431
gelegen. Am Saceulus unterscheide ich die die Nervenendstelle tragende, im erwachsenen Zustande dem Recessus hemisphaericus
anliegende Wand als innere, mediale oder Maculawand von der äußeren, lateralen oder freien Wand, die sich frei durch den Vesti-
bulumhohlraum erstreckt.
In analoger Weise wird am Ductus reuniens die der Vestibulumwand zugekehrte als innere, die gegen den Vestibulumhohl-
raum gerichtete als äußere Wand bezeichnet.
Untersuchungsmethode.
Bei der mikroskopischen Untersuchung des inneren Ohres muss ganz besonders auf sorgfältige Vor-
behandlung des Objectes gesehen werden; ich theile im Interesse späterer Untersucher im folgenden
die Behandlungsmethoden mit, welche mir zufriedenstellende Resultate ergaben, und berücksichtige dabei
mein gesammtes, aus Serien von embryonalen und erwachsenen Säugerlabyrinthen bestehendes Material.
Zumeist wurden die Objecte dem unmittelbar vorher getödteten Thiere entnommen, zwei menschliche
Serien entstammen Objecten, die 2—4 Stunden nach dem Tode in die Fixationsflüssigkeit gebracht
wurden.
Mehr sals 24 Stunden alte Cadaver liefern in Bezug auf das membranöse Labyrinth
keine mikroskopisch vollkommen beweiskräftigen Präparate.
Zum Zwecke des leichteren Eindringens der Fixierungsflüssigkeit in das Labyrinth eröffne ich bei
Objecten bis zur Größe des Rattenlabyrinthes nur die Bulla tympanica, bei solchen bis zur Größe des
Objectes der Katze außerdem den vorderen Bogengang, bei noch größeren auch die übrigen Bogengänge
an ihrer Krümmungsmitte.
Der äußere Gehörgang wird knapp an seinem Ursprungsrande abgeschnitten und das Object in der
ungefähren Form des Felsenbeines gewonnen. Die im inneren Gehörgange verlaufenden Nerven wurden
an der Hirnoberfläche durchschnitten, in vielen Fällen habe ich zur späteren Herstellung einer Richtungs-
ebene auch die entsprechende Hälfte des Kleinhirnes und des verlängerten Markes am Präparate belassen.
Dabei darf nur bei zartem Knochen die Eröffnung der Labyrinthräume mit der Schere oder der Knochen-
zange vorgenommen werden, wo massiger Knochen vorhanden ist, führt aber die Erschütterung beim
Absprengen des Knochens ganz regelmäßig zu Lageänderungen und Zerreißungen der häutigen Theile:
daher ist hier die Öffnung durch vorsichtigss Anfeilen der Labyrinthkapsel zu erzeugen.
Die Eröffnung der knöchernen Schnecke und die Entnahme des Steigbügels aus
dem Vorhoffenster, die von einigen empfohlen werden, sind nach meiner Erfahrung bei
Einhaltung der oben gegebenen Vorschrift unnöthig und, da sie überdies nicht selten
Zerreißungen der häutigen Theile im Gefolge haben, zu unterlassen. Trommelfell und
Gehörknöchelchen verblieben bei kleinen Objecten am Präparate, also im Zusammenhange mit dem Felsen-
beine, sonst wurden Paukenfell, Hammer und Amboss entfernt, der Steigbügel in normaler Lage belassen
und der Antlitznerv im absteigenden Theile seines Canales durchschnitten.
In der Fixationsflüssigkeit wird das frische Object auf Watte, Glasstückchen oder gefaltetes Fließ-
papier gebettet, das Einlegen muss nach Eröffnung der Labyrinthkapsel rasch erfolgen, damit nicht
abfließende Labyrinthflüssigkeit Luft ansaugt, ebenso ist darauf zu achten, dass in der Paukenhöhle (den
Fensternischen) angesammelte Luftbläschen entfernt werden (durch Einführen eines dünnen, am Ende
eine kleine Olive tragenden Drahtes).
Fixations- und Härtungsflüssigkeiten.
1. Pikrinsäuresublimat (Rab|).
für kleine, besonders
embryologische Objecte RL EL
Gesättigte wässerige Pikrinsäurelösung . . . 30 cm3 30 cm®
Heißgesättigte wässerige Sublimatlösung . . 30 > 30 >»
Destilliertes. Wasser. rss 30 > 60 >
Ameisen- oder Essigsäure Ka 1 > 1:5 >
Dauer: 1—3 Tage. Übertragung in 950/, Jodalkohol (2—21 Tage nach der Objectgröße) zur Entfernung des Sublimates und
Nachhärtung. Der Jodalkohol ist, sobald Entfärbung eingetreten ist, zu erneuern.
432 Gustav Alexander,
2. Formalin-Müller’sche Flüssigkeit 1: 10 nach Orth. Dauer: 3—8 Tage.
3. Müller’sche Flüssigkeit.
Dauer: 3 Wochen. Die Flüssigkeit ist häufig, anfangs täglich zu erneuern (nur für kleine Objecte).
4. Zenker’sche Flüssigkeit.
Dauer: 3—8 Tage (nur für kleine Objecte).
Bei 2, 3 und 4 nach der Fixation 24stündiges Auswaschen in fließendem Wasser und Nachhärtung in steigendem Alkohol
(30, 50, 70, 95%/,), bei 4 sodann Behandlung mit Jodalkohol wie bei 1.
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Aquae destillatae . . . 95 »
Aeidi picric. in aqua sol. 100 »
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Dauer: 2—5 Tage.
Entfernung der Pikrinsäure in Lithium carbonicum—95/, Alkohol, Übertragung in 950), Alkohol.
6. Chromosmiumessigsäure nach Flemming (nur für kleine Objecte).
7. Formalin—Destilliertes Wasser 1:10.
Dauer: 1—3 Tage.
Nachhärtung in 950%, Alkohol.
Entkalkung.
In die Entkalkungsflüssigkeit ist das Object nach erfolgter Fixation und Härtung zu bringen, ich
habe als gleichmäßig vortheilhaft nur alkoholische Entkalkungsflüssigkeiten (mit etwa 70°/, Alkohol)
gefunden und verwendet. In ihnen bleiben die Weichgebilde, unter Voraussetzung der gelungenen Fixa-
tion, in völlig unveränderter Form und Lage erhalten.
Die Flüssigkeiten sind häufig, anfangs täglich, zu erneuern.
1. Salpetersäure... 5 cm3
950/, Alkohol. . . 70 > RA:
Dehio ae (in ähnlicher Zusammensetzung von Haug angegeben).
Kochsalz ®. .. 068g
Dauer: 2—14 Tage. Liefert namentlich an in Formalin-Müller fixierten Objecten schöne Resultate.
2. Phlorogluein .... 1cm3
Salpetersäure 5 in der Wärme zu lösen.
950%/, Alkohol . . . 70 »
Destilliertes Wasser 30 »
Dauer: 1—3 Tage. Nur für kleine Objecte.
3. Phlorogluein . . . 1Icm?
Sen Bo in der Wärme zu lösen. Ferreri's Flüssigkeit.
95%, Alkohol . . . 70 »
Destilliertes Wasser 30 >»
Dauer: 1—10 Tage.
Nach vollendeter Entkalkung wird das Object auf je !/, Stunde in 60°/,, 30°/, Alkohol, sodann in
Wasser gebracht und darauf durch 24 Stunden in fließendem Wasser gewaschen. Endlich folgt vorsichtige
Nachhärtung in steigendem Alkohol. Bei den Gehörorganen großer Thiere (Pferd, Rind), an welchen bei
der Härte und Masse des compacten Knochens die lange Dauer der Entkalkung die häutigen Theile schwer
geschädigt hätte, habe ich von einer Entkalkung Abstand genommen: hier habe ich nach Fixation und
Härtung den Vorhof vom Vorhoffenster aus breit eröffnet, den Vorhofinhalt mit den Ampullen unter Alko-
hol lospräpariert und in Paraffin eingebettet in Serie geschnitten.
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Embryonale, noch nicht verknöcherte Objecte wurden in Paraffin, die übrigens zumeist in Celloidin
eingebettet. Hinsichtlich der Anfertigung der Celloidinserien verweise ich auf die Zeitschrift f. wissen-
schaftl. Mikroskopie, Bd. XIII (1), hinsichtlich aller Einzelheiten allgemein mikrotechnischer Natur auf
die mikrotechnischen Handbücher.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 433
d Die Schnittrichtung wurde verschieden gewählt: In manchen Fällen parallel der sagittalen Median-
ebene des Kopfes, in anderen parallel dem Rautenhirndache (senkrecht zur Sagittalebene), in anderen
ndlich in Orientierung zu einer der Flächen des Felsenbeines, zu seiner oder der Schneckenaxe. Bei
ambryonen bis zur Größe von 46 mm Länge, bei welchen ich den ganzen Schädel in Serie zerlegt
abe, wurde. zumeist zuerst eine Sagittalserie bis zur sagittalen Medianebene hergestellt, und sodann die
ändere Kopfhälfte, nach Anbringung der Definierlinien (2) an der sagittalen Medianebene zur Zerlegung
in dem Rautenhirndache paralleler Richtung verwendet. Diese letzte Schnittrichtung bietet für den hier
Jehandelten Gegenstand insofern Vortheile, als durch sie Sacculus und Ductus reuniens der Länge nach
setroffen werden und an einzelnen Schnitten Sacculus, Ductus reuniens und Vorhofende des Schnecken-
sanales im Zusammenhange miteinander zu sehen sind. Ich habe dieser Schnittrichtung daher auch bei
den späteren Stadien, am vollkommen entwickelten und am erwachsenen Thiere vor jeder anderen den
Vorzug gegeben.
Im übrigen ist jede Schnittrichtung verwertbar, soweit die Möglichkeit gewahrt ist, den einzelnen
Schnitt im plastischen Bilde des ganzen Objectes richtig zu orientieren; diese Möglichkeit wird durch die
fertigung lückenloser Serien und die plastische Reconstruction erreicht.
Reconstructionsmaterial.
(Wachsplattenmodelle.)
Modellgröße
1. Embryo von 2:75 mm Länge. . . . . . 100:1 (lin)
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19. Erwachsenes Meerschwein . . . .... 90:1 »
Die Modelle sind nach dem äußeren Umfang der epithelialen Wände hergestellt, die Lumenränder an
jeder einzelnen Platte eingezeichnet. Vom 38:5 mm langen Embryo bis zum erwachsenen Thiere sind im
axialen Theile des Schneckencanales die epithelialen mit den bindegewebigen Elementen so innig verbun-
den, dass eine natürliche Grenze im Epithel nicht mehr gewonnen werden konnte. Axial ist daher dort der
Schneckencanal im Modell durch eine in der Lamina spiralis etwa am Ursprunge der Reissner’schen
| embran senkrecht zur Lamina spiralis verlaufende Schnittfläche begrenzt. Als obere Grenze wurden die
Membrana vestibularis, als untere die Membrana basilaris, als äußere die Stria vascularis und das Epithel
des Sulcus spiralis externus verwendet.
Die Abbildungen der Modelle beziehen sich durchaus auf das Gehörorgan der
rechten Körperseite in Vergrößerung von ö0: 1 (lin.).
434 Gustav Arexander,
Meinem verehrten Lehrer und Chef, Herrn Hofrath Zuckerkandl, der meiner Untersuchung stets
großes Interesse entgegengebracht und dieselbe in jeder Weise gefördert hat, spreche ich aufrichtigen
Dank aus; desgleichen danke ich der hohen kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ergebenst
für die mir gewährte Unterstützung, durch welche mir die Beendigung der Arbeit und die Herstellung der
zahlreichen Abbildungen ermöglicht worden ist.
I. Beschreibender Theil.
Die Entwicklung der Pars inferior labyrinthi des Meerschweines (Cavia cobaya).
I. Embryo von 2:75 mm Länge.! Es sind die beiden ersten Schlundspalten zu sehen, dieselben
sind nach außen, gegen die Kiemenfurchen, geschlossen, Oberkieferfortsatz, Mandibular-, Hyoid- und
erster Branchialbogen sind entwickelt. Am Vorderhirnbläschen ist die primäre Augenblase sichtbar.
Das Hörgrübchen (Taf. I, Fig. 1) ist noch nicht zum Bläschen geschlossen, es misst 0:21 mm
in craniocaudaler, 0-17 mm in dorsoventraler Richtung. Der Hohlraum öffnet sich mit einer 0:08:0:04mm
weiten Öffnung (Taf. I, Fig. 1a) deren längerer Durchmesser vertical gestellt ist, nach außen.
Bei der Abschnürung eilt der untere Abschnitt dem oberen voraus, so kommt es, dass der untere
vor endgiltiger Abschnürung des Bläschens den oberen an Größe übertrifft und der Stiel des Hörbläschens
(der spätere Ductus endolymphaticus) näher an das obere Ende zu liegen kommt (Taf, Bis):
Die Dicke der Grübchenwand beträgt gleichmäßig 27 y, an der Öffnung verdünnt sie sich kurz vor
dem Übergange auf das 9 u dicke Hornblatt. Die Kerne der anscheinend mehrschichtig gelagerten Zellen
haben ovoide, zum Theile Spindelform und liegen in verschiedenen Höhen des Epithels.
Das Grübchen erstreckt sich mit seiner medialen Wand bis an das Rautenhirn, vor ihm ist die Anlage
des Ganglion acusticum sichtbar.
Die Frage, ob das cylindrische Grübchenepithel als mehrschichtig oder als mehrreihig zu bezeichnen ist, kann nach Schnittpräpa-
raten allein nicht entschieden werden, und ich beabsichtige dieses Verhalten noch genauer zu untersuchen. Boettcher bezeichnet das
Epithel als vielschichtig und nach den Schnittbildern schließe ich mich unbedingt seiner Meinung an. Das spätere Neuroepithel hin-
gegen ist nach seinem Bau als umgekehrt mehrreihiges, und zwar zweireihiges Epithel zu bezeichnen, da alle seine Zellen den Lumen-
rand des Epithels, aber nicht alle den Basalrand erreichen.
2.Embryovon Amm Länge. Die Labyrinthblase steht durch den Ductus endolymphaticus mit dem
Hornblatte (E) noch in Verbindung. Die Verbindungsstelle ist äußerlich als flaches Grübchen erkennbar
(Taf. I, Fig. 2). Das Epithel des Ductus endolymphaticus ist 17 hoch, mehrfach geschichtet, die
Wand des Labyrinthbläschens 27 n dick und mit reichlichen, verschieden hoch gelagerten, ovalen
Kernen versehen.
3. Embryo von 41), mm Länge. Das zum Hörbläschen geschlossene Grübchen steht durch einen
hohlen, an seinem Hornblattende geschlossenen Stiel, den Rest des ursprünglich nach außen
geöffneten Verbindungscanales, mit dem Hornblatte in Zusammenhang (Taf. I, Fig. 3, 4). An dem
rundlichen Bläschen lässt sich ein nach oben außen gerichteter, stumpfer und ein nach unten innen gerich-
teter, weniger stumpfer Pol (Taf. I, Fig. 3, a) unterscheiden. Das Bläschen misst zwischen beiden Polen
«
1 Bei Beschreibung der einzelnen Stadien habe ich mich der Kürze halber möglichst auf diejenigen Abschnitte beschränkt,
welche die vorliegende Untersuchung selbst betrifft. Die Durchsicht und Verarbeitung der Serien bezog sich natürlich auch auf die
übrigen Labyrinthabschnitte, Angaben darüber finden sich jedoch nur, soweit sie mir für die im Folgenden behandelten Fragen nöthig
erschienen. DieForm der Labyrinthblase istnur an denjenigen Stadien beschrieben, von welchen ich Plattenmodelle angefer-
tigt habe.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 439
0:32 mm, in der dazu senkrechten Richtung 0°27 mm. Der 0:12 mm lange Stiel (Taf. I, Bieszs sa)
- Duetus endolymphaticus, senkt sich in tangentialer Richtung in das Bläschen, so dass an der Außenseite
2
- des Mündungscontours eine tiefe, halbkreisförmige Furche entsteht (Taf. I, Fig. 4).
| In diesem Stadium findet sich die beginnende Linseneinstülpung, es sind Mandibular-, Hyoid- und
zwei Branchialbogen entwickelt und alle vier Schlundspalten vorhanden.
N Das Epithel des Recessus labyrinthi (Ductus endolymphaticus) ist cylindrisch, 13 hoch, das des
- Bläschens misst an der ventralen Seite 27 u, an der dorsalen 19 ı Höhe. Die Anlage des Ganglion acusti-
- cum ist am vorderen Contour des Bläschens gelegen.
4. Embryo von 4:5 mm Länge. Die Hörbläschen liegen zu beiden Seiten des Rautenhirnes und
“sind vom Hirnrohr nur durch eine schmale Zone von Kopfmesoderm geschieden. Das freie, obere Ende
des Ductus endolymphaticus steht mit dem Eetoderm noch im Zusammenhange. Das Epithel des Ductus
| endolymphaticus hat eine durchschnittliche Höhe von 13 u, ist einfach und hoch cylindrisch. Das
Epithel der Hörblase ist im übrigen geschichtet cylindrisch, im vorderen Abschnitte 27 p, sonst durch-
-schnittlich 21 pw hoch. Die Kerne stehen in verschiedenen Höhen des Epithels, sie sind kugelig oder ovoid.
Das Ganglion @custicum und der Hörnerv contourieren das Bläschen an seiner Vorderseite.
0. Embryo von 5°5 mm Länge. Das Bläschen misst zwischen beiden Polen 0-48 mm, in dazu
- senkrechter Richtung 0°37 mm. Der Ductus endolymphaticus (Taf. I, Fig. 5 De), erstreckt sich, O2 mm
lang, mit dem freien, zugespitzten Ende bis an das Hornblatt, von welchem er nun gänzlich gelöst
erscheint.
Das Linsensäckchen ist noch nicht vollständig vom Hornblatte gelöst, sondern noch durch den
Linsenstiel mit ihm verbunden. Die Augenblase ist in der Form des doppelwandigen Augenbechers
entwickelt.
Das den Ductus endolymphaticus zusammensetzende Epithel ist einfach cylindrisch, 8 hoch und
_ mit kugeligen oder ovoiden Kernen versehen. Das Epithel der Blase ist im Bereiche der vorderen und der
inneren Wand 27 u hoch (Taf. V/VI, Fig. 33 e!), im übrigen Theile sinkt die Epitheldicke, die in diesem wie
in den zunächst folgenden Altersstufen noch mit der Wanddicke identisch ist, bis auf 10 u (Taf. V/VI,
Fig. 33 e').
Die Kerne messen durchschnittlich 5:4 Durchmesser. Sie stehen an der Außenwand in ein-
facher, sonst in mehr-, bis zu vierfacher Reihe (Taf. V/VI, Fig.33 e'). Die Ganglienanlage erstreckt sich jetzt
von der Vorder- auch auf die Innenseite der Blase. Das Bläschen reicht medialwärts bis nahe an das Rauten-
hirn (Taf. V/VI, Fig. 33 R). Dem Lumenrande sind im Bereiche der hohen Epithelstellen spärliche körnige
und fädige Elemente angelagert (Taf. V/VI, Fig. 33).
6. Embryo von 6 mm Länge. Das Bläschen weist nun deutlich einen oberen, stumpfen und einen
unteren, spitzen Pol auf (Taf. 1, Fig. 6), ist 0:69 mm lang, misst in sagittaler Richtung im oberen Antheil
0:45, im unteren 0°28 mm, in frontaler im oberen 0:32, im unteren 0-17 mm. Der Ductus endolympha-
ticus hat eine Länge von 0:29 mm und steht mit dem mittleren Bezirke der Blase in breitem Zusammen
hange. In diesem Stadium können am Labyrinthbläschen bereits zwei Haupttheile unter-
Schieden werden: ein oberer, von der Form einer platten Blase, und ein unterer, als finger-
förmig nach abwärts gerichteter Fortsatz des oberen (Taf. I, Fig. 6 Pil.). Beide Abschnitte stellen
die ersten Anlagen der Pars superior, beziehungsweise inferior dar. An der Pars superior sind zwei flache
Vorsprünge, die durch einen ebensolchen First miteinander verbunden sind, entsprechend dem vorderen
und dem hinteren Ende der für den vorderen und den hinteren Bogengang gemeinsamen Anlage zu
bemerken. An der Pars inferior ist eine weitere Gliederung nicht zu erkennen, sie ist ganz wenig nach
vorne und einwärts gekrümmt (Taf. I, Fig. 6, a).
Das obere Ende des Ductus endolymphaticus erstreckt sich bis unmittelbar unter die Epidermis-
fläche des Kopfes, sein Epithel ist einschichtig cylindrisch, 16 x hoch, die ovalen Zellkerne sind mit ihrer
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 56
. \
436 Gustav Alexander,
Längsrichtung senkrecht zur Wandrichtung gestellt, stehen nahe bei einander und nicht überall in gleicher
Höhe. Das Epithel des Hörbläschens selbst ist an den dicksten Stellen (vor allem an der Innenwand) 27 g
dick und ceylindrisch. Die spindelförmigen Kerne stehen in verschiedenen Höhen. Der dem Lumen benach-
barte Epithelrand enthält spärliche, zumeist in Mitose befindliche Kerne, die sich mit Kernfärbemitteln
sehr stark färben. Auch die dünnsten Wandstellen (Außenwand des Bläschens) zeigen mehrfache Kern-
reihen, das Epithel ist hier 13 j dick.
Das Ganglion acusticum liegt in unmittelbarer Nähe der vorderen und der medialen Bläschenwand.
Die Fasern des Nervus acusticofacialis erstrecken sich gegen das Medullarrohr, die peripheren Fasern
reichen nicht ganz bis an das Bläschenepithel heran.
7.Embryo von 7'5 mm Länge. Das Hörbläschen ist O-Smm, der Ductus endolymphaticus O°3 mm
lang. Der die Pars inferior darstellende Fortsatz hat an Stärke und Länge bedeutend zugenommen
(Taf. I, Fig. 7, 8, 9 Pil.), ist O’48 mm lang und hat einen Durchmesser von 0:27 mm, er erstreckt sich
nahezu gerade gestreckt mit geringer Krümmung nach ein- und vorwärts nach abwärts. Eine flache
Furche, die an der Außenseite des Bläschens, einer geringen Einschnürung in mittlerer Höhe entspre-
chend, sichtbar ist, bildet die nunmehrige Grenze zwischen Pars superior und Pars inferior (Taf. I,
Fig. 7,8 a).
Das perilymphatische Gewebe ist in der Umgebung des Bläschens, besonders am unteren Abschnitte
und an der Außenwand nach der Vena capitis lateralis hin verdichtet. Das Ganglion acusticofaciale und
der periphere Abschnitt des Hörnerven sind von der Vorderseite des Bläschens mehr an die Innenseite
gerückt (Taf.V/VI,Fig.34). Das obere Ende des Ductus endolymphaticus ist 21» von der Schädeloberfläche
der Epidermis entfernt. Die Wand dieses Rohres ist einfach cylindrisch, 19 p. dick und nimmt gegen das
Labyrinthende des Canales an Dicke etwas zu.
Die Epithelwand des Bläschens misst vorne und innen 27 w, außen und hinten 13— 17 p bis zum
unteren Ende desselben (Taf.V/VI, Fig. 34 /w, Aw). Das Ganglion acusticofaciale liegt am Übergange der
Vorder- in die Innenseite des Labyrinthbläschens, etwas oberhalb der Mitte, der Labyrinthwand unter
Zwischenschiebung einer schmalen, mesodermalen Bindegewebsschichte außen an und ist durch Nerven-
fasern mit dem Medullarrohre verbunden.
8. Embryo von 9:75 mm Länge. Das Labyrinth misst 12mm in senkrechter Richtung, der
Ductus endolymphaticus ist 0:53 mm lang. An der Pars superior, die an Größe nur wenig zugenom-
men hat, ist nun auch ein länglicher Buckel an der Außenseite als Anlage der äußeren Ampulle und des
äußeren Bogenganges sichtbar (Taf. I, Fig. 10, 11 Psl.). Die Anlage des vorderen und des hinteren Bogen-
ganges, der First, der im letzten Stadium etwa einem Halbkreise entsprach, ist jetzt drei Viertel des Kreis»
umfanges lang. ‚
Die Pars inferior misst 0:79 mm in senkrechter Richtung (Taf. I, Fig. 10, 11 Pil.), sie hat nicht
an Dicke, aber bedeutend an Länge zugenommen und ist, gestreckt gedacht, 0:97 mm lang. Sie erstreckt
sich im proximalen Stücke ‚nach abwärts, der distale Antheil ist entschieden nach ein- und vorwärts
gekrümmt. Eine schmale Einsenkung (Taf. I, Fig. 11) unterhalb der Anlage der beiden vorderen
Ampullen stellt die Grenze zwischen Pars superior und inferior dar, der distale Theil ist von vorne nach
hinten plattgedrückt, so dass das Rohr von außen 0'12:0°27 mm Durchmesser zeigt (Taf. I, Fig. 11 Pil.)
Das obere Ende des Ductus endolymphaticus ist 108 » von der Epidermis entfernt. Das Epithel
des Labyrinthanhanges ist 13 hoch, einschichtig cylindrisch, gegen das obere Canalende fällt das Epi-
thel auf 8-10 Höhe ab. An der Mündungsstelle in den Saccus communis wird das Epithel viel-
schichtig (wenigstens zwingt das Schnittbild zu dieser Bezeichnung) cylindrisch, die epitheliale Wand
21 w dick.
Die innere Wand des Saccus communis ist 27 u dick, die Außenwand 21 p, vorne und hinten
nimmt die Wanddicke von 27 u bis 21 p von innen nach außen ab. Nach abwärts begreift der dicke
Antheil (27 p) die ganze vordere und die hintere Wand in sich.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 437
Die Ganglienanlage liegt jetzt zum größeren Theile nach innen vom Labyrinthe. Das Wandepithel
ist gegen das Lumen linear begrenzt, härchenartige oder körnige Auflagerungen sind nur spärlich
sichtbar.
Die Verdickung der Innenwand reicht bis in das untere Ende der Blase, die nach abwärts wachsend
S|
ch mit ihrem unteren Ende vom Hirnrohre entfernt hat.
9. Embryo von lOmm Länge. Die Länge des Labyrinthes beträgt 1:37 mm, wovon 0:67 mm
der Pars superior, O°70 mm der Pars inferior angehören. Die Bogengangtaschen sind mächtig entwickelt,
die Tasche des äußeren Ganges ist flacher, aber breiter als die der beiden anderen und im vorderen,
mpullaren Bezirke höher als im hinteren (Taf. I, Fig. 12, 13, 14 Psl.). Von der Kreuzungsstelle mit dem
)-59 mm langen Ductus endolymphaticus nach hinten ist die Tasche des vorderen und hinteren Bogen-
Sanges etwas nach außen umgelegt (Taf. I, Fig. 12 Psp.), das hintere Ende selbst ist durch eine tiefe
Einschnürung bezeichnet (Taf. I, Fig. 12, 13, 14 a). Vor und unter dem vorderen Ende der Tasche (der
Anlage der vorderen Ampulle) findet sich ein Höckerchen als Anlage des Recessus utriculi.
Die Krümmung der Pars inferior hat zugenommen; dabei hat sich ihr oberer Abschnitt sowohl
“nach außen als nach innen in Form je eines flachkugeligen Fortsatzes (Taf. I, Fig. 12, 13, b, Susa) ver-
größert. Das Gebiet unterhalb des äußeren Fortsatzes, der dem Sinus utricularis sacculi entspricht, ist ein
wenig gehöhlt (Taf. I, Fig. 14, c). An der Innenseite der Pars inferior findet sich wie am Stadium von 9 mm
Länge eine seichte, geradlinig verlaufende Furche (Taf. I, Fig. 13, «). Der distale Abschnitt der Pars
inferior ist, unter stumpfem Winkel vom proximalen abgehend (Taf. I, Fig. 14, e), nach vor- und einwärts,
das freie Ende entsprechend dem Beginne der Schneckenrohrdrehung nach aufwärts gerichtet; das Rohr
ist stark plattgedrückt und von außen gemessen 0°13:0°35 mm dick. Durch die buckelförmige Anlage
des Sinus utricularis sacculi ist an der Außenseite des Bläschens eine deutliche Furche gegeben (Taf. I,
Fig.14,d), die aber natürlich nicht aus einer an dieser Stelle erfolgenden Einschnürung
hervorgegangen ist. Eine rundum laufende Linie, welche diese Furche mit der vor der hinteren
impulle befindlichen verbindet, entspricht der Grenze zwischen Pars superior und inferior, in welcher
auch die Mündungsstelle des Ductus endolymphaticus gelegen ist.
Das obere Ende des Ductus endolymphaticus ist 18 u von der Kopfoberfläche entfernt, sein Epithel
im oberen Abschnitte 13 hoch, einschichtig eylindrisch und mit einfacher Kernreihe versehen. Gegen
lie Mündungsstelle in den Saccus communis steigt das Epithel auf eine Höhe von 18 u an. Im Bereiche der
eine dem Lumen zunächst gelegene Protoplasmazone sichtbar, in welcher spärliche, in Mitose befindliche
"Kerne zu sehen sind. Im übrigen stehen die spindelförmigen Kerne in mehrfacher Reihe in verschiedenen
Regionen des Epithels, das sie dicht gedrängt erfüllen. Im Bereiche der Sinnesepithelanlagen ist das Fpi-
fhel durchschnittlich 27 p. hoch und erstreckt sich continuierlich an der inneren Wand der Pars inferior bis
n das untere Ende der Labyrinthblase.
10. Embryo von 10:5 mm Länge. Die Labyrinthanlage weicht in Gestalt und Bau nicht wesent-
ich von der des 10 mm langen Embryo ab; ich unterlasse daher die ausführliche Darstellung.
11. Embryo von-Ilmm Länge. Das Labyrinth ist 141 mm lang. Die Pars superior hat sich,
entlich in dorsoventraler Richtung, vergrößert. Sie misst darin O°S mm, gegenüber 0'63 mm im Sta-
lium von 10 mm Länge.
Der vordere Bogengang ist in einem kleinen Bezirke bereits als Canal vorhanden (Taf. II, Fig.15,16,Css).
Die Tasche für den vorderen und hinteren Bogengang ist 1:3 mm, die für den äußeren am freien
Rande 0-6 nm lang. Der Ductus endolymphaticus ist 0:59 mm lang. Er ist wie früher in der Mündungs-
region spulrund, nach dem Saccus endolymphaticus hin plattgedrückt (Taf. II, Fig. 15, De.).
Im Bereiche des hinteren Bogenganges ist die gemeinsame Bogengangtasche nach außen gedreht,
der äußeren Tasche ist nun auch das Hinterende scharf begrenzt, sie ist flacher als die gemeinsame
Dasche (Taf. II, Fig. 16, Psl.).
56*
438 Gustav Alexander,
An der Pars inferior sind die beiden Buckel des proximalen Theiles größer und höher geworden
(Taf. II, Fig. 15, Susa, a). Der proximale Bezirk ist an der Außenseite gehöhlt, die Höhlung entspricht
etwa einer breiten, querverlaufenden Furche (Taf. Il, Fig. 16 Dr.). Durch diese Furche wird im proximalen
Bezirke ein oberer Theil, welcher die beiden erwähnten Höcker umfasst, von einem unteren, an den sich
unter stumpfwinkliger Knickung (Taf. II, Fig. 16, 17,5) der distale Abschnitt anschließt, gegliedert,
Dieser letztere stellt ein plattes, außen 0°:35:0 12mm messendes Rohr dar, das nach vor- und ein-
wärts, mit seinem Ende nach aufwärts gekrümmt ist (Taf. II,-Fig. 15, 16, 17 De.). Während also in
den vorhergehenden Stadien sich an der Pars inferior nur eine ungefähre Theilung in
einen proximalen und einen distalen Abschnitt durchführen ließ (der proximale wies als
charakteristische Bildung den Processus utrieularis sacculi auf, der distale entsprach dem Schneckenrohre),
tritt hier die Abgrenzung dreier Regionen neu in Erscheinung: im oberen Abschnitte ist der
Sacculus, im mittleren der Ductus reuniens, im unteren der Ductus cochlearis zu erblicken.
Die Furchen, welche wie im Stadium von 10 mm Länge Pars superior von Pars inferior sondern, sind
breiter, aber nicht tiefer, daher flacher geworden. Wir sehen also an der gemeinsamen Säckchen-
anlage, dem Saccus communis, die Bildung der für. die beiden Vorhofsäcke charakteri-
stischen Fortsätze dem Theilungsvorgange selbst vorausgehen
Das obere Ende des Ductus endolymphaticus ist 83 p von der Epidermis entfernt. Sein Epithel ist
einfach cylindrisch, 13 x hoch, im peripheren Theile sind geringe, zottenförmige Faltungen sichtbar. Am
Labyrinthende des Canales wird das Epithel um Weniges höher. Die Zellkerne sind oval und stehen mit
ihrer Längsachse in der Richtung des Dickendurchmessers der Wand in mittlerer Höhe. Das vielschichtig
eylindrische Epithel der medialen Labyrinthwand ist 27 pw dick, die Kerne finden sich darin in verschie-
denen Höhen. Gegen die Außenseite verflacht das Epithel und wird an der lateralen Wand selbst zu einem
einschichtig cubischen von 5 Höhe.
Die Antheile des hohen Epithels beziehen sich nach ihrer Ausbreitung auf die späteren Nervenend-
stellen, deren Anlagen somit noch in diesem Stadium untereinander zusammenhängend ein Ganzes dar-
stellen. Der verdickte Wandabschnitt reicht wie im Stadium von 10 mm Länge nach abwärts bis in das
untere Ende der Pars inferior.
Reichliche Nervenfaserzüge erstrecken sich jetzt vom Ganglion acusticum an das Labyrinth.
Als bemerkenswert ist außerdem hervorzuheben, dass an diesem Embryo linkerseitsin kleinem
Bezirke die Bildung des oberen Bogenganges bereits erfolgt ist, während rechts noch die
Tasche gefunden wird. Eine derartige Seitenungleichheit, die vielleicht seltener bemerkt wird, als sie
vorkommt, ist meines Wissens bisher noch nirgends beschrieben worden. Im Modell wurde, um in Über-
einstimmung mit den übrigen Modellen zu bleiben, durch Aufeinanderlegen der Platten in umgekehrter
Richtung ein rechtsseitiges Labyrinth dargestellt.
12. Embryo von 11’:5 mm Länge. Das Labyrinth ist in gerader Linie gemessen 16 mm, der
Ductus endolymphaticus 0:59 mm lang (Taf. II, Fig. 17 a).
Die Bogengänge sind bereits als Canäle sichtbar, und zwar ist am oberen Bogengange die Ent-
wicklung am weitesten, am äußeren am wenigsten weit vorgeschritten (Taf. II, Fig. 17 a, Css., Csl., Csp.).
Infolge der unvollkommenen Entwicklung der Bogengänge ist der Sinus utricularis superior (Taf. II,
Fig. 17 a, Sus.) sehr breit. Die Ampullen sind am hinteren und äußeren Bogengange als verbreiterte
Taschenenden nicht scharf gegen den Bogengang begrenzt, die obere Ampulle (Taf. II, Fig. 17 a, As.)
ist gegen den Bogengang gut begrenzbar, die quere, der Anlage der Crista acustica entsprechende Ein-
senkung ist an ihr deutlich zu sehen. Ein kleiner Höeker vor und unterhalb der oberen Ampulle entspricht
dem Recessus utriculi. Der Sinus utricularis sacculi ist O'19 mm lang, die Dreitheilung der Pars
inferior ist wie am Il mm langen Embryo deutlich ersicht!ich: der Ductus reuniens und der
Schneckencanal haben gering an Länge zugenommen (Taf. Il, Fig. 17 a, Dr., De.). Der Buckel an der
Innenseite des Sacculus springt nicht so stark vor wie im Stadium von 11 mm Länge.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 439
Die Begrenzung der Pars superior gegen die Pars inferior labyrinthi, zwischen dem Ampullen-
abschnitt des hinteren Bogenganges und dem Sacculus einerseits, dem Sinus utricularis saceuli und dem
| Recessus utrieuli anderseits, ist durch zwei stumpfwinkelige Einsenkungen bezeichnet, deren Tiefen
0-58 mm von einander entfernt sind.
| Im geweblichen Bau des Labyrinthes finde ich völlige Übereinstimmung mit dem Embryo von Ilmm
= Länge.
13. Embryo von 12 mm Länge. Länge des Labyrinthes 1:55 mm.
Die Bogengänge und die Ampullen sind bereits vollständig differenziert.
Länge des vorderen Bogenganges . . . . . . . 0'9 mm
» » äußeren » ee 2. 02109,°8
» » hinteren » Fe N
SE ASTIEHTETISSUGE N a ne 2 038
An den Ampullen sind die den Cristae acusticae äußerlich entsprechenden Gruben kenntlich (Taf. II,
Fig. 18, 19, Taf. II/IV, Fig.20, 21).
| Der Recessus utriculi ist als Höcker deutlich entwickelt (Taf. III/IV, Fig. 20). Der Sinus utricularis
sacculi misst 0-24 mm Länge, gegen 0:19 mn des vorhergehenden Stadiums (Susa). Der Buckel an der
Innenseite ist verflacht und in den Sacculus aufgegangen. Der Sacculus geht in schöner, halbkreisförmig
nach außen gerichteter Biegung (Taf. III/IV, Fig. 20 Dr) in den Ductus reuniens über: dieser ist an der
inneren, später dem Knochen angelagerten Wand convex, an der äußeren plan begrenzt und 0'19:0:14 mm
- dick. Unter stumpfwinkeliger Knickung setzt sich der Ductus reuniens in den Ductus cochlearis fort
(Taf. II, Fig. 18, 19a, Taf. III/IV, Fig. 20). Der letztere ist platt, sein elliptischer Querschnitt misst
0:3:0-12 mm und umfasst 1Y/, Windungen. An der Innenseite des Labyrinthes ist die Trennung der Pars
superior und inferior durch die Entfaltung der hinteren Ampulle und des Sacculus, zwischen welchen jetzt
ein tiefer Einschnitt zu sehen ist, vorgeschritten (Taf. III/IV, Fig. 21, +). Der Ductus endolymphaticus ist
0-6 mm lang, an beiden Enden stark abgeplattet (Taf. II, Fig. 19, De).
| Die tiefsten Stellen der vorderen und der hinteren, die Pars superior gegen die inferior begrenzenden,
Furchen sind O°4 mm von einander entfernt (Taf. III/IV, Fig. 210, +).
Die Wanddicke des oberen Theiles des Ductus endolymphaticeus beträgt 11 p, des unteren 18 u
die Kerne sind kugelig oder ovoid, mit der größeren Achse senkrecht zur Wandrichtung gestellt. Die
Mesodermkapsel des Labyrinthes besteht aus dichtgelagerten, spindelförmigen Zellen mit kurzen Fort-
sätzen und runden Kernen.
Die Ampullen sind in der Form deutlich unterscheidbar. Die Anlagen der Nervenendstellen hängen
noch untereinander zusammen, das Epithel ist hier gegen das Lumen mit einer zarten, blassroth
(Cochenille-Alaun) gefärbten Auflagerung versehen. Das Neuroepithel des Sacculus hat eine durch-
schnittliche Dicke von 27 u; während im übrigen die Kerne in verschiedener Höhe des Zelleibes gelegen
sind, lässt sich im oberen, vorderen Abschnitte des Sacculus bereits eine Sonderung in eine mehrschich-
tige, periphere (basale) und eine von dieser noch nicht vollständig getrennte, mittlere Zone wahrnehmen.
Nächst dem Lumen ist eine Protoplasmazone gelegen. In ihr finden sich spärlich tief roth (Cochenille-
Alaun) gefärbte und eine Reihe in Mitose begriffener Kerne.
| Am Schneckencanale ist die besondere Dicke der axialen und der unteren, später tympanalen Wand
auffallend. Peripher findet sich eine vom Lumen her zugängliche Furche (Taf. V/VI, Fig. 35 De). Die cor-
tische Membran ist noch nicht sichtbar..
Das Neuroepithel des Sacculus setzt sich nach abwärts über die medialeWand des Ductus reuniens
fort und geht am Ende des Canales in das Neuroepithel des Schneckencanales über (Taf. V/VI, Fig. 35 S,
Dr, De). Die periphere, freie Wand des Sacculus ist wie die des Ductus reuniens (Taf. V/VI, Fig. 55a, die
freie Wand ist hier richt vollkommen senkrecht im Schnitte getroffen) gebaut. Die dünnste Wandstelle
440 Gustav Alexander,
überhaupt finde ich an der hinteren Utrieuluswand, in Nachbarschaft der Maeula utriculi in der Form eines
cubischen Epithels von S Höhe.
Die beiden Vestibularganglien sind mächtig entwickelt (Taf. V/VI, Fig. 35, Gv.), die Fasern sind noch
marklos und können bis in die Nähe der Sinneszellen verfolgt werden.
14. Embryo von 14mm Länge. Das obere, freie Ende des Ductus endolymphaticus besteht
aus einem 7 hohen, cubischen Epithel mit rundlichen Kernen, gegen das Lumen bildet das Epithel stellen-
weise zottige oder leistenartige Vorragungen, in der Mitte des Canales, etwa an der Kreuzungsstelle mit
dem Sinus utricularis superior wird das Epithel 9 hoch und einschichtig cylindrisch. Im Bereiche der
Pars superior ist in dem von den Bogengangebenen begrenzten körperlichen Winkel bereits Knorpel
entwickelt.
Die freie Sacculuswand besteht aus einem einschichtig cylindrischen, 13p. hohen Epithel
mit spindelförmigen, mit ihrer Längsaxe senkrecht zur Wandrichtung gestellten Kernen. Das Neuro-
epithel der Macula saceuli, die in diesem Stadium nahezu die ganze mediale Sacculuswand für sich
in Anspruch nimmt, ist 27 u hoch, geschichtet cylindrisch. Die Kerne stehen zumeist noch ungeordnet in
verschiedenen Höhen des Epithels. Nur am oberen Ende der Maculaanlage (im oberen Theile des Saccu-
lus) ist bereits eine Sonderung in eine basale, dichte und mittlere, weniger dichte Kernschichte wahrzu-
nehmen, ebenso sind die Zellkörper der Härchen- (Flaschen-) Zellen, welchen ja die mittlere Kernschichte
angehört, Härchen und Spuren einer Otolithenmembran zu erkennen. Die mediale Wand des Ductus
reuniens ist wie die Maculaanlage des Sacculus gebaut, indem sich die letztere unverändert nach
abwärts in den Ductus reuniens fortsetzt, doch sind daran weder die beiden Kernreihen noch Härchen
wahrzunehmen. Die freie Wand des Ductus reuniens stimmt im Bau mit der freien Sacculuswand überein.
Nach oben hinten hängt die Maculaanlage des Sacculus noch in kleinem Umkreise mit der Macula-
anlage der Pars superior, im besonderen der Macula utriculi zusammen.
Die Nervenendstellenanlage der Schnecke besteht im kurzen Vorhofabschnitte und in der Basal-
windung aus einem mehrschichtigen Cylinderepithel mit in verschiedenen Höhen stehenden Kernen, der
Schneckencanal zeigt ovalen Querschnitt, und das Neuroepithel bildet seine basale und die axiale Wand.
Das Epithel der übrigen Wandtheile ist mehrschichtig eylindrisch und 18 x hoch. Im axialen Winkel ist die
cortische Membran als schmaler, heller, an unversehrten Präparaten dem Epithel anliegender
Streifen sichtbar, der am Übergange der Nervenendstellenanlage der Schnecke in die mediale Wand
des Ductus reuniens endet. Ich habe hier, wie in den übrigen Fällen, in welchen die leider häufige, künst-
liche Ab!ösung der Membrana Corti unterblieben war, die Anlage der cortischen Membran dem Lumen-
rande der bezüglichen Zellen angelagert gefunden.
Das perilymphatische Gewebe des Vorhofes ist in der Gegend der späteren Cysterne weniger dicht
als in den übrigen Labyrinththeilen, weist jedoch noch keine größeren Hohlräume auf. Im Schnecken-
canale ist in der I. Windung eine schmale, dem Lumen zugewendete, protoplasmatische Zone und eine
basale, helle, streiige Randzone, die erste Anlage der Lamina propria der späteren Membrana basilaris zu
erkennen. In der ebengenannten protoplasmatischen Zone finden sich vereinzelte, in Theilung befindliche
Zellkerne, die, wie die Weiterentwicklung zeigt, den Härchenzellen angehören.
Auch in denjenigen Regionen der Neuroepithelien, die noch ein vielschichtiges, beziehungsweise
vielreihiges Epithel und eine schmale protoplasmatische Zone aufweisen, finden sich in der letzteren in
\itose befindliche Kerne, während in der basalen Kernschicht selbst keine Kerntheilungsfiguren nach-
zuweisen sind. Ich werde dieses Verhalten unten ausführlicher würdigen.
Nervenlasern reichen im oberen Sacculusabschnitte und im Anfangstheile des Schneckencanales bis
an das Epithel heran. Im Bereiche des Ductus reuniens kann ich keine gegen das Epithel hin verlau-
fenden Nervenfasern sehen, ebensowenig aber irgendwelche in demjenigen Abschnitte der Macula sacculi,
in welchem die mittlere Kernreihe, beziehungsweise die Härchenzellen, noch nicht differenziert sind.
a
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 441
Entsprechend dem Promontorium ist eine dünne Schneckenkapsel als Vorknorpel, zum geringeren
Theile als Knorpel entwickelt.
An der Außenwand des Schneckencanales findet sich wie in früheren Stadien eine vom Lumen her
zugängliche spirale Furche, über welcher das Epithel leistenartig vorspringt.
Der Schneckenkörper umfasst 1!/, Windungen.
Die Verlagerung der Kerne, ihre Anordnung in zwei Reihen, die schon am 12 mm langen Embryo zu bemerken ist, hängt
mit der Differenzierung der Zellen der Sinnesepithelien, der Härchen- und Stützzellen zusammen: die letzteren besitzen unregelmäßig
geformte, schmale Zellkörper und basal gelagerte, spindelförmige Kerne; sie erstrecken sich vom Basalsaum des Epithels bis zum
"Lumenrande, ihnen entsprechen die basal gelagerten Kerne. Die Härchenzellen haben etwa die Gestalt eines Eies mit abgeplattetem,
spitzem Pole. Retzius (22) hat ihre Gestalt genau beschrieben, sie wurden nach ihrer Form auch als Tonnen-, Fass- oder Korb-
zellen bezeichnet. Sie erreichen mit ihrem platten Ende den Lumenrand des Epithels, erstrecken sich jedoch durchschnittlich nur 3),
der Epitheldicke basalwärts.
15. Embgyo von 16:5 mm Länge. Länge des Labyrinthes (Taf. III/IV, Fig. 22, 23): 21 mm.
Länge des oberen Bogenganges ee 27777
» » äußeren » N
» » hinteren » ae ee
2 den@ommuSsUn u. 2 2 nu ar 5 OAmm!
Der Recessus utriculi buchtet sich mächtig vor. Die Insertionsstellen der Ampullennerven sind an
den Ampullen als quergestellte, längliche Gruben sichtbar.
Der Ductus reuniens ist in der Form dem des Stadiums von 12 mm ähnlich, O°24 nm lang und von
0:18 mm Dicke (Taf. III/IV, Fig. 22,23 Dr.). Der Sinus utricularis sacculi ist 3°7 mm lang (Susa). Der Duc-
tus reuniens erstreckt sich nach abwärts, außen und ist an das Hinterende des Sacculus angeschlossen.
Auf den Ductus reuniens folgt unter nahezu rechtwinkliger Knickung der Schneckencanal (Taf. III/IV,
Fig. 22, 23, Pvdc., Dec.). Dieser verlauft zunächst in Form eines geraden, von oben nach unten etwas abge-
‚platteten Rohres 043 mm nach vorne, unten, außen und biegt sodann unter scharfer Knickung nach
‘vorne, unten, innen ab. Durch die vorne gelegene, in diesem Stadium zum erstenmal auftretende Knickung
ist das Schneckenrohr in zwei Abschnitte, in den Vorhoftheil und den Schneckenkörper, gesondert,
‚welcher letztere hier 1'/, Windungen umfasst (Taf. III/IV, Fig. 22, 23, Pvdc, De.). Der Vorhoftheil zeigt eine
Dicke von 0:25:0:27 mm, ist also dicker als der Ductus reuniens. Der Ductus cochlearis ist weniger
platt als früher und misst von außen 0-18:0°27 mm. Die Grenzfurchen der Pars superior und inferior
erscheinen vergrößert, doch sind ihre tiefsten Stellen O4 mm, also ebensoweit voneinander entfernt, wie
im Stadium von 12 mm. Somit entspricht die Vergrößerung, wie oben bemerkt, nicht einer Vertiefung der
Furchen, sondern ist das Ergebnis des Vorwachsens und der Größenzunahme der Randtheile: des Reces-
sus utriculi und des Processus utricularis sacculi an der Außenseite, des Ductus reuniens, der hinteren
Ampulle und des Sinus utricularis posterior an der Innenseite des Labyrinthes (Taf. III/IV, Fig. 22, 23, Ru,
S, Sup, Dr). Ductus und Saccus endolymphaticus sind zusammen 1’1 mm lang, der Ductus endolympha-
ticus zeigt, wie im vollständig entwickelten Zustande dort, wo er im Raume die Commissur kreuzt, eine
verengte Stelle (Taf. III/IV, Fig. 23, De.). Er mündet tangential mit einer einzigen Öffnung, seitlich platt-
sedrückt in den gemeinsamen Abschnitt der beiden Säckchen.
Mit diesem Alter ist ein Entwicklungsstadium erreicht, in welchem an der Pars
Superior labyrinthi alle Abschnitte, diean ihr am ausgebildeten Labyrinthe durch beson-
dere Namen unterschieden werden, differenziert sind.
1 Die nahezu gleichen Bogenganglängen sind auffallend, es handelt sich jedoch da nur um einen vorübergehenden Zustand,
später ergibt sich, analog dem Verhalten anderer Säuger, der hintere Bogengang als der längste, der äußere als der kürzeste.
442 Gustav Alexander,
Das freie Ende des Ductus endolymphaticus reicht unmittelbar bis an den Sinus sigmoideus, ja ragt
sogar ein wenig in den Sinus vor. Sein Epithel ist cubisch (11. hoch), an manchen Stellen cylindrisch.
Die Falten des Ductus endolymphaticus sind wenig tief und entsprechen geringen Buchtungen, die nur das
Epithel, jedoch nicht die bindegewebige Umgebung einbeziehen. Die Kerne zeigen einen Durchmesser von
51. Das Saccusende ist 460 u von der Kopfoberfläche entfernt. Die Labyrinthkapsel ist im Bereiche der
Pars superior bereits knorpelig entwickelt, der Ductus endolymphaticus jedoch nur in seinem centralen
Stücke in dieselbe aufgenommen. Im peripheren, oberen Theile ist er der Knorpelkapsel äußerlich ange-
lagert und von geordneten, mesodermalen Bindegewebszügen umgeben. In der Nähe der Übergangsstelle
in den Sacculus (beziehungsweise Saccus communis) besteht seine mediale Wand aus schmalen, 16 u
hohen Cylinderzellen, deren oblonge Kerne senkrecht zur Wandrichtung gestellt, aber in den einzelnen
Zellen verschieden hoch gelagert sind. An der Mündungsöffnung selbst fällt das Epithel zu einem 6 #
hohen, cubischen ab.
Der Saccus communis baut sich im dünnsten Wandtheile (seinem hinteren Abschnitte) aus
cubischem, 6 ı hohem Epithel auf. Die Regionen der späteren Nervenendstellen sind deutlich zu
erkennen, die Cristae acusticae ragen bereits in charakteristischer Form in die Ampullen vor. Die
Härchenzellen sind deutlich differenziert, die Härchen bereits entwickelt, eine der Cupula entsprechende
Bildung ist nicht wahrzunehmen. Die Fasern der Ampullennerven sind bis unter das Cristaepithel zu
verfolgen. An den beiden Vorhofsäcken sind zwei Stellen erkennbar, die aus einem besonders hohen Epi-
thel gebildet werden: die vordere entspricht der Macula utriculi, die hintere der Macula sacculi.
Die Zellen der ersteren sind schmal, hocheylindrisch, die Flaschenzellen sind bereits als helle,
nicht bis an die Basis reichende Zellen zu erkennen, die Kerne stehen in verschiedenen Höhen, ein
Grenzsaum fehlt, doch ist gegen das Lumen zu das Epithel von einer mit Eosin blassroth sich färbenden
Elementarkörner- und fädigen Schicht überdeckt. Das Neuroepithel hat eine Höhe von 29 a.
Die Anlage der Macula sacculi geht nach oben continuierlich in die der Macula utriculi über, die
hier an manchen Stellen Härchen erkennen lässt. Die Anlage der Macula sacculi begreift nahezu die ganze
mediale Sacculuswand in sich, das Epithel ist cylindrisch, es sind Härchen- und Stützzellen zu erkennen,
der Härchenbesatz ist spärlich. Das Epithel ist 27 u hoch. Die Epithelhöhe der freien Wand beträgt 16 p,
die Zellen sind cylindrisch, die Kerne sind oval und mit ihrer Längsrichtung senkrecht zur Wand gestellt.
Nach außen und vorne setzt sich die Maculaanlage bis in den Processus utricularis sacculi fort, nach
abwärts auf die mediale Wand des Ductus reuniens und von diesem weiterhin in die Nervenendstellen-
anlage des Vorhofabschnittes der Schnecke. Die Macula sacculi ist im oberen Abschnitte des Saceulus in
der Entwicklung am weitesten vorgeschritten. Hier sind Härchen entwickelt, die weiterhin gegen das
Lumen von einer fädigen Schichte überlagert sind, die Kerne sind bereits orientiert, so zwar, dass
während im übrigen die Kerne dem Ansehen nach ungeordnet, verschieden hoch liegen, in den Zellen
hier zwei Reihen zu sehen sind, eine periphere, basale, die aus dicht stehenden, reichlichen, spindeligen
Kernen, und eine mittlere, die aus weniger zahlreichen und (Taf. V/VI, Fig. 36, Ms) nahezu kugeligen
Kernen besteht. Im Bereiche des Neuroepithels des Ductus reuniens stehen die Kerne unter Frei-
lassung der unmittelbar am Lumen gelegenen Zellabschnitte in verschiedenen Höhen und sind zahlreich;
die ganze Anlage stimmt im Bau durchaus mit den hinteren Partien der Maculaanlage des Sacculus
überein (Taf. V/VI, Fig. 37, Dr.).
Im Schneckencanale (Vorhofabschnitt) (Taf.V/VI, Fig. 38, De) umfasst die Epithelverdickung die
basale und einen Theil der axialen Wand. Das Epithel, das ein vielschichtiges Cylinderepithel darstellt,
besitzt zahlreiche, verschieden hoch gelagerte Kerne. Ein linearer Saum begrenzt das Epithel gegen das
Lumen, im medialen Winkel findet sich eine fädige Auflagerung (cortische Membran) (Taf. V/VI, Fig. 38, De»
Im Bereiche dieser Auflagerung sind die Kerne basalwärts gerückt, so dass eine dem Lumen nachbarlich
gelegene Protoplasmazone entsteht. An der Außenseite des Schneckencanales findet sich streckenweise
eine furchenähnlich vertiefte Zone. An den Vorhofabschnitt treten bereits Nervenfasern heran, ebenso an
den oberen Bezirk der Maculaanlage des Sacculus.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 443
Die Labyrinthkapsel ist im Bereiche der Pars inferior in der Gegend der Neuroepithelanlagen
noch nicht verknorpelt, die ganze Pars inferior ist daher nur nach außen, d. h. gegen das Mittelohr hin
von einer Knorpelschale bedeckt. Das perilymphatische Gewebe ist als reich vascularisiertes, dichtes
"Bindegewebe vorhanden (Taf.V/VI, Fig. 37, 38). Unmittelbar unter dem Epithel sind die Zellen zu einer
Bindegewebsschicht verdichtet, lamellös geordnet, und die Zellen mit ihrer Längsrichtung in die Richtung
des Wandverlaufes gestellt. Bezüglich der Lumenrandstellung der Mitosen der epithelialen Wand wäre
‚nur schon oben Gesagtes zu wiederholen.
16. Embryo von 17 mm Länge. Sinus utricularis superior und Ductus endolymphaticus verlaufen
in einem gemeinsamen Knorpeirohre. Im Bereiche der Bogengänge ist, entsprechend der Labyrinthkapsel
und dem Felsenbeine, bereits Knorpel entwickelt. Das Epithel des Ductus endolymphaticus ist einschich-
tig cylindrisch und im mittleren Theile 10— 12. hoch. Die dünnen, »rein epithelialen« Wandtheile des
Utriculus messen durchschnittlich 6% Höhe. Die hyaline Zone, die sich im fertig entwickelten Zustande außen
"an das Epithel anschließt, ist an manchen Stellen bereits sichtbar. An der Pars inferior ist am Epithel
deutlich ein lingarer, dem Lumen zugewendeter Saum zu erkennen. Medial vom Sacculus ist die Knorpel-
‚kapsel noch nicht entwickelt. Nervenfasern lassen sich bis an das Epithel verfolgen, ob sie mit demselben
bereits zusammenhängen, lässt sich nicht sagen.
Im übrigen finde ich völlige Übereinstimmung mit dem am 16 5 mm langen Embryo erhobenen
Befunde.
17. Embryo von 21 mm Länge. Sacculus und Ductus reuniens sind medial convex begrenzt
und verlaufen etwa halbkreisförmig nach außen und unten (Taf. III/IV, Fig. 24, S, Dr.). Der Sacculus ist
0:76 mm lang, 0-5 mm breit, der Ductus reuniens 0°32 mm lang, röhrenförmig und von 0:16 mm
äußerem Durchmesser, er geht schon am Ursprunge scharf abgesetzt aus dem Hinterende des Sacculus
hervor und verbindet sich unter rechtem Winkel mit dem Schneckencanale.
Der Vorhoftheil des Ductus cochlearis ist geradegestreckt, von oben nach unten abgeplattet
(Taf. IN/IV, Fig. 25, Pve.) und vor 0:16:0:24 mm äußerem Durchmesser. Der Vorhoftheil ist nun in
seiner Richtung über die Mündungsstelle des Ductus reuniens nach hinten durch einen 0:06 mm langen,
am Abgange 0-12 mm dicken, halbkugeligen Anhang, den Vorhofblindsack, verlängert (Taf. III/IV,
Fig. 24, 25, Cv.).
Das freie Ende des Ductus endolymphaticus ist 125 mm von der Epidermis entfernt "Das Epithel
bildet im Endstücke vielfache Falten, Haufen von Epithelzellen ragen knospenartig in das Innere des Cana-
les vor. Das Epithel sebst ist cylindrisch, 11p hoch. Der Canal endet unter Ausstülpung eines blind enden-
den Nebenganges. Die spätere Fossa subarcuata ist als Höhle im Knorpel deutlich sichtbar, der Knorpel
der Labyrinthkapsel selbst ist tief blau (Haematoxylin) gefärbt. Im engen Theile des Ductus endolympha-
_ ticus ist das Epithel 13 x hoch und einschichtig cylindrisch. i
Am Labyrinthende des Canales bildet der Sacculus gleichsam die sackförmig erweiterte Fortsetzung des
Ductus endolymphaticus, — eine scharfe Grenze zwischen beiden Abschnitten ist derzeit nicht anzugeben —,
während der Utriculus seitlich angeschlossen ist und entsprechend der noch unvollständigen Abschnü-
rung sowohl mit dem Ductus endolymphaticus als mit dem Sacculus in weit offener Communication
steht; die Öffnung zeigt in dorsoventraler Richtung 125 ı, in der darauf senkrechten 100 a Lumendurch-
messer (Taf. III/IV, Fig. 24 Is.). Die mediale Wand des Ductus endolymphaticus ist entsprechend dem
Übergange in die Wand des Sacculus wie im engen Theile 13 p. dick.
Die vier Maculaanlagen der Pars superior sind bereits vollkommen von einander geschieden. Das
Bindegewebe in der späteren Cysterna perilymphatica vestibuli ist locker und weitmaschig, an manchen
Stellen mit Hinterlassung unregelmäßiger Lücken bereits geschwunden (Taf. III/IV, Fig. 39, 40, 41,
- Cpv.).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bad. 57
444 Gustav Alexander,
An der Pars inferior ist die Maculaanlage des Sacculus am weitesten am vorderen Ende des Säck-
chens nach innen vom Processus utricularis vorgeschritten (Taf. V/VI, Fig. 41, Ms.): hier sind bereits Här-
chen und Cuticularsaum entwickelt und die Kerne in zwei distincte Reihen gestellt: in eine periphere (basale),
sehr dichte, und eine mittlere, die aus minder zahlreichen Kernen zusammengesetzt ist. Das Neuroepithel
hat eine Höhe von 29 u, in ihm sind die Härchenzellen deutlich nach ihrer Form unterscheidbar. Die freie
Sacculuswand besteht wie die freie Wand des Ductus reuniens aus 8 a hohen, cylindrischen Epithelzellen
(Taf. V/VI, Fig. 40, 41,a).
In der unmittelbaren Umgebung der Maculaanlage ist das Epithel geschichtet cylindrisch, gegen
das Lumen hin linear begrenzt, die Kerne stehen unter Freilassung eines gegen das Lumen zu gelegenen
Streifens in verschiedenen Höhen der Zellkörper, sind oval oder spindelförmig und mit ihrer Längsachse
senkrecht zum Wandverlaufe gestellt. So verhält sich auch die innere Wand des Ductus reuniens
(Taf. V/VI, Fig. 40 Dr.), von welcher aus sich das Neuroepithel in gleicher Dicke in den Vorhofabschnitt
des Schneckencanales fortsetzt: hier begreift die Verdickung den axialen und den basalen Wandabschnitt
in sich, im inneren Winkel findet sich die Anlage der cortischen Membran. Die Anlage der letzteren
erstreckt sich bis zum Übergange in den Ductus reuniens! (Taf. V/VI, Fig. 41, De.).
Der Ductus reuniens hat einen Lumendurchmesser von 33 u (Taf. V/VI, Fig. 40, Dr.), seine freie
Wand ist wie die des Sacculus geformt und besteht aus 6 pa hohen, cubischen Epithelzellen. Die später der
Vestibulumwand (Taf. V/VI, Fig. 40, Dr.) anliegende Wand des Canales zeigt den Bau der Maculaanlage
des Sacculus: Somit haben wir die Anlage einer Macula ductus reunientis vor uns, die nach
obenmitderMaculasacculi,nachuntenmitder Anlage der Nervenendstelle des Schnecken-
canales derzeitim Zusammenhange steht. Härchenartige Auflagerungen sind an ihr nur spärlich und
undeutlich zu erkennen. Das bindegewebige Polster, auf welchem der entwickelte Ductus reuniens ruht,
ist deutlich und schön ausgebildet. Im vorderen Sacculusabschnitt, in welchem, wie oben hervorgehoben
wurde, das Neuroepithel mit Härchen und Otolithenmembran schon entwickelt ist, sind auch Fasern des
Nervus sacceularis bis an das Epithel zu verfolgen.
Der Schneckencanal zeigt im Vorhoftheile ovalen Querschnitt von 45:21 u Lumendurchmesser.
Die periphere Wand des Ductus reuniens geht unter gleich bleibender Dicke in die obere Schnecken-
canalwand über (Taf. V/VI, Fig. 40 Dr, De), die innere auf die innere und untere Wand.
Der Vorhofblindsack, der in diesem Stadium zum erstenmal beobachtet werden kann, besteht aus
eylindrischen, 13 hohen Epithelzellen mit einfacher, basal liegender Kernreihe, sein im Querschnitte
kreisförmiges Lumen misst im Mittel 48 . im Durchmesser und ist 20 u lang. In seiner Umgebung findet
sich lockeres, gefäßführendes, perilymphatisches Bindegewebe (Taf. V/VI, Fig. 39, Cv.). Der Blindsack, der
sich hier als Ausstülpung des Schneckencanales darstellt, ist so gelegen, dass die Mündungsöffnung des
Ductus reuniens durchaus in den Ductus cochlearis zu liegen kommt, und ist im Modell deutlich als
Anhang der Schnecke zu erkennen (Taf. III/IV, Fig. 24, 25, Cv.).
Zwischen der Knorpelkapsel der Schnecke (vor allem der knorpeligen Promontorialwand) und der
Außenwand des häutigen Schneckencanales ist das Bindegewebe verdichtet und bereits in der Form des
späteren Ligamentum spirale entwickelt.
Der Schneckencanal umfast den Vorhofabschnitt und 2!/, Windungen.
18. Embryo von 24:5 mm Länge. Der Sacculus ist 3:74 mm, der Ductus reuniens 0'32 nm
lang. Der letztere ist röhrenförmig, von 0:07 mm Dickendurchmesser und ist weniger an der Übergangs-
stelle in den Sacculus, mehr an der in den Schneckencanal gering trichterförmig erweitert (Taf. III/IV,
Fig. 26, 27, Dr.). Der Schneckencanal ist von außen betrachtet cylindrisch röhrenförmig (Taf. Ill/IV, Fig. 26,
27, De.), von 0:15 mm Durchmesser und verläuft im Vorhofabschnitte schwach bogenförmig nach abwärts.
! In diesem Präparate war die Membran nicht in situ erhalten, sondern ragte infolge Schrumpfung frei in das Lumen des
Schneckencanales vor.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 445
"Der Vorhofblindsack ist 0-06 mm lang, von O'I mm Durchmesser; er bildet an der Abgangsstelle einen
nhang des dort etwas verengten Schneckencanales (Taf. III/IV, Fig. 26, 27, Cv). Der dem Ductus coch-
"learis benachbart gelegene Abschnitt des Ductus reuniens ist senkrecht zum Schneckenrohr gestellt, der
"übrige Theil weicht stark nach vorne ab.
Der Ductus endolymphaticus misst an der Übergangsstelle in den röhrenförmig gegen ihn ausgezo-
enen Sacculus 0°2:0:09 mm Dicke. Der Vorhofabschnitt der Schnecke ist vom Sacculus 026 mm
ntfernt.
Die Cysterna perilymphatica ist als Hohlraum namentlich in der Nähe des Sacculus bereits vor-
janden (Taf. V/VI, Fig.42, Cpv.), an der freien Sacculuswand selbst ist außen an das Epithel eine einfache,
an manchen Stellen mehrfache Schichte von Bindegewebszellen angeschlossen, welche die spätere Lamina
propria der membranösen Wand darstellt (Taf. V/VI, Fig. 42, a). Diese Schichte entsteht dadurch, dass
f ie Bindegewebszellen, die dem Epithel zunächst liegen, mit ihrer Längsachse in die Richtung der epithe-
NZ - ? .
-perilymphatischen Bindegewebes als Lamina propria außen anschließt. Das Epithel des Ductus endolym-
phaticus ist cubisch, 5—8 p. hoch, gegen den Sacculus wird das Epithel der inneren Canalwand cylin-
Zotten versehen.
Das Lumen der Communicationsöffnung zwischen Utriculus und Sacculus misst 100: 50 p.
Die freie Sacculuswand besteht (vom bindegewebigen Theile ist abzusehen) aus einer Reihe cubi-
scher Zellen mit ovalen, mit dem größeren Durchmesser senkrecht zur Wandrichtung gestellten Kernen
r (Taf. V/VI, Fig. 42, Iw, Taf. VII/VIIL, Fig. 43, lw). An der inneren Wand findet sich die unregelmäßig ovale,
-0:68:0:24 mm große Maculaanlage: das Neuroepithel besitzt im vorderen, oberen Maculaabschnitte zwei
Kernreihen: eine basale und eine mittlere, im hinteren Abschnitte liegen die Kerne gleichsam noch unge-
-gange in den Ductus reuniens, dessen periphere Wand wie die freie Sacculuswand gebaut ist (Taf. V/VI,
Fig. 42, Dr.), verschmälert sich die Macula sacculi, Härchen oder Otolithenmembran sind hier nicht ent-
ickelt.
An der medialen Wand des Ductus reuniens findet sich nun ein Neuroepithelstreif
von 0:06 mm Breite und 0:26 mm Länge (Taf, V/VI, Fig. 42, Mdr.). Er ist in dem an den Sacculus sich
"anschließenden Theil des Ductus reuniens gelegen und geht nach abwärts unter allmählicher Abflachung
nach hinten in das cubische Epithel des Vorhofblindsackes (Taf. V/VI, Fig. 44, Mdr.), nach außen in das
v andepithel des Ductus cochlearis über (Taf. III/IV, Fig. 27, Ms., Mdr.). Nach oben setzt sich die Macula
d uetus reunientis am Übergange des Ductus reuniens in den Sacculus (Taf. III/IV, Fig. 27) in die Macula
sacculi fort. In der Structur stimmt die Maculaanlage im Ductus reuniens vollständig mit dem hinteren,
unteren Abschnitte der Macula sacculi überein.
Die Höhe der Zellen der freien Sacculus- und Ductus reuniens-Wand beträgt 7 p, des Neuroepithels
"im Bereiche der Macula sacculi 32 u, im Bereiche der Macula ductus reunientis 27 p. Im übrigen Abschnitte
der medialen Sacculuswand findet sich einschichtiges, cubisches Epithel wie an der freien Wand, das im
‚ unmittelbaren Übergange in das Neuroepithel der Macula zu einem cylindrischen ansteigt (Taf. VIYVII,
ig. 43, Ms.).
Am unteren Ende geht nun die Ductus reuniens-Wand einerseits in die Wand des Caecum vestibu-
lare über, anderseits in die obere Wand des Ductus cochlearis (ihr Epithel ist cylindrisch und 13 p. hoch)
(Taf. V/VI, Fig. 44, Cv.). Im tympanalen Wandtheile des Schneckencanales an der Basis der Schnecke
sind die Protoplasmakörper der Deiters’schen Zellen bereits zu sehen, die Kerne sind basal gelegen. Die
Scala vestibuli ist zum Theile wegsam, die Scala tympani noch von lockerem Bindegewebe ausgefüllt. Der
Schneckencanal zeigt rundlichen Querschnitt, der Schneckenkörper umfasst 2>/, Windungen.
578
446 Gustav Alexander,
Der Vorhofblindsack, der als halbkugeliger, epithelialer Anhang gegen den Schneckencanal gut
begrenzt ist, besteht durchaus aus 13 x hohen, cylindrischen Zellen (Taf. V/VI, Fig.44, Cv., a). Die tympa-
nale Wand des Ductus cochlearis geht unter allmähliger Verdünnung und Verschwinden der Epithelwülste
in die Caecumwand über. Das peripher den Schneckencanal umgebende Bindegewebe, das nach der
Form des späteren Ligamentum spirale bereits verdichtet ist, hat nun auch die Unter- und Außenfläche
des Caecum umwachsen, so dass dieses jetzt auf einem Bindegewebslager ruht (Taf. V/VI, Fig.44, Lsp., D), ®
19.Embryo von 26mm Länge. Der Ductus utrieulosaceularis ist 38 y lang und misst 80:20 u Durch-
messer. Das Epithel der inneren Wand des Ductus endolymphaticus in der Nähe des Sacculus ist 13
hoch, cylindrisch und wird am Übergange in das hornartig ausgezogene Sacculusende noch ein Geringes
höher. Die freie Wand des Sacculus (Taf. V/VI, Fig. 45 Iw.) besteht aus einem Plattenepithel von 4 u Höhe,
mit kugeligen oder ovoiden Kernen, die mit der Längsachse parallel der Wandrichtung gestellt sind. Das
Epithel der medialen Wand abzüglich des Bereiches der Macula ist cubisch und durchschnittlich 8 u hoch,
Das Neuroepithel der Macula sacculi ist 35 u hoch, es besitzt eine äußere kernreiche, eine innere
protoplasmatische Zone (Taf. V/VI, Fig. 45, Ms!). Die mittlere Kernreihe ist wie früher nur im oberen, in
der Entwicklung weiter vorgeschrittenen Abschnitte der Macula vorhanden (Taf. V/VI, Fig.45, Ms.). Verein-
zelte, zum Theile in Mitose befindliche Kerne werden in der Protoplasmazone in der Nähe des Lumen-
randes angetroffen. Der Ductus reuniens (Taf. V/VI, Fig. 45, Taf. VI/VII, Fig. 46, Dr.) besitzt an seiner
medialen Wand die Anlage einer Macula acustica (Taf. V/VI, Fig. 45, Taf. VII/VII, Fig. 46, Mdr.), die
nach oben, ähnlich wie am 24°5 mm langen Embryo, mit der Macula sacculi zusammenhängt und eine
periphere vollständige, eine mittlere unvollkommene Kernreihe und innere Protoplasmazone aufweist
(Taf. VII/VIIL, Fig. 46, Mar.). Das Epithel ist im mittleren, höchsten Abschnitte 35 u hoch; die Otolithen-
membran ist sichtbar.
Gegen das untere Ende des Ductus reuniens verflacht das Neuroepithel (Taf. VII/VII, Fig. 47, Mdr.)
|
und unter Aufhören der mittleren Kernreihe geht die äußere in die Reihe der Zellkerne des Epithels des
unteren Theiles des Ductus reuniens und des Vorhofblindsackes über (Taf. VII/VII, Fig. 47, Cv.).
Die Wand dieses letzteren besteht aus cubischem Epithel von 51 Höhe mit rundlichen Kernen
(Taf. VII/VII, Fig. 47, Cv.). Die Cysterna perilymphatica vetsibuli ist im Bereiche des Sacculus entwickelt
(Taf. V/VI, Fig. 45, Cpv.), eine continuierliche Bindegewebsschichte hat sich außen an die freie Sacculus-
wand angelegt (Taf. V/VI, Fig. 45, lw.).
Die äußere Wand des Ductus reuniens (Taf. VII/VIIL, Fig. 46, Idwr.) stimmt im Bau mit der freien Sac-
culuswand überein. Der Vorhofblindsack ist an seiner Unter- und Außenseite von dichtem Bindegewebe
umgeben (Taf. VII/VII, Fig.47, a). Im Schneckencanale ist die Scala vestibuli als einheitlicher Raum bereits
im basalen Abschnitte entwickelt (Taf. VII/VII, Fig. 47, Sv.), die Scala tympani jedoch von einem bindegewe-
bigen, lockeren Maschenwerke durchzogen. Im membranösen Canale findet sich axial der Limbus spiralis
angedeutet, auch die Stria vascularis ist, allerdings nicht scharf begrenzt, sichtbar. Das Epithel im Bereiche
der späteren Reissner’schen Membran ist cubisch und 5 u hoch. An der tympanalen Wand fällt der Epithel-
wulst gegen den Blindsack rasch ab, bis er endlich das cubische Epithel des Caecum erreicht. Der Blind-
sack ruht, wie das benachbarte Stück des Vorhofabschnittes, auf einer dichten Mesenchymunterlage, an
der noch keine Andeutung einer Scalenbildung wahrzunehmen ist.
20. Embryo von 34:5 mm Länge. Der Sacculus ist 112 mm lang, 0:76 mm breit, der Ductus
reuniens 0°58 mm lang und 0:08 mm dick (Taf. III/IV, Fig. 28, S., Dr.). Beide sind flacher, gestreckter
als früher. Der Ductus reuniens ist gegen den Schneckencanal trichterförmig ausgezogen, sein oberes
Ende geht gering vergrößert in das schmale Hinterende des Sacculus über (Taf. V/VI, Fig. 28, Dr.). Der
Vorhofblindsack ist nun nicht mehr als isolierter Anhang entwickelt, sondern er ist in die Wand des
Vorhofendes des Schneckencanales einbezogen worden, und stellt jetzt das einfach mit einer geringen
Ausdehnung (O°12 mm) nach hinten, innen über den Ductus reuniens hinaus verlängerte, abgerundete
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 447
s 3 Windungen.
Sacculus und Ductus reuniens sind flacher geworden, haben sich gleichsam gestreckt, der Vorhof-
jeil des Schneckencanales hat sich dem Sacculus auf 0:15 mm genähert. Die Cysterna perilymphatica
estibuli ist zum größten Theile gebildet, der Hohlraum ist von einem fädigen, lockeren, mit Eosin
Chtroth gefärbten Detritus gefüllt (Taf. VII/VIIL, Fig. 48, Cpv.).
Die utriculosacculare Communicationsöffnung hat eine Lichtungsweite von 60:451p. Ein Ductus
ütriculosaccularis ist noch nicht vorhanden, da Utriculus und Sacculus unmittelbar aneinander gela-
sind.
Das Epithel des Ductus endolymphaticus ist cubisch, 7 x hoch. Ebenso verhält sich auch das Epi-
hel des hornartig ausgezogenen, oberen Sacculusendes, das weiterhin in das 2 » hohe Plattenepithel des
Sacculus übergeht. Die freie Sacculuswand besitzt eine perilymphatische Gewebsschichte als Lamina
_ propria.
Die Macula sacculi nimmt den vorderen Theil der medialen Sacculuswand ein, besitzt unregelmäßig
vale Gestalt und misst 1'09:0°33 mm, mit einer nach hinten gegen den Ductus reuniens auslaufenden
Spitze (Taf. III/IV, Fig. 28).
Die Macula sacculi ist im oberen, größeren Theile als 27 u hohes Neuroepithel mit Stütz- und Härchen-
ellen, basaler und mittlerer Kernschicht entwickelt, die Otolithenmembran stellt am entkalkten Objecte
eine zweischichtige, den Härchen aufruhende Decke dar, deren untere, an die Härchen angeschlossene
Zone roth (Eosin), und deren obere blau (Haemalaun) gefärbt erscheint. Im Maculaabschnitte des hin-
eren, verjüngten Sacculustheiles fehlt die mittlere Kernschicht ganz oder ist unvollkommen. Man kann
aber hier sehen, dass sich Kernreihen schief von der basalen in die mittlere Schicht erstrecken, und
gewinnt den Eindruck, dass die mittlere Kernschichte durch Emporrücken von Zellkernen aus der basalen
ntstanden ist. Noch weiter gegen das hintere Maculaende fehlt die blaugefärbte Lage der Otolithenmembran,
>S ist nur die rothe vorhanden, und im Neuroepithel sieht man am Lumen eine schmale Protoplasmazone,
vährend alles Übrige von verschieden hoch stehenden, spindelförmigen, mit der Längsachse senkrecht zur
Wandrichtung gestellten Kernen eingenommen wird. Hier ist das Neuroepithel (bis zum linearen, das
Pumen begrenzenden Rande gemessen) 20 y hoch. An den Rändern der Macula schließt sich an das Neuro-
epithel ein cylindrisches, sodann ein cubisches Epithel an.
Am Ductus reuniens kann ein proximaler, 0-44 mm langer, von einem distalen, O'16 mm langen
Abschnitt unterschieden werden (Taf. III/IV, Fig.28). Der erste schließt sich nach oben an das hintere Sac-
eulusende an und verlauft ziemlich gestreckt in der Fortsetzung der Richtung des Hinterendes des Saccu-
lus, der letztere verlauft nach außen und vorne gekrümmt nach abwärts und mündet, trichterartig erwei-
tert, in den häutigen Schneckencanal.
Die Wand des distalen Abschnittes besteht aus einem einfachen, cubischen Epithel von 5 Höhe mit
"undlichen Kernen. Der freie, laterale Rohrabschnitt des oberen Theiles besteht aus einem ähnlichen Epi-
thel, an der medialen, an die Vestibulumfläche gehefteten Wand findet sich jedoch ein von der Macula
Sacculi vollkommen isolierter, mit seinem oberen Ende noch ein wenig in den Sacculus reichender Streifen
von einfachem Cylinderepithel von 0:45 mm Länge und 0:07 mm Breite (Taf. III/IV, Fig.28, Dr.). Indem in
ihm die in der Mittellinie gelegenen Zellen die höchsten (13 x) sind, ergibt sich im Quer- oder Schiefschnitte
Hügelform (Taf. VII/VII, Fig. 48, 49, Dr). Die Kerne der Epithelzellen sind fast durchaus basal gestellt
(Taf. VII/VIIL, Fig. 48, Dr.). Unmittelbar unter dem Epithel findet sich ein Zug dichten, perilymphatischen
Bindegewebes, unter diesem verläuft längsgetroffen der Nervus ampullaris inferior (Taf. VII/VIII, Fig. 48,
Nap.). Die Anlage einer Otolithenmembran fehlt. Nervenfasern sind nicht vorhanden. Die Wand des Vor-
hofblindsackes besteht wie die des unteren Stückes des Ductus reuniens aus cubischem Epithel von 5
Höhe (Taf. VII/VIIL, Fig. 49, Cv.). Eine scharfe Grenze des Blindsackes gegen den Ductus cochlearis ist
nicht gegeben, das Anfangsstück des Ductus cochlearis liegt wie der Blindsack auf einem Bindegewebs-
polster, jenseits von welchem erst die Scala tympani beginnt.
448 Gustav Alexander,
Die perilymphatische Schichte ist streckenweise von der Epithelwand des Sacculus abgehoben.
Der Nervus saccularis durchsetzt, ohne in Bündel gespalten zu werden, eine Lücke der knorpeligen
Labyrinthkapsel: die Area und die Macula cribrosa media sind noch nicht entwickelt. Ebenso sind der
Nervus ampullaris inferior und der Nervus saceularis im Verlaufe durch das Petrosum. nur durch eine
schmale Knorpelplatte von einander geschieden (Taf. VII/VIIL, Fig. 48, Ns., Nap.). Neben dem Ligamentum
Spirale ist auch die gefäßführende Schicht, die jedoch nicht eine laterale, scharfe Grenze wie die spätere
Stria vascularis besitzt, an den Vorhofblindsack und sogar etwas über ihn hinaus nach hinten gegen die
hintere Ampulle fortgesetzt. ;
Im Duetus cochlearis sind jetzt die Cortischen Pfeiler und Deitersschen Zellen in der Basalwindung
und im Vorhofabschnitte deutlich entwickelt. Die Cortische Membran endet an der Mündungsstelle des
Ductus reuniens unter allmählicher Verschmälerung. Der Vorhofabschnitt der Schnecke verlauft gerade
gestreckt, ist vom Sacculus (der lateralen Wand) im Mittel (wie oben erwähnt) nur 0:15 mm entfernt und
verjüngt sich gegen den Blindsack hin (Taf. III/IV, Fig. 28, De., Pvde).
21. Embryo von 38:5 mm Länge. Zwischen Ductus endolymphaticus und Sinus utricularis
posterior ist kein Knorpel, sondern nur Bindegewebe vorhanden, beide liegen hier in einer gemeinsamen
Knorpelröhre. Das Epithel des Ductus endolymphatieus ist im mittleren Theile cubisch, 4 » hoch und besitzt
kugelige Kerne. Der Ductus utriceulosaccularis ist 40 w lang, misst 53 » Dicke und 27 w Lichtungsdurch-
messer. Das Epithel ist in ihm wie in den angrenzenden Theilen des Ductus endolymphaticus und des
Utrieulus cylindrisch und mit großen ovoiden, mit der Längsachse senkrecht zur Wandrichtung gestellten
Kernen versehen. Im Bereiche der Bogengänge ist noch dichtes perilymphatisches Gewebe vorhanden.
Am Schädeldache ist bereits Knochen entwickelt. Die Cysterna perilymphatica vestibuli ist im Bereiche
des Sacculus vollständig entwickelt, jedoch finden sich reichlich röthlichblau gefärbte, feine Gerinnsel
darin (Taf. VII/VIIL, Fig. 50, Cpv.). Im Bereiche des Utriculus ist die Cysternenbildung noch nieht soweit
vorgeschritten. Das Sinusepithel des Sacculus ist 38 u dick und in der Structur gegenüber dem Stadium
von 845 mm wenig verändert (Taf. VII/VIIL, Fig. 50, Ms).
Die Macula sacculi hat unregelmäßig ovale Form, reicht mit ihrem schmalen, unteren Ende in das
verjüngte Hinterende des Sacculus und hört an dessen Übergang in den Ductus reuniens auf. Die freie
Sacculuswand besteht aus platten polygonalen Epithelzellen von 2:5 u Höhe, die anliegende Wand abzüg-
lich des Maculagebietes aus cubischen, 5 p hohen Zellen (Taf. VII/VIIL, Fig. 50, S.).
Im Ductus reuniens können wie früher ein proximaler, gestreckter, in der Richtung des ziemlich
Nachen Sacculus verlaufender, 0:44 mm langer (Taf. VII/VII, Fig. 50, Dr.) und ein distaler, nach vorne,
unten, außen zur Schneckenwurzel gerichteter, O° 16 mm langer Abschnitt unterschieden werden. Im proxi-
malen Theile findet sich an der inneren Wand des Ductus reuniens ein O’4 mm langer, im Mittel 0:08 mm
breiter Streifen eines 16 u hohen, einschichtig cylindrischen Epithels, dessen Kerne in basaler Reihe liegen
(Taf. VII/VII, Fig. 50, Mdr.). Die bindegewebige Unterlage ist reichlich von Venen durchzogen. An den
Rändern des Streifens vollzieht sich ein rascher Übergang in das cubische, 4 » hohe Epithel der Umge-
bung; dem Streifen sehr nahe, nur durch die erwähnte Bindegewebslage von ihm getrennt, verlauft der
Nervus ampullaris posterior (Taf. VII/VII, Fig. 50, Nap.).
Die freie Wand des Ductus reuniens ist wie die freie Sacculuswand gebaut (Taf. VII/VII, Fig. 50,
SDR
Der Vorhofblindsack besteht aus 5 u hohen, cubischen Epithelzellen. Er ist äußerlich der ganzen
Länge nach vom dichten Gewebe des späteren Ligamentum spirale und im Bereiche der noch nicht
scharf begrenzten Stria vascularis von Blutgefäßen (Capillaren) umgeben.
In der Mündungsregion des Ductus reuniens in das verjüngte Vorhofende des Ductus cochlearis ist
in letzterem die Papillenanlage der Schnecke sichtbar, die aber noch im Bereiche der Mündung zum Epi-
thel des Caecum vestibulare verflachend endet.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 449
w Entsprechend dem Beginne des Vorhofabschnittes und natürlich auch am Caecum vestibulare selbst
ist die Scala tympani noch nicht entwickelt, während sie im übrigen basalen Schneckentheile bereits vor-
handen ist.
2 Im Ductus cochlearis! ist der periphere Theil des Limbus spiralis bereits kernfrei und der Sulcus
‚spiralis internus der Form nach zu sehen.
| 22. Embryo von 46 mm Länge. Das Schädeldach, sowie einzelne Knochen der Schädelbasis ent-
ar
‚halten bereits a die Labyrinthkapsel ist noch durchaus knorpelig. Das obere Ende des Ductus
"endolymphaticus ist 1'125 mm von der Kopfoberfläche entfernt.
=
Die periphere en besteht aus platten, 21/, » hohen Epithelzellen.
Die Cysterna perilymphatica ist auch im Bereiche des Utriculus nahezu vollständig entwickelt, an
Saswserk
"den Bogengängen ist das Gewebe weniger dicht als früher, perilymphatische Räume sind jedoch nicht
‚vorhanden.
Die Macula sacculi (Taf. VII/VII, Fig. 52) ist in ganzer Ausdehnung mit einfacher, zum Theile dop-
“pelter, peripherer (Taf. VII/VIII, Fig. 52,1) und einfacher, mittlerer Kernreihe entwickelt (Taf. VII/VIIL,
E. 52, 2), die großen Zelleiber der Sinneszellen sind deutlich sichtbar (Taf. VII/VII, Fig. 52), in der nächst
‚ dem Lumen gelegenen Protoplasmazone sind einzelne, in Theilung begriffene, chromatinreiche, Sinneszellen
ı Kerne zu sehen (Taf. VII/VIIL, Fig. 52, 3). Das Neuroepithel ist 32 a hoch, in seiner unmittel-
‚ baren Umgebung finden sich cubische Zellen von 41 Höhe. Zwischen die Knorpelwand des Recessus
‚Sphaericus (Taf. VII/VII, Fig. 52, Rs.) und die membranöse Wand ist ein gefäßreiches, dichtes Binde-
eier eingeschaltet (Taf. VII/VII, Fig. 52 a), welches vom Sacculusnerv durchzogen wird.
Der Ductus reuniens, dessen äußerer Wandabschnitt wie die äußere Wand des Sacculus gebaut ist,
besteht nun auch im inneren Theile aus Plattenepithel, mit Ausnahme eines schmalen, etwa 160 p langen
Streifens von 16 u hohem, einschichtigen Cylinderepithel (Taf. VII/VIII, Fig. 53, Mdr.). Die bindegewebige
‚Unterlage ist wie am Sacculus reich an Blutgefäßen. Die Kerne des Cylinderepithels bilden eine unregel-
mäßige basale Reihe, sind oval und mit der Längsrichtung senkrecht zur Wandrichtung gestellt. Härchen
sind nicht vorhanden, die Lichtung begrenzt ein linearer Rand. Unter rascher Abflachung vollzieht sich
der Übergang in das umgebende Plattenepithel.
Was nun den medialen und den lateralen Wandabschnitt des Duetus reuniens anlangt, so ergeben sich Unterschiede in der
E: und Größe der die Wand bildenden Epithelzellen; bei Beschreibung des 57 mın langen Embryo wird davon ausführlich die
ede sein.
4
r Medial vom Ductus reuniens findet sich ein Bindegewebspolster, das sich zwischen ihn und den
"hinteren Ampullennerv einschiebt. Die knorpelige Vestibulumwand ist hier noch nicht entwickelt.
Bi der De Büne des kurzen Merinindsackes findet sich es Ligamentum an als HUlsıDEn
(Taf. VII/VII, Fig. 51). Am Vorhofe verschmilzt der Vestibulumboden mit dem Knorpelrahmen des
Schneckenfensters. An der Verschmelzungsstelle endet die Scala tympani.
1 Der Schneckencanal ist an der Schneckenbasis mit den mesodermalen Theilen bereits innig verbunden, so dass die Begren-
N ng im Modell axial durch einen die spätere Lamina spiralis treffenden Schnitt, peripher durch die Epithelbegrenzung der Außen
wand (Sulcus spiralis externus, Stria vascularis) dargestellt wird. Das Gleiche gilt von den folgenden Stadien. Die Modellllächen
des Sacculus und Ductus reuniens sind nach der äußeren Begrenzung des Epithels (an der Nervenendstelle nach der des Sinnes-
epithels) gewonnen (s. Einleitung).
450 Gustav Alexander,
Die Scala tympani endet in gleicher Linie mit der Papille. Die glashelle Zone der Crista basilaris ist
ersichtlich und erstreckt sich sogar eine Strecke weit auf den Vorhofblindsack.
Der Schneckenkörper umfasst 3!/, Windungen. Die Scala tympani ist im Vorhofabschnitte, in der
ersten und in der unteren Hälfte der zweiten Windung vorhanden. Die Scala vestibuli erstreckt sich durch
den Vorhoftheil und drei Windungen.
23. Embryo von 53 mm Länge. Die Cysterna perilymphatica vestibuli ist vollständig entwickelt,
Die Labyrinthkapsel zeigt im Bereiche des Recessus hemisphaericus beginnende Verknöcherung, der Pro-
montorialabschnitt ist noch knorpelig !.
Das Neuroepithel des Sacculus ist 29 u hoch, die periphere Wand des Sacculus besteht aus Platten-
epithel von 21/, Höhe. Über den Härchen finden sich zwei Schichten der Otolithenmembran (rothe und
violette, Hämalaun-Eosinfärbung).
Am Neuroepithel kann eine basale (periphere) und eine mittlere Kernreihe unterschieden werden, in
der unmittelbaren Umgebung der Macula sacculi findet sich ein im Mittel 100 a breiter Streifen von 4
hohem, cubischem Epithel, im übrigen besteht die mediale Sacculuswand wie die laterale aus 21/, hohem
Plattenepithel.
Die freie Wand des Ductus reuniens stimmt im Bau vollständig mit der freien Sacculuswand
überein (polygonale 10 u große, 2'/, u hohe Zellen mit rundlichen oder ovalen Kernen). An der medialen
Wand finde ich ebenfalls 21/, u hohes Plattenepithel, dessen Zellen jedoch kleiner sind als die der freien
Wand. Ausführlicher werde ich darüber am Emb:yo von 57 mm Länge berichten.
Cubische oder cylindrische Epithelstellen konnte ich im Ductus reuniens dieses Stadiums nicht
finden, jedoch erstreckt sich ein cubischer Epithelstreif von 4 u Zellhöhe vom Sacculus her in den oberen
Theil des Ductus reuniens. Distalwärts setzt sich das Epithel der anliegenden Wand des Ductus in das
Epithel des Limbus spiralis fort.
Am Vorhofe verschmilzt der Promontorialknorpel mit dem Vestibulumboden; so wird die Pauken-
treppe zunächst verkleinert und endigt blind, nachdem das Endstück von Bindegewebe ausgefüllt ist.
Die Papilla acustica der Schnecke ist hier noch in einem Radiärschnitte sichtbar, in welchem die
Scala tympani als zusammenhängender Hohlraum nicht vorhanden ist. Der Vorhofblindsack ist allseits
von Plattenepithel gebildet, das mit dem der Membrana vestibularis und der freien Wand des Ductus
reuniens übereinstimmt. Die Endigung der Papilla basilaris am Vorhofe entspricht dem postembryonalen
Verhalten (s. u.).
24. Embryo von 57 mm Länge. Der Sacculus ist 1'6 mm lang, in der Mitte O°74 mm breit.
Die dem Recessus saccularis anliegende Wand ist wenig gewölbt, noch flacher die freie Wand: der Sac-
culus stellt jetzt wie in den folgenden Stadien eine ovale, stark abgeplattete Blase dar, hat also die defini-
tive Gestalt erreicht (Taf. III/IV, Fig. 29, S).
Der Ductus endolymphaticus mündet mit ovaler, 0:25 mm:0-1 mm großer Öffnung als platter
Canal in den hornförmig verlängerten Sacculusabschnitt (Taf. III/IV, Fig. 29, Is.).
Der Ductus utriculosaccularis ist durch ein 0° 14 mm langes, 0:07 mm dickes, nach abwärts
convexes Röhrchen dargestellt (Taf. III/IV, Fig. 29, Dus.).
Der Ductus reuniens (Taf. III/IV, Fig. 29, Dr.) ist 0:25 mm lang, 0:11 mm dick. Gegen den
Schneckencanal trichterförmig erweitert, mündet er unter nach vorne spitzem Winkel in den letzteren.
Der Vorhofblindsack, der wie im Stadium von 385 mm das abgerundete, untere Ende des
Schneckencanales darstellt, ist wie dieser von oben nach unten plattgedrückt und 0:28 mm lang
(Taf. III/IV, Fig. 29, Cv.)
1 Was die Bildung der Labyrinthkapsel betrifft, so ist in der Verknorpelung der laterale Theil dem medialen voraus, während
in der Knochenbildung der mediale Theil dem lateralen vorangeht.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 451
E In der Umgebung der häutigen Bogengänge und Ampullen findet sich noch reichlich zum Theile
"schleimig verändertes Bindegewebe. Die Cysterna perilymphatica ist vollständig entwickelt und wie die
- Scalen von blass rothen, feinen Gerinseln erfüllt.
Der Ductus endolymphaticus besitzt im Mittelstücke 4 hohes Cylinderepithel mit kugeligen
Kernen.
k Die Macula sacculi ist unregelmäßig oval (1:34 :0°46 mm) und endet verschmälert im Hinterende
"des Sackes (Taf. III/IV, Fig. 29, a). In den Sinus utrieularis sacculi ragt die Macula, die im hinteren
Theile des Sacculus gelegen ist, nicht vor (Taf. III/IV, Fig. 29, Susa).
vn
Ri An der Otolithenmembran ist eine den Härchen anliegende, rothe und darüber eine violette Zone
erkennbar Das Sinnesepithel hat eine Dicke von 27 p, das Epithel der freien Wand eine Höhe von ZA,
die Wanddicke beträgt 5 p.
Ä Im Ductus reuniens, dessen Wand sonst der freien Sacculuswand fast durchaus gleicht, findet
sich im oberen Theile ein 0:08 mm breiter und 0:26 mm langer Streifen eines einfachen, eylindrischen, 7
"hohen Epithels (Taf. VII/VII, Fig. 55, Dr., Mdr.) mit kugeligen, basal gestellten Kernen, das an den Rändern
rasch-in das umgebende Plattenepithel übergeht (Taf. III/IV, Fig. 29, Mdr.).
r
Eee, : c£ ER 2 : n
a Der übrige, weitaus größere Theil des Ductus reuniens wird durchaus von 2:5 x hohen, polygonalen
kr,
| größe ergeben!
E An der medialen Wand des Ductus reuniens (Taf. VII/VII, Fig. 54, m.) finden sich in dem Bereiche,
in welchem das Epithel an die dicke, bindegewebige Unterlage (Taf. VII/VII, Fig. 54, a) angeheftet ist,
Mu 1 große Zellen, ihre Kerne sind plattgedrückt, erscheinen in der Flächenansicht kreisrund und von 2'/,
Durchmesser, Im übrigen, also vor allem in den freien Wandabschnitten, werden die Zellen 10:5 p groß,
| die Kerne platt und von der Fläche gesehen oval (8:4 pa) gefunden (Taf. VII,VII, Fig. 54, 1., Fig. 55, 1.)
und lassen schöne Kernstructuren erkennen, auch färben sie sich mit Kernfärbemitteln weniger intensiv
_ als die Kerne des wandständigen Epithels. Am histologischen Bilde fällt zuerst der aus der geringeren
E Zellgröße folgende Kernreichthum des wandständigen Epithels auf (Taf. VII/VIIL, Fig. 54, Dr.). Diese
5 Unterschiede erhalten sich dauernd, und Fig. 61 und 62 stellen Flächenansichten des wandständigen und
des freien Theiles des Ductus reuniens vom Neugeborenen dar.
: Plattenepithelzellen gebildet (Taf. VI/VIN, Fig. 54), wobei sich auffallende Unterschiede in der Zellen-
Der untere Rand des Schneckenfensters ist vollständig, der obere (Promontorial-) Rand nur theil-
_ weise, und zwar vor allem in der Nachbarschaft des Vestibulumbodens verknöchert. Die Lamina spiralis
accessoria bildet eine breite, zum Theile knorpelige Leiste. Die glashelle Zone der Außenwand des
| Schneckencanales ist auch den Vorhofblindsack entlang sehr schön differenziert. Die Zellen des Sulcus
sind eine Strecke weit in den Blindsack fortgesetzt. Der periphere Abschnitt der Lamina
spiralis externus
4 Der Vorhoftheil des Ductus
- spiralis ossea ist noch nicht entwickelt, der übrige Theil bereits knöchern.
cochlearis verjüngt sich nach dem Blindsacke, der Schneckenkörper umfasst 31/, Windungen.
Die Scalatympani ist gegen den Vorhof hin noch nicht vollständig entwickelt, so dass sie an der
Schneckenwurzel fehlt und daselbst noch ein bindegewebiges Maschenwerk den Scalenraum an seinem
blinden Ende erfüllt. Der Schneckencanal ist von der freien Sacculuswand 0'834 mm entfernt.
25. Embryo von 66:5 mm Länge. Das Sinnesepithel des Sacculus ist 27 „ hoch und lässt eine
äußere homogene, helle Randzone erkennen. Die Otolithenmembran setzt sich aus einer rothen und einer
violetten Schichte zusammen. Das Epithel der freien Wand des Sacculus und des Ductus reuniens besteht
aus platten, 2'/, » hohen Zellen. Dabei sind die Zellen der freien Wandtheile des Sacculus und des Ductus
reuniens polygonal (etwa 10:5), die Kerne oval, an der anliegenden Wand des Canalis reuniens kleiner,
4 p. groß und die Kerne rund, zugleich färben sich diese Kerne intensiver als die eben genannten. Durch
die Kleinheit der Zellen erscheinen die Kerne in der anliegenden Wand des Ductus reuniens auch dichter
Nervus ampullaris posterior ist jetzt vom Ductus reuniens durch die Bindegewebslage und
gestellt. Der
58
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
452 Gustav Alexander,
durch Knochen getrennt, die Knochenunterlage des Vestibuluminhaltes der Pars inferior ist
damit vollständig entwickelt.
26. Embryo von 70 mm Länge. Der Sacculus ist 1'7 mm lang, in seiner Mitte 1°34 mm breit
und 0:26 mm dick, stellt also ein stark abgeplattetes Bläschen dar (Taf. III/IV, Fig. 30, S.).
Der Ductus reuniens ist 0:6 mm lang, 0:12 mm dick, er verlauft im Anschlusse an das zuge-
spitzte, hintere Ende des Säckchens nach unten, innen, hinten und biegt sodann nach vorne, unten zum
Ductus cochlearis ab, in welchen er mit trichterförmiger Erweiterung mündet (Taf. III/IV, Fig. 30, Dr.).
Der Vorhofblindsack ist platt wie der Schneckencanal selbst und O’14 mm lang (Taf. III/IV,
Fig. 30, Cv.). Er bildet auch in seiner Verlaufrichtung die Fortsetzung des Vorhofabschnittes, ist aber zu
kurz, um ohneweiters die bogenförmige Krümmung erkennen zu lassen.
Der Ductus endolymphaticus mündet als seitlich plattgedrückter, 0:32 :0° 1 mm messender Canal in
den hornförmig ausgezogenen Sacculusabschnitt (Taf. IIJ/IV, Fig. 30, Is.). Der Ductus utriculosaccularis
ist 0:08 mm dick und 0:21 mm lang (Taf. III/IV, Fig. 50, Dus.).
Die perilymphatischen Bogengänge sind noch nicht vollständig entwickelt. Bogengangcommissur
und Ductus endolymphaticus verlaufen an ihrer Kreuzungsstelle in je einem vollständigen, knöchernen
Canal. Der Ductus endolymphaticus besteht aus einem 4 u hohen, mit runden Kernen versehenen
Plattenepithel und ist von dichtem perilymphatischen Gewebe umgeben.
Die Cysterna perilymphatica vestibuli ist vollkommen ausgebild<t und enthält gleichmäßig
zerstreute, blassroth gefärbte Gerinsel.
Das Plattenepithel der freien Sacculuswand ist 3 p, das Neuroepithel der Macula saceuli (Taf. III/IV,
Fig. 30, Ms.) 27 u hoch. Die unregelmäßig ovale Macula misst 1:34 :0'5 mm. Die hellen, schwach sich fär-
benden Protoplasmakörper der Sinneszellen sind deutlich zu sehen: weiters kann man eine periphere,
mehrfache und eine centrale, einfache, an manchen Stellen unterbrochene Kernreihe unterscheiden. Über
den Härchen findet sich die rothe und die violette Otolithenmembranschicht. Die Macula wird von cubi-
schem Epithel von 4 Höhe, weiterhin von 2!/, u hohem Plattenepithel umrandet. Das perilymphatische
Polster des Vorhofabschnittes und des Vorhofblindsackes reicht im Vorhofe weiter als letzterer gegen die
hintere Ampulle einerseits und bis zum Promontorialeontour des Vorhoffensters anderseits.
Die freie Wand des Ductus reuniens ist wie die der freien Sacculuswand gebaut, die anliegende
besteht aus kleineren Epithelzellen als die freie. Die Kerne in der letzteren sind rundlich, tiefblau, in der
freien Wand oval oder bohnenförmig, lichtblau. Im oberen, dem Sacculus benachbarten Abschnitte des
Ductus reuniens findet sich ein 012 mm langer, 0:04 mm breiter Streifen cubischen, mit kugeligen
Kernen versehenen Epithels von 5 u Höhe (Taf. III/IV, Fig. 30, Mdr.).
Im Verlaufe gegen den Vorhofblindsack schwinden im Vorhoftheile des Schneckencanales
zunächst die Pfeiler- und die Härchenzellen, sodann die Claudius’schen und die Hensen’schen Zellen, die
Blindsackwand besteht aus 3 hohem, polygonalem Plattenepithel (wie die Reissner’sche Membran), an
ihrer Außenseite findet sich eine nicht scharf begrenzbare Stria vascularis und eine breite bindegewebige
Grundlage (Ligamentum spirale) mit hyaliner, dem Epithel angeschlossener Zone. Der Übergang des Vor-
hofabschnittes in den Vorhofblindsack vollzieht sich im Bereiche der Mündung des Ductus reuniens. Die
Scala tympani ist an dieser Stelle durch Näherung der Membran des Schneckenfensters sehr klein
geworden, nun verschmilzt, indem ein Bindegewebsnetz die Vorhoftreppe umwegsam macht, die Lamina
spiralis accessoria mit der Wurzel der Lamina spiralis ossea und dem Vestibulumboden. Die dadurch
gebildete Knochenplatte bildet den Hintergrund des Vorhofblindsackes, welchem er angelagert ist. Die
peripheren Abschnitte, d. h. die beiden Lippen der Lamina spiralis schwinden mit dem Aufhören des Ner-
vus cochlearis. Der Vorhoftheil des Schneckencanales ist von der freien Sacculuswand 0:4 mm entfernt.
27. Embryo von 77 mm Länge. Der Ductus endolymphaticus besteht im Mittelstücke und im
Sacculusende, wie der 93 p lange Ductus utriculosaccularis, aus einem 3 hohen Plattenepithel.
|
|
[2 }
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 453
Die freie Sacculuswand besteht aus 2!/, pw hohen, polygonalen Plattenepithelzellen, ebenso die
"innere Wand abzüglich der Macula und des oberen, dem Utriculus nachbarlich gelegenen Stückes; ın
"dem letzteren findet sich cubisches, 4 p hohes Epithel. Das Neuroepithel ist 27 p dick und gleicht im Bau
durchaus dem Stadium von 70mm Länge. Das Epithel, das den Ductus reuniens zusammensetzt, gleicht
dem der freien Sacculuswand, doch fällt der Zell- und Kernreichthum des der Vestibulumwand zuge-
kehrten Abschnittes auf. Die Zellen messen hier 4 p, ihre Kerne sind scheibenförmig und von 2'/, p Durch-
Messer, an der freien Wand zeigen die Zellen 10 5,, die ovalen Kerne (die lichter gefärbt sind als die der
anliegenden Wand) 8:4 1. Durchmesser. Im Bereiche des Ductus reuniens und des »Übergangstheiles«
B
Fist die Labyrinthkapsel verknöchert, und daher sind auch der Nervus ampullaris posterior und die hintere
" Ampulle allseits von Knochen umgeben.
An der Mündungsstelle des Ductus reuniens in den Schneckencanal gehen die freie Wand und
die beiden seitlichen Wände auf die Reissner’sche Membran über, die basale auf den verflachenden Lim-
bus spiralis und das platte Bodenepithel des Vorhofblindsackes (bei Beschreibung der Verhältnisse am
erwachsenen Meerschweinchen wird darauf ausführlicher eingegangen werden).
Der Vorhofblindsack ist klein, besteht aus Plattenepithel, die Zellen des äußeren Theiles der
Schneckenpapilf® und des Sulcus spiralis externus erstrecken sich ein kurzes Stück in ihn hinein. An der
Außenseite des Blindsackes finden sich reichliche Gefäße (Stria vas>ularis) und dichtes, dem Spiralbande
der Schnecke entsprechendes Bindegewebe, dieses letztere ist im Vorhof in der Richtung nach der hin-
teren Ampulle sogar über den Blindsack hinaus fortgesetzt.
Sehr schön konnte ich hier die verzweigten Enden der Zellen des äußeren Papillenabschnittes und der Zellen des Sulcus spira-
externus erkennen An der Schneckenbasis ist das periphere Ende der Cortischen Membran noch mit der Membrana reticularis
verbunden, die Cortische Membran reicht nach außen nicht bis an das obere Ende der Pfeilerzellen.
28. Embryo von 8O mm Länge. Das Sinnesepithel der Macula sacculi mit peripherer, dichter,
einfacher und centraler, weniger dichter Kernreihe ist 27 p dick, über den Härchen findet sich die rothe,
sodann die blaue Zone der Otolithenmembran. In der Umgebung der Macula findet sich cubisches, 4 p.
hohes Epithel mit kugeligen Kernen, sonst wird die mediale Wand von 2!/, hohem Plattenepithel
gebildet.
In den perilymphatischen Bogengängen besteht ein lockeres, bindegewebiges Maschenwerk, die
vollständig entwickelte Cysterna perilymphatica vestibuli enthäl: nur wenige, äußerst zarte Gerinsel.
Die Wand des Ductus reuniens wird aus 21/, ı hohem Pi:ttenepithel gebildet, wobei sich der
anliegende und der freie Abschnitt in der schon oben erörterten Form von einander unterscheiden.
Der Vorhofblindsack besteht aus platten, polygonalen Epithelzellen, und hat sich in Gestalt und
Umgebung nicht geändert.
Im Schneckencanale verschwinden am Übergange in den Blindsack zunächst die Pfeiler und die
ärchenzellen, sodann auch die übrigen Elemente der Papille. Der Limbus spiralis verschmälert sich mit
Dadurch, dass die Membrana tympani secundaria, auf deren Entwicklung noch an anderer Stelle
eingegangen werden wird, sich an die Lamina spiralis ossea anlegt und mit ihr verwächst, zerfällt sie im
Radiärschnitte in zwei Abschnitte, deren kleinerer, oberer das blinde Ende der Scala tympani abschließt.
Ausdehnung voll entwickelt aufweisen.
29. Embryo von 111 mm Länge. Die Labyrinthkapsel ist in allen Theilen verknöchert. In
Die freie Sacculuswand besteht aus 2 a hohem Plattenepithel, das Sinnesepithel ist 27 „. hoch.
58*
4
,
454 Gustav Alexander,
Im oberen Theile des Ductus reuniens, nahe seinem Übergange in den Sacculus, findet sich ein
kleiner, schmaler, hügeliger Epithelstreifen: in seiner Mitte besteht er aus cylindrischem, 5 x hohem, an den
Rändern aus cubischem Epithel (Taf. IX, Fig. 60, Mdr.), im übrigen besteht der Ductus reuniens wie die
periphere Sacculuswand aus Plattenepithel (Taf. IX, Fig. 60, Dr.), wobei in der inneren und äußeren Wand
die Zellunterschiede, die schon oben hervorgehoben worden sind, bemerkt werden können (Taf. IX,
Fig. 61, 62).
An der Peripherie des Vorhofblindsackes findet sich das Ligamentum spirale, das, an Ausdeh-
nung gegen den Vorhof zunehmend, sich unter den Blindsack schiebt (so dass er darauf zu ruhen scheint)
und nach oben in das dichte Bindegewebspolster des Ductus reuniens übergeht. Die Stria vascularis ist
nun auch im Bereiche des Blindsackes scharf begrenzt.
Der Übergang der Schneckenpapille auf das platte Epithel des Blindsackes vollzieht sich in der
schon bei anderen Stadien beschriebenen Art, die Scalatympani reicht genau eben so weit gegen
den Vorhof als die Fasern des Schneckennerven, die Pfeiler- und Härchenzellen sich
erstrecken (Taf. IX, Fig 56, St.; Schnittrichtung s. Figurenerklärung). An der Stelle, an welcher die drei
genannten Gebilde verschwinden, fließt die Lamina spiralis ossea secundaria mit dem Vestibulumboden
zusammen, so dass vor allem für den Vorhofblindsack eine Knochenunterlage geschaffen wird (Taf. IX,
Fig. 57, a), zugleich wird das blinde Ende der Scala tympani, das jetzt einerseits von der erwähnten
Knochenplatte, anderseits vom Rahmen oder der Membran des runden Fensters gebildet wird, weiterhin
vom Randtheile der Membrana tympani ausgefüllt (Taf. IX, Fig. 57, Mts., Cfe., Taf. IX, Fig. 58, Mts., Vb.),
bis endlich die »Bodenplatte« mit dem Rahmen des runden Fensters sich vereinigt, und beide in den Vesti-
bulumboden übergehen (Taf. IX, Fig. 59, Vb.).
30. Neugeborenes (10 Stunden altes) Meerschwein. Der Ductus endolymphaticus
besteht in seinem dem Sacculus benachbarten Abschnitte aus 2 p hohem Plattenepithel.
Das Sinnesepithel der Macula saceuli ist 21 p dick. Die basale Kernreihe ist sehr dicht, die mittlere
nicht überall isoliert entwickelt. Der Ductus reuniens misst Il äußeren Durchmesser und ist
0:85 mm lang.
Der Schneckencanal verjüngt sich nach dem Blindsacke hin, am Blindsacke selbst verstreicht die
Stria vascularis als scharf begrenzter Streifen, doch sind reichliche Capillaren und Pigmenthaufen das
ganze blinde Ende entlang nachzuweisen, das Ligamentum spirale wird schmal und niedrig und geht so
in das Bindegewebspolster des Ductus reuniens über.
Zugleich mit den Sinneszellen der Papille endet die schwingungsfähige Basilarmem-
bran, indem sich unter sie als Boden die aus Zusammenflusse der Lamina spiralis ossea
primaria und accessoria entstandene Knochenplatte schiebt, eine kurze Strecke weiter
einwärts erreicht die ohnehin hier schon kleine Scala tympaniihr blindes Ende.
Der Limbus spiralis verflacht, die cortische Membran hört allmählich spitz zulaufend auf, von den
Elementen der Papille sind nur die Zellen des Sulcus spiralis internus und externus eine kurze Strecke
weiter als die Sinneszellen fortgesetzt, der Boden des Blindsackes wird von platten, polygonalen Epithel-
zellen gebildet, seine Decke stimmt im Bau mit der Reissnerschen Membran überein.
Derglashelle Abschnitt desLigamentum spirale ist wie dieses den ganzenBlindsack entlang ersichtlich.
Der Boden des Vorhofblindsackes besteht aus einem Plattenepithel, das im Bau vollständig mit
dem der medialen Wand des Ductus reuniens übereinstimmt, an der Außen- und Unterseite des Blind-
sackes findet sich das Ligamentum spirale, dessen C'rista basilaris mit dem Aufhören der Basilarmem-
bran verstreicht. Die Stria vascularis reicht bis an den Grund des Blindsackes, allerdings ohne in jedem
Falle peripher scharf gegen das Ligament begrenzt zu sein.
Der Schneckenkörper umfasst 3%/, Windungen, in den perilymphatischen Räumen sind keine
Gerinsel zu sehen, in den Bogengängen sehr lockeres, perilymphatisches Gewebe, in der Labyrinth-
kapsel Knorpelreste.
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 455
& 31. Erwachsenes Meerschwein. Der Sacculus (Taf. III/IV, Fig. 31, 32, S.) ist 182 mm lang,
Ein der Mitte O°98 mm breit und 0°35 mm dick, der Ductus reuniens ist 0:94 mm lang, 0:08 mm dick
gend an seinem in den Schneckencanal übergehenden Ende trichterförmig erweitert (Taf. III/IV, Fig. 31,
FR gegen den Schneckencanal, in welchen er unter nach vorne stumpfem Winkel (etwa 120°) mit
trichterförmig erweitertem Ende mündet.
| Der Vorhofblindsack ist 0:12 mm lang (Taf. III/IV, Fig.31, 32, Cv.), der Ductus endolymphaticus
_ vereinigt sich als 0:44 mm : 0° 12 mm. messender Canal mit dem hornförmig (0° 44 ımm lang) ausgezogenen
Abschnitte des Sacculus (Taf. II/IV, Fig. 31, 32, Is.).
u Der Ductus utriculosaccularis ist 0-13 mm lang, 0:09 mm dick und verlauft nach abwärts schwach
convex (Taf. III/IV, Fig. 31. Dus.).
Der Ductus endolymphaticus besteht aus 2 hohen, polygonalen Plattenepithelzellen mit
zumeist ovalen, scheibenförmigen Kernen, denselben Bau zeigt der im nachbarlich gelegene Sacculus-
_ abschnitt.
Das Neuroepithel der Macula sacculi ist 21 u dick, besitzt eine mehrfache, dichte, basale und
_ unregelmäßige, mittlere Kernschicht, über den Härchen findet sich eine röthliche und sodann eine blaue
‚Ötolithenmembranzone. In der Umgebung der Nervenendstelle findet sich oben und seitlich eine etwa
‚60 y breite Zone eines 4 u hohen, cubischen Epithels, dessen Kernreihe die Richtung der basalen Kern-
reihe der Macula fortsetzt. Im übrigen findet sich sowohl an der freien als an der dem Recessus saccula-
3, Dr.). Er zieht vom Sacculus nach unten, hinten, außen, sodann aus dieser Richtung abbiegend nach
ris anliegenden Wand 2 y. hohes Plattenepithel.
Die Wand des Ductus reuniens besteht an ihrer der Vestibulumwand zugekehrten Seite aus 16:5 1.
großen Zellen mit ovalen (8:4) Kernen, in dem der Cysterne zugekehrten Abschnitte aus 4 p großen
Zellen mit runden, 2!/, » großen Kernen (Taf. IX, Fig. 63, Dr., Dr!.).
Es sind somit am Epithel der Wand des Ductus reuniens diejenigen Unterschiede der
freien und der fixierten Wand zu bemerken, welche ich schon am 46 mm langen Embryo
beobachten konnte.
Am unteren Ende des Ductus reuniens setzt sich seine freie Wand in ungeänderter Structur in
die Membrana vestibularis des Vorhofabschnittes (Taf. IX, Fig. 63, Dr., b.) und die vestibulare Wand des
-Vorhofblindsackes fort (Taf. IX, Fig. 63, Dr., c.).
Das Epithel der inneren, an die Gewebsunterlage festgehefteten Wand (Taf. IX, Fig. 63, Dr.') geht
"unter Umordnung des Epithels in zunächst unregelmäßig radiär verlaufende Züge einerseits in die Epi-
thelzellreihen des Limbus spiralis über (Taf. IX, Fig. 63, Dr.!, a), wobei die Zellhöhe, wie Radiärschnitte
zeigen, zunimmt: anderseits unter Vergrößerung der Zellkörper und Annahme scharf begrenzter, polygo-
naler, länglicher Formen in das Epithel des Sulcus spiralis internus (Taf. IX, Fig. 63, Dr.', 2)
Am Blindsacke bildet das Bodenepithel desselben die unmittelbare Fortsetzung der anliegenden
Wand des Ductus reuniens, mit dessen Epithel es vollständig übereinstimmt. Die Stria vascularis ist
"wie das Ligamentum spirale den ganzen Blindsack entlang fortgesetzt. Wie das Ligament ist auch die
‚dichte, bindegewebige Unterlage geformt, auf welcher der Blindsack ruht, und die nach aufwärts in
das Bindegewebspolster des Ductus reuniens übergeht. Nach hinten und innen finde ich sie bis an die
Crista vestibuli (ampullaris) inferior fortgesetzt. Was den Übergang des Schneckencanales in den Blind-
Sack betrifft, so ergibt sich hier hinsichtlich des Papillenendes und des Endes der Vorhoftreppe das an
alten Embryonen und am neugeborenen Thiere beobachtete Verhalten. Ich kann daher auf die betref-
fenden, oben gegebenen Beschreibungen verweisen.
456 Gustav Alexander,
II. Vergleichender Theil.
ı. Die Formenentwicklung der Pars inferior labyrinthi.
Der ganze Entwicklungsgang des häutigen Labyrinthes gestattet hinsichtlich der Formentwicklung
eine Eintheilung in drei Zeitperioden. Diese drei Zeiträume sind, an Länge untereinander sehr verschieden,
dadurch gegeben und in sich geschlossen, dass die Labyrinthanlage in jedem einzelnen von einer charak-
teristischen Form zu einer charakteristischen gelangt.
Die erste Periode umfasst die Zeit von der ersten Anlage bis zum Beginne des Auftretens definitiver
Formen, während der zweiten Periode wird die Formbildung der Pars superior labyrinthi vollendet, d. h.
es sind am Ende der zweiten Periode alle diejenigen Abschnitte in charakteristischer Form erkennbar, die
am erwachsenen Labyrinth daselbst unterschieden werden.
In der dritten Periode gelangt zunächst die Pars inferior zur vollkommen Entfaltung, weiters
umfasst sie die restliche Entwicklung des Labyrinthes bis zu ihrer Vollendung.
Nach meinem Materiale umfasst die erste Periode die Embryonen von 2#/,— 11mm Länge, in
welchem letzteren Stadium die Bogengangentwicklung aus den Bogengangfalten eingeleitet wird. Zur
zweiten Periode gehören die Embryonen von 11:5—16'5 mm Länge, die dritte Periode schließt mit dem
Neugeborenen.
Ich bezeichne nun diejenigen Abschnitte des fertig gebildeten Labyrinthes, die schon in der ersten
Periode deutlich geformt erkannt werden können, als Abschnitte erster Ordnung, diejenigen, welche
in der zweiten, beziehungsweise dritten Periode zur Entfaltung gelangen, als Abschnitte zweiter,
beziehungsweise dritter Ordnung.
Erste Periode.
Eine deutliche Sonderung des Labyrinthbläschens in Pars superior und inferior ist frühestens am
7:5 mm langen Embryo zu erkennen. Vor dieser Zeit ist der untere und innere Pol des ovoiden Bläschens,
der ungefähr der Region der späteren Pars inferior entspricht, nur dadurch vom oberen verschieden, dass
der letztere flacher, stumpfer ist als der erstere. Auf diese Formverschiedenheit weist auch Boettcher (5)
am Schafembryo hin. Hinsichtlich derAbschnürung vom Hornblatte ist der untere Theil des Grübchens der
ältere, da die Abschnürung in caudocranialer Richtung abläuft, und so bemerkt man am 2°/, mm langen
Embryo etwa Halbkugelform des unteren Abschnittes (Taf. I, Fig. 1). Die nach außen führende Öffnung
ist im oberen Abschnitte gelegen. Der obere Abschnitt weist stärkere Größenzunahme erst auf, nachdem
die Öffnung des Grübchens Canalform angenommen hat und sich der Ductus endolymphaticus in der für
die Säuger bezeichnenden Anlage darstellt (Taf. I, Fig. 2, 3, 4). In dieser Zeit tritt eine Drehung oder
Formverschiebung der Labyrinthblase ein, durch welche die oben, außen gelegenen Theile nach oben,
und die nach innen, unten sehenden nach unten gerichtet werden (Taf. I, Fig. 5, 6).
Die Pars inferior vergrößert sich zunächst durch Längen-, nicht durch Dickenzunahme:
Länge des Embryo Länge der Pars inferior in gerader Linie gemessen
75 mm 0:48 mm 0:42 mm
9 » 0:97 » Ode
Ein proximaler Theil, der gerade nach abwärts gerichtet und spulrund ist, kann an ihr nicht scharf
von einem ein- und vorwärts gekrümmten, abgeplatteten, distalen Theil unterschieden werden (Taf.I,
Fig. 7, 8, 9). Unter weiterer Längen- und geringer Dickenzunahme des distalen Abschnittes (Taf. I,
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 457
| Fig. 10, 11, Pil.) treten im Bereiche des oberen Abschnittes zunächst (10 mm Embryo) zwei flachkugelige
Höcker (Sinus utricularis sacculi und innerer Sacculusabschnitt) auf (Taf. I, Fig. 13, Susa, b). Weiterhin
(Il mm-Embryo) wird nun durch eine unterhalb des Sinus utricularis sacculi entstehende Furche ein
oberer Theil, durch Auftreten einer stumpfwinkeligen Knickung im Bereiche des oberen Endes des distalen
"Abschnittes ein mittlerer und ein unterer Theil sichtbar (Taf. II, Fig. 16): diese drei Abschnitte der Pars
inferior sind deutlich gegeneinander begrenzt und die Betr achtung unmittelbar folgender Stadien
lehrt, dass sie die drei primitiven Abschnitte der Pars inferior darstellen: Sacculus,
uctus reuniens und Ductus cochlearis. Während an dem unmittelbar vorhergehenden
a aium an der Pars inferior nur eine ungefähre Theilung in einen proximalen und
ginen distalen Abschnitt zu erkennen war, tritt jetzt die deutlich erkennbare Dreithe
“lung neu in Erscheinung. Dieser Vorgang fällt wenigstens beim Meerschwein mit dem
"Beginne der Bogengangbildung aus den Bogengangfalten zeitlich zusammen. Der Schnecken-
canal umfasst zu dieser Zeit eine halbe Windung (Taf. II, Fig. 15, 16).
Die Grenze zwischen Pars superior und inferior, die ursprünglich durch eine flache Furche an der
Labyrinthaußenseite gegeben ist (Taf. I, Fig. 7,a), wird bald (11 mm-Embryo) durch zwei winkelig ein-
"springende Falten vorne und hinten begrenzt (Taf. I, Fig. 13, 14): die eine dieser Falten, die vordere, ent-
"wickelt sich zwischen der Anlage der beiden vorderen Ampullen, beziehungsweise des Recessus utriculi
und des Sinus utricularis sacculi, die hintere zwischen der hinteren Ampulle und dem Sacculuskörper
- (Taf. |, Fig. 14). Es handelt sich aber zunächst bei der Vergrößerung der Furchen nicht um eine wirk-
liche Einschnürung, eine Vertiefung der Furchen am Furchengrunde, sondern die Vergrößerung wird
durch das Vorwachsen und die Weiterentwicklung der begrenzenden Randgebilde verursacht. Am Schlusse
- der ersten Periode sind als Abschnitte erster Ordnung differenziert:
{Ye an der Pars superior:
1. die beiden Bogengangfalten mit den drei Ampullen;
“ 2. der Recessus utriculi;
an der Pars inferior:
1. der Sacculus;
2. der Ductus reuniens;
irarg
N
h 3. der Ductus cochlearis.
4
E Die mächtige Entfaltung der Pars inferior in schon so früher Zeit (Taf. I, Fig. 10, 11, Pil.) hängt
wohl damit zusammen, dass die Pars inferior des Meerschweines wie der Rodentia überhaupt, auch im
ausgebildeten Zustande in besonderer Ausdehnung entwickelt ist.
Zweite Periode.
Der Ductus reuniens nimmt zunächst unter geringer Dickenabnahme
Dickendurchmesser
Länge des Embryo Länge des Ductus reuniens De erenene
12 mm 0:2 mm 0:19 mm
16°5 » 0:24 » 0:18 »
an Länge zu.
Er geht nun ganz deutlich aus dem Hinterende des Sacculus hervor und mündet unter nach vorne
stumpfem, später (16°5 mm) unter rechtem Winkel in den Schneckencanal (Taf.II, IlI/[V, Fig. 18—23, Dr.),
an welchem unter zunehmender Länge der Vorhoftheil am 16°:5 mm langen Embryo zu formell guter
Begrenzung gelangt (Taf. III/IV, Fig. 22, 23, Pvde.) ist. Die stumpfwinkelige Abknickung des Vorhof-
abschnittes vom Körper der Schnecke (Taf. III/IV, Fig. 22, 23, Pvde., De.) ist schon von Reichert (20) für
die menschliche Schnecke angegeben worden.
458 Gustav Alexander,
Der Sinus utricularis saeculi nimmt während der zweiten Periode an Länge von 0'19 mm bis
0:37 mm zu.
Der Schneckenkörper erreicht am 16°5 mm langen Embryo eine Länge von 1°/, Windungen; der
Vorhofabschnitt durch eine rechtwinklige Knickung gegen den Ductus reuniens, durch eine stumpfwinke-
lige gegen den Schneckenkörper begrenzt (Taf. III/IV, Fig.22, 23, Pvde.), ist 0:43 mm lang, verlauft gerade-
gestreckt nach außen und ist von der freien Sacculuswand 0:32 mm entfernt. Die Symmetrielinie des
Sacculus und des Ductus reuniens zeigt starke Krümmung und entspricht ungefähr einem Halbkreise
(Taf. IIl/IV, Fig. 20, 21), dessen Durchmesser der Entfernung des oberen Sacculusendes vom unteren Ende
des Ductus reuniens gleichkommt.
Der Schneckencanal zeigt ovalen Querschnitt.
Die hintere Ampulle, die am 12 mm langen Embryo (Taf. II, Fig. 19) vom Ductus reuniens ziemlich
weit entfernt ist, ist ihm am 16°5 nm langen Embryo bis auf einen schmalen Spalt genähert (Taf. III/IV,
Fig. 22, 23).
Die Communicationsöffnung zwischen Pars superior und inferior hat in dieser Periode ihre Größe
(Taf. III/IV, Fig. 21 © +) nicht wesentlich geändert.
Zwischen hinterer Ampulle und Utriculus ist am 16°5 mm langen Embryo ein kurzer röhrenförmiger
Abschnitt, Sinus utricularis posterior, zur Entwicklung gelangt. Mit dem Ende der zweiten Periode sindan
der Pars superior alle nach ihrer Form am ausgebildeten Labyrinthe unterschiedenen Abschnitte ent-
wickelt.
Labyrinthabschnitte zweiter Ordnung:
an der Pars superior:
j. die drei Bogengänge;
2. » » Ampullen;
3. der Sinus utricularis superior;
4. » » » posterior;
d. » Saccus endolymphaticus.
an der Pars inferior:
1. Der Vorhofabschnitt des Schneckencanales.
Dritte Periode.
Der Ductus reuniens (Taf. III/IV, Fig. 24—32) wird mit zunehmender Länge dünner, gegen das Ende
der Entwicklung nimmt jedoch sein Dickendurchmesser ein wenig zu, postembryonal wieder ab.
Länge * Dicke
Länge des Embryo des Ductus reuniens
21 mm 0:32 mm 0:16 mm
24:5» 0:32 » 0:09 »
34:5» 0:51 » 0:09 »
38:5» 0:58 » 0:08 »
DO E 0:66 » Oli
AO 08 » 0-12, 3
Neugeborenes Meerschwein 085 » Ole
Erwachsenes » 0:94 » 0:08 »
Am Ductus reuniens kann weiters ein oberer, gestreckt verlaufender Abschnitt von einem unteren,
stärker gekrümmten unterschieden werden. Auch der Sacculus ist flacher geworden, so dass jetzt die
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 459
nach großem Radius gekrümmt erscheint. Mit der Verdünnung des Ductus reuniens stellt sich eine trichter-
förmige einerseits gegen den Sacculus, anderseits gegen den Ductus cochlearis gerichtetete Erweiterung
seinen beiden Enden her (Taf. IIl/IV, Fig. 26, 27). Er mündet jetzt unter annähernd rechtem Winkel in
Der Vorhofabschnitt der Schnecke, der noch am 21 mm langen Embryo geradegestreckt verlauft
(Taf. III/IV, Fig. 25, Pvdc.), nimmt unter Längenzunahme eine nach abwärts gerichtete Krümmung an. Am
21 mım langen Embryo noch überall von gleicher Dicke, stellt er schon am 245 mm langen Embryo ein
vom Vorhofende aus sich allmählich erweiterndes Rohr (Taf. ILI/IV, Fig. 26, Pvde.) dar, im Querschnitte
anfangs rundlich, wird er queroval und endlich plattgedrückt (38°5 mm-Embryo).
Der Vorhofblindsack tritt verhältnismäßig spät, am 21 mm langen Embryo, als halbkugeliger win-
ziger, aber gegen das Vorhofende des Schneckencanales scharf begrenzter Anhang des Vorhofendes
des Ductus cochlearis auf (Taf. III/IV, Fig. 24, 25, Cv.), in dessen Verlaufsrichtung nach hinten,
innen erihm angepasst ist. Er stellt somit eine Ausstülpung des Vorhofendes des Ductus
eochlearis dar, die jenseits von der Einmündungsstelle des Ductus reuniens in diesen
Während der Weiterentwicklung nimmt nun der Blindsack zunächst an Dicke etwas ab:
Länge des Embryo Dickendurchmesser des Vorhofblindsackes
21 mm ö 0:12 mm
245 » (Da »
345» j 0:07 »
und verliert seine selbständige Form und die formelle Begrenzung gegen den Schneekencanal (34:5 mm-
Embryo) (Tag. III/IV, Fig. 28— 32), dessen blindes, etwas über die Mündungsstelle des Ductus
reuniens hinaus nach hinten innen, verlängertes Ende er nun darstellt. Für die ursprüngliche,
durch die Form gegebene Begrenzung tritt sodann, wie weiter unten gezeigt werden wird, eine geweb-
liche Begrenzung des Blindsackes gegen das Vorhofende des Schneckencanales ein, durch welche die
Selbständigkeit des Blindsackes als besonderer Labyrinthabschnitt auch im fertig ent-
wickelten Zustande gewahrt wird.
Die Entfernung des Vorhofabschnittes vom Saceulus nimmt zu, doch nicht entsprechend der Größen-
zunahme der Theile, so dass gerade in späteren Stadien der nahe Verlauf beider zu einander auffällt und
dieser Verlauf die stärkere Krümmung des unteren Abschnittes des Ductus reuniens bedingt.
Länge des Embryo Entfernung des Vorhofabschnittes von Sacculus
24:5 mm 0:26 mm
345» 01a»
.
Der Grund für dieses Verhalten scheint mir in der Ausbildung des runden Fensters gelegen, durch
dessen Ausgestaltung das Promontorium und mit ihm der Vorhofabschnitt nach auf- und einwärts gegen
den Sacculus verschoben wird.
Das Längenwachsthum der Schnecke ist am 46 mm langen Embryo nahezu vollständig beendet. Auf
die Bildung des Kuppelblindsackes, der weder nach seiner Entstehung noch nach dem feineren Bau sich
‚als dem Vorhofblindsacke entsprechend erweist, soll hier nicht näher eingegangen werden.
Labyrinthabschnitte dritter Ordnung:
an der Pars superior: &
PP PRRE, » inferior: Caecum vestibulare,
» » cupulare.
Denkschriften der malhem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 59
460 Gustav Alexander,
Der Entwicklungsgang der die Pars inferior zusammensetzenden Abschnitte stellt
sich also folgendermaßen dar: Nach erfolgter Theilung des Labyrinthbläschens in Pars superior und
inferior wächst die Pars inferior unter Differenzierung zweier gegeneinander nicht scharf begrenzter Theile
(eines proximalen und eines distalen Abschnittes) in die Länge. Sodann werden Sacculus, Ductus reuni-
ens und Ductus cochlearis gleichzeitig ihrer Form nach sichtbar. Nach Bildung dieser drei Theile schließt
sich später als vierter der Vorhofabschnitt der Schnecke und als fünfter der Vorhofblindsack als selbstän-
dige Ausstülpung des Vorhofendes des Schneckencanales an. Weiterhin geht nun unter Verlängerung
und Verengerung des Ductus reuniens der Vorhofblindsack seiner selbständigen Form verlustig und bildet
schließlich das über den Ductus reuniens etwas nach hinten, innen verlängerte Vorhofende des Schnecken-
canales.
Hervorzuheben ist noch das zeitliche Zusammenfallen des Sichtbarwendens der drei primitiven
Abschnitte der Pars inferior mit der beginnenden Bogengangbildung.
Es ergibt sich somit, dass der Ductus reuniens ein selbständiger, gleichzeitig mit
dem Sacculus und dem Ductus cochlearis aus einem indifferenten Vorstadium der Pars
inferior hervorgehender Labyrinthabschnitt ist. Das Besondere dieser Auffassung ist
darin gelegen, dass danach der Ductus reuniens als dem Saceulus und dem Schnecken-
canal coordinierter, gleichwertiger Abschnitt erscheint: er ist wie diese ein Labyrinth-
abschnitt erster Ordnung.
Der Vorhofblindsack kommt ungleich später zur Entwicklung als der Ductus reu-
niens und ist als Labyrinthabschnitt dritter Ordnung zu bezeichnen. Er erweist sich
jedoch zur Zeit seines ersten Auftretens ebenfalls als selbständiger Labyrinthabschnitt
und stellt erst später nach Verlust der selbständigen Gestalt das abgerundete, blinde,
etwas über den Ductus reuniens nach hinten und innen verlängerte Vorhofende des
Schneckencanales dar.
Literatur:
Hensen(9) führte als erster den Nachweis, dass am Säugerlabyrinthe ein Ductus reuniens als Verbin-
dungsrohr zwischen Sacculus und Ductus cochlearis vorhanden ist, und betrachtete ihn als eine dem
Ductus cochlearis angehörende, von der Membrana Reissneri ausgehende Ausstülpung.
Reichert (20) wandte sich gegen die Auffassung Hensens, nach welcher der Ductus reuniens eine
seitliche Aussackung des häutigen Schneckencanales, und zwar der sogenannten Reissner'schen Membran,
darstelle. Vielmehr sei der Canalis reuniens als unmittelbarer Ausläufer des runden Vorhofsäckchens zu
betrachten, welcher, wie bei der Insertion des Dünndarmes am Blinddarme, etwa unter einem rechten
Winkel an die concave Seite des häutigen Schneckencanales angefügt ist. Der häutige Schneckencanal
selbst tritt wie der Blinddarm über die Anheftungsstelle eine kleine Strecke weit in den knöchernen Vorhof
ein und schließt so mit einem blindsackförmigen Ende ab. »Dieses etwa I mm lange, blinde Ende, an
welchem gleichfalls eine Veränderung in der äußeren Form und’in der Beschaffenheit der Wände bemerk-
bar ist, werde ich den Vorhofblindsack nennen. «
Boettcher (5) hebt hervor, dass die wesentlichen Änderungen bei der Formenentwicklung im unteren
Theile des Schlauches zu finden sind. Man sieht, dass sich die Labyrinthblase kegelförmig zuspitzt und
in dieser Spitze liegt der Anfang des Schneckencanales. Die erste Anlage eines Ductus reuniens findet er an
einem Schafembryo von 2°8 cm Länge, der Ductus reuniens tritt jedoch zu dieser Zeit noch etwas schräg
in den Vorhofabschnitt des Ductus cochlearis ein. Ein Blindsack existiert in diesem Alter noch nicht,
»vielmehr erscheint das gegen den Alveus communis gewendete Ende des Schneckencanales rechtwink-
lig abgestumpft«.
Boettcher gibt von vorneherein keine Grenze des Ductus cochlearis gegen das runde Säckchen.
Er setzt die Bildung des Schneckencanales zu einer Zeit an, zu welcher angeblich ein Sacculus rotundus
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 461
noch nicht besteht und nimmt für den Ductus cochlearis die ganze sackförmige Fortsetzung der Laby-
r nthblase, die ganze primäre Pars inferior labyrinthi, in Anspruch.
Beim Schafembryo von 3°5 cm Länge erscheint der sehr kurze Ductus reuniens gegen das
Schneckenrohr scharf abgegrenzt und tritt jetzt unter rechtem Winkel in dasselbe ein.
Den Vorhofabschnitt, dessen Entwicklung er weiters nicht bespricht, findet er gegen den Körper der
Schnecke fast rechtwinklig abgebogen. An einem Schafembryo von 5:5 cm Länge besitzt der Ductus
feuniens eine Länge von 0:25 mm und eine Breite von 0:15 mm. Am 7 cm langen Schafembryo verengt
ich der untere Theil des Sacculus trichterförmig zum Ductus reuniens, welcher unter rechtem Winkel
den Schneckencanal eintritt.
Über den Vorhofblindsack theilt Boettcher wenig mit, über seine erste Anlage und seine Forment-
wicklung finde ich überhaupt nichts angegeben. Er fasst den Blindsack als den Theil des Schnecken-
canales auf, welcher jenseits der Mündungsstelle des Ductus reuniens gelegen ist.
Nach Schwalbe (25) entsteht aus dem Sacculus ein eigenthümliches, spiralig gewundenesRohr, der
nembranöse Sachneckencanal (Ductus cochlearis). Mit diesen Worten widerspricht er der Behauptung
Boettchers, der (l. c.) die ganze Pars inferior in den frühesten Stadien ihrer Entwicklung als Ductus
eochlearis beträchtet, ‚aus oder an dessen oberem Theile der Sacculus rotundus entsteht.
Hertwig (10) gibt Folgendes über die Genese der Abschnitte der Pars inferior an:
»Während der Metamorphose der Pars superior gehen nicht minder bedeutungsvolle und eingrei-
fende Veränderungen auch an der Pars inferior der Labyrinthblase vor sich und führen zur Entstehung
des Sacculus und des Ductus cochlearis.... Schon frühzeitig wächst aus der Pars inferior nach unten
nd vorn ein enger Schlauch hervor, der sich nach der Medianebene hakenförmig umkrümmt, der
Schneckengang. Dieser nimmt schon bei menschlichen Embryonen von lö mm Größe bedeutend an
Länge zu und beginnt sich dabei in dem weichen, einhüllenden, embryonalen Bindegewebe in Spiraltouren
aufzurollen, und zwar so, dass er beim Menschen in der 8. Woche eine ganze Windung beschreibt und
gegen die 12. Woche (Kölliker) schon ganz ausgebildet ist. Während seiner Vergrößerung sondert sich
'heiden Abschnitte kommt es zur Ausbildung des Ductus reuniens. Über den Vorhofblindsack berich-
tet er.nichts, ebenso sind weitere Angaben über Entwicklung und Bau des Ductus reuniens nicht zu
finden.
Anhang.
Bemerkungen zur Formentwicklung der Pars superior labyrinthi.
Hinsichtlich der Bogengangentwicklung bietet ein 11 mm langer Meerschweinembryo, welchen ich der
Liebenswürdigkeit des Herrn Prof. F. Hochstetter in Innsbruck verdanke, einen merkwürdigen Befund:
linkerseits ist die Bogengangentwicklung am oberen Bogengang bereits eingeleitet (Taf. II, Fig. 15, 16,
7; durch Übereinanderlegen der Wachsplatten in umgekehrter Reihenfolge habe ich, um in Überein-
stimmung mit den übrigen Modellen zu bleiben, ein Modell der rechten Seite erzeugt), während rechts die
Bogengangfalten noch intact waren. Somit besteht hier eine allerdings geringe und wohl bald vorüber-
Besonders will ich auch auf die rasche Entwicklung der Bogengänge aus dem Bogengangfalten hin-
weisen, die am 11mm langen Embryo beginnt und am 12 mm langen im Wesentlichen vollendet ist
59*
462 Gustav Alexander,
Die gemeinsame Tasche des oberen und des hinteren Bogenganges ist am Embryo von 7:5 mm
Länge als flacher, länglicher First sichtbar, der zunächst einfach an Länge und Höhe zunimmt. Am 10 nm
langen Embryo erscheint der hintere Theil der Tasche nach außen gedreht (Taf. |, Fig. 12, Pss., Psp.),
so dass der obere, größere Antheil der Tasche zum hinteren in einen nach außen geöffneten stumpfen
Winkel tritt. Durch die Abknickung der Tasche tritt auch eine Abweichung ihres freien Randes ein, so
dass schon jetzt an der Falte die Anlagen des oberen und des hinteren Bogenganges von einander unter-
scheidbar sind. Ich hebe dies Krause (14) gegenüber hervor, der das Einrücken des hinteren Bogenganges
in seine Ebene in ein viel späteres Stadium (30 mm langer Schweineembryo) verlegt hat, in welchem die”
Bogengänge längst als Canäle vorhanden sind.
Dabei ist wohl nicht leicht anzunehmen, dass dieses Verhalten nur dem Meerschweine eigenthüm-°
lich sein sollte. Mein Modell ist in der Vergrößerung 100:1 angefertigt, das entsprechende Stadium bei
Krause in 70:1, eine Vergrößerung, bei welcher in Anbetracht der Kleinheit der Dinge ein solches”
Detail nur zu leicht im Modell verloren gehen kann.
Die äußere Bogengangfalte tritt am 9°75 mm langen Embryo zum erstenmal auf (Taf. 1, Fig. 11,
Psl.). Sie ist kurz, fach und erreicht auch im Verlaufe ihrer weiteren Entwicklung nicht die Höhe der
anderen Tasche. Bei ihrer Vergrößerung tritt besonders der ampullare Abschnitt buckelförmig vor (Taf. I,
Fig. 14, Psl., Al.).
Am 115 mm langen Embryo (Taf. II, Fig. 17 a, Csl.) finde ich die beginnende Bildung des äußeren
Bogenganges.
Die Ampullenanlagen sind in die der Bogengänge einbezogen. Die obere und die hintere entwickeln
{>} {=} c o-
£
sich aus dem oberen, beziehungsweise hinteren Ende der gemeinsamen, die äußere aus dem Vorderende
der äußeren Bogengangfalte. Die Ampullenregion ist an der Verbreiterung und Abflachung der Falten an
den betreffenden Stellen schon früh zu erkennen (9:75 mm langer Embryo) (Taf. I, Fig. 10, As., Al.).
Genauer kann die Ampullenentwicklung nach der Gewebsentwicklung der Cristae ampullares und dem
Verhalten ihrer Nerven dargestellt werden.
Am 11-5 mm langen Embryo ist nur an der oberen Ampulle, entsprechend dem in der Entwicklung
am weitesten vorgeschrittenen, oberen Bogengange der Suleus ampullaris sichtbar (Taf. II, Fig. 17 a, As.).
=
Am 12 mm langen Embryo sind die Sulci ampullares aller drei Ampullen (Taf. II, Fig. 18, As., Al.)
bereits deutlich zu sehen.
Der Recessus utrieuli ist am 11 mm langen Embryo als umschriebenes Höckerchen (Taf. II, Fig. 16,
Ru.) kenntlich.
Die Literaturangaben geben mir Veranlassung, beiläufig auch die Bildung des Ductus endolympha-
ticus näher zu erörtern. Boettcher (l. c.) beschreibt ihn am Schafembryo als kurzen, gegen das Nachhirn
verlaufenden Fortsatz, der 0:05 mm von der Kopfoberfläche entfernt ist. An jüngeren Stadien, z. B. am
0-9 cm langen Schafembryo beschreibt er die Labyrinthanlage als äußerlich oval erscheinendes Bläschen
und gibt über den Labyrinthanhang überhaupt nichts an.
Später hat auf Grund vergleichend anatomischer Forschung die Ansicht durchgegriffen, dass der
Ductus endolymphaticus der Säuger das Analogon des Rohres sei, durch das sich bei den Selachiern die
Hörblase nach außen oberflächlich öffnet, und wir es entwicklungsgeschichtlich bei den höheren Wirbel-
thieren mit dem Rest jenes ursprünglichen Stieles zu thun haben, durch welchen das Hörbläschen mit dem
Hornblatte verbunden ist. Netto (18) und Camillo Poli (19) haben nun, der erstere nach Untersuchung von
Axolotl-, der letztere nach Untersuchung von Hühnerembryonen die Ansicht ausgesprochen, dass der
Ductus endolymphaticus eine selbständige, nicht aus dem ursprünglichen Stiel des Hörbläschens hervor-
gehende Bildung darstellt und als blind endende Knospe allmählich aus dem Labyrinthbläschen hervor-
wachse. Dagegen hat in neuester Zeit Keibel (11) gegenüber Poli am Hühnerembryo die Entwicklung
des Ductus endolymphaticus aus dem Abschnürungsbezirke des Hörbläschens sicher bewiesen.
Ich kann mich nun nach meinem Materiale, wie die Modelle vom 2:75, 4, 41/,, 55 und 6 mm langen
Meerschweinembryo zeigen (Taf. I, Fig. 1—6) auch bezüglich der höheren Säugethiere der Ansicht Keibels
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 4695
anschließen. Allerdings besteht am 2:75 mm langen Embryo kein eigentlicher Hörbläschenstiel, indem
Sich die im Niveau der Kopfoberfläche gelegene Öffnung der Labyrinthhöhle unmittelbar an die Bläschen-
wand selbst anschließt. Ein Stiel bildet sich erst nach Schluss der ectodermalen Öffnung in der Form des
Ductus endolymphaticus aus. Am Embryo von 4!/, mm Länge (Taf. I, Fig. 3, 4) finde ich das annähernd
jorizontal verlaufende Röhrchen durch eine Furche außen und vorne scharf gegen die Wand des Bläs-
Chens, an das der Ductus tangential angesetzt ist, begrenzt. Mit dem Hornblatte steht der Labyrinth-
nhang zur Zeit noch durch einen kurzen, soliden Streifen ectodermaler Zellen in Verbindung und die
Verbindungsstelle ist äußerlich als Grübehen zu erkennen. Durch das vermehrte Wachsthum der Pars
superior wird nun die Mündungsstelle des Ductus endolymphaticus am Labyrinthbläschen von der Ober-
die Innenseite des Bläschens verschoben (Taf. I, Fig. 5, 6, 7, De.). Die Verbindung des oberen Endes
nit der Epidermis des Kopfes, die noch am 4:5 mm langen Embryo besteht, ist am 55mm langen
jereits gelöst, doch erstreckt sich das freie Ductusende noch,am 6 mm langen Embryo bis unmittelbar an
lie Epidermisoberfläche. Im Laufe weiterer Entwicklung wird die Entfernung des oberen Ductusendes
von der Epidermis immer größer, sie beträgt
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allerdings konnten hier individuelle Abweichungen constatiert werden; so betrug an einer Serie eines
‘ 8 ’ {m}
Embryo nur 83 ı.).
Mit der Bildung der Schädelkapsel wird das freie Ende des Labyrinthanhanges endlich in das Innere
der Schädelhöhle selbst verlegt, doch beträgt seine Entfernung von der Kopfoberfläche noch am 46 mm
langen Embryo 125 mm. Es ist somit sicher, dass beim Meerschwein der Ductus endolymphaticus aus
der ursprünglichen Verbindungsregion zwischen Hornblatt und Labyrinthanlage hervorgeht, und die
Beschreibungen, die sich in manchen Lehrbüchern der Entwicklungsgeschichte finden [Hertwig (10),
Kollmann (13)]|, müssen danach geändert werden. Späterhin wird das freie Ende des Ductus endolympha-
icus abgerundet, der Endbezirk gewinnt, etwas abgeplattet (Taf. |, Fig. 13, De.), mächtig an Ausdehnung
Länge des Embryo l.änge des Ductus endolymphatieus (sammt Saceusbezirk)
45 mın 0-12 mm
55» 02.1
6 » 0:29 3
Spa 0.3»
g- Tor $ 0=932.5
11 » 0-59»
12 » 06 »
16:5 » 1-0,»
Hinsichtlich der Bildung der Labyrinthkapsel am Labyrinthanhange und seiner Gewebsentwicklung
rweise ich auf den beschreibenden Theil meiner Arbeit.
464 Gustav Alexander,
2. Die Gewebsentwicklung der Pars inferior labyrinthi.
A. Die Gewebsentwicklung des Sacculus.
Am 11 mm langen Embryo, an welchem als jüngstem Stadium die drei Hauptabschnitte der Pars
inferior zu sehen sind, nimmt die Neuroepithelanlage des Sacculus noch die ganze mediale Sacculuswand
in Anspruch und hängt nach oben mit dem Neuroepithel der Pars superior breit zusammen, nach abwärts
setzt sie sich continuierlich in den Ductus reuniens fort. In der geweblichen Entwicklung schreitet nun
das obere Maculaende dem übrigen Theile voraus: Ursprünglich ist das Neuroepithel durch ein, wie ich
glaube, vielschichtiges Cylinderepithel dargestellt, dessen Kerne verschieden hoch nach der ganzen Höhe
des Epithels gelagert sind. Die Kerne sind spindelförmig, mit ihrer Längsrichtung senkrecht zur Wand-
richtung, also unter Voraussetzung eines kugeligen Labyrinthbläschens, radıär gestellt (Taf. V/VT,
Fig. 35, 2).
Zunächst kommt es in diesem Epithel zur Entwicklung einer schmalen, dem Lumen zunächst
liegenden, protoplasmatischen Zone, die im oberen Maculaabschnitt zuerst auftritt und sich ziemlich rasch
nach abwärts fortsetzt (Taf. V/VL, Fig. 37, Ms.), so dass sie am 26 mm-Embryo bereits der ganzen Länge
der Macula saceuli entspricht. Weiters lässt sich schon am 12 ımın langen Embryo wenigstens im oberen
Theile der Macula sacculi die Bildung der besonderen Zellen des Neuroepithels erkennen: der Stützzellen
und der Härchenzellen. Die ersteren haben unregelmäßig säulenförmige Gestalt, reichen nach ihrer Länge
durch die ganze Höhe des Neuroepithels, vom Basal- bis zum Lumenrande, ihre Kerne zeigen Spindel-
form, sind mit ihrer Längsrichtung senkrecht zur Wandrichtung und mehr oder weniger basal gestellt.
Die Härchenzellen zeigen Tonnenform mit abgerundetem, basalem Ende, sie reichen vom Lumen-
rande nur etwa ?/, der Neuroepitheldicke basalwärts und besitzen einen etwas unter der Mitte der Zelle
gelegenen kugeligen Kern. Sie verhalten sich nach ihrer Zahl zu den Stützzellen etwa wie 5:15 (die Zäh-
lung lässt sich an Schnitten nach den Kernen mit hinreichender Genauigkeit vornehmen) (Taf. V/VI, Fig. 36,
Ms., Taf. VII/VII, Fig. 52). Die Härchen besitzen eine durchschnittliche Dicke von ?/, u. Nunmehr ent-
spricht, wie ich schon oben bemerkt habe, das Neuroepithel einem umgekehrt zweireihigen Epithel, indem
alle seine Zellen den Lumenrand, nicht aber alle den Basalrand des Epithels erreichen.
Die Bildung dieser Zellen geht nun in der Weise vor sich, dass sich zunächst die am endolympha-
tischen Lumen gelegenen protoplasmatischen Abschnitte entwickeln (Taf. V/VI, Fig. 37, Ms.). Diese Zone
ist aber wohl nicht etwa das Ergebnis einer Dickenzunahme, denn wie genaue und viel-
fache Messungen ergeben, nimmt die maximale Dicke der Labyrinthwand bis zum Alter
des 21 mm langen Embryo weder zu noch ab, sondern beträgt von meinem jüngsten Sta-
dium (2:75 mm) angefangen constant 27 w.
Die Meinung, dass die Neuroepithelanlagen unter Verdickung des Epithels einher-
gehen (Hertwig [|l. c.], Kollmann [|]. c.]), ist daher nicht richtig. Am 2:75 mm langen Embryo zeigt
die ganze Wand des Grübchens bis gegen die ectodermale Öffnung hin die Dicke des späteren Neuroepi-
thels: 27 u. Die Abgrenzung und Formierung der Nervenendstellengebiete ist vielmehr das
Ergebnis des Auftretens der rein epithelialen, dünnen Wandabschnitte als Umgebung der
dicken.
Die protoplasmatische Randzone kann daher nur dadurch zustandekommen, dass die Kerne ein
wenig vom Lumen abrücken.
Aus den mehrfachen, unregelmäßigen Kernreihen bilden sich nun zwei aus: die eine Reihe, die etwa
in mittlerer Höhe das Epithel durchzieht, gehört den Härchenzellen an, deren Zelleiber dadurch im Schnitt-
bilde gut zu sehen sind, dass sie sich wie ihre Kerne weniger intensiv färben als die Stützzellen. Die
andere wird aus den Kernen der Stützzellen gebildet und verlauft im Basaltheile des Neuroepithels: diese
Kerne zeigen gegenüber denjenigen der Härchenzellen, die kugelig, bläschenförmig sind, Spindelform und
färben sich mit Hämatoxylin stärker als sie. Die vollkommen lineare Anordnung der basalen und der mitt-
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 465
jeren Kernreihe habe ich am 46 mm langen Embryo am schönsten ausgeprägt gefunden (Taf. VII/VII,
| Fig. 52). Gegen das Ende der Entwicklung wird die basale Zone stellenweise zweizeilig, so dass sich dann
drei Kernreihen ergeben, die an manchen Stellen des Neuroepithels auch am Erwachsenen gefunden werden.
as die Zell- und Kerntheilung anlangt, so ist es auffallend, dass sich namentlich in der protoplasma-
tischen Zone des Lumenrandes in Mitose befindliche Kerne finden (Taf. VII/VIII, Fig. 52, 3), und nach den
Bildern muss man zur Ansicht gelangen, dass die Kerne bei beginnender Mitose aus dem basalen Abschnitte,
welchem sie dicht gedrängt stehen (aus dieser dichten Lage scheint mir auch die Spindelform ableitbar,
nehmen doch diese spindelförmigen Kerne, wenn sie, den Härchenzellen angehörend, in die mittlere,
weniger dichte Kernzone vorrücken, Kugelform an), in den protoplasmatischen, sonst kernlosen, am Lumen
gelegenen Abschnitt vorrücken, um nach vollzogener Zelltheilung wieder basalwärts zu rücken Die Thei-
Tungsebene ist dabei senkrecht zur Wandrichtung »radiär« gestellt, so dass die neugebildeten Kerne immer
nebeneinander zu liegen kommen (Taf. VII/VIIL, Fig. 52, 3).
Dieses Verhalten bildet eine Bestätigung der Ansicht Altmanns (3), dass alle Ausstülpungen des Ectoderms und Entoderms,
sowie diese selbst, wo sie eine mehr als einfache Zellenlage haben, fast ausschließlich nur in derjenigen Schicht Kerntheilungen
zeigen, welche der Außenscite des ehemaligen Eetoderms entspricht, d. h. in derjenigen, welche vom Mesoderm am weitesten abliegt.
Ebenso beschreibt@auch Altmann bereits die Thatsache, »dass die Richtung der lheilungen fast ausschließlich den Grenzllächen
jener primitiven Organe parallel geht. Altmann hat Hühnerembryonen bis zum Alter von sechs Tagen untersucht.
Zu ähnlichen Resultaten gelangte Koganei (12) nach Untersuchung der Retina verschiedener Säugethiere. Endlich hat Merk
16, 17) zuerst Centralnervensystem und Retina der Natter, sodann das erstere umfassend an verschiedenen Wirbelthieren untersucht
nd ist hinsichtlich der Stellung der Mitosen zu Resultaten gekommen, welchen der oben erwähnte Befund an der Macula acustica
durchaus analog ist.
Somit verhält sich der ectodermale Theil des Gehörorganes in dem besonderen Typus seiner Zell-
vermehrung so wie das Centralnervensystem (abzüglich des Kleinhirnes, das, wie Merk fand, schon frühzeitig an den
erschiedensten Wandstellen Mitosen erkennen lässt) und die Retina.
Diese Art derZellvermehrung müsste, wie Merk (I. c.) ursprünglich annahm, eine tangentiale Spannung in der membranösen Wand
erzeugen, das Bestreben, die Stärke der Krümmung zu verringern, den Krümmungsradius zu vergrößern. Geht nun die Zellvermeh-
ung überall gleichmäßig vor sich, so würde nur vermehrte Spannung der Wand die Folge sein, findet sie sich aber, wie dies am
"Gehörorgane der Fall ist, nur in einem umschriebenen Bezirke, so muss Abflachung dieser Bezirke die Folge sein. Diese Abflachung
‚tritt auch im Laufe der Entwicklung, wie die Modelle beweisen, ein. Freilich nehme ich bei dieser Annahme auf den mechanischen
Einfluss des Umstandes, dass die neugebildeten Kerne, wie schon oben bemerkt wurde, nicht am Lumenrand verbleiben, sondern,
wie die mikroskopischen Bilder ergeben, wieder basalwärts rücken, keine Rücksicht.
Die Entstehung der basalen und der mittleren Kernreihe aus dem ursprünglichen Kerngewirr schrei-
tet von oberem Ende der Macula nach dem unteren vor, so dass am 46 mm langen Embryo die ganze
Maeula die beiden Kernreihen aufweist. An den Rändern der Macula hört die mittlere Kernreihe unter
‚geringem Abwärtssinken auf, die basale setzt sich in der Reihe der Kerne des umgebenden einschichtigen
Epithels fort.
Die Dicke des Neuroepithels erleidet, wenn wir Beginn und Vollendung der Entwicklung berücksich-
tigen, keine Änderung, sie beträgt sowohl im Beginne als gegen Ende der Entwicklung 27 u, wohl aber
tellen sich vorübergehende Änderungen während der Entwicklung ein. Vom 16°5 mm langen Embryo bis
zum 26 nm langen erfolgt nämlich eine Dickenzunahme bis zu etwa 35 p, bald stellt sich jedoch wieder
eine Verminderung ein, so dass am 57 mm langen Embryo das frühere Maß, 27 p, wieder erreicht ist.
Vom 80 nım langen Embryo bis zur Fruchtreife finde ich eine weitere Abnahme der Neuroepithel-
dicke auf 20—23 p, für das erwachsene Meerschwein finde ich 21 . als Durchschnittszahl. ß
Was nun die vorübergehende Zu- und Abnahme der Dicke betrifft, so gelange ich zu folgender Mei-
nung: Ursprünglich entspricht die Zellvermehrung in der Macula der Größenzunahme der Macula in der
Fläche, es ergibt sich daher, wie oben hervorgehoben worden ist, gleichbleibende Epithelhöhle, in der
Periode der Dickenzunahme ist die Zellvermehrung größer, als es der Flächenzunahme der Macula ent-
sprechen würde, es muss sich daher neben der Vergrößerung in der Fläche auch eine Zunahme der Dicke
des Epithels einstellen; unter der verminderten Zellenvermehrung der Folgezeit, und diese lässt sich an
der Zahl der im Epithel vorhandenen Mitosen nachweisen, wird sodann die frühere Dicke wieder erreicht.
4
Die Differenzierung der Kernreihen geht nun so vonstatten, dass sie, nachdem sie ursprünglich
466 Gustav, Alexander,
(Embryo von I2 mm Länge) auf das obere Maculaende beschränkt waren, am 34°5 mm langen Embryo
etwa die obere Hälfte, am Embryo von 46 mm die ganze Macula aufweist. Es ist also bereits am Embryo
von 46 mm Länge das Neuroepithel der ganzen Macula nach seinen Zellarten, den Stütz- und Härchen-
zellen, wie am fertig entwickelten Individuum zusammengesetzt.
Schon am 5:75 mm langen Embryo finden sich unregelmäßige, lädige Auflagerungen an der Lumen-
fläche des Nervenepithelbezirkes. Die erste Anlage deutlicher Härchen und der Otolithenmembran finde ich
am 16°5 mm langen Embryo in Form kurzer Härchenfortsätze und einer darüber liegenden fädigen
Schichte. Auch diese Theile schreiten, mit der Differenzierung der Neuroepithelzellen gleichen Schritt hal-
tend, in der Entwicklung vom oberen gegen das untere Maculaende vor. In älteren Stadien besteht die
Otolithenmembran, zu deren Studium sich allerdings entkalkte Objecte wenig eignen, aus zwei verschieden
gefärbten Schichten: einer an der den Härchen anliegenden Seite fädigen, sonst feinkörnigen Schichte, die
sich mit Eosin, und einer über der ersten gelegenen Otolithenzone, die sich mit Hämalaun (oder Hämat-
oxylin) färbt. In die rothe Schichte sind die Enden der gegen den Maculamitteipunkt im Endabschnitte
convergierenden Härchen eingesenkt, die blaue Schichte entspricht den Ötolithen selbst.
Die Macula sacculi nimmt, nachdem die Lösung von der Maculä utriculi stattgefunden hat (16:5 mm=
Embryo), eine unregelmäßig ovale Form an und hängt zunächst mit der Maculaanlage des Ductus reuniens
(s. u.) zusammen (Taf. III/IV, Fig. 27). Aber schon am 245 mm langen Embryo ergibt sich zwischen beiden
eine Verschmälerung des verbindenden Abschnittes, die zunimmt und zu einer vollständigen Trennung
dieser beiden Maculaanlagen führt (Taf. III/IV, Fig. 28) (34:5 mm-Embryo). Die ovale Macula endet nun
schmal abgerundet im hinteren, verjüngten Abschnitte des Sacculus, sie reicht jedoch nicht in das gegen
den Ductus reuniens verschmälerte Ende, geschweige denn bis in den Ductus reuniens selbst; den Befund
Carls (6), der beim Rind die Macula sacculi »gewissermaßen« ein wenig in den Anfangstheil des Ductus |
reuniens hineinragend gefunden hat, kann ich an meinem Materiale nicht bestätigen. |
Die Nervenendstelle ist weiterhin in der inneren Sacculuswand so gelegen, dass sie den vorderen
Abschnitt des Sacculus und auch den Sinus utrieularis sacculi freilässt. |
Die Macula sacculi nimmt an Größe bis zum 34:5 mm-Embryo gleichmäßig, dem Wachsthum des
Sacculus selbst entsprechend, zu, später ist die Größezunahme geringer und nahezu ausschließlich auf die
Längsrichtung beschränkt.
o- c
Länge des Embryo Größe der Macula saceuli
24-5 mm 0:68:0 24 mm
84:5 » 1.09.30) 37
Dies 1°34:0:46
70 » 1’34:0°5
Erwachsenes Meerschwein 1894...0-5, >
Die äußere, freie, epitheliale Sacculuswand verdünnt sich unter allmählicher Abflachung ihrer Epi-
thelzellen. Das Epithel ist hier bereits am 12 wm-Embryo 16% hoch und einschichtig ceylindrisch; am
21 mm-Embryo fast cubisch, verflacht es weiterhin und bildet am Ende der Entwicklung ein 2 u hohes
Epithel von polygonalen, platten Zellen. Diese Höhe besitzt es auch am erwachsenen Thiere. Die Zell-
kerne sind, solange die Zellen Cylinderform zeigen, spindelförmig und radiär zur Wandrichtung gestellt,
später ändern sie ihre Gestalt mit dem Zelleibe, werden kugelig und endlich mit der Abflachung des
Epithels scheibenförmig, wobei sie mit ihrer Fläche sich der Wandrichtung parallel lagern. Das Epithel
der inneren Sacculuswand, abzüglich der Region der Nervenendstelle, ist noch am 26 mm-Embryo cubisch
und 8 p hoch. Den weiteren Entwicklungsgang veranschaulichen die Zahlen der folgenden Tabelle (S.39).
Nur in der unmittelbaren Umgebung der Macula erhält sich 4 hohes cubisches Epithel, das rasch zum
eylindrischen Neuroepithel ansteigt, und dessen Kernreihe in die Basalreihe der Kerne des Neuroepithels
übergehen.
Pars inferior labyrinthi der Sänugethiere. 467
” Höhe der Epithelzellen der medialen Saeculuswand, abzüglich
Länge des Embryo -
b der Macula saceuli
26 mm SH
88.9.3 5
46 >» 4
ya r® 2-5»
022% 2:5»
Erwachsenes Meerschwein Dh &
Was nun den bindegewebigen Wandtheil, die sogenannte Lamina propria der membranösen Wände
anlangt, so findet sich, nachdem das mesodermale Bindegewebe ursprünglich namentlich an der lateralen
Bläschenwand verdichtet ist, am 16:5 mm-Embryo eine regelmäßige, in Lamellen geordnete Schichte von
Bindegewebszellen. So ergibt sich allmählich eine einschichtige Bindegewebslage an der freien, und ein
dichtes, von den Fasern des Nervus saccularis durchsetztes Polster an der dem Recessus sphaericus zuge-
kehrten Wand. Zwischen dem Polster und dem Basalrande des Neuroepithels gelangt eine homogene, kern-
lose, schmale, mit Eosin färbbare Zone zur Entwicklung; ich habe in dieser Zone (Grenzsaum [Schwalbe],
Basalmembran [Henle], hyaline Tunica propria [Rüdinger]), die sich auch am Erwachsenen findet, keine
Kerne! gefunden.
Das Bindegewebspolster ist reich vascularisiert, ebenso treten, solange die Cysterna perilymphatica
vestibuli noch nicht vollkommen entwickelt ist, reichliche im Maschenwerke verlaufende Blutgefäße an die
freie Sacculuswand heran.
Hinsichtlich des Nervus saccularis ist zu bemerken, dass seine Fasern vom Ganglion acusticum
segen das Epithel hinwachsen, und dass hier der Theil des Nerven, der das obere Maculaende versorgt,
dem übrigen in der Entwicklung voraus ist; auch hier lässt sich in der Entwicklung der Verbindung der
Nervenfasern mit dem Neuroepithel der Macula wie in diesem selbst ein Fortschreiten von oben nach abwärts
wahrnehmen Die feineren Vorgänge sind nach den derzeitigen Conservierungsmethoden der Beobachtung
entzogen, doch sprechen der ganze Verlauf der Zellenentwicklung der Macula und die Befunde, die ich
diesbezüglich am Ductus reuniens gemacht habe, dafür, dass die Differenzierung der Faden- und Stütz-
zellen, die Anordnung der Kerne in die Kernreihen, unter dem Einflusse der bereits mit dem Epithel in
Verbindung getretenen Nervenfasern vor sich geht, und dass die Entwicklung der genannten Theile von
dieser Verbindung abhängt.
B. Die Gewebsentwicklung des Ductus reuniens.
Zunächst soll auch hier das Verhalten des Epithels erörtert werden.
Am Il mm langen Embryo, dem frühesten Stadium, an welchem der Ductus reuniens als deutlich
begrenzter Abschnitt (s. o.) auftritt, besteht der innere, später wandständige Theil des Röhrchens aus einem
vielschichtigen, cylindrischen, 27 u hohen Epithel, das ganz mit dem der Maculaanlage des Sacculus überein-
stimmt, und nach oben breit mit der letzteren, nach unten mit der Nervenendstelle des Schneckencanales,
die sich in diesem Alter im Bau von den Maculaanlagen nicht unterscheidet, zusammenhängt. Somit ist in
diesem Stadium der ganze innere Wandtheil der Pars inferior durchaus von den Maculaanlagen in
Anspruch genommen, und da, wie das Modell dieses Stadiums zeigt (Taf. II, Fig. 15, 16), Sacculus, Duc-
tus reuniens und Ductus cochlearis hier schon deutlich ausgebildet sind, so kommt jedem dieser drei
Theile ein Antheil an der Nervenendstellenanlage zu, und besitzt der Ductus reuniens ebenso eine
Maculaanlage wie der Sacculus und der Ductus cochlearis.
Am 12 mm langen Embryo (Taf. V/VI, Fig. 35) hat sich dieses Verhalten nicht geändert.
I Von Schwalbe (I. c.) werden solche beschrieben.
Denkschriften der mathem.-naturw, Cl. LXX. Bd. 60
468 Gustav Alexander,
Am 16:5 mm langen Embryo stehen die Kerne der Neuroepithelanlage noch ungeordnet in
verschiedenen Höhen des Epithels, doch ist bereits eine schmale Protoplasmazone am Lumenrande sicht-
bar, es finden sich hier, wie am Saceulus, spärliche, fädige Auflagerungen an der Lumenfläche (Taf. V/VI,
Fig. 37).
Es besteht also hier völlige Übereinstimmung mit der mittleren und der hinteren
Partie der Maculaanlage des Sacculus desselben Alters. Ähnliches Verhalten ist auch noch am
21 mm langen Embryo zu constatieren (Taf.V/VI, Fig. 40 Dr). Am 245 mm langen Embryo ist die Papilla
basilaris, die hier im Vorhofabschnitte bereits die Epithelwülste erkennen lässt, von der Maculaanlage des
Ductus reuniens getrennt (Taf. IIl/IV,Fig.27). Diese ist bei einer Länge des Ductus reuniens von 032mm nur
0:26 mm lang, 0:06 mm breit und lässt den distalen Theil des Canales frei. Nach oben verschmälert sie
sich und hängt durch eine schmale Brücke mit dem Hinterende der Maculaanlage des Sacculus zusammen,
mit der sie bei einer Höhe von 27 u vollständig übereinstimmt.
Ähnlichen Befund bietet der 26 mm lange Embryo, die Verbindungszone gegen die Macula sac-
ceuli zu ist noch schmäler worden, der Neuroepithelstreif lässt eine doppelte bis dreifache, basale (unregel-
mäßige) Kernreihe und eine breite, dem Lumen zugekehrte Protoplasmazone erkennen, in der spärliche
Mitosen zu sehen sind, er ist 85 p hoch und verflacht an den Rändern; von Anlage einer Otolithenmem-
bran ist hier und auch in den weiteren Stadien nichts zu sehen.
Am 845mm langen Embryo misst der Streifen, der Hügelform zeigt, 0:45:0 07 mm und
besteht im Innern aus einreihigem, 16 » hohem Cylinderepithel mit basal gelagerten Kernen (Taf. III/IV,
Fig. 28, Mdr.). An den Rändern vollzieht sich ein allmählicher Übergang zum cubischen Epithel der
Umgebung.
Am Embryo von 46 mm Länge finde ich den Streif 0:16 mm lang und aus 16 u hohem Cylinder-
epithel gebildet (Taf. VII/VII, Fig. 53, Mdr.).
Der weitere Rückbildungsvorgang, der zum endlichen Verschwinden des Epithelstreifens führt, scheint
mir nicht an bestimmte Altersstufen gebunden zu sein, er ist jedoch am Neugeborenen jedenfalls bereits
beendet, und so enthielt auch im vollkommen entwickelten Zustande der Ductus reuniens in keinem ein-
zigen Falle eine umschriebene Zellgruppe von cylindrischen oder cubischen Epithelzellen.
Am 57 mm langen Embryo (Taf. VII/VII, Fig. 55, Mdr.) finde ich im Ductus reuniens eine Gruppe
von 7 hohen, cubischen Epithelzellen in einer Ausdehnung von 0°26:0°08 mm, deren Lage und Form
das Modell in Fig. 29 (Mdr.) veranschaulicht, am 70 mm langen Embryo (Taf. III/IV, Fig. 30, Mdr.)
messen die Zellen des Streifens nur 5 x Höhe und sind cubisch, der Streifen ist wesentlich kleiner worden
und misst 0:12:0:04 mm.
Am SOmm langen Embryo ist der Streifen gänzlich verschwunden und die epitheliale Ductuswand
besteht hier durchaus aus Plattenepithel.
Ein ähnlicher Befund ergab sich am 53 mm langen Embryo, an welchem ebenfalls von einem cubischen oder cylindrischen
Epithelstreifen im Ductus reuniens Nichts zu sehen ist. Anderseits fand ich in einem Falle am 111 mm langen Embryo in dem an
den Sacculus grenzenden Theile des Ductus reuniens einen Streifen 6—8 cubischer, 5 y. hoher Zellen (Taf. IX, Fig. 60), der sich
allerdings nach aufwärts bis an die Macula sacculi erstreckte, und von welchem ich daher annehmen muss, dass er der Zone
eubischen Epithels, die die Macula sacculi wie die Nervenendstellen der Pars superior umrahmt, angehört, das sich in diesem Falle
eben ein wenig in den Ductus reuniens hineinerstreckt. Eine isolierte Gruppe eubischen Epithels, welche die Überbleibsel der
ursprünglichen Sinnesepithelanlage des Ductus reuniens unzweifelhaft darstellen würde, war aber in keinem Falle vorhanden. Über
einschlägige Befunde am Menschen und anderen erwachsenen Säugern wird an anderem Orte berichtet werden.
Die freie Wand des Ductus reuniens stimmt in der Umformung ihres Epithels im Laufe der Entwick-
lung vollständig mit der freien Sacculuswand überein, und so findet sich hier am Ende der Entwicklung
ein Plattenepithel, das sich aus 2 hohen, polygonalen, durchschnittlich 9:51 messenden Zellen mit
ovalen, plattgedrückten, sich mit Hämatoxylin blass blau färbenden, 5:25 1 großen Kernen zusam-
mensetzt.
Wie verhält sich nun die mediale Wand des Ductus reuniens abzüglich des Cylinderepithelstreifens?
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 469
Am 24-5 mm-Embryo finde ich da cubisches, 7 p hohes Epithel, wie an der freien Wand, das in der
‚unmittelbaren Umgebung des Cylinderepithelstreifes zu einem cylindrischen ansteigt. Am 26 mm-Embryo
51, am 46 mm langen 4 u hoch, verhält sich weiterhin dieser Wandtheil wie der freie, doch sind seine
Zellen, wie die Abbildungen (Taf. IX, Fig. 61, 62) zeigen, von dem freien Wandepithel verschieden: die
Zellen sowie die Kerne sind kleiner, die letzteren sind von kreisrunder, scheibenförmiger Gestalt und
färben sich mit Kernfärbemitteln stärker als die ovalen Kerne des freien Wandepithels.
Was das perilymphatische Gewebe betrifft, so verhält sich der Ductus reuniens im freien Rohr-
abschnitte wie die freie Sacculuswand, der wandständige Rohrtheil ruht auf einer dichten Bindegewebs-
‚unterlage, die, allerdings nicht von Nervenfasern durchzogen, mit dem Polster des Sacculus übereinstimmt,
anderseits aber dem Ligamentum spirale ähnelt: distal hängt es mit diesem, proximal mit dem Polster des
Sacculus continuierlich zusammen.
Beiläufig sei hier bemerkt, dass diese dichten Bindegewebslager, welche sich zwischen die Knochen-
Näche des Recessus sphaericus und die Maculawand des Sacculus einschieben, durch welche weiters der
Ductus reuniens und der Vorhofblindsack an ihrer Unterlage festgehalten werden und die endlich als Liga-
‚mentum spiralg als Fixationsmittel des Ductus cochlearis dienen, am Erwachsenen ein zusammenhän-
gendes Ganzes darstellen. Auch ist derartiges dichtes Bindegewebe der Pars inferior laby-
rinthi eisenthümlich, es fehlt der Pars superior gänzlich.
Zu erwähnen ist noch, dass der Ductus reuniens in unmittelbarer Nähe des Sinus utricularis poste-
rior und der hinteren Ampulle gelegen ist und, dass lange nachdem im Bereiche des Recessus sphaericus
die knorpelige Kapsel gebildet ist, die genannten Theile nur durch eine dichte Mesenchymlage voneinander
getrennt sind (Taf. VIl/VII, Fig.48, Dr., Nap.). Die knorpelige Scheidewand, die bald verknöchert, ist erst am
66°5 mm langen Embryo vorhanden.
Nervenfasern, die sich zur Neuroepithelanlage des Ductus reuniens begeben, habe ich trotz sorg-
fältiger Untersuchung nicht nachweisen können; in der nächsten Nähe des Canales verlauft der hintere
Ampullennerv und ist bis zur Ausbildung der eben erwähnten Scheidewand nur durch eine Bindegewebs-
lage von ihm geschieden. Zudem glaube ich aber, dass gerade das Fehlen irgend welcher, zur Macula-
anlage des Ductus reuniens sich begebender Nervenfasern die Ursache der vollständigen Rückbildung
dieser Sinnesepithelanlage abgibt.
Welche Thatsachen veranlassen die Annahme der embryonalen Anlage ‘einer Macula
acustica ductus reunientis?
Ich habe schon oben im beschreibenden Theile und jetzt bei Erörterung des Entwicklungsganges
des Ductus reuniens den cylindrischen, später cubischen Epithelstreifen, der sich im oberen, an den Sac-
eulus grenzenden Abschnitt des Ductus reuniens findet, als Rudiment einer »Macula acustica ductus
‚reunientis« angesprochen, die als eine mit der Macula sacculi im Baue übereinstimmende Sinnesepithelstelle
angelegt wird und noch in embryonaler Zeit zugrunde geht. Im folgenden sind nun die Thatsachen
zusammengefasst, welche mich zu dieser Annahme veranlasst haben.
Fürs erste entwickelt sich der Epithelstreif bis zum Alter des 21 mm langen Embryo in durchaus mit
der Macula sacculi übereinstimmender Form. Die ganze Anlage aber etwa dem unteren Theile der Macula
sacculi angehörend zu betrachten und einfach ihr zuzurechnen, geht darum nicht an, weil ja bereits am
Il mm langen Embryo, wie das Studium der Formentwicklung ergibt, der Ductus reuniens nach seiner
Form deutlich nachweisbar ist. Anderseits muss am 21 mm langen Embryo hohes cylindrisches Epithel
der ectodermalen Labyrinthwand als Nervenendstellenanlage angesprochen werden, da in diesem Alter
die rein epithelial bleibenden Stellen bereits an ihrem einreihigen, cubischen Epithel zu erkennen sind,
und der Bau, welchen in diesem Stadium beispielsweise der mittlere und der untere Abschnitt der Macula
sacculi zeigt, vollständig mit der im Ductus reuniens gefundenen Anlage übereinstimmt. Während aber
die ebengenannte Macula sacculi-Anlage durch Differenzierung der Sinneszellen zur Macula sacculi
60*
470 Gustav Alexander,
wird, geht die Maculaanlage des Ductus reuniens unter Ausbleiben einer solchen weiteren Differenzierung
zugrunde.
Den Rückbildungsvorgang der Verflachung der Anlage veranschaulicht die folgende Tabelle, sie
gestattet auch den Vergleich mit anderen, gleichfalls Dickenänderungen unterworfenen Regionen des epi-
thelialen Labyrinthes:
Länge u La der ee rn nt ERunEIBSRE
des Embryo ae des Saceulus und Umgebung endo- Pe.
neh: des Ductus reuniens | der Macula saceuli | Iymphaticus ö
Il mm ZT W 10 u _ 13 1. 27 yp
12 27 8 _ 11 27
14 27 S == 10 27
16°5 27 8 _ 10 27
17 27 S —_ 10 27
21 29 S - 10 27
245 32 8 — 10 27
26 35 5 E= 10 30
r 345 33 4 _ 10 16
38-5 32 2-5 dp 4 16
46 29 2:5 4 ZE 16 —26
93 27. 20 t 4 16-26
57 27 2-5 t 4 T
665 27 25 t E 7
70 27 2.5 4 A
77 27. 2-5 4 3 >
80 27 2-5 4 3 3
111 27 20 Ei 3 2
10 Stunden 21—23 2 4 3 | 2
Erwachsen 21 2 4 2 2
Bis zum Alter des 26 mm langen Embryo weist der cylindrische Zellstreif im Ductus reuniens Zunahme seiner Epithelhöhe auf,
Jie wenigstens im centralen Theile des Streifens sich nur wenig von der Epithelhöhe der benachbarten Macula sacculi unterscheidet
(s. Tabelle). Im Bau stimmt er mit dem Theile der Macula sacculi überein, in welchem die Härchenzellen noch nicht sichtbar sind.
Mit diesem Stadium wird die allmähliche Abflachung des Epithelstreifens eingeleitet, die aber zunächst mit seiner vollständigen Iso-
ierung von der Maculaanlage des Sacculus einhergeht (Taf. III/IV, Fig. 28), nachdem schon früher am 24:5 mm langen Embryo die
Trennung des Zellstreifens von der Nervenendstellenanlage der Schnecke erfolgt ist (Taf. III/IV, Fig. 27).
Man könnte nun einwenden, dass zur Annahme einer rudimentären Macula acustica des Ductus reuniens der Nachweis von
n der fraglichen Region vorhandenen Härchenzellen und zugehöriger Nervenfasern nöthig wäre. Dagegen kann ich nur sagen, dass,
falls sich daselbst solche Gebilde fänden, die Maculaanlage des Duetus reuniens dann nicht im Laufe der Entwicklung zugrunde
gienge, sondern sich postembryonal als functionierende Nervenendstelle finden müsste.
Ich erblicke das ursächliche Moment für die nach der Embryonallänge von 26 mm
sich einstellende Rückbildung im Fehlen irgendwelcher, an das Epithel herantretender
Nervenfasern: Das Neuroepithel des Ductus reuniens entwickelt sich, meiner Ansicht nach, soweit, als
sich ein Sinnesepithel überhaupt, ohne mit seinem Nerv in Verbindung zu treten, entwickeln kann: die
Kerne rücken, in mehrere Reihen übereinander gestellt, basalwärts, es bildet sich eine gegen das Lumen
hin gelegene, protoplasmatische Zone aus und fädige Auflagerungen lassen, wenn auch nur für kurze Zeit,
die beginnende Otolithenmembranbildung erkennen. Vergleichen wir nun diese Anlage mit einer ent-
wickelten Macula, so ergibt sich, dass sie nur die Stützelemente enthält. Das Neuroepithel im engsten
Sinne: die Sinneszellen fehlen darin und gelangen in der Maculaanlage des Ductus reuniens auch später
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 471
nicht zur Entwicklung. An der Macula sacculi konnte ich aber bei der Differenzierung der Härchenzellen,
die ja, wie oben gezeigt worden ist, craniocaudal vorschreitet, feststellen, dass sich an den Präparaten in
den Regionen, welche entwickelte Härchenzellen besaßen, auch Nervenfaserzüge bis an das Epithel
verfolgen ließen. Über die Endigung der Fasern an den Härchenzellen selbst konnte ich in so frühem Alter
freilich keinen Aufschluss erlangen, doch geht aus diesem Verhalten hervor, dass die Bildung der Härchen-
zellen vom Vorhandensein der zugehörigen Nervenfasern abhängig ist.
Da sich nun dieser Zusammenhang an der Maculaanlage des Ductus reuniens infolge des Fehlens
der Nervenfasern nicht herstellt, so kommt es zur Rückbildung der Anlage selbst, das Epithel wird ein-
schichtig cylindrisch (mit einfacher, basaler Kernreihe), verliert noch weiter an Höhe, wird cubisch, und
ndlich verschwindet der kurzgewordene, cubische Epithelstreif vollständig.
Was den Rückbildungsmodus der Maculaanlage des Ductus reuniens in den späten Stadien, etwa
von 46 mm aufwärts, betrifft, so, glaube ich, wird man bei Untersuchung einer größeren Zahl gleich-
alteriger Objecte gewiss Verschiedenheiten entdecken, indem im einen Falle sich weiter vorgeschrittene
Abflachung ergibt als im anderen. Auf zwei Fälle solcher Art konnte ich schon oben (S.40) hinweisen, und
sie entsprechen der großen Variationsbreite, die bezüglich des Rückbildungsganges rudimentärer Organe
überhaupt zur Beobachtung gelangt.
Noch ist auf diejenigen Unterschiede hinzuweisen, die der cylindrische Epithelstreif gegenüber dem
Entwicklungsgange der rein epithelialen Wandtheile erkennen lässt, deren Zellen ja auch im Laufe fort-
schreitender Entwicklung bedeutend an Höhe verlieren. Ich glaube, dass da der Vergleich der in der oben
stehenden Tabelle angeführten Zahlen darthut, dass es sich in dem cylindrischen Zellstreifen sicher um
keinen rein epithelialen Wandabschnitt handeln kann: Schon am 11 mm langen Embryo beträgt die Höhe
des Zellstreifens 27 u gegenüber IO u als Höhe der freien Sacculuswand, gegenüber 13 u als Höhe des
Epithels des Ductus endolymphaticus, und im Laufe der Verflachung, die bei allen drei genannten Theilen
sich einstellt, ist die Epithelhöhe am 38:5 mm langen Embryo an den rein epithelialen Stellen bereits auf
2-51 gesunken, während zu dieser Zeit an der fraglichen Stelle des Ductus reuniens noch cylindrisches,
16 u hohes Epithel gefunden wird.
Aber auch die Regionen cubischen Epithels, die sich am Erwachsenen in der unmittelbaren Umge-
bung der vestibularen Nervenendstellen finden, weisen einen von dem des cylindrischen Zellstreifens des
Ductus reuniens gänzlich verschiedenen Entwicklungsgang auf (s. Tabelle): sie haben ihre definitive Zell-
höhe von 4 u bereits am 46 mm langen Embryo erreicht, zu einer Zeit, zu welcher sich an der erwähnten
Stelle des Ductus reuniens noch 16— 26 1. hohes Cylinderepithel findet.
Der Entwicklungsgang der fraglichen, im Ductus reuniens gelegenen Epithelstelle
ist somit gänzlich von dem eines rein epithelialen Wandabschnittes verschieden, so
dass die Annahme, sie entspreche einem solchen, keine Berechtigung besitzt. Ander-
seits leiten die bedeutenden Ähnlichkeiten, die, wieoben erwähnt worden ist, zwischen
dem Entwicklungsgange der Macula acustica und demjenigen der im Ductus reuniens
sefundenen, cylindrischen Epithelstelle bestehen, zur Annahme, dass wir es mit einer
tudimentären Macula acustica ductus reunientis zu thun haben.
Mit dem Längenwachsthum des Ductus reuniens geht vorerst eine Abnahme des Lumendurch-
messers einher, später bleibt dieser constant und der Canal wächst nur in die Länge. Ob das Längen-
wachsthum des Ductus reuniens gleichmäßig vor sich geht, oder der Canal in seinem unteren Ende stärker
in die Länge wächst als in dem übrigen Abschnitte, lässt sich nicht vollständig entscheiden. Die Befunde
am Erwachsenen sprechen für das letztere.
Am erwachsenen Säugethiere hat der Ductus reuniens seine Gestalt als nervenstellentragender
Abschnitt der Pars inferior eingebüßt. Die Gestalt des ausgebildeten Ductus reuniens, des schmalen
Canales zwischen dem weiten Sacculus und dem Ductus cochlearis, war ursprünglich auch für mich das
ausschließliche diagnostische Merkmal des Ductus. Hätte ich die Maculaanlage in einem Stadium gesehen
in welchem das Lumen des Ductus reuniens gegenüber dem des Sacculus noch nicht verengt ist, später
472 Gustav Alexander,
aber nicht mehr, so wäre ich nicht berechtigt, von einer Maculaanlage im Ductus reuniens zu sprechen.
Der Ductus reuniens wäre dann wie der Vorhofblindsack ein Product späteren Wachsthumes, von vorne
herein epithelialer Natur, von vorneherein bloß ein Verbindungscanal zwischen Sacculus und Ductus coch-
learis. Es wurde jedoch gezeigt, dass der Ductus reuniens eine Nervenendstellenanlage besitzt, und dass
die Rückbildung dieser Nervenendstelle mit einer Verlängerung und Verengerung des Canals, mit einer
Zunahme der Lumendifferenz zwischen Sacculus und Ductus reuniens Hand in Hand geht. Es spricht
dies sehr dafür, dass wir im Ductus reuniens der Säugethiere das Rudiment eines Labyrinth-
abschnittes zu sehen haben, der vielleicht an Thieren, welche einen Ductus cochlearis
nicht besitzen, voll ausgebildet ist: dieser Abschnitt müsste eine von der Macula sacceuli
mehr weniger vollständig isolierte, im Baue derselben gleichende Nervenendstelle
besitzen, an welche sich ein Ast der Pars inferior nervi acustici verästelt, und weniger die
Form eines gestreckten Canales, als vielmehr die eines geräumigen breiten Fortsatzes des
Sacculus zeigen (s. u.).
€. Die Gewebsentwicklung des Vorhofblindsackes,
Der Vorhofblindsack tritt (ungleich später als der Ductus reuniens) zum erstenmal am 21mm langen
Embryo als hohle Epithelknospe des Vorhofendes des Schneckencanales auf (Taf. V/VI, Fig.39) auf. Seine
Wand besteht hier aus cylindrischen, 13 #» hohen Epithelzellen, im weiteren Entwicklungsgange wird das
Epithel rasch flacher. Schon am 26 mm langen Embryo ist es cubisch und 5 u hoch, am 38-5 mm langen
Embryo platt und von 2:5 u Höhe. Nachdem sich so Übereinstimmung mit dem Baue der freien Sacculus-
wand und der Membrana vestibularis hergestellt hat, finde ich am Ende der Entwicklung die Epithelwand
des Blindsackes aus 2:5 u hohen, am erwachsenen Thiere aus 2 » hohen Plattenepithelzellen gebildet.
Der Blindsack wird also rein einschichtig epithelial angelegt und entwickelt sich in
typischer Form als Labyrinthabschnitt, dem keine Nervenendstelle zukommt.
Die scharfe Grenze, in welcher sich der Blindsack am 21 mm langen Embryo vom Schneckencanale
absetzt (Taf. III/IV, Fig. 24, 25), geht, nachdem sie schon am 24-5 mm langen Embryo (Taf. III/IV,
Fig. 26, 27) undeutlich geworden ist, bald verloren und der Blindsack bildet sodann einfach das abgerun-
dete, eine kurze Strecke über die Mündungsstelle des Ductus reuniens verlängerte Ende des Schnecken-
canales (Taf. III/IV, Fig. 28—32). i
Es ist nun zu untersuchen, ob nach dem Schwinden der ursprünglich durch die Form gegebenen
Abgrenzung des Blindsackes gegen das Vorhofende des Ductus reuniens die Gewebsentwicklung eine
Begrenzung gestattet:
Am 21 mm langen Embryo ragt der Blindsack in das lockere perilymphatische Gewebe des Vor-
hofes vor (Taf. V/VI, Fig. 39 Cv.), bald verdichtet sich aber das Bindegewebe der Umgebung und vom
Vorhofende des Schneckenrohres setzt sich der periphere Bindegewebstheil, das spätere Ligamentum spi-
rale, längs des ganzen Contours des Blindsackes und sogar über sein blindes Ende hinaus fort (Taf. V/MI
ig. 44,2). Dieser Theil des Ligamentum spirale entwickelt sich in der Folgezeit wie das Ligamentum spi-
rale der Schnecke, nur besteht hinsichtlich seiner Lage der Unterschied, dass er nicht nur die Außenwand
des Blindsackes umgibt, sondern sich auch unter ihn schiebt, so dass der Blindsack auf einem Binde-
gewebspolster (wie der Sacculus und der Ductus reuniens) ruht (Taf. IN, Fig. 56—59, Lsp.). Sonst aber
besitzt auch er die glashelle Zone der Crista basilaris, bilden sich auch an ihm an der dem Lumen zuge-
wendeten Seite reichliche Capillaren und endlich die Stria vascularis als scharf begrenzter Streif, in
welchem sich sowohl in den Gefäßzellen der Capillarıwand als in den Epithelzellen und zwischen den-
selben dunkelbraunes, körniges Pigment findet.
An der Basalwand des Caecum vestibulare bildet sich gegenüber der Basilarmembran eine Grenze
dadurch, dass die letztere bis an ihr äußerstes Ende eine Nervenendstelle besitzt, während eine solche
dem Caecum fehlt. Die Papillenanlage der Schnecke steht am 21 mm langen Embryo nach oben noch mit
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 4753
der Maculaanlage des Ductus reuniens (Taf. V/VI, Fig. 40, De.) in continuierlichem Zusammenhange
Dieser wird bald gelöst und schon am 24:5 mm langen Embryo erscheint zwischen beide eine breite
Zone cubischen, 7 p hohen Epithels eingeschoben, ein Verhalten, das wohl mit der besonderen Längen-
zunahme des Ductus reuniens in dieser Zeit im Zusammenhange steht.
Auch später und am erwachsenen Thiere ist die Papilla basilaris cochleae in ihrem Verlaufe gegen das Vorhofende so
gekrümmt, dass sie, fortgesetzt gedacht, sich in den Ductus reuniens erstrecken würde, ein Verhalten, das an erwachsenen Thieren
inter der Lupe deutlich zu erkennen ist.
Das Vorhofende der Neuroepithelleiste der Schnecke ist jetzt dadurch gegeben, dass das cylin-
drische Neuroepithel unter rascher Verflachung in das cubische Blindsackepithel übergeht. Diese Art des
Almählichen Verstreichens ist selbst noch zu einer Zeit zu erkennen, zu welcher die Epithelwülste im
Vorhofabschnitte bereits sichtbar sind. Später verhalten sich die einzelnen Elemente der Papille nicht
gleich: die einen hören (zur Feststellung eignen sich besonders Schnittserien, in welchen der Über-
gangstheil in radiärer Richtung getroffen ist) wie mit einem Schlage mit scharfer Grenze auf, während die
änderen unterallmählicher Verkleinerung der Zellen und Annahme functionsuntüchtiger Formen
gegen das Bodenepithel des Blindsackes verstreichen. Diese Functionsunfähigkeit, die sich im anato-
mischen Bilde deutlich ausprägt, muss besonders betont werden, denn an der Verkleinerung der ein-
zelnen Papillenelemente im ganzen Vorhofabschnitte gegen das Vorhofende hin nehmen gleichmäßig alle
Theile der Papille, allerdings unter Wahrung functionsfähiger Formen, theil.
Nach vollendeter embryologischer Entwicklung stellt sich der Übergang des Vorhofendes des
Schneckencanalesin den Vorhofblindsack folgendermaßen dar:
A. Endigung der Elemente der Außenwand des Schneckencanales.
Das Ligamentum spirale setzt sich, wie oben erwähnt, continuierlich auf den Blindsack fort und
imgibt sogar sein äußerstes Ende. Schon im Vorhofabschnitte hat aber das Ligamentum seine Gestalt
ändert. Die Mondsichelform (Fig. I b) mit ihrer Mittelleiste, der Crista basilaris, ist nämlich dadurch
verändert, dass sich die Lamina spiralis secundaria unter das Ligament schiebt und gleichsam seine untere
Spitze abschneidet (Fig. 1 a).
Fig. 1. Schema des Ligamentum spnale.
‚Ho
Lsp
Lsp
Lss
Lsp Ligamentum spirale
a) im Bereiche der Lamina spiralis secundaria ; ste 3
ZLss Lamina spiralis secundaria
Mb” Membrana basilaris
‚) im Bereiche des übrigen Schneckenkörpers Mo x Vene
Gegen den Blindsack verstreicht die Prominentia spiralis und verschwindet somit der Sulcus spiralis
externus. Nach der Structur stimmt der am Blindsacke gelegene T'heil des Ligaments vollständig mit dem
474 Gustav Alexander,
übrigen überein: es findet sich die aus kernreichem Bindegewebe gebildete, reichlich Blutgefäße enthal-
tende Grundlage, die scharf begrenzte Stria vascularis und die in der Crista basilaris gelegene, helle, struc-
turlose Zone. Diese lässt an manchen Präparaten gegen die Basilarmembran convergierende Streifen
erkennen. Am Blindsacke schiebt sich nun das untere Stück des Ligaments axialwärts zwischen die Ober-
fläche des Recessus cochlearis und die Basalwand des Caecum, so dass es schließlich die Unterlage bildet,
auf welcher der Blindsack ruht. In der nächsten Umgebung der Schneckenwurzel findet sich zwischen
Epithel und der faserigen Bindegewebslage die helle, kernlose Schichte.
B. Übergang der tympanalen Wand des Schneckencanales auf den Vorhofblindsack.
Die Basilarmembran ist im Schneckenkörper und im Vorhofabschnitte, also in allen mit Sinnesepithel
versehenen Schneckentheilen so angebracht, dass ihr eine, wenn auch geringe Beweglichkeit zugespro-
chen werden muss, und diese Schwingungsfähigkeit ist vor allem durch die unter der Basilarmembran
sich ausbreitende Scala tympani ermöglicht. Es ist selbstverständlich, dass, sobald die Membrana basila-
"is auf Weichtheile oder gar Knochen zu liegen kommt, diese Schwingungsfähigkeit ein Ende nimmt:
dann sind eben die Basilarmembran und die Papilla spiralis fix, etwa wie die Macula sacculi, mit der
Unterlage verbunden. Ein derartiger Übergang der schwingungsfähigen in die fixierte Basi-
larmembran vollzieht sich nun am Vorhofende zwischen Vorhofabschnitt und Vorhof
blindsack.
Die hyaline und die faserige Schichte der Membrana basilaris verschmelzen mit der glashellen Zone
der Crista basilaris zu einer continuierlichen, hellen, structurlosen Schichte, die in unmittelbarer Nachbar-
schaft des Vorhofendes den Hintergrund des Bodenepithels des Blindsackes darstellt.
Die Elemente der Papille lassen sich in zwei Gruppen bringen (s. S. 45).
Zur ersten Gruppe gehören diejenigen Gebilde, die unvermittelt mit scharfer Grenze aufhören: die
Pfeiler- und die inneren und äußeren Härchenzellen. Nachdem sie unter Verjüngung des Ductus cochlea-
ris gegen den Vorhof hin an der allgemeinen Verkleinerung des Schneckencanales theilgenommen haben,
hören sie plötzlich auf, an ihre Stelle tritt unvermittelt das flache Bodenepithel des Blindsackes. Im selben
Radiärschnitte schwinden auch die Nervenfasern und die Theile der Labyrinthkapsel, welche die Nerven
bis an die Papille begleiten: die beiden Platten der Lamina spiralis ossea. An diese schließt sich der knö-
cherne Vorhofboden an.
Es muss hier erinnert werden, dass die Nervenfasern nicht in radiärer Richtung, sondern im Bogen
rückläufig vom Ganglion spirale gegen die Papille verlaufen, oder, im Sinne der Nervenleitung, dass die
Nervenfasern so gegen das Ganglion ziehen, dass sie auf ihrem Wege von der Basis gegen die Spitze
vorrücken. An den Radiärschnitten des Übergangstheiles finden sich daher schließlich nur mehr die Theile
der Nervenfasern im Schnitte getroffen, die der Papille ganz nahe gelegen sind. So wie nun die Nerven-
fasern mit einem nach innen und hinten gehöhlten Rande an der Schneckenbasis enden, so geht in der-
selben Linie auch der axiale Theil der Lamina spiralis ossea in den Vorhofboden über, und der Verschluss
der Labyrinthkapsel am blinden Ende der Scala tympani erfolgt dadurch, dass der axiale Theil der Lamina
spiralis und die Lamina spiralis secundaria sich mit dem Vestibulumboden vereinigen. Der periphere
Theil der Lamina spiralis ossea hört am Vorhofe zugleich mit den Nervenfasern der Schnecke auf. Die
Ansicht der Autoren (Reichert u.a.), der Abschluss komme dadurch zustande, dass die
Lamina spiralis ossea mit der Lamina spiralis secundaria verschmilzt, ist nicht richtig,
Außerdem liegt der periphere Rand des primären Spindelblattes wesentlich höher als der
freie Rand des secundären Blattes, so dass sie, inihrer Richtung bleibend, garnicht zum
gegenseitigen Schlusse gelangen könnten. Das secundäre Spindelblatt kann daher auch als
schmaler, in die Schnecke fortgesetzter Theil des Vestibulumbodens betrachtet werden.
Der zweiten Gruppe sind diejenigen Elemente zuzuzählen, welche unter allmählicher Umformung
sich ohne lineare Grenze in das Blindsackepithel fortsetzen oder unter allmählicher Verkleinerung in ihm
N UUUUUUUUUUYUUNUNUNUUUTVYVYTYTYTYUVUYVYVYVUVUVYNUNTVTUUVUUUUTVTUTYYUUUTTUUUU UT U et
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 475
enden. Es sei gleich hier bemerkt, dass die Gebilde dieser Gruppe sich weiter als die der ersten gegen
‚den Blindsack, zum Theile ein ziemliches Stück in ihn selbst erstrecken.
In dieser Art enden die Membrana propria der Basilarmembran und die glashelle Zone der Crista
basilaris, die, wie oben ausgeführt worden ist, sich unter allmählicher Verschmälerung in den Blindsack
verlieren. Ebenso verstreichen der Limbus spiralis und die Membrana Corti: die letztere wird schon im
Vorhofabschnitte verschmälert gefunden und hört (in Flächenansicht) mit schmalem, zugespitztem Ende auf.
Am Limbus spiralis reicht das Labium vestibulare ebenso weit gegen den Blindsack wie die Cortische
Membran. Nach ihrem Aufhören nimmt der Limbus Hügelform an und verflacht allmählich: sein binde-
jewebiger Abschnitt (Substantia propria und periostale Schichte) geht in das Bindegewebspolster des Duc-
fus reuniens und des Blindsackes über, die an dieser Stelle miteinander vereinigt sind, das hakenförmig
vorspringende Labium vestibulare schwindet. Die kernlose Zone der Crista spiralis endet unter zuneh-
ender Abflachung.
Im oberen Theile des Limbus, nahe der gewölbten, dem Lumen zugekehrten Oberfläche finden sich
radiär geordnet@"Kernreihen, die an der Ursprungslinie der Reissnerschen Membran beginnen und bis in
das Labium vestibulare nach außen reichen. Diese Kerne gehören Zellen an, die sich vom Epithel des
embryonalen Ductus cochlearis herleiten und den epithelialen Theil des Limbus spiralis bei vollendeter
Entwicklung darstellen.
Diese ceylindrischen Zellen, die sonst mit ihren Basalenden continuierlich in die kernlose Zone über-
gehen, setzen sich unter allmählicher Verflachung in das platte Bodenepithel des Blindsackes fort. Die
radiären Kernreihen nehmen unregelmäßige Gestalt an, senden seitliche Fortsätze aus, die Zellen werden,
wie Flächenschnitte sehr deutlich zeigen (Taf. IX, Fig.63, a, Dr.'), kleiner, so dass nun die rundlichen Kerne
dichter bei einander stehen, und so ist ein allmählicher Übergang in das Bodenepithel des Blindsackes
einerseits, in das Epithel der anliegenden Wand des Ductus reuniens anderseits gegeben (Taf. IX, Fig. 63).
in ähnlicher Übergang ist auch bezüglich der Hensenschen, Claudiusschen und Böttcherschen Zellen und
des Epithels des Sulcus spiralis internus und externus zu bemerken, die alle unter Abplattung und
Verkleinerung im Bodenepithel des Blindsackes und des Ductus reuniens enden (Taf. IX, Fig. 59, D).
Einer dritten Gruppe gehören diejenigen Theile an, welche der Ductus cochlearis und der Blindsack in gleicher Weise besitzen,
und da sie zu einer Zeit, zu welcher sich der Blindsack als rein epitheliale Knospe anlegt, am Schneckencanale bereits vorhanden
sind, so glaube ich annehmen zu können, das sie sich von diesem her auf den Blindsack fortgesetzt haben: hieher ist das Ligamen-
tum spirale zu zählen, das mit der Crista basilaris nur ein kleines Stück, mit der Stria vascularis bis in den Grund des Caecum, mit
‚seinem bindegewebig faserigen Theile über den Blindsack hinaus nach innen und hinten bis an die Crista ampullaris inferior fort-
gesetzt ist.
C. Übergang der vestibularen Wand des Schneckencanales auf den Vorhofblindsack.
Die Vestibularwand des Schneckencanales setzt sich am Vorhofe continuierlich einerseits in die freie
Wand des Ductus reuniens, anderseits in die obere Wand des Vorhofblindsackes fort. Diese Wandtheile
stimmen in ihrer Structur untereinander vollständig überein. Die Zellkerne werden, namentlich in der
Membrana vestibularis, über die Oberfläche der Gewebsplatte vorragend gefunden.
Bezüglich der Scalen ist zu erwähnen, dass sich an der Scala vestibuli im Bereiche des Blindsackes
der Übergang in die Cysterna perilymphatica vestibuli vollzogen hat. Die Scala tympani verkleinert sich
gegen ihr blindes Ende und ist im Radiärschnitte nach unten außen von der Membrana tympani secunda-
ria begrenzt. Gegen den Blindsack hin nähert sich die Membran der Lamina spiralis ossea, und zwar der
Unterlippe derselben und inseriert an ihr, so dass jetzt im Schnitte die Membran aus zwei Abschnitten
besteht, von welchen sich der eine vom oberen Rande, der andere vom unteren Rande des Schnecken-
ensters zur Lamina spiralis begibt. Beide Theile werden dadurch von einander getrennt, dass ihre Inser-
tionslinien an der Lamina spiralis nach hinten divergieren.
Für die Betrachtung des Vorhofendes kommt hier nur‘ der obere Abschnitt der Scala tympani in
Betracht, der zwischen dem oberen Theile der Membrana tympani secundaria und der Membrana basilaris
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 61
476 Gustav Alexander,
gelegen ist. Im Verlaufe gegen den Blindsack vereinigt sich nun zunächst die Lamina spiralis secundaria
mit dem Vestibulumboden, wodurch der obere Theil der Scala tympani in zwei weitere Räume gesondert
wird. Die Scala tympani findet endlich ihr blindes Ende dadurch, dass die Basilarmembran sich mit ihrer
bindegewebigen Unterlage auf die Knochenplatte lagert, und dass von’ unten her die obere Lamelle der
Membran des runden Fensters sich mit ihr verbindet (Taf. IX, Fig. 56 — 59).
Wir können daher im Übergangstheile an der Scala tympani drei Formen unterscheiden:
1. einen am weitesten vorne gelegenen Abschnitt, an welchem die Membran des runden Fensters
einen Theil der Begrenzung bildet;
2. einen mittleren, an welchem durch die Insertion der Membrana tympani secundaria an der Lamina
spiralis ossea ein oberer und ein unterer Scalenabschnitt entsteht;
3. ein innerer, hinterer, der dem oberen Abschnitte angehört und durch die Zwischenschiebung der
Knochenlamelle (Taf. IX, Fig. 56, Lss., Fig. 57, a) rasch verödet.
Vergleicht man nun diese Formen der Scala tympani mit dem Übergangstheile des Schnecken-
canales, so ergibt sich:
1. Die Papilla acustica reicht in functionsfähigem Zustande ebensoweit nach hinten
und einwärts gegen den Vorhofals die Scala tympani.
2, Das Stück der Papille, das in den Bereich der durch die Knochenlamelle neuerdings
getheilten Scala tympani zu liegen kommt, ist besonders durch die Größenabnahme der
Pfeiler- und Härchenzellen charakterisiert. In demselben Radius, in welchem der obere
Raum (zwischen Knochenplatte und Spiralmembran) verödet, schwinden die Härchen-
und Pfeilerzellen.
Wie weit reicht nun der Blindsack und welche Grenze ist zwischen dem Vorhofabschnitte und dem
Blindsacke gegeben, nachdem er sich durch seine Form nicht mehr scharf vom Vorhofabschnitte des
Schneckencanales sondern lässt?
Die Grenze liegt injenem Radiärschnitte, in welchem die functionstüchtige Nerven-
endstelle der Schnecke ihr Ende erreicht hat, und dieses Ende ist gegeben:
1. durch den unvermittelten Schwund der Härchen- und Pfeilerzellen;
2. durch die Verödung, beziehungsweise blinde Endigung der Scala tympani und die Fixation der
Membrana basilaris auf einer unbeweglichen (knöchernen) Unterlage.
Für die Definition der Begrenzung des Vorhofblindsackes gegen den Schneckencanal sind diese
Formänderungen vollkommen ausreichend.
Wie nun die Radiärschnitte zeigen und auch am Flächenpräparat deutlich zu sehen ist, vollzieht
sich der Übergang im Bereiche der trichterförmig gegen den Schneckencanal erweiterten Mündungs-
öffnung des Ductus reuniens. Nach der ursprünglichen Blindsackanlage mündete der Ductus reuniens in
den Schneckencanal und der Blindsack war jenseits der Mündungsstelle gelegen: Es hat sich somit im
Entwicklungsgang eine geringe Verschiebung des Mündungsgebietes hergestellt.
Am 345 mn langen Embryo zieht das Ligamentum spirale den ganzen Blindsack entlang, ja ist sogar über sein blindes
Ende fortgesetzt, ebenso zieht sich die gefäßreiche Schichte des Ligaments bis in den Grund des Blindsackes allerdings noch nicht in
der scharfbegrenzten Form der späteren Stria vascularis. Die cortische Membran endet unter allmählicher Verschmälerung.
Am 46 mm langen Embryo enthält der gefäßreiche Abschnitt des Ligamentum spirale bereits Pigmenteinlagerungen. Auch
lässt sich bereits erkennen, dass in der Papille in der Richtung gegen den Blindsack die Pfeiler- und Härchenzellen zunächst schwin-
den, während die übrigen Zellen der Papilla basilaris noch ein kleines Stück weit fortgesetzt sind und unter Abflachung in d
Plattenepithel der basalen Blindsackwand übergehen.
Die Bildung der Scalen beginnt an der Schneckenbasis, im,Fortschreiten ihrer Entwicklung gegen das obere Schneckenende
ist die Scala vestibuli der Scala tympani, wie schon Böttcher hervorgehoben hat, weit voraus. Aber auch in der Richtung gegen
den Vorhof setzt die Scala tympani ihre Entwicklung fort, nachdem noch am 34°5 mm langen Embryo das dem Blindsacke benach-
barte Stück des Vorhofabschnittes auf einer ziemlich dichten Mesodermlage ruht. Am 46 mm langen Embryo hat die Scala tympani
gegen den Vorhof hin definitive Ausdehnung erlangt, indem sie ebensoweit nach hinten, innen reicht, als sich die Pfeiler- und Här-
chenzellen erstrecken. In diesem Stadium ist die Lamina spiralis seeundaria noch nicht sichtbar (Taf. VII/VII, Fig. 51), sondern es
verschmilzt der Knorpelrahmen des Schneckenfensters-mit dem Vestibulumboden.
me
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 477
Am 57 mm langen Embryo erscheint nun auch die Lamina spiralis accessoria als breite, zum Theile knorpelige Leiste am
beren Rande des Schneckenfensters, die Lamina spiralis ossea ist im peripheren Antheile noch nicht vollständig entfaltet, im übrigen
zeigt sie bereits Verknöcherung. Die Scala tympani ist an der Schneckenwurzel noch nicht wegsam.
Am 70 mm langen Embryo bietet der Blindsack schon ein dem erwachsenen Zustande ähnliches Verhalten.
Am 77 mın langen Embryo hat auch die Stria vascularis am Blindsacke bestimmt begrenzte Form angenommen. Bald sind die
beiden Spiralblätter im Vorhoftheile vollständig entwickelt (SO mm langer Embryo) und verknöchert und enden am Vorhofe wie im
rwachsenen Zustande. Auch die Beziehungen zwischen dem Neuroepithel des Ductus cochlearis und dem Bestande der Scala tym-
ani am Übergangstheile richten sich nach den oben über das erwachsene Thier mitgetheilten Befunden: beide enden im gleichen
uetusradialschnitte.
Damit ist die Gewebsentwicklung in Bezug auf die Anordnung der Zellen und die gegenseitigen topischen Beziehungen dieser
'Gewebsabschnitte vollendet und die Änderungen, die sich im weiteren Wachsthume einstellen, entsprechen fast ausschließ-
lich nur der Größenzunahme, welche das ganze Labyrinth postembryonal erfährt. Noch ist an die geringe Entfernung des Vorhof-
heiles der Schnecke von der freien Sacculuswand zu erinnern, die eine starke Krümmung des Ductus reuniens im Gefolge hat. Sie
hängt mit der mächtigen Ausbildung des Promontorium und des runden Fensters zusammen: dadurch, dass sich das runde Fenster
förmlich aufrichtet, wird der Ductus cochlearis, der ja den oberen Contour des Fensters umkreist, nach auf- und einwärts gegen den
aceulus hin verschoben.
Literatur.
Die Autoren fassen insgemein den Vorhofblindsack als unteres, beziehungsweise Vorhofende des
Schneckencanales auf und setzen ihn in vollkommene Analogie mit dem oberen, dem Kuppelende des
anales, dem Kuppelblindsacke. Weiter wird übereinstimmend angegeben, dass der Vorhofblindsack
urch die eigenthümliche Art der Verbindung des Ductus reuniens mit dem Ductus cochlearis, welche
nach dem Typus der Insertion des Dünndarmes am Dickdarme erfolgt, zustandekommt. Der Blindsack
ird lediglich durch die Stelle der Einmündung des Ductus reuniens in den Ductus cochlearis von
letzterem geschieden, wobei es unentschieden bleibt, ob die der Mündungsöffnung entsprechende Region
dem Ductus cochlearis oder dem Caecum vestibulare angehört.
Als besonderer Abschnitt wurde somit der Blindsack von den Autoren erkannt, dieselben betrachten
edoch den Blindsack nur als einen topographisch selbständigen Abschnitt der Schnecke, der das Vorhof-
ende des Ductus cochlearis darstellt.
Über die Genese des Blindsackes ist nur bekannt, dass er in einem Stadium (des Schafembryo), in
welchem Canalis cochlearis und Ductus reuniens bereits aufgetreten sind, noch nicht vorhanden ist
[Böttcher (l.c.)]. Diese Thatsache lehrt, dass der Vorhofblindsack ein Product späterer Bildung ist, ließe
jedoch drei Möglichkeiten seiner Genese zu, wonach er als dem Ductus reuniens oder dem Ductus coch-
learis zugehörend oder als selbständig sich entwickelnder Labyrinthabschnitt zu betrachten wäre.
In Beziehung auf die Enden der Lamina spiralis membranacea an der Basis und an der Kuppel, finde
ich bei Hensen(9)Folgendes angegeben: » Anfang und Ende ergeben sich einfach dadurch, dass die beiden
‚gegenüberliegenden Ansätze der Membran, nämlich das Ligamentum spirale und die Zähne in einem
Bogen verschmelzen, jedoch beginnt die Lamina an der Wurzel (sc. der Schnecke) ganz schmal, am
Hamulus aber endet sie sehr breit. An der Radix verflacht sich der Sulcus, die Vorragung der Zähne wird
schlanker, dann kürzer und schwindet zuletzt ganz, indem die Zähne sich in den Canalis reuniens
verlieren«.
Die Membrana Corti endet am Vorhof zugleich mit den Zähnen der Papille.
Auch Reichert (I. c.) hebt ausdrücklich hervor, dass am Blindsacke an der Paukenwand kein cor-
tisches Organ mehr. gefunden werde.
Eine kurze, zutreffende Beschreibung des Baues des menschlichen Vorhofblindsackes ist bei
Schwalbe (l. c.) gegeben.
Steinbrügge (26) hat das Labyrinth des erwachsenen Menschen untersucht. Er sagt über das eigent-
liche Ende, beziehungsweise den Anfang des Cortischen Organes am Vorhofblindsacke nichts Bestimmtes
aus, vermuthet aber wegen der hier noch gefundenen Nervendurchschnitte, ferner wegen des Vorhanden-
seins der Cortischen Membran, dass auch das Cortische Organ sich noch eine Strecke weit in functions-
61*
4
478 Gustav Alexander,
fähigem Zustande in den Vorhofblindsack hinein mit bogenförmiger Krümmung fortsetzt. Es sei zugleich
zu berücksichtigen, dass auch die Membrana basilaris hier noch schwingungsfähig erscheint.
Ich kann Steinbrügge nach meinen eigenen Untersuchungen am erwachsenen Menschen nicht bei-
stimmen, ich habe am Menschen das Verhalten des Blindsackes und der Endigung der Papilla basilaris
cochleae durchaus mit dem Ergebnisse meiner Untersuchung am Meerschweine in Einklang stehend
gefunden. Der menschliche Blindsack besitzt sicher keine Papille, es erstrecken sich auch keine Nerven-
fasern an ihn heran und die schwingungsfähige Basilarmembran endet mit der Papille selbst.
3. Zur Phylogenese der Pars inferior labyrinthi der Wirbelthiere.
Versuch der phylogenetischen Deutung des Ductus reuniens und des Caecum vestibulare
der höheren Säugethiere.
Was die Homologisierung der einzelnen Abschnitte der Pars inferior im Bereiche des Wirbelthier-
gehörorganes betrifft, so ist als älteste Ansicht die Cuviers (7) zu nennen: der Sacculus der Amphibien
sei das Homologon der Schnecke. Windischmann (27) trat gegen diese Ansicht auf und stellte die Exi-
stenz einer Cochlea und eines runden Fensters für die Amphibien in Abrede.
NachHensen(l c.) sollte der Sacculus rotundus der Säuger der Lagena der Vogelschnecke entsprechen.
Diese Ansicht folgte im wesentlichen aus dem Umstande, dass der Ductus utriculosaccularis Hensen
nicht bekannt war. Bis zur Entdeckung des Ductus reuniens durch Hensen wird ja der Sacculus als all-
seitig geschlossene, rundliche, dem Recessus sphaericus anliegende Blase beschrieben. Nun wird ein
Canal nachgewiesen, der diese Blase mit dem Schneckenrohre verbindet, so dass jetzt der Sacculus sich
als Anhangsgebilde des Schneckencanales darstellt und als solches mit der Lagena verglichen wird.
Durch die vergleichend-anatomischen Untersuchungen von Hasse (8), Kuhn (15) und Retzius
(21—23) ergab sich endlich, dass der Sacculus der Säuger und seine Nervenendstelle dem als Sacculus
bezeichneten Abschnite und der Macula acustica sacculi der ganzen Wirbelthierreihe homolog sei und,
dass die Nervenendstelle der Säugethierschnecke der Papilla basilaris entspreche, welche den Fischen
fehlt und an den Amphibien in der Wirbelthierreihe zum erstenmal auftritt. Damit war die Vergleichung
vom Standpunkte des Säugethierlabyrinthes erschöpft, da seine Pars inferior nur diese beiden Nervenend-
stellen besitzt.
In der Wirbelthierreihe kommen jedoch noch zwei andere Neuroepithel tragende Abschnitte in
Betracht:
1. Die Lagena mit der Macula acustica lagenae, welche einerseits tiefstehenden Wirbelthieren,
den Cycelostomen, anderseits hochentwickelten, den Säugern, fehlt. Das Homologon der Lagena, des
membranösen Abschnittes, in welchem zumeist die Macula lagenae gelegen ist, sollte der Kuppelblindsack,
die Schneckenspitze der Säugethiere, bilden. Die Macula lagenae findet sich beim Säuger nicht.
2. Die Pars neglecta mit der Macula neglecta (Retzius), die ursprünglich als Pars initialis cochleae
bezeichnet und mit dem Anfangstheile des Schneckencanales und seiner Nervenendstelle in Homologie
gebracht worden ist.
Dass die Nervenendstellenanlage des embryonalen Ductus reuniens kein phylogene-
tisches Novum darstellt, ist sicher: deutet ja ihr ganzer Entwicklungsgang auf einin
Rückbildung begriffenes Gebilde, das in gut ausgebildetem Zustande wohl bei anderen
Wirbelthieren zu finden ist. Wollen wir daher für die Maculaanlage des Ductus reuniens
und durch diese für den Ductus selbstim Bereiche des Wirbelthierlabyrinthes ein Homo-
logon aufstellen, soistnach dem oben Gesagten nur zwischen Macula lagenae und Macula
neglecta, beziehungsweise zwischen Lagena und Pars neglecta zu entscheiden.
Ich selbst habe Tropidonotus natrix und Rana fusca untersucht, und beziehe mich im übrigen auf die Angaben von Hasse,
(Le) und Retzius (l. ce.)
Die Papillalagenae tritt zuerst bei den Ganoiden auf, bei welchen sie nicht in einer eigenen Ausstülpung, sondern im
Sacculus selbst gelegen ist und mit der Macula sacculi, mit der sie im feineren Baue durchaus übereinstimmt, zusammenhängt.
ne en
NG
N U
Pars inferior labyrinthi der Säugethiere. 479
Die Teleostier lassen bereits eine Lagena cochleae als mützenförmige Ausstülpung des oberen, hinteren Saceulusendes
erkennen.
Unter den Elasmobranchern ist bei Chimaera die Lagena als besondere Ausstülpung des Sacculus nicht entwickelt, die
biseuitförmige, im Sacculus befindliche Macula acustica besteht aus einer vorderen, größeren Partie, der Macula saceuli, und einem
hinteren, kleineren, mit der ersten in Zusammenhang stehenden Abschnitt: der Macula lagenae.
Bei den Haien ist als Ausstülpung des hinteren Saceulusendes die Lagena sichtbar, die in ihr gelegene Macula lagenae
hängt mit der Maeula sacculi zusammen.
Scylla besitzt eine Lagena mit einer isolierten Papilla lagenae. Die Wand der Lagena stimmt ganz mit der des Sacculus
überein, ihre Papilla acustica ist ebenso gebaut wie die Maculae und Cristae acusticae. Auf ihr ruht ein Otolith, welcher wie der
der Macula sacculi gebaut ist, mit dem er gewöhnlich auch zusammenhängt.
Unter den Amphibien finden sich bei den Anuren drei Ausstülpungen des Sacculus: Pars neglecta, Lagena cochleae und
Pars basilaris (cochleae).
Bei Proteus liegt die Lagena am hinteren Umfange des Sacculus an seiner medialen Wand. Bei Siredon endlich findet sich
am oberen Ende der Lagena als Verdickung der Wand und des Epithels die von der Papilla lagenae abgetrennte Pars basilaris.
Ähnlich verhalten sich auch die höheren Urodelen, bei welchen die Papilla basilaris noch in der Lagena cochleae gelegen ist.
Caecilia annulata besitzt keine Pars basilaris cochleae.
Die Reihenfolge der phylogenetischen Entstehung ist also:
1. Macula sacculi,
2. Papilla lagenae,
3. » basilaris
und die Entstehung erfolgt nach dem Typus, welchen ich in dem beigegebenen Schema veranschaulicht habe (Fig. 2).
Fig. 2. Schema der Phylogenese der Pars inferior der Fische und Amphibien.
d.
Ms Als
E S Sacceulus
a; D, Ss
_ u Ms Macula saceuli
| Pbec Pars basilaris cochleae
pr Pb Papilla basila ris
k ı Ls Lagena (saceuli)
(I a Pl Papilla lagenae (sacculi)
©
Fa
Pbs
In einer schematisch geradegestreckt als Schlauch verlaufenden Pars inferior der Amphihien finden sich die drei Nervenend-
stellen thatsächlich (Proteus) in der Reihenfolge, dass die Papilla lagenae zwischen Macula sacculi und Papilla basilaris, also proxi-
mal von dieser letzteren gelegen ist.
Fig. 3. Schema der Pars inferior der Reptilien und Vögel.
Ms
5 Sacculus
Ms Macula saceculi
Dse Ductus sacculo-cochlearis
Pbc Pars basilaris cochleae
Pb Papilla basilaris Lo
Lc Lagena (cochleae)
Plc Papilla lagenae (cochleae)
Pb [07
I1c
Bei den Reptilien und Vögeln ändert sich nun das Verhalten der Lagena: Es tritt ein Verbindungscanal zwischen der Pars
basilaris und dem Saceulus auf: Canalis saceulocochlearis reuniens der Autoren, der das obere Ende des Schneckenrohres darstellt.
‚Am unteren Ende des Schneckenrohres findet sich die Lagena mit der Papilla lagenae.
480 Gustav Alexander,
Setzen wir hier wieder die schematisch schlauchartig gestreckte Pars inferior voraus, so ist jetzt die Reihenfolge der Nerven-
endstellen: Macula sacculi, Papilla basilaris, Papilla lagenae, und die Papilla lagenae ist jetzt distal von der Papilla basilaris gelegen
(Fig. 3).
Gewiss lässt sich nun mit einigem guten Willen dieses Verhalten aus dem bei den Amphibien und Fischen gefundenen
ableiten, sind ja bei noch so naheliegenden und sicheren Homologien Zwischenglieder nöthig, die wir uns construieren, und die in
der Natur nicht beobachtet werden, aber nach den rein topischen Verhältnissen gelange ich zur Anschauung, dass hier mitdem
einheitlichen Namen »Lagena« zwei verschiedene, durchaus ungleiche Dinge bezeichnet worden sind: sollte
die Lagena der Fische und Amphibien dem Abschnitte homolog sein, der bei den Reptilien und Vögeln Lagena genannt wird,
so müsste bei den Amphibien die Pars basilaris cochleae zwischen Macula sacceuli und Papilla lagenae entstehen, nicht aber als
Anhanggebilde der Lagena. Dann läge einheitlich der »Lagena« genannte Abschnitt mit seiner Nervenendstelle distal von der Pars
und Papilla basilaris. Dies ist aber nicht der Fall und daher schlage ich vor, zwei »Lagenae« von einander zu unter-
scheiden:
1. Die Lagena der Fische und Amphibien als Lagena sacculi, die sich als Ausstülpung des Sacculus entwickelt, mit dessen
Nervenendstelle die Papilla lagenae ursprünglich zusammenhängt. Sie ist von der Papilia basilaris, sobald diese auftritt, proximal
gelegen.
2. Die Lagena der Reptilien und Vögel als Lagena cochleae, die distal von der Pars basilaris gelegen ist und sich als
Anhanggebilde der Pars basilaris darstellt. Sie ist das Homologon der Schneckenspitze der Säuger, bei welchen sie aber eine
Nervenendstelle, wie bei den Amphibien und Vögeln, nicht mehr enthält.
Vergleichen wir nun die Phylogenese der Papilla lagenae der Fische und Amphibien
mit der Ontogenese des Nervenendstellenrudimentes,dasich imDuctus reuniens des Meer-
schweines gefunden habe, so ergibt sich nach jeder Richtung Übereinstimmung: Wie die
Papilla lagenae ursprünglich (bei den Fischen) mit der Macula sacculi zusammenhängt und sich bei den
Amphibien von ihr sondert, so fand sich auch die Maculaanlage des Ductus reuniens des Meerschweines
bis zum Alter des 26 sum langen Embryo mit der Macula sacculi in Zusammenhang befindlich, an älteren
Stadien, vom 34:5 mm langem Embryo angefangen, von ihr getrennt. Und in gleicher Weise wie die
Papilla der Lagena sacculi mit der Macula sacculi, stimmt im feineren Baue die Nervenendstelle des Ductus”
reuniens, solange sie sich progressiv entwickelt, also etwa bis zum 26 mm langen Embryo, mit der
Maculaanlage des Sacculus überein.
Danach erscheint die Maculaanlage des Ductus reuniens des Meerschweines der
Papillalagenae der Fische und Amphibien, der Ductus reuniens selbst der Lagena saceculi
dieser Thiere homolog!.
Was nun den Vorhofblindsack anlangt, so ist daran zu erinnern, dass ich ihn in verhältnismäßig
später Zeit zur Entwicklung gelangend gefunden habe, und dass er von vorneherein rein epithelialen
Charakter zeigt. Ich glaube daher, gerade mit Hinsicht auf die am Ductus reuniens erhobenen Befunde
behaupten zu dürfen, dass der Vorhofblindsack in der Reihe des Gehörorganes der Wirbel-
thiere ein Homologon in Form eines eine Nervenendstelle tragenden Abschnittes nicht
besitzt.
Zu einer vollkommenen Sicherheit der Anschauung vorzudringen, wird erst möglich sein, wenn voll-
ständige, vergleichende Untersuchungsreihen des Säugethierlabyrinthes nach den einzelnen Ordnungen
der Säugethiere vorliegen, wobei, wie schon Retzius hervorgehoben hat, den Monotremen eine ganz
besondere Bedeutung zukommen wird. Herr Prof. R. Semon hatte die Freundlichkeit, mir die Unter-
suchung der Entwicklung und des Baues des inneren Gehörorganes der Monotremen an seinem Echidna-
materiale zu übertragen, und ich hoffe, zur Klärung der oben erörterten Fragen in nicht zu ferner Zeit
beitragen zu können.
PR
1 Trotz dieser Ähnlichkeiten, die von vorne herein für den Nachweis der Homologie der Lagena der Fische und Amphibien
mit dem Ductus reuniens der Säugethiere zu genügen scheinen, ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, dass es sich in
der Maculaanlage des Ductus reuniens um die bisher bei den Säugethieren auch in Rudimenten vergeblich gesuchte Macula neglecta
Retzii handelt, wenn auch diese Annahme bei den bestehenden topischen Verschiedenheiten der beiden Gebilde meines Erachtens
wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Pars inferior labyrinthi der Sängethiere. 481
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Nach Kuhn eitiert.
Dus.
Is.
Lsp.
Lss.
Mar.
Ms.
Mts.
Gustav Alexander, Pars inferior labyrinthi der Säugethiere.
Zeichenerklärung.
Ampulla lateralis.
» posterior.
» superior.
Cochlea.
Crista fenestrae cochleae.
r. Cysterna perilymphatica vestibuli.
Canalis semieireularis lateralis
» > posterior.
> > superior.
Caecum vestibulare.
Ductus cochlearis.
» endolymphaticus.
» reuniens.
» utriculosaceularis.
Ecetoderm.
Ganglion acusticum.
Isthmus saceuli.
Lamina spiralis.
> > secundaria.
Macula duetus reunientis.
> saceuli.
Membrana tympani secundaria.
Mv.
Nap.
Ns.
Pil.
Br
IBSe,
Psl.
Psp.
Pvde.
Rs.
St.
Sta.
Stv.
Sup.
Sus.
Susa.
Vb.
Membrana vestibularis.
Nervus ampullaris posterior.
Nervus saccularis.
Pars inferior labyrinthi.
Promontorium.
Plica semicireularis communis.
» » lateralis.
> » posterior.
> » superior,
Pars vestibularis ductus cochlearis.
Recessus sphaericus.
> utrieuli.
Saceculus.
Scala tympani.
Stapes.
Stria vascularis.
Sinus utrieularis posterior.
» » superior.
> > sacculi.
Utriculus.
Vestibulumboden.
—an Fu Re I —
| an
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m
PER a
aa
au u ag
Fig.
2
so a *+
8
10.
Dir
12,
13.
1.
Tafel I.
Embryo von 2'756 mm Länge. Hörgrübehen mit der im Betoderm gelegenen, nach außen führenden Öffnung (a). Platt
modellt, 50:1.
Embryo von dmm Länge, Die Labyrinthblase steht durch den Ductus endolymphaticus mit dem Hornblatte (2) noch |
Verbindung, die Verbindungsstelle ist äußerlich als Naches Grübchen erkennbar,
a innerer Pol
BuuRar > des Bläschens.
Embryo von 4!/,ymm Länge. Labyrinthblase, Vorderansicht. Plattenmodell. 50:1.
Object der Fig. 3 von oben gesehen.
Embryo von 5'ö mm Länge. Labyrinthblase, Vorderansicht, Plattenmodell. 50:1.
Embry u. 6 mm Länge. Labyrinthblase von vorne, außen gesehen. Plattenmodell, 50:1. F
Embryo von 7:5 mm Länge. Labyrinthblase, Plattenmodell, 50:1. Die Begrenzung der Pars superior gegen die Par
inferior ist durch eine Nache Furche gegeben (a).
Object der Fig. 7 in der Ansicht von außen. a wie in Fig. 7.50:1. b
Object der Fig. 7 in der Ansicht von innen,
Embryo von 9:75 mm Länge. Labyrinthblase, Vorderansicht. Plattenmodell. 50:1.
Objeet der Fig. 10 von außen gesehen. 50:1.
Embryo von 10 mm Länge. Labyrinthblase von hinten, innen gesehen. Plattenmodell. 50:1.
Object der Fig. 12 von innen gesehen. 50: IR
Object der Fig. 12 von außen gesehen, 50:1.
Alle Modellabbildungen stellen Objecte derrechten Körperseite dar.
nf
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw.
d
sse, Bd.LAX
Takes ara W u
Fig. 15. Embryo von 1lımm Länge. Membranöses Labyrinth von innen gesehen. Plattenmodell. 50:1.
» 16. Object der Fig. 15, Außenansicht. 50:1.
» 17. Object der Fig. 15, Vorderansicht. 50:1.
» 17a. Embryo Won 11°5 mm Länge. Membranöses Labyrinth von außen een Plattenmodell. 50:1.
» 18. Embryovon 12 mm Länge. Membranöses Labyrinth. Außenansicht. Plattenmodell. 50: ale
» 19. Object der Fig. 18. Innenansicht. 50:1. 4
.
G. Alexander: Pars inferior labyrinthi der Säugethiere j Tafel
Keilitz del Lith. Anst v. ThBannwartlı Wien
Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.,
u
a
u Ai
\
BE
Tafel III/IV.
A Fr
Tafel II/IV.
Fig. 20, Objeot der Fig, 18. Seitenansicht von außen, 50:1.
» 21, Objeotder Fig, 18. Seitenansicht von innen, 50: 1,
» 22, Embryo von 160°5 mm Länge, Membranöses Labyrinth, Seitenansicht von außen, 50:1,
» 28. Object der Fig, 22, Seitenansicht von innen. . 4
» 24 Embryo von 2l mm Länge, Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi (Saceulus, Duotus reuniens, Caecum vestibulare,
Vorhofabschnitt des Schneckencanales), Seitenansicht. Plattenmodell, 50 : 1.
» 285, Object der Fiß. 24 von außen gesehen, 50 : 1.
» 26, Embryo von 24° mm Länge, Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi von außen gesehen, Plattenmodell, 50:1.
» 27, Objeot der Fig. 26. Innenansicht, 50:1. Die hellblauen Flächen der Fig. 27—32 entsprechen der Ausdehnung der
Nervenendstellen,
» 28, Embryo von 346 mm länge, Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi, von innen gesehen, Plattenmodell. 50:1.
» 20, Embryo von 57 mm Länge, Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi, Seitenansicht, Plattenmodell, 50:1.
» 30, Embryo von 70 nm Länge, Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi, Seitenansicht, Plattenmodell, 50:1.
» 31, Erwachsenes Meoerschwein, Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi, Seitenansicht, Plattenmodell, 50:1.
» 32. Object der Fig. 31 in der Ansicht von innen, 50:1,
lab
Pars inferior
G. Alexander:
Mär
Liih. Anst v ThBanmwwartli\\ven
Denkschrif'ten d. kais. Akad. d. Wiss. mat. naturw, Classe, Bd. LAX.
ER Ex “ u y°
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Fig. 33.
» 34.
»220D0:
» 36.
37
» 88.
» 39.
» 40
» 41.
» 42
» 44.
» 45.
Tal V,Vl.
Embryo von5'5 mm Länge. Querschnitt durch den mittleren Theil der Labyrinthblase. Seitenwand des Rautenhirnes,
e, e' innerer, äußerer Wandabschnitt. Object der linken Körperseite. Cochenille-Alaun. Zeiss. Oc. IV, Obj. B. Tub.
14 mm.
Embryo von 7'5mm Länge. Querschnitt durch den mittleren Theil der Hörblase. Object der rechten Körperseite. Coche-
nille-Alaun. Zeiss Oc, 4, Obj. B, Tub. 14 mm.
Embryo von 12 nm Länge. Verticalschnitt durch den Vorhofinhalt der Pars inferior labyrinthi (Sacculus, Ductus reuni-
ens, Vorhofabschnitt des Schneckencanales). Schnittrichtung: parallel dem Rautenhirndach. Object der rechten Körperseite.
Cochenille-Alaun. Zeiss Oc. 2, Obj. B, Tub. 16 mm.
Oberer Sacculusabschnitt mit dem oberen Theile der Macula sacculi, an welcher hier die Härchen- und Stützzellen deutlich
differenziert sind. Hämalaun-Eosin. Object der rechten Körperseite. Zeiss Oc. I, Obj. D, Tub. 16 mm.
Embryo von 16 5 mm Länge. Längsschnitt durch Sacculus, Ductus reuniens und den Vorhofabschnitt des Schnecken-
canales. Im Schnitte ist die mediale (im Bilde linke) Wand des Ductus reuniens nicht vollkommen senkrecht getroffen, sie
erscheint daher sammt den der Anlage der Otolithenmembran (?) entsprechenden Auflagerungen breiter als der bezügliche
Wandtheil des Saceulus. Hämalaun-Eosin. Object der rechten Körperseite. Zeiss Oc. 4, Obj. B, Tub. 14 nm.
Object der Fig. 37. Dieser Schnitt ist 180 p. vor dem der Fig. 37 gelegen. Zeiss, Oc. 4, Obj. B, Tub. 14 mın.
Embryo von 21mm Länge. Schnittrichtung: parallel dem Rautenhirndache. Hämatoxylin-Eosin. Verticalschnitt durch
den Vorhofblindsack (Cv.). Object der rechten Körperseite. Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 16 mm.
Object der Fig. 39. Dieser Schnitt ist 30 u vor dem der Fig. 39 gelegen. Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 16 mm.
Object der Fig. 39, 240 p vor dem Schnitt der Fig. 39. Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 16cm.
Embryo von 24°5 mm Länge. Längsschnitt durch Saceulus und Duetus reuniens. Schnittrichtung parallel dem Rauten-
hirndache. Cochenille-Alaun. Object der rechten Körperseite. Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 20 cn.
Object der Fig. 42. Horizontalschnitt durch den distalen Theil des Ductus reuniens (Dr.), den Vorhofblindsack (Cv.) und
den Vorhofabschnitt der membranösen Schnecke (Pvdec.). Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 20 cın.
Embryo von 26 mm Länge. Längsschnitt durch den Saceulus (S.) und den Ductus reuniens (Dr.). Schnittrichtung paral-
lel dem Rautenhirndache. Object der rechten Körperseite. Cochenille-Alaun. Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 16 cm.
G. Alexander: Pars inferior labyrintl Taf.V.M.
40
3 Cpv
Keilitz del
Lith. Anst v. ThBannwarth Wien.
‚G.Alexander : Pars inferior labyrinthi der : äugelhiere
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Kallita da) 1
Lith. Anst v ThBannwarth Wien.
4
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
Tafel VI/VIN.
Fig.
54.
Tafel VI/VII.
i
“
i 1
Object der Fig. 42. Längsschnitt durch den vorderen Abschnitt des Sacculus. Zeiss, Oc. 2, Obj. B, Tub. 20 cm.
Ductus reuniens der Fig. 45 bei starker Vergrößerung (Zeiss, Oc. I, Obj. D, Tub. 16 cm). |
Object der Fig. 45. Horizontalschnitt durch den distalen Theil des Ductus reuniens (Dr.), den Vorhofblindsack (Cv.)
und den Vorhoftheil des Schneckencanales. Zeiss, Oc. 2, Obl- B, Tub. 20 .,,,. f
Embryo von 34'5 mm Länge, Längsschnitt durch den distalen Theil des Ductus reuniens (Dr.) und den Vorhofblinds
sack. Object der linken Körperseite. Hämalaun-Eosin. Zeiss, Oe. 2, Obj. B, Tub. 16 cm.
Object derFig. 48. Tangentialschnitt durch den Vorhofabschnitt des Ductus cochlearis, Längsschnitt durch den Vorhof
blindsack (Cv.). Der Ductus reuniens (Dr.) ist im Schnitte schief getroffen. Zeiss, Obj. B, Tub. 16cm.
Embryo von 38°5 mm Länge. Längsschnitt durch den Saceulus ($.) und den Ductus reuniens (Dr.). Die freien Wand--
abschnitte beider Canäle sind durch Schrumpfung verlagert. Hämalaun-Eosin. Object der linken Körperseite. Zeiss, Oc.2,
Obj.B, Tub. 16 cm. N
Embryo von 46 mm Länge. Radiärschnitt durch den Vorhoftheil des Ductus cochlearis. Man beachte die dicke, knorpe-
lige Promontorialwand, die umfangreicher geformt ist, als es dem späteren, entsprechenden knöchernen Abschnitte ent--
spricht, ein Verhalten knorpeliger Vorbildung, das auch anderwärts beobachtet wird. Object der rechten Körperseite.
Hämatoxylin-Eosin. Zeiss, Oc. I, Obj. B, Tub. 12 cm. L
Object der Fig. 51. Verticalschnitt durch die Macula acustica saceuli.
1. Basale Kernreihe der Stützzellen.
2. Härchenzellen mit kugeligen Kernen.
3. In Mitose befindliche, nächst dem Lumenrande gelegene Kerne.
a. Reich vascularisiertes, von den Fasern des Nervus saccularis durchzogenes Bindegewebspolster des Sacculus.
Rs. Recessus sphaericus.
Object der Fig. 51. Längsschnitt durch den Sacculus (S.) und den proximalen Theil des Ductus reuniens (Dr.). Zeiss,
Oc. 2, Obj. B, Tub. 16 cm.
Embryo von 57mm Länge. Distaler Theil des Ductus reuniens mit seiner bindegewebigen Unterlage (a),
m mediale
Wand des Ductus reuniens.
2 laterale
Hämatoxylin-Eosin. Zeiss. Oc. I, Obj. D, Tub. 16 cm.
Object der Fig. 54. Proximaler Theil des Ductus reuniens in der Nähe des Sacculus. Zeiss, Oe. I, Obj. D, Tub 16 cm.
Taf. VILVIL.
Lit. Anst.v. ThBannwarth Wien.
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Pars infer
Kailitz del
G. Alexander
6. Alexander : Pars inferior labyrinthi der Säugethiere.
Tat. VILVIL.
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Lit. Ant v Thllannwarth Wien
Kollita del
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
Be}, Tarel IX.
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Tafel RX.
Fig. 56. Embryo von lil mm Länge. Tangentialschnitt durch das Vorhofende des Schneckencanales. Endstück der Scala tym-
pani (St.).
Fig. 4.
|
2 Dr Dr Ductus reuniens.
Ä Prde
SAIE Pvde Pars vestibularis ductus cochlearis.
Schnittrichtung zu Fig. 56 —59, zugleich ist der Canal nicht senkrecht, sondern schief zur Membrana basilaris getroffen.
Hämalaun-Eosin. Zeiss, Oc. 1, Obj. B, Tub. 14cm. Object der rechten Körperseite.
57. Object der Fig. 56. Der Schnitt liegt 20. hinter dem der Fig. 56. Die Knochenplatte a (aus der Verschmelzung der
Lamina spiralis secundaria mit dem Vestibulumboden entstanden) bildet die Unterlage des Vorhofendes. (Bezüglich der
Schnittrichtung siehe Textfigur 4.) Zeiss, Oc. 1, Obj. B, Tub. 14 cm.
58. Object der Fig. 56. Auf den Schnitt der Fig. 57 nach hinten unmittelbar folgender Schnitt. Insertionsrand der Membrana
tympani secundaria (Mts). Zeiss, Oc. 1, Obj. B, Tub. 14 cm.
59. Object der Fig. 56. Der Schnitt ist 20 p. nach hinten von dem der Fig. 58 gelegen.
b Bodenepithel des Vorhofblindsackes.
Der Vestibulumboden (Vb.) bildet nunmehr die Unterlage des häutigen Rohres. Zeiss, Oc. I, Obj. B, Tub. 14 cm.
60. Object der Fig. 56. Längsschnitt durch den Ductus reuniens.
61. Neugeborenes Meerschwein. Epithel der freien (lateralen) Wand des Ductus reuniens. Flächenansicht. Hämalaun-
Eosin. Zeiss, Oc. 4, Obj. D, Tub. 16 cm.
62. Object der Fig. 61. Epithel der anliegenden (medialen) Wand des Ductus reuniens. Flächenansicht. Zeiss, Oc. 4, Obj.D,
Tub. 16 cm.
63. Erwachsenes Meerschwein. Die im Vorhofabschnitte gelegene Mündungsregion des Ductus reuniens im Flächen-
schnitte.
Dr': mediale Wand des Ductus reuniens.
Dr: laterale (freie) Wand des Ductus reuniens.
Da beide Wandabschnitte flächenhaft getroffen sind, so ist der Unterschied der Gestalt ihrer Epithelzellen (siehe auch
Fig. 61, 62) sehr deutlich sichtbar.
1. Limbus spiralis.
2. Epithel des Suleus spiralis internus ) von der Fläche.
3. Zellen der Papilla basilaris.
Die kleinen Zellen der anliegenden Ductuswand (Dr) gehen unter Umformung einerseits in die Zellreihen der Crista spira-
lis (a) über, anderseits unter Vergrößerung und Annahme polygonaler Form in das Epithel des Sulcus spiralis internus (2).
Die freie Ductuswand setzt sich einerseits in die Membrana vestibularis (b) fort, anderseits in die obere Wand des Vorhof-
blindsackes (c). Von der Membrana vestibularis ist nur der am Limbus befindliche Ursprungsrand (b) im Schnitte getroffen.
Object der rechten Körperseite. Hämalaun-Eosin. Zeiss, Oc. 2, Obj. D, Tub. 16 cm.
Keilitz del.
Taf.
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Lith. Anst v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Ba.LXX.
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FISCHE AUS DEM STILLEN OCEAN
BE EBNISSE EINER REISE NACH DEM PACIFIC
(SCHAUINSLAND 1896—97).
VON
Dr. FRANZ STEINDACHNER,
WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
(Mit 6 Tafeln).
(VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 21. JUNI 1900.)
.
Die mir von dem Museum in Bremen zur Bearbeitung überlassene ichthyologische Sammlung, über
welche ich mir hier zu berichten erlaube, wurde von dem Director desselben, Herrn Prof. Schau-
insland, während einer Reise nach der Südsee in den Jahren 1896 und 1897 angelegt. Sie enthält
eirca 160 Arten von Fischen, von denen der weitaus größte Theil — 117 Arten — von den Küsten der
Sandwichs-Inseln (Oahu und Laysan), letztere eine kleine, unbewohnte Koralleninsel, etwa 800 Seemeilen
nordwestlich von Honolulu stammt.
Obwohl die Sandwichs-Inseln in ichthyologischer Beziehung mehrmals, insbesondere von Garrett
erforscht wurden, enthält Prof. Schauinsland’s Sammlung eine nicht unbedeutende Anzahl neuer und
seltener Formen, so unter anderen je ein Exemplar von Apogon maculiferus Garr. und Chilodactylus
vittatus Garr., deren Typen wahrscheinlich verloren gegangen sind, und ist daher in faunistischer Bezie-
hung von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
Die übrigen in vorliegender Abhandlung angeführten Arten wurden von den Küsten der Samoa- und
Chatham-Inseln (etwa 560 Seemeilen östlich von Neu Seeland), sowie Neu-Seelands gesammelt; unter
diesen dürften 2, wenn nicht 3 Arten für die Wissenschaft neu sein. Hiezu kommen endlich noch 5
bereits wohlbekannte Arten von Bare-Insel nächst Vancouver, von denen Xiphidium mucosum: Gir. in
_ einem Exemplar von seltener Größe (40° 1 cm lang) mir vorliegt.
Fam.: Centrarchidae.
1. Kuhlia malo (C. V.), Blgr.
_ Zahlreiche junge und erwachsene Exemplare, 7—19"5 cm lang, von Laysan und Honolulu.
Bei den 2 größten Exemplaren von 16*3 und 19:5 cm Länge ist die Leibeshöhe mehr als 3?/, bis
mehr als 3°/smal, die Kopflänge 4?/,; bis mehr als 4!1/,mal in der Totallänge, der Augendiameter nahezu
_3—2°/;mal in der Kopflänge enthalten.
Vulgärname: Aholele (Honolulu).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 62
484 Franz Steindachner,
Fam.: Serranidae.
Gruppe: Serranina.
2. Epinephelus merra Bloch.
Mehrere junge und halberwachsene Exemplare von Samoa.
Gruppe: Prracanthina.
3. Priacanthus hamrur (Forsk.), C. V.
2 Exemplare, 11°5 und 23°7 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Schnauze etwas kürzer als das Auge, dessen Diameter 2?/,—2!/smal in der Kopflänge (bis zur
Spitze des Unterkiefers) enthalten ist. Bei dem kleinen Exemplare reicht die Ventrale bis zum Beginne
der Anale, bei dem größeren bis zur Basis des 3. Analstachels und ihre Länge gleicht der des Kopfes mit
Ausschluss des vorspringenden Theiles des Unterkiefers.
Verbindungshaut der Ventral- und Analstrahlen dunkel grauviolett.
Fam.: Cheilodipteridae.
4. Apogon bandanensis Blkr.
> Exemplare, jung, von Samoa.
5. Apogon (Pristiapogon) frenatus Val., Klunz.
1 Exemplar, circa 13 cm lang, von Honolulu.
6. Apogon maculiferus Garr., Gthr.
1 Exemplar, 12:15 cm lang, von Laysan, beschädigt.
Kopflänge etwas mehr als 3!/4mal, Leibeshöhe ein wenig mehr als 3!/, mal in der Totallänge, Augen-
diameter unbedeutend mehr als 3mal, Stirnbreite 4!/;mal, Schnauzenlänge etwas mehr als 4mal in der
Kopflänge enthalten.
Die obere Profillinie des Kopfes ist sehr schwach convex, der hintere und untere Vordeckelrand sind
fein gezähnt. Vorleiste des Präoperkels an der linken Körperseite in der Winkelgegend mit schwacher
Spur einer Zähnelung.
Der 2. Dorsalstachel ist viel kräftiger als jeder der übrigen und 2mal, der höchste Gliederstrahl der
2. Dorsale circa 1!/;mal in der Kopflänge enthalten. Die Pectorale wird von 13 Strahlen gebildet.
Die zurückgelegte Ventrale reicht bis zum 2. Analstachel zurück; Caudale dreieckig eingebuchtet,
nächst dem oberen und unteren Rande grauviolett und etwas mehr als 1!/amal in der Kopflänge enthalten.
Ein größerer dunkler Fleck an der Basis der Caudale.
Im übrigen stimmt das mir vorliegende Exemplar mit dem von Dr. Günther abgebildeten Individuum
von den Sandwichs-Inseln überein. (Siehe Günther, Fische der Südsee, p. 20, Taf. 20, Fig. C.)
Fam.: Lutjanidae.
7. Aprion virescens (. V.
1 Exemplar, 19°2 cm lang, von Honolulu.
Kopflänge etwas mehr als 3mal, Leibeshöhe 4mal in der Körperlänge, Augendiameter 3!/, mal,
Schnauzenlänge etwas mehr als 3mal, Stirnbreite ein wenig mehr als 4mal, Länge der Pectorale etwas
Fische aus dem Stillen Ocean. 485
"mehr als 2!/,mal in der Kopflänge enthalten. Im Zwischen- wie im Unterkiefer vorne 4#’kleine Hundszähne,
von denen die äußeren größer als die mittleren sind.
150!
Bei Exemplaren von 27!/, cm Länge zeigen sich am Vordeckelrande nur mehr stellenweise äußerst
schwache Spuren einer Zähnelung.
Fam.: Mullidae.
8. Mulloides pflügeri n. sp.
Taf. III, Fig. 4.
1 Exemplar, 29:5 cm lang, von Honolulu.
Schnauz@ 2mal länger als das Auge, letzteres circa 4!/gmal in der Kopflänge. Die Seitenlinie durch-
"bohrt 33 Schuppen am Rumpfe und 2 auf der Caudale. Kopfform viel gedrungener, Mundspalte bedeutend
länger, obere Kopflinie rascher zur Dorsale ansteigend als bei Mulloides auriflamma, Schnauze weniger
‚gebogen und minder abschüssig als bei Mall. erythrinus.
Kopflänge circa 3'/;mal, größte Rumpfhöhe 3%/; mal in der Körperlänge, Schnauze mehr als 2!/; mal,
Augenlänge circa 4'/,mal, Stirnbreite fast 3'/amal in der Kopflänge enthalten.
Die Länge der Mundspalte, bis zum hinteren Rande des Oberkiefers gemessen, ıst unbedeutend mehr
als 21/,mal (bei Mull. auriflamma mehr als 3!,smal) in der Kopflänge enthalten und der hintere Rand des
Oberkiefers fällt vertical unter den vorderen Augenrand (weit vor diesen bei Mull. auriflamma). Unter-
kieferbartfäden wulstig, mit ihrer zurückgelegten Spitze nicht ganz die Winkelgegend des Vordeckels
erreichend, daher ein wenig kürzer als bei Mull. auriflamma.
Kieferzähne klein, dicht gedrängt, eine schmale Binde bildend. Kiemendeckel in einen Stachel
endigend.
Die beiden Ränder des Vordeckels stossen unter einem rechten Winkel zusammen, dessen Spitze
Stark abgestumpft ist. 3 Schuppenreihen zwischen den Augen und dem Vordeckelwinkel.
Der 1. steife höchste Stachel der 1. Dorsale ist circa 1?/;mal, der höchste Strahl der 2. Dorsale 3mal,
die Länge der Pectorale circa 1!/;mal, die Länge der Ventrale weniger als 1!/;mal (bei Mull. auriflamma
bedeutend mehr als 1?,;3mal), die Länge der Caudale circa 1!/, mal in der Kopflänge, die geringste Rumpf-
höhe am Schwanzstiele mehr als 3mal in der größten Rumpfhöhe enthalten.
Rosenroth, mit einer schwachen Andeutung einer matthellgrauen Längsbinde unter der Höhenmitte
des Rumpfes.
D. 7/1/8. L. 1. 383 #2. L. tr. 21%/1/6 zw. 1. D. und V., 31/,/1/51/» zw. 2. D. und A.
9. Mulloides erythrinus Klunz. (Fische des rothen Meeres I. p. 50).
(Mulloides ruber Klunz., Synops. I, p. 743, Gthr. Südseefische).
1 Exemplar, 32 cm lang, von Laysan.
10. Mulloides auriflamma (Forsk.), Klunz.
(Mulloides flavolineatus sp. C. V., Blkr.).
4 Exemplare, 14 S—26°5 cm lang, von Laysan und Honolulu.
Junge Exemplare unterscheiden sich von erwachsenen durch die verhältnismäßig viel geringere
Länge der Schnauze, die bei alten Individuen 2, bei jungen nur 11/a— 12/3 Augenlängen gleicht.
Mundspalte klein, das hintere Ende des Oberkiefers fällt weit vor den vorderen Augenrand.
62*
486 Franz Steindachner,
Augendiameter bei jungen Individuen 4mal, bei alten circa 4'/;mal, größte Rumpfhöhe bei ersteren
5?/;, mal, bei letzteren unbedeutend mehr als 5mal in der Totallänge enthalten.
Vulgärname: Weke (Honolulu).
11. Parupeneus cyclostomus (Lac., ©. V., Sauv.), Steind.
(Parupeneus chryserythrus |Lac.], Blkr., Gthr.).
2 Exemplare, 17°3 und 24:6 cm lang, von Honolulu.
Bei dem kleinen Exemplare zeigen sich an den Wangen noch Spuren von bläulichen Längslinien.
Nach Sauvage entspricht die von Blecker und Günther als Parupeneus (Upeneus) chryserythrus
beschriebene Art nicht der gleichnamigen Art Lacepede's und Cuv. Valenciennes', sondern dem
Upeneus (Mullus) cyclostomus (Lae.), C. V.
12. Parupeneus pleurostigma (Benn.), Blkr.
1 Exemplar, 29 cm lang, von Laysan.
Zweite Dorsale im unteren Drittel dunkelviolett, in den übrigen Theilen mit violetten Linien. Der
dunkle Querfleck am Rumpfe liegt auf der 9.—11. Schuppe der Seitenlinie und der diesen zunächst über
wie unterhalb gelegenen Schuppe.
13. Parupeneus dispilurus (Playf., Gthr.), Day.
(= Mullus plenrotaenia et M. dispilurus Playf., Gthr., = Parnpeneus notospilus Klunz.).
2 Exemplare, 21:5 und 27 5 cm lang, von Honolulu.
Beide Exemplare gehören der Rumpfzeichnung nach zu jener Varietät, welche Playfair als Mullus
pleurotaenia beschrieben und abgebildet hat (Playf., Gthr., Fish. of Zanzibar, p. 41, Taf. V, Fig. 3 (nicht
Fig. 4, wie es im Texte heißt).
Kopflänge nahezu 4—3°/,mal, Leibeshöhe 4mal in der Totallänge, Augendiameter 4—5mal (großes
Exemplar), Schnauzenlänge ein wenig mehr als 2mal, Stirnbreite etwas weniger als 4mal oder genau
4 mal, der 2. steife Stachel der 1. Dorsale genau oder etwas mehr als 1?/;mal in der Kopflänge enthalten.
Die Profillinie der Schnauze ist schwach concav im mittleren Theile, die Stirne querüber nur mäßig
gewölbt.
Die beiden hellschimmernden schmalen Längsbinden des Vorderrumpfes sind wohl halb erloschen,
aber noch deutlich zu erkennen. Der große rosenfarbige Fleck an der Oberseite des Schwanzstieles
unmittelbar hinter der 2. Dorsale ist scharf ausgeprägt, der auf ihn folgende dunkle Fleck nur schwach
angedeutet.
Nach Sauvage wäre Parupeneus dispilurus Play f. identisch mit Upeneus fraterculus C. V., dessen
Beschreibung aber so allgemein gehalten ist, dass ich wenigstens vorläufig den von Playfair gewählten
Namen beibehalte, zumal Sauvage's Abildung des typischen Exemplares von Cuv. Valenciennes
diese Annahme (unter Voraussetzung der Genauigkeit der Zeichnung) nicht unterstützt (siehe Sauvage:
Hist. nat. des poissons de Madagascar, Pl. 27, Fig. 3).
Die von Dr. Klunzinger als Parupeneus notospilus beschriebene Art ist zweifelsohne identisch mit
Mullus dispilurus Playf. und entspricht der gleichnamigen Varietät, die in Playfair’s oben citierten Werke
auf Taf. V, Fig. 4 (nicht Fig. 3) sehr ungenau (bezüglich der Körperform) abgebildet ist.
14. Parupeneus trifasciatus Lac., Gthr.
(Parupeneus multifasciatus Blkr.).
Zahlreiche Exemplare von Honolulu und Laysan, 16—26 4 cm lang.
Vulgärname: Moano (Honolulu).
- Fische aus dem Stillen Ocean. 487
Schnauze circa um '/a;—1 Augendiameter länger als die Hälfte des Kopfes. Letzter Strahl der 2. Dor-
Sale, insbesondere bei den größeren Exemplaren der Sammlung, sehr stark verlängert, etwas weniger der
entsprechende Strahl der Anale.
Länge des Auges 6—6?/3mal in der des Kopfes.
In der Zeichnung entsprechen sämmtliche Exemplare nur Dr. Günthers Abbildung von Upeneus
trifasciatus in »Fische der Südsee« auf Taf. XLIV, Fig. 3, auch bezüglich der Kleinheit des Auges und
der. Länge der Schnauze.
15. Upeneoides taeniopterus ((. V.), Day.
2 Exemplare, 26 und 30 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Weke— pueo.
Kopflänge 4?/;mal, Leibeshöhe fast 5mal in der Totallänge, die Länge der stark gebogenen Schnauze
etwas weniger als 2'/amal, Augendiameter ein wenig mehr als 2!/,mal, die Breite der Nachen Stirne circa
3!/ mal, der höchste Stachel der 1. Dorsale 1?/;mal, die Länge der Ventralen wie die der Pectoralen 1'/,mal
in der Kopflänge enthalten.
Die Unterkieferbarteln reichen nahezu bis zum hinteren Vordeckelwinkel zurück und die Mundwinkel
fallen in verticaler Richtung ein wenig vor das Auge.
Am oberen Ende einzelner Strahlen der 2. Dorsale liegt ein dunkler Fleck. Streifen oder Binden
fehlen auf beiden Exemplaren.
Caudale normal schräge gebändert.
L.1.38. L. tr. 3/1/51)..
| Fam.: Sparidae.
16. Sphaerodon grandoculis (Forsk.), Klunz.
| 1 junges Exemplar, 19 cm lang, von Honolulu, mit 3 dunklen Querbinden in der oberen Rumpfhälfte.
- Ein silberglänzender Fleck auf der Mitte jeder Schuppe der unteren Rumpfhälfte, von der Seitenlinie
angefangen.
Fam.: Haplodactylidae.
17. Haplodactylus schauinslandii n. sp.
Taf. I, Fig. 1.
Br. 5. D. 16|1,7. A. 3/7. P. 16 (9+7). L. 1. 99— 100.
Die größte Rumpfhöhe ist circa 4'/smal in der Totallänge und ein wenig mehr als 3'/, mal in der
Körperlänge, die Kopflänge circa 5 mal in der Totallänge, die Länge der Schnauze nahezu 3mal, der Augen-
diameter 5*/; mal, die Breite der querüber flachen Stirne 4mal in der Kopflänge enthalten.
Die Schnauze ist in der Höhe der unteren Narinen im Profile concav, gegen die Stirne zu schwach
wulstig aufgetrieben; sie fällt steiler nach unten ab, als die nur sehr wenig eingedrückte Profillinie der
Stirn- und Hinterhauptgegend zur Dorsale ansteigt.
Die horizontal gelegene Mundspalte wird von der stumpfoval gerundeten Schnauzenspitze überragt.
Im Zwischen- wie im Unterkiefer liegen 22 Zähne in der Außenreihe; sie endigen in 3 Zacken, von denen
die mittlere länger und stärker als die seitliche ist.
Das hintere Ende des Öberkiefers fällt unter den Vorderrand der hinteren Narine in verticaler
Richtung.
Beide Narinen sind ziemlich groß, kreisrund; die untere derselben trägt am hinteren Rand ein Haut-
läppchen.
3
488 Franz Steindachner,
Der hintere und untere häutige Rand des Vordeckels bilden einen gleichmäßig gerundeten, weiten |
Bogen. Ein breiter häutiger Lappen umsäumt den concaven oberen Rand und die Stachelspitze des |
Kiemendeckels. Von der Entwicklung eines 2. Stachels am Deckel ist nicht die geringste Andeutung
bemerkbar. Wangen, Deckel und Unterdeckel mit sehr kleinen Schuppen bedeckt. Schnauze mit Einschluss
des Praeorbitale, Stirne und Oberseite der Hinterhauptgegend nackthäutig. |
Die Pectorale ist ganz unbedeutend länger als der Kopf; die 6 unteren Strahlen derselben sind unge-
spalten, verdickt und der oberste derselben ein wenig kürzer als der vorangehende gespaltene Strahl.
Der 5. höchste Stachel der 1. Dorsale, sowie der höchste 3. und 4. Gliederstrahl der 2. Dorsale sind
ein wenig kürzer als der Kopf, mit Ausschluss der Schnauze.
Der 2. Dorsalstachel ist kaum halb so lang wie der 5., der 1. circa 21/;mal kürzer als der 2. Stachel
und circa ?'3mal so lang als das Auge. Der Beginn der Dorsale fällt in verticaler Richtung über die Spitze
des häutigen Deckellappens. Beide Dorsalen sind durch eine tiefe Einbuchtung von einander getrennt.
Die Caudale ist am hinteren Rande schwach concav, nur wenig kürzer als der Kopf und bis zum
hinteren Rande dicht von Schuppen umhüllt, die, mit Ausnahme der am vorderen kleineren Längendrittel
der Flosse gelegenen, äußerst klein sind.
Auf der Pectorale ist nur ein bogiger Ausschnitt im basalen Längendrittel der Flosse circa, und zwar
gleichfalls mit nur äußerst kleinen Schuppen bedeckt.
Die Anale endigt zugespitzt nach unten. Der 3. Stachel derselben ist circa 2'/mal in der Kopflänge
enthalten, während der 2. kaum die Länge eines Auges erreicht. Der 3. höchste Gliederstrahl der Flosse
kommt ?/; einer Kopflänge gleich. j
Eine dicke, dicht beschuppte Hautfalte legt sich über die Basis der stacheligen 1. Dorsale, über den
vorderen Theil der 2. Dorsale und der Anale. Gegen die Basismitte der beiden genannten Flossen zu
verliert sie allmälig den Charakter einer Falte.
Die Schuppen am vorderen Theile der Rumpfseiten sind klein, weiter zurück bis circa gegen das
Ende des mittleren Drittels der Rumpflänge nehmen sie nur wenig, zuletzt aber merklich rascher (gegen
die Caudale) an Größe zu. Die Schuppen an der Bauchseite des Rumpfes sind viel kleiner als die der
Rumpfseiten und die Schuppen der Brustgegend insbesondere kaum größer als die am Kiemendeckel
gelegenen Schuppen. Ein wenig größer endlich sind die Schuppen der Bauchseite zwischen den Ventralen
und der Anale.
Der Kopf, die Rumpfseiten und sämmtliche Flossen sind tiefviolett und mit orangegelben Flecken
besetzt; die Unterseite des Körpers ist orangegelb mit einem Stiche ins Bräunliche und zwischen der
Ventralen und der Anale ungefleckt.
An den Seiten des Rumpfes nehmen die gelben Flecken von der Seitenlinie herab an Größe zu und
die Flecken der untersten Reihen vereinigen sich stellenweise zu größeren Flecken mit dunkelvioletter
Tüpfelung oder zu einer mehr oder minder langen Längsbinde. Die Brustgegend ist undeutlich violett,
u. zw. wellig gestrichelt und gefleckt auf schmutzig hellgelbbraunem Grunde. An der Unterseite des Kopfes
liegen 3 violette schmale Querbinden.
I Exemplar, 30°5 cm lang, von Neu-Seeland.
Fam.: Chaetodontidae.
18. Chaetodon auriga Forsk.
(Ch. setifer Bloch, Gthr.).
9 Exemplare, 11—16 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Kikakapu.
19. Chaetodon fremblii Benn.
2 Exemplare von Laysan, 6:3 und Il 5cm lang.
Fische aus dem Stillen Ocean. 489
20. Chaetodon quadrimaculatus Gray.
2 Exemplare, 11°6 und 13 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Vulgärname: Lauhau (Honolulu).
21. Chaedoton lunula (Lac.), C. V.
1 Exemplar, 12°5 cm lang, von Honolulu.
Eine einzige schwarze Binde zieht von der ganzen Länge des oberen hinteren Deckelrandes bis zur
Pectorale herab, schräge nach oben bis zur Basis des 6.—8. Dorsalstachels und ist breit weiß gerandet.
Kein dunkler Fleck auf den Gliederstrahlen der Dorsale.
- 22. Chaetodon lineolatus C. V.
(Chaetodon [Anisochaetodon] Iineolatus Klunz., Tefragonoptrus [Oxychaelodon] lineolatus Blkr).
1 Exemplar, 11:5 cm lang, von Honolulu.
Nahe dem hinteren Rande der Caudale läuft ein dunkler Querstreif vertical herab, der im mittleren
Höhendrittel der Flosse breiter wird. (Siehe Bleckers Abbildung, Atl. ichthyol., Vol. IX, Taf. 377 (15),
Fig. 2.)
23. Chaetodon miliaris G. G.
Mehrere Exemplare, 4:3—11 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Vulgärname: Lauwiliwili.
24. Chelmo (Forcipiger) longirostris (Brouss.), C. V.
1 Exemplar, 125 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Lauhaunukuiwi.
Fam.: Zanelidae.
25. Zanclus cornutus (L.), C. V.
3 Exemplare, 13—16°5 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Kihikihi.
Fam.: Pimelepteridae Blkr.
26. Pimelepterus fuscus (Lac.), C. V.
3 Exemplare, 23°2—29 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Leibeshöhe 2!/, bis etwas mehr als 21/,mal in der Körper-, 3mal in der Totallänge, Kopflänge circa
‚3'/smal in der Körper- und circa 4!/,mal in der Totallänge, Augendiameter etwas mehr als 3°/, bis etwas
mehr als 4mal, Stirnbreite etwas weniger als 3 (mehr als 23/,—2!/smal), Schnauzenlänge 3mal, Pectorale
1!/gmal in der Kopflänge enthalten.
Der höchste Stachel der Dorsale ist circa 1!/gmal höher als der längste Gliederstrahl derselben Flosse.
74— 80
D. 11/12. A. 3/11. L. 1. 62-65 — —— L. tr. 12/1/22—23 (bis zur.V.
/12. A. 3/ 62—65 Ge! tr) 3 (bis zur V.)
Eine silberige Längsbinde unter dem Auge.
Rumpf bleifarben mit hellen Streifen, welche der Zahl der Schuppenreihen des Rumpfes entsprechen
und unterhalb der Seitenlinie allmälig an Höhe zunehmen. Dorsale, Anale und Caudale schwärzlichgrau.
490 Franz Steindachner,
Fam.: Cirrhitidae.
27. Cirrhites (Amblycirrhites) arcatus C. V., Blkr.
1 Exemplar von Honolulu, 10°3 cm lang.
28. Cirrhites forsteri (Bl., Schn.), Gthr.
2 Exemplare, 13 und 16°4 cm lang, von Honolulu.
Flecken am Vorderrücken sehr klein, fast punktförmig und in sehr geringer Zahl. Auch die Flecken
des Kopfes sind viel kleiner als es Günthers Abbildung (Fische der Südsee, Taf. XLIX, Fig. A) zeigt und
fließen nicht im unteren seitlichen Theile des Kopfes zusammen.
Vulgärname: Hilupitikoa.
29. Cirrhites (Cirrhitichthys) maculatus Lac.
4 Exemplare, 16°4— 19 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Vulgärname: Opukai.
30. Cirrhites cinctus Gthr.
1 Exemplar, 9:3 cm lang, von Honolulu.
31. Chilodactylus macropterus (Forst.), Gthr.
2 Exemplare, circa 25 und 25°8 cm lang, von Neu-Seeland.
32. Chilodactylus vittatus Garr., Gthr.
I Exemplar von Honolulu, circa 22:5 cm lang.
Vulgärname: Kikakapukoa.
Es stimmt in der Zeichnung genau mit der von Dr. Günther reproducierten Originalabbildung
Garretts’ (Fische der Südsee, Taf. II, Fig. B) überein, nur sind die weißlichen Flecken auf der Rücken-
binde, die nach vorne über den stacheligen Theil der Dorsale hinaufzieht, verschwommen angedeutet.
Am vorderen Augenrande liegt ferner jederseits eine dornartige Anschwellung, die auf Garretts Abbildung
fehlt. Die Spitzen der Caudale zeigen keine dunkle Einfassung. Größte Leibeshöhe in einiger Entfernung
vor dem Beginne der Ventrale (mit Ausschluss der ziemlich hohen Schuppenscheide der stacheligen Dor-
sale) circa 2?/;mal, Kopflänge circa 31/3mal in der Körperlänge, Augendiameter 4mal, Schnauzenlänge
mehr als 2?2/3mal, Länge der Pectorale circa 1!/;mal, der Ventrale circa 1!/gmal, Länge des höchsten
3. Dorsalstachels, von seiner unter Schuppen verborgen liegenden Basis an gemessen, circa 1!/,, mal in der
Kopflänge enthalten.
Lippen wulstig, Unterlippe in der Mitte unterbrochen. Die 7 unteren Brustflossenstrahlen sind unge-
spalten, der 5., längste derselben reicht nicht bis zur Analmündung. Nacken bei dem zur Beschreibung
vorliegenden Exemplare noch ein wenig stärker erhöht als es Garretts Abbildung zeigt. Obere Profillinie
des Kopfes zwischen der Stirne und dem Beginne der Dorsale concav; 2 (nach Garretts Abbildung 3)
niedrige Stacheln vor dem höchsten Dorsalstachel.
Unter den höchsten Stacheln (3.—6.) der Dorsale gleicht die Höhe der Schuppenscheide an der Basis
der Flosse fast einer halben Augenlänge, weiter zurück nimmt sie bis zum 9.—10. Gliederstrahle allmälig
ab und zieht sodann in gleicher, geringer Höhe bis zum hinteren Flossenende. Wangenschuppen sehr klein,
Deckelschuppen ein wenig größer. Praeorbitale und Oberseite der Schnauze schuppenlos.
D. 16/29. A. 3/8. P. 97. V. IMs. L. 1. ce. 62 + ec. 67 auf: der’C.
Fische aus dem Stillen Ocean. 491
3 schräge, schwärzliche Binden am Kopfe, von denen die hinterste unterhalb der Pectorale endigt.
Die folgende Nackenbinde ist sehr breit und zieht vom Nacken so wie von der Basis der 3 ersten Dorsal-
stacheln schräge nach hinten. Ihr hinteres unteres Ende liegt unmittelbar vor der Analmündung. Die von
der Spitze des höchsten Dorsalstachels über sämmtliche folgende Stacheln herabziehende Binde endigt an
den Seiten des Schwanzstieles unterhalb der Seitenlinie. Ventrale schwärzlich.
33. Latris ciliaris Forst.
1 Exemplar, 26:7 cm lang, von Neu-Seeland.
D. 16/42. A. 3/34. L. 1. 90 (bis zur C.).
Pectorale mit S einfachen Strahlen. Kopflänge 4'/,mal in der Totallänge enthalten.
Fam.: Scorpaenidae.
34. Sebastes percoides (Sol.), Richards.
2 Exemplare, 25:9 und 26°3 cm lang, von Neu-Seeland.
35. Scorpaena gibbosa Bl., Schn.
1 Exemplar, 15°3 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Omaka.
36. Pterois barberi n. sp.
Taf. III, Fig. 2.
1 kleines Exemplar, im Plankton während der Fahrt von Honolulu nach Cap Horn gefunden von
Capitain Barber. Totallänge 4°1 cm, Körperlänge 3° 1 cm.
D. 13/10. P. 8/10 (verdickt). V. 1/5. A. 3/6.
Ein hohes, bandartiges Tentakel am oberen Augenrand, ebenso lang wie der Kopf mit Ausschluss
der Schnauze. Pectoralstrahlen bis zum hinteren Ende häutig verbunden, circa bis zur Basismitte des
gliederstrahligen Theiles der Dorsale zurückreichend, 2!/;mal in der Körper-, fast 3mal in der Totallänge
enthalten.
Höchste Stacheln der Dorsale niedriger als der Rumpf; circa 46 Schuppen längs der L. l., die
24 Schuppen am Rumpfe und I auf der Caudale röhrig durchbohrt. 6 Schuppen zwischen der Basis der
mittleren Dorsalstacheln und der Seitenlinie. 2—3 Stacheln am Vordeckelwinkel, 1 am Deckel.
Hellgoldbraun, mit 6 dunkleren Querbinden am Rumpfe, davon 3 vom stacheligen, 2 vom glieder-
strahligen Theile der Dorsale herabziehend und auf dem basalen Theile der Dorsale und der Anale
endigend.
Pectorale und Ventrale mit je 3 violetten Querbinden. Caudale vollkommen ungefleckt, ebenso die
Gliederstrahlen der Dorsale und der Anale, mit Ausschluss des basalen Theiles, auf dem die Querbinden
des Rumpfes endigen.
Auf der Höhenmitte der Dorsalstacheln eine Reihe verschwommener, dunkler Flecken, parallel zum
freien Flossenrande.
Sämmtliche Gliederstrahlen der Dorsale und die Mehrzahl der Pectoralstrahlen ungespalten.
Oberer Rand des Auges nach hinten in einen Stachel auslaufend.
Ein kurzes fadiges Tentakel an den vorderen Narinen, unmittelbar hinter diesen ein kleiner spitzer
ee. Me ee MT TE Et a
Stachel. 2—3 Stacheln zwischen dem hinteren Augenrand und dem Beginne der Seitenlinie. Ein längerer
- Hautlappen über dem Oberkiefer, in einiger Entfernung vor dem Mundwinkel. Die beiden Stirnleisten
endigen nach hinten in einen kurzen Stachel und weichen zugleich etwas weiter auseinander, einen
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 63
492 Franz Steindachner,
tropfenförmigen Raum durch eine bogige Querbrücke umschließend; endlich jederseits eine kammartige, nach
hinten divergierende scharfe Leiste, in einen Stachel auslaufend an der Oberseite des Hinterhauptes vor
der Dorsale. ?
Die Kopflänge ist 2!/; mal in der Körperlänge und unbedeutend mehr als 3mal in der Totallänge,
erößte Rumpfhöhe 21/, mal, höchster Dorsalstachel etwas mehr als 31/,mal, Länge der Ventrale 3mal in
der Körperlänge, Augendiameter 3mal, Schnauzenlänge ein wenig mehr als ömal in der Kopflänge
enthalten.
Das hintere Ende des Oberkiefers fällt unter die Augenmitte; Zähne an den Kiefern und am Vomer.
2 dunkelviolette Binden ziehen vom unteren Augenrande divergierend herab; die vordere endigt hinter dem
Mundwinkel, die hintere am gerundeten Winkel des Vordeckels. Die verschwommene Querbinde am Hinter-
haupte läuft über den Deckel herab.
Die hier beschriebene Art gehört in die Subgattung Dendrochirus Swains., Blkr.,, von der bisher
nur 2 Arten Pferois zebra und Pf. brachypterus C. V. bekannt waren und nähert sich unter diesen letzt-
genannten Art in der Zahl der Schuppen zwischen der stacheligen Dorsale und der Seitenlinie; doch ist
der Kopf bedeutend länger, das Orbitaltentakel höher und schlanker, die Zeichnung der Flossen überdies
verschiedenartig.
Fam.: Berycidae.
37. Holocentrum argenteum G. G
Mehrere Exemplare von Honolulu und Laysan, 10°8 und 15°7 cm lang.
Blass rosenroth mit rothgelben Längsstreifen. Die Spitze des Vordeckelstachels überragt ein wenig
den Rand der Kiemenspalte.
L. 1. 40—45. L. tr. 21/g/1/7.
38. Holocentrum rubrum (Forsk.), Rüpp.
ar
Exemplar, 11 cm lang, von Samoa.
$) {eo}
39. Holocentrum sammara (Forsk.), Rüpp.
D
2 Exemplare, von Samoa.
40. Holocentrum diadema Lac., Rüpp.
2 Exemplare, 12 und 14-5 cm lang, von Honolulu und Laysan.
41. Myripristis murdjan (Forsk.), C. V.
1 Exemplar, 24:6 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Pau, u.
42. Myripristis (Holotrachis) lima C. V., Gthr.
1 Exemplar, 12 cm lang, von Honolulu.
Fam.: Polynemidae.
43. Polynemus sexfhillis C. V.
I Exemplar, circa 21:7 cm lang, von Honoluln.
Due nr
Fische aus dem Stillen Ocean. 493
Fam.: Acanthuridae Blkr. (= Aeronuridae Gthr.).
44. Acanthurus dussumieri C. V.
2 Exemplare von Honolulu.
Leibeshöhe 21/,—2?,,mal in der Totallänge, etwas mehr als 1?/;—1°%/;mal in der Körperlänge, Kopf-
länge 4°/;—4*/,mal in der Totallänge, circa 3%/;mal in der Körperlänge, Augendurchmesser ein wenig
ehr als 3°/;—31/» mal, die Schnauzenhöhe fast 1?/smal in der Kopflänge enthalten.
Die Schnauze ist bei beiden Exemplaren schwächer gebogen (convex) und der Rumpf minder
estreckt als es Dr. Günthers Abbildung (Fische der Südsee, Taf. LXXII) zeigt.
Bei einem der beiden Exemplare fehlt eine helle Stirnbinde vollständig, bei dem anderen ist sie nur
zunächst dem vorderen Augenrande angedeutet. Auch die hellgelbe Binde längs der Basis der Brustflossen
ommt zuweilemnicht zur Entwicklung. 16 Zähne im Zwischen- wie im Unterkiefer.
D. 9/27. A. 3/23.
Vulgärname: Puwalu, Palaui.
45. Acanthuryjs flavescens Benn.
1 Exemplar von Honolulu, 11°8 cm lang.
Einfärbig gelb mit einer ziemlich breiten weißen Längsbinde in der Höhenmitte des Rumpfes, und
war in einiger Entfernung hinter dem Schultergürtel beginnend und ein wenig vor der Längenmitte des
Rumpfes endigend.
Vulgärname: Kalapala.
46. Acanthurus olivaceus Bl., Schn.
3 Exemplare, 16°’3—17°8 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Naena.
D. 9/24. A. 3/24.
47. Acanthurus lineolatus C. V., Gthr.
2 Exemplare, 17 und 19'5 cm lang, von Honolulu.
Die Caudale ist tiefer ausgeschnitten und die Lappen derselben sind stärker vorgezogen als es
Dr. Günthers Abbildung (Fische der Südsee, Taf. LXXII, Fig. A) zeigt.
Eine lichte Zone auf der Caudale nicht entwickelt. Rumpf wie die Flossen bei den Weingeist-
‚exemplaren schmutzig grauviolett.
48. Acanthurus triostegus (L.), Bl., Schn.
Mehrere Exemplare von Honolulu und Laysan, 11:6—19°3 cm lang.
Vulgärname: Hinalea.
49. Acanthurus achilles Shaw.
2 Exemplare, 16:6 und 20 cm lang, von Honolulu.
Der breite Hauptsaum am Hinterrande des Deckels hellblau wie der Außenrand der Ventrale und die
Binde am Unterkiefer.
Eine blaue Linie längs der Basis der Dorsale und der Anale, über-, respective unterhalb dieser Linie
ein gegen das hintere Flossenende an Höhe zunehmender rother Streif, wie bei dem von Dr. Günther
abgebildeten Exemplare (Fische der Südsee, Taf. LXXI, Fig. B).
63*
494 Franz Steindachner,
50, Acanthurus bipunctatus Gthr.
1 Exemplar, 16 cm lang, von Honolulu.
Violett; Caudale tief halbmondförmig eingebuchtet, mit spitzen vorgezogenen Lappen, um etwas mehr
als einen Augendiameter länger als der Kopf, mit einem linienförmigen weißlichen Saume am hinteren
Rande.
Kopflänge 3°/,mal, Leibeshöhe 2mal in der Körperlänge, Auge 3°/;mal, mittlere Stirnbreite etwas
mehr als 3mal in der Kopflänge, Abstand des vorderen Schnauzenendes vom Auge etwas mehr als 1°/, mal
in der Kopflänge enthalten.
Stirne zwischen den vorderen Augenrändern aufgetrieben. Schnauze steil abfallend, im Profile
concav. Ein großer schwarzer Fleck auf der Basis der letzten Gliederstrahlen der Dorsale und Anale, ein
wenig auf den Schwanzstiel übergreifend.
51. Acanthurus (Harpurus) hypselopterus Blkr.
Taf. IV, Fig. 1.
D. 4/30. A. 3/34. V. 1/5. P. 16.
2 Exemplare, 13°2 und 15 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: A-pi.
Die größte Rumpfhöhe ist bei dem kleineren Exemplare etwas mehr als 2mal, bei dem größeren aber
eirca 2!/s mal, die Kopflänge nahezu 4'/;mal in der Totallänge, der Augendiameter etwas mehr als 31/, bis
3°/smal, der Abstand des vorderen Kopfendes vom Auge etwas mehr oder weniger als 1'/;mal in der Kopf-
länge, die Länge der Pectorale ein wenig mehr als 4mal, die der Ventrale circa 5°?/;—5°/; mal in der Total-
länge enthalten.
Die 2 letzten der 4 Dorsalstacheln sind sehr biegsam, der letzte, 4. ist circa 3mal, der 2. mehr als
o°/; mal, der 6. wie der 7. höchste Gliederstrahl der Dorsale etwas mehr als 2!/;mal, der 2. Analstachel
circa 7 mal, der 3. 51/amal, der höchste Gliederstrahl der Anale circa 4mal in der Totallänge enthalten.
Die Länge der Caudale gleicht bei dem kleineren Exemplare ?/,, bei dem größeren circa !/, der
Totallänge.
7 Zähne jederseits im Zwischen-, 8 im Unterkiefer. Erstere sind lanzetförmig, spitzen sich gegen das
freie Ende zu und sind in der der Spitze zugekehrten Hälfte des Seitenrandes 4—5mal eingekerbt.
Die Unterkieferzähne dagegen verbreitern sich gegen den oberen gerundeten Rand zu und sind an
letzterem Smal eingekerbt.
Die Grundfarbe des Körpers ist silbergrau; die violetten Querbinden des Kopfes und Rumpfes, 7 an
der Zahl, reichen stets bis zum Bauchrande herab und die 3 ersten des Rumpfes ziehen sich ein wenig
über die Basis der Dorsale fort. Die 3., 4. und 5. Querbinde zeigt 3—4 dunklere Querstreifen, deren Zah-
bei großen Exemplaren bis Auf 6 steigt.
Die Schnauze ist bei den von mir untersuchten kleineren Exemplaren ungefleckt, aber hellgetupft bei
einem größeren Exemplare von den Gesellschafts-Inseln und stets stärker vorgezogen als bei gleich großen
Exemplaren von Acanthurus velifer Bloch, dessen Auge überdies kleiner ist als bei A. hypselopterus. Auch
in der Rumpfzeichnung unterscheiden sich beide Arten constant von einander.
Die Dorsale und Anale zeigen eine mehr minder tiefe, schwärzlich- oder braunviolette Färbung und
helle schmale bogige Querstreifen in dem hinteren Theile dieser Flossen. Die Caudale ist hinten hell
gerandet.
52. Acanthurus (Etenodon) strigosus Benn.
Mehrere Exemplare von Honolulu, 14°5 und 15°8 cm lang.
Vulgärname: Kole.
Fische aus dem Stillen Ocean 495
08. Naseus unicornis (Forsk.), Gthr.
3 Exemplare, 7—23°5 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Das kleinste Exemplar entspricht der von Dr. Günther gegebenen Abbildung (Fische der Südsee,
Taf. LXXVII, Fig. D), es liegen runde Fleckchen in mehreren Querreihen in der oberen Rumpfhälfte.
Bei den 2 größeren Exemplaren von Honolulu ist die Leibeshöhe etwas mehr als ? mal in der Körper-
länge enthalten.
Schwanzstachel blaugrau an der Basis.
Vulgärname: Kala (Honolulu).
Ä o4. Naseus litturatus (Forst.), C. V.
1 Exemplar, vortrefflich erhalten, 19 cm lang, von Honolulu.
Ein gelber Fleck umschließt jeden der beiden Schwanzstachel.
Caudale hinten halbmondförmig gerandet, mit breitem hellen Randsaume. Eine gelbe Linie zieht vom
Auge bogenförmig zum Mundwinkel.
Fam.: Carangidae.
| oo. Caranx (Hypocaranx) speciosus (Forsk.), Lac.
’
| Ein ganz kleines Exemplar, 2°7 cm lang, von Oahu, Pearl Harbour.
»6. Caranx ignobilis (Forsk.), Klunz.
3 Exemplare, 17—23°5 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Vulgärname: Papiopio-Ulua.
97. Caranx (Selar) affınis Rüpp., Klunz.
3 Exemplare, circa 21—25°4 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Akule.
58. Caranx ferdau (Forsk.), Klunz.
1 Exemplar, ergänzt eirca 21 cm lang, von Honolulu.
59. Caranx crumenophthalmus Lac.
2 Exemplare, 23°5 und 28°5 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Akule.
60. Decapterus sanctae helenae (C. V.), Steind.
1 Exemplar, circa 24°5 cm lang, von Honolulu.
Leibeshöhe 5°/;mal in der Körperlänge, Schnauze 3mal, Auge 4mal in der Kopflänge enthalten.
Circa 30 gekielte Schilder längs der Seitenlinie.
57. Chorinemus moadetta (Ehrb.), C. V.
1 Exemplar, 19 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Lai.
Körperhöhe mehr als 4?/;mal, Kopflänge circa 5°/;mal in der Totallänge, Augen- und Schnauzen-
länge je 3°/, mal in der Kopflänge enthalten.
496 Franz Steindachner,
58. Chorinemus sancti petri €. V., Klunz.
I Exemplar, 40 cm lang, von Honolulu.
Köpflänge weniger als 5° ,mal in der Totallänge, Leibeshöhe 4mal in der Körper-, Smal in der
Totallänge enthalten.
Das hintere Ende des Oberkiefers fällt unter den hinteren Augenrand. Die Länge der Mundspalte
gleicht der Hälfte der Körperlänge. Zahnbinde am Vomer nagelförmig. Schnauze 3!/,mal, Auge fast +#/; mal
in der Kopflänge enthalten.
Vulgärname: Lai.
Fam.: Echeneidae.
59. Echeneis remora L.
Ein kleines Exemplar, pelagisch gefischt während der Fahrt von Honolulu nach Cap Horn von
Capitain Barber.
1 Exemplar, 10° 1 cm lang, mit einem Hai an Bord geholt; 17 Platten an der Kopfscheibe.
Fam.: Uranoscopidae.
60. Anema monopterygium (Bl. Schn.), Gthr.
1 Exemplar, 29 cm lang, von Neu-Seeland.
Fam.: Trachinidae.
61. Percis schauinslandii n. sp.
Taf. III, Fig. 5.
I Exemplar, 14°2 cm lang, von Honolulu.
Caudale mit fadenförmig verlängerten Lappen, daher am hinteren Rande tief eingebuchtet.
DES 2DFAETDSTREIZETE].C 87 aundenie):
Kopflänge fast 3!/;mal, Leibeshöhe circa 5°/;mal, Länge der Ventrale sowie der Pectorale etwas
mehr als Smal in der Körperlänge, Augendiameter circa 4mal, Stirnbreite circa 7mal, Länge der Schnauze
etwas mehr als 31/; mal, Länge der schräge gestellten Mundspalte etwas mehr als 2'/,mal in der Kopflänge
enthalten.
Das hintere Ende des Oberkiefers fällt in verticaler Richtung circa unter die Augenmitte. Von den
ringsum den Vorderrand des Unterkiefers liegenden Hundszähnen, 3 jederseits, ist der hinterste am längsten
und stärksten. Die weiter zurück seitlich gelegenen Hundszähne, 2—3 jederseits, sind viel kleiner und
schwächer als die vorderen. Im Zwischenkiefer vertheilen sich die Hundszähne auf die vordere kleinere
Kieferhälfte und sind von ungleicher Größe.
Der Kiemendeckel trägt 2 kräftige Stacheln von mäßiger Länge. Rand des Vordeckels ungezähnt,
Praeorbitale schuppenlos, Wangen und Deckel beschuppt. Auf der Oberseite der Schnauze und auf
der Stirne liegen die Schuppen vereinzelt in die Kopfhaut eingebettet.
Von den Stacheln der 1. Dorsale ist der 4. höchste, etwas weniger als 3mal, der 5. circa 7 mal in der
INopflänge enthalten. Der 4., fadenförmig verlängerte Ventralstrahl erreicht mit seiner Spitze die Analmün-
dung. Sämmtliche Pectoralstrahlen mit Ausnahme des obersten sind gespalten.
Während die mittleren Caudalstrahlen circa ®/; einer Kopflänge erreichen, übertreffen die fadenförmig
verlängerten Strahlen der schlanken, spitzen Caudallappen an Länge den Kopf um mehr als einen Augen-
diameter.
Fische aus dem Stillen Ocean. 497
Silberfarben, vielleicht im Leben mit rosenrothem Anfluge. Kurze, nicht scharf abgegrenzte Querbinden
ziehen über die obere Rumpfhälfte bis zur Seitenlinie. Erste Dorsale dunkel gesprenkelt, mit einem milch-
weißen Fleck im oberen Theile zwischen dem 3. und 4. und zwischen dem 4. und 5. Stachel.
10 dunkelviolette, scharf hervortretende Flecken im oberen Theile der 2. Dorsale in regelmäßigen
Abständen.
Kleine, punktförmige dunkle Fleckchen in einer Bogenreihe am Nacken. Öberster Theil der Augen-
haut violett gesprenkelt.
62. Percis nietymera (. V.
2 Exemplare, 23 und 30°1 cm lang, von Neu-Seeland.
Kopflänge circa 3°/;mal, Leibeshöhe 5!/; mal in der Totallänge, Augendiameter 5'/;mal, Schnauzen-
länge fast 2!/gmal, Stirnbreite 4mal, Länge der Pectorale etwas mehr als 1'!/,mal, die der Ventralen circa
- 11/amal in der Kopflänge enthalten. ;
Vomer bezahnt. Die kurzen Dorsalstacheln nehmen bis zum letzten an Höhe zu und sind mit den
- Gliederstrahlen zu einer Flosse vereinigt. Die Ventralen, mit Ausnahme des Innenstrahles, dick überhäutet,
reichen noch ein wenig über die Analgrube zurück.
Schuppen im hinteren Theile der Wangen theilweise vereinzelt liegend, im vorderen Wangentheile
fehlend.
10 Schuppen zwischen dem 1. Dorsalstachel und der Seitenlinie.
P. 20. D. 5/20. A. 16.
Fam.: Malaeanthidae.
63. Malacanthus hoedtii Blkr.
1 Exemplar, 21°8 cm lang, von Honolulu.
Fam.: Pedieulati.
64. Antennarius commersoni (Lac.), Gthr.
2 Exemplare, 6°2 und 10°1 cm lang, von Laysan (Nr. 105, 106).
Das kleinere derselben ist fast einfärbig, schmutzig grau und nur spärlich mit kleinen, wenig hervor-
tretenden dunkleren Flecken geziert. (Siehe Günther, Fische der Südsee, Taf. CIII, Fig. 2.) Die Flossen
dagegen, insbesondere die Caudale, sind dicht violett gefleckt.
Bei dem größeren Exemplare ist Kopf und Rumpf gelblich und sehr dicht mit kleinen, grauvioletten,
unregelmäßig gestalteten Fleckchen wie gesprenkelt. Nächst einigen wenigen rundlichen Fleckchen fehlt
diese Sprenkelung. Flossen dicht gefleckt wie bei dem kleinen Exemplare.
Ein 3. Exemplar von circa 19. cm Länge zeigt am Rumpfe pustelartige Erhöhungen wie bei der
„Antennarius leprosus Eyd. Soul.“ genannten Abart, stimmt aber in der Zeichnung des Rumpfes mehr
mit dem von Dr. Günther |. c. auf Taf. CVI, Fig. A abgebildeten Exemplare überein, doch sind am Rumpfe
nur an den dunkelgefärbten Stellen schwarze Fleckchen vorhanden, und auf den gelben Bauchflossen
liegen runde schwarze Fleckchen in ziemlich weiten Abständen von einander entfernt, wie bei dem |. c.
auf Taf. CIV, Fig. B abgebildeten Exemplare von den Gesellschafts-Inseln. Ein schwarzer, ringförmiger
Fleck auf der Anale und vor dem hinteren Ende der Dorsale.
4098 Franz Steindachner,
Fam.: Triglidae.
65. Trigla kumoides n. sp. (an Trigla kumu var.).
Taf. 1, Fig. 2, 2a.
I Exemplar, 38’ cm lang, von Neu-Seeland.
ID), KyAlen va lo, esıhil,
Rumpfschuppen klein, Schuppen der Seitenlinie glattrandig. Kopflänge etwas mehr als 4mal, Länge
der Pectorale 31/,mal (bei Trigla kumu circa 3 mal), die der Ventrale etwas mehr als 5mal (bei Tr. kumn
4°/smal) in der Totallänge, Länge der Schnauze 2!/,mal, des Auges 4°/,mal (bei Tr. kumu 5mal) in der
Kopflänge, mittlere Stirnbreite etwas mehr als 1!/,mal in der Länge des Auges enthalten.
Praeorbitale am vorderen Rande breit, stumpf gerundet, den vorderen Rand der Zwischenkiefer nicht
überragend und ohne vorspringende Zähnelung. Leisten längs der Praeorbitalia und an der Wangengegend
fehlend, wie bei Tr. kumau. Stirne concav. 2 kurze spitze Stacheln am vorderen Ende des oberen Augen-
randes.
Die am hinteren Rande breit gerundete Pectorale ist an dem der Beschreibung zugrunde liegenden
Exemplare an der linken Körperseite ein wenig länger als an der rechten, reicht daher links bis zum 5.,
rechts bis zum 2. Strahl der 2. Dorsale oder links bis zum 3. Analstrahl, rechts bis zum Beginne der Anale
zurück.
Pectorale ohne schwarzen Fleck an der Innenseite (der auch bei Tr. kumu zuweilen fehlt), doch mit
1—2 hellen, sehr kleinen Fleckchen auf dem 6. Strahle der rechten Pectorale. Innenseite der Flosse tief
blauviolett, mit Ausnahme der 2 untersten Strahlen, die weißlich gefärbt sind; Außenseite derselben Flosse
nächst der Basis bleifarben, hierauf dunkler grauviolett.
Ohne Untersuchung einer größeren Anzahl gleichgroßer Exemplare von Tr. kuma hätte ich es kaum
gewagt, das hier als Repräsentant einer fraglich neuen Art beschriebene Exemplar von Tr. kumu specifisch
zu trennen, da die Verwandtschaft beider Arten zweifellos eine sehr große ist, doch finde ich bei Tr. kumu
die am hinteren Rande oval gerundete Pectorale stets länger, das Auge bedeutend kleiner, das Praeorbitale
am vorderen Ende stärker oval gerundet und über die Mundspalte etwas weiter vorspringend als bei
Tr. kumoides.
Fam.: Cephalacanthidae.
66. Dactylopterus orientalis C. V.
1 Exemplar, 23:2 cm lang, von Honolulu.
2 Exemplare, Larvenform, pelagisch gefischt von Capitain Barber, während der Fahrt von Honolulu
nach Carp Horn.
Fam.: Agonidae.
67. Podothecus acipenserinus (Tiles.), Jord. und Gilb.
Taf. II, Fig. 2—2b.
I Exemplar, 18° 1 cm lang, von Bare-Island bei Vancouver.
B.6. 1. D. 924013: 7828. 17017..V.12. EC B/2 De szanee
Kopflänge circa 3°/smal in der Körperlänge, Schnauze 2!/;mal, Auge 4'/;,mal, Kopfhöhe 2mal, Kopf-
breite etwas mehr als 1'/;mal, Pectorale eirca 1°/»mal, Ventrale circa 2?/;mal in der Kopflänge enthalten.
Die Stirnbreite gleicht der Augenlärige.
En
EEE
Fische aus dem Stillen Ocean. 499
Zahlreiche Barteln an der Unterseite der Schnauze und an den Mundwinkeln. Dunkle, verschommene
Querbinden am Rumpfe.
4 Nackenplatten vor, 9 längs der Basis der 1. Dorsale, 1 Platte zwischen beiden Dorsalen, 6 längs der
2. Dorsale, hinter dieser 2 paarige, hierauf 15 einfache, längs der Mitte gekielte Platten an der Oberseite
des Schwanzstieles. Die Kiele an den ersten 8 der letztgenannten Platten endigen nach hinten in eine
kurze Spitze.
Die Platten an der Unterseite des Schwanzstieles sind stumpf gekielt, stachellos. {1 paarige, seitlich
gekielte Platten endlich liegen zwischen dem Beginne der Ventralen und dem der Anale und 7 längs der
Basis der letzteren Flosse. 2 Paar spitze Dornen auf der Schnauze, die nach vorne in 2 kurze Spitzen aus-
läuft. Der obere Augenrand endigt in einen längeren Dorn.
Am unteren Seitenrande des Kopfes liegen bis zum Beginne des Vordeckels 3 Dornen. Die stark
vorspringende Leiste in der Winkelgegend des Vordeckels endigt in einen spitzen Stachel, unter dem ein
kürzerer stumpfer liegt. Vomerzähne fehlen.
Fam.: Blenniidae.
68. Salarias edentulus (Bl., Schn.), Gthr.
Viele Exemplare von Laysan, 8:7—15'5 cm lang.
D. 12/22—23. A. 23—24.
Leibeshöhe 5!/,—5'/s mal in der Totallänge enthalten.
69. Tripterygium medium Gthr.
Mehrere Exemplare bis zu 7'6cm Länge, von den Chatham-Inseln Maunganui, Teone (Red Bluff)
sowie von French-Pass (Waikawa, Flemming) im Süßwasser.
Braun, dunkler marmoriert. Oberer Augenrand ohne Tentakel; das hintere Ende des Oberkiefers reicht
bei älteren Exemplaren oft bis unter die Augenmitte zurück.
Die Unterkieferzähne der Außenreihe nehmen gegen die vordersten ein wenig an Länge zu und die
beiden vordersten sind zuweilen verhältnismäßig auffallend groß, hundszahnartig und gebogen.
D. 4/15—16/12—13. A. 20, 21 (seltener 22—23). P. 9—10/6 (ungespalten). L. 1. 45—46.
70. Anoplarchus atropurpureus (Kittl.), J. und Gilb.
(Anoplarchus crislagalli Gthr.).
3 kleine Exemplare von Bare-Island.
71. Xiphidion mucosum Gird.
1 Exemplar von seltener Größe, 40-1 cm lang, von Bare-Island.
Entfernung des Beginnes der Dorsale vom Hinterhauptende geringer als die Entfernung des letzteren
vom vorderen Schnauzenende.
Kopflänge S!/;smal, größte Rumpfhöhe fast 1Omal in der Totallänge, Auge Y9mal, Maxillare circa
23/, mal, Caudale etwas mehr als 2°/,; mal, Pectorale 7'!/;mal in der Kopflänge enthalten.
Zeichnung der Kopfseiten wie bei typischen Exemplaren von der Westküste des nördlichen Theiles
von Nordamerika.
Deo. 01.
Kopf- und Rumpfhaut sehr stark verdickt. Dunkel grauviolett.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 64
500 Franz Steindachner,
72. Xiphidion rupestre (J. und Gilb.), J. und Starks.
2 Exemplare von Bare-Island, 11°6 und 12 cm lang.
Kopflänge 7°/,—7'/,;mal in der Totallänge, Leibeshöhe 9 bis mehr als IOmal, Augendiameter etwas
mehr als 5 mal, Kieferlänge 3'/,mal, Caudale 3mal in der Kopflänge enthalten.
Abstand des Beginnes der Dorsale vom Hinterhaupte bedeutend größer als die Entfernung des
Hinterhauptendes von der Schnauzenspitze.
Meines Erachtens sind die Gattungen Aiphidion und Xiphistes zu vereinigen und eines der beiden,
und zwar das wohl nebensächlichere Unterscheidungsmerkmal der Gattung Aiphidion, welches in der
Kürze der Pectorale liegen soll, fehlt bei Xiphidion mucosum, da bei dieser Art die genannte Flosse ebenso
stark entwickelt ist als bei Xiphistes chirus.
Fam.: Acanthoelinidae.
79. Acanthoclinus littoreus (Forst.), Gthr.
Mehrere Exemplare von den D’Urville-Inseln und von French-Pass, 3° 1—12 cm lang.
D. 20/4—5. A. 9/5—4. L. 1. sup. 76—85 + 3. L. 1. med. 90—97. L. 1. inf. 107—116.
Sehr undeutliche, verschwommene, gelbbraune, rundliche Fleckchen am Rumpfe, auf schmutzig
dunkelviolettem Grunde. Ein dunkler Fleck am Kiemendeckel, 2 dunkle Streifen ziehen vom Auge schräge
nach hinten.
Fam.: Sphyraenidae.
74. Sphyraena agam Rüpp.
2 Exemplare, 27:5 und 345 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Kaku.
L. 1. 80—81.
Fam.: Trichiuridae.
75. Lepidopus caudatus (Euphr.), White.
1 Exemplar, 62°7 cm lang, von Neu-Seeland.
Kopflänge 7 mal in der Körperlänge, Augendiameter etwas mehr als 51/, mal in der Kopf-, 2mal in
der Schnauzenlänge, letztere ein wenig mehr als 2!/,mal, Stirnbreite circa 7?/; mal, Leibeshöhe etwas mehr
als 2mal in der Kopflänge enthalten.
Kopflänge 8'5!/» cm, Augenlänge 1°5 cm, Schnauzenlänge bis zur Spitze des Unterkiefers gemessen
nahezu 3°5 cm, Leibeshöhe über dem Beginne der Anale 4 5 cm.
Fam.: Mugilidae.
76. Myxus pacificus n. sp.
1 Exemplar, 17°4 cm lang, von Laysan.
D. 4/1/s. A. 3/8. L. 1. 39 an 40. L. tr._13!/, unter der 1. D. bis zur Bauchlinie.
- Fische aus dem Stillen Ocean. 501
Kopf ziemlich schmal, nach vorne ein wenig an Breite abnehmend. Die größte Kopfbreite zwischen
den Deckeln ist circa 1°/, mal, die größte Kopfhöhe circa 1?/;mal in der Kopflänge enthalten.
Die obere Kopf- und die Rückenlinie steigt nur wenig, gleichförmig und ohne Krümmung bis zum
Beginne der 2. Dorsale an und fällt dann rascher längs der Basis dieser Flosse ab.
Auge mit stark entwickelter Hautfalte. Oberlippe mäßig schmal. Mundspalte ein wenig länger als
zwischen den Mundwinkeln breit. Die vorderen Ränder der Unterkieferhälften stossen unter einem sehr
pitzen Winkel zusammen. Praeorbitale am unteren und hinteren Rande gezähnt. Ende des Oberkiefers bei
geschlossenem Munde kaum frei hervortretend.
Zwischenkiefer mit einer Binde kleiner beweglicher Zähne, von denen die der Außenreihe größer als
‚die übrigen sind. Rand des Unterkiefers scharf mit einer Reihe horizontal gestellter beweglicher Zähnchen.
Kopflänge etwas weniger als 4mal, Leibeshöhe genau 4mal in der Körperlänge, mittlere Stirnbreite
circa 2%/;mal, Schnauzenlänge circa 4mal in der Kopflänge enthalten.
Anfang der 1. Dorsale unbedeutend näher zur Basis der Schwanzflosse als zum vorderen Schnauzen-
ende gelegen. Stacheln der 1. Dorsale ziemlich kräftig, der erste bedeutend mehr als 1?/3mal in der Kopf-
länge enthalten.
Caudale ein wenig länger als der Kopf und die Länge ihrer mittleren Strahlen circa 1?/;mal in der
'Kopflänge enthalten.
Spornschuppe über der Ventrale kürzer als die halbe Länge der letzteren; circa 24 Schuppen von
der Dorsale bis zum vorderen Schnauzenrande. Eine dunkle Binde längs dem Vorderrande der Pectorale
77. Mugil dobula Gthr.
1 Exemplar, 32 cm lang, von Honolulu.
L. 1. 40.
Fam.: Gobiesocidae.
78. Diprocrepis puniceus (Richds.), Gthr.
Mehrere Exemplare von den Chatham-Inseln, D’Urville-Inseln und von French-Pass.
79. Gobiesox (Caularchus) maeandricus (Gird.), Gthr.
Mehrere Exemplare, 6°2—9 cm lang, von den Bare-Inseln bei Vancouver.
Die Kopflänge gleicht durchschnittlich der Kopfbreite und ist in der Regel nahezu oder genau 3mal
in der Totallänge oder circa 2°/;mal in der Körperlänge enthalten.
6, bei jungen Exemplaren zuweilen 8 Schneidezähne vorne im Unterkiefer in der Außenreihe,
während die entsprechenden Zähne im Öberkiefer stumpfkonisch sind und keine regelmäßige Querreihe
bilden. Die Dorsale beginnt hinter der Mitte der Totallänge und ihre Strahlenzahl ist variabel, 13—15. Die
Zahl der Analstrahlen schwankt zwischen 12 und 13.
Sehr dunkel bleifarben, mit schwacher Andeutung einer Marmorirung, die infolge der Aufbewahrung
. der Exemplare in zu starkem Formalin halb erloschen sein dürfte.
Wegen der größeren Anzahl der Wirbel und der Längenausdehnung der Anale, welche fast ebenso
viele Strahlen wie die Dorsale enthält, trennt-Gill diese Art generisch von Gobiesox und nennt sie Cau-
larchus maeandricus. Höchst wahrscheinlich dürfte der auffallend ähnliche Gobiesor marmoratus Jen. in
_ dieselbe Gattung oder Subgattung zu reihen sein.
64*
502 Franz Steindachner,
Fam.: Fistulariidae.
80. Aulostoma chinense Schleg.
Mehrere Exemplare, das größte 56°5 cm lang, von Honolulu und Laysan.
DR297A726:
Bei einem Exemplare von 43'2 cm Länge sind die dunklen Querbinden des Rumpfes durch helle
Längslinien unterbrochen; 2 dunkle Flecken auf der Caudale, weiße Flecken zwischen der Dorsale und
Anale und weiße Querbinden am Schwanzstiele; ein dunkler Fleck an der Basis der Ventrale.
Fam.: Pomacentridae.
81. Heliastes ovalis n. sp.
1 Exemplar, 14°4 cm lang, von Honolulu.
DAN MEATPSE TE BO:
Körperform oval. Die obere Kopflinie ist äußerst schwach concav und erhebt sich viel rascher zum
Beginne des Nackens, als letzterer zur Dorsale ansteigt.
Leibeshöhe etwas mehr als 3!1/,mal in der Körperlänge, etwas mehr als 3mal in der Totallänge,
Kopflänge 3'/;mal in der Körperlänge, fast 4°/;mal in der Totallänge, Augendiameter circa 3'/,mal,
Schnauzenlänge unbedeutend mehr als 3!/smal, Stirnbreite 3mal in der Kopflänge enthalten.
Mundspalte klein, schräge gestellt; das hintere Ende des Oberkiefers fällt ganz unbedeutend hinter
den vorderen Augenrand. Kieferzähne konisch. Die größte Höhe des Praeorbitale nächst dem Vorderrande
erreicht circa ?/; einer Augenlänge, weiter zurück !/s der letzteren.
Die Pectorale ist circa um etwas mehr als einen halben Augendiameter länger als der Kopf und ein
wenig länger als die Caudale, der höchste Dorsalstachel ein wenig mehr als 2mal, der letzte Dorsalstachel
etwas mehr als 2°/,; mal, der höchste Gliederstrahl der Dorsale circa 1°/,mal in der Kopflänge enthalten.
Obere Rumpfhälfte bleifarben mit einem Stiche ins violette; diese Färbung geht gegen den Bauch-
rand ins silbergraue über. Brustgegend bis zur Pectorale hinauf und nach hinten bis zur Ventrale weiß mit
Silberglanz. Caudale grauviolett, noch dunkler ist die Färbung der Anale und der Dorsale. Pectorale und
Ventrale schmutzigweißlich mit einem Stiche ins gelbliche. Eine schwärzlichviolette Binde an der Innen-
seite der Pectoralbasis. >.
Die Seitenlinie durchbohrt 20 Schuppen. Zwischen dem Hinterrande des Kopfes und der Basis der
Caudale liegen 30 Schuppen in einer horizontalen Reihe längs der Höhenmitte des Rumpfes.
82. Glyphidodon saxatilis (L.), Rüpp.
Mehrere Exemplare, 13:7—24'2 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Vulgärname: Mamamo.
Bei dem größten Exemplare ist der Rumpf oben bleigrau, unten nach allmähligem Übergange gelbgrün
und überdies violett gesprenkelt. Die dunklen Querbinden sind nicht scharf abgegrenzt, von geringer Höhe.
Leibeshöhe 1”/smal in der Körperlänge, Stirne 3mal, Auge circa 4'/;mal in der Kopflänge enthalten.
Suborbitale niedrig, nach vorne allmälig in die Höhe des Praeorbitale übergehend.
83. Glyphidodon (Paraglyphidodon) melas K. v. H. C.V.
1 Exemplar von Laysan, 11:7 cm lang.
Hinterseite der Pectoralbasis mit einem tief schwarzbraunen Streif. Grundfarbe des Kopfes und
Rumpfes goldbraun, Umrandung der Rumpfschuppen schwärzlichbraun. Anale und Caudale und der
Fische aus dem Stillen Ocean. 503
‚schuppenlose Theil der gliederstrahligen Dorsale sehr dunkel grauviolett; Ventrale fast schwarz, ebenso
der oberste Theil der stacheligen Dorsale. Die Seitenlinie durchbohrt 20 Schuppen; in gerader Linie liegen
zwischen dem hinteren Kopfende und der Basis der Caudale 29 Schuppen.
Rieferzähne am freien Rande abgestutzt.
S4. Dascyllus trimaculatus €. \
1 Exemplar, 11°4 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Aloiloi.
Der weiße Rumpffleck ist nur schwach angedeutet.
Fam.: Labridae.
Gruppe: Iulidina.
55. Harpe bilunulata (Lac.), Steind.
(Cossyphus bilunulatus C. V.).
1 Exemplar, 23 cm lang, von Honolulu.
Der schwarze Fleck unter den letzten Dorsalstrahlen und hinter diesen am oberen Rande des
Schwanzstieles viel niedriger als auf Garretts Abbildung (Gthr., Fische der Südsee, Taf. CXXX, untere
Figur).
Vulgärname: Aawa.
56. Pseudolabrus cossyphoides n. sp.
Tarslln Bier 1.
Schnauze vorgezogen, dreieckig. Wangen mit 6—7 Reihen kleiner Schuppen. Deckelschuppen groß.
Rest des Kopfes unbeschuppt. Ein stark entwickelter Hundszahn nächst dem Mundwinkel jederseits im
Zwischenkiefer. Vordere Hundszähne im Zwischenkiefer kräftiger und länger als im Unterkiefer.
Dorsale mit zahlreichen punktförmigen violetten Fleckchen in schrägen Reihen. Anale ungefleckt.
Eine ziemlich breite dunkelbraune Querbinde am hinteren Theile des Schwanzstieles, zum größeren
Theile auf die Basis der Caudale übergreifend.
Eine Reihe sehr kleiner Halbschuppen zieht ein wenig über die Basis des gliederstrahligen Theiles
der Dorsale und der Anale hinan. Seitenlinie stark verzweigt.
D. 9/11. A. 3/10. P. 12. B.1.26+ 1 (auf der C.). L. tr. 21/,/1/8 (z. V)).
In der Form des Kopfes nähert sich diese Art mehr den Arten der Gattung Cossyphus als jenen von
Psendolabrus. Die obere Kopflinie ist schwach concav, die Schnauze spitz vorgezogen.
Die Länge des Kopfes mit Einschluss des breiten Hauptlappens am Deckelrande ist ein wenig mehr
als 3mal in der Körperlänge, circa 3°/;mal in der Totallänge, die größte Rumpfhöhe etwas weniger als
31/smal in der Totallänge, die Länge der Schnauze fast 2*/;mal in der Kopflänge, der Augendiameter 2 mal
in der Schnauzenlänge, die Länge der Pectorale circa 1!/,mal, die der Ventrale circa 21/,mal, die Länge
der Caudale unbedeutend mehr als 1!/;mal in der Kopflänge enthalten.
Oberlippe mit zahlreichen schrägen Falten an der Innenseite; Unterlippe seitlich überhängend, vorne
unterbrochen. Die Mundwinkel fallen in verticaler Richtung unter die vorderen Narinen. Nasenöffnungen
‚klein. Die Stacheln der Dorsale nehmen bis zum letzten, die Gliederstrahlen bis zum vorletzten allmälig
an Höhe zu; der steife Theil des letzten, 9. Stachels ist circa 1!/;mal kürzer als der letzte Gliederstrahl.
Dorsale und Anale endigen nach hinten zugespitzt. Die Caudale ist am hinteren Rande schwach
concav, oben wie unten überragen die Randstrahlen nur wenig den hinteren Flossenrand.
504 Franz Steindachner, |
Die kleinere vordere Hälfte der Schwanzflosse ist beschuppt, nur auf den oberen und unteren Strahlen
reicht die Beschuppung weiter zurück.
Kopf und Rumpf dürften im Leben rosenfarben, Dorsale und Anale gelb gewesen sein. Schwanz-
binde, oberer und unterer Rand der Caudale braunviolett.
1 Exemplar, 24°5 cm lang. Fundort: Neu-Seeland.
57. Pseudolabrus bothryocosmus (Richds.), Gill.
(Labrichthvs bothryocosmus Gthr.).
Mehrere Exemplare, 13°9—18 cm lang, von Neu-Seeland.
38. Pseudolabrus celidota (Forst.), Gill.
(Labrichthys celidota Gthr.).
1 Exemplar, 17 6 cm lang, von Neu-Seeland.
6 Schuppenreihen auf den Wangen. Ein dunkler Fleck unter den letzten Stacheln und ersten Glieder-
strahlen der Dorsale. Ein dunkler Querfleck an der Basis jeder Rumpfschuppe.
Ein bogiger Streif von der Schnauze zum Auge und hinter diesem zum hinteren Deckelrande
laufend.
DEI ESS HOT T2GEre
59. Chilinus radiatus (Bl., Schn.), Blkr.
2 Exemplare, 17°8 und 21 cm lang, von Honolulu.
Eine helle Querbinde am Beginne des Schwanzstieles, im übrigen normal gezeichnet.
90. Chilinus bimaculatus C. V.
(— Ch. ceramensis Blkr.).
2 Exemplare von Honolulu, 10°1 und 13 cm lang.
Schuppen in der unterhalb der Seitenlinie im vorderen Theile des Rumpfes bis zur Spitze der Brust-
flossen gelegenen Längsreihe breit schwefelgelb gerandet; weiter zurück wird der gelbe Schuppensaum
schmäler und geht bei einem Exemplare dieser Sammlung ins grünliche über.
In der hinteren Rumpfhälfte sind ferner bei einem 2. Exemplare die Schuppen der 3. Reihe nächst unter
der Seitenlinie schmal gelbgrün gesäumt. Die Verbindungshaut der 2 ersten Dorsalstacheln ist schwarz,
oben gelb gerandet; ein großer dunkler Fleck mit gelber Umsäumung hinter dem Auge. Am Schwanzstiele
liegt eine dunkle Binde, die nach vorne allmälig verläuft und bei beiden Exemplaren über die Mitte der
Caudale sich fortsetzt.
91. Stethojulis albovittata (Bonnat.), Gthr.
(Günth., Fische der Südsee, p. 256, nec. Blkr.).
1 Exemplar, 12°1 cm lang, von Honolulu.
92. Novacula vanicolensis (G. G.), Gthr.
Syn.: Novaeulachthys taeninrus Blkr., Atl. Ichth. I, p. 144—145, pl. 31, Fig. 5 (nee. C. V., sec. Gthr.).
1 Exemplar, 16°8 cm lang, von Honolulu.
Dr. Günther hält die von Dr. Bleeker als Novaculichthys taeniurus beschriebene und abgebildete
Art für speeifisch verschieden von Ayrichthys taeniurus C. V., Bleeker aber nur für eine Varietät letzt-
genannter Art.
Fische aus dem Stillen Ocean. 505
93. Novacula (Iniistius) pavo (C. V.), Gthr.
1 Exemplar, 22°9 cm lang, von Honolulu.
In der unteren Rumpfhälfte 3 Gruppen von Schuppen, deren jede am hinteren Rande himmelblau
gefärbt ist.
Die größte, vorderste Schuppengruppe liegt unmittelbar hinter der Pectorale und reicht bis etwa zu
deren hinteren Rande zurück; die 2. hinter dem Beginne der Anale gelegene Gruppe verschmälert sich
nach unten und trägt im untersten Theile 3—4 Schuppen, die fast vollständig blaugefärbt und nur hinten
chwarz gerandet sind.
Am Kopfe 2 dunkle Binden, die blaugefleckt und ebenso gerandet sind. Die 1. dieser Binden zieht
vom unteren Augenrande bis zum Vordeckelwinkel herab, die 2. hintere Binde ist fast dreieckig und deckt
den Kiemendeckel sammt dessen Hauptsaum. Der schwarze Fleck über der 7. und 8. Schuppe der Seiten-
inie ist breit bIMugesäumt.
Von den queren blauen Querstreifen der Caudale ist der hinterste am breitesten; die übrigen sind
‚bedeutend schmäler, minder intensiv gefärbt und stellenweise unterbrochen. Anale mit nur einer blauen
Längslinie nächst dem unteren Flossenrande. Dorsale mit schrägen Reihen violetter Flecken und einer
blauen Längslinie nahe dem oberen Rande.
94. Novacula (Iniistius) nigra n. sp.
Taf. IV, Fig. 2.
Vorderer Kopfrand schneidig. Schnauze hoch, steil abfallend. Wangen schuppenlos, nur eine Reihe
überhäuteter Schuppen in der hinteren Hälfte des unteren Augenrandes und am hinteren Augenrande.
ein Hundszahn am Mundwinkel. Die 2 vordersten hohen, biegsamen Dorsalstrahlen durch einen Zwischen-
raum von den übrigen Dorsalstrahlen vollständig getrennt. Tiefschwarz, nur die hintere kleinere Hälfte der
Caudale und die hintere Spitze des gliederstrahligen Theiles der Dorsale rothgelb.
D. 2/6/13. A. 3/12. L. 1. 21/5-+2 auf der C.
Die größte Rumpfhöhe gleicht der Kopflänge und ist unbedeutend mehr als 3'/;mal in der Total-
länge, die Höhe der Schnauze bis zum unteren Augenrande mehr als 2?/; mal, die Länge des Auges 6mal,
die der Pectorale circa 1?/,mal in der Kopflänge enthalten. Die Ventrale steht an Länge der Pectorale nur
wenig nach.
Der vordere erhöhte, getrennte Theil der Dorsale erreicht an Höhe nahezu die Hälfte der Kopflänge.
Der vordere Ast der Seitenlinie durchbohrt 21 Schuppen, der untere hintere Ast bis zur Basis der Caudale
5 Schuppen.
Jede Schuppe des Rumpfes ist durch eine scharf ausgeprägte Querlinie wie halbiert. Überdies bemerkt
man unter der Loupe feine concentrische Linien.
2 ziemlich große, nach außen umgebogene Hundszähne vorne in jedem der beiden Kiefer.
1 Exemplar, 15°4 cm lang, von Honolulu.
_ Nächstverwandte Art: Novacula (Xyrichthys) tetrazona Blkr.
95. Novacula (Iniistius) tetrazona Blkr.
1 Exemplar, 16:1 cm lang, von Honolulu.
Die dunklen Querbinden des Rumpfes halb erloschen, ebenso die Ocellflecken auf der Dorsale über
den 2 letzten Rumpfbinden. Ein kleiner tiefschwarzer Fleck auf der I. Rumpfbinde über und zwischen
der 8. und 9. Schuppe der Seitenlinie.
.506 Franz Steindachner,
96. Julis duperrei O). Gaim, C. V.
Syn.: Julis clepsydralis R. Smith und Swain.
Zahlreiche Exemplare von Honolulu und Laysan, 16: 2-—23 4 cm lang.
Meines Erachtens wurde Julis duperrei 0. G. mit Unrecht von Dr. Bleeker unter die zahlreichen
Synonyma von J. lunaris gereiht und unterscheidet sich von letztgenannter Art nicht nur wesentlich in
Zeichnung und Färbung, sondern auch in der Form des Kopfes. Die obere Profillinie des letzteren ist bei
J. duperrei stärker gerundet, die Schnauze steiler abfallend, daher minder stark vorgezogen als bei
J. lumaris.
Der Kopf, die Dorsale, Anale und Caudale sind tief grauviolett, fast schwärzlich und zeigen nicht die
geringste Spur von helleren Flecken oder Binden.
Der vorderste Theil des Rumpfes ist seiner ganzen Höhe nach mehr minder auffallend heller gefärbt
als der Rest desselben, zuweilen aber fast ebenso dunkel wie die beiden größeren letzten Drittel des
Rumpfes.
Eine schwärzliche Binde zieht auf der Pectorale von der Mitte des unteren Flossenrandes zum oberen
hinteren Ende der Flosse; sie ist am unteren Ende schmal und nimmt gegen ihr oberes Ende ziemlich
rasch an Breite und zugleich an Intensität der Färbung zu.
Die Caudallappen sind je nach dem Alter und Geschlechte wie bei J. Zunaris mehr minder stark ver-
längert, spitz zulaufend.
L. 1. 23—27 (+1 auf der C.).
Die Kopflänge ist genau oder etwas weniger als 4mal, die größte Rumpfhöhe 31/),—3%/; mal in der
Totallänge (bis zum hinteren Rande der mittleren Caudalstrahlen), der Augendiameter circa 2—2?/; mal in
der Schnauzenlänge, diese stets etwas weniger als 3mal in der Körperlänge enthalten. Die größte Kopf-
höhe steht der Köpflänge nahezu um eine Augenlänge nach.
Bei einigen Exemplaren zeigt sich ein dunkler Querstreif vor der Mitte der einzelnen Rumpfschuppen.
97. Julis umbrostigma Rüpp.
4 Exemplare, 16—31'1cm lang, von Honolulu und Laysan.
Nach Klunzinger eine Varietät von J. purpureus (Forsk.), Rüpp.
Vulgärname: Olali (Honolulu).
98. Julis purpureus (Forsk.), Rüpp., Klunz.
Mehrere Exemplare, 23:2—26 cm lang, von Honolulu und Laysan.
99. Julis rüppellii Klunz.
1 Exemplar, 28 cm lang, von Laysan.
100. Julis obscura Gthr.
4 Exemplare von Honolulu und Laysan, 16:3— 241 cm lang.
Vulgärname: Hinalealuahine (Honolulu).
101. Gomphosus tricolor 0. G.
2 Exemplare, 23—29°3 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Hinaleanukuiwi.
Fische aus dem Stillen Ocean. 507
102. Gomphosus varius Lac.
2 Exemplare, 14:5—20°7 cm lang, von Honolulu.
Caudale breit weiß gesäumt. Bei dem größeren Exemplare ist der Augendiameter ein wenig mehr
als omal in der Schnauzenlänge enthalten und letztere übertrifft ein wenig die Hälfte der Kopflänge.
103. Chilio inermis (Forsk.), Blkr.
Mehrere Exemplare, 23°6—33°6 cm lang, von Honolulu.
Bei dem größten Exemplare liegen 2 weiße Fleckchen im vorderen Theile des Rumpfes auf und über
‚der 7. und 11. Schuppe der Seitenlinie und 3 schwarze Pünktchen auf der 13. Schuppe der Seitenlinie und
(der darüber wie darunter befindlichen Rumpfschuppen.
Vulgärname: Kupoupu.
104. Coris multicolor (Rüpp.), Gthr.
Taf. V, Fig. 2.
Mehrere Exemplare von Honolulu und Laysan, 13:5— 176 cm lang.
Das größte derselben, von 17:5 cm Länge, zeigt vorne am Rumpfe eine dunkelviolette, weiter zurück
eine tiefbraune Grundfärbung und keine dunkleren Querbinden im oberen Theile des Rumpfes, welche bei
den übrigen Exemplaren von blaugrauer oder theilweise grauvioletter Färbung ziemlich scharf ausgeprägt
sind. Schräge, zuweilen winkelförmig gebrochene Streifen von dunkelvioletter Färbung ziehen über die
‚größere hintere Rumpfhälfte herab und unterbrechen die Endstücke der 3 bis 4 orangegelben Längsstreifen
der vorderen Rumpfhälfte, von denen übrigens der 2. Streif in der Regel gleich hinter seinem Ursprunge
sich in einzelne Flecken auflöst. Der breite häutige Lappen des Kiemendeckels ist tief gelb und an seinem
hinteren Rande breit schwarz gesäumt. Die bogigen, violetten Binden an den Seiten des Kopfes setzen sich
über die unteren Theile des Vorderrumpfes fort, und zwar theilweise bis zur Analgegend, theilweise nur
bis zur Basis der Ventralen oder eine geringe Strecke über diese hinaus.
Bei den kleineren Exemplaren sind die Dorsale und Anale vollständig dicht und mit violetten Flecken
in schrägen Reihen besetzt; bei dem größten Exemplare aber fehlen diese Flecken in dem vorderen Theile
dieser Flossen und sind auf den hinteren Strahlen der Dorsale und Anale zu Streifen vereinigt. Eine helle
Binde längs der Höhenmitte der stacheligen Dorsale.
D. 912. A 3/12. L.1.48.+3. °
Vulgärname: Pilikoa.
105. Coris pulcherrima Gthr.
(Coris formosa Blkr., nec Benn.)
2 Exemplare, 22:2 und 25 cm lang, von Honolulu.
Ein blaues Fleckchen an der Basis jedes Dorsal- und Analstrahles, überdies 2 dunkelblaue Linien
auf der Anale, 2 Reihen blauer Flecken und eine Randlinie auf der Dorsale (auf gelbem Grunde). Caudale
gelb, Rumpfzeichnung normal. 66 Schuppen am Rumpfe in horizontaler Reihe.
Vulgärname: Hinaleaakilolo.
106. Coris argenteo-striata n. Sp.
Taf. III, Fig. 1.
1 Exemplar, 20°2 cm lang, von Honolulu.
DATEN ZEN 0352 (bisızurG.).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 65
Ei
Rosenroth, mit einer silberigen Linie zwischen je 2 auf einander folgenden Längsschuppenreihen des
508 Franz Steindachner,
Rumpfes. 2, stellenweise 3 violette Linien im oberen Theile der Dorsale. 2.—4. Dorsalstachel etwas weiter
von einander entfernt als die übrigen Stacheln. 2. Dorsalstachel ein weniger höher als der 1., circa 2mal,
3. Stachel circa 1!/,mal länger als ein Augendiameter. Letzter Dorsalstachel ein wenig höher als der 2.
Leibeshöhe weniger als 4mal, Kopflänge mehr als 31/;mal in der Körperlänge, Augendiameter
52/smal, Schnauzenlänge circa 3mal, Länge der zugespitzten Ventrale circa 1?/;mal, Länge der Pectorale
circa 11/, mal in der Kopflänge enthalten.
Kopf vorne konisch zugespitzt; obere Profillinie des Kopfes in der Stirngegend sehr schwach einge-
drückt, vor und hinter dieser äußerst schwach convex. 2 Hundzähne vorne im Unter- und Zwischenkiefer
die des letzteren merklich stärker und länger als die des Unterkiefers. Auf der Caudale zeigen sich nur
sehr schwache Spuren dunkler schmaler Querbinden.
109. Coris schauinslandii n. sp.
Taf. V, Fig. 1.
2 Exemplare, 26 und 27 °4 cm lang, von Honolulu.
D. 9/12. A. 3/12. L. 1. 593—94.
Die beiden ersten Dorsaistacheln, insbesondere der erste sehr stark erhöht, biegsam, durch eine tiefe
Einbuchtung von dem Reste der Flosse abgesondert wie bei Coris gaimardi. Kopf tief graublau mit
violetten bogigen schrägen Binden an den Seiten des Kopfes, stellenweise durch Queräste maschig ver-
bunden, und mit Längsbinden an den Seiten des Unterkiefers. Ein großer, verschwommener, dreieckiger
Fleck am Deckel.
Rumpf rosenroth, gegen den Bauchrand heller, fast silberfarben, mit violettrothen schmalen Längs-
binden, der Zahl der Schuppenreihen entsprechend. Dorsale und Anale mit zahlreichen, ziemlich breiten
violetten Streifen, auf ersterer parallel zum oberen Rande, auf letzterer schräge laufend. Caudale mit zahl-
reichen violetten Ouerbinden, die im mittleren Theile viel heller als am Rande gefärbt sind.
Die Kopflänge ist unbedeutend mehr als 4 mal, die größte Rumpfhöhe circa 4?/; mal in der Totallänge,
der Augendiameter circa 6!/smal, die Schnauzenlänge etwas mehr als 3—3!/ımal, die Länge der Ventrale
etwas weniger als 1!/;mal in der Kopflänge enthalten.
Der 1. Dorsalstachel ist bei einem der beiden Exemplare etwas weniger als 1!/; mal in der Kopflänge
enthalten, bei dem anderen fast um einen Augendiameter länger als der Kopf.
Gruppe: Scarina.
108. Pseudoscarus troschelii Blkr.
Mehrere Exemplare, 17:5 — mehr als 32 cm lang, von Laysan.
109. Pseudoscarus bataviensis Blkr.
1 Exemplar, ad Z, 29 cm lang, von Honolulu.
Meines Erachtens ist Pseudoscarus bataviensis mit Ps. collana Rüpp., für welche Klunzinger die
Bezeichnung Ps. forskalii vorschlägt, identisch.
Bei dem mir vorliegenden Exemplare ist der den hinteren Rand der Caudale überragende obere wie
untere Lappen breiter und ein wenig länger als bei dem von Bleeker abgebildeten Exemplare. Auf der
Caudale liegen 2 violette Querbinden parallel zum hinteren concaven Flossenrande. Die Oberlippe deckt
den Oberkiefer vollständig.
Unterseite des Kopfes mit 3 gelbgrünen (?), violett gerandeten Querbinden, von denen die vorderste
schmälste den Rand der Unterlippe begrenzt und mit der Oberlippe hinter den Mundwinkeln vereinigt zum
Fische aus dem Stillen Ocean. 509
unteren Theile des vorderen Augenrandes hinaufzieht, als schmälerer Streif am unteren Augenrand sich
- fortsetzt und zuletzt hinter dem Auge in 2 horizontalen kurzen Fortsätzen endigt. Eine hell bläulichgraue
(2) Binde am Bauchrande von der Kehle bis zur Analmündung.
Eine violette Längslinie unter der Höhenmitte der Anale, sowie nahe dem oberen Rande der Dorsale.
2 Schuppenreihen an den Wangen, Randstücke des Vordeckels schuppenlos.
109 a. Pseudoscarus sumbawensis Blkr.
2 Exemplare, 13°5 und 27 cm lang, von Laysan.
Schuppen der Seitenlinie einfach oder nur wenig verästelt, Seitenlinie vollständig unterbrochen; die
untere Schuppenreihe auf den Wangen enthält bei jedem der beiden Exemplare nur 1—2 Schuppen
nächst der Winkelgegend des Vordeckels, die übrigen vorderen dürften ausgefallen sein. Das kleinere
Exemplar ist dunkelviolett wie das von Dr. Blecker abgebildete Individuum (Atl. Ichthyol. I, Taf. XV
Fig. 4), das größere aber gelbbraun mit dunkler gefärbten Schuppenräudern-Caudale gerundet.
110. Callyodon genistratus Val.
1 Exemplar, von Honolulu.
Vulgärname: Pamuhumuhu.
111 Callyodon spinidens (G. G.), Blkr.
1 Exemplar, 14 cm lang, von Laysan
Gruppe :Odacina.
112. Coridodax pullus (Forst.), Gthr.
1 Exemplar, 37°4 cm lang, von Neu-Seeland.
BD. 14/20. A. 3/12. B21. 80-7 2 auf der €. T. tr. 12/1/25 z. V.
Fam.: Gadidae.
113. Lotella grandis Rams.
(Proc. Linn. Soc. N. S. Wales, Vol. V, p. 462).
2 Exemplare, 31 und 34°2 cm lang, von Neu-Seeland.
Kopflänge 3°/—3°/ı»mal in der Körperlänge, circa 3%/, —4mal in der Totallänge, Augendiameter
5—5!,mal, Schnauzenlänge 3?/, bis etwas mehr als 3*/;mal, Stirnbreite 3?/,;, —3'/,mal, Länge der Mund-
spalte circa 2mal, Länge der Pectorale etwas weniger oder genau 2mal, Länge der Ventrale 1!/s bis etwas
mehr als 1?/smal in der Kopflänge enthalten.
Die größte Kopfbreite gleicht der Hälfte, die größte Kopfhöhe fast ?/, der Kopflänge bei dem größeren
Exemplare; die größte Rumpfhöhe erreicht nahezu !/,, der Totallänge, ?,, der Körperlänge oder circa ®/,
der Kopflänge.
Die obere Kopflinie erhebt sich von der stumpfoval gerundeten, über den Mundrand mäßig vorsprin-
genden Schnauzenspitze gleichförmig, ohne nennenswerte Krümmung bis zum Beginne der 1. Dorsale und
ist nur in der Schnauzengegend sehr schwach concav.
65*
510 Franz Steindachner,
Das hintere Ende der Mundspalte fällt in verticaler Richtung ganz unbedeutend hinter das Auge. Der
Unterkiefer wird vorne vom Zwischenkiefer überragt. Die Kieferzähne sind zart, bürstenförmig, sehr zahl-
reich. Die Zahnbinde des Zwischenkiefers ist breiter als die des Unterkiefers und erreicht an ihrem vorderen
Endtheil an Breite circa !/, einer Augenlänge. Es liegen keine größeren oder stärkeren Zähne in der Außen-
reihe der Kieferzahnbinden. Kinnbartel circa ebenso lang wie der Augendiameter.
Die 2 äußeren Ventralstrahlen sind mäßig verdickt, der 2. längste circa 11/,—1?/;mal, der I. weniger
als 2—21/ymal in der Kopflänge enthalten.
Die Spitze der Ventralen fällt nahezu um eine Schnauzenlänge vor den Beginn der Anale oder circa
unter das Ende des 1. Längenviertels der Pectoralen.
Kopf und Rumpf schmutzig goldbraun; unbeschuppter Theil der Dorsale, Caudale und Anale schwärz-
lichblaugrau. Ein dunkler, nach oben nicht scharf abgegrenzter Streif längs dem unteren Seitenrande der
Schnauze bis zu den Mundwinkeln.
D. 9/56—57. A. 53—58. Sq. supra |. 1. c. 134.
114. Lotella rhacinus (Forst.), Gthr.
1 Exemplar, 26° 1 cm lang, von Neu-Seeland.
D. 5/63. A. 58. V. 6.
Dunkel braunviolett.
Kopflänge ein wenig mehr als 4mal in der Körper-, 4'!/;mal in der Totallänge, größte Rumpfhöhe
circa omal in der Totallänge, Schnauze unbedeutend weniger als 3!/g mal, Augenlänge circa 5°/; mal, Stirn-
breite mehr als 4'/; mal, Länge der Pectorale circa 1°/,; mal, Länge des 2. fadenförmig verlängerten Ventral-
strahles nahezu 2 mal, Länge der mittleren Caudalstrahlen circa 23/; mal in der Kopflänge enthalten.
Schnauze vorne stumpfoval gerundet, nasenförmig über den Unterkieferrand vorspringend. Das
hintere Ende des Oberkiefers fällt bei geschlossenem Munde in verticaler Richtung zwischen das Augen-
centrum und den hinteren Augenrand.
Das ziemlich dicke Kinnbartel ist circa so lang wie das Auge, der innere Ventralstrahl halb so lang
wie der 2. längste Strahl. Circa 244 Schuppen liegen längs über der Seitenlinie bis zur Basis der mittleren
Caudalstrahlen und gegen 19—20 zwischen der Basis der 1. Dorsale und der Seitenlinie.
Die Spitze der angelegten Pectorale fällt vertical über den Beginn der Anale, Caudale oval gerundet.
Ventrale mit dünnen zarten Strahlen; die beiden äußeren sind mäßig verlängert, nicht verdickt; der
1. Strahl ist circa um eine halbe Augenlänge kürzer als der 2., längste Strahl der Flosse.
Fam.: Fierasfidae.
115. Fierasfer homei (Richds), Kaup.
1 Exemplar, 10°5 cm lang, von Samoa.
Kopflänge (14 mm) 7'/;mal in der Totallänge enthalten.
Fam.: Pleuronectidae.
116. Platophrys pavo Blkr.
1 Exemplar, 18:8 cm lang, /, von Honolulu.
Die 5 oberen Pectoralstrahlen sind stark verlängert, der oberste längste reicht noch ein wenig über
die Caudale hinaus, der 3. und 4. circa bis zum Ende des vordersten Längendrittels der Schwanzflosse.
Auge mit Hautlappen. Dornartige Vorsprünge am Vorrande beider Augen und am vorderen Ende des
Öberkiefers.
Fische aus dem Stillen Ocean. Dill
116 a. Platophrys pantherinus Blkr.
1 Exemplar, ©, 12°2 cm lang, von Honolulu.
Vulg. Name: Pakii..
Die Höhle des Rumpfes ist circa 1°/„mal, die Kopflänge circa 3°/,mal in der Körperlänge (d. i.
Totallänge mit Ausschluss der C.) enthalten.
L. 1. 83, D..c. 86, A. 65.
Fam.: Galaxidae.
117. Galaxias fasciatus Gray.
Mehrere#Exemplare, von Waikawa, French-Pass, Neu-Seeland; 16—21°1 cm lang.
118, Galaxias attenuatus (Jen.), C. V.
Mehrere Exemplare, jung, von French-Pass.
Fam.: Seomberesoeidae.
119. Hemirhamphus (Euleptorhamphus) macrorhynchus Val.
1 Exemplar aus der Südsee.
Unterkiefer defect, der noch erhaltene Theil desselben, von der Spitze der Maxillarplatte an gemessen,
91 mm lang; completiert dürfte die Schnabellänge wohl 118 bis circa 120 mm betragen haben. Kopflänge
von der Spitze der Maxillarplatte bis zum hinteren Deckelrande circa 44 mm.
Länge des postorbitalen Theiles des Kopfes nahezu 17 mm, Augenlänge 13!/; mm, Stirnbreite
11!/; mm, Rumpflänge 25°8 cm, größte Rumpfhöhe 22 mm, Länge der Pectorale circa 83 mm. Kieferzähne
- sehr klein, am freien Rande abgestutzt, dreispitzig. Die Maxillarplatte ist etwas länger als breit, längs der
Mitte der Oberseite mit einem stumpfen Kiele versehen.
Die mittlere Stirnbreite steht der Augenlänge ein wenig nach. Der mittere Theil der Stirne ist ein
wenig eingedrückt.
Die größte Rumpfhöhe ist ein wenig mehr als I1mal, die Länge der Pectorale circa 3mal, die Kopf-
länge mit Ausschluss des über die Maxillarplatte vorspringenden Theiles des Unterkiefers circa 6mal in
der Rumpflänge enthalten.
Die Einlenkungsstelle der Ventrale fällt um etwas mehr als eine Augenlänge näher zur Basis der
Caudale als zu der der Pectorale. Die Ventrale selbst ist unbedeutend länger als das Auge, der oberste
Pectoralstrahl platt, einfach; die übrigen Strahlen der Pectorale sind in der hinteren kleineren Längenhälfte
gespalten.
> BIBEE2D 23. Sg. ch 112%
120. Hemirhamphus pacificus n. sp.?
1 Exemplar, ohne Caudale 23°7 cm lang, von Laysan.
Kopflänge circa 2”/, mal, Länge des Unterkiefers vor dem Ende des Oberkiefers etwas mehr als
mal in der Körperlänge enthalten. Praeorbitale rhombenförmig, unbedeutend länger als hoch. Oberkiefer-
platte dreieckig, stark zugespitzt, länger als breit. Augenlänge gleich der mittleren Stirnbreite und etwas
mehr als 1?/;mal in dem postorbitalen Theile des Kopfes enthalten. Die Einlenkungsstelle der Ventrale ist
_ ebenso weit von der Basis der Caudale wie von der der Brustflossen enthalten.
912 Franz Steindachner,
Die Dorsale beginnt in verticaler Richtung vor der Anale und ist wie diese dicht überschuppt.
Caudale gespalten, die mittleren Strahlen derselben nicht ganz 1'/ymal länger als der Augendiameter.
Die Seitenlinie durchbohrt bis zur Ventrale 31, hinter dieser bis zur Caudale circa 33 Schuppen.
Rücken dunkelgrün, silberige Seitenbinde oben breit bleifarben gesäumt. Pectorale gelblichweiß.
ID: SA ken Nele
Nahe verwandt mit Hemirhamphus intermedius Cant., Gthr. ‚bei welcher Art aber nach Günther’s
Beschreibung die Dorsale und Anale unbeschuppt und die Pectorale schwärzlich ist.
r
121. Belone annulata Ü. \
2 Exemplare, von Honolulu und Samoa.
Vulgärname: A-ha-a-ha.
Die Einlenkungsstelle der Ventrale fällt unbedeutend näher zum vorderen Augenrand als zur Basis
der mittleren Caudalstrahlen.
Die Augenlänge ist 2°/,; mal in dem postorbitalen Theile des Kopfes enthalten. Die Breite der Stirne
(circa 15 mm) übertrifft bedeutend die Länge des Auges (15 mm).
DIZSFA. 2 lEant22.
122. Belone platura Rüpp.
Mehrere Exemplare, von Laysan.
Die Anale enthält bei 1 Exemplare nur 16 Strahlen.
Die Einlenkungsstelle der Ventrale fällt in die Mitte zwischen Auge und Schwanzflosse oder liegt
ein wenig näher zur letzteren als zum Auge.
123. Exocoetus brachypterus Richds.
2 Exemplare, 17°5 und circa 18:5 cm lang, von Honolulu und Laysan.
124. Exocoetus bahiensis Ranz.
1 Exemplar, ergänzt circa 40:5 cm lang bis zur Spitze des oberen Caudallappens, von Honolulu.
Vulgärname: Malolo.
125. Exocoetus neglectus Blkr.
1 Exemplar mit beschädigter Caudale, ergänzt circa 34 cm lang, von Honolulu.
Kopflänge etwas mehr als 4!/-mal, Leibeshöhe circa 5°/;smal in der Körperlänge, Kopfhöhe etwas
mehr als 1!/;mal, Augenlänge 2*/;mal, Stirnbreite circa 2°/;mal, Schnauzenlänge mehr als 3°/; mal in der
Kopflänge enthalten.
Stirne querüber fast flach, nur wenig im mittleren Theile eingedrückt. Kieferzähne sehr klein, stumpf
konisch.
Kopfschuppen dicht mit wurmförmig geschlängelten und verästelten Röhrchen, die nach außen
münden, besetzt sind.
Die Einlenkungsstelle der Ventrale liegt unbedeutend näher zur Basis der Caudale als zur Mitte des
Kiemendeckels. Die Anale beginnt ein wenig vor der Mitte der Basislänge der Dorsale.
D. 12. A.8 an 9. L.]. 44 an 49.
Vulgärname: Malolo.
Fische aus dem Stillen Ocean. nl
Fam.: Scopelidae.
126. Synodus varius (Lac.), Blkr.
3 Exemplare, 17°4—20 cm lang, von Honolulu und Laysan.
Bei 1 Exemplare von 20 cm Länge ist die Schnauze merklich breiter und ein wenig stumpfer als bei
den 2 übrigen von 17°4 und 20 cm Länge.
Kopflänge 31/; —3!/,mal in der Körperlänge und circa 4mal in der Totallänge, Schnauze 4'/; mal,
Auge 61/),—Smal in der Kopflänge enthalten.
19—20 Schuppen vor der Dorsale. Der drittletzte Ventralstrahl ist ebenso lang wie der Kopf mit
Ausschluss der Schnauze.
L. 1. 64-66. D. 14. A. 8—9.
= 127. Scopelus (Myctophum) novae seelandiae n. sp.
1 Exemplar, circa 56 cm lang, von Neu-Seeland.
DET TA, SV le Trn2/e 2 (ze Vi):
Leibeshöhe etwas mehr als 4mal, Kopflänge 3°/; mal in der Körperlänge, Augendiameter fast 3mal,
Länge der Mundspalte circa 1?/smal in der Kopflänge enthalten.
Schnauze sehr kurz, im Bogen rasch zur Mundspalte abfallend. Mundspalte mäßig nach vorne
ansteigend; das hintere, nicht verbreiterte Ende des Oberkiefers reicht fast bis zum Vordeckelwinkel
zurück. Die Breite der Stirne gleicht circa ?/s, die Länge der Schnauze !/; der Augenlänge.
Der Beginn der Dorsale fällt um mehr als eine Augenlänge näher zum vorderen Kopfende als zur
Basis der Caudale, der Beginn der Anale liegt ebenso weit vom hinteren Augenrande wie von der Basis
der Caudale entfernt. Die Einlenkungsstelle der Ventrale fällt in verticaler Richtung unter den Beginn der
Dorsale.
Die Länge des Schwanzstieles, vom Ende der Fettflosse an gemessen, ist circa 3°/, mal in der Rumpf-
länge und die geringste Höhe desselben fast 4mal in der größten Rumpfhöhe enthalten.
Schuppen ganzrandig, Seitenlinie kielförmig vorspringend.
Eine Reihe von Leuchtflecken zu jeder Seite des Bauchrandes, 5 bis zur Ventrale, 4 zwischen
letzterer und dem Beginne der Anale, 9— 10 nächst über der Basis der Anale bis zur Caudale. 2—3 Leucht-
flecke nächst dem Schultergürtel bis zum Beginne der Seitenlinie hinauf, 1 zwischen der Ventrale und der
Seitenlinie und 3 in schräge gestellter Reihe zwischen der Spitze der angelegten Ventrale und der Seiten-
linie (der oberste dieser Reihe liegt im unteren Theile der 18. Schuppe der L. 1.).
Die über der Schuppenreihe der Seitenlinie gelegenen Schuppen fehlen dem mir zur Untersuchung
vorliegenden Exemplare fast vollständig; auch die Pectoralen sind nur theilweise erhalten.
Fam.: Albulidae.
128. Albula glossodonta (Forsk.), Klunz.
2 Exemplare, 24°5 und 29 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Oio.
L. 1. 72 (bis zur C.). L. tr. 9|1|6 bis zur V.
Fam.: Elopidae.
129. Elops saurus L.
1 Exemplar, 25°5 cm lang, von Honolulu.
L. 1. 108. L. tr. 12/1/15—16.
old Franz Steindachner,
Fam.: Chanidae.
130. Chanos chanos (Fork.), Klunz.
(Chanos salmoneus Gthr.).
1 Exemplar, 27 cm lang, von Honolulu.
L. 1. 885—86. L. tr. 12/1/12. D. 16. A. 9 und 10.
Fam.: Muraenidae.
Gruppe: Anguzllina.
131. Anguilla aucklandii Richds.
1 Exemplar, 45 cm lang, von Neu-Seeland.
Schwanzlänge 24°4.cm, Kopflänge 7 °8!/; cm, Entfernung der Kiemenspalte von der Analmündung
135 cm, Entfernung der Kiemenspalte von dem Beginne der Dorsale 7:9 cm, somit circa der Kopf-
länge lang.
Zur selben Art gehören vielleicht auch einige ganz junge Exemplare aus dem Süßwasser von
Waikawa (French-Pass).
132. Conger marginatus Val.
1 Exemplar, 62 cm lang, von Laysan.
Auge unbedeutend mehr als 2mal in der Schnauzenlänge, Kopflänge 1°/; mal in der Entfernung der
Pectoralbasis von der Analmündung, Pectorale 2°/;mal in der Kopflänge enthalten.
Eine dunkle Binde hinter dem Auge bis zum Mundwinkel. Ein breiter gelber Saum am hinteren
Rande. Gegen diesen Randsaum zu nimmt die Pectorale an Intensität der Färbung zu und bildet vor dem-
selben einen dunklen Fleck.
Gruppe: Ophichthyiana.
133. Ophichthys colubrinus (Bodd.), Gthr.
Var. fasciata.
I Exemplar, 62 cm lang, von Samoa.
Gruppe: Muraenina.
134. Muraena fimbriata Benn.
1 Exemplar, jung, von Samoa.
Entspricht in der Zeichnung des Körpers dem vom Dr. Bleeker im Atl. Ichthyol. auf Taf. XXXV,
Fig. 1 abgebildeten Exemplare.
155. Muraena thyrsoidea Richds.
I großes Exemplar (Balg), aus der Südsee, French-Pass.
136. Muraena flavimarginata Rüpp., Gthr.
(= Gymnothorax javanicus Blkr.).
Taf. VI, Fig. 3.
2 Exemplare, 31°8 und 46 cım lang, von Laysan.
Bei beiden Exemplaren fehlen größere schwarze Flecken.
Fische aus dem Stillen Ocean. Bl)
Der helle, bläuliche Flossensaum der Anale ist bedeutend breiter als der der Dorsale, in deren vor-
dersten Theile er nur sehr schwach angedeutet ist. Unter, respective über und vor dem Randsaum
der Flossen liegt ein schwarzer Streif. Bei dem kleineren Exemplare, welches auf Taf. VI, Fig. 3 abgebildet
ist und bezüglich der Anordnung und Größe der dunkelbraunen Fleckchen genau mit dem größeren über-
einstimmt, liegen auf der Dorsale und am Rumpfe (in der ganzen Analflossengegend und weiter vorne
nur in der oberen Rumpfhälfte) blassblaue runde Flecken zerstreut. Schwarze Linien in der Kiemen-
und Kehlgegend, ein schwarzer, ovaler Längsfleck am Mundwinkel; ein großer, runder, schwarzer Fleck
ringsum die Kiemenspalte.
Mundspalte bei dem größeren Exemplare deutlich klaffend. Kieferzähne einreihig, mit der Spitze nach
hinten geneigt. 2 große Hundszähne in einer Reihe ganz vorne längs der Mittellinie des Gaumens vor dem
Vomer. Augendiameter bei dem kleineren Exemplare 1!/;mal, bei dem größeren 2mal in der Schnauzen-
länge, Länge der Mundspalte etwas mehr als 2mal bei dem kleineren, fast 21/3mal bei dem größeren
Exemplare in der Kopflänge enthalten.
Schwanz bei beiden Exemplaren circa 1!/;mal länger als der Rest des Körpers. Kopf und Schwanz-
ende nicht dunkler slader Körper im allgemeinen.
137. Muraena undulata (Lac.), Gthr.
1 Exemplar, 39:5 cm lang, durch Capitain Harber, aus der Südsee.
Es entspricht in der Zeichnung ziemlich genau dem in der »Voyage de la Bonite« als Muraena
valenciennii Eyd. und Soul. abgebildeten Exemplare (Pl. 8, Fig. 1). Die Grundfarbe des Körpers ist gelb,
die mehr minder unregelmäßigen, querbindenartigen Flecken des Rumpfes und Schwanzes, welche die
Grundfarbe durchschnittlich auf Querlinien redueieren, sind violett. Mundspalte ein wenig klaffend.
2 Exemplare, 32:5 und 34'2 cm lang, von Samoa.
138. Muraena laysana n. sp.
Taf. VI, Fig. 1,2.
5 Exemplare, 24:3, 28, 31:6, 343 und 475 cm lang, von Laysan.
Körper bei den 4 jüngeren Exemplaren im Durchschnitte oval, von geringer Höhe, bei dem größten,
stärker comprimiert und bedeutend höher als bei den kleineren Exemplaren. Bei letzteren ist die Körper-
höhe mehr als 15mal, bei dem großen Exemplare circa 12 mal in der Totallänge, die Länge des Kopfes bis
zur Kiemenspalte bedeutend mehr als 2°/ mal, fast 3mal, 31/,mal, 3!/; mal in der Körperlänge bis zur Anal-
mündung, die Länge der Mundspalte circa 2!/,—2mal in der Kopflänge, der Augendiameter etwas weniger
als 2mal in der Schnauzenlänge enthalten.
_ Mundspalte lang, ein wenig klaffend. Hinterhaupt bei dem großen Exemplare wulstig hinter der
Stirngegend sich erhebend. Schnauze von geringer Höhe.
Die vorderen Nasaltuben bei den kleineren Exemplaren kürzer als eine halbe Augenlänge, bei dem
größeren halb so lang wie das Auge. Häutiger Rand der hinteren Narinen nur wenig erhöht bei den kleinen
Exemplaren, bedeutender bei dem großen. Im Zwischenkiefer 2 Reihen von Zähnen. Die Zähne der Innen-
reihe, 3—5 jederseits, von ungleicher Länge, hundszahnartig.
Im Oberkiefer bei jüngeren Exemplaren in 3, bei alten in 2 Reihen. Zähne der Innenreihe bedeutend
länger und verhältnismäßig schlanker als die übrigen, beweglich. Bei dem größten Exemplare liegen 20
Zähne in der Außenreihe dicht aneinander gedrängt, mit nach hinten geneigter Spitze.
Unterkieferzähne vorne 2reihig, mit 2—3 langen, hakenförmigen Zähnen (jederseits) in der Innen-
- reihe; seitlich einreihig, gegen die Mundwinkel an Höhe abnehmend und sowohl länger als auch stärker
als die gegenüberliegenden des Oberkiefers; Vomerzähne einreihig. Schwanz länger als der Rest des
Körpers.
Körperhaut schuppentaschenartig gefaltet.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 66
516 Franz Steindachner,
Die Dorsale beginnt in verticaler Richtung in einiger Entfernung vor den Kiemenöffnungen, ist von
geringer Höhe und übertrifft in dieser Beziehung in ihrem höchsten mittleren Theile nur ganz unbedeutend
die Länge eines Auges.
An den Seiten des Rumpfes und des Schwanzes sowie auf den Flossen liegen bei den 4 kleineren
Exemplaren auf mehr oder minder hell- oder aber fast schwärzlichviolettem Grunde zahllose, kleine,
zuweilen punktförmige, im Leben bläulichweiße, rundliche Fleckchen. Zwischen diesen kommen in ziem-
lich regelmäßigen Abständen große dunkelviolette, fast schwärzliche Flecken vor, die sich bald mehr nach
Art eines Maschennetzes, bald zu Querbinden oder Querstreifen stellenweise vereinigen; bei einem
der 4 kleineren Exemplare von dunkelvioletter Färbung treten sie aber nur stellenweise und sehr schwach
hervor und die hellen runden Flecken sind im vorderen Theile des Rumpfes wenigstens durch eine
unregelmäßige helle Sprenkelung ersetzt.
Bei dem größten Exemplare sind am Rumpfe wie am Schwanze die runden Fleckchen durch eine
dichte, helle, unregelmäßige Sprenkelung ersetzt und nur gegen das Ende des Schwanzes kommen kleine
rundliche Fleckchen zur Entwicklung, während die großen dunkelvioletten Flecken wie bei den kleinen
Exemplaren angeordnet liegen.
Bei den 4 kleinen Exemplaren sind die Flossen gegen das Schwanzende zu bläulichweiß gesäumt,
nicht aber bei dem großen.
An der Oberseite und dem Seitenabfalle des Kopfes liegen bei den kleineren Exemplaren auf violettem
Grunde zahlreiche, sehr unregelmäßig gestaltete helle Fleckchen, bei dem großen Exemplare sind eben
diese Kopftheile dunkelviolett und mit zahllosen kleinen, fast punktförmigen hellen Fleckchen übersäet.
Fam.: Syngnathidae.
Gruppe: Syngnathina.
139. Stigmatophora gracilis Macleay.
1 Exemplar, jung, circa 10 cm lang (Schwanzende in einer Länge von 1 mm fehlend), von French-Pass.
D. c. 63—64. Sc. 20 + H— 9.
Schwanzende fadenförmig. Kopflänge 14 mm, Schnauzenlänge 9 mm. Eine sehr zarte Längsleiste,
etwas über der Höhenmitte des Deckels hinlaufend.
Der ganze Körper ist auf goldbraunem Grunde, unter der Lupe gesehen, dicht schwärzlich punktiert.
Das Wiener Museum besitzt von derselben Art 3 große Exemplare, J und 9, bis zu circa 20:7 cm
Länge, bei welcher der Schwanz 70—75 Ringe und die Dorsale 63—70 Strahlen enthält. Schnauze 2 mal
so lang wie der Rest des Kopfes.
Fundort: Neu-Südwales an Neu-Seeland.
Gruppe: Zrppocampina.
140. Solenognathus spinosissimus Gthr.
1 Exemplar, getrocknet, mit beschädigter Schnauze, ergänzt circa 40 cm lang, von den Chatam-
Inseln.
D. 35. P. 24. Se. oss. 26 +55.
Fam.: Balistidae.
141. Balistes vidua Richds., Gthr.
1 Exemplar, 21°S cm lang, von Honolulu.
Fische aus dem Stillen Ocean. 5179
142. Balistes aculeatus [.
3 Exemplare, von Samoa und Laysan.
143. Balistes rectangulus (Bl., Schn.), Gthr.
(Bal. [Balistapus] cinctus Blkr.)
2 Exemplare, 14°6 und 19°2 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Humhumu.
144. Balistes (Melanichthys) buniva (L.ac.), Gthr.
Viele Exemplare, von Honolulu und Laysan, 183—24°6 cm lang.
Schwanz mit 10—11 Reihen vorspringender, stacheliger Kiele, von denen die beiden obersten und
untersten schwach entwickelt sind.
145. Balistes (Parabalistes) ringens Lac.
3 Exemplare, von Laysan.
146. Balistes (Linrus) aureolus Richds., Gthr.
3 Exemplare, 10—10°4 cm lang, von Laysan.
Schwarze Linien zwischen den 4 Reihen der größten Wangenschuppen. Flossenhaut hinter dem
Dorsalstachel tief schwarz.
In der unteren gelblichen Rumpfhälfte verschwommene dunkle Fleckchen. Ventralstachel nicht
beweglich.
147. Monacanthus rudis Richds.
3 Exemplare, 26, 26°5, 28°7 cm lang, von Neu-Seeland.
D. 33— 34. A. 33—34.
148. Monacanthus spilosoma Benn.
Zahlreiche Exemplare, bis zu 13 cm Länge, von Laysan.
149. Monacanthus pardalis Rüpp.
1 Exemplar, 15°S cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Oililepa.
Rumpf grauviolett, ungefleckt, Anale und Dorsale gelb.
Fam.: Ostraeiontidae.
150. Ostracion punctatus Lac.
1 Exemplar, 9°1 cm lang, von Honolulu.
Vulgärname: Moamoa.
151. Ostracion diaphanus Bl., Schn.
Mehrere junge Exemplare, von Laysan und Hawai (Makukana).
66*
518 Franz Steindachner,
Fam.: Tetrodontidae.
152. Tetrodon margaritatus Rüpp.
Var. solandri Richds.
Fundort. Laysan.
Kopf in der Regel vollständig, Rumpf bis zur Dorsale und Anale dicht mit Stachelchen besetzt,
Schwanzstiel glatt.
Kein Ocellfleck, sondern ein schwärzlicher Fleck ohne helle Umrandung auf und unterhalb der
Basis der Dorsale bei den mir vorliegenden Exemplaren.
Kopf und Rumpf sind mit großen hellbraunen Flecken besetzt, die insbesondere am Rumpfe so dicht
aneinander gedrängt liegen, dass die violette Grundfarbe zu netzförmigen Linien reduciert erscheint.
Dorsale, Anale und Caudale ungefleckt wie die Unterseite des Körpers.
Obere Schnauzenlinie mehr minder schwach concav. Schnauzenlänge etwas mehr als 1!/, mal,
Augendiameter 41/g A1/, mal in der Kopflänge enthalten. Die Rumpfhöhe übertrifft die Kopflänge nur
unbedeutend.
D. 9—10. A. 9.
Meines Erachtens ist Tefrodon solandri Richds. als besondere Art von T. margaritatus zu trennen.
153. Tetrodon caudofasciatus Gthr.
(=T. callisternus Ogilbg.)
Taf. III, Fig. 3.
2 Exemplare, 7°4 und 9:1 cm lang, von Laysan.
Beide Exemplare stimmen bezüglich ihrer eigenthümlichen Rumpfzeichnung im wesentlichen mit
Tetrodon caudofasciatus Gthr. überein, so dass ich sie trotz einiger nicht unbedeutenden Verschieden-
heiten zu dieser Art beziehen zu können glaube. Ein schmales braunes Band zieht fast unmittelbar von
der Basis des oberen Caudalstrahles zur Pectorale wie bei 7. caudofasciatus, ist aber von keiner weißen
Linie begleitet, welche über die Vorderseite der Pectoralbasis herabzieht und hierauf parallel zur braunen
Binde eine Strecke lang fortlauft, sondern ist durch einen zweiten, fast linienförmigen braunen Streif ersetzt,
der bis in die Nähe der Caudale zieht oder bereits in der Schwanzgegend erlischt.
Ein dunkler Fleck auf der Basis der unteren wie der oberen Caudalstrahlen, gleichsam als Abschluss
der beiden dunklen Rumpfstreifen, mit deren oberem Streif übrigens auch der obere Caudalfleck nicht
direct zusammenstößt, wie bei 7. caudofasciatus Gthr. Ein schwarzer Fleck auf und unter der Basis der
Dorsale (wie bei 7. caudofasciatus).
Die Schnauze ist bei dem größeren Exemplare unverhältnismäßig länger und deutlicher concav als
bei dem jüngeren Exemplare, bei ersterem etwas mehr als 21/,mal, bei letzterem mehr als 1*/, mal, der
Augendiameter circa 4mal in der Kopflänge enthalten. Zarte Stachelchen liegen in der Bauchgegend und
bei dem kleineren Exemplare auch an der Kehle sowie auf der Oberseite der Hinterhauptgegend.
D. 10—11; A. 9— 10.
Caudale am hinteren Rande fast abgestutzt, 41/, bis nahezu 4!/,mal (bei dem größeren Exemplare)
in der Kopflänge enthalten, ohne (schmale, gebogene, braune) Binden. P
Fam.: Diodontidae.
154. Diodon maculatus Lac.
Var. sexmaculatus Cuv.
1 Exemplar, circa 22:5 cm lang, von Laysan.
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Fische aus dem Stillen Ocean. 519
Fam.: Carchariidae.
155. Carcharias (Prionodon) melanopterus (0). G.
1 Exemplar, aus der Südsee, 65 cm lang, J'.
156. Carcharias (Prionodon) gangeticus M. und H.
2 Exemplare, 192 cm (£‘) und 108 cm (9) lang, von Laysan.
157. Galeus vulgaris Flem.
(Galeus canis Rondel., Bon., Gthr.)
Balg eines Weibchens, 152!/, cm lang, von Laysan.
Basislänge und Höhe der zweiten Dorsale je circa 2!/, mal in jener der ersten Dorsale enthalten.
Fam.: Seylliidae.
157. Sceyllium chilense Guich.
1 Exemplar, ©, 81 cm lang, von French-Pass.
Fam.: Myliobatidae.
158. Aetobatis narinari (Euphr.), M. H.
1 Exemplar, von Laysan.
Fam.: Myxinidae.
159. Bdellostoma ceirrhatum (Bl., Schn.), Gthr.
Mehrere Exemplare, 51—60 cm lang, von Neu-Seeland.
Kiemenöffnungen 7.
520 Dr. Franz Steindachner,
Kuhlia malo (C. V.), Blgr.
Priacanthus hamrur (Forsk.), C. V.
Apogon frenatus Val., Klunz.
» maculiferus Garr., Gthr.
Aprion virescens C.\.
Mulloides pflügeri n. sp.
> erythrmus Klunz.
> auriflamma (Forsk.), Klunz.
Parupeneus cycloslomus (Lac., Sauv.), Steind.
» pleurostigma (Benn.), Blkr.
» dispilurus (Playf.), Day.
» trifasciatus (Lae.), Gthr.
Upeneoides laenioplerus (C. V.), Day.
Sphaerodon grandoceulis_(F orsk.), Klunz.
Chaetodon auriga Forsk.
» fremblii Benn.
> quadrimaculatus Gray.
» Iunula (Lac.), C. V.
> lineolatus C. V.
> miliaris G. G.
Chelmo (Forcipiger) iongirostris (Brouss.), C. V.
Zanclus cornutus (L.), C. V.
Pimelepterus fuscus (Lac.), C.\V.
Cirrhites arcatus C.\.
» forsteri (Bl., Schn.), Gthr.
> maculatus Lac.
» cinclus Gthr.
Chilodactylus vittatus Garr.
Scorpaena gibbosa Bl., Schn.
Holocentrum argenteum O. G.
> diadema Lac., Rüpp.
Myripristis murdjan (Forsk.), C.V.
> (Holotrachis) lima C. \V., Gthr.
Polynemus sexfilis C. V.
Acanthurus dussumieri C.\.
> flavescens Benn.
> olivaceus Bl., Schn.
> lineolatus ©. V., Gthr.
> triostegus (L.), Bl., Schn.
» achilles Shaw.
> bipunctatus Gthr.
» hypselopterus Blkr.
» strigosus Benn.
Caranx speciosus (Forsk.), Lac.
» ignobilis Klunz.
» affınis Rüpp., Klunz.
» ferdau (Forsk.), Klunz.
» crumenophthalmus Lac.
Übersicht der in dieser Abhandlung angeführten Fischarten von den Sandwichs-Inseln.
Naseus unicornis (Forsk.), Gthr.
» Jituratus (Forst.), C.V.
Decapterus sanctae helenae (C. \.), Steind.
Chorinemus moadetta (Ehr.), C. V.
» sanchi petri C. V., Klunz.
Echeneis remora L.
Percis schauinslandii n. sp.
Malacanthus hoedtii Blkr.
Antennarius commersoniüi (Lac.), Gthr.
Dactyloplerus orientalis C.\.
Salarias edentulus (Bl., Schn.), Gthr.
Sphyraena agam Rüpp.
Mvyxus pacificus n. Sp.
Mugil dobula Gthr.
Aulostoma chinense Schleg.
Heliastes ovalis n. Sp.
Glyphidodon saxatilis (Lae.), Rüpp.
> melas (K. und H.), C. V.
Dascyllus trimaculatus C.V.
Harpe bilunulata (Lac.), Steind.
Chilinus radiatus (Bl., Schn.), Blkr.
» bimaculatus C. \V.
Siethojulis albovittala (Bonat.), Gthr.
Novacula vanicolensis (Q. G.), Gthr.
» (Iniistius) pavo (C. V.), Gthr.
> » nigra n. SP.
tetrazona Blkr.
Julis duperrei Q. Gaim., C. V.
» umbrostigma Rüpp.
» »
» purpureus (Forsk.), Rüpp., Klunz.
» rüppellii Klunz.
» obscura Gthr.
Gomphosus tricolor Q. G.
> varius Lac.
Chilio inermis (Forsk.), Blkr.
Coris multicolor (Rüpp.), Gthr.
» pulcherrima Gthr.
» argenteo-striala n. sp.
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boris schaninslandii n. sp-
doscarus troschelii Blkr.
> collana Rüpp. (= P. bataviensis Blkr.).
> sumbawensis Blkr.
odon genistriatus C. \.
spinidens (Q. G.), Blkr.
platura Rüpp.
brachypterus Richds.
bahiensis Ranz.
> neglectus Blkr.
ynodus varius (Lac.), Blkr.
ula ‚glossodontÄtr o rsk.), Klunz.
Blops saurus L.
105 chanos (Forsk.), Klunz.
er marginalus Val.
Mı raena flavimarginala Rüpp., Gthr.
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Fische aus dem Stillen Ocean.
Muraena laysana n. Sp.
Balistes vidua Richds., Gthr.
» aculeatus Lin.
> rectangulus (Bl., Schn.), Gthr.
» buniva (l.ac.), Gthr.
» ringens|..
» aureolus Richds., Gthr.
Monacanthus spilosoma Benn.
> pardalis Rüpp.
Östracion punctatus Lac.
» diaphanus Bl., Schn.
Tetrodon margarilatus Rüpp.
» caudofasciatus Gthr.
Diodon maculatus Lac., var. sexmaculatus Cuv.
Carcharias (Prionodon) gangeticus M. und H.
» » melanopterus G. G.
Galeus vulgaris Flem.
Scyllium chilense Guich.
Aetobatis narinari (Euphr.) M. H.
Bdellostoma cirrhatum (Bl. Schn.) Gthr.
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Fig. 1. Haplodactylus schauinslandii n. sp.
» 2, 2a. Trigla kumoides n. sp. (an T. kumm, var. nova).
F.Steindachner : Fische aus dem Stillen Ocean. Tafl.
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Lith. Anst v ThBannwarth Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd. LXX.
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Fig. 1. Pseudolabrus cossyphoides n. sp.
» 2,2a, 2b. Podothecus acipenserinus (Til.), J. und Gilb.
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Tafel II.
Fig. 1. Coris argenteo-striata n. sp.
-» 2. Pterois barberi n. Sp. j
f » 3. Tetrodon caudofasciatus Gthr.
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» 5. Percis schauinslandii n. sp.
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Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
F.Steindachner : Fische aus dem Stillen Ocean.
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Fig. 1. Acanthurus eg Blkr.
» 2. Novacula (Iniistius) nigra n. sp.
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F.Steindachner : Fische aus dem Stillen Ocean.
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ZUR
DEUTUNG DER FOSSILEN FUCOIDEN-GATTUNGEN
TAENIDIUM UND GYROPHYLLITES
VON
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(Mit 4 Tafeln und 21 Textfiguren.)
* (VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 29. MÄRZ 1900.)
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Vorbemerkungen.
Das Bestreben, Objecte der Paläontologie nicht nur zu unterscheiden, zu beschreiben und zu
benennen, sondern sie auch als nähere oder entferntere Verwandte bestimmter recenter Organismen-
- Gruppen zu deuten und dem System dieser letzteren ein- oder anzureihen, ist so alt wie die Paläontologie
selbst. Dieses Bestreben tritt aber bei verschiedenen Autoren in verschiedenem Grade hervor, und manche
begnügen sich vorwiegend mit der Beschreibung und Namengebung, die ja allerdings die festen Ausgangs-
- punkte weiterer, mehr weniger hypothetischer Deutungen — gleichsam den Text für einespätere Exegese
_ — bilden mussten.
Dass die Deutung im erwähnten Sinne in phylogenetischer Beziehung von Interesse und zur
Vervollständigung des Systems wichtig ist, bedarf wohl keiner näheren Begründung.
Ich habe es daher nicht für inopportun gehalten, als mir bei der ursprünglich absichtslosen
- Betrachtung der zahlreichen und vielgestaltigen, zum Theile noch räthselhaften Flysch-Abdrücke in
| der durch die Professoren E. Fugger und K. Kastner unter vielfacher Förderung seitens des Frei-
herrn J. v. Doblhoff geschaffenen und trefflich geordneten naturwissenschaftlichen Abtheilung des
städtischen Museums zu Salzburg manche bestimmte recente Algentypen in Erinnerung kamen, die
Stichhaltigkeit solcher subjectiven Eindrücke weiter zu verfolgen. Ich konnte dieses um so leichter, da mir
während meiner fast sechsjährigen Studien am Quarnero viele der einschlägigen recenten Formen wohl
an hundertmal durch die Hände gegangen und in den verschiedensten Altersstadien, Varianten des Stand-
ortes, und theils im frischen, theils im natürlich oder künstlich conservierten Zustande vorgekommen waren.
Auf dieser Grundlage wagte ich es, den Gegenstand aufzunehmen, verglich alle einschlägigen
Objecte zunächst vielmal wiederholt unter Fuggers jahrelang fortgesetzter dankenswertester Mühewal-
tung am Salzburger Museum, dann auch am k. k. naturhistorischen Hofmuseum (Director Th. Fuchs,
Cust. Adj. Dr. Wähner), sowie an der geologischen Reichsanstalt in Wien (Oberbergrath Paul), ferner
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 67
524 J. R. Ritt. Lorenz von Liburnan, sen.
mit Unterstützung der hohen k. Akademie auch in den Museen in München (Vorstand Geheimrath Prof.
Dr. v. Zittel, Cust. Dr. M. Schlosser), Zürich (Prof. Heim, Assist. [jetzt Prof.] Dr. J. Früh) und St. Gallen
(Vorstand Prof. Dr. Wartman) unter entgegenkommender Förderung seitens ihrer Vorstände und
Custoden, erbat mir mit Erfolg die Zusendung instructiver Originalien aus den Schweizerischen Museen
in Basel (Assistent Dr. Aug. Tobler), Bern (Dr. E. Kissling), Freiburg (Prof. M. Musy), sowie von Herrn
Oberbergamts-Assessor L. v. Ammon in München, pflog über einschlägige Fragen Correspondenz mit
Vertretern der Phytopaläontologie, wie insbesondere Grafen Solms-Laubach in Straßburg, mit Prof. Dr.
Schröter in Zürich und verfolgte nach Möglichkeit die einschlägige algologische und paläonto-
logische Literatur, wobei ich besonders den Vorständen der betreffenden Büchereien und Sammlungen
sowohl am Museum des botanischen Gartens der Universität (dem verewigten Herrn Hofrathe Prof. Dr.
Kerner von Marilaun und dessen Nachfolger Herrn Prof. Dr. Wettstein) als im k. k. naturhistori-
schen Hofmuseum (den Herrn Dr. Zahlbruckner und Dr. Krasser, dann Herrn Director Th. Fuchs)
sehr zu Dank verpflichtet bin. Für die sachgemäße Aufnahme zahlreicher instructiven Lichtbilder — wohl
zehnmal so vieler als hier Raum finden konnten —, bin ich dem Director des gesammten Salzburger
Museums, Herrn kaiserl. Rath. Dr. Alex. Petter ganz besonders dankbar. In derselben Beziehung hat
mich auch Herr Hofrath Dr. J.M. Eder, Director der k. k. graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien,
in zuvorkommendster Weise gefördert.
Was ich unter der Gunst dieser Umstände eruiert habe, bildet den Gegenstand der folgenden
Abhandlung.
Von dem Versuche, eine Anzahl der fraglichen Fossilien als verwandt mit bestimmten recenten
Algen zu deuten, konnten mich die von Maillard! gegen ein solches Beginnen erhobenen prineipiellen
Einwendungen nicht abhalten. Maillard erinnert daran, dass unsere Classification überhaupt eine
künstliche, vielfach subjective, mit der Zeit veränderliche sei, und bezüglich der Algen nach vielerlei
Gesichtspunkten verfahre, von denen nur Einer für die fraglichen Fossilien in Betracht kommen könne,
nämlich die äußere Gestalt, während die meist zarten Reproductionsorgane, die mikroskopische Structur
und die Farbe, bei fossilen Algen nicht erhalten seien. Aber gerade die äußere Gestalt variiere bei Algen
selbst innerhalb derselben Art oft sehr bedeutend, während anderseits oft nach dem Systeme sehr weit
von einander stehende Algen äußerlich große Ähnlichkeit besitzen. Maillard schließt daraus, dass keine
Rede sein könne von einer systematischen Vergleichung der lebenden und der fossilen Algenflora und
noch weniger von einer Entwicklungsgeschichte, die an die fossilen Arten anknüpfen würde. Obgleich
also gerade er gegenüber Nathorst und dessen wenigen Anhängern die Algennatur der sogenannten
Fucoiden und verwandter Abdrücke mit Gründlichkeit vertheidiget, unterlässt er es doch, eine Deutung
fossiler Algen mit Beziehung auf das System der lebenden zu versuchen.
Diese von Maillard hervorgehobenen Schwächen des Systems und der Anhaltspunkte für eine
exacte Vergleichung können jedoch nur im allgemeinen als richtig anerkannt werden, im besonderen aber
muss immer erst untersucht werden, ob denn wirklich die Merkmale der äußeren Form so unverlässlich
sind, dass im gegebenen Falle die vergleichende Deutung unannehmbar würde.
Da ich nun bezüglich mehrerer fossiler Algenformen gefunden zu haben glaube, dass ihre äußeren
Merkmale bis in sehr weit gehende Details mit jenen bestimmter recenter Algen übereinstimmen, und
dass überdies verschiedene maßgebende Begleitumstände für die nahe Verwandtschaft beider sprechen,
habe ich mich denjenigen angeschlossen, die trotz Maillards Autorität auch seither sich mit solchen
Deutungsfragen beschäftiget haben.
Die Worte »Positiv« und »Negativ« sind hier nicht im Sinne der Photographen, sondern im Sinne
der Plastik gebraucht, also gleichbedeutend mit »Erhabenheit« (Relief) und »Vertiefung« (Eindruck),
1 »Considerations sur les fossiles decerits comme algues.« Enthalten in »Memoires de la. societe pal&ontologique Suisse«,
Vol. XIV. Geneve. 1837.
Taenidium und Gyrophyllites. 5925
Art des Vorkommens, insbesondere im Salzburger Flysch.
Da die folgenden Erörterungen vielfach auf der Betrachtung fossiler Objecte aus dem Salzburger
Flysch beruhen, muss vor allem wenigstens in Kürze das dortige locale Vorkommen dieser Formation
charakterisiert werden.
Über das gesammte Flyschgebiet des Salzburger Vorlandes besitzen wir nun seit kurzer Zeit eine sehr
‚wertvolle Monographie von Professor E. Fugger,! der sein Gebiet hauptsächlich nach orographischen
Gesichtspunkten in XVIII Sectionen theilt. Von diesen kommen hier hauptsächlich jene des »Plainberges«
(D) mit den paläontologisch interessanten Steinbrüchen von Bergheim, dann des »Hochgitzen« (VI) mit den
gleichfalls an Fucoiden-Abdrücken reichen Aufschlüssen von Muntigl in Betracht.
Obgleich die ebengenannten Fundstellen nur 2 Kilometer von einander entfernt sind, konnte die
Tektonik des zwischen ihnen liegenden Terrains von Fugger nicht im Zusammenhang dargestellt werden,
weil eben beide Fundorte zu verschiedenen Gebieten gehören, und es sich in seiner Abhandlung nicht um
die Schilderung localer Detailverhältnisse für paläontologische Specialfragen handelte.
Da aber gerade solche Fragen für unseren Zweck einige Wichtigkeit besitzen — wie z. B. die Frage
nach dem relativen Alter der aneinander grenzenden Gesteinsschichten, insoferne man versuchen kann,
daraus Folgerungen bezüglich der ursprünglichen Wachsthums- oder Erzeugungsrichtung mancher orga-
nischer Reste und Spuren abzuleiten —, habe ich nach Autopsie und noch mehr nach mündlichen und
schriftlichen Mittheilungen Fuggers die Tektonik des erwähnten Terrain-Abschnittes kurz skizzirt, wie
folgt.
Die beistehende Figur 1 repräsentiert schematisch zunächst das am besten aufgeschlossene Ver-
hältnis der Flyschbänke der einander annähernd nord-südlich gegenüberstehenden Steinbrüche von
Muntigl und Bergheim und des dazwischen liegenden Terrains (Fischachthal).
Fig. 1.
Bergheim. Huntigl.
Schema der Geotektonik zwischen Bergheim und Muntigl bei Salzburg. Lage der Kegelwüste angedeutet.
Bei beiden Steinbrüchen stehen die Gesteinsbänke — wiederholt wechsellagernde, theils dichte theils
schieferige Sandsteine, Mergelkalke und Kalkmergel — nahezu saiger, u. zw. in einer Anordnung, nach
welcher Fugger annehmen zu können glaubt, dass die äußersten Bergheimer Schichten der Südseite (a
unserer Figur 1) ungefähr den äußersten Muntigler Schichten der Nordseite (a’ derselben Figur 1) ent-
sprechen und ebenso die weiter nach innen gelegene 5 und D’, c und c’ u. s. w.
Daraus gewinnt man die Vorstellung, dass die ganze Schichtenfolge nach ihrer ursprünglichen
Ablagerung eine Aufbauchung erfahren hat (wie in der Figur angedeutet ist), deren Kuppe sich später
1 Das Salzburger Vorland. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1899, Band 49, Heft 2. Von demselben Verfasser
war schon früher erschienen: Naturwissenschaftl. Studien und Beobachtungen aus und über Salzburg, von E. Fugger und
K. Kastner. Salzburg 1885. (Die Steinbrüche von Bergheim und Muntigl sind S. 62—82 behandelt.)
67%
526 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
senkte oder einbrach, worauf die so entstandene Vertiefung von der sich dahin wendenden Fischach
ausgeweitet und vertieft und theilweise mit Trümmern, Glacial- und Bachschutt bedeckt wurde, woraus
thatsächlich heute der Boden zwischen Bergheim und Muntigl besteht. Wenn gesagt wird, dass die mit
gleichen Buchstaben bezeichneten Schichten ursprünglich zusammenhingen und in diesem Sinne als
Äquivalente betrachtet werden können, ist das nur als im allgemeinen für ganze Complexe von Bänken
geltend aufzufassen, und nicht so, als ob man mit Sicherheit angeben könnte, welche einzelne Bank des
Bergheimer Steinbruches gerade einer bestimmten Bank des Muntigler Bruches entspreche, da in beiden
Brüchen ein steter Wechsel der oben erwähnten Gesteinsarten zu beobachten ist und die Mächtigkeit
mancher Bänke in einem und demselben Steinbruche sehr variabel ist, ja auch Auskeilungen vorkommen.
Die einzige ganz charakteristische Bank, nämlich eine Breccienlage des Muntigler Bruches, wurde bei
Bergheim nicht aufgefunden. Die Inoceramen von Muntigl wurden nicht in Bergheim, ein Pachydiscus und
Gyrophylliten wurden zwar in Bergheim aber nicht in Muntigl constatirt, nur Chondriten und Taenidien
sind nicht nur beiden genannten Steinbrüchen, sondern sämmtlichen genauer untersuchten Denudationen
und verritzten Stellen gemein.
Dass die Schichten c und c’ älter sind, als b und d’‘, und diese wieder älter als z und a’, schließt
Fugger nur aus den von ihm I. c. S. 298 (12) eingehend geschilderten »Kegelwülsten«, die in Bergheim
an der Nordfläche, in Muntigl an der Südfläche der stark aufgerichteten Schichten haften und, da sie
nach den Gesichtspunkten der »Fossilisation en demi relief« als charakteristisch für die Unterseite der
mit ihnen besetzten Bänke betrachtet werden, zur Unterscheidung des Liegenden und Hangenden dienen
können.
Meine etwas skeptische Frage, ob die Rolle der Kegelwülste als Merkmale für die Unterseite von
Hangendschichten im Forschungsgebiete Fuggers auch an solchen Orten constatiert wurde, wo das
relative Alter der Schichten sicherer zu erkennen ist, als es bei Bergheim und Muntigl wegen der
Aufrichtung der Schichten und der Möglichkeit einer Überkippung der Fall ist, wurde verneinend
beantwortet. Nach und trotz alledem lässt sich kaum eine grundhältigere Auffassung von der Tektonik
der in Rede stehenden Gegend geben, als jene Fuggers ist, wonach dem Beschauer der entblößten
Schichtenwände bei Bergheim ein Hangendes, bei Muntigl ein Liegendes eines seinerzeit zusammen-
hängend gewesenen Schichtencomplexes entgegensieht, das heutige Fischachthal sich in einer Bruch-
linie Jängs des ehemaligen Kammes der Antiklinale befindet, nachdem die Bruchspalte von der Fischach
occupiert und weiter ausgebildet war.
Indem ich wegen aller detaillierteren Nachforschungen auf die citierte Abhandlung verweise, füge
ich hier nur noch bei, dass im dortigen Flysch nebst den vorwiegenden marinen Thier- und Pflanzen-
resten auch vereinzelt Blätter von Landpflanzen, wie solche, die an Podocarpus und an Sapindus
erinnern, sowie Fragmente von Insectenflügeln gefunden wurden, was auf kein Hochsee-Sediment
hinweiset.
Die Objecte der gegenwärtigen Abhandlung kommen im Salzburger Vorland nur in den
schieferigen Mergeln und Mergelkalken, nicht in den Sandsteinen und Sandsteinschiefern des Flysch vor,
und zwar nach Art losgerissener und zusammengeschwemmter Pflanzen durcheinander und übereinander
gewürfelt, nicht angeheftet an ihrer Unterlage, was umso mehr zu beachten ist, da dieselben, wie bei
der Betrachtung der einzelnen Formen näher erörtert werden wird, mit Ausnahme der meisten Chondriten
nur mit solchen Algen verwandt sind, die nicht wie Gelidium, Wrangelia u. s. w. im Schlamme
kriechend, sondern an festeren Unterlagen angeheftet wachsen, wovon aber in den Fucoiden führenden
Schiefern nichts vorkommt.
Hier ist also die Frage nach dem Hineinwachsen oder Hineinreichen der fraglichen Objecte nach
oben oder nach unten gegenstandslos. Die letzteren liegen vorwiegend parallel mit der Schieferung
(nicht Schichtung) — aber nicht selten auch schief, so dass sie scheinbar den Schiefer durchsetzen,
während in Wirklichkeit nur das feine Sediment sich langsam ringsherum abgesetzt hat, ohne die steifen
Taenidium und Gyrophyllites. 527
Stengel, Stämmchen oder Zweige niederzudrücken und die in mehreren Horizonten übereinander
gewachsenen Zweige auf einen und denselben Horizont hinab zu pressen.
Die natürliche Schieferspaltung geht nicht selten so, dass beim Abheben ein Fucoidenkörper seiner
Länge nach in zwei Theile gespalten wird, daher auf Platte und Gegenplatte je ein Längsschnit des
Körpers erscheint und die ursprünglichen Außenseiten des letzteren in beiden Platten eingesenkt bleiben,
daher nicht in Gestalt von Abdrücken oder Eindrücken sichtbar werden. Hievon werden insbesondere im
Abschnitte über die Taenidien Beispiele angeführt werden.
Die Fossilien kommen hier zum Theile im Relief zum Vorschein, so dass eine Platte das Object
erhaben (positiv), die Gegenplatte vertieft (negativ) zeigt; selten jedoch sind beide gut erhalten,
und man muss sich meist nur mit der einen oder der anderen dieser beiden Erscheinungsformen
begnügen. Soviel ist aber gewiss, dass die hier erhaben gestalteten Algenreste nicht nur als
»Demi-Reliefs« vorkommen, sondern auch ganz umschlossen von Nebengestein, eingebacken in das-
selbe.! Die günstigste Art der Entblößung, nämlich ausgelöste Steinkerne, ist die seltenste und uns im
Salzburg’schen bisher nicht vorgekommen. Künstliches Herauspräparieren oder Isolieren durch chemische
Auflösung des Nebengesteines hat bisher zu keinem Resultate geführt, wie später im einzelnen dargelegt
werden soll.
Die Fucoiden unseres Flysch sind in Reliefs sowie in Schnitten stets entschieden dunkler gefärbt als
das ziemlich helle Nebengestein, ohne dass Spalten oder Röhrchen vorhanden sind, durch die ein
dunkleres Sediment etwa aus dem Hangenden hinabgedrungen sein könnte. Alle Gründe, die Maillard
sowie Rothpletz für die organische kohlige Natur solcher Schwärzung zusammenfassend angeführt
haben, muss ich als zutreffend für die von mir beobachteten Fucoiden aus dem Flysch und auch aus dem
Eocän, nach den Exemplaren der Museen in Salzburg, München, Zürich und St. Gallen erkennen und
kann nur noch einige wenige Bemerkungen darüber hinzufügen.?
Ein Exemplar in München und eines aus Muntigl (Salzburg) wurde geglüht, und dabei verschwand
gänzlich die Schwärzung, während die Plastik unverändert blieb und nur zufolge der Erhärtung schärfer
hervortrat. An nahezu hundert Exemplaren in allen genannten Museen habe ich die auch von Rothpletz
empfohlene Salzsäureprobe vorgenommen und dabei stets gefunden, dass, während das Nebengestein
lebhaft brauste, die geschwärzten Fucoiden diese Erscheinung entweder gar nicht, oder nur an jenen
vereinzelten Pünktchen zeigten, die zwischen den vorwiegenden geschwärzten Partikelchen auftreten
und von beigemengtem oder darunter liegendem oder aus der Hangendplatte hängen gebliebenem Material
des Nebengesteines herrühren.
Die Betrachtung unter der Loupe zeigte mir immer, dass die Schwärzung unserer Fucoiden und
insbesondere der Taenidien nicht eine continuirliche ist, sondern dadurch hervorgebracht wird, dass das
Sediment des einschließenden Gesteines mehr oder minder reichlich mit kohligen Partikelchen gemengt
ist, jedenfalls aber in weit stärkerem Mengenverhältnis, als es beim Nebengestein der Fall ist, das gleich-
falls nicht selten Kohlensplitter enthält.
Der fossile Fucoidenkörper besteht also aus einem Gemenge von Sediment und vorwaltenden
Kohlepartikelchen.
1 Manche unserer Algenreste erscheinen nur als ganz dünne Plättchen oder ganz flache Abdrücke, die sich nur durch ihre
dunklere Farbe vom helleren Nebengestein abheben.
2 Dr. Fr. Krasser hat zwar in einerAbhandlung über den Kohlengehalt der Flysch-Algen (Annalen des k.k. naturhistorischen
Hofmuseums in Wien, 1889) nachgewiesen, dass die bloße Schwärzung oder die Anwesenheit kohliger Reste für sich allein noch
nicht genügt, um einen fossilen Einschluss oder Abdruck als Pflanze oder speciell als Alge zu erklären. Wenn aber kohlige Schwärzung,
die im umgebenden Gestein nur zerstreut in kleinen Partikelchen, Schüppchen, Splittern u. s. w. vorkommt, innnerhalb der Contouren,
welche eine im Gestein enthaltene Pflanzengestalt begrenzen, viel intensiver, und die Einmengung kohliger Theilchen viel
reichlicher ist, als im Gestein, dann verstärkt dieser Umstand die Berechtigung, den fraglichen Einschluss oder Abdruck als Pllanzen-
gebilde anzusprechen.
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528 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
Bestätigt wurde dieses durch folgenden Versuch, den der Vorstand des chemischen Laboratoriums
der k. k. geologischen Reichsanstalt, Regierungsrath John, auf meine Bitte durchführte. Ich wollte einen
Taenidiumkörper, dessen Unterfläche im Gestein eingesenkt war, aus dem Nebengestein auf chemischem
Wege durch vorsichtige Auflösung des’ letzteren herausbekommen. Zu diesem Zwecke wurde das
Stück zunächst in verdünnter Salzsäure liegen gelassen, wobei sich aber, da das Gestein sehr
vorwiegend thonig war, vom letzteren sehr wenig auflöste und am schwarzen Taenidiumkörper nur
einige Lockerung der dunklen Partikelchen stattfand. Als dann das Stück mit Flussäure behandelt
wurde, verwandelte sich der Taenidiumkörper in eine anscheinend homogene breiige Masse wie das
Nebengestein, nur dunkler gefärbt als dieses. Am fossilen Taenidiumkörper hatte also die Substanz des
Nebengesteines — des einschließenden Sedimentes — wesentlichen Antheil.
Zur Deutung des Genus Taenidium Heer.
Auffassung älterer und neuerer Autoren.
Wenn Beziehungen zwischen zweifelhaften fossilen Resten und recenten Organismen aufgesucht
werden sollen, kommt eine zweifache Deutung in Betracht. Bei unseren hier zu behandelnden Fossilien
insbesondere handelt es sich zunächst darum, die einzelnen, oft nur aus Strichen, Flecken, unterbrochener
oder theilweise verwischter Sculptur u. s. w. bestehenden Elemente der uns vorliegenden fossilen
Zeichnungen oder Körper vom rein morphologischen Standpunkte zu deuten. Dann erst, wenn
das Gebilde gewissermaßen in Gedanken restauriert ist, lässt sich mit Grund die Deutung im zweiten
Sinne, die Einreihung in das System nach dem Grade der Verwandtschaft mit recenten Formen
unternehmen. Dieser stufenweise Vorgang ist ganz besonders bezüglich der Taenidien und ihrer
mehrerwähnten fraglichen Verwandten nothwendig, wie sich aus der folgenden kurzen Kritik der
bisherigen Definitionen oder Diagnosen ergeben dürfte. Hiebei ist es unerlässlich, die Gattungen
Münsteria Stbg., Keckia Glock. und Taenidium Hr. im Zusammenhang zu betrachten, da der größte
Theil der Taenidien ursprünglich zu den beiden ersteren gerechnet wurde. Zur Abkürzung werde ich
die genannten drei Gattungen zusammenfassend »Münsterioiden« nennen, wenn ich veranlasst bin, etwas
auszusagen, was sich auf alle drei gemeinsam bezieht.
Die älteste hier in Betrach kommende Publication rührt von Sternberg! her, welcher das Genus
Münsteria aufstellte. Dabei spricht er keine reine Wahrnehmung, sondern eine Supposition aus,
wenn er die Charakterisierung seiner Gattung (»genus plane novum») AMünsteria mit den Worten
beginnt: »frons coriacea,? fistulosa, cylindracea.« Dass das Fossil »häutig« gewesen, lässt
sich an den Fundstücken, die entweder aus homogener Masse bestehen oder nur Abdrücke sind,
nicht sehen, und nach allem, was er beschreibt und zeichnet, auch nicht einmal mit einiger Bestimmtheit
folgern; die röhrige Beschaffenheit erscheint an keiner seiner Figuren ausgesprochen, und die
Cylinderform wird nur supponiert, weil reliefartig hervortretende »Frondes« sowie Eindrücke derselben
oft etwas gewölbt sind, — was jedoch in so geringem Maße der Fall ist, dass man nur auf schmal-
elliptische Querschnitte schließen kann. Ebenso ist es eine sehr weitgehende Annahme, wenn Sternberg
von »Sporangien« spricht (»sporangia punctiformia, sparsa, creberrima inter strias laminae frondis
immersa«); was er als solche angesehen haben mag, und woraus er gerade auf Sporangien schießt,
ist weder im Texte, noch in den Zeichnungen ersichtlich, und wahrscheinlich sind es die kohlig
schwarzen Splitter und Pünktchen, die oft das ganze Gestein durchziehen und an den bloßgelegten
Flächen (meist Schieferungsflächen) neben und zwischen den fraglichen Taenidien und anderen
1 Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt. Vom Grafen Kaspar Sternberg. Prag 1838. Nur
dieser Band behandelt auch die fossilen Algen, von denen in dem schon 1820 in Leipzig und Prag unter dem gleichen Titel
erschienenen ersten Bande (mit vier Heften) nicht die Rede war.
2 In der Charakterisierung seiner Subordo » Ulvoidites«, wöhin die Münsteria gehört, heißt es »frons membranacea«.
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Taenidium und Gyrophyllites. 529
verwandten Resten erscheinen. Bezüglich dieser Frage hat Rothpletz! zwar nicht speciell bei Münsterien
und Taenidien, aber bei Halymenites-Arten darauf aufmerksam gemacht, dass die angeblichen Sporangien
nur zufällig »eingemengte kleine Höckerchen oder Flecken« sind, nachdem schon Maillard bemerkt
hatte, dass die Schwärzung der Fucoiden überhaupt keine continuierliche ist, sondern nur durch eine
größere Anhäufung getrennter kohliger Partikelchen erzeugt werde.
| Dagegen entspricht es unmittelbar Sternbergs Zeichnungen? und ihren fossilen Originalen, wenn
er die an den Längsgebilden vorkommenden sehr zahlreichen queren Streifen hervorhebt, die er als
regellos vertheilt und unterbrochen (»inordinatae, interruptae«) bezeichnet. Wenn er den Ausdruck
»elevato-striatae« gebraucht, dürfte darunter wohl nicht eine erhabene, sondern eine nach oben
| gekrümmte Streifung zu verstehen sein, wie sie an den Figuren seiner Arten deutlich zu erkennen
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ist. Wenn man aber unter »striae« nicht Streifen, sondern hervortretende Striemen oder Wülste ver-
stehen will, passt dieses nur auf einige, nicht auf alle seiner Arten.
Aus allem diesen theils unmittelbar wahrnehmbaren, theils supponierten Merkmalen gewann
Sternberg nur die Vorstellung irgend einer sporenbildenden, also kryptogamen, Pflanze, ohne nähere
Andeutung ihrer Stellung im System.
Glocker? schloss an die Münsterien ein diesen (insbesondere der M. Hoesii) zwar ähnliches,
aber nach seiner Auffassung doch generisch verschiedenes neues Fossil als coordinierte Gattung
»Keckia« (damals einzige Art K. annulata) an. Er spricht nicht mehr von einem rein cylindrischen, son-
dern von einem flachgedrückten stengelartigen Körper, und die auch an diesem Objecte vorkommende
Querzeichnung erkennt Glocker als ringförmig herumgehende »schuppenartige Gebilde, die meist in
der Richtung der Stengel in die Länge gezogen sind und dadurch halbmondförmig erscheinen«.
Die Regelmäßigkeit und die halbmondförmige Krümmung der nicht unterbrochenen Quer-
zeichnungen oder Striemen erscheinen ihm als hinreichender Grund zur Aufstellung eines neben
Münsteria zu stellenden Genus. Bei näherer Betrachtung kann man aber auch finden, dass die Merkmale
der Keckia von jenen der Münsteria nicht weit abweichen; denn die stengelartige Gestalt ist beiden
gemeinsam, die Querzeichnungen sind auch bei Sternbergs Münsterien oft sichelförmig nach oben
gekrümmt und die Unterbrechung der Striche an letzteren dürfte wesentlich durch Absplittern bei der
Abdeckung bewirkt sein. Nur wenn man auf Sternbergs Merkmal »striis creberrimis« das Haupt-
gewicht legt, liegt hierin ein bedeutender Unterschied, da bei Keckia die Quertheilungen breiter
und daher die begrenzenden Querlinien nicht zahlreich oder dicht gedrängt sind. Immerhin bedeutet
schon die genaue Schilderung und Zeichnung Glockers einen Fortschritt in der Auffassung des
Gesehenen. Dabei glaube ich besonderen Wert darauf legen zu sollen, dass Glocker bemerkt:
»Zwischen je zwei solchen Ringen befinden sich regelmäßig gleichfalls halbmondförmige, mit der
bloßen Gesteinsmasse ausgefüllte Zwischenräume.« Auf diesen Umstand, der von späteren Au-
toren, mit Ausnahme Schröters,* nicht hervorgehoben wird, obgleich er auch bei den verwandten
Taenidien eine wesentliche Rolle spielt, werde ich noch später zurückkommen.
Was die systematische Deutung betrifft, so denkt Glocker bei Münsteria-artigen Fossilien im
allgemeinen zwar an eine Analogie mit Lycopodien, speciell bei Keckia aber spricht er sich hierüber
nicht aus und bemerkt nur, dass »diese stengelartigen Gebilde einer Pflanzenart angehört haben, welche
von allen bekannten fossilen und nicht fossilen Pflanzen in ihrer Bildung abweicht und daher allem
Anscheine nach eine neue Gattung darstellt.«
1 Über die Flysch-Fucoiden. Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. 1896, S. 890.
2 In der Bezifferung der Tafeln und Figuren herrschen einige Verwechslungen gegenüber dem Texte, insbesondere
bei M. flagellaris und M. geniculata, worüber jedoch aufmerksame Leser bald ins Reine kommen werden.
3 Über den Jurakalk von Kurowetz in Mähren. Von Ernst Friedrich Glocker. Breslau 1841. Aus 'Nov. act. Leopold Carol,
XIX, Suppl. 2, Taf. IV, Fig. 1,2.
4 Notiz über ein Taenidium aus dem Flysch von Ganey bei Seewies, Prof. Dr. Schröter in Zürich. Enthalten im Jahres-
bericht der naturforschenden Gesellschaft Graubündtens. 1894.
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530 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen.
Schafhäutl! beschreibt ein besonders instructives Stück, auf das wir noch wiederholt zurück-
kommen werden, vom Mühlschartenkopf bei Trauchgau in Bayern, mit schiefgestellten, auf Windungen
hindeutenden Scheingliedern und derenTrennungsstreifen, gibt eine sehr gute, vielfach instructive Abbildung
davon, bezeichnet das Fossil als einen »neuen Pflanzenüberrest« und sagt darüber: . . . »dasselbe
gehört, soweit sich aus dem ziemlich gut erhaltenen Exemplare schließen lässt, dem Genus Münsteria
an«; er gibt ihm den Namen M. annulata Schfh. (nicht zu verwechseln mit der schon 1841
benannten Keckia annulata Glock.) Über die morphologische Bedeutung der Sculptur und über die
Stellung im System der Algen spricht er sich nicht aus.
Fischer-Ooster? constatierte, dass der von Sternberg allen Münsterien zugeschriebene
cylindrische Stengel in dieser Form nicht vorhanden, nur bei einigen Keckien »halberhaben« ist, bei
den eigentlichen Münsterien und einem Theil der Keckien aber nur »flache Zeichnung« besitzt. In
den von halbmondförmigen Linien begrenzten Quertheilen erblickt er eine Reihe sich schuppenförmig
ablösender Querfalten. Für die Systematik war es kein durchgreifender Fortschritt, dass F.-O. die
Sternberg’schen Münsterien in drei Gruppen sonderte:
1. Eumünsteria mit fast geraden Querstreifen,
2. Keckia mit halbmondförmigen, bei der Reife sich schuppenförmig ablösenden Querfalten,
3. Hydrancylus mit S-förmiger Querzeichnung (wie sie der Sternberg’schen M. genicnlata
zukommt). Hauptsächlich diese letztere Abtrennung war zwar sehr wesentlich; dagegen blieb es bei
der bisherigen Unterscheidung der Gattungen nach der Art der queren Striche, ohne nähere Deutung
des Körpers, an dem die Striche vorkommen.
Über die morphologische Bedeutung dieser letzteren und der äußeren Zeichnung überhaupt
spricht F.-O. nur indirect, insoferne er darin — wenigstens bei Keckia — die Spuren von Querfalten
erblickt —, eine Auffassung, die einen weiteren Fortschritt involviert, wenngleich das Herbeiziehen
eines hypothetischen »Reifezustandes« weniger sachdienlich war; über den erzeugenden Körper
ist nur gesagt, dass er »im Leben einen zähen, cylindrischen, schlauchartigen Stengel« gebildet haben
muss; eine Ansicht über die Verwandtschaft mit recenten Pflanzengattungen oder Familien wird
nicht ausgesprochen.
v. Ettingshausen? erkannte, dass die Annahme eines cylindrischen Stengels nicht gerecht-
fertigt sei und die Äste ursprünglich entweder flach oder höchstens »zusammengedrückt — biconvex
gewesen zu sein scheinen. Über die morphologische Bedeutung der queren Zeichnungen und
Sculpturen spricht er sich nicht näher aus, in paläo-systematischer Beziehung zieht er auf Grund
angenommener Übergänge die sechs Arten der Münsteria in bloß zwei zusammen (M. Hoessiüi
und. M. annulata Schfh.); eine Subsumtion unter das System der recenten Pflanzen unternimmt er
nicht.
Schimper? bezeichnet Mänsteria als »Genre, base sur de characteres tres vagues, compose
d’elements heterogenes d’origine douteuse« und findet die damals bekannten Arten eher mit Spongien
als mit Algen zu vergleichen.
Heer? geht in der Deutung, zunächst der äußeren Zeichnung und Sculptur, weiter als alle
Vorgänger. Er erblickt insbesondere an einer Gruppe von Münsterien und Keckien, die er, wie schon
Sternberg, als cylindrisch annimmt, Anzeichen, dass sie hohle Röhren waren und dass die an
ihnen wahrnehmbaren Querstreifen wahrscheinlich nichts anderes seien, als Scheidewände (disse-
1 Geognostische Untersuchung des südbayerischen Alpengebirges. Vom Conservator Dr. Schafhäutl. München 1851.
2
? Die fossilen Fucoiden der Schweizer Alpen. Von C. v. Fischer-Ooster. Bern 1858.
® Die fossilen Algen des Wiener- und des Karpathensandsteins. Von Constantin Ritter v. Ettingshausen, Enthalten in den
Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Band XLVII., 1863.
4 Traite de paleontologie vegetale. Par W. Ph. Schimper. Paris 1874. Drei Bände Text. Hiezu ein Atlas mit 110 Tafeln.
5 Flora fossilis Helvetiae, Zürich 1877.
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Taenidium und Gyrophyllites. 5
pimenta), die quer durch den Cylinder gehen und sich nach außen fortsetzen, wo sie als Grenzen
von Gliedern oder Ringen erscheinen, die zwischen je zwei Querstreifen liegen.
Aus dieser Gruppe bildet er das neue Genus »Taenidium«, und glaubt, es mit der recenten
Alsen-Gattung »Chorda« vergleichen zu dürfen, deren Arten gleichfalls aus hohlen, mit inneren
Scheidewänden versehenen Schnüren bestehen.
Als »Münsteria« beließ er: »cylindrische Formen mit regelmäßiger Querstreifung« (trans-
versim reguloso striata), einfach oder dichotom verzweigt; als »Keckia« jene cylindrischen Gestalten,
die mit halbmondförmigen, stark gekrümmten und am Rande zusammenlaufenden Querstreifen (striis
_margine conniventibus) versehen sind, wobei von Verästelung nicht ausdrücklich gesprochen wird.
Da meine gegenwärtige Untersuchung nur die Taenidien zum Gegenstande hat, mögen nun
weiterhin die Gattungen Münsteria und Keckia beiseite bleiben und eingehende Erörterungen nur der
Gruppe Taenidium von Heer zugewendet werden.
Der Inhalt dieses Genus erhellt mehr aus den zahlreichen Abbildungen in Heer’s Tafeln XLIIN,
"XLV, L und LXVII, als aus dem kurzen Texte. Die Abbildungen zeigen, dass zwar das Bestreben
nach einer Sonderung, aus der das Genus Taenidium hervorgegangen, an und für sich gerechtfertigt
war, dass jedoch dieses neue Genus noch eine sehr gemischte Gesellschaft einschließt, wie man sie
in anderen Zweigen der Naturgeschichte kaum zu einem Genus zusammenfassen würde. Man vergleiche
nur die theils quer (rechtwinkelig zur Längsaxe), theils schief, und zwar nach der Zeichnung
plastisch geringelten, mitunter strickartig gedrehten. annähernd gerade gestreckten Frondes (Heers
Taf. LXVII, Fig. 1, 3, 5, 7) mit dem hin und her gebogenen, fein einfach oder doppelt quergestreiften
der Taf. L, Fig. 2, ferner mit dem regenwurmförmigen, gekrümmten, enge gestreiften der Taf. XLV,
Fig. 9, endlich mit den einem Knöterichstengel oder Pfefferrohr ähnlichen der Taf. L, Fig. 1 und LXVI,
Fig. 6 — und man wird zugeben, dass, wenn alle diese Figuren getreu sind, die Zusammengehörigkeit
der so dargestellten Objecte als coordinirter Species eines und desselben Genus kaum aufrecht
erhalten werden kann.
Es ist daher begreiflich, dass spätere Autoren, wie Squinabol,! Schenk,? Rothpletz,? die
sich mit der Sippe Münsteria-Keckia-Taenidium beschäftigten, verschiedene Vorschläge zu einer
anderen Gattungsbegrenzung machten oder abweichende Subsumtionen vornahmen, indem Squinabol
Formen, die nach Heer zu Taenidium gehören würden, zu Münsteria zieht, Schenk nur die am
deutlichsten geringelten drei Arten von Heer’s Taenidium (serpenltinum, helveticum und Fischeri)
_ beisammen, und zwar unter seiner Gruppe der Arthrophyceae, bestehen lässt, dagegen Münsteria und
Keckia zum Theil in die Gruppe der »Caulerpiteae« versetzt, übrigens von den Arten der ersteren
_ nur M. clavata St. und zwar als eine Spongiophycea beibehält, die anderen theils zu Keckia zieht,
_ theils dem neuen Genus Ceratophycus (Gruppe Cylindrites) zuweiset; Schröter* die Taenidien
überhaupt nicht als Reste von Algen, sondern eher als Erhaltungszustände einer Bryozoe aufzu-
" fassen geneigt ist, Rothpletz° endlich den »sehr dunklen« Begriff Münsteria in seinem, auch die
1 Contribuzioni alla Flora fossile dei terreni terziarii della Liguria. Enthalten im »Bolletino della Societa geologica Italianae,
Vol. VI. Roma 1887.
Außerdem hat Squinabol noch einschlägige Daten und Abildungen in einer unter dem gleichen Titel (Contribuzioni u. 5. w.)
1891 in Genua erschienenen Abhandlung. Beim Citieren werde ich der Abkürzung wegen nur die Jahreszahlen 1887 und 1891
beisetzen. In seiner 1890 in Genua erschienenen Abhandlung »Alghe e Pseudoalghe italiane« kommen Taenidien nicht vor.
2 Zittels Handbuch der Paläontologie II. Phythopaläontologie. Begonnen von W. Ph. Schimper, vollendet von
A. Schenk 189.
3 »Über Taenidien«. In der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. 1896
4 Notiz über ein Taenidium aus dem Flysch von Ganey. Von Pof. Dr. Schröter in Zürich. (Im Jahresbericht der Natur-
forschenden Gesellschaft Graubündtens 1894).
5]. c. S. 234. In seinem 1890 erschienenen Handbuch der Botanik, 4. Band, der von den fossilen Pflanzenresten handelt,
erscheinen Münsteria, Keckia und Taenidium überhaupt nicht mehr, da sie nach seiner Ansicht nicht zu jenen wenigen Resten gehören
von denen man sagen kann, dass sie zu den Algen gehören.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 68
532 J. R. Riti. Lorenz v. Liburnanu sen.
meisten Taenidien Heer’s umfassenden Genus »Granularia« aufgehen und die übrigen drei Arten von
Taenidien nur als Formen von Keckia gelten lässt. Rothpletz recipiert also nicht die von Schenk
sechs Jahre früher veröffentlichte systematische Eintheilung, und war dazu wohl auch umso weniger
veranlasst, nachdem er selbst in einem Nachtrage die Resultate seiner mühevollen Arbeit zu Gunsten
der inzwischen aufgetretenen Theorie von Nathorst im Stiche gelassen und es als »sunbedenklich«
erklärt hatte, eine größere Menge fossiler Formen aus den Algen ganz auszuscheiden, worunter auch
die sehr unbequemen Gattungen Keckia, Münsteria nebst den Cylindriteae und Spongiophyceae, dann die
von ihm in diese Ordnungen und Gattungen eingereihten Formen der Taenidien mit Ausschluss der
oben genannten drei Arten.
In diesem Stande widersprechender Auffassungen und Eintheilungen befand sich die Taenidien-
frage zur Zeit, als ich 1894 bis 1897 die bis dahin von den Autoren wenig oder gar nicht studierte,
damals auch erst in ihrer raschen Vermehrung begriffene, heutzutage aber sehr reiche Sammlung von
Taenidien aus dem Kreideflysch im Salzburger Museum eingehender zu betrachten begann.
Dieses Material erschien mir als eine Aufforderung, dasselbe zur möglichen Aufhellung der
Taenidienfrage zu verwerten, um einer richtigen Deutung der einschlägigen Formen näher zu kommen
Daselbst befinden sich 13 Exemplare mit je mehreren (4—7) aus einem gemeinsamen Ursprungspunkte
radial divergierenden Ästen, die theils einfach, theils verzweigt sind, dann 13 Stücke mit einzelnen
zerstreut liegenden Frondes, verzweigt und nicht verzweigt. Im ganzen sind dort gegen 100 einzelne
Zweige zur Beobachtung verfügbar, weit mehr, als an irgend einem anderen Museum. Diese Taenidien
kamen aus allen bisher auf Flysch-Fucoiden ausgebeuteten Fundorten des Salzburger Vorlandes,
nämlich: Bergheim, Muntigl, Haunsberg, Fischachgraben, Heuberg, Thalgau (Fischbachgraben).
Ich fand nun, dass Heers Diagnose von Taenidium zum Theile mehr auf hypothetischen
Annahmen als auf feststehenden Merkmalen beruht und dass sie überdies, auch wenn man sie gelten
lässt, nur auf einen Theil der Heerschen Taenidien passt. Seine Diagnose lautet wörtlich: »Frons
eylindrica, fistulosa, plerumque simplex, rarius ramosa, annulata, dissepimentis instructa.« Dazu die
weiteren Bemerkungen: »Meist einfache, öfter hin und her gewundene deutlich geringelte Bänder. Im
Leben müssen sie Röhren gebildet haben, wie abgebrochene Enden (vgl. Taf. L, Fig. 1 und LXVI
Fig. 6) zeigen«.
Was zunächst die cylindrische Gestalt betrifft, so ist sie in Heer’s Abbildungen zum Theil
sehr deutlich markiert, und zwar viel deutlicher plastisch, als ich sie an allen zahlreichen von mir
beobachteten Taenidien, auch jenen, die im übrigen mit Heers einschlägigen Figuren hinreichend
übereinstimmen, gefunden habe.
Jedenfalls erschien es mir angezeigt, die Treue seiner Abbildungen, auf die er uns zur Beurtheilung
des Genus T7aenidium verweiset, näher zu prüfen.
Einigen Zweifel an der objectiven Richtigkeit von Heers Abbildungen hatte schon früher Prof.
Schröter (l. c.), nachdem er mehrere der von Heer benützten Originalstücke verglichen hatte, aus-
gesprochen, indem er eine übertriebene Plasticität an jenen Figuren, insbesondere, was die Cylinderform
und die Bauchigkeit der Glieder betrifft, constatierte.
Auch hat noch niemand andere Taenidien gesehen, als sehr platte, mit ganz schmal-elliptischem
Querschnitt, dessen kurze Axe 10 — 20 mal kürzer ist als die lange, also weit abweichend von dem,
was an Heer’s charakteristisch sein sollenden Abbildungen zu sehen ist. Ich war also um so mehr
veranlasst, mir nach Möglichkeit die Originalstücke, auf denen Heers Abbildungen beruhen, zu
verschaffen, was, nachdem das von ihm benützte Material jetzt sehr zerstreut ist, nur in beschränktem
Maße, jedoch glücklicherweise bezüglich der maßgebendsten Stücke gelungen ist und zu folgenden
Resultaten geführt hat.
Jene Abbildungen Heer's, die am deutlichsten auf hohle geringelte Cylinder hinzuweisen scheinen,
sind auf seiner Taf. L, Fig. 1 (Taenidium Gillieroni Hr.) und Taf. LXVII, Fig. I und 4 (einige der
vielen Varianten von Taenidium Fischeri) zu sehen.
Taenidium und Gyrophyllites. 533
Durch die große Freundlichkeit des Herrn Dr. August Tobler, Privatdocenten und Assistenten
am geologischen Museum in Basel, wurde es mir möglich, die Originalstücke zu den eben erwähnten
Fig. 1 der Taf. L und Fig. I der Taf. LXVII genau zu untersuchen, mit letzteren zu vergleichen und
photographisch abbilden zu lassen. Da diese Vergleichung sehr instructiv ausfiel und geradezu
maßgebend für die richtige Auffassung der fraglichen Taenidien wurde, halte ich es für geboten,
jene Photogramme neben gleichfalls photographischen Reproductionen der zugehörigen Figuren Heers
hier in Taf. I, Fig. I—4 vorzuführen. !
Nach der ersten jener beiden Figuren Heer’s? (hier in Fig. 1 reproduciert), erscheinen zunächst
alle Frondes oder Thallome als Reliefs, die erhaben über die Ebene der Gesteinsplatte heraustreten,
mit deutlich-wulstigen Ringen. Das Originalstück hingegen — hier Fig. 2 unserer Taf. I — in einem
sehr feinsandig-thonigen, bräunlich-gelben Schiefer eingebettet, zeigt sämmtliche Frondes als Negativs
(im Sinne der Plastik), eingesenkt in die Platte; es sind Reihen von seichten Schüsselchen, die durch
‚schmale Querriggel oder Leisten von einander getrennt werden. Alle Contouren sind mehr abgestumpft,
und jene Querleisten laufen nicht durchaus so parallel, wie in Heer’s Figur. Diese kann also nicht
etwa aus einem getreuen Abguss des Originales, der ein entsprechendes Positiv (Relief) gegeben hätte,
hervorgegangen sein, sondern ist gezeichnet nach Winken, die dem Zeichner gegeben wurden, was
insbesondere aus feinen Bleistiftlinien erhellt, die am Original andeuten, auf was es dem Verfasser für
seine Deutung ankam.
Das Schlimmste aber sind die bei Heer erscheinenden Mündungen der angeblichen Röhren;
denn die ersteren hängen in Wirklichkeit mit den Frondes gar nicht zusammen, sondern sind nur seichte
Löcher des sandigen Schiefers, von denen im ganzen 8 vorhanden sind und nur zwei an Stellen liegen,
die man allenfalls noch zu den Frondes ziehen kann, aber nicht muss, weil daselbst die Grenzen
unklar (verwischt) sind. Diese Löcher gehen in verschiedenen Formen: oval, eckig, schlitzartig, ins
Gestein meist tiefer hinein als die Frondes, rühren offenbar von herausgefallenen Steinchen her, die
eingebacken waren, und können schon deshalb unmöglich Röhrenmündungen bedeuten, weil solche,
als Löcher eines Körpers oder Positivs, im Eindruck oder Negativ nicht wieder als Löcher,
sondern als Zapfen erscheinen müssten. Gerade dieses Exemplar ist das erste der beiden, auf die
sich Heer zur Bekräftigung der Röhrenform beruft.
3 Nach der zweiterwähnten Figur Heer's, Fig. 3, meiner Taf. I, würde das Taenidium gleichfalls
deutlich erhaben und körperlich aus dem Niveau des Gesteines — einer hellgrauen, sandfreien
unebenen Platte von Thonmergel — heraustreten. Im Originale hingegen (hier Fig. 4 der Taf. I) bildet
das Taenidium nur die aus der bekannten geschwärzten Fucoidensubstanz bestehende Auskleidung
eines ganz seichten — kaum 1 mm tiefen — Eindruckes, welchen der erzeugende Körper im
Sediment hervorgebracht hat und erhebt sich nicht über das Niveau der Plattenoberfläche.
Zwei nach oben gerichtete Zweige dieses Taenidinm-Exemplares erscheinen bei Heer (wie in meiner
Taf. I reproduciert) an ihren oberen Enden so, als ob durch theilweise Zerreißung und Wegfallen von ur-
sprünglichen Röhrenwänden ein Einblick in das Lumen ermöglicht würde. Die Betrachtung des Originales
zeigt aber noch deutlicher als unsere dasselbe im Lichtbilde darstellende Fig. 4 der Tafel I, dass an
‘den ebenerwähnten Stellen nur die geschwärzte dünne Kruste der Fucoidensubstanz nachträglich
vom Gestein theilweise abgesplittert (wahrscheinlich an der Gegenplatte hängen geblieben) und
dadurch das Gestein, das ist der Boden des Eindruckes, unbekleidet zum Vorschein gekommen ist.
Das Original-Exemplar zu Heer's Fig. 4, Taf. LXVII (von der Drusenalp), das ich selbst im
Züricher Museum besichtigt, hier aber nicht abgebildet habe, zeigt nach meiner Wahrnehmung, die
1 Die Figuren meiner Tafeln I, II, III werden unabhängig von den Textfiguren immer von | an beziffert.
2 Meine Tafelfigur 1 ist gegen die Heer’sche um 180° in der Ebene des Papieres herumgedreht (auf den Kopf gestellt), um
dem Leser das Auffinden der correspondierenden Taenidienreste zu erleichtern, nachdem von meinem Photographen das Object der
Fig. 2 (Stein) mit Rücksicht auf die passendste Beleuchtung nicht so wie bei Heer gestellt wurde. Durch Herumdrehen unserer Tafel
kann man die ursprüngliche Orientierung der Fig. 1 herstellen, um insbesondere Heer’s Schattierung zu beurtheilen.
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= |
534 I. R. Rilt. Lorenz vo. Liburnanu Sen.
dann auch Herr Dr. Früh schriftlich bestätigt hat, nicht nur viel weniger körperliche, weit mehr platte
Ringe oder Scheinglieder, als die eben erwähnte Fig. 4 Heer’s, sondern bietet auch keinerlei Andeu-
tung einer Röhre; ferner liegen zwischen den querverlaufenden flachen Wülsten zwar kerbenartige Tren-
nungslinien, die aber nicht auf Scheidewände, sondern auf das Gegentheil (Einschnürung) deuten.
Was dieses zweite von Heer angeführte generische Merkmal, die Scheidewände, betrifft, so
bezeichnet er sie selbst in dem oben citierten erläuternden Beisatz als bloß vermuthet. Übrigens hat
auch schon Prof. Dr. Schröter (l. c.) bemerkt, dass man es bei den Taenidien nicht mit einer
Gliederung durch starke Querwände zu thun habe; »denn im letzteren Falle müssten die Querwände
mehr Kohlensubstanz zeigen und die Glieder eingesunken erscheinen«; auch Rothpletz bemerkt, dass
von Scheidewänden und von Röhren, die von solchen durchsetzt wären, keine Rede sein’ könne.
Die von Heer angedeutete Analogie mit dem Algen-Genus Chorda ist, wie jeder Algologe °
bestätigen wird, in allen Beziehungen unzutreffend und passt am wenigsten gerade auf die von
Heer als besonders charakteristisch bezeichneten Stücke Es sind also jene Merkmale nicht zu
constatieren, die er seinem Genus TZaenidium wit den Worten zuschreibt: »Frons cylindrica,
fistulosa, dissepimentis instructa«; als wenigstens theilweise zutreffend kann man nur die zwei
weiteren Merkmale gelten lassen: »plerumque simplex, rarius ramosa, annulata«; — diese Merkmale
sind jedoch nicht charakteristisch, da sie auch für Keckia und zum Theil für Münsteria gelten. Es
muss also eine andere Charakterisierung versucht werden.
Eigene Wahrnehmungen und Auffassung.
Wenn man möglichst vollständig erhaltene Exemplare vorerst ohne jede Supposition betrachtet,
sieht man jeden Zweig eines Positivs zusammengesetzt aus meist geschwärzten oder doch
angedunkelten Quergliedern, die mehr oder weniger schief gegen die Längsaxe, oft auch genau
rechtwinkelig zu dieser, also querüber, liegen, und entweder nur durch eine Einkerbung, oder — was
meistens der Fall — durch einen schmalen helleren Streifen, der aus der Substanz des Gesteines
besteht, von einander abgegrenzt sind. Dieses Alternieren dunkler und heller Querglieder führt zunächst
zur Vorstellung, dass das Gebilde aus organischen, flachelliptischen Scheibchen hervorgegangen sein
könnte, deren jedes durch das Sediment, aus dem sich das Gestein gebildet hat, von den benachbarten
geschieden wurde.
Die regelmäßige Anordnung dieser Glieder zu Ästen und Zweigen nöthigt aber zur Annahme,
dass die jetzt erscheinenden, auf organischen Ursprung hindeutenden Glieder mit elliptischem
Querschnitt ursprünglich ein Continuum gebildet haben und auch noch jetzt nicht wirklich, sondern
nur scheinbar von einander getrennt sind, indem sie sonst nicht regelmäßig an einander gereiht,
sondern zerstreut sein müssten. Da nun aber doch auch ihre regelmäßige Abgrenzung durch die
dazwischenliegenden, ganz ähnlich verlaufenden, meist helleren Sediment-Einlagerungen stattfindet,
erübriget nur die weitere Annahme, dass der Organismus ein mehr oder weniger steil oder flach
aufsteigend spiralig (schraubenartig) gewundener Schlauch gewesen sei, und dass die anor-
ganischen helleren Zwischenglieder nichts anderes bedeuten, als dass das gesteinbildende Sediment
sich zwischen den Windungen der Spirale abgelagert und schließlich das Ganze umhüllt hat.
Wenn ich nun unter den Organismen Umschau halte, so finde ich kein thierisches!, sondern nur
ein pflanzliches Gebilde, und zwar eine bestimmte Art der Algengattung Volubilaria Lamx. (Dictyomenia
1 Wenn man bloß von der äußeren Contour ausgeht, kann man wohl auch der Wirbelsäule eines Fisches oder eines
Ichthyosaurus, wie z. B. das in Zittels Paläontographica 1898 Taf. NXVII abgebildeten 7. irigonus einige Ähnlichkeit mit manchen
scharf geringelt erscheinenden Taenidienbildern zuschreiben; auch die von Schröter ]. c. hervorgehobene Ähnlichkeit mit sehr stark
deformierten Resten eines Brvozoon soll nicht verkannt werden; aber solche Ähnlichkeiten erklären uns nicht die mannigfachen
Typen, in denen Taenidienzweige, welche offenbar demselben Individuum angehören, oftmals auftreten, was eben den Gegenstand
der folgenden Darstellung bildet.
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Taenidium und Gyrophyllites.
Grev., Vidalia Agh.), welche der Auffassung entspricht, zu der ich, obgleich Schröter (l. c.) eine dies-
bezügliche Andeutung von Graf Solms bestritten hat, doch wieder mit Nothwendigkeit gedrängt wurde.
Diese Auffassung stimmt auch überein mit einem Gestaltsmerkmale, welches an dem größten
Theile der von Heer beigebrachten Abbildungen von Taenidien deutlich zu erkennen ist, auf das
er aber keinen Wert legt, obgleich er es andeutet, nämlich die strickartige Windung in Spiralen,
die bald flacher, bald steiler aufsteigen und oben kuppenförmig endigen, wodurch sich die meisten
von Heer und den späteren Autoren als Taenidien bezeichneten Typen am deutlichsten von
Münsterien und Keckien unterscheiden, und wodurch jedenfalls die Bildung einer besonderen Gruppe
der Münsteroiden — nur mit einer von der Heerschen abweichenden Charakterisierung — gerechtfertiget
und zugleich eine zutreffende Deutung ermöglicht wird. Es ist nun meine Aufgabe, nachzuweisen, ob
und wie sich die verschiedenen bisher als Taenidien bezeichneten Fossilreste zwanglos auf die
_ Grundgestalt eines ursprünglich aufsteigend-spiralig gewundenen und dann in Sediment eingehüllten
Pflanzenkörpers zurückführen lassen.
Zu diesem Zwecke habe ich nun zunächst jene Typen zusammengestellt und beschrieben, in
denen die Taenidien am häufigsten erscheinen, und die der Bedingung entsprechen, dass sie trotz
ihrer vielfachen Abweichungen von einander doch deshalb als zusammengehörend betrachtet werden
müssen, weil sie oft an den Ästen oder Zweigen eines und desselben Individuums oder Stockes
vorkommen.
Bei der Beschreibung solcher Objecte ist man zum Zwecke verständlicher terminologischer
Abkürzungen zu Unterscheidungen und Bezeichnungen genöthigt, über welche leider, was fossile Algen
betrifft, keine allgemeine Übereinstimmung herrscht. Die älteren Autoren haben jedes als Fucoid auf-
gefasste Fundstück, ob es nun ein ganzer abgeschlossener, sei es einfacher oder zusammengesetzter,
verästelter, verzweigter u. s. w. Pflanzenkörper irgend einer Form, oder nur ein vorgefundener
"_morphologisch oder mechanisch gesonderter Theil eines solchen Körpers war, als »Frons« bezeichnet
(Sternberg, Heer, auch noch Schröter); Schenk hat den Ausdruck »Phyllom« gebraucht;
Rothpletz wendet das Wort Thallus nur bei lebenden Algen an. Was man aber an fossilen Fucoiden
findet, bedarf oft weitergehender Unterscheidungen und Bezeichnungen. Für die höheren Pflanzen
überhaupt empfiehlt Hofrath Prof. Dr. Jul. Wiesner! in rein morphologischer Beziehung die oberste
“Unterscheidung in Caulome, Phyllome, Rhizome und Trichome; für die, gefäßlosen Pflanzen
ohne Unterschied ihrer Gestalten gebraucht er als fünftes Glied der Eintheilung die Bezeichnung
Thallome. Diese letztere will ich auch für die fossilen Fucoiden anwenden, so lange es sich nicht
um weitere nothwendige Unterscheidungen handelt; solche scheinen mir aber in mehreren Beziehungen
unerlässlich, daher auch entsprechende Bezeichnungen.
Ein Fucoiden-Exemplar, das sich als fossiler Rest eines für sich abgeschlossenen, einzelnen
Individuums darstellt, möge »Monothallom« genannt werden.
Wenn das Fossil aus mehreren gleichartigen Gebilden besteht,, die aus einem gemeinsamen
j Ursprungspunkte (Fuß, Stock, Stamm) hervorgehen, nenne ich es kurz »Synthallom« und seine einzelnen
Zusammensetzungsstücke »Merothallome«. Mit diesen letzteren muss man sich häufig begnügen; man kann
sie leicht für Monothallome halten, und nicht selten stellt es sich erst später heraus, dass sie zu einem
Synthallom gehören. Allzuhäufig aber ist man sogar auf bloße Fragmente angewiesen, an denen allein
die Zugehörigkeit zu einer oder der anderen der ebenerwähnten drei Kategorien nicht zu erkennen
wäre; solche Exemplare mögen »Klastothallome« heißen.
Wenn es sich aber nur um die Bezeichnung eines fucoiden Fundstückes überhaupt handelt
ohne dass man Ursache hat, hervorzuheben, ob es zu einer der eben genannten Kategorien gehöre,
genügt die allgemeine Bezeichnung »Thallom« oder das althergebrachte neutrale Wort »Frons« im
1 Organographie und Systematik der Pflanzen. Wien, 1891,
7
536 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnau sen.
Sinne der Autoren.! Bei alledem bleibt aber noch immer für die untergeordneten morphologischen
Verhältnisse das Bedürfnis nach weiteren Bezeichnungen, die man, um nicht in eine zu weitgehende
Bereicherung der Terminologie zu verfallen, einfach aus dem Sprachschatz für die höheren
Pflanzen entnehmen kann, wie es ja thatsächlich auch die Algologen in vielen Fällen recipiert haben,
wenn sie vergleichsweise von Stock, Stamm, Stämmchen, Strauch, Schoß, Ast, Zweig, Blatt und dessen
zahlreichen Gestalten u. s. w. sprechen, indem alle diese Gebilde der höheren Pflanzen auch von den
Algen nachgeahmt werden. In diesem Sinne der bloß äußerlichen Habitus-Ähnlichkeit, ohne Beziehung
zu Anatomie und Function, sind auch hier meine Bezeichnungen auf Fucoiden angewendet, was nun
zunächst für die Taenidien geschieht.
Bei der Beurtheilung der Gestalten, in denen Taenidien zufolge der verschiedenen Art ihrer
Abdeckung erscheinen, muss man sich gegenwärtig halten, dass der aus aufsteigenden, annähernd
schraubenförmigen Windungen oder Umgängen eines Schlauches von annähernd kreisförmigem
Querschnitte bestehende Körper seiner Länge nach auf dem Grunde lag, bei der Bedeckung mit
Sediment in die gleichfalls aus Sediment bestehende Unterlage hineingedrückt und nach und nach
von obenher mehr oder weniger flachgedrückt wurde.
Dadurch erhielten die einzelnen Umgänge, auch wenn diese ursprünglich alle kreisförmig (wie
bei einer um einen Cylinder oder Kegel aufsteigend gewickelten Spirale) waren, eine Verkürzung ihrer
Tiefendimension, eine mäßige Verlängerung ihrer Höhen- und eine bedeutendere ihrer Querdimension,
so dass der aus ihnen zusammengesetzte Körper -- das ganze Merothallom — weniger tief (dick) und
etwas breiter wurde, wie jedes zusammendrückbare Längsgebilde, wenn es in liegender Position ge-
quetscht wird.
Dadurch entstanden für jeden Umgang zwei Inflexionsstellen, die bei einem intacten Schrauben-
körper nicht vorhanden sind, weil dieser sich stetig krümmt, daher keine einzelnen bestimmten
Inflexionsstellen hat, während bei einem flachgedrückten Spiralkörper sich jeder Umgang rechts und
links mehr oder weniger. scharf aus der Averslage in die Reverslage umbiegt.
Die Dimension eines Umganges oder Scheingliedes zwischen seinen beiden Inflexionspunkten
möge als »Querlänge«® bezeichnet werden; von dieser hängt für das ganze Merothallom die Breite
desselben ab.
Wir unterscheiden demnach:
am ganzen Merothallom am einzelnen Scheingliede
Länge Höhe
Breite Querlänge
Tiefe oder Dicke Tiefe oder Dicke.
Die letztere Dimension wäre erkennbar an Steinkernen oder an Schnitten durch diese, oder
an guten vertieften Eindrücken (Negativen). Solche kommen aber an Taenidien in der Natur und beim
Formatisieren nicht häufig zum Vorschein, und künstliche Schliffe sind wegen der Weichheit des
Gesteins meist unausführbar.
Die beiden anderen Dimensionen hingegen sind an jedem gut erhaltenen Exemplare messbar.
In der Regel liegen Taenidien so, dass sie dem Beschauer ihre Länge und Breite, folglich die Höhe
1 Allerdings entspricht diese Anwendung des Wortes nicht der ursprünglichen und lexikalischen Bedeutung desselben
(»belaubter Zweig«).
?Da sich die Taenidien nach meiner noch weiter zu begründenden Auffassung als gewundene Schläuche darstellen, welche,
wenn gestreckt gedacht, eine verhältnismäßig bedeutende Länge besitzen, und da jedes Scheinglied nur ein quer oder schief
liegendes Stück dieser Länge ist, kann man die hier in Rede stehende Dimension eines Gliedes nicht seine »Breite« nennen; sie ist
aber identisch mit der Breite der ganzen Frons an der von diesem Gliede eingenommenen Stelle.
ol
SI
Taenidium und Gyrophyliites.
und Querlänge der Scheinglieder zukehren (Breite-Lage); bisweilen aber sind sie in einer Lage
entblößt, die gegen die vorige bei gleichbleibender Stellung der Längsaxe um 90° — also rechts- oder
linksum -— gewendet ist, so dass dem Beschauer die Inflexions- oder Umbiegungs-Stellen entgegen-
sehen, daher nur eine stark reducierte Querlänge der Glieder erscheint (Schmal-Lage).
Je mehr Festigkeit der Körper dem Drucke entgegensetzen konnte, desto tiefer konnten die
— Eindrücke am Grunde und an der darüber liegenden Sedimentdecke bleiben; umgekehrt konnte aber
ı der Körper auch stark platt gedrückt werden.
; Je nachdem nun die Spaltungs- oder Schieferungs-Ebene, in welcher das fossilierte Object zu
Tage tritt, dasselbe entweder einfach abdeckt, oder es durchschneidet, erscheint das Fossil in ver-
| schiedenen Figuren und in verschiedener Plastik. Die häufigsten und am meisten charakteristischen
dieser Varianten sollen nun an der Hand unserer Taf. II besprochen werden, wobei noch voraus-
geschickt werden muss, dass die Taenidien entweder sämmtlich oder doch vorwiegend Synthallome
i waren, obgleieh man ihre fossilen Reste häufig nur als Merothallome (scheinbare Monothallome) und
Klastothallome findet, weshalb auch hier zunächst nur solche vorgeführt und Synthallome erst später
} in Betracht gezogen werden.
4 In dieser Tafel sind nun Taenidien-Typen, welche der oben S. 535 angedeuteten Bedingung,
dass sie nachweisbar trotz ihrer verschiedenen Erscheinungsformen zusammen gehören, entsprechen,
Ä zusammengestellt, u. zw. derart angereiht, dass zunächst mit den ungeraden Nummern (1,3,5,7,9)
bezeichnet, die Hauptformen möglichst vollkommen ausgeprägter und erhaltener Frondes erscheinen,
dann neben diesen, mit den geraden Zahlen (2, 4, 6, 8, 10) bezeichnet, die zur Vergleichung dienenden
Herbariums-Exemplare jener recenten Alge stehen, als deren nächste fossile Verwandte ich im Laufe
dieser Abhandlung die gewundenen Taenidien nachweisen will. Ich bin in letzterer Beziehung von der
_ Erwägung ausgegangen, dass Herbariums- (Exsiccaten-) Exemplare sich zur Vergleichung mit fossilen
besser eignen als frische und nass conservierte, weil die ersteren eben so wie die Fossilreste einem
_ gewissen Drucke und einer davon herrührenden theilweisen Deformation ausgesetzt wurden.
Mit den weiter folgenden Nummern 11—15 der Tafel II erscheinen dann solche Formen, die
als zufällige Modificationen jener fünf Haupt-Typen, hervorgebracht durch die Besonderheiten der
Fossilisation oder auch der Abdeckung, aufzufassen sind, die sich daher nicht direct mit recenten
Exemplaren vergleichen lassen.
Als Originale dienten theils Photographien aus Musealstücken, theils genaue Zeichnungen nach
bestimmten näher bezeichneten Exemplaren, theils endlich Reproductionen aus bekannten und citierten
Werken. Dabei beschränke ich mich nicht auf den Salzburger Kreide-Flysch und auf die Sammlung
des dortigen Museums, sondern ziehe, da Taenidien auch in anderen Gebieten vorkommen, an geeig-
neten Stellen auch solche herbei. Die Auswahl traf ich meist aus der Art T. Fischeri Hr., weil diese in
Museen und Abbildungen am reichlichsten vertreten ist,
Zur Veranschaulichung der fossilen wie der recenten Typen hätte ich principiell die directen
Photographien nach der Natur, beziehungsweise nach dem Herbar, vorgezogen; das war jedoch hier
nicht ausführbar. Die Figuren der Tafel II sollen nämlich in möglichst kleinem Raume, und der Über-
sicht wegen enge bei einander stehend, die Typen einzelner Frondes darstellen; die Originale aber
enthalten meist zusammengesetzte, größeren Raum einnehmende Synthallome, aus denen hier nur je
ein einzelner Bestandtheil gezeigt werden soll, was nur durch Herauszeichnen möglich wurde. Dieses
hat mit bestem Verständnis Herr Ed. Fink geleistet. Der Maßstab ist nahezu 1:1.
Taf. II, Fig. 1. Schiefe Windungen eines flachgedrückten, nur annähernd cylindrischen Längs-
körpers oder Schlauches. Die strickartigen Windungen (Umgänge) liegen entweder dicht aneinander,
oder stehen nur wenig von einander ab. Die dem Beschauer zugekehrten Theile der Windungen
heben sich, wie hier, so überhaupt an gut erhaltenen Taenidien, als mehr oder weniger deutliche
Wülste vom Nebengestein ab und sind bedeutend dunkler als dieses, oft geradezu geschwärzt; wo
538 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen.
zwischen diesen Wülsten oder Umgängen hellere Zwischenräume bleiben, wie in Fig. 1, stimmen diese
an Farbe und Substanz mit dem Nebengestein überein.
An stark hervortretenden Reliefs von 7.Fischeri Hr. sind die am stärksten gewölbten Wülste 2—3 mm
dick, meist aber sind die Körper weit flacher (nur circa 1 mm) und manchmal nur auf eine ganz dünne
Kruste reduciert, letzteres besonders dann, wenn bei der Abdeckung der Schieferplatte ein Theil
der Fucoiden-Substanz an der Gegenplatte hängen geblieben ist.
Unsere Fig. 1 repräsentiert einen der am häufigsten vorkommenden Typen mit schiefen Windungen
und entspricht auch der Fig. 5, Taf. LXVII, sowie zum Theile der Fig. 1 derselben Tafel bei Heer, ferner
der von Schafhäutl (l. c.) Tab. VIII gezeichneten Fig. 9, deren Original (Münchener Museum) später von
Schröter (l. c.) photographisch reproduciert wurde, endlich einer großen Anzahl von Exemplaren des
T. Fischeri im Salzburger Museum und überhaupt aller einschlägiger Sammlungen.
Die Negative dieser positiven Gestalten zeigen, dass die Wülste eben so wie die helleren
Zwischenstreifen spiralig herumgehen, dann, dass die fossilisierten Körper, als ganze betrachtet,
nicht cylindrisch sind, wohl aber aus ursprünglich cylindrischen und spiralig aufsteigend-
gewundenen Röhren oder Schläuchen hervorgegangen sein können, indem die cylindrischen Körper
flachgedrückt wurden und einen flachelliptischen Querschnitt erhielten.
Fig. 3. Die Spirale steigt in sehr flachen Windungen an, die einzelnen Wülste und ihre Trennungs-
furchen oder Streifen liegen daher fast quer. Die Zwischenräume der von einander abstehenden Wüiste sind
wie bei Fig. 1, ebenso die Dimensionen der Dicke. Das Bild ist einer vergrößerten Photographie eines der
in Taf. III erscheinenden Äste entnommen, entspricht übrigens der Mehrzahl der in derselben Tafel
nach der Natur ersichtlich gemachten unverletzten Äste, sowie der Fig. 1, Taf. L und zum Theile den
Fig. 1, 2,4, Taf. LXVII bei Heer und kommt überhaupt ebenso oft vor, wie der Typus Fig. 1.
Fig. 5 (nach einer vergrößerten Photographie aus einer Partie unserer Taf. III). Der gewundene
Körper ist stark flachgedrückt und zugleich sind die Wülste mehr weniger von unten nach oben
verschoben, so dass der obere Rand je einer unteren Wulst ein wenig über den unteren Rand der
nächst oberen übergreift, wobei die Trennungsstreifen zwischen je zwei Wülsten oder Umgängen sich
auf feinere Linien reducieren, oft eine schuppige oder dachziegelartige Zeichnung entsteht und die
übergreifenden Ränder als gekrümmte Absätze oder halbmondförmig (hier nach unten concave) Streifen
erscheinen
In den sehr engen Spalten oder Absätzen zwischen je zwei Windungen oder Wülsten erscheint
in diesem Falle seltener die hellere Substanz des Nebengesteines; wenn aber dieses doch vorkommt,
bildet sie, dem Verlaufe der Spalten entsprechend, krumme, oft halbmondförmige Streifen.
Die Verschiebung der Wülste ist oft auch vom oberen gegen das untere Ende erfolgt, und dann
sind selbstverständlich die Kerben oder die an ihrer Stelle vorhandenen helleren Zwischenstreifen
mit der Concavität nach oben gerichtet. Solche Typen kommen mehrfach in unserer Taf. III, dann bei
Heer Taf. LXVII, Fig. 3 vor. Auch bei Fischer-Ooster findet man eine hierher passende Zeichnung
auf seiner Taf. XII, Fig. 8 mit der Bezeichnung Münsteria annulata und ebenso im Bolletino della
societä geologica Italiana Vol. VI (1887), Tab. XVII, Fig. 3 (Abhandlung von Squinabo)).
Fig. 7. Das Gebilde ist dünner als die vorhergehenden, die Windungen sind steiler und an den
Inflexionspunkten mehr geknickt, wodurch das geschwärzte Fossil hin und her gehende Zacken zeigt,
zwischen denen das hellere Gestein erscheint.
Fig. 9. Keine oder nur regellos auftretende quere oder schiefe Trennungslinien, die auf
Windungen hindeuten würden, und kein gewölbtes Relief, sondern homogen geschwärzte oder
schwach faconnierte ebene Oberfläche und nur an den Rändern durch seitlich hervortretende Zacken
oder Zähne eine Andeutung verwischter Gliederung. Dicke sehr unbedeutend, circa 0:5—1 mm. Die
Zeichnung nach einer Photographie des Salzburger-Museums-Stückes Nr. 11117 (Taenidium Fischeri
aus Muntigl). Hieher dürfte auch gehören: Fig. 5 in Tab. XVII bei Squinabol im Bolletino della
societa geologica italiana. Vol. VI 1887. Scheint seltener vorzukommen als die vorhergehenden Typen,
wur
Taenidium und Gyrophyllites. 539
es lässt sich aber, wie im Verlaufe der folgenden Deutung gezeigt werden wird, ungeachtet der nicht
ersichtlichen Windungslinien auch dieses Vorkommen aus der Morphologie derselben Alge ableiten,
als deren Nächstverwandte ich die deutlich gewundenen Taenidien betrachte.
Fig. 11 stellt im Gegensatze zu allen vorhergehenden einen vertieften Abdruck, ein Negativ
dar. An die Stellen der Wülste treten hier schüsselförmige Vertiefungen, und die zwischen den
Wülsten in Fig. 1 und 3 erscheinenden helleren Querstreifen (Sediment in den Spalten zwischen je
"zwei Wülsten oder Umgängen) treten hier als schmale Scheidewände zwischen den muldenartigen
Vertiefungen auf. Solche Exemplare beweisen am besten die bauchige Körperlichkeit der Wülste,
deren Abdrücke sie sind. Die Tiefe der Mulden habe ich 1'5 — 3:0 mm gefunden.
Diese Fig. 11 ist direct nach einem Fundstücke aus dem Kreideflysch bei Muntigl gezeichnet
(Museums-Nummer 18801). Ein sehr instructives vertieftes Exemplar mit mehreren Ästen und mehr
schiefen Windungen befindet sich im pälaontologischen Museum in München; es stammt aus dem
Eocän vom „Mühlschartenkopf bei Trauchgau (Bayern) und ist dort bezeichnet mit Keckia Fischeri
Heer. !
Ein Ast davon ist hier nach dem Originalstück in Fig. 12 abgebildet (die Zeichnung bei
Schafhäutl lässt nicht deutlich genug die Plastik der eingesenkten Scheinglieder und der sie
trennenden Leisten erkennen).
Da die nun folgenden Figuren 13—19 Exemplare darstellen, deren Erscheinung zum Theil
_ mit der Art der Abdeckung oder Ausbringung dieser Fossilien aus dem meist schieferigen und
mürben Gestein zusammenhängt, will ich vorerst bemerken, dass nach den Wahrnehmungen an den
Exemplaren aus dem Flysch bei Salzburg der Schieferungsvorgang des Gesteines durch die Anwesenheit
der Taenidienkörper nicht modificiert worden zu sein scheint, indem einerseits die natürliche Platten-
theilung oder Schieferspaltung sehr oft mitten durch Taenidienkörper parallel mit deren Längsrichtung
- geht, also die Taenidien nach der Länge spaltet, andererseits Taenidien in verschiedenen Richtungen
gegen die Schieferungsebenen sich ins Gestein hinein erstrecken.
So kommt es, dass hier Taenidien nicht selten in Gestalt von Abspaltungen vorkommen, die
nur an einer der beiden einschließenden, erst bei der Abdeckung oder Formatisierung getrennten
Schieferplatten hängen geblieben sind, während die Gegenplatte, auf welcher die Ergänzung erscheinen
sollte, verloren gegangen oder zerfallen ist; daher die Mannigfaltigkeit unvollständiger, erst in Gedanken
zu restäurierender Typen.
Fig. 13 repräsentiert den speciellen Fall, dass durch ein Object, wie die in Fig. 1, 3 oder 5 darge-
stellten, seiner Länge nach eine Schieferungsspalte geht, u. zw. nicht genau median (wodurch zwei gleiche
Längshälften entstehen würden), sondern so, dass die Trennungs-Ebene einem parallel zur Längsaxe der
ganzen Frons geführten Tangentialschnitt entspricht. Dadurch kommt die helle Sediment - Ausfüllung
jeder Wulst in annähernd elliptischer Figur zum Vorschein, umgeben mit den von der Abtrennung
nicht getroffenen, intact gebliebenen randlichen Theilen der Wulstrinde. Solche Exemplare bestätigen
die Auffassung, dass die betreffenden Typen als gewundene Schläuche aufzufassen sind, deren Rinde
aus einer Verbindung von kohlig umgewandelter vegetabilischer Haut mit Sediment besteht, während
ihr Inneres von reinem Sediment gebildet ist, das in den ursprünglichen Hohlraum der Schläuche
schon vor der Fossilisation, während das Object noch vegetierte, eingedrungen war und daselbst keine
organische Substanz vorfand, die eine Schwärzung hätte erzeugen können.
Wie ein solches Eindringen in den Schlauch stattfinden konnte, wird später aus der Natur der
jetzt lebenden Repräsentanten unseres Fossiles gezeigt werden.
Fig. 14. Ein ganz ähnlicher Typus erscheint aber auch dann, wenn der Schlauch leer geblieben,
nur niedergedrückt, daher als fossilierte Haut oder auch nur als dünne Auskleidung des vom Schlauch
1 Dieses Stück ist dasselbe schon oben S. 530 erwähnte, auf welches Schafhäutl 1. c. seine Münsteria annulala
gegründet hat.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 69
540 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen.
gemachten Eindruckes aufzufassen ist und eine trennende Schieferungs-Spalte oder auch die
Abdeckungs-Spalte so verläuft, dass der in der Regel hellere und jedenfalls anders gefärbte Unter-
grund der in diesem Falle viel flacheren Wülste zum Vorschein kommt.
Die eben besprochenen Fig. 13 und 14 sind schematisch gezeichnet nach einer größeren Anzahl
von Exemplaren aus allen genannten Museen; Fig. 13 ist nur wenig schematisiert nach einem Zweige
des in Taf. I Fig. 4 dargestellten Objectes.
Fig. 15 gibt die Ansicht einer Taenidien-Entblößung in der Schmal-Lage (vergl. S. 537), Original
vertieft.
In Fig. 16 erscheint ein Taenidium, das offenbar umgewälzt oder vor der gänzlichen Trocknung
des umhüllenden Sedimentes seitlich gedrückt wurde, so dass eine Deformation des ursprünglichen
Typus 1 oder 5 entstand. Die Abbildung ist nach einer Photographie des Salzburger Musealstückes
Nr. 18980 copiert, auf dem noch mehrere andere getrennte und stark verquetschte Taenidien ersicht-
lich sind.
Fig. 17. Am Salzburger Museums-Stück Nr. 18978 erscheinen in zwei untereinander liegenden
Horizonten die hier nach einer Photographie reproducierten dreierlei Formen schwach markierter
Taenidienreste, die sich alle auf schon oben skizzierte Formen oder Fälle zurückführen lassen. Solche
mehr oder weniger deformierte Spuren sind nichts anderes, als stehengebliebene Reste der Taenidien-
substanz, von der ein größerer oder kleinerer Theil — oft schuppenartig — abgesplittert oder an der
Gegenplatte hängen geblieben ist.
An beiden letztgenannten Exemplaren, an denen die unteren Enden erhalten sind, ist die stiel-
artige Verschmälerung dieser Enden zu bemerken.
Als Fig. 18 ist eine Reihe querer Streifen dargestellt, die aus den geschwärzten Theilen eines
Fossiles von der beiläufigen Gestalt unserer Fig. 3 übrig geblieben sein dürften. Die Zeichnung ist
nach Squinabols Abhandlung: »Contribuzioni alla flora fossile dei terreni terziarii della Liguria, I, Alghe«,
Taf. A, Fig. 5 gezeichnet; er benennt diese Formen noch als Münsteria annulata.
Zu den öfter vorkommenden Undeutlichkeiten gehört es, dass insbesondere bei härterem und
spröderem Gestein durch die Art, wie dieses um die Taenidien herum abgesplittert ist, die Ränder
dieser letzteren verschiedentlich gezackt erscheinen in Formen, die nicht den Taenidien zuzuschreiben
sind. Hievon gibt Fig. 19 einige Beispiele nach Exemplaren aus dem Salzburger Museum, insbesondere
Nele
Die bisher betrachteten Typen 1, 3, 5, 7, 9, dann 11—19 gehören unbestritten einer und derselben
Grundform, ja sogar auch der gleichen Art an, insoferne sich je zwei oder mehrere derselben an
einem und demselben zusammenhängenden mehrästigen Exemplare vorfinden, nicht selten auch so,
dass sogar einige Glieder eines einzelnen Zweiges, z.B. dem Typus 1 oder 3, andere dem Typus
5, 7,9, oder einer der deformierten Gestalten 13—19 entsprechen.
Es kommen aber auch unter der Bezeichnung von Taenidien verwandt erscheinende Typen vor,
von denen es nicht ohneweiters anzunehmen ist, dass sie hierher gehören, bis durch ihren physischen
Zusammenhang mit unzweifelhaften Taenidien eine Entscheidung getroffen ist.
Ein solcher Zweifel besteht zunächst bei solchen Exemplaren, deren Gliederung nur durch
schmale, nach oben oder nach unten stark gekrümmte Querstreifen markiert ist, wie in Fig. 20 und 21.
Der Zweifel bezieht sich auf den Umstand, dass alle Glieder eine übereinstimmende und dadurch
als normal erscheinende Streifung besitzen, die sehr verwandt mit jener von Münsteria ist, während
bei den echten Taenidien diese Art der Krümmung als Folge einer zufälligen und daher mehr
wechselnden Verschiebung aufzufassen ist. Versucht man, diese beiden Typen (20, 21) aus normalen
Gestaltungen der Taenidien abzuleiten, so könnte man das etwa in folgender Art versuchen.
Fig. 20 (aus Fischer-Ooster Taf. VII, Fig. 4), deren Originalstück ich nicht gesehen habe, zeigt
eine weitgehende Abschwächung der Taenidienspuren durch Absplitterung der kohligen Reste und
Hervortreten des darunter befindlichen Gesteines, wobei die ersteren nicht selten nur als schmale
a aA ee
a 22,77 Zen
Taenidium und Gyrophyllites. 541
Streifen erscheinen. Hier sieht man ein Exemplar, an dem nur schwache dunkle Streifen nach oben
hin convex sich vom hellen Nebengestein abheben; es sind wahrscheinlich die Reste geschwärzter
Wülste, die, wie in unserer Fig. 5, nach oben verschoben und dadurch in dieser Richtung gekrümmt
wurden. Da in diesem Falle, wie schon oben Seite 538 gesagt, jeder obere Rand einer unteren Wulst
sich über den unteren Rand der nächst oberen Wulst schiebt, wird daselbst die Dicke vergrößert
und bleibt davon leichter ein Rest übrig, als von den dünneren Theilen, wenn die vegetabilische
entweder chemisch zersetzt oder beim Abdecken an der Gegenplatte hängen geblieben ist,
Die entgegengesetzte Krümmung schmaler Streifen zeigt Fig. 21 nach einem als Taenidium
Fischeri bezeichneten, von mir selbst gesehenen Stücke im Museum zu München (ohne Nummer). Das
- Exemplar stammt aus Appenzell; die Entstehungsweise ist wahrscheinlich analog der soeben
angedeuteten, nur bei entgegengesetzter Richtung der Verschiebung.
Noch problematischer ist das in Fig. 22 abgebildete Object. Diese Figur ist die genaue Copie
eines Exemplares aus dem Kierlinger Thale (Wienersandstein), aufbewahrt im k. k. naturhistorischen
Hofmuseum in Wien.
Eine schiefe Gliederung ist hier zwar angedeutet, aber die sehr stark kalkige Substanz ist wenig
angedunkelt und in schiefer Richtung zerbröckelt, wobei wenigstens ein Theil der an der Zeichnung
ersichtlichen Scheingliederung entstanden sein mag.
Wären die Scheinglieder weniger regelmäßig angeordnet, so würde ich sie als Absonderungsgestalten
der einen verzweigten Hohlraum ausfüllenden Substanz auffassen, und einige jener Glieder sind auch
kaum etwas anderes, wenngleich die Mehrzahl derselben für Taenidium spricht.
Von den zwei letzterwähnten, hier nur der Vollständigkeit wegen herangezogenen, fraglichen
Formen gehe ich nun wieder auf die unzweifelhaft zusammengehörenden Taenidien-Typen zurück.
Als eine nach meiner Ansicht für die Deutung maßgebende Eigenthümlichkeit, die auch an den
_ einschlägigen Figuren der Taf. II zu ersehen, ist noch hervorzuheben, dass an allen von mir bisher
er
EIER
ei =
A eu
gesehenen erhabenen Exemplaren (Reliefs und guten Abbildungen derselben) die Richtung der
Scheinglieder, oder, was dasselbe bedeutet, ihrer Trennungsstreifen oder trennenden Kerben, wenn
diese schief gegen die Längsaxe der Frons liegen — was nach dem Gesagten nicht immer der Fall
ist — durchaus von »rechts unten« nach »links oben« geht, daher bei Eindrücken oder Abdrücken und
ihren dünneren Auskleidungen (nicht Ausfüllungen) immer umgekehrt von »links unten« nach »rechts
oben«. Es ist daher für die Anfertigung von Zeichnungen und für die Beurtheilung derselben von
Wichtigkeit, dass durch richtige Schattierung unzweifelhaft dargestellt sei, ob das Object ein Relief
oder ein Eindruck ist.!
Zur Bestätigung und näheren Beleuchtung der meisten Punkte, die in den vorstehenden Zeilen
zur Charakterisierung des Taenidienvorkommens angeführt wurden, und zugleich als Prototyp der
Synthallome von Taenidien dient insbesondere ein im städtischen Museum Salzburgs verwahrtes
Exemplar, das im Fischbachgraben bei Thalgau im Salzburg’schen gefunden wurde; es ist geradezu
ein Unicum und verdient von allen Interessenten des Gegenstandes als Standard-Exemplar betrachtet
zu werden.
Im Anstehenden war es ein Stück mattgrauen, ziemlich weichen, mergeligen Schiefers, das beim
Zerschlagen in mehrere parallele flache Scherben oder Platten zerfiel.” Bei zweien dieser Platten geht
1 Eine der instructivsten Abbildungen ist die wiederholt erwähnte von Schafhäutl Il. c. Tab. VIII, Fig. 9 gegebene, die
man zwar bei näherer Betrachtung als von einer Reihe vertiefter Taenidien-Eindrücke herrührend erkennnt, während diese von
weitem gesehen auch als erhaben aufgefasst werden könnten. Ich besitze einen Abguss des mir von München her bekannten
Originales, welches selbstverständlich die schiefen Windungen in der oben angegebenen Richtung (r. — |.) zeigt.
2 An demselben ziemlich großen Fundstücke befand sich seitwärts von der Stelle, aus deren Zerschlagung die hier zu
besprechenden zwei Platten hervorgingen, eine noch dickere wulstige Stelle, die beim Zerschlagen drei parallele Platten ergab,
an deren Trennungsflächen Taenidien in gleicher Weise erschienen, nur weniger reichlich. Diese Trennungsstücke tragen die
Nummern 17192 — 17194.
69*
3
542 JR. Ritt. Lorene v. Liburnanu sen.
ihre Trennungsfläche durch ein reichästiges Exemplar von Taenidium Fischeri derart, dass dieses
parallel mit der Längsrichtung der Äste in zwei correspondierende Hälften gespalten ist, was einen
natürlichen Längsschnitt durch alle Äste — also weder Reliefs noch Eindrücke oder Abdrücke — ergibt,
Die Wichtigkeit dieses Vorkommens rechtfertiget es, dass hier in Taf. Ill, Fig. 1 und 2 je ein photo-
graphisches Abbild der beiden Platten beigegeben und hiedurch die nähere Beschreibung und
Verwertung dieses Fundes erleichtert und abgekürzt wird. Die beiden Platten, an denen nicht nur
die Taenidienäste, sondern auch alle kleinen Unebenheiten des Schiefergesteines genau aufeinander
passen, haben die bleibenden Museal-Nummern 17.190 und 17.191. Man erkennt auf den ersten Blick,
dass auf den beiden Platten das ganze reich zusammengesetzte Taenidium ersichtlich wird und dass,
was hie und da auf der einen Platte fehlt, dafür auf der anderen (Gegenplatte) erscheint; in jeder der
beiden ist annähernd die halbe Dicke des Taenidium erhalten.
So gut diese beiden Lichtbilder gelungen sind, geben sie doch nicht alle kleinsten Details, weil die
feineren Abstufungen der Schattierung, wie gewöhnlich bei Photographien, nicht so scharf und klar
erscheinen, dass auch die kleinsten Unebenheiten ersichtlich würden, wie z. B. flache Eindrücke in
gleichfarbigem Gestein, oder geringe Abstufungen in der Gesteinsfläche. Deshalb muss hier noch manche
textliche Ergänzung zu den Abbildungen direct nach den Fundstücken gegeben werden. An diesen ist
ersichtlich, dass die von einem gemeinsamen Punkte radial abgehenden Merothallome (Äste und Zweige)
nicht alle genau in derselben Ebene, sondern zum Theil unter- und übereinander liegen, indem dünne,
nur 1—1'5 mm mächtige Zwischenschichten vom Schiefermaterial sich hie und da einschieben.
Dadurch kommen diese nur nahezu wagrecht ausgebreiteten Merothallome in vier Horizonten zu
liegen, deren tiefster vom obersten um 35 mm absteht. Offenbar war das ursprüngliche Exemplar
vor seiner Bedeckung mit Sediment auf eine nicht ganz ebene Stelle des Grundes zu liegen gekommen
und auch der nachfolgende Sediment-Niederschlag, welcher das Object bedeckte und einhüllte, musste
sich, eben so wie die Alge, jener unebenen Unterlage anschmiegen.
Die genaue Betrachtung der beiden Musealstücke und ihrer hier vorgeführten Lichtbilder lehrt
nun Folgendes,
l. Das hier vorliegende Taenidium ist kein Halb-Relief im Sinne Maillard’s und Saporta's,
sondern ein zur Gänze in Sediment eingeschlossenes und in diesem Verschluss kohlig fossiliertes
Vegetabil, wobei in untergeordneter Weise auch Partikelchen des Sedimentes zwischen der kohligen
Substanz vorkommen.
2, Das Taenidium ist in ganz homogenen Schiefer eingebettet, und es lässt sich in Bezug
auf dieses Fossil kein Hangendes und Liegendes, keine obere und untere Schichtlläche unter-
scheiden.
3. Dieses Exemplar kann nichts über die Wachsthumsrichtung der Pflanze mit Bezug auf die
Gesteinsschichtung lehren, entspricht aber der Vorstellung einer losgerissenen Algenrosette, deren
Zweige nicht in einer einzigen, sondern in mehreren, nur sehr nahe über einander stehenden Thalloms-
Etagen wuchsen.
4. Der Vorstellung zusammengeschwemmten, mit Sediment gemengten Algenmateriales entspricht
auch das Zusammenvorkommen mit den zahlreich im Nebengestein zerstreuten, gut erhaltenen Frag-
menten von Chondrites intricatus. .
ö, Die intensive Schwärzung des Taenidium erstreckt sich nicht über seine Contouren hinaus und
kann nicht von dem ganz gleichmässig grauen Schiefer herrühren,
6. Unser Exemplar bestätigt, was auch schon frühere Abbildungen, wie bei Heer, Schafhäutl,
Schröter und anderen, gezeigt haben, dass die Taenidien, wenngleich vielleicht nicht durchgehends,
doch wenigstens nicht selten als Synthalteme gewachsen sind.
1
Taenidium und Gyrophpllites. 5493
7. Unser Exemplar zeigt die Mehrzahl der in unserer Taf. II dargestellten und oben $. 537 —540
erwähnten Erscheinungsformen gewundener Taenidien, u. zw. insbesondere jene der Figuren 1, 3, 5,
13, 14, 16 dieser Tafel, wodurch die Zusammengehörigkeit aller dieser Formen constatiert wird. Ohne
dieses Exemplar hätte ich nicht gewagt, anzunehmen, dass die Formen mit schief gerichteten
und jene mit quer gerichteten Scheingliedern zusammengehören, ja, ich hätte die letzteren vielleicht
ei er anderen Urform zugewiesen und für sie eine andere Deutung gesucht, als für die schief
denen.
8. Aus dem gemeinsamen, hier platt gedrückten, kurzen centralen Stocke gehen in Gestalt
von Ästen oder Schoßen zahlreiche Merothallome hervor, deren Ramification eine seitliche und nicht
dichotome ist.
9. Jeder Ast und jeder Zweig zeigt, wenn sein basales Ende deutlich erhalten ist, einen, wenngleich
nur ganz kufßen Stiel, oberhalb dessen erst die Windungen beginnnen, ein Merkmal, das, wie später
gezeigt werden soll, nebst anderen auf die nahe Verwandtschaft mit einer bestimmten recenten Alge
inweiset.
10. Die Dicke der fossilisierten T’aenidienkörper beträgt — was man nur an den zwei Fundstücken
selbst beobachten kann — nur circa I mm; die Ausbauchungen der gewundenen Wülste sind geringer
als bei vielen anderen Exemplaren, und es lässt sich hier nicht bestimmt nachweisen, das die Wülste
mit Sediment gefüllt seien oder waren. Es kann also für die auch hier vorkommenden Formen der in
Taf. II, Fig. 13 und 14 dargestellten Abdeckungs-Modificationen nur die zweite der Seite 539 (zu Fig. 14)
angeführten Erklärungsarten gelten, nämlich das Hervortreten des Nebengesteines nach Abreißen oder
Absplittern der darüber gelegenen geschwärzten, krustenartigen Partien, die sich dann entweder auf der
Gegenplatte zeigen oder auch verloren gegangen sind.
Die Art der Abdeckung, wodurch Taenidien oder deren Zweige zum Vorschein kommen, ist
überhaupt vielfach entscheidend für die Hervorbringung jener Modificationen, durch welche die
Erscheinung der ursprünglichen Hauptgestalten Taf. II, Fig. 1, 3, 5, 7,9 vermannigfaltigt und eine oder
die andere der Scheinformen erzeugt wird.
Was an dem so eben besprochenen Paare von Fossilplatten zusammengesellt ist, kann man
vereinzelt an zahlreichen anderen Fundstücken constatieren. In dieser Beziehung mögen außer jenen
Belegstücken, auf die schon oben S. 537—541 bei der Übersicht der vorkommenden Typen kurz Bezug
genommen wurde, noch einige andere angeführt werden.
| Dass das Gestein in verschiedenen Richtungen von eingebetteten Taenidien in einer Weise
durchzogen ist, wie sie theils aus der Verzweigung eines und desselben Stockes, theils aus einer
regellosen Anhäufung von Fragmenten verschiedener Individuen hervorgehen musste, ohne dass im
ersteren Falle von einer erkennbaren Wachsthumsrichtung die Rede sein kann, zeigt unter anderem
das in der jenseitigen Textfigur 2 dargestellte Fundstück aus dem Achartinger-Graben (Salzburger
useal-Nummer 18980). Man erkennt deutlich, wie die Äste schief zur Schieferungs-Richtung, von
sinander divergierend, in drei Horizonten liegen.
Auch ein im paläontologischen Museum in München verwahrtes Stück, dasselbe welches schon
)ben S. 538, 539 mit Bezug auf den Typus Taf. II, Fig. 1 und 12 erwähnt wurde und bereits von Schaf-
häutl abgebildet war, repräsentiert sehr augenfällig das Hineinragen von nicht weniger als sieben
ivergierenden, 5 bis 78cm langen Ästen eines und desselben Algenstockes in ganz homogenes Sediment
nter verschiedenen Winkeln gegen die dem Beschauer zugewendete Bruchfläche, so dass die Äste in
rschiedenen Horizonten, getrennt durch Zwischenlagen von Sediment, zu liegen kommen, u. zw. der
rste um circa 75 mm tiefer als der oberste. An diesem Exemplare haben die als vertiefte ovale
544 JR. Ritt. Lorenz v. Libuynan sen.
Eindrücke erscheinenden Taenidienglieder einen dunkelgrauen, dünnen, zum Theil unterbrochenen
Überzug, zwischen dem das darunter liegende graugelbliche Gestein stellenweise hervorsieht, während
Fig. 2.
a) Äste eines Taenidium, das Gestein in mehreren Horizonten und in verschiedenen Neigungswinkeln gegen die Schichtungsebene
durchsetzend. (1 : 1; gezeichnet nach einem Exemplare im Salzburger Museum.)
b) Verkleinerte Seitenansicht desselben Stückes.
die Scheidewände zwischen jenen muldenförmigen Eindrücken ganz oder sehr vorwiegend aus der
ungeschwärzten Gesteinsmasse bestehen.
Dimensionen der Taenidien.
Zur Vervollständigung des Materiales für die Vergleichung der einschlägigen fossilen und der
hier in Betracht kommenden recenten Formen sollen hier vorerst noch die Dimensionen der Taenidien
erörtert werden.
Hiebei müssen die ganzen Thallome oder Frondes von den einzelnen Scheingliedern derselben
abgesondert betrachtet werden.
Für ganze Frondes lassen sich bezüglich der Länge nur wenige Angaben machen, da sie
meistens nur Fragmente von Merothallomen sind, denen die unteren oder die oberen Enden oder auch
beide fehlen. An einigen Exemplaren aber, bei denen ganze Äste, vom gemeinsamen Stocke aus
divergierend, erhalten sind, konnte ich die Länge mit Bestimmtheit messen.
Die Breite oder Querdimension, welche an einem und demselben Aste oder Zweige oft
bedeutend wechselt, ist unschwer an den vorhandenen Gliedern zu messen.
Für die Bestimmung der Dicke oder Tiefen-Dimension hingegen bieten nur wenige Exemplare
hinreichende Anhaltspunkte.
Das Letztere ist der Fall bei den Reliefs und bei den vertieften Eindrücken robuster, deutlich
bauchiger Exemplare, dann auch in dem Falle, wenn durch ein im Gestein steckendes Taenidium
rechtwinkelig zu seiner Länge oder Breite ein Bruch des Gesteines geht, so dass die Tiefe (Dicke)
sichtbar wird.
Über Länge und Breite der Frondes führe ich nur beispielsweise folgende Daten aus best
geeigneten Stücken an:
Bes
Taenidium und Gyrophyllites. 545
4A. Nach dem in unserer Taf. I, Fig. 4 abgebildeten Originalstücke von Heers Fig. 1, Taf. LXVII:
\ Länge der kürzeren Äste 3—3'd.cm
» mittleren » circa De
f > » längsten » » 6:8
Breite wechselnd zwischen 3:5 mm, 5:6 und 7 mm.
[ B. Nach dem in unserer Taf. III, Fig. 1 und 2 abgebildeten Stücke aus dem Salzburger Flysch:
Länge der kürzeren Äste circa 33cm
u » mittleren » 4:8—5'0
- » » längsten » 9'2—6°5
I \ Breite wechselnd zwischen 5 und 6 mm.
C. Nach zwei Exemplaren einer besonders robusten und bauchigen Taenidiumform des Salzburger
Museums (Taenidium Fischeri, forma grande m.):
Länge nicht bestimmbar, weil abgebrochen;
Breite 9 mm und 10°5 mm.
D. Nach einem Gypsabgusse des von Schafhäutl I.c. Taf. VII, Fig. 9 abgebildeten Stückes:
Länge des deutlichst gegliederten und zugleich breitesten Astes 6 cm;
Breite desselben an verschiedenen Gliedern 7— 10 mm;
Länge der anderen Äste 5°6cm, 6°4 und 6:7 cm;
5 Breite der anderen Äste 5-6 mm.
E. Das längste Taenidium im Salzburger Museum (Nr. 8336) misst 8°5 cm.
P Über die dritte Dimension (Tiefe, Dicke, Bauchigkeit) besitze ich nur folgende Daten, u. zw.
| nach Eindrücken und deren Abguss.
F. An dem unter D bezeichneten Exemplare von Schafhäutl’s Münsteria annulata (Taenidium
Fischeri Hr., forma grande m) mit elliptischen schüsselförmigen Eindrücken der Glieder:
Größte Tiefe dieser Eindrücke: 2 mm,
wornach, da diese nur beiläufig die halbe Dicke bedeuten können, die Dicke des ganzen Steinkernes
gegen 4 mm wäre.
G. An dem oben unter C bezeichneten Taenidium grande:
x
4
Y
!
g Größte Tiefe der Eindrücke ca. 2 mm,
.
“ wornach die Dicke des ganzen Steinkernes ca. 4mm betragen würde.
”
Im Gegensatze zu diesen stark gewölbten Exemplaren stehen die obenerwähnten plattgedrückten,
H. Von den Dimensionen der größten bisher bekannten Art: Taenidium lusitanicum Hr. kann
die Gesammtlänge der ganzen vielästigen Frondes mit 22cm und die Länge der einzelnen Äste mit
R
| deren Dicke nicht mehr als 0:5 mm, auch 0:75 bis I mm und wenig darüber beträgt.
8—12 cm angeführt werden; die Breite der Äste, zugleich Querlänge der Scheinglieder, beträgt
%
6—10cm. Von den Taenidien der ältesten Formationen — T. praecarbonicum und T. carboniferum —
- sind mir nur abgebrochene Frondes vorgekommen.
Y Wenn wir uns nun den Dimensionen der einzelnen Glieder verschiedener Äste zuwenden,
? kommen nach dem schon oben S. 536, 537 Gesagten in Betracht: die Höhe derselben, d. h. der bald
_ queren, bald schiefen Abschnitte, aus denen sich die ganze Länge eines Astes zusammensetzt, dann
- die gegen jene Höhenlinie rechtwinkelig liegende Dimension zwischen links und rechts eines jeden
Gliedes (die »Querlänge«), endlich die Tiefe oder Dicke in demselben Sinne, wie bei den ganzen
N Ästen,
546 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnmanu sen.
Die folgende Zusammenstellung zeigt die Resultate mehrerer Reihen von Messungen einzelner
Glieder, wobei stark deformierte nicht einbezogen wurden.
Dabei konnte als Höhe der Scheinglieder nur die Distanz zwischen je zwei Einkerbungen oder
je zwei helleren Querstreifen, im letzteren Falle also die Breite der zwischen je zwei solcher Streifen
oder Querleisten liegenden, meist geschwärzten, beziehungsweise als Relief hervortretenden oder als
Negativ eingesenkten Quergliedern einer Frons angenommen werden.
Die Querlängen sind nach dem hierüber wiederholt Gesagten selbstverständlich.
Nach dem für die Gestalten hauptsächlich maßgebenden Verhältnis zwischen Höhe und Querlänge
der Glieder stellen sich zwei Hauptgruppen heraus: hochgliederige, die aus den älteren Formationen
(Carbon bis inclusive Jura) stammen, dann niedergliederige, aus Flysch und Tertiär. Bei den ersteren
ist jenes Verhältnis 1:1 bis umgekehrt 13:1, meist nahe wie 1:1'2; bei den letzteren 1: 1:7 bis
1 : 3, vorwiegend 1 : 2°2, wie schon hier vorweg angedeutet werden mag.
Ich führe nun einschlägige Messungen an, die an Gliedern verschiedener Taenidien-Arten vor-
genommen wurden.
Dimensionen hochgliederiger Arten.
A. Taenidium praecarbonicum Gümb. aus dem Carbon:
Höhe Querlänge Verhältnis
mm.
Größere "Glieder a. Ale. a eo 6 7
mittlere » a OR 5) i) gl
kleine » N N Eee 3 3 Ra
B. Taenidium carboniferum Sacco aus dem Carbon:!
Nach Sacco’'s Angabe Be Be - 4—7 7—9 lg ulele
Nach meiner Messung an der Abbildung? —%) 12—14 lee)
C. Taenidium Gillieroni Hr. aus dem Jura (nach
Messung an den Abbildungen):
Binsterster. Zweige 9 it) 35 12,067
» zweiter >» SE rc sn ie 3:0 12:25
» dritter » RB: a a ae a 30 1.2, 110)
» vierter » RE er) 35 Nn.:5lE7
D. Taenidium lusitanicum Hr. Aus der Kreide in Portugal:
Nachekleersgtextlichereänpaber se rer 10 8—10 or
Nach meiner Messung an Heers Abbildung:
Größter Glieder 7 3 Semager... Oo MRS‘ NR il
mittlere » ge - 2. 8 88 6— 5 real
kleine > a a pr ER | De la) 3ni
Die nähere Charakterisierung der Arten 7. praecarbonicum, T. carboniferum und T. lusitanicum,
deren bisher von mir keine Erwähnung geschah, folgt später bei der Anführung der zu meiner Gattung
Volubilites zu ziehenden Taenidien-Arten.
1 Die Abbildung ist offenbar beinahe doppelt vergrößert, wie sich aus der Vergleichung des Textes von Sacco mit den an der
Abbildung vorgenommenen Messungen ergibt.
2 Vergl. dessen »Paleoicnologia italiana« (Atti-d. soe. ital. d. scienze naturali, 1888).
3 Vergl. dessen »Contributions a la Flore fossıie du Portugal«.
Taenidium und Gyrophyllites. 547
Dimensionen niedergliederiger Arten.
E. Taenidium Fischeri Hr. von der Drusenalp (nach Schröters photographischer Abbildung).
Deutlichster Ast, wenig rechts von der Mitte des Bildes, mit etwas gekrümmtem Ende.
Höhe Querlänge Verhältnis
mm
12 Unterstes deutliches Glied 2 zu 2: Bee. A:50) 7:0 IrelTo
2aNachstwoberesi.Glied & 0 ask 2350 9.0 15154
8...» » » oe Se er, 245,0,00 Face) 2
4.» » » a A ee: len. 190 5-5 1 le
F. Taenidium Fischeri Hr. (Münsteria anmulata bei Schafhäutl; dasselbe Stück wie oben S. 23
unter D und P):
Messung doppelt, sowohl an einem Abgusse des Originals, als auch an der Abbildung.
.
a) Deutlichster aller Äste:
Höhe Querlänge Verhältnis
mm
j 1. Oberstes, noch deutliches Glied : Ro) 2a) 1953
2. Ein mittleres Glied (etwas quer gedrückt). . 216 TS. 279
3. Ein Glied weiter abwärts, normal LES 6°8 ee!
| 4. Ein weiteres Glied gleicher Beschaffenheit . =) 6°8 KA
f
b) Ast an einem der zwei Merothallome in der rechten oberen Ecke
Höhe Querlänge Verhältnis
mm
; 1. Nächstes Glied unterhalb der Endkuppe . . . . 2:0 6°5 1:33:52
a > » > » 2 2:0 aaa
8. » » » » » aD 1022 2322
G. Taenidium Fischeri aus dem Salzburger Flysch, gemessen an dem mehrerwähnten Originalstücke
17190, abgebildet in meiner Taf. III:
| a) An dem nach oben gerichteten scheinbaren Gabelzweige (nicht dichotom!)
Linke Zinke:
| Höhe Querlänge Verhältnis
mm
\ 1. Erstes Glied an der Gabelung (»Zwiesel«), wenig
dentlkchin, Ir:9...n. m an 20 45 E23
Pe Nachstes.Glied nach oben ass ne 30 7°'8 153276
| SEN ae... ee) 6-5 2
4 » » » 3: ne ee REBEL 0) 6°5 133272
| Se 2 Von A en Si. 7:0 1: 2:8
| Rechte Zinke:
| Höhe Querlänge Verhältnis
mm
1. Erstes Glied an der Gabelung . 228 DD, Im2:2
{ 2. Nächstes Glied nach oben Sl 6:0 IZ2R0)
| = > » ober 2 3:0 6-5 2.4239
(Die folgenden Glieder undeutlich).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 70
548 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
b) An dem seitwärts, isoliert, wagrecht liegenden Klastothallom (Endglied undeutlich).
Höhe Querlänge Verhältnis
mm
1. Nächstes Glied unter dem Endgliede 950 6:0 1:#220
2. » » Sl 828 6°5 175250
3 » >» » 2 35 nu 164220
4. » » SE ol 5 1107
5. » ur A 0.0) 6-1 7
H. Einige Exemplare der schon erwähnten robusten Form von T. Fischeri aus dem Salz-
burger Flysch, gemessen an den Originalstücken:
Höhe Querlänge Verhältnis
3:5 9—10 IPB ZEpiscHlz: 2350
Durch diese Einzeldaten bestätigt sich die oben S. 24 vorausgeschickte Bemerkung über das
höhere geologische Alter der hochgliederigen Taenidien gegenüber den niedergliederigen.
Zur Morphologie der einzigen, mit Taenidien formverwandten recenten Algengattung.
Auf die Deutung übergehend, lässt sich zunächst sagen: Jeder Spross, Ast und Zweig der hier
dargestellten und besprochenen Öbjecte kann ungezwungen zurückgeführt werden auf die Fossilisation
eines ursprünglich annähernd cylindrischen, dann durch die Bedeckung mit Sediment mehr weniger platt-
gedrückten Schlauches, der aufsteigend-spiralig (schraubenförmig) in bald flacheren, bald steileren Win-
dungen gedreht war, und — nach der Tiefe mancher Eindrücke, sowie nach den verhältnismäßig reichlichen
kohligen Partikelchen zu schließen — aus einer ziemlich derben, widerstandsfähigen Haut bestand.
Es fragt sich nun — um zunächst das Pflanzenreich ins Auge zu fassen —, ob es eine Pflanze, und
insbesondere eine recente Alge, gibt, aus der bei der Bedeckung mit einem feinen, thonigen, mergeligen
oder feinsandigen Sedimente dieselben Gestalten hervorgehen müssen, wie sie die Taenidien besitzen.
Ich bin nun zur Überzeugung gelangt, dass es eine einzige Algenform gibt, welche dieser Forderung
entspricht, nämlich das von Lamouroux aufgestellte Genus Volubilaria mit seiner einzigen Art V. mediler-
ranea (Dictyomeuia volubilis Grev., Vidalia volubilis J. Ag.), auf welche schon Graf Solms Herrn Prof.
Schröter (vergl. l. cc. S.8, Anmerkung) aufmerksam gemacht hat, ohne dass bisher diese Spur weiter
verfolgt wurde. Ich ziehe es aus einem Grunde, der später angeführt werden soll, vor, das ältere Syno-
nymum: » Volubilaria« beizubehalten. Hier soll nun die Morphologie dieser Alge nach jenen Gesichts-
punkten behandelt werden, die für die Deutung der fossilen Alge von Belang sind, und nach denen ich
eigene Beobachtungen anzustelien genöthigt war, weil die bisherigen Daten über die Morphogenie dieser
eigenartigen Alge nicht hinreichenden Aufschluss geben. Dabei kann ich mich hauptsächlich auf lebendes
Material beziehen, das mir in zuvorkommender Weise aus der Station des Berliner Aquariums in Rovigno
vom Herrn Verwalter Kossel geliefert wurde.
Ich habe von dort zwei Sendungen bezogen, eine im Erstfrühling (nach dortigem Klima) gegen Ende
Februar 1899, und das zweitenmal im November desselben Jahres, weil ich im Quarnero! 1856 — 1861
die Wahrnehmung gemacht hatte, dass die im Spätsommer und Herbste gesammelten Exemplare einen
anderen Typus zeigen als die im Erstfrühling vorkommenden.
Jede dieser beiden Sendungen enthielt rund 150 gesonderte Exemplare, die frisch im Meerwasser
ankamen und sich im Frühjahre monatelang vegetierend erhielten, während das Herbstmaterial bald in
Zersetzung übergieng.
Nebst den lebenden musste ich auch den Herbariumsexemplaren meine Aufmerksamkeit zuwenden,
nicht nur um das Vorkommen von verschiedenen Standorten zu vergleichen, sondern auch aus dem schon
1 Physikalische Verhältnisse und Organismenvertheilung im Quarnerischen Golfe. Herausgegeben von der kaiserl. Akademie
der Wissenschaften, Wien 1863.
Tri,
Taenidium und Gyrophyllites. 549
oben S. 15 angegebenen Grunde, da Exsiccatenexemplare mit fossilen bezüglich der hier maß-
gebenden äußeren Umrisse eine größere Analogie besitzen müssen, als frisch vegetierende oder nass
präparierte.
Hiebei erfreute ich mich der dankenswertesten Förderung seitens der botanischen Abtheilung des
k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien, insbesondere durch den früheren Vorstand Herrn Dr. Gün-
ther Beck von Managetta und den jetzigen Leiter Herrn Dr. A. Zahlbruckner, dann durch Herrn
Dr. Fridolin Krasser, der hauptsächlich das Algenherbarium des Museums besorgt und einschlägige
Studien betreibt. Ebenda wurde ich vielfach mit Literaturbehelfen gefördert.
Dieses war auch der Fall im Museum des botanischen Gartens der Wiener Universität seitens des
verewigten Professors Hofrathes Dr. Kerner von Marilaun, dann seines Nachfolgers Herrn Professors
Dr. Wettstein von Westerheim und des Herrn Adjuncten und Professors Dr. Fritsch.
Schon nach Agardh, Kützing und in kurzer Zusammenfassung nach Hauck! ist bekannt, dass
ein einfachergfl’hallus von Volubilaria (Vidalia) aus einer sehr kurz gestielten, spiralig gedrehten
häutigen Lamina besteht, die am Rande unregelmäßig gezähnt oder gesägt ist und eine eingesenkte —
von außen kaum wahrnehmbare — Mittelrippe besitzt, aus der meist ein oder einige Zweige ohne
bestimmte Anordnung abgehen (proliferierend verzweigt). Eigentliche Dichotomie*? findet nicht statt, und
nur selten kommt eine wiederholte Verzweigung (höherer Ordnungen) vor.
Solche Stämmchen sitzen selten vereinzelt an ihrer Unterlage (nicht Schlamm, sondern meist Stein-
chen, Conchylienfragmente, conglomerierte Sandkörner), viel mehr entspringen meist mehrere (oft 10—12),
Merothallome aus demselben kurzen, knorpeligen Stocke, und zwar auch in mehreren Etagen über-
einander, die jedoch nur wenig von einander abstehen (etwa 0:3—0'8 cm).
An einem frischen Exemplare aus Rovigno, welches ein Synthallom mit zahlreichen Ästen bildete,
wurden folgende Details constatiert. Sämmtliche Merothallome giengen, mit Ästen oder Schossen
vergleichbar, aus einem harten, knorpeligen, birnförmigen, nur 7 mm hohen Stocke hervor, der innen
central einen scheinbar mineralischen Kern hatte. Dieser bestand aus Zellen, die mit feinsten Kryställchen
von kohlensaurem Kalk gefüllt waren. Rings um diesen Stock entsprangen in drei Etagen (gewisser-
maßen Wirteln) übereinander Äste, die sich derart verzweigten, dass die ganze daraus gebildete Rosette
20 freie Zweig-Enden hatte. Äste und Zweige waren, obgleich elastisch, doch so steif, dass sie durch
dazwischen gefülltes feines Sediment nur wenig aus ihrer Lage hätten gebracht werden können. Nach
diesem Typus sind überhaupt die stärker ausgebildeten Exemplare gebaut.
Dass die Fortpflanzungsorgane in Gestalt zarter, verzweigter Sträußchen an den Spitzen von Rand-
_ zähnen stehen, gehört zur Charakteristik der recenten Art, hat aber für unseren Zweck keine Bedeutung,
da diese sehr feinen, nur zeitweise und nur an einem Theile der gedrehten Lamina (meist in den mittleren
und oberen Etagen) auftretenden Organe im fossilen Zustande sich nicht erhalten können, oder doch
— wenigstens im nicht schleifbaren Flysch — nicht nachweisbar sind.
Dagegen ist der Umstand von Belang, dass die Substanz des Thallus sehr dicht, derb, fast knorpe-
lig, entschieden elastisch (beinahe wie Kautschuk) ist und eine ziemlich bedeutende Körperlichkeit besitzt,
die zur Erhaltung im fossilen Zustande geeignet ist. Über die feinere Structur des Thallus ist ferner
bekannt, dass die Lamina aus zwei Schichten zusammengesetzt ist, die innere aus großen, die
äußere aus kleineren, polyedrischen Zellen besteht, und dass die Mittelrippe von verlängerten Zellen
4 gebildet wird.
Hier ist nun weiter und eingehender darzustellen, welch’ verschiedene Gestalten der Thallus
annimmt, und ob diese auch im fossilen Zustande (an den Taenidien) wiederkehren.
1 Die Meeresalgen Deutschlands und Österreichs. Leipzig 1885 (II. Bd. v. Rabenhorst’s Krypt. Flora).
2 Eine scheinbare Dichotomie kann dadurch erzeugt werden, dass ein Zweig nahe unterhalb des Endes eines anderen von
diesem seitlich abgeht. Daraus kann eine Gabelung, aber keine Dichotomie hervorgehen. (Vergl. Textfigur 12.)
70#
550 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen.
Die hier folgende Textfigur 3 zeigt ein Frühlingsexemplar des heutzutage im Mittelmeere und in der
Adria häufigsten Vorkommens, und zwar der von Kützing sogenannten »forma expansa«. Diese Form
besitzt im Gegensatze zu der später zu betrachtenden »eingerollten« (involuta) eine Lamina, deren beide
Seitenränder frei abstehen, obgleich sich diese gewöhnlich ein wenig nach oben aufrichten.
Indem diese Lamina sich aufsteigend spiralig, und zwar immer von rechts unten nach links
oben dreht!, entsteht der Typus wie Fig.4, und bei Exemplaren mit sehr genährten Windungen wie
Fig. 5, alle nach Frühjahrsexemplaren gezeichnet und nur wenig vergrößert. Das in dieser Weise gebil-
Fig. 3.
Habitusbild eines frischen Frühjahrs-Exem-
plares von Volubilaria mediterranea Lmx. Habitusbild (wie Fig.3) eines Habitusbild (wie Fig. 3 und 4)
der lockeren Form mit wenigen Win- Exemplares mit zahlreicheren eines Exemplares mit sehr
dungen. (Wenig vergrößert nach der Natur und mehr genäherten Um- zahlreichen und dicht ge-
gezeichnet.) gängen. näherten Umgängen.
dete Thallom ist vergleichbar mit einer freien Schraube (ohne materielle Spindel), mit einem freien
Korkzieher, oder mit einer hängenden Ringellocke, und unterscheidet sich durch die Abwesenheit einer
materiellen Längsaxe von dem scheinbar analogen Typus der Reniella helicophylla (im Wasser lebendes
Lebermoos), dessen Blattfläche sich um eine Rippe — also um eine materielle Axe — spiralig, und
zwar auch von rechts unten nach links oben, wendet.?
Die drei eben bezeichneten Figuren zeigen auch die allgemein vorkommende Verschmälerung des
unteren (basalen) Endes, das in einen sehr kurzen Stiel übergeht. Dieser ist wahrscheinlich nichts
anderes, als der sehr schmale und überdies gewundene unterste Theil der Lamina, die bald nach oben
hin die normale Breite erlangt.
”
1 In Barrelier Jaques »Plantae per Galliam, Hispaniam et Italiam observatae« (herausgegeben von A. de Jussieu, Paris 1714)
findet man auf der Tafel 1303 zwei Exemplare (Frühjahrsform) abgebildet, deren Windungen von links unten nach rechts oben
laufen. Da ich sonst überall in natura, in Herbarien und Abbildungen nur die erwähnte umgekehrte Richtung der Windungen gefunden
habe, glaube ich, dass Barreliers Figuren aus der »Durchzeichnung« (nicht Pausung) einer Originalabbildung hervorgegangen
sein dürften.
2 In Kerners Pflanzenleben (1. Auflage S. 549), schöne Abbildung.
Taenidium und Gyrophpllites. 551
Wir gelangen nun zu einer zweiten, der aus einer gerollten Lamina hervorgehenden Spiralform.
In Figur 6 erscheint schematisch und vergrößert einer der schraubenförmigen Umgänge der
erwähnten Kützing’schen forma »exrpansa«, von der man zur anschaulichen und zugleich genetischen
Erklärung der für uns wichtigen forma »involuta« m. (wie ich sie nennen will) ausgehen muss.
Es kommt schon an den im Erstfrühling zu beobachtenden Exemplaren nicht selten vor, dass
die beiden gezähnten Ränder einiger oder auch aller Umgänge sich stärker aufwärts und gegeneinander
kehren (Rand oder Laminahälfte a gegen b und b gegen a), so zwar, dass sich die Lamina zu einer Rinne
wölbt und zwischen den stark genäherten Rändern nur eine schmale Spalte bleibt, wie in Figur 7
dargestellt. Diese Wölbung ist oft auch noch viel weiter im gleichen Sinne fortgesetzt, so dass sich die
Fig. 6. Fig. 7.
-
Schematische Zeichnung zweier aufeinander Schematische Zeichnung zweier aufeinander
folgenden Windungen (Umgänge) einer folgenden Windungen mit begonnener Ein-
Lamina ohne Einrollung. rollung der Lamina.
eine Seitenhälfte der Lamina über die andere legt und bei weiterem Fortwachsen eine zwei- oder mehr-
schichtige Röhre entsteht, die übrigens nach demselben Gesetze wie die ausgebreitete Lamina sich
schraubenförmig windet.
Im allgemeinen schreitet die Umwandlung der Lamina vom unteren Theile des Thalloms nach
oben fort, so dass die unteren Umgänge der Spirale schon gerollt sind, während die oberen noch aus-
gebreitet bleiben, wobei allerlei Übergänge vorkommen.
Im Erstfrühling fand ich bei einer Collection von circa 150 frischen Exemplaren kaum 20 (eirca
10 Procent), an denen solche gerollte Windungen nach der ganzen Länge eines Thalloms oder auch nur
an einigen Umgängen vorhanden waren. Die im November vom gleichen Standorte erhaltene Sammlung
hingegen bestand zu fast 90 Procent aus Thallomen, die durchaus gerollte Spiralwindungen hatten, an
denen überdies ersichtlich war, dass im Laufe des Sommers und Herbstes die im Frühling begonnene
Rollung der Lamina nach folgendem Gesetze fortschreitet, das hier schematisch durch Figur 8 a—e ange-
Fig. 8.
@ b e d ©
Schema der fortschreitenden Einrollung der Lamina bis zur vollendeten forma involuta.
deutet ist. Diese Figuren bedeuten Querschnitte durch eine Lamina in verschiedenen Stadien der Einrol-
lung, die lange Zeit hindurch nur an der inneren, der Spindel zugekehrten (rechten) Hälfte der Lamina
stattfindet, bis zuletzt auch die äußere (linke) Längshälfte der Lamina sich nach der Spindelseite hin
weiter als im Frühling wölbt, und zwar so, dass sie sich über die mittlerweile von der rechtsseitigen
Hälfte gebildete Rolle einhüllend herumlegt. Mit der fortschreitenden Umwandlung der forma expansa in die
forma involuta, wobei die Lamina immer stärker und fast lederartig wird, schrumpfen die zarteren Zähne
der Ränder immer mehr ein; zugleich rücken meist die Umgänge näher aneinander, so dass die Spirale
552 J. R. Ritt. Lovenz v. Liburnanu sen.
flacher wird und die einzelnen Umgänge beinahe wagrecht liegen. Die Einrollung geht oft so weit, dass
zuletzt zwei oder auch drei Umwicklungen entstehen, wie der in Figur 9 dargestellte schiefe Schnitt
durch ein Exemplar aus dem Mittelmeere zeigt.
Der hohle Innenraum des gewundenen Rohres ist oft mit Schlamm oder feinem Sande ausgefüllt,
der im Wachsthumsstadium der noch offenen Spalte (Figur 7) durch diese eingedrungen war.
Der Habitus der gerollten Exemplare, von denen ein frisches aus der Februarausbeute in Figur 10
und eines aus dem Novembermateriale in Figur 11, beide nach Photographien dargestellt sind!, ist so
Fig. 9.
Ansicht eines etwas schief geführten Querschnittes durch einen voll-
ständig eingerollten Zweig. (Nach der Natur gezeichnet. Vergr. ca. 1:4.)
Fig. 10.
Photographie eines kurzen Zweig-Endes von Photographie eines im Meerwasser suspen-
einem ausnahmsweise frühzeitig gerollten dierten frischen Astes und Zweiges von
frischen Frühjahrs - Exemplare, suspendiert einem gerollten Herbst-Exemplare.
im Meerwasser. (Vergr. 1:15.) (Vergr. 1:1.)
verschieden von jenem der nicht gerollten, dass man die ersteren für Angehörige einer ganz anderen Art
halten könnte, wenn sie nicht aus demselben Stämmchen wie die letzteren hervorgiengen, oft auch auf
einem und demselben Zweige mit diesen abwechselten und sich nach dem hier Dargestellten beide als
normale aufeinanderfolgende Wachsthumsstadien erwiesen.
Die Dimensionen der Spiralumgänge (Gyri) von Volubilaria habe ich zum Zwecke der Verglei-
chung mit Taenidiengliedern nicht an frischen, sondern aus dem auf S.15 angeführten Grunde an getrock-
neten Herbarexemplaren gemessen und dabei folgende Verhältnisse gefunden:
1 Diese Lichtbilder giengen aus Aufnahmen hervor, während deren die Exemplare im Seewasser in einer lachwandigen
Cuvette suspendiert waren. Zu diesem ungewöhnlichen Verfahren ließ sich in zuvorkommendster Weise der Director der k. k. gra-
phischen Versuchsanstalt Herr Hofrath J. M. Eder, dem ich bestens danke, bereitfinden.
7
aenidium und Gyrophyllites. 553
A. An sechs Thallomen mehrerer Exemplare im k. k. naturhistorischen Hofmuseum.
Thallom 1:
arbes- ol urt relativ
Höhe (Dicke) ! Querlänget Höhe (Dicke) 1: Querlängel
in mm
Umgang a 3 5 1 137
» b 4 9 1 229
» c 3 9-5 1 37
» d 4 9-5 1 BT
Thallom 2.
Umgang a 40 8 23:2
» b 30 6 ee l7.
Thallom3.
Umgang a 395 3 28
» b 4-0 7 N, le
Thallom 4.
Umgang a 35 9 1 2:6
» b 30 5 1 Vera
» c En 7 1 2
Thallom 5.
Umgang a 3°5 025 1 PIE
» b 3:0 70) 1 223
» c 3:0 6°0 1 230
Thallom 6.
Umgang a 4:0 7 1 rq
» b A=5 9 1 250
» [E 35 8 2:8
B. An denvier am meisten nach oben hervorragenden Zweigen des in der weiter
unten folgenden Textfigur 12 photographich abgebildeten Synthalloms (gemessen an
er Abbildung).
Äußerster Zweig links (nicht ganz gerollt):
a/h.slo Inst relativ
Höhe Querlänge Höhe : Querlänge
in mm
a oberster Umgang, stark gequetscht . . . Be 9:5 192701629
Zunachst untere Windune sa... 4:0 8:2 el
6. zweitiolgende. ,.. ; „ru.Sumimarire . 35 8:0 52:3
(Die weiterfolgenden undeutlich begrenzt.)
Zweiter Zweig, rechts vom vorhergehenden und gegabelt.
1 Da der Schlauch, aus dem die Umgänge einer Volubilaria bestehen, einen kreisförmigen Querschnitt hat, ist an
rischen Exemplaren die körperliche Höhe eines Umganges (das ist hier der dem Beschauer zugewendete und messbare Diameter
‚des Schlauches) gleich der Dicke dieses letzteren an derselben Stelle; bei Herbariumsexemplaren hingegen, die mehr weniger platt-
edrückt sind, ist die Höhe sowie die Querlänge auf Kosten der Dicke vergrößert, weshalb alle diese Dimensionen an solchen
emplaren nicht denen der frischen entsprechen; wohl aber dienen sie zur Vergleichung mit den gleichbenannten Dimensionen
ossiler Exemplare, die sich gleichfalls im gepressten Zustande befinden.
954 J. R. Ritt. Lovenz v. Liburnan sen.
Linker Gabelzweig: sei lenken
Höhe Querlänge Höhe: Querlänge
in mm
ar Endeliedzungerollssplateeesern — = —
b nächst unterer Umgang (nicht ganz gerollt) 352 Sa) 19:71 6
c nächstfolgender Umgang . .... - 3] 50 12156
Rechter Gabelzweig:
obersten Ümeane Sr Ar 2.30 9:0 142
zweiter » Mt es 6, 20 MEER 3:0 6:0 122
dritter » Be ee 309 95 lei)
vierter » (Einschnürung) . Br 2:8 5:0 122125
Nach diesen Daten, die von Exemplaren des am häufigsten vorkommenden Typus herrühren,
wechselt die Höhe (verticale Dimension) der einzelnen Umgänge bezüglich der absoluten Maße weniger
als die Querlänge (horizontale Dimension) derselben, denn die erstere schwankt nur zwischen 2:0 mm
und 5'l mm, Differenz 3:1 mmı, die letztere zwischen 5 und 9:5 mm, Differenz 4:5; am häufigsten
beträgt die Höhe zwischen 3 mm und 3:5 mm, die Querlänge zwischen 5 und 7 mm.
Die Relation zwischen beiderlei Dimensionen ist im Minimum 1:15, im Maximum 1:3'7, am häu-
figsten beiläufig 1: 2:3.
Es kommen aber, wie schon die Textfiguren 3, 5, 10, 11 erkennen lassen und in jedem reicheren
Herbar zu ersehen ist, auch noch weit größere Schwankungen in der Größe beider Dimensionen, selbst
an einem und demselben Zweige vor, und es sollten hier nur einige Beispiele herausgegriffen werden, um
eine beiläufige Vorstellung von den in Rede stehenden Dimensionen zu geben.
Bis hieher wurden nur Abbildungen charakteristischer Monothallome und Merothallome vorgeführt;
nun soll mit Figur 12 auch ein Synthallom von Volubilaria zur Anschauung gebracht werden. Das
Original wurde leihweise entnommen aus der Exsiccatensammlung im k. und k. Hofmuseum, wo es sich
Fig. 12.
Sde.Dr |
Photographie eines Exsiecaten-Exemplares von Volubilaria mediterranea. Hier abgebildet als Repräsentant eines Synthalloms.
(Original im k. k. Hof-Museum.)
nun wieder befindet; es trägt die Indication »Adria, leg. de Lichtenstern« und ist in einem Couvert ein-
geschlossen, dessen Aufschrift auf die gegenwärtige Abhandlung Bezug nimmt. Unsere Fig. 12 ist eine
i
: Taenidium und Gyrophyllites. 559
photographische Abbildung dieses Exemplares ohne jede Veränderung und ohne jedes willkürliche
Arrangement. Dieses Habitusbild hat eine geradezu erstaunliche Ähnlichkeit mit der darunter gestellten
Figur 13, welche eine wenig reducierte Wiederholung aus unserer Tafel III (Taenidium Fischeri H. vom
Fischbachgraben bei Thalgau) ist.
Im Einzelnen möge zu Fig. 12 nur Folgendes bemerkt werden. Die Mehrzahl der Äste und Zweige
zeigt schiefe Windungen, die mehr oder weniger steil, locker oder gedrängt, von rechts nach links auf-
Verkleinerung der photographischen Abbildung in unserer Taf. III, Fig. 2, hieher gesetzt zur Vergleichung des fossilen Habitus
mit dem recenten der vorhergehenden Textfigur 12.
steigen, im gepressten Zustande aber auch quer zu liegen kommen. Der mit x bezeichnete Zweig z.B.
hat seine Umgänge schon nahezu quer (rechtwinklig zur Längsaxe), der Zweig y und einzelne Umgänge
anderer Zweige besitzen geradezu eine Querstellung der Scheinglieder.
Das Exemplar zeigt an den Ästen erster Ordnung nur Äste zweiter und keiner höheren Ordnung.
Die hellen Punkte und Fleckchen auf dem schwarzen Grunde rühren von kalkigen Incrustationen
her, wie sie sich häufig an.älteren Exemplaren aller robusteren, lederartigen Algen finden.
Durch die eigenthümliche, vollständige Umgestaltung der Lamina, wodurch im Laufe eines halben
Jahres ein und dasselbe Individuum in zwei gänzlich verschiedenen Typen erscheint, weicht unsere Alge
von allen anderen verwandten Gattungen und Arten so sehr ab, dass ich zweifle, ob sie nach weiteren
vergleichenden Studien mit den zahlreichen Formen, unter denen sie von Agardh (Species, genera et
ordines Algarum, 1863) als eine Art von Vidalia, und von Kützing (Species Algarum) unter Dictyomenia
aufgeführt wurde,! vereinigt bleiben wird.
1 Agardh führt 7 Arten von Vidalia an: V. Colensoi J. Ag. (Neuseeland), V. fimbriala Grev. (Neuholland), V. Kützingioides
J. Ag. (Australien), V. oblusiloba (Bahia), V. serrala (Natal), V. spiralis Lmx. (Westaustralien), V. volubilis Lmx. (Mittelmeer mit
Pontus und Adria. In Kützings Species Algarum kommen unter dem Genusnamen Dietyomenia noch vor: D. conferla Harv. (Neu-
holland) und D. prolifera J. Ag. (Neuholland).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
YA
v
J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
or
{op}
Keine einzige dieser Arten besitzt gerollt-gewundene Spiralumgänge; sogar bei Vidalia (Dictyome-
nia) spiralis setzt sich das schraubenförmige Aufsteigen der schmalen Lamina selten durch die ganze
Länge fort und fehlt gänzlich die Einrollung der Lamina, so dass ein ausgewachsenes Thallom
dieser Art nur beiläufig mit einem erst im Frühlingsstadium befindlichen Thallom der Volubilaria
zu vergleichen ist; die anderen hieher gezählten Arten haben nur eine einmalige oder wenig oft wieder-
holte Drehung der ungerollten Lamina.
Ob nun die mikroskopische Structur, auf der die Zuziehung der Volubilaria zu den Vidalien oder
Dictyomenien beruht, fortan als unverrückbarer Eintheilungsgrund gelten, und ob nicht auf Grund
morphogenetischer Unterschiede eine andere systematische Gruppierung gerechtfertigt wäre, muss ich
dahingestellt lassen, bis berufenere Algologen diese Frage entschieden haben werden;! für meine gegen-
wärtige Aufgabe ist der von mir genetisch dargestellte äußere Habitus die Hauptsache, und nach diesem
Gesichtspunkte wäre Volubilaria als ein monotypes Genus zu trennen von Vidalia (= Dictyomenia).
Das war auch die Auffassung von Lamouroux, der im Dictionnaire classique 1824, V, p. 387, das ältere
Genus Delesseria in mehrere theilt und bei jedem derselben die Namen und Anzahl der Arten anführt.
Dort heißt es bei seinem Genus Volubilaria: »une (seule) Espece«.
Deutung der Taenidien als fossiler Volubilarien.
Aus den morphologischen Verhältnissen der Volubilaria mediterranea lassen sich nun die Erschei-
nungsformen der von mir in Betracht gezogenen Taenidien ungezwungen in dem Sinne erklären, dass
letztere die fossilen Reste einer Alge sind, deren morphologische Verhältnisse mit denen unserer recenten
Volubilaria sehr nahe, und zwar weit näher übereinstimmten, als mit denen irgend einer anderen, so
dass man von einer »Palaeo-Volubilaria« sprechen kann. Um dieses zu erweisen, müssen wir auf die in
unserer Tafel II dargestellten Taenidientypen zurückgreifen und diese mit den analogen Volubilaria-
Typen vergleichen, welche daselbst unter den Fig. 2, 4, 6, 8, 10 beigesetzt sind.
Bei dieser Parallelisierung muss zunächst und allgemein in Betracht gezogen werden, dass die
Palaeo-Volubilaria unter dem Drucke des darüber abgelagerten Sedimentes mehr oder weniger platt-
gedrückt werden mussten, so dass der Querschnitt einer Frons nicht — wie ursprünglich — annähernd
kreisrund bleiben konnte, sondern schmal-elliptisch oder, bei dünnerem Exemplare und stärkerem Drucke,
selbst ganz schmal-rechteckig werden musste. 2
Die in Taf. II erscheinenden recenten Vergleichsexemplare sind aus dem Herbarium des k. k. Hof-
museums entnommen und zum Zwecke der Zeichnung wurden die ausgewählten Zweige der Exsiccaten
ein wenig im Meerwasser aufgeweicht, um die Plastik etwas deutlicher hervortreten zu lassen als es im
stark gepressten Zustande immer der Fall ist.
Um mit dem am meisten erhaltenen Taenidientypus zu beginnen, den Fig. I der Taf. II darstellt, ist
demselben ein Endstück der am vollkommensten ausgebildeten Entwicklungsform unserer Volubilaria
als Fig. 2 an die Seite gestellt.
Diese gerollt-gewundenen Volubilarien lassen je nach dem Steigungswinkel der Spiralumgänge‘
weitere oder engere leere Spalten zwischen den Umgängen. Da diese Zwischenräume die Windungen des
Schlauches gleichfalls continuierlich herumgehend begleiten, stellen die ersteren, analog den letzteren,
eingeschaltete leere Spiral- oder Schraubenwindungen dar. In diese Leeren muss bei der Einhüllung
durch Sediment dieses sich einfüllen und es findet sich dann bei und nach der Fossilisation eine dünnere
1 Über die angemessenste Stellung der zum Genus Vidalia gerechneten Formen in einem phylogenetisch geordneten Algen-
system ist man seit langer Zeit uneinig; hierüber sagt Agardh (Species, genera et ordines Algarum, Vol. II, p. 1119): »In speciebus
disponendis, quas olim ad Rhodomelam, Rhytiphloeam et Amansiam retulerunt, desudarunt plurimi systematiei hodierni«. Agardh
hat die Bezeichnung Volubilaria deshalb ausgemerzt, weil sie ihm nicht wohlklingend schien; er sagt: »Volubilariae eadem tem-
pore (cum Vidalia) eonditae nomen, licet magis cognitum, mihi non bene sonans, evitandum putavi« (p. 1120).
ng
Taenidium und Gyrophyllites. 597
oder dickere, meist an Dicke dem Schlauche nachstehende Sedimentschichte zwischen je zwei
Umgängen eingeschaltet. Diese Einschaltungen — nunmehr eigentlich zu begleitenden Spiralkörpern
= geworden — erscheinen an den Taenidien von außen, sowie in Längsschnitten, als quere oder schiefe
Streifen von der meist helleren Farbe des Sedimentes und erzeugen den Schein von Scheidewänden,
während die dadurch getrennt erscheinenden Umgänge des Schlauches fälschlich als Glieder angesehen
werden konnten.
So kam es, dass man die Summe der Umgänge des continuierlichen Schlauches bald als überein-
“ander gestellte Scheibchen, bald als einen mit Scheidewänden versehenen gestreckten Cylinder auffasste.
Das Herbariumsexemplar Fig. 4 der Taf. II ist dem mit fast genau quer oder rechtwinklig gegen die
Längsaxe gestellten Scheingliedern versehenen Taenidium-Zweige (Fig. 3) an die Seite gestellt; es ist eine
der zahlreich vorhandenen Frondes, die bei dem mäßigen Drucke, der mit dem Einlegen ins Herbar
verbunden ist, eine solche Querlage annehmen (vergl. mehrere Zweige des Synthalloms in Textfigur 12)
besonders weng sie schon ursprünglich nur sehr flach spiralig gewunden waren (vergl. Textfig. 11).
Fig. 6 der Taf. II repräsentiert nach Herbariumsexemplaren den nicht seltenen Fall, dass durch eine
leichte, annähernd horizontale Verschiebung von unten nach oben (in apicaler Richtung) die Wülste der
Umgänge in der gleichen Richtung verschoben und dadurch mehr weniger nach oben (vorne) gekrümmt
_ werden, wie die Taenidien-Scheinglieder der Tafelfigur 5 (gilt auch für die entgegengesetzte Richtung).
Auch in dem recenten Synthallom der Textfigur 12 erscheinen mehrere Umgänge in eben solcher Weise
verschoben und gekrümmt wie die Scheinglieder von Taenidien, welche Fig. 5 der Taf. II darstellt.
An all diesen Abbildungen (2, 4, 6) recenter Volubilarienzweige erscheinen zwischen je zwei Um-
gängen vom Schatten herrührende dunklere Querstreifen, also gerade an jenen Stellen, die den helleren
Querstreifen der Taenidien (Fig. 1, 3,5) entsprechen, wodurch die hier oben, und bezüglich der Taenidien
schon S. 534 gegebene Erklärung bestätigt wird.
Fig. 8 dieser Tafel zeigt ein Herbarexemplar mit steil aufsteigender Spiralwindung eines dünneren
gerollten Schlauches, dergleichen mehrere in unseren Textfiguren, insbesondere zum Theile in Fig. 12
nach recenten Exemplaren dargestellt sind, und ist nahe formverwandt mit dem daneben (Fig. 7) abgebil-
deten Taenidium, das gleichfalls dünnere, stark schief gerichtete Umgänge zeigt.
In Fig. 10 der Taf. II endlich ist ein Exsiccat dargestellt, das von einem nicht gerollten Exemplare
- herrührt, wie sie nach dem oben (S.549,550) Gesagten vorwiegend im Frühlingsstadium desWachsthums, aber
u eh A
a a a Eu ZZ Do 2 u
vereinzelt auch immer vorkommen, sei es als ganze Frondes oder in Gestalt einzelner Umgänge zwischen
den gerollten. Solche bandförmig gebliebene Thallome können nur unter weitgehender Deformation und Ver-
wischung der Details so bedeckt und gepresst werden, wie man es bei der allmählichen Einschließung in
_ ein Sediment annehmen muss und wie es annähernd beim Präparieren und Conservieren für das trockene
Herbarium geschieht. Die schief bis annähernd rechtwinkelig gegen die Axe der Spirale gestellten, mit
ihren Rändern dem Beschauer oder dem Präparator abwechselnd zugekehrten und abgekehrten Umgänge
der Lamina werden dabei in der Richtung gegen die Unterlage — sei diese das Papier des Herbariums
_ oder der Schlamm des Meeresgrundes — gedrückt und in die Ebene der Axe gedrängt, aus der sie
ursprünglich herausgewendet waren. Die zugekehrten und die abgekehrten Hälften der Umgänge liegen
dann theilweise platt übereinander und an dem so gequetschten Körper ist von der ursprünglichen
Spiralwindung keine Spur mehr geblieben. Als Details erscheinen nur hie und da, seitlich hervorragend,
einzelne stärkere Zähne der Ränder.
Diesen Zustand eines Herbariumsexemplars stellt die Tafelfig. 10 nach meinen zahlreichen Trocken-
präparaten dar, die sich von denen anderer Herbarien nicht im geringsten unterscheiden; nur ist zu
bemerken, dass die Herbarien selten derlei bandförmig gewesene und dann beim Trocknen und Pressen
unscheinbar gewordene Exemplare aufgenommen, vielmehr fast nur die ganz charakteristisch erhaltenen,
»gerollt-gewundenen« Formen der Aufbewahrung würdig gefunden haben.
Vergleicht man Tafelfig. 10 mit der danebenstehenden Taenidienabbildung (Fig. 9), so ist die Über-
einstimmung unverkennbar.
71*
558 JR. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen.
Wenn dieser Typus im fossilen Zustande (als Taenidinm) ebenso selten wie nach dem oben
Gesagten in Herbarien zu finden ist, erklärt sich dies wohl aus der weit geringeren Körperlichkeit der
Alge in diesem Wachsthumszustande.
Da die in Taf. II weiter folgenden Fig. 11—21 nur specielle Fälle der Veränderungen darstellen,
welche an den Haupttypen (Fig. 1, 3,5, 7, 9) durch die Art der Abdeckung oder durch Verschiebungen
u. s. w. hervorgebracht sind, genügt die nun durchgeführte Vergleichung der Taenidien mit unserer
Volubilaria auch für die Deutung der speciellen Fälle der Fig. 11—21. Nur wenige Punkte wären noch
hervorzuheben.
Wenn die Fig. 11 und 12 mehr körperliche Eindrücke erkennen lassen als die meisten anderen,
so stimmt dies ganz gut mit dem Vorkommen der Volubilaria überein, welche ja auch Exemplare mit
dickeren und andere mit dünneren Schläuchen umfasst, deren erstere überdies oft durch mehrfache
Rollung oder Einfüllung von Sediment befähigt sind, ihre Körperlichkeit besser zu bewahren als die
schwächeren.
Wenn in Fig. 17 der Taf. II, und zwar an der rechtsstehenden schwachen Spur, feine, sehr genä-
herte Querlinien erscheinen, die nicht direct aus einer gepressten Volubilaria herzuleiten sind, so erklären
sich dieselben aus der entweder schon vor oder erst bei der Abdeckung stattgefundenen Abschuppung
oder schuppenförmigen Absonderung der geschwärzten Taenidiensubstanz, wobei die ursprünglichen
Grenzen der Scheinglieder verwischt wurden und die dunkle Taenidienkruste sich in schmalen Streifen
absonderte, zwischen denen das Sediment sichtbar wurde. Das gilt auch für Tafelfigur 18.
Da, wie bereits erwähnt, auch bei der Volubilaria die Größe der einzelnen Umgänge an einem und
demselben Zweige oft regellos wechselt, erklärt sich hieraus die nicht selten vorkommende, sprunghafte
Abwechslung in der Größe der Taenidienscheinglieder.
Bezüglich der Fig. 20 u. 21 habe ich bereits (S. 540 u. 541) bemerkt, dass mir die Zugehörigkeit ihrer
Objecte zu den Taenidien fraglich erscheint, und ich komme auf diese Andeutung hier zurück, weil
bogige Scheinglieder zwar auch an Exsiccaten von Volubilaria (wie Fig. 6 der Tafel) vorkommen,
jedoch in solch’ consequenter Gleichförmigkeit von mir an Volubilarien nicht beobachtet wurden.
Ich kann also hier, wo die Vergleichung von Taenidien mit Volubilaria besprochen wird, nur sagen, dass
derlei von den Autoren auch als Taenidium bezeichnete Exemplare auf Volubilaria zurückgeführt werden
können, aber nicht müssen.
Auf eine weitere, sehr bemerkenswerte Übereinstimmung zwischen Taenidien und Volubilaria
möchte ich noch hinweisen. Die Windungen der letzteren gehen, wie schon S. 550 erwähnt, durchaus
immer von rechts unten nach links oben; nun habe ich auch bei allen von mir bisher beobachteten voll-
ständigen Reliefs von Taenidien — wie auf Taf. Il, Fig. 1 —, an denen man die Richtung der Windungen
unzweifelhaft erkennen kann, diese im selben Sinne gefunden, wenn sie überhaupt schief waren; und
als Gegenprobe dient es, dass umgekehrt alle von mir gesehenen vollständigen Eindrücke (Negative) von
Taenidien -— wie auf Taf. II, Fig. 11 und 12 — die schiefen Trennungsstreifen oder Querleisten von links
unten nachrechts oben zeigten, wie es sich selbstverständlich aus der Lage von Eindrücken gegenüber den
correspondierenden Reliefs ergeben muss. Diese Analogie der Windungsrichtung lässt sich jedoch an
zahlreichen Exemplaren nicht consequent verfolgen, indem vielmehr gewöhnlich die Kerben, Quer-
streifen oder Querleisten nahezu oder auch ganz rechtwinklig zur Längsaxe der Frons verlaufen.
Hieraus kann übrigens keine entscheidende Einwendung gegen die Analogie zwischen Taenidien
und Volubilaria abgeleitet werden. Zunächst ist zu constatieren, dass die Neigungswinkel der Taenidien-
glieder gegen die Längsaxe meist an einem und demselben Aste oder Zweige sehr ungleich sind, so dass
— oft sogar ohne Übergang — schiefe und rechtwinklig-quere Glieder abwechseln, wie zum Beispiel an
dem in Taf. II, Fig. 1 und 2 dargestellten Exemplare und an den meisten hier beigebrachten Photo-
graphien.
Ferner muss man sich daran erinnern, dass auch die Spiralumgeänge der Volubilaria oft sehr wenig
ansteigen — (vergl. S.550 Text und Textfig. 4, 5, 11) — und dass derlei Äste oder Zweige im Exsiccaten-
Taenidinum und Gyrophylilites. 559
herbar geradezu als rechtwinklig quergegliedert erscheinen, wie ın meiner Taf. Il an Fig. 4 und an meh-
reren Ästen des in der Textfigur 12 photographisch abgebildeten, reichen Synthalloms einer Volubilaria
zu ersehen ist.
} Es ergibt sich daraus nur, dass die fossile Volubilaria-Form weniger steile und mehr genäherte
Spiralwindungen hatte als die recente, und dass bei der Fossilisation unter dem Drucke des Sedimentes
die Spiralumgänge in eine ähnliche Lage gebracht wurden, wie jene der Volubilaria im Exsiccatenherbar.
Die morphologische Verwandtschaft wird ferner bestätigt dadurch, dass an allen Taenidienstämmchen
und Ästen, deren unteres Ende deutlich erhalten ist, der kurze Stiel erscheint, welcher auch die Basis
derStämmchen und Äste der Volubilariua charakterisiert, wie S. 550 gesagt ist. In unserer Taf. II, Fig. 16,
17, dann in Taf. III, ferner in den Abbildungen von Schafhäutel’'s Münsteria annulata (}. c.) erkennt man
ohneweiters, dass, wo die unteren Enden der Taenidienfrondes erhalten blieben, dieselben verschmälert
sind und in einen kurzen Stiel übergehen.
Um nun die Analogisierung noch weiter zu verfolgen, müssen auch die beiderseitigen Dimensions-
verhältnisse verglichen werden.
Hiebei kommt die absolute Länge und Dicke ganzer Frondes nicht in Betracht, da die erstere
“an Taenidien, wie schon oben S. 544 bemerkt, nur selten zu constatieren ist und die letztere durch den
Druck des Sedimentes in sehr verschiedenem Grade reduciert werden musste.
Es eignen sich also zur Vergleichung nur die Höhe und die Querlänge der Scheinglieder
(Umgänge) und insbesondere die Relation zwischen beiden. Stellt man einen Auszug aus den oben ange-
führten Daten über die Dimensionen der Taenidienglieder mit einem solchen aus den gleichfalls bereits
oben S. 553, 554 angeführten, analogen Daten über die recenten Volubilarien zusammen, so ergibt sich
Folgendes:
A. Volubilaria.
Gliederhöhe Querlänge
mm mm
Extreme der Dimensionen . . »...... 2:0—5'1 5:0—9°5
Am häufigsten vorkommende Dimensionen . . 3:0—3°5 9—7
Rellanlape ee Es en SE 12-2125, Bisul 3-2
HaunestesRelation . Se: 1.:7223
B. Taenidien der jüngeren Formationen vom Flysch an.
T. Fischeri.
Gliederhöhe Querlänge
mm mm
BISTTEENBEE:, 2 EEE 2:0—4 4:5—7'8
AshAulEsten ar... en, ca. 3 6—7
Relatong wa 2 ea re 107220 B1Sst 1 2852
Hlaunesterrelation 0.00 Se 22
BEI Te RIScheravar. grande SD mann .: 3.5 9--10
INSEIO I Ce ee ll
Die häufigste Relation ist also geradezu die gleiche bei 7. Fischeri wie bei Volubilaria, und bei der
Varietät grande ist die Abweichung nur sehr gering.
C. Taenidien der älteren Formationen.
Hier liegt die Relation nahe wie 1 : 1 und kehrt sich bei 7. lusitanicum sogar um, indem sich die
Höhe zur Querlänge wie 1’2 oder 1°3 zu 1 verhält. |
Hiedurch wird die Berechtigung zur Unterscheidung der älteren Typen als besonderer Arten nur
verstärkt, ohne dass deshalb in Anbetracht aller anderen angeführten Gründe und bei der nicht bedeu-
tenden Abweichung des Quotienten die Verwandtschaft mit der recenten Volubilaria hinfällig wird; für
560 JR. Ritt. Lorenz v. Liburmanu sen.
Taenidium Fischeri aber erscheint diese Verwandtschaft durch die Dimensionsverhältnisse der Glieder nur
noch mehr begründet, und für die Form Taenıdium grande wird es umso wahrscheinlicher, dass es nur
eine größere und robustere Form von T. Fischeri sein dürfte. Belangreich für meine Deutung scheint mir
schließlich auch die Erwägung, dass die Deutlichkeit der Eindrücke, die Dicke der erhaltenen Frondes
und die Menge der schwärzenden kohligen Substanz der Taenidien auf eine Pflanze hinweisen, welche
eine ziemlich bedeutende Körperlichkeit, Consistenz und organische Masse besaß, was alles nebst den
übereinstimmenden äußeren Formen bei Volubilaria zusammentrifft. Nach Allem, was hier dargestellt und
erörtert wurde, liegst nun die Annahme nahe, dass jene Taenidien, die zu den von mir hier dargestellten
Typen gehören, aus einer Alge hervorgegangen sind, welche in allen wesentlichen Beziehungen mit der
recenten Volubilaria nächstverwandt war. Nach dieser meiner Auffassung erklären sich nebst der
äußeren Gestalt, der Zeichnung und Sculptur, sowie der Substanz der Taenidien auch die folgenden
Details derselben und ihres Vorkommens.
Es löst sich insbesondere das schon oben erwähnte Räthsel, dass Glieder, die nach Structur
und Anordnung auf einen Zusammenhang zu einem ganzen organischen Körper (Ast, Zweig,
Frons, Thallom) hinweisen, doch durch anorganische Scheidewände getrennt sein sollen; denn die
vermeintlichen Septa sind nach meiner Deutung eben nur zwischen den Umgängen eingeschobenes Sedi-
ment, und der organische Zusammenhang liegt nicht in der Richtung der Längsaxe eines Taenidium-
Zweiges, sondern in der Spiralrichtung des gerollten und gewundenen Schlauches; die Scheinglieder sind
Umgänge des letzteren.
Ferner gestattet die derbe Consistenz der Volubilaria die Annahme, dass Synthallome von
Palaeo -Volubilaria durch das niedersinkende Sediment nicht immer einfach plattgedrückt wurden,
sondern dass sich, wenigstens annähernd, die Äste und Zweige in ihrer ursprünglichen Lage unter
verschiedenen Winkeln gegen die Horizontale des Sedimentes, und zuweilen auch in mehreren, dem-
selben Stocke angehörigen Wirteln erhalten haben konnten, letzteres insbesondere dann, wenn das ganze
Synthallom vor der Sedimentierung abgerissen war und in schiefer Lage nach und nach bedeckt wurde,
wobei dann die Äste auch nicht nothwendigerweise parallel in die Ebene des Grundes gedrückt werden
mussten.
Nachdem nun alles angeführt ist, was dafür spricht, dass wenigstens eine Gruppe der Heer’schen
Taenidien als Reste einer nach dem Typus der Volubilaria gestalteten Alge zu deuten seien, will ich
nicht unterlassen, auch die möglichen Bedenken gegen diese Deutung zu erörtern.
Fig. 14. Fig. 15.
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Kegelförmige Zweigenden eines Taenidium Fischeri Hr. Zugespitzte Zweigenden eines Taenidium Fischeri Hr.
(Reproduction aus Squinabol I. ce.) (Reproduction aus Fischer-Ooster 1. c.)
Zunächst fand ich selbst einen Zweifelsgrund darin, dass die oberen Enden der Taenidien gewöhn-
lich kuppenförmig abgerundet sind (vergl. Taf. II, Fig. 3, 11, 14, 16), während die gerollten Exemplare
unserer Volubilaria, die hier in Betracht kommen, meist kegelförmige Enden besitzen. Nun findet
man aber auch T’aenidien mit kegelförmigem Apex, wie die beistehende gepauste Copie (Fig. 14) aus
Taenidium und Gyrophyllites. 561
Squinabol!, Tav. XVII, Fig. 3 (dort noch als Münsteria annulata bezeichnet, aber zweifellos zu Taeni-
dium gehörend) zeigt. Auch zwei von den Zweigen, die bei Fischer-Ooster in seiner Taf. XII, Fig. 8
abgebildet sind, können hieher gezogen werden; sie sind hier als Fig. 15 reprodüciert. Anderseits kommen
auch Zweige von Volubilaria mit kuppenförmigem Apex wenigstens in gepresstem Zustande vor, wie
Textfigur 12 (aus dem Exsiccaten-Herbar) zeigt. Übrigens wurde bereits oben erwähnt, dass die
Taenidienzweige sehr oft abgebrochen sind, daher keine große Anzahl deutlicher Endglieder vor-
handen ist.
Um jede Selbsttäuschung darüber auszuschließen, ob aus der sedimentären Einbettung und
Bedeckung eines Spiralkörpers nach Art der gerollten Volubilaria alle bekannten Habitustypen der Taeni-
dien hervorgehen konnten, habe ich mich auch der Experimentalpaläontologie zugewendet.
Mit einem in Küchenkreisen bekannten Instrumente, durch das aus einer frischen Kartoffel oder Rübe
zu Garnierungszwecken eine continuierliche körperliche Spirale oder Schraube von 5—7 cm Spindel-
höhe, 7—9 mnyDicke der Umgänge und kreisförmiger Verticalprojection von 2 cm im Durchmesser heraus-
gebohrt wird, stellte ich solche Spiralkörper her, deren Umgänge theils rechtwinklig zu der (nur geo-
metrischen oder ideellen) Spindel, theils geneigt gegen dieselbe gerichtet erhalten wurden.? Dieser Körper
wurde in verdünnter Tinte schwarz gebeizt und ein wenig gehärtet und in diesem Zustande bleibend
seitlich etwas zusammengedrückt, dann in einem Gefäß auf ein Bett von breiartig präpariertem Bildner-
thon (Modellierthon) gelegt und mit eben solchem Brei 10 cm hoch bedeckt. Nach achttägigem Trocknen
hatte diese Masse die richtige Consistenz, um mit einem scharfen Messer geschnitten zu werden.
Ich führte dann mehrere tangentiale Längsschnitte bis zur (ideellen) Längsaxe des Spiralkörpers
und nahm zuletzt die im liegenden Thonbette zurückgebliebene Längshälfte desselben heraus. Durch
letzteres erhielt ich im größeren Maßstabe ein positives Halbrelief, das unserer Fig. 1 und 2, Taf. II, und
ein Negativ, das unserer Fig. 11 und 12, Taf. II, mit den elliptischen Schüsselchen und Querleisten ent-
sprach, während die Tangentialschnitte dieselben Figuren und Modalitäten der Färbung zeigten, wie sie
in Taf. II, Fig. 13, 14, 15 und an zahlreichen in Taf. III erscheinenden Ästen, sowie in natura in alien
reicheren phytopaläontologischen Sammlungen, und nach diesen in zahlreichen Figurentafeln der Autoren
als die Erscheinungsform längsgespaltener Taenidien zu finden sind.
Ich kann die Wiederholung dieses Versuches, der sich auch zur Demonstration in paläontologischen
Instituten eignet, allen jenen dringend empfehlen, die noch Zweifel an meiner Erklärungsweise hegen
sollten.
Direct mit Volubilarien lässt sich ein solches Experiment weniger erfolgreich machen, weil
dieselben in feuchtem Zustande zu elastisch, in getrocknetem zu spröde sind.
Ich glaube nun Folgendes nachgewiesen zu haben: In unzweifelhaft marinen Ablagerungen von
Carbon, Jura, Flysch und Eoeän finden sich an ursprünglicher Lagerstätte (wenngleich nicht Vegetations-
- stätte) münsterioide Fossilien, deren Merkmale sie als Reste robuster Algenkörper kennzeichnen, die
ferner zwar einem Theile der Heer’schen Taenidienarten, jedoch nicht allen, und keinesfalls der von
Heer gegebenen Charakteristik seiner Taenidien als »septierter, cylindrischer Röhren« entsprechen. Die-
selben stellen sich vielmehr als spiralig gewundene, mehr weniger plattgedrückte Schläuche dar,
zwischen deren körperlichen, an erhabenen Exemplaren meist geschwärzten Windungen oder Umgängen
schmälere Zwischenräumen bleiben, die als trennende Striche, Furchen oder Kerben erscheinen und oft
mit erhärtetem Sedimente von der Art des Nebengesteines — also meist heller als die Seheinglieder —
gefüllt sind.
1 L.c. ex 1837.
2 Unmittelbar nach der Bohrung kommen die Spiralkörper in ganz flach gestellten Windungen, fast rechtwinklig zur Spindel-
richtung, heraus; vermöge ihrer-Elasticität dehnen sich aber alsbald die Umgänge und bilden Spiralen mit schiefen Umgängen. Will
man sie als Nachgewunden erhalten, so muss man sie in der ursprünglichen Lage gleich nach der Bohrung durch Festschnüren mit
einem leicht schneidbaren Faden oder dünnstem Draht fixieren.
562 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen,
Die Windungen und ihre Zwischenstreifen laufen schief bis nahezu rechtwinklig zur Längsaxe einer
Frons, im ersteren Falle an erhabenen Exemplaren (Reliefs) — wenigstens soviel ich beobachten konnte
— von rechts unten nach links oben, bei vertieften selbstverständlich umgekehrt.
Diese Fossilien kommen im Gesteine als Synthallome in Gestalt mehrästiger bis vielästiger Rosetten ’
mit einem gemeinsamen, centralen, sehr kurzen Stocke, viel häufiger aber als Merothallome und —
wenigstens scheinbare — Monothallome vor. Die Äste sind seitlich, jedoch nicht dichotom und nicht reich-
lich verzweigt, manche selbst bei größerer Länge einfach. An schlecht erhaltenen Exemplaren bleiben
dennoch meist solche Reste der Sculptur oder der Zeichnung’übrig, durch welche sie, wie S. 539 und
Taf. II, Fig. 13—18 dargestellt, ungezwungen auf Decadenten oder Klastothallome der normal erhaltenen
Erscheinungsformen (Taf. II, Fig. 1, 3, 5, 7, 9, 11 und 12) zurückgeführt werden können.
Alle diese Merkmale deuten darauf hin, dass der größte Theil der Objecte, aus-denen Heer sein
Genus Taenidium gebildet hat, nach dem gieichen morphologischen Gesetze aufgebaut und gestaltet war,
wie es unter den recenten Algen nur von Volubilaria mediterranea Lmx. (Dictyomenia volubilis Grev.
Vidalia volubilis Ag.) bekannt ist. Da nun zugleich, wie bereits auseinandergesetzt, diese Gruppe von
Münsterioiden, auch abgesehen von ihrer phylogenetischen Deutung, bei näherer Betrachtung nicht jene
charakteristischen Merkmale besitzt, welche Heer seinem Genus Taenidium zuschreibt, glaube ich es
nicht vermeiden zu können, dass ich für dieselbe ein eigenes Genus aufstelle, welches ich mit Rücksicht
auf das hervorragendste Merkmal und mit Anlehnung an die von Lamouroux für die hier oft erwähnte
Algengattung gebrauchte Bezeichnung » Volubilites< nennen will.
Um in üblicher Weise auch eine lateinische Charakterisierung dieses Genus zu geben, formuliere
ich die folgende: »Thallomata aut solitaria (Monothallomata) aut plura ex uno stipite surgentia (Syn-
thallomata), brevissimo petiolo instructa, simplicia vel ramosa, ramis semper lateralibus, nunquam proprie
dichotomis. Thalloma cujusvis ordinis constructum ex utrieulo, in spiram ascendentem torto, gyris
plus minusve oblique ascendentibus, inde plus minusve coarctatis et articulorum aut transversorum auf
obliquorum instar apparentibus, plerumque oppressione straturarum superpositarum complanatis et saepe
loco suo motis et deformatis«.
Diese Charakteristik passt — selbstverständlich mit Ausnahme des über die Deformierung
Gesagten — zugleich auf jedes in einem Exsiccatenherbare ordentlich conservierte Exemplar einer
ausgewachsenen Volubilaria mediterranea Lmx., wodurch abermals die nahe Verwandtschaft beider
bekräftigt erscheint. Die Benennung Taenidium möge erhalten bleiben für den Fall, dass sich auch solche
fossile Objecte finden, auf welche Heers Charakteristik (septierte Röhren) wirklich passt, sei es unter
den wenigen von mir aus Volubilites ausgeschlossenen (vergl. unten S.563), sei es zufolge künftiger Funde.
Arten oder Formen des fossilen Genus Volubilites m.
Nun obliegt es mir, auszusprechen, welche der bisher bekannten und zu Taenidium oder überhaupt
zu den Münsterioiden gerechneten Fossilien unter Volubilites m. zu subsumieren sind. Dieser Aufgabe kann
ich nur mit einiger Einschränkung entsprechen, da mir nicht sämmtliche irgendwo befindliche Exemplare
bekannt geworden, vielleicht auch einige Abbildungen entgangen sind und die von mir eingesehenen
hie und da nicht hinlänglich genau sein dürften.
Was ich also hier anführe, hat mehr die Bedeutung von Paradigmen, nach denen man aber immer-
hin auch nicht angeführte Formen auf ihre Zugehörigkeit zum Genus Volubilites wird beurtheilen können.
Zur Vereinfachung wird es dienen, wenn ich vorerst jene Objecte anführe, die zwar bisher von
verschiedenen Autoren als Taenidium oder mit einem dazu gehörigen Synonymum bezeichnet wurden,
jedoch nicht als Volubilites gelten können.
Der Anciennität nach ist hier zunächst die Keckia annulata Glockers (nicht zu verwechseln mit
Münsteria annulata Schafh. = Taenidium Fischeri Hr.) zu erwähnen. Bezüglich dieser Form kann ich
ungeachtet der großen colorierten Abbildung! ebensowenig wie Heer und Schröter nach ihrer aus-
ı Nova acta Leop. Carol., Bd. XIX, Suppl. 2, Taf. IV.
Taenidium und Gyrophyllites. 563
drücklichen Erklärung, zu einer bestimmten Ansicht darüber kommen, ob sie den Taenidien beizuzählen
sei oder nicht. Glockers Abbildung zeigt zwei getrennte Figuren, deren Originale von zwei verschie-
jenen Fundorten herrühren; das linksstehende (dort Fig. 1) hat entschieden den Typus einer von Mün-
steria abweichenden Gattung mit sichelförmigen, nach oben gekrümmten, an den Seiten convergierenden,
in Schuppen erinnernden Scheingliedern und dürfte als echte Keckia gelten; ein Taenidium ist dieses
Ibject nicht und noch weniger ein Volubilites. Die (bei Glocker) rechtsstehende Fig. 2 dagegen stellt
in mehrästiges Exemplar dar, welches größtentheils mit einer Sinterkruste überzogen zu sein scheint,
Yodurch die eigentliche Structur verdeckt ist, aber man hat doch an den so verkleideten Stellen den
Eindruck einer Taenidiengliederung; wo hingegen die Kruste fehlt, kommt die schuppenartige Zeichnung
wie an der dortigen Fig. 1 zum Vorschein, und das entscheidet mehr als die nachahmende Form der
Sinterkruste, weshalb ich dort weder ein Taenidium noch einen Volubilites erkennen kann. Die Autopsie
des Originalstückes wurde mir leider bisher nicht ermöglicht, weil Glockers Sammlung, die ursprünglich
n Breslau warjand dann an die Universität Tübingen überlassen wurde, nach. gefälliger Mittheilung des
Herrn Prof. Dr. Koken, sammt der ganzen paläontologischen Sammlung bis vor kurzem im vernach-
lässigten Zustande war und nun erst gesichtet und geordnet werden soll. Dieses Object kann ich also
nicht ohneweiters beiziehen.
Aus Heers Flora fossilis Helvetiae glaube ich einige von ihm zu Taenidium gerechnete Arten hier
ausscheiden zu sollen.
Aus der Juraformation gehört zu diesen höchst zweifelhaften Formen T. serpentinum Hr., das ich —
" enigstens nach Heers Abbildung (Taf. XLV, Fig. 9, 10) — nicht zu Volubilites ziehen kann, aber auch
sehr unähnlich seinen eigenen anderen Taenidien, und insbesondere den Originalstücken seiner anderen
Abbildungen finde.
Gleichfalls aus dem Jura stammt das von Heer in Taf. L, Fig. 4 abgebildete Fundstück, an dem
jier verschiedene nicht zusammengehörige Merothallome erscheinen. Das am weitesten links liegende
echne ich unbedenklich zu Volubilites, das zunächst davon rechts befindliche quergeringelte würde eine
nä ere Untersuchung des Originales erfordern, wobei sich herausstellen dürfte, dass dasselbe mehr dem
Typus Fig. 11 oder 12 unserer Taf. II, als der Zeichnung Heers entspricht und in diesem Falle zu Volu-
bilites gezogen werden, sonst aber ein Taenidium im Sinne Heers sein könnte. Die beiden anderen
Merothallome gehören sicherlich weder zu Volubilites noch zu Taenidium, eher zu Münsteria oder zu
Cylindrites. In der Zeichnung sind Schattierung und Streifung nicht von einander zu unterscheiden.
Aus dem Schweizer Flysch, der zum Eocän gerechnet wird, lässt sich das von Heer in Taf. LXVII,
Fig. 6 abgebildete Exemplar von 7. Fischeri Hr. nur dann zu Volubilites ziehen, wenn man annimmt, dass
zwar der seitlich links skizzierte Schnitt mit elliptischen Contouren der Glieder mit der Natur überein-
stimmt, das rechts davon stehende Merothallom hingegen, nach der Zeichnung mit plastisch hervor-
stehenden Ringen versehen, stark idealisiert und die Annahme einer umgefallenen Scheidewand — die
wahrscheinlich nichts anderes ist als ein Scheinglied nach dem in meiner Taf. II, Fig. 13 dargestellten
Typus — unhaltbar sei. Im anderen Falle könnte dieses Object sich bei näherer Untersuchung in natura
vielleicht als ein Heer’sches Taenidium erweisen.
Weiter glaube ich ausschließen zu sollen das Taenidium alysioides Hos. et v. d. Mark'. Unter
| diesem Namen wird 1. c. ein Fossil aus dem Plattenkalke der westfälischen Kreide beschrieben und abge-
: ildet, von dem die Autoren selbst sagen: »Nicht ohne Bedenken haben wir dieses Petrefakt der Heer’-
schen Gattung Taenidium zugerechnet, da das einzige bisher gefundene Exemplar es unentschieden lässt,
ob hier eine röhrige Alge vorliegt; denn die Glieder erscheinen stellenweise fast getrennt und erinnern an
Formen wie zum Beispiel Alysium Holbingii Ag. und Scitosiphon filum var. lomentarium Ag«.
1 Die Flora der westfälischen Kreideformation. Von Prof. Hosius und Dr. v. d. Mark. Enthalten in Dunkels Paläontogra-
phica XXVI (1879— 1880), S. 131, Taf. 24, Fig. 5.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. A 72
564 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
In der That zeigt die Abbildung keine Quergliederung, sondern aneinandergereihte hoch-elliptische
Abschnitte, die einander so wenig berühren, dass man den Eindruck erhält, als ob &in Schlauch durch °
sehr starke Einschnürungen (nicht Scheidewände) abgetheilt wäre. Das erinnert nun zwar nicht gerade an
Alysium (Galaxaura Lmx.) aber sehr an die erwähnte Art von Scitosiphon, und ich möchte diesen Typus
vorläufig weder als ein Taenidium Heer, noch als ein Volubilites m. anerkennen. j
Wenn ich nun zu den einzelnen Formen übergehe, die in mein Genus Volubilites einzureihen wären, j
will ich im vorhinein betonen, dass ich den schon bekannten Taenidienarten keine neuen hinzuzufügen
habe und keinen Grund finde, neue Unterscheidungen unter ihnen zu machen, daher auch nicht berech-
tigt wäre, die Speciesbenennungen zu ändern. Ich führe also die bisherigen Bezeichnungen fort für jene
Taenidien, die ich zu dem von mir begrenzten Genus Volubilites rechne.
Über einige der schon bekannten, aber seltenen und erst nur einmal oder in sehr wenigen Exem-
plaren vorhandenen Arten will ich jedoch noch eine nähere Begründung meiner Subsumtion voraus-
schicken, weil dieselben von den in Taf II vorwiegend berücksichtigten Flyschtaenidien im Habitus
einigermaßen abweichen.
Als Taenidium praecarbonicum benennt Gümbel in seiner geognostischen Beschreibung des
Fichtelgebirges (3. der geogr. Beschr. des Königreiches Bayern, Gotha, 1879) nach nur ganz kurzer
Beschreibung und ohne Beigabe einer Abbildung ein Petrefakt, welches in den Culmschichten gefunden
wurde.
Er zieht dasselbe zu Taenidium Hr. mit der Motivierung, dass es »mit Ausnahme weiter ausein-
ander stehender und kleinerer Glieder mit 7. Fischeri Hr. (= Münsteria annulata Schafh.) große Ähn-
lichkeit besitzt«. |
Ich war also darauf angewiesen, wo möglich das Originalexemplar Gümbels einzusehen, was mir |
durch die Güte des Herrn königl. Oberbergamts-Assessors Dr. L. v. Ammon gelang. Dieses Stück zeigt |
ein quergegliedertes, zweimal hin und her gebogenes Längsgebilde, das sich als ein schwacher, graphit-
artig glänzender und glatterer Eindruck von dem feinsandig-glimmerigen, dunkelgrauen und rostfärbigen |
Schiefer abhebt. Die Glieder, deren Höhe 33mm und 5 mm bei einer Querlänge von 3—6 mm beträgt,
liegen theils schief, theils rechtwinklig gegen die Längsaxe des Ganzen; einige sind so platt, dass sie |
nur durch ihren Glanz markiert sind; die schmalen Trennungsstreifen zwischen den Gliedern zeigen die-
selbe Farbe und sonstige Beschaffenheit wie das Nebengestein. Ich finde die ganze Erscheinung hin-
reichend übereinstimmend mit den wesentlichen Merkmalen von Volubilites m., um es dieser Gattung
einzureihen.
Dagegen scheint mir ein gleichfalls unter dem Namen T. praecarbonicnum Gümb. in der geologi-
schen Sammlung des k. k. Hofmuseums in Wien aufbewahrtes Stück mehr zweifelhaft. Der Benennung
ist beigefügt: »mit ansitzenden Lappen von Phyllodocites Jacksoni«. Wenn man von den weitaus über-
wiegenden, beiderseits wolkenartig anhängenden, sogenannten Lappen der vermutheten fossilen Annelide
absieht, bleibt als angebliches Taenidium nur eine Kette kleiner, länglich elliptischer, dachziegelförmig
übergreifender Schuppen übrig, die eine entfernte Ähnlichkeit mit den Elytren der Annelidengattung
Polyno& besitzen, welche jedoch in zwei parallelen Reihen angeordnet sind. s
Mir steht es hier nur zu, anzudeuten, dass mir die Bestimmung dieses Objectes noch eine offene
Frage zu sein scheint. i
Als Taenidium carboniferum schildert und zeichnet Frederico Sacco in seiner »Paleoicnologia itali-
anal« ein Object aus dem Friaul’schen Carbon, das, ihm Anlass zu sehr instructiven Bemerkungen gab.
Sein Exemplar — nach der Zeichnung zu schließen, ein ausgesprochenes Relief — ist zwar im Vergleiche
mit den bis dahin bekannten Taenidien sehr groß und dick aber entschieden, und zwar zum Theile
schief, quergegliedert mit ausgesprochenen Kerben oder Furchen zwischen den Gliedern; diese sind
1 Enthalten in den »Atti della societä italiana di scienze naturali«, Vol. XXXI (1888), pag. 162 und Tav. II, Fig. 1.
Taenidium und Gyrophyilites. 5865
“ wulstig, 7”—9 mm hoch bei einer Querlänge von 12—14 mm!; die ursprüngliche Gesammtlänge kann
5 nicht angegeben werden, da das vorhandene, 11'3cm lange Stück an beiden Enden abgebrochen ist.
= Sacco hat nun dasselbe auch daraufhin untersucht, wie die Structur und die Zusammenfügung der
r Glieder zu einem Ganzen sich verhält, und gefunden, dass die Trennungsfurchen mit einem Material aus-
h gefüllt waren, nach dessen Wegnahme sich zeigte, dass meist je zwei Wülste an ihren Rändern überein-
_ andergreifen, was er als mögliche Wirkung des Druckes bezeichnet.
Ich finde in diesem Untersuchungsergebnisse Saccos eine wesentliche Bestätigung meiner Auf-
zwischen dessen Windungen oder Umgängen sich Sediment eingelagert hat, worauf später das Ganze
"allmählich niedergedrückt und hiebei das erwähnte Übereinandergreifen in ähnlicher Weise wie ich es in
meiner Taf. II, Fig. 5 und 6 dargestellt und erklärt habe, bewirkt wurde. Ich kann nicht zweifeln, dass
- dieses Object zu Volubilites m. gehört.
x
e- wonach auch in diesem Falle ein schraubenförmig gewundener Schlauch vorhanden war,
ö
F
fi
In einer 4881 in Zürich erschienenen Abhandlung von Heer: »Contributions ä la flore fossile du
& Portugal« ist auf Taf. XX eine neue Art: » Taenidium lusitanicum Hr.« aus der Kreideformation, Fundort
Almargem, abgebildet, die ich zu Volubilites rechne, obgleich die Gestalt ihrer Scheinglieder einigermaßen
abweichend ist.
R Dieses Exemplar ist ungewöhnlich groß, im ganzen 22 cm lang und setzt sich aus einem wulstigen
-Stamme, der ganz den Charakter der recenten Volubilaria-Stämme zeigt, derart nach oben fort, dass
in 9—10 Etagen zusammen 15 unverzweigte Äste erscheinen — nach demselben Stellungsgesetze wie
bei Volubilaria, nur mit etwas längeren Interstitien.
Die Äste liegen nach rechts und links flach auf der Gesteinsplatte wie bei einem Trockenpräparate
im Herbarium, und es ist nicht ersichtlich, ob auch in anderen Richtungen gegen die Ebene der Platte
mehrere Äste vorhanden waren.
Die Scheinglieder zeigen nicht die ausgesprochene Quergestalt wie die Flyschtaenidien, sondern
- nähern sich, da sie meist mehr in die Höhe gezogen sind?, denen vom jurassischen Taenidium Gillieroni
Hr., unterscheiden sich aber von diesen durch ihren vorwiegend trapezoiden Umriss mit mehr oder
_ weniger abgestumpften Ecken.
d Das hat aber bezüglich der Analogie mit Volubilaria und der Zugehörigkeit zu Volubilites nichts
Ä anderes zu bedeuten, als dass die erzeugende Alge, wie es auch für die zwei letzterwähnten und für
_T. Gillieroni gilt, aus einem verhältnismäßig dickeren und in kürzeren Windungen aufsteigenden
Schlauche bestand, daher die daraus hervorgegangenen Scheinglieder, welche bei Flyschtaenidien in
derselben Lage einen quer liegenden Umriss zeigen, eine mehr hoch gezogene Contour erhalten mussten.
>
Ich finde also keinen Grund, diese Form nicht zu Volubilites m. zu ziehen, innerhalb welcher Gattung sie
als eine besondere Art anerkannt bleiben dürfte.
Im Muntigler Flysch wurden mehrere Exemplare von Taenidien, und zwar als vertiefte Eindrücke
gefunden, die sich durch ungewöhnliche Breite und Dicke — die letzteren aus der Tiefe der Einsenkungen
erkennbar — von den sonst vorkommenden unterscheiden. Die Breite, allerdings nach Gliedern wechselnd,
beträgt bis zu 9 mm und 10:5 mm, die tiefste Einsenkung, ca. 2 mm, so dass, da der Eindruck etwa die
Hälfte der Dicke bedeutet, die fossilisierte Wulst ca. 4 mm dick gewesen sein muss. Der Habitus ist in
unserer Taf. II, Fig. 11 dargestellt. Fugger und Kastner haben diese Form vorläufig als Taenidium
grande bezeichnet. Ähnliche Verhältnisse zeigt an mehreren Ästen das oft erwähnte Exemplar Schaf-
häutls, von ihm in Taf. VIII, Fig. 9 dargestellt und von mir in der Figur 12 der Taf. II deutlicher als
Eindruck gezeichnet; ich habe an demselben die größte Tiefe der Eindrücke mit 2 mm gemessen, was
einer Maximaldicke der Umgänge bis zu 4 mmyentsprechen würde.
u ne Dee Te ee Se ee, ee ei
1 Sacco sagt: »articuli .... 8—9 mm longitudine, 4—7 mm latitudine, wobei longitudo unserer Querlänge, latitudo
unserer Höhe entspricht. Ich habe die Maße an der Abbildung genommen, die wahrscheinlich vergrößert ist.
| 2 Vergl. die Dimensionen S, 546,
72*
566 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnau sen.
Da diese Form nur in den absoluten Dimensionen von jenen der gewöhnlichen Exemplare des
T. Fischeri abweicht, die relativen Dimensionen aber, sowie die übrigen Merkmale nichts Eigenthüm- °
liches zeigen, glaube ich, diesen Typus nur als eine Varietät von Taenidium Fischeri auffassen und als
solche zu meinem Genus: » Volubilites« ziehen zu sollen.
Ich führe nun namentlich jene mir aus der Literatur und zum Theile aus eigener Anschauung
bekannten Arten an, die nach meiner Ansicht zur Gattung Volubilites gehören.
Taenidium praecarbonicum Gümb. (nach dessen ] e R.- j n
\ = Volubilites praecarbonicus Gümb. — Carbon.
Originalexemplar)
Taenidium carboniferum Sacco = Volubilites carbonifer Sacco. — Carbon.
Keckia antigua Hr. = Volnbilites antigquus Hr. — Lias.
Taenidium vadiatum Schröt. (nach dessen ci-
H = Volubilites radiatus Schröt. — Lias?
tierter Abhandlung sammt Figuren) Se a;
Taenidium Gillieroni Hr. (nach dessen Original- | R KM I ’
ER (= Volubilites Gillieroni Hr. — Jura.
exemplar, nicht nach Heers Zeichnung)
Taenidium convolutum Hr. (nur die zweiin Heers) 5 en
| ; : (= Volubilites convolutus Hr. — Jura.
Taf. L, Fig. 2 links stehenden Frondes)
T. lusitanicum Hr. = Volubilites lusitanicus Hr. — Kreide.
Taenidium Fischeri Hr. nur zum Theile, und ! 2 Tu ; Me:
ER \ = Volubilites Fischeri Hr. — Flysch.
a) das von Schafhäutl noch vor Heer als Münsteria annulata bezeichnete Fossil;
b) aus Fisch.-Oost. Taf. VII, Fig. 4! und Taf. XII, Fig. 8, dort als Münsteria annulata Schafh.
bezeichnet;
c) aus Heers.Flor. foss. Helv., Taf. LXVII, die Fig. 1, 3, 4, 5, 7 bestimmt, die anderen zweifelhaft;
d) aus Squinabol (Boll. de societä geol. Italiana, Vol. VI), Tav. XVII, Fig. 3, dort als Münsteria
annnlata bezeichnet;
e) aus Schröter, l. c. Fig. 3, das dort als 7. Fischeri bezeichnete Exemplar.
Taenidium helveticum Schimp. = Volubilites helveticnus Schimp. — Flysch.
Taenidium Isseli Squin. (Bollettino etc. ut supra, l Volubilites Isseli Saui Tertiä
Da SU Die As) = olubilites Isseli Squin. — Tertiär.
Über die hier angeführten Arten und ihre Beziehung zur recenten Gattung Volubilaria können nun
zusammenfassend folgende Sätze ausgesprochen werden:
1. Die Fossiliengruppe Volubilites umfasst mehrere, bestimmt verschiedene Formen, die sich in
morphologischer Beziehung zu jener wie Arten zum Genus verhalten, während die einzig verwandte,
jetzt lebende Volubilaria nur in einer einzigen Art — V. mediterranea Lmx. — jene morphologischen
Eigenthümlichkeiten besitzt, die zur Deutung berechtigen.
2. Ob die Arten von Volubilites untereinander phylogenetisch zusammenhängen, lässt sich
gegenwärtig nicht entscheiden, es steht aber fest, dass der in der Algenwelt einzig dastehende Typus
spiralig gewundener Schläuche, welcher nur dem fossilen Volubilites und der recenten Volubilaria
mediterranea gemeinsam eigenthümlich ist, von der Carbonformation bis zur Jetztzeit reicht.
1 Zweifelhaft, vergl. oben S. 534.
EEE
Taenidium und Gyrophpllites. 567
3. Ob die recente Volubilaria von Volubilites abstammt, eventuell von welcher Art der letzteren,
ist aus dem bisherigen Materiale nicht bestimmt zu entscheiden; jedenfalls aber kann constatiert werden,
dass unsere Volubilaria den Volubilites-Formen aus Tertiär und Flysch näher steht als den aus der
j Kreide, dem Jura und dem Carbon bekannten, was der Anblick aller guter Abbildungen zeigt und sich
auch aus den oben angeführten Dimensionsverhältnissen ergibt.
|
Anhang.
Ich willnun zum Schluss noch kurz andeuten, wie ich mir das Verhältnis von Volubilites zu den
_ anderen Münsterioiden (Münsteria Stbg. und Keckia Glock.) vorstelle.
Wenn man das von den verschiedenen Autoren dargebotene Material an Abbildungen überschaut
so findet man folgende Haupttypen.
Sternberg zeichnet keine einzige nach einem bestimmten Gesetze quergegliederte Form,
sondern nur solche, an denen unregelmäßig und oft unterbrochen quere Striche zu sehen sind, die wohl
zum Theile auch nur der Schattierung wegen vom Zeichner angebracht und nicht als Sculpturen an den
Originalen zu betrachten sind. Später erscheinen seit Glocker Münsterioiden, die auffallend regel-
mäßig angeordnete, dicht aufeinander folgende, nach oben stark gekrümmte und nach beiden Seiten
hin entschieden convergierende Streifen (Falten oder Kerben) besitzen, wie sie insbesondere bei
M. Hoessii, M. cretacea, M. nummulitica, Keckia annulata Gl. hervortreten; endlich werden Formen
unterschieden, an denen eine durchgehende Quergliederung mit mehr geradlinigen oder schwächer und
ungleich gekrümmten Gliedergrenzen, sei es rechtwinklig oder schief gegen die Längsaxe der Frons
gerichtet, unverkennbar sind — was beim größeren Theile der Taenidien Heers der Fall ist.
Die gemischte Gesellschaft von Sternbergs Münsterioiden halte ich mit Schimper und Schenk
für nicht bestandsfähig und großentheils zu Schenks Sammelgruppe der Cylindriten gehörend, deren
Deutung vorläufig gar nicht möglich ist und in manchen Fällen zu Thierspuren führen dürfte.
Die Formen mit regelmäßig angeordneten, parabolisch nach oben gekrümmten Querstreifen nach
dem Typus der M. cretacca (Heer Taf. LVII, Fig. 6), M. nummulitica und M. Hoessii (wie sie Heer
Taf. LXIX, Fig. 4 zeichnet), bilden eine natürlich begrenzte Gruppe, die auch Schenk, abgesehen von
ihrer Deutung, als Keckia aufrecht erhält, was auch mir als das zutreffendste erscheint.
Bezüglich ihrer Deutung habe ich durch den Anblick der Originalstücke von M. cretacca und nummu-
litica den Eindruck erhalten, dass sie kaum direct auf eine bestimmte Pflanzengruppe zurückzuführen
sein dürften, sondern entweder auf die Ausfüllung präformierter, oft kegelförmig endigender Löcher mit
einem Sedimente, das eine schalenförmige Textur annahm, woraus in Längsschnitten die erwähnten para-
bolischen Absonderungslinien hervorgehen mussten, oder auch auf ähnliche Bildungen wie die Rücken-
schulpe der Sepien mit ihrer parabolisch schuppigen Textur.
Zu diesen Vermuthungen, die ich ausdrücklich nur als solche bezeichne, führt mich unter anderem
auch die Wahrnehmung, dass die erwähnten typischen Objecte keine Abwechslung von kohlig angedun-
kelten und helleren reinen Sedimentschichten zeigen, und dass, wenngleich dunklere und hellere Schichten
miteinander abwechseln, doch dieser Unterschied nicht auf regelmäßig unterbrochener Schwärzung,
sondern auf einen Wechsel zweier (anderer) Farben (zum Beispiel gelblichweiß und grünlichweiß)
beruhen, endlich dass beiderlei Bänder in derselben Weise mit verdünnter Salzsäure brausen.
Hiemit will ich übrigens nur eine Andeutung gegeben haben, die weiter zu verfolgen wäre, während
ich mich meinerseits hier unter näherer Begründung nur auf die Deutung der Taenidien beschränken
wollte.
568 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
Zur Deutung des Genus Gyrophyllites Glock.
Vorgeschichte.
Das Genus Gyrophyllites ist vor nahezu sechzig Jahren von Glocker! auf Grund eines fossilen
Abdruckes aus den von ihm zum Jura gerechneten Schichten von Kwassitz und Kurowetz in
Mähren gleichzeitig mit dem Genus Keckia aufgestellt worden. Das von ihm beschriebene und I. c.
abgebildete Exemplar dürfte unter allen seither gefundenen und
Fig. 1. gezeichneten das vollkommenst ausgeprägte sein, vorausgesetzt,
dass die Abbildung getreu und frei von Reconstructionsversuchen
sei. Das Original konnte ich ebensowenig wie das von Keckia er-
langen (vgl. S. 563). Da auf diese Figur bei meinem Deutungs-Ver-
gegriffen werden muss, führe ich sie in getreuer Copie hier vor
(Fig. 1). Diese Zeichnung repräsentiert zugleich die Charakteristik
des Genus, die seit Glocker ziemlich übereinstimmend auch bei
den späteren Autoren lautet: Auf einem dünnen ungegliederten
Stiele sitzt ein mehrblättriger Wirtel von blumenähnlichem Aus-
sehen, den man kurz als Perigonoid bezeichnen kann. Das von
Glocker gezeichnete Exemplar — G. Kwassizensis Gl. — zeigt
einen zehnblätterigen Wirtel, und es ist daran — was erst später
von Heer in die Charakteristik des Genus aufgenommen wurde
— zu erkennen, dass die Strahlen des Wirtels nicht unmittelbar
aus einem Stiele hervorgehen, sondern sich an eine centrale Scheibe
anschließen, die nach Glockers Zeichnung in ihrer Mitte eine nabel-
artige Vertiefung gehabt zu haben scheint. Die Entscheidung über
den letzten Punkt ist nicht möglich, wenn man nicht weiß, ob
Reproduction aus Glockers Abhandlung,
in der auf Grund des hier gezeichneten Glockers Figur ein Positiv oder ein Negativ darstellt; im ersten
Exemplares das Genus Gyrophyllites auf- Falle würde die Vertiefung am Fossil auch eine solche am ur-
gestellt de. » R B ; i i ä
nn sprünglichen Object bedeuten; im zweiten Falle hingegen hätte der
erzeugende Körper an derselben Stelle einen Zapfen gehabt. Über diese Vorfrage spricht sich Glocker
nicht aus. Dass das etwas gekrümmte stengelartige Gebilde, welches nach dieser Abbildung vom
Wirtel absteht, zu diesem gehört, ist wohl höchst wahrscheinlich; zweifelhaft aber, ob es an der vom
Beschauer abgekehrten Seite inseriert, oder ursprünglich an der erwähnten centralen Stelle der Scheibe
angefügt war und nur als abgelöst oder abgebrochen neben dem Perigonoid so zu liegen kam, wie
es jetzt erscheint.
Während die späteren Autoren den erwähnten Genuscharakter entweder stillschweigend acceptiert
oder nur mit anderen Worten im gleichen Sinne wiedergegeben haben, hat nur Th. Fuchs? ein neues
Merkmal nach Funden von Bergheim bei Salzburg (Flysch) hinzugefügt, nämlich: dass auch
mehrere analoge, zur selben Axe gehörende Wirtel oder Rosetten untereinander stehen »gleichsam
wie aufeinander gestellte Tassen.«
Das Genus ist seit Glocker mit zahlreichen Arten bereichert worden, insbesondere von Heer.
1 Über den Jurakalk von Kurowetz. Breslau 1841. Aus Nov. acta Leepoldin. Carolin. XIX. Suppl. 2, mit Taf. IV, Fig. 1, 2.
2 Studien über Fucoiden und Hieroglyphen. Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien.
LXI. Band. 1895.
3 Flora fossilis Helvetiae.
suche unter Vergleichung mit anderen verwandten Funden zurück-
EEE
Taenidium und Gyrophyllites. 569
Er führt aus Jura, Kreide und Flysch der Schweiz (Eocän) nicht weniger als acht Arten und
deren Abbildungen (Taf. XLV, LVIII und LXIX) vor und unterscheidet sie in erster Linie nach der
Anzahl der Wirtelstrahlen, dann nach der Gestalt derselben, insbesondere nach ihren basalen und
: apicalen Enden. Man kann nirgends eine reichlichere Menge von Gyrophylliten-Formen zur Gewinnung
“ einer Übersicht beisammen finden als in Heers bezeichneten Tafeln.
f Squinabol! hat zwei neue Arten (G. Zignoi und G. Vestanensis) hinzugefügt, Saporta? eine der
Ä Heer’schen Arten (C. multiradiatus) nach einem anderen Exemplare mit besonders deutlicher Mittel-
scheibe abgebildet; drei neue Formen glaube ich nach Funden aus dem Flysch von Bergheim feststellen
zu können, was weiter unten folgen wird.
Mit der comparativen Einreihung der Gyrophylliten in das System aller Algen überhaupt haben
sich nur wenige Autoren beschäftiget, weil diese Frage mit der Deutung zusammenhängt, die ihnen
jedoch große Schwierigkeiten zu bieten schien. So sagt noch Schenk in Zittels Handbuch der
Paläontologig, (Band II, Paläophytologie): »Es existiert in der jetzigen Algenflora keine mit dieser (Gyro-
phyllites) vergleichbare Form«; und Fuchs (l. c.) nennt unser Genus »das dunkelste und räthsel-
Ich muss nun bei der von mir unternommenen Deutung der Gyrophylliten zunächst an den
Wink Heers anknüpfen, der die Formverwandtschaft mit der Algengattung Acetabularia bemerkt, und
diesen seinen ersten Eindruck nur deshalb nicht weiter verfolgt hat, weil er an den Gyrophylliten
die den Acetabularieen zugeschriebene Verkalkung der Thallome und die radiale Streifung der peri-
gonartigen endständigen Scheibe vermisste. Über diese Punkte, sowie über die Morphonomie und
Anatomie der Acetabularien überhaupt besitzen wir nun die classische zusammenfassende Abhandlung
von Graf Solms-Laubach,? aus der hervorgeht, dass die Verkalkung und die radiale Streifung
2
keineswegs zu den allgemein charakteristischen Merkmalen der ganzen Familie gehört, worauf wir
weiter unten noch zurückkommen. Da nun das einschlägige Bedenken Heers wegfällt, während mir
alle anderen Merkmale für die erwähnte Subsumtion zu sprechen schienen, verfolgte ich diese Spur,
> ausgehend von der Thatsache, dass in der ganzen Classe der Algen bloß die zu den Acetabularieae
Solms gehörenden Typen eine flach ausgebreitete, einem Perigon ähnliche Scheibe oder Rosette
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hafteste Gebiet im Reiche der problematischen Versteinerungen.«
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au einem Stiele besitzen, wie es seit Glockers erster Beschreibung und Abbildung von allen
nachfolgenden Autoren den Gyrophylliten zugeschrieben wird. Um die Berechtigung dieser Subsumtion
1
’
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- Zur Morphologie der mit Gyrophyllites am meisten formverwandten Algengruppe
nachzuweisen, muss ich mich hauptsächlich auf die erwähnte Abhandlung von Graf Solms-Laubach
beziehen.
\ »Acetabularieae«.
(4
” Wenn man sich auf jene Merkmale beschränkt, die auch noch an den fossilen Abdrücken zu
“ erkennen sind, daher von den dünnen Härchen, vom mikrotomischen Bau des Inneren und von der
" Beschaffenheit der Sporen absieht, lässt sich, in Übereinstimmung mit Solms, folgende Charakteristik
j der von ihm zusammenfassend als » Acefabularieae« bezeichneten systematischen Einheit geben.
'F Auf oder an einem aus der Anheftungsstelle nach oben gerichteten hohlen, aber ziemlich steifen
Stiele sitzt eine Anzahl länglicher sporenhältiger Schläuche in radialer Anordnung, so dass sie entweder
_ einen einzigen endständigen oder mehrere über einander stehende Quirle bilden. Nach der Anzahl,
- Vertheilung und gegenseitigen Abgrenzung dieser Schläuche werden mehrere Haupttypen unterschieden.
nenn
Ä 1 Alghe e Pseudoalghe fossili italiane. Genova 1890. Taf. X, Fig. 1 und Taf. XI, Fig. 2.
2 A propos des algues fossiles. Paris 1882. Taf. VIII, Fig. 5. Text pag. 52.
3 Monograph ofthe Acetabularieae. By Hermann Graf Solms-Laubach (Transactions of the Linnean Society of London,
Ser. Botany. Vol. V. Part: I. June 1895.)
570 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
Hiebei stützt sich Solms mit Recht zum Theile auch auf Merkmale, die selbst an lebenden Exem-
plaren nur mit der Loupe erkennbar sind (Härchen, Knötchen, schmale Ringe, Sporen), an Fossilresten
jedoch nicht erhalten bleiben oder nicht hinreichend deutlich wahrzunehmen sind. Da es sich nun
hier um die Beziehungen zwischen fossilen und lebenden Formen handelt, müssen als Vergleichspunkte
nur solche Merkmale gewählt werden, die an beiderlei Objecten wahrnehmbar sind; und das kann
geschehen, ohne mit der Auffassung von Solms in Widerspruch zu gerathen, wenn man sich
zunächst bezüglich des Habitus an jene allseits anerkannten Merkmale und Unterscheidungsgründe
hält, welche schon von Lamouroux hervorgehoben wurden, bezüglich der morphogenetischen und
mikrotomischen Auffassung aber die Abhandlung von Solms zu Rathe zieht.
Eine erste Gruppe, die der Scheibenformen, bilden die von Lamouroux unter dem Gattungs-
namen Acetabularia zusammengefassten Arten, die Solms in zwei Sectionen (Acetabulum und Aceta-
buloides) theilt. Für uns genügt die eben erwähnte ältere Zusammenfassung nach folgenden äußeren
Merkmalen: Die Schläuche liegen radial um ein centrales rundes Schildchen und sind so zahlreich
und so dicht aneinander gedrängt, dass sie eine radial gestreift erscheinende Scheibe darstellen, deren
Rand entweder glatt abgeschnitten oder nur ganz seicht gekerbt oder gezähnelt ist. Die Aneinander-
fügung der Schläuche zu einer Scheibe, wobei die ersteren als »Kammern« der letzteren erscheinen,
besteht entweder in einer bloßen engen Annäherung der ersteren ohne ein Bindemittel, so dass man
sie als freie Strahlen bezeichnen kann, oder sie sind durch eine kalkige Incrustation gleichsam
in verschiedener Ausdehnung statt, indem sie bei einigen Arten sehr leicht, bei anderen schwer löslich
ist, und entweder nach der ganzen Länge der Schläuche (Strahlen) oder nur näher an der Mitte der
Scheibe stattfindet, weiter gegen die Peripherie hin aber wegfällt. Diese Verschiedenheiten nebst der Anzahl
und Mehrgestaltigkeit der Strahlen dienen hauptsächlich zur Unterscheidung der Arten dieser Gruppe.
Unter diesen soll hier zunächst nur als Prototyp die am längsten bekannte A. mediterranea
(Fig. 2) unter Berücksichtigung der von Solms klargestellten makrotomischen Verhältnisse kurz ge-
schildert werden. Sie besitzt in größter Deutlichkeit eine eigenthümlich complicierte innere Architektur,
die sich zum Theil auch äußerlich ausdrückt und wovon für unseren Zweck folgende Details
hervorgehoben werden sollen. Die zur Scheibe vereinigten Schläuche! (sehr zahlreich, oft gegen 100)
stoßen mit ihren centralen Enden nicht unmittelbar an den Stiel, sondern es sind zwischen diesen
und den Schläuchen oder Kammern eben so viele kurze Vorkammern (vestibula) eingeschoben, die
also einen inneren Hof oder Kranz um den Stiel herum bilden. Dieser ist an der Oberseite mit einem
glatten flachen, kreisrunden Plättchen oder Schildchen (Central-Area nach Solms) bedeckt, welches
mit einem schmalen, nach oben convexen Ringe eingesäumt ist (Corona superior nach Solms).
Demnach zeigt die Oberseite der ganzen Scheibe von außen sichtbar: in der Mitte, gerade ober-
halb der Spitze des Stieles, die Central-Area, um diese herum die Corona superior und um diese den
verhältnismäßig breiten, nach der Richtung der Schläuche oder Kammern radial gestreiften Kranz, der
den größten Theil der ganzen Scheibenfläche bildet.
An der Unterseite dieser letzteren ist die Insertionsstelle des Stieles von einem deutlich aus-
gebildeten Ringe (Corona inferior), welcher der Corona superior entspricht, und innerhalb desselben
von einem zweiten, weniger deutlichen Ringe umgeben, der zum Insertionspunkte abdacht und makros-
kopisch oft nicht vom vorigen getrennt erscheint.
1 Vergrößert nach Exemplaren aus dem kaiserlichen Hofmuseum.
2 Über die Entwicklungsgeschichte der gekammerten Scheiben sind die Studien noch nicht abgeschlossen; doch weiß man
bereits, dass nicht zuerst getrennte Schläuche entstehen, die später verwachsen, sondern dass in der Gruppe der Scheiben-
formen zuerst eine Scheibe erscheint, innerhalb deren die Kammernbildung auftritt. (Solms pag. 5). Vom morphologischen
Standpunkte, der für uns maßgebend ist, und insbesondere für die Vergleichung und einheitliche Auffassung aller Angehörigen der
Familie » Acetabularieae« empfiehlt es sich, festzuhalten, dass viele oder sämmtliche Strahlen aller Formen functionell zuletzt
sporenhältige Schläuche werden.
verkittet (nicht organisch verwachsen). Diese Verkalkung findet jedoch in verschiedenem Grade und
5
Taenidium und Gyrophylltes ol]
Von alledem ist für uns von Bedeutung nur: dass oben eine glatte, schildförmige Central-Area,
die nach ihrer Structur von dem radial gestreiften Außenkranze der ganzen Scheibe verschieden ist, und
an der Unterseite ein deutlich gewulsteter Ring um die nabelartig vertiefte Insertionsstelle des Stieles
zu unterscheiden ist. Als ein secundäres Merkmal ist noch zu erwähnen, dass bisweilen die Scheibe
vom Stiele durchwachsen wird, der dann eine zweite obere Scheibe hat. Noch seltener sind Exemplare
mit segabeltem Stiel, dessen Zweige je eine Scheibe tragen. Die übrigen Arten in der Gruppe der
Photographie von Monothallomen der Acelabularia mediterranea. (Aus dem Exsiccaten-Herbar des k. k. Hofmuseums.
Scheibentypen besitzen im wesentlichen dieselbe Structur, nur mit den schon oben angedeuteten
Modificationen. Hiebei ist zu bemerken, dass die Anzahl der Schläuche oder Kammern desto kleiner ist,
je weniger fest und vollkommen ihre seitliche Verbindung untereinander, und je mehr sie sich der fol-
genden Gruppe nähern!. Die oben skizzierte, so wie alle anderen Gruppen von Acetabularieen wachsen
nur als Monothallome; wenngleich sehr oft zahlreiche Individuen, nahe aneinander gedrängt, ganze
1 Die ganz gesohlossene und fest verbundene Scheibe von A. medit. besitzt 60— 90 und noch mehr Strahlen; die leichter
trennbare Scheibe von A. major Mart und A. giges Solms hat deren 70—80, A. crenulata Lmx. 32—80, die oft ganz unverkalkt:
A. caraibica Kg. 34—40—60, die bisweilen nur undeutlich verwachsene Scheibe von A. Suhrii Solms 25—30, die ähnliel
construierte A. Calyculus Quoy et Gaim. 22—25 Strahlen, während die typische Form unserer zweiten, alsbald zu beschreibenden
Gruppe, A. Peniculus (nach Lamouroux Polyphysa Peniculus) nur S—-12 u. zw. ganz getrennte Schläuche zeigt
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 73
{
572 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
Stäbchen bilden, gehen sie doch nicht aus einem gemeinsamen Stock hervor, sondern jeder Stengel
wächst vom Fußpunkte an selbständig.
Eine zweite Gruppe — die der Sterntypen — besitzt nur frei im Kreise herum gereihte Schläuche
(Strahlen) ohne oder nur mit sehr leichter Incrustation. Das Prototyp dieser Gruppe ist das von
Lamouroux gebildete Genus Polyphysa, welches Solms innerhalb seines umfangreichen Genus
Acetabularia als Section Polyphysa. aufnimmt; insbesondere die Art Polyphysa (Acetabularia) Peniculus
(Rob: Br.) Ag. ist für uns von Wichtigkeit.
Die beistehende Figur 3 zeigt einige Thallome aus vielstengeligen, (je 25—30) Räs’'chen zweier
Standorte; die Originale sind im Herbarium des k. k. naturhistorischen Hofmuseums unter Acquisitions-
Nummer 1083 aufbewahrt.
Fig. 3.
Photographie mehrerer Monathallome von Polyphysa Peniculus. (Aus dem Exsiccaten-Herbarium des k. k. Hofmuseums.
Vergr. ca. 1:2.)
Die vier unteren Thallome stammen aus Port Phillip (Australien), die drei oberen aus King
Georgs Sound (Australien).
Die 7--8 Schläuche (Strahlen) der vier ersteren sind größtentheils mit Sporen gefüllt, daher
angeschwollen und prall, und die Oberfläche erscheint dem freien Auge wie mit Knötchen versehen oder
gekörnt. An mehreren Strahlen sieht man die Sporen aus dem Schlauche hervorgequollen, an anderen
sind sie durch die angetrocknete dünne Membran hindurch doch deutlich zu erkennen!.
1 An einem der vier unteren Exemplare zeigt sich, dem Stiel angefügt, ein Fragment eines zweiten Perigonoides, ziemlich weit
unterhalb des ersten. Ob dasselbe im Leben an derselben Stelle um den Stiel herumgewachsen war, oder ob es beim Präparieren und
Ankleben auf Papier zufällig dorthin kam, konnte ich nicht entscheiden, da ich nicht berechtigt war, das Präparat zu analysieren.
—
BE
Taenidium und Gyrophyllites. 973
Die Schläuche der drei oberen Thallome sind entleert, collabiert, runzlig oder krummfaltig, zum
Theil mit aufgebogenen Rändern der Häute, dadurch schälchenförmig, und diese scheinbaren Perigon-
blätter sind mehr rundlich gestaltet im Gegensatz zu den keulenförmigen des anderen Exemplares.
Die dritte Gruppe, die man als jene der »Ährentypen« bezeichnen kann, charakterisiert sich
‚dadurch, dass ihre freien Schläuche allzeit in zahlreichen, dicht unter einander stehenden gedrängten
"Wirteln, schief nach oben gerichtet, um den oberen Theil des Stieles gereiht sind, so dass sie eine
kurze Ähre oder ein längliches Köpfchen bilden, das im Umriss einigermaßen der Inflorescenz von
Sangnisorba gleicht. Sonder hat dafür das Genus Pleiophysa aufgestellt; Solms zieht sie zum Genus
Halicoryne Harv. innerhalb seiner großen Gruppe Acetabularieae.
| Mir war nur ein getrocknetes Exemplar von Pleiophysa spicata (Ktzg) Sond. im Herbarium des
k. k. botanischen Hofmusums zugänglich (Acquisitions-Nummer 1086), das sich in seinem flach ge-
drückten Zustande nicht zu einem klaren Photogramme eignete und als Unicum selbstverständlich
nicht aufgewei@ht und für eine Abbildung präpariert werden konnte; ich will daher zur Repräsentation
des Habitus nur auf Kützings Tab. Phyc. XVI. Taf. I, Fig. 2 verweisen, wo Pleiophysa spicata
abgebildet ist.
Wegen der möglichen Beziehungen zu Gyrophyllites sollen hier noch einige, wenngleich für die
Systematik der recenten Formen minder wichtige morphologische Unterschiede zwischen Polyphysa
und Pleiophysa dennoch erwähnt werden. Die Axe, um welche die Fig. 4.
Strahlen der Pleiophysa mit minimalen Interstitien von weniger als \
0:2 mm herum sitzen, ist verhältnismäßig dicker als bei Polyphysa,
‚wobei nur das Verhältnis zwischen dem Durchmesser des Stieles
(diesen—=1 gesetzt) und der Länge der Strahlen in Betracht kommt.
Dieses Verhältnis ist an dem mir vorliegenden Exemplare von
Pleiophysa eirca1:1'5, bis 1:2 gegen 1:7 bei Polyphysa. Die Ober-
fläche der wenigen aufgeblasenen, mehr schotenförmigen Schläuche
(Strahlen) von Pleiophysa ist »gefeldert« (»areolated« bei Solms),
1“ { AM € ea F k Zeichnung zweier Strahlen von Pleiophys«
worüber ich einiges Nähere anführen will. An dem erwähnten Her-
spicata (links mit, rechts ohne Sporen); ent-
bariums-Exemplare erscheint die Felderung so wie die beistehende nommen aus einem Exsiccaten-Exemplare
Fig. 4 a, b zeigt; die Ränder der Strahlen sind ein wenig aufge- imk. k. Hofmuseum. (Vergr. circa 1: 15.)
_ worfen, so dass jene wie schmale umrahmende Leisten aussehen, und 1—2 eben solche Leisten verlaufen
quer oder schief. Dadurch entstehen zwischen den queren Leisten 2—3 etwas vertiefte, flach-concave
Senkungsfelder, in denen je 1—2 kugelige Sporen liegen, die umhüllende Haut aufbauchen (Fig. 4a) und
die Leisten abdrängen, welche dabei bogig gekrümmt werden. Einen Strahl ohne Sporen stellt Fig. 45
dar. Die so modellierte Oberfläche erscheint dem bloßen Auge im ganzen wie runzelig. Graf Solms
erklärt diese Faconnierung der Oberfläche als eine dünne gefelderte Kalk-Incrustation; mir und den
Algologen des Hofmuseums erscheint sie eher als eine Faltung der Membran, die Leisten wären dann
originäre, nicht Schrumpfungsfalten, und der auch von uns constatierte dünne Kalküberzug hätte sich
nur der schon fagonnierten Haut gleichmäßig angeschmiegt. Wie immer sich dieses verhalten möge,
so ist doch jedenfalls die Felderung vorhanden, was allein für meinen Zweck von Bedeutung ist. Bei
Polyphysa fehlt dieses Merkmal; hier enthält jeder fertile Strahl sehr zahlreiche, dicht aneinander
gedrängte Sporen ohne bestimmte Anordnung, wenngleich bisweilen allerlei Musterung nachahmend,
und die leeren Strahlen zeigen nur ganz unregelmäßige Schrumpfungsfalten, was alles in Fig. 3 zu
ersehen ist.
Im Zusammenhange für alle drei hier skizzierten Gruppen der Acetabularieen überhaupt sind nur
zwei Eigenschaften noch zu erwähnen, die für die Deutung von Belang sind: die Substanz der
Häute und die Verkalkung oder Incrustation. Sämmtliche Acetabularieen bestehen aus pergament-
artisen, ziemlich festen, wenngleich oft nur ganz dünnen Häuten, die auch ohne Verkalkung eine
‚entschiedene Steifheit aller Theile begründen und geeignet sind, in weichem Material deutliche, scharf
73*
574 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnanu sen.
begrenzte Eindrücke zu hinterlassen. Da bei der Zusammendrückung der Stiele und Schläuche immer
zwei Hautschichten aufeinander zu liegen kommen, gibt diese Verdopplung wohl auch hinreichende
Substanz, um bei der Zersetzung eine wahrnehmbare kohlige Andunkelung zu hinterlassen.
Die Verkalkung! der Thallome ist keineswegs allgemein, und Graf Solms führt instructive
Belege dafür vor, dass die Calcification nicht als wesentlich zum Charakter der Familie gehörend
betrachtet werden kann. Schon bei A. mediterranea bemerkt er, dass die Verkalkung zwar an
seichteren Standorten warmer Gegenden sehr stark ist, in größeren Tiefen und schattigen Lagen aber
auch ganz fehlen kann. A. caraibica Kg. hat eine nur sehr schwach verkalkte Scheibe, ebenso
A. calyculus Ouoy. Gaim., deren Strahlen vom Rande her bis nahe an das Centrum getrennt sind. Zur
Charakterisierung von Polyphysa Peniculus sagt Solms, dass die Schläuche gänzlich unverkalkt "
oder nur mit einer ganz dünnen Incrustationsschichte bedekt sind. Die Strahlen von Pleiophysa endlich |
sind nur mit einem dünnen Häutchen von Kalksubstanz überzogen.
In verschiedenen Herbarien und bei meinen eigenen Aufsammlungen habe ich nicht selten ganz
grüne, also nicht verkalkte Thallome sogar von A. mediterranea nicht nur in jugendlichem Stadium,
sondern ganz ausgewachsen gefunden. In keiner unserer drei Gruppen ist also die Verkalkung
charakteristisch für alle zugehörigen Arten.
Dass aber kalkige Überzüge von so unbedeutenden Dimensionen, wie sie hier allein in Betracht
kommen, bei dem mit der Fossilisation verbundenen Umwandlungsvorgange verschwinden konnten, ergibt
sich aus der folgenden Erwägung. Die Organismen haben, wie sich aus der Bräunung oder Schwärzung
ihrer fossilen Reste und Abdrücke ergibt, eine humose Zersetzung erlitten, wobei humussaurer Kalk
gebildet werden konnte; dieser ist aber löslich, und es verschwand in diesem Falle die dünne Incrustation
als solche.
Drei neue, für die Deutung der Gyrophylliten belangreiche Formen.
Bevor ich nun auf die nähere Vergleichung der Gyrophylliten mit den Acetabularieen eingehe,
muss ich das Materiale der ersteren um einige aus dem Flyschmergelkalk von Bergheim bei Salzburg
herrührende Formen vermehren, die als ergänzende Zwischenglieder der bisher bekannten Reihe von
Gyrophylliten, oder als Übergangsformen, nicht ohne Bedeutung sein dürften. Dieselben sind von den
Professoren Fugger und Kastner gesammelt, im städtischen Museum Salzburgs aufbewahrt, und die
unerschöpfliche Gefälligkeit des Museums-Directors, Herrn kaiserlichen Rathes Dr. A. Petter hat es
veranlasst, dass unter anderem auch die einschlägigen Exemplare von dem ihm unterstehenden trefflichen
Werkmeister photographiert wurden.
Ich erhebe nicht den Anspruch, den man nach meiner Ansicht überhaupt bezüglich fossiler Algen
nur höchst selten erheben darf, dass meine Formen feststehende Arten im Sinne der fortgeschrittenen
Systematik und Phylogenie seien; es sollen eben nur Typen, die thatsächlich gefunden wurden und sich
von anderen unterscheiden, festgehalten und der Verständigung wegen in der üblichen Weise bezeichnet
werden.
Die 50 Exemplare der im Salzburger Museum aufbewahrten Gyrophylliten gehören drei ver-
schiedenen Typen an, die mir alle als neu erscheinen, und nun hier näher beschrieben und abgebildet
werden. Die hieher gehörenden Figuren sollten nach der ursprünglichen Anordnung dem Texte
eingeschaltet werden; da sich aber bei der Correctur der Cliches zeigte, dass die hiebei zur Anwendung
kommende Herstellungsmethode (mit Gitter) manche hier maßgebende feinere Details nur undeutlich oder
1 Über die Verkalkung sind instructive Aufschlüsse zu finden in H. Leitgeb, Die Incrustation der Membran von Acelabularia.
Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Band XCVI, Abth. I, 1887; dann Dr. H. Hauff.
Receptaculiten und Kalkalgen. Sitzungsberichte der Niederrheinischen Gesellschaft für Naturkunde in Bonn. 1892,
|
N
Taenidium und Gyrophyllites.
in eine Tafel (IV) zusammengestellt und in Lichtdruck reproduciert. Die einzelnen Figuren dieser Tafel
Sind nicht von »Eins« (1) an numerirt, um den Lesern die Gefahr einer Verwechslung mit den gleich
Fig. 5a zeigt die Hälfte eines durch kohlige Färbung sich vom Nebengestein abhebenden Kranzes,
der, oberflächlich besehen, als eine um den Mittelpunkt herum durchlöcherte Scheibe mit gelapptem Rande
erscheint. Parallel mit diesem zieht sich die Spur einer bogigen Streifung.
Fig. 5 5 gibt die Ansicht desselben Fundstückes, nachdem es ohne Änderung seiner aufrechten
Stellung um 90. Grade gegen den Beschauer herausgedreht wurde (Seitenavsicht), wodurch man einen
Einblick in das Innere der Gesteinsplatte erhält. Da zeigt sich, dass unter dem in 5 a sichtbaren Kranze noch
gegen 20 andere um die gleiche Axe herumgehende im Gesteine stecken, deren ganz dünne Querschnitte
hier als feine dünkle Linien sich vom helleren Nebengestein abheben. Der ganze Complex dieser Scheibchen
mit Inbegriff der Zwischenmittel ist nur 5 mm tief.
Eine mehrmalige Vergrößerung dieser Stelle des Steines (hier Textfigur 6) zeigt, dass die dünnen
Scheiben oder Kränze einem ziemlich dicken Stiele inseriert waren, worauf ich noch später zurück-
‚komme.
Das Vorkommen wenigstens einer zweiten Scheibe unter der an der Außenfläche sichtbaren wird
durch das in Taf. IV, Fig. 7 abgebildete Exemplar bestätiget. An der Oberfläche des Steinstückes
(wenig schieferiger Kalkmergel) sah man nur die in eben dieser Figur abgebildete
Blumenform, gleichfalls als breiten kohlig dunklen Kranz mit hellem Mittelfeld;
nachdem aber das betreffende Stück der Oberfläche abgesplittert war, erschien
genau unter dem ersten ein zweiter ganz ähnlich gezeichneter Kranz, der in Taf. IV,
Fig. 8 sichtbar wird. Das abgesplitterte Fragment (in der Abbildung rechts abge-
sondert stehend), welches noch genau auf die entsprechende Stelle des Steines passt,
ist nebst diesem vollkommen gut im Museum erhalten.
Zur näheren Beschreibung der an beiden Stücken (Taf. IV, Fig. 5, 7, 8) sicht-
baren, im wesentlichen übereinstimmenden Gyrophyllitenformen werden folgende
erkmale hervorgehoben. An Fig. 7 und 8 erkennt man — und zwar noch deut-
licher an 7 als an dem bloßgelegten unteren Gyrophylliten in Fig.8 —, dass etwa
12 verkehrt-eiförmige Strahlen vorhanden sind, die beim oberen Gyrophylliten
etwas mehr rundlich (größte Breite zur Länge wie 1:2) erscheinen als bei dem
in Fig. 8 bloßgelegten unteren (Breite zur Länge 1:3), und die dadurch, dass sie
ganz dicht an einander und zum Theil unter einander geschoben sind, den Schein Zeichnung einer circa
hervorbringen, als ob sie gegen die Mitte hin verwachsen wären. Sum H Me el
Das lässt vermuthen, dass auch die gelappte Scheibenform (Kranz) in Tafel- BE unge
figur 5 nur eine scheinbare ist und beide Exemplare einer und derselben Art mit liten-Durchschnitte.
ganz oder bis nahe an das Mittelfeld getrennten Strahlen angehören, umso mehr, da die in Fig. 5 erhaltene
Hälfte gerade sechs randliche Lappen zeigt, so dass das ganze Exemplar deren gleichfalls zwölf besitzen
musste wie Fig. 7, 8.
Die weiteren 13 im Museum vorhandenen, mit hinreichender Deutlichkeit als übereinstimmend
erscheinenden Exemplare lassen nicht sämmtlich alle Strahlen des Kranzes genau unterscheiden; die
Mehrzahl zeigt deren 10—12, alle verkehrt-eiförmig und einzelne sind am peripherischen Ende ausge-
'andet (seicht zweilappig), während die große Mehrzahl derselben ganzrandig ist.
An beiden hier abgebildeten und den eben erwähnten weiteren 13 Exemplaren besteht das hellere
kreisförmige Mittelfeldchen, welches bisweilen ein dunkleres Centrum zeigt, aus der Substanz des
Nebengesteines (mit Salzsäure stark brausend), während die kohlig angedunkelten Lappen oder Strahlen
der Blumenform ein solche Reaction theils gar nicht, theils nur sehr schwach zeigen. Der Durchmesser
576 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen.
des leeren Mittelfeldes verhält sich zu jenem des ganzen Kranzes wie 1:5 bis 1:5. Von den bisher °
bekannten Gyrophylliten ist nur eine der von Heer abgebildeten fünf verschiedenen Formen seines
G. Theobaldi aus dem Jura (Taf. XLV, Fig. 4) mit unserer eben beschriebenen einigermaßen verwandt.
Ich benenne unsere Art als G. Kastneri nach Herrn Professor Karl Kastner, der sich, wie schon eingangs
erwähnt, zugleich mit seinem Collegen Fugger um die Sammlung, vorläufige Untersuchung und Auf-
stellung der Fossilien aus dem Salzburger Flysch sehr verdient gemacht hat.
x ’
Das zuerst von Fugger und Kastner constatierte Vorhandensein mehrerer übereinander gestellter
Sterne an Exemplaren dieser Art wie Fig. 5, 7, 8, hat Herrn Director Fuchs! veranlasst, diese Eigen-
thümlichkeit den Gyrophylliten von Bergheim überhaupt zuzuschreiben, was nach den an den zwei
noch folgenden Arten gemachten Wahrnehmungen bestätigt erscheint.
Auf dem in Taf. IV, Fig. 9 abgebildeten Gesteinsstücke erscheint ein Stern mit sieben deutlichen und
zwei fraglichen Strahlen um einen hellerenMittelfleck gereiht, dessen Durchmesser sich zu jenem des ganzen
Sternes annähernd wie 1:45 verhält. Die Strahlen sind nahezu lineal, am Ende abgerundet, der nach
unten gerichtete ist länger als die anderen; ihre Breite, zur Länge ist annähernd 1:3; sie sind bis an den
Rand des Mittelfleckes von einander getrennt. Ihre Oberfläche erscheint unter der Loupe mit krummen
Streifen gezeichnet, deren Convexität gegen die Spitze gerichtet ist und die ein geschupptes Aussehen
hervorbringen. Ob diese Streifen nur als oberflächliche Zeichnung, oder als Falten, wie sie nach dem
oben S. 573 Gesagten an Exsiccaten von Polyphysa und bei Pleiophysa vorkommen, oder als Folge einer
schuppigen Absonderungsart der geschwärzten Substanz? zu betrachten sind, ist fraglich. Da ich diese
Art der Querstreifung bei der ersten der hier beschriebenen Salzburger Gyrophyllitenformen nur schwach
und nahe am Rande, bei der dritten kaum angedeutet finde, auch die Autoren dieselbe bei ihren Arten
weder erwähnen noch zeichnen, kann ich vorläufig nicht annehmen, dass sie zum Charakter der Gyro-
phylliten überhaupt gehöre. Die unter und neben dem Gyrophylliten auf dem Steine erscheinenden
geschwärzten Streifen und Flecken rühren wohl von Chondrites-Fragmenten her, an denen das Gestein
reich ist. ;
Zur selben Art gehört nebst mehreren nicht ganz deutlichen Exemplaren des Salzburger Museums
auch das in Fig. 10 dargestellte mit sehr genäherten Strahlen und einem fast verwischten kreisrunden
Mittelfleck; die bogige Querstreifung ist hier noch deutlicher als bei Fig. 9 zu erkennen. Der schwarze
Streifen, der sich anscheinend wie ein Stengel vom Sterne nach abwärts zieht, rührt nicht von einem
Stiele her, sondern vom Schatten, den bei der photographischen Aufnahme die angrenzende Schieferkante
des Gesteines warf.
An beiden Exemplaren ist die Ähnlichkeit des Habitus mit jenem von Polyphysa Peniculus (Text-
figur 3) unverkennbar.
Es sind im Salzburger-Museum noch weitere 15 zu dieser Art gehörige Exemplare vorhanden; die
große Mehrzahl derselben besitzt 9 getrennte lineale Strahlen, eines auch 11, einzelne sind am peri-
pherischen Ende zweilappig wie zerschlissen, viele ebenso schuppig gezeichnet, und alle haben einen
mehr oder weniger deutlichen Mittelfleck, dessen Durchmesser sich zu dem des ganzen Sternes wie 1:4
bis 1:5 verhält.
An einem Exemplar (Nr. 16073), dem Gegenstück des hier in Fig. 10 abgebildeten, hat Prof. Kastner,
indem er, dem an der Oberfläche der Platte erscheinenden Sterne von der Unterseite her entgegen, vor-
sichtig schabte, das Vorhandensein mehrerer Sterne von weniger deutlichem Gepräge um eine und dieselbe
(leere) Axe herum constatiert.
1 Studien über Fucoiden und Hieroglyphen. Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien,
LXIl. Band, 1895.
2 Es ist bekannt, dass manche Sinkstoffe beim Trocknen oder Erstarren verschiedene, sei es gerade verlaufende oder auch
schalenförmige Absonderungsflächen erhalten; die mit letzteren versehenen Fossilkörper lassen an Schnitt- oder ziemlich glatten
Bruchflächen bogenförmige Linien erscheinen. In unserem Falle jedoch wird diese Erklärung wegen der bei allen Strahlen desselben
Exemplares wiederkehrenden Gleichförmigkeit der Zeichnung sehr unwahrscheinlich.
ET
ine
Taenidium und Gyrophyllites. 977
Der Unterschied dieser Art von @. Kastneri besteht hauptsächlich in der annähernd linealen Form
der schuppig gezeichneten Strahlen, in ihrem weiteren Abstande von einander und in ihrer geringeren
Anzahl. Mit irgend einer anderen bekannten Art finde ich keine Übereinstimmung, da entweder die Gestalt,
oder die Zeichnung, oder die Anzahl der Strahlen nicht stimmt. Ich benenne diese Form als Gyrophillites
Petteri zu Ehren des Herrn kaiserlichen Rathes Dr. Alexander Petter, Directors des städtischen Museums
in Salzburg, dem ich aus dem schon erwähnten Grunde sehr zu Danke verpflichtet bin.
In Fig. 11 der Taf. IV erscheint ein sternförmiger Gyrophyillites, dessen 9 Strahlen noch schmäler
als jene des G. Petteri sind, am Ende zugespitzt, um einen elliptischen Mittelfleck gereiht; ob sie nahe
der Grenze dieses letzteren zusammenzuhängen oder nur verwischt sind, ist nicht klar. Die bei
G. Petteri erwähnte bogige Streifung ist hier kaum angedeutet. Ob die an diesem Exemplare vorkommende
einseitige Krümmung der Sirahlenspitzen normal ist, betrachte ich als zweifelhaft, da die gleichfalls unge-
öhnliche elliptische Gestalt des Mittelfleckes vermuthen lässt, dass hier eine mechanische Verschiebung
im Sedimente gstattgefunden habe; auch zeigen nicht alle noch weiter vorhandenen fünf Exemplare, die
doch in der Grundform und Anzahl der Strahlen hinreichend übereinstimmen, dieselbe Krümmung.
An diesem Materiale findet man die Anzahl der Strahlen mit 8, 8, 9, 9, 11; das Verhältnis ihrer Breite
zur Länge annähernd 1:4 und der Durchmesser des Mittelfleckes, wenn er kreisförmig ist, verhält sich
zu jenem des ganzen Sternes wie 1:7 bis 1:8; eine Ausrandung oder Gabelung an den peripherischen
nden, wie bei einigen Exemplaren der beiden vorher angeführten Formen, habe ich nicht gefunden,
uch keine schuppenförmige Zeichnung der Strahlen. Bei zwei Exemplaren, die bis an den Rand des
Schieferstückes reichen, kann man am Abbruche 3—4, genau unter dem oberflächlichen Gyrophylliten
liegende, parallele, geschwärzte Plättchen, ähnlich wie bei Fig. 5, 6, unterscheiden und bei zwei anderen
Exemplaren 5—6 solche Plättchen in gleicher Lage, so dass man annehmen muss, dass auch diese Art je
ehrere Quirlen an derselben Axe besitzt. Unter den bisher bekannten Gyrophyllites-Arten ist dieser Form
nur G. pusillus Heer ähnlich; diese hat jedoch viel zahlreichere und noch dünnere Strahlen, die überdies
zum Theil an den Enden gegabelt sind. z
Unsere Form bezeichne ich als G. Doblhoffii, um an die Verdienste des Freiherrn Josef v. Dobl-
hoff zu erinnern, der sich seit langer Zeit an der Aufsuchung, Sicherung und Ordnung der Salzburger
Fiyschalgen lebhaft betheiligt und eine vorläufig einführende Abhandlung über dieselben veröffent-
licht hat!.
Bezüglich der nun von mir bezeichneten drei Formen will ich schließlich nicht unterlassen zu
bemerken, dass möglicherweise zwei oder auch alle drei sich später als eine einzige Art erweisen könnten,
weil, wie schon erwähnt, die bisherigen Beobachtungen zur Ansicht führen, dass, wenn ein Exemplar
aus mehreren übereinander stehenden Quirlen besteht, diese nicht immer in allen Beziehungen überein-
stimmen, weshalb denn möglicherweise G. Peiteri oder G. Doblhoffii nur Formen eines tieferliegenden
Quirls von G. Kastneri sein könnten. Es wären dann die verschiedenen Sternformen nur abhängig von
der jeweilig stattfindenden Abschieferung, durch welche zufällig irgend ein Quirl gerade an der Ober-
fläche uns deutlich entgegentritt, während die darüber oder darunter gelegenen, noch eingeschlossenen
Quirle desselben Exemplares sich unserer Wahrnehmung nicht so deutlich darstellen, wie es zufällig
durch die in Fig. 8 dargestellte Absplitterung möglich wurde, durch Abschaben aber bisher nicht in
ebenso deutlicher Weise gelungen ist.
Fasst man kurz zusammen, was sich aus einem Überblicke aller drei Formen ergibt, so findet man:
1. Bei jeder derselben wechselt die Anzahl der Strahlen, wenngleich in engen Grenzen, während
ihre Gestalt an allen Exemplaren derselben Gruppe im wesentlichen gleich bleibt und sich hauptsächlich
zur Unterscheidung der Arten eignet.
2. Die quirlig gestellten Perigonoide sind bei unseren drei Formen in mehreren Etagen unter-
einander constatiert worden.
1 »Die jüngsten Funde im Flysch von Muntigl und Bergheim« (März—April 1893). Von J. Do—ff. Enthalten in den »Mitthei_
lungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde«, Salzburg 1893, Selbstverlag der Gesellschaft.
578 J. R. Ritt. Loreng v. Liburnau sen,
3. Eine stets annähernd kreisförmige Mittelarea ist bei allen Exemplaren aller drei Formen mehr oder
weniger deutlich abgegrenzt, meist heller gefärbt als die Strahlen und besitzt in einigen Fällen einen
dunkleren abgegrenzten Mittelpunkt.
Bezüglich zweier schon von Heer (Flor. foss. Helv.) beschriebener und abgebildeter Gyrophylliten
aus der Schweiz habe ich noch einiges zu ergänzen. Das mir aus dem Museum in Bern gefälligst zur
Ansicht gegebene Original der von Heer in seiner Taf. LXIX, Fig. 1 gegebenen Zeichnung eines G. Reh-
steineri zeigt die in der beistehenden Fig. 12 dargestellten Eigenthümlichkeiten, welche mir wesent-
Fig. 12.
Genauere Zeichnung des Originalstückes,
nach welchem Heer (Flora foss. Helv.)
Taf. LXIX, Fig. 1, seinen Gyrophyllites
Rehsteineri abgebildet hat. Entliehen aus
dem Museum in Bern. (War schon beiF.-O.,
Taf. XIII, etwas besser gezeichnet als bei
Heer.)
lich erscheinen. Das Exemplar liegt eingebettet in einer flachschaligen Vertiefung des Gesteines und
lässt nicht, wie bei Heer, nur eine einzige Etage von Strahlen oder Scheibenlappen, sondern deren
zwei oder drei in einander eingeschachtelt erkennen, so dass das bei Heer leer erscheinende weite
Mittelfeld vielmehr wie bei einer gefüllten Blume besetzt ist. Dieses Mittelfeld erscheint nämlich nur
von weitem und oberflächlich besehen als leer, weil es mit einem dünnen, weißlichen, mehlartigen Über-
zuge bedeckt ist, der sich von der gelblichgrauen Farbe des Gesteines und von den geschwärzten äußeren
(randlichen) Scheinblättern des Gyrophylliten abhebt.! Was zunächst unter jenem weißlichen Anfluge
liegt, war ursprünglich innerhalb der vom ganzen Gyrophylliten eingenommenen Area des Gesteins-
stückes eine kaum papierdünne Kruste, welche gegen die Peripherie der ganzen Gyrophyllitenrosette
hin abgesprungen ist, wodurch die von Heer gezeichneten, rundlichen Scheinblätter als flach eingesenkte
dunklere Flecken zutage traten. Gegen die Mitte der Rosette hin ist jedoch die Kruste sammt hellem An-
fluge erhalten und sie lässt in leichter Undulierung eine innere Rosette kürzerer Scheinblätter erkennen, wie
Fig. 12 zeigt. Der verticale Abstand der übereinander liegenden Rosetten oder Quirle ist ein minimaler.
Wir haben also auch hier wieder einen Gyrophylliten mit mehr als einem Quirl, u. zw. mit ungleich langen,
unter einander hervorsehenden Scheinblättern, zwischen denen weißer Kalksinter eingeschoben ist.
Bezüglich des von Heer in Taf. LVII, Fig. 14 abgebildeten G. Oosteri möchte ich hervorheben,
dass das Original — eine Platte erhaben und die zugehörige Gegenplatte vertieft — ein deutlich auf-
gewölbtes und keineswegs leeres Mittelfeld erkennen lässt.
Deutung der Gyrophylliten als fossile Acetabularieen.
Wenn ich mich nun dem Versuche nähere, die bisher bekannten Haupttypen der Gyrophylliten mit
jenen der Acetabularieen zu vergleichen, müssen vorerst noch einige Eigenthümlichkeiten der ersteren
vergleichend mit analogen Merkmalen der Acetabularieen discutiert werden.
Mit Rücksicht auf die Bedeutung, weiche Solms dem Vorhandensein oder Fehlen der Centralarea
und der Corona superior und inferior zuschreibt, sowie wegen der möglichen Analogie mit seinen Secti-
onen » Acetabuloides« und »Polyphysa«, dann mit »Pleiophysa«, wäre es erwünscht, auch an den frag-
lichen Fossilresten nachweisen zu können, ob Area und Corona vorhanden sind und ob die Strahlen
entschieden sternförmiger Typen ganz frei von einander, oder nahe am Mittelpunkte verwachsen waren.
Der Erhaltungsgrad der fossilen Objecte gestattet jedoch nur sehr selten eine solche Constatierung.
1 Der pulverige Überzug von kohlensaurem, kreidigem Kalke ist eine Auskleidung jener Schieferungsspalte, durch deren
Abtrennung der Gyrophyllit an den Tag kam, und erstreckt sich auch mit einigen Unterbrechungen über den Gyrophylliten hinaus
auf die dem Beschauer zugewendete Oberfläche des Gesteinsstückes.
Taenidium nnd Gyrophyllites. 979
Eine körperliche Centralarea scheint zwar nach einigen Abbildungen vorhanden gewesen zu sein,
insbesondere nach der Zeichnung eines G. multiradiatus bei Saporta (A propos des algues fossiles,
Taf. VIII, Fig. 5) aber in vielen Fällen ist die betreffende Stelle einfach leer, die Scheinblätter oder Strahlen
liegen nur kreisförmig um diese Stelle herum, bisweilen ziemlich weit vom Centrum weggedrängt, und es
könnte demnach fraglich erscheinen, ob ein centraler, schildförmiger Körpertheil, wie an den recenten Ace-
tabularien, vorhanden war oder nicht.
Das bisher bekannte Materiale lässt bezüglich des leeren Mittelfeldes folgende Variationen unter-
scheiden:
1. Mittelfeld kreisrund, scharf begrenzt, meist heller als die Strahlen:
a) Ohne dunkleren Fleck oder Punkt im Centrum: Nach Heer Taf. XLV, Fig. 4, 6, 7,8 und Taf. LVIII,
Fig. 13 — vorausgesetzt, dass sie getreu seien.
b) Ebenso gestaltet und gefärbt, aber mit einem dunklen Fleck, Ring oder Punkt im Centrum: Glocker
l. ce. (seine Textfigur S. 572 zugleich meine Fig. 1); dann einige Exemplare von G. Petteri m.
2. Mittelfeld elliptisch verzogen, übrigens wie 1a: Heer, Taf. XLV, Fig. 3.
5 3. Mittelfeld nicht continuierlich begrenzt, öfter am Rande abgerissen und zackig oder fransig
zerschlissen, dadurch zugleich größer als die deutlich begrenzten Mittelfelder der vorhergehenden
“Typen. Hieher gehören: Heer, Taf. XLV, Fig. 1, 2,5, Taf. LVIII, Fig. 155, die zwei zuletzt angeführten
"mit kleinem centralen Fleck; ferner G. Zignoi Squin. und G. Vestanensis Squin. Wie es sich mit den
nach Heers Abbildungen leer erscheinenden, in Wirklichkeit aber ausgefüllten Mittelfeldern seines
G. Oosterii (LVII, Fig. 14) und G. Rehsteineri (LXIX, Fig. 1) verhält, ist oben S. 578 dargelegt.
Wo das Mittelfeld, mit oder ohne centralem Fleck, scharf begrenzt und kreisrund ist, verhält sich
sein Durchmesser zu jenem des ganzen Perigonoides nach den Zeichnungen anderer Autoren wie 1:5 bis
#ı :10, nach meinen Messungen an den drei neuen Formen bei G. Kastneri 1:3 bis 1:5, bei G. Petteri
1:4 bis 1:5, G. Doblhoffi 1:6 bis 1:8.
Diese Dimensionsverhältnisse weichen nicht wesentlich von den bei Acetabularieen vorkommenden
ab; denn letztere betragen in runden Zahlen zwischen 1:4 (A. caraibica und A. Calyculus) und 1:11
(A. mediterranea und Polyphysa Peniculus)‘.
7 Auffallend ist nur, dass die Mittelfelder der Gyrophylliten in der Regel leer sind, während doch die
"Substanz, aus der die schildförmigen oder knopfförmigen Gebilde der Solm’schen Centralareen bestehen,
bei den lebenden Acetabularieen dieselbe ist wie jene der Schläuche, aus denen die ganzen Scheiben oder
Sterne bestehen, daher auch bei der Fossilisation die gleiche kohlige Andunklung hätte hervorbringen
\ müssen. Diese Frage dürfte ihre Lösung in folgender Weise finden: Wenn eine körperliche Centralarea
als Schildchen, oder Knopf, oder Anhäufung von Knötchen vorhanden war, konnte dieser erhabenere Theil
der Scheibe oder des Sternes bei der Abdeckung oder Abschieferung leichter an der Gegenplatte hängen
bleiben als die flacher ausgebreiteten Strahlen, und wenn dabei auch ein mehr oder weniger großer Theil
der angrenzenden Substanz der Scheibe mitgerissen wurde, mussten die vergrößerten und, wie an vielen
Exemplaren zu sehen, an den Rändern ausgezackten oder zerfetzten Mittelfelder entstehen, die eben des-
wegen nur bloßgelegtes Nebengestein sind, weil die daselbst vorhanden gewesene, jetzt fossilisierte Sub-
stanz einer körperlichen Centralarea weggerissen wurde. Der geschwärzte kleine Fleck, der bisweilen im
- Centrum eines hellen Mittelfeldes erscheint, deutet darauf, dass dort entweder ein vertiefter Eindruck war,
welcher unter das Niveau der Abschieferungsebene reichte, daher von der Abschieferung nicht betroffen
wurde, oder dass umgekehrt an solcher Stelle ein Knöpfchen aufgesetzt war, das mehr Masse enthielt als
seine nächste Umgebung und daher auch mehr schwärzende organische Substanz zurückließ.
1 Ich habe zum vorliegenden Zwecke benützt, d. h. umgerechnet: Abbildungen in Kützings Tab. phycolog., dann eigene
Messungen an Herbariumsexemplaren, endlich die Angaben in Graf Solms’, citiertem Werke. Die Abweichungen der Resultate nach
. einzelnen Exemplaren und Autoren fand ich nur bis höchstens zu einer Einheit der zweiten Verhältniszahl.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 74
|
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580 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnau sen.
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Wenn man also nach den besterhaltenen Exemplaren — und nur solche können zur Entscheidung |
herangezogen werden — urtheilt und auch die Mängel des Erhaltungszustandes und der Abschieferung'!
erwägt, dürfte die Analogie zwischen den Mittelfeldern der Gyrophylliten und der Centralarea der Aceta- |
bularieen nicht zu verkennen sein.
Noch bedarf die Form und der Zusammenhang der Perigonoidstrahlen der Gyrophylliten im |
Vergleiche mit den Strahlen und Scheiben der Acetabularieen einer Erörterung.
Die ersteren bilden an den bisher bekannten Exemplaren von Gyrophylliten nie ganzrandige oder’)
schwach gekerbte Scheiben wie die große Mehrzahl der recenten Scheibenformen (Acetabulum und!)
Acetabuloides Solms), sondern erscheinen fast durchgehends in sternförmiger Anordnung entweder ganz'|
getrennt, wie unter den Acetabularieen die Formen von Polyphysa und Pleiophysa, oder radförmig mit so’)
tiefer Theilung des Randes, dass die Lappen oder Zipfel bis ganz nahe an das Mittelfeld von einander”
getrennt sind.
Bei mikroskopischer und chemischer Untersuchung hingegen hat sich, wie schon oben S. 570
erwähnt wurde, gezeigt, dass auch die Scheiben der Acetabularieen eigentlich aus getrennten, strahlen-"
förmig angeordneten, organischen Schläuchen bestehen, die nur bei den meisten Arten durch anorga-
nische Kalksubstanz mehr oder weniger weit, oder auch gänzlich von der Mittelarea gegen den Rand hin
verkittet (nicht organisch verwachsen) sind. Entfernt man diese incrustierende Substanz, so verblei-"
ben Sternformen oder Quirle; einigen Arten fehlt, wie auch bereits oben S. 574 erwähnt, die Incrustation ganz,
und die Schläuche (Strahlen) bilden eine Scheibe nur dadurch, dass sie dicht aneinander liegen. Denkt man’
sich in Solms’, Taf. II, Fig. 5 die incrustierende Substanz weggenommen, so verbleibt ein Stern, der mit’
Gyrophyllites Quassizensis (vgl. oben S. 568, Fig. 1) die größte Ähnlichkeit besitzt. Die organische Structur
der Acetabularieen, selbst der mit continuierlichen Scheiben versehenen, kann also recht wohl mit der
morphologischen Erscheinung der Gyrophyllitenperigonoide in Parallele gesetzt werden; gänzlich fällt
aber der Formunterschied weg zwischen den letzteren und den rein sternförmigen Polyphysen.
Dass selbst in dem Falle, wenn die Erzeuger der Gyrophylliten äußerlich incrustiert waren, das
kalkige Häutchen während des Umwandlungsprocesses vor der Fossilisation durch humose Zwischen-
producte gelöst werden konnte, wurde schon oben S. 574 auseinandergesetzt.
Eine Besonderheit der Gyrophylliten gegenüber den Acetabularieen wäre es, wenn constatiert wäre,
dass es auch solche gibt, deren Lappen oder Strahlen zwar bis nahe an das Mittelfeld getrennt sind, am
Rande dieses letzteren aber zusammenhängen. Scheinbar ist dieses der Fall nach Heers Zeichnung von
Exemplaren des G. Theobaldi und multiradiatus (Taf. XLV, Fig. 1, 3, 4, 6), dann G. obtusifolius”
(Taf. LVIN, Fig. 13) und G. Rehsteineri (Taf. LXIX, Fig. 1), sowie nach meinen Photographien von
G. Kastneri, G. Petteri und G. Doblhoffii. Es wurde jedoch betrefis dieser letzteren schon bemerkt,
dass die Grenzgegend zwischen Strahlen und Mittelfleck meist eine stark verwischte Schwärzung”
zeigt, weshalb die Frage, ob die Trennung ganz oder nahe an den Mittelfleck reicht, nicht mit voller |
Sicherheit beantwortet werden kann. }
Wenn wirklich Gyrophylliten mit vom Rande her weit getrennten, gegen die Mitte hin aber zusam-!
menhängenden Strahlen vorkommen, steht dieses ihrer Analogisierung mit Acetabularieen doch nicht ent- |
gegen, da auch die Gruppe Acetabuloides Solms Arten umfasst, die nicht ganzrandig, sondern — wenn-
gleich nur in geringem Grade — gekerbt, ausgeschnitten, gezackt u. s. w. sind.
Es sind nun weiter die Typen der einzelnen Gyrophyllitenstrahlen mit denen der Acetabularieen-
schläuche (Strahlen) zu vergleichen. Die ersteren,variieren je nach den verschiedenen Arten zwischen
rundlich-verkehrteiförmig (G. Rehsteineri Hr., G. Zignoi S quin.) und lineal (G. galioides Hr., G. vestanensis
Squin.) in allen Zwischengestalten, und ihre Enden sind zwar zumeist ungetheilt, bei einigen Arten oder”
Exemplaren aber auch gegabelt oder mehrlappig (G. multiradiatus Hr., G. Kastneri, G. Petteri).
Die Strahlen derAcetabularieen variieren zwischen blasenförmig bis keulenförmig (in der Projection !
rundlich bis verkehrteiförmig) wie bei den Arten der Section Polyphysa, anderseits lineal und zugespitzt |
(A. mediterranea) mit verschiedenen Zwischenformen; ihre Enden sind vielgestaltig wie: mehr weniger”
Taenidium und Gyrophyllites. 581
scharfspitzig (A. Kilneri), pyramidal-spitzig (A. dentata), abgestumpft oder kuppelförmig (A. crenulata), ein-
gedrückt (A. caraibica), ausgerandet oder wie ausgebissen (A. major, bisweilen A. Suhrii, A. calyculus,
4. Farlowii). Die Gyrophylliten zeigen also nur solche Strahlentypen, welche denen der Acetabularieen
Jicht widersprechen, sondern vielmehr denselben sehr nahe verwandt sind, und selbst die an mehreren
Formen von Gyrophylliten vorkommende Gabelung oder Theilung der Strahlenenden (G. multiradiatus,
7. Kastneri, G. Petteri) findet einige Analogie in der Varietät »/ricnspidata« Grun.! von A. Kilneri — wie
enn überhaupt an organischen Schläuchen, als welche wir die Strahlen der Acetabularieen kennen, Aus-
sackungen oder Ausstülpungen ebenso häufig vorkommen wie Einstülpungen.
| Was die Anzahl der Strahlen betrifft, so wurden schon oben (S. 571) die sehr weitenGrenzen ange-
leutet, zwischen denen sie sich bewegt, und ebenso verhält es sich bei den Gyrophylliten: Minimum 5
(bei G. pentamerus), Maximum »zahlreich« und jedenfalls mehr als 20, wie bei G. multiradiatus und
5. pusillus; nur kommen bei den Gyrophylliten häufiger die Zahlen 6—9—12 vor und deuten auf eine
ähere Verwandtschaft mit Polyphysa Lmx. als mit Acefabularia Lmx.
Die absolute Größe ist bekanntlich für die systematische Deutung fossiler Organismen nicht maß-
sebend; es ist daher auch gleichgiltig, dass die Gyrophylliten größer sind als die Acetabularieen, und die
leinste Form der ersteren (G. pusillus) mit einem Durchmesser von 9—12 mm nur wenig kleiner ist als
ie größte Acetabnlaria« (A. gigas 15 mm).
Endlich findet das Vorkommen mehrerer oder selbst vieler Perigonoide der Gyrophylliten sein
\nalogon im normalen Vorkommen bei A. crenulata und Pleiophysa Sond., dann ausnahmsweise (d. h.
isher selten beobachtet) bei A. mediterranea?, A. Calyculus und A. Moebüi,
Stengel sind bisher an Gyrophylliten nur selten gefunden worden. Am deutlichsten erscheint ein
solcher in Glockers Abbildung (vergl. oben S. 568, Fig. 1).
Was Heer an seinen Exemplaren als Stengel betrachtet, ist sehr fraglicher Natur; es sind Längs-
zebilde, wovon eines verzweigt, zwar neben aber nicht an den Perigonoiden, und im zugehörigen Texte
eint eine Verwechslung stattgefunden zu haben.’
Das Vorhandensein eines wenig verzweigten Stieles würde ein Analogon auch bei den Acetabu-
arieen finden, indem, wie Hauck* erwähnt, von Acetabularia mediterranea bisweilen Exemplare mit
zegabeltem Stiel gefunden werden, wobei jeder Zweig eine Scheibe trägt.
Als nicht an den recenten Acetabularieen vorkommend muss die schuppenförmige Zeichnung der
strahlen erwähnt werden, wie man sie nach dem oben S. 576 Gesagten an Gyrophyllites Petteri m. aus
em Salzburger Flysch findet. Wenn man diese Zeichnung nicht als eine mehr zufällig auftretende Folge
iner schuppenförmigen oder auch schalenförmigen Absonderung der aus Mergel und kohligen Partikelchen
gemengten Fossilsubstanz betrachten will, erscheint unter den mehreren, S. 576 angedeuteten Alternativen
nsbesondere die folgende Erklärung naheliegend.
Es wurde schon S. 573 erwähnt und ist aus den Textfiguren 3 und 4 zu ersehen, dass die Strahlen
ion Polyphysa und Pleiophysa mehrgestaltige, zum Theile auch gekrümmte Falten oder Leisten zeigen,
ber deren Entstehung man noch discutieren kann, die aber jedenfalls vorhanden sind. Es wäre also
keine hypothetische Schaffung eines neuen morphologischen Elementes, sondern nur die nicht sehr
1 Diese Dreizackung ist allerdings minimal und nicht bei allen Strahlen eines und desselben Exemplares vorhanden, wie an
einigen vom Herrn Grunow selbst gefälligst gesendeten Exemplaren zu ersehen ist.
a
ü 2 Von dieser Art befindet sich im Naturhistorischen Hofmuseum in Wien ein sehr merkwürdiges Exemplar aus Cette am Mittel-
meer (Nr. 324.889, signiert: »W. Schimper, Unio itineraria«). Dasselbe besteht aus zahlreichen Thallomen, von denen sehr viele
& zwei übereinander gestellte Scheiben tragen. Die letzteren sind, weil noch ziemlich jung, nicht flach ausgebreitet, sondern
i schüsselförmig aufgebogen und zum Theile so sehr genähert, dass je die obere gleichsam in die untere hineingestellt erscheint.
3 Zu seiner Fig 3 der Taf. XLV (G. Theobaldi) bemerkt Heer: »ein daneben liegender Stengel mit auseinanderstehenden
sten lasse vermuthen, dass mehrere Rosetten an einer gemeinsamen Achse befestigt waren«. Bei dieser Figur ist aber kein ästiger
"Stengel, sondern ein einfaches gekrümmtes, lineales Gebilde zu schen. Dagegen erscheint neben Fig. 1 derselben Tafel etwas, das
inem verzweigten Stiel ähnlich ist.
4 Die Meeresalgen Deutschlands und Österreichs, Leipzig 1885 (wie oben S. 27).
74%
582 J. R. Ritt. Lorenz v. Liburnan sen, 1
gewagte Annahme erforderlich, dass jene Rippen an der erzeugenden Alge mancher Gyrophylliten eine
krummreihige Anordnung besaßen.
Nach allem, was nun hier auf Grund des fossilen und des recenten Vorkommens dargestellt wurde,
entspricht nicht nur der Habitus der Gyrophylliten im allgemeinen dem morphologischen Grundplane der
Acetabularieen, sondern auch die Gestaltung, Zahl und Anordnung der wesentlichsten Bestandtheile der
Gyrophylliten, sowie ihre Dimensionsverhältnisse (wenngleich nicht die absolute Größe der Dimen-
sionen) finden ihre unverkennbaren Analoga innerhalb der Familie der Acetabularieen, und in keinem
wesentlichen Punkte ist eine Unvereinbarkeit zu constatieren. Man wird also durch die beiderseitigen that-
sächlichen Erscheinungen zu der Vorstellung gedrängt, dass die Gyrophylliten als fossile Acetabularieen
zu deuten sind.
Auf diese Subsumtion muss man sich zunächst beschränken, weil die übereinstimmenden Merk-
male aus verschiedenen Gattungen und Arten der Acetabularieen hergenommen sind, so dass man mit
Bestimmtheit nur sagen kann: die Merkmale der Gyrophylliten entsprechen dem Familiencharakter der
Acetabularieen, nicht aber einer einzigen, bestimmten Gattung oder Art der letzteren. Dennoch lässt sich
die Verwandtschaft auch noch etwas weiter wenigstens discutieren.
Wenn man bei der Vergleichung von der Form der Perigonoide ausgeht, so fällt zunächst die
ganze Gruppe der ganzrandigen recenten Scheibenformen weg, da, wenigstens bisher, solche Scheiben j
unter den Gyrophylliten nicht aufgefunden wurden.
Wenn es sich aber bestätigt, dass bei manchen Gyrophylliten gelappte oder tief eingeschnittene Scheiben
vorkommen, wie es nach dem oben S. 575 Gesagten der Fall zu sein scheint, so bleiben für diese die
Gruppen Polyphysa und Pleiophysa, welche nur ganz getrennte Strahlen besitzen, außer Betracht und |
kommen nur noch die kerbrandigen Arten von Acetabularia Lmx. (beziehungsweise Acetabuloides
Solms) in Frage, insbesondere A. crenulata. Die Analogie wäre in diesem Falle um so größer, weil
gerade A. crenulata auch mehrere Scheiben untereinander besitzt. \
Für die in der Majorität befindlichen Sternformen der Gyrophylliten mit ganz getrennten Strahlen
hingegen kommen nur die Gattungen Polyphysa Lmx. und Pleiophysa Sond. in Betracht. Die erstere ent-
spricht am besten nach der Gestalt, Stellung und Anzahl der Strahlen, die zweite nicht nur nach
dem Vorhandensein mehrerer untereinander gereihten Quirle, sondern auch nach mehreren
anderen Merkmalen, die schon oben bei der Betrachtung des morphologischen Verhältnisses zwischen j
ar
Polyphysa und Pleiophysa angeführt wurden und hier nur noch kurz mit Bezug auf die gesternten
Gyrophylliten recapituliert werden sollen.
Dass die Quirle der Pleiophysa zahlreich sind und dicht untereinander stehen, entspricht den mini-
malen Interstitien zwischen den bei mehreren Gyrophylliten constatierten, untereinander vorkommenden -
Sternen oder Rosetten; dass der Stiel bei Pleiophysa im Verhältnisse zur Länge der Strahlen dicker ist als |
bei Polyphysa, bringt gleichfallsdie erstere Gattung näher zu den Gyrophylliten. Die bei meinem Gyrophyl- |
lites Petteri vorkommende, bogige Zeichnung der Strahlen findet nach dem oben S. 573, 576, 581 Gesagten
ein Analogon an den oft gekrümmten Leisten der Pleiophysa-Strahlen, etwas weniger ausgesprochen an
den Falten der bisher bekannten Polyphysa-Arten. Wenn die Strahlen verschiedener Gyrophyllitenarten
sehr verschiedene Formen haben, während von Pleiophysa nur eine Schotenform der Strahlen bekannt ”
ist, kann das nur bedeuten, dass die Palaeo-Pleiophysa artenreicher war als die recente ist.
Will man hingegen Polyphysa-Typen als Vorgänger der sternförmigen Arten von Gyrophyliii W
annehmen, so muss man hypothetisch mindestens zwei Merkmale hinzufügen, die den recenten Poly-
physa-Arten fehlen, nämlich die zahlreichen Quirle und die größere relative Dicke des Stieles.
Es liegt demnach die Annahme nahe, dass die Algen, aus denen die sternförmigen Gyrophylliten
hervorgiengen, einem artenreichen Genus angehörten, das ein Zwischenglied zwischen
Polyphysa und Pleiophysa darstellte.
Dass die meisten Gyrophylliten größer sind als Acetabularieen, ist für die Deutung irrelevant, da es
hiebei nicht auf die absoluten Dimensionen, Sondern auf die gegenseitigen Verhältnisse derselben
ankommt, durch welche die verschiedenen Gestalten bestimmt werden.
in
Taenidinum und Gyrophyliites. 583
Jedenfalls darf man sagen, dass die Abweichungen der Gyrophylliten von den Acetabularieen nur
solche sind, die dem Familiencharakter der letzteren nicht widersprechen, während die nahe Überein-
stimmung der wesentlichen morphologischen Merkmale beider unverkennbar ist.
Obgleich nun diese Subsumtionen betreffs der Analogie der Gyrophylliten mit bestimmten Gat-
tungen der Acetabularieen noch als problematisch zu betrachten sind und zur Entscheidung darüber erst
och reichlicheres, sowohl fossiles als recentes Material gesammelt und untersucht werden muss, dürfte
doch nachgewiesen sein, dass die Gyrophylliten nicht mehr als so räthselhaft wie bisher zu betrachten»
ondern fossile Angehörige der Familie der Acetabularieen sind.
Diese Annahme ist nach den hier angeführten Daten weit weniger gewagt, als es seinerzeit jene
war, da man nach der Analogie mit dem recenten Nautilus nicht nur die zunächst formverwandten
Ammoniten, sondern auch die verschieden gestalteten Crioceras, Baculites, Hamites, Scaphites und sogar
Orthoceras und Belemnites als fossile Cephalopoden zu erklären anfing, was heute als selbstverständ-
lich gilt. nu
Anhang.
Bei Betrachtung der Formen, welche zum fossilen Genus »Discophorites« gerechnet werden,
gewinnt man den Eindruck, dass auch auf diese die Analogie mit Acetabularieen, insbesondere mit Pleio-
hysa anwendbar ist, wenn man sich eine solche mit entfernter stehenden Quirlen aus dünneren
Strahlen vorstellt. Da ich mich aber gegenwärtig auf die Gyrophylliten beschränken will, deute ich diese
Frage hier nur an, ohne näher darauf einzugehen.
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J. Ritt. Lorenz v. Liburnau: Zur Deutung von Taenıdium.
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| Fig. 1 nach Heer; Fig. 2 nach Photographie des Originalstückes.
Denkschriften d. kais. Ak:
Tafel 1.
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Fig. 3 nach Heer; Fig. 4 nach Photographie
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des Originalstückes.
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Lichtdruck von Max Jaffe, Wien.
ath.-naturw. Classe, Bd. LXX.
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Photographie des Originalstückes.
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Fig. 2, 4, 6, 8, 10. Die den vorhergehenden an die
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Tänidien-Typen in gutem Erhaltungszustande.
Seite gestellten Typen der recenten Volubilaria medi-
terranea Lmx. Dietyomenia volubilis, Grev.. Vidalia volubilis J. Ag.) nach Herbariums-Exemplaren.
Fig. 11-19. Tänidien-Typen in ungewöhnlichem oder schlechtem Erhaltungszustande.
Fig. 20, 21, 22. Fragliche Tänidien.
Lith Anst.v.Th.Bannwarth ‚Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd.LXX.
1
J. Ritt. Lorenz v. Liburnau: Zur Deutung von Taenidium.
Lichtbilder zweier Gegenpk
einer Flysch-Platte, welche
mm m se ijxpkpj m DD
Denkschschriften d. kais. Aka
| Tafel III.
=
En sind aus der Spaltung
von Taenidium einschloss.
math.-naturw, Classe, Bd. LXX.
Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien,
J. Ritt. Lorenz v. Liburnau: Zur Deutung von Taenidium.
Lichtbilder zweier Gegenphll@fßnden sind aus der Spaltung
einer Flyseh-Plalle, welche Mn von Taenidium einschloss
Denkschschriften d. kais, Akad
n, math,-naturw, Glasse. Bd. LXX
Tafel 1,
Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien.
rt An EURRY t Dan
Wege“ h a
Ritt. Lorenz v. Liburnau: Zur Deutung von Gyrophyllites. Tafel IV.
Gyrophyllites Kastneri m.
Gyrophyllites Kastneri m. Fig. 9.
Fig. 8a.
Gyrophylliies Kastneri m. Gyrophyllites Pelleri m.
De 2 en SE Ser N EEE Ne Se er
Dee EB ZU SEE 2 0.5
Gyrophyllites .Pelleri m. . Gyrophyllites Doblhoffii m.
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Bir.
Denkschriften der kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturw. Classe, Bd. LXX. 1900.
DIE
CENTAUREA-ARTEN ÖSTERREICH-UNGARNS
VON
Dr. AUGUST VON HAYEK.
(Mit 12 Tafeln und 3 Textfiguren.)
VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 10. MAI 1900.
Begrenzung der Gattung.
Centaurea Linn& Gen. plant. Ed. VI, p. 442 (pro parte). Köpfchen cylindrisch bis kugelig, klein
‘bis sehr groß. Hüllschuppen dachig, mehrreihig, an der Spitze mit einem trockenen, fiederförmig
dornigen oder verschiedenartig gefransten oder rundlichen ungetheilten Anhängsel, seltener ohne ein
‚solches, dann aber abgerundet und meist schmal randhäutig, nicht spitz oder in einen Dorn auslaufend.
Fruchtboden dicht borstlich spreublätterig. Köpfchen vielblütig, die mittleren Blüten zweigeschlecht-
lich mit regelmäßig fünfspaltiger Blumenkrone, die randständigen geschlechtslos mit trichteriger, oft seit-
lich symmetrischer Krone, selten fehlend. Antheren am Grunde pfeilförmig, seltener geschwänzt.
Griffelschenkel hoch hinauf verwachsen und an der Spitze kurzlappig auseinander fahrend, seltener
auseinandergespreizt. Früchte länglich, mehr minder deutlich seitlich zusammengedrückt, kahl oder
behaart, oft längsnervig, mit seitlich am Grunde sitzendem Nabel. Pappus bleibend, seltener abfällig,
borstig oder haarig, mehrreihig, die innerste Reihe kürzer als die äußere und oft zusammenneigend,
seltener einreihig oder fehlend.!
Die Gattung Centaurea ist, wie Hoffmann ganz richtig bemerkt, äußerst mannigfaltig und ihre Be-
grenzung undEintheilung gleich schwer. Ich sehe mich genöthigt, den Gattungsbegriff enger zu fassen als es
Bentham und in letzter Zeit Hoffmann in Englers »Natürlichen Pflanzenfamilien« gethan haben und
schließe mich eher De Candolle und Boissier an. Es scheint mir doch zweifellos, dass z. B. Hoff-
manns Sectionen Leuzea, Rhaponticum, Microlonchus und Amberboa entwicklungsgeschichtlich in einem
so losen Zusammenhange mit den übrigen Centaurea-Arten stehen, dass ihre Vereinigung mit dieser
Gattung nicht gerechtfertigt scheint. Freilich ist es, besonders in einer so reich gegliederten Familie
wie den Compositen, ungeheuer schwer, eine Gattung in ihrem natürlichen Umfange, welcher ja doch
1 Einen Pappus, bei welchem die innerste Reihe viel kürzer als die äußeren und scharf von ihnen getrennt ist, während die
übrigen allmählig in einander übergehen, habe ich in folgendem durchwegs der Kürze halber als »zweireihig« bezeichnet.
586 Augustv. Hayek,
vor allem in der entwicklungsgeschichtlichen Zusammengehörigkeit der Arten zu erkennen ist, zu um-
grenzen und durch gemeinsame Merkmale, die ja doch gewiss mehr minder künstliche sein müssen, vom
den verwandten zu scheiden. Es ist daher eine Begrenzung einer Gattung nur nach genauem Studium des
entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhanges der einzelnen Formen möglich. Weit entfernt davon, be=
haupten zu wollen, dass mir eine solche Einsicht in das Formengewirr zutheil geworden ist, habe ich es
doch versucht, oft mehr vom Gefühl als von streng wissenschaftlichen Punkten geleitet, eine Umgrenzung
der Gattung durchzuführen. Ich bin dabei zu dem Resultate gelangt, dass alle jene Formen, die einen
schuppigen oder federigen Pappus zeigen, aus der Gattung (im Sinne Hoffmanns) auszuscheiden seien,
so also die Sectionen Amberboa, Chartolepis, Hymenocephalus; ferner aber auch jene Arten mit mehr-
reihigem Pappus, bei welchen die innerste Pappusreihe die längste ist, vor allem Rhaponticum. Dass auch
bei dieser Umgrenzung manche Arten ausgeschieden werden müssen, welche zu anderen, in der Gattung
verbleibenden, anscheinend in nahem Verwandtschaftsverhältnisse stehen, ist eine Thatsache, die leider
schwer aus der Welt zu schaffen sein wird; doch scheint mir dies noch immer ein kleineres Übel als das
Zusammenwerfen verschiedener, gewiss nicht zusammengehöriger Gruppen in eine künstliche »Sammel-
gattung«.
Ich will im nachstehenden versuchen, die Gattung in der von mir festgestellten Umgrenzung in
natürliche Gruppen zu zerlegen .und dann einen kurzen Überblick über die Verwandtschaftsverhältnisse
4
dieser Gruppen zu einander zu geben.
J
Übersieht der Gruppen und wichtigeren Arten.
I. Untergattung. Centaurium Cass., Dict. XLIV, p. 39.
(Syn. Bielzia Schur Enum. Transs., p. 409, als Gattung.)
Hüllschuppen „stumpf, ohne Anhängsel, ringsum schmal randhäutig. Pappus aus mehreren Reihen
rauher Borsten zusammengesetzt, die innerste Reihe deutlich kürzer als die äußeren. Ausdauernde Arten
mit großen Köpfchen.
C. Tagana Brot., amplifolia B. H., Africana Lam., centaurium L., Ruthenica Lam., alpina 1
II. Untergattung. Microlophus D. C., Prodr. VI p. 567.
Hüllschuppen stumpf, die äußeren mit einem einfachen oder getheilten hinfälligen Dorn bewehrt, die
inneren mit einem häutigen Anhängsel. Pappus mehrreihig, die innerste Reihe kürzer als die äußeren.
Blätter meist herablaufend. R
C. alata Lam., Babylonica Lam., behen L., cerinthifolia S. S.
II. Untergattung. Calcitrapa Cass., Dict. XLIV, p. 38 erw.
Anhängsel der Hüllschuppen knorpelig, in einem hand- oder fiederförmig getheilten Dorn endigend.
Pappus deutlich zweireihig, selten fehlend. Meist menobiotische Arten.
I. Section. Hymenocentron Cass., Dict. XLIV, p. 37.
Anhängsel der Hüllschuppen an der Basis häutig, etwas herablaufend, handförmig getheilt, in einen
kurzen Dorn endigend.
C. diluta Ait.
Centaurea-Arten OÖsterreich- Ungarns. 0887
II. Section. Seridia Cass., Dict. XXXIX, p. 498.
$ Anhängsel der Hüllschuppen in einen hand- oder fußförmig getheilten Dorn auslaufend, der Mittel-
dorn nicht oder kaum kräftiger als die seitlichen.
a) Seridiae. C. seridia L., cruentaW., sonchifolia L., maritima Desf., sphaerocaphala L., aspera L.,
stenophylla Duf., polyacantha W.
b) Pectinastra. C. napifolia L.
c) Seridoideae. C. glomerata L.
d) Alophia. €. alophium Cass.
e) Feroces. C. ferox Destf.
gr
TAT = ERLITT DOLL We
. III. Section. Eucalcitrapa Hayek.
Hüllschuppen in einen am Grunde mit fiederförmig angeordneten Seitendörnchen besetzten Dorn
auslaufend. Blätter verschiedenartig getheilt, nicht herablaufend.
3
) a) Tetramorphae. C. phyllocephala Boiss.
j b) Carduiformes. C. calcitrapa L., Iberica Trev., Alexandrina L., Senegalensis D. C.
| IV. Section. Mesocentron Cass., Dict. XLIV, p. 38 erw.
Hüllschuppen in einen am Grunde oder bis zur Mitte mit fiederförmig gestellten Seitendörnchen
ewehrten Dorn auslaufend. Blätter herablaufend.
a) Melitenses. C. Melitensis L.
b) Sulfureae. C. eriophora L., sulfurea W., Sicula L., solstitialis L., Adami W.
c) Verutina. C. Verutum L.
| V. Section. Corethropis D. C., Prodr. VI, p. 596.
Äußere und mittlere Hüllschuppen in einen an der Basis mit 1—-2 Seitendörnchen besetzten Dorn
auslaufend, innere wehrlos.
C. scoparia Sieb.
IV. Untergattung. Cyanus Cass., Dict. XLIV, p. 37 erw.
Hüllschuppen mit einem trockenhäutigen, beiderseits mehr minder herablaufenden, meist kämmig
efransten Anhängsel, die Endfranse oft in einen Dorn umgewandelt. Pappus deutlich zweireihig, sehr
selten fehlend.
a
|
|
I. Section. Aegialophila Boiss. et Heldr., Diagn. Ser. I, 10, p. 105.
BEN gen
Anhängsel beiderseits herablaufend, ungefranst, in einen kurzen Dorn endigend.
€. pumila L.
II. Section. Acrocentron Cass., Dict. XLIV, p. 37.
Anhängsel mäßig tief herablaufend, kämmig gefranst, Endfranse meist deutlich kräftiger als die
übrigen, oft in einen sehr kräftigen Dorn umgewandelt. Nabel der Achenen bebärtet. Meist hochw üchsige
Arten mit großen Köpfen.
a er
a) Rhizanthae. C. Hellenica B. Spr.,, raphanina Sibt., sessilis W.
b) Centauroideae. C. centauroides L., Achaia B. H., eryngioides Lam.
Denkschriften der mathem.-naturw. Classe. LXX. Bd.
=
So
588 Augustv. Hayek,
c) Collinae. C. Salonitana V is., omphalotricha Coss., Spruneri B. H., collina L.
d) Rupestres. C. ornata W., rupestris L., dichroantha Kern.
e) Lopholomae. C. rigidifolia Bess., spinwlosa Roch., Sadleriana Jka., scabiosa L., cephalariae-
folia Willk.
J) Orientales. C. atropurpurea W., orientalis L.
g) Chrysolepides. €. chrysolepis Vis., Charellii Hal. et Dörfl.
h) Macrocephalae. C. macrocephala W. Ä
II. Section. Eucyanus Hayek.
Anhängsel der Hüllschuppen fast bis zum Grunde herablaufend, wehrlos. Nabel der Achenen nicht
bebärtet. Armästige Arten mit einfachen oder wenig getheilten, oft herablaufenden Blättern.
a) Segetales. C. cyanus L., depressa M. B., cyanoides Berggr.
b) Napuliferae. C. napnlifera Roch., tuberosa Vis., Orbelica Vis.
c) Montanae. C. matthiolaefoha Boiss., variegata Lam., atrata W., montana L., ochroleucaW.
III. Section. Melanolema Cass., Dict. XXIX, p. 47.
Anhängsel der Hüllschuppen herablaufend, ungefranst, an der Spitze in eine federig gefranste fäd- |
lich-pfriemliche Spitze ausgezogen. Köpfchen von Hochblättern umhüllt. |
C. pullata L. |
IV. Section. Pannophyllum Hayek. |
Anhängsel kurz herablaufend, kämmig gefranst, wehrlos oder schwach dornig. Blätter meist mehr- |
fach getheilt, mehr weniger filzig, sehr selten kahl. Nabel der Achenen bebärtet oder nicht bebärtet. |
Meist ausdauernde Arten mit mittelgroßen Köpfchen. |
a) Cuspidatae. C. cuspidata Vis., Niederi Heldr.
b) Cinereae. C. Busambariensis Guss., cinerea L., cineraria L.
c) Argenteae. C. argentea L., Ragusina L., bombycina Boiss.
d) Pannosae. C. rutifolia S. S., jurineifolia Boiss., pannosa D. C., Friderici Vis., crithmifolia V iS.
V. Section. Acrolophus Cass., Dict. L, p. 253.
Anhängsel der Hüllschuppen kurz herablaufend, kämmig gefranst, die Endfranse oft kräftiger
als die seitlichen, nicht selten in einen kurzen Dorn umgewandelt. Nabel der Achenen nicht bebärtet.
Meist reich verzweigte, ausdauernde oder monobiotische Arten mit mittelgroßen oder kleinen Köpfchen. |
a) Elatae. C. exarata Boiss. |
b) Dissectae. C. incompta Vis., dissecta Ten., humilis Huet., affinis Friv., ambigna Guss. |
c) Maculosae. C. cuneifolia S.S., pallida Friv., leucophaea Jord., corymbosa Pourr., coerulescens |
W., Hanryi Jord., triniaefolia Heuff., maculosa Lam., Rhenana Bor,, micrantha Gm., Valesiaca
Jord, Hoffmannseggiüi Hay.‘
d) Arenariae. C. ovina Pall., arenaria M. B., Wolgensis D. C.
e) Candidae. (©. Attica Nym., subtilis Bert.
J) Aplolepidae. C. aplolepis Mor., glaberrima T sch.
g) Cristatae. C. Parlatoris Heldr., cristata Bartl., spinoso-ciliata Seen.
h) Longipappae. C. Kartschiana Scop.
i) Recurvae. C. tenuifolia Duf., prostrata ©oss., monticola Boiss., resupinata Coss.
k) Paniculatae. C. Tymphaeca Hausskn., Macedonica Gris., Reuteri Rb., paniculata Lam., Grise-
bachii Nym., divergens Vis., Castellana Lam.
l) Cylindraceae. C. Thessala Hausskn., Orphanidea Heldr., zanthina B.H., brevispina Hausskn,,
diffusa Lam., parviflora Desf.
1 C. micrantha Hffmgg. et Lk, non Gmel.
Centaurea-Arlen Österreich-Ungarns. 589
m) Squarrosae. C. aggregala Fisch. Mey., albida C. Koch. consanguinea D. C., squarrosa W.
n) Pseudoplumosae. C. Zuccariniana D.C.
0) Dumulosae. C. spinosa L., dumulosa Boiss., intricata Boiss.
V. Untergattung. Jacea Cass., Dict. XXIV, p. 88 erw.
Anhängsel der Hüllschuppen trockenhäutig, nicht herablaufend, ganz bis kämmig oder federförmig
gefranst. Pappus zwei- bis mehrreihig oder fehlend.
I. Section. Hyalaea D. C. Prodr. VI, p. 569.
Anhängsel trockenhäutig, concav, klein. Pappus vorhanden. Köpfchen klein; einjährige Arten.
(&% pulchella, Ted.
II. Section. Phalolepis Cass., Dict. L, p. 248.
Anhängsel trockenhäutig, ungetheilt, groß, oft weichspitzig. Köpfchen mittelgroß, Pappus vorhanden.
Zweijährige oder ausdauernde Arten.
A. Albae. C. splendens L., leucolepis D. C., deusta Ten., princeps B. H., alba L.
B. Subcialiares C. Musarum B. O., C. Heldreichii Hal. Cadmeia Boiss., aphrodisea Boiss.
subciliaris Boiss., Candolleana Boiss.
III. Section. Eujacea Hayek.
Anhängsel trockenhäutig, ungetheilt oder kämmig gefranst. Pappus fehlend oder kaum angedeutet.
a) Vulgares. C. Haynaldi Borb,., bracteata Scop., Weldeniana Rb., gracilior Bor.,, amara L.,
jacea L.
b) Fimbriatae. C. microptilon Gr. G., subjacea (Beck), serotina Bor., oxylepis (W. Gr.).
c) Nigrescentes. C. rotundifolia Bartl., nigrescens W., dubia Sut.
d) Pratenses. C. pratensis Thuill.
IV. Section. Lepteranthus D. C. Diss. de Comp. I, p. 24.
Anhängsel federig gefranst, aufrecht oder zurückgekrümmt. Pappus vorhanden.
a) Nigrae. C. Nevadensis Boiss., Endressi Hochst., nemoralis Jord., nigra L., aterrima Hayek.
b) Phrygiae. C. salicifolia M.B., Phrygia L., elatior (Gaud.), stenolepis Kern., plumosa (Lam.)
Kern.
c) Cirrhatae. C. cirrhata Rchb.
d) Pectinatae. C. procumbens Balb., pectinata L., Jordaniana Gr. G.
e) Trichocephalae. C. trichocephala M.B.
J) Linifoliae. C. linifolia Vahl., hyssopifolia V ahl.
V. Section. Psephellus Cass., Dict. XLIII, p. 488.
Anhängsel der Hüllschuppen rundlich, gezähnt oder gefranst. Pappus mehrreihig, kurz borstlich.
C. declinata M. B., dealbata W., Sibirica L., Marschalliana Spr., Aucheriana D.C.
VI. Untergattung. Odontolophus Cass. Dict. L, p. 252.
Anhängsel trockenhäutig, hell, Kurz herablaufend. Pappus mehrreihig, borstig, die innerste Reihe
saum kürzer als die äußeren.
C. trinervia Steph., amblyolepis Led., Steveni M. B.
=]
[S)1
890 Augustv. Hayek,
VI. Untergattung. Crocodylium Juss., Gen., p. 173.
Anhängsel trockenhäutig, herablaufend, in einen kurzen, kräftigen Dorn auslaufend. Pappus
zweireihig.
©. Crocodylium L.
VIII. Untergattung. Cheirolophus Cass., Dict., L, p. 250.
Anhängsel trockenhäutig, nicht herablaufend, ungetheilt oder gefranst. Pappus einreihig, leicht
abfällig.
I. Section. Ptosimopappus Boiss., Voy. Esp., p. 139. ,
Anhängsel ungetheilt, stachelspitz. Köpfchen mit Hochblatthülle.
G. ptosimopappa Hay.!
II. Section. Eucheirolophus Hayek.
Anhängsel gefranst, Köpfchen ohne Hochblatthülle.
C. sempervirens L., intybacea L.
IX. Untergattung. Plectocephalus.
Anhängsel herablaufend, derb trockenhäutig, kämmig gefranst, Mittelfranse oft dornig. Pappus ein-
reihig, leicht abfällig.
C. Americana Nut.
Von allen diesen Gruppen zeigt die Untergattung Centaurium den einfachsten Bau des Anthodiums
und weist auch dadurch, dass sie nur wenige, scharf von einander geschiedene Arten enthält, darauf hin,
dass wir es mit einem alten Typus zu thun haben. Habituell zeigen ihre Arten auch eine nicht geringe
Ähnlichkeit mit Serratula cumeifolia Bert. (Centaurea crassifolia Bert.), einer auf Malta endemischen, ein
Mittelglied zwischen den Gattungen Serratula und Centaurea darstellenden, nicht mit Unrecht für einen
uralten Typus gehaltenen Art. Wir können daher wohl mit Recht annehmen, dass auch die Gruppe
Centaurium der gemeinsamen Stammform der ganzen Gattung sehr nahe steht und als ein Überrest aus
alter Zeit zu betrachten ist. Die gemeinsame Stammform der ganzen Gattung hat zweifellos sowohl in
Bezug auf den Pappus, als auch in Bezug auf den Bau der Hüllschuppen sehr einfache Verhältnisse
gezeigt und haben sich die heutigen Arten und Gruppen der Gattung durch verschiedenartige Ausbildung
dieser Organe entwickelt.
Von den übrigen Gruppen stehen Calecitrapa, Cyanus, Jacea und Crocodylium anscheinend in einem
näheren verwandtschaftlichen Verhältnisse zu einander als zu den übrigen Untergattungen, worauf ja
schon der gleiche Bau des Pappus hinweist. Ähnlich gestalten sich die Verhältnisse bei Cheirolophus und
Plectocephalus, zweier Gruppen, die vermuthlich von gleicher Abstammung als Paralellformen der alten
und neuen Welt aufzufassen sind. Odontolophus zeigt verwandtschaftliche Beziehungen zu Jacea und
Cyanus, und Microlophus endlich ist als ein alter, mit Centaurium nahe verwandter Typus aufzufassen.
1 Plosimopappus braclealus Cass., Centaurea bracleata Hoffm. non Scopoli.
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 91
Eine graphische Darstellung der Entwicklung der Gruppen würde demnach ungefähr folgendermaßen
uszuführen sein:
Stammform der Gattung
Centaurea
Serratula u. a. verwandte
Gattungen
Plectocephalus p Microlophus Crocodylium Odontolophus
Cheirolophus Centaurium Caleitrapa Cyanus Jacea
Die Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
Von den oben übersichtlich dargestellten Untergattungen fehlen in Mitteleuropa Microlophus
Cheirolophus und Plectocephalus ganz. r
Auch die übrigen Gruppen sind sehr ungleich an Artenzahl daselbst vertreten. Am größten ist der For-
menreichthum in den Untergattungen Cyanus und Jacea, und das Studium dieser hat mir auch die meisten
chwierigkeiten bereitet.
Durch ein mir vorliegendes sehr reichliches Herbarmaterial ' und zahlreiche Beobachtungen in der
atur ist es mir endlich doch gelungen, eine Übersicht über das Formengewirr der Arten dieser Gruppen
u gewinnen.
Im allgemeinen war mein Bestreben darauf gerichtet, zu untersuchen, ob die sogenannte pflanzen-
eographisch-morphologische Methode auch auf die Arten der Gattung Centaurea Anwendung finden könne,
und ich bin diesbezüglich zu dem Resultate gelangt, dass in Mitteleuropa in den formenreichen Gruppen
hatsächlich eine solche Gliederung gewisser Formenkreise stattgefunden hat. Im mediterranen Gebiete
hingegen, wo die Eiszeit nicht eine so gewaltige Umwälzung in den Vegetationsverhältnissen mit sich
1 Ich benützte zum Studium folgende öffentliche und Privatherbarien und werde im folgendem die beigefügten Abkürzungen
anwenden:
Herbar der Universität Erlangen (H. E.). Herbar des Ferdinandeums zu Innsbruck (H. F. 1.).
Herbar des kgl. bot. Museums zu Berlin (H. B.). Herbar des Johanneums in Graz (H. J. G.).
Herbar des k. und k. naturhistor. Hofmuseums in Wien Herbar der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft zu
(H. H. M.). Wien (H. z. b. G.).
Herbar des botanischen Institutes der Universität Wien Die Herbare der Landesmuseen zu Klagenfurt (H. Klgf.).
(H. U.W.) und die daselbst aufbewahrten Herbare. Salzburg (H. Szbg.).
Kerner (H. K.). Serajevo (H. Ser.).
Keck (H. Kk.). Ferner an Privatherbarien die Sammlungen der Herren
Ullepitsch (H. Ull.). Prof. v. Beck (H. Beck), Prof. Fritsch (H. Fr.). kais. Rath Dr. v.
Herbar des Polytechnicums zu Zürich (H. P. Z.). Haläacsy (H.Hal.), M.F. Müllner (H. Mülln.), Oberinspector E.
Herbar der deutschen Universität in Prag (H. U. P.). Preissmann (H. P.), K. Ronniger (H. Ronniger).
Ferner stellten mir noch die Herren Dörfler, Ried und Teyber in Wien und Herr B. Fleischer in Sloupnitz reichliches
Material zur Verfügung.
Allen diesen Herren, sowie den Herren Vorständen der erwähnten Institute sei für ihr freundliches Entgegenkommen hiemit der
wärmste Dank ausgesprochen.
592 Augustv. Hayek,
gebracht hat, ist eine solche scharfe Gliederung nicht zu beobachten. Große Schwierigkeiten bringt
übrigens bezüglich dieser Studien der Umstand mit sich, dass die Arten der Gattung Centaurea vielerorts
eingeschleppt vorkommen und auf diese Weise die natürlichen Verbreitungsgrenzen oft verwischt
werden. j
Bezüglich der Nomenclatur der Arten halte ich mich an das Prioritätsprincip auch in dem Falle
wenn die betreffende Art von ihrem Autor nur als Varietät aufgestellt oder in eine andere Gattung gestellt
worden war. Dass dann manchmal altgewohnte Namen schwinden müssen, um weniger bekannten Platz
zu machen, ist ein unvermeidliches Übel.
I. Untergattung. Centaurium Cass. in Dict. des scienc. nat. XLIV, p. 39.
Hüllschuppen stumpf, ohne Anhängsel, ringsum schmal häutig gerandet. Pappus aus mehreren
Reihen rauher Borsten zusammengesetzt, die innerste Reihe deutlich kürzer als die äußeren. Ausdauernde
Arten mit großen Köpfchen.
1. Centaurea alpina Linne&, Spec. plant. Ed. I, p. 910 (1753).
Perennis. Rhizoma lignosum, descendens, monocephalum. Caulis erectus, ad 1 »n altus, simplex vel
in parte superiore in ramos paucos erecto-patentes simplices divisus, angulato-striatus, glaberrimus, pallide
viridis. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, caulina superiora sessilia, simpliciter pinnata, foliolis
lanceolatis acutis mucronatis sessilibus et ad rhachym breviter decurrentibus vel breviter petiolatis, indi-
visis, rarius bifidis vel pinnatisectis, integerrimis vel, saepius, argute serratis; folia caulina suprema hinc
inde lineari-lanceolata integra. Folia omnia utringue glaberrima, glauca. Capitula in apice caulis vel
ramorum singularia, ovata, ad basin depressa, ad 25mm longa et 1Sınm lata. Squamae involucri flaves-
centi-virides, glaberrimae, fusce lineatae, extremae orbiculares, mediae ovatae, intimae lineares, obtusae
integerrimae, omnes, intimis exceptis, sine appendicibus, sed margine anguste scariose marginatae, intimae
cum appendicibus scariosis ovatis. Corollae sulfureae, profunde quiquefidae, eglandulosae, marginales
non radiantes. Achenia 6 mm longa, glabra, umbelico non barbata, papposa. Pappus pluribus setarum
ordinibus compositus, fructo paulo brevior. Floret Julio.
Synonyme.
Centaurea alpina Lam., Encycl. meth. I, p. 663 (1783). — Willd. Spec. plant. Ed. IV, III, p. 228! (1800).
Centaurea alpina (baldensis) Persoon, Syn. plant., p. 481 (1807).
Centaurea alpina, var. Cornuti Rchb., Icon. exot. s. Hort. bot. II, p. 18 (1828).
Centaurea Cornuti Rchb,, 1. c. Tab. 146. 4
Centaurea alpina Rchb., Fl. germ. exc., p. 212 (1831). — De Cand., Prodr. syst. veg. VI, p. 966
(1837). — Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 11 (1852). — Tommasini in Verh. d. zool. bot. Ges.
XV, Sitz. Ber., p 76 (1865)! — Nym., Consp. fl. Eur., p. 420 (1878— 1882). — A. Kern., Sched. ad fl. exs.
Austro-Hung. I, p. SO (1881)! — Marches, Fl. di Trieste, p. 319 (1896—1897).— Fritsch, Exc.-Fl. f. Österr.
p. 595 (1897).— Pospich,, Fl. d. österr. Küstenl. II, p. 930 (1899).
Abbildungen.
Rchb,, Iconogr. exot. s. hort. bot. II, Tab. 146. — Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 20. —
Taf. I, Fig. 1.
Exsiccaten.
Baenitz, Herb, Europ. Nr. 2496. — Kern., Fl. exsicc. Austro-Hung. Nr. 223.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 393
Verbreitung.
- Sehr zerstreut längs des Südrandes der Alpen von Piemont bis in die Hercegovina, angeblich auch
Spanien und Serbien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale: Am Cavn von mir entdeckt, später auch bei Sessana gefunden, Josch (H. F.L). Am
vn (Zhaun) bei Heidenschaft, Josch (H. Kk.), Rastern (H. U. W., H. z. b. G., H. K.).
Am östlichen Abhang eines Hügels unweit des Dorfes Merce, zwischen den Stationen Sessana und
acca der Karstbahn, circa 30 Klafter ober dieser, zuerst gefunden am 6. September 1865 in Gesellschaft
" Durchlaucht des Fürsten Colloredo-Melz; in Blüte gesammelt am 3. Juli 1866, Tommasini
. z. b. G.). Auf einem Hügel bei Povier nächst Sessana, Pittoni (H. P. Z.,,H. U. W., H.K.,H. z. b. G.),
ichler (H.P. Z, H. Ronniger). Bei Sessana, Rastern (H. Kk., H. F. 1.). Wettstein (H.U.W.), Pittoni
. K., H. Hal., H.%. b. G.,H. U. W.H.U.P.) Pichler (H. Hal, H. H.M.), Graf (H. Hal. H.H. M,, H. z.
-G.). Auf einem Karsthügel bei Merce (Merzhe) nächst Sessana, Tommasini (H. U. W., H.K., H. Hal,,
.H.M., H. z. b. G.). Am Karst bei Triest, Huter (H. F. I). Auf der Povinska-Gora bei Sessana, Pittoni
1 BE HM.) Pichler (H. Beck, H. U. W, H.H.M, H. Hal, H. F. L, H. UIl.)!
Bosnien: Auf steinigen Abhängen des unteren Dormitor, Blau (H. B.).
Hercegovina: In declivibus graminosis saxosisque montis Porim prope Mostar, »Kod Sumar Kuiäi«
stis, frequens, Vandas (H. Ser.). In dumetis graminosis ad radicem montis Porim supra »Potoci Han«
spersa, Vandas (H.H.M.).
Centaurea alpina L. ist von allen übrigen Arten der Untergattung Centaurium leicht zu unter-
heiden und zeigt noch am ehesten eine Ähnlichkeit mit C. Ruthenica Lam., die von ihr jedoch durch
dunkelgrünen, scharf gesägten Blätter und die hellere Blütenfarbe verschieden ist. C. alpina variiert
ür in geringemGrade in Bezug auf den Rand der Blättchen; bald sind alle ganzrandig, bald das unpaarige
hen allein, bald einzelne oder alle auf einer oder beiden Seiten mehr minder vollkommen gesägt,
xemplare mit rundum gesägten Blättchen gehören zu den Seltenheiten. Sonstige Abänderungen sind mir
bekannt.
+
2. Centaurea Ruthenica Lamarck, Encycl. meth. I, p. 663 (1783).
Perennis. Rhızoma lignosum, breve, descendens, monocephalum. Caulis erectus, ad 1'50m altus,
gulato-striatus, simplex vel in parte superiore in ramos nonnullos simplices divisus, ad basin et ad
ionem foliorum infimorum interdum sericeo-lanuginosus, caeterum glaberrimus. Folia basalia
olata, caulina sessilia, omnia simpliciter pinnata, foliolis utringue 6—10 sessilibus parum ad rhachym
entibus vel brevissime petiolatis anguste-lanceolatis argute simpliciter vel composite mucronato-
fratis, ufringue glaberrima, saturate viridia. Capitula in apice caulis vel ramorum singularia, cylindra-
0-ovata, ad basin depressa, ca. 23 mm et 20 mm lata. Squamae involucri pallide virides, apicem versus
scurae, fusce nervoso-lineatae, exteriores ovatae, interiores mox elongatae, lineares, obtusae, inte-
Irimae, series intimae 1—2 cum appendicibus scariosis orbicularis fuscis, exteriores sine appendicibus,
ıcto paulo brevior. Floret Julio, Augusto.
Synonyme.
Centaurea Ruthenica Willd., Spec. plant. Ed. IV, III, p. 228! (1800). — Besser, Enum. pl. Volh.
34 (1822), non Baumgarten. ?
1 Die Standortsangaben: Povier, Sessana, Merce, Povinska-Gora und Triest dürften sich alle auf dieselbe Localität beziehen.
® Cenlaurea Ruthenica Baum. ist gar keine Centaurea, sondern Serratula coronata L.
[7
594 August v. Hayek.
Centaurea Centaurium Host, Fl. Austr., p. 514 (1831) non Linne!
Centaurea Ruthenica De Cand., Prodr. syst. veget. VI, p. 566 (1837).
Centaurea Ruthenica Maly, Enum. pl. Imp. Austr. un., p. 135 pro parte (1848).
Centaurea Centaurium Maly,. c., p. 135 pro parte.
Centaurea Schwarzenbergiana Schur in Verh. und Mitth. d. Siebenb. Ver. für Naturw. VI, p. 4! (1855)
und m öst. bot. Wochenbl. X, p. 356 (1860).
Centaurea Ruthenica Janka im öst. bot. Wochenbl., VI, p. 145! (1856).
Bielzia Schwarzenbergiana Schur, Enum. plant. Trans., p. 409 (1866)!
Centaurea Ruthenica var. typica Trautv., Enum. plant. Songor., p. 65 (1866).
Centaurea Ruthenica Knapp, die bish. bek. Pf. Galiz. u. d. Bukow., p. 143 (1872). — Boiss., Fl. or. Ill
p. 623 (1875). — Nym., Consp. fl. Europ., p. 420 (1878—82). — Simonk., Enum. fl. Transs., p. 345
(1886).
Centaurea Ruthenica a. genwina 2 typica Korsh., Tent. fl. Ross. or.. p. 235 (1898).
Abbildung.
Tatalaıc2:
Verbreitung.
Von Mittelasien durch Mittel- und Süd-Russland bis Ostgalizien und Siebenbürgen.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Galizien: Galizien, Rehmanın (H. z. b. G.).
Siebenbürgen: In declivibus elatis herbidis inter pagos Arpahida, Kolos et Korpäd, Janka (H. Hal,
H. H.M, HD. U.P, H.K,H. U. W, H. P.Z, H. z. b.G.). Bei Kolos und Korpad, Wolff (HE 7) or
bei Korpäd, Wolff (H. P. Z.). Bei Kolos, Barth (H. Hal. H. H. M. H. Kk., H. U. W.). Auf dem Mezöseg
bei Arpahida, Schur (H. H. M, H. U. W., H. z. b. G.).
Schur hielt die siebenbürgische Pflanze von der russischen für verschieden und beschrieb sie
(mit Genehmigung seiner Durchlaucht des commandierenden Generals Fürsten zu Schwarzenberg!)
in den Verhandlungen des siebenbürgischen Vereines für Naturkunde als C. Schwarzenbergiana.
Diese soll sich von der russischen Pflanze durch das an der Basis gestutzte Köpfchen, schmälere
Blattlappen und nicht an der Blattbasis herablaufende Blättchen unterscheiden. Originalexemplare von
Schur zeigen jedoch zum Theil kurz gestielte, zum Theil aber auch kurz herablaufende Blättchen; die
Köpfchen sind aber an der siebenbürgischen Pflanze nicht mehr an der Basis gestützt als an anderen
Exemplaren und die Blättchen der €. Schwarzenbergiana Schur sind gewiss nicht schmäler als die
mancher russischer Formen.
Unsere Pflanze entspricht im allgemeinen der von Trautvettera.a. O.als var. /ypica bezeichneten
Varietät. Ob die übrigen von Trautvetter und Korshinsky angeführten Varietäten /yrata Trautv,,
bipinnatifida Trautv., angustiloba Korsh. und hispida Korsh. thatsächlich nur Varietäten oder auf
bestimmte Gegenden begrenzte Rassen sind, vermag ich, da ich aus Russland und Asien nicht genügendes
Material gesehen habe, nicht mit Sicherheit zu entscheiden, doch neige ich mich eher zu der ersteren
Ansicht, da auch bei unseren Formen die Breite der Blattzipfel in gewissen Grenzen schwankt, so dass
Exemplare mit breiteren Blattabschnitten der var. Zyrata Trautv., solche mit schmäleren der var. angusti-
loba Korsh. sich nähern. Im allgemeinen stimmen aber unsere Exemplare mit solchen aus Volhynien, die
ja wohl auch Lamarck vorgelegen waren, vollkommen überein, und man kann daher die Pflanze mit
vollem Recht als Centanrea Ruthenica Lam. bezeichnen.
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 595
Die Untergattung Centaurium umfasst außer den eben aufgeführten beiden Arten noch C. Tagana
Brot, C. amplifolia Boiss. et Heldr., C. centaurium L. und zwei mir nicht näher bekannte nord-
afrikanische Species. Diese fünf europäischen Arten stehen unter einander in ziemlich nahem verwandt-
schaftlichen Verhältnis und lassen sich noch in zwei Gruppen theilen, von denen die eine €. ruthenica
und C. alpina, die andere die übrigen drei Arten umfasst. Jede dieser Arten bewohnt ein ziemlich
beschränktes Gebiet. C. Tagana findet sich nur auf einigen Gebirgen Spaniens und Siciliens, ©. centaurium
‚sehr zerstreut auf der Apenninen-Halbinsel, C. amplifolia ist endemisch im Peloponnes; C. alpina kommt
sehr zerstreut von Spanien längs des Südfußes der Alpen, angeblich bis Serbien vor, und nur €. Ruthenica
bewohnt im Osten ein ausgedehnteres zusammenhängendes Gebiet. Zudem zeigen alle diese Arten ein
sehr geringes Variationsvermögen, und wir können aus diesen Umständen schließen, dass wir es mit sehr
alten, zum Theile dem Aussterben nahen Typen zu thun haben. Es ist anzunehmen, dass die gemeinsame
Stammform sich zuerst in eine nördliche und eine südliche Art spaltete. Die südliche dürfte sich dann in
drei, den drei stfdlichen Halbinseln Europas entsprechende Formen geschieden haben, als deren Reste
ir die Arten amplifolia, centaurium und tagana betrachten dürfen. Die nördliche Form hingegen schied
ich anscheinend in eine südwestliche, die Alpen, vielleicht auch die Pyrenäen und die Gebirge der nörd -
lichen Balkanhalbinsel bewohnende, und eine nordöstliche, die pontischen Steppen bewohnende Form.
ur Eiszeit wurde nun die erste, C. alpina, aus ihren Standorten verdrängt und hat sich nur an wenigen
Punkten der Südgrenze ihres ehemaligen Verbreitungsgebietes erhalten, während in Südosteuropa, dem
erbreitungsgebiet der C. Ruthenica, eine ausgebreitete Vergletscherung nicht eintrat, weshalb diese Art
auch die Möglichkeit hatte, sich weiter auszubreiten und Varietäten zu bilden.
Warum die drei südlichen Arten, die ja durch die Vergletscherung zur Eiszeit nicht betroffen
wurden, eine solche Beschränkung ihres Vorkommes erfahren haben, lässt sich wohl auch aus
der Änderung des Klimas ihrer Heimat, wo ja früher subtropische Verhältnisse geherrscht haben,
erklären. Jedenfalls aber können wir sämmtliche genannten Arten als Reste der vorglacialen Zeit
nsehen.
I. Untergattung. Calcitrapa. Cass., Dict. d. scienc. nat. XLIV, p. 38.
Hüllschuppen mit einem kurzen, knorpeligen, in einen hand- oder fiedertheiligen oder mindestens an
der Basis mit kleinen Seitendörnchen bewehrten Dorn auslaufenden Anhängsel. Pappus zweireihig oder
fehlend. Große oder mittelgroße Arten mit großen bis kleinen Köpfchen.
1. Section. Eucalcitrapa Hayek.
Köpfchen auf verkürzten seitenständigen Zweigen sitzend. Dorn der Hüllschuppen an der Basis mit
2-3 Seitendörnchen bewehrt, Hüllschuppen am Rande meist trockenhäutig, Blätter getheilt, nicht herab-
laufend. Einjährige oder zweijährige Arten mit mittelgroßen Köpfchen.
s 3. Centaurea calcitrapa Linne&, Spec. plant Ed, I., p. 917 (1753).
Biennis. Radix fusiformis, crassa. Caulis erectus vel ascendens, angulatus, pilis crispulis asper, a
basi divaricato-ramosus ramis iterum ramosis ad insertionem ramulorum e directione vergentibus. Folia
basalia petiolata, pinnatifida, lobis lanceolatis acutis remote serratis, florendi tempore emarcida, caulina
inferiora et media sessilia, lobis lanceolatis mucronatis serratis, superiora lanceolata vel hastiformia
mucronata serrata. Folia omnia viridia, utrinque pilis crispulis plus minusve sparsim obtecta, margine
glabra. Capitula terminalia et lateralia, sessilia, foliis supremis suffulta, cylindraceo-ovata, 10 mm longa et
6 mm lata. Squamae involucri glabrae, intimae lineares cum appendicibus scariosis ovatis, ceterae late
Ovatae inconspicue nervosae, margine Scariosae, in spinam validam patentem ad basin spinulis utringue
1—3 armatam pallide fulvam productae. Corollae dilute purpureae, glandulis sessilibus obtectae, ad
medium quinquefidae, marginales non radiantes. Achenia 2!/, mm longa, glabra, hylo imberbi, epap-
posa. Floret aestate.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd.
I
[o2]
596 Augustv. Hayek,
Synonyme.
Rhaponticum calcitrapa Scop., Flor. Carniol. Ed. II, II, p. 136 (1772
Calcitrapa stellata Lam., Flore frang. Il, p. 34, (1778).
Calcitrapa hippophaestum Gärtn., De fructib. et. semin. II, p. 376 (1791).
Centaurea calcitrapa Host., Syn. plant. in Austr. eresc., p. 477 (1797). — Willd., Spec. plant. Ed. IV,
III, p. 2327! (1800). \
Calcitrapa hippophaestum Baumg., Enum. stirp. Transs. III, p. 69 (1816).
Calcitrapa stellata Cass. in Dict. des science. nat. VIII, p. 251 (1817).
Hippophaestum vulgare Gray, A nat. Arrangem. of Brit. plants, II, p. 443 (1821).
er en Bartl. in Bartl. u. Wendland, Beitr. z. Bot,, p. 119 (1825). — Sadl, Com.
Bl. Pest. BAT, p. 292 (1826). — Host, Fl. Austr. Il, p. 512 (1831). — Rchb,, Fl. Germ. exc., p. 218
(1831). — Be A Prodr. Syst. veg. VI, p. 597 (1837). — Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. I, p. 414
(1837). — Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 306 (1844). — Syn. fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 475
(1844). — Neilr., Fl. v. Wien, p. 250! (1846).— Vis., Fl. Dalm., II, p. 41 (1847). — Maly, Enum. plant.
phan. Imp. Austr., p. 138 (1848).
Centaurea adulterina Maly, ].c.p. 138 (1848).
Centaurea calcitrapa Gren. et Godr., Fl. Franc., II, p. 261 (1850). — Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 500
(1851). — Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 42 (1852). — Bertol, Fl. Ital., IX, p. 483 (1853)
Neilr., Fl. v. Nied. Öst., p. 382! (1859).
Calcitrapa hippophaestum Schur, Enum. plant. Transs., p. 409! (1866).
Centaurea calcitrapa Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm,, p. 253 (1867). — Schloss. et Vuk, Fl. Croat:
743 (1869). — Kern., Veg. Verh. von Ung. u. d. angrenz. Siebenb. in öst. bot. Zeitschr., XXII, p. 148, Sep.
p. 282! (1872). — Boiss., Fl. orient. III, p. 689! (1875). — Freyn, Fl. v. Süd-Istr. in Verh. d. zool. bot. Ges.
XXVII, p. 363 (1877). — Nym., Consp. Fl. Eur., p. 431 (1878— 1882). — Simonk., Enum. flor. Transs,,
p. 350 (1886). — Beck, Fl. v. Nied. Öst., II, p. 1257! (1893). — March,, Fl. di Trieste, p. 323 (1896). —
Hal. Fl. v. Nied. Öst., p. 301!(1896) — Die bish. bek. Centanrea-Arten Griechenl. in Bull. de !’herb. Boiss.
VI, p. 651, Sep. 58! (1898) — Pospich,, Fl. d. öst. Küstenl. II, p. 921 (1899).
Abbildungen.
Sturm, Deutschl. Fl. Heft 5. — Dietr., Fl. Bor. VIII, tab. 551. — Engl. Bot. tab. 125. — Reichenb.
fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, tab. 67, fig. 1. — Taf. I, Fig. 2.
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 28, Nr. 2757. — Reliqu. Maillean. Nr. 1342.
Verbreitung.
Auf steinigen, trockenen Stellen, Grasplätzen, auf Schutt, an Wegen und wüsten Plätzen durch das
ganze südliche Europa, den Orient und Ägypten und eingeschleppt stellenweise durch ganz Mittel-
Europa.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Niederösterreich: Bei Wien, Ig.? (H.U.P.) Haszlinsky (H. Klef.). Ufer der Wien, Redten-
bacher (H.P. Z.). An der kleinen Schönbrunner Linie, Portenschlag (H. H.M.). Bei Schönbrunn,
Hayne (H.H.M.). Papperitz (H. H.M.). An den Mauern von Schönbrunn, Zahlbruckner (H. U. P).
Hernals, Putterlick (H. H. M.). Am Alserbach bei Hernals, Breidler (H. U. W.). Neilreich (H.H. M). |
Hutweiden bei Baumgarten, Juratzka (H. 2. b. G.). Neilreich (H. H. M.). Liesing, Breindl (H. H. M.).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 597
Tirol: Rovereto, Cristofori (H. F.].).
Litorale: Goricia, Wulfen (H. H. M.). Am Karst bei Duino nächst Triest, Hayek. Opcina, Keck
(H. Kk.). Scala Santa bei Triest, Tommasini (H. z. b. G.). Bei Triest, Ullepitsch (H. Ull.). J. Kerner
(H.K), Tommasini (H.z.b.G.), Hayek. Servola bei Triest, Beck (H. Beck). Zaule bei Triest,
Engelhard (H.E,H.K. H.H.M., H.Hay.). Pola, Ginzberger (H. U. W.) Insel Cherso, Tommasini
KH. z. b. G.)
Ungarn: Pest, Kerner (H. K.), Dorner (H. H. M.). In pascuis et arvis praedii »Sinatelep« prope
Eresi, Com. Stuhlweißenburg, Tauscher (H. K., H. U. W.). Boros-Sebes, Kerner (H. K.). Futäk, Com.
äcs, Schneller (H. U. W.). Egrer im Banat, Wolfner (H. z. b. G.)
Siebenbürgen: Hermannstadt, Schur (H. H. M.).
Kroatien; Syrmien, Godra (H. F.1.). Mitrovic, Godra (H.U. W., H.K.). Fiume, No& (H. Kk.), leg.?
(H. U. W., H. z. b. G.). An Wegen und wüsten Plätzen bei Buccari, Hirc (H. U. W.).
Dalmatien: Zara, Breindl (H. H. M.). Ragusa, leg.? (H. H. M.)
Bosnien: Banjaluka, Hofmann (H.F.I, H.Ser.). Bei Gorazda an der Drina, Beck (H. Beck).
Auf Schutt und an Wegrändern bei Serajevo, Beck (H. Beck), Fiala (H. Ser.). Defille Puticevo bei
ravnik, Brandis (H. Ser.). Travnik, Brandis (H. U. W). Dolnja-Tuzla, Beck (H. Beck).
Außer in den genannten Kronländern wird C. calcitrapa von den Autoren auch für Oberösterreich
nd Böhmen angeführt. Obwohl ich keine Exemplare von dort gesehen habe, zweifle ich an dem Vor-
ommen dieser Art in den genannten Ländern keineswegs. Wirklich wild wächst die Pflanze wohl nur in
üdtirol, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Dalmatien und im Litorale, wo sie, namentlich bei Triest, in Gesell-
schaft von Eryngium amethystinum L., Euphorbia Nicaeensis All, Bupleurum aristatum Bartl, Cartha-
mus lanatus L. und Cirsium acaule (L.) Scop. die Hauptmenge der Sommervegetation der Karst-
plateaux bildet.
Auch in Niederösterreich soll C. calcitrapa angeblich wild wachsen. Auf den vorhin aufgeführten
Standorten dürfte die Pflanze jetzt aber kaum mehr zu finden sein, wurde hingegen noch in jüngster Zeit
von Rassmann auf der Türkenschanze bei Wien beobachtet. Ich glaube, dass das Vorkommen von
C. calcitrapa in Niederösterreich, wie auch an sonstigen Orten Deutschlands, ein zufälliges ist, und halte
es auch für leicht möglich, dass die Pflanze in Böhmen und Oberösterreich eingeschleppt wurde. Hingegen
zweifle ich nicht, dass sie im südlichen Krain, in der Umgegend von Adelsberg oder St. Peter vorkommt,
obwohl mir keine diesbezüglichen Belegexemplare vorliegen.
Centaurea calcitrapa ändert nur in geringem Maße ab. Die Enddorne der Hüllschuppen sind bald
schwächer, bald stärker entwickelt und verleihen in letzterem Falle der Pflanze ein an C. Iberica Trev.
gemahnendes Ansehen. Hieher gehört wohl auch die var. B autumnalis D.C. Prodr. VI, p. 597, »foliis
infimis bipinnatilobis, summis pinnatilobis, squamis involuceri etiam inferioribus in spinas longas productis«;
wenigstens halte ich sie nach der gegebenen Beschreibung nur für eine an besonders günstigem Stand-
orte kräftig entwickelte Form der gewöhnlichen C. calcitrapa, während De Candolles Var. x brevi-
canlis (l. c.) »caule humili demisso, foliis omnibus fere radicalibus« nur eine Magerform der Pflanze zu
sein scheint. j
Von den verwandten Arten ähnelt der C. calcitrapa am meisten die nachstehend beschriebene
C. Iberica Trev. Über die Unterschiede beider Arten siehe unten.
4. Centaurea Iberica Trev. in Sprengel Syst. nat. Ed. XVI, III, p. 406 (1826).
Biennis. Radix fusiformis, ramosa. Caulis erectus vel ascendens, angulatus, a basi vel infra medium
divaricato-ramosus ramis iterum ramosis, ad 80 cm altus, parce pilosus. Folia basalia petiolata, runcinato-
vel Iyrato-pinnatisecta, lobis ovalibus obtusis denticulatis. Folia caulina sessilia, inferiora pinnatifida lobis
76*
598 Augustv. Hayek,
lanceolatis vel lineari-lanceolatis denticulatis mucronatis, superiora saepe integra lanceolata denticulata
mucronata. Folia omnia viridia, ad marginem setulis minimis ciliata atque utrinque, inprimis ad nervos
in pagina inferiore, pilis crispulis sparse pilosa. Capitula terminalia et lateralia, sessilia vel brevissime
pedunculata, foliis supremis involucrata, ovata, Id mm longa et 10 mm lata. Squamae anthodii glabrae,
enervosae vel inconspicue striatae, in margine plus minusve scariosae, intimae cum appendicibus scariosis
ovatis, ceterae cum appendieibus cartilagineis in spinam validam 15—20 mm longam patentem, superne
plus minus sulcatam, ad basin utrinqgue spinulis 1-3 armatam productae. Corollae laete purpureae,
ad medium quinquefidae, glandulis sessilibus sparsim obtectae, marginales vix radiantes. Achenia 21/, mm
longa, glabra vel pilis sparsis obtecta, umbelico non barbata, fusca, papposa. Pappus biserialis, fructu paulo
brevior. Floret aestate.
Synonyme.
Centaurea calcitrapa Marsch. v. Bieb., Fl. Taur. Cauc. III, p. 594 (1812).
Centaurea Iberica Griseb., Iter hung. in Wiegmanns Arch. f. Naturgesch., XVII, p. 347 (1852).
— Rchb. fil. Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 43 (1852). — Janka in öst. bot. Zeitschr. VI, p. 363! (1856).
— Heuff., Enum. pl. Ban. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges. VIII, p. 144! (1858).
Calcitrapa Iberica Schur., Enum. plant. Transs., p. 409 (1866).
Centaurea Iberica Boiss., Fl. or. Ill, p. 689 excl. var.! (1875).
Centaurea calcitrapoides Borb. in Math. &s termeöszett. Közlem XI, p. 261 (1876).
Cenlaurea Iberica Nym., Consp. fl. Eur. p. 431 (1878—1882). — Brandza, Prodr. Fl. Roman., p. 306
(1879 — 1885). — Simk., Enum. fl. Transs., p. 351 (1886). Hal. die bis. bek. Centaurea-Arten Griechenl.
in Bull. de l’herb. Boiss., VI, p. 652, Sep. p. 59! (1898).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 67, Fig. II. — Taf. ], Fig. 4.
Exsiccaten.
Fl. exsiec. Austr. Hung. Nr. 3436. — Callier, Iter Taur. sec. a. 1896, Nr. 132. — Kotschy, Iter
Syriac. 1855, Nr. 159. — Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. cent. 27, Nr. 2652. — Sintenis, It. orient. 1888,
Nr. 1028. — Sintenis, It. orient. 1889, Nr. 1412. — Heldr., It. IV. Thess. a. 1885.
Verbreitung.
Auf Weiden, wüsten Plätzen u. dgl. auf der Balkanhalbinsel, in Südrussland, Kleinasien, Armenien
und Mittelasien bis Afghanistan und Beludschistan.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: In siceis infra montem Allion ad Orsova, Borbäs (H. Kk.). Bei Orsova, Borbäs (H.K.,
H. U. W.). An Gräbern und wüsten Plätzen bei Alt-Orsova, Csatö (H. z. b. G.), Ig.? (H. H. M.).
Siebenbürgen: In Transsilvaniae regione campestri, Janka (H. H.M.). In desertis ad Szamos-
Ujvär, Janka (H.E, H.K, H. H. M.), Kanitz (H.E, H.H.M.), Läng (H. U. W.). Grenzzollamt Privna
Ugiemezului bei Tredt, Fuss (H. K.),
Centaurea Iberica Trev. sieht der ©. caleitrapa L. sehr ähnlich, ist aber von ihr durch den Pappus
und größere Köpfchen leicht zu unterscheiden. Von C. hyalepis Boiss. und C. pallescens Del. ist sie durch
die rothen Blüten verschieden.
Die in Ungarn vorkommende Pflanze entspricht (nach Einsichtnahme in Boissiers Originale) der
typischen (©. Iberica Boiss.; ©. Meryonis D. C. unterscheidet sich von ihr durch graubehaarte Blätter
Centaurea- Arten Osterreich-Ungarns. 599
und den breiteren skarösen Rand der Hüllschuppen, C. Hermonis Boiss. durch gelbliche Blüten und
leinere Köpfchen.
Centaurea calcitrapa L. und C. Iberica Trev., wie auch C. Meryonis D. C., C. Hermonis Boiss.
©. pallescens Del. und C. hyalolepis Boiss. stehen in morphologischer Beziehung einander so nahe, dass
es wohl keinem Zweifel unterliegt, dass dieselben von einer gemeinsamen Stammform herstammen. Wann
und unter welchen Umständen jedoch diese Spaltung in mehrere Formen eintrat, entzieht sich wohl
unserer Beurtheilung, da die genaueren Verbreitungsgebiete, die vielleicht diesbezüglich Anhaltspunkte
geben könnten, einerseits wenig genau bekannt, andererseits die ehemaligen Grenzen derselben durch
äufige Einschleppungen verwischt sind. Wir können daher nur aus den morphologischen Verhältnissen
chlüsse ziehen, welche uns dazu führen, dass die pappuslose C. calcitrapa L. wahrscheinlich als eine
euere Bildung anzusehen ist, während C. Iberica Trev., C. Meryonis und C. Hermonis als Formen zu
betrachten sind, die untereinander sehr eng verwandt sind und erst in späterer Zeit sich von einander
etrennt haben.”
2. Section. Mesocentron De Cand. Prodr. VI. p. 592.
Blätter am Stengel herablaufend, die oberen ungetheilt. Enddornen der Hüllschuppen an der Basis
und manchmal bis zur Mitte fiederförmig mit kleinen Dornen besetzt. Köpfchen an den Zweigen end-
ständig oder auf sehr verkürzten Zweigen seitenständig sitzend. Ein bis zweijährige Arten, mit mittel-
roßen bis großen Köpfchen.
A. Melitenses. Köpfchen auf sehr verkürzten Zweigen seitenständig sitzend.
5. Centaurea Melitensis L. Spec. plant. Ed. I., p. 917 (1753).
Biennis vel annua. Radix fusiformis, mono- vel pluricephala. Caulis erectus, strietus, ad 80 cm altus,
angulatus et in parte superiore foliis decurrentibus alatus, scaber, infra vel supra medium in ramos
nonnullos saepe iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina infima in petiolum attenuata, lanceolata,
Iyrato-pinnatifida vel sinuato dentata, lobis oblongis obtusiusculis, caulina media et superiora lanceolata
vel linearia acutiuscula, mucronata, longe lateque decurrentia, dentata vel integerrima. Folia omnia viridia,
ad marginem setulis minimis aspera et utrinque crispe pilosa. Capitula terminalia et lateralia singularia
el bina ternave glomerata, ovoideo-globosa, 12 mm longa, 10 mm lata. Squamae anthodii flavescentes,
puberulae, intimae cum appendicibus scariosis lanceolatis mucronatis, ceterae cum appendicibus brevibus
in spinam acutissimam patentem 5—8 mm longam, ad basim utrinque spinulis 1—3 armatam rarius et in
medio spinulam utrinque gerentem, productae. Corollae sulfureae, marginales non radiantes, breviores,
glandulis sessilibus plus minus dense obsitae. Achenia glabra, lucida, 2!/,—3 mm longa, hylo non barbata,
papposa. Pappus biserialis, fructu fere aequilongus. Floret aestate.
Synonyme.
Centaurea Apula Lam., Encycl. method. I, p. 674 (1783).
Cyanus Melitensis Gärtn., De fruct. et seminib. II, p. 383 (1791).
Centaurea Melitensis Willd., Spec. plant. Ed. IV, III, p. 2310! (1800).
Triplocentron Melitense Cass. in Dict. des scienc. nat. L, p. 369 (1824).
Centaurea Sicula Botteri in Sched! — Host., Fl. Austr. II, p. 521 (1832).
Centaurea Melitensis De Cand., Prodr. VI, p. 593 (1837). — Koch, Syn. fl. Germ. et Helv. Ed. II,
p. 475 (1844). — Vis., Fl. Dalm. II, p. 41 (1847).
Centaurea Sicula Maly, Enum. pl. phan. Imp. Austr., p. 138 (1848).
Centaurea Melitensis Gren. Godr., Fl. Frang. II, p. 262 (1850). — Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv.
XV, p. 42 (1852) — Bert. Fl. Ital. IX, p. 478 (1853). — Schloss. et Vuk., Fl. Croat., p. 744 (1869). —
Boiss., Fl. orient. III, p. 686 (1875). — Nym., Consp. Fl, Eur,, p. 431 (1878— 1882). — Garcke, Fl. v.
600 Augustv. Hayek,
Deutschl. Ed. XV, p. 241 (1885). — Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten, Griechenl. im Bull. de l’herb,
Boiss. VI, p. 651, Sep., p. 58! (1898.)
Abbildungen.
Reichenb. fil. le. Bl. Germ-et Hely.XV, Tab. 65, Fig. I — Tat, Bis1:
BRssieeaten.
Heldreich, Pl. exs. a. 1848, Nr. 2069. — Magnier, Fl. sel. exs., Nr. 1733. — Husnot, Pl. Canar,
1866, Nr. 436. — Schultz, Hb. norm. Cent. 7, Nr. 694.
Verbreitung.
In Südeuropa und Nordafrika einheimisch, jetzt stellenweise fast auf der ganzen Welt ein-
geschleppt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien: Dalmatien, R. C. Alexander (H. H.M.). Insel Lesina, Portenschlag (H.U.P,,
H.H.M.), Botteri (H. H.M, H. 2. b.G)) Pichler (H. K.). Cattaro, Pichler (H, J, &%)
Hercegovina: Trebinje, Boller (H. Ser.).
B. Sulfureae. Köpfchen an den Zweigen endständig.
6. Centaurea Adami Willdenow. Spec. plant. Ed. IV, III, p. 2310! (1800).
Biennis. Radix fusiformis, ramosa. Caulis erectus, strictus, ad 50 cm altus, angulatus et foliis decur-
rentibus alatus, cano-tomentosus, a medio in ramos nonnullos erecto-patentes plerumque non valde elon-
gatos simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia lyrato-pinnatifida lsbis oblongis dentatis vel
integerrimis, caulina lineari-lanceolata mucronata longe lateque decurrentia, omnia dense lanato-cano-
tomentosa. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, ovata, ca. 12 mm longa et 8 mm
lata. Squamarum anthodii intimae series 2— 3 lanceolatae cum appendicibus scariosis ovatis, ceterae
ovatae vel orbiculares cum appendicibus brevisssimis spina palmato-quinquefida fuscescente terminatis,
spina media vix validiore 4—7 mm longa. Corollae sulfureae, eglandulosae, marginales non radiantes.
Achenia 2!/, mm longa, glabra, umbelico non barbata, papposa, pappus biserialis fructa medio longior.
Floret Julio, Augusto.
Synonyme.
Centaurea Adami Marsch. v. Bieberst., Fl. Taur. Cauc. II, p. 355, saltem pro parte (1808.) —
Sadler, Fl. Com. Pest., II, p. 291, pr. p. (1826). — Rchb,, fl. Germ. exc. p. 218 (1831).
Centaurea solstitialis ß. Jappacea De Cand,, Prodr. syst. veg. VI, p. 594, pr. p. (1837).
Centaurea Adami Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 138 (1848). — Rchb. fil., Icon. fl. Germ.
et Helv. XV, p. 42 (1852).
Centaurea solstitialis ß. Adami Heuff., Enum. pl. Ban. Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges. VII, p. 144
(1858).
Calcitrapa Adami Schur, Enum. pl. Transs., p. 409! (1866).
Centaurea solstitialis ß. Adami Boiss., Fl. or., III, p. 685 (1875).
Centaurea Adami Nym., Consp. fl. Eur., p. 430 (1878— 1882).
Centaurea solstitialis ß. Adami Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten Griechenl. in Bull. de l’herb.
Boiss., VI, p. 650, Sep. p. 57! (1898).
Centaurea solstitialis f. brevispina Lang in Schedis!
EEE
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 601
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 64, Fig. II. — Taf. II, Fig. 2.
Bissiacat
Rehmann et Woloszczak, Flora Polon. exs. Nr. 191 (als €. solstitialis).
Verbreitung.
Nach Wildenow »in Iberia«; Boissier gibt als Heimat Macedonien und Transkaukasien an. Da
aber von den meisten Autoren C. solstitialis und C. Adami nicht von einander geschieden werden, sind
Sichere Literaturangaben nicht aufzufinden; wahrscheinlich ist die Pflanze ursprünglich in Westasien,
vielleicht in Transkaukasien heimisch gewesen und von da in den Orient und nach Ungarn verschleppt
worden.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Hungaria, Haläcsy (H. Hal, H.z.b. G.). Blocksberg bei Ofen, Grundl (H.P. Z,)
echinger (H.U.P.). Ofen, L. Richter (H. E.), Balek (H.K, H.H.M.,H. z. b. G.), Bayer (H. z.b. G,,
H. H. M.). Schwabenberg bei Budapest, Borbäs (H. H.M.). St. Endre bei Ofen, Borbäs (H. Ull.). Ung.
Altenburg, Fenzl (H. H. M.).
Siebenbürgen: Klein-Scheuren, Schur (H. H. M.)
Von den meisten Autoren wurde Willdenows Centaurea Adami vichtig gedeutet, obwohl (außer
Boissier und Reichenbach) keiner Willdenows Herbar gesehen haben dürfte, und aus Willdenows
Angaben in den »Species plantarum« wohl kaum die Pflanze erkannt werden kann. Ich stelle im
folgenden Willdenows Diagnose und Beschreibung von Centaurea solstitalis und Adami neben-
Centaurea solstitialis: Centaurea Adami:
Centaurea calycibus palmato-spinosis Centaurea calycibus palmato-spinosis
integerrimis solitariis
Spinis rectis spinis rectis
squamis intimis apice scariosis
foliis canescentibus lineari-lanceolatis decurrentibus foliis tomentosis lanceolatis decurrentibus infimis
integerrimis radicalibus lyratis. denticulatis basi pinnatifidis.
Habitat in arvis Galliae, Angliae, Italiae, Ger- Habitat in Iberia. ©
maniae. ©
Caulis erectus pedalis apice ramis aliquot unifloris
instructus, incanus et alatus a foliis decur-
rentibus.
Folia utringue tomentoso-incana lineari-lanceolata,
superiora semipollicaria integerrima decurren-
tia, inferiora sesquipollicaria denticulata
decurrentia lanceolata basin versus pinnati-
fida.
Folia radicalia Iyrata acuminata.
‚Flores terminales solitarii. Pedunculi longissimi
foliosi, ad calycem nullum foliolum.
Calyces magnitudine C. solstitialis solitarii in apice
ramorum et caulis, squamis ovatis viridibus,
602 Angustv. Hayek,
Spinae calycis albae longiores sub calyce. basi inferioribus apice spina flava palmata terminatis,
tantum dentatae. quarum intermedia longior, superioribus apice
squama scariosa fusca lacera inermi auctis.
Corollae flavae. Radius disco brevior.
Reichenbach bemerkt hiezu ganz richtig: »Ex auctorum diagnosi colligeres forsan, huius
(€. Adami) tantum nec praecedentis (C. solstitialis) appendices intimos esse scariosos, quam ob rem saepe
commutatur«. i
Willdenow führt thatsächlich zweimal an, dass die innersten Hüllschuppen bei €. Adami »apice
scariosae« seien, während er bei der, seiner Ansicht nach ja bereits bekannten, €. solstitialis nichts dies-
bezügliches bemerkt, allerdings auch nicht behauptet, dass bei dieser Art das nicht der Fall sei. Die
Unterschiede zwischen beiden Arten liegen nach Willdenow in folgendem:
Bei C. solstitialis sind die Dornen »albae basi tantum dentatae«, bei C. Adami »flavae palmatae,
quarum intermedia longior«. Sonstige ausgesprochene Unterschiede kann ich in den Angaben
Willdenows nicht finden; der Unterschied in der Blattgestalt ist nur scheinbar, da bei C. solstitialis
von den grundständigen Blättern, bei C. Adami aber von den unteren Stengelblättern (inferiora
decurrentia!) die Rede ist. Wir sind daher behufs Klarstellung der in Rede stehenden Pflanze auf den
Befund in Wildenows Herbar gewiesen, und daselbst finden wir unter den als ©. Adami bezeichneten
Pflanzen mehrere, die mit der oben gegebenen Beschreibung vollkommen übereinstimmen. Ein Exemplar
gehört allerdings zweifellos zu C. solstitialis, aber gerade das Exemplar, das Willdenow von Adami
geschickt wurde, und welches er bei der Aufstellung der Art zweifellos vor Augen hatte, unterscheidet sich
von ©. solstitialis durch dunklere Dornen der Hüllschuppen, deren mittlerer die seitlichen an Länge nur
wenig überragt, durch mehr eiförmige Köpfchen und endlich dadurch, dass nicht nur eine, sondern
mindestens zwei der innersten Reihen der Hüllschuppen häutige ovale Anhängsel tragen. Dieser Umstand
scheint schon Willdenow aufgefallen zu sein, weshalb er desUmstandes, dass die innersten Hüllschuppen
an der Spitze häutig sind, zweimal erwähnt. i
Mit dieser eben besprochenen €. Adami Willdenows stimmen nur die mir von den oben
angeführten Standorten vorliegenden Exemplare überein, und ich nehme daher keinen Anstand, diese
Form als C. Adami zu bezeichnen, wie es schon Boissier, Halacsy und andere gethan haben. Im
Gegensatze zu diesen Autoren halte ich jedoch C. Adami für eine von €. solstitialis verschiedene Art und
nicht nur für eine Varietät der letzteren, und zwar aus folgenden Gründen. Einerseits habe ich keine aus-
gesprochenen Übergangsformen zwischen beiden Arten gesehen, anderseits gehörte von den zahlreichen
Exemplaren von C. solstitialis, die ich aus Italien, Frankreich, Deutschland und Cisleithanien gesehen
habe, kein einziges der »Varietät« Adami an, während diese in Polen, Südrussland und dem Orient nicht
selten zu sein scheint. Ich schließe aus diesen Umständen, dass C. solstitialis L. und C. Adami Willd.
zwei verschiedene Arten darstellen, die ursprünglig wahrscheinlich getrennte Gebiete bewohnten, und
zwar erstere die Appeninnen und Balkanhalbinsel, letztere Gegenden am Schwarzen oder Kaspischen
Meer; dass aber durch die häufige Einschleppung beider Arten in fremde Gebiete die ursprünglichen
Verbreitungsgrenzen verwischt worden sind, so dass heute ein endgiltiges Urtheil über die Verbreitung
der Pflanzen nicht mehr gesprochen werden kann.
Nahe verwandt mit C. Adami Willd. ist auch die in Unteritalien heimische C. /appacea T en., unter-
scheidet sich aber durch den niedrigeren Wuchs, den einfachen oder wenig ästigen Stengel und
kleinere Köpfchen mit kürzeren, meist einfachen oder handförmig dreispaltigen Enddornen der Hüll-
schuppen.
7. Centaurea solstitialis Linne, Spec. plant. Ed. I, p. 917 (17583).
Biennis. Radix fusiformis, monocephala. Caulis erectus, strictus, angulatus et foliis decurrentibus
alatus, cano-tomentosus, a medio in ramos numerosos elongatos simplices vel iterum ramosos divisus.
Folia basalia petiolata, Iyrato- vel sinuato-pinnatifida, rarius integra, lobis oblongis dentatis vel integerrimis,
N
EEE
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 603
caulina lineari-lanceolata mucronata integerrima erecta, longe-alato decurrentia, omnia dense lanato-cano-
'tomentosa. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa, ca. 12 mm longa et 10 mm lata. Squamae
'anthodii intimae lanceolatae cum appendicibus scariosis ovatis, ceterae ovatae vel orbiculares cum
appendicibus brevibus in spinam palmato-quinquefidam flavescentem productis spina media in squamis
‚mediis elongata valida 10 — 15mm longa. Corollae luteae, marginales non radiantes, eglandulosae. Achenia
21), mm longa, glabra, hylo non barbata, papposa. Pappus biserialis, fructu aequilongus vel medio longior.
r
Floret Julio, Augusto.
Synonyme.
Centaurea solstitialis Scop., Flor. Carn. Ed. II, II, p. 140 (1772).
Calcitrapa solstitialis Lam., fl. Frang. II, p. 34 (1778).
k Centaurea solstitialis Lumn., Fl. Poson., p. 392 (1791). — Host., Syn. pl. in Austr. cresc., p. 478
= (1797). — Willd., Spec. plant. Ed. IV, III, p. 2310! (1800).
# Cyanus solstitialis Baumg., Enum. stirp. Transs. III, p. 79 (1816).
Calcitrapa solstitialis Cass. in Dict. d. sc. nat. VIII, p. 251 (1817).
Cyanus solstitialis Presl., Fl. Cech., p. 179 (1819).
Leucantha cyanifolia Gray, A nat. Arrangem. of Brit. pl. II, p. 444 (1821).
Centaurea solstitialis Günth., Grab., Wimm., Enum. stirp. phan. Sil., p. 144 (1824).
Centaurea Adami Sadl., Fl. Com. Pest II, p. 291, pr. p. (1826). ;
Centaurea solstitialis Host, Fl. Austr. II, p. 521 (1831). — Rchb., Fl. Germ. exc., p. 218 (1831). —
De Cand,, Prodr. Syst. veget. VI, p. 594 (1837). — Koch, Syn. fl. Germ. et Helv. Ed. I, p. 414 (1837). —
Sadl,, Fl. Com. Pest. Ed. II, p. 410, pr. p. (1840). — Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 306
(1844). — Syn., Fl.’ Germ. et Helv., Ed. II, p. 475 (1844). — Neilr., Fl. v. Wien, p. 259! (1846). — Vis., Fl.
Dalm. II, p. 41 (1847). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr. p. 138 (1848). — Gren. Godr,, Fl. de Fr,,
ZI, p. 263 (1850). — Hausm, Fl. v. Tir. I, p. 500 (1851). — Rchb. fil., Ic. Fl. Germ. et Helv. XV, p.41
1852).
Calcitrapa solstitialis Opiz, Sezn. rostl. Kvet. Ceske, p. 23 (1852).
Centaurea solstitialis Bert., Fl. It. IX, p. 475 (1853). — Wimm,, Fl. v. Schles. Ed. II, p. 275 (1857).
‚ — Heuff., En. pl. Ban. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges. VII, p. 144 (1858). — Wulf. Fl. Nor. phan.,
N PD. 715 (1853). — Neilr., Fl. v. Nied. Öst., p. 382! (1859).
Calcitrapa solstitialis Schur, Enum. plant. Transs., p. 409 (1866).
Centaurea solstitialis Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm, p. 853 (1867). — Schloss. et Vuk., «Fl. Croat.,
p. 753 (1869). — Duftschm, FI. v. Ob. Öst., p. 511 (1870). — Kern., die Veg. Verh. Ung. u. d. angr.
Siebenb. in öst. bot. Zeitschr. XXII,'p. 120, Sep., p. 281! (1872).— Boiss., Fl. or. III, p. 685 (1875).— Freyn,
Fl. v. Süd-Istr. inVerh. d. zool. bot. Ges. XXVII, p. 363 (1877).— Nym., Consp. Fl. Eur., p.430 (1878S— 1882).
Oborny, Fl. v. Mähr. u. öst. Schles., I, p. 699 (1885). — Simonk., Enum. Fl. Transs., p. 350 (1886). —
Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. angr. Herceg., p. 166! (1889). — Fl. v. Nied.-Öst., II, p. 1256! (1893). — Hal.,
Fl. v. Nied.-Öst., p. 301! (1896).— Marches,, Fl. di Trieste, p. 322 (1896— 1897).— Fritsch, Excursionsfl.
f. Österr., p. 595 (1897). — Hal., die bish. bek. Centaurea-Arten Griechenl. in Bull. de l’herb. Boiss., VI.
p. 649, Sep. p. 56, excl. ß! (1898). Pospich., Fl. d. öst. Küstenl. II, p. 921 (1899).
Abbildungen.
Smith, Engl. Botany, Tab. 245. — Sibt. et Smith, Fl. Graeca X, Tab. 908. — Rchb. fil., Icon.
| Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 64, Fig. 1. — Taf. II, Fig. 3.
Exsiccaten.
Kotschy, Iter Cilico-Kurdic, 1859, Nr. 3114. — Reichenb. Exs. Nr. 316. — Wirtg. pl. crit. sel. VII,
Nr. 282. — Magnier, Fl. sel. exs., Nr. 1991. — Bornmüller, pl. exsicc. Anatol. or. a. 1889, Nr. 1502. —
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 77
0A Augustv Hayek,
Bornmüller, Itor Porsico-Turcie, 1802— 1803, Nr, 3008, Billot, I, Gall, et Germ. exs,, Nr, 200, =
SintenIs, Itor Trojanum, 18893, Nr, 6651, — Sintenis, Iter orientale 1888, Nr 1208, — Callier, Iter Taur,
nocundum a, 1800, Nr, 321, I"lorn exsicentn Austro-KHung, No, 3485,
Verbreitung,
Durch Stideuropa und den Orient bis Mittelasien weit verbreitet und in fast ganz Kuropa stellen
wolso eingeschleppt, besonders olt in Schneckenkloofeldern, N
Vorkommen in Österreich-Ungarn,
Böhmen: Prag, Qundrat (MH, U, P), Prag, Scharka, Fritsch sen, (H, Fr), Von der Generalka zur
Wilden»Sarka bei Prag, Polak (MH, 2 b, G,),
Niederösterreich: Kneixendorf bei Krems, Kalbrunner (IH. K.), Angern im Marchfeld, Matz
(I, Kk, MH. 2. b, G), Klosterneuburger Bahnhof, Löw (MH, zb, G.), Klosterneuburg, Becke (H. Beck)
Wiesen bei Gugeing, Beck (MH, Beck), Heiligenstadt bei Wien, Löw (H, zb, G.), Hein (H. zb, 6),
Droimarkstein bei Wien, Beck (H, 2, b, G), Mit jedem Jahr häuflger zwischen Sievring und Neustift,
Bock (1878), (MH, Beck), Neustift bei Wien, Haldesy (MH. P, Z,), Türkenschanze, Neilreich (H. H, M),
Luzernklesäcker am Alseck bei Hernals, I, Kerner (MH, K.), Dornbach, Moser (MH. K.), Kleefelder bei
Gorsthof, Neilreich (H, H,M.), Weinhaus, J. Kerner (H. K.). Kleefeld bei Döbling, Neilreich (H. HM).
Wien, Zimmeter (I, J.), Bei der Südbahn in Wien, Rechinger (H, U, W,), Zwischen der Belvedere-
und St, Marxer Linie in Wien, Rauscher (H, UlL), In agris Medicaginis sativae ad Matzleinsdorf prope
Vimdobonam, Juratzka (Hl, P, 2) Bruck an der Leitha, Hofmann (HJ). Auf wüsten Plätzen bei Möd«
ling, Hayek. Um Baden, Reinegger (HH. UP), Am Bahndamm bei Fahrafeld nlichst Pottenstein, Beet
(1, Beck),
Oberösterreich: An der Straße bei Glrberbach bei Steyr, Zimmeter (Hi J). i
Steiermark: Graz, Niess! (H, z. b, G,), Jan (H, H. M.) !
Ungarn: Pressburg, Pritsch (H. HM.) Mühlthal bei Pressburg, Degen (H. U), Ödenburg,
Haehnel (H, H, M, H. BE.) Gran, Ballay (H. z. b. G.), Ofen, auf Dolomit, L, Richter (H. U, W, H. zb
G.). An Wegen bei Ofen, Bayer (H, P,Z, MH. z.b. G,), Blocksberg bei Ofen, Wotoszezak (H. U, Wi
Spreitzenhofer (H. z, b, G.), Kerner (H. K.), Grundl (H. K.). In monte St, Gerardi ad Budam, Irma
Janka (H, UN). Bei Schilling auf der Osepelinsel, Tauscher (H, P, Z, H. K.), Ujfalu auf der Csepelinsel,
Tauscher (HK, HM, 2, b, 6,), Ad margines vlarum et agrorum praedii Göbeljanos prope Birosi, Tauscher
(HK), Losonez, Com, Neogräd, Rell(H, KR), Gräben um Temesvär, Schrökinger (H. z.b. G.), An
2
{
.
\Wogen am Titeler Plateau, Neuss (H. z. b. G,).
Siebenbürgen: Großgold, Puss (HM. RK.) Baassen bei Mediasch, Kayser (HM. z. b. G.),
Kroatien; Userevies, Com, Syrmien, Kanitz (H, U, W,) An der Triester Straße bei Fiume, 19?
(H.U,W,) Miume, am Tersatto in der Nähe der Burg, Not (HM, E.). ‘
Litorale: Triest, Tauscher (H. z. b. G.), Op£ina bei Triest, Kiessling (H, Beck.), Servola bei
'Tnest, Piihoda (H, Pr), Zaule bei Triest Tommasini (H. 2, b. G.), Eingelhardt (HH. z. b..G)). Pola,
"ritseh (I, Pr), Tommasini (H, zb, G,), Insel Chorso, P, Beck (H. Beck),
. F ® ‘ ’
Dalmatien: Ragusa, Adamovie (H. Ull), Lesina, Jetter (H, Ronniger), Botteri (H. z. b. G.),
Rosnien: Serajevo, Hofmann (N. Sen),
Hercegovina: Blagaj, Apfelbeck (H. Ser). Jablanitza, Beck (H, Beck), Hrasno, Brandis
(H, Ser),
Contanrea solstitialis ändert nur wenig ab, Auf trockenem Boden bleibt die Pflanze, oft einköpfig,
an günstigen Standorten hingegen wird sie oft bis gegen Im hoch und schr reichästig. Die Linge de
PLN
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns, 805
nen bleibt in geringen Grenzen constant, stets ist der mittlere Dorn wenigstens an den mittleren Hüll-
huppen kräftiger und länger als die seitlichen, wodurch sich die Pflanze mit Sicherheit von C, Adami
illd, und der in Unteritalien heimischen C, Jappacea Ten, unterscheidet, Ausgesprochene Mittelformen
vischen C, solstilialis und C, Adami habe ich nicht beobachtet und glaube, dass die beiden Formen von
ander gut geschiedene Arten darstellen, die ursprünglich getrennte Gebiete, erstere im Süden
iropas, letztere in den Gegenden am Schwarzen und Kaspischen Meere bewohnten, Heute lassen
'h die ursprünglichen Verbreitungsgebiete der beiden Arten freilich nicht mehr feststellen, Keine
enlaurea-Art, nicht einmal C, melitensis L, und C, diffusa Lam, werden so häufig verschleppt
id bürgern sich so leicht ein wie Centaurea solstitialis, Massenhaft kommt C, solstitialis in Griechen-
nd vor, auch in Dalmatien soll sie noch häufig sein, aber schon für Istrien scheint mir ihr Indigenat
reifelhaft, und in Nieder- und Oberösterreich, Steiermark, Böhmen und den anderen Kronländern, wo die
la nze noch vog den Autoren angegeben wird, ist sie sicher nur zufällig eingeschleppt. Ihr stellenweise
senhaftes Auftreten in Ungarn auch an von der Cultur wenig berlihrten Landstrichen machen es hin-
sehr wahrscheinlich, dass sie auch in diesem Lande als wirklich wild anzuschen ist, während
- Adami W, dortselbst als nur eingeschleppt zu betrachten sein dürfte,
Von sonstigen Arten zeigt C, solstitialis nur mit C, Idaea Boiss, et Heldr, große Ähnlichkeit, doch
t letztere durch die vielpaarigen Kosettenblätter und die am Grunde flederschnittigen unteren und
ttleren Stengelblätter, sowie durch die dicke mehrköpfige Wurzel verschieden,
(7% 37) Centaurea solstitialis I, X Rhenana Bor.
Von Bastarden zwischen diesen beiden Arten ist mir nur nachstehend beschriebener bekannt
orden:
urea hemiptera Borbäs in österr. bot, Zeitschr, XXVII, p, 392 (1878), C, rhenana % solslilialis
Borb. I, c,
Biennis, Radix fusiformis, crassa, Caulis erectus, angulatus, ad 60 cm altus, plus minusve tomento
Anescens, a basi vel infra medium paniculato-ramosus, ramis elongatis patentibus iterum ramosis, Folia
jsalia petiolata, pinnata, lobis dentatis vel pinnatisectis, caulina inferiora petiolata, pinnata, lobis lanceo-
is mucronatis, media et superiora sessilia, non vel parum decurrentia, lanceolata, ad basin lobata et
de hastiformia vel integerrima, mucronata, Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 12 mm longa
-Omm lata. Squamae anthodii ovatae, vel internae lanceolatae, nervoso quinque-striatae, intimae cum
dicibus scariosis ovatis denticulatis, ceterae cum appendicibus pallidis vel fuscis vel nigricantibus
aribus, ungues non obtegentibus, ad basim non decurrentibus, in spinulam brevem productis et
ärgine spinoso ciliatis ciliis utringque 3—4, Corollae luteae, marginales eximie radiantes,
e Synonym,
Centaurea hybrida Bolla in Verh. d, Ver, f, Naturk, zu Pressburg, I, p. 9 (1856) non Allioni,
L Exsiccat,
_ Baenitz, Herb, Europ, Nr. 6255.
Abbildung.
Taf, 1, Fig. 4.
+ Vorkommen.
Unter den mutmaßlichen Stammeltern anscheinend selten auftretend, wenn aber vorkommend, in
Menge, Ich sah die Pflanze nur von folgenden Standorten:
> 4 11%
606 Augustv Hayek,
Ungarn: In ripis lapidosis Danubii ad Posonium (Pressburg), Sabranski (H. U. W., H. Ronniger,
H. Hal. H. H. M.). Pressburg, Zuckermandel, J. L. Holuby (H. U. W.).
Von €. Rhenan Borb. unterscheidet sich C. hemiptera Borb. durch gelbe Blüten, dornige, nicht
herablaufende Anhängsel mit spärlicheren, dornigen Wimpern und ganze obere, sowie einfacher getheilte
untere Blätter; von C. solsitialis L. durch strahlende Randblüten, dreieckige, dornig gewimperte
Anhängsel von oft dunkelbrauner Farbe, nicht herablaufende Blätter und reichere Verzweigung,
C. hemiptera steht ungefähr in der Mitte zwischen beiden Stammeltern und scheint ziemlich constant in
ihren Merkmalen zu bleiben. Das Anhängsel der Hüllschuppen ist bei manchen Exemplaren hell, bei
manchen dunkler, oft fast schwarz, der Enddorn bald kräftiger, bald schwächer entwickelt.
C. hybrida All. (Fl. Pedem. I, p. 161) ist wahrscheinlich eine Hybride von C. solstitialis L. mit
C. ReuteriRchb. oder einer mit dieser verwandten Art, aber gewiss nicht mit C. Rhenana Bor., welche in
Piemont nicht vorkommt. Sie unterscheidet sich von C. kemiptera Borb. durch längere, mehr zurück-
gekrümmte Anhängsel der Hüllschuppen und gefiederte mittlere und obere Stengelblätter, sowie durch oft
roth überlaufene Blüten; allerdings sehr geringfügige Merkmale; doch kann man hybride Formen nahe
verwandter Arten oft mit Sicherheit nur aus den Vorkommensverhältnissen unterscheiden, ohne dass es
deshalb gerechtfertigt wäre, die Formen unter einem Namen zu subsummieren.
III. Untergattung. Cyanus. Cass., Dict. d. scienc. nat. XLIV, p. 38.
Hüllschuppen mit breiteren oder schmälereren, trockenhäutigen und kämmig gefransten, beider-
seits mehr minder tief herablaufenden Anhängseln, welche oft an der Spitze in einen kräftigen Dorn
auslaufen. Pappus zweireihig, oder, selten, fehlend.
l. Section. Acrocentron De Cand., Prodr. Syst. veget VI, p. 586.
Anhängsel der Hüllschuppen mäßig bis sehr kurz herablaufend, oft in einen Dorn auslaufend
oder wehrlos. Pappus stets vorhanden. Nabel der Achenen nicht bebärtet. Große Arten mit wenigen,
aufrechten Ästen, grünen, meist getheilten Blättern und mittelgroßen oder großen Köpfen.
A. Collinae. Hüllschuppen breit, eiförmig, meist oben abgerundet, die Anhängsel kurz herablaufend,
meist in einen kräftigen Dorn auslaufend, die Nägel nicht verdeckend.
8. Centaurea Salonitana Visiani in Flora, XII, I, Erg. Bl. p. 23! (1829).
Perennis. Rhizoma perpendiculare, pleiocephalum. Caulis erectus, ad 80 cm altus, angulato-sulcatus,
scaber, in parte superiore in ramos plus minusve numerosos erecto patentes simplices vel iterum
ramosos divisus. Folia basalia petiolata, interrupte pinnatifida, lobis ovato-lanceolatis serratis, caulina
inferiora et media pinnatifida, segmentis remotis utringue 2—4 obovato-lanceolatis integerrimis vel denti-
culatis mucronatis ad rhachym parum decurrentibus, sessilia, suprema lanceolata integra. Folia omnia
rigida margine setulis minimis aspera et inprimis in pagina inferiore scabra. Capitula.in apice ramorum
singularia, ovata, 20—25 mm longa et 15—20 mm lata. Squamae anthodii virides, inconspicue nervosae,
puberulae, ovatae vel lineari-ovatae obtusae. Appendices intimarum scariosae orbiculares denticulatae,
caeterum flavescentes semilunares 1—2 mm longae, ungues non obtegentes, ad marginem parum
decurrentes, breviter pectinato-fimbriatae, obtusae inermes vel imprimis exteriores apice in spinam
patentem ad 3 cm longam ad basin spinulis parvis armatam productae. Corollae sulfureae, saepe venis
purpurascentibus, marginales modice radiantes. Achenia 5!/, mm longa, puberula, umbelico barbata,
papposa. Pappus biserialis, sordidus, fructum medio fere superans. Floret a Junio ad Augustum.
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Centaurea- Arten OÖsterreich-Ungarns. 607
Synonyme.
Centaurea collina Sibt. et Sm., Prodr. fl. Graee., p. 204 (1813) non Linne.
Centaurea centauroides Sibt. et Sm,, |. c. p. 204 non Linne.
Centaurea collina Rchb., Fl. Germ. excurs, p. 216, pr. p. (1831).
Centaurea latisguama ß. Salonitana De Cand., Prodr. syst. veget. VI, p. 589 (1837).
Centaurea collina ß. macracantha De Cand,,l.c.
Centaurea Salonitana o. obovata Vis., Fl. Dalm., p. 35 (1847).
Centaurea Salonitana Maly, Enum. pl. phan. Imp. Austr., p. 138 (1848). — Rchb. fil., Icon. Fl.
Germ. et Helv. XV, p. 39 (1852). — Schloss. et Vukot., Fl. Croat., p. 746 (1869). — Boiss,, fl. or. III,
p- 666 (1875). — Nym., Consp. fl. Eur., p. 429 (1878— 1882).
Centaurea latisgquama Nym.,, 1. c.
Centaurea Salonitana A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. I, p. 88! (1881). — Hal. Die bish.
bek. Centaurea-Arten Griechenl. in Bull. de l!’herb. Boiss. VI, p. 647! (1898).
Abbildungen.
Sibt. et Sm., Fl. Graeca X, Tab. 914.— Rchb. fil,, Icon. fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 62, Fig. 3 u. 4.—
Melaf. III, Fig. 1.
Exsiccaten.
Petter, Exsicc., Nr. 229. — Fl. Dalm. exs., Nr. 89. — Heldr., It. Thess., Nr. 23. — Orphanides
Fl. Graec. exs., Nr. 306 et Nr. 1190. — Kerner, Flora exs. Austro-Hung., Nr. 235. — Callier, Iter Taur.
sec. a. 1896, Nr. 130. — Baldacci, Iter Alban. (Epirot.) tertium, Nr. 216. — Schulz, Hb. norm.
ov. Ser. Cent. 16, Nr. 1595. — Sintenis, Iter. Troj. 1883, Nr. 569. — Dörfler, Herb. norm.
T. 8061.
Verbreitung.
Stellenweise durch die ganze Balkanhalbinsel, sowie in Südrussland.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien: Dalmatien, Auber (H. U. P.), Petter (H.J. G., H. Kk.). Spalato, Ig.? (H. E.), Pichler
(HB... In agris inter Salonam et Spalatum, Pichler (H. Beck, H.B, H.H.M, H.Hal., H. U.W.)
Balona, Welden (H.J.G,H. H.M., H. z.b..G.), Pichler (H.J. G,H.K., H. Kligf, H.B, H.H. M„.H. z. b.
G.), Petter (H.H.M., H.z.b. G.), Visiani (H. H. M.). In Weingärten vorwärts der Kapelle S. Cajo und
auf grasigen Plätzen links der Straße nach Salona, Petter (H.P. Z,H.K. H. B,H. H. M., H. z. b. G.).
S. Cajo bei Spalato, Borbas (H. Ull.), Studnicka (H. Hal., H. z. b. G.). Fort Clissa bei Spalato, Pichler
(8.J.G,H.K.,H.B,H.H.M.). Zwischen Salona und Spalato, Pichler (H. U. W.), Botteri (H.H. M.).
Auf dem Vellebith bei Salona, Petter (H. B.). Unio itineraria 1829 (H. B,,H. H. M.). Bei der Capelle des
heil. Vitus, lg.? (H.B.). Zwischen Spalato und Almissa, A. Bayer (H. B.). Vellebithalpe, Fritsch sen.
(H. Fr.). In monte Biokowo, Gelmi (H. P. Z.). Fuß der Dinara, Stur (H. z. b. G.).
Centaurea Salonitana Vis. variiert wie viele Arten der Sectio Acrocentron bedeutend in der Länge
der Enddornen der Hüllschuppen, und man kann diesbezüglich zwei Formen unterscheiden:
o. subinermis Boiss. et Heldr. in Boiss. Diagn. pl. or. nov. Ser. II, 3, p. 78 (1876). /(C. latisquama.
ß. Salonitana D. C. Prodr.; C. Salonitana a. subinermis Boiss., Fl. or. III, p. 666, Hal. in Bull. de l’herb.
Boiss. VI, p. 647). Hüllschuppen unbewehrt, kurzkämmig gefranst, abgerundet.
ß. macracantha De Cand., Prodr. p. 589, pro var. C. collinae; Boiss. et Heldr,, I. c., p. 78, pro
var. C. Salonitanae, C. Salonotina ß. macrantha Boiss., Fl. or. |. c. (errore typographico). Hüllschuppen
4
608 Augw'st vr Hayı.ck,
an der Spitze in einen bis 4cm langen, an der Basis mit kleinen Seitendörnchen bewehrten gefurchten
Dorn auslaufend.
Beide Varietäten sind durch zahlreiche Übergänge verbunden. In Dalmatien ist die f. subinermis
zweifellos die häufiger auftretende, doch sind Formen mit bis 2 cm langen Dornen auch nicht gerade
selten; Formen mit so kräftigen, bis 4cm langen Enddornen der Hüllschuppen, wie sie in Griechenland
nicht selten zu sein scheinen, habe ich aus Dalmatien noch nicht gesehen.
Von verwandten Arten steht der C Salonitana der C. Tuntasia Heldr. am nächsten, unterscheidet
sich aber von ihr durch dichtere Behaarung, größere, die Hüllschuppen zum Theil verdeckende, länger
gefranste Anhängsel der äußeren, und concave, rundliche, kämmig gefranste Anhängsel der inneren
2—3 Reihen der Hüllschuppen, sowie durch einen längeren Pappus.
C. collina L. unterscheidet sich von C. Salonitana durch dreieckig spitze, tiefer herablaufende,
dornenlose, schwarze Anhängsel der Hüllschuppen, C. centauroides L. durch die großen Endlappen der
Blätter, größere Köpfchen, kräftigere, an der Basis längsstreifige Dornen und längere Fransen, sowie durch
einen etwas kürzeren Pappus, C. saricola Lag. durch größere Köpfchen, kräftigere Dornen und orange-
gelbe Blüten. Über die Unterschiede von C. lanceolata Vis. siehe unten.
9. Centaurea lanceolata Visiani, Fl. Dalm. II, 36 pro var. C. Salonitanae! (1847).
Perennis. Rhizoma horizontale, crassum, mono-vel pleiocephalum, comosum. Caulis erectus,
20—60 cm altus, angulatus, glaber, simplex vel in parte superiore in ramos paucos monocephalos divisus.
Folia basalia et caulina inferiora longe petiolata, superiora sessilia, omnia pinnata foliolis lanceolatis
integerrimis vel impari pinnatisecto, acutis mucronatis breviter petiolatis vel basi attenuata sessilibus hine
inde parum ad rhachym decurrentibus. Folia omnia sicut et caulis saturate viridia, in sicco saepe
coerulescentia, in margine, hinc inde etiam ad nervos paginae inferioris, setulis minimis aspera, caeterum
glabra. Capitula in apice caulis vel ramorum singularia, ovoidea, ca. 20 mm longa et 15 mm lata. Squamae
anthodii virides, inconspicue striatae, intimae cum appendieibus ovatis striatis scariosis, ceterae cum
appendicibus semilunaribus fulvis, parum ad marginem decurrentibus, breviter pectinato fimbriatis, fimbria
media in spinulam brevem modice reflexamproducta. Corollae aurantiacae, nervis purpureis, marginales
vix radiantes. Achenia 3 mm longa, puberula, hylo barbata, papposa. Pappus niveus, biserialis, fructo
plusquam duplo longior.
Synonyme.
Centaurea Salonitana ß. lanceolata Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 39 (1852).
Centaurea Salonitana x. lanceolata Schloss. et Vukot., Flor. Croat., p. 746 (1869).
Centaurea Salonitana var. lanceolata Pantocs., Adnot. ad flor. et faun. Here. Cernag. et Dalm., p. 44
(1874).
Centaurea aurantiaca Pan£. in Schedis!
Centaurea Nicolai Bald. in Malpighia V, p. 74! (1891).
Abbildung.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 62, Fig. 2. — Taf. III, Fig. 2.
Bassieeat
Baldacci, Plantae exs. Cernagorae (als C. Nicolai).
Verbreitung.
Montenegro und die angrenzenden Theile von Dalmatien und der Hercegovina.
Centaurea-Arten Österreich-U: ngarns. 609
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien: In saxosis montium altiorum Dalmatiae, Neumayr (H.J.G.). Dalmatien, Visiani
1. H. M.).
Hercegovina: In saxosis montis Gliva prope Trebinje, Vandas (H. U. W.).
Centaurea lanceolota (Vis.) ist durch die orangegelben Blüten, die rothgelben Anhängsel der Hüll-
Schuppen, die dunkelgrünen, im trockenen Zustande, offenbar infolge von Indigobildung, sich dunkelblan
färbenden vegetativen Theile und den schneeweißen Pappus sehr ausgezeichnet und von ©. Salonitanae
Vis. leicht zu unterscheiden.
Ich halte C. Zanceolata für eine ausgezeichnete Art, die mit ©. Salonitana gewiss nicht so nahe
verwandt ist, wie zum Beispiel C. centauroides L. oder C. Tuntasia Heldr., und begreife nicht, wie
Visiani und nach ihm alle späteren Autoren sie jener als Varietät unterordnen konnten. Meines
Erachtens erblicken wir in C. lanceolata wie in so manchen im Gebiete der Dinarischen Alpen endemischen
Arten ein Relict aus der praeglacialen Zeit. Eine genauere Darstellung der Entwicklungsgeschichte dieser
Artengruppe ist hier leider nicht möglich, da dieselbe sehr formenreich ist, die Mehrzahl der Arten aber
nicht dem österreichisch-ungarischen Florengebiete angehört.
(3x 14) Centaurea Salonitana Vis. X Fritschii Hay.
In den Verhandlungen der zool. botan. Gesellschaft, Jahrg. XL (1890), p. 71, führt Studnicka unter
den von ihm in Dalmatien gesammelten Pflanzen auch den Bastard Centaurea Salonitana x Scabiosa
Ohne irgend eine Beschreibung an. Ich habe diese Pflanze nicht gesehen und kann daher über sie kein
Jrtheil abgeben; wenn die Deutung Studnickas richtig ist, ist als die zweite Stammart jedenfalls
C. Fritschii m. anzunehmen, da die eigentliche C. Scabiosa L. in Dalmatien fehlt. Im Herbar des Poli-
technicums zu Zürich erliegt jedoch eine Pflanze, die ich für derselben Combination entsprungen halte
und deren Beschreibung nachstehend folgt:
Centaurea intercedens Hayek.
Perennis. Rhizoma lignosum, descendens, mono vel pleiocephalum. Caulis erectus, ad 30 cm altus,
angulatus, scaber, simplex vel amedio in ramos paucos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petio-
lata, pinnato-partita, segmentis 5—7 jugis ovato-lanceolatis ad rhachym decurrentibus mucronatis,
caulina media sessilia, pinnato-partita segmentis 5 jugis lanceolatis mucronatis, suprema pinnatifida lobis
ütringue 1—2. Folia omnia viridia, ad marginem et in pagina inferiore aspera. Capitula in apice caulis
vel ramorum solitaria, ovata, 22 mm longa et 18 mm lata. Squamae anthodii ovatae inconspicue nervoso-
Striatae, appendices intimarum orbiculares scariosae denticulatae, ceterum semilunares nigrae ungues non
Obtegentes ca 1 mm longae pectinato fimbriatae fimbriis ca I mm longis utringque 8—12. Corollae sul-
ureae hinc inde rufescentia. Achenia sterilia 4 mm longa, glabra, hylo barbata, papposa. Pappus sordidus,
biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta fructu dimidio brevior.
Abbildung.
Taf. III, Fig. 3.
Vorkommen.
Dalmatien: In monte Biokowo. — Gelmi (H.P. Z.).
C. intercedens hält in ihren Merkmalen ungefähr die Mitte zwischen C. Salonitana Vis. und
C. Fritschii m. und steht eher der ersteren etwas näher. Sie unterscheidet sich von C. Salonitana vor allem
durch die schwarzbraunen Anhängsel der Hüllschuppen, etwas längere und reichlichere Fransen und den
610 " Augustv. Hayek,
kürzeren Pappus; von C. Fritschii durch die Blütenfarbe, die einfach fiederspaltigen, rauheren Blätter
und die schmäleren, kürzer gefransten und weniger herablaufenden Anhängsel der stumpferen Hüll-
schuppen.
Ich nehme keinen Anstand, die Pflanze für eine Hybride aus den beiden genannten Arten zu
erklären. C. Salonitana liegt mir vom gleichen Standort vor; dass C. Fritschii ebenfalls daselbst wächst, ist
bei der Häufigkeit der Pflanze nicht zu bezweifeln. Es ist also die Möglichkeit eines hybriden Ursprunges
von C, intercedens gegeben; außerdem zeigt die Pflanze eine auffallende Mittelstellung zwischen den
muthmaßlichen Stammeltern, und ferner sprechen auch die tauben Früchte für den hybriden Ursprung der
Pflanze.
Centaurea intercedens ähnelt sehr der in Südwesteuropa verbreiteten C. collina L., unterscheidet sich
aber von ihr durch die halbmondförmigen, stumpfen, nicht dreieckigen und spitzen Anhängsel der Hüll-
schuppen und einen kürzeren Pappus.
B. Rupestres. Hüllschuppen dreieckig, spitzlich, Anhängsel schmal, deutlich herablaufend, kämmig
gefranst, wehrlos oder dornig. Blätter in schmal lineale Zipfel zertheilt, Blüten gelb oder roth.
10. Centaurea rupestris Linne&, Spec. plant. Ed. II, p. 1298 (1763).
Perennis. Rhizoma descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, 15— 70cm altus,
angulatus, ad angulos scaber, praesertim in parte inferiore arachnoideo-lanatus, simplex vel a medio in
ramos nonnullos monocephalos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis
multijugis pinnatisectis segmentis anguste linearibus integerrimis acute mucronatis, caulina media et
superiora sessilia pinnata foliolis anguste linearibus integerrimis acute mucronatis. Folia omnia rigida, |
viridia, ad marginem setulis minimis aspera etinprimis ad rhachym plus minusve arachnoideo-lanata,
rarissime glanduloso-ciliata. Capitula in apice caulis vel ramorum singularia, ovata ca. 20 mm longa et
15 mm lata. Squamae involucri flavescenti-virides, enervosae, plus minusve farinaceo-lanatae, calvescentes,
intimae cum appendicibus ovalibus scariosis, ceterae cum appendicibus fuseis triangularibus ca. 1 — 11/, mm
longis ad marginem parum angustissime decurrentibus pectinato fimbriatis, fimbriis ca 1 mm longis
utringue 5—8 inferioribis in alam parvam scariosam confluentibus, apice inermibus vel plus minus longe
spinosis. Corollae luteae, rarius fere aurantiacae, marginales vix radiantes. Achenia 4 mm longa, glabra,
umbelico barbata, papposa. Pappus biserialis, plusquam dimidio fructu brevior. Floret Junio, Julio.
Synonyme.
Centanurea collina Scop., Fl. Carniol. Ed. I, II, p. 140 (1772) non Linne. — Host., Syn. plant. in
Austr. cresc., p. 478 (1797).
Centaurea rupestris Willd., Spec. plant. Ed. IV, III, p. 2322! (1800).
Cenlaurea collina Pers., Syn. pl. II, p. 487 pr. p. (1807).
Centaurea variabilis o. rupestris et ß. collina Bartl. in Bartl. et Wendl, Beitr. z. Botanik, p. 114
(1825).
Centaurea collina Spreng., Syst. veget. Ed. XV], III, p. 404, pr. p. (1826).
Centaurea adonidifolia et C. rupestris Reichenb. in Mösslers Handb. d. Gewächsk. Ed. IL, I,
p. 1545! (1828). — Rchb., Fl. Germ. exc., p. 217! excl. var. (1831).
Centaurea collina Host., Fl. Austr., p. 521 (1831).
Centaurea rupestris De Cand., Prodr. Syst. veget. VI, p. 588 (1837). — Koch, Syn. fl. Germ. et
Helv. Ed. I, p. 413 (1837). — Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 305 (1844). — Koch, Syn.
Fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 474 (1844). — Fleischm., Übers. d. Fl. Krains, p. 42 (1844). — Vis,, Fl.
Dalm. II, p. 36 (1847). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848). — Rchb. fil., Ic. Fl.
Germ. et Helv. XV, p. 46. — Bertol., Fl. Ital, IX, p. 454 (1853). — Wulf., Fl. Norica phan,, p. 714 (1858).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 611
Freyn, die Fl. v. Südistrien in Verh. d. zool. bot. Ges. XXVII, p- 368 (1877). — N ym., Consp. fl.
Europ., p. 429 (1878— 1882). — Kerner in Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. III, p. 109! (1883). — Murb.,
‚Beitr. z. Fl. v. Südbosn. u. d. Herc., p. 100 (1891). — Marches, Fl. di Trieste, p. 321 (1896— 1897). —
Fritsch, Excursionsfl. f. Österr., p. 599! (1897). — Pospich., Fl. des österr. Küstenlandes, II, p. 929
Abbildung,
Rchb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 61. — Taf. III, Fig. 4
Exsiccaten.
Petter, Exs., Nr. 228. — Petter, Fl. Dalm. exs., Nr. 88. — Rchb,, Exs., Nr. 315 (als C. rupestris),
Nr. 1542 (als C. rupestris adonidifolia). — Magnier, Fl. sel. exs., Nr. 2508. — Baenitz, Herb. Europ.,
Nr. 1293 et sing Numero. — Kern., Fl. Austro-Hung. exs., Nr. 968. — Schultz, Herb. norm. Nov. Ser.
‚Cent. 12, Nr. 1145.
Verbreitung.
Italien, Litorale, Südkrain, Kroatien, Dalmatien, Bosnien und Hercegovina.
Vorkommen in Österreich-Ungarn:
Krain: Carniola, Pittoni (H.E,H.H.M.). Adelsberg, Pittoni (H. P. 72) Do llinter (Eis El. ML,
H. z. b. G.). Kal bei Rauneck, Freyer (H.]. G.). In monte Baba, Dolliner (H. E.) Nanos, Freyer (H.J.G.),
Kerner (H.K.), Dolliner (H. z. b. G.). Am Karst bei St. Peter, Haläcsy (H. U. W., H. Ronniger).
Triest: Felsen bei Prosecco, Loser (H. Beck). Am Karst bei Triest, Tommasini (H.J.G.,
H. U. W., H. z. b. G.), Grimburg (H. U. W.), Brunner (H. J. G.), Huter (H.K.), Prihoda (H.Fr.), Jan
4 H. H. M.), Fischer (H. H.M.), Behann (H.H. a Hiner 2 z.b. G.), Hayek. Monte Spaccato bei
} "riest, lg.? (H. U. P, H. z. b. G.), Solla (H. H. M.). Lippica bei Triest, Tommasini (H.E, H.K,H.H.
N „ H. z. b. G.). Im Farnedowalde bei Triest, Tommassini (H.z. b.G.). In rupestribus graminosis ad
| 05, Pichler (H. Beck, H. U. W.,H. Ull., H. Hal., H.H.M.), Beck (H. Beck). Karstplateau zwischen
| C IToß- Bajardi und Trebi&, Mirich (H.P. Z,, H. Kk., H. H. M.), Storic bei Triest, Papperitz (H.H.M.).
Kroatien: Auf Gebirgstriften in Südkroatien, Schlosser (H. Kk.). Bei Piquet, No& (H. H.M.
1. E.). In monte Vratnik, Borbäs (H. H. M.).
Dalmatien: Am Bergrücken Veliki grad bei Clissa, Petter (H..PZ,H.H. M.). In monte Marian
pr. ‚Spalato, Portenschlag (H. U. P.). Felsen bei Spalato, Mielichhofer (H.H.M.). Auf dem Berge
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 78
612 Augustv. Hayek,
Beljak unweit Spalato, Petter (H. z. b. G.). Dalmatien, Petter (H. E.). In monte Vipera, Beck
(H. Beck).
Bosnien: Livno, Beck (H. Beck), Brandis (H. Ser., H. U. W.).
Hercegovina: Mostar, Vidovic (H. Beck), Hum bei Mostar, Beck (H. Beck). Zwischen Hum und
Mostarsko Blate, Bornmüller (H. Beck). Velez bei Mostar, Bornmüller (H. Beck), Beck (H. Beck).
PodveleZ bei Mostar, Beck (H. Beck). Gubaz, Hawelka (H. Beck). Korito, Lerch (H. Ser.).
Centaurea rupestris variiert gleich wie C. salonitana Vis. bedeutend in der Länge des Enddornes
der Hüllschuppen, außerdem nach Pospichal (Flora des öst. Küstenlandes II, p. 930) in der Behaarung
der Blätter, und man kann diesbezüglich drei Formen unterscheiden:
a) adonidifolia Reichenb. in Mösslers Handb. d. Gewächskunde, Ed.II, p. 1545 (1828) (C. variabilis
ß. collina Bartl. in Bartl. und Wendl,, Beitr. z. Bot., p. 114 (1825), non Cent. collina L, C. rupestris
o. subinermis Koch, Syn. Ed. 1, p. 473 (1837); a. subinermis D. C. Prodr. VI, p. 588; o. Zypica Posp.,
Fl. d. öst. Küstenl. Il, p. 930).
Blätter mehr minder spinnnwebig wollig, verkahlend. Hüllschuppen dornenlos oder mit einem
kurzen, die Anhängsel nicht überragenden Enddörnchen.
ß) hirtella Posp., Fl. d. öst. Küstenlandes, II, p. 930. Blätter außer den schwindenden Wollflocken dicht
mit theils drüsentragenden Wimpern bedeckt. Hüllschuppen wehrlos, nur die äußersten mit einem
kurzen Dörnchen.
) armata Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. I, p. 443 (1837) (C. variabilis a. rupestris Bartl. in Bartl
et Wendl., Beitr. z. Bot., p. 114 (1825), C. rupestris ß. armata Koch, |. c.; ß. aculeosa. D. C. Prodr,
VI, p. 588 (1837). ß. acnleosa March., Fl. di Trieste, p. 321 (1896—1897). y-armata Posp., Fl.d.
öst. Küstenl., II, p. 930 [1899]).
Anhängsel der Hüllschuppen in einen !/, bis über 2 cm langen Dorn endigend.
Die Formen adonifolia Rehb. und armata Koch sind durch zahlreiche Zwischenformen verbunden;
erstere ist gewöhnlich etwas kräftiger und hat etwas größere Köpfchen; sie scheint im Norden des
Verbreitungsgebietes, besonders in Südkrain und Görz die vorherrschende Form zu sein, während die
f. armata nach Süden zu an Häufigkeit zunimmt und in Dalmatien die weitaus häufigere zu sein scheint.
Die var. hirtella Posp. kenne ich nur nach der Beschreibung; nach den Angaben des Autors findet sie
sich nur auf der Kau£lice bei RakitoviC und in der Sabotina bei Görz.
Putate Exemplare zeigen oft mehr minder ganze oder wenig zertheilte Blätter; bei Triest sammelte
ich sogar ein verkrüppeltes Exemplar mit durchwegs schmallanzettlichen ganzrandigen Stengel-
blättern.
Von den verwandten Arten unterscheidet sich C. ceratophylla Ten. von C. rupestris L. durch den
reicher beblätterten Stengel, breitere Segmente der mehr minder graufilzigen Blätter, länger gefranste
Anhängsel der Hüllschuppen und orangegelbe Blüten; C. Athoa (D. C.) durch dichtere Bekleidung und
lanzettlich zurückgekrümmte, ganz kurzdornige Anhängsel der Hüllschuppen und den oft bogig auf-
steigenden Stengel; gelbblühende Formen der C. dichroantha Kern. endlich durch die knorpelspitzen
Blattabschnitte und den vielmal längeren, fast purpurrothen Pappus.
Ähnlich wie bei C. Salonitana Vis. machen wir auch bei C. rupestris L. die Beobachtung, dass die
wehrlosen Formen im Norden, die dornigen im Süden des Verbreitungsgebietes die häufigeren sind. Es
scheint das offenbar eine Anpassungserscheinung an bestimmte äußere Verhältnisse zu sein, deren
Ursache zu ergründen von Interesse ist. Die Dornen an den Köpfchen sind zweifellos in erster Linie als
Waffen der Pflanzen gegen die Angriffe von Seiten der Thiere zu betrachten und sollen die Köpfchen als
die Träger der Fortpflanzungsorgane vor Vernichtung schützen. In Südkrain und auf den Karstwiesen
nun ist die Vegetation eine verhältnismäßig reichliche, wenigstens findet das weidende Vieh noch
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 613
genügende Mengen von Gras und Kräutern, und lässt die gewiss harten Köpfchen einer Centaurea
lieber unberührt; in Dalmatien hingegen liegen die Verhältnisse anders. Die Felsen der Meeres-
küste, und diese allein sind es ja, die von Mediterranpflanzen bewohnt werden, haben eine ver-
h
‘sparrige Stauden, die kein angenehmes Futter für das Vieh bilden; und da bedarf C. rupestris auch
ältnismäßig spärliche Flora und außerdem sind die meisten der Pflanzen dieses Gebietes dornige,
wie die übrigen Pflanzen der Dornen als Schutzwehr gegen die hungrigen Weidethiere. Es ist möglich,
dass hier eine Art Zuchtwahl mit im Spiele ist, insofern nämlich, als die dornigen Köpfchen, von den
Angriffen geschützt, erhalten blieben und Früchte reiften, aus welchen dann wieder dornige Formen ent-
standen, während die wehrlosen dem Vieh zum Opfer fielen und dadurch dem Aussterben nahe kamen.
Zudem ist die Bildung von Dornen, wie ich später nachweisen werde, wahrscheinlich nicht als ein Rück-
schlag, sondern als eine Fortschrittserscheinung bei den Centaurea-Arten zu betrachten.
Bei C. Salonitana Vis. scheinen die Verhältnisse ähnlich zu liegen. Gegenüber der dürren, stache-
ligen Vegetation Thessaliens und Attikas ist die Flora Dalmatiens noch immer reich an Futterkräutern
für das Vieh; außerdem scheint C. Salonitana Vis. bei Spalato auch häufig als Ackerunkraut aufzutreten,
und so mehr vor den Angriffen der Weidethiere geschützt zu sein, als in Griechenland, wo sie (nach
alacsy) »sonnige steinige Orte, Raine, Weingärten niedriger Gegenden« bewohnt. Es dürften also
‚auch hier ähnliche Verhältnisse wie bei C. rupestris L. eine Rolle spielen.
(10x 14) Centaurea rupestris L. X Fritschii Hay.
Zwischenformen von C. rupestris L. und der nachstehend als C. Fritschii beschriebenen südlichen
arallelform von C. scabiosa L. sind anscheinend sehr häufig und wohl alle ursprünglich hybriden Ur-
sprunges. Wenn auch die hierhergehörigen Formen oft in großer Individuenzahl auftreten, so sind doch
die muthmaßlichen Stammeltern nicht allzuweit zu finden. Freilich fruchten die meisten Exemplare gut,
und auch die Pollenuntersuchung hat bei ©. sordida Willd. nur einen unbedeutend geringeren Percent-
Satz an fertilen Körnern ergeben, als bei C. rupestris. Pospichal (Flora des österr. Küstenlandes, II,
p. 928) sieht daher wohl die hieher gehörigen Formen »als wohl ursprünglich aus einer Kreuzung der
C. scabiosa mit C.rupestris hervorgegangen, sich aber bereits als selbständige Art verhaltend und fruch-
tend« an. Herr Professor v. Wettstein, der auch Gelegenheit hatte, die Pflanze in der Natur zu beob-
achten, meint jedoch, dass an den von ihm besuchten Orten von einem »zur Art werden« dieses Bastardes
‘wohl noch nicht gesprochen werden könne.
Diese vermuthlichen Hybriden zwischen C. rupestris L. und C. Fritschii Hay. umfassen einen
kolossalen Formenreichthum, und stellen eine lückenlose Reihe von Bindegliedern zwischen den beiden
Stammeltern dar. Ohne jedoch der Natur besonderen Zwang aufzulegen, lassen sich selbe in folgende
zwei Formenreihen gruppieren:
a) Centaurea sordida Willd., Spec. plant. Ed. IV, III, p. 2323! (1800).
Perennis. Rhizoma crassum, horizontale, apice comosum. Caulis erectus, ad 60 cm altus, a medio in
ramos paucos simplices, rarissime iterum ramosos, divisus, angulatus, scaber et hinc inde parce
arachnoideo-floccosus. Folia basalia petiolata, pinnata, foliolis multijugis linearibus dentatis vel pinnati-
seclis longe mucronatis basi angustata vel parum ad rhachym decurrente sessilibus; caulina sessilia,
nferiora basalibus conformia, superiora pinnati-partita segmentis linearibus mucronatis impari saepe
maiore. Folia omnia viridia, ad marginem aspera, caeterum inprimis ad nervos paginae inferioris scabra et
hine inde parce arachnoideo-floccosa. Capitula in apice ramorum elongatorum singularia, ovoidea, 18mm
longa et 14 mm lata. Squamae anthodii floccosae vel glabrae, estriatae vel intimae inconspicue nervosae
intimae cum appendicibus scariosis ovatis pectinatis. Appendices caeterum squamarum triangulares acutae
vel in spinam brevem rarius ad 2cm longam productae, nigrae, margine angustissime breviter decurrentes
78*
614 Augustv. Hayek,
pectinato-fimbriatae fimbriis margine nigra longioribus utrinque 5—8, inferioribus hinc inde in auriculam
scariosam parvam confluentibus. Corollae flavae vel sordide purpurascentes vel purpureae, marginales
radiantes. Achenia ca. 4mm longa, glabra, umbelico barbata, hinc inde sterilia, papposa. Pappus sordide
albidus, biserialis, fructu dimidio brevior.
Synonyme.
C. sordida Willd., Enum. plant. hort. reg. bot. Berol., p. 931 (1809).
Centaurea variabilis y. sordida Bartl. in Bartl. et Wendl., Beitr. z. Bot., p. 114 (1825).
C. Grafiana De Cand,, Prodr. Syst. veget. VI, p. 587 (1837).
2 C.sordida De Cand,, |. c. p. 590 (1837).
C. sordida Koch. Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. I, p. 413 (1837). — Taschenb. d. deutsch. u. schweiz.
Fl., p. 304 (1844). — Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 474 (1844). — Fleischm, Übers. d. Fl. Krains,
p. 42 (1844). — Visiani, Fl. Dalm. II, p. 37 (1847). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 137
(1843). — Rcht. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv., XV, p. 40 (1852).
Centaurea spinulosa Bertol., Fl. Ital. IX., p. 457 (1853).
Centaurea sordida A. Kern. in österr. bot. Zeitschr. XXIV, p. 204! (1874). — Borb., Termeszett.
Füzet. IX, p. 120 (1877). — Nym., Consp. Fl. Europ., p. 428 (1878— 1882).
C. pubescens Nym.,, |. c. p. 428 (187. — 1882).
C. sordida Marches., Fl. di Trieste, p. 321 (1896— 1897).
C. dichroantha Fritsch., Excursionsfl. f. Österr., p. 599, pr. p. (1897).
C. sordida ß. typica Pospich., Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 929 (1899).
Abbildungen.
Rchb. fil., Icon. Germ. et Helv., XV, Tab. 60, Fig. I. — Taf. IV, Fig. 1.
Verbreitung.
Unter den Stammeltern im ganzen Verbreitungsgebiete derselben nicht selten.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Krain: In Carniola australi, Host (H. U. P.). In monte Zopodo inter Storiz et Senositz, Tom-
masini (H. J. G.). M. Babo, Dolliner (H. E.). Illyrisch Feistritz, Pernhoffer (H. K., H. U. W3
H. Hal.)
Litoraie. Beim Hammerwerk FuZine nächst Heidenschaft, Rastern (H. U. W.). Unterer Theil des
Monte Santo bei Görz, Fritsch (H. Fr.). Flitsch, Tommasini (H. J. G.). Zwischen Sessana und Op£ina,
Tommasini (H.J.G., H.K.). Scorcola bei Triest, Tommasini (H.K.) Passovitza bei Triest, Pidoll
(H. Hal.). Sessana, auf dem Karst, Tommasini (H. z. b. G.).
Kroatien. Fiume, A. M. Smith (H.K.). In asperis lapidosis inter Kamenjak et Skrebudnyak, circa
2000’, Borbas (H. U. W.).
Centaurea sordida Willd. steht im allgemeinen der C. rupestris L. näher als der C. Fritschü
Hayek. Von ersterer unterscheidet sie sich vorzüglich durch die meist mehr minder röthliche Blütenfarbe,
die länger herablaufenden, meist nicht lang dornigen Anhängsel der Hüllschuppen, etwas breitere Blatt-
abschnitte und den längeren Pappus; von letzterer durch die mehr minder dornigen Anhängsel der Hüll-
schuppen, deren schwarzer Saum bedeutend schmäler ist, die viel feiner getheilten Blätter und den
längeren Pappus, sowie durch die hellere oder gelbliche Blütenfarbe. Im Wuchs steht C. sordida W. der
C. rupestris sehr nahe, die Pflanze bleibt stets viel niedriger und armästiger als C. Fritschii.
fl
.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 615
Bei der hybriden Natur der Pflanze ist es natürlich, dass die Constanz der Merkmale keine
bedeutende ist, und die Individuen sich bald mehr der einen, bald mehr der anderen Stammpflanze
nähern, wobei sie jedoch im Habitus stets an C. rupestris L. erinnern, wodurch sie sich vorzüglich von
der nachstehend beschriebenen C. longifolia Posp. unterscheiden. Vor allem.ist es die Blütenfarbe, die
- von Roth durch ein mehr minder schmutziges Röthlichgelb bis in das helle Gelb der C. rupestris L. über-
geht, ferner die Länge des Enddornes der Hüllschuppen, welche variiert. Bald sind diese fast oder ganz
wehrlos, oft aber in einen circa 2—4 mm langen Enddorn auslaufend, in seltenen Fällen erreicht dieser
jedoch eine Länge von fast 2cm. Koch und viele der späteren Autoren haben je nach dem Hervor-
treten des einen oder anderen Merkmales zwei Formen unterschieden, nämlich:
a. lutescens Koch, Syn. Ed. I, p. 413, mit fast wehrlosen Hüllschuppen und gelblichen Blüten und
ß. purpurascens Koch, |. c. mit röthlichen Blüten und deutlichem Enddorn der Hüllschuppen.
Wenn Man auch thatsächlich beobachten kann, dass häufig rothe Blütenfarbe mit dornigen Hüll-
schuppen und gelbe Blüten mit wehrlosen Anhängseln combiniert sind, trifft doch auch nicht selten das
umgekehrte Verhältnis zu, und es ist wohl richtiger, mit Borbäs! und Pospichal? anzunehmen, dass
das Vorhandensein oder Fehlen des Enddornes der Hüllschuppen darauf zurückzuführen ist, ob die wehr-
lose oder die dornige Form der C. rupestris L. die eine Stammpflanze war, und mit dem Vortreten der
rothen oder gelben Blütenfarbe nichts zu thun hat. Wenn man daher die Formen von C. sordida W. noch
weiter gruppieren wollte, müsste man mindestens ihrer vier annehmen, jenachdem die Blütenfarbe roth
oder gelb, die Hüllschuppen wehrlos oder dornig sind. Bei der trotz des Abweichens in diesen Merk-
malen doch außerordentlich großen Ähnlichkeit der hier von mir als C. sordida zusammengefassten
Formen halte ich es jedoch für zweckmäfßiger, von einer weiteren Zersplitterung, die man ja bei hybriden
Pflanzen bis zur Individuenbeschreibung führen könnte, abzusehen.
Centaurea sordida wurde, gleichwie die ihr nahe verwandte C©. pubescens von Willdenow a.a.O.
nach im Berliner botanischen Garten cultivierten Exemplaren beschrieben. Ob jene dort durch zufällige
Bastardierung spontan entstanden sind, oder aus ihrer Heimat eingeführt wurden, ist nicht bekannt. Schon
Bartling fiel die Ähnlichkeit einer von ihm bei Triest gesammelten Centaurea mit C. sordida W. auf und
er benannte sie auch als C. variabilis x sordita. De Candolle hat weder von C. pubescens, noch von
C. sordida Exemplare gesehen, und erstere, die er mit C. incana Desf. identificierte, sicher, letztere wahr-
scheinlich falsch gedeutet, während er die im Vorstehenden beschriebene Pflanze, die ihm von Graf
zugesendet worden war, als C. Grafiana beschrieb. Koch hingegen, der in Willdenows Herbar Ein-
sicht genommen hatte, fasste die ihm bekannten Zwischenformen zwischen C. rupestris und C. Scabiosa
s. l. unter dem Namen C. sordida zusammen und unterschied, wie erwähnt, eine Form a /lutescens, zu der
er als Synonym C. pubescens Willd., Spec. plant et Herbar Nr 16644 citiert und 8 purpurascens, die nach
Koch mit Willdenows C. sordida identisch ist. Wenn wir Willdenows Herbar zu Rathe ziehen, so
finden wir unter Nummer 16645 das Originalexemplar der C. sordida. Dieses stimmt nun mit vielen
Formen des Bastardes C. rupestris und Fritschii so genau überein, dass ich keinen Anstand nehme,
diesen Namen als vollkommen zutreffend beizubehalten. Die Zeichnungen auf Taf. IV, Fig. 1 sind nach
Willdenows ÖOriginalexemplar angefertigt. Bezüglich der C. pubescens Willd. kann ich jedoch Kochs
Ansicht nicht theilen. Die im Herbar Willdenow unter Nummer 16644 aufliegende Pflanze zeigt aller-
dings mit ©. sordida große Ähnlichkeit, unterscheidet sich aber von ihr durch wehrlose und vor allem
andern so dicht filzige Hüllschuppen, dass ich nicht annehmen kann, dass sie derselben Combination
entspricht, da dieses Merkmal keiner der Stammeltern in so hohem Maße zukommt.
I Termeszett. Közlem., IN, p- 120.
= Flora d. öst. Küstenl., II, p. 929,
616 Augustv. Hayek,
b) Centaurea longifolia Pospichal, Fl. d. öster. Küstenlandes, II, p. 918, pro forma o. C. sordidae
(1899).
Perennis. Rhizoma crassum, horizontale, apice comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus,
ad 120 m altus, angulatus, glaber, a medio in ramos nonnullos non rare iterum ramosos elongatos
divisus. Folia basalia petiolata, pinnata, foliolis lanceolatis 5—7 jugis dentatis vel pinnatisectis mucronatis
vel cartilagineo-mucronatis basi angustatis vel ad rhachym decurrentibus, caulina inferiora brevius petio-
lata, caeterum basalibus conformia, caulina media sessilia, pinnati-partita segmentis lanceolatis utrinque
3—5, impari saepe productc. Folia omnia saturate viridia, ad marginem et ad nervos paginae inferioris
setulis minimis aspera, hinc inde sparsim arachnoideo-floccosa, caeterum glabra. Capitula in apice
ramorum elongatorum singularia, ovoidea, 20—22 mm longa et 16—18 mm lata. Squamae anthodii
floccosae, estriatae, intimae cum appendicibus scariosis fuseis pectinato-laceris, caeterae cum appendicibus
triangularibus acutis vel in spinulam brevissimam productis, margine angustissime plus minusve longe
decurrentibus pectinato-Ambriatis fimbriis margine nigra longioribus utrinque 4—7. Corollae sordide
flavescenti-purpureae, vel purpureae, marginales radiantes. Achenia 4 mm longa, glabra, umbelico barbata,
hinc inde sterilia, papposa. Pappus sordide albidus, biserialis, fructu !,, vel '/, brevior.
Synonyme.
? Centaureca scabiosa ß. Italica Lam., Encycl. method. I, p. 667 (1783). — De Cand., Prodr. Syst.
veget. VI, p. 580.
Abbildung.
Tat IV. Bis?
Vorkommen.
Unter den Stammeltern, aber viel seltener als ©. sordida W.
Vorkommen in Österreich-Ungarn. !
Krain: Illyrisch-Feistritz, Pernhoffer (H. K.).
Litorale. Sagrado bei Görz, leg ? (H. Hal.).
C. longifolia Posp. ist eine so auffallende Form des Bastardes C. rupestris X Fritschii, dass es
gerechtfertigt scheint, sie von C. sordida W. abzutrennen. Während letztere im allgemeinen der
C. rupestris L. näher steht als der €. Fritschii Hay., ist ©. longifolia Posp. im Wuchs und Blattgestell,
Farbe der Blüten und Wehrlosigkeit der Hüllschuppen entschieden die der C. Fritschii näher
stehende Form.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass Lamarck unter seiner C. scabiosa var. Italica die oben
beschriebene Form verstanden hat, da er ihr aber doppelt größere Köpfchen als der C. scabiosa L.
zuschreibt, ist diese Annahme doch zweifelhaft.
11. Centaurea dichroantha A. Kerneı
Über einige Pflanzen der Venetianer Alpen in österr. bot. Zeitschr, XXIV, p. 104 (1874).
Perennis. Rhizoma descendens, comosum, monocephalum. Caulis erectus, strietus ad 40 cm altus,
simplex vel in parte superiore ramo uno alterove praeditus, angulatus, glaber. Folia basalia et
caulina inferiora pinnata, segmentis linearibus pinnatisectis cartilagineo-mucronatis, caulina media et
! Vergl. auch Pospichal, Fl.d. österr. Küstenlandes, Il, p. 928 f.
Bi...
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 617
superiora pinnata lobis anguste-linearibus cartilagineo-mucronatis integris. Folia omnia dilute viridia,
glaberrima. Capitula in apice caulis vel ramorum singularia, ovato-globosa, 16—18 mm longa et
12—14 mm lata. Squamae anthodii glabrae vel inferiores sparse tomentosae, estriatae, pallide virides.
Appendices intimae ordinis scariosae, orbiculares, pectinato-lacerae, caeterum serierum triangulares 1!/, mm
longae nigrae vel fuscae, in spinulam brevem productae, margine parum angustissime decurrentes pectinato
fimbriatae fimbriis pallidis utringque 5—S ca. I mm longis, inferioribus hinc inde in auriculam parvam
scariosam confluentibus. Corollae sulfureae vel purpurascentes, marginales radiantes. Achenia 4 mm
longa, sparsim puberula, hylo barbata, papposa. Pappus biserialis, fructu aequilongus vel paulo longior,
fusco-purpureus. f
Synonyme.
Centaurea sordida Huter in Schedis a. 1872 et in österr. bot. Zeitschr. XXIII, p. 125! (1873).
Centaurea dichroantha Nym., Consp. fl. Eur., p. 428 (1879— 82).
Centaurea rupestris Pacher in Pach. et Jaborn,, Fl. v. Kärnt. I, p. 124 (1881).
Centaurea dichroantha A. Kern., Sched. ad Fl. exs. Austro-Hung. I, p. 104! (1883). — Fritsch
Excursionsfl. f. Österr., p. 599 pro parie (1897).
Abbildung.
Taf. III, Fig. 5.
Exsiccaten.
A. Kerner, Flora exs. Austro-Hung., Nr. 969.
Verbreitung.
Endemisch in den Venetianer Alpen, und von da sich bis nach Kärnten und Görz erstreckend.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Kärnten: In pinetis et declivibus aridis et glareosis supra Katrein inter Malborghet et Pontafel in
valle Canalensi, Jabornegg (H. U. W. H. H.M.). In valle Canalensi, Jabornegg (H. H. M.). In Grenz-
graben bei Pontafel, Preissmann (H. P.). Vogelbachgraben bei Pontafel, Preissmann (H. P.).
Litorale: Am Isonzo bei Soca, Rechinger (H. U. W.).
Centaurea dichroantha Kern. nimmt eine eigenthümliche Mittelstellung zwischen C. rupestris L.
und C. scabiosa s. 1. ein und wurde auch von früheren Autoren, so von Huter als C. sordidar Willd.
angesprochen. Erst Kerner erkannte, dass die Pflanze von C. sordida sich durch den bedeutend längeren
(und überdies stets purpurnen) Pappus und die knorpelig, nicht lang borstlich, bespitzten Blattabschnitte
_ unterscheide.
Da außerdem auch C. rupestris L. im Verbreitungsgebiete der C. dichroantha Kern. vollständig
fehlt, so erscheint die Annahme eines hybriden Ursprunges der Pflanze auch aus diesem Grunde aus-
geschlossen.
Es wäre daher höchstens daran zu denken, dass C. rupestris L. im Verbreitungsgebiete der
€. dichroantha Kern. ehemals vorkam, mit C. scabiosa Bastarde bildete, später aber dortselbst ausstarb
und €. dichroantha aus dieser Hybride, die zur Art wurde, entstanden ist. Für diese Annahme würde die
bald gelbe, bald rothe Blütenfarbe der Art sprechen, doch begegnen wir einem ähnlichen Wechsel der
Blütenfarbe auch bei andern Centaurea-Arten, wie zum Beispiel bei €. atropurpurea W; hingegen spricht
das keiner der muthmaßlichen Stammeltern zukommende Merkmal des purpurrothen Pappus gegen diese
Annahme. Ich wäre geneigt, C. dichroantha Kern. für eine selbständige Art und eine Parallelform von
€. rupestris L. zu halten, die sich vor nicht langer Zeit von der Stammform abgetrennt hat. Eine Einfluss-
nahme von C. scabiosa kann ich nicht vollkommen ausschließen, jedenfalls aber hat die hybride Bildung
618 Augustv. Hayek,
wenn O. dichroantha je aus einer solchen hervorgegangen ist, vollkommen den Charakter einer Art ange-
nommen und:sich noch selbständig weiter ausgebildet, worauf eben, wie gesagt, schon die rothe Färbung
des Pappus und auch die Länge desselben, Merkmale, die sich aus der Annahme einer hybriden
Abstammung aus C. scabiosa L. und ©. rupestris L. allein nicht erklären ließen, hindeuten.
Sehr schmalblättrige Formen von C. tenuifolia Schl. sehen der-C. dichroantha Kern. oft sehr ähnlich
und wurden solche von Hausmann und Facchini auch für ©. sordida W. gehalten. Die Einsichtnahme in
solche Exemplare, die Hausmann selbst als C. sordida bezeichnet hat, haben mich aber überzeugt, dass
wir es doch nur mit ‘Formen der in ganz Südtirol verbreiteten C. Zenuifolia Schl. zu thun haben, die aller-
dings durch die außerordentlich fein getheilten Blätter (die Abschnitte sind wenig über 1 mm breit) auf-
fallen. Aber sowohl die Hüllschuppen, wie der schmutzigweiße Pappus der Pflanze beweisen, dass hier
keineswegs C. dichroantha Kern. vorliegt. €. sordida W. kann die Pflanze bei dem vollständigen Fehlen
der C. rupestris L. in Tiröl schon gar nicht sein.
C. Lopholomae. Anhängsel der Hüllschuppen deutlich herablaufend, schwarz, nicht glänzend, die
Nägel meist nicht vollkommen verdeckend, meist wehrlos, seltener in einen kurzen Dorn auslaufend.
Blätter getheilt mit meist breiten Abschnitten.
(11x 14) Centaurea dichroantha Kern. X Fritschii Hay.
Centaurea rufipappa Hayek.
Rhizoma descendens, comosum. Caulis erectus, simplex vel in parte superiore in ramos nonnulos
divisus, ad 60 cm altus, angulatus, glaber. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata
segmentis lanceolatis cartilagineo mucronatis pinnatisectis vel dentatis, caulina media et superiora
pinnata, segmentis .lanceolatis integris vel dentatis cartilagineo mucronatis. Folia omnia saturate
viridia, ad marginem et hinc inde etiam ad nervos paginae inferioris scabra, caeterum glaberrima.
Capitula in apice caulis vel ramorum singularia, ovato-globosa, 18—20 mm longa et 15— 18 mm lata.
Squamae anthodii virides, glabrae vel sparsim farinaceo-tomentosae, estriatae vel interiores incon-
spicue striatae. Appendices squamarum intimarum scariosae orbiculares pectinato-lacerae, caeterum
triangulares inermes anguste margine decurrentes nigrae pectinato fimbriatae fimbriis ca. 1 mm longis
utringue 7—10. Corollae purpureae, marginales radiantes. Achenia 4 mm longa puberula, umbelico
barbata, papposa. Pappus biserialis, fructu aequilongus, fusco-purpureus.
Abbildung.
Tab. III, Fig: 7.
Verbreitung.
Unter den Stammeltern anscheinend nicht selten, aber noch wenig beobachtet.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Kärnten: Grenzgraben bei Pontafel, Preissmann (H. P.). Vogelbachgraben bei Pontafel, Preiss-
mann (H.P.).
Kürzlich theilte mir Herr Oberaichinspector E. Preissmann, der ausgezeichnete Kenner der Flora
Steiermarks und Kärntens, mit, dass er beobachtet habe, dass bei Pontafel, dort, wo C. dichroantha Kern.
vorkomme, auch (€. scabiosa oft einen purpurrothen Pappus zeige. Eine Einsichtnahme in sein Herbar, die
mir Herr Preissmann freundlichst gestattete, ließ mich nun ein Urtheil über die fragliche Pflanze
gewinnen, und ich glaube mit Sicherheit behaupten zu können, dass hier ein Bastard aus C. dichroantha
Kern. und der dortselbst vorkommenden Form der C. scabiosa, nämlich €. Fritschii vorliegt. C. dichro-
antha lag mir von beiden Standorten der C. rnfipappa vor, C. Fritschii allerdings nur von einem. der
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 619
selben, doch zweifle ich nicht, dass selbe bei ihrem häufigen Auftreten auch im Grenzgraben bei Pontafel
vorkommt.
C. rufipappa steht im allgemeinen der C. Fritschii sehr nahe, unterscheidet sich jedoch von ihr durch
kahlere Hüllschuppen, etwas schmäler herablaufende Anhängsel, feiner zertheilte Blätter und den purpur-
rothen Pappus, alles Merkmale, die auf €. dichroantha Kern. hinweisen; von dieser unterscheidet sich die
Pflanze wieder durch höheren Wuchs, breitere Blattzipfel, dunkler gefärbte, breiter herablaufende und
reichlicher gefranste Anhängsel der Hüllschuppen und constant rothe Blüten.
Bei dieser Mittelstellung der Pflanze zwischen C. Fritschii und C. dichroantha, dem Vorkommen
unter den Stammeltern und dem häufigen Vorkommen des analogen Bastardes C. rupestris x Fritschii,
glaube ich daher an der Annahme, C. rufipappa sei eine Hybride von €. Fritschii m. mit C. dichroantha
Kern. nicht zweifeln zu dürfen.
. 12. Centaurea spinulosa Rochel, Plant. Banat. rar., p. 76! (1828).
Perennis. Rhizoma descendens, comosum, crassum, mono vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus,
ad 1:50 m altus, angulatus, glaber vel ad angulos scaber, in parte superiore in ramos nonnulos erectos
simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis lanceo-
latis integris vel pinnatilobis, '/),—1 cm latis, cartilagineo-mucronatis, caulina media sessilia, caeterum
_ inferioribus conformia, superiora sessilia, pinnatisecta, lobo terminali longe producto, lateralibus 3—5
- lanceolatis cartilagineo-mucronatis integris; rarissime folia basalia integra margine dentata vel lobata.
Folia omnia saturate viridia, ad marginem et ad nervos paginae inferioris scabra, caeterum glaberrima.
- Capitula in apice ramorum singularia, longe pedunculata, ovato-globosa, ca. 20 mm longa et 15 mm lata.
" Squamae anthodii pallide virides, estriatae vel intimae inconspicue striatae, glabrae vel exteriores
sparsim farinaceo-tomentosae. Appendices squamarum intimarum fuscae, scariosae, orbiculares, pectinato
lacerae, caeterum serierum triangulares nigrae in spinam erectam vel reflexam ca 3 mm longam productag,
ungues non obtegentes ad marginem longe angustissime decurrentes et dense pectinato fimbriatae fimbriis
utringue 3—12 ca 2mm longis. Corollae purpureae, marginales radiantes. Achenia ca mm longa sparsim
puberula vel glabra, hylo barbata, papposa. Pappus biserialis, albidus, series interior brevissima con-
_ nivens, exterior erecta fructu aequilonga. Floret Junio, Julio.
Synonyme.
Cyanus coriaceus Baumg., Enum. stirp. Transs. III, p. 76 (1816).
Cyanus scabiosus und (©. Badensis Baumg,, |. c. p. 76 und 77 (1816).
Centaurea spinulosa Sprengel, Syst. veget., Ed. 16, III, p. 403 (1826), non De Candolle.
Centaurea coriacea Host., Fl. Austr. II, p. 516 pro parte (1831).
Centaurea spinulosa Rchb., Fl. Germ. exc., p. 216! (1831).
Centaurea scabiosa c. spinulosa Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848).
Centaurea stereophylla Griseb. et Schenk, Iter Hung. in Wiegm. Arch. f. Naturg. XVII, p. 346
(1852), non Besser.
Centaurea scabiosa var. spinulosa Griseb. et Schenk, |. c. p. 346 (1852).
Centaurea scabiosa c. spinulosa Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 26 (1852).
Centaurea spinulosa Heuff., Enum. plant. Ban. Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges. VII, p. 143
(1858).
Centaurea scabiosa y spinulosa Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bisher beob. Gefäßpfl., p. 123 (1866).
Centaurea scabiosa, coriacea, spinulosa und stereophylla Schur., Enum. plant. Transs., p. 406 (1866).
Centaurea coriacea Schloss. et Vukot., Flor. Croat., p. 784! (1869).
Centaurea spinulosa Nym., Consp. flor. Europ., p. 424 (1878—82). — A. Kern., Sched. ad fl. exs.
Austro-Hung. III, p. 110! (1883). — Simonk., Enum. fl. Transs., p. 349 (1886).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 79
620 Augustv. Hayek,
Abbildungen.
Rochel, Plant. Banat. rar. Icon., Tab. 36, Fig. 76. — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV,
Tab. 44, Fig. 3. — Taf. III, Fig, 8.
Exsiccaten.
Reichenbach, Essicc., Nr. 1523. — Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 24, Nr. 2354. — Kerner,
Fl. exs. Austro-Hung,, Nr. 971. — Degen, Fl. Banat. exsicc. 1887, Nr. 72.
Verbreitung.
Von Ost- und Südungarn durch Siebenbürgen bis Rumänien, Serbien und Bulgarien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Matra-Gebirge bei Poräd, Szepligeti (H. Beck.). Kis-Terennye, Borbäs (H.U.W. H. B,,
H. Hal.). Futäk, Stoitzner (H. B.). An Ackerrändern durch das ganze Banat, Heuffel (H. E.). Banat,
Rochel (H. E., H. K.). An Wegen bei Orawitza, Wierzbicki (H. U. PH. J.G., H.R,), Kerner tra
Rochel (H.K.). Bei Orawitza und Csiklova, Wierzbicki (H. E.). In pratis ad Glasevitza ad Danubium,
Degen (H. Hal.). Svinitza im Banat, Borbäs (H. B.). Temesvär, Mehala, Schröckinger (H. z. b. G.)
Lugos bei Mehadia, Straube (H. B.). Kazan-Pass, Borbäs (H. K., H. z. b. G.).
Kroatien: Somobor, Schlosser (H. z. b. G.). Mitrovie, Godra (H. U. W.).
Siebenbürgen: In graminosis prope Torda, J. Wolff (H.P. Z., H. B.). Ad agrorum margines pr op
St. Gotthard, Janka (H. Kk., H. F.1,H.K., H. Hal.). In graminosis ad agrorum margines prope Nagy-
Enyed, Csat6 (H. Beck, H.P. Z, H. U. W., H. Hal, H.H. M,H. B.), Tauscher (H. P. Z.). In collibus ad
Langenthal, Barth (H. Kk.). Auf dürren Plätzen bei Szam. Deva-Dobra, leg.? (H. U. W.). Esehtelke, Janka
(H.K.). Ad pedem montis Bucsecs, Janka (H. Ull.). Zwischen Katona und Kis-Czeg, Janka (H. K.)
Klausenburg, Janka (H.K.). Hermannstadt, Schur (H. H. M.).
Centaurea spinulosa Roch. ist von allen übrigen Arten aus der Verwandtschaft der C. scabiosa L,
durch die stets in einen kurzen, selten längeren Dorn auslaufenden und dabei langfransigen, aber nur
äußerst schmal herablaufenden Anhängsel, sowie die oberseits kahlen Blätter leicht zu unterscheiden.
Es kommen allerdings auch bei anderen Arten dieser Gruppe, speciell bei C. scabiosa L. und
©. Fritschii Hay. Formen vor, bei denen die Endfransen der Hüllschuppen in einen mehr minder deut-
lichen Dorn umgewandelt sind, doch bleibt bei diesen Arten der schwarze Saum der Hüllschuppen stets
breiter als er bei €. spinulosa angetroffen wird. Solche dornige Formen wurden dann auch oft für die echte
C. spinulosa Roch. gehalten (conf. z.B. Beck, Fl. v. N. Ö. und Posp., Fl. d. öst. Küstenl.).
Die echte ©. spinulosa Roch. ist jedoch eine Pflanze, die ein scharf umgrenztes Verbreitungsgebiet
hat und außerhalb desselben noch nirgends angetroffen wurde. !
Die dornigen Formen von (. Fritschii und C.scabiosa sind nun allerdings als Annäherungsformen
n €. spinulosa zu betrachten, können aber keineswegs als Gegenbeweis dafür dienen, dass die einzelnen
Arten (oder Unterarten) einer Gruppe geographisch getrennte Gebiete bewohnen. Wir stellen uns doch
die Entstehung solcher Arten (in unserem Falle C. scabiosa L., Fritschii m., tenuifolia Schl, Sadleriana
Janka, alpestris Heg.; und im Osten an diese anschließend, adpressa Led. und stereophylla Bess.) als
aus einer Stammart entsprungen, und infolge der verschiedenen klimatischen Verhältnisse gebildet vor.
Ebensogut als nun an den Grenzen der Verbreitungsgebiete Übergangsformen vorkommen, ist es leicht
ı Es soll allerdings C. spinulosa Roch. am linken Donauufer bei Wien vorkommen. Obwohl ich keine Exemplare von diesem
Standorte gesehen habe, will ich dieses Vorkommen keineswegs in Abrede stellen, halte es aber für ein aus einer ursprünglichen
Einschleppung entsprungenes.
Centaurea-Arten Österreich-T Ingarns. 621
möglich, dass man unter der Hauptmasse der Formen eines Gebietes Annäherungsformen an die ver-
wandten Arten findet. Diese Annäherungsformen werden sich um so häufiger finden, je näher uns die Zeit
gerade liegt, indem die Trennung der Stammform in die heutigen Formen erfolgt ist, und kann der Grad
der Annäherung ein sehr verschiedener, mitunter aber sehr vollkommener sein. Nichtsdestoweniger wäre
man aber berechtigt, zum Beispiel eine im Litorale gefundene, dornige Form der C. Fritschii, eben mit
Rücksicht auf die geographische Verbreitung, selbst wenn die Ähnlichkeit mit €. spinulosa eine sehr große
wäre, als ©. spinulosa Roch. bezeichnen, sondern muss sie eben als (. Fritschii, forma ad spinulosam
vergens, betrachten.
Centaurea spinulosa Roch. scheint in Ungarn weiter verbreitet zu sein, als man im allgemeinen
anzunehmen scheint, und im Norden bis an den Fuß der Karpathen zu reichen. Ich vermag wenig-
stens die Pflanze aus Kis-Terennye, die Borbas zuerst als C. spinulosa, später als C. scabiosa var.
pungens vertheilt hat, von der siebenbürgischen Pflanze nicht zu unterscheiden, und kann daher
Borbas, oßwohl ich seinen in Mathem. &s termeszettud. közlem. XII (1876) gemachten Ausführun-
gen im allgemeinen zustimme, bezüglich dieser Form nicht beipflichten, sondern halte sie für mit
C. spinulosa identisch. Ob es sich hier um ein isoliertes inselförmiges Vorkommen handelt oder ob
dieser Standort mit den übrigen in Verbindung steht, ist mir unbekannt, doch glaube ich, dass die letztere
Annahme die richtigere sein dürfte.
C. spinulosa Roch. Ändert nur wenig ab; speciell die Blattform scheint ziemlich constant zu sein.
Hingegen ist die Länge des Enddornes der Hüllschuppen Schwankungen unterworfen, und ab und zu
finden sich Exemplare, wo dieser fast 2cm an Länge erreicht; die Behaarung wechselt auch nur in
geringem Grade, bald ist die Pflanze fast ganz kahl, bald die Blätter am Rande und der Unterseite ziemlich
stark rauh. Aus diesen geringfügigen Abänderungen hat Schur, der offenbar das Bestreben hatte,
womöglich alle je beschriebenen Pflanzenarten in Siebenbürgen aufzufinden, nicht weniger als vier Arten,
Centaurea scabiosa, coriacea, stereophylla und spinulosa, gemacht, obwohl einzig und allein die letzte in
Siebenbürgen vorkommt.
Vielfach scheint €. spinulosa Roch. mit C. stereophylla Bess. verwechselt worden zu sein, weshalb
es von Interese scheint, Unterschiede beider Arten klarzulegen.
C. stereophylla Bess. unterscheidet sich von €. spinulosa Roch. durch das dreieckig lanzettliche,
sehr kurz dornige, kaum herablaufende und spärlich gefranste Anhängsel der Hüllschuppen, kleinere
Köpfchen und einen viel kürzeren Pappus und schließt ihr Verbreitungsgebiet südöstlich an das der
C. spinulosa Roch. an. Sie findetsich durch ganz Südrussland, Bulgarien, Rumänien und Serbien; nördlich
von ihr findet sich die durch kurz dreieckige, kaum gefranste Anhängsel charakterisierte ©. adpressa
Ledeb.
13. Centaurea tenuifolia Schleicher in Gaud. Fl. Helv., V, p. 404 (1829).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, angu-
latus, ad 1 m altus, glaber vel ad angulos scabriusculus, supra medium in ramos nonnullos erecto
patentes simplices vel iterum ramosos divisus, rarius simplex. Folia basalia et caulina inferiora saepis-
sime bipinnato-partita vel pinnata lobis pinnatifidis, segmentis lanceolatis mucronatis 2—8 mm latis, rarius
ovata plus minusve profunde dentata vel pinnatiloba. Folia caulina media sessilia, caeterum inferioribus
conformia, superiora lanceolata profunde dentata vel pinnatifida. Folia omnia saturate viridia, supra
nitentia, ad marginem setulis minimis aspera, caeterum glaberrima vel ad nervos paginae inferioris
scabra. Capitula in apice ramorum singularia, longe pedunculata, globoso-ovata, 18 mm longa et
14mm lata. Squamae anthodii dilute griseo-virides, imprimis exteriores farinaceo-tomentosae, estriatae vel
interiores inconspicue striatae. Appendices seriei intimae orbiculares scariosae fuscae pectinato lacerae,
caeterum nigrae triangulares vix I mm longae ad marginem anguste decurrentes pectinato-fimbriatae;
margo nigra squamarum ca !/, mm lata, fimbriae margine nigro paulo longiores sparsae, utrinque 3—D.
Corollae purpureae, marginales vix radiantes. Achenia 4'/, mm longa, fusca, glabra, hylo barbata,
(Hayck.) 79*
622 Anugustv. Hayek,
papposa. Pappus biserialis albide-fuscus, series interior brevissima connivens, exterior erecta fructu paulo
brevior. Floret Junio, Julio.
Synonyme.
Centaurea scabiosa x tennifolia De Cand., Prodr. syst. veget. VI, p. 580 (1837).
Centaurea scabiosa ß coriacea Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 412 (1837); Ed. Il, p. 474
(1844); Taschenb. d. deutsch. u. schw. Fl., p. 304 (1844), pro parte.
Centaurea scabiosa Hausm,, Fl. v. Tirol, p. 498 pro parte! (1851).
Centaurea sordida Hausm,, 1. c. p. 499! (1851) et in Facch,, Fl. v. Süd-Tirol, p. 147 (1855).
Centaurea scabiosa Facch., Fl. v. Süd-Tirol., p. 102 (1855).
Centaurea Grafiana Facch,, ]. c. p. 102 (1855).
Centanrea Grineensis Reut. in Catal. d. graines rec. en 1857 et offertes par le Jard. bot. de Geneve,
p. 1 (1857) et in Linnaea XXIX, p. 722 (1858).
Centaurea scabiosa Bertol., Fl. Ital. IX, p. 458 pro parte (1859)
Centaurea Badensis A. Kern. in österr. bot. Zeitschr. XXIV, p. 106! (1874).
Centanrea scabiosa Gremli, Excursionsfl. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 155 pro parte (1889).
Centaurea scabiosa et var. spimulosa Gelmi, Prosp. della Fl. Trent., p. 98 (1893).
Centaurea scabiosa var. cinereocephala Evers in Verh. d. zool. bot. Ges., XLVI, p. 19 (1896).
Centaurea Badensis Fritsch, Exc.-Fl. f. Österr., p. 599 pro parte (1897).
Abbildung.
Taf. III, Bie. 6.
Verbreitung.
In den südlichen Alpenthälern der Schweiz und Südtirols und von da bis Oberitalien reichend.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: Margreit, Hausmann (H. z.b.G.), Zallinger (H. z. b. G.), Sauter (H. Murr), A. Kerner
(H. K.). Stenico, Los (H. F. 1.). Cis, Ig? (H. F. 1). Trient, am Wege nach Gendoli di Merzo, Val de Lieyze
(H. F. 1). Kalisberg, Val de Lievre (H. F. I.). Castelbell, Ig.? (H. F. I.). Wiesen am Monte Brione bei Riva,
Beck (H. Beck). Hellweger (H. Murr), Murr (H. Murr). Soprafasso, Val de Lievre (H. F. I.). Zwischen
Riva und Tonale, A. Kerner (H.K.). Felsen am Ufer des Gardasees bei Riva, A. Kerner (H.K., H. U.W.).
Val di Ledro, Porta (H. z. b. G.).
Centawrea tenuifolia Schl. ist im allgemeinen eine durch die verhältnismäßig kleinen Köpfchen, die
kurz dreieckigen, kaum herablaufenden und kurz gefransten Anhängsel, sowie die meist vielfach zertheilten,
bis auf den rauhen Rand glatten Blätter gut charakterisierte Art. Ab und zu, und zwar anscheinend im,
Westen häufiger, finden sich jedoch auch Exemplare mit ungetheilten Blättern, und diese, bei denen die
Kahlheit der vegetativen Theile noch mehr ins Auge fällt, wurden von Reuter als C. Grineensis beschrieben.
Viel früher schon wurde jedoch unsere Art von Schleicher unter dem Namen Centaurca tenuifolia
vertheilt und unter diesem Namen von Gaudin in der Flora Helvetica und später von De Candolle im
Prodromus systematis vegetabilium beschrieben. A. Kerner glaubte die Südtiroler Pflanze mit der die
das Wiener Becken im Osten begrenzenden Kalkberge bewohnenden €. Badensis Tratt. identificieren zu
können, doch unterscheidet sich letztere hinreichend durch den länger gefransten und breiteren schwarzen
Rand der Hüllschuppen und die auch am Rande glatten, einfach gefiederten Blätter. Facchini und
Hausmann endlich hielten Exemplare aus Margreid mit auffallend fein zertheilten Blättern für
C. Grafiana D.C. respective C. sordida W., welche Ansicht jedoch bereits A. Kerner! widerlegt hat.
Über die Unterschiede von €. dichroantha Kern. siehe oben.
1 Österr. bot. Zeitschr., XXIV, p. 106 ff.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 623
Außer in Bezug auf die Theilung der Blätter scheint €. Zenuifolia Schl. kaum zu variieren. Exem-
plare, bei denen die Anhängsel der Hüllschuppen in einen kurzen Dorn auslaufen, habe ich nicht gesehen,
doch glaube ich, da Gelmi! bei seiner C. scabiosa eine var. spinulosa anführt, annehmen zu müssen, dass
auch solche beobachtet wurden. Solche Individuen dürften allerdings von ©. spinulosa Roch. nur
schwer durch die kürzeren Fransen der Anhängsel und die mehlig-filzigen Hüllschuppen zu unter-
scheiden sein.
14. Centaurea Fritschii Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus,
ad 1’8S0 m altus, supra medium in ramos nonnullos simplices vel iterum ramosos divisus, angulatus,
glaber, vel imprimis in parte superiore ad angulos asper. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pin-
nata, foliolis lanceolatis ),—1cm latis sessilibus pinnatisectis, caulina media et superiora sessilia, pinnati-
partita, segmfitis lineari-lanceolatis integris cartelagineo-mucronatis impari longe producto, rare folia
omnia indivisa late-lanceolata dentata. Folia omnia saturate-viridia, nitida, in pagina superiore glabra, ad
marginem et ad nervos, paginas inferioris setulis minimis aspera. Capitula in apice ramorum singularia,
longe pedunculata, globosa-ovata, 13—20 mm longa et 14—16 mm lata. Squamae anthodii pallide virides,
plus minusve farinaceo-tomentosae, estriatae. Appendices seriei intimae scariosae ovatae nigrae pecti-
nato-fimbriatae, caeterum nigrae triangulares 1'/, bis 2 mm longae, utrinque in marginem nigram '/, mm
latam decurrentes, pectinato fimbriatae, fimbriis utringue 6— 10 margine nigro duplo longioribus. Corollae
purpur ae, marginales radiantes. Achenia 41/, mm longa, pallide fusca, puberula, umbelico barbata, papposa.
Pappus biserialis series interior brevissima connivens, exterior erecta sordide-albida, fructu aequilonga.
Floret a Junio ad Augustum.
Synonyme.
Centaurea scabiosa Scop., Fl. Carn., Ed. 2, II, p. 141 (1772).
Centaurea coriacea Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 216 pro parte! (1831).
Centaurea coriacea Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. 1, p. 412 (1837); Ed. 2, p. 473 (1844);
- Taschenb. der deutschen u. schweiz. Fl., p. 304 (1844) — pro parte.
|
EEE PP
Centaurea scabiosa et ©. coriacea Fleischm., Übers. d. Fl. Krains, p. 42 (1844).
Centaurea scabiosa Visiani, Fl. Dalm. II, p. 34 (1847).
Centaurea scabiosa ß coriacea Maly, Enum. pl. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848).
Centaurea scabiosa b coriacea Rchb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, p. 26! (1852).
Centaurea scabiosa Maly, Fl. v. Steiermark, p. 102 pro parte (1868). — Neilr, Die Veg. Verh. v.
Croat., p. 89 pro parte! (1868). — Schloss. et Vukot., Fl. Croat., p. 748 pro parte! (1869).
Centaurea coriacea Nym., Consp. Fl. Eur., p. 424 (1878—82).
Centaurea scabiosa ß coriacea Pach. et Jaborn., Fl. v. Kärnt. I, p. 124 (1881).
Centaurea scabiosa Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 166! (1889). — Murb,., Beitr. z. Fl. v.
Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 99 (1891). — Marches,, Fl. di Trieste, p. 321 (1896—97). — Fritsch, Exc.-
Fl., p. 599 pro parte (1897). — Pospich,, Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 927 (1899).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. flor. Germ. et Helv., XV, Tab. 43, Fig. 3 — Taf. III, Fig. 9.
Exsiccat.
Reichenb,, Exsicc., Nr. 2237 (als C. coriacea).
1 Prospetto della Flora Trentina, p. 98.
624 Augustv. Hayek,
Verbreitung.
Von Südsteiermark und Südkärnten durch Friaul und das österreichische Küstenland bis in den
nordwestlichen Theil der Balkanhalbinsel.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Steiermark: Liser-Berg in Steiermark, Freyer (H. H. M.). — Abhang des Wotsch gegen Pöltschach
Hayek. Im Teufelsgraben bei Bad Neuhaus, Hayek. Bei Weitenstein, Hayek. Am Hum bei Tüffer
Hayek.
Kärnten: Vogelbachgraben bei Pontafel, Preissmann (H. P.).
Krain: An der Save bei Sagor, Hayek. Feistritz an der Wochein, Rechinger (H. U. W.). Carniola,
ubique, Ferjancic (H. H.M.). Mariafeld bei Laibach, Fleischmann (H. E., H. H. M.). Gorjanzberg,
Freyer (H. H.M.). Stomec bei Grahova, Safer (H. Ull.). Illyr.-Feistritz, Pernhoffer (H. U. W.). Lorenzi-
berg bei Adelsberg, Tommasini (H. z.b.G.). Im Rekathale bei Wiesen, Tommasini (H. z. b. G.). Wiesen
bei Präwald, Wettstein (H.U.P.). In pratis montanis ad St. Peter, Borbas (H.K.).
Litorale: Pieris am Isonzo, Tommasini (H. z. b. G.). Im Kies des Isonzo bei Sogrado, Tommasini
(H. z.b.G.). Am Zhaun ‘Freyer (H.H.M.), Tommasini (H.z.b.G.). Rasa, zwischen Storje und Weit
bei Wippach, Tommasini (H.z.b.G.). Am Slavnik (H.z.b.G.). Am Berg Ortjak in der Tschitschen-
gegend, Tommasini (H. z. b. G.). Wiesen bei Scorcola im Triester Bezirk, Tommasini (H. z. b. G.),
Am Karst bei Triest, Hayek. Triest, Tommasini (H.R.).
Kroatien: Klek bei Ogulin, Beck (H. Beck).
Dalmatien: Dalmatien, Petter (H.J.G.).
3osnien: Kozara-Planina am Knin, Beck (H.Beck). Im Bosnathale, Beck (H. Beck). Paklarevo
bei Travnik, Brandis (H. Ser., H. U. W.). Gegen Bersko, Ostbosnien, Beck (H. Beck). Kov£ic bei Sera-
jevo, Fiala (H. Ser.). Gerdolj-Gebirge, Blau (H.B.). Am Igman, Blau (H.B.).
Hercegovina: Gubar, Hawelka (H. Beck).
Schon Reichenbach hatte erkannt, dass die in den südöstlichen Provinzen Österreichs vor-
kommende C. scabiosa eine von der durch ganz Deutschland verbreiteten verschiedene Form darstelle,
hielt sie aber für identisch mit der von Waldstein und Kitaibel beschriebenen (. coriacea und gab sie
auch in seinen Exsiccaten unter diesem Namen aus. Diesem Beispiele scheint auch Koch gefolgt zu sein,
obwohl bei den kurzen Diagnosen seiner aufgestellten Varietäten und dem Umstand, dass er keine Ver-
breitungsangaben zu diesen gibt, es oft schwer ist, zu entscheiden, welche Form dem Autor vorgelegen
ist. Maly und Nyman scheinen ihre Angaben über €. coriacea Reichenbach entnommen zu haben.
Die neueren Autoren haben hingegen die oben beschriebene Form von der nord- und mitteleuropäischen
C. scabiosa L. nicht unterschieden. Da nun der Name €. coriacea W.K., wie ich weiter unten nachweisen
werde, für diese Form nicht verwendbar ist, so ist eine Neubenennung derselben nothwendig. Ich erlaube
mir daher die Art Herrn Professor C. Fritsch, der mich bei meiner Arbeit vielfach in liebenswürdigster
Weise unterstützte, zu widmen.
Centaurea Fritschii steht im allgemeinen in derMitte zwischen C. tenuifolia Schl. und C. scabiosaL.
Von ersterer unterscheidet sie sich durch die längeren, breiter herablaufenden und reichlicher, sowie
länger gefransten Anhängsel der Hüllschuppen und die meist breiteren Abschnitte der etwas rauheren
Blätter, von letzterer durch die oberseits kahlen, feiner zertheilten Blätter und den deutlich schmäleren
schwarzen Rand der Hüllschuppen. Die der €. Fritschii sehr ähnliche €. Badensis Tratt. weicht von ihr
durch den meist einfachen, einköpfigen Stengel, vollkommen kahle und glatte Blätter, meist kahle Hüll-
schuppen mit oft weißlichen Fransen derselben ab.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 625
i Der Formenkreis der €. Fritschii ist ein sehr kleiner. Manchmal sind, wie bei allen zum Formen-
kreise der (©. scabiosa s. l. gehörigen Arten, alle Blätter ungetheilt; ich sah solche Exemplare vom Reka-
- thale, sowie bei Triest. Man könnte sie eventuell als f. indivisa bezeichnen. Die von Pospichalt inner-
halb seiner C. scabiosa unterschiedenen Formen 1. genuina und 2. coriacea stellen wohl nur geringfügige
graduelle Unterschiede in der Rauhigkeit der Blätter dar. Hingegen ist die von ihm aufgestellte »B spinu-
| losa« eine sehr interessante Form. Ich habe ein Exemplar, das zweifellos zu C. Fritschii gehört, vom Cavn
bei Haidenschaft gesehen, dessen Hüllschuppen an der Spitze in einen fast 1 cm langen Dorn ausliefen.
| Solche Formen unterscheiden sich von der echten €. spinulosa Roch. durch den bedeutend breiteren
schwarzen Rand der Hüllschuppen, und ich möchte für sie den Namen f. spinigera vorschlagen.
| Wir haben bisher gesehen, dass bei Centaurea Salonitana Vis. und C. rupestris L. dornenlose und
dornige Formeff nebeneinander auftreten, dass ferner bei €. Fritschii Hayek, C. tenuifolia Schl, ferner
auch ab und zu bei C. scabiosa L. einzelne Exemplare Anhängsel der Hüllschuppen zeigen, die in einen
deutlichen Enddorn auslaufen, dass endlich bei C. spinulosa Roch. dieser Enddorn meist nur wenige Milli-
meter, mitunter aber über I cm lang ist. Ähnliche Verhältnisse kann man auch bei anderen, nicht in Öster-
reich-Ungarn vorkommenden Centaurea-Arten der Sectio Acrocentron beobachten. Es ist nun die Frage, ob
dieses zeitweilige Auftreten von Dornen an sonst wehrlosen Arten, ja überhaupt als Vorkommen von dor-
nigen Anhängseln bei Centaurea-Arten als Fortschritts- oder als Rückschlags-Erscheinen aufzufassen ist.
Ich möchte mich aus mehreren Gründen der ersteren Ansicht zuwenden. Jene Centaurea-Arten, die
wir wohl mit Recht als die ältesten Typen der Gattung ansehen, die Arten der Sectio Centaurium, sind
- völlig dornenlos. Auch bei jenen Arten der Untergattung Cyanus, die wir wegen ihres jetzt ganz isolierten
Vorkommens als sehr alte Arten, die in letzter Zeit keine Veränderung durchgemacht haben, ansehen
müssen, wie C. Ragusina L., C. crithmifolia Vis. u.a. sind die Hüllschuppen wehrlos. Endlich sind die
Dornen der Köpfchen als Schutzmittel gegen äußere Feinde, nicht als ein wesentliches, zur Ausübung der
Ju SD
| normalen physiologischen Functionen nothwendiges Organ anzusehen, und aus diesem Grunde höchst-
wahrscheinlich erst unter bestimmten Lebensbedingungen in späterer Zeit gebildet worden. Dass diese
| Enddornen also den Stammformen der Gattung Centaurea gemangelt und erst später erworben wurden,
| kann als ziemlich sicher angesehen werden.
| Ob aber in späterer Zeit dornige Formen, unter anderen Lebensbedingungen die Dornen wieder
_ verloren haben oder erst in jüngeren Zeitperioden, respective in der Jetztzeit, die dornigen Formen sich
_ entwickeln, ist eine Frage, die schwerer zu entscheiden ist. Wie ich später nachweisen werde, dürften,
speciell in Bezug auf die zuletzt besprochenen Arten, die Formen, die wir als C. scabiosa s. |. zusammen-
fassen können, zur Zeit der großen Vergletscherung Mitteleuropas, auf die Ebenen Mittelasiens und Süd-
| osteuropas zurückgedrängt gewesen sein, und die Formen, die wir heute in jenen Gegenden finden,
(€. adressa Ledeb,, C. stereophylla Ress., C. Tatarica L.f.) zeigen Anhängsel der Hüllschuppen, die ent-
weder ganz wehrlos oder nur ganz kurzdornig sind. Wir können daher wohl annehmen, dass die gemein-
neue, jetzt bestehende Verhältaisse anzusehen ist. Ob aber bei C. rupestris L., €. Salonitana Vis.,
€. collina L. und anderen hieher gehörigen Arten die Verhältnisse ebenso liegen und wir nicht im Gegen-
|
j
|
j
|
}
| same Stammform ähnlich beschaffen war und die Ausbildung kräftigerer Dornen als eine Anpassung an
theile annehmen müssen, dass diese Arten im Begriffe sind, ihre Dornen zu verlieren, lässt sich wohl nicht
mit Sicherheit entscheiden.
i 15. Centaurea Badensis Trattinik.
Archiv der Gewächskunde, I, p. 8 (1812) (nomen solum) et IV, p. 28 Tab. 50 (cum descriptione) (1514).
Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, angu-
latus, glaber, simplex, rarissime in parte superiore ramo uno alterove simplici praeditus. Folia basalia et
1 Flora des österr. Küstenlandes, II, p. 927.
626 Augustv. Hayek,
caulina inferiora mediaque petiolata, simpliciter pinnata, foliolis sessilibus lanceolatis, plerumque integer-
rimis, 7—8 mm latis, cartilagineo-mucronatis, in foliis inferioribus 7—10, in medis 6—8 jugis, caulina
superiora sessilia, pinnatifida, segmentis lineari-lanceolatis integerrimis utringque 3—6, vel suprema lineari-
lanceolata integra. Folia omnia laete-viridia, nitida, utrinque et etiam ad marginem glaberrima. Capitulum
in apice caulis singulum, longe pedunculatum, ovato globosum, ca 1S mm longum et 15 mm latum.
Squamae anthodii virides, plerumque glabrae, estriatae. Appendices squamarum intimarum ovatae, nigrae,
scariosae, pectinato-lacerae, caeterum nigrae, triangulares, 1'/,—8 mm longae, utrinque in marginem
nigram fere 1 mm latam decurrentes, pectinatofimbriatae, fimbriis plerumque albidis, margine nigra paulo
longioribus utringue 8—11. Corollae purpurea marginales radiantes. Achenia 5 mm longa, puberula, hylo
barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima, connivens, exterior erecta sordide-alba fructu
fere aequilonga. Floret Julio, Augusto.
Synonyme.
Centaurea Badensis Rchb., Fl. Germ. exc., p- 216 (1831).
Centaurea coriacea Host., Fl. Austr. II, p- 916 (1831).
Centaurea scabiosa 7 Badensis Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. I, p. 412 (1837).
Centaurea scabiosa ß Badensis Doll., Enum. plant. phan. in Austria inf. cresc., p. 74 (1842).
Centaurea scabiosa Badensis Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p- 304 (1844). — Syn.
Fl. Germ. et Helv. 2, p. 473 (1844).
Centaurea scabiosa ß coriacea Neilr., Fl. v. Wien, p. 258! (1846).
Centaurea scabiosa x Badensis Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 131 (1848).
Centaurea scabiosa ß coriacea Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 381! (1859).
Centaurea Badensis Nym., Consp. Fl. Europ., p. 424 (1878—82). — A. Kern., Sched. ad fl. exs.
Austro-Hung. III, p. 110! (1883).
Centaurea scabiosa ß Badensis Beck, Fl. v. Nieder-Österr. II, p. 1260! (1893).
Centaurea scabiosa b Badensis Hal., FI v. Nieder-Österr., p. 300! (1896).
Cenlaurea Badensis Fritsch, Exc.-Fl,, p. 599 (1897) pro parte.
Abbildungen.
Trattinik, Arch. d. Gewächskunde, IV, Tab. 50. — Taf. III, Fig. 10.
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 21, Nr. 2011.— Kerner, Fl. exs. Austro-Hung,, Nr. 970.
Verbreitung.
Auf den das Wiener Becken im Osten begrenzenden Kalkbergen; vielleicht auch in Oberungarn.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich: Kalkberge bei Kalksburg, Wiesbaur (H. Beck, H. H. M., H. P. Z.). Gaisberg
bei Wien, Juratzka (H. P. Z.). In rupestribus ad Perchtoldsdorf, Dicht! (H.E., H. H. M.). Kalenderberg
bei Mödling, Hayek. Brühl, Rauscher (H. F. 1). In.rupestribus ad Baden, Heimer] (H. U. W., H. Beck,
H. Ull, H. Hal, H.H. M.,H.B,H.P. Z.). Baden, Reinegger (H. E.), Haläcsy (H. Hal.), Hayne (H. H.M,),
Leithner (H. H. M.). Eisernes Thor bei Baden, Keck (H. Kk.), Berroyer (H. z. b. G.). Auf der Spitze des
Sooser Lindkogels, Beck (H. Beck). Steiner Höhe bei Soos, H ayek. Auf sonnigen Anhöhen um Baden
und Merkenstein, Putterlick (H. H. M.). Weichselthal bei Baden, Ig? (H. z. b. G.). Kalkberge bei Vöslau,
Bayer (H. U. W.,H.z.b. G.), H. Braun (H. H. M.). Im lichten Föhrenwalde am Lusthausberg bei Vöslau,
Beck (H. Beck). Bei Merkenstein, Reinegger (H. U. P.).
i Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 627
Centaurea Badensis Tratt. ist von allen verwandten Arten durch die auch am Rande vollkommen
ii
| kahlen und glatten Blätter verschieden. Am nächsten steht ihr noch €. Fritschii Hayek, welche außer
j durch die am Rande und an den Nerven der Unterseite rauhen Blätter auch noch durch den mehrköpfigen
Stengel und den anderen Zuschnitt der Blätter von ihr abweicht. Die Blätter von ©. Badensis Tratt. sind
| nämlich in der Mehrzahl der Fälle einfach gefiedert, mit lanzettlichen ungetheilten Abschnitten, während
C. Fritschii Hay., C. tenuifolia D. C. und andere fast stets fiederschnittige oder doch zum mindesten grob
gezähnte Blattabschnitte zeigen. Von C. scabiosa L., die geographisch von C. Badensis nicht sehr scharf
getrennt ist, daman am Fuße der Kalkfelsen, die letztere bewohnt, oft die echte C. scabiosa beobachten
kann, unterscheidet sich C. Badensis Tratt. durch den einköpfigen Stengel und die feiner getheilten
kahlen Blätter. Die wenigen Zwischenformen, die ich gesehen habe, mögen vielleicht hybriden Ursprunges
sein; es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass thatsächlich Übergangsformen vorliegen.
Der Verbreitungsbezirk von C. Badensis Tratt. dürfte anscheinend mit dem der Schwarzföhre
zusammenfallen: wenigstens reicht ihr Vorkommen nach Norden und Osten soweit, wie das der letzteren;
ob sie südlich von Merkenstein noch vorkommt, scheint mir, da mir keine Exemplare von dort vorliegen,
fraglich, insbesondere, da auch in der Literatur keine diesbezüglichen Angaben zu finden sind; doch wäre
"ihr Vorkommen am Gösing und den weiteren mit Schwarzföhren bewachsenen Gehängen nicht
unmöglich.
Centaurea Badensis Tratt. kommt aber vielleicht auch in Ungarn vor. Im Herbare Haläcsy liest
eine Centaurea mit der Standortsangabe: Ad Fenyhäza (Lubochna) Fatrae maioris, leg. Borbäs, die ich
mit der ©. Badensis Tratt. der Wiener Kalkberge für identisch halten möchte. Dennoch hielte ich es für
gewagt, auf Grund eines einzigen Exemplares das Vorkommen dieser Art im Fatragebirge für sicher-
gestellt zu erklären. Hoffentlich wird eine baldige neuerliche Untersuchung dieses Gebietes darüber Licht
bringen.
16. Centaurea Sadleriana Janka in Mathem. es Terme&szett. Közlem., XII, p. 178! (1875).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 1'20 m
altus, angulatus, ad angulos scaber, a medio vel in parte superiore in ramos paucos simplices vel iterum
ramosos divisus, in speciminibus parvis tantum simplex. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata dentata
vel, saepius — saepe interrupte — pinnatiloba vel pinnati-partita segmentis lanceolatis integris vel
dentatis cartilagineo-mucronatis; caulina inferiora et media petiolata, pinnatifida, lobis lanceolatis integris
vel pinnatisectis obtusiusculis cartilagineo-mucronatis, terminali saepe producto, caulina superiora
pinnatisecta vel suprema hinc inde lanceolata integra. Folia omnia saturate viridia, ad marginem et in
pagina inferiore setulis minimis aspera, in pagina superiore glabra nitida vel setulis adpressis sparsim
obsita. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa ca 20 mm longa et 16 mm lata. Squamae
involucri fuscescenti-virides, estriatae vel inconspieue striatae. Appendices serierum duarum interiorum
orbiculares scariosae lacerae, conspicue bicolores, albidae cum macula centrali triangulari nigra, seriei
tertiae triangulares nigrae pectinato lacerae fimbriis albis, caeterum triangulares 2—3 mm longae ad
marginem breviter anguste decurrentes, pectinato-fimbriatae, fimbriis nigris vel albidis brevibus utrinque
‘6— 10, ungues non obtegentes. Corollae purpureae, marginales radiantes. Achenia 4'/, mm longa, fusca,
puberula, umbelico barbata, papposa. Pappus biserialis pallide fuscus, series interior brevissima connivens,
exterior erecta fructu aequilonga. Floret a Junio ad Augustum.
Synonyme.
zn ie ee
Centaurea scabiosa Sadl., Fl. Com. Pest II, p. 290 (1826). — Ed. II, p. 496 (1840). — A. Kern, Die
Veget. Verh. der mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in österr. bot. Zeitschr. XXII, p. 117, Sep. p. 277!
(1872).
Centaurea Sadleriana Staub, in österr. bot. Zeitschr. XXVI, p. 409 (1876).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXNX. Bd. 80
a
628 Augustv. Hayek,
Centaurea Sadleriana Janka, in Mathem. es Termeszett. Közlem. XI, p. 178 (1876).
Centaurea coriacea Borb., in Mathem. es Termeszett. Közlem. XII. p. 54 (1877) et in Just, bot.
Jahrb. IV, II, p. 1069, non Waldstein et Kitaibel.
Centaurea Sadleriana Nym., Consp. fl. Europ., p. 424 (1878—82). — A. Kern, Sched. ad fl. exs.
Austro-Hung. I, p. 151! (1882).
Centaurea Hungarica A. Kern. in Sched.!
Exsiccaten.
Baenitz, Herb. Europ., Nr. 2964. — A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung,, Nr. 657.
Abbildung.
Pat. VI, Eie. 1.
Verbreitung.
In der mittelungarischen Tiefebene von Budapest bis an Jdie Theiß.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn. Frequentissime in pratis, declivibus graminosis et dumetis ad Budapest, Janka (H. U. W,,
H.H.M.H.P.Z, H. Beck, H. Hal., H. Ull.). Auwinkel bei Budapest, Szepligeti (H. Beck), Janka (H. P.).
Berge bei Ofen, Staub (H. P. Z.). Budapest, L. Richter (H. Kk., H.F.L, H.U.W.), A. Kerner (H.K.).
Blocksberg bei Ofen, L. Richter (H.P.7, H.. MG, E.K. H.Hal, E.H.M., Spteitzenhofera turen
In monte St. Gerardi.ad Budapest, Szepligeti (H.P. Z., H. Kk.). Adlersberg bei Ofen, Borbäs (H.H.M),
L. Richter (H.H.M.). Wolfsthal bei Ofen, Steinitz (H.F.I, H.Ull.). Engelsfeld bei Pest, Steinitz
(H.F.1L, H. Ull.). Eresi, Com. Stuhlweißenburg, Tauscher (H.P. Z. H.K.). Inter vineas colli Hajduhegy,
Com. Heves, Vrabelyi (H. K.). In monte Matrae »Nagy-Galya« territ. Solymos, Com. Heves, Vrabelyi
(EISRS):
Centaurea Sadleriana Janka ist von allen Ähnlichen Arten durch die trockenhäutigen, aus-
gesprochen zweifärbigen, nämlich weißlichen und mit einem schwarzen Mittelfleck versehenen Anhängsel
der inneren Hüllschuppenreihen leicht zu unterscheiden. Der Formenkreis der Art ist ein ziemlich kleiner,
ich habe nur wie bei den meisten Arten aus der Verwandtschaft der (C. scabiosa L. Exemplare mit unge-
theilten Blättern beobachtet.
Der erste, der die Verschiedenheit der bei Pest vorkommenden und von den ungarischen Autoren
bisher für C. scabiosa L. gehaltenen Centaurea von der echten Pflanze dieses Namens erkannte, war
Janka, und hat dieser die neue Art unter dem Namen C. Sadleriana am angeführten Orte beschrieben. Ein
Jahr später versuchte Borbäas nachzuweisen, dass die ungarische Pflanze jedoch mit C. coriacea W.K.
identisch sei und daher der Name Jankas als ein jüngeres Synonym zu entfallen habe. Er stützt sich
dabei einerseits darauf, dass in Willdenows Herbar unter C. coriacea thatsächlich ein Exemplar von
©. Sadleriana liege, und glaubt andererseits, dass die charakteristischen Merkmale der C. Sadleriana in
der Beschreibung und Abbildung Kitaibels theils nicht erwähnt, theils unrichtig wiedergegeben seien.
Ich kann mich dieser Ansicht Borbas aus mehreren Gründen unmöglich anschließen. Centaurea
coriacea wurde von Waldstein und Kitaibel zuerst in Willdenows Species plantarum im Jahre 1800
publiciert und fünf Jahre später in den »Icones plantarum rariorum Hungariae« genau beschrieben und
abgebildet. Als Hauptunterscheidungsmerkmale gegenüber der ©. scabiosa L. heben sie immer die Kahl-
heit der Blätter bei C. coriacea hervor. Die von ihnen gegebene, gut ausgeführte Abbildung der Art zeigt
eine Pflanze, die im allgemeinen der C. scabiosa L. sehr nahe steht, aber auffallend breite Blattzipfel
zeigt. Von einer weißen Färbung der inneren Anhängsel ist nicht das geringste zu sehen, und die Angabe
Borbäs, dass die Hüllschuppen, die in der Zeichnung die innersten sind, thatsächlich den mittelständigen
entsprechen, die innersten jedoch verdeckt seien, entbehrt jeder Begründung. Dazu kommt noch, dass
4
- Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 629
dort, wo Kitaibel die C. coriacea angibt, nämlich im Neutraer und Turoczer Comitat, Centaurea
Sadleriana Janka gar nicht vorkommt, sondern gerade diese Gebiete noch von (. scabiosa L. bewohnt
werden. Was das angebliche Originalexemplar Kitaibels im Herbare Willdenow betrifft, so muss aller-
dings zugegeben werden, dass unter den als C. coriacea bezeichneten Exemplaren eines (Bogen 2)
- 0. Sadleriana Janka ist; die übrigen Exemplare aber sind nichts anderes als €. scabiosa L.; und gerade
dasjenige, welches der Abbildung Kitaibels am genauesten entspricht, ist nichts als ein Exemplar der
echten C. scabiosa L. mit etwas breiteren und weniger rauhen Blättern. Da die Originaletiquette Kitaibels
leider statt am betreffenden Bogen am Umschlag befestigt ist, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit ent-
"scheiden, welches das echte Originalexemplar Kitaibels ist. Das Vorliegen der €. Sadleriana Janka
- Jässt sich übrigens leicht auf die Weise erklären, dass Willdenow die Pflanze, die er aus Ungarn erhielt
für von C. scabiosa verschieden erkannte und deshalb zu der mit dieser Art nahe verwandten und auch in
Ungarn vorkommenden C. coriacea W.K. legte. Ich glaube daher, dass Kitaibel wohl die Verschieden-
heit zwischen (" Sadleriana Janka und C. scabiosa L. erkannt hat, aber, da er die ihm wohlbekannte
C. Sadleriana für die echte C. scabiosa hielt, er letztere, als er sie zum ersten Male sah, für eine neue Art
hielt und auch als solche beschrieb. Und da sowohl die Beschreibung als auch die Abbildung und
die Verbreitungsangaben der (. coriacea auf C. Sadleriana Janka absolut nicht passen, ist es unthunlich,
diesen Namen für sie anzuwenden, ebensowenig aber auch €. Fritschii Hay., die in Nordwestungarn
sicher fehlt, so zu benennen.
|
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17. Centaurea scabiosa Linn&, Spec. plant. Ed., I, p. 913 (1753).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus,
ad 120 m altus, angulatus, scaber, a medio vel in parte superiore in ramos paucos simplices vel iterum
ramosos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, plerumque interrupte pinnatifida lobis ovatis
dentatis obtusis vel acutiusculis cartilagineo-mucronatis, rarius integra, caulina media sessilia, inferioribus
conformia, superiora sessilia, pinnatiloba, lobis ovato-lanceolatis terminali saepe producto, hinc inde suprema
vel omnia integra. Folia omnia saturate viridia, ad marginem scabra, plerumque utrinque setulis minimis
aspera, rarissime plus minusve glabra. Capitula in apice ramorum singularia, ovato globosa, 20—22 mm
longa, 15— 16 smın lata. Squamae invulucri fuscescenti-virides, hinc inde farinaceo-tomentosae, estriatae
vel interiores inconspicue striatae. Appendices seriei intimae orbiculares pectinato lacerae, fuscae conco-
lores vel bicolores medio nigrae marginem versus dilutiores sed nunquam albae. Appendices caeterum
3 mm longae, ad basim fere 3 mm:
squamarum ungues non omnino obtegentes, nigrae triangulares, 21/,
latae et utrinque in marginem 1—2 mm latam nigram decurrentes, pectinato-fimbriatae fimbriis margine
nigra longioribus utringue 8S— 12. Corolleae purpureae, rarissime albae, marginales radiantes. Achenia 4mm
longa, fusca, puberula, hylo barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior connivens fructu triplo
brevior, exterior erecta fuscescenti-albida fructu fere aequilonga. Floret a Junio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea scabiosa Linne, Spec. plant., Ed. U, p. 1291 (1763).
Jacea scabiosa Lam., Fl. france. II, p. 51 (1778).
Centaurea scabiosa Matt., Fl. Sil. II, p. 294 (1777). — Lumn,, Fl. Poson., p. 391 (1778). — Krock.
BISiL, II, p. 438 (1790).
Centaurea qualis? (Nr. 1462) Krock., Fl. Sil., p. 489 (1790).
Centaurea scabiosa Host, Syn. plant. in Austria cresc., p. 476 (1797).— Willd., spec. plant., Ed. IV,
p. 297! (1800).
Centaurea coriacea Waldst. et Kit. in Willd., Spec. plant., Ed. IV, p. 2296! (1800) — Waldst. et
Kit., Icon. plant. rar. Hung. II, p. 214! (1805).
Centaurea scabiosa Bess., Prim. fl. Gal. II, p. 208 (1809).
C. coriacea Bess,., 1. c., p. 209 (1809).
80rF
|
%
630 Augustv. Hayek,
Centaurea scabiosa Wahlenb,, Fl. Carp., p. 280 (1814).
Cyanus scabiosa Presl, Fl. Cech., p. 179 (1819).
Phrygia maior Gray, A nat. arrangem. of brit. plants, II, p. 441 (1821).
Centaurea scabiosa Günth., Grab. et Wimm., Enum. stirp. phan. Sil., p. 144 (1824). — Wimm,,
Fl. Sil. II, p. 169 (1829). — Host, Fl. Austr. II, p.516 (1831).—- Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 216 (1831). —
De Cand., Prodr. syst. veg. VI, p. 580, excl. var. y (1836).
Centaurea scabiosa a vulgaris et ö spinulosa Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 412 (1837),
Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. 2, p. 473 (1844), Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 304 (1844).
Centaurea scabiosa a. vulgaris Neilr., Fl. v. Wien, p. 258! (1846).
Centaurea scabiosa Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 137 excl. var. (1848).
Centaurea scabiosa Hausm,, Fl. v. Tirol, p. 498 pro parte! (1851).
Centaurea scabiosa Hinterh., Prodr. einer Fl. v. Salzbg., p. 123 (1851). — Reichenb. fil., Icon. Fl.
Germ. et Helv., XV, p. 26 (1352).
Centaurea scabiosa a. scabra Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 381! (1851).
Centaurea scabiosa a. scabra et ß coriacea Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl.,
p. 125 pro parte (1866).
Centaurea scabiosa Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm., p. 251 (1867). — Garcke, Fl. v. Nord- u, Mittel-
Deutschl., Ed. VIII, p. 234 (1867). — Saut., Fl. d. Herzogth. Salzb., p. 83 (1868). — Maly, Fl. v. Steier-
mark, p. 102 pro parte (1868).
Centaurea scabiosa a. scabra et ß coriacea Duftschm,, Fl. v. Ob.-Österr., p. 510 (1870).
Centaurea scabiosa Knapp., die bish. bek. Pfl. Galiz. u. d. Buk., p. 144 excl. ö (1872).
Centaurea scabiosa Nym., Consp. Fl. Europ., p. 424 (1878—82). — Fiek, Fl. v. Schles., p. 245
(1881). — A. Kern. Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, III, p. 110! (1883). — Oborny, Fl. v. Mähr. u. Öst.-
Schles., I, p. 696! (1885). — Pacher et Jabornegg, Fl. v. Kärnt,, I, p. 123! (1888). — Gremli, Exc.-Fl.
f. d. Schweiz, Ed. 6, p. 255 pro parte (1889). — Sag. et Schneid,, Fl. d. Centr.-Karp., p. 251 (1891).
Centaurea scabiosa a typica et y alpestris Beck, Fl. v. Nieder-Öst., II, p. 1259 £.! (1898).
Centaurea scabiosa Hal., Fl. von Nieder-Öst., p. 300 excl. var.! (1896). — Fritsch, Exc.-Fl., p. 599
pro parte! (1897).
Abbildungen.
Flora Danica, Tab. 1231. — Diettr., Fl. d. Königr. Preußen, Tab. 549. — Reichenb. fil. Icon.
fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 43, fig. 1 et 2. — Taf. IV, fig. 3.
Exsiccaten.
Callier, Fl. Siles. exs., Nr. 623. — A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung. Nr..972.
Verbreitung.
Durch ganz Nord- und Mitteleuropa (mit Ausnahme des arktischen Gebietes) bis in die Alpen und
Karpathen.
Vorkommen in Österreich- Ungarn.
Böhmen: LuZa, Mann (H. E.). Jaromei, Knaf (H.E.). Wiesen zwischen Opo£no und Polein,
Wettstein (H. U. W.). Prag, Fritsch sen. (H. U. W.). Kuchelbad, leg.? (H. z. b. G.). Weißwasser,
Pitelli (H.H.M.). Bestin bei Deutsch-Brod, Schwarzl (H.H.M., H.z. b. G.).
Mähren:! Iglau, Reichardt (H. z. b. G.). Hohlwege bei Znaim, Oborny (H. U. W.).
1 Conf. Oborny, Fl. v. Mähren u. Fiek, Fl. v. Schlesien.
- Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 631
Nieder-Österreich:! Loiben, Keck (H.Kk.). Burgstock des Jauerling, A. Kerner (H.K.). Rossatz,
A. Kerner (H.K.). An Feldrainen bei Spratzern a. d. Traisen, Beck (H. Beck). In pratis et ad agrorum
| margines prope Seitenstetten, Strasser (H. U. W., H.H.M., H. Hal., H. Beck, H. B., H.P. Z.). Am Aufstieg
zum oberen Lunzer-See, Baumgartner (H. Beck). Reichenau, Haläcsy (H. Hal.). Krummbachgraben des
Schneeberges, Beck (H. Beck). Alpelleiten am Schneeberg, Beck (H. Beck). Puchberg, Brandmayr
“(H. z. b. G.). Thernberg, leg? (H. U. P.). Rachstallbrunngraben bei Baden, Beck (H. Beck). Baden,
Huguenin (H. P. Z.). In Holzschlägen am Anninger, Beck (H. Beck). In incultis prope Mödling, Beck
- (H.Beck). Gaisberg bei Perchtoldsdorf, Beck (H. Beck). Mauer, Haläcsy (H. Hal.). Dornbach, Putterlick
(H.H.M.). Kahlenberg beiWien, Portenschlag (H.H.M.). Türkenschanze bei Wien, Putterlick (H.H.M.).
Bisamberg bei Wien, Beck (H. Beck). Kappelberg, Ullepitsch (H. Ull.). Braunsberg bei Hainburg, Neil-
reich (H.H.M.).
Ober-Österreich: Steyr, Brittinger (H. H.M.). Lauberleiten bei Steyr, Zimmeter (H.F.1)
Traunfeld am Füß des Traunsteins bei Gmunden, Ronniger (H. Ronniger). Ebenzweyer, Stohl (H.U.W.).
Wels, Keck (H. Kk.). Schwertberg, Keck (H. Kk.).
Salzburg: In collibus, Salzburg, Sauter (H. Szbg.). Stürzerhof vor dem Nonnthal, Aberle
(H. Szbg.). Aigen, Stohl (H. Szbg.), Eysn (H. U. W.). Glanegger Moorwiesen, Storch (H. Szbg.). Wiesen
_ am östlichen Fuß des Untersberges, Fritsch sen. (H. Fritsch).
Tirol: Innsbruck, Zimmeter (H. F. L), Sonklar (H. U. W.). Leutasch gegen Buchen, Murr
(H. Murr). Wiesen bei Neustift und Telfes im Stubay, Sonklar (H. U. W.). Absam bei Hall, A. Kerner
(H. K.). Abhänge ober Trins im Gschnitzthale, A. Kerner (H.K.). Leopoldsruhe bei Lienz, Gander
| K.). Bozen, Hausmann (H. H. M., H. B.). Ritten bei Bozen, Hausmann (H. H. M.). Stilfser Joch,
|
|
Eug. Beck (H. Beck). Paneveggio, Eichenfeld (H. P.).
Vorarlberg: Gaschurn, Juraschek (H. Hayek).
Kärnten: Ober-Vellach, Pacher (H. Ull.). Wiesen im Möllthale (H. Klgf.). Auf trockenen Hügeln
der Satnitz bei Klagenfurt, leg.? (H. Klgf.). Umgebung von Klagenfurt, Welwitsch (H. H. M.). Völker-
markt, Preissmann (H. P.). Unter dem Loibl, Heufler (H. z. b. G.). Malborghet, Ressmann (H. Ull.),
Steiermark: Am Grundelsee, Hayek. Frauenfeld bei Admont, Strobl (H. H.M.). Maria-Zell,
Hölzl (H. z. b. G.). Auf Äckern zwischen Trieben und Gaishorn im Paltenthale, Hayek. Murau, leg.?
(H. J. G.). Auf Serpentin in der Gulsen bei Kraubath, Preissmann (H.P.). Peggau, Pittoni (H.H.M.).
Gösting bei Graz, Preissmann (H. P.). Schlossberg von Graz, Pittoni (H. H. M.). Rainerkogel bei Graz,
Preissmann (H. P.). Ursulaberg bei Windischgraz, Haläcsy (H. Hal.).
Krain: Moistrana, Ressmann (H. Ull.).
Ungarn: Neudorf a. d. March, Wiesbaur (H. Beck). Bei Bruck a. d. Leitha, Hayek. St. Georgen
bei Pressburg, Zahlbruckner (H. H. M.). In montibus Gürrengii, Com. Eisenburg, Borbas (H. W.W.). In
pratis lapidosis prope pagum Aracs, Com. Zala, Hermann (H.U.P.). Lublo, Ullepitsch (H.Ull.). Gnezda, beim
Schwefelbad,Ullepitsch (H. Ronniger). Kniesen, Ullepitsch (H.Ull.). Schreibersgrube,Ullepitsch(H.Ull.).
Croatien: Croatien, Vukotinovic (H. H. M.).
Galizien: Brody, Klöber (H. Klgf.).
Bukowina: Scheroutz, Herbich (H.z. b. G.). Jurkoutz, Herbich (H.z.b.G.). Pohorloutz, Herbich
IH. z. b..G.).
Linne sagt von seiner Centaurea scabiosa: »Habitat in Europae septentrionalis pratis«. Linne hat
also gewiss weder die osteuropäischen verwandten Formen (C. adpressa Led., €. stercophylla Bess.
C. Sadleriana Janka), noch auch die südlichen Parallelformen unserer Art (C. tenuifolia Schl.
C. Fritschii Hayek, C. calcarea Jord.) unter diesem Namen begriffen. sondern eine Art, die auch in
Nordeuropa verbreitet ist. In Schweden kommt nun von allen in Betracht zu ziehenden Arten nur die
vorhin beschriebene Form vor; Exemplare aus Schweden stimmen mit deutschen und niederöster-
1 Nur eine Auswahl der wichtigeren Standorte.
632 Augustv. Hayek,
reichischen Exemplaren vollkommen überein. Es kann daher der Name Centaurea nur für diese weit ver-
breitete Art in Anwendung gebracht werden.
Centaurea scabiosa L. hat gewöhnlich fiederspaltige Blätter, manchmal aber sind die unteren Blätter
ungetheilt, eiförmig, und nur die oberen fiederspaltig; solche Formen kann man als f. heterophylla Beck, Fl.
v. Niederösterr., II, p. 1260 (1893), bezeichnen; sind alle Blätter ungetheilt, so entspricht das der f. integri-
folia Vukot., Novae form. querc. in Rad jugoslav. Akad. znan. i umjlte, L, p. 40 (1886). Meist sind die
Blätter mehr minder rauh, mitunter aber, besonders an schattigen, feuchten Standorten, ganz kahl und
glatt, dabei besonders groß und breitlappig; solche Formen wären am besten als f. calvescens Celak. (in
Sitzungsber. d. böhm. Ges. d. Wiss., 1884, p. 72 (1875) zu bezeichnen. Solche Exemplare scheinen auch
Kitaibel bei der Aufstellung seiner ©. coriacea vorgelegen zu sein und werden von vielen Autoren auch
so bezeichnet, doch möchte ich diesen noch immer nicht ganz klar gestellten und zu Verwechslungen
Veranlassung gebenden Namen lieber gänzlich fallen lassen.!
Endlich kommen auch Exemplare vor, bei denen die Endfranse der Hüllschuppen kräftiger, dornig und
zurückgekrümmt ist. Diese Formen wurden oft von den Autoren für C. spinulosa Roch. gehalten, von der
sie sich aber leicht durch den breiten schwarzen Saum der Hüllschuppen unterscheiden lassen. Borbas
hat für diese Form den Namen Silesiaca vorgeschlagen (Conf. Mathem. es Term. Közlem., XII, p. 53),
wozu also als Synonym C. scabiosa var spinulosa Koch, Fiek, Beck und andere zu setzen wäre.
Schließlich finden sich ab und zu Exemplare mit weißen Corollen, manchmal sind bei diesen auch die
Hüllschuppen sehr blass, so dass die tief schwarzen Anhängsel sehr scharf hervortreten. Ein prachtvolles
soiches Exemplar liegt mir aus Tirol, Leutasch gegen Buchen, gesammelt von Murr, vor. Exemplare mit
fehlenden, strablenden Randblüten entsprechen der f. discoidea Üchtr. in Fiek Fl. v. Schlesien,
p. 248.
Innerhalb dieses Formenkreises ändert aber Centaurea scabiosa noch je nach den Standortsverhält-
nissen ab. An trockenen, sonnigen Stellen sind die Hüllschuppen kleiner, der schwarze Rand schmäler, die
Fransen kürzer und wie die Hüllschuppen mehr minder dicht filzig verwebt, diese Abänderung hat Beck,
Fl. v. Niederösterreich, II, p. 1259, als var. dumetorım beschrieben.
In höheren Lagen, besonders im subalpinen Gebiete, hingegen werden die Anhängsel größer und
der schwarze Rand der Hüllschuppen breiter, so dass letztere oft fast ganz verdeckt werden. Solche
Formen, die als Annäherungs[ormen an (. alpestris Heg. zu betrachten sind, sind am besten als var.
praealpina Beck, Fl. v. Hernstein, p. 437 (1884) zu bezeichnen. Als Synonyme hiezu sind zu bezeichnen:
C. alpestris Koch, Syn., Fl. Germ. et Helv. Ed., Il, p.473 (1844), C. scabiosa var. intermedia Gremli,
Excursionsfl. f. d. Schweiz, Ed. 6, p. 255 (1889), non Lejeune und C. scabiosa . alpestris Beck, Fl. v.
Niederösterr., II, p. 1260 (1893). Nach der Blattgestalt unterscheidet Beck |. c. innerhalb dieser Varietät
noch drei Formen:
l. angustifrons mit federtheiligen Blättern, deren Abschnitte kaum I cm breit sind;
2. iypica, mit 2—3cm breiten Blattabschnitten, wobei der endständige Lappen viel größer und
breiter ist, und
3. difformis mit ungetheilten oder nur gelappten oberen Blättern.
Noch eine sehr interessante Form hat Ullepitsch in österr. bot. Zeitschr. XXXIV, p. 220, unter dem
Namen C. coriacea Plemelii beschrieben. Diese zeigt einerseits bedeutend schmälere Blattabschnitte,
andererseits sehr große Anhängsel der Hüllschuppen und macht den Eindruck einer Mittelform zwischen
Centaurea alpestris Heg. und C. Fritschii Hayek. Sie findet sich im oberen Savethal in Krain (Moistrana)
und bei Malborghet in Kärnten. Ganz ähnliche Formen hat jedoch Ronniger am Traunfeld am Fuße
des Traunsteins bei Gmunden gesammelt. Ich glaube, dass diese Form nur als ein Product eines hoch-
gelegenen, dabei aber warmen und trockenen Standortes aufzufassen und demnach als Varietät der
C. scabiosa im Linne'schen Sinne zu deuten ist.
1 Näheres über C. coriacea W. K., siehe oben, p. 45 [629].
Centaurea-Arten OÖsterreich-Ungarns. 633
Abgesehen von den schon oben erwähnten Übergängen zu C. alpestris Heg. finden sich in Mittel-
steiermark (bei Graz) an sonnigen trockenen Stellen Exemplare, die sich durch schmälere Abschnitte der
ehr glanzenden, aber immerhin noch beiderseits rauhen Blätter auszeichnen und als Übergänge in
-C. Fritschii Hayek gedeutet werden können. Außerdem kommen in Niederösterreich, wie bereits
erwähnt, Zwischenformen zwischen C. scabiosa L. und C. Badensis Tratt. vor, die vielleicht hybriden
Ursprunges sind.
18. Centaurea alpestris Hegetschw. in Hegetschw. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 854 (1840).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus vel
ascendens, angulatus, scaber, simplex, vel rarius in parte superiore ramo uno alterove praeditus. Folia
basaliaet caulina inferiora petiolata, plerumque pinnatifida lobis ovatis obtusis crenato dentatis, rarius integra
'sinuato-lobata vel grosse dentata; caulina media sessilia, inferioribus conformia, superiora sessilia ovato-
lanceolata integia vel pinnatiloba. Capitulum in apice caulis, sive in speciminibus pluricephalis, in apice
amorum, singulare, ovato-globosum, ca. 20 mm longum et 16 mm latum. Squamae involucri pallide
irides, estriatae, appendicibus omnino obtectae. Appendices squamarum intimarum nigrae ovatae
ad marginem paulum decurrentes pectinato fimbriatae, caeterum triangulares nigrae ca. 5 mm longae
ad basim 4—5 mm latae breviter late decurrentes pectinato fimbriatae, fimbr iis numerosis ad 5 mm longis
nigris vel fuscis. Corollae saturate purpureae, marginales radiantes. Achenia 4 mm longa, fusca, puberula,
mbelico barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta fusca
fructu aequilonga.
s Synonyme.
Centaurea scabiosa 8 alpina Gaud., Fl. Helv. V, p. 304 (1829), non Centaurea alpina Linne.
Centaurea fuliginosa Dolliner, Enum. plant. phan. in Austria infer. cresc., p. 74 (1842), nomen
solum.
Centaurea Kotschyana Koch, Taschenb. d. deutsch. und schweiz. Fl., p. 304 (1844). — Syn. Fl.
Germ. et Helv. Ed. 2, p. 473 (1874). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr. Univ., p. 137 pro parte
(1848).— Gren. et Godr., Fl. Frang. II, p. 252 (1850). — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV.,
p. 27! (1851). — Hausm,, Fl. v. Tirol I, p. 497! (1851) — non Heuffel in Fl. XVII, p. 245 (1835).
Centaurea scabiosa ;. fuliginosa Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 381! (1859).
Centaurea scabiosa var. atropurpurea Seidl in Isis, p. 68 (1868).
Centaurea scabiosa x fuliginosa Duftschm,, Fl. v. Ober-Österr., p. 510 (1870).
Centaurea scabiosa 8 fuliginosa Knapp, Die bisher bekannten Pflanzen Galiziens u. d. Bukow,,
p- 145 (1872).
Centaurea alpestris Gremli, Excursionsfl. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 255 (1889). — Sag. et Schneid,,
l. d. Central-Karp., p. 251 (1891). — A. Kern,, Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. II, p. 110! (1883).
Centaurea scabiosa d. Kotschyana Beck, Fl. v. Nieder-Österr. II, p. 1260! (1893).
Centaurea alpestris Hal., Fl. v. Nieder-Österr. p. 300 pro parte (1896).
Centaurea Haszlinskyana Borbäs in Schedis!
Centaurea Tatrae Borbas in Schedis!
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 44, Fig. 3. — Taf. IV, Fig. 4.
Exsiccaten.
Reliquiae Mailleanae, Nr. 1340. — A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung,., Nr. 973.
Verbreitung.
Stellenweise in der subalpinen und Krummholzregion der Alpen und der Tatra.
634 Augustv. Hayek,
Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Tirol: In pratis montanis ad Oenipontem, A. Kerner (H. U.W.). Höttinger Alpe bei Insbruck, Murr.
(H. Murr), Zimmeter (H. F.].). Höttinger Graben unter der Frau Hitt bei Innsbruck, A. Kerner (H. K.).
Thaurer-Alm bei Innsbruck, A. Kerner (H.K.). Issanger des Haller Salzberges, Murr (H. Murr), Zimmeter
(H. F. 1). Haller Salzberg, Aufstieg zum Lavatscher Joch, Murr (H. Murr). Bergwiesen am Juifen im
Achenthale, A. Kerner (H.K.). In pratis subalpinis ad Trins, F. Kerner (H.H. M., H. U. W., H. Beck,
H. P. Z., H. Ull.; H. Hal.). Trins—Haslach, Sarnthein (H.F.]I.). Muliboden bei Trins im Gschnitzthal,
A. Kerner (H.K.). In valle Venna, Brenner, Huter (H. U. P., H. Ronniger). Waldwiesen bei Götzens,
800 ın, Sarnthein (H. U. W.).
Salzburg: Golling, Keck (H. Kk.).
Kärnten: Tentschach bei Klagenfurt, Krenberger (H. Hal.).
Steiermark: Gemeinalpe, Ullepitsch (H. Ull.). Riegelbauer bei Maria-Zell, Ullepitsch (H. Ull.).
Nieder-Österreich: Auf der Südseite der Voralpe im Krummholz, Beck (H. Beck). Südseite des
kleinen Ötscher, Baumgartner (H. Beck). Ötscher, Dolliner (H. H. M.). Kuppe des Ötscher, A. Kerner
(H. K.). Wiesen des Griesthales bei Rohr gegen den Unterberg, Beck (H. Beck). &
Ungarn: Felsen am Drechselhäuschen, Haussknecht (H. Kk.), Jermy (H. U. W.), Ullepitsch.
H. Ull.), Scherfel (H. Ull.), Engler (H. B.). Kaempe gegen Bodchen, Kniesen, Zips, Ullepitsch
(H. Ull.). Bababerg bei Lu£ivna, Borbas (H. Hal., H. H. M.). Tatra, Haszlinsky (H. z. b. G.).
Galizien: Nosal in der Tatra, Piasceki (H. U. W.).
Über die Frage, ob Centaurea alpestris Heg. eine eigeneArt oder nur dieAlpenform von C. scabiosaL.
sei, waren die Autoren stets getheilter Ansichten. Ich selbst war anfänglich der Meinung ‚dass C. alpestris
Heg. thatsächlich nur eine durch den hoch gelegenen Standort erzeugte Abänderung von C. scabiosa L.
darstelle, die durch Cultur sofort wieder sich in die Stammform umwandeln würde. Besser jedoch als alle
Culturversuche hat mir ein im Herbare der Wiener Universität befindliches Exemplar bewiesen, dass das
Artrecht der in Frage stehenden Form doch zweifellos sei. Dieses Exemplarist von Sarnthein auf Wald-
wiesen bei Götzens in Tirol gesammelt worden, in einer Meereshöhe von nur 800 m. Es ist also zweifellos
von seinem ursprünglichen Standort herabgeschwemmt worden. Dieses Exemplar zeigt nun allerdings
Verschiedenheiten gegenüber solchen von alpinen Standorten, ist aber dennoch von C.scabiosa L. weit ver-
schieden. Die Anhängsel der Hüllschuppen sind schmäler und kürzer gefranst als bei alpinen Individuen
und verdecken die Nägel nicht vollkommen, sind aber dennoch über 5 mm lang, also bedeutend länger als
sie je bei ©. scabiosa L. vorkommen. Die Pflanzen (es liegen drei Individuen auf) sind ca. 25 cm hoch, zaıt,
unverzweigt, eines ist einköpfig, zwei zeigen circa 2 cm unterhalb des endständigen Köpfchens ein zweites,
offenbar infolge von Verwachsung der Stiele seitlich sitzendes. Die Blätter sind fiederspaltig, und haben,
wie dies meist bei C. alpestris Heg. der Fall ist, rundum kerbsägige Abschnitte. In dieser Meereshöhe
entwickelt sich €. scabiosa L. noch zu bis fast 1 m hohen, mehrköpfigen Exemplaren, deren Hüllschuppen
zwar breiter schwarz gerändert sind, doch erreicht die Länge der Anhängsel kaum 4 mm Länge. Ich
nehme, da die charakteristischen Merkmale, lange Anhängsel, niederer, wenig verzweigter Wuchs und
einfach fiedertheilige, rundum kerbsägige Blätter, sowie der ganze Habitus übereinstimmen, keinen
Anstand, die Pflanze von Götzens für eine Thalform von C. alpestris Heg. zu erklären und halte auch den
Beweis für erbracht, dass C. alpestris Heg. ins Thalwgebracht, wenigstens in den ersten Generationen
nicht zu €. scabiosa L. wird.
C. alpestris Heg. ändert wenig ab. Abgesehen von obiger Thalform sind nur unbedeutende Stand-
ortsformen zu erwähnen. Während in tieferen Lagen der Stengel oft noch 50—60 cm hoch und manchmal
2—3köpfig wird, ist in der Krummholzregion die Pflanze niedrig, manchmal kaum 10 cm hoch, stets ein-
köpfig und der Stengel oft bogig aufsteigend. Eine solche hochalpine Form mit etwas stärker behaarten
Blättern hat Murr in Deutsch. bot. Monatschr., XVII p. 150 (1899) als f. vestita beschrieben.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 635
Von den älteren Autoren wurde C. alpestris Heg. vielfach mit der in Siebenbürgen und den Gebirgen
der Balkanhalbinsel heimischen €. Kotschyana Heuff. verwechselt. Letztere ist von ihr jedoch durch die
schwarzpurpurnen Blüten, größere Köpfchen und in lange, feine, silberweiße Fransen, mehr minder
unregelmäßig kämmig zerrissene Anhängsel leicht zu unterscheiden.
Die in der Tatra vorkommende C. alpestris wurde von Borbäs zum Theil unter dem Namen
„€. Tatrae, zum Theil unter dem Namen C. Haszlinskyana vertheilt, doch meines Wissens nirgends pub-
lieiert. Die Karpathenpflanze ist zwar meist hochwüchsiger als die Pflanze aus den Alpen, doch vermag
ich sonst keine Unterschiede zu entdecken und glaube nicht, dass ein Anlass vorliegt, sie als besondere
Form abzutrennen.
Die vorstehend beschriebenen Arten Centaurea spinulosa Roch., C. tenuifolia Schl., €. Fritschii
Hay., C. Sadleriana Jka., C. Badensis Tratt., C. scabiosa L. und C. alpestris Heg., sowie die in Öster-
reich-Ungarn nicht vorkommenden Arten C. stereophylla Bess. und C. adpressa Led. bilden innerhalb der
Sectio Acrocentron eine natürliche Gruppe, welche von den Freunden des weiten Artbegriffes als
C. scabiosa in weiterem Sinne bezeichnet wird. Alle diese Arten zeigen große Übereinstimmung im Bau
der Hülle, Blattgestalt, Verzweigung und Länge des Pappus und sind nur durch geringfügige, allerdings
constante Merkmale von einander verschieden. Ferner bewohnt jede dieser Arten ein besonderes Ver-
breitungsgebiet, welche aber gegenseitig aneinander stoßen, und schließt in ihrem Verbreitungsbezirk die
verwandten Arien aus, das heißt, die Arten vertreten einander in verschiedenen Gebieten. Diese Verhält-
nisse zeigt deutlich die nebenstehende Karte.
Die Verbreitung der Centaurea-Arten aus der Gruppe der C. scabiosa in Österreich-Ungarn.
. C. tenuifolia Schl. 5. C. alpestris Heg.
. C. Fritschii Hay. 6. C. Sadleriana Jka.
. ©. Badensis Tratt. 7. C. spinulosa Roch.
8. C. stereophylla Bess.
»ow-
. C. scabiosa L.
Ein derartiges Verhalten gestattet uns den Schluss, diese Arten von einer gemeinsamen Stammform
herzuleiten, welche infolge der verschiedenen klimatischen und eventuell geologischen Verhältnisse sich
in mehrere Formen spaltete.! Es ist nun von Interesse, zur Erkenntnis zu gelangen, in welcher Zeit-
1 Vergl. Kerner, die Abhängigkeit der Pflanzengestalt von Klima und Boden, und Wettstein, Grundzüge der pflanzen-
geographisch-morphologischen Methode in der Systematik.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. Ss
636 Augustv. Hayek,
periode und unter welchen Verhältnissen diese verschiedenen Arten sich aus der gemeinsamen Stammform
entwickelt haben.
Wenn wir die heutigen Verbreitungsverhältniss von C. scabiosa L. (sensu strietiore) ins Auge fassen,
finden wir, dass diese Art heutzutage sowohl hoch nach Norden reicht, als auch in den Alpen ziemlich
hoch hinaufsteigt. Dem aufmerksamen Beobachter wird es aber nicht entgehen, dass C. scabiosa mit Vor-
liebe trockene, sonnige Orte bewohnt, und in den Alpenthälern nur selten auftritt, vielerorts in den Alpen,
sogar ganz fehlt und sich mit Vorliebe an die großen Verkehrswege hält. Ob die Verhältnisse im Norden
ähnlich liegen, ist mir leider aus eigener Anschauung nicht bekannt, aber wohl sehr wahrscheinlich. Dazu
kommt noch, dass die nächsten Verwandten von C. scabiosa, ein C. Sadleriana Jka., C. adpressa Led.
und €. stereophylla Bess. ausgesprochene Steppenbewohner sind. Es erscheint demnach wohl sehr
fraglich, ob Centaurea scabiosa L. unter solchen klimatischen Verhältnissen, wie sie zur Eiszeit in Mittel-
europa herrschten, dort Bedingungen vorfand, welche ihre Existenz in dieser Zeitperiode dortselbst ermög-
lichten.
Anders liegen die Verhältnisse mit €. Badensis Tratt. Diese Art ist eine entschiedene Begleiterin
der Schwarzföhre und dürfte ihr jetziges Vorkommen auf den Kalkbergen des Wienerwaldes gleich dem
von Pinus nigra Höss als ein Relikt aus der praeglacialen Zeit aufzufassen sein. Bezüglich der übrigen
Arten ist nicht zu bezweifeln, dass sie zur Eiszeit bereits die jetzt von ihnen bewohnten Gebiete inne-
haben konnten, selbstverständlich mit Ausnahme von C. alpestris Heg., welche wohl zweifellos erst
nach der großen Periode der Vergletscherung an ihren heutigen Verbreitungsgebieten aufgetreten
sein kann. e
Wenn wir die morphologischen Verhältnisse der in Rede stehenden Arten ins Auge fassen, finden
wir, dass sich diese noch in drei Gruppen theilen lassen, von denen die erste ©. scabiosa L., C. Fritschii
Hay., ©. Badensis Tratt. und C. tennifolia Schl., die zweite C. Sadleriana Jka., die dritte C. adpressa
Led., ©. stereophylla Bess. und €. spinulosa Roch. umfasst. Diese letzte Gruppe nimmt den Osten des
gemeinsamen Verbreitungsbezirkes ein und schließt sich an das nahe verwandter Arten, wie ©. Tartaria
L. f. und C. rigidifolia Bess. an, respective fällt zum Theile mit ihm zusammen.
C. Sadleriana Jka. ist eine Charakterpflanze der mittelungarischen Steppe; die restlichen vier Arten
endlich bewohnen den Westen des gemeinschaftlichen Areales. Auch hier ist, wie so häufig in der
Gattung Centaurea, anzunehmen, dass die ganze Artengruppe von Osten her nach Europa eingewandert
ist und jedenfalls zuerst die großen Steppen Südrusslands und Ungarns besiedelte, bald aber noch weiter
nach Westen vordrang und das Bergland Mitteleuropas erreichte.
Zu dieser Zeit wahrscheinlich schon erfolgte die Trennung in die drei oben erwähnten Artengruppen.
Als dann später die Eiszeit eintrat, wurde C.scabiosa L. aus Mitteleuropa nach Süden und Osten gedrängt,
erhielt sich aber im Gebiete, wo heute €. Badensis Tratt. vorkommt und wanderte erst nach dem Zurück-
weichen der Gletscher wieder ein, und erst nach der Eiszeit erfolgte die Spaltung in die jetzt bestehenden
vier Arten C. scabiosa L., C.tenuifolia Schl., C. Fritschii Hay. und C. alpestris Heg., während C. Badensis
Tratt. als ein Rest aus der praeglacialen Zeit selbst zu betrachten ist.
Bezüglich €. alpestris Heg. ist zu bemerken, dass sie sich allem Anscheine nach erst in jüngster
Zeit infolge von Anpassung an die hochgelegenen Standorte entwickelt hat, und zwar an den einzelnen
Orten ihres Vorkommens vollkommen unabhängig von den anderen Standorten; die Übereinstimmung der
Formen aus Tirol, Niederösterreich und der Tatra lässt sich so erklären, dass gleiche klimatische Ein-
fiüsse an verschiedenen Orten auch unabhängig von einander an derselben Art die gleichen morpho-
logischen Veränderungen hervorrufen können.
Ähnlich wie im Westen, gestalteten sich vermuthlich auch im Osten die Verhältnisse.
C. Sadleriana Janka machte in der Eiszeit keine weiteren Veränderungen durch, während die öst-
lichste Form später in das siebenbürgische Bergland eindrang und sich einerseits in eine nördliche und
südliche Form spaltete, andererseits sich die Form des siebenbürgischen Berglandes als C. spinulosa
4
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 637
Roch. von ihr abtrennte. Schematisch könnte man daher die Entwicklungsgeschichte dieser Arten
folgendermaßen darstellen.
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Für diese Auffassung der entwicklungsgeschichtlichen Verhältnisse dieser Artengruppe sprechen
vor allem die morphologischen Verhältnisse der Arten. C. alpestris, scabiosa, Fritschii, tenuifolia und
_ Badenis sind einerseits durch Mittelformen mit einander verbunden, und zeigen andererseits nur geringe
morphologische Verschiedenheiten, haben vor allem das Merkmal der wehrlosen Hüllschuppen mit ein-
ander gemeinsam, so dass wir mit Fug und Recht schließen können, dass die Trennung dieser Arten vor
nicht allzulanger Zeit erfolgt ist. Während nun C. scabiosa, Fritschii und tenuifolia geographisch voll-
ständig getrennte Gebiete bewohnen, kommt aber ©. Badensis innerhalb des Verbreitungsgebietes von
C. scabiosa vor, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass wir in ihr ein Relikt aus früherer Zeit
erblicken, während erstere erst später in diesem Gebiete eingewandert sein dürfte.
C. Sadleriana Janka ist durch die skariösen zweifärbigen Anhängsel der inneren drei Hüllschuppen-
reihen sehr ausgezeichnet, von den anderen Arten scharf geschieden und durch keine Übergänge ver-
bunden, während die drei übrigen Arten (C. spinulosa, adpressa und stereophyl/a) wieder untereinander
große Ähnlichkeit zeigen und vermuthlich erst in jüngster Zeit sich differenciert haben dürften.
D. Orientales. Anhängsel dreieckig oder dreieckig rundlich, sehr kurz herablaufend, die Nägel meist
vollständig verdeckend, oft glatt und glänzend, lang gefranst, niemals deutlich dornig.
19. Centaurea Kotschyana Heuffel in Flora, XVII, 1, p. 245! (1835).
Perennis. Rhizoma crassum, lignosum, descendens, comosum, mono-vel pleiocephalum. Caulis
erectus, strictus, angulatus, asper et plus minusve arachnoideo-tomentosus, simplex, monocephalus. Folia
basalia et caulina inferiora petiolata, vel integra et grosse dentata, vel Iyrato-pinnatisecta 1—3 juga lobo
terminali rotundato-ovato grosse dentato, vel pinnatipartita segmentis lanceolatis dentatis aut pinnatisectis,
caulina media sessilia, plerumque indivisa ovata grosse dentata, rarius pinnatisecta, superiora semper integra
dentata vel integerrima, suprema a capitulo non valde remota. Folia omnia viridia, ad marginem et in
pagina inferiore, saepius et in pagina superiore setulis minimis plus minus dense obsita. Capitulum in
_ apice caulis singulare, globosum, 24—30 mm longum et latum. Squamae anthodii virides, appendicibus
s1*
638 Augustv. Hayek,
omnino obtectae. Appendices squamarum intimarum nigrae ovatae ad marginem decurrentes pectinato
fimbriatae, caeterum nigrae triangulares ad 10 mm longae et ad basim 8 mm latae in margine in fimbrias,
EEE
albidas tenues flexuosas numerosas 5—10 mm longas plus minusve regulariter pectinato laceratae.,
Corollae obscure atropurpurea, marginales vix vel non radiantes. Achenia pallide fusca, 4 mm longa,
puberula, hylo barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta
fuscescens fructu aequilonga vel paulo longior.
Synonyme.
Cyanus atropurpureus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 77 pro parte (1816).
Centaurea Kotschyana Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 137 pro parte (1848).
Centaurea Heuffelii Rehb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 27! (1852).
Centaurea Kotschyana Heuff,, Enum. plant. Banat. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges., VII, p. 143!
(1858). — Schur, Enum. plant. Transs., p. 407! (1866). — Neilr.,, Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob.
Gefäßpfl., p. 124 (1866). — Diagn. der in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 75 (1867). — Pantocs,,
Adnot. ad fl. et faun. Herceg., Cernag. et Dalm., p. 44 (1871).
Centaurea calocephala Vis., Fl. Dalm., Suppl. II, 2, p. 16 (1877).
Centaurea Heuffelii Vis., 1. c., p. 18 (1877).
Centaurea Kotschyana Nym., Consp. fl. Eur., p. 424 (1878—82). — Simonk., Enum. fl. Transs,,
p- 349 (1886).— Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herc., p. 166! (1887).— Freyn et Brandis in Verh. d. zool.
bot. Ges., XXXVII, p. 615! (1888).
Centaurea atropurpurea Freyn et Brandis, |]. c., p. 615! (1888).
Centaurea Kotschyana Hayek in Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. IX, Nr. 3428.
Abbildungen.
Reichenb, fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 70 (schlecht). — Taf. V, Fig. 1.
Exsiccaten.
Heuffel, Exsicc. fl. Banat., Nr 28. — Plant. Transsilv. herb. Schott., Nr. 122. — Baenitz, Herb.
Europ., Nr. 5107. — Degen, Iter Bosn.-Herceg., 1886, Nr. 66. — Dörfler, Herb. normale, Nr. 3057. —
Fl. exc. Austro-Hung., Nr. 3428.
Verbreitung.
In der subalpinen und alpinen Region der östlichen Karpathen und der Gebirge der nördlichen
Balkanhalbinsel.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Galizien: In alpe Sywula Carpathum orientalium, BYocki (H. B.).
Bukowina: Mons Sochard, Zawadzki (H. B.), Rehmann (H. B.).
Siebenbürgen: Siebenbürgen, leg.? (H. U. W.). In den Rodnaer Alpen, Porcius (H. P. Z.). Czetz
(H. P. Z, H.H. M.), leg.? (H. z. b. G.). Craciunel bei Rodna, Porcius (H. Kk.), Janka (H.H.M,, H. z. b.G.),
H. B., H. K.). In alpe Öcsem, Göth (H. P. Z.,H. U.W.)#Schur (H.H.M.), Csatö (H. Ull.), Barth (H. Hal,,
H. H. M., H. Ull.). Alpen von Fogaras, an den Gießbächen bei Stina-Zirna, Andrä (H. B.). Am südlichen
Abhang des Ineu bei Rodna, Stur (H. z. b. G.). Kühhorn bei Bistritz, Kotschy (H. B.). In valle alpina
Zynna prope Fogarasch et in jugo montis Korongyis prope Bistritz, Kotschy (H. H. M., H. z. b. G.). Auf
üppigen Wiesen der Alpe Gropa-Bisztri, 6000’, Kotschy (H.H.M.). In alpe Kiräly-kö, Simonkai (H.H.M.)
Am Bucsecs, 2508 m, Römer (H. Hayek). Am Schuler bei Kronstadt, 1804 ın, Römer (H.F. 1., H. Ronniger).
Hatiak, Kotschy (H. U. P.). Arpascher Alpen, Kayser (H. z. b. G.),
4
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 639
Ungarn: Banat, Heuffel (H. U. P.). Alpe Szarko im Banat, Heuffel (H. H. M., H. E.). Auf der
"Luhier-Alpe Mentielek nächst der Klause Hoverla, Vägner (H. Kk.).
Bosnien: Klekovac-planina, Bez. Petrovac, Fiala (H. Ser.),. Am VlasiC bei Travnik, Brandis
fH. Beck, H. Ser „H. U.P,H.E., H.U. W,H.H.M.H.B,, H. Ull., H. Ronniger), Beck (H. Beck). Devecani bei
Travnik, Brandis (H. U. W.). Crni vreh bei Serajevo, Beck (H. Beck). Auf der Tikva, Vranica-planina, Beck
(H. Beck), Reiser (H. Ser). Auf der VitruSa, Vranica-planina, Beck (H. Beck). Treskavica-planina, Beck
. Beck). Waldränder der Treschzanitz, Blau (H. B.). Wiesen bei Raikovici, Beck (H. Beck). Am Fuß
der PlaZenica-planina bei Kupres, Fiala (H. Ser.). In pratis subalpinis »Khyssar« dicetis montis BoroZnica-
planina prope Konjitza, Degen (H. Hal.).
Hercegovina: Lisin-planina, in graminosis summi cacuminis, Vandas (H. Ser.). Voralpenwiesen
der Bjela$ica-planina, Beck (H. Beck).
Centaurea, Kotschyana Heuff. ändert bis auf die erwähnten Verschiedenheiten in der Blattgestalt
nur wenig ab. Exemplare, bei denen die Endfranse der Hüllschuppen starr, fast dornig ist, kann man
als f. subspinosa Vis. (Fl. Dalm., Suppl. II, 2, p. 17, pro var. C. calocephalae) bezeichnen. Die mir unbe-
kannte var. A. ochrocephala Schur. En. pl. Transs., p. 407, ist nach Simonkai (En. Fl. Transs., p. 349)
ein »specimen frigore ustum«.
20. Centaurea Murbeckii Hayek.
Perennis. Rhizoma lignosum, crassum, horizontale, comosum, monocephalum. Caulis erectus,
‚strictus, simplex, striatus, laeviter loccosus, caeterum glaber, Folia basalia longe petiolata, petiolo laminam
aequante vel superante, aut lanceolata integerrima aut pinnato-partita segmentis lanceolatis integerrimis
ad basim parum decurrentibus; folia caulina inferiora et media breviter petiolata, basalibus conformia,
'suprema lanceolata, plus minusve dentata, sessilia. Folia omnia pallide viridia, glaucescentia, in pagina
inferiore setulis minimis aspera, lana arachnoidea sparsim vestita, caeterum glaberrima, laevia. Capitulum
in apice caulis singulare, globosum, 25 mm longum et latum. Squamae anthodii virides, estriatae, appen-
dieibus omnıno obtectae. Appendices seriei intimae ovatae, nigrae, pectinato fimbriatae, caeterum trian-
lares, nigrae, ad 10 mm longae et ad basim 6— 8 mm latae, margine in fimbrias albas numerosas ad
1Omm longas flexuos laceratae. Corollae atropurpureae, marginales non radiantes. Acchenia 4 mm
longa, puberula, umbelico barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima connivens,
exterior erecta albida fructu aequilonga.
Synonym.
Centaurea atropurpurea var. diversifolia, Murbeck Beitr. z. Fl. v. Süd. Bosn. u. d. Herceg., p. 99!
(1891), non Centaurea diversifolia Borb. nec C. axillaris var. diversifolia Neilr.
Abbildung.
Taf. V, Fig. 2.
Verbreitung.
Bisher nur aus der Hercegovina bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Hercegovina: In abruptis montis BjelaSica-planina prope Gacko, solo calcareo, 1500 m., s. m,
urbeck (H. U. P.):
Während die Köpfchen von Centaurea Murbeckii denen von C. Kolschyana Heuff. vollkommen
gleichen, erinnern die vegetativen Theile lebhaft an €. alpina L., und ich war im ersten Augenblicke ge-
eigt, an einen hybriden Ursprung der Pflanze zu denken. Einerseits aber ist das Vorkommen von C.alpina
Rn
640 Augustv. Hayek,
L. auf der BjelaSica-planina nicht bekannt, andererseits müsste eine Hybride dieser Art mit €. Kotschyana
Heuff. auch im Baue des Anthodiums Merkmale jener zeigen. Ich glaube daher jetzt in C. Murbeckiüi ein
Relikt einer früher weiter verbreiteten, im Aussterben begriffenen Art erblicken zu können. Im Bau des
Anthodiums zeigt die Pflanze eine fast vollkommene Übereinstimmmung mit C. Kotschyana Heuff., und
keineswegs mit C. atropurpurea Wild., und kann daher nicht, wie es Murbeck gethan hat, letzterer als
Varietät untergeordnet werden.
Ich bedauere, der Pflanze den ihr ursprünglich von Murbeck gegebenen Namen diversifolia nicht
belassen zu können, weil, abgesehen davon, dass Neilreich schon eine Varietät diversifolia der C. axil-
laris aufgestellt hat, Borbas bereits eine von ihm entdeckte Hybride €. diversifolia genannt hat.
Ich erlaube mir daher, die hochinteressante Form nach ihrem Entdecker, dem um die Erforschung
des Occupationsgebietes so hoch verdienten Herrn Sv. Murbeck neu zu benennen.
(12x21) Centaurea spinulosa Roch. X atropurpurea Willd.
Centaurea Csatöi Borbäs, Florist. Adatok külön. tekint. a Roripakra in Ertekez. a term&szett. köreb. Kiadja
a Magy. Tudom. Akad., IX., p. 29 (1879).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus,
plus minusve cano-tomentosus, supra medium in ramos nonnullos simplices vel iterum ramosos divisus.
Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis vel dentatis lanceolatis cartilagineo
mucronatis, caulina media et superiora sessilia, pinnatisecta segmentis lanceolatis acutis cartilagineo-
mucronatis. Folia omnia viridia, supra nitentia, sparsim arachnoideo-lanata et ad marginem setulis minimis
aspera, caeterum glaberrima. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa, ca. 22 mm longa et
IS mm lata. Squamae anthodii virides, estriatae. Appendices seriei intimae orbiculares vel ovatae, fuscae,
margine decurrentes, pectinato fimbriatae, caeterum serierum triangulares, ungues non obtegentes, in mediis
8S—1O mm longae et, ad basim 4 mm latae, patentes, ad marginem breviter late decurrentes, pectinato-
fimbriatae, fimbriis pallide fuscis vel albidis 3 —4 mm longis, terminali saepe validiore in spinulam brevem
producta. Corollae saturate purpureae, marginales radiantes. Achenia 4 mm longa, saepe sterilia, puberula,
hylo barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta fusces-
cens fructu aequilonga.
Synonyme.
Centaurea Csatöi Borbäs in österr. bot. Zeitschr. NXVIII, p. 311 (1878), nomen solum.— Csatö in
Kerner Schedae ad fl. ex. Austro-Hung. III, p. 111 (1883). — Simonk., Enum fl. Transs., p. 349 (1886).
Abbildung.
Taf. IV, Fig. 5.
Exsiccaten.
Schulz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 19, Nr. 1807. — A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung,, Nr. 975.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern, anscheinend stellenweise nicht selten.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Siebenbürgen: Inter parentes in pascuis-lapidosis ad pedem montis Szekelykö prope pagum
Toroczko—Szt. György, Csatö (H. U.W.,H. H. M,, H. Kk., H. Beck, H. E./H. Ull., H. Hal.).
4
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 641
Centaurea Csatöi Borb. zeigt eine derartige Mittelstellung zwischen C. atropurpurea W. und
-C.spinulosa Roch., dass ihre Bastardnatur wohl zweifellos ist; insbesondere da auch die Vorkommens-
‚verhältnisse dafür sprechen. Natürlich zeigen die einzelnen Exemplare bald eine Annäherung an die eine,
bald an die andere Stammform (vgl. hierüber Csato in Kern. Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. II, p. 111),
doch ist die Verschiedenheit keine so große, dass eine Trennung in mehrere Formen gerechtfertigt wäre.
21. Centaurea atropurpurea Willdenow, Spec. plant. Ed., IV. 3, p. 2299! (1800).
Perennis. Rhizoma lignosum, crassum, horizontale, comosum mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus,
strictus, ad fere 2m altus, angulato-sulcatus, a medio in ramos nonnullos simplices vel iterum ramosos
divisus, sicut et rami sparsim cano-tomentosus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis
lanceolatis pinnatisectis vel dentatis acutis mucronatis, caulina media sessilia, inferioribus conformia,
superiora sessilia pinnatisecta segmentis lanceolatis integris mucronatis. Folia omnia viridia, sparsim
arachnoideo-lanata, caeterum ad marginem scabriuscula vel omnino glaberrima. Capitula in apice ramorum
singularia, late ovata, ca. 25 mm longa et 20 mm lata. Squamae anthodii virides, estriatae, appendicibus
fere obtectae. Appendices seriei intimae scariosae orbiculares fuscae pectinato-fimbriatae, caeterum trian-
gulares in mediis S-10 mm longae et ad basim 4—5 mn latae, nigrae (vel in speciminibus flavifloris
fuscae), ad marginem breviter decurrentes, margine regulariter pectinato fimbriatae, fimbriis rectis utrinque
10—15 albis. Corollae atropurpureae, rarius flavae, marginales vix vel non radiantes. Achenia 4 mm
longa, fusca, puberula, umbelico barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima connivens,
exterior erecta fuscescens fructu fere aequilonga. Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea atropurpurea Waldst. et Kitaibel, Descr. et Icon. plant. rar. Hung. II, p. 121! (1805). —
Pers. Syn. plant., II, p. 484 (1807).
Cyanus atropurpureus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 17 pro parte! (1816).
Centaurea atropurpurea Host, Fl. Austr. II, p. 519 (1831). — Rchb,., Iconogr. bot., V, p. 27 (1825)
Centaurea calocephala De Cand., Prodr. syst. veget., VI, p. 587 (1837).
Centaurea atropurpurea Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 136 (1848).
Centaurea calocephala Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 38 (1852).
Centaurea atropurpurea Heuff,, Enum. plant. Banat. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges., VIII, p. 143
(1858). — Schur., Enum. plant. Transs., p. 407! (1866). — Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob.
Gefäßpfl., p. 124 (1866) — Diagn. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 74 (1867). — Knapp, die bish.
ek. Pfl. Galiziens u. d. Bukow., p. 145 (1872).— N ym., Consp, fl. Europ., p. 428 (1878—82). — Brandza,
rodr. fl. Rom., p. 305 (1879—83). — A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. III, p. 110! (1883). —
imonk., Enum. fl. Transs., p. 349 (1886).
Abbildungen.
Waldstein et Kitaibel, Descr. et Icon. plant. rar. Hung. Il, Tab. 116. — Rchb., Iconogr. bot. V,
Tab. 447. — Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 58. — Taf. V, Fig. 3.
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 24, Nr. 2353. — A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung., Nr. 974.—
Baenitz, Herb. Europ., Nr. 1292. — Degen, plant. Banat. exs. a. 1887, Nr. 75.
Verbreitung.
In der Bergregion der östlichen Karpathen.
642 Augustv. Hayek,
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Kalkfelsen bei Oravitza und Csiklova im Banat, Wierzbicki (H. H.M., H. Kk.). Banat,
Wierzbicki (H. H.M.). Mehadia, Rochel (H.K.). Herkulesbäder bei Mehadia, Heuffel (H. E,H. B.),
Degen (H. Hal., H. H. M.). In rupestribus lapidosisque Banatus, Heuffel (H. H. M.). Lugos bei Mehadia,
Heuffel (H. B.). In monte Domugled prope Mehadia, Heuffel (H.B., H.H.M.), Murray (H. H. M,),
Reuss (H. z.b.G.). Orsova, Andrä (H. B.). Im Kazänpass bei Coronini, Dörfler etRonniger (H. Ronniger,
H. Hayek.). In saxosis calcareis inter pagos Coronini et Drenkova ad Danubium inferiorem, Janka (H.K.).
Felsgehänge an der Donau im Banate, Sonklar (H. U. W., H. K,, H. z. b. G.).
Siebenbürgen: Klausenburg, Wolff (H. z. b. G.). In declivibus montium Hasadek prope Torda,
G. et J. Wolff (H. H. M, H.U.W. H. B, H. P. Z., H. Hal., H. Beck, H. Ull), Baumgartner (HE. H2MJsz
collibus apricis Billak dictis pone Albam Carolinam, Haynald (H.P. Z., H. Kk., H.F.I, H.K, H.B,
H. Hal. H.H. M., H. z. b. G.), Barth (H.P. Z.). In collibus graminosis prope Sabesium (Szäsz-Sebes),
Csatö (H.H.M., H. U. W., H. B,, H. P. Z., H. Hal, H. Beck., H. Ull., H. Kk.). Magyar-Igen, Csatö (H.P.Z3
H. H.M.). Aranyos, Barth (H. U. W.). Mühlenbach, Csatö (H.K., H. B., H. Hal., H. z. b. G.). Hermannstadt,
Kotschy (H. B,, H. H. M.). Groß-Scheuern bei Hermannstadt, Kayser (H. z. b. G.). Hermannsdorf,
Schur (H.H.M.), Fuß (H.z. b.G.). Neudorf am Schimmelpfenig, Fuß (H.B.). Bei Tür, Barth (H. U. W.).
Klausenburg. W olff (H. z. b. G.). Kronstadt, Baumgartner (H. H. M.).
C. atropurpurea W. ist eine stets leicht erkennbare und wenig abändernde Art. Exemplare mit
breiteren Blattzipfeln hat Schur! als f. Zatisecta, solche mit schmäleren Abschnitten als f. Zenuisecta
bezeichnet, während Exemplare aus höheren Regionen mit niedrigerem. einfachen oder wenig verästeltem
Stengel Schurs var. alpestris darstellen. Ab und zu finden sich Exemplare mit gelben Blüten, meist sind
gleichzeitig die Anhängsel der Hüllschuppen heller braun gefärbt. Diese gelbblühenden Formen wurden,
und zwar anscheinend häufiger als die schwarzpurpurnen, seit langer Zeit als Zierpflanze cultiviert und
von Willdenow? als C. calocephala beschrieben. Borbäs war der erste, der constatierte, dass solche
gelbblühende Formen vereinzelt unter der purpurrothen auch wild vorkommen (vergl. Bot.Centralbl. LXIX,
p. 204 (1897), und auch von Dörfler und Ronniger wurde ein einziges Exemplar der f. calocephala unter
zahlreicher typischer afropurpurea im Kazan-Pass bei Coronini gesammelt. Diese f. calocephala wurde von
De Candolle (Prodr. syst. veg. VI, p. 587), als C. calocephala «a. flava, von Maly (Enum. phant. phan.
Imp. Austr., p. 136) als ©. atropurpurea ß flava bezeichnet. Die von De Candolle erwähnte f. ß mixta
mit gelben, roth überlaufenen Corollen, also eine Zwischenform zwischen der roth und gelb blühenden
Pflanze, habe ich nicht gesehen. N
Obwohl es zweifellos ist, dass Kitaibel der eigentliche Autor des Namens » Afropurpurea« ist, ist
man doch genöthigt, Centaurea atropurpurea W illdenow zuzuschreiben. Die Pflanze wurde von Kitaibel
an Willdenow geschickt, und istin dessen Herbar noch das Exemplar zu finden, dem die von Kitaibels
eigener Hand geschriebene Etiquette »Centaurea atropurpurea nobis. Sie ist doch neu?« beiliegt.
Willdenow hat nun, wie gar manche von Kitaibel (und auch Bieberstein) neu aufgefundene Pflanzen,
die neue Art in den im Jahre 1800 (also 5 Jahre frührer als Waldstein und Kitaibels Icones) er-
schienenen Band 3 der Species plantarum unter dem Namen C. atropurpurea beschrieben, ohne jedoch, wie
er es sonst zu thun pflegt, W. K. als Autor beizusetzen. Die Pflanze ist demnach zuerst von Willdenow
rechtsgiltig publiciert worden, und man ist demnach auch nur berechtigt, Centaurea atropurpurea W illd.
zu Schreiben.
(16x 22) Centaurea Sadleriana Janka X orientalis Linne.
Dieser Bastard wurde bei Budapest, wo C. orientalis L. eingeschleppt vorkommt, während C. Sad-
leriana Janka dortselbst einheimisch ist, in zwei Formen beobachtet.
1 Enum, plant. transsilv., p. 407 (1866).
2 Enum. plant. horti reg. Berol., p. 928 (1809). (Originalexemplar gesehen!)
wi]
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 64
a) Centaurea Ludovici Borbäs in Pötfüzet. a termeszett. közlemenyh., XII, p. 11 (1889), nomen solum
et apud Perlaky »Uj särgavirägü Centaureäink« in Termeszett. füzetek, XV, p. 43 (1892).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 1m
altus, angulatus, ad angulos scaber, a medio in ramos paucos simplices vel iterum ramosos divisus.
Folia basalia petiolata, pinnatipartita segmentis lanceolatis integris vel pinnatilobis acutis mucronatis,
caulina inferiora et media pinnatipartita lobis lanceolatis acutis mucronatis integerrimis, terminali modice
producto, caulina superiora pinnatisecta, suprema saepe integra lanceolata. Folia omnia viridia, ad mar-
ginem et in pagina inferiore setulis minimis aspera. Capitula in apice ramorum singularia, globoso-ovata,
20 mm longa et 16 mn lata. Squamae involueri ovatae, vel interiores oblongae, obtusae, pallide virides,
appendicibus non obtectae. Appendices squamarum intimarum scariosae, orbiculares, fuscae, marginem
versus dilutior& pectinato-fimbriatae, caeterum serierum breviter triangulares obtusae, ad marginem parum
decurrentes, in mediis 2—3 mm longae, pectinato fimbriatae fimbriis flavescentibus brevibus 1—2 mm
longis utrinque 7—10. Corollae flavae vel marginales parum purpurascentes, marginales radiantes. Achenia
4 mm longa, fusca, puberula, hylo barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima
eonnivens, exterior erecta fuscescens fructu aequilonga.
Abbildung.
Taf. VI, Fig. 2.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: In aggeribus arenosis campi Rakos ad Budapest, Borbäs (H. Hal.).
Unterscheidet sich von ©. Sadleriana durch schmälere Blattabschnitte, hellere, stumpfere una kürzer
gefranste Anhängsel und gelbe Blüten, von C. orientalis durch glattere Blätter mit breiteren Abschnitten,
viel kleinere, die Nägel nicht verdeckende, kürzer gefranste, an den äußeren Hüllschuppen nicht stachel-
spitze Anhängsel.
b) Centaurea Perlakyana Borbäs apud Perlaky »Uj särgavirägü Centaureäink« in Termeszett. füzet.,
XV, p. 44 (1892).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus,
ad In altus, angulatus, sparsim canotomentosus, scaber, a medio in ramos paucos simplices vel
iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis vel
dentatis lanceolatis acutis mucronatis, caulina media et superiora sessilia, pinnatisecta, segmentis lanceo-
latis acutis mucronatis integerrimis vel dentatis. Folia omnia viridia, margine et in lamina utraque setulis
minimis aspera. Capitula in apice ramorum singularia, globoso-ovata, 20mm longa et 17 mm lata. Squamae
involucri pallide virides, appendicibus fere omnino obtectae. Appendices squamarum interiarum orbiculares,
fuscae, pectinato fimbriatae fimbriis dilutis, mediarum et exteriarum triangulares, obtusae, ad marginem
breviter decurrentes, fuscae, pectinato fimbriatae fimbriis aureis utringue 4—10 elongatis 3—5 mm longis,
terminali non vel in exterioribus paulo validiore. Corollae flavae vel marginales parum purpurascentes,
marginales radiantes. Achenia 4 mm longa, fusca, puberula, hylo barbata, papposa. Pappus biserialis,
series interior brevissima connivens, exterior erecta albida fructu aequilonga.
Abbildung.
Taf. VI, Fig. 3.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Ad viam ferream, quae cum Buda Köbänyam jungit, Perlaky (H. Hal.).
C. Perlakyana unterscheidet sich von C. Sadleriana durch die gelben Blüten, größere, die Nägel
fast verdeckende, hellere Anhängsel der Hüllschuppen und schmälere Abschnitte der rauheren Blätter
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX Bd, 82
644 Augustv. Hayek,
von (. orientalis durch die braunen, die Nägel nicht völlig verdeckenden, an den äußeren Hüllschuppen
nicht stachelspitzen Anhängsel und oft röthlich überlaufene Blüten. Sie ist zweifellos die der €. orientalisL.
näher stehende Form des Bastardes Sadleriana X orientalis und unterscheidet sich von €. Zudovici durch
die bedeutend größeren, die Nägel fast verdeckenden und länger gefransten Anhängsel.
Der €. Ludovici Borb. sehr nahe steht eine von Vetter zu Orbe in der Schweiz unter der dort ein-
geschleppten C. orientalis beobachtete Pflanze, die er im Bull. de la soc. Vaudoise de science. nat. XXII,
p. 276 (1876) unter dem Namen C. Moehrleana beschrieben hat und derCombination C.orientalis X scabiosa
entsprechen dürfte. Da aber auch €. Sadleriana Jka. dort beobachtet wurde, ist es nicht ausgeschlossen,
dass die Pflanze mit €. Ludovici identisch ist.
22. Centaurea orientalis Linne, Spec. plant. Ed. I, p. 913 (1753).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, comosum, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus,
strietus, angulatus, sparsim cano-tomentosus, simplex, vel saepius, in parte superiore in ramos paucos
simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis pinnati-
sectis vel dentatis lanceolatis acutis cartilagineo-mucronatis, caulina media et superiora sessilia, pinnati-
secta, segmentis lanceolatis acutis, cartilagineo-mucronatis, integerrimis vel dentatis. Folia omnia viridia,
nitentia, ad marginem et in Jamina utraque setulis minimis aspera. Capitula in apice ramorum singularia,
ovata, ca. 20mm longa et lata. Squamae anthodii pallide virides, appendicibus omnino obtectae. Appendices
serierum interiarum 3—4 flavae, scariosae orbiculares margine lacerae, caeterum serierum orbiculares
flavae margine breviter decurrentes, pectinato-fimbriatae fimbriis utringue S—12 ca. 3 mm longis, terminali
validiore saepe spinuliformi. Corollae sulfureae, marginales radiantes. Achenia 31/, mm longa, fusca,
pilosula, umbelico barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima connivens; exterior ereciäa
albida fructa aequilonga. Floret aestate.
Synonyme.
|)
Centaurea orientalis Linne, Spec. plant. Ed. Il, p. 1291 (1763).
Centaurea Tatarica W illd., Spee. plant. Ed. IV, p. 2297! (1800), non Linne fil.
Cyanus orientalis Baumg,., En. stirp. Transs. III, p. 78! (1816).
Centaurea Tatarica Rchb., Iconogr. bot. V, p. 26 (1825).
Centaurea orienlalis Host, Fl. Austr. Il, p. 519 (1831). — Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 848 (1832) —
De Cand,, Prodr. syst. veg. VI, p. 587 (1837). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848). —
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 38 (1852). — Schur, Enum. pl. Transs., p. 407 (1866). —
Boiss., Fl. orient. III, p. 666 (1875). — Nym., Consp. fl. Europ., p. 428 (18783—82). — Brandza, Prodr.
Fl. Rom., p. 306 (1879—83). — A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. II, p. 130! (1882). — Simonk,,
Enum. fl. Transs., p. 350 (1886).
Abbildungen.
Reichenb., Iconogr. bot. V., Tab. 446. — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ, et Helv, NV, Tab. 59,
Fig. 1. — Taf. V, Fig. 4.
Exsiccaten.
Läng et Szovits, Herb. ruth. Cent. I, Nr. 26. — Rehm,, Exs. Itin. Chers., Nr. 87. — Callier, Iter
Tauric. sec. a. 1896, Nr. 128. — A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung., Nr. 656.
Verbreitung.
Von Südrussland bis Serbien, Siebenbürgen und Galizien, eingeschleppt auch in Südfrankreich und
Ungarn, vielleicht auch in Kroatien.
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 645
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Galizien: Kalkabhänge am Ufer des Dniester bei Kolobrodka, Btocki (H. U. W., H.H.M., H. B,,
Elek 1, H-Beck., H. Hal. H. Ull.).
Siebenbürgen: Ad agrorum margines prope Köhalom, Baumgarten (H. H. M.).
Ungarn: Am Bahndamm bei Räkos nächst Budapest, Borbäs (H. Hal.).
Kroatien: Auf trockenen wüsten Plätzen in Kroatien, Abbe J. Host (H. H. M.).
Dieser letztere Standort erscheint mir deshalb fraglich, weil kein Autor das Vorkommen von
Centaurea orientalis in Kroatien erwähnt, und außerdem das Exemplar aus dem Herbare Putterlick
stammt, dessen Unzuverlässigkeit ja bekannt ist.
Dass Willdenow unter Centaurea orientalis eine andere Pflanze als Linng, nämlich €. Tatarica
L. f. gemeint hat, während er die wahre C. orientalis als C. Tatarica beschrieb, sowie dass C. theiantha
Spr. zu ersterer als Synonym gehört, habe ich bereits an anderer Stelle! nachgewiesen.
2. Section. Eucyanus.
Anhängsel der Hüllschuppen lang, oft bis zum Grunde, herablaufend, kämmig gefranst, niemals
dornig. Blätter ganz, selten fiederlappig. Blüten meist blau oder gelb, selten roth. Nabel der Achänen
bebärtet.
A. Segetales. Monobiotische Arten mit blauen Blüten.
23. Centaurea cyanus. Linne, Spec. plant. Ed. I, p. 911 (1753).
Biennis. Radix fusiformis. Caulis erectus, strictus, ad 50 cm altus, angulatus, lanatus, a basi vel infra
medium in ramos nonnullos simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, lanceolata,
integra vel Iyrato-pinnatisecta, florende tempore saepe emarcida, caulina sessilia, lanceolata vel lineari
lanceolata acuta. Folia omnia viridia, plus minusve lanata, lana decidua. Capitula in apice ramorum
singularia, cylindraceo ovata, ca. l4mm longa et 8mm lata. Squamae anthodii oblongae estriatae vel
inconspicue striatae appendicibus non obtectae. Appendices interiarum ovatae, fuscae apice dentatae, ad
marginem longe decurrentes, exteriarum triangulares usque ad basim fere squamarum decurrentes, nigrae,
pectinato-fimbriatae fimbriis brevibus utringue 4—7. Corollae disci violaceae, marginales fere campanulatae,
radiantes, cyaneae, rarius roseae vel purpureae vel albae. Achenia 3 mm longa, grisea, puberula, umbelico
barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior connivens, vix I mm longa, exterior erecta, fulva,
fructu aequilonga.
Synonyme.
Centaurea cyanus Linne, Spec. plant. Ed. II, p. 1289. — Scopoli, Fl. Carn. Ed. Il. 2, p. 138 (1772)
Cyanus segelum Lam, Fl. frang. Il, p. 54 (1778).
Cyanus arvensis Mönch. Method., p. 561 (1794).
Centaurea cyanıus Host, Syn. plant. in Austr. cresc., p. 476. — Willd., Spec. plant. Ed. IV, 3,
p. 2291! (1800).
Cyanus segelum Baumg., Enum. stirp. Transs. III, p. 75 (1816).
Cyanus vulgaris Presl, Fl. Cech, p. 179 (1819). — Gray, nat. arr. of. brit. plant. II, p. 441 (1821).
Centaurea cyanus Sadl, Fl. Com. Pest. II, p. 289 (1826). — Host, Fl. Austr., p. 581 (1831). — Rcehb,,
Fl. Germ. exc., p. 215 (1832). — De Cand., Prodr. Syst. veget. VI, p. 578 (1837). — Koch, Syn. fl. Germ.
1 Verh. der zool. bot. Ges., LI, p. S ff.
646 Augustv. Hayek,
et Helv. Ed. I, p. 412 (1837). — Taschenb,, d. deutsch. u. schw. Fl., p. 303 (1844). — Syn. fl. Germ. et
Helv. Ed. II, p. 472 (1844). — Fleischm, Übers. d. Fl. Krains, p. 41 (1844). — Vis., Fl. Dalm. Il, p. 32
(1847). — Maly, Enum. pl. phan. Imp. Austr., p. 136 (1848). — Hausm,, Fl. v. Tir., p. 497 (1850).
Cyanus vulgaris Opiz, Sezn. rostl. Kvet. Cesk., p. 35 (1852).
Centaurea cyanıs Rchb. fil. Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 22 (1852). — Neilr., Fl. v. Nieder-Österr,,
p. 380 (1859). — Schur, Enum. pl. Transs., p. 404 (1866). — Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob.
Gefäßpfl., p. 113 (1866). — Celak, Prodr. d. Fl. v. Böhm,, p. 252 (1867). — Sauter, Fl. d. Herzogth. Salzb,,
p. 83 (1868). — Maly, Fl. v. Steierm., p. 102 (1868). — Schloss. et Vuk., Fl. Croat., p. 754 (1869). —
Duftschm., Fl. v. Ober-Österr., p. 509 (1879). — Kern., die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz.
Siebenb. in öst. bot. Zeitschr. XXI, p. 117, Sep. p. 277 (1872). — Knapp, die bish. bek. Pfl. Gal. u. d. Buk.,
p. 144 (1872). — Boiss., Fl. orient. III, p. 635 (1875).— Nym., Consp. fl. Eur., p. 424 (1878—82).— Fieck,
Fl. v. Schles., p. 246 (1881). — Oborny, Fl. v. Mähr. u. Schles. I, p. 698 (1885). — Simonk., Enum. fl.
Transs., p. 348 (1886). — Beck., Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herc., p. 166! (1889). — Fl. v. Nieder-Österr. II,
p. 1259! (1893).— Marches, Fl. di Trieste, p. 320 (1896—97).— Hal., Fl.v. Nieder-Österr., p. 300! (1896). —
Fritsch, Excursionsfl., p. 598 (1897). — Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten Griechenl. in Bull. de !’herb.
Boiss. VI., p. 578, Sep. p. 14! (1898). — Pospich,, Fl. d. österr. Küstenl. I., p. 924 (1899).
Abbildungen.
Sturm, Deutschl. Fl. A. 5. — Reichenb,, Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 37, Fig. 1. — Thome,
Fl. v. Deutschl., IV, Tab. 595. — Taf. VI, Fig. 4.
Exsiccat.
Heldr., Herb. Graec. norm., Nr. 623.
U U EEE
Verbreitung.
Ursprünglich in Sicilien, Thessalien und Griechenland einheimisch, jetzt, soweit der Getreidebau
reicht, wohl auf der ganzen Welt verbreitet.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
In allen Kronländern unter dem Getreide und in der Nähe menschlicher Ansiedlungen, bis in die
Voralpenthäler reichend; mancherorts häufiger, mancherorts seltener; in neuester Zeit wegen der
politischen Bedeutung der Blume in manchen Gegenden systematisch ausgerottet.
Centaurea cyanus L. wird auch häufig in Gärten cultiviert, oft in Spielarten mit weißen, rosenrothen
oder dunkelpurpurnen Blüten. Solche abweichend gefärbte Exemplare findet man manchmal auch in der
Natur; die weißblühende Form hat Schur (Enum. pl. Transs., p. 405) als f. albiflora, die dunkelrothe als
Ff. atropurpurea bezeichnet.
(14x23) Centaurea Fritschii Hay. X cyanus 168
Pantocsek erwähnt in seinen »Adnotationes ad floram et faunam Hercegovinae, Cernagorae et
Dalmatiae« p. 44 einer Pflanze, die er am Berge Gliva bei Trebinje fand und für eine Hybride von C. cya-
nus L. und €. scabiosa aut. (in diesem Falle wohl C.#ritschii Hay.) hielt und beschreibt sie kurz fol-
gendermaßen: ...»perenne, foliis imis pinnatisectis segmentis oblongo-linearibus elongatis, involueri
squamis latius nigro-marginatis«. Nach dieser Beschreibung zu schließen, könnte die Deutung Pan-
tocseks wohl richtig sein; da ich aber kein Exemplar der fraglichen Pflanze gesehen habe, kann ich ein
endgiltiges Urtheil nicht fällen. Ob die Identificierung mit Centaurea cyanus ß marginata Vis.; Fl. Dalm.
suppl. II, 2. p. 15 gerechtfertigt ist, ist noch"schwerer zu unterscheiden, da auch diese Form mir nicht
Hi 4
bekannt ist.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 647
B) Napuliferae. Ausdauernde Arten mit knollig verdickten Wurzeln, ungetheilten oder fiederlappigen
Blättern und blauen oder gelben Blüten.
24. Centaurea tuberosa Visiani, Fl. Dalm. II, p. 33! (1847).
Perennis. Rhizoma praemorsum, radices 3—6 tuberoso-incrassatas fusiformes gerens, mono- vel
pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, 5 - 30. cm altus, angulatus, cano-tomentosus, simplex. Folia basa-
lia et caulina inferiora longe petiolata, lineari-lanceolata integerrima vel remote grosse-dentata, caulina
media sessilia, superiora decurrentia, lineari-lanceolata, integerrima,mucronata. Folia omnia in pagina
superiore modice, in pagina inferiore dense sericeo-cano-tomentosa. Capitulum in apice caulis singulare,
ovatum, 15 mm longum et 12 mm latum. Squamae anthodii virides, inconspicue striatae, appendicibus
non obtectae. Appendices seriei intimae scariosae, fuscae, margine pectinato dentatae, serierum caeterum
triangulares, 11, —2 mm longae, nigrae, in marginem nigram 1 mm latam usque ad basim fere squamae
decurrentes, pectinato-fimbriatae fimbriis fere 3 mm longis albis, utrinque 10—14. Corollae disci viola-
‘ceae, marginales radiantes azureae. Achenia 5 mm longa, fusca, pilosula, umbelico barbata, papposa. Pap-
pus biserialis, albidus, series interior brevissima, connivens, exterior erecta ca. 3 mm longa. Floret Julio.
Synonyme.
Centaurea napulifera Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 136 (1848), non Rochel.
Centaurea napulifera Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 22 (1852).
Centaurea tuberosa Schloss. et Vukot., Fl. Croat., p. 753 (1869).
Centaurea napulifera Visiani Fl. Dalm. Suppl. I, p. 53 (1872).— Nym., Consp. fl. Europ., p. 423 pro
parte (1878—82).
Abbildungen.
Visiani, Fl. Dalm., Tab. XII, Fig. 2.— Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 37, Fig. I. —
Taf. VI, Fig. 5.
Exsiccaten.
Petter, Fl. Dalm. exs., Nr. 91. — Baenitz, Herb. Europ., Nr. 2759.
Verbreitung.
Auf den Bergen Dalmatiens und Montenegros, nördlich bis zur Insel Lussin reichend.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale: Insel Lussin, auf trockenen Felsen, Kotschy (H.U. P.).
Dalmatien: Dalmatien, Petter (H.Kk., H.z.b. G.), Visiani (H.H.M.), Veth (H. z.b. G.). Mte Bio-
kovo bei Macarsca, leg.? (H.P.Z., H.Kk.), Petter (H.H.M.), Welden (H.z.b.G.). Spalato, Botteri (H.
H.M.). Clissa bei Spalato, Welden (H.J.G.), Studnicka (H.Hal.). Clissa, Macchesina gredda, Stud-
nicka (H.H.M., H.z.b.G.). Berg Koziak bei Spalato, Beck (H. Beck). Auf den Bergen Visosnizza und
Baska-Dolacz bei Spalato, Petter (H.E., H. Hal., H.H.M., H.P.). Ragusa, auf hohen Bergen, an der tür-
kischen Grenze, No& (H. E.). Weideplätze, 2500’ über dem Meere, Petter (H.H.M.).
Centaurea tuberosa wurde zuerst im Jahre 1847 von Visiani in der Flora Dalmatica II, p. 33
‚beschrieben und auf Taf. XII abgebildet. Grisebach'! glaubte sie jedoch mit der schon im Jahre 1835
1 Spicileg. fl. Rumel. et Bithyn. II, p. 236 (1844). Visianis Fl. Dalm. Bd. Il ist zwar im Jahre 1847 datiert, das Heft, in dem
C. tuberosa beschrieben ist, aber gewiss schon 1842 oder 1843 erschienen.
648 Augustv. Hayek,
publicierten Centaurea napulifera Roch.! identificieren zu können, und diesem Beispiele sind nicht nur
einige spätere Autoren, sondern auch Visiani selbst gefolgt, welcher im Jahre 1872 im Supplement zu
seiner Flora Dalmatica den der Pflanze von ihm gegebenen Namen zu Gunsten Rochels zurückzog.
Diese Identificierung ist aber nicht gerechtfertigt. C. napulifera Roch. hat zwar mit C. tuberosa Vis. die
knollig verdickten, spindligen Wurzelfasern gemein, unterscheidet sich aber durch den meist mehrköpfigen
Stengel, breitere und kürzere Blätter, einen schmäleren, dunklen Rand der kürzer gefransten Hüll-
schuppen und die violette Blütenfarbe von ihr und ist im ganzen Gebiete des Balkan verbreitet, fehlt hin-
gegen in Dalmatien. Nyman gibt die Art auch im Banate an, offenbar liegt aber hier nur ein Irrthum, her-
vorgerufen durch den Autornamen Rochel, vor.
C. Montanae. Ausdauernde Arten mit nicht verdickten Wurzelfasern und gelben oder blauen, selten
rothen Blüten.
25. Centaurea variegata Lamarck, Encyclop. method. I, p. 668 (1778).
Perennis. Rhizoma subrepens, tenue, lignosum, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens,
5-60 cm altus, angulatus, plus minusve cano-tomentosus, simplex, vel apice ramis paucis unifloris prae-
ditus. Folia basalia et caulina inferiora breviter petiolata, caulina media et superiora sessilia et basi plus
minus decurrentia, ovata vel ovato-lanceolata, nunc omnia integerrima, nune inferiora tantum, nunc
omnia sinuato-dentata, lobis acutis vel obtusis. Folia omnia viridia, utrinque vel saltem in pagina inferiore
cano-tomentosa. Capitula in apice ramorum (vel caulis) singularia, breviter petiolata vel imo foliis supre-
mis suffulta, ovata, ca. 18 mm longa et 15 mm lata. Squamae anthodii virides, apice saepe purpurascen-
tes, hince inde exteriores cano-tomentosae. Appendices squamarum triangulares, 2—3 mm longae et ad
marginem usque fere ad basim squamarum 1-—2 mm late decurrentes, pectinato-fimbriatae, fimbriis circa
7 mm longis, utringue 8—14, in intimis tantum 2—4. Appendices et margo scariosa squamarum nigrae
vel fuscae, marginem versus saepius dilutiores fimbriis albidis vel imo candidis, rarius nigricantibus.
Corollae disci purpureae, marginales elongatae radiantes, cyaneae, rarius violaceae vel purpureae vel
albidae. Achenia 4'/, mm longa, puberula, umbelico non barbata, papposa. Pappus biserialis, series inte-
rior brevissima connivens, exterior erecta albida 1—1'/, mm longa. Floret Junio, Julio.
Synonyme.?
Centaurea montana var. ß Linne, Spec. plant. Ed. I, p. 911 (1753). — Spee. plant. Ed. II, p. 1289
(1768).
Centaurea montana Scop., Fl. Carn. Ed. I, 2, p. 138 (1762), non Linne.
Centaurea Triumfetti All., Fl. Pedem., p. 158 (1785).
Centaurea Seusana Chaix, Plant. Vapine. in Vill. Hist. d. pl. de la Dauph,, I, p. 365 (1786).
Centaurea montana Lumn., Fl. Poson., p. 389 (1791). — Host., Syn. pl. in Austr. cresc., p. 475 pro
parte (1797).
Centaurea axillaris Wild., Spec. plant. Ed. IV, 3, p. 2290! (1800).
Centaurea stricta Waldst. et Kit., Icon. plant. rar. Hung. II, p. 99 (1805).
Centaurea Seusana Sut., Fl. Helv. Il, p. 202 (1802). — Pers., Syn. plant. Il, p. 483 (1807).
Centaurea montana ß mollis Wahlenb., Fl. Carp., p. 279 (1814).
1 Visiani und auch der Index Kewensis, dessen Autoren sich wie gewöhnlich nicht die Mühe nahmen, das Citat nach-
zuschlagen, eitieren: C. napulifera Rochel Acta Hungarica Evköny. Es ist das eine unglückliche lateinische Übersetzung eines
ungarischen Titels. Richtig lautet das Citat: Rochel apud Frivaldsky »Közlesek a’ balkäny’ videken tett termeszettudomänyi uta-
zäsröl« in A Tudös Tärsasäg Evkönyvei II, p. 260 (1835). Pritzel Icon. citiert auch Frivaldsk y statt Rochel.
= Die Synonyme beziehen sich theils auf die Art im ganzen Umlange, theils auf einzelne oder mehrere Formen.
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1
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 649
Cyanus variegatus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 74 (1816).
Cyanus axillaris Presl, Fl. Cechı., p. 179 (1819).
Centaurea montana ß ascendens Bart!. in Bartl. et Wendl. Beitr. z. Bot., p. 121 (1825).
Centaurea axillaris Sadl., Fl. Com. Pest., II, p. 289! (1826). — Spreng., Syst. veget. Ed. XVI, 3,
p. 399 (1826).
Centaurea Seusana Gaud., Fl. Helv., V, p. 309 (1829).
Centaurea axillaris Host., Fl. Austr., I, p. 518 (1831).
Centaurea stricta et C. variegata Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 215 (1832).
Centaurea Aichingeriana Welw., apud Reichenbach. c., p. 848 (1832).
Centaurea montana Alsching., Fl. Jadr., p. 140 (1832).
Centaurea axillaris Rohr. et Mey., Vorarb. z. e. Fl. d. mähr. Gouv., p. 171 (1835).
Centaureqymontana De Cand., Prodr. Syst. veget., VI, p. 578 pro parte (1837).
Centaurea axillaris Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed.I, p. 411 (1837). — Heg. et Heer. Fl. d.
Schw., p. 851 (1840). — Sadl., Fl. Com. Pest. Ed. II, p. 409 (1840). — Koch, Taschenb. d. deutsch. u.
schw. Fl., p. 303 (1844). — Syn. fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 471 (1844).
Centaurea montana ß incana Neilr., Fl. v. Wien, p. 257! (1846).
Centaurea montana Vis., Fl. Dalm., II, p. 33 (1847).
Centaurea axillaris Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 136 (1848).— Gren. Godr., Fl. frang.
‚ pP. 250 (1850).
= Centaurea Seusana Gren. Godr., Fl. frang., II, p. 250 (1850).
Centaurea axillaris Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 497! (1851).
Centaurea Seusana et C. axillaris Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 23 (1852).
Centanrea axillaris Griseb. et Schenk, Iter Hung. in Wiegm. Arch., XVII, p. 346 (1852).
Cyanus mollis ß variegatus Opiz, Sezn. rostl. kv£t. Cesk., p. 35 (1852).
Centaurea montana Facch,, Fl. v. Süd-Tir., p. 102 (1855).
Centaurea montana ß incana Neilr., Fl. v. Niederöst., p. 380! (1859).
Centaurea montana B minor Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 123 (1866).
Centaurea mollis, C. axillaris, C. Seusana und C. stricta Schur, Enum. plant. Transs., p. 405
.
Centaurea montana ß incana Duftschm,, Fl v. Ob.-Öst., p. 508 (1870).
Centaurea axillaris A. Kern., die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. Siebenb. in öst. bot. Zeitschr.
XXII, p. 116, Sep. p. 276! (1872).
Centaurea montana ß incana Knapp, die bish. bek. Pfl. Galiz. und Buk., p. 144 (1872).
Centaurea axillaris et C. stricta Pantocs., Adnot. ad fl. et faun. Herceg,, Cernag. et Dalm., p. 44
Centaurea axillaris Boiss., Fl. or. III, p. 636 pro parte (1875).
Centaurea axillaris et C. variegata Nym., Consp. fl. Eur., p. 423 (1878—82).
Centaurea axillaris Brandza, Consp. fl. Rom., p. 304 (1879 —83).
Centaurea montana et ©. axillaris Garcke, Fl. v. Deutschl., Ed. XV, p. 240 (1885).
Centaurea axillaris Oborny, Fi. v. Mähr. und öst. Schles., I, p. 699! (1885). — Simonk., Enum. fl.
Transs., p. 348 (1886). — Gremli, Excursionsfl. f. d. Schw., Ed. VI, p. 252 (1889). — Sag. et Schneid,,
1. d. Centr. Carp., p. 252 (1891). — Murb,, Beitr. z. Kenntn. d. Fl. v. Südbosn. u. d. Herceg,, p. 99 (1891).
Beck, Fl. v. Niederösterr., II, p. 1259! (1893). — Marches,, Fl. di Trieste, p. 320 (1896- 97). — Hal
Küstenl., II, p. 923 (1899).
Calamanthra villosa Ullep. in Schedis.
650 Augustv. Hayek,
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 38 et 39. — Taf. VI, Fig. 6.
Exsiccaten.
Magnier, Fl. sel, Nr. 3424. — Schultz, Herb, norm. Cent., Nr. 2651 (als €. stricta var. compacta
Ull.). — Baenitz, Herb. Eur, Nr. 2498 (als C. axillaris W.), Nr. 2960 (als C. axillaris W. var. stricta
W.R.), Nr. 5548 (als C. mollis W.K.), Nr. 7300 (als C. stricta W.R.).
Verbreitung.
Durch die Gebirge Oberitaliens und der nördlichen Balkanhalbinsel, ganz Ungarns, Siebenbürgens
und Galiziens, sowie nördlich und südlich der Alpen bis nach München einerseits und Südfrankreich
anderseits.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: In der Podbaba. Tausch (H.U. P.), Ig.? (H.H.M.). Kuchelbad bei Prag, Opiz (H. U. P.),
Poläk (H. Hal.) leg.? (H. z.b. G.). Scharka bei Prag, Papperitz (H.H.M.).
Mähren. Hadikberg bei Brünn, Makowsky (H. H.M.). Bisenz, »Haj«, Bubela (H. Ull;). Zornstein
bei Vöttau, Krenberger (H.Hal.). Znaim. Oborny (H. U.W.). Ufer der Thaya bei Znaim, Krenberger
(H. Hal.).
Nieder-Österreich: Auf dem Steinsberge bei Ernstbrunn, Beck (H. Beck). Staatzer Schlossberg,
Beck (H. Beck). Eibisthal, Ullepitsch (H. Ull.). Alaunthal bei Krems, J. Kerner (H. K.). Zwischen
Krems und Dürrenstein, Hayek. Langenlois, Kalbrunner (H.z.b.G.). Abhänge des Reith bei Aggs-
bach, Beck (H. Beck). In Felswänden auf der Kanzel der Hohen Wand, Beck (H. Beck). Im großen
Föhrenwalde bei Neustadt, Kirchstetter (H.z.b.G.). In silvaticis montium prope Fahrafeld, Zahl-
bruckner (H.U.P.). Steinfeld bei Neustadt, Fehlner (H. U. P.). Eisernes Thor bei Baden, Beck (H. Beck).
Ronniger (H. Ronniger). Berndorf, Grunow (H. B.). Vöslau, Beck (H. Beck). Weichselthal bei Baden,
Neilreich (H.H. M.). Kalvarienberg bei Baden, leg.? (H. E.). Kalkgraben bei Baden, Neilreich (H. H.M.).
Rauheneck bei Baden, Neilreich (H.H.M.). Eichkogel bei Gumpoldskirchen, Fritsch sen. (H. Fr.).
Richardshof bei Gumpoldskirchen, K. Richter (H. Hal.). In der Brühl, Neilreich (H. H.M.). Hundskogel
in der Brühl, Krenberger (H. Hal.). Jennyberg bei Mödling, Neilreich (H.H.M.). Gaisberg bei Perch-
toldsdorf, Neilreich (H.H.M.). Mitterdorfer (H.U. P.), Csey (H. z. b. G.). Bierhäuselberg bei Perchtolds-
dorf, Beck (H.Beck). Perchtolsdorf, L. Keller (H.H.M.), Juratzka (H. z.b. G.). Rodaun, Haläcsy (H.
Hal, H.H.M.). Kahlenberg bei Wien, leg.? (H. E.). Leopoldsberg bei Wien, Beck (H. Beck), Mitterdor-
fer (H.U. P.), leg.? (H.H.M.). Bisamberg bei Wien, Beck (H. Beck). Braunsberg bei Hainburg, Endli-
cher (H.H.M.). Hundsheimer Berg bei Hainburg, Beck (H. Beck), Bruck a. d. Leitha, leg.’ (H. U.H.).
Ober-Österreich: Bei Steyr, Brittinger (H. Kk., H. E.). Welserhaide, Braunstingl (H. Kk., H.
U. W., H.Hal.).
Tirol: Kalisberg, Val de Lievre (H.F.I,). Almhütte von Sardagna, Heuffler (H.F.1.). Rovereto,
Cristofori (H.F.].). Cengialto bei Rovereto, A. Kerner (H.K., H. Hal.). Mte. Bondone, Benesch (H.).
G.). Malghetolge am Mte. Baldo, Heuffler (H.F.J.). Am Baldo, auf der großen Wiese vor San Girolamo,
Spreitzenhofer (H.z.b. G.). Auf hohen Bergwiesen ober Brentonico gegen den Altissimo des Mte. Baldo,
A. Kerner (H.K.). Mte. Baldo, am Mte. Altissimo, Beck (H. Beck), Heuffler (H.F1.), A. Kerner (H.
Hal. H.H.M.).
Kärnten: Rattendorfer Alpe im Gailthal, Pacher (H.H.M., H. Ull.). Eggeralpe, Ressmann (H. Ull.).
Auf der Plecken im Gailthal, Pichler (H.H.M, H. Klgf.). Bärnlahner bei Raibl, Huter (H. Hal.). Polana
ä
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 651
bei Astling, Pacher (H. Ull.). Loibl, Benesch (H.J.G.). Am kleinen Loibl, Jabornegg (H. Kk.). Kotschna,
Krenberger (H. Hal.). Napala-Alpenwiesen ober Weißbriach, Kohlmayer (H. Klgf.).
Steiermark: Auf Serpentin bei Kirchdorf nächst Bruck a. d. Mur, Preissmann (H.P.). Schärfen-
berg bei Ratschach, Pittoni (H.H.M.). Feistritzgraben bei Drachenburg, Preissmann (H.P.). Abhang
der Gonobitzer Gora, Graf (H.J.G.). Am Wotsch bei Pöltschach, Pittoni (H.H.M.), Preissmann (H.
P.), Hayek. Sannthal bei Cilli, Preissmann (H.P.). Tüffer, Graf (H.J.G.), Preissmann (H.P.). Hum
bei Tüffer, Preissmann (H. P.). Römerbad, Fürstenwärther (H.J.G.). Steinbrück, Pittoni (H.H.M.),
Preissmann (H.P.). Teufelsgraben bei Neuhaus, Hayek.
Krain: Alpen Krains, Freyer (H.J.G.). Carniola, Pittoni (H.P.Z.). An der Save bei Sagor,
Hayek. Sveta planina bei Sagor, Freyer (H.J.G.). Erna prst in der Wochein, Sonklar (H.U. W.).
Feistritz in der Wochein, Rechinger (H. U. W.). Dorf SmokusS bei Ottak in Ober-Krain, Rastern (H.U.
W.). Groß-Gallenberg bei Laibach, Breindl (H.H.M.), Josch (H.H.M.). Germada bei Billichgrätz, Pit-
toni (H.H. My Freyer (H.H.M.). Lorenziberg bei Billichgrätz, Freyer (H.H.M.). Krainer Schneeberg,
A. Kerner (H.K., H. Hal.). Nanos bei Präwald, Rastern (H.P.Z.), Sonklar (H.K.), A. Kerner (H.K.),
Graf (H.z.b.G.). Auf dem Grozanski vrh, Tommasini (H.z.b.G.). S. Canzian an der Reka, Tomma-
sini (H. z.b. G.). Zwischen Storic und Wippach, Tommasini (H.zb.G.).
« Litorale: Schabnikberg bei Castelnuovo, Tommasini (H. z.b.G.). Am Cavn, leg.? (H.H. M.). Mte.
Santo bei Görz, Tommasini (H.z.b.G.). Kokasberg, Tommasini (H.z.b.G.). Karstwiesen bei Basso-
witza nächst Triest, Beck (H. Beck). Am Karst bei Op£lina, Beck (H. Beck), Tommasini (H.z.b.G.).
Lippizza, Tommasini (H.z.b.G.). Zwischen Scala Santa und Rojano, Tommasini (H. z. b. G.). Mte. Spac-
cato, Engelhardt (H.Hal.). Karst bei Triest, Tommasini (H.z.b.G.), Hayek. Berg Otjak in Tschi-
tschen, Tommasini (H.z.b.G.). Waldblößen ober Abbazia, Beck (H. Beck). Buschige Plätze zwischen
Abbazia und Volosca, Beck (H. Beck). Mte. Maggiore, Beck (H. Beck).
Dalmatien: Mte. Biokowo bei Macarsca, Pichler (H.Hal.). Ragusa, Adamovic (H.H.M.).
Hercegovina: Levtar-Planina bei Trebinje, Beck (H.Beck). VeleS, in regione super 1800 m,
Bornmüller (H.H.M.). VeleS-planina, Beck (H. Beck). Volnjak-Gebirge, Beck (H. Beck). Alpine Region
der Plasa-planina, Fiala (H. Beck). Gubar-Gebirge, Hawelka (H.Beck). Troglav, Beck (H. Beck). Sti-
rovnik, Boller (H.Ser.). Slogorova-planina bei Jablanica, Fiala (H.Ser.). Osobac, Prenj-planina, Reiser
H.Ser.). Crvastnica-planina, Fiala (H. Ser.).
Bosnien: Bosnien, Sendtner (H.H.M.). Kozara-planina, Beck (H. Beck). Gucagora am Vlasic,
Tranjic (H.Beck). Vlasic, Beck (H. Beck), Brandis (H. Ser.). Travnik, Brandis (H. Ser.). Maglic-pla-
nina, Beck (H. Beck): Am Trebovic bei Serajevo, Beck (H. Beck), Fiala (H.Ser.). Starigrad bei Sera-
evo, Beck (H. Beck, H. U. W.), Fiala (H. Beck). Alpenregion der Plasa-planina, Fiala (H. Ser.). Borova
glava, Bez. Livno, Fiala (H. Ser.). Cincer-planina bei Livno, in der Alpenregion, Beck (H.Beck). Ojece-
nica-planina, Bez. Petrovac, Fiala (H. Ser.).
Kroatien: Südlich von Kriz bei Zengg, Beck (H.Beck). Pljesevitza, Beck (H. Beck). In apice montis
Ivan£ica, Vukotinovic (H.z.b.G.). Am Fuße des Gipfels Solin-Hirc, leg.? (H.P.). Spitze des Klek bei
-Ogulin, leg.? (H.z.b.G.). Fiume, No& (H.E, H.H.M.). Tersatto bei Fiume, Stapf (H. U. W.). An der
Louisenstraße, Lorenz (H.U. W.). Straße von Fiume nach Abbazia, K. Richter (H. Hal.). Berg Österc
bei Sombor, Schlosser (H.B., H. Hal.). Ljubowa, leg.? (H.H.M.).
Ungarn: Spitalberg bei Bruck a. d. Leitha, Hayek. Thebener Kogel bei Pressburg, Tobisch (H.U.
P.), Sabransky (H. U. W.), A. Zahlbruckner (H.H.M.), Schneller (H.z.b.G.). In monte Malenitza,
Com. Trencsin, Rochel (H.K.). Wachtberg bei Gran, leg.? (H. U W.). In apieis Budae, Läng (H.U.P.,
H.E.). Wolfsthal bei Ofen, Steinitz (H.U.P, H.F.L). Schwabenberg bei Ofen, Steinitz (H.J.G.),
A. Kerner (H.K.,. Ofen, L. Richter (H.U.W., H.Hal.), Sadler (H.H.M.). Budapest, Filarsky et
Schilbersky (H. U. W.). Sashegy, Filarsky et Schilbersky (H. U. W.). Törökbälint, Com. Pest,
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 83
652 Augustv. Hayek,
Tauscher (H.P.Z. H.z.b.G.). Oros, Com. Stuhlweißenburg, Tauscher (H.K.). Tarnök, Com. Stuhl-
weißenburg, Tauscher (H.K.). In monte Tarköteteje territorii Szilvas, Com. Borsod, Vrabelyi (H.K.). An
der Vaprina bei Hradek, Fritze (H.B.). In montibus ad Agriam (Erlau), Lang (H.U.P., H.H.M.). Kalk-
berge bei Palota, leg.? (H.H.M.). Galgenberg bei Kesmark, Wagner (H. Ull.), Engler (H. B.). In monti-
bus calcareis Tatrae, Scherfel (H.z.b.G.). Oravitza, leg.? (H. Hal... Am Berge Domugled bei Mehadia,
Wierzbicki (H. Kk.).
Siebenbürgen: Auf Bergwiesen bei Magyar-Igen, Csatö (H.B., H. Kk., H.H.M., H.P. Z.). Sard,
Csatoö (H.Ull., H. Hal.). Billäk, Barth (H.J.G., H.H.M. H. z.b.G,H P.Z, H. Ronniger). Hermannstade
Schur (H.H.M.). Csaklya, Csatö (H. z.b.G.). Sternwiesen bei Klausenburg, Schur (H.H.M.) Klausen-
burg, Barth (H. Hal.). Kapellenberg bei Kronstadt, Baumgarten (H. H.M.), Schur (H.H.M.), Kotschy
(H. H.M.). Kleiner Aegirstein bei Kronstadt, Römer (H.F.I.). Kronstadt, Falck (H.z.b.G.), Fuß
(H. Kk.).
‚Galizien: Piennienpass, Ullepitsch (H. Ull, H.H.M,, H. Hal.). Pieninki bei Brody auf der Kalk-
anhöhe Mabutsa, Bfocki (H.K.). Kronnenburg, Ullepitsch (H. Ull.). Brody, Kloeber (H. RKk.). Z1oczo-
wer Kreis, Schauer (H. z.b.G.).
Bukowina: Tschohor, Herbich (H. z.b. G.).
Durch das Studium eines außerordentlich reichlichen Materiales bin ich zur Überzeugung gelangt,
dass eine Theilung des von mir unter dem Namen Centaurea variegala zusammengefassten Formencom-
plexes in weitere Arten nicht durchführbar ist. Wenn auch extreme Formen weit voneinander verschieden
sind, so sind sie doch durch zahlreiche Mittelformen verbunden und vor allem geographisch nicht scharf
geschieden. Centaurea stricta W.K. aus den Karpathen ist mit C. Seusana Chaix aus der Dauphine nicht
zu verwechseln, doch kann man wieder in den Karpathen Formen finden, die solchen aus den franzö-
sischen Alpen vollkommen gleichen. Es ist nicht zu leugnen, dass in bestimmten Gebieten bestimmte
Formen vorherrschen, doch findet man anderseits wieder in den entferntesten Gegenden vollkommen
übereinstimmende Exemplare. Einzig und allein Centaurea atrata Willd. (C. cana Sibt. et Sm.) möchte
ich von den mittel- und südosteuropäischen Formen specifisch trennen, da sie, wenn auch durch Über-
gänge verbunden, doch ein geschlossenes Verbreitungsgebiet bewohnt. Alle andere Formen (die spa-
nischen sowie die asiatischen Formen z. B. C. cheiranthifolia W. u. a. ausgenommen) möchte ich nur als
Formen einer Gesammtart erklären: Wir können annehmen, dass C. variegata Lam. eine Pflanze ist, die
eben jetzt im Begriffe steht, geographische Rassen zu bilden, deren Sonderung aber noch nicht vollstän-
dig vollzogen ist.
Die zahlreichen Formen lassen sich am besten folgendermaßen gruppieren:
o) Seusana Chaix ap. Vill,, Hist. d. plant. d. 1. Dauph., I, p. 365 (1786).
Stengel niedrig, bis zu dem Köpfchen beblättert; Blätter lanzettlich, meist ganzrandig, schmal und
kurz herablaufend, dicht grau oder weißfilzig. Köpfchen einzeln, endständig, Fransen der Hülle oft fast
schneeweiß, strahlende Blüten azurblau. Besonders in den südwestlichen Alpen, im Gebiete nur in
annähernden Formen in Südtirol. C. atrata W. unterscheidet sich von dieser Form nur durch tief
schwarze, glänzend weiß gefranste Anhängsel der Hüllschuppen und den oberwärts meist nackten
Stengel.
ß) nana Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 74 pro var. Cyani variegati (C. variegatus o. rupestris
Baumg,, l.c., Centaurea Seusana und «» nana Schur, Enum. pl. Transs., p. 405, C. axillaris x floccosa
Schloss. et Vuk., Fl. croat., p. 758).
Stengel niedrig, aufrecht oder aufsteigend, einfach oder ästig. Blätter lanzettlich, ganz oder die
unteren buchtig gezähnt, graufilzig. Hüllschuppen braun oder schwärzlich mit hellen Fransen, Strahlblüten
EEE
3
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 6583
blau oder violett. Hieher auch Übergangsformen zu C. atrata Willd. Besonders in Bosnien, Hercegovina
und Siebenbürgen.
(y adscendens Bartl. in Bartl. et Wendl., Beitr. z. Bot., p. 121 (C. axillaris ß carniolica Koch et autor.
non Host!),
Stengel aufrecht oder aufsteigend, einköpfig, niedrig oder bis 50 cm hoch. Blätter lanzettlich bis
lineal, ganzrandig (9 indivisa Vis., Fl. Dalm., II, p. 33 pro var. C. montanae, a. integrifolia Neilr., die
Veg. Verh. v. Croatien, p. 88) oder die unteren (ß diversifolia Neilr., 1. c.) oder selbst alle (ß sinuata Vis.
l. ec.) grob buchtig gezähnt mit 2—4 Zähnen beiderseits. Blätter oberseits meist ganz kahl und glänzend,
unterseits meist dicht grau filzig, kurz herablaufend. Anhängsel der Hüllschuppen braun, hellgefranst
oder nur blassbräunlich (C. axillaris 8 ochrolepis Schloss. et Vuk., Fl. Croat., p. 753). Strahlblüten blau
oder oft violett oder purpurn. Eine sehr auffallende, besonders im Karstgebiete, in Krain und Südsteier-
mark vorherrschende Form, die aber auch in Siebenbürgen und selbst in Niederösterreich (Eisernes Thor
bei Baden!) vorkommt und durch zahlreiche Mittelformen mit den übrigen Formen verbunden ist.
2
8) Transsilvanica Hayek.
Stengel bis 30 cm hoch, schlank, einköpfig. Blätter lanzettlich, kurz’ herablaufend, beiderseits
schwach filzig, hellgrün. Köpfchen klein, Anhängsel der Hüllschuppen hellbraun mit weißen Fransen
Strahlblüten violett oder purpurn. — Siebenbürgen (Billak, leg. Barth!).
e) stricta Waldst. et Kit., Icon. plant. rar. Hung,., Il, p. 194, Tab. 178.
Stengel hoch, aufrecht, ein- bis mehrköpfig. Blätter lang herablaufend, aufrecht, weiß filzig, schmal
lanzettlich, ganzrandig. Hüllschuppenanhängsel meist hell, Strahlblüten blau. In so ausgeprägten Formen
wie sie Waldstein und Kitaibel abbilden, selten, häufig hingegen in Übergangsformen zu den Formen
adscendens, Transsilvanica und axillaris, besonders in den Karpathen.
£&) axrillaris Willd., Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2290.
Stengel niedrig oder bis ca. 40 cm hoch, meist mehrköpfig. Blätter breit und lang (meist bis über
das nächst untere Blatt) herablaufend, breitlanzettlich bis eiförmig, ganzrandig oder die unteren buchtig
gezähnt, graufilzig. Anhängsel der Hüllschuppen meist schwarz mit dunklen, seltener fast weißen Fransen
(f. gracillima Beck, Fl. v. N.-Ö,, II, p. 1259), seltener hell (f. leucaspis Beck, 1. c.). Die im Gebiete nörd-
lich der Alpen weitaus vorherrschende Form, die aber auch, zum Theile in Übergängen zu den übrigen
Formen in Südtirol (Monte Baldo!), in Krain und im Litorale (Triest!) und in ganz Ungarn vorkommt und
in annähernden Exemplaren wohl im ganzen Verbreitungsgebiete der Gesammtart zu finden sein dürfte.
6) Triumfetti All. Fl. Pedem., p. 158.
Reichästig. Blätter lanzettlich, meist buchtig gezähnt. Hüllschuppenanhängsel meist dunkel mit
hellen Fransen. Die vorherrschende Form der Appeninenhalbinsel, die aber ab und zu auch im südlichen
Theile der Monarchie vorkommt.
Alle hier angeführten Formen unterscheiden sich von Centaurea montana L. und ihren Verwandten
(€. Lugdumensis Jord. und C. intermedia Lej.) durch die breiteren, kürzer herablaufenden, gegen den
Rand zumeist helleren, länger gefransten Anhängsel. Meist sind auch die Blätter von ©. montana L.
größer, mehr grün, nur mit einem lockeren, hinfälligen Filz bedeckt, doch werden diese Unterschiede bei
kleinblätterigen Formen der letzteren, zum Beispiel der f. Raxensis Beck, undeutlich; während die Form
der Hüllschuppen constant ist. Durch letztere unterscheidet sich C. variegata Lam. auch von der manch-
mal ähnlichen €. mollis W. K.
83*
654 Augustv.Hayek,
Ich bringe den Namen Centaurea variegata Lam. für die ganze Formengruppe in Anwendung, weil
er der älteste ist, der für eine Form derselben gebraucht wurde. Allerdings hatte Lamarck ursprünglich
nur die Form vor Augen, die Chaix später als Centaurea Seusana beschrieben hat. Der Name C. axilla-
ris Willd. bezieht sich aber ebenfalls nur auf die breitblätterigen, mehrköpfigen Formen, wie aus Wilde-
mows Beschreibung und seinem Herbar hervorgeht, wenn er auch C. variegata Lam. und C. Seusana
Chaix. als Synonyme beifügt. Später kam von den deutschen Autoren zumeist der Name Willdenows,
von den französischen der Lamarcks in Anwendung, und ich halte letzteres Vorgehen, weil der Name
C. variegata um 22 Jahre älterer ist als C. axrillaris, für das richtige.
Viele Autoren bezeichnen die Formen der C. variegata Lam. mit buchtig gezähnten Blättern als
C. Carniolica Host. Die Anwendung dieses Namens in diesem Sinne ist ganz falsch. Host! stellt seine
C. Carniolica zwischen C. paniculata und C. nigrescens und gibt von ihr eine ausführliche Beschreibung,
die ganz deutlich zeigt, dass er unter diesem Namen jene Pflanze verstand, die Bernhardi unter dem
Namen C. Vochinensis vertheilt hatte. Host’sche Originalexemplare haben mir auch die Richtigkeit dieser
Deutung bewiesen. Host erwähnt aber Hladnik als des Entdeckers dieser neuen Form, und Koch, der
von Hladnik ein Exemplar von €. variegata Lam. unter der Bezeichnung C. Carniolica erhielt, zog nun
auf Grund dieses Gewährsmannes C. Carniolica Host als Form zu €. axillaris, und ihm sind alle spä-
teren Autoren, offenbar ohne die Angaben Hosts nachzulesen, gefolgt. Nur Pospichal macht hierin
eine Ausnahme und sucht sich dadurch aus dem Dilemma zu ziehen, dass er in der »Flora des öster-
reichischen Küstenlandes«, Il, auf S. 923 eine Form von C. axillaris als »Carniolica Host, Fl. Austr., I,
517« bezeichnet, dann aber auf S. 932 C. Carniolica Host, Fl. Austr., II, 517 als Synonym zu Centaurea
nigrescens ß Vochinensis zieht!
Pospichal führt unter den Formen von C. axillaris W. auch €. Fischeri W. auf. Letztere ist jedoch
mit C. montana L. näher verwandt und scheint eine dieselbe im Kaukasus vertretende Parallelform zu sein,
Hingegen glaube ich, dass Centaurea Menteyerica Chaix apud Vill., Hist. d. pl. d. 1. Dauph,, I, p. 865,
eine rothblühende Form von €. variegata Lam. ist. Die dort gegebene Beschreibung ist allerdings sehr
kurz und unklar, soviel aber ist sicher, dass er nicht, wie neuerdings manche Autoren annehmen, C. alpe-
stris Heg. darunter verstanden hat. Wenn nicht, wie gesagt, eine Form von C. variegata Lam. darunter
zu verstehen ist, wäre vielleicht noch an eine Pflanze aus der Verwandtschaft der C. jacea mit gefransten
Anhängseln zu denken.
26. Centaurea montana Linn&, Spec. plant., Ed. I, p. 911 exl. ß (1753).
Perennis. Rhizoma repens, internodiis elongatis, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strietus
ad 80 cm altus, plerumque simplex, rarius apice ramo uno alterove monocephalo praeditus, tomentoso-
lanatus. Folia basalia et caulina inferiora breviter petiolata, media et superiora longe alato decurrentia,
Ovata, magna, acuta, integerrima, saturate viridia et in pagina inferiore tomento floccoso deciduo obtecta,
in pagina inferiore insuper pilis adpressis sparsim pilosa. Capitulum in apice caulis singulare, breviter
pedunculatum, ovatum, ca. 25 mm longum et 12 mm latum. Squamae anthodii virides, inconspicue stri-
atae, omnes cum appendicibus triangularibus utrinque usque ad basim fere squamarum in marginem
nigram ca. | mm latam pectinato-fimbriatam fimbriis ca. 1 mm longis decurrentibus. Corollae violaceae,
antheris cyaneis, marginales radiantes, valde elongatae, cyaneae, rarius roseae vel albae. Achenia 51), mm
longa, pilosula, hylo non barbata vel ciliata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima con-
nivens, exterior erecta ®/,—1'/, mm longa, albida. Floret Julio.
1 Flora Austriaca, II, p. 517 (1831).
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 655
Synonyme.
Centaurea montana Linne, Spec. plant., Ed. Il, p. 1289 excl. ß (1763). — Vill., Hist. d. plant. d. 1.
Dauph., III, p. 51 (1790). — Host, Syn. plant. in Austr. cresc., p. 475 (1797). — Willd, Spec. plant.,
Ed. IV, 3, p. 2190 (non Herbar) (1800).!
Cyanus mollis Presl, Fl. Cech., p. 179 (1819).
Centaurea montana Host, Fl. Austr., II, p.518 (1831). — Rchb., Fl. Germ. exc., p. 215! (1832).— De
Cand., Prodr. Syst. veget., VI, p. 578 pro parte (1837). — Koch, Syn. fl. germ. et Helv., Ed. I, p. 411 excl.
Syn. (1837). — Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl, p. 303 (1844). — Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. II,
p- 472 (1844).
Centaurea montana a viridis Neilr., Fl. v. Wien, p. 257! (1846).
Centaurea montana Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 136 pro parte (1848). — Gren. et
Godr., FI. frang., II, p. 248 (1850). — Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 495! (1851). — Hinterh., Prodr. e. Fl. v.
Salzb., p. 123! (1851). — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 24 (1852).
Cyanus mollis a. strictus Opiz, Sezn. rostl. kvet. Cesk., p. 35 (1852).
Centaurea montana Wimm,, Fl. v. Schl., Ed. III, p. 274 pro parte (1857).
Centaurea montana a viridis Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 380! (1859).
Centaurea montana a. genuina Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm., p. 252 (1867).
Centaurea montana Garcke, Fl. v. Nord- u. Mittel-Deutschl., Ed. VIII, p. 233 pro parte (1867). —
Sauter, Fl. d. Herzogth. Salzb., p. 83! (1868). — Maly, Fl. v. Steierm., p. 101 (1868).
Centaurea montana a, viridis Duftschm,, Fl. v. Ober-Österr., p. 508 (1871).
Centaurea montana Nym., Consp. fl. Europ., p. 423 (1878—82).— Fieck, Fl. v. Schles., p. 246 pro
parte (1881). — Garcke, Flora v. Deutschl, Ed. XV, p. 240 pr. p. et excl. l. (1885). — Gremli, Excur-
sionsfl. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 152 (1889).-- Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1258! (1893).— Hal, Fl. v.
- Nieder-Österr., p. 299! vn — Fritsch, Excursionsfl., p. 597 (1898). — Pospich., Fl.d. österr. Küstenl.,
II, p. 922 (1899).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 40. — Taf. VII, Fig. 1.
Exsiccaten.
Reichenb,, Exsicc., Nr. 824. — Billot, Fl. Gall. et Germ. exs., Nr. 2698.
Verbreitung.
In Wäldern der subalpinen und Bergregion der Alpen, sowie des deutschen und französischen Mittel-
gebirges, auch in Bosnien, mit Vorliebe auf Kalkboden.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich: Schneeberg, zwischen Krummholz am Kuhwege, Beck (H. Beck). Schnee-
berg, Hayne -(H.H.M.), Portenschlag (H.H.M.), Haläcsy (H. Beck). Saugraben am Schneeberg,
Beck (H. Beck). Weg vom Lackaboden zum Schneeberg, H. Braun (H.H.M.). Alpleck des Schneeberges,
Preissmann (H.P.). Alpel bei Reichenau, Haläcsy (H. Hal.). Schwabenwiese in Buchberg, Brandmayr
(H. z.b.G.). In montosis subalpinis prope Gutenstein, Zahlbruckner (H. U. P.). Baden, Eingang in den
Mardergraben, Reber (H.H.M.). Rauhenstein bei Baden, Neilreich (H.H.M.). An Bergabhängen vor
den Krainerhütten im Helenenthale, Neilreich (H. H.M.). Sonnwendstein, Sonklar (H. U.W.). Raxalpe,
1 In Willdenows Herbar liegt unter C. montana eine Pflanze aus dem Formenkreise der C. variegata Lam.
1
Sonklar (H.U. W.). Im Geflötz der Raxalpe, Neilreich (H.H.M.). Weißenbachgraben bei St. Esyd, H
Fehlner (H.H.M.). Weg von Hohenberg zur Reisalpe, Ronniger (H.Hal.). Im oberen Griesthal am j
Unterberg, Beck (H. Beck). Drauchberg bei Schwarzau, Brandmayr (H. z. b. G.). Großer Ötscher, Beck |
(H. Beck). Voralpe, Beck (H. Beck). Klaus bei Waidhofen a.d. Ybbs, Glatz (H.H.M.). Lunz. leg.? (H.
K.). Isperthal bei Persenbeug, Rauscher (H.F.1, H.K.).
656 Augustv. Hayek,
Ober-Österreich: Reichraming, Steininger (H. U.W., H.P..Z.). Linz, Boits (H.U.P.). Traun-
auen unterhalb Lichtenegg bei Wels, leg.’ (H.K.). Wald bei Schwertberg, Keck (H. Rk.\. Höfl bei Aisters-
haim, Keck (H.Kk.). Traunstein, Rottenberg (H.B.). Traunkirchen, Krenberger (H. Hal.). Griesberg
bei Mondsee, Hinterhuber (H. z. b. G.). |
*
!
)
Salzburg: Um Salzburg, Hinterhuber (H.U.P.), Sauter (H.Szbg, H.Kk.). Waldränder bei
Salzburg, Eysn (H. U. W.). Kapuzinerberg bei Salzburg, Mielichhofer (H.E.), Hinterhuber (H. Szbg.),
Fritsch sen. (H.Fr.). Am Fuße des Untersberges bei Glanegg, Beck (H. Beck). Untersberg, bei der
Kugelmühle, Hinterhuber (H. E.), Hoppe (H.H.M., H. Kk.). Gaisberg bei Salzburg, Stohl (H. Szbg.).
Wälder bei St. Gilgen, Hayek. Am Saume der Laubwälder bei Lofer, Spitzel (H.E. H.B., H.H.M.),
Hayek. i
Tirol: St. Johann in Tirol, Traunsteiner (H.F.1.). Kitzbühel, Traunsteiner (H.F.]I.). Scharnitz t
bei Seefeld, A. Kerner (H.K.). Abfälle der Seekarspitze gegen den Achensee, A. Kerner (H.K.). Ein-7
gang in das Authal am Achensee, Kerner (HR.). Achenthal, A. Kerner (H.K.). Vorberge des Sonnwend-
joches bei Jenbach, A. Kerner (H.K.). Meissner, Ebner (H.K.). Am Säuling bei Vils, Kink (H. En.
Rossberg bei Vils, Ebner (H.K.). Fiennone, in der Region des Mais bis über die Baumgrenze, zum Bei- j
spiel auf den Alpenwiesen Lussia, Facchini (H.H.M.). Paneveggio, Eichenfeld (H.P.).
Kärnten: In alpibus Carinthiae, Dolliner (H. H.M.). Kühweger Alpe, Ullepitsch (H. Hal.). Flatt-
nitz, Prettner (H.J.G.). Hochobir, Südseite, See-Alpe bei 1800 m, in Legföhrendickichten, Sabidussi
(H.Klgf.). Oisternik im Gailthal, Jabornegg (H.Klgf.). Napala-Alpenwiesen ober Weißbriach, Kohl
mayer (H. Rlgf.). j
Steiermark: Raxalpe, unter den Raxenmäuern, Beck (H. Beck). Erlaf-See bei Maria-Zell, Preiss-
mann (H.P.). Dullwitz bei Seewiesen, Preissmann (H.P.). Erzberg bei Eisenerz, Krenberger (H. Hal.). ü
Admont, Stohl (H.P. Z., H.Hal.). Kalbling bei Admont, Strobl (H.J.G.). Scheibelegger Alpe bei Admont, {
Kremer (H.z.b. G.). Stubalpe, Hengstenhalt, Pittoni (H.H.M.). Lantsch, Pittoni (H.H.M.), Schöckel,
leg.? (H. Klef.). Gebirgswälder auf der Mrzlica, Kocbek (H. U. W.). Ushova, E. Weiß (H.z.b. G.). j
H.M.).
Litorale: Am Berge Stodor bei Capden (Chiossovano), Tommasini (H.z.b.G.). Wiesen am Mersly-
Krain: Krain, Dolliner (H.H.M.). Steiner-Alpen, leg.’ (H.H.M.). Am wilden See, Pittoni 7
Vrch bei Tolmein, Kremser (H. z. b. G.).
Bosnien: Lisina planina, Beck (H. Beck). Grinec planina, Bez. Petrovac, Fiala (H. Beck). BR
Südseite gegen die Peltakorica, Brandis (H. Ser.). !
D
Centaurea montana L. unterscheidet sich vongC. mollis W.K. durch die länger gefransten Hüll- }
schuppen, weiter herablaufende Blätter von zarterer Consistenz und hinfälligem Filz, sowie das ver
weit umherkriechende Rhizom; von C. Lugdunensis Jord. und C. intermedia Leg. durch bedeutend brei-
tere Blätter, von €. Fischeri W. durch den schmäleren schwarzen Rand der Hülschuppen, kleinere Köpf-
chen, höheren Wuchs und zartere Blätter, von C. variegata Lam. endlich durch das kriechende Re
größere Köpfchen und den schwarz gefärbten und kürzer gefransten Rand der Hüllschuppen, sowie die
größeren, tiefgrün gefärbten Blätter.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 657
An sonnigen, trockenen Stellen höherer Lagen findet man ab und zu Individuen mit kürzeren und
‚schmäleren Blättern; solche Exemplare erinnern dann im Habitus an C. variegata Lam.; Beck! hat sie
als f. Raxensis bezeichnet. In Südtirol und Kärnten kommen ferner nicht selten Exemplare vor, deren
Blätter so lang, aber bedeutend schmäler (2—3 cm breit) als bei der gewöhnlichen Form sind; diese sind
schon als Annäherungen an C. Lugdımensis Jord. und C. intermedia Lej. anzusehen. Ich schlage für
diese Form, die u. a. auch von Eichenfeldt bei Paneveggio gesammelt wurde, den Namen f. Eichen-
feldtii vor.
| Die älteren Autoren, besonders Neilreich, waren der Ansicht, dass C. variegata Lam. nur eine
durch den niedriger gelegeneren und trockeneren Standort erzeugte Varietät von C. monlana L. sei. Durch
Culturversuche hat aber Beck sich die Überzeugung verschafft, dass das Artrecht von €. variegata Lam.
(resp. C. axillaris W.) zweifellos sei. In seinem Herbare liegen im Garten cultivierıte Exemplare von
C. axillaris W. auf, die allerdings größer und üppiger sind als die meisten wildwachsenden; die charakte-
ristischen Mefftmale der Art jedoch, die kürzeren, mehr graufilzigen Blätter, sowie der länger gefranste,
dunkle Rand der Hüllschuppen, sind constant geblieben.
27. Centaurea mollis Waldst. et Kitaibel apud Besser., Primit flor. Galic. Austr., II, p. 207 (1809).
Perennis. Rhizoma longe repens, internodiis elongatis, ramosum, stolones subterraneos ferens, Cau-
lis erectus, strictus, ad 80 cm altus, angulatus, cano-tomentosus, simplex, vel rarius in parte superiore
ramo uno alterove praeditus. Folia basalia et caulina inferiora breviter petiolata, caulina media et superiora
sessilia, breviter decurrentia, ovata, acuta, integerrima, magna. Folia saturate viridia, in pagina inferiore
dense cano-tomentosa tomento plerumque persistente, rarius deciduo, in pagina superiore setulis minimis
obtecta et plus minusve arachnoideo lanata. Capitulum in apice caulis (vel ramorum) singulare, breviter
petiolatum, ovatum, 25—30 mm longum et 15—20 mm latum. Squamae anthodii virides, inconspicue stri-
atae, glabrae, omnes cum appendicibus triangularibus nigris in marginem nigram 1—!/, mm latam usque
ad basim fere sguamarum decurrentibus, apice et in exterioribus margine etiam pectinato-dentatis, denti-
bus ca. !/, mm longis. Corollae disci violaceae antheris cyaneis, marginales radiantes valde elongatae azu-
reae. Achenia 5 mm longa, pilosula, umbelico non barbata vel ciliata, papposa. Pappus biserialis, series
interior connivens brevissima, exterior albida 1—1'/, mm longa. Floret Julio.
Synonyme.
Centaurea mollis Waldst. et Kit, Descr. et Icon. plant. rar. Hung,, III, p. 243 (1812).
Centaurea montana «. Wahlenbg,., Fl. Carpat., p. 279 (1814).
Cyanus montanus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 73 (1816).
Centaurea mollis Günth., Grab., Wimmer, Enum. stirp. phan. Siles., p. 144 (1824).
Centanrea azillaris Wimm. et Grab,, Flor. Siles., II, p. 113 (1829).
Centaurea montana Rohr. et Mey., Vorarb. zu e. Fl. d. mähr. Gouv., p.171 (1835).
Centaurea mollis Zawadzki, Fl. d. Stadt Lemberg, p. 125 (1836).
Centaurea montana De Cand.,, Prodr. Syst. veg., VI, p. 578 pro parte (1837). — Sadl., Flor. Com.
Pest, Ed. II, p. 408 (1840). — Maly, Enum. plant. Imp. Austr., p. 136 pro parte (1848). — Wimmer, Fl.
v. Schles., Ed. III, p. 274 pro parte (1857). — Schur, Enum. plant. Transs., p. 405 (1866).
Centaurea montana a. maior Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 123 (1866).
Centaurea montana Garcke, Fl. v. Nord- u. Mittel-Deutschl, Ed. VIII, p. 233 pro parte (1867). —
Schloss. et Vukot,, Fl. Croat., p. 751 (1869).
Centaurea mollis A. Kern., Die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in öst. bot. Zeit-
'schr., p. 116, Sep. p. 276 (1872).
ı Fl.v Nieder-Österr., II, p. 1258.
658 Augnustv. Hayek,
Centaurea montana 9. viridis Knapp, Die bish. bek. Pflanz. Galiz. u. d. Bukow., p. 144 (1872).
Centaurea montana Brandza, Prodr. Fl. Rom., p. 303 (1879—83). — Fieck, Fl. v. Schles., p. 246
pro parte (1881). — Oborny, Fl. v. Mähr. u. Öst.-Schles., I, p. 698 (1885). — Garcke, Fl. v. Deutschl,
Ed. XV, p. 240 pro parte et excl. b. (1885).
Centaurea mollis Simonk., Enum. fl. Transs., p. 348 (1886).
Centaurea Carpatica Forman. in österr. bot. Zeitschr, XXXVII, p. 137 (1887).
Centaurea Javornikensis Forman. in österr. bot. Zeitschr, XXXVII, p. 220 (1887).
Centaurea montana Sag. et Schneid., Fl. d. Central-Karp., p. 251 (1891).
Abbildungen.
Waldst. et Kit., Descr. et Icon. pl. rar. Hung,, III, Tab. 219. — Taf. VII, Fig. 2.
Verbreitung.
In Wäldern und auf Wiesen in der Berg- und Voralpenregion Kroatiens, sowie der gesammten Kar-
pathen.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Schlesien: Teschen, Kotschy (H.H.M.), Köchel (H.H.M.).
Galizien: Wiesen bei Tartarow, Rehmann (H.B.). Hryniawa, Wotoszczak (H. U. W.), BYocki
(H. Hayek). Feuchte Bergwiesen bei Hryniawa am weißen Czermocz, WoFoszczak (H.z.b. G.). Jablanica
Carp. orient, BYocki (H. B.).
Bukowina: Wiesen bei Jerkoutz, Herbich (H. z.b. G.). In valle subalpina Bodosch ad ripas flumi-
nis Bistritza, Herbich (H. z. b. G.).
Siebenbürgen: Alpes Rodnenses, Czetz (H.z.b.G.). In monte Zepej-prst alsö Rakös, Baum-
garten (H. U. W.).
Ungarn: In monte Malenitza, Com. Trenesin, Rochel (H.U.P., H.J. G., H. U. W., H. z. b. G.). Piliser
Berg, A. Kerner (H.K.). In monte Tarkö prope pagum Szilvas, Com. Borsod, Vrabelyi (H.K.). In monte
Szäntö, Läng (H.H.M.). Im Kupferschachtenthale im Tatra-Gebirge, Kugler (H.B.). Kalkfelsen am
Drexelhäuschen, Scherfel (H.H.M.). Voralpen der Marmaros, leg.? (H.H.M.). f
Kroatien: In monte Kalnik, Vukotinovic (H.P.Z.), Borbäs (H.K.). Auf Felsen um RKalnik und
Somobor, Schlosser (H.z.b.G.). Auf den Bergen der Trancica, Hirc (H. U. W.).
Centaurea mollis W.K. vertritt im Gebiete der Karpathen, sowie in Kroatien die westlichere ©. mon-
tana W.K. und findet sich nach Angabe der Autoren auch in den mährischen Karpathen, doch habe ich °
aus diesem Lande keine Exemplare gesehen. In Österreichisch-Schlesien scheint im westlichen Landes-
theile ©. montana L., im östlichen €. mollis W.K. vorzukommen. €. mollis W.K. unterscheidet sich von
C. montand L. durch die kaum gefransten, sondern nur gezähnten Hüllschuppen, kürzer herablaufende,
unterseits meist bleibend geschlossene graufilzige Blätter und das weit umherkriechende, Ausläufer trei-
bende Rhizom. Ab und zu finden sich Exemplare, bei denen der Filz der Blattunterseite später schwindet,
sie sind vielleicht Erzeugnisse eines besonders schattigen und feuchten Standortes. 1
28. Centaurea pinnatifida Schur, Enum. plant. Transs., p. 405 (1866).
Perennis. Rhizoma tenue, repens, pleiocephalum. Caulis ascendens, ad 40 cm altus, simplex, cano-
tomentosus, in parte inferiore dense foliosus, in superioribus ?/, nudus. Folia basalia et caulina inferiora
petiolata, lanceolata, in petiolum attenuata, integra vel pinnatiloba dentibus utringque 2—3, caulina media
basi attenuata, sessilia, lanceolata, acuta, superiore ad caulem plus minusve longe decurrentes. Folia in
pagine superiore viridia, parce pilosa, in pagina inferiore cano-tomentosa. Capitulum in apice caulis sin-
- Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 659
sulare, longe petiolatum, late ovatum, 22 nm longum et 18 mm latum. Squamae involucri virides, estri-
atae vel inconspicue striatae, appendicibus non obtectae. Appendices squamarum triangulares, 3 amın
— longae, ad marginem usque ad basin fere squamarum 2—3 mm late decurrentes, nigrae, pectinato-fimbri-
atae, fimbriis utringue 10— 14 nigris, latitudine marginis nigrae paulo longioribus. Corollae disci violaceae,
marginales azureae, radiantes. Achenia 4!/, mm longa, puberula, hylo non barbata, papposa. Pappus
biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta albida 1—1!/, mm longa.
1 Abbildung.
/ Taf. VII, Fig. 3.
Verbreitung.
Zerstreut in der Alpenregion der östlichsten Karpathen.
-
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Bukowina: In monte Rareu prope Kimpolung, Dörfler (H. Hal.).
| Siebenbürgen: Zwischen Granitza-Strenga und la Czid auf dem Bucsecs, Kotschy (H.H.M).
In alpe Korongyis prope Rodna, Czetz (H. Hal.).
C. pinnatifida Schur ist durch den in der oberen Hälfte blattlosen Stengel und die schmalen Biätter
sehr ausgezeichnet. Von C. montana L. und C. mollis W.K. unterscheidet sie sich durch die angeführten
Merkmale; von schmalblätterigen Formen der ©. variegata Lam. durch den oberwärts nackten Stengel, die
langgestielten unteren Blätter und die schwarzen und kürzeren Fransen der Hüllschuppen.
Centaurea montana L. und C. mollis W.K. sind zwei Arten, die heute als Charakterpflanzen der
_ höheren Berg- und subalpinen Region gelten können. Beide Arten stehen einander sehr nahe und substi-
tuieren einander in aneinander stoßenden Gebieten. Bei ihrer auf die höheren Gebiete Mittel-Europas
beschränkten Verbreitung und den von ihnen bewohnten Standorten können wir annehmen, dass diese
beiden Arten auch zur Eiszeit in Mittel-Europa vorgekommen sind. Anders liegen die Verhältnisse bei
C. variegata Lam. Das Verbreitungsgebiet dieser Art umschließt im Süden, Osten und Norden bogenförmig
u na, DEE
die Alpen, reicht nordwestlich nicht über München hinaus, und nur im Süden steigt C. variegata bis au!
die Gipfel der Alpen, während sie im Norden auf Vorberge derselben beschränkt bleibt.
Wir haben hier ein Beispiel vor uns, in welchem die Eiszeit augenscheinlich einen sehr eingrei-
R fenden Einfluss auf die Artenbildung gehabt hat. C. montana L., C. mollis W. K. und C. variegata Lam.
; stehen einander morphologisch sehr nahe, und est ist wohl zweifellos, dass sie von einer gemeinsamen
Stammform abstammen. Diese Stammform dürfte vor der Glacialperiode ganz Mittel- und Süd-Europa be-
wohnt haben. In der Zeit der großen Vergletscherung wurde die Art aus den Alpen und Karpathen verdrängt
und blieb nur in Osten und Süden, ein kleiner Theil nur noch in Mitteleuropa erhalten. Durch dieses Ausein-
anderdrängen der Pflanzen auf zwei damals dem heterogensten Klima unterliegende Standorte, die eisfreien
Gebiete Mitteleuropas einerseits, Süd-Europa anderseits, war der Anstoß zur Differenzierung in zwei Arten
gegeben. Mit dem Zurückweichen der Gletscher kehrte die eine dieser neuen Arten in die früher von ihr
— bewohnten Gebiete zurück und schied sich erst später in eine östliche und in eine westliche Form,
€. montana Lam. und C. mollis W.K. Viel später erst, nachdem die als Eiszeit bezeichnete Periode
. wieder zu Ende war, drängte die andere, südliche und östliche Form nach Norden und Westen vor. Diese
_ Form hatte inzwischen auch von den Gebieten Süd-Europas und Ost-Asiens Besitz ergriffen und dort selb-
: ständige geographische Rassen gebildet, als welche wir C. lingulata Lag. auf der Pyrenäen- und
j C. atrata W. auf der Balkanhalbinsel betrachten können. Durch dieses Vordringen nach Norden und
Osten in klimatisch und geologisch verschiedene Gebiete war aber neuerdings ein Anlass zur Differenzie-
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 84
660 Augustv. Hayek,
rung in weitere Formen gegeben. Dieser Differenzierungsvorgang ist aber noch lange nicht abgeschlossen,
sondern befindet sich im Gegentheile in vollem Gange, wodurch wir uns den colossalen Formenreich-
thum von C. variegata, sowie das Vorherrschen gewisser Formen in bestimmten Gebieten, ohne dass selbe
einander gegenseitig ausschließen würden, erklären können.
Centaurea pinnatifida Schur ist meiner Ansicht nach eine Form, die sich in späterer Zeit infolge
des alpinen Standortes aus C. mollis W. K. entwickelt hat.
4. Section. Pannophyllum.
Anhängsel der Hüllschuppen wehrlos oder nur die Mittelfranse etwas kräftiger, kurz oder mäßig
herablaufend, die Nägel niemals verdeckend. Blätter meist mehr minder zertheilt, stets (mit Ausnahme
von C. crithmifolia Vis.) mehr minder dicht grau bis schneeweiß filzig.
A) Cuspidatae. Anhängsel kurz herablaufend, dreieckig lanzettlich, in eine pfriemliche Spitze vor-
gezogen. Blätter oft wenig getheilt oder selbst ganz, grau bis weißfilzig.
29. Centaurea cuspidata Visiani in Flora, XI, 1, Erg. Bl., p. 22 (1829).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, ad 30 cm
altus, flexuosus, simplex vel in parte superiore in ramos 2—3 simplices divisus, cano-tomentosus. Folia
basalia longe petiolata, obovato-lanceolata, in petiolum longe attenuata, cartilagineo-mucronata integerrima
vel remote denticulata vel basin versus plus minusve profunde dentata. Folia caulina inferiora petiolata,
ovato-lanceolata, integerrima vel dentata, media et superiora sessilia, ovato-lanceolata, cartilagineo-mucro-
nata, integerrima. Folia omnia subcoriacea, in pagina superiora viridia, glabra vel parce floccosa, in pagina
inferiore cano-tomentosa. Capitula in apice ramorum (vel caulis) singularia, ovato-globosa, 14 mm longa
et 12 mm lata. Squamae anthodii virides, appendicibus non obtectae, inprimis interiores nervoso 5 striatae.
Appendices seriei intimae scariosae fuscae, apice dentatae, in marginem scariosam pellucidam decurrentes;
caeterum serierum triangulares in apicem subulatam recurvam cuspidatae, nigrae, pectinato - fimbriatae
fimbriis superioribus utrinque 4—6 liberis, inferioribus in auriculam scariosum pellucidam confluentibus.
Corollae violaceae, marginales radiantes. Achenia 11/),—3 mm longa, pallide fusca, pilosula, umbelico non
barbata, papposa. Pappus biserialis, albus, series interior brevissima connivens, exterior erecta fructu paulo
longior.
Synonyme.
Centaurea cuspidata De Cand., Prodr. syst. veget., VI, p. 602 (1837). — Visiani, Fl. Dalm., II,
p. 34 (1837). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848). — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et
Helv. XV, p. 21. — Schloss. et Vukot, Fl. Croat., p. 745 (1869). — Nym., Consp. Fl. Europ., p. 423
(1878—82).
Abbildungen.
Visiani, Fl. Dalm., II, Tab. II. — Reichenb. fil, Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 33, Fig. 2
(schlecht). — Taf. II, Fig. 11.
Exsiccaten.
Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 3427.
Verbreitung.
Bisher nur in Dalmatien bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien: In Felsritzen an der Südseite des Mte. Biokowo bei Macarsca. Pichler (H.z.b.G., H.
I, HRk, ErHal. HU W;):
Centaurea-Arten OÖsterreich-Ungarns. 661
B) Argenteae. Anhängsel kurz herablaufend, kämmig gefranst. Blätter mehr minder tief fiederspaltig,
schneeweiß filzig. Armästige Arten mit gelben Blüten.
30. Centaurea Ragusina Linne£, Spec. plant. Ed. I, p.912 (1753).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, angulatus,
albo-tomentosus, simplex. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, pinnatifida, segmentis utrinque 5—7
ovatis obtusis integris vel sinuato - dentatis vel pinnatilobis, caulina media breviter petiolata, subito
decrescentes, pinnatisecta, caulis in parte superiore nudus. Folia omnia utrinque dense adpresso-candido-
tomentosa. Capitula in apice caulis singularia vel bina ternave sessilia, hinc inde etiam unum abortivum in
axilla folii caulini supremi, globosa, 18—25 mm longa et lata, terminali plerumque maiore quam laterali-
bus. Squamag, anthodii ovatae, pallidae, plus minusve albo-tomentosae. Appendices intimae seriei ovatae,
scariosae, pallide fuscae, caeterum triangulares breves ad marginem breviter decurrentes fuscae vel
nigricantes albo-floccosae, pectinato-fimbriatae fimbriis ca. 2 mm longis utrinque 4—8, terminali saepe
validiore spinuliforme recurva. Corollae flavae, marginales non radiantes. Achenia 4 mm longa, pallide
grisea, puberula, hylo non barbata, papposa. Pappus biserialis, albus, series interior brevissima con-
nivens, exterior erecta fructu paulo longior.
Synonyme.
Centaurea Ragusina Linne£, Spec. plant. Ed. II, p. 1290 (1763).
Cyanus Ragusinus Gärtner, De fructib. et seminib. II, p. 39 (1791).
Cyanus rotundatus Mönch, Method., p. 561 (1794).
Centaurea Ragusina Willd., Spec. plant. Ed. IV, 3, p. 2294! (1800). — Host, Fl. Austr. II, p. 519
(1831). —Alsching, Fl. Jadr., p. 140 (1832). — Reichenb. Fl. Germ. excurs., p. 216 (1832).— De Cand,,
Prodr. syst. veget. VI, p. 589 (1837). — Visiani, Fl. Dalmat. II, p. 35! (1847). — Maly, Enum. plant. phan.
Imp. Austr., p. 137 (1848). — Bertol,, Fl. Ital. IX, p. 447 (1853). — Schloss et Vukot.,, Fl. Croat. p. 747
(1869). — A. Kern., Sched ad Fl. exs. Austro-Hung,, II, p. 38! (1881).
Abbildungen.
Curtis, Bot. Magaz. IV, Tab. 494. — Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 63. —
Taf. VI, Fig. 7.
Exsiccaten.
Petter, Exsicc. Nr. 227. — Petter Fl. Dalm. exs. Nr. 87. — Baenitz, Herb.-Europ., p. 275. —
A. Kerner, Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 236.
Verbreitung.
Auf den Balearen, bei Cunneliano in Italien und an der Meeresküste Dalmatiens.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien: Auf den Mauern von Ragusa.! Welden (H. )J. G., H. z. b. G.). Spalato, Petter (H.J.G.
H. B.), Studnicka (H. Hal., H. Kk.). Felsen an der Meeresküste bei Spalato, Welden (H. H. M.) leg? (H.
U.P.,H. H.M.). An den Felswänden von San Girolamo an dem Felsgestade des Meeres außer der südlichen
1 Die Autoren bestreiten alle das Vorkommen von Centaurea Ragusina L. bei Ragusa. Entweder ist die Pflanze von diesem
Standort verschwunden, oder sie ist thatsächlich nie dort gewachsen, und es liegt der Angabe Weldens ein naheliegende
Schreibfehler (Ragusa statt Spalato) zu Grunde. 7
84*
662 Augustv. Hayek,
Mauer des Kirchhofes San Stefano von Spalato und am Felsgestade von Boticelli. Petter (H.P. Z, H.B,,
H. H. M.). San Girolamo bei Spalato, Pichler (H.J.G. H. U. W., H. K., H. Hal.,, H. Klgf., H. B, HR. zb
Heider (H. U. W., H. Hal.), Spreitzenhofer (H. z.b.G.). Auf den Mauern des Palastes des Diocletian in
Spalato, Petter (H. B.), No& (H. E.). Am Monte Marian bei Spalato, Pichler (H. U. W., H. H.M., H. Bes
H. B., H. Beck., H. Hal., H. Ull.), Spreitzenhofer (H.z.b.G.). In muris urbis Spalato et in rupibus
maritimis montis Marian, Hellweger (H. U. P., H. Ronniger). Lesina, Buccich (H.K.), Botteri (H.H.M,),
Unger (H. J. G.). Auf dem westlich gelegenen Felsen bei der Einfahrt nach Lesina, Jenik (H. z. b. G.). In
rupibus maritimis insularum Lesina, Lissa, Pelagosa, Botteri (H. H. M.). Scoglio Busi, Spreitzenhofer
(H. z. b. G.). An den Felswänden des kleinen Scoglio Melisella südwestlich von Lissa, Spreitzenhofer
(H. z. b. G.). Insel Pelagosa, Paul Beck (H. Beck). Dalmatien, Alexander (E.J.G.), Petter (H. Eon
Auffallender Weise geben sowohl die vorlineeischen Autoren als auch Linne selbst und noch viele
der neueren Botaniker die Insel Creta als Heimath der Centaurea Ragusina L. an, obwohl die Pflanze dort
gewiss nicht vorkommt. Auf einer Verwechslung mit der nahe verwandten und thatsächlich dortselbst
vorkommenden C. argentea L kann diese Angabe auch nicht beruhen, da die meisten Autoren beide Arten
nebeneinander anführen. Dass die Autoren überhaupt nicht die vorstehend beschriebene Pflanze, sondern
eine andere, auf Creta vorkommende Art vor Augen gehabt hätten, ist ebenfals ausgeschlossen, da die
Angaben Linn&s und der älteren Schriftsteller, auf die er sich beruft, auf diese Species ausgezeichnet
passen, auf Creta hingegen keine sonstige Art vorkommt, die mit den Abbildungen und Beschreibungen
dieser Autoren übereinstimmen würde. Es liegt vielmehr folgende Erklärung nahe: Centaurea RagusinaL.
wurde seit alten Zeiten in Gärten cultiviert; schon in Curtis botanical Magazine Band IV (1795) wird
der Pflanze als einer seit langem bekannten Gartenpflanze gedacht, und auch als Vaterland Creta
angegeben. Es galt nun allgemein als feststehend, dass C. Ragusina L. aus Creta stamme, und diese
Angabe ging dann auch in die wissenschaftlichen Werke über, aus denen Linne& die Vaterlandsangabe
schöpfte.
Dass die Angabe Bertolonis, dass Centaurea Ragusina L. bei Cunneliano in Italien vorkomme,
richtig sei, kann ich nach Einsichtnahme dort gesammelter, im Herbare des k. und k. naturhistorischen
Hofmuseums aufbewahrter Exemplare bestätigen. Hingegen stimme ich mit der Ansicht Willkommst
überein, dass die Angabe bezüglich des Vorkommens von C. Ragusina L. im westlichen Spanien auf einer
Verwechslung mit der nahe verwandten ©. Clementei Boiss. beruhe; anderseits kommt aber C. RagusinaL.
zweifellos auf den Balearen vor, wie ein im Herbare Beck befindliches, von Faul Beck dort gesammeltes
Exemplar beweist.
Von ähnlichen verwandten Arten wäre hier nur C. argentea L. und C. Clementei Boiss. anzuführen.
Erstere unterscheidet sich von ©. Ragusina L. durch die doppelt kleineren Anthodien, den ästigen Stengel
und kürzer gefranste Anhängsel; letztere durch den mehr abstehenden, grauen Filz der tiefer einge-
schnittenen Blätter und die weißen, längeren Fransen der Anhängsel der Hüllschuppen.
C. Pannosae, Anhängsel halbmondförmig, kurz gefranst, hell, Mittelfranse oft dornig, Blüten roth.
31. Centaurea Friderici Visiani, Fl. Dalmat. II, p. 40! (1847).
Perennis; rhizoma crassum, descendens, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, angulatus,
albo-tomentosus, a parte inferiore paniculato-ramosus, ramis patentibus simplicibus vel iterum ramosis
abbreviatis, inflorescentia inde plus minusve racemosa. Folia basalia.et caulina inferiora petiolata, pinnata,
foliolis lanceolatis 4—6 jugis pinnatisectis, caulina media et superiora pinnata segmentis lanceolatis obtusis
integris, suprema saepe lanceolata integra. Folia omnia dense adpresso-candido-tomentosa. Capitula in
I Willkomm et Lange, Prodr. Fl. Hisp. II, p. 149 (1870).
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 663
apice ramorum singularia, ovata, ca. 15 mm longa et 10 mm: lata. Squamae anthodii ovatae, testaceae,
nervoso-striatae, extremae parce tomentosae, caeterae glabrae. Appendices seriei intimae scariosae lanceo-
latae, denticulatae, caeterum obtusae, semilunares, squamis concolores et vix ab iis distinctae, ad marginem
decurrentes, pectinato-fimbriatae, fimbriis utringue 3—4 brevissimis media vix validiore. Corollae
purpureae, marginales radiantes. Achenia 41/, mm longa, fusca, dilute striata, puberula, hylo non
barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima, connivens, exterior erecta, albida
3—4 mm longa.
Synonyme.
Centaurea Friderici Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848). — Reichenb. fil., Icon. Fl.
Germ. et. Helv. XV, p. 28 (1852). — Schloss. et Vukot,, Fl. Croat., p. 750 (1869). — Nym. Consp,. Fl.
Europ. p. 425 (1878 —82).
Abbildungen.
Visiani, Fl. Dalmat. II, Tab. XII. c. — Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 45. —
Taf. VI, Fig. 8.
Verbreitung.
Nur auf der Felseninsel (Scoglio) Pelagosa (und zwar wohl nur auf Pelagosa piccola) nächst Lissa in
Dalmatien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien. Dalmatien. Petter (H. H. M.). Insel Lesina,! Petter (H. H. M.). Insel Pelagosa, Botteri
(H. H.M.). Marchesetti (H. U. P,, H. Hal., H. B,, H. H. M., H. U. W., H. z. b. G., H. Ronniger). Topich
(H. z. b. G.). Insel Pelagosa piccola, Marchesetti (H.H.M.).
Centaurea Friderici Vis. unterscheidet sich von Centaurea pannosa Boiss, die ihr im Habitus sehr
ähnelt, durch die kahlen Köpfchen, die kürzer gefransten Hüllschuppen, deren Endfranse nicht dornig ist,
sowie die schmäleren Abschnitte der schneeweiß, nicht gelblich, filzigen Blätter; von Centaurea crithmifolia
Vis. durch den filzigen Überzug der vegetativen Theile.
32. Centaurea crithmifolia Visiani, Fl. Dalmat. II, p. 40! (1847).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, monocephalum. Caulis erectus, angulatus, glaber, in parte
superiore ramis nonnullis simplicibus vel iterum ramosis praeditus. Folia basalia et caulina inferiora
petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis, segmentis lanceolatis acutiusculis, caulina media et superiora
pinnatifida, segmentis lanceolatis obtusis, suprema 'hinc inde lanceolata integra. Folia omnia coriacea,
saturate viridia, glaberrima, nitentia. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 16 mm longa et 10 mın
lata. Squamae anthodii ovatae, obtusae, testaceae, nervoso-striatae, appendices squamarum colore vix
diversae, obtusae, pectinato dentatae, dentibus utringue 3—4. Corollae roseae, marginales radiantes.
Achenia ignota.
Synonyme.
Centaurea crithmifolia Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr. p. 135 (1848). — Reichenb. fil., Icon.
Fl. Germ. et Helv. XV, p. 28! (1852).— Schloss. et Vukot., Fl. croat., p. 749 (1869). — N ym., Consp. Fl.
Europ., p. 425 (1878—82).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 55, Fig. II. — Visiani, Fl. Dalm. Suppl. I, 'Tab. V,
Fig. 1. — Taf. VI, Fig. 9.
1 Diese Standesangabe ist höchst unwahrscheinlich.
664 Augustv. Hayek,
Verbreitung.
Nur von der Felseninsel Pomo im adriatischen Meere bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien. Scoglio di Pomo, Botteri (H. H. M.), Pavlicsek (H. Hal.).
Von dieser höchst seltenen Art waren bis vor kurzem nur die von Botteri gesammelten Exemplare
bekannt, die leider nur leere Köpfchen ohne Blüten und Früchte zeigen. Ein solches Exemplar, anscheinend
dasselbe, das Visiani vorgelegen war und in Supplement der Flora Dalmatien abgebildet wurde, erliegt
im Herbare des k. und k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien. Ebendort befindet sich auch die von
Reichenbach abgebildetete, ebenfalls von Botteri gesammelte sterile Blattrosette. Seither wurde die
Pflanze, da offenbar Pomo von keines Botanikers Fuß betreten wurde, nicht mehr gesammelt, bis endlich
vor wenigen Jahren Pavlicsek im Auftrage Prof. v. Degens wieder den Standort von Centaurea crithmi-
folia Vis. aufsuchte und die Art auch glücklich auffand. Eines der von ihm gesammelten Exemplare
befindet sich im Herbare des Herrn kaiserl. Rathes Dr. v. Halacsy. Auf Grund dieses Exemplares bin ich
in der Lage zu constatieren, dass C. crithmifolia Vis. thatsächlich, wie man aus der sonstigen Ähnlichkeit
mit C. Friderici zu schließen geneigt war, roth blüht. Die Früchte sind mir jedoch ebenso unbekannt als
sie es Visiani waren.
Centaurea crithmifolia V is. ist mit C. Friderici Vis. zunächst verwandt, von ihr jedoch vor allem
durch die völlige Kahlheit des Stengels und der dicken, dunkelgrünen, lederigen Blätter verschieden; durch
eben dieses Merkmal unterscheidet sie sich unter anderem auch von C. pannosa Boiss.
V. Section. Acrolophus Cass. in Dict. d. scienc., nat. L., p. 253.
Anhängsel kurz herablaufend, dreieckig oder halbmondförmig, kämmig gefranst, die Endfranse oft
dornig. Nabel der Achenen nicht bebärtet. Meist reichverzweigte Arten mit mittelgroßen oder kleinen
Köpfchen.
A) Dissectae. Anhängsel dreieckig, schwarz, wehrlos. Blätter ein bis mehrfach fiedertheilig mit meist
breiteren Zipfel, Stengel wenig verzweigt.
33. Centaurea incompta Visiani, Fl. Dalm. II, p. 39 (1847).
Perennis. Rhizoma descendens, meno- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 50 cm altus,
angulatus, parce tomentosus, supra medium in ramos paucos plerumque simplices divisus. Folia basalia
petiolata, Iyrato-pinnatifida, segmentis 2—3 jugis ovatis acutis parum ad rhachym decurrentibus, terminali
maiore dentato. Folia caulina infima basalibus conformia, media et superiora pinnatifida, lobis lanceolatis
vel ovato-lanceolatis utrinque plerumque 3, integris vel dentatis, terminali producto; suprema saepe ovato-
lanceolata integra. Folia omnia viridia, in margine et in pagina inferiore dense, in pagina superiore sparsim
setulis minimis obsita. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 14 mm longa et 11 mm lata. Squamae
anthodii virides, nervoso-striatae, appendicibus non Obtectae. Appendices seriei intimae apice pectinato
fimbriatae, scariosae, pellucidae, caeterum serierum triangulares, 1—1!/, mm longae, fucae vel nigrae, ad
marginem parum decurrentes, pectinato fimbriatae fimbriis latitudine appendicis longioribus flexuosis,
superioribus liberis 3—4, inferioribus in auriculam scariosam pellucidam confluentibus. Corollae
purpureae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, nigra, flave lineata, glabra, nitida, hylo non
barbata, papposa. Pappus albus biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta 2 mm
longa.
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Centaurea-Arten OÖsterreich-Ungarns. 665
Synonyme.
Centaurea incompta Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 406 (1848). — Reichenb. fil., Icon
Fl. Germ. et Helv. XV, p. 31 (1852). — Schloss et Vukot., Fl. Croat., p. 750 (1869). — Nym., Consp. Fl.
Europ., p. 425 (1878-- 82).
Centaurea dissecta var. viridescens Vandas in österr. bot. Zeitschr. XXXIX, p. 15! (1889), non
Arcangeli.
Abbildungen.
Visiani, Fl. Dalm., Tab. XIIId, Fig. 1. — Reichenb. fil, Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 56,
Fig. 1. — Taf. VI. Fig. 10.
Exsiccaten.
Fl. exsice. Auströ-Hung. No. 3429.
Verbreitung.
In Montenegro und den angrenzenden Theilen Dalmatiens und der Herzegovina.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien. In monte Orjen, 4000‘, Pichler (H.H.M., H. Hal.) In monte Orjen in Crevoscie, Pichler
(H. K., H. z. b.G.) Mons Lovcen supra Cattaro, Pichler (H. H. M.), Monte Sella bei Cattaro, Pichley
(A. H.M.).
Hercegovina. In lapidosis montis Gnila greda prope montem Orjen supra vallem Dobredo dispersa.
Vandas (H. U. W.,H. Ser., H. Beck, H. Hal.).
B. Maculosae, Anhängsel dreieckig, gefranst, wehrlos, dunkel, am Grund ohne scariöse Öhrchen,
Stengel reich verzweigt.
34. Centaurea trinacfolia Heuffel,
Enum. plant. Banat. Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges. VIII, p. 144! (1858).
Biennis. Radiae fusiformis, crassa. Caulis erectus, ad 1’20 m altus, angulatus, glaber, laevis, a medio
vel infra in ramos numerosos erecto-patentes elongatos simplices vel iterum ramosos divisus, inflores-
centia inde corymbosa. Folia basalia bipinnati-partita, segmentis linearibus acutis mucronatis dentatis vel
pinnatifidis, florendi tempore emarcida, caulina inferiora petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis segmentis
linearibus, media et superiora pinnatipartita segmentis linearibus simplicibus vel pinnatisectis acutis
mucronatis. Folia omnia viridia, glabra vel parce pilosa. Capitula in apice ramorum singularia, ovata,
14 mm longa et S-10 mm lata. Squamae anthodii oblongae, sulcato quinquenerviae, pallide virides,
pilosulae, glandulis sessilibus obtectae. Appendices squamarum intimarum scariosae ovatae denticu-
latae fuscae medio macula triangulari nigra notata, caeterum triangulares plusgquam 2 mm longae
nigrae ad marginem breviter late decurrentes, pectinato-fimbriatae fimbriis latitudine appendicis longioribus
nigris vel pallidioribus flexuosis, terminali vix validiore inermi. Corollae persicinae marginales radiantes.
Achenia 4 mm longa, atra, lineis dilutis notata, glabra, umbelico non barbata, papposa. Pappus albus
biserialis, series interior connivens, vix 1 mm longa, exterior erecta, fructu fere aequilonga.
Synonyme.
Centaurea maculosa Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, p. 31 pro parte (1852).
Centaurea mıyriotoma Visiani et Pan£ic, Fl. Serb. rarior. aut. nov. Dec. II, p. 8! (1862).
666 Augustv. Hayek,
Centaure maculosa Schur, Enum. pl. Transs., p. 408 pro parte (1866).— Neilr., Diagn. d. in. Ung. u.
Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 75 (1867).
Centaurea triniaefolia Borb. in Mathem. &s termeszet. Közlem. XI, p. 261! (1876).— Simonk., Enum.
Fl. Transs., p. 350 (1886).
Centaurea paniculata var. altissima Wierzb. in Schedis!
Centaurea Reichenbachioides Barth. in Schedis!
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 48, Fig. 1 und 2 (als ©. maculosa Lam.).— Visiani
et Pancic, Pl. Serb. rarior. aut nov. Dec. II, Tab. XII. — Taf. VII, Fig. 1.
Exsiccaten.
Baenitz, Herb. Europ. Nr. 6548. — Degen, Pl. Banat. exs. anni 1837, Nr. 73.
Verbreitung.
In den Gebirgen der nördlichen Balkanhalbinsel, des Banates und Siebenbürgens.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn. Am Domugled bei Mehadia, Haynald (H. B.), Heuffel (H. H. M.) leg? (H. B.). Auf Kalk-
felsen am Berge Treskovac bei Svinitza, Borbäs (H. K.), Degen (H.H. H., H. Hal.). In subalpinis,
Keriskeki, Barth (H. H.M.). An Wegen bei Bazias, Wierzbicki (H. E.). Im Kazanpass bei Coronini,
Dörfler et Ronniger (H. Ronniger).
Siebenbürgen. Hegyhasadek bei Torda, Borbas (H. H. M., H. Hal.). In pratis subalpinis: Piatra-
Csaki, Barth (H. Beck., H. U. W., H. Ronniger). Kecskekö. Barth (H. Hal., H. Beck).
Centaurea triniaefolia Heuff. ist von allen verwandten Arten durch den hohen Wuchs, die über
2 mm langen schwarzen Anhängsel der Hüllschuppen und die langen Fransen derselben, sowie den langen
Pappus weit verschieden und keineswegs mit C. macnlosa aut. Germ. (C. Rhenana Bor.) zu vereinigen,
wie Neilreich! glaubt. Heuffel sagt von seiner Art auch nur, dass sie mit der citierten Abbildung der
C. maculesa Reichenbachs übereinstimme, behauptet aber keineswegs, dass sie mit dieser Art identisch
sei, sondern hebt ausdrücklich hervor, dass €. maculosa einen »Pappus brevissimus« habe.
C. triniaefolia ändert nur in geringem Maße ab. Gewöhnlich wird sie über 1m hoch und ist zweifel-
los die prächtigste Art aus der ganzen Gruppe; an felsigen trockenen Orten bleibt sie aber niedriger, oft
nur 20—30 cm hoch. Solche Exemplare sind dann von ©. Reichenbachioides Schur mit Sicherheit nur
durch das Vorhandensein eines Pappus zu unterscheiden. Auch die Behaarung der Blätter und die Breite
der Blattabschnitte variiert nur in geringen Grenzen; Exemplare mit breiteren Abschnitten der stärker
behaarten Blätter stellen die var. umbrosa Simonk. Magy. Hövenyt. Lapok III, p. 51 (1874) dar.
35. Centaurea Reichenbachioides Schur, Enum. plant. Trans., p. 408 (1866).
Biennis. Radix lignosa, fusiformis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, strietus, ad 40 cm altus,
angulatus, in parte inferiore sparsim lanuginosus, caeterum glaber, a medio paniceulato-ramosus ramis
iterum ramosis elongatis, inflorescentia inde plus minus corymbosa. Folia basalia et caulina inferiora
petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis lanceolatis, florendi tempore emarcida. Folia caulina media sessilia,
bipinnatifida segmentis linearibus integerrimis vel dentatis mucronatis, superiora pinnatifida segmentis
integerrimis mucronatis. Folia omnia in margine setulis minimis aspera, caeterum parce pilosa et arach-
1 Diagnosen der in Ungarn und Slavonien bisher beobachteten Gefäßpflanzen p. 75.
4
Te
| Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 667
ide lanata. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, ca. 13 mm longa et 10 mm lata. Squamae
anthodii virides, nervoso-striatae, glandulis sessilibus sparsim obtectae, appendicibus non obtectae. Appen-
dices seriei intimae squamarum scariosae, macula fusca notata, in marginem scariosam pellucidam decur-
Frentes; caeterum serierum triangulares 1!/, mm longae ad marginem brevissime decurrentes, nigrae, pecti-
Bato fimbriatae fimbriis nigris, apice albidis latitudine appendieis circiter aequilongis utrinque 4-6.
-Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia 3'/, mm longa, nigra, dilute lineata, sparsim puberula,
hylo non barbata, epapposa.
Synonyme.
Centaurea Reichenbachii Schur., Enum. plant. Transs., p. 408 (1866).
ee Centaurea Biebersteinii var. papposa Simonk., Enum. fl. Trans., p. 350 (1885).
“
Abbildung.
Tab. VII, Fig. 2.
Exsiccaten.
Flora exs. Austro-Hung., Nr. 3430.
Verbreitung.
Bisher nur aus den Gebirgen des westlichen Siebenbürgen bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Siebenbürgen: In monte Szekelykö ad Toroczko, Borbäs (H. Kk.). In lapidosis calcareis ad pagum
Nyirmezö, Csatö (H.Kk., H. U. W., H. Hal.). Kecskekö, Csatö (H.z.b.G.). In rupestribus calcareis ad
Torda, Janka (H.K.).
Im Prodromus syst. veget. VI, p. 583 beschreibt De Candolle eine Cenlaurea unter dem Namen
©. Reichenbachii, deren auffallendstes Merkmal die pappuslosen Achenen sind. Diese Art hat De Can-
dolle auf die von Reichenbach in der Iconographia botanica unter dem Namen C. arenaria abgebildete
Pflanze gegründet, einer im Garten cultivierten, angeblich aus Südrussland stammenden Art. Als später
Schur in Siebenbürgen ebenfalls eine pappuslose Art aus der Verwandtschaft der ©. maculosa Lam. ent-
deckte, glaubte er sie nun mit dieser C. Reichenbachii D. C. identificieren zu können, war jedoch der
Sache nicht ganz sicher und schlug für die siebenbürgische Pflanze, falls sie thatsächlich von der von De
Candolle aufegstellten Art verschieden sein sollte, den allerdings sinnlosen und unschönen Namen
C. Reichenbachioides vor. Schur hat thatsächlich vollständig Recht, wenn er die Pflanze Siebenbürgens
von C. arenaria Reichenb. (nicht M. B.) verschieden erklärt. Die von Reichenbach abgebildete Pflanze
zeigt allerdings ebenfalls pappuslose Achenen, aber blasse, nicht schwarze, stumpfe, schmale Anhängsel
der Hüllschuppen und kämmig einfach fiedertheilige Blätter, und ist eher der C. cristata Bartl. ähnlich als
der ©. Reichenbachioides Schur. Da De Candolle nun ausdrücklich erklärt, dass er unter C. Reichen-
bachii genau dieselbe Pflanze verstehe, die Reichenbach als C©. arenaria abgebildet hat, so ist der De
Candolle’sche Name für die siebenbürgische Pflanze nicht anwendbar!.
Centaurea Reichenbachioides Schur ist von allen ähnlichen Arten, besonders C. friniaefolia Heufft.,
C. Rhenana Bor., C. maculosa Lam. und ©. micrantha Gmel. am sichersten durch den völligen Mangel
eines Pappus zu unterscheiden.
! Vgl. auch Hayek in Sched. ad fl. exs. Austro-Hung., IX. Nr. 3430.
Denkschriften der mathiem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 85
668 Augustv. Hayek,
36. Centaurea maculosa Lamarck, Encyclop. method. I, p. 669 (1783).
Biennis. Radix lignosa, fusiformis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, strictus, ad 60 cm altus
angulatus, scaber et plus minusve cano-tomentosus, a parte inferiore paniculato ramosus, ramis patentibus
iterum ramosis plerumque abbreviatis, inflorescentia inde plus minus racemosa. Folia basalia petiolata,
pinnata, foliolis pinnatisectis segmentis late-lanceolatis cartilagineo mucronatis, florendi tempore emar-
cida; folia caulina infima basalibus similia, media sessilia, pinnata segmentis dentatis vel pinnatisectis
superiora sessilia pinatifida segmentis lanceolatis integerrimis cartilagineo-mucronatis. Folia omnia in mar-
gine et in pagina inferiore setulis minimis aspera, et utrinque plus minusve cano-tomentosa, rare fere
viridia. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, ca. 12 mm longa et 9 mm lata. Squamae anthodii
pallide virides, sulcato-nervoso-striatae, glandulis sessilibus sparsim obtectae et tomentoso-puberula.,
Appendices seriei intimae squamarum scariosae, ovatae, macula fusca notata, in marginem scari-
osam pellueidam decurrentia, caeterum serierum triangulares, 1!/, mm longae, ad marginem brevissime
decurrentes, plerumque pallide fuscae ad basim macula semilunari nigricante notatae, rarius totae nigrae,
pectinato fimbriatae fimbriis utringue 5—10 latitudine appendicis longioribus albidis. Corollae roseae,
rarissime albae, marginales radiantes. Achenia 31/, mm longa, nigra vel fusca, nitentia, sparsim puberula,
umbelico non barbata, pappo brevi ca. 1 mm longo albido coronata.
Synonyme.
Centaurea panicnlata Linne&, Spec. plant., Ed. I, p. 192 pro parte (1763). — Linne, Spec. plant.,
Ed. II, p. 1289 pro parte (1763). — Willd., Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2292 pro parte (1800). — Gaud,,
Fl. Helv., V, p. 401 pro parte (1829).
Centaurea maculosa De Cand., Prodr. syst. veg., VI, p. 583 (1837). — Moritzi, Die Pfl. Graub,,
p- 78 (1838).
Centaurea paniculata Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 853 pro parte (1840),
Centanrea maculosa Gren. et Godr., Fl. Frang., II, p. 254 (1850).
Centaurea paniculata Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 499 (1851).
Centaurea Mureti Jord., Pug. plant. nov., p. 108 (1852) '.
Centaurea panicnlata Facch., Fl. v. Süd-Tirol, p. 102 (1855).
Centaurea maculosa Boreau, Fl. du Centre de la France, Ed. III, 2, p. 355 (1857).
Centaurea macnlosa et C. Mureti Nym., Consp. fl. Europ., p. 426 et 427 (1878—82).
Centaurea maculosa Gremli, Excursionsfl. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 255 pro parte.
Abbildungen.
Taf. VI, Fig. 3.
Exsiccaten.
Magnier, Fl. exs. sel. Nr. 2234. — Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. I, Nr. 83 et Cent. 23,
Nr. 2213. — Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 3432.
Verbreitung.
Von Frankreich nach Westen bis zum Rhein und durch die südliche und mittlere Schweiz bis in die
westlichsten Theile Tirols. ’
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: An der Stilferjochstraße, Brügger (H.P.Z.). Judicariis, in pratis secus flumen Clesium,
Porta (H.z.b.G.). Terlago, Val de Lievre (H.F.1.). Trient, Straßenmauern gegen Pontalte, Val de
1 Näheres über diese Pflanze s. unten.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 669
Lievre (H. F. I). Bozen, Hausmann (H.H.M.). Gries bei Bozen, Beck (H. Beck), Murr (H. Murr),
Sauter (H. U. W.). Bozen, am kühlen Bründl, Hausmann (H.F.1.. Fuß des Gandelberges bei Bozen,
Hausmann (H.F.1.). Ober dem Tscheipenthurm bei Gries nächst Bozen, A. Kerner (H.R.). Bozen, Weg
nach Campena, Fritsch (H.Fr.).. Am Ritten bei Bozen, Hausmann (H.J.G., H.Kk., H.B, H H.M.).
Klobenstein am Ritten, Hausmann (H. F.1.). Zwischen Schnals und Naturns, leg.? (H. J. G.).
Centaurea maculosa Lam. unterscheidet sich von der sehr ähnlichen €. Rhenana Bor. durch die
meist dichter graue Behaarung, den mehr traubigen Blütenstand, meist hellere, reichlicher gefranste
Anhängsel und den bedeutend kürzeren Pappus. Dieses letztere Merkmal ist das constanteste und sicherste
Unterscheidungsmerkmal beider Arten, da der Pappus bei C. Rhenana Bor. !/,—?/, so lang als die Achene,
bei ©. maculosa Lam. hingegen höchstens !/,, so lang ist. Auch das heller gefärbte Anhängsel der Hüll-
schuppen ist ein sehr charakteristisches Merkmal, aber nicht so constant. Ab und zu, besonders in höheren
Lagen, findet man Exemplare, bei denen die Anhängsel etwas größer und tief schwarz sind. Solche Exem-
plare aus Graubündten hat Jordan unter dem Namen (€. Mureti als neue Art beschrieben. Sie gehen
jedoch in die Formen mit helleren Anhängseln allmählich über und kommen, wenn auch seltener als in
der Schweiz, auch in Tirol vor. Im Herbar des Polytechnikums zu Zürich befinden sich auch Tiroler
Exemplare, die Jordan selbst als ©. Mureti bezeichnet hat.
Dass die bei Bozen vorkommende Pflanze mit der echten Centaurea macnlosa Lamarck identisch
ist, geht daraus hervor, dass sie mit Exemplaren aus der Auvergne, wo von Lamarck seine €. maculosa
angibt, vollkommen übereinstimmt.
Schon Hausmann hatte erkannt, dass in Tirol zwei Centaurea-Arten aus der Gruppe der C. macn-
losa vorkommen und führt sie in der Flora von Tirol, p. 499 und 500 als getrennte Arten auf. Die Nomen-
clatur Hausmanns ist jedoch nicht richtig. Gerade die Art, die er €. paniculata nennt, ist die C. macu-
losa Lamarcks, und diejenige, die Hausmann als €. maculosa bezeichnet, ist C. Rhenana Bor. Vergl.
übrigens auch A. Kerner in österr. bot. Zeitschr, XXI, p. 116 ff. und Hayek in Schedae ad fl. exs
Austro-Hung,, IX, Nr. 3432.
37. Centaurea Rhenana Boreau, Flore du Centre de la France, Ed. III, p. 355 (1857).
Biennis vel perennis. Radix lignosa, crassa, fusiformis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, stric-
tus, ad 80 cm altus, angulatus, ad angulos scaber et plus minusve cano-tomentosus, a parte inferiore pani-
culato-ramosus ramis plus minus elongatis iterum ramosis, infloscentia inde plerumque corymbosa. Folia
basalia petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis, lobis lanceolatis; florendi tempore emarcida. Folia caulina
inferiora breviter petiolata, pinnatipartita, segmentis pinnatisectis lanceolatis cartilagineo-mucronatis, media
sessilia, pinnatifida, segmentis dentatis, superiora sessilia pinnatifida segmentis integerrimis lanceolatis.
Folia omnia in margine et in pagina inferiora setulis minimis dense obsita et insuper viridia vel cano-
tomentosa. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, circiter 14 mm longa et 10mm lata. Squamae
anthodii virıdes, sulcato-nervoso-striatae, glandulis sessilibus sparsim obtectae. Appendices seriei intimae
squamarum ovatae, scariosae, macula fusca notatae, in marginem scariosam pellucidam decurrentes, caete-
rum triangulares, 1—1'/, mm longe, ad marginem breviter decurrentes, nigrae, pectinato fimbriatae,
- fimbriis nigris vel apice dilutioribus latitudine appendieis paulo longioribus flexuosis utrinque 6—8. Corol-
lae roseae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, nigra, dilute lineata, pilosula, hylo non bar-
"bata, papposa. Pappus albidus, biserialis, series interior, brevissima connivens, exterior erecta 1!/,— mm
longa. Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea panicnlata Linne, Spec. plant. Ed. I, p. 912 pro parte (1753).
? Centaurea Stoebe Linne, |. c., p. 914 (1753).
670 Augustv. Hayek,
Centaurea paniculata Linne, Spec. plant., Ed. II, p. 1289 pro parte (1763). — Jacquin, Enum.
stirp. Vindob., p. 158 (1792). — Scopoli, Fl. Carniol., Ed. II, 2, p. 139 (1772). — Jacquin, Fl. Austr.
Icon. IV, p. 10! (1776). — Matt., Fl. Sil., II, p. 293 (1777). — Krock, Fl. Siles,, III, p. 487 (1790).
Centaurea Stoebe Krock., Fl. Siles., III, p. 487 (1790).
Centaurea paniculata Lumn., Fl. Poson., p. 390 (1791). — Host., Syn. plant. in Austr. crese., p. 476
(1797). — Willd., Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2292 pro parte (1800). — Suter, Fl. Helv, II, p. 203 pro parte
(1802). — Besser, Prim. fl. Galic., II, p. 208 (1809).
Cyamus paniculatus Presl, Fl. Cech,, BrLZ9 STH).
Centaurea paniculata Günth., Wimm., Grab., Enum. stirp. phan. Siles., p. 143 (1824). — Sadl. Fl.,
Com. Pest. II, p. 290 pro parte (1826).
? Centaurea Scopolii Vest in Flora, XII, Erg. Bl., p. 31 (1829).
Centaurea paniculata Host., Fl. Austr., Il, p. 517 (1831). — Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 215
(1832).
Centaurea Stoebe Rchb,, 1. c., p. 215 (1832).
Centaurea paniculata Koch, Syn. fl. Germ. et Helv., p. 413 (1837). — Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz,
p. 853 pro parte (1840). — Sadl., Fl. Com. Pest., Ed. II, 2, p. 409 pro parte (1840). — Fleischm., Übers.
d. Fl. Krains, p. 42 (1844).
Centanrea macnlata Koch., Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 305 (1844).
Centaurea maculosa Koch, Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 474 (1844).
Centanurea paniculata Neilr., Fl. v. Wien, p. 258! (1846).
Centaurea maculosa Maly, Enum. stirp. phan. Imp. Austr., p. 137 (1848). — Hausm,, Fl. v. Tirol,
I, p. 499! (1851). — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 31 pro parte et excl. Icone (1852).
COyanus paniculatus Opiz, Sezn. rostl. Kvet. Cesk., p. 35 (1852).
Centaurea paniculata Facch., Fl. v. Süd-Tirol, p. 162 pro parte (1855). — Wimm,, Fl. v. Schles.,
Ed. III, p. 275 (1857). — Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 382 (1859). — Neilr., Aufz. d. in Ung. und Slav.
bish. beob. Gefäßpfl., p. 124 pro parte (1866). — Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm., p. 251 (1867).
Centaurea maculosa Garcke, Fl. v. Nord- und Mittel-Deutschl., Ed. VII, p. 234 (1867). — Schloss.
et Vukot., Fl. Croat., p. 750 (1869). — Duftschmid, Fl. v. Ob.-Österr., p. 511 (1870).
Centaurea Rhenana A. Kern, Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in österr. bot.
Zeitschr., XXII, p. 117, Sep. p. 278! (1872).
Centaurea paniculata Knapp, Die bish. bek. Pfl. Galiz. u. d. Bukow., p. 146 (1872).
Centaurea Rhenana Nym., Consp. Fl. Europ. p. 426 (1878- 82). — Fiek, Fl. v. Schles., p. 245
(1881). — Freyn in Verh. d. zool. bot. Ges. XXXI, p. 381 (1881). — Oborny, Fl. v. Mähr. u. österr.
Schles., I, p. 697 (1885).
Centaurea maculosa Garcke, Fl. v. Deutschl., Ed. XV, p. 240 (1885). Gremli, Excursionsfl. f. d.
Schweiz, Ed. VI, p. 255 pro parte (1889).
Centaurea Rhenana Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1261! (1893). — Hal., Fl. v. Nieder-Österr.,
p. 300! (1896). — Fritsch, Excursionsfl., p. 598 (1897). — Pospich,, Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 926
(1899).
Abbildungen.
Jacquin, Fl. Austr. Icon. IV, Tab. 320. — Taf. VIII, Fig. 4.
Rxsie®eaten.
Reichenb., Exsie. Nr. 825 (als C. maculosa). — Wirtgen, Herb. plant. select. fl. Rhen., Ed. II,
Fasc. 9, Nr. 409 (als C. maculosa). — Callier, Fl. Siles. exs. Nr. 215. — Fl. exsicc. Austro-Hung. Nr. 3431.
Verbreitung.
Vom Rheinthal durch ganz Mitteleuropa, nach Osten bis Westrussland, die Karpathen und West-
ungarn, nach Süden bis an den Südrand der Alpen reichend.
*
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 67
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: Tetschen, Malinsky (H.z.b.G., H.Hal.). Nimes, Lorinser (H.Klgf.). Welemin bei
Lobositz, Engler (H.B.). Kuchelbad, Purkinje (H. z.b.G.). Prag, Kaisermühlen, Fritsch sen. (H.Fr.).
Prag, Pozdech (H. zb.G.).
Mähren: Eibenschütz, Schwöder (H.P.). Iglawathal bei Iglau, Reichardt (H. z.b. G.).
Nieder-Österreich: Maria-Taferl, Hölzl (H.z.b.G.). Melk, Küffel (H.z.b.G.). Dürrenstein,
A. Kerner (H.K.). Poisdorf, Ullepitsch (H.Ull, H.H.M.). Brigittenau bei Wien, Beck (H. Beck),
Traunfellner (H.E.). Bisamberg bei Wien, Beck (H.Beck). Ruine Kreuzenstein, Beck (H. Beck). Wien,
Pittoni (H.H.M.). Austria, Jacquin (H. H.M.). Wiener Prater, Fritsch sen. (H.Fr.). Arsenal bei Wien,
Fritsch sen. (H.Fr.). Raaber Eisenbahn bei Wien, Rauscher (H.F.1I.). St. Marx bei Wien, H. Braun
(H. H.M.). Liebhardsthal bei Ottakring, H. Braun (H. H.M.). Ottakring, Fritsch sen. (H. Fr.). Pötzleins-
dorfer Höhe, Brandmayr (H.z.b.G.). Türkenschanze bei Wien, Beck (H. Beck), J. Kerner (H.K.).
Sievring bei Wien, Rauscher (H.F.1l.). Leopoldsberg, Beck (H. Beck). Im Kies des Weidlingbaches bei
Weidling, Beck (H. Beck). Damm der Westbahn bei Hütteldorf, Ronniger (H. Ronniger). Hochberg
bei Perchtoldsdorf, Keck (H.Kk.). Kalkfelsen bei Mödling, Wiesbaur (H.H.M.). Kalenderberg bei Möd-
ling, Beck (H. Beck). Gumpoldskirchen, Huguenin (H.P.Z.). Mitterberg bei Baden, Beck (H. Beck),
Haläacsy (H.Hal.). Rauheneck bei Baden, Hayek. Bruck a.d.Leitha, K. Richter (H.J.G.). Wiener-
Neustadt, Sonklar (H. U. W.). Rappoltenkirchen, Wiedermann (H. H.M.).
Ober-Österreich: Maria-Winkling bei Steyr, Zimmeter (H.F.1.). Linz, Brittinger (H. E.). Süd-
bahngrund in Linz, Dürrnberger (H. Murr). Ruderalplätze bei den Militärmagazinen in der Lustenau bei
Linz, Murr (H. Murr). Steinbrüche bei Waldegg nächst Linz, Rauscher (H. Ull.).
Salzburg. An Dämmen der Murthalbahn bei St. Andrä, Vierhapper (H. Vierhapper).
Tirol: Hall, Gremblich (H.z.b.G., H.Hal.). Haller Au, Pichler (H.F.l). Eisenbahndamm bei
Hall, Gremblich (H.H.M.). An der Bahn bei Arzl nächst Innsbruck, Murr (H. Murr), Zimmeter (H.F.
I). Bahndamm bei Mühlau bei Innsbruck, Zimmeter (H.P.Z.). Peterbrünnl bei Innsbruck, Murr (H.
Murr). Straße bei Fließ in Öber-Innthal, leg.’ (H. Murr). Äußeres Passeierthal, Sarnthein (H.F.1.).
Eisackdamm bei Bozen, Hausmann (H.F.1.). Trient, verlassener Steinbruch außer St. Martin, Val de
Lievre (H.F.IL). Eppan, Heuffler (H.F.L). Terlago, Valde_Lievre (H.F.1.). Ad lacum Benacum,
Porta (H.K.). Brixen, Schmitz (H.F.].), Hoffmann (H.F.I.). Kloster Soeben bei Klausen, Ebner (H.
K.). Sterzing, A. Kerner (H.K.), Huter (H. Ronniger). Brunneck, Schönach (H.F.].). Schlossberg bei
Bruneck, Treffer (H. Hayek). Lienz, Gander (H.K.). Schlossberg bei Lienz, Gander (H. Klgf.). Weiße
Wand bei Lienz, Ortner (H.F.1.).
Kärnten: Bei Möllbrücken und Liesereck, Sonklar (H. U.W.). Waldrand ober Scheriau in Göss-
ling, Sabidussi (H. Klgf.). Krumpendorf am Wörthersee, Preissmann (H.P.). Klagenfurt, Heufler (H.
2.b. G.). Tentschach bei Klagenfurt, Krenberger (H.J. G., H. Hal.). Auf sonnigen Hügeln, an Mauern in
Kärnten, Pacher (H. Klegf.).
Steiermark: Bruck a.d. Mur, Strobl (H.K.). Kalkfelsen bei Peggau, Murr (H. Murr). Schlossberg
bei Graz, Fritsch (H.Fr.). Rainerkogel bei Graz, Preissmann (H. P., H.Ull.). Maria Trost bei Graz,
Fürstenwärther (H.1.G.). Gösting bei Graz, Preissmann (H.P.). Göstinger Au bei Graz, Pittoni
(H.H.M.). Platte bei Graz, Preissmann (H.P.). Römerhügel bei Leibnitz, leg.? (H.H.M.). Pettau, Sko-
fitz (H. H.M.). Drau-Auen bei Pettau, Preissmann (H.P.). Am Hum bei Tüffer, Hayek.
Krain: Veldes, Safer (H. Ull.). Bled, Safer (H. Murr). Linkes Ufer des Feistritzflusses bei Schern-
bühel nächst Laibach, Rastern (H.P. Z., H.Kk.).
“
672 Augustv. Hayek, |
Litorale: Am Isonzoübergange bei Pieris, Tommasini (H.z.b.G.). Am Canale d’ Anfora unweit j
Grado, Tommasini (H.z.b.G.). Sanddünne von Primiero, Tommasini (H.z.b.G.). Pola, Hügel bei
B. Corniale unter Centaurea cristata, Freyn (H.K., H.B.).
Kroatien: Felsen bei Podsut-Ed bei Agram, Schlosser (H.H.M.). Kroatien, Vukotinovic (H.
H. M.). i
Ungarn: St. Georgen bei Pressburg, A. Zahlbruckner (H.H.M.). Haluzice, Com. Trenesin, |
Holuby (H. Hal., H. z. b. G.). Abelova, Com. Neograd, Rell (H.K.). Totis, Wiemann (H. U. W.). In apri- h
eis ad Budam, Läng (H.U.P.). Adlersberg bei Ofen, A. Kerner (H.K.). Ofen, Wege, L. Richter (IH:
M.). Luget-Ujfalu auf der Csepel-Insel, Tauscher (H.K., H.H.M., H.z.b. G.). Eresi, Com. Stuhlweißen-
burg, Tauscher (H.Ull., H. Hal... In monte Matrae »Särhegy« territorii Gyöngyösensis, Com. Heves, I
Vrabelyi (H.K). Südseite des Piliserberges, A. Kerner (H.K.). E praeruptis »Golica« in valle Pienino-
rum, Ullepitsch (H. Ull.).
Galizien: Jaslowice, Kreis Czortköw, Köhler (H. z.b. G.). Brody, Klöber (H.H.M., H. U. W.).
Bukowina: Schotterbänke des Pruth bei Czernowitz, Bauer (H.U. W.). Im Steingerölle des Pruth
bei Czernowitz, Mahala und Daboutz, Herbich (H. z.b. G.). Czernowitz, Herbich (H. z.b. G.). Auf den
Schlossruinen von Suczawa, Herbich (H. z.b.G.).
Außerdem kommt C. Rhenana Bor. nach den Angaben der Autoren zweifellos in Schlesien vor und
ist auch in Böhmen und Mähren weiter verbreitet, doch habe ich von dort keine Exemplare gesehen.
Centaurea Rhenana steht der vorhin beschriebenen (. maculosa Lam. sehr nahe, unterscheidet sich
von ihr jedoch durch die schwächere graue Bekleidung, dunklere Anhängsel der Hüllschuppen, dunklere
und weniger zahlreiche Fransen derselben und den längeren Pappus; C. micrantha Gmel. unterscheidet
sich von ©. Rhenana Bor. vor allem durch die kleineren Köpfchen, kleinere Anhängsel der Hüllschuppen
und den kürzeren Pappus; ©. Zriniaefolia Heuff. durch die größeren Anhängsel der Hüllschuppen, den
langen Pappus und die Kahlheit der vegetativen Theile, ©. Reichenbachioides Schur vor allem durch den
Mangel des Pappus, ©. Tauscheri endlich durch das scariöse Häutchen beiderseits am Grunde der
Anhängsel. Die südlichen verwandten Arten, C. Hanryi Jord., C. corymbosa Poir. u. a. sind von C. Rhe-
nana Bor. durch die größeren, zurückgekrümmten Anhängsel der Hüllschuppen leicht zu unterscheiden.
Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Linne unsere Art unter dem Namen (entaurea Stoebe
verstanden hat. Linnes C. paniculata ist wenigstens nach der Mehrzahl der Citate die Pflanze, die später
auch Lamarck unter diesem Namen verstanden hat; C. Rhenana Bor. ist nun von dieser Art so ver-
schieden, dass auch Linne sie gewiss für verschieden erklärt hätte. Von den alten Namen schien ihm die
»Stoebe Austriaca humilis Clus.« mit dieser Pflanze übereinzustimmen und fügte daher dieses Citat seiner
©. Stoebe, deren Diagnose und Vebreitungsangabe genau auf C. Rhenana passen, bei. Anderseits führt
jedoch Linne auch bei C. paniculata Austria als Vaterland auf, führt noch dazu in der II. Ausgabe der
Species plantarum bei: »Varietatem etiam habemus floribus maioribus, magnitudine (. jaceae,
foliis canescentibus, facieque nonnihil diversam«, so dass es immerhin zweifelhaft bleibt, ob
Linne nicht unter C. paniculata auch unsere €. Rhenana verstanden hat und C. Stoebe sich auf eine
andere Pflanze, vielleicht auf gar keine Centaurea bezieht; es ist daher gerathener, den Namen (. Stoebe
L. endgiltig fallen zu lassen. Auch Jacquin bezeichnet ©. Rhenana als Ü. paniculata und nicht als
©. Stoebe.
Neilreich! ist der Ansicht, dass, wenn Linne unter (. paniculata zwei oder noch mehr Arten
begriffen hat, es zweckmäßiger sein dürfte, den Namen C. paniculata derjenigen Pflanze zu belassen,
die ihn schon seit Jacquins Zeitalter geführt hat. Jedoch die Mehrzahl der Citate Linn&s bezieht sich
auf eine südfranzösische Pflanze, die auch Lamarck als C. paniculata (im Gegensatze zu seiner (. macı-
1 Flora von Wien, p. 259.
2
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 673
losa) bezeichnet hat, und außerdem beträgt die Differenz zwischen Jacquins Enumeratio (1772) und
Lamarcks Encyclopaedie (1783) nur elf Jahre, so dass von einer Verjährung eines falschen Gebrauches
eines Namens nicht die Rede sein könnte.
Eine ebenso wie C. Sioebe L. räthselhafte Pflanze ist auch Cenzaurea Scopolii Vest. Vest hat diese
Pflanze bei Marburg gesammelt und hält sie für das Rhaponticum paniculatum Scopolis, welches aber
mit Centaurea cristata Bart]. identisch ist. Das Vorkommen dieser Art bei Marburg in Steiermark schien
mir an und für sich höchst unwahrscheinlich, und die beiden besten Kenner dieses Gebietes, Herr Ober-
inspector Preissmann und Herr Professor Murr, erklären beide mit großer Bestimmtheit, dass von
C. cristata Bart! bei Marburg keine Spur zu finden sei. Außerdem passt aber die von Vest gegebene
Beschreibung gar nicht auf C. cristata, sondern stimmt mit C. Rhenana Bor., die bei Marburg
zweifellos häufig vorkommt, bis auf den einen Umstand, dass C. Scopolii Vest pappuslos sein soll,
vollkommen überein. Es liegt also entweder ein Beobachtungsfehler Vests vor, oder er fand bei Marburg
eine zufälligePappuslose Form von C. Rhenana Bor., soviel aber bleibt sicher, dass C. cristata Bart! in
Südsteiermark nicht vorkommt.
(37x17) Centaurea Rhenana L. x Scabiosa Bor.
Eine dieser Combination entsprechende Pflanze wird von Grabowsky in der Flora von Ober-Schle-
sien und des Gesenkes, p. 254, ferner von Fiek (Fl. v. Schlesien, p. 245) und Oborny (Fl. v. Mähren und
österr. Schlesien, p. 696) als in Schlesien wachsend aufgeführt. Sie soll sich von C. Scabiosa L. durch
kleinere Köpfchen, feiner zertheilte Blätter und nervige Nägel der Hüllschuppen, von C. Rhenana Bor.
durch größere Köpfchen, geringere Verzweigung und breitere Blattzipfel unterscheiden. Ich habe bisher
keine Pflanze gesehen, die dieser Combination entspräche.
Hieher gehört auch wahrscheinlich die von Tomaschek in den Verhandlungen der zool. bot.
Gesellschaft für Galizien angegebene C. stereophylla. Auch die von Janka! beschriebene C. Herbichii dürfte
einer Combination von €. spinulosa Roch. und einer der (. Rhenana Bor. nahestehenden Art, vielleicht
C. micrantha Gmel. oder C. triniaefolia Heuff., entsprechen; leider konnte ich kein Exemplar dieser
Form zu sehen bekommen.
(37x56) Centaurea Rhenana Bor. X Pannonica Heuff.
Centaurea Beckiana M. F. Müllner in Verh. d. zool. bot. Ges., XXXVIII, p. 27 (1888).
Biennis vel perennis. Radix lignosa, fusiformis. Caulis erectus, strictus, ad 60 cm altus, angulatus,
ad angulos scaber, plus minusve cano-tomentosus, a parte inferiore in ramos numerosos abbreviatos
erecto-patentes simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, pinnatiloba usque pinnata,
lobis ovatis dentatis vel pinnatisectis, caulina inferiora petiolata, pinnatisecta lobis utringue 2—4 linearibus
vel lineari-lanceolatis integerrimis vel dentatis, caulina media sessilia, inferioribus similia, superiora
lineari-lanceolata integra. Folia omnia ad marginem et in pagina inferiore setulis minimis obsita, caeterum
plus minusve cano-tomentosa vel arachnoideo-lanata. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 15 mm
longa et 12 mm lata. Squamae involucri virides, inconspicue nervoso-striatae, appendicibus non obtectae.
Appendices serierum interiarum 1—2 orbiculares, scariosae, pallide fuscae medio macula obscura notatae
apice dentatae, mediarum scariosae, fuscae, apice pectinato-fimbriatae, margine lacerae, exteriarum orbi-
eulari-triangulares obscurae, margine pectinato fimbriatae, fimbriis elongatis dilutis utringue 6—10, inferi-
oribus confluentibus. Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia saepe sterilia, 3 mm longa, fusca
puberula hylo non barbata, pappo brevissimo vix !/, nım longo coronata.
1 Flora, XLI, p. 441 (1858).
’
674 Angustv. Hayek,
Synonyme.
Centaurea angustifolia Schrank X Rhenana Bor. Mülln. in Verh. d. zool. bot. Ges., XXXVII, p. 27
(1888).
Centaurea Beckiana Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1262 (1893).
Centaurea jacea x Rhenana Hal., Fl. v. Nieder-Österr., p. 298 (1896). — Fritsch, Excursionsflora
p. 599 (1897).
Abbildung.
Taf. VIII, Fig. 5.
Verbreitung.
Unter den Stammeltern anscheinend nicht häufig.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Niederösterreich. Mit den Stammeltern am linken Donauufer unweit den Kaisermühlen bei Wien
Müllner (H. Beck, H. U. W., H. H. M., H. Müllner), Teyber (H. Teyber).
Centaurea Beckiana steht in allen Merkmalen in der Mitte zwischen den Stammeltern. Von C.
Pannonica unterscheidet sie sich durch die getheilten Blätter, die reiche Verzweigung, kleinere Köpfchen
und die gefransten Anhängsel, von €. Rhenana Bor. durch weniger getheilte Blätter und die weniger zer-
fransten Anhängsel der Hüllschuppen, sowie den sehr kurzen Pappus.
Auch in der Anatomie der Fruchtschale zeigt ©. Beckiana Mülln., wie Beck! nachgewiesen hat,
eine Mittelstellung zwischen den Stammeltern. Dieses sehr charakteristische Verhalten von Hybriden ist
leider bei den meisten Centanrea-Bastarden nicht zur Sicherstellung der hybriden Abkunft anwendbar, da
gerade bei den nahe verwandten Arten die Fruchtschale einen ganz gleichen Aufbau zeigt. So Konnte ich
zwischen der Fruchtschale von C. rupestris L., €. Fritschii Hay., C. sordida W. und C. dichroantha
Kern. keinen Unterschied finden, und dasselbe Verhalten zeigte sich bei C. jacea L. und C. subjacea
Beck. Bei Bastarden zwischen einander nicht so nahestehenden Arten, wie bei C. hemiptera Borb.
(Rhenana x substitialis) würde eine mikroskopische Untersuchung der Früchte wohl zu ähnlichen
Resultaten führen wie bei C. Beckiana Müllner, doch waren bei sämmtlichen mir vorliegenden Herbar-
exemplaren dieser Form die Achaenen von Anobien aufgezehtt.
(37x57) Centaurea Rhenana X Bor. jacea L.
Eine solche Form wird von Hödl in den Jahresberichten des Vereines für Naturkunde in Ober-
österreich, VIII (1873) unter dem Namen C. jacea x paniculata erwähnt. Die Pflanze dürfte der
C. Beckiana sehr nahe stehen und sich wohl nur durch dunkler gefärbte Hüllschuppenanhängsel unter-
scheiden lassen. Ich habe keine Exemplare dieser Form gesehen.
(37x53) Centaurea Rhenana Bor. X bracteata Scop.
Centaurea Tiroliensis Hayek.
Biennis. Radix fusiformis, lignosa. Caulis erectus, strictus, ad 40 cm altus, angulatus, ad angulos
scaber et cano-tomentosus, a parte inferiore in ramos numerosos elongatos simplices vel iterum ramosos
divisus. Folia basalia florendi tempore emarcida, caulina inferiora petiolata, media sessilia, pinnatifida,
lobis lanceolatis cartilagineo-mucronatis pinnatilobis vel dentatis vel integerrimis, superiora lanceolata
cartilagineo-mucronata integerrima. Folia omnia ad marginem et in pagina inferiore setulis minimis
I Verh. d. zool. bot. Ges. XXXVIII, p. 28 f.
u
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 675
aspera et utrinque cano-tomentosa. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 16 mm longa et 12mm
lata. Squamae anthodii virides, inconspicue striatae, appendicibus fere omnino obtectae. Appendices
serierum interiarum squamarum 1— 2 scariosae, fuscescentes, apice dentatae, mediarum scariosae, medio
fuscae, margine albidae, apice pectinato-fimbriatae, margine lacerae, exteriarum orbiculari-triangulares,
fuscae, pectinato-fimbriatae fimbriis albidis elongatis utringue 7—10, inferioribus confluentibus. Corollae
roseae, marginales radiantes, Achenia sterilia, 3m longa, puberula, umbelico non barbata, pappo brevis-
simo vix 1 mm longo coronata.
Abbildung.
Taf. VIII, Fig. 6.
Verbreitung.
Unter den Stammeltern, anscheinend sehr selten.
—
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol. Eppan, Calvarienberg bei St. Michael. — leg.? (H. Klgf.)
Ich kenne von dieser Pflanze nur das eine, aus zwei Individuen bestehende oben angeführte
Herbarexemplar, das ohne Angabe eines Sammlers (die Handschrift scheint die Tappeiners zu sein) im
Herbare des Landesmuseums zu Klagenfurt liegt. Die Pflanze sieht der ©. Beckiana Mülln. sehr ähnlich
und unterscheidet sich von ihr nur durch die größeren, die Hüllen fast ganz verdeckenden und etwas
helleren Anhängsel. Nachdem die Bastardnatur der ©. Beckiana Mülln. wohl kaum zweifelhaft ist, glaube
ich schließen zu dürfen, dass auch C. Tiroliensis eine Hybride, und zwar von ©. Rhenana Bor. mit der
durch ganz Südtirol verbreiteten C. bracteata Scop. ist. Die Pflanze steht ziemlich genau in der Mitte
zwischen den muthmaßlichen Stammeltern und zeigt durchwegs taube Früchte; auch die Seltenheit ihres
Vorkommens spricht für ihre hybride Abstammung.
(37x59) Centaurea Rhenana Bor. X subjacea (Beck).
Centaurea Teyberi Hayek.
Caulis erectus, strietus, angulatus, plusgquam 40cm altus, angulatus, parce arachnoideo-lanatus, a
parte inferiore in ramos numerosos elongatos plerumque simplices, rarius iterum ramosos, divisus. Folia
caulina inferiora et media sessilia, pinnatifida 2—4 juga, lobis lanceolatis cartilagineo - mucronatis
medio producto, caulina superiora lanceolata integra vel basi dente uno alterove praedita. Folia omnia
in margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera, caeterum parce arachnoideo lanata, viridia vel
canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 14 mm longa et 9mm lata. Squamae anthodii
virides, apicem versus saepe purpurascentes, estriatae vel interiores inconspicue striatae, appendieibus non
obtectae. Appendices seriei intimae squamarum lanceolatae, scariosae, fuscae, sequentis seriei orbiculares,
fuscae, macula centrali triangulari nigra, margine pectinato-lacerae, caeterum squamarum triangulares,
2 mm longae, nigrae, margine vix decurrentes, pectinato-fimbriatae, fimbriis fuseis latitudine appendicum
longioribus utrinque 7—9. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, fusca, dilute
lineata, glabra, hylo non barbata, pappo vix !/, mm longo coronata.
Abbildung.
Taf. VIII, Fig. 8.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern höchst selten.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich. Unter ©. Rhenana Bor. u. C. subjacea (Beck) im Inundationsgebiete der Donau
bei Wien, A. Teyber (H. Teyber).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 86
676 Augustv. Hayek,
Diese Pflanze wurde von Herrn Alois Teyber unter den vermuthlichen Stammeltern aufgefunden
und auch von ihm als Hybride gedeutet. Thatsächlich nimmt €. Teyberi zwischen €. Rhenana Bor. und
C. subjacea (Beck) eine derartige Mittelstellung ein, dass ihre hybride Abstammung sehr wahrscheinlich
ist, insbesondere da ihre Vorkommensverhältnisse dafür sprechen. Von ©. Rhenana Bor. unterscheidet sich
€. Teyberi durch größere, länger gefranste, weniger herablaufende Anhängsel, kaum oder nicht längs-
nervige Nägel der Hüllschuppen, ungetheilte obere und einfach fiederspaltige untere Blätter, von €. subjacea
(Beck) durch kleinere, die Nägel nicht verdeckende, schwarze Anhängsel, reichere Verzweigung,
schmälere obere und getheilte untere, etwas grau behaarte Blätter, kleinere Köpfchen und den Pappus.
38. Centaurea micrantha Gmelin, Reise durch Russland, I, p. 135 (1770) (micranthos).
Biennis vel perennis. Radix crassa, lignosa, fusiformis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, strictus,
ad 50cm altus, angulatus, ad angulos scaber, cano-tomentosus, infra medium paniculato-ramosus ramis
patentibus abbreviatis simplieibus vel iterum ramosis, inflorescentia inde plus minus racemosa. Folia
basalia petiolata, pinnata, foliolis pinnatisectis, lobis lanceolatis cartilagineo-mucronatis, caulina inferiora
petiolata, pinnatipartita segmentis dentatis vel pinnatilobis lanceolatis, caulina media sessilia, inferioribus
conformia, superiora pinnatifida lobis lanceolatis integerrimis vel dentatis cartilagineo mucronatis, suprema
hinc inde lanceolata indivisa. Folia omnia ad marginem et in pagina inferiore setulis minimis scabra, et
utrinque plus minusve canotomentosa vel glabrescentia vel calva.Capitula in apice ramorum singularia,ovata,
I Imm longa et 7ımm lata.Squamae involucri virides, sulcato-nervoso-striatae, glabrae vel pubescenti-tomen-
tosae, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae scariosae, fuscae, macula obscura rotatae, in
marginem scariosam pellucidam decurrentes, caeterum serierum triangulares, vix 1 mm longae, nigrae vel
fuscae, ad marginem brevissime decurrentes, pectinato - fimbriatae fimbriis fuscis vel dilutioribus
latitudine appendieis aequilongis vel paulo longioribus utringue 4—6. Corollae roseae, marginales
radiantes. Achenia vix 3 mm longa, fusca, dilute lineata, puberula, hylo non barbata, papposa. Pappus
albidus, biserialis, series interior brevissima connivens, exterior erecta ca. I mm longa.
Synonyme.
Centaurea paniculata Willd, Spec. plant. Ed. IV, 3, p. 2292 pro parte (1800). — Marsch. v.
Bieberst., Fl. Taur.-Caue. II, p. 346 (1808).
Cyanus paniculatus Baumg., Enum. stirp. Transs. III, p. 76 (1816).
Centaurea panicnlata Sadl., Fl. Com. Pest. II, p. 290 pro parte (1826).
Centawrea Biebersteinii De Cand, Prodr. Syst. veget. VI, p. 583 (1837).
Centaurea paniculata Sadl., Fl. Com. Pest, Ed. II, p. 409 pro parte (1840).
Centaurea paniculata a micranthos Griseb,., Spieil. Fl. Rumel. et Bithyn., p. 239 (1844).
Centaurea Biebersteinii Griseb. et Schenk, Iter Hung. in Wiegm. Arch. f. Naturg. VII, p. 345
(1848).
? Centaurea cylindrocarpa Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 34 (1852).
Centaurea Biebersteinii Heuff., Enum. plant. Ban. Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges. VIII, p. 144
(1858). \
Centaurea paniculata et C. Biebersteinii Schur, Enum. plant. Transs. p. 408 (1866).
Centaurea paniculata Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 124 pro parte (1866).
Centaurea australis Pan£ic apud A. Kerner, die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz.
Siebenb. in Österr. bot. Zeitschr. XXII, p. 217, Sep., p. 279! (1872).
Centaurea maculosa Boiss., Fl. orient. III, p. 647 (1875).
Centaurea australis Nym., Consp. Fl. Europ., p. 426 (1878— 82).
Centaurea Biebersteinii Nym.,]. c., p. 427 (1878—82).
Centaurea maculosa Brandza, Prodr. Fl. Rom, p. 305 (1879—83).
Centaurea Biebersteinii Simonk. Enum. fl. Transs., p. 350 (1886).
N
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 67
Abbildungen.
Gmelin, Reise durch Russland I, Tab. XXIII. — Taf. VII, Fig. 9.
Exsiccaten.
Baenitz, Herb. Europ. Nr. 2961 (als €. Biebersteinii D. C.). Nr. 7299 (als C. Biebersteinii D. C.). Nr. 7738
(als C. Biebersteinii D. C.). Nr. 9771 (als C. australis Pan£.). — Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 30,
Nr. 2960 (als C. Biebersteinii D. C.)
Verbreitung.
Süd-Russland, Rumänien, Serbien, Bulgarien, Siebenbürgen, Ungarn, bis Nieder-Österreich.
“ j Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich. Auf Sanddünen bei Oberweiden, Beck (H. Beck). An der Raaberbahn bei
Wien,! Breidler (H. U. W.).
Ungarn. Parndorfer Wall, Beck (H. Beck.).Insula Csepel, in clivis arenosis prope Kordany, Tauscher
(H.P. Z.). Insula Csepel, e marginibus viarum prope Schilling, Tauscher (H.P.Z.). Ofen, Borbäs (H. U.W.).
Ofen, auf Dolomit, L. Richter (H.P. Z., H. Kk., H. U. W.). Blocksberg bei Ofen, L. Richter (H.P. Z.).
Inter montes St. Gerardi et aquilarum Budae, Borbas (H. Kk., H. U. W. H.K., H. H. M.). In monte
St. Gerardi ad Budam, Borbäs (H. Hal.), L. Richter (H. Hal.). Adlersberg bei Ofen, A. Kerner (H.K.),
Steinitz (H. Ull, H. H. M.). Spießberg bei Ofen, A. Kerner (H. K.). Auwinkel bei Budapest, Szepligeti
(H. Ull.). Szechenyhegy bei Budapest, L. Richter (H. U. W.). Auf Bergen um Ofen, Läng (H. E.). Budae,
in Zeltahegy, Sztehlep (H. Beck.). Üllöer Mauth bei Pest, L. Richter (H. P. Z.). Dubova, Borbäs (H.K.).
Inter vineas collis Csigled territorii Agriensis, Vrabelyi (H.K.) Agria (Erlau), ad pedem montis Saloktaksa,
Vrabelyi (H.K.). Matra, ad pagum Boclony, Vrabelyi (H.K.). In pascuis montanis ad Lukany, Vrabelyi
(H.H. M.). Dömörkapu bei St. Endre, L. Richter (H. Ull.). Temesmegye, L. Richter (H. Murr.). Banat,
Rochel (H. Kk.). Groß-Tolwang, Wierzbicki (H. J. G.). Mehadia, leg? (H. Kk.). Orawicza, Wierzbicki
(H. J. G.). Csiklova, Wierzbicki (H. U. P.)
Slavonien. In rupibus, cui arx insidet, ad Vucsim, Com. Veröcensis, leg? (H. U. W.). Com. Pozsega,
Bavich (H. P.H.z.b. G.).
Siebenbürgen. In loeis sterilibus, ad vias, Hermannstadt, Schur (H. H. M.). Groß Scheuern b.
Hermannstadt, Fuß (H.K.). Klausenburg, Wolff (H. z. b. G.). Auf Hügeln bei Torda, Sagorski (H. E,,
H. U. W., H. Ronniger, H. Hal.). Auf grasigen steinigen Berglehnen am Szekelykö bei Toroczko, Csatö
(H.U.W.). Trockene Hügel bei Wolkendorf, Römer (H.P.Z.). Langenthal, Barth (H.P.Z.). Zaizon, Zigeuner-
hügel, Römer (H.F.1.). Wolkendorf, Römer (H.F.1.). Mediasch, Barth (H. Hal., H. H. M.). Hasadck,
Kalkfelsen, leg? (H. H. M.). Kronstadt, Römer (H. Murr). Kapellenberg bei Kronstadt, Schur (H. H. M.).
Kronstadt, Zinne, Baenitz (H. H. M.). Langenthal, Barth (H. H. M.).
Centaurea micrantha wurde zuerst vonGmelin in der »Reise durch Russland« bereits im Jahre 1770
beschrieben und trefflich abgebildet. Diese Angabe gerieth jedoch bald in Vergessenheit und Bieberstein
beschrieb die südrussische Pflanze als C. paniculata, da er sie mit der von Linne so genannten Art für
identisch hielt. Erst De Candolle erkannte, dass die von Bieberstein beschriebene Pflanze von der
westeuropäischen verschieden sei und nannte sie (. Biebersteinii. Diesen Namen adoptierte auch Grise-
bach in seinem Iter hungaricum (1848), nachdem er vier Jahre früher die Pflanze im Spicilegium florae
Rumelicae ganz richtig als C.paniculata var. micranthosGmel. aufgeführt hatte. Den Namen €. Biebersteinii
behielten auch alle neueren Autoren bis auf Simonkai bei. Nur A. Kerner und Pan£ic glaubten, dass
1 Hier wohl nur eingeschleppt.
86*
678 Augustv. Hayek,
©. Biebersteinii D. C. mit der durch Ungarn und Siebenbürgen weitverbreiteten Art nicht identisch sein
könne, da letztere ausdauernd sei, während erstere von De Candolle zweijährig, von Grisebach aber
einjährig genannt wurde, und nannten die ungarische Pflanze C. australis. Thatsächlich verhält sich die
Sache aber folgendermaßen. €. micrantha Gm. hat, wie alle verwandten Arten, eine zweijährige, derbe,
holzige Wurzel, die unter Umständen auch mehrere Jahre ausdauert. Unter mehreren am selben Standort
gesammelten Exemplaren kann man solche mit dünner und solche mit derber, holziger Wurzel finden.
C. Biebersteinii D.C. und C. australis Pan£. sind demnach vollkommen identisch, wie dies schon Borbas!
nachgewiesen hat. Wahrscheinlich gehört auch C. cylindrocarpa Rchb. hieher; da aber die Abbildung
durch auffallend schmale Köpfchen abweicht und Originale mir nicht vorliegen, Kann ich ein endgiltiges
Urtheil nicht fällen.
Centaurea micrantha Gmel. unterscheidet sich von allen verwandten Arten Österreich-Ungarns
durch die kleinen, wenig über 10 mm langen Köpfchen, von €. Rhenana Bor. und C. triniaefolia Heuff.
überdies durch den kürzeren Pappus, von €. Reichenbachioides Schur hinwieder durch das Vorhandensein
desselben. Mit €. maculosa Lam. hat C. micrantha Gmel. viele Merkmale gemeinsam, ist jedoch durch die
kleineren Köpfchen und die kürzeren, viel weniger zahlreichen Fransen der kleineren Anhängsel leicht zu
unterscheiden. Die südlich an ©. micrantha Gmel. sich anschließende C. affinis Friv. ist durch die
bedeutend größeren Köpfchen leicht von ihr zu unterscheiden, C. pallidior Boiss. hingegen weicht von
ihr nur wenig durch die rauhere Bekleidung und die heller gefärbten Anhängsel ab, während €. Macedonica
Griseb. durch die gelbbraunen Anhängsel und den durchscheinenden herablaufenden Hautrand leicht von
ihr zu unterscheiden ist.
C. Arenariae. Anhängsel dreieckig, wehrlos, die unteren Fransen in ein deutliches, scariöses, durch-
scheinendes Häutchen verschmolzen. Hüllschuppen längsnervig. Pappus vorhanden.
39. Centaurea Tauscheri A. Kerner, Die Veget. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in österr.
bot. Zeitschr. XXII, p. 120, Sep., p. 281! (1872).
Perennis. Rhizoma crassum, lignosum, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 50 cm altus
angulatus, ad angulos scaber, cano - tomentosus, a medio paniculato-ramosus ramis plus minus elongatis
simplicibus vel iterum ramosis, inflorescentia inde plerumque corymbosa. Folia basalia petiolata pinnati-
partita, segmentis pinnatisectis lineari-lanceolatis cartilagineo-mucronatis, caulina inferiora petiolata,
pinnati-partita, segmentis dentatis vel pinnatisectis lineari-lanceolatis, media et superiora sessilia pinnati-
fida, lobis lineari-lanceolatis dentatis vel integerrimis, cartilagineo mucronatis, suprema saepe linearia
integra. Folia omnia margine et in pagina inferiore setulis minimis dense obsita et utrinque plus minus
dense cano-tomentosa. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 12 mm longa et 9 mm lata. Squamae
anthodii pallide flavescenti-virides, nervoso-striatae, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae
squamarum lanceolatae scariosae, caeterum triangulares acutae brevissimae, nigricantes, pectinato fimbriatae
fimbriis utringque 3—4, infra fimbrias utrinque in auriculam scariosam pellucidam productae. Corollae
roseae, marginales radiantes. Achenia 3'/, mm longa, grisea, glabra, umbelico non barbata, papposa. Pappus
biserialis, albus, series interior brevissima connivens, exterior erecta, 11/),—2 mm longa.
Abbildung.
Taf. VII, Fig. 10.
1 Termeszett. Közlem. 1875 p. 135.
Pr
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 679
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. I. Nr. 84. — Baenitz, Herb. Europ. Nr. 1297. — Flora exs.
Austro-Hung. Nr. 3433.
Verbreitung.
Nur in der Umgebung von Budapest.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn. Csepel-Insel, bei Csep, Tauscher (H. P. Z.). Csepel-Insel, bei Tököl, Tauscher (H.P. Z.
H.E., H.Hal., H.z.b.G.). Csepel-Insel, bei Tököl und Csepele, Tauscher (H.K.). Pest, auf Sand, L. Richter
(H. F. J., H. z. b. G.). Flugsand bei Pest, Freyn (H.z.b. G.). Üllöer Mauth bei Pest, L. Richter (H. z. b. G.).
Auf Erdauswüffen bei der Reitschule an der Üllöerstrasse bei Budapest, Spreitzenhofer (H. z. b. G.).
40. Centaurea arenaria Marsch. v. Bieberst. apud Willdenow Spec. plant. Ed. IV. 3. p. 2278! (1800).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 80 cm
altus, a parte inferiore paniculato-ramosus ramis elongatis virgatis iterum ramosis, inflorescentia inde
plerumque corymbosa. Folia basalia petiolata, pinnati-parita, segmentis pinnatisectis lineari-lanceolatis
cartilagineo mucronatis; folia caulina inferiora petiolata, pinnati-partita, segmentis dentatis vel pinnatisectis
lineari lanceolatis cartilagineo-mucronatis, media et superiora sessilia, pinnatifida, lobis lineari-lanceolatis
dentatis vel integerrimis, cartilagineo-mucronatis, suprema saepe linearia integerrima. Folia omnia in
margine et pagina inferiore setulis minimis dense obsita, viridia vel canescenti-tomentosa. Capitula in
apice ramorum singularia, ovata, 10—11 mm longa et S mm lata. Squamae anthodii pallide flavescenti-
virides, nervoso striatae, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum lanceolatae
scariosae, caeterum serierum triangulares, brevissimae, pallidae, pectinato fimbriatae fimbriis utrinque 2 --4
pallidis, infra fimbrias utrinque auricula scariosa pellucida praeditae. Corollae roseae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, grisea, glabra, hylo non barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior
brevissima connivens, exterior erecta, 11/,—2 mm longa.
Synonyme.
Centaurea arenaria Marsch. v. Bieberst., Flora Taur.-Cauc. II, p. 347 (1808). — Spreng,, Syst.
nat. Ed. XVI. 3, p. 398 (1826) — non Reichenbach.
Spilacron crupinoides Cass. in Dict. des scienc. nat. L., p. 239 (1527).
Centaurea arenaria De Cand., Prodr. Syst. veget. VI, p. 581 (1837). — Heuff., Enum. plant. Ban.
Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges. VIII. p. 144 (1858). — Neilr. Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob.
Gefäßpfl., p. 124 (1866). — Diagn. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 75 (1867).
Centaurea Banatica A. Kern., Die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in öst. bot.
Zeitschr. XXII, p. 120, Sep., p. 281! (1872), non Rochel.
Centaurea arenaria Boiss., Fl. orient. III, p. 649! (1875).
Centaurea Jankaeana Simonk. in Termesz. Füzet. 1877 p. 103 (1877).
Abbildung.
Taf. VIII, Fig. 11.
Exsiccat.
Flora exs. Austro-Hung. Nr. 3434.
Verbreitung.
In den Sandsteppen Südrusslands, Serbiens, Bulgariens und Ungarns.
680 Augustv. Hayek,
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Csepel-Insel, zwischen Tököl und Csepele, Tauscher (H. z. b. G.). Rakos bei Budapest,
Szepligeti (H. P. Z.). Zwischen Säri und Alsö-Dabas, A. Kerner (H.K.). Grebenac im Banat, Borbäs
(H. K., H. Hal, H. H. M,, H. z. b. G.). Flamunda bei Deliblad, Wagner (H. Hal.). In collibus arenosis
Fortina-Fetje prope Karlsdorf, Janka (H. H. M. H.K., H. z. b. G.).
Im Jahre 1872 beschrieb A. Kerner in seinen »Vegetationsverhältnissen« zwei neue Centaurea-
Arten aus der Verwandtschaft der C. arenaria M. B. Die eine davon ist die vorstehend beschriebene
C. Tauscheri, die andere nannte A. Kerner C. Banatica und gab als Unterschied derselben gegenüber der
echten C. arenaria M.B. an, dass ihr vor allem der dichte graue filzige Überzug fehle. Drei Jahre später
(1875) versuchte Borbäas! nachzuweisen, dass diese beiden Arten sowie die von Simonkai beschriebene
C. Jankaeana von C. arenaria M.B. nicht verschieden seien und dass Kerner nicht die wahre C. arenaria
M. B., sondern eine andere Pflanze, nämlich C. arenaria Läng et Szovits, die er vorläufig als ©. arenaria
var. tomentosa bezeichnet, vorgelegen sei. Ich kann Borbäs Ausführungen in den meisten Punkten
beipflichten. Originalexemplare Biebersteins im Herbar Willdenow lassen sich von denen der (©. Bana-
tica Kern. und den von Simonkai citierten Exemplaren der €. Jankaeana thatsächlich nicht unterscheiden.
Ferner befindet sich im Herbare Kerners noch das Exemplar, das Kerner für die echte €. arenaria M. B.
gehalten hat, welches von der wahren Pflanze dieses Namens in den gleichen Merkmalen abweicht, durch
welche sie sich nach Kerner von (. Banatica Kern. unterscheiden soll. Anders hingegen verhält es sich
mit C. Tauscheri Kern. Diese Art ist von C. arenaria M. B. durch die schwarze Spitze der Hüllschuppen-
anhängsel, die mehr vortretende graue Behaarung, etwas größere Köpfchen und kürzere Zweige constant
verschieden und zweifellos als eigenthümliche Form aufzufassen, die sich in ihren Merkmalen der
C. Rhenana Bor. und €. micrantha Gmel. nähert. Auffallend ist auch die Verbreitung von C. Tauscheri
Kern. Sie wurde bisher nur in der Nähe von Budapest, am häufigsten auf der Csepel-Insel, beobachtet, in
einem Gebiete, wo sowohl C. arenariaM.B.,als auch ©. Rhenana Bor. und Ü. micrantha Gmel. vorkommen.
Diese Mittelstellung einerseits, sowie die Vorkommensverhältnisse andrerseits machen es naheliegend,
anzunehmen, dass (©. Tauscheri Kern. entweder als eine Hybride zwischen €. arenaria M. B. und
C. Rhenana Bor. (oder vielleicht auch C. micrantha Gmel.) aufzufassen oder zum mindesten als eine
ursprünglich aus einer solchen hybriden Verbindung hervorgegangene Art anzusprechen sei. Die Häufig-
keit ihres Vorkommens würde eher für letztere Auffassung sprechen, doch ließe sich ein endgiltiges Urtheil
erst nach genauem Studium der Verhältnisse an Ort und Stelle geben.?
C. Glaberrimae. Anhängsel der Hüllschuppen halbmondförmig oder kurz dreieckig, wehrlos, kurz
gefranst. Hüllschuppen kahl und glatt. Ausdauernde Arten mit kleinen Köpfchen. Pappus vorhanden.
41. Centaurea glaberrima Tausch, Sylloge plant. nov. itemque minus cognit. II, p. 249 (1828).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 40 cm
altus, angulatus, glaber, a parte inferiore paniculato-ramosus ramis monocephalis vel iterum ramosis
plerumque abbreviatis, inflorescentia inde plus minus racemosa. Folia basalia petiolata, bipinnati-partita
12—15 juga segmentis linearibus vix 1 mm latis mucronatis. Folia caulina inferiora basalibus similia 8—12
juga, sessilia, media et superiora sessilia, pinnati-partita 2—5 juga, lobis linearibus mucronatis, impari vix
longiore. Folia omnia viridia, glaberrima, foliolis saepe_margine involutis. Capitula in apice ramorum sin-
gularia, oblongo-ovata, ca 1Ommm longa et 6 mm lata. Squamae anthodii glaberrimae, nitidae, intimae tantum
nervoso-Striatae, fuscescenti-virides, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum
ovatae scariosae, apice denticulatae, caeterum serierum semilunares margine breviter decurrentes
1 Termeszett. Közlem. 1875, p. 133 ff.
2 Vgl. auch Hayek in Schedae ad floram ex Austro-Hung IX, Nr. 3434.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 681
obtusiusculae fulvae pectinato-fimbriatae fimbriis utrinque 3—5 brevissimis, in extremis tantum denticu-
latae. Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia 3mm longa, pallide griseo-fusca, puberula, umbelico
non barbata, pappo circiter 1 mm longo coronata.
Synonyme.
Centaurea virgata Portenschl. in Schedis! non Willd.
Centaurea punctata Visiani in Flora XII, I, Erg. Bl., p. 23! (1829).
Centaurea virgata Host, Fl. Austr. II, p. 527 (1831).
Centaurea maculosa Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 217 (1831), non Lam.
Centaurea punctata De Cand., Prodr. syst. veget. VI, p. 584 (1837). — Visiani, Fl. Dalm. II, p. 39
(1847). — Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 137 (1848).
Centaurga virgata Maly,.c.
Centaurea punctata Reichenb,, Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, p. 30 (1852). — Schloss et Vukot,,
Fl. Croat., p. 749 (1869). — Pantocs., Adnot. ad fl. et faun. Herceg. Cernag. et Dalm., p. 44 (1874).
Centaurea glaberrima Vis., Fl. Dalm. Suppl. I, p. 55 (1876). — Nym., Consp. fl. Europ., p. 426
(1878 — 82).
Centaurea punctata Fritsch, Excursionsfl., p. 598 (1897).
Abbildungen.
Visiani, Fl. Dalm. Tab. IX. — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 47, Fig. 2 et 3. —
Taf. VIII, Fig. 12.
Verbreitung.
Montenegro, Hercegovina, Dalmatien, Insel Lussin.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale. Insel Lussin, Ried (H. Ried).
Dalmatien. Dalmatien, Michaletti (H.E.). Ragusa, Jabornegg (H.J.G., H.z.b.G.). Pichler
(H. K, H. Hal, H. z.b. G.). Huter (H.K.). Adamovic (H. Ull,H. H.M.). Ascherson (H.z.b.G.). Auf
sonnigen Anhöhen um Ragusa, Neumayer (H.H.M.), Portenschlag (H. H. M.). Lapad bei Ragusa,
Studnicka (H. Hal.). Felsen ober Macarsca am Wege nach Imoski, Petter (H. H. M.). Clementi, Bracht
(H. H. M.). Sign., leg.? (H. K.). Isola Olpa, Paul Beck (H. Beck).
Centaurea glaberrima Tausch wurde schon von Portenschlag entdeckt, welcher sie jedoch für
die weit verschiedene, mit ©. squarrosa W. und C. diffusa Lam. verwandte C. virgata W. hielt. Unter
diesem Namen nahm sie auch Host in seine Flora Austriaca auf. Später beschrieb Tausch die Art unter
dem Namen C. glaberrima im oben citierten, von der bot. Gesellschaft zu Regensburg herausgegebenen
Sylloge (die meisten Autoren citieren »Flora«, was ganz falsch ist). Diese Beschreibung war jedoch
Visiani, der die Pflanze kurz darauf ebenfalls auffand, entgangen, und er beschrieb sie daher wieder
als neue Art unter dem Namen C. punctata. Diese beiden Arten sind aber zweifellos vollkommen identisch,
weshalb die Pflanze den Namen C. glaberrima Tausch als den älteren zu führen hat.
Durch die glatten, stumpfen, wenig gefransten Anhängsel ist C. glaberrima Tsch. sehr ausgezeichnet,
und könnte nur mit ©. aplolepa Mor. und €. Tommasinii Kern. verwechselt werden. Erstere ist von ihr
durch fast doppelt größere Köpfchen und breitere Blattabschnitte, letztere durch die rauhen Blätter und den
Mangel eines Pappus verschieden.
D. Cristatae. Anhängsel halbmondförmig oder kurz dreieckig, hell, wehrlos oder dornig; einjährige
Arten. Pappus fehlend.
682 Augustv. Hayek,
42. Centaurea Tommasinii A. Kerner, Sched. ad fl. exsicc. Austro-Hung. I, p. 86! (1881).
Annua. Radix fusiformis, crassa; mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, strictus, ad 40 cm altus,
angulatus, scaber, a medio paniculato ramosus ramis iterum ramosis elongatis, inflorescentia inde plus
minusve corymbosa. Folia basalia bipinnato-partita, segmentis 1. ordinis remotis 6—10 jugis, segmentis
2. ordinis linearibus mucronatis integris vel pinnatisectis; florendi tempore saepe emarcida. Folia caulina
sessilia, inferiora bipinnato-partita, media et superiora pinnato-partita segmentis anguste linearibus
mucronatis. Folia omnia viridia, in margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera. Capitula in apice
ramorum singularia, eirciter 11mm longa et 8 mm lata. Squamae anthodii virides, estriatae vel interiores
inconspicue sStriatae, appendieibus non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum scariosae, ovatae,
pallidae, caeterum serierum semilunares, flavidae, pectinato-dentatae dentibus utringque 3—6 vix 1/, mm
longis, medio paulo validiore spinuliforme, lateralibus infimis in auriculam parvam scariosam pellueidam
confluentibus. Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia 2!/, mm longa, fusca, glabra, hylo non
barbata, epapposa.
Synonyme.
Centaurea cristata var. a. Visiani, Fl. Dalm. II, p. 38 (1847).
Centaurea cristata var a. Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 29 (1852).
Abbildung.
Taf. VIII, Fig. 13.
Verbreitung.
Stellenweise auf den Inseln des Quarnero, sowie am Lido bei Venedig.
Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Litorale. Am Hafendamm (Porporello) auf Veglia, Tommasini (H.K.,H. Hal.). Ossero, No& (H.E.).
Auf dem Scoglio Strombolo an der Südspitze Istriens, Tommasini (HIEBn)):
C. Tommasinii Kern. ist von C. cristata Bartl. durch die stark verkürzten Fransen der Anhängsel
der Hüllschuppen leicht zu unterscheiden. Über ihre Unterschiede gegenüber C. glaberrima Tausch
siehe oben.
43. Centaurea cristata Bartling in Bartl. et Wendl,, Beitr. z. Botanik, p. 119! (1825).
Annua. Radix fusiformis, tenuis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, strictus, angulatus, ad 40 cm
altus, scaber, amedio paniculato-ramosus ramis elongatis iterum ramosis, inflorescentia inde plus minusve
corymbosa. Folia basalia bipinnato-partita, segmentis 1. ordinis remotis 6— 10 jugis, segmentis 2. ordinis
linearibus mucronatis integris vel pinnatisectis, florendi tempore saepe emarcida. Folia caulina sessilia,
inferiora bipinnato-partito, media et superiora pinnato-partita segmentis anguste linearibus mucronatis. Folia
omnia viridia, in margine et in pagina inferiore Setulis minimis aspera. Capitula in apice ramorum
singularia, ovata, 12 nm longa et 8 mm lata. Squamae anthodii virides, estriatae, appendicibus fere omnino
obtectae. Appendices seriei intimae squamarum scariosae, ovatae, pallidae, caeterum serierum fulvae,
breviter triangulares vel semilunares, brevissime decurrentes, pectinato fimbriatae fimbriis utringue 3—5
Nexuosis latitudine appendicis circiter aequilongis, infra fimbrias utringue cum auricula scariosa pellucida.
Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia 21), mm longa, fusca, glabra, hylo non barbata,
epapposa. Floret Julio, Augusto.
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 683
Synonyme.
Rhaponticum paniculatum Scop., Fl. Carn., Ed. Il. 2, p. 136 (1772).
Centaurea cristata Reichenb,, Fl. Germ. excurs., p. 217 (1831).
Centaurea acutiloba De Cand., Prodr. Syst. veg. VI, p. 581 (1847).
Centaurea cristata Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., p. 411 pro parte (1837). — Taschenb. d. deutsch. u.
schweiz. Fl., p. 305 pro parte (1844).— Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. Il, p. 475 pro parte (1844).
Centaurea cristata var. ß. Visiani, Fl. Dalm. II, p. 38 (1847).
Centaurea cristata Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 157 pro parte (1848).
Centaurea cristata var. ß. Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 29 (1852).
Centaurea cristata Bertol., Fl. Ital. IX, p. 443 (1853). — Nym. Consp. fl. Europ., p. 426 pro parte
(1878—82).— A.Kern., Sched. ad. fl. exs. Austro-Hung. I, p. 86! (1881).— Marches,, Fl. di Trieste, p. 312
(1896— 97). — Fritsch, Excursionsfl., p. 598 (1897).— Pospich,, Fl. d. österr. Küstenlandes II, p. 925
(1899).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 46, Fig. 1 et Tab. 155, Fig. 1, 4, 5, 6. — Taf. VIII,
Fig. 14.
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 21, Nr.2012.— Baenitz, Herb. Europ. sine Nr. — Kerner, Fl.
exs. Austro-Hung. Nr. 232.
Verbreitung.
An der Meeresküste rings um den Golf von Triest, landeinwärts bis Südkrain reichend.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Görz: Felsen bei San Giovanni di Duino, Pichler (H. H. M.,H. U. W. H. P. Z, H. B., H. Beck., H.
Hal. H.Ull). Duino, Bartling (H.K.), Lehmann (H.H.M.), Tommasini (H. z.b.G.), Marchesetti
(H. z. b. G.), Hayek. Nabresina, Papperitz (H. H. M.).
Triest: Op£ina bei Triest, Marchesetti (H. U. P,, H. B., H. H. M.), Keck (H. Kk.), Engler (H. B.).
An der Scala Santa bei Triest, Engelhardt (H. Ronniger). Monte Spaccato bei Triest, Engelhardt (H.U.
-P.,H. Ull), Kammerer (H. F.]J.), Breindl (H.H.M.). Am Karst bei Triest, Tommasini (H.J.G., H. Hal.),
Schramm (H. H.M.), Hayek. Triest, Huter (H. K.), Brandmayr (H. z. b. G.). Fiumaner Straße bei Triest,
Hackel (H.B.). Settiano, Tommasini (H. z. b. G.). Contovello, Steurer (H. Hayek). Napoleonstraße bei
Contovello, Steurer (H. H. M.). Neuer Hafen von Triest, Engelhardt (H. Ull, H. P., H. z. b. G.).
Nach Pospichal findet sich €. cristata Bartl. noch in Krain am Südfuß des Nanos. Nach Süden
reicht ihr Verbreitungsgebiet in Istrien mindestens bis zur Mündung des Quieto, vielleicht aber auch noch
viel weiter, möglicherweise bis Pola; im Quarnero wird sie durch die nahe verwandte €. spinoso-ciliata
Seen. vertreten. Da aber die Autoren diese beiden Arten meist nicht unterschieden haben, lässt sich auf
Grund der Angaben derselben die Verbreitung beider Arten nicht sicherstellen, und gerade aus Istrien liegt
mir leider kein Herbarmaterial vor. Freyn führt in seiner Flora von Süd-Istrien allerdings €. cristata
Bartl. an, da er aber der (. spinulosa-ciliata Seen. keine Erwähnung thut und keine Beschreibungen
gibt, ist nicht mit Sicherheit zu ersehen, ob Freyn thatsächlich die echte Pflanze dieses Namens
gemeint hat.
44. Centaurea spinoso-ciliata Seenus, Beschreib. einer Reise nach Istrien u. Dalm., p. 65 (1809.)
‘Annua. Radix fusiformis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus, strictus, ad 40cm altus, angulatus,
scaber, a medio paniculato ramosus ramis iterum ramosis elongatis, inflorescentia inde plerumque
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 87
684 Augustv. Hayek,
corymbosa. Folia basalia bipinnato partita 10—15 juga, segmentis 1. ordinis remotis, segmentis 2. ordinis
linearibus mucronatis integris vel pinnatisectis. Folia caulina inferiora petiolata bipinnato-partita 5—10Ojuga,
media et superiora sessilia pinnato-partita 3—5 juga segmentis anguste linearibus mucronatis. Folia omnia
viridia, in margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera. Capitula in apice ramorum singularia, ovata,
ceirciter 12 mm longa et 8 mm lata. Squamae anthodii virides, estriatae vel interiores inconspicue striatae,
appendicibus non omnino obtectae. Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae, pallidae, cae-
terum serierum triangulares, margine breviter decurrentes, apice in spinulam conspicuam 2—3 mm lon-
gam patulam productae, fulvae, margine pectinato-fimbriatae, fimbris 1I—2 mm longis utringue 3—6,
inferioribus in auriculam scariosam pellucidam parvam confluentibus. Corollae roseae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, glabra, umbelico non barbata, epapposa vel pappo minutissimo coronata. Floret Julio,
Augusto.
Synonyme.
Centaurea Kartschiana Bartl. in Bartl. et Wendl. Beitr. z. Botanik, p. 118 pro parte (1825).
Centaurea spinosa-ciliata Bernh. in Spreng. Syst. veget., Ed. XVI, 3, p. 403 (1825).
Centaurea Karschtiana Reichenb. in Mösslers Handb. d. Gew. Kunde, Ed. II, 2, p. 1544 (1828).
Centaurea spinosa-ciliata Host, Fl. Austr. II, p. 521 (1831). — Alsching, Fl. Jadr., p. 141 (1832).
Centaurea Karschtiana Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 217 pro parte (1832).
Centaurea cristata Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 413 pro parte (1837). — Taschenb. d. |
deutsch. u. schweiz. Fl, p. 305 pro parte (1844). — Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 475 pro parte (1844). |
Centaurea cristata var. y. Visiani, Fl. Dalm. II, p. 38 (1847). |
Centaurea cristata Maly, Enum. pl. phan. in Austr., p. 137 pro parte (1848).
Centaurea cristata var. y. Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 29 (1852).
Centaurea divergens Reichenb. fil. 1. c., p. 35 (1852).
Centaurea cristata Neilr., Die Veget. Verh. v. Kroat., p.89 (1868). — Schloss. et Vukot. Fl. Croat.,
p. 745 (1869). — Marches,, Sulla veget. dell’isola Veglia, p. 45 (1875). — Borb., Symb. ad fl. aest. ins.
Arbe et Veglia in Math. et terme&sz. bizott. Közlem. XIV, p. 3191 (1877). — Nym. Consp. Fl. Europ., p. 246
pro parte (1878—82).
Centaurea Kartschiana Nym., 1. c., p. 426 pro parte.
Centaurea spinoso-ciliata A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. I., p. 87 (1881).
Abbildungen.
Reichenb: fil, Ic.’El. Germ. et Helv. XV, Tab. 51, Big. I. et Tab, 55, Fig, 1. — Tat: VII, Rie-ior
Exsiccaten. ’
Reichenb,, Exsicc., Nr. 579 (als ©. Karschtiana). — Baenitz, Herb.-Europ., sine Nr. (ex anno
1875 als C. cristata).
Verbreitung.
Vom Quarnero südwärts längs der Meeresküste, wahrscheinlich bis Albanien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale: Abbazzia, Haläcsy (H. Hal.). Dünen am Quarnero bei Mostenizza, Freyn (H. B.).
Preluca in Istrien, Rossi (H.B.). Veglia, Pichler (H. KH. B. H.z.b.G.).
Kroatien: Fiume, Koväts (H. U. P.) Rossi (H.P. Z, H.Hal.). No& (H.K.K, H.E,H.H.M)),
Freyer (H.H.M.), Sadler (H.H. M.), Smith (H.K.). Ai Piopi bei Fiume, No& (H. H. M.,H. E.). In locis
4
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 685
lapidosis ad mare ad Cserewitza, prope Fiume, A. M. Smith (H. Klef.). Scoglio di S. Marco bei Fiume
A. Kerner (H.K.). Segniae, in locis apricis, Borbäs (H. B.). Prope Porto re, Zengg, Wulfen (H. H. M.).
Dalmatien: Dalmatien, Petter (H. U. W.). Spalato, Gelmi (H. P. Z.), Studnicka (H. Kk., H.F.]J.
H. Hal. H.z.b.G.), Pichler (H.J. G.), Petter (H.K.), Brandmayr (H. z. b. G.). An Hecken am Wege
nach Salona, Petter (H. H. M.). Salona-Clissa, Bornmüller (H. B.). Lesina, Botteri (H.K.).
C. spinoso-ciliata Seen. unterscheidet sich von C. cristata Bartl. vor allem durch die in ein abste-
hendes, ca. 2 mm langes Dörnchen vorgezogenen Anhängsel der Hüllschuppen und nähert sich dadurch
der €. divergens Vis. sowie der €. Kartschiana Scop., welche aber durch den deutlich entwickelten Pap-
pus leicht von ihr zu unterscheiden sind. Durch den Mangel des Pappus lassen sich überhaupt die vor-
stehend beschriebenen drei Arten von den meisten übrigen Arten der Section Acrolophus mit Sicherheit
unterscheiden,
Centaurea Tommasinii Kern. C. cristata Bartl. und €. spinoso-ciliata Seen. sind zweifellos ein-
ander sehr nahestehende Arten, die sich eigentlich nur durch die verschieden gestalteten Anhängsel der
Hüllschuppen unterscheiden, während sie in Bezug auf die vegetativen Organe und den Bau der
Achaenen einander vollkommen gleichen. Die dreiArten bewohnen außerdem ein geschlossenes Gebiet vom
Nordrande der Adria bis nach Dalmatien. Ohne auf die höchst complicierten Verwandtschaftsverhältnisse
der ganzen Gruppe Acrolophus hier näher eingehen zu wollen, können wir aus den erwähnten Umstän-
den doch schließen, dass die genannten drei Arten in einem entwicklungsgeschichtlich sehr nahen Zusam-
menhange stehen. Leider ist die Verbreitungsgrenze zwischen C. cristata Bartl. und €. spinoso-ciliata
Seen. nicht genau bekannt, aber so viel steht fest, dass erstere als die nördliche, letztere als die südliche
Parallelform anzusehen ist. C. Tommasinii Kern. hingegen zeigt uns ein sehr isoliertes Vorkommen im
Verbreitungsgebiete der letzteren Art. Freilich wurde die Art bisher wenig beachtet und dürfte auch noch
anderwärts zu finden sein. Jedenfalls ist aber anzunehmen, dass C. cristata Bartl. und C. spinoso-ciliata
Seen. sich aus einer gemeinsamen Stammform entwickelt haben. Ob diese Diffferenzierung vor langer
Zeit oder erst in einer jüngeren Periode sich vollzogen hat, lässt sich, da es unbekannt ist, ob noch deut-
liche Übergangsformen vorkommen (nach Visiani sollen alle drei Arien ineinander übergehen), sowie bei
dem Mangel eines gewaltige klimatische Veränderungen mit sich bringenden Zeitabschnittes, wie es in
Mitteleuropa die Eiszeit ist, im Verbreitungsgebiete dieser Arten, nicht mit Sicherheit sagen, doch ist bei
den aneinander schließenden Verbreitungsbezirken eher an eine in jüngerer Zeit erfolgte Trennung zu
denken. Sehr wahrscheinlich scheint es mir aber, dass wir die gemeinsame Stammform in der €. Tomma-
sinii Kern. zu suchen haben. Ihr auf wenige Localitäten beschränktes seltenes Vorkommen spricht ent-
schieden dafür, dass wir es mit Resten einer ehemals weiteren Verbreitung zu thun haben; da anderseits
©. cristata Bartl. und C. spinoso-ciliata Seen. in ihren Verbreitungsgebieten ungemein zahlreich auf-
treten, die Standorte der C. Tommasinii Kern. überdies durchwegs im Verbreitungsbezirke der letzteren
liegen, liegt es nahe, anzunehmen, dass C. Tommasinii Kern. ehemals im ganzen Gebiete der beiden
anderen genannten Arten vorkam, sich aber im Laufe der Zeit den klimatischen Verhältnissen entspre-
chend veränderte, und nur an wenigen Localitäten in ihrer ursprünglichen Gestalt bestehen blieb. Auf
diese Weise lässt sich sowohl die Verbreitung als auch die große Ähnlichkeit der genannten drei Arten
ungezwungen erklären.
Infolge ihrer großen Ähnlichkeit wurden Centaurea Tommasinii Kern. C. cristata Bartl. und
C. spinoso-ciliata Seen. vielfach miteinander verwechselt. €. spinoso-ciliata wurde zuerst im Jahre 1805
von Seenusa.a.O. beschrieben. Dass Seenus die auch von uns als €. spinoso-ciliata bezeichnete und
keine andere Art gemeint hat, ist nach seiner Beschreibung sowie den Vorkommensverhältnissen zweifel-
los, da €. divergens Vis., auf die Seenus’ Beschreibung allenfalls noch passen würde, viel seltener ist
87#
Por Se
686 Augustv Hayek,
und auch nicht soweit nach Norden reicht, dass Seenus gerade sie gemeint haben könnte. Wahr-
scheinlich hat Bernhardi den Speciesnamen ebenfalls von Seenus übernommen, und von ihm so bezeich-
nete Exemplare wurden dann im Jahre 1826 von Sprengel im Systema vegetabilium beschrieben, doch
ist die hier gegebene Beschreibung auch nicht klarer als die von Seenus publicierte. Ein Jahr früher
beschrieb Bartling die bei Duino vorkommende Pflanze als (. cristata, welcher Name bald Eingang
fand, während der Name spinoso-ciliata in Vergessenheit gerieth und letztere Art bald mit €. cristata
Bartl.,, bald mit der durch den langen Pappus und breitere Blattzipfel von ihr deutlich verschiedenen
C. Kartschiana Sc op. verwechselt wurde. Visiani war der erste, der alle drei Arten kannte, (C. spinoso-
ciliata Seen. von €. Kartschiana Scop. schied und alle drei Formen als var. a, ß und 7 der (. cristata
anführte. Visiani hielt jedoch seine var. a, die der €. Tommasinii Kern entspricht, für die echte Pflanze
Bartlings, doch sowohl die Standortsangabe Duino als auch ein im Herbare Kerners befindliches
Original-Exemplar beweisen, dass diese Deutung falsch und Visianis var. ß die wahre (. cristata
Bartl. ist. Wenige Jahre später hat Reichenbach fil, insbesondere dadurch, dass er, indem er
C. spinoso-ciliata Seen. für €. divergens Vis. hielt, letztere neu als €. Petteri beschrieb, nun (. cristata
Bartl.+C. Tommasinii Kern. allein in drei Formen zu spalten versuchte, die Verwirrung noch vermehrt,
bis endlich A. Kerner im ersten Hefte seiner »Schedae« die drei Formen kritisch schied und die Nomen-
clatur klarstellte.
E. Longipappae. Anhängsel der Hüllschuppen dreieckig, in einen deutlichen Dorn auslaufend. Aus-
dauernde Arten mit mittelgroßen Köpfchen und langem wohl entwickeltem Pappus.
45. Centaurea Kartschiana Scopoli, Flor. Carn., Ed. II, 2, p. 140 (1772).
Perennis. Rhizoma crassum, lignosum, descendens, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus, stric-
tus, ad 40 cm altus, angulatus, glaber, a basi vel a parte inferiore paniculato-ramosus, ramis patentibus
iterum ramosis elongatis, inflorescentia inde plerumque corymbosa. Folia basalia petiolata, pinnata, foliolis
4—6 jugis pinnatisectis, segmentis late lanceolatis acutis; folia caulina inferiora breviter petiolata, pinnati-
fida segmentis 5—7 jugis pinnatisectis; media breviter petiolata pinnatisecta lobis 3—4 jugis ovato-lanceo-
latis cartilagineo-mucronatis impari longiore et latiore; superiora mediis conformia 2—3 juga, suprema lan-
ceolata integra. Folia omnia viridia, ad marginem setulosa, caeterum glabra, in lamina rugoso-punctata.
Capitula in apice ramorum singularia, late ovata, 11 mm longa et 9 mm lata. Squamae anthodii virides,
praecipue interiores nervoso-striatae, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum
ovatae scariosae, caeterum serierum triangulares, margine breviter decurrentes, apice in spinulam brevem
1—1'/; mm longam patentem productae, fulvae, pectinato-fimbriatae, fimbriis utringue 4—6 circiter 1 mm
longis, inferioribus in auriculam scariosam parvam confluentibus. Corollae roseae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, pallide grisea, glabra, hylo non barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior
brevissima, connivens, exterior erecta, alba, cireiter 5 mm longa.
Synonyme.
Centaurea Kartschiana Bartl. in Bartl. et Wendl., Beitr. zur Botanik, p. 118 pro parte (1825).
Centaurea carstiana Host, Fl. Austr., II, p. 521 (1831).
Centaurea Kartschiana Reichenb,., Fl. Germ. exc., p. 215 pro parte! (1831).
Centaurea Karschtiana De Cand., Prodr. syst. veg. VI, p. 582 (1837). — Koch, Syn. Fl. Germ. et
Helv., p. 414 (1897).
Centaurea Karschtiana Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 305 pro parte (1844). —
Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 475 pro parte (1844).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 687
Centaurea Kartschtiana Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 29 (1852).— Bertol., Fl. Ital.
IX, p. 445 (1853).
Centaurea Karschiana Wulf., Fl. Noric. phan., p. 715 (1858).
Centaurea Kartschiana Nym., Consp. fl. Europ., p. 426 (1878—8S2). — A. Kern., Sched. ad fl. exs.
Austro-Hung. I, p. 87 (1881).
Centaurea Carsiana March,., Fl. di Trieste, p. 322 (1896—97).
Centaurea Kartschiana Fritsch, Excursionsfl., p. 598 (1897).
Centaurea Carsiana Pospich., Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 925 (1899).
Abbildungen.
Scopoli, Fl. Carn., Ed. II, 2. Tab. 55. — Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 46, Fig. II!
— Taf. IX, Figel.
= Exsiccaten.
Sieber, Exsicc. Nr. 273. — Reichenb., Exsicc. Nr. 2152.
Verbreitung.
Bloß an den Abfällen des Karstes gegen den Golf von Triest von Monfalcone bis Duino im öster-
reichischen Litorale.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale: An Felsen bei der Ruine Alt-Duino, Tommasini (H.K.). Beim Alten Schloss von Duino,
Breindl (H. Hal.). An Mauern und Felsen des Schlosses Duino, Tommasini (H. K., H.z.b.G.). Duino,
Beber (E.U.P, HB), Tommasini (H.J.G, H.U. W, H. Hal, H.H.M.H.z.b.G.), Huter (H.K,
H. B.), Slug (H.K.).
Viele ältere Autoren und neuerdings auch Fritsch führen €. Kartschiana Scop. auch für Krain auf
Diese Angabe ist aber zweifellos unrichtig und wohl darauf zurückzuführen, dass die älteren Autoren
unter Krain auch das österreichische Litorale mit inbegriffen haben, und demgemäß €. Kartschiana auch
für Krain anführten.
46. Centaurea Dalmatica A.Kern, Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 37 (1881).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis ascendens, flexuosus, ad 20 cm altus,
angulatus, glaber, a basi vel a parte inferiore paniculato vel racemoso-ramosus, ramis patentibus simplici-
bus vel iterum ramosis. Folia basalia petiolata, pinnata, foliolis 5—8 jugis pinnatisectis, segmentis late
lanceolatis acutis; folia caulina inferiora petiolata, pinnatifida, segmentis 4—7 jugis pinnatisectis, media
pinnatifida, lobis 4—6 jugis lanceolatis cartilagineo-mucronatis impari vix longiore, superiora sessilia, pin-
natifida segmentis 2--5 jugis, suprema saepe lanceolata integra. Folia omnia viridia, margine setulosa,
caeterum glabra, in lamina rugoso-punctata. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 12 mm longa et
9 mm lata. Squamae anthodii praecipue apicem versus obscure fuscescenti virides, inconspicue nervoso-
Striatae, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum ovatae scariosae, caeterum
serierum triangulares, margine breviter decurrentes, apice in spinam 2—3 mm longam patentem pro-
ductae, fuscae, margine pectinato-fimbriatae, fimbriis circiter 2 mm longis pallidis, utrinque 4—7, inferiori-
bus in auriculam parvam scariosam confluentibus. Corollae roscae, marginales radiantes. Achenia 3 mm
longa, pallide grisea, glabra, hylo non barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior brevissima con-
nivens, exterior erecta, alba, 5 mm longa.
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August v. Hayek,
Synonyme.
Centaurea Kartschiana Rchb,, Icon. IX, p. 4, non Scopoli.
Centaurea Karschliana Koch., Taschenb. d. deutsch. und schweiz. Fl., p. 305 pro parte (1844). —
Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 475 pro parte (1844).
Centaurea Kartschiana V isiani, Fl. Dalmat. II, p. 38 (1847).— Neilr., die Vegetationsverh. v. Kroat.,
p. 68 (1868). — Tommasini, Sulla veget. dell'isola di Veglia, p. 45! (1875).
Abbildung.
Reichenb,, Icon. bot. IX, Tab. 811. — Taf. IX, Fig. 2.
Verbreitung.
Zerstreut an der Meeresküste von Dalmatien, Kroatien und den istrischen Inseln.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litoraie. Smergo auf Cherso, Tommasini (H. Kk.). Am Felsen der Zoiba (Kesselschlucht) di
Smergo auf Cherso, Tommasini (H.K., H.z.b. G.). Auf dem Scoglio Pervichio am Südende Veglias,
Tommasini (H. z. b.G.). Ad pagum Besca Nuova, Ins. Veglia, Borbas (H.K., H.H.M.).
Aus Dalmatien habe ich leider keine Exemplare gesehen, bezüglich der Standorte vergl. Visiani, Fl.
Dalm. II, p. 38.
Centaurea Dalmatica A. Kern unterscheidet sich von der ähnlichen €. Kartschiana Scop. durch
den aufsteigenden, hin- und hergebogenen Stengel, schmälere Blattzipfel der meist mehrpaarigen mittleren
Stengelblätter, das nicht vergrößerte Endblättchen desselben, die dunkleren Hüllschuppen, sowie die in
einen längeren Enddorn ausgezogenen, länger und heller gefransten und dunkler gefärbten Anhängsel.
Beide Arten stehen einander aber sehr nahe und dürften von einer gemeinsamen Stammform abstammen.
Ihre auf wenige Stellen beschränktes Vorkommen lässt aber darauf schließen, dass wir es mit alten, ehe-
mals verbreiteten Typen zu thun haben, die infolge von klimatischen Veränderungen auf ihr jetziges
Verbreitungsareal zurückgedrängt wurden.
F. Paniculatae. Anhängsel kurz dreieckig, kämmig gefranst, die Endfranse manchmal kurz dornig.
Pappus vorhanden, meist kurz. Ausdauernde oder monobiotische Arten.
47. Centaurea divergens Visiani, Flor. Dalm., II, p. 37 (1847).
Annua. Caulis erectus, strietus, angulatus, ad angulos scaber vel glabriusculus, a parte inferiore
paniculato-ramosus ramis patentibus iterum ramosis. Folia basalia petiolata bipinnatipartita segmentis
1. ordinis 15—20 jugis, segmentis 2. ordinis linearibus mucronatis. Folia caulina bipinnatipartita, 10—15
juga, media et superiora pinnatipartita segmentis linearibus mucronatis 2—5 jugis, suprema saepe linearia
integra. Folia omnia viridia, glaberrima vel arachnoideo-floccosa. Capitula in apice ramorum singulatia,
ovata, 8 mm longa et 6 mm lata. Squama anthodii pallide virides, appendiceibus non obtectae, nervoso-stri-
atae. Appendices seriei intimae squamarum lanceolatae, scariosae, caeterum triangulares, margine parum
decurrentes, flavidae, pectinato fimbriatae, fimbriis utringue 4—7 plusquam 1 mm longis, terminale validi-
ore spinulosa patula, inferioribus in auriculam scariosam pallidam confluentibus. Corollae roseae, margi-
nales radiantes. Achenia 3 nm longa, pallide griseo-fusca, puberula, umbelico non barbata, pappo circiter
1 mm longo coronata.
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 689
Synonyme.
Centaurea Petteri Reichenb,, Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 36 (1852). — Nym. Suppl. ad Syll. fi.
Europ., p. 5 (1865).
Centaurea divergens Schloss. et Vukot,, Fl. Croat., p. 745 (1869).
Centaurea Petteri Visiani, Fl. Dalm., Suppl. I, p. 54 (1876).
Centaurea divergens Nym, Consp. fl. Europ., p. #27 (1878—82). — A. Kern,, Sched. ad Fl. exs.
Austro-Hung,, I, p. 87! (1881). — Murb,, Beitr. z. Kenntn. d. Fl. v. Südbosn. u. d. Herceg., p. 100 (1891).
a > En SE 2 u Aa Zu Zn 2 a N
Abbildungen.
Visiani, Fl. Dalm. II, Tab. 41 — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 52, Fig. II. (als C.
Petteri). — T®. IX, Fig. 2.
Exsiccat.
A. Kerner, Flora exs. Austro-Hung., Nr. 233.
Verbreitung.
In Dalmatien, Bosnien und Hercegovina, wahrscheinlich auch in Montenegro und Albanien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Dalmatien: Bei Macarsca, Pichler (H. U. W., H. H.M. H.P.Z.,H.Beck, H. Hal, H. Ull.). Insel
Lesina, Botteri (H. Hal.,, H. H. M., H. z. b.G.). Dalmatien, Visiani (H.P.).
Bosnien: Bei Serajevo, Landauer und Sundermann (H. Beck).
Hercegovina: Hum bei Mostar, Beck (H. Beck). VeleS planina, Beck (H. Beck). PodveleS, Beck
(H. Beck). Bei.der Radoboljer Quelle (wo?) leg? (H. Beck).
Y
Centaurea divergens Vis. ist einerseits der C. spinoso-ciliata Seen., anderseits der C. glaberrima
Tausch. ähnlich. Von ersterer unterscheidet sie sich durch kleinere Köpfchen und das Vorhandensein
des Pappus, von letzterer vor allem durch die länger gefransten, in eine dornartige Spitze vorgezogenen
_ Anhängsel der Hüllschuppen und den immer etwas rauhen Stengel. Es wäre besonders bei der auffal-
lenden Übereinstimmung der Blattform nicht unmöglich, dass C. divergens Vis. mit C. glaberrima Tsch.
entwicklungsgeschichtlich in einem nahen Zusammenhange steht, doch gibt die geographische Verbreitung
keinen Anhaltspunkt dafür, und die dornigen Hüllschuppen sind immerhin ein scharf trennendes Merkmal.
Von sonstigen Arten ist €. pentelica Boiss. von C. divergens Vis. durch die graulich-grünen Blätter
und den längeren Pappus, ©. /ymphaea Hausskn. durch die längere Stachelspitze der Hüllschuppen und
kleinere Köpfchen, C. brevispina Hausskn. durch die dichtere, graue Bekleidung der weniger fein
zertheilten Blätter verschieden.
Hier ist noch eine Aufklärung über C. Petteri Reichenb. am Platze. Reichenbach hielt, wie
schon erwähnt, C. spinoso-ciliata Seen. für Visianis ©. divergens, was aus seiner Angabe, dass die
Achenen pappuslos seien, hervorgeht. Als er dann die echte ©. divergens erhielt, erkannte er sie für eine
neue Art, und beschrieb sie, da er die Pflanze von Petter erhalten hatte, als €. Petteri. Visiani, der
Originale Reichenbachs anscheinend nicht gesehen hatte, nahm diese €. Petteri dann auf die Autorität
Reichenbachs hin in das Supplement zu seiner Flora Dalmatica auf. Später wurde, nachdem C. Petteri,
d. h. eine weitere, von Ü. divergens verschiedene Art, in Dalmatien nicht mehr gesammelt worden war, bei
Verona eine Pflanze gefunden, auf die die Beschreibung Reichenbachs anscheinend stimmte, und von
Huter in seinen Exsiccaten in,zahireichen Exemplaren als €. Petleri Reichenb. vertheilt. Diese Pflanze
690 Augustv. Hayek,
ist aber von €. Petteri Rb., d. h. ©. divergens Vis. weit verschieden, und gehört in den Formenkreis der
C. paniculata Lam. Falls die Pflanze sich nicht als mit einer schon bekannten Art identisch erweisen
sollte, wäre sie demnach neu zu benennen, und ich würde für sie diesfalls den Namen (. Huleri vor-
schlagen.
C. Besseriana Janka, die mit C. Zenuiflora D.C. identisch sein soll, soll nach einer Bemerkung
Jankas im Herbare Kerner in Siebenbürgen vorkommen. Da mir jedoch keine Bestätigung dieser
Angabe vorliegt, halte ich das Vorkommen dieser Art in Österreich-Ungarn für höchst zweifelhaft.
G. Cylindraceae. Anhängsel lanzettlich, in einen kurzen Dorn auslaufend, mit wenigen Fransen.
Köpfchen schmal eylindrisch.
48. Centaurea diffusa Lamarck, Encyclop. method., V, p. 675 (1783).
Annua. Radix fusiformis, mono- vel pleiocephala. Caulis erectus vel ascendens, angulatus, ad angu-
los scabriusculus, a basi paniculato-ramosus, ramis numerosis divaricato-ramosis. Folia basalia petiolata,
bipinnatipartita segmentis lanceolatis mucronatis, folia caulina sessilia pinnatifida segmentis lanceolatis
mucronatis, suprema lanceolata indivisa. Folia omnia obscure viridia, in pagina superiore rugoso punctata,
ad marginem et in pagina inferiore setulis minimis aspera. Capitula in apice ramulorum singularia,
cylindracea, 8 mm longa et 4 mm lata. Squamae anthodii pallidae, scariosae, nervoso striatae; appendices
seriei intimae scariosae ovatae mucronatae, caeterum serierum pallide stramineae, triangulari-lanceolatae,
in spinam subulatam 3—4 mm longam patentem productae, margine decurrentes et pectinato-fimbriatae
fimbriis 1—2 mm longis spinosis utrinque 3—4. Corollae albidae, marginales vix radiantes; capitula pauci-
flora. Achenia 21/, mm longa, fuscescentia, glabra, umbelico non barbata, epapposa.
Synonyme. J
Centaurea parviflora Pers., Syn. plant. II, p. 487 (1807), non Desf. — Sibth. et Smith, Fl. Graec.
Prodr. II, p. 203 (1813). — Spreng., Syst. veget., Ed. XVI, 3, p. 403 pro parte (1813).
Centaurea diffusa a, pallida De Cand., Prodr. syst. veget., VI, p. 586 (1837).
Centaurea calolepis Boiss., Diagn. pl. or. nov. ser. Id, p. 129 (1845).
Centaurea diffusa Boiss., Fl. orient. III, p. 650 (1875). — Nym., Consp. fl. Europ., p. 428. (1878 bis
1882). — A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Aung. I, p. 88 (1881). — Marches., Fl. di Trieste, p. 323
(1896 — 97). — Fritsch, Excursionsfl., p. 597 (1897). — Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten Griechenl.
in Bull. de l’herb. Boiss. VI, p. 602, Sep. p. 38 (1898). — Pospich., Fl. d. österr. Küstenl. II, p. 925 (1899).
Abbildung.
Smith, Fl. Graee. Sipt. X, Tab. 912. — Taf. VII, Fig.
I
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 14, Nr. 1399. — Orphanides FI. Graec. exs., Nr. 743 et
Nr. 1090. — Sintenis et Bornm, It. Turc. 1891, Nr. 1325.— Magnier, Fl. exs. sel., Nr. 3305 et Nr. 3303
bis. — Baenitz, Herb. Europ., Nr. 2017 et Nr. 7013. = Rehmann, Exs. itin. Cherson., Nr. 86 et Nr. 302.
— Callier, Iter Taur. sec. a. 1896, Nr. 131. — Rehm. et Woloszez., FI. Polon. exs., Nr. 190. —
A. Kern., Flora exs. Austro-Hung., Nr. 234.
x Verbreitung.
Durch ganz Südrussland, die Balkanhalbinsel (mit Ausnahme des Peloponnes) und ganz Westasien
weit verbreitet und in neuerer Zeit in Mitteleuropa stellenweise eingeschleppt.
4
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|
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 691
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale: Campo martio bei Triest, Marchesetti (H. E,H.U.W.H.H.M., H. Beck, H. Hal., H. B.).
Nach Pospichal soll die Pflanze an diesem Standorte sich durch eine Reihe von Jahren erhalten
haben, jetzt aber wieder verschwunden sein.
5. Untergattung. Jacea Cass. in Dict. d. scienc. nat., XXIV, p. 577.
Anhängsel der Hüllschuppen trockenhäutig, deutlich vom Nagel abgesetzt und nicht herablaufend,
ganz oder kämmig oder federförmig gefranst, niemals dornig. Pappus zweireihig oder fehlend.
—
1. Section. Phalolepis De Cand., Prodr. Syst. veget., VI, p. 565.
Anhängsel der Hüllschuppen ungetheilt, concav, rundlich, stumpf oder weichspitzig. Stengel meist
reichästig. Pappus vorhanden.
49. Centaurea leucolepis De Cand., Prodr. syst. veget., VI, p. 568 (1837).
Biennis. Radix fusiformis, crassa. Caulis erectus, strictus, ad 60 cm altus, angulatus, scaber, a medio
paniculato-ramosus ramis elongatis iterum ramosis, sparsim glandulosis. Folia basalia petiolata, bipinnati-
secta lobis lanceolatis mucronatis, florendi tempore plerumque emarcida. Folia caulina inferiora sessilia vel
breviter petiolata, media sessilia, pinnatisecta, lobis lanceolatis mucronatis utrinque 3—5, superiora pinnati-
loba, suprema saepe integra vel pinnato-dentata. Folia omnia viridia, in margine et in pagina inferiore
setulis minimis aspera, in pagina superiore rugoso-punctata. Capitula in apice ramulorum singularia, ovata,
14 mm longa et Il mm lata. Squamae involucri pallide virides, nervoso-striatae, appendicibus omnino
obtectae. Appendices squamarum scariosae, orbiculares, concavae, margine praecipue apicem versus
involutae, mucronatae, albidae, medio flavescentes vel, rarius, macula fuscescente notatae, marginem
versus plus minusve pellucidae. Corollae pallide roseae, marginales vix radiantes. Achenia 3 mm longa,
parce pilosa, hylo non barbata, papposa, pappus vix 1 mm longus. Floret aestate.
Synonyme.
Centaurea splendens Linne, Spec. plant., Ed. I, p. 914 pro parte (1753). Spec. plant., Ed. II, p. 1293
pro parte (1763). — Lamarck, Encylop. meth. I, p. 665 (1783). — Host., Syn. plant. in Austr. cresc.,
p. 477 (1797). — Willd., Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2304! (1800). — Sut., Fl. Helv., II, p. 204 (1802). —
Bartl. in Bartl. et Wendl,, Beitr. z. Bot., p. 122 (1825). — Gaud, Fl. Helv., V, p. 408 (1829). — Host.,
Fl. Austr., II, p. 515 (1831). — Alsching, Fl. Jadr., p. 140 (1832). — Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 212!
(1832).
Centaurea alba a. concolor De Cand., Prodr. syst. veg., VI, p. 569 (1837).
Centaurea splendens Koch, Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 409 (1837).— Taschenb. d. deutsch.u.
schw. Fl., p.301 (1844).— Syn. fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 468 (1844). — Fleischm., Übers. d. Fl. Krains,
p. 41 (1844).
Centaurea alba \V is., Fl. Dalm., II, p. 31 (1847).
Centaurea splendens Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 135 (1848).
Centaurea alba Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 12! (1852). — Bertol, Fl. Ital., IX,
p. 464, excl. ß (1853).
Centaurea splendeus Wulf., Fl. Noric. phan., p. 713! (1858).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 83
692 Augustv. Hayek,
Centaurea alba Neilr., Die Veg. Verh. v. Kroat., p. 87 (1886). — Schloss. et Vukot., Fl. Croat.,
p. 755! (1869). — Pantocs., Adnot. ad fl. et faun. Herceg., Cernag. et Dalm., p. 44 (1874).
Centaurea alba o. concolor Boiss., Fl. or. III, p. 621 (1875).
Centaurea splendens Nym., Consp. fl. Europ., p. 420 (1878—82). — A. Kern., Sched. ad fl. exs.
Austro-Hung,, I, p. 80! (1881).
Centaurea alba Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 166! (1887).
Centaurea splendens Marches., Fl. di Trieste, p. 319! (1896 97).
Centaurea alba Fritsch, Excursionsfl., p. 595! (1898). — Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten
Griechen]. in Bull. de l’herb. Boiss., VI, p. 575, Sep. p. 11! (1898).
Centaurea splendens Pospich., Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 935 (1899).
Abbildung.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 12. — Taf. IX, Fig. 4.
Exsiccaten.
Reichenb,, Exs., Nr. 314. — Schultz, Herb. norm. Cent. 6, Nr. 512 (als C. alba), Herb. norm. Nov.
Ser. Cent. 25, Nr. 2455. — Magnier, Fl. sel. exs., Nr. 2229 (als C. alba). — Baenitz, Herb. Europ.
Nr. 1295 et Nr. 9386. — Heldr., It. quart. Thessal. a. 1885 (als €. alba var. princeps). — Kern., Fl. exs.
Austro-Hung,, Nr. 224. — Billot, Fl. Gall. et Germ. exs., Nr. 2701. — Cesati et Caruel, Plant Ital. bor.,
Nr. 58.
Verbreitung.
Im Gebiete der mediterranen Flora auf der Apenninen- und Balkanhalbinsel, nach Norden bis Süd-
frankreich, die südliche Schweiz und Triest reichend.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Krain: Verwildert bei Grahovo, Safer (H. Ull.).
Litorale: Bei Settiano unweit Duino, Marchesetti (H. z. b. G.). Inter vineas prope Prosecco et
Contovello versus mare, Wulfen (H.H. M.). Contovello, Engelhardt (H.U. P.), Kammerer (H.P. Z,),
Krasser (H.H.M.). Hügel bei Miramare, Braig-(H.H.M.). Stefaniestraße bei Triest, Engelhardt (H.
Ull.). Op£ina bei Triest, Engelhardt (H.H.M.). Triest, Hackel (H.P. Z., H. Hal.), Miller (H. Kk., H.K.),
Pichler (H.K.), Tommasini (H.K.), Brandmayr (H. z. b. G.). Monte Spaccato bei Triest, Beck (H.
Beck), Solla (H.Beck), Loser (H. Beck), Pichler (H.U.W,H.H.M, HB, H.E.7, rH. HDalsrasUEs
Engelhardt (H.E, H. Ronniger, H.H.M,. H.z.b.G.), Kammerer (H.F.1), Marchesetti (H.F.]),
Breindl (H.H.M.), Pittoni (H.H.M.), Tommasini (H.z.b.G.). Volosca, in rupibus calcareis, Evers
(H. U. W.). An der Straße von Veprinatz, am Fuße des Monte Maggiore, Haläcsy (H. Hal.). Am Abhange
des Monte Maggiore gegen Westen, Tommasini (H. z. b. G.). Rovigno, Marchesetti (H. Hal.).
Kroatien. Fiume, Kotschy“(H. U. P.), No& (H.U.P., H.E, H.U. W., H.HAM.), Freyer (H.U.E%
Sadler (H.Kk.). Fiume, gegen Volosca, A. Kerner (H.K.). Im Lazareth S. Francesco, No& (H.E). Am
Wege nach Tersato bei Fiume, Fritsch (H.Fr). Tersato bei Fiume, Rossi (H.F.J., H. Hal.). Felsen bei
Buccari, Hirc (H.U. W., H. P.). Von der Vrabecka-Stäza in der Liva, Schlosser (H.H.M.). Lubovo in
der Liva, Schlosser (H.H.M.). Kroatisches Küstenland, Vukotinovic (H. z. b.G.).
Dalmatien. Dalmatien, Botteri (H.z.b. G.). Spalato, Pichler (H.U.W.), Botteri (H.H.M.).
Festung Clissa bei Spalato, Petter (H.K.). In der Festung Clissa, auf dem Bergrücken Veliki Grad,
Petter (H.P.Z, H.H.M.). Castelnuovo, Studnicka (H. Hal.), Ehrenberg (H.B.). Cattaro, Pichler (H.
U.W., H. B., H. Hal.). Cattaro, Fort St. Johannis, Pichler (H.z. b.G.).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
(e2)
(I)
Bosnien: Felswände bei Monastir, Fiala (H. Ser.).
Hercegovina: Domanovitsch, Hentsch (H. Beck). Trebinje, Boller (H. Serg.). In Monte Pod-vele$
ad Mostar, Formanek (H. Ser.).
Centaurea leucolepis D.C. ändert in geringem Maße in der Breite der Blattzipfel ab; bald sind die
obersten Blätter tief fiedertheilig, bald nur gezähnt. Formen mit feiner zertheilten Blättern hat Gaudin
(Fl. Helv., V, p. 408) als f. tenuifolia, solche mit weniger zertheilten Blättern und breiteren Abschnitten
als f. coronopifolia bezeichnet. Auch Visianis Varietät splendens seiner Ü. alba bezieht sich auf eine
solche Form mit schmäleren Blattzipfeln. Das Mittelfeld der Hüllschuppenanhängsel ist bei (©. Zeucolepis
D.C. gewöhnlich weißlich oder gelblich, seltener, besonders an den inneren Hüllschuppen, braun; solche
Exemplare hat Koch (Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. Il, p. 468) als var. deusta bezeichnet. Die nachfolgend
beschriebene wahre C. deusta Ten. hat aber stets ein tiefschwarzes Mittelfeld der Anhängsel, und kommt
im Florengebiete Kochs gar nicht vor; es wäre also die Form Kochs anders zu benennen, und ich würde
für sie den Namen f. pseudodeusta vorschlagen.
Centaurea leucolepis D.C. wurde von den Autoren bisher theils als C. alba L., theils als €. splen-
dens L. bezeichnet. Linnes Bemerkungen bei C. alba »affinis minimum jacea«, sowie die von ihm gege-
bene Beschreibung zeigen jedoch, dass er gewiss nicht die im österreichischen Litorale verbreitete Art
gemeint hat. Seine Vaterlandsangabe »Hispania« weist vielmehr auf eine spanische Pflanze; und ich habe
bereits an anderer Stelle! auf Grund einer Photographie des Originalexemplares Linnes nachgewiesen,
dass C. alba L. thatsächlich eine von C. lencolepis D.C. verschiedene, auf der Pyrenäenhalbinsel verbrei-
tete Species ist. Aber auch der Name splendens L. lässt sich auf die Pflanze Ober-Italiens und des öster-
reichischen Litorales nicht anwenden. Wir finden bei Linne (Spec. plant., Ed. I, p. 94) über €. splendens
folgende Angaben: »Centaurea calycibus squamosis obtusis, foliis radicalibus bipinnatifidis; caulinis
pinnatis dentibus lanceolatis. Roy. lugdb. 142. Sauv. meth. 289.
Jacea calyculis argenteis, maior. Tournef. inst. 444.
Stoebe calyculis argenteis. Bauh. pin. 273.
Stoebe Salmantica 3. Clus. hist, 2, p. 10.
Habitat in Helvetia, Hispania, Sibiria, g'«.
Die Citate aus Tournefort, Bauhin und Clusius,sowie dieVaterlandsangabe Helvetia und Hispania
beziehen sich nun allerdings auf €. Zexcolepis D. C., aber gerade die Beschreibung Linne&s, an die man sich
doch in erster Linie zu halten hat, bezieht sich, wie man aus der Angabe: Calycibus oblusis (bei C. alba
schreibt Linne ganz richtig »mucronatis«), ebenso wie aus derAngabe »habitat in Sibiria« ersieht, zweifel-
los auf eine andere Art, und zwar auf jene, welche Tenore später als €. margaritacea bezeichnet hat,
welche thatsächlich, wenn auch nicht in Sibirien, so doch in Südrussland vorkommt. Wir müssen daher
annehmen, dass Linne nur die C. margaritacea Ten. wirklich vorliegen hatte, sie aber mit der Jacea
calyculis argenteis Tournef. und den anderen citierten Arten der älteren Autoren für identisch hielt und
die Verbreitungsangaben Helvetia und Hispania aus diesen Autoren geschöpft hat. Wenn man also, was
vielleicht das zweckmäßigste wäre, den Namen Centaurea splendens Linne nicht ganz fallen lassen will,
so kann man ihn nur für die Pflanze, auf die auch Linnes Beschreibung passt, in Anwendung bringen,
und das ist nur €. margaritacea Ten.
Lamarck und Willdenow haben später Linne&s Diagnose der C. splendens entsprechend geändert
und thatsächlich nur die von uns als C. leucolepis bezeichnete Art unter diesem Namen verstanden; doch
kann dies natürlich an der Thatsache, dass C. splendens L. = C. margaritacea Ten. ist, nichts ändern,
1 Verh. d. zool. bot. Ges. LI (1901), p. 10.
88*
4
694 Augustv. Hayek,
ganz abgesehen davon, dass es immer eine missliche Sache ist, einen von Linne aufgestellten Namen im
Sinne eines späteren Autors zu verwenden. Auch De Candolle war sich über die Bedeutung der Namen
C. alba und C. splendens nicht völlig klar und er hat, wie aus seinen Angaben erhellt, unsere Art zum
Theile auch unter seiner €. alba begriffen, anderseits beschreibt er aber ganz klar gerade die Pflanze des '
österreichischen Küstenlandes als neue Art unter dem Namen Centaurea leucolepis, und ich möchte daher
vorschlagen, diesen Namen als den ältesten und einzigen keinen Zweifeln unterworfenen für diese im süd-
lichen Europa weit verbreitende Art in ihrem ganzen Umfange zu acceptieren.!
Was die Unterschiede von verwandten Arten betrifft, so ist €. alba L. von €. leucolepis D.C. durch
die verlängerten Äste, das schwarzbraune Mittelfeld der Hüllschuppenanhängsel und die einfach getheilten
unteren und ungetheilten oberen Blätter verschieden; €. deusta Ten. unterscheidet sich durch das tief-
schwarze Mittelfeld der Anhängsel, C. splendens L. durch den Mangel einer Stachelspitze derselben,
C. princeps Boiss. et Heldr. durch den reichdrüsigen Stengel, breitere, nur gezähnte Blätter und fast
doppelt größere Köpfchen, €. sterilis Stev. endlich durch doppelt kleinere Köpfchen und den bedeutend
kürzeren Pappus.
(49x 54) Centaurea leucolepis D.C. x Weldeniana Rchb.
Eines offenbar dieser Combination entsprechenden Bastardes hat Borbäs mehrfach Erwähnung
gethan.
In der österr. bot. Zeitschrift, NXV], p. 348 (1876) spricht er von der Auffindung dieses Bastardes das
erstemal, und nennt ihn €. diversifolia, ohne jedoch eine Beschreibung der Pflanze zu geben. Bei Per-
laky in Termeszett. füzetek, XV, p. 42, heißt die Pflanze auf einmal C. eudiversifolia Borb., und unter
diesem Namen wird sie von Borbäs auch später mehrfach erwähnt, doch meines Wissens zum mindesten
in einer wissenschaftlichen Zeitschrift nirgends genauer beschrieben. Da mir auch keine Exemplare der
Pflanze vorliegen, kann ich über sie kein Urtheil abgeben. Nach Simonkai ist übrigens C. diversifolia
Borb. von C. leucolepis D.C. nicht verschieden.
50. Centaurea deusta Tenore, Fl. Napolit., I, p. 266! (1811—15).
Biennis. Radix fusiformis, crassa. Caulis erectus, strictus, ad 60 cm altus, angulatus, scaber, a medio
paniculato-ramosus ramis elongatis iterum ramosis, eglandulosis vel sparsim glandulosis. Folia basalia
petiolata, bipinnatisecta lobis lanceolatis mucronatis, Norendi tempore plerumque emarcida. Folia caulina
inferiora breviter petiolata, media sessilia, pinnatisecta lobis mucronatis lanceolatis utringue 3—5, superi-
ora pinnatiloba vel pinnato-dentata, suprema lanceolata integra. Folia omnia viridia, margine et in pagina
inferiore setulis minimis aspera, in pagina superiore rugoso-punctata. Capitula in apice ramorum singula-
ria, ovata, 14 mm longa et 12 mm lata. Squamae anthodii pallide virides, nervoso-striatae, appendieibus
omnino obtectae. Appendices squamarum scariosae, orbiculares, circiter 5 mm longae, mucronatae, con-
cavae, margine, praecipue apicem versus, involutae, albae, nitidae, medio macula nigra ovata a margine
alba valde distante notatae. Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, parce pilosa,
pappo vix 1 mm longo coronata.
Synonyme.
Centaurea alba ß deusta De Cand., Prodr. Syst. veget., VI, p. 569 (1837).
Centaurea alba ß Bertol,, Fl. Ital., IX, p. 464 (1853).
1! Nyman (Consp. fl. Europ., p. 420) citiert C. leucolepis Ten. Meines Wissens hat Tenore aber eine C. leucolepis nicht auf-
gestellt und scheint Nymans Angabe auf einem Schreibfehler zu beruhen,
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 695
Centaurea alba var. deusta Neilr., Die Veg. Verh. v. Kroat., p. 88 (1868).
Centaurea alba ß deusta Boiss., Fl. orient., III, p. 621 (1875).
Centaurea alba var. deusta Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. angrenz. Herceg., p. 166 (1887). — Murb,,
Beitr. z. Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg,, I, p. 96 (1891).
Centaurea deusta Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten Griechenl. in Bull. de l’herb. Boiss., VI, p. 574,
‚Sep. p. 10 (1898).
Abbildung.
Taf. IX, Fig. 5.
Exsiccaten.
Huet, PI. Neapol. a. 1856, Nr. 348. — Heldr., pl. fl. Hellen. sine Nr. — Beck, Pl. Bosn. et Her-
‚ceg. exs. sine N,
Verbreitung.
Stellenweise in Mittel- und Unteritalien, Bosnien, Hercegovina, Albanien und Griechenland.
Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Kroatien: In Lazareth San Francesco in Fiume, No& (H. E.).!
Bosnien: Kozina-Cuprina bei Sarajevo, Fiala (H. Beck, H.Ser.). In der Rokitnica-Schlucht bei
Rogatica, Fiala (H. Beck, H. Ser.). Treboviö, Beck (H. Beck). Ober Zepi£, auf Serpentin, Beck (H. Beck).
Trnowo, Brandis (H. Ser.).
Hercegovina: Auf Felsen bei Konjica, Beck (H. U. W., H. Beck).
Centaurea deusta Ten. ist von allen verwandten Arten durch das tiefschwarze Mittelfeld der
Anhängsel der Hüllschuppen leicht zu unterscheiden. Eine Braunfärbung desselben findet man allerdings
manchmal auch bei C. lencolepis D.C. und fast constant bei €. princeps B.H., doch ist dasselbe nie so tief
schwarz und vom weißen durchscheinenden Rande so grell abstechend wie bei C. deusta.
Centaurea deusta Ten. und C. leucolepis D.C. gehören einer kleinen Gruppe von Arten an, die alle
das mediterrane Gebiet bewohnen. Sie sind sämmtlich scharf von einander verschieden, höchstens zwi-
schen C. leucolepis D.C. und C. deusta Ten. kommen Mittelformen vor; eine geographische Scheidung
der Formen kann man jedoch nicht constatieren. Allerdings sind €. alba L. auf die iberische Halbinsel,
C. splendens L. auf den äußersten Südosten Europas beschränkt, aber sowohl C. Zeucolepis D.C. als
C. deusta Ten. und C. princeps B. H. kommen zum Theile in denselben Gebieten vor. Da bei der scharfen,
Die ausdauernden verwandten Arten, wie C. musarum B. et Orph., C. Heldreichii Hal. und C. sub-
ciliaris B. H. stehen augenscheinlich in einem etwas weiteren Verwandtschaftsverhältnisse zu den
erwähnten Formen und dürften sich diese Arten wohl in einem noch früheren Zeitraume von der Stamm-
iorm getrennt haben.
1 Dürfte wohl auf Einschleppung beruhen.
[er]
<D
o
Augustv. Hayek,
2. Section. Eujacea Hayek.
Anhängsel der Hüllschuppen ganz oder kämmig zerrissen. Pappus fehlend. Pflanzen meist mit
wenigeren, verlängerten Ästen.
a) Vulgares.
Anhängsel ungetheilt oder die äußeren unregelmäßig eingerissen.
51. Centaurea Haynaldi Borbäs apud Vukot., Novi obl. hrvatsk. hrast. in »Rad jugosl. Akad. znan.
i umjetn. L, p. 37, nomen solum (1880).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum Caulis erectus, strietus, angulatus, cano-
floccosus, ad 60 cm altus, in parte superiore in ramos paucos breves monocephalos divisus. Folia basalia
petiolata, ovata, acuta cartilagineo mucronata, remote cartilagineo-denticulata; folia caulina lato-lanceo-
lata, inferiora petiolata, media et superiore sessilia, integerrima vel remote denticulata, lente decrescentia,
infra capitula aggregata et capitula fulerantia 2—3 cm longa. Folia omnia in pagina superiore viridia, in
pagina inferiore viridia vel tomento canescentia, plus minusve floccosa, margine setulis minimis aspera.
Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, globosa, 15—20 mım longa et lata. Squamae
involucri virides, nervoso striatae, appendicibus omnino obtectae. Appendices orbiculares, scariosae,
magnae, 10 mm circiter longae, obtusae, concavae, pallide fuscescentes, macula centrali obscura notatae
vel rarius concolores. Corollae purpureae, marginales radiantes. Achenia 31/, mm longa, pallide griseo-
fusca, puberula, umbelico non barbata, epapposa.
Synonym.
Centaurea alba Fleischm,, Übers. d. Fl. Krains, p. 41 (1844).
Abbildung.
Taf. VII, Fig. 4.
Verbreitung.
Nur aus den Gebirgen Kroatiens und Krains bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Krain: Crna prst, untere alpine Region, Engler (H. B.), Rechinger (H. U. W.).
Kroatien: In graminosis aprieis montis Gleschevitza ad Korenitza, 5000’, Borbäs (H.H.M.,H.Hal,
H.K.).
Centaurea Haynaldi Borb. ist eine sehr auffallende Pflanze Bezüglich der Köpfchen ähnelt sie
noch am meisten der Ü. bracteata Scop., doch sind sie noch bedeutend größer und meist dunkler
gefärbt; außerdem unterscheidet sie sich von ihr aber durch die großen abstehenden oberen Stengelblätter,
die nach oben zu so langsam deecrescescieren, dass selbst die Köpfchenstützenden noch 2—3cm lang
sind. Von C. jacea L. und ihren Verwandten ist €. Haynaldi Borb. durch die doppelt größeren Köpfchen
auf den ersten Blick zu unterscheiden.
02. Centaurea argyrolepis Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 80cm altus,
arachnoideo-lanatus, a parte inferiore vel a medio in ramos nonnulos vel numerosos elongatos virgatos
|
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 697
simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, denticulata, caulina inferi-
| ora lanceolata, media et superiora lineari-lanceolata, integerrima, acuta, cartilagineo mucronata. Folia
omnia in margine et in pagina superiore setulis minimis scabra, caeterum tomento arachnoideo canescen-
tia. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, globoso-ovata, 16 mm longa et 14 mm
lata. Squamae involucri virides, interiores nervoso-Striatae, appendieibus omnino obtectae. Appendices
squamarum interiarum scariosae, orbiculares, concavae, pallide fuscae, mediarum et exteriarum scariosae,
valde concavae, albidae, marginem versus pellucidae, hince inde apice molliter mucronatae. Corollae pur-
pureae, marginales radiantes. Achenia fere 3 mm longa, pallide griseo - fusca, pubescentia, hylo non
barbata, epapposa.
Synonyme.
Centaurea Gaudini Mülln. in Verh. d. zool. bot. Ges., XXXVII, Sitzgsber. p. 30! (1888). — Beck,
- Fl. v. Niederößferr., II, p. 1246! (1893).
Abbildung.
Tab. IX, Fig. 6.
Verbreitung.
Nur aus Niederösterreich bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Niederösterreich: Auf Wiesen zwischen Perchtoldsdorf und Gießhübl, Müllner (H. U. W.,H.
Beck, H. Mülln.), Teyber (H. Hayek).
Centaurea argyrolepis steht der C. bracteata Scop. (= C. Gaudini B.R.) allerdings sehr nahe, unter-
scheidet sich aber von ihr durch die langen, ruthenförmigen Äste, schmälere Blätter und die weichspitzigen
Anhängsel der Hüllschuppen. Ich glaubte die Pflanze ursprünglich mit Centaurea euxina Velen,, Fl.
Bulg., p. 304 (1891) identificieren zu können, doch ist letztere von ihr durch noch schmälere obere, fieder-
lappige untere Blätter und kleinere Köpfchen mit ganz durchsichtigen Hüllschuppen verschieden.
Wahrscheinlich ist C. argyrolepis eine mit €. jacea L. verwandte selbständige Species, die bei
Gießhübl nur zufällig eingeschleppt vorkommt. Gelegenheit zur Einschleppung ist dort, da daselbst drei
große Meiereien stehen, durch fremdes Vieh und fremdes Heu wohl zu Genüge gegeben. Wo die Pflanze
ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet hat, ist mir leider unbekannt geblieben, wahrscheinlich jedoch
irgendwo im Orient.
Ganz unmöglich wäre es freilich nicht, dass C. argyrolepis doch nur eine Standortsform von
C. bracteata Scop. oder €. Pannonica (Heuff.) darstellt, doch wage ich es nicht, bei den bei Verglei-
" chung von Exemplaren augenfälligen Unterschieden, sie mit einer dieser Formen zu identificieren.
53. Centaurea bracteata Scopoli, Delic. fl. et faun. Insubr., II, p. 17 (1786).
Perennis. Rhizoma descendens, crassum, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, ad 60 cm
altus, angulatus, scaber et tomentoso-floccosus, a medio in ramos nonnullos non valde elongatos erectos
simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, integra vel rarius lyrato-
pinnatiloba, denticulata cartilagineo-mucronata; folia caulina lanceolata, acuta, integerrima vel denticulata,
inferiora petiolata, media et superiora basi attenuata sessilia, ramealia erecta parva, capitula fulcrantia
1—2 cm longa. Folia omnia ad marginem et ad nervos paginae inferioris setulis minimis aspera, utrinque
tomento floccoso plus minusve canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, ovato globosa, 13 mm
longa et 12 mm lata. Squamae anthodii virides, inconspicue nervosae, appendicibus omnino obtectae.
698 Augustv. Hayek,
Appendices squamarum scariosae, orbiculares, obtusae, concavae, margine praecipue apicem versus invo-
lutae, hinc inde lacerae, albidae vel pallide fuscescentes, medio saepe obscuriores. Corollae persicinae,
marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula, hylo non barbata,
epapposa. Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea alba Sut., Fl. Helv., II, p. 204 (1802), non Linne.
Centaurea bracteata Bertol. in Röm. Collect., p. 111 (1809).
Centaurea amara ß Gaud,, Fl. Helv., V, p. 407 (1829).
Centaurea amara Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 213! (1832), non Linne.
Centaurea jacea x mollis De Cand., Prodr. Syst. veget., VI, p. 571 (1837).
Centaurea amara Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 849 (1840). — Koch, Taschenb. d. deutsch. u.
schweiz. Fl., p. 301 pro parte! (1844). — Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 468 pro parte (1844). — Maly,
Enum. plant. phan. imp. Austr.,, p. 135 pro parte (1848). — Hausm,, Fl. v. Tir., I, p. 493! (1851). —
Reichenb. fil., Icon. Germ. et Helv., XV, p. 13 pro parte! (1852). — Bertol,, Fl. Ital., IX, p. 461 pro parte
(1853).
Centanrea jacea Facch., Fl. v. Süd-Tir., p. 101 (1855).
Centaurea Gaudini Boiss. etReut., Diagn. plant. orient. nov., Ser. II, 3, p. 70 (1856). — N ym., Consp.
fl. Europ., p. 421 (1878—S1).
Centaurea jacea ß angustifolia et x Gaudini Gremli, Excursionsfl. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 253
(1889).
Centaurea Gaudini Fritsch, Excursionsfl., p. 595 pro parte (1897).
Centaurea angustifolia Fritsch, |. c, p. 595 pro parte.
Centaurea bracteata Hayek, in Sched. ad fl. exs. Austro-Hung., IX, Nr. 3418.
Abbildungen.
Scopoli, Delic. Fl. et faun. Insubr. II, Tab. IX. — Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv. XV,
Tab. 22, Fig. 10—-15 (als €. amara). — Taf. IX, Fig. 8.
Exsiccat.
Flora exs. Austro-Hung., Nr. 3418.
Verbreitung.
Durch ganz Oberitalien und von hier in die südlichen Alpenthäler der Schweiz und Tirols ein-
dringend.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: Zerstreut um Brixen, Meissner (H.K.), Hofmann (H.z.b.G.). Saltaus im Passeierthale,
Sarnthein (H. F. 1). Eppan, Heufler (H.F].). Eisackthal, Du Moulin (H. Hal.). Oberbozen, leg.? (H. z.
b. G.). Bozen, Rehsteiner (H.P. Z.), Heufler (H. H. M.), F. Sauter (H.F.L), A. Kerner (H.K.), Haus-
mann (H.P.Z., H.z.b.G.). Unteres Tierserthal bei, Bozen, Sonklar (H.U. W.). Ritten bei Bozen,
Hausmann (H.H.M., H. z.b.G.). Ritten, am Klobenstein bis Kematen, Hausmann (H. F. I). Kematen,
Keelhofen am Ritten, Hausmann (H. F.1). Trient, Goccia d’oro, Val de_Lievre (H.F.L). Trient, am
Rande eines Weingutes unter Sardagna, Val de Lievre (H.F.I, H. U. W.). Trient, von Maderno nach
Calmuz, Val de Lievre (H. F. 1). Trient, sopra Fasse, Val de Lievre (H. F. I.). Trient, Kastanienwald in
Messiano, Val de Lievre (H.F.1.). Trient, zwischen Fort Civezzano und Villa Montagne, Val de Lievre
(H. U. W., H.F.1). Avezzano, Kuppe des Doss del Cuz, 2976’, Val de Lievre (H.U.W.,H. F.1.). Trient,
Shen.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 699
südlicher Abhang des Kalisberges, Val de Lievre (H.U.W.). Wälder am Kalisberg, Val de Lievre (H.F.
- 1). Bergwiesen am Monte Finonuhio, Heufler (H.F.1.). Tristacher Bergwiesen auf der See-Tratta, Pich-
ler (H. Kk.). Schlosswald von Gandegg, Heufler (H. F.I.). Marung, leg.? (H.F.IL). Sand in Taufers,
Treffer (H.F.I.). Welsberg, Rell (H.F.L). Bruneck, Hellweger (H.F.I). Innichen, Hellweger (H.
F.1.). Franberg, Bamberger (H.F.1.). Lienz, Gander (H.Hal, H.K., H.z.b.G.). Kerschbaumeralpe,
Pichler (H.H.M.).
Küstenland: Am Isonzo bei Trenta, Rechinger (H.U.W.). Monte Santo bei Görz, Mik (H.z.b.G.).
Centaurea bracteata Scop. unterscheidet sich von ©. Haynaldi Borb. durch kleinere, heller
gefärbte Köpfchen und die lanzettlichen, kleinen, aufrechten Blätter der Äste; von €. argyrolepis durch die
weniger reiche Verzweigung mit kürzeren Ästen, etwas derbere, niemals stachelspitze Hüllschuppen-
anhängsel, vom C. banatica Roch. oft nur sehr schwer durch die ganzen, niemals kämmig zerrissenen
äußeren Anhängsel der Hüllschuppen und schmälere Blätter, von ©. Weldeniana Rehb. durch größere
Köpfchen und hellere Hüllschuppen, von €. jacea und €. Pannonica Heuff. endlich durch die deutlich
concaven, weißen oder nur hellbräunlichen Anhängsel des Hüllkelches, durch ebendieses Merkmal ist sie
auch von den westeuropäischen verwandten Arten, wie C. gracilior Bor., verschieden. Sie ist eine leicht
kenntliche, wenig abändernde Art; an alpinen Standorten ist der Stengel oft kaum 5 cm hoch, aufsteigend,
die Köpfchen werden kleiner und dunkler gefärbt, an tiefer gelegenen Orten ist die Pflanze höher, ästiger.
An trockenen sonnigen Stellen sind die Hüllen oft fast schneeweiß gefärbt, anderseits findet man aber,
besonders an der Grenze des Verbreitungsbezirkes der Pflanze, so namentlich im Pusterthale, Exemplare,
an welchen die Anhängsel der Hüllschuppen dunkler braun und weniger concav sind, während zugleich
die graue Bekleidung der Blätter zurücktritt; solche Individuen sind wohl als Annäherungsformen an
C. jacea L. aufzufassen.
Centaurea bracteata Scop. gehört in den Kreis jener Formen, die von den Autoren gewöhnlich als
Centaurea amara bezeichnet werden. Ich habe bereits an anderer Stelle! nachgewiesen, dass diese
Bezeichnung unzutreffend ist, und der Formencomplex, der gewöhnlich als ©. amara bezeichnet wird, in
zahlreiche Arten zerfällt. Eine dieser Arten ist ©. bracteata Scop., dieselbe Art, die später von Boissier
und Reuter als C. Gaudini beschrieben worden ist, und welche Hausmann, Koch und andere als
C. amara bezeichnet haben.
Im Herbare des k. k. naturhistorischen Hofmuseums befindet sich ein Exemplar, dem folgende
Notiz von Kochs Hand beiliegt: »Ist auch dieselbe, der ich in meiner Synopsis gedachte, aber sie
kommt mir noch immer wie eine Varietät von Centaurea jacea vor«.
Die Pflanze, die Scopoli als C. bracteata beschrieben hatte, stammte vom Fuße der Apenninen,
und zwar, wie man aus Röm,, Collect., p. 111, ersehen kann, aus der Gegend von Genua. Die bei Genua
vorkommende Pflanze ist nun zweifellos ganz dieselbe wie die Südtiroler. Die Beschreibung und Abbil-
dung Scopolis passen ferner ganz genau auf diese Pflanze, und es liegt daher gar kein Grund vor, den
Namen C. bracteata Scop. zu Gunsten des um 70 Jahre jüngeren C. Gaudini Boiss. et Reut. fallen zu
lassen.
54. Centaurea Weldeniana Reichenb., Fl. Germ. exc., p. 213 (1832).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus vel flexuosus, angu-
latus, scaber, viridis vel cano-floccosus; a parte inferiore in ramos nonnullos elongatos virgatos simplices vel
ramulo uno alterove praeditos divisus. Folia basalia petiolata, late lanceolata, acuta, in petiolum attenuata,
denticulata, folia caulina sessilia vel infima breviter petiolata, lanceolata, ramealia erecta, ad 2 cm longa.
Folia omnia in margine et ad nervos paginae inferioris setulis minimis aspera, et utrinque tomento arach-
1 Schedae ad floram exsiccatam Austro Hungaricam IX, Nr. 3418.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 89
700 Augustv. Hayek,
noideo canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, ovata, 11—14 mm longa
et 8-12 mm lata. Squamae anthodii viridis, inconspicue nervosae, appendicibus omnino obtectae,
Appendices orbiculares scariosae, acutae, ferrugineae vel fulvae, concavae, margine, praecipue apicem
versus, involutae, integrae vel extremae parum lacerae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia
3 mm longa, pallide griseo-rufescentia, hylo non barbata, epapposa. Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Rhaponticum eriophorum Scop., Fl. Carniol., Ed. II, 2, p. 136 (1772).
Centaurea amara Alsch,, Fl. Jadr., p. 190 (1832), non Linne. — Koch, Taschenb. d. deutsch. u.
schweiz. Fl., p. 301 pro parte (1844). — Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 486 pro parte (1844), —
Fleischm,, Übers. d. Fl. Krains, p. 44 (1844).
Centaurea jacea ß amara Vis., Fl. Dalm., II, p. 32 (1847).
Centaurea amara Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 135 pro parte (1848).
Centaurea Weldeniana Maly, 1. c. (1848). — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv, XV, p. 12
(1852).
Centaurea amara Schloss. et Vukot, Fl. Croat., p. 756! (1869). — Freyn, Die Fl. v. Süd-Istr. in
Verh. d. zool.-zot. Ges., XXVII, p. 363 (1877). — Nym., Consp. Fl. Europ., p. 421 pro parte (1878 —82).
Centaurea Weldeniana Nym.,]. c. — A. Kern, Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 80! (1882).
Centaurea amara Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. angrenz. Herceg., p. 166! (1837). — Murb,, Beitr. z.
Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg,, p. 96 (1891).
Centaurea jacea Marches.! Fl. di Trieste, p. 319 (1896-97).
Centaurea amara Hal., Die bish. bek. Centaurea-Arten Griechenl. im Bull. de l’herb. Boiss. VI,
p. 976, Sep., p. 12 (1898.)
Centaurea amara f. 1. Weldeniana Rouy, Classif. rais. d. Cent. de la section Jacea in Bull. d. l’ass.
franc. de bot., I, p. 83 (1898).
Centaurea serotina Pospich., Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 934 (1899).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 22, Fig. 1—9. — Taf. IX, Fig. 9.
Exsiccaten.
Reichenb,, Exs. Nr. 577 (als C. amara). — Petter, Exs., Nr. 220 (als C. amara). — Petter, Fl.
Dalm. exs., Nr. 85 (als C. amara). — A. Kern., Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 226. — Callier, Pl. Herceg.
a. 1895 a. H. Raup lectae, Nr. 196 (als ©. amara). — Sintenis, It. Thessal 1896, Nr. 1074 (als €. amara).
Verbreitung.
Vom österreichischen Litorale durch Dalmatien und die südliche Hercegovina bis Griechenland
vielleicht auch in Italien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Krain: Zerovnica, auf Kalkfelsen, Safer (H. Ull.).
Litorale: Grignano bei Triest, Tommasini (H. z. b. G.). Zwischen Triest und Miramare, Hayek.
Triest, Ullepitsch (H. Ull.), Hayek. Op£ina bei Triest, Hayek. Am Rande der Salinen bei Servola,
Ginzberger (H. U. W.). Scorcola bei Triest, Tommasini (H. z. b. G.). Farnetowald bei Triest, Tomma-
sini (H. z.b.G). Monte Maggiore, ca. 1000 m, Haläcsy (H.Hal.). Pola, Töpfer (H. Hal.). Kaiserwald bei
Pola, Beck (H. Beck). In pascuis siccis Insulae Arbe ad Arbem, Borbäs (H.K.). Insula Veglia, Tomma-
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 701
Kroatien: Fiume, No& (H.H.M.). An der Louisenstraße bei Fiume, Lorenz (H. U. W.). An der
Straße bei Buccari, No& (H. E., H. U. P.). Südkroatien, Schlosser (H. Hal.).
Dalmatien. Dalmatien, Welden (H.H.M.). Spalato, Pichler (H. Beck, H. K., H.H.M.), Petter (H.
H. M., H.z.b.G., H.P., H. Ull.). Auf trockenen Orten bei Stobretz nächst Spalato, Pichler (H. U. W.). Auf
der Wiese vor S. Stefano, am Wege nach Salona und an vielen Orten bei Spalato, Petter (H.H.M.).
Castelnuovo, Studnicka (H. Hal.). Castelnuovo, Grasplätze in der Sutorina, Studnicka (H. Hal.).
Ragusa, Adamovic (H.H.M.).
Hercegovina: Auf der Goritza, Blau (H. B.). Nevesinje, auf Wiesen des Velez, Raup (H. Hal.).
Auf den Klippen des Defilees bei Jablanitza, Blau (H. B.).
Reichenbach scheint unter Centaurea Weldeniana wohl nur jene kleinköpfigen, starkfilzigen
Exemplare von trockenen Orten Süddalmatiens, wie sie in der Flora exsiccata Austro-Hungarica aus-
gegeben wurden, gemeint zu haben. Ich habe aber die Überzeugung gewonnen, dass diese Formen nur
Standortsvarietäten derjenigen Pflanze sind, die von den österreichischen Autoren gewöhnlich als Centau-
rea amara bezeichnet wurde. Gerade die von A. Kerner citierten Exsiecaten Petters zeigen deutlich,
dass groß- und kleinköpfige Exemplare an ein und demselben Standorte vorkommen. Ein die Art in
vollem Umfange bezeichnender Name existiert bisher nicht, denn €, serotina Bor., welchen Namen
Pospichalin Anwendung brachte, bezieht sich auf eine westeuropäische Art. Ich selbst habe früher die
Pflanze in Schedis als €. Liburnica bezeichnet. Wenn es auch principiell zu vermeiden ist, einen Namen,
der sich nur auf einzelne Formen einer Species bezieht, für diese in ihrem ganzen Umfange anzuwenden,
so glaube ich doch, dass der Reichenbach’sche Name, insbesondere da seine Beschreibung in den
wesentlichen Punkten mit der Pflanze übereinstimmt, in unserem Falle einer Neubenennung vorzu-
ziehen ist.
55. Centaurea Banatica Rochel apud Reichenb,, Fl. Germ. excurs., p. 213 (1832); non A. Kerner.
Perennis. Rhizoma descendens, crassum, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, ad 60 cm
altus, angulatus, glaber et tomentoso-floccosus, a medio in ramos nonnullos non elongatos erectos sim-
plices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, integra denticulata, vel rarius,
pinnatiloba, caulina late lanceolata, acutiuscula, denticulata vel integerrima, inferiora petiolata, media et
superiora sessilia, ramealia late lanceolata, 1—2 cm longa, erecto-patentia. Folia omnia ad marginem et
ad nervos paginae inferioris aspera, viridia vel tomento arachnoideo canescentia. Capitula in apice
ramorum singularia, ovato-globosa, 13 mm longa et 11—12 mm lata, foliis supremis suffulta. Squamae
involucri virides, nervoso striatae, appendicibus omnino obtectae. Appendices squamarum scariosae
orbiculares, plus-minusve concavae, interiores integrae, mediae margine denticulatae, exteriores pectinato-
lacerae, extremae hinc inde pectinato-fimbriatae, pallide fuscae, medio obscuriores. Corollae persicinae, mar-
ginales radiantes. Achenia 3mm longa, pallide griseo-fuscencentia, puberula, umbelico non barbata,
epapposa.
Synonyme.
Cyanus jaceus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 71 (1816).
Centaurea jacea ß Banatica Wierzb. in Roch., Bot. Reise in das Banat, p. 44 (1838).
Centaurea decipiens canescens Wierzb. in Sched.
Centaurea jacea Griseb. et Schenk, Iter Hung. in Wiegm. Arch., XVII, p. 347 (1852).
Centaurea jacea & Rocheliana Heuff,, Enum. plant. Ban. Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges., VIII,
p. 142 (1858).
Centaurea jacea Schur., Enum. plant. Transs., p. 345! (1866).
5 89*
702 Augustv. Hayek,
Centanrea amara Nym. Consp. fl. Europ., p. 421 pro parte (1878—82).
Centaurea vulgaris Simonk., Enum. fl. Transs., p. 345 (1886).
Abbildung.
Taf. IX, Fig. 7.
Exsiccaten.
Reichenb,, Exs., Nr. 2031 (als C. decipiens canescens Wierzb.).— Fl. exs. Austro-Hung., Nr. 3420.
Verbreitung.
Im südlichen Banat und in ganz Siebenbürgen, sowie in Rumänien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Banat, auf Wiesen bei Oravicza, Wierzbicki (H.P. Z, H. E., H. U. W, H. B.). In Wäldern
und Obstgärten um Orawieza und Cziklova, Wierzbicki (H.Kk.). Auf feuchten Wiesen bei Kakowa,
Wierzbicki (H. H.M.). In silvis ad Steyrdorf, Wierzbicki (H.H.M.). In graminosis humidis circum
Arad, Simonkai (H. U. W.).
Siebenbürgen: Transsilvania, Schur (H. Hal.). Bükkerdö bei Kolosvar, L. Richter (H. H.M.).
In collibus arenoso-argillaceis prope Rodnam, Schur (H.H.M.). Am Fuße des Burgberges bei Deva, Schur
(H.H.M). Dees, Schur (H. H.M.). Burzenwiesen bei Kronstadt, Schur (H. H. M).
Centaurea Banatica Roch. unterscheidet sich von €. jacea vor allem durch die größeren Köpfchen,
ferner durch die kämmig zerrissenen äußeren Anhängsel, blässere, größere, mehr concave Anhängsel der
inneren Hüllschuppen und die grauen Blätter; von €. bracteata Scop. ist se manchmal nur sehr schwer
durch die äußersten gefransten Anhängsel zu unterscheiden, im allgemeinen ist aber C. Banatica Roch.
eine durch die zerrissenen äußeren Anhängsel, die den stets heller braunen Köpfchen (als bei C. jacea)
ein krauses Ansehen geben, weshalb Wierzbicki sie auch zu C. decipiens stellte, leicht kenntliche Art.
56. Centaurea Pannonica Heuff., Enum. plant. Ban. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges., VIII, p. 152 (1858)
pro var. C. amarae.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, ad 80 cm
altus, angulatus, scaber et arachnoideo-floccosus, a parte inferiore vel a medio in ramos numerosos
erectos elongatos virgatos iterum ramosos vel simplices divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata,
integra vel Iyrato-pinnatiloba, denticulata, caulina sessilia vel inferiora breviter petıolata, lanceolata, acuta,
margine denticulata vel integerrima, ramealia adpressa, lineari-lanceolata, I—1!/, cm longa. Folia omnia
ad marginem et ad nervos paginae inferioris setulis minimis aspera, et utrinque tomento arachnoideo
canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 15 mm longa et 12 mm lata. Squamae involueri
virides, inconspicue striatae, appendicibus omnino obtectae, appendices squamarum scariosae orbicu-
lares, exteriores medio fuscescentes, margine albidae et saepe lacerae, interiores fuscae vel testaceae,
medio obscuriores, margine denticulatae, concavae. Corollae roseae, marginales radiantes. Achenia 3 mm
longa, pallide griseo-fuscencentia, puberula, hylo nonsbarbata, epapposa. Floret a medio Julio ad Octobrem.
Synonyme.
Centaurea jacea Jacquin, Enum. stirp. Vindob., p. 157 pro parte (1772).
Centaurea amara Lumn., Fl. Poson., p. 392 (1791).
Centaurea jacea Host., Syn. plant. in Austr. cresc., p. 496 pro parte (1797). — Sadl., Fl. Com. Pest,
II, p. 291 (1826). — Host., Fl. Austr., II, p. 515 pro parte (1831).
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_ —
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 703
Centaurea jacea a vulgaris Neilr., Fl. v. Wien, p. 256 pro parte (1837).
Centaurea jacea Sadl., Fl. Com. Pest, Ed. II, 2, p. 406 (1840).
Centaurea amara Heuff., Enum. plant. Banat. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges., VII, p. 142 (1858).
Centaurea jacea a. vulgaris Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 378 pro parte (1859).
Centaurea jacea Neilr., Aufz. d. in Ung. und Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 122 pro parte (1866).
Centaurea amara Schur, Enum. plant. Transs., p. 401 (1866). — Schloss. et Vukot., Fl. Croat.,
p. 756 pro parte (1869). — A. Kern., Die Veget. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in österr.
bot. Zeitschr., XXII, p. 14, Sep. p. 263 (1871). — Nym. Consp. Fl. Europ., p. 421 pro parte (1878—82).
Centaurea amara Simonk., Enum. fl. Transs., p. 345 (1886).
Centaurea jacea a angustifolia Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1263 (1893).
Centaurea jacea Hal., Fl. v. Nieder-Österr., p. 297 pro parte (1896).
Centaurea angustifolia Fritsch, Excursionsfl., p. 595 pro parte (1897).
Exsiccaten.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 29, Nr. 2851. — Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 3419.
Abbildung.
Tab. IX, Fig. 10.
Verbreitung.
Verbreitet im ganzen ungarischen Tiefland, nach Westen bis an die Ostabhänge der Ausläufer der
Alpen, nach Norden bis an die Karpathen reichend, südwärts wahrscheinlich nach Serbien übergreifend,
doch habe ich von dort keine Exemplare gesehen.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Niederösterreich: Poisdorf, Ullepitsch (H. Ull.). Straßenränder bei Staatz, Hayek. Am linken
Donauufer bei den Kaisermühlen bei Wien, Müllner (H. Beck). Wiesen gegenüber Hochstetten an der
March, Beck (H. Beck). Bergwiesen zwischen Klosterneuburg und Hadersfeld, Ronniger (H. Hal.). Leo-
poldsberg bei Wien, E. Weiss (H. z. b. G.). Türkenschanze bei Wien, Beck (H. Beck). Wiener Glacis,
Beck (H. Beck). Brigittenau, Breidler (H. U. W.). Anschüttungen im Prater Beck (H. Beck). Am Gallizin
bei Wien, Fritsch sen. (H.Fr.). Wegränder bei Ober-St. Veit, Müllner (H. Beck). Perchtoldsdorf, Keck
(H. Kk.). Wiesen bei Laxenburg, Hayek. Moosbrunn, Hayek. Rauheneck bei Baden, Hayek. Eisernes
Thor, Sonklar (H. U.W.). Sollenauer Remise, Rechinger (H. U.W.). St. Veit an der Triesting, Preiss-
mann (H. P.). Wiener-Neustadt, Sonklar (H.U.W.), J. Kerner (H. U.W.). Reichenau, Haläcsy (H. Hal.).
Steiermark: Steinbrück, Preissmann (H.P., H. Ull.).
Krain: Illyrisch-Feistritz, Pernhoffer (H. K.).
Ungarn: Pressburg, Schneller (H.z.b.G.). In silvis prope Cusi, Com. Stuhlweißenburg, Tau-
scher (H. P. Z.). In pratis uliginosis ad Eresi, Tauscher (H.K.). Budapest, Simonkai (H. E, H. Kk,,
H.U.W.). Ofen, A. Kerner (H.K.). Schwabenberg bei Ofen, A. Kerner (H.K.). Blocksberg bei Ofen, A.Ker-
ner (H.K.). An den Bittersalzquellen, südlich von Ofen, A. Kerner (H.K.). Teufelsgraben bei Pest, Bor-
bäs (H. Ull.). Wiesen bei Alt-Ofen, Borbäs (H.K.). Bei Sziget-Ujfalu auf der Csepel-Insel, Tauscher
(H. K.). Räkos, Filarsky et Schilbersky (H. U. W.). Dömörkapu prope St.-Endre, L. Richter (H. Ull.).
Kalocsa, in salsis pagi Homokmegy, Menyhärth (H.K.). Kalocsa, in paludosis circum pagos Bätya et
Miska, Menyhärth (H.K.). Kalocsa, in turfosis dumetosis ad Morcsai-erdö pagi Csäszärtöltes, Meny-
härth (H.K.). Com. Bekes, Vesztö, ad Galfizug, Borbäs (H. U. W.).
704 Augustv. Hayek,
Kroatien: In rupestribus ad Bosiljeno et Nortic, Schlosser (H.H.M.). Auf den Gebirgen bei Karl-
stadt, Vukotinovi£c (H. z. b.G.). Kalkfelsen in Südkroatien, Schlosser (H. z.b. G.).
Centaurea Pannonica Heuff. steht sowohl der C. jacea L. als auch der ©. Weldeniana Rchb. sehr
nahe. Von ersterer unterscheidet sie sich durch die verlängerten ruthenförmigen Äste, die graue
Beflockung aller vegetativen Theile und größere, heller gefärbte Anhängsel der Hüllschuppen, von letzterer
insbesondere durch meist schlankere Äste und die nicht rost- oder ockergelben, sondern weißlichen,
respective braunen, weniger concaven und oft am Rande eingerissenen Anhängsel der Hüllschuppen. Von
C. Banatica Roch. ist sie durch kleinere Köpfchen, verlängerte Äste und schmälere Blätter sowie den
dadurch hervorgerufenen anderen Habitus verschieden. Centaurea Pannonica Heuff. ändert nur wenig
ab; die Größe der Köpfchen schwankt nur in geringen Grenzen, ebenso die Behaarung der Blätter. Auf-
fallend ist nur eine Form, die ich als var. salina bezeichnen möchte, welche von A. Kerner bei den Bitter-
salzquellen nächst Ofen gesammelt wurde und sich durch gedrungenen Wuchs und die dichte, fast weiße,
filzige Behaarung der Blätter auszeichnet. An der westlichen Verbreitungsgrenze, speciell in der Umgebung
von Wien und Wiener-Neustadt, findet man zahlreiche Exemplare, die sich durch breitere Blätter, Zurück-
treten der grauen Behaarung und dunklere Hüllen auszeichnen und als deutliche Übergangsformen zu
C. jacea L. zu betrachten sind. Solche Übergangsformen sind gerade bei Wien ungemein häufig, weiter
gegen Westen findet man dann nur mehr die echte (©. jacea L., östlich die typische €. Pannonica Heuff.
In Kroatien finden sich ähnliche Zwischenformen zwischen €. PannonicaHeuff. und €. Weldeniana Rchb,,
und zweifellos dürften im westlichen Siebenbürgen Zwischenformen zwischen ©. Pannonica Heuff.
und C. Banatica Roch. vorkommen.
C. Pannonica H euff.wird insbesondere in neuerer Zeit vielfach als C.angustifolia Schrank bezeichnet.
Ich halte es für leicht möglich, dass diese Bezeichnung richtig ist. Da aber Schrank (Bayr. Fl., II, p. 376)
die Hüllschuppen der C.angustifolia »sägezähnig zerrissen«, bei C.jacea und ©. humilis (einer Zwergform
dieser) aber »trockenhäutig zerrissen« nennt, ist es nicht ausgeschlossen, dass Schrank eine jener Formen
mit kämmig gefransten Hüllschuppen, etwa C. subjacea (Beck)., C.semipectinata (Gremli) oder (. serotina
(Bor.) vorlag. Leider ist es mir trotz aller Bemühungen nicht gelungen, Originalexemplare von Schrank
zu sehen, und ich halte es deshalb für angemessener, den Namen C. angustifolia Schrank, bevor er nicht
vollkommen aufgeklärt ist, nicht anzuwenden.
Dass man ©. Pannonica Heuff. nicht als C. amara L. bezeichnen darf, erhellt schon daraus, dass
sie weder in Italien, noch um Montpellier, wo nach Linnes Angaben €. amara wächst, vorkommt.
57. Centaurea jacea Linne, Spec. plant, Ed. I, p. 914 (1753).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 80cm altus, angu-
latus, scaber, a medio vel in parte superiore in ramos nonnullos erecto-patentes non valde elongatos simplices
vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata,ovato-lanceolata, integra vel rarius pinnatiloba, denticulata,
caulina late lanceolata vel ovata, superiora sessilia, inferiora breviter petiolata, acutiuscula, denticulata vel
integerrima, ramealia late lanceolata, erecto-patentia, superiora 1—2 cm longa. Folia omnia margine setulis
minimis aspera, caeterum glabra vel in lamina utraque pilis minutis sparsim obsita, viridia, rarius tomento
arachnoideo canescentia. Capitula in apice ramorum® singularia, foliis supremis suffulta, ovata, circiter
15 mm longa et 12mm lata. Squamae anthodii virides, inconspicue striatae, appendicibus omnino vel fere
omnino obtectae. Appendices squamarum scariosae, orbiculares, planae vel parum concavae, fuscae, medio
obscuriores, exteriores hinc inde margine albidae, margine denticulatae vel hinc inde exteriores pectinato-
lacerae. Corollae persicinae, rarissime albae, marginales radiantes; rarissime flores marginales steriles
deficiunt. Achenia 3 mm longa, pallide griseo fuscescentia, puberula, hylo barbata, epapposa. Floret ab exe-
unte Junio ad Septembrem.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 705
Synonyme.
Centaurea jacea Linne&, Spec. plant., Ed. II, p. 1293 (1763).
Rhaponticum jacea Scop., Fl. Carn., Ed. II, 2, p. 135 (1772).
Centaurea jacea Jacquin, Enum. stirp. Vindob., p. 157 pro parte (1772).
Centaurea jacea var. 1I® Vill. hist. d. pl. d. Dauph,, III, p. 43 (1789).
Centaurea amara, C.jacea et C. alba Krock,, Fl. Sil., II, p. 491 et 492 (1791).
Centaurea jacea Lumn.,, Fl. Poson., p. 392 (1791). — Host, Syn. plant. in Austria cresc., p. 475 pro
parte (1797). — Willd., spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2303! (1800). — Bess., Prim. fl. Gal. II, p. 210 (1809). —
Wahlenb,, Fl. Carp., p. 280 (1814).
Cyanus jacea Presl, Fl. Cech., p. 179 (1819).
Jacea ni®ra Gray, A nat. arrangem. of brit. plants, II, p. 442 (1821).
Jacea pratensis Cass. in Dict. des science. nat. XXIV, p. 89 (1822).
Centaurea jacea Günth., Grab. et Wimm,, Enum. stirp. phan. Sil., p. 44 (1824). — Gaud,, Fl. Helv.,
V, p. 405 (1829).
Centaurea jacea a. genuina Wimm. et Grab,, Fl. Sil. II, p. 107 (1829).
Centaurea jacea Host, Fl. Austr. II, p. 515 (1831). — Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 213 (1832). —
Rohr. et May., Vorarb. z. e. Fl. d. mähr. Gouv., p. 170 (1835). — Zawadzki, Fl. d. St. Lemberg, p. 121
(1836).
Centaurea jacea a. genuina et & capitata Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 409 (1837).
Centaurea jacea De Cand., Prodr. syst. veg. VI, p. 570, excl. var. (1837).
Centaurea jacea Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 849 (1840).
Centaurea jacea a. genuina Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 301 (1844).
Centaurea jacea a, gennina ß vulgaris et y lacera Koch, Syn. Fl. Germ. etHelv. Ed. Il, p. 469 (1844).
Centaurea jacea Fleischm., Übers. d. Fl. Krains, p. 41 (1844).
Centaurea jacea o. vulgaris Neilr., Fl. v. Wien, p. 256 pro parte! (1846).
Centaurea jacea Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 135 excl. var. (1848). — Gren. et Godr.
Fl. d. Frang., II, p. 241 (1850).
Centaurea jacea var. gennina Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 494 (1851).
Centaurea jacea Hinterh., Prodr. einer Fl. v. Salzbg., p. 123 (1851).
Centaurea jacea var. genuina, var. vulgaris et var. cuculligera Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv, DIVE
p. 13! (1852).
Cyanus jacea Opiz, Sezn. rostl. kvet. Cesk., p. 34 excl. « (1852).
Centaurea jacea Wimm,, Fl. v. Schles., Ed. III, p. 272 (1857).
Centaurea jacea a. vulgaris Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 378 pro parte! (1859). — Celak., Prodr.
d. Fl. v. Böhm., p. 250 (1867).
Centaurea jacea Maly, Fl. v. Steiermark, p. 101 (1868).— Saut., Fl. v. Salzb., p. 82 (1868).— Neilr.,
Die Veget. Verh. v. Croat, p. 88 pro parte et excl. var! (1868). — Schloss. et Vukot., Fl. Croat., p. 757
excl. 7. (1869).
Centaurea jacea a vulgaris et d capitata Duftschm,, Fl. v. Ob.-Österr., p. 506 (1870).
Centaurea jacea A. Kern, Die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in österr. bot.
Zeitschr., XXII, p. 15 (1872). — Knapp., die bish. bek. Pfl. Galiz. u. d. Buk., p. 142 (1872). — Nym,,
Consp. Fl. Europ., p. 421 (1878—82). — A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 86! (1881).
Centaurea jacea a vulgaris Fiek, Fl. v. Schles., p. 244 (1881).
Centaurea jacea a. genwina et y cuculligera Pacher et Jabornegg, Fl. v. Kärnt,, I, p. 120! (1881).
Centaurea jacea Garcke, Fl. v. Deutschl., Ed. XV, p. 239 excl. var. (1885).
Centaurea jacea a vulgaris Oborny, Fl. v. Mähr. u. Öst.-Schles., I, p. 694 (1885).
N
©
{or}
Augustv. Hayek,
Centaurea jacea Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. d. angrenz. Herceg., p. 166 (1889). — Gremli, Exc.-Fl.
f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 253 excl. var. (1889). — Sag. et Schneid., Fl. d. Centr.-Karp., p. 249 (1891). —
Murb., Beitr. z. Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 91 (1891).
Centaurea jacea ß genuina Beck, Fl. v. Nieder- Or II, p. 1264 (1893).
Centaurea jacea Hal., Fl. v. Nieder-Österr., p. 297 pro parte! (1896). — Fritsch, Excursionsfl.,
pP: 999, (1897):
Centaurea jacea Rouy, Classif. rais. d. Cent. de la sect. jacea in Bull. de l’ass. frang. de bot. I, p. 79
excl. f. 4, 5 et 6 (1898). — Pospich., Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 933 (1899).
Abbildungen.
Flora Danica, Tab. 519. — Dietr, Fl. Bor. VI, Tab. 548. — Sturm, Deutschl. Fl. H. 4. —
Reichenb., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 23 et 24. — Thome, Fl, v. Deutschl., IV, Tab. 594. —
Train 105 are lila
Exsiccaten. >
Reliquiae Mailleanae, Nr. 1336. — Billot, Fl. Gall. et Germ. exs., Nr. 264. — Kern, Fl. exs. Austro-
Hung., Nr. 225.— Baenitz, Herb. Europ., Nr. 9808 (als €. decipiens var. subjacea).
Verbreitung.
Durch ganz Nord- und Mitteleuropa, nach Osten bis Russland, nach Süden bis in die Alpen und
Karpaten reichend, auch in Bosnien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: Nixdorf, Dittrich (H. E.). Nordböhmen, Reichardt (H. z.b.G.). Franzensbrunn, Kablik
(H. E.). Marienbad, Gansauge (H. B.). Sloupnitz, Fleischer (H. z. b. G.). Schönwalde, Presl (H. U. P.).
Auf einem Hügel bei Kaplitz, leg.? (H.U.P.). Nieskolz, Burckhard (H.U. P.). Czerkowitz, Ortmann (H.
U.P.). In pratis ad Brezina, Presl (H. U. P.). yı Bez. Klattau, Schmidt (H. U. P.). Karlsbad, Ort-
mann (H.U.P.). Kaiserwiese bei Prag, Opiz (H.J. G.). Prag, Fritsch sen. (H.Fr.). BreZno, Fritschsen.
(H.Fr.). Feldraine bei Niemes, Schauta (H.H.M.). Fasanerie Kacow, Sekera (H. H.M.). Restin bei
Deutschbrod, Schwarz] (H.z.b. G.).
Mähren: Gebüsche bei der Herrenmühle bei Iglau, Reichardt (H.z.b. G.).
Nieder-Österreich: Raabs, Krenberger (H. Hal.). Rossatz, J. Kerner (H. U. W., H.K.). Kasten
bei Böheimkirchen, Wettstein (H.U.P.). Mauerbach, Dolliner (H.J.G.). Hochstrass, Beck (H. Beck).
Donauufer bei Wien, H. Braun (H. H. M.). Mauer bei Wien, Schwarzenberger (H.U.W.,H.H.M.,H.
B., H.P. Z, H.Hal., H. Beck, H. Ull.). Wiese bei Klosterneuburg, Kronfeld (H. H. M.). Donauauen bei
Kritzendorf, Kronfeld (H. H.M.). Ufer des Wienflusses bei Baumgarten, Rechinger (H.U. P.). Gal-
litzinberg bei Wien, leg.? (H.H.M.). Gainfahrn, Heimerl (H.H.M.). In Aufforstungen bei der Ruine Kreu-
zenstein, Beck (H. Beck). Gloggnitz, Hayek. Puchberg, Brandmayr (H.z.b.G.). Semmering, K. Rich-
ter (H.Hal.), Preissmann (H.P.), Palla (H. U. W.).
Ober-Österreich: Lauberleiten a.d. Enns bei Steyr, Zimmeter (H.F.1). Ternberg bei Steyr,
Zimmeter (H.F. 1.). Steyr, Zimmeter (H.F.]I.). Rosenegger-Au bei Steyr, Zimmeter (H.F.].). Wiesen
am Ramingbache bei Steyr, Zimmeter (H.F.1.). Donauauen bei Steyregg, Oberleithner (H.z.b. G.).
Reichraming, längs des »Neuen Weges«, Steininger (H.U. W.). St. Wolfgang, Kremer (H. z.b.G.).
1 Ich habe aus Mähren nur dieses eine, aus Schlesien gar keine Exemplare von C. jacea L. gesehen, doch ist es zweifellos,
dass die Pflanze in beiden Ländern weit verbreitet ist.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 707
Gosaumühle am Hallstätter See, Stohl (H. UW.). Ischl, Stohl (H. U. W.). Ebenzweyer, Stohl (H. U. W.).
Steinbach am Attersee, Hayek. Altmünster, Stohl (H. U.W.). Gmunden, Ronniger (H. Ronniger).
Aistersheim, Keck (H.J.G., H. U.W., H. Kk.).
Salzburg: Allenthalben auf trockenen Wiesen, Hinterhuber (H.Szbg.). Salzburg, Eysn (H.U.
W.), Hinterhuber (H.U.P.). Aigen bei Salzburg, Stohl (H. Szbg.). Am Rande der Auen am linken Salz-
achufer bei Salzburg, Fritsch sen. (H.Fr.). Vorderes Nonnthal, Aberle (H. Szbg.). Wiesen bei Lofer,
Hayek. Pürgl bei Strobl, Kremer (H. z. b. G.).
Tirol: Hopfgarten, Scheitz (H.F.L). Kitzbüchel, Schmuck (H. F.1,H.B.). Sistrans, Heufler
(H. F. 1.). Völs bei Innsbruck, Zimmeter (H.F.1.). Egerdacher-Au bei Innsbruck, Zimmeter (H.F.].).
Pastberg bei Innsbruck, Heufler (H.F.1.). Höttinger Alpe, Eschenlobr (H. F. 1.). Sumpfwiesen bei Patsch
bei Innsbruck, Sarnthein (H. U. W.). Wiesen bei Innsbruck, Sonklar (H. F.1.). Am Eisenbahndamme
unter Mühlau bei Innsbruck, A. Kerner (H.K.). Natters bei Innsbruck, Sonklar (H. U. W.). Wiesen bei
Medraz im Stubay, leg.? (H. U. W.). Bergwiesen ober Mieders im Stubay, A. Kerner (H.K.). Trins-Has-
lach, Sarnthein (H.F.1.). Trins im Gschnitzthale, A. Kerner (H.K.). Sand in Taufers, Treffer (H.F.I.).
Lappach im Pusterhale, Ausserdorfer (H.K.). Lienz, Scheitz (H.F.1.).
Vorarlberg: Mauren-Ried bei Feldkirch, leg.? (H. H. M.).
Kärnten: Stanziwurdi bei Döllach, Sonklar (H. U. W.). St. Kathrein im Kanalthale, Pacher (H.
Ull.). Kanalthal, leg.? (H. z. b. G.). Flusskies bei Pontafel, Preissmann (H.P.). Am Wörthersee, Jabor-
negg (H. U. W.). Sumpfwiese am Ausflusse des Wörthersees bei Klagenfurt, Jabornegg (H. U.W.). Kla-
genfurt, Kok (H. Klgf.), Heufler (H. z. b. G.). Tentschach bei Klagenfurt, Krenberger (H. Hal.).
Steiermark: Am Grundelsee, Hayek. Frauenfeld bei Admont, Strobl (H. H. M.). Im Gesäuse bei
Hieflau, Hayek. Maria-Zell, Hölzl (H. z. b. G.). Wiesen beim Dorfe Veitsch, Heimerl (H. z.b. G.). Sem-
mering, Preissmann (H.P.). Wiesen bei Trieben, Heimerl (H.Hal.). St. Michael bei Leoben, Hayek.
Vorau, Hayek. Fürstenfeld, Preissmann (H. P.). Fehring, Preissmann (H. P.). Röhrlkogel bei Gleichen-
berg, Preissmann (H. P.). Posruck, Höhe St. Urbani bei Marburg, Murr (H. Hayek). Wiesen bei Hochen-
egg, Hayek. Zwischen Hochenegg und St. Martin im Rosenthale, Hayek. Wiesen bei Cilli, Hayek. In
graminosis ad Gonobitz, Fleischer (H. H. M.). Wiesen bei Riez, Kocbeck (H. U. W.).
Krain: Feistritz in der Wochein, Rechinger (H. U. W.). Mojstrana an der Save, leg.? (H. Ull.).
Golonz bei Weidenhügel, leg.? (H.H.M.). Savitzathal, K. Richter (H. Hal.). Illyr.-Feistritz, Derganz (H.
U. W.). KokaSberg, Tommasini (H.z.b.G.). Ostabhang des Nanos, Wettstein (H. U. P.). St. Peter,
Haläcsy (H. Hal.).
Litorale: Bergwiesen bei Flitsch, Preissmann (H.P.). Am Cavn, Tommasini (H. z. b. G.). Alte
Straße bei Op£ina, Engelhardt (H.Hal.). Wiesen um Zaule, Engelhardt (H. z. b. G.).
Ungarn: St. Georgen, Zahlbruckner (H.H. M.). Gemsenberg bei Pressburg, Fritsch sen. (H.F'r.).
Nimes-Podhragy, Com. Trenesin, Holuby (H. P. Z.). Gnezda, Borbäs (H. Ull.).
Kroatien: In agris ad pagum Medär sub Montis ViSenura radicibus, Borbäs (H. U. W.). Kreutz,
Vukotinovi£c (H. z. b. G.).
Galizien: Bergwiesen in Hıyniawa am W. Czeremosz, Woloszczak (H.U. W.). Pieninen, Ulle-
pitsch (H. Ull.). Lemberg, Hölzl (H.Kk.). Jaroslau, Herschmann (H. H.M.). In eirculo Czortkowiensi
prope Niwra, Herbich (H.z.b.G.). Brody, Kloeber (H.H.M.).
Bukowina: Schotterbänke des Pruth bei Crun, Bauer (H. U.W.). Wiesen am Cosna-Sumpf, Bauer
(H. U. W.). Berg Horodischtje, Herbich (H.z.b.G.).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 90
708 Augustv. Hayek,
Bosnien: Fojnica, Schwarz (H. Beck). Banjaluka, Hofmann (H. Ser.). Troglav-planina, Beck
(H. Beck). Jaice, Beck (H. Beck). Auf den Triften des Jeleö, Knapp (H.B.). Am Rande des Weges bei
Hidscha, Blau (H.B.). Vranica-planina, Schwarz (H. Beck). Vilenica bei Travnik, Brandis.(H. Ser.). Auf
sumpfigen Wiesen bei Pale, Fiala (H. Ser., H. Beck). Brachäcker bei Kosevo nächst Sarajevo, Beck (H.
Beck).
Hercegovina: Bei TuSita, Beck (H. Beck). Gegen Rakitnica, Beck (H. Beck). Unteres Tusilathal,
Beck (H. Beck).
Centaurea jacea L. besitzt einen großen Formenreichthum und zeigt in Bezug auf Form und Farbe
der Hüllschuppen, Größe, Gestalt und Behaarung der Blätter eine ungeheure Mannigfaltigkeit. Es wurden
daher auch bei keiner Centaurea-Art soviel Formen und Varietäten beschrieben, als eben bei dieser, und
selbst wenn man von denjenigen Formen, die man füglich als selbständige Arten ansehen kann, absieht,
würde ein Eingehen auf alle von den Autoren beschriebenen Formen nahezu zur Individuenbeschreibung
führen, weshalb hier nur der wichtigsten Abänderungen gedacht werden soll.
Die Hüllschuppen sind meist mehr oder minder dunkelbraun mit dunklerer Mitte, manchmal auch
heller (= f. flavicans V ukot. in Rad Jugosl. Akad. znan. i umyetn. LII), oder die äußeren gegen den Rand
zu weißlich (=f. leucolepis W im., Fl. Sil. II, p. 207); an höher gelegenen Standorten finden wir sie hingegen
sehr dunkel, oft fast schwarz (= f. maiuscula Rouy in Bull. de l’ass. frang. d. bot. I, p. 84). Sind die
äußeren Hüllschuppen fransig eingerissen, so stellt dies die f. vulgaris, respective bei stärkerer Fransung,
die f. /Zacera Koch, Syn. fl. Germ. etHelv. Ed. II, p. 469 (=f. pratensis Koch Taschenb,) dar. Formen mit
regelmäßig kämmig gefransten Anhängseln sind jedoch als eigene Arten aufzufassen und im nachfolgenden
beschrieben.! Exemplare mit stärker concaven Anhängseln entsprechen der f. cuculligera Rchb. Fl. Germ.
exc., p. 213. Bezüglich der Blätter ist vor allem zu bemerken, dass an trockenen, steinigen, sonnigen Orten
oft ein grauer filzig flockiger Überzug derselben auftritt, ähnlich wie bei C. bracteata Scop., €. Pannonica
Heuff. und andere. SolcheFormen entsprechen der var. candicansW im., Fl.Sil.,UI, 2, p. 207 (=f. tomentosa
Aschers,, Fl. d. Prov. Brandenb,, I, p. 348 ([1864]). Meist jedoch sind die Blätter grün und kahl, oder mit
spärlichen Hährchen besezt. Sind sie sehr verlängert, schmal, so stellen diese Exemplare die f. longifolia
Schultz-Bip. ap. Rouyl.c.dar; aus Tirolsah ichExemplare, die sich durch auffallend große, breitelliptische
Blätter auszeichnen; ich möchte für diese den Namen f. platyphyllos vorschlagen. Einer auffallenden
Abänderung ist noch zu gedenken, welcher man besonders auf fruchtbaren Wiesen subalpiner Gegenden
häufig begegnet. Man findet nämlich dort mitunter Exemplare, welche eine vollständige oder theilweise
Verwachsung der Köpfchenstiele zeigen, so dass es oft denAnschein hat, als würden die Köpchen zu zwei
oder selbst zu drei am Ende der Zweige sitzen; die stets deutliche Längsfurche an diesen Zweigen zeigt
aber den wahren Sachverhalt an.
Diese angeführten Mannigfachigkeiten in der Ausbildung und Form der verschiedenen Organe neben
zahlreichen anderen minder bemerkenswerten können in der mannigfachsten Weise combiniert vorkommen
und so die verschiedenartigsten Formen darstellen. Stets aber zeigt die Pflanze durch die dunkeln Hüllen,
die verhältnismäßig breiten Blätter und die mäßig langen Äste einen charakteristischen Gesammthabitus
und ist leicht von den verwandten Arten zu unterscheiden. Die genaueren Unterscheidungsmerkmale
gegenüber diesen habe ich dort angeführt.
Einer Begründung bedarf noch die Anwendung des Namens Centaurea jaceaL. gerade für diese Art.
Linn& beschreibt die C. jacea folgendermaßen: Centaurea calycibus squamosis, foliis lanceolatis,
radicalibus sinuato dentatis, ramis angulatis. Zu dieser Beschreibung führt er u. a. Citate aus der Flora
Suecica, Bauhin u. Pal. dan. an, und fügt hinzu: Habitat in Europa septentrionalis. Es stimmt die knappe
1 Dasselbe gilt von C. jacea e. commutata Kozsh, welche.nach eingesehenen Originalexemplaren mit C. microplilon Gren.
Gedr. identisch ist.
Tr
j Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 709
| Diagnose freilich so gut auf (. jacea, als auch auf €. bracteata Scop., C. Weldeniana Rchb. und die
anderen hieher gehörigen Arten. Aus den Citaten und der Vaterlandsangabe aber ist zu ersehen, dass
Linne eine in Nord-Europa, speciell in Schweden und Dänemark vorkommende Art meinte. Schwedische
Exemplare der C.jacea L. stimmen nun mit denen aus Deutschland und den österreichischen Sudeten- und
Alpenländern so vollkommen überein, dass es keinem Zweifel unterliegt, dass die Formen ein und
derselben Art angehören, welche mit vollem Recht als Centaurea jacea L. zu bezeichnen ist.
Die im vorstehenden beschriebenen Arten C. bracteata Scop., ©. Haynaldi Borb., C. banatica Roch.
C. Weldeniana Rchb. und C. jacea L. zeigen einerseits eine große Übereinstimmung in ihren morpho-
logischen Eigenschaften, andrerseits eigenthümliche Verhältnisse in Bezug auf ihre geographische
Verbreitung. Die Arten bewohnen nämlich (mit Ausnahme von €. Haynaldi Borb.) durchwegs getrennte
Gebiete, die aber eng an einander schließen!) und sind an den Verbreitungsgrenzen größtentheils durch
Mittelformen verbunden. Aus diesen Umständen können wir schließen, dass diese Formen von einer
gemeinsamen Stammart abstammen und sich infolge der verschiedenen klimatischen Verhältnisse von
derselben abgegliedert haben. Die geringe Verschiedenheit der einzelnen Arten von einander, sowie die
zahlreichen Zwischenformen deuten darauf hin, dass diese Differenzierung noch nicht vor allzu langer Zeit
Die Verbreitung der Centaurea-Arten aus der Verwandtschaft der €. jacea L. in Österreich-Ungarn.
l. C. jaceaL. 4. C. Pannonica Heuff.
2. C. bracteata Scop. 5. C. Banatica Roch.
3. C. Weldeniana Rb. 6. C. Haynaldi Borb.
erfolgt ist. Centaurea jacea L. bewohnt heute die Alpen bis in die subalpine Region und reicht auch hoch
nach Norden; diese Vorkommensverhältnisse lassen darauf schließen, dass diese Art auch unter solchen
- klimatischen Verhältnissen, wie sie zur Eiszeit in Mitteleuropa herschten, gedeihen konnte. Die ziemlich
scharfe Trennung zwischen (. jacea L. und (. bracteata Scop. weisen darauf hin, dass zwischen diesen
Arten einst eine scharfe Scheidung stattfand. Vermuthlich hat die Stammform von den genannten Arten
_ vor der Eiszeit ganz Mitteleuropa (und wahrscheinlich auch Südeuropa) bewohnt. Zur Eiszeit bildete die
stark vergletscherte Centralalpenkette eine scharfe Scheidewand, und hier zeigte sich vermuthlich die
erste Differenzierung. Erst während und nach der Glacialperiode erfolgte die Scheidung in die weiteren
östlichen und westlichen? Formen, welche erst in der gegenwärtigen Zeitperiode ihren Abschluss findet,
- da noch heute Zwischenformen die verwandten Arten verbinden.
1 Vergl. nebenstehende Karte.
2 Zu diesen ist vor allem ©. Duboisii Bor., C. approximata Gren. und €. drancuculifolia D uf. zu zählen.
90*
710 Augustv. Hayek,
Die gemeinsame Stammform dürfte morphologisch den Arten der Sectio Phalolepis nähergestanden
sein als die heutigen; jedenfalls sind die Sectionen Jacea und Phalolepis nahe verwandt, wie schon ihre
morphologische Ähnlichkeit zeigt. Von den heute bekannten Arten zeigen ©. Haynaldi Borb. und ©. Euxina
Vel. die größte Annäherung an die Arten der genannten Gruppe. Letztere dürfte jedoch wohl nur als eine
Anpassungsform an die klimatischen Verhältnisse an der Westküste des schwarzen Meeres zu betrachten
sein; viel eher wäre bei €. Haynaldi Borb. daran zu denken, dass wir es mit Resten der Stammart zu
thun haben; es sprechen dafür sowohl die auf wenige Localitäten beschränkte Verbreitung, die als Rest
eines ehemals weiter ausgedehnten Vorkommens gedeutet werden muss, als auch ihre morphologischen
Verhältnisse, die einerseits bezüglich der großen, convexen Hüllschuppen eine Annäherung an die Arten
der Sectio Phalolepis zeigen, andrerseits aber durch weitere Ausbildung, respective Reduction zu den
heute bestehenden Formen führen konnten.
B. Fimbriatae. Anhängsel dreieckig oder dreieckig-lanzettlich, aufrecht oder zurückgebogen, kämmig
gefranst, die Endfransen verlängert.
58. Centaurea Stohlii Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 70cm altus,
angulatus, scaber, a medio vel in parte superiore in ramos paucos non elongatos simplices vel iterum
ramosos divisus. Folia basalia et caulina infima petiolata, integra vel denticulata, caulina media et superiora
sessilia, lanceolata, basi utrinque dente uno vel binis, inde hastata; ramealia lanceolata, sessilia, erecto-
patentia, 1—1!/, cm longa. Folia omnia ad marginem setulis minimis aspera, et tomento arachnoideo
modice canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 14 mm longa et 11mm lata. Squamae
anthodii virides, estriatae vel inconspicue nervosae, appendicibus fere omnino obtectae. Appendices
squamarum interiorum scariosae, orbiculares, concavae, fuscae, margine denticulatae, mediarum orbicu-
lares, margine pectinato-lacerae, exteriorum triangulares, fuscae, margine non decurrentes, pectinato
fimbriatae, fimbriis pallidis eirciter 2 mm longis, terminalibus lateralibus aequilongis. Corollae roseae,
marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula, umbelico non barbata,
epapposa.
Synonym.
Centaurea jacea B pectinata Duftschm,, Fl. v. Ober-Österr., p. 506 pro parte (1870).
Abbildung.
Taf. IX, Fig. 12.
Verbreitung.
Mir nur aus Ober-Österreich bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ober-Österreich: Wiesen bei Altmünster, Stohl (H. U. W.).
Ich habe von dieser merkwürdigen Pflanze nur eine Serie der citierten Exemplare, welche Stohl als
»C.jacea, eine seltene Form mit auffallend schmalen Blättern« bezeichnet hat, gesehen. Die Pflanze unter-
scheidet sich von C. subjacea Beck durch die bedeutend schmäleren, am Grunde beiderseits 1—2-
zähnigen Blätter, sowie etwas kleinere Köpfchen und Anhängsel hinreichend, um als besondere Form
angesehen werden zu können. Ob die Pflanze nur bei Altmünster vorkommt oder weiter verbreitet ist,
kann ich bei dem spärlichen Material, das man aus Ober-Österreich zu sehen bekommt, nicht entscheiden,
doch scheint es mir wahrscheinlicher, dass die Pflanze auch an andern Orten vorkommt, ja vielleicht sogar
sich bis Bayern erstreckt und vielleicht die wahre Centaurea angustifolia Schrank darstellt; die von
Schrank gegebene Beschreibung würde zum mindesten gut mit der Pflanze stimmen.
BE
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 711
(57 %X.59.) Centaurea jacea L. X subjacea (Beck).
Centaurea Stiriaca Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 60cm altus,
angulatus, glaber vel scaber, a medio vel in parte superiore in ramos paucos non elongatos erectos
simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina infima petiolata, ovato-lanceolata, acuta,
integerrima vel denticulata, caulina late lanceolata, acuta, integerrima, vel basi dente uno alterove praedita,
ramealia ovato-lanceolata, sessilia, 2>—3cm longa. Capitula in apice ramorum singularia, ovata," 14 mm
longa et 11mm lata. Squamae involucri virides, estriatae vel inconspicue striatae, appendicibus omnino
obtectae. Appendices squamarum interiorum orbiculares, scariosae, fuscae, medio nigricantes, denticulatae,
exteriorum scariosae fuscae pectinato lacerae, extremarum plerumque triangulares, fuscae vel pallidae,
regulariter peetinato-fimbriatae fimbriis elongatis flexuosiss 2 mm longis. Corollae saturate roseae,
marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, griseo-fuscescentia, puberula, hylo non barbata, epapposa.
Abbildung.
Taf. IX, Fig. 13.
Exsiccat.
Reichenb,, Exs. Nr. 2030 zum Theil (als €. decipiens).
Vorkommen.
Wo die Stammeltern zusammentreffen, anscheinend überall häufig und mancherorts leztere an Zahl
fast übertreffend.
Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Böhmen: Wiesen bei Gießhübl am Fuße des Mensegebirges, Willkomm (H. U. W.). Wiesen bei
Maria-Schein, Dichtl (H.Kk.).
Nieder-Österreich: Eichberg bei Gloggnitz, K. Richter (H. U. W.). Silbersberg-Promenade bei
Gloggnitz, Hayek. Wiese in der Voralpenregion des Sonnwendsteins, Sonklar (H. U. W.). Semmering,
K. Richter (H.P.), Palla (H. U. W.),
Steiermark: Im Gesäuse bei Hieflau, Hayek. Wiesen bei Kraubath nächst Leoben, Hayek. St.
Michael bei Leoben, Hayek. Stiftingthal bei Graz, Preissmann (H.P.). Grätzer Kreis bei Thal,
Zehentner (H.P.Z,H. H. M.).
Wo Centaurea jacea L. und C. subjacea (Beck) gemeinsam vorkommen, trifft man stets zahlreiche
Mittelformen, die sich von ersterer durch die kämmig zerrissenen, ja selbst regelmäßig gefransten Anhängsel
der äußeren Hüllschuppen, von letzterer durch die weniger regelmäßige Fransung dieser und rascheres
Übergehen in die ungetheilten Anhängsel unterscheiden. Dafür, dass wir es mit Bastarden und nicht mit
Übergangsformen zu thun haben, spricht der Umstand, dass diese Zwischenformen nur dort auftreten, wo
neben C. jacea L. auch C. subjacea (Beck) auftritt, hingegen niemals sich zeigen, wenn letztere fehlt. Auch
die oft auffallend große Individuenzahl der Zwischenformen spricht nicht gegen ihre hybride Natur.
Abgesehen davon, dass eine einmal entstandene Hybride sich, da wir es ja mit perennierenden Pflanzen
zu thun haben, sich durch Wurzelstocksprossung vermehren kann, ist noch zu bedenken, dass die
Centaurea-Arten ja vornehmlich auf die Befruchtung durch Insecten angewiesen sind. Beide Arten sind
einander habituell sehr ähnlich, haben insbesondere die gleiche Blütenfarbe, und werden daher von
denselben Insecten durcheinander besucht, wodurch zahlreiche Wechselbefruchtungen eintreten. Da
außerdem Bastarde zwischen so nah verwandten Arten zweifellos gut fruchtbar sind, ist es nicht auffallend,
wenn im Laufe der Zeiten die Zahl derse!ben in großem Maße zunimmt, und man schließlich, wie es
2.2 Augustv. Hayek,
mancherort, z.B. am Semmering, thatsächlich der Fall ist, Mühe hat, reine Exemplare der Stammeltern
aufzufinden.
Centaurea stiriaca Hay. schwankt in Bezug auf ihre Merkmale insofern, als sich die Exemplare bald
mehr der einen, bald mehr der anderen Stammform nähern, so dass thatsächlich eine vollständige
Übergangsreihe zwischen beiden Arten vorhanden ist.
59. Centaurea subjacea Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1263 pro var. Centaureae decipientis Thuill.,
emend.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, angulatus, glaber
a medio vel in parte superiore in ramos paucos non valde elongatos simplices, rarius iterum ramosos
divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, integerrima vel denticulata vel sinuato-dentata, caulina
sessilia, obovato-lanceolata, integerrima vel denticulata, ramealia late lanceolata, suprema 2—4 cm longa.
Folia omnia viridia, in margine setulis minimis aspera, in lamina utraque pilis crispulis minutis sparsim
obsita, rarius tomento arachnoideo canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, globoso-ovata,
l4 mm longa et 12mm Jlata, foliis supremis suffulta. Squamae involucri virides, appendicibus omnino
obtectae. Appendices serierum intimarum 1—2 orbiculares, scariosae, fuscae, sequentis seriei pectinato-
lacerae, caeterum serierum triangulares, erectae, fuscae, margine non decurrentes, pectinato-fimbriatae
fimbriis fuscis vel pallidioribus circiter 2 mm longis, flexuosis, utringue 10—15, terminalıbus productis.
Corollae saturate roseae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula,
hylo non barbata, epapposa. Floret Julio, Augusto.
Synonyme.
Centaurea jacea ß pectinata Neilr., Fl. v. Wien, p. 156! (1846), non C. pectinata Linne.
Centaurea jacea ß lacera Maly, Enum. pl. phan. Imp. Austr., p. 135 (1848), non Koch.
Centaurea jacea var. decipiens Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, saltem pro parte! (1852),
non C. decipiens Thuill.!
Cyanus jaceus e ciliatus Opiz, Sezn. rostl. Kv£t. Cesk., p- 34 (1852) pro parte.
Centaurea jacea X phrygia f. a. Wimm,, Fl. v. Schles., Ed. III, p. 273 (1857).
Centaurea jacea ß pectinata Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 378! (1859).
Centaurea jacea b. decipiens Celak, Prodr. d. Fl. v. Böhm, p- 250 (1867).— Garcke, Fl. v. Nord- u.
Mittel-Deutschl., Ed. VIII, p. 233 (1867).
Centaurea jacea ß pectinata Duftschmid, Fl. v. Ob.-Österr., p. 506 (1870).
Centaurea jacea x crispo-fimbriata Pach. et Jaborn., Fl. v. Kärnt. I, p. 120! (1881).
Centaurea jacea b. decipiens Fiek, Fl. v. Schles, p. 244 (1881). — Garcke, Fl. v. Deutschl,
Ed. XXI, p. 239 (1885).
Centaurea jacea ß decipiens Oborny, Fl. v. Mähr. u. Schles., I, p. 696 (1885).
Centaurea jacea var. decipiens Sag. et Schneid,, Fl. d. Centralcarp., p. 249 (1891).
Centaurea decipiens Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1263! (1893). — Hal. Fl. v. Nieder-Österr,,
p- 298! (1896).
Centaurea decipiens ß Reichenbachii Rouy, Classif. rais. des Cent. de la sect. Jacea in Bull. de
l'assoc. frang. de bot., I, p. 86 (1898). 22
Abbildung.
Taf. X, Fig. 1.
Exsiccat.
Reichenb., Exs., Nr. 2030 zum Theil (d. h. untermischt mit €. jacea L. und C. Stiriaca Hay.; als
C. decipiens).
Centaurea-Arten Österreich- Ungarns. 713
Verbreitung.
In der Berg- und Voralpenregion von Südost- und Mitteldeutschland, Böhmen, Mähren, Schlesien
Ober- und Niederösterreich, Obersteiermark, Kärnten und Südost-Tirol.
. Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Böhmen: Friedland, Schmidt (H. U. P.). Wiesen bei Gießhübl am Fuße des Mensegebirges, Will-
komm (H.U.P.). Klein-Skal, Neumann (H. H.M.). Bergwiesen bei Grulich, Opiz (H. U. P.).
Mähren; Unter Gebüsch bei der Gosko-Mühle in Iglau, Reichardt (H. H. M.).
Nieder-Österreich: Halterthal bei Wien, Hayek. Wiener Prater, Hayek. Inundationsdamm der
Donau nächst den Kaisermühlen, Teyber (H. Teyber). Sumpfwiesen bei Gloggnitz, Beck (H.Beck)
Silbersbergpromenade bei Gloggnitz, Hayek. Reichenau, Haläcsy (H. Hal.). Semmering, Wiesen beim
- Hotel Erzherzog Johann, A. Kerner (H. K.). Semmering, Palla (H. U. W.).
Ober-Österreich: Lauberleithen an der Enns bei Steyr, Zimmeter (H. F.1.). Bergwiesen bei
Kammerschlag unter der Giselawarte bei Linz, Dürrnberger (H. Murr.).
Steiermark: Frauenfeld bei Admont, Strobl (H. H.M.). An der Enns bei Admont, Strobl
(H. H. M.). Im Gesäuse bei Hieflau, Hayek. Maria-Zell, Dolliner (H.z.b.G.). Wiesen bei Kraubath nächst
Leoben, Hayek. Voralpenwiesen bei Seckau, Welwitsch (H.H.M.). St Michael bei Leoben, Hayek
Göss bei Leoben, Breidler (H. U. W.). Eggenberg bei Graz, Preissmann (H.P.). Hilmteich bei Graz,
Preissmann (H.P.). Stiftingthal bei Graz, Preissmann (H.P.). Ruckerlberg bei Graz, Preissmann
(H. P.). Grätzer Kreis, bei Thal, Zehentner (H.H.M.).
Kärnten: Bläsiabergwiesen, Kohlmayer (H.Klgf.). Tentschach bei Klagenfurt, Krenberger-
(H. Hal.). Kreuzberg bei Klagenfurth, Brandmayr (H.z.b.G.). Wiese unter der Sattnitz, Sabidussi
- (H. Klgf.).
Tirol: Innichen, Stapf (H.F.].). Luttach, Treffer (H.F. ]J.).
Galizien: Koptow, Jaworow, Wofoszczak (H.U. W.).
Centaurea subjacea Beck unterscheidet sich von den verwandten Arten C. macroptilon Borb. und
C. oxylepis Wimm. et Grab. durch die breiteren, kürzeren, nicht zurückgekrümmten Anhängsel, von der
westeuropäischen C. microptilon Gren. Godr. durch die größeren, die Nägel vollkommen verdeckenden
Anhängsel der Hüllschuppen, von C. jacea L., speciell deren Formen mit zerrissenen Anhängsel durch die
regelmäßige feine Fransung derselben, von C. nigrescens W. und deren Verwandten, insbesondere C. dubia
Sut. durch die braunen, dreieckig lanzettlichen, länger gefransten Anhängsel mit deutlich vorgezogenen
Endfransen, während die Anhängsel bei jener schwarz kurz oder dreieckig rundlich und kürzer gefranst,
und die Endfransen eher kürzer als die seitlichen sind.
Centaurea subjacea zeigt nur eine geringe Mannigfaltigkeit in ihren Formen. Die Anhängsel sind
bald heller, bald dunkler braun, die Blätter meist grün, nur selten zeigen sie einen graulichen Überzug,
Beck hat diese Formen als var. a. typica seiner C.decipiens bezeichnet.
Hier muss noch einer auffallenden Pflanze Erwähnung gethan werden, die mir leider nur in einem ein-
zigen Exemplare, gesammelt von Barth bei Langenthal in Siebenbürgen, vorliegt. Die Pflanze ist offenbar
714 Augustv. Hayek,
die, welche Schur! als Ü. jacea b. commutata und Simonkai? als (. lacera bezeichnet haben. Ich ver-
mag diese Pflanze von €. subjacea Beck nicht zu unterscheiden und muss sie demgemäß hier unter-
ordnen, obwohl ich glaube, ‘dass sie entwicklungsgeschichtlich mit ihr in keinem directen Zusammen-
hang steht und daher auch nicht mit Recht zur selben Species gestellt werden Könnte.
Centaurca subjacea (Beck) wurde von den Autoren bisher meistens als Centaurea decipiens
Thuill. bezeichnet. Thuillier (Fl. des environs de Paris, p. 445) beschreibt seine Centaurea decipiens
folgendermaßen: Centaurea calycibus ciliatis-setaceis lanceolatis, radicalibus sinuato-
dentatis. Feuilles tres etroites, et dentees. Calice plus petite qus celui de l’espece prece-
dente (C. amara Thuill.) et dont les Ecailles sont plus arides et roussätres. Tige anguleuse
et chargee de plusieurs fleurs rouges. Diese kurze Beschreibung würde nun allerdings bis auf die
Worte »calyce plus petit que celui de l’espece precedente« (C. amara Thuill. = C. serotina
Bor.) auf unsere Art passen. Eine viel genauere und zuverlässige, auf Grund der Originalexemplare
verfasste Beschreibung gibt uns aber Boreau in der Flore du centre de la France, Ed. Ill. Dort lesen wir
ea sesessarrameanuszallomses, eralesı...... ‚anthodes mediocres ovoides arrondis,
a ecailles imbriquees, non recouvertes parles appendices, ceux-ci triangulaires lanceoles,
noirätres,etales ouarquesen dehors, bordes de cils flexueux ascendents, finement plumeux
egalant 3a 4fois la largeurs de l’appendice; fruit coronne d’une aigrette de poils courts
rordessns.c® Fleurs tout egales.
Centaurea decipiens Thuill. ist demnach eine Pflanze mit verlängerten Ästen, nicht strahlenden
Randblüten, schwarzen, langfransigen, zurückgekrümmten oder aufrechten Anhängseln der Hüllschuppen
und von einem Pappus gekrönten Achenen; also jedenfalls eine von €. subjacea (Beck) weit verschiedene
Art. Außerdem kommt letztere bei Paris sowie überhaupt in ganz Frankreich gar nicht vor; es ist daher
schon aus diesem Grunde ganz ausgeschlossen, dass Thuillier unter C. decipiens diese gemeint haben
könnte. Die ersten, die den Namen (. decipiens auf die in Deutschland verbreitete Art anwendeten, waren
Koch und Reichenbach. Koch hat überdies von seiner C. jacea eine ganze Reihe von Formen mit
gefransten Anhängseln aufgestellt. C. jacea 8. vulgaris und auch 7 lacera Koch, Syn., Ed. II. sind, trotz
des letzterer beigefügten Synonyms (. decipiens Rchb. nach Originalexemplaren nur Formen von (. jacea
L., CE. jacea e. commutata Koch ist identisch mit €. microptilon Gren. Godr., C. pratensis Koch Syn,,
Ed. II, endlich nach seiner eigenen Angabe dasselbe wie €. pratensis Reichenb., also gleich C. macrop-
tilon Borb.; es ist also auch keiner der Koch’schen Namen für unsere Art anwendbar. Cyanus jacea
e. ciliata Op. ist ein nomen solum; (. Reichenbachii (Rouy pro var.) ist als Name wegen der gleich-
namigen Art De Candolles ebenfalls nicht anwendbar. Beck bezeichnet unsere Art als C. decipiens, und
unterscheidet zwei Varietäten, o. Zfypica mit grau behaarten und ß. subjacea mit grünen Blättern. Da nun
letztere Form die weitaus häufigere ist, glaube ich den Namen in etwas weiterem Sinne für die ganze
Art in Vorschlag bringen zu können, um nicht eine Neubenennung derselben nöthig zu machen.
(57 x 60.) Centaurea jacea Linn& X macroptilon Borb.
Centaurea Preissmanni Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 80cm altus,
angulatus, glaber, a medio vel in parte superiore in rdmos paucos non elongatos simplices, rarius iterum
ramosos, divisus. Folia basalia petiolata, late lanceolata, denticulata vel dentata vel Iyrato-pinnatiloba;
folia caulina inferiora petiolata, late lanceolata, dentata vel denticulata, media et superiora sessilia,
lanceolata, denticulata vel integerrima, ramealia lanceolata, suprema 1—2 cm longa. Folia omnia viridia,
1 Enum. plant. Transsilv. p. 402.
2 Enum. Fl. Transsilv. p. 345.
SQ
—
si
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
margine setulis minimis aspera, et in lamina pilis crispulis minutis obsita. Capitula in apice ramorum
singularia, foliis supremis suffulta, ovata, 14 mm longa et 12 mm lata. Squamae involucri virides, interiores
nervoso striatae, appendicibus non omnino obtectae. Appendices serierum interiarum 2—3 orbiculares,
Scariosae, fuscae, mediarum orbiculares, pectinato-lacerae, serierum exteriarum lanceolato-triangulares,
fuscae, pectinato fimbriatae fimbriis pallidis utringque S—12. Corollae persicinae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula, umbelico non barbata, epapposa.
Abbildung.
Taf. X, Fig. 2.
Verbreitung.
Überall, wo die Stammeltern zusammentreffen.
-
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Steiermark: Vorau, Hayek. Fürstenfeld, Preissmann (H. P.). Marburg, Preissmann (H. P.).
Waldränder bei Wöllan, Hayek. Schlucht bei Weitenstein, Hayek. Hochenegg, Hayek. Ufer der Sann
bei Cilli, Hayek, Römerbad, Jos. Be ck. (H. Beck).
Krain: Feistritzgraben bei Stein (Hayek).
Kroatien: Kleck bei Ogulin, Beck (H. Beck).
Die Bastardnatur dieser Pflanze ist mir ebensowenig zweifelhaft als die von C. Stiriaca. C. Preiss-
manni unterscheidet sich von C. macroptilon Borb. durch die breiteren, nach innen zu weniger gefransten
Anhängsel, von C. jacea hinwieder durch die gefransten Anhängsel der äußeren Hüllschuppen. Manche
Exemplare ähneln sehr der Centaurea subjacea (Beck), und sind oft nur schwer durch die weniger
regelmäßige Fransung der äußern Hüllschuppen und meist schmälern Blätter zu unterscheiden.
Centaurea Preissmanni tritt oft in ungeheurer Individuenzahl auf, speciell in Untersteiermark pflegt
sie in dieser Beziehung die Stammeltern oft weit zu übertreffen. Zweifellos dürfte sie noch in Kärnten
aufgefunden werden, doch wurde die Pflanze dort bisher noch nicht beachtet. Dass sie in Bosnien
vorkommt, ist ebenfalls sehr wahrscheinlich; ich sah im Herbar Prof. v. Beck’s eine Reihe von Exemplaren,
die ich als Bastarde von C. jacea L. und C. macroptilon Borb.deuten möchte; da aber in Bosnien auch
C. stenolepis Kern. vorkommt und die Vegetationsverhältnisse dieses Landes aus eigener Anschauung
nicht bekannt sind, wage ich es nicht auf Grund von Herbarmaterial allein (besonders da Notizen über
das eventuelle Vorkommen der Stammeltern fehlen) ein definitives Urtheil zu fällen.
60. Centaurea macroptilön Borb. Geogr. atque Enum. plant. Castriferrei p. 247! (1879).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad SO cm altus,
angulatus, scabriusculus, a medio vel in parte superiore in ramos paucos non elongatos simplices vel
iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, late lanceolata, denticulata vel sinuato-dentata vel Iyrato-
pinnatiloba, caulina inferiora petiolata, obovato-lanceolata, denticulata vel basi grosse dentata, media et
superiora sessilia, lanceolata, denticulata vel integerrima, ramealia lanceolata, suprema 1—2 cm longa.
Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera, in lamina utraque pilis crispulis minutis obsita.
Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 15 mm longa et 12 mm lata, foliis supremis suffulta. Squamae
anthodii virides, interiores nervoso-striatae, virides vel fuscescentes, appendicibus angustis non omnino
obtectae. Appendices serierum intimarum 1—2 scariosae, orbiculares, caeterum serierum lanceolatae, ad
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 9
716 Augustv. Hayek,
5 mm longae, recurvae, fuscae, margine pectinato-fimbriatae, fimbriis lateralibus 2 nm longis utrinque
10— 15, terminalibus productis. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide
griseo-fuscescentia, puberula, umbelico non barbata, epapposa. Floret Julio, Augusto.
Synonyme.
Centaurea jacea & pratensis Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv. Ed. II, p. 169 (1844), non C. pratensis
Thuill.
Centaurea decipiens et C. pratensis Fleischm,, Übers. d. Fl. Krains, p. 41 (1844).
Centaurea jacea 8 pratensis Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 135 (1848).
Centaurea pratensis Rehb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 15 pro parte! (1852).
Centaurea jacea var. pralensis Neilr., Die Veget. Verh. v. Kroat., p. 88 (1866).
Centaurea jacea x pratensis Schloss. et Vukot., Fl. Croat., p. 757 (1869).
Centaurea microptilon Pach. et Jab., Fl. Kärnt., I, p. 121! (1881), non Gren. et Godr.
Centaurea decipiens Freyn et Brandis in öst. bot. Zeitschr. XXXVII, p. 615 (1888).
Centaurea pratensis Beck., Fl. v. Süd-Bosn. u. d. angrenz. Herc., p. 166 (1889). — Murb,, Beitr. z.
Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 97 (1891).
Centaurea microptilon f. Berneri Rouy, Classif. rais. de cent. de la section Jacea in Bull. de l’assoc.
frang. de bot., p. 91 pro parte (1898).
Centaurea pratensis Hayek in öst. bot. Zeitschr, XLIX, p. 105 (1899).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. flor. Germ. et Helv., XV, Tab. 15. — Taf. X, Fig. 3.
Exsiccat.
Reichenb,, Exsicc., Nr. 2032 (als €. pratensis).
Verbreitung.
In Ost- und Südsteiermark, Südkärnten, Krain, Litorale, Kroatien, Bosnien und der Hercegovina und
dem westlichen Ungarn.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Steiermark: Vorau, Hayek. Pischeldorf bei Hartberg, Preissmann (H.P.). Fürstenfeld, Preiss-
mann (H.P.). Fehring, Preissmann (H.P.). St. Leonhard bei Graz, leg.? (H.H. M.). Mühlegg bei Stainz,
Pittoni (H.H.M.). Marburg, Preissmann (H. P.). Am Wotsch bei Pöltschach, Hayek. In der Schlucht
bei Weitenstein, Hayek. Hochenegg, Hayek. Cilli, Hayek. Am Hum bei Tüffer, Hayek.
Kärnten: Auf feuchten Wiesen, Pacher (H. Klgf.). In pratis elatioribus Carinthiae, Preiss (H. U.
P.). Kreuzberg bei Klagenfurt, Breidler (H. U. W). Klagenfurt leg.? (H. Klgf.). Sumpfwiesen zwischen
Villach und St. Ruprecht, Witting (H. z. b. G.).
Krain: Janzberg und Luftthal, Freyer (H.P.ZyH.H.M.). Janzberg, Fleischmann und Bialkow-
sky (H.H.M.). Feistritzgraben bei Stein, Hayek.
Litorale. Auf Wiesen im österreichischen Litorale, Wulfen (H.H. M.).
Ungarn: St Gotthard im Eisenburger Comitate. Borbäs (H. U. W.). Pinkafeld, Borbäs (H. U. W.).
Kroatien: Krapina, Triesterkogel, Fenzl (H.H.M.). Karlstadt bei Ribnik, Borbäs (H. Fleischer).
Sissek, Borbäs (H. Beck). Szlatina in Slavonien, Borbäs (H. U. W.).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. Tall,
Bosnien: Kozara-planina, Beck (H.Beck). Jedovica-Thal, Beck (H. Beck). Ivanjska, Beck (H. Beck).
Bei Uvac, Beck (H. Beck). Vilenica bei Travnik, Brandis (H. Beck).
Hercegovina: Visocica, Beck (H. Beck.).
Centaurea macroptilon Borb. unterscheidet sich von €. subjacea (Beck) durch die bedeutend
schmäleren, zurückgekrümmten Anhängsel, von €. oxylepis (W. Gr.) durch schmälere und kürzere, die
Nägel nicht vollständig verdeckende Anhängsel und kleinere Köpfchen. Von C. phrygia L. und deren
Verwandten ist sie durch Mangel eines.Pappus leicht zu unterscheiden.
Diese Pflanze, die gleich der nachstehend beschriebenen C. oxylepis (W. Gr.) von den öster-
reichischen Autoren meist für €. pratensis Thuill. gehalten wurde, wurde von Borbäs a.a. O. genau
beschrieben und kommt auch thatsächlich im Eisenburger Comitate in Ungarn vor, so dass über den
Namen der Bflanze kein Zweifel bestehen kann. Später hat Borbäs die in Nordungarn heimische
C. oxylepis (W. Gr.) gleichfalls unter dem Namen C. macroptilon vertheilt, was aber natürlich auf die
Nomeneclatur dieser Art keinen Einfluss haben kann, obwohl dieser Vorgang gerade nicht geeignet war,
Klarheit in die schwierigen Nomenclaturverhältnisse dieser Pflanzengruppe zu bringen. Ich habe aus
diesem Grunde auch lang gezögert, den Namen C. macroptilon Borb. in Anwendung zu bringen, ihn
aber schließlich, da die Angaben in der Geogr. plant. Castriferrei keinen Zweifel zulassen, dennoch
beibehalten.
(57x61.) Centaurea jacea Linne X oxylepis (Wimm. et Grab.)
Centaurea Fleischeri Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 8Ocm altus,
angulatus, scaber, a medio vel in parte superiore in ramos paucos non elongatos simplices vel rarius
iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, late lanceolata, denticulata vel basi sinuato-dentata, caulina
inferiora petiolata, media et superiora sessilia, late lanceolata, denticulata vel integerrima, ramealia
lanceolata, suprema 2—3cm longa. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera, in lamina utraque
pilis crispulis minutis obsita. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa, 17 mm longa et 14 mm
lata, foliis supremis suffulta. Squamae anthodii virides, interiores nervoso striatae, appendicibus omnino
vel fere omnino obtectae. Appendices serierum interiarum 2—3 scariosae, orbiculares, fuscae, margine
denticulatae, mediae orbiculares, fuscae, in apicem sübulatam pectinato-ciliatam productae, margine
pectinato-lacerae, exteriores lanceolatae, erectae vel recurvae, margine pectinato-lacerae vel plus minusve
regulariter fimbriatae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide griseo-
fuscescentia, puberula, umbelico non barbata, epapposa.
Abbildung.
Taf. X, Fig. 4.
Verbreitung.
Unter den Stammeltern.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: Sloupnitz, Fleischer (H. Fleischer). Cesk.-Hefmanitz, Fleischer (H. Fleischer).
Wahrscheinlich auch in Mähren, Schlesien und in Ungarn.
C. Fleischeri Hay. unterscheidet sich von C. oxylepis (W.Gr.) durch die schon von der Mitte an
weniger gefransten, bald ungetheilten Anhängsel, von C. jacea L. durch die Fransung der äußeren
Hüllschuppen.
91%
718 Augustv. Hayek,
Über die Wahrscheinlichkeit der Bastardnatur der Pflanze gilt das bei C. Stiriaca gesagte.
Ich benenne die interessante Form nach Herrn B. Fleischer in Sloupnitz, welcher die von ihm
gemachten zahlreichen Aufsammlungen derselben mir gütigst mittheilte, wodurch ich in die Lage versetzt
wurde, einen Einblick in die Centawrea-Formen Nordmährens und Westböhmens zu gewinnen.
61. Centaurea oxylepis Wimm. et Grab,, Flor. Siles, p. 107 pro subvar. €. jaceae ß. ciliatae (1829).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 80 cm altus,
angulatus, scaber, a medio vel in parte superiore in ramos paucos non elongatos simplices vel iterum
ramosos divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, denticulata vel sinuato-dentata vel Ilyrato-
pinnatiloba, caulina sessilia, late lanceolata, integerrima vel denticulata vel basi sinuato-dentata, ramealia
lanceolata, suprema 2— 9 cm longa. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera, in lamina utraque
pilis erispulis minutis obsita. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa, 17 mm longa et 14 mm
lata. Squamae involucri virides, interiores nervoso-striatae, appendicibus plus minusve obtectae. Appen-
dices seriei intimae squamarum scariosae, orbiculares, fuscae, margine denticulatae, caeterum serierum
elongato-lanceolatae, recurvae, mediae ad 8 mım longae, fuscae, pectinato-fimbriatae, fimbriis capillaribus
2—3 mm longis, densis, utrinque 10—15, terminalibus productis. Corollae marginales radiantes. Achenia
3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula, umbelico non barbata, epapposa.
Synonyme.
Centaurea jacea c. pratensis Fiek, Fl. v. Schles., p. 244 (1881). — Oborny, Fi. v. Mähr. und öst.
Schles., I, p. 694 (1885).
Centaurea macroptilon Borbäs in Schedis pro maiore parte.
Verbreitung.
Vom nordwestiichen Böhmen durch Österreichisch- und Preußisch-Schlesien, Nordmähren, Nord- und
Mittelungarn.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen!: Wiesen bei Sloupnitz, Fleischer (H. Fleischer). In fruticetis ad ChoteSiny, Fleischer
(H. Fleischer).
Ungarn: Schemnitz, Häromsäghegy, Borbäs (H.U.W.). Zölyom-Brezo, Com. Sohl, Borbäs (H. P.).
Ivaz-Puszta, Com. Bihar, Borbäs (H. U. W., H. B.). Bikkali ad Litke, Com. Neograd, Borbäs (H.U. W.).
Es war mir schon längere Zeit bekannt, dass in Ungarn eine mit Centaurea macroptilon verwandte Art
vorkäme, welche Borbäs z. Th. auch mit diesem Namen bezeichnet hat. Andrerseits wird auch für Nord-
mähren und Schlesien eine ähnliche Art vonWimmer und Grabovsky, Fiek und Oborny angegeben, und
ich selbst habe mehrere Exemplare einer hiehergehörigen Form aus Preußisch-Schlesien gesehen, Exem-
plare aus den österreichischen Sudetenländern jedoch konnte ich lange Zeit nicht zu Gesicht bekommen,
so dass ich mir über diese nordmährisch-schlesische Art keine Klarheit verschaffen konnte. Der Freund-
lichkeit des Herrn Bohumil Fleischer in Sloupnitz, welcher mir seine in seiner Heimat, hart an der
mährischen Grenze, gemachten Aufsammlungen zur Einsicht sandte, verdanke ich erst eine genauere
Kenntnis dieser Formen und habe die Überzeugung gewonnen, dass diese mährisch-schlesische Pflanze
mit C. macroptilon Borb. in Schedis part. vollkommen identisch ist und den Namen C. oxylepis Wimm.
et Grab. pro var. als den ältesten zu führen hat.
! Über Standorte in Mähren und Schlesien, v. Fiek, Fl. vergl. Schles., p. 242, und Oborny, Fl. v. Mähren, I., p. 694.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 719
Die Unterschiede zwischen ©. oxylepis (Wimm. et Grab.) und C. macroptilon Borb. habe ich bei
dieser Art klargelegt.
Sowohl €. oxylepis Wimm. et Grab. als macroptilon Borb. werden von den neueren Autoren
meistens als C. pratensisThuill. bezeichnet. Diese Bezeichnung, welche zuerst Koch und Reichenbach
angewendet haben, ist aber volkommen unrichtig. Thuillier beschreibt (Fl. d. environs de Paris, p. 444)
die C. pratensis folgendermaßen: »Centaurea calycibus erectis et pappo nigricante terminatis! foliis
dentato-lyratis. Parait n’ötre qu’une variete de la precedente (C. nigra L\).......Ilya des pieds on elles
(les ecailles) sont terminees par des plumes noires, d’autres par des brumes ou des rousses, et d’autres
enfin oü les ecailles sont denuces de plumes.«
Schon aus dieser Beschreibung allein ist zu ersehen, dass (. pratensis T’huill. eine mit €. nigra L.
nahe verwandte Art darstellt. Genauere Angaben finden wir bei Boreau, dem einzigen französischen
Autor, der sich der Mühe unterzogen hat, Thuilliers Original-Exemplare einzusehen, und wir erfahren
durch ihn, dass C. pratensis thatsächlich eine zwischen (. nigra L. und C. jacea L. in der Mitte stehende
Art mit angedrückten, schwärzlichen, kämmig gefransten oder gewimperten Anhängseln der Hüll-
schuppen ist, die gewiss weder mit ©. macroptilon Borb.., noch mit C. oxylepis (W. Gr.) identificiert
werden kann.
Die drei eben beschriebenen Arten C. subjacea (Beck), macroptilon Borb. und €. oxylepis (Wim.
Grab.) bilden mit einigen westeuropäischen Typen, besonders (€. microptilon Gren. Godr. und wahr-
scheinlich auch C. serotina Bor. eine natürliche Formengruppe, die aber zweifellos mit ©. jacea L. und
ihren Verwandten in nahem Zusammenhange steht. Diese Arten bewohnen im allgemeinen aneinander-
stoßende getrennte Gebiete und schließen, soweit mir bekannt ist, die verwandten Arten aus, finden
sich hingegen fast stets in Gesellschaft von (. jacea L., respective ©. Pannonica Heuff. Dieses Verhalten
würde dafür sprechen, dass wir es mit einer Formenreihe zu thun haben, die sich aus einer gemeinsamen
Stammform, die sich ehemals von C. jacea s. 1. abgetrennt hat, entwickelt haben. Andrerseits aber scheinen
diese Formen mit C. jacea so nahe verwandt zu sein, dass es auch nicht ausgeschlossen scheint, dass die
Abtrennung erst in letzter Zeit erfolgt ist, und sich die geographisch getrennten Formen direct aus € jacea
entwickelt haben. Jedenfalls zeigt C. jacea im weiteren Sinne eine stetige Neigung zur Bildung von
Formen mit gefransten Formen, dafür sprechen nicht nur die jetzt ab und zu auftretenden Formen mit
zerrissenen Anhängseln, sondern auch derUmstand, dass sich zuerst C. zigra L., phrygia L. und Verwandte,
später dann wieder C. microptilon Gren. Godr. u. s. w. aus Formen mit ganzen Anhängseln aus ihr
entwickelt haben dürften.
C. Nigrescentes. Anhängsel kurz dreieckig, schwarz, kämmig gefranst, die Endfransen nicht länger
als die seitlichen.
62. Centaurea Smolinensis Hayek.
Perennis. Rhizoma tenue, subrepens, mono- vel pleiocephalum. Caulis erectus vel basi ascendens, ad
30 cm altus, angulatus, pube arachnoidea adpressa canescens, simplex vel apice furcato-bicephalus. Folia
basalia et caulina inferiora petiolata, ovato-lanceolata, acuta, in petiolum attenuata, integerrima vel
denticulata, caulina media late lanceolata, acuta, basi angustata vel parum decurrente sessilia, superiora
late lanceolata, acuta, basi attenuata sessilia. Folia omnia in margine et in lamina setulis minimis aspera,
insuper, imprimis superiora, arachnoideo-lanato pilosa et inde parum canescentia. Capitula in apice caulis
sessilia vel breviter petiolata, anguste cylindracea, 14 mm longa et 7 mm lata. Squamae involucri virides,
nervoso striatae, appendicibus non obtectae. Appendices squamarum triangulares, nigrae, 1—1'/, mm
longae, pectinato-fimbriatae, fimbriis utrinque 8— 10 latitudinem partis indivisae fere aequantibus flexuosis
terminalibus non elongatis; appendices seriei intimae squamarum scariosae ovatae integrae. Corollae
1 Thullier scheint unter »Pappus« auch die gefransten Anhängsel der Hüllschuppen zu verstehen.
720 Angustv. Hayek,
persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, puberula, hylo non barbata, pallide griseofusces-
centia, pappo minutissimo coronata.
Abbildung.
Taf. X, Fig. 6.
Verbreitung.
Bisher nur aus Bosnien bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Bosnien: Smolin bei Zepe£, auf Serpentin, Beck (H. Beck).
Centaurea Smolinensis unterscheidet sich von allen übrigen Arten aus der Verwandtschaft der
C. nigrescens Willd. durch die schmalcylindrischen Köpfchen, den einfachen oder an der Spitze zwei-
köpfigen Stengel und die grauflaumigen oberen Blätter. Alle verwandten Arten sind reich verzweigt,
haben cylindrisch eiförmige oder eiförmige Köpfchen und grüne, meist kahle Blätter.
(57x 683.) Centaurea jacea X rotundifolia (Bart|.).
Centaurea Pernhofferi Hayek.
Perennis. Rhizoma subrepens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 60cm altus, a parte inferiore
in ramos numerosos erecto-patentes non elongatos simplices vel iterum ramosos divisus, angulatus, scaber.
Folia basalia petiolata, obovato lanceolata, serrata, integra vel basi pinnatiloba, caulina inferiora obovato-
lanceolata, petiolata, serrata vel integerrima, media et superiora late lanceolata vel ovato-lanceolata, basi
lata rotundata vel modice attenuata sessilia; ramealia caulinis minora, erecto-patentia, vix decrescentia.
Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera, in lamina utraque pilis crispulis minutis obsita.
Capitula in apice ramorum singularia vel bina ternave brevissime petiolata, foliis supremis suffulta,
cylindraceo ovata, 14 mm longa et Smm lata. Squamae involucri virides, imprimis interiores nervoso-
striatae, appendieibus non obtectae. Appendices serierum interiarum 2—3 orbiculares, vix 2 mm longae et
latae, nigricante-fuscae, denticulatae, mediarum lacerae, exteriarum breviter triangulares, 1 mm longae,
nigrae, pectinato-fimbriatae fimbriis utringque 6—8 1 mm longis, terminalibus non productis. Corollae
roseae, marginales non radiantes. Achenia mihi ignota.
Synonym.
?Centaurea dubia Pospich., Fl. d. österr. Küstenl., II, p. 932 (1899).
Abbildung.
ar ageBıez7.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern nicht häufig.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Krain. Illyrisch Feistritz, Pernhoffer (H. U. W., H. Hal.).
Centaurea Pernhofferi Hay. steht in ihren Merkmalen in der Mitte zwischen C. jacea L. und
C. rotundifolia (Bartl.) und ist höchst wahrscheinlich hybriderHerkunft. Mir liegt nun aus Illyrisch-
Feistritz sowohl C. rolundifolia (Bartl.) als auch „C. jacea L. und C. Pannonica Heuff. vor. Ich halte
es für sehr wahrscheinlich, dass an den Standorten, die (€. rotundifolia Bartl. bewohnt, die
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. Tea
echte C.jacea L. vorkommt. Auch die dunkle Färbung und geringe Größe selbst der inneren Hülls-
schuppenanhängsel spricht dafür, dass wir in €. jacea L. und nicht in C. Panmonica Heuff. die eine
Stammart zu suchen haben. Immerhin ist es aber doch nicht ganz ausgeschlossen, dass ©. Pernhofferi
nicht eine Hybride zwischen C. rotundifolia (Bartl.) und C. jacea L. im engeren Sinne, sondern eine
- solche zwischen ersterer und C. Pannonica (Heuff.) darstellt. Ein endgiltiges Urtheil darüber ließe sich
jedoch nur nach einem Studium der Pflanze an ihrem Standorte fällen.
63. Centaurea rotundifolia Bartling in Bartling et Wendland Beitr. z. Botan., p. 120 als Var. der
C. nigrescens (1825).
Perennis. Rhizoma horizontale vel subrepens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 8Ocm altus,
angulatus, scabriusculus, a parte inferiore in ramos numerosos non elongatos erecto patentes simplices
vel iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, late ovata, acuta, mucronata, in
petiolum subito attenuata, serrata, integra vel pinnatiloba, caulina media et superiora late-ovata vel ovato-
lanceolata, mucronata, basi late rotundata vel amplexicauli sessilia, serrata vel integerrima, ramealia
caulinis minora, vix decrescentia, patentia, suprema 1I—2 cm longa. Folia omnia margine setulis minimis
aspera, caeterum plerumque viridia glaberrimaque, rarissime tomento arachnoideo canescentia. Capitula in
apice ramorum singularia vel bina ternave breviter petiolata, cylindraceo-ovata, 14 mm longa et 8 mm lata.
Squamae anthodii virides, nervoso -striatae, appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae
squamarum ovatae, scariosae, fuscae, medio macula nigra notatae, caeterum serierum triangulares,
1—1!/, mm longae, apice saepe recurvae, nigrae, pectinato fimbriatae, fimbriis latitudine squamae
aequilongis flexuosis nigris utrinque 6—9, terminalibus non productis. Corollae roseae, marginales
radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula, hylo non barbata, epapposa. Floret
a Junio ad Septembrem.
Synonyme.
Rhaponticum jacea var. 2 Scopoli, Fl. Carniol., Ed. II, 2, p. 135 (1772).
Centaurea nigrescens Spreng., Syst. veget., Ed. XVI, 3, p. 897 (1826).
Centaurea flosculosa Reichenb. in Mösslers Handb. d. Gew. Kunde, Ed. II, 2, p. 1539 pro
parte (1828).
Centaurea Carniolica Host, Fl. Austr. II, p. 517! (1831).
Centaurea Vochinensis Bernh. apud Reichenb,, Fl. Germ. exc. p. 214 (1832).
Centaurea nigrescens Koch, Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 410 pro parte (1837).
Centaurea nigrescens ß Vochinensis Koch, Taschenb,, d. deutsch. u. schw. Fl., p. 302 (1844).— Syn.
fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 469 (1844).
Centaurea nigrescens, C. Carniolica et C. tomentosa Fleisch., Übers. d. Fl. Krains, p. 41 (1844).
Centaurea nigrescens ß Vochinenis etö tomentosa Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 136
(1848).
Centaurea Vochinensis Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV., p. 15! (1852).
Centaurea nigrescens Maly, Fl. v. Steiermark, p. 101 (1868). — Neilr., Die Veg. Verh. Kroatiens
p- 88 (1869). — Schloss. et Vuk., Fl. Croat., p. 756 (1869).
Centaurea Kochii F. Schultz, Herb. norm., No. 882!
Centaurea Vochinensis Nym., Consp. Fl. Eur., p. 421 (1878—82).
Centaurea nigrescens et Vochinensis Pach. et Jaborn., Fl. v. Kärnt., I, p. 121 (1881).
Centaurea nigrescens A.Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p.S1 pro parte (1881).— Marches.
Fl. di Trieste, p. 319 (1896—97). — Fritsch, Excursionsfl., p. 596 pro parte (1897).
Centdurea nigrescens ß Vochinensis Rouy, Classif. rais. des Cenfaurea de la sect. Jacea in Bull. de
l’assoc. frang. de bot., I, p. 87.
Centaurea nigrescens Pospich,, Fl. d. österr. Küstenl. II, p. 931 (1899).
122 Augnustv. Hayek,
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon.’fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 26. — Taf. X, Fig. 8.
Exsiccaten.
Reichenb., Exs., Nr. 1522, 2151 et Nr. 2033 (als Vochinensis Bernh. und var. fomentosa und
alpina). — Schultz, Herb. norm. Cent. IX, Nr. 882 (als C. Kochii). — A. Kern., Fl. exs. Austro-Hung,,
Nr. 227, II z. Theil (untermischt mit C. sciaphila V uk.).
Verbreitung.
Im Gebiet der südöstlichen Alpen vom Isonzothale durch Kärnten, Krain, Südsteiermark bis Kroatien
und das westliche Ungarn, ferner am Mte. Generoso und bei Lugano im Canton Tessin.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Litorale: Im oberen Isonzothale, Tommasini (H.K.). Bei Flitsch, Mosee (H. Beck), A. Kerner
(H.K.), Tommasini (H. z. b.G.). Wiesen um Flitsch und Tolmein, Tommasini (H.H.M.). Inter frutices
apud Goriziam, Leitgeb (H.H.M.). Bei Feistritz in der Wochein und Monfalcone, Fleischmann (H.P.
Z., H.H.M.). Monfalcone, Fleischmann (H.E.), A. Kerner (H.K.), leg.? (H. H. M.). Bei Pieris an der
Überfuhr des Isonzo zwischen Monfalcone und Aquileia, Tommasini (H.K.). Sumpfwiesen bei Cormons,
Tommasini (H.z.b.G.). Feuchte Wiesen am Ausflusse des Timave zwischen Duino und Monfalcone,
Tommasini (H.K.). Aquileia, Tommasini (H.K.). Auf Wiesen des Lippizaner Gestütswaldes, Tomma-
sini (H. z. b. G.).
Kärnten: Kühweger Alpe, Birnbacher (H.B. H.H.M.). Buchbrunn bei Ebendorf, Kristof (H.
F.1.). Thon bei Grafenstein, Sabidussi (H. Klgf.). Auen bei Tröpolach, Pacher (H.H.M.). Wald bei Bad
Villach, Witting (H. z. b. G.). Auen der Gail bei Villach, Breidler (H. U. W.). Pörtschach, Preissmann
(H. P.). Tentschach bei Klagenfurt, Krenberger (H. Kk.). Drauufer bei Eis, Kristof (H. K.). Eisenkappel,
Weg zur Schäffleralpe am Obir, Fritsch (H.Fr.).
Steiermark: Auen der Mur, Maly (H.H.M.). Graz, Pittoni (H.H.M.). Murauen zwischen
Abtissendorf und Puntigam bei Graz, Preissmann (H.P.). Drachenburg, Preissmann (H. P.). Marburg,
Murr (H. Murr). Höhe St. Urbani bei Marburg, Murr (H. Hayek). Wiesen längs der Mur bei Mureck;:
Preissmann (H.P.). Murauen bei Radkersburg, Preissmann (H.P.). Waldweg gegen den Taferlwirt
bei Gleichenberg, Preissmann (H. P.). Windisch-Feistritz, Preissmann (H. P.). In der Schlucht bei
Weitenstein, Hayek. Finsterthal bei Cilli, Preissmann (H. P.). Am Schlossberg von Cilli, Hayek. Ufer der
Sann bei Cilli, Preissmann (H.P.), Hayek. Am Hum bei Tüffer, Preissmann (H. P.). Römerbad, Hayek.
Gonobitz, Fleischer (H.H.M.).
Krain: Feistritz in der Wochein, Fleischmann (H.P.Z,H.E., H.H.M.), Rechinger (H.U. W.).
In valle Savitzae, Wochein, K. Richter (H.U.W.). Am Wocheiner See, Rechinger (H. U.W.). In der
Wochein, Rastern (H.P.Z.). Bei der Pulvermühle nächst Stein, Breindl (H.H.M.). Ufer der Save in Krain,
Fleischmann und Bialkowsky (H.H.M.). Laibach, Morastwiesen und Wiesen an der Feistritz, Freyer
(H. E, H.H.M.). Morastwiesen bei Laibash, Freyer (H.J.G.). Alpe Storzhez, Fleischmann (H. E,H.
H.M.). Saplata, Fleischmann und Bialkowsky (H.H.M.). Predvor, Freyer (H.H.M.) Modrea,
Breindl (H.H.M.). Idria, Dolliner (H.Kk., H.B., H. Hal.). Adelsberg, A. Kerner (H.K.), Dolliner (H.
K.). Tommasini (H.zb.G.). Auf feuchten Wiesen im Rekathale, Tommasini (H.K., H.z. b. G.). Wiesen
bei Präwald, Wettstein (H. U. P.). Zerovnica, Safer (H. Ull.). Illyr.-Feistritz, Pernhoffer (H. U. P.).
Ungarn: Taröthäz, Com. Eisenburg, Märton (H.P. Z.).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 723
Kroatien: Kroatien, Schlosser (H.H.M.). Agram, Vukotinovic (H. H. M., H. U.W., H. Hal., H.
Ull.), Schlosser (H.E.).
Centaurea rotundifolia (Bartl.) zeigt nur geringe Verschiedenheiten in Bezug auf die Blattgestalt,
bald sind die Blätter der Zweige breit-oval, fast kreisrund, bald mehr lanzettlich und spitz; meist sind die
Blätter gesägt oder die oberen ganzrandig, von Thon bei Grafenstein in Kärnten sah ich auch ein
Exemplar mit rundum grob buchtig gezähnten Blättern. Meist ist die ganze Pflanze vollständig kahl;
auffallend ist eine Form mit grauflaumig filzigen Blättern, welche Reichenbach in seinen Exsiccaten als
var. fomentosa bezeichnet hat; ich sah solche Exemplare mit der Standortsbezeichnung »bei Feistritz in der
Wochein und von Monfalcone« gesammelt von Fleischmann.
C. rotundifolia (Bartl.) unterscheidet sich von C. Smolinensis Hay. durch die reiche Verzweigung,
und die mit breiter oder stengelumfassender Basis sitzenden oberen Blätter; von C. nigrescens W. und
C. dubia Su E vor allem durch die schmalen, cylindrisch eiförmigen Köpfchen, von ersterer außerdem durch
die reichere Verzweigung und breitere, mit breiter Basis sitzende Blätter, von letzterer durch kleinere
Anhängsel der Hüllschuppen.
Bezüglich des von mir in Anwendung gebrachten Namens rotundifolia Bartl. pro var. ist zu
bemerken, dass, wie ich bei folgender Art nachweisen werde, der Name C. nigrescens für diese Art nicht
anwendbar ist, Bartling die Pflanze aber bereits im Jahre 1825 so genau beschrieb, dass gar kein Grund
vorliegt, diesen Namen zu Gunsten der späteren (C.Carniolica Host. und €. Vochinensis Bernh.) fallen zu
lassen. Dass der Name C. Carniolica Host sich auf diese Art und nicht auf eine Form der C. variegata Lam.
bezieht, habe ich bereits bei letzterer Art nachgewiesen.
(57 x 64) Centaurea jacea L. x nigrescens Willd.
Centaurea extranea Beck, Fl. v. Nieder-Österr. II, p. 1263 (1893).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens vel horizontale, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus,
angulatus, glaber, a medio in ramos nonnullos erecto-patentes simplices vel iterum ramosos divisus. Folia
basalia petiolata, elliptica vel late lanceolata, dentata vel integerrima, caulina inferiora et media late
lanceolata, sessilia, acuta, integerrima vel serrata, superiora et ramealia late lanceolata, acuta, mucronata,
basi modice attenuata sessilia, erecta, suprema 1—1!/, cm longa. Folia omnia viridia, margine setulis
minimis aspera, caeterum glabra vel pilis crispulis minutis sparsim obsita. Capitula in apice ramorum
singularia, foliis supremis suffulta, ovata, 14 mm longa et 11mm lata. Squamae anthodii virides, interiores
nervoso striatae, appendicibus, saltem exterioribus, non obtectae. Appendices serierum exteriarum 2—3
triangulares, 1—1!/, mm longae, nigrae, pectinato-fimbriatae fimbriis pallidioribus utrinque 8—12 latitudine
squamae aequilongis, terminalibus non productis, caeterum serierum orbiculares, scariosae, nigrae,
margine fuscae et imprimis in mediis lacerae vel apice fimbriatae. Corollae persicinae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, plerumque fertilia, pallide griseo-fuscescentia, puberula, umbelico non barbata,
epapposa.
Synonym.
Centaurea jacea x nigrescens Hal., Fl. v. Nieder-Österr., p. 298 (1896).
Abbildung.
Taf. X, Fig. 9.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern anscheinend nicht selten.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 92
724 Augustv. Hayek,
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich: Nächst dem Tirolerhof zwischen Perchtoldsdorf und Gießhübl (Hayek).
Centaurea extranea Beck. unterscheidet sich von C. nigrescens Willd. durch die schon von der
Mitte an ungetheilten Anhängsel der Hüllschuppen, von (€. jacea L. durch die Fransung der äußern
Anhängsel. Von (. subjacea (Beck) lässt sie sich durch die bedeutend kürzeren, in der Mitte schwarzen
Anhängsel der äußeren Hüllschuppen leicht unterscheiden.
64. Centaurea nigrescens Willdenow, Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2288! (1800).
Perennis. Rhizoma crassum, horizontale, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 60 cm altus,
angulatus, scabriusculus, a medio in ramos nonnullos erecto-patentes simplices vel iterum ramosos
divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, late lanceolata, integra vel sinuato-dentata, caulina
media et superiora late lanceolata, basi attenuata vel modice rotundata sessilia, integra vel basi dente uno
alterove praedita, ramealia erecta, I—2 cm longa. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera,
caeterum glabra vel pilis minutis sparsim obsita. Capitula in apice ramorum singularia, rarissime
bina ternave brevissime pedunculata, foliolo supremo suffulta, ovata, 14mm longa et 11mm lata. Squamae
involucri virides vel apicem versus purpurascentes, interiores nervoso-striatae, appendicibus non obtectae.
Appendices seriei intimae squamarum scariosae, orbiculares, fuscae, caeterum serierum triangulares,
adpressae vel apice patentes, nigrae, I—1!/, mm longae, pectinato fimbriatae fimbriis latitudine squamae
aequilongis nigris utringue 8—12. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa,
pallide griseo-fuscescentia, puberula, umbelico non barbata, epapposa vel pappo minutissimo coronata.
Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea nigrescens Host., Fl. Austr., II, p. 516 (1831).
Centaurea nigrescens a. transalpina et ß salina Schur., Enum. plant. Transs,, p- 402 (1866).
Centaurea transalpina var. microchaetes Borb. in öst. bot. Zeitschr., NXVIIL, p. 364 (1878).
Centaurea Kochii J. Kern. in österr. bot. Zeitschr., XXIV, p. 337 (1874).
Centaurea nigra Brandza, Prodr. fl. Rom., p. 302 (1879 —83).
Centaurea nigrescens A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung. I, p. 81 (1881) pro parte.
Centaurea Vochinensis A. Kern. 1. cc. p. 82. — Hal. et Braun, Nachtr. z. Fl. v. Nieder-Österr., p. 84
(1882).
Centaurea nigrescens Simonk., Enum. fl. Transs., p. 346 (1886). — Beck, Fl. v. Nieder-Österr,,
p. 1262 (1893). — Hal, Fl. v. Nieder-Österr., p. 298 (1896). — Fritsch, Excursionsfl., p. 596 pro parte
(1897).
Abbildung.
War iO!
Exsiccaten.
A. Kern., Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 227, .— Baenitz, Herb. Europ., Nr. 7878 (als €. Michaeli).
Verbreitung.
Mit Sicherheit nur in Niederösterreich, Ungarn und Rumänien, wahrscheinlich auch in Sieben-
bürgen.
Centaurea- Arten Österreich-Ungarns.
un |
186}
(71
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich: Raabs, Krenberger (H. Hal.). Wiesen bei Rossatz, J. Kerner (H.K.). Auf
Wiesen zwischen Gießhübl und Perchtoldsdorf, Müllner (H.U.W.), Tscherning (H.H.M.), Hayek.
Gloggnitz, L. Keller (H. Ull., H. Hal.).
Ungarn: In salicetis humidiusculis aggerum proxime Sziler ad Vesztö in ditione fluvii Körös,Borbäs
REIZUSN\V,, H.H.M,. H.P.Z, H.B.,H.K., H. Beck, H. Ull.).
Schurund Simonkai geben C. nigrescens W. auch für Siebenbürgen an; ich halte diese Angabe für
sehr wahrscheinlich, da die Pflanze (nach einem Exemplar im Herbar Dr. v. Haläcsys) auch in Rumänien
vorkommt und auch das Vorkommen bei Vesztö anscheinend einer Herabschwemmung durch die Körös
seinen Urspfling verdankt. Nach Celakovsky, Fritsch u.a. soll aber €. nigrescens W. auch in Böhmen
und Mähren vorkommen. Da ich aber aus diesen Ländern keine Exemplare gesehen habe, im Gegentheile
alles, was mir aus diesen Ländern unter dem Namen C. nigrescens unterkam, zu C. subjacea (Beck) oder
C. oxylepis (W. Grab.) gehörte, halte ich diese Angaben für mehr als zweifelhaft.
Der Name Centaurea nigrescens Willd. hat schon die mannigfachsten Deutungen erfahren. Während
Koch C. rotundifolia Bartl. und €. dubia Sut. unter diesem Namen vereinigte, bezeichnete Reichenbach
eine Form der C. jacea L. mit zerrissenen Hüllschuppenanhängsel mit diesem Namen; die französischen
Autoren, vor allem De Candolle hingegen hielten €. pratensis Thuill,, ©. consimilis Bor. und andere,
zwischen (. jacea L. und (€. nigra L. in der Mitte stehende Formen für die echte C. nigrescens W.,
A. Kerner und die neueren österreichischen Autoren endlich fassten die hier beschriebene Art und
C. rotundifolia Bartl. unter C. nigrescens zusammen. Ich sehe mich deshalb veranlasst, trotz der
eingehenden diesbezüglichen Studie A. Kerners (Schedae ad fl. exs. Austro-Hung. I, p. Sl) nochmals
die Nomenclatur dieser Art zu erläutern.
Willdenow (Spec. plant. III, p.2288) beschreibt C. nigrescens folgendermaßen: » Centaurea calycibus
ciliatis, squamulis intimis scariosis, foliis radicalibus obsolete pinnatifidis, canlinis inferioribus basi
subdentatis, superioribus indivisis integerrimis.
Centaurea Schemnitzensis Hortulan.
Habitat in Austria, Hungaria.
Differt a @entaurea nigra, cuius sub nomine saepe in hortos venit, calycinis sguamis cihiatis nec
plumosis, corollis radiatis. A C.jacea calyce ciliato, foliis oblongis radicalibus saepius obscure pinnatifidis,
caulinis infimis basi profunde dentatis.«
Aus diesen Angaben erhellt, dass Willdenow eine Centaurea vorliegen hatte, welche gewimperte
Hüllschuppen, lappige grundständige und an der Basis tief gezähnte untere Stengelblätter zeigte, sowohl der
C. nigra als der C. jacea ähnelte, bei den Gärtnern unter dem Namen C. Schemnitzensis bekannt war und
in Österreich und Ungarn vorkommt. Diese letztere Angabe allein schließt nun schon alle westeuropäischen
Arten, wie C. pratensis Thuill. und andere aus. Trotzdem ist aus Willdenows Angaben nicht zu
entnehmen, welche Art er unter €. nigrescens verstanden hat, da die gegebene Beschreibung auf gar
manche in Österreich-Ungarn vorkommende Arten passt; auch das Synonym €. Schemnitzensis Hortul.
gibt uns keine weitere Auskunft, und wir sind daher auf Willdenows Herbar angewiesen. Unter
Nr. 16551 finden wir daselbst fünf Exemplare. Blatt I enthält ein Exemplar von C. oxylepis (Wimm. Grab).
(nicht C. Austriaca W., wie A. Kerner angibt), und wahrscheinlich ist dies die Pflanze, die, da sie
thatsächlich bei Schemnitz vorkommt, bei den Gärtnern unter dem Namen C. Schemnitzensis bekannt
_ war. Da aber die Beschreibung Willdenows viel besser zu den auf Bogen 3, 4 und 5 aufliegenden
Exemplaren passt, und uns die Beschreibung des Autors in erster Linie maßgebend sein muss, so müssen
wir vor allem unsere Aufmerksamkeit auf diese Exemplare lenken. Das Exemplar auf Bogen 2 ist nur
92°
726 Augustv. Hayek,
eine Form von C.jacea L., das auf Blatt 5 stellt ©. dubia Sut. vor und wurde aus der Schweiz von
Schleicher an Willdenow geschickt. Dieses Exemplar hat aber Willdenow zweifellos erst nach der
Herausgabe der Species plantarum erhalten, da er sonst unter den Verbreitungsangaben sicherlich auch
der Schweiz erwähnt hätte. Auf Bogen 3 und 4 endlich finden sich zwei Exemplare von der oben
beschriebenen Pflanze, die mit niederösterreichischen Exemplaren vollkommen übereinstimmen, nicht aber,
wie Kerner angibt, mit jener Pflanze, die Bartling später als C. nigrescens var. rotundifolia, Bernardi
als C. Vochinensis beschrieben hat. Auf diese Exemplare passt nicht nur Willdenows Beschreibung
vortrefflich, sondern die Pflanze kommt auch thatsächlich »in Austria et Hungaria« vor, und zwar in
Österreich im engeren Sinne, während ©. rotundifolia (Bartl.) Kärnten und Krain bewohnt, Länder, die
Willdenow nach damaliger Sitte gewiss namentlich aufgeführt hätte. Es ist demnach der Name
C. nigrescens nur auf die Pflanze, welche in Nieder-Österreich und Ungarn vorkommt und welche auch
Beck so bezeichnet hat, nicht aber auf C. rotundifolia (Bartl.), C. dubia Sut. und andere anzu-
wenden.
C. nigrescens W. zeigt nur geringe Verschiedenheiten in Bezug auf den Bau der Hülle, Blattgestalt
und Verzweigung. Exemplare mit etwas größeren Anhängseln der Hüllschuppen kommen ab und zu vor,
scheinen mir aber der C. nigrescens W. sehr nahestehende Hybride mit C. jacea L. zu sein. Beck! hat sie
irrthümlicherweise mit der var. Candollii Koch und C. transalpina Schl. identificiert. Exemplare mit
durchwegs ganzrandigen Blättern, wovon die untersten oft leierförmig fiederspaltig sind, stellen die
f. praticola Beck. c. vor; Individuen, bei denen die Köpfchen wohl infolge theilweiser Verwachsung der
Blütenstiele, auf kurzen doldentraubigen Ästen zu zweien oder dreien nebeneinander stehen, sind als
f. hedraeaniha Beck zu bezeichnen. Ab und zu findet man, ähnlich wie bei C. dubia Sut., auch bei
C. nigrescens einen rudimentären Pappus ausgebildet, solche Exemplare hat Borbäs als (. fransalpina
var. microchaetes bezeichnet; die von ihm unter diesem Namen ausgegebenen Exemplare sind jedoch
zum Theil auch pappuslos und sonst in nichts von der niederösterreichischen Pflanze zu unterscheiden.
(97 x 64.) Centaurea bracteata Scop. X dubia Sut.
Centaurea Hausmanni Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, subrepens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 60 cm altus
angulatus, glaber, a medio vel in parte superiore in ramos nonnullos erecto-patentes non elongatos divisus.
Folia basalia et caulina inferiora petiolata, ovato-lanceolata, integra vel pinnatiloba, dentata vel integerrima,
caulina media et superiora lanceolata, denticulata vel integerrima, acuta. Folia omnia viridia, margine
setulis minimis aspera, in lamina pilis crispulis minutis obsita, rarius tomento arachnoideo canescentia.
Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 14mm longa et 12 mm lata, foliis supremis suffulta. Squamae
anthodii virides vel apice purpurascentes, appendieibus omnino obtectae. Appendices squamarum
exteriarum triangulares, nigrae, pectinato-fimbriatae, fimbriis latitudine squamae aequilongis, mediae
orbiculares, scariosae nigricantes, lacerae, interiores integrae. Corollae roseae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, puberula, hylo non barbata, epapposa.
Synonym.
Centaurea jacea ß pratensis Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 494 (1851), non C. pratensis Thuill.
Abbildung.
Targa:
Vorkommen.
Unter den Stammeltern stellenweise nicht selten.
1 Fl. v. Nieder-Österreich. II, p. 1262.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. MD
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: Am Ritten bei Bozen, Hausmann (H. FE. I., H. H. M.). Sterzing, Huter (H. F.1.), A.Kerner
(H. K.). Sexten, Huter (H. Hal.). Lienz, Gander (H. K., H. z. b. G.).
Kärnten: Pontafel, Preissmann (H.P.).
Übergangsformen von Centaurea bracteala Scop. zu C.dubia Sut. scheinen stellenweise nicht selten
und wohl zweifellos hybriden Ursprunges zu sein. Für diese Annahme spricht die Mittelstellung der Pflanze
zwischen den muthmaßlichen Stammeltern und die Vorkommensverhältnisse. Ich benenne die neue
° Hybride nach Baron Hausmann, dem Verfasser der Flora von Tirol, welcher, wie eine im Herbare des
k. u. k. naturhistorischen Hofmuseums befindliche Serie von Exemplaren beweist, der erste war, welcher
diesen Bastard auffand und auch als solchen erkannte.
65. Centaurea dubia Suter, Fl. Helv. II, p. 202 (1802).
Perennis. Rhizoma horizontale, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 60 cm altus, a medio vel in
parte superiore in ramos nonnullos erecto-patentes non elongatos simplices vel iterum ramosos divisus,
angulatus, glaber. Folia basalia petiolata, ovata, lyrato-pinnatiloba vel indivisa, caulina inferiora sessilia,
caeterum basalibus conformia, media et superiora ovata vel lanceolata, basi rotundata sessilia, dentata vel
integerrima, acutiuscula, ramealia late lanceolata vel ovata, erecto-patentia, suprema 1—2 cm longa. Folia
omnia viridia, margine setulis minimis aspera, caeterum glabra vel pilis minutis sparsim obsita. Capitula
in apice ramorum singularia vei bina ternave breviter petiolata, ovata, 15 mm longa et 11 mn lata.
Squamae anthodii virides, apice purpurascentes, nervoso- striatae appendicibus non vel fere omnino
obtectae. Appendices serierum duarum intimarum orbiculares, scariosae, nigricantes, tertiae seriei
orbiculares nigrae, apice pectinato-fimbriatae, caeterum serierum triangulares, nigrae, 1—2 mm longae,
pectinato-fimbriatae, fimbriis utrinque 6—10 latitudine squamae aequilongis vel paulo brevioribus,
terminalibus non productis. Corollae persicinae vel purpureae, marginales radiantes. Achenia 3Smm longa,
pallide griseo-fuscescentia, puberula, hylo non barbata, epapposa vel pappo minutissimo setulis paucis
formato coronata.
Synonyme.
Centaurea transalpina Schleicher, Catal. plant. in Helv. nasc. (Ed. Il), p. 10 (1807), nomen solum.
Centaurea floscnulosa Reichenb. in Mösslers Handb. d. Gew. Kunde, Tab. II. 2, p. 1539 pr. p. (1828).
Centaurea nigrescens Gaud., Fl. Helv., V, p. 396 (1829).
@entaurea transalpina Schleicher in Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 214 (1832). — De Cand,,
Prodr. syst. veget. VI, p. 571 (1837).
Centaurea nigrescens Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 410 pro parte (1837). — Mor., Die
Fl. Graub., p. 78 (1838).
Centaurea transalpina Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 849 (1840).
Centaurea nigrescens a. transalpina et y Candolli Koch, Taschenb. der deutsch. und schweiz. Fl.,
p. 302 (1844). — Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 469 f. (1844). — Maly, Enum. pl. phan. Imp. Austr.,
p. 136 (1848).
Centaurea nigrescens Hausm.,, Fl. v. Tirol, I, p. 494! (1851).
Centaurea transalpina Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 14 (1852).
Centaurea nigrescens Bertol., Fl. Ital., IX, p. 432 (1853). — Facch,, Fl. v. Süd-Tirol, p. 101 (1855).
Centaurea brevipappa Boiss. et Reut., Diagn. plant. nov. ser., II, 3, p. 71 (1856).
Centaurea jacea ß vulgaris Pach., Fl. v. Kärnten, I, p. 120 saltem pro parte (1881).
128 = Augustv. Hayek,
Centaurea transalpina A. Kern, Sched. ad fl. exs. Austro - Hung,, I, p. 83 (1881)! — Gremli,
Excursionsfl. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 254 (1889).
Centaurea jacea var. pygmaea Glaab in Deutsch. bot. Monatsschr., XI, p. 79! (1893).
Centaurea transalpina Fritsch, Excursionsfl., p. 596 (1897).
Centaurea nigrescens y Candollii Rouy, Classif. rais. des Centaurea de la groupe jacea in Bull. de
l’assoc. frang. de bot., I, p. 87 (1898).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 25. — Taf. X, Fig. 12.
ErRSteeatt
Fl. exsicc. Austr. Hung. Nr. 3422.
Verbreitung.
Durch ganz Oberitalien, die südliche Schweiz und Südtirol bis zum Brenner, sowie im westlichsten
Kärnten.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: Innsbruck, an der Brennerstraße bei Gärberbach, Sarnthein (H.U. W. H.F.1I.). Sterzinger
Moos, Heufler (H.F.1.). Sterzing, Huter (H.F.L,H. z. b. G., H.J. G.). Sexten, Kreuzberg, Huter (H. z.b.
G.). Brixen, Hofmann (H. z.b. G.,, H.F.].), Meissmer (H.K.), Val de Lievre (H. H. M.). Seisseralpe,
Eschenlohr (H.F.1.). Schleerngebiet, Umgebung des Zimmerlehen-Weihers, Val de Lievre (H.K.).
Völs am Schleern, Val de Lievre (H.F.1,H.U.W.). Völs bei Bozen, unter dem Pfaffenbühel, Val de
Lievre (H. U. W.). Bozen, Bamberger (H.P.Z.), Huguenin (H. P. Z.), Hausmann (H.F.1,H. z. b.G,
H.H.M.), Grabmayer (H. z. b.G.). Bahnhof von Auer bei Bozen, Sonklar (H. U. W.). Klobenstein und
Ritten, Hausmann _(H. F. I.). Klobenstein, Hausmann (H. F. I.). Ritten bei Bozen, Hausmann
(H. B, H. H. M), Grabmayer (H. H. M.), Tierser Thal bei Bozen, Val de Lievre (H. U.W»
Sonklar (H. U. W.). Tiers, Val de Lievre (H. F. I). Eppan, Heufler (H. F. I, H. Bw
Patschnigerberg, Isser (H.F.L). Wormser Joch bei Trafoi, Haeckel (H.Kk.). Geyerberg bei Salurn,
Hausmann (H.F.1.). Doss de Cuz, Porphyr, Val de Lievre (H. U. W.). Piano im Val di Non, Val de
Lievre (H.F.].). Core, Reni (H.F.l.). Val di Cembra, Albiano, Val de Lievre (H.F.1.). An der Valsu-
ganabahn, Murr (H. Hayek). Kastanienwald bei Messiano, Val de Lievre (H.F.1.). Val Tesino bei Brino,
Sonklar (H. U. W.). Rovereto, Costa (H.z.b.G.). Zwischen Riva und Arco, A. Kerner (H. U. W., H.K.).
Al’ometro in Vallarsa, A. Kerner (H. K., H.Hal.). Paneveggio, Eichenieldt (H.P.). Pusterthal, Haus-
mann (H.P. 7). Wiesen um Luttach, Treffer (H.P. Z, H.F.1.). Steinerberg bei Euttach, Treffer (ek
Murr, H. z.b. G.). Welsberg, Hell (H.F.1.). Lienz, Gander (H.z.b.G.). Schluderbach, Freyn (H. z.b. G.).
Cortina d’ Ampezzo, Strauss, Maly und Brandmayer (H. z. b. G.), Ried (H. Hayek).
Kärnten: Pasterze, Ed. Sauter (H.F.1.). Heiligen-Blut, Glaab (H. Sizbg.). Wiesen bei Ober-Vel-
lach, Pacher (H. Klgf.). Kühweger Alpe, Birnbacher (H. Hal.). Pontafel, Preissmann (H.P.).
Centanrea dubia Sut. unterscheidet sich von C. nigrescens Willd. durch meist größere, die Hülle
mehr verdeckende Anhängsel, von denen die 2—3sinneren Reihen ungetheilt und rundlich sind, sowie
durch breitere Blätter; von C. rotundifolia (Bartl.) durch die weniger reichliche Verzweigung, meist
schmälere Blätter und breitere Köpfchen mit größeren Anhängseln der Hüllschuppen.
Die Größe der Hüllschuppenanhängsel wechselt bei €. dubia Sut. in ziemlich hohem Grade. An tief
gelegenen Standorten, besonders bei Exemplaren aus Ober-Italien sind sie klein, kaum I mm lang, und
die Hülle erscheint nur schwarz gefleckt; bei zunehmender Meereshöhe des Standortes werden sie
entschieden größer und werden, besonders bei Exemplaren von subalpinen Standorten so groß, dass sie
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 729
die Nägel der Hüllschuppen vollständig verdecken und die Hülle ganz schwarz gefärbt erscheint; solche
Exemplare sind als var. Candollii Koch zu bezeichnen. Ich habe bereits an anderer Stelle! nachgewiesen,
dass diese bei zunehmender Meereshöhe auftretende Schwarzfärbung der Hüllen bei dieser und anderen
Centaurea-Arten (C. scabiosa L., C. jacea L.) und anderen Compositen vermuthlich den Zweck hat,
die strahlende Wärme der Sonne zu binden und so die zur Reife nöthige Menge den Fruchtknoten
zuzuführen.
In anderer Beziehung zeigt C. dubia Sut. nur geringe Verschiedenheiten, so bezüglich der Blatt-
gestalt, die bald schmäler, bald breiter, an den untern Blättern bald leierförmig fiederspaltig, bald ungetheilt
ist. Ähnlich wie bei C. nigrescens W. findet man auch bei C. dubia Sut. manchmal einen rudimentären
Pappus ausgebildet, solche Exemplare haben Boissier und Reuter an oben angeführter Stelle als
C. brevipappa beschrieben.
Centaunga dubia Sut. wird von den neueren Phytographen meist als C. transalpina Schleich.
bezeichnet. Diese Bezeichnung ist zwar vollkommen zutreffend, da aber der Name Schleichers das
erstemal im Jahre 1807 ohne Diagnose, mit Diagnose aber erst im Jahre 1832 in Reichenbachs Flora
excursoria publiciert wurde, während die Pflanze schon im Jahre 1802 von Suter als ©. dubia beschrieben
wurde, hat sie nach dem Prioritätsrechte diesen Namen zu führen, da die allerdings ältere Centaurea dubia
Gmelin gar keine Centaurea, sondern ein Xeranthemum ist.
In C.nigrescensW., C.rotundifolia (Bartl.) und €. dubia Sut. begegnen wir drei in morphologischer
Beziehung einander sehr nahestehende Arten, die nur durch geringfügige Merkmale von einander
verschieden sind. Jede dieser drei Arten bewohnt ein geschlossenes Areal, doch stoßen die Verbreitungs-
bezirke aneinander und sind die Arten an den Verbreitungsgrenzen durch Übergänge mit einander
verbunden. Solche Übergangsformen zwischen (. nigrescens und C. rotundifolia finden sich bei Gloggnitz
in Nieder-Österreich, solche zwischen €. rotundifolia und €. dubia in Kärnten sowie in Ober-Italien in
der Umgebung von Lugano, wo am Monte Generoso und dessen Umgegend ein isolierter Standort von
C. rotundifolia (Bartl.) inmitten des Areales der C. dubia Sut. sich findet.
Die große Ähnlichkeit in morphologischer Beziehung sowie die eigenthümlichen Verbreitungs-
verhältnisse führen uns zu dem Schlusse, dass diese drei Arten sich aus einer gemeinsamen Stammform
entwickelt haben und infolge klimatischer Verschiedenheiten in drei geographische Rassen gespalten
wurden. Diese gemeinsame Stammform dürfte die ganzen südwestlichen Alpen und die ihnen vorliegenden
_ Gebirge bewohnt baben. Ein sehr merkwürdiges Vorkommen ist das der €. rotundifolia (Bartl.) im Gebiete
der Ü. dubia Sut. bei Lugano, welches sich vielleicht folgendermaßen erklären ließe. Wir haben in
C. rotundifolia jedenfalls die genetisch ältere Form zu erblicken, welche vor der Eiszeit Ober-Italien und
die Alpen der südlichen Schweiz und Südtirols bewohnte, zur Eiszeit jedoch nach Süden und Osten
gedrängt wurde, und erst später wieder in die verlassenen Gebiete einwanderte. Während die Pflanze
im Südosten ihre ursprüngliche Gestalt beibehielt, änderte sie dieselbe jedoch in Ober-Italien und
entwickelte sich zu der Form, die wir heute (€. dubia nennen. Diese Form ist es, welche nach dem
Zurückweichen der Gletscher wieder in die südlichen Thäler Tirols und der Schweiz eindrang. Bei Lugano
jedoch und vielleicht auch an anderen Stellen hatte sich €. rotundifolia (Bartl.) auch während der Eiszeit
erhalten, und diesen Relicten ist die heute noch dort wachsende C. rotundifolia entsprungen.
C. nigrescens W. dürfte sich während der Eiszeit von C. rotundifolia abgegliedert haben; doch
scheint ihr das Klima Ungarns nicht zuzusagen, woher ihr heute nur auf kleine weit auseinander liegende
Areale beschränktes Vorkommen zu erklären wäre.
In den Formenkreis der genanten drei Arten gehört zweifellos auch C. Smolinensis Hay., und
vermuthlich ist auch sie auf eine geographische Abgliederung von der gemeinsamen Stammform zurück-
1 Öst. bot. Zeitschr. XL, p. 383 ff.
730 Augustv. Hayek,
zuführen, doch ist bei der geringen Kenntnis, die wir von dieser Art und ihrer Verbreitung besitzen, es
heute noch nicht möglich, genauere Schlüsse auf ihre Entwicklung zu machen.
III. Section. Lepteranthus. De Cand., Diss. de Comp. p. 24.
Anhängsel der Hüllschuppen tief federig gefranst, aufrecht oder zurückgekrümmt. Pappus meist
vorhanden.
a. Nigrae. Anhängsel der Hüllschuppen nicht in eine pfriemlich fädliche Spitze vorgezogen,
aufrecht.
66. Centaurea nemoralis Jordan, Pugill. plant. nov., p. 104 (1852).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 60cm altus,
angulatus, scaber, a medio in ramos nonnullos modice elongatos erecto-patentes plerumque simplices
divisus. Folia basalia petiolata, late lanceolata, denticulata vel integerrima, caulina inferiora breviter
petiolata, basalibus conformia, media et superiora sessilia, lanceolata, acuta, denticulata, ramealia erecta,
remota, lanceolata. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera, in lamina tomento arachnoideo
plus minusve floccosa vel glabra. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, globosa,
l4mm longa et lata. Squamae involucri virides, inconspicue striatae, appendicibus omnino obtectae.
Appendices seriei intimae squamarum ovatae scariosae, integrae, fuscescentes, caeterum serierum trian-
gulari-lanceolatae, 11/,—3 mm longae, erectae, nigrae, plumoso fimbriatae, fimbriis patentibus flexuosis
ramosis fuseis utrinque 12 — 16 latitudine squamae 11/,—2 mm latae multo longioribus. Corollae purpurea,
radiantibus deficientibus. Achenia 3 mm longa, pallide fusca, puberula, hylo non barbata, pappo
nigricante vix | mm longo coronata.
Synonyme.
Centaurea nigra Linne, Spec. plant., Ed. I, p. 911 pro parte (1753). — Willd., Spec. plant., Ed. IV,
3, p. 2287 pro parte (1800).— Sut.,Fl. Helv., II, p. 202 (1832).— Reichenb,, Fl.Germ. exc., p.214 (1831). —
Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., I, p. 411 (1837). — Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 481 (1840).— Koch,
Taschenb. d. deutsch. u. schw. Fl., p. 303 (1844). — Syn. fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 471 (1844). — Gren.
et Godr., Fl. de France, II, p. 243 pro parte (1850). — Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv., XV, p. 17
(1852). — Neilr.,, Nachtrag z. Fl. v. Wien, p. 51 (1866). — Garcke, Fl. v. Nord- u. Mittel-Deutschl,,
Ed. VII, p. 234 (1867).
Centaurea nemoralis Nym., Consp. Fl. Europ., p. 421 (1878—81).
Centaurea nigra Garcke, Fl. v. Deutschl., Ed. XV, p. 239 (1885).
Centaurea nigra b nemoralis Gremli, Excursionsfil. f. d. Schweiz, Ed. VI, p. 254 (1889).
Centaurea nigra Fritsch, Excursionsfl., p. 596 (1897).
Centaurea nigra f. nemoralis Rouy, Classif. rais. d. Cenfaurea de la sect. Jacea in Bull. de l’assoc.
frane. de bot., I, p. 93 (1898).
Centaurea nigra Hayek in österr. bot. Zeitschr. XLXIX, p. 105 (1899).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 30, Fig. I. — Taf. XI, Fig. 1.
Exsiccat.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 6, Nr. 535.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 731
Verbreitung.
In Mittel- und Südfrankreich, Westdeutschland und der nordwestlichen Schweiz einheimisch, in
Österreich nur stellenweise eingeschleppt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: Böhmen, leg? (H.H. M.).
Nieder-Österreich: An Bergabhängen zwischen Gesträuchen um Wien, Putterlick! (H.H. M.).
Steiermark: Bei Vorau auf einer Wiese an der Straße zum Kreuzwirt, Hayek.
Centaurea nemoralis Jord. unterscheidet sich von der nahe verwandten C. nigraL. durch die lanzett-
lich-dreieckißen, viel schmäleren Anhängsel, die bei €. nigra L. breit-eiförmig und fast so breit wie die
Länge der Fransen sind und etwas kleinere Köpfchen.
Bezüglich der Nomenclatur der Pflanze ist zu bemerken, dass aus mehreren Angaben Linnes
(besonders in der Fl. Suecica, Ed. II) hervorgeht, dass er unter C. nigra vor allem die in England weit ver-
breitete und häufige Pflanze ın erster Linie verstand, weshalb auch diese, welche außer in England in
Holland, Belgien, Nordfrankreich und vielleicht auch im nordwestlichsten Deutschland vorkommt, diesen
Namen zu führen hat, während ihre südliche Parallelform mit dem ihr von Jordan beigelegten Namen
C. nemoralis zu bezeichnen ist.
Die echte C. nigra L. wurde von Haläcsy vor Jahren am Ausstellungsplatze im Wiener Prater auf-
gefunden, doch ist die Pflanze von diesem Standorte längst wieder verschwunden.
67. Centaurea aterrima Hayek.
Perennis. Rhizoma tenue, repens, ramosum, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, 30 — 40 cm
altus, angulatus, scaber, simplex vel apice furcato-bicephalus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata-
late lanceolata, in petiolum angustata, integerrima vel denticulata, caulina media et superiora basi
attenuata sessilia, lanceolata, acuta, denticulata vel integerrima, parum decrescentia. Folia omnia viridia,
in margine et in lamina, praecipue inferiore, setulis minimis aspera. Capitula in apice ramorum vel caulis
sessilia, singularia, globosa, 16mm longa et lata. Squamae involucri virides, appendicibus omnino
obtectae. Appendices squamarum nigrae, late ovatae, 3 mm longa et 2!/),—3 mm latae, erectae, plumoso-fim-
briatae fimbriis latitudine squamae aequilongis vel paulo longioribus patentibus flexuosis utrinque 12—20;
appendices seriei intimae squamarum scariosae, fuscae, denticulatae. Corollae purpureae, marginales
radiantes. Achenia papposa — matura mihi ignota.
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 2.
Verbreitung.
Bisher nur aus Bosnien bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Bosnien: Veles-planina, Beck (H. Beck).
Diese hochinteressante Pflanze steht der ©. nigra L., C. nemoralis Jord. und C. obscura Jord. sehr
vahe, unterscheidet sich jedoch von ihnen durch den einfachen, unverzweigten oder nur an der Spitze
® 1 Bez. dieses Standortes vergl. Neilr., Nachtr. z. Fl. v. Wien, p. III u. p. 51.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 93
732 Augustv. Hayek,
gabelig zweitheiligen Stengel, von den beiden ersteren Arten auch durch das Vorhandensein der strahlenden
Randblüten, von C. nemoralis Jord. auch durch das breitere ungetheilte Mittelfeld der Hüllschuppen-
anhängsel.
B. Phrygiae. Anhängsel federig gefranst, in eine pfriemliche Spitze ausgezogen, nicht herablaufend.
Blätter breit, spitz. Köpfchen cylindrisch oder Kugelig.
68. Centaurea salicifolia Marsch. v. Bieberst. apud Willden., Spec. plant., Ed. IV 3, p. 2283! (1800).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 80cm altus,
angulatus, pilis crispulis obsitus, in parte superiore in ramos paucos breves simplices vel iterum ramosos
divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, ovato-lanceolata, in petiolum attenuata, acuta, carti-
lagineo denticulata, caulina media et superiora late lanceolata, basi attenuata vel rotundata sessilia, acuta,
cartilagineo denticulata vel integerrima. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera et utrinque
pilis crispulis sparsim obsita. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, ovata, 13 mm
longa et 10mm lata. Squamae anthodii virides, interiores nervoso striatae, appendicibus non obtectae.
Appendices seriei intimae squamarum orbiculares, scariosae, fuscae, caeterum serierum e basi ovata
nigra in apicem subulato-filiformem modice recurvam productae, plumoso fimbriatae, fimbriis in parte
inferiore densis, apicem versus remotioribus tenuissimis nigris utringue 10— 15 ad 21/, mm longis; appen-
dices sgquamarum mediarum ad 6 mm longae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia I3mm
longa, pallide griseo-fusca, puberula, umbelico non barbata, papposa; pappus brevissimus vix !/, mm
longus.
Synonyme.
Centaurea salicifolia Marsch. et Bieberst., Fl. Tauro-Cauec., II, p. 343! (1808).— De Cand,, Prodr.
syst. veget., VI, p. 571 (1837). — Schur, Enum. plant. Transs., p. 402 (1866). — A. Kern., die Veg. Verh.
d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in öst. bot. Zeitschr., XXI, p. 44! (1872). — Boiss., Fl. or., II,
p. 630! (1875).— N ym., Consp, fl. Europ., p. 422 (1878—82).— Simonk., Enum. Fl. Transs., p. 346 (1886).
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 3.
Verbreitung.
Von Kleinasien und dem Kaukasus bis Siebenbürgen und stellenweise in den nördlichen Karpathen.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Biharia, Bergwiesen auf der Stanesa bei Rezbänya, A. Kerner (H.K.H. Hal.). Heves-
Megye, Sirok es Kökusipuszta, Vrabelyi (H.K.). Steirdorf bei Orawitza, Wierzbicki (H. J. G.).
Siebenbürgen: Scariosiona im Aranyosthale, A. Kerner (H.K.). Hermanstadt, Fuss (H.Fr.).
Bukowina: Südseite des Runc bei Kimpolung, Bauer (H. U. W.). Wiese am Kosna-Bache, Bauer
(H. U. W.).
Centaurea salicifolia M. B. steht in ihren Merkmalen ungefähr in der Mitte zwischen C. phrygia L.
und €. stenolepis Kern. Von ersterer unterscheidet sfe sich durch kleinere Köpfchen, kürzere, die Nägel
nicht verdeckende und auch an den inneren Hüllschuppenreihen in eine pfriemliche Spitze vorgezogene
Anhängsel, von letzterer durch kürzere, weniger zurückgebogene und schwarze Anhängsel, sowie das
Fehlen der spinnwebigen Behaarung, von beiden Arten überdies durch schmälere Blätter. Von C. indurata
Jka. ist sie durch die dunkleren und kürzeren Anhängsel der Hüllschuppen und den Pappus leicht zu
unterscheiden, von ©. nigrescens W., C. rotundifolia (Bartl.) und den verwandten Arten durch die in eine
lange, federig gefranste Spitze ausgezogenen Anhängsel der Hüllschuppen und den Pappus.
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 733
(57 x 69.) Centaurea jacea Linn€E X phrygia Linne.
Centaurea Austriacoides Wotoszcz. O Roslin. Karpat. Miedzy Lomn. i oporem., p. 24 (1892). Sep. ex
Spraw. Kom. fizyogr. Akad. Umjetn. w Krakowie, XXVI.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 60cm altus, angu-
latus, scaber, in parte superiore in ramos nonnullos simplices vel iterum ramososus divis. Folia basalia et
caulina inferiora ovata, acuta, in petiolum attenuata, dentata vel integerrima, caulina media et superiora
late lanceolata, acuta, sessilia, dentata vel denticulata vel integerrima. Folia omnia viridia, in margine
et in pagina inferiore aspera, in pagina superiore pilis minutis sparsim obsita. Capitula in apice ramorum
singularia, foliis supremis suffulta, globoso-ovata, 16 mm longa et 14mm lata. Squamae involucri fusces-
centes, appendiceibus omnino obtectae. Appendices squamarum interiarum scariosae, fuscae vel nigricantes,
orbieulares, denticulatae, mediarum orbieulari-triangulares, scariosae, nigricantes, margine in fimbrias
capillares irregulariter fissae, exteriarum in apicem capillarem recurvam vel erectam productae, plumoso-
fimbriatae vel irregulariter fissae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia fere 4 mm longa,
pallide griseo-fuscescentia, puberula, hylo non barbata, pappo minutissimo coronata.
Synonym.
Centaurea jacea var. lacera et var. crispofimbriata Borbäs in Schedis.
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 4.
Verbreitung.
Unter den Stammeltern anscheinend nicht selten, wurde bisher in Russland, Galizien und Oberungarn
beobachtet.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Zips, Lublö beim Salzamt, Ullepitsch (H. Ull.). Im langen Wald bei Kesmark, Engler
(H. B.). In pratis ad Matharhaäza, Com. Zips, Borbäs (H P.). In pratis Gnezdae, Borbäs (H. Ull.). Villa
Lers, Ullepitsch (H. Ull.). Schreibersgrübe, Ullepitsch (H. Ull.). Am Rand des Sümpfchens beim Hotel
Littmann in der Tatra, Ullepitsch (H. Ull.).
Galizien: Pieninen bei Kroscienko, leg? (H. B.).
C. Austriacoides unterscheidet sich von C. phrygia L. durch die von der Mitte an unregelmäßig zer-
rissenen, kürzeren Anhängsel, von C.jaceaL. durch größere und dunklere Köpfchen, zerrissene und
gefranste äußere Anhängsel und den Pappus.
69. Centaurea Phrygia Linne, Fl. Suecica, Ed. II, p. 301 (1755).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus ad 80 cm altus
angulatus, scaber, in parte superiore in ramos nonnullos non elongatos simplices vel iterum ramosos
divisus. Folia basalia ovato-lanceolata, petiolata, in petiolum attenuata, acuta, dentata, caulina inferiora
breviter petiolata, late lanceolata vel obovato-lanceolata, acuta, dentata, media et superiora sessilia, late lan-
ceolata, dentata vel integerrima. Folia omnia margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera, in pagina
superiore glabra vel pilis sparsis obsita. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa, 16mm longa et
14 mm lata. Squamae involucri fuscescentes, interiores nervoso-striatae, appendicibus plerumque omnino
vel fere omnino obtectae. Appendices seriei intimae squamarum scariosae, orbiculares, fuscae, serierum
sequentium duarum orbiculares, nigrae, in apicem capillarem recurvam productae, plumoso-fimbriatae
93*
734 Augustv. Hayek,
fimbriis elongatis, a sequentibus seriebus non obtectae; appendices caeterum serierum lanceolatae, nigrae,
in apicem capillarem recurvam 6 mm longam productae, plumoso-fimbriatae fimbriis squamulae approxi-
matis, apicis remotis, capillaribus, elongatis, utringque 12—18. Corollae persicinae, marginales radiantes.
Achenia 3!/, mm longa, pallide griseo-fuscescentia, sparsim puberula, hylo non barbata, pappo vix I mm
longo coronata. Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea phrygia Linne, Spec. plant., Ed. I, p. 910 pro parte (1753). — Spec. plant., Ed. Il, p. 1287
pro parte (1763).
Centaurea nigra et C. phrygia Krock,, Fl. Siles., II, p. 481 (1790).
Centaurea Austriaca Willd., Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2283! (1800).
Centaurea phrygia Bess., Prim. fl. Galic., II, p. 206 (1809).
Centaurea nigra ß Wahlenb,, Fl. Carp., II, p. 280 (1814).
Cyanus phrygius Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 72 (1816).
Cyanus nigrescens Presl, Fl. Cech,, p. 179 (1819).
? Centaurea nigra Host., Fl. Austr. II, p. 520 (1831).
Centaurea Austriaca De Cand., Prodr. Syst. veget., VI, p. 573 pro parte (1837). — Koch, Syn. Fl.
Germ. et Helv., Ed. I, p. 410 (1837).
Centaurea phrygia C. A. Mey. in Rupr., Beitr. z. Pflanzenk. d. russ. Reich., IV, p. 82 (1842).
Centaurea Austriaca a. genuina Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 302 (1844). — Syn.
Fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 470 (1844).
Centaurea phrygia C. A. Mey in Bull. de l’Acad. d. scienc. a St. Petersb., VI, p. 130 (1848).
Centaurea Anstriaca Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr. p. 136 excl. ß (1848). — Reichenb. fil,,
Ic. Fl. Germ. et Helv., XV,p. 18 excl. var. (1852).
Cyanus niger et Cyanus phrygius Opiz, Sezn. rostl. Kvet. Ceske, p. 35 (1852).
Centaurea jacea x phrygia b.Wimm., Fl. v. Schles. Ed. III, p. 273 (1857).
Centaurea nigra Wimm., l.c. — Tomasch. in Verh. d. zool. bot. Ges. IX, p. 53 (1859).
Centaurea nigra, C. Austriaca, C. rhaetica et C. phrygia Schur, Enum. pl. Transs., p. 403 (1866).
Centaurea phrygia Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 122 pro parte (1866).
Centaurea phrygia b. brevipennis Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm., p. 250 (1867).
Centaurea Austriaca Garcke, Flora v. Nord- u. Mittel-Deutschl., Ed. VIN, p. 233 (1867).
Centaurea nigra et C. phrygia Rehm. in Verh. d. zool. bot. Ges. XVIII, p. 491 (1868).
Centaurea phrygia A. Kern., die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in öst. bot.
Zeitschr., XXJ, p. 15, Sep. p. 264 (1872).— Knapp, die bish. bek. Pfl. Galiz. und Buk., p. 143 (1872).
Centaurea nigra Knapp, |. c.
Centaurea phrygia Boiss., Fl. orient., III, p. 631 (1875).
Centaurea pseudophrygia et C. conglomerata Porc., Enum. plant. Distr. quond. Naszöd., p. 34 (1878).
Centaurea Austriaca Nym., Consp. fl. Eur., p. 422 (1878—82).
Centaurea phrygia Brandza, Prodr. fl. Roman., p. 302 (1879—83). — Fiek, Fl. v. Schles., p. 344
(1831). — Garcke, Fl. v. Deutschl., Ed. XV, p. 239 (1885).
Centaurea Austriaca Simonk., Enum. fl. Transs., p. 346 (1886).
Centaurea melanocalathia Borb. in Jahrb. d. ung. Karp. Verh., XV, p. 209 (1888).
Centaurea phrygia Fritsch, Excursionsfl., p. 597 (1897).
Abbildungen.
Fl. Danica, Tab. 350. — Reichenb, fil., Icon. fl, Germ, et Helv, XV, Tab, 30, Fig. I. — Taf. XI,
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
=]
[db]
a
Exsiccaten.
Baenitz, Herb. Europ., Ed. II, Nr. 504.— Fries, Herb. norm. plant. Scandin.,XIIl, Nr. 3.— Schultz
Herb. norm. Nov. Ser. Cent. III. Nr. 256. — Callier, Fl. Siles. exs., Ed. a. 1893, Nr. 844.— Fl. exs. Austro-
Hung., Nr. 3423.
Verbreitung.
Schweden, Nordwest- und Mittelrussland, Ost- und Westpreußen, Posen, preuß. Schlesien, durch
Galizien und Bukowina bis in die Karpathen und das nördliche Böhmen.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: In pratis montanis Bohemiae, Tausch (H.H.M.). Böhmen, Hänke (H.H. M.). Nordböh-
men, Neumann (H. z.b. G.). Rumburg, Karl (H.U.P.). Nixdorf, Neumann (H.U.P.). Georgswalde,
Dittrich (H. Kk., H.K.), Neumann (H. K.), Reichardt (H.H.M.).
Mähren: Moravia, Hughes (H.H.M.).
Schlesien: An Feldrainen, Wegen um Freudenthal, Putterlick (H. H. M.). Teschen, Köchel (H.
H. M.).
Galizien: Derewaz bei Lemberg, BYocki (H. B.). Zubraza bei Lemberg, Bfocki (H.B., H.H.M.).
Janower Wald um Jaryna bei Lemberg, Wofoszczak (H. U. W.). Dubienko bei Monaszterziska, Bfocki
(H. B.). Bilcze bei Borczow, Btocki (H.H.M.). Butyrola bei Skole, Btocki (H.B., H. Ull.). Ludowikowka,
östl. Karpathen, Btocki (H.B.). In den Stryier Karpathen, Btocki (H.K.). Lopatyn bei Brody, Btocki
(H. B.). Waldwiesen bei Brody-Jely, Kloeber (H. H. M.).
Ungarn: Hradek, Com. Liptau, Rochel (H.K., H.J. G.). In pratis montis Chocs prope thermas
Lucsky, Com. Liptö, Pantocsek (H. U. W.). Lucsky, Borbäs (H. Hal.). Roks in der Tatra, Heidenreich
(H.P. Z., H. K.). Hohe Tatra, Weißwassersattel, Szepligeti (H. F. 1.). Villa Lers in der Zips, Ullepitsch
(H. Ull.). Bei Felka in der Zips, Scherfel (H. H. M.). Bei Popräd, Com. Zips, Preissmann (H. P.). Wiesen
bei Alt Sohl, leg? (H.P.Z.). Wiesen bei Marmaros-Sziget, Borbäs (H. K.).
Siebenbürgen: Auf Bergwiesen bei Abrudbänya, Csatö (H. U. W.). Hermannstadt, Schur
(H. H.M.). In australi alpium tractu Schott (H. H. M.). Kapellenberg bei Kronstadt, leg? (H. H. M.). Alt
Rodna, Porcius (H. H.M.).
Linne& beschreibt seine C. phrygia in den Spec. plant. p. 910, nur mit folgenden Worten: Centaurea
calycibus recurvato-plumosis, foliis indivisis. Habitat in Helvetia, Austria, Finlandia. Aus dieser Ver-
breitungsangabe und den von Linn& angeführten Citaten ist zu ersehen, dass Linne mindestens
C. phrygia L. fl. Suec., €. elatior (Gaud.) und C. plumosa (Lam.) Kern. hier zusammengefasst hat und man
thut daher besser, nach dem Vorschlage C. A.Meyers und Kerners C. phrygia L. fl. Suec. zuschreiben.
Aber es ist dennoch anzunehmen, dass Linne von allen diesen Arten nur die in Schweden vorkommende
gesehen hat. Bei Centaurea nigra sagt nämlich Linne&: »Differt a €. phrygia, quod squamnla ciliaris sit
ovata erecta patens, nec recurva et subulata«. Wenn Linne unter €. phrygia nun, wie Reichenbach
meint, C. plumosa Lam. verstanden hätte, hätte er kaum diese Bemerkung gemacht, da €. nigra L. und
C. plumosa Lam. wohl nicht verwechselt werden können, während C. nigra und €. phrygia L. fl. Suec.
einander thatsächlich sehr ähnlich sehen. Willdenow hielt C. elatior (Gaud.) für die echte C. phrygia L.
und beschrieb die C. phrygia L. fl. Suec. als C. Austriaca, welchem Beispiele Koch und die meisten
deutschen Autoren folgten. Die französischen Botaniker hingegen, vor allem Villars und De Candolle,
nannten C. plumosa Lan:. C. phrygia und identificierten €. elatior (Gaud.) mit €. Austriaca.
736 Augustv. Hayek,
Nach dem eben Gesagten ist es daher nur möglich, diesen Wirrwarr aufzuklären, wenn man nur
die Pflanze, die Linne sicher gekannt hat und zum mindesten in der Flora Suecica allein unter
C. phrygia gemeint hat, mit diesem Namen bezeichnet, und das ist die C. Austriaca Willdenow.
C. phrygia L. zeigt im Bau des Anthodiums insofern Verschiedenheiten, als die Anhängsel der
Hüllschuppen bald breiter, bald etwas schmäler sind und die Nägel daher bald ganz, bald nur theil-
weise verdecken. Exemplare mit tief schwarzen Köpfchen, die Nägel vollkommen verdeckenden und
etwas kürzeren Anhängseln bilden die C. melanocalathia Borb.
71. Centaurea Carpatica Porcius Enum. plant. phan. distr. quond. Naszöd., p. 34, pro var. ß C. plumosae
(1878). — Porec. in Magy. Növeny Lapok, IX, p. 128 (1885).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 1'20m altus
angulatus, crispe pilosus, in parte superiore in ramos nonnullos erecto patentes simplices vel iterum
ramosos divisus. Folia basalia late ovata, acuta, in petiolum attenuata, dentata, folia caulina inferiora basa-
libus conformia, media ovata, acuta, basi attenuata sessilia, superiora ovato-lanceolata, basi rotundata vel
amplexicauli sessilia, ramealia ovato-lanceolata, infra capitula aggregata. Folia omnia viridia, margine et
ad nervos paginae inferioris setulis minimis aspera, caeterum pilis crispulis obsita. Capitula in apice
ramorum sub capitulis incrassatorum singularia, foliis supremis suffulta, ovato-globosa, 20 mm longa et
18 mm lata. Squamae involucri pallide virides, interiores nervoso striatae, appendicibus omnino obtectae.
Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae fuscae, sequentium serierum e basi lata ovata vel
lanceolata in apicem subulatam filiformem recurvam productae, atro-fuscae, plumoso fimbriatae fimbriis
squamulae densis, apicis subulatae remotis filiformibus elongatis; appendices squamarum extremarum basi
anguste lanceolatae, caeterum mediis conformae. Corollae purpureae, marginales radiantes. Achenia
31/, mm longa, pallide griseo-fusca, puberula, umbelico non barbata, pappo vix Imm longo coronata.
Synonyme.
Centaurea plumosa var. Carpatica Simonk., Enum. fl. Transs., p. 348 (1886).
Centaurea Rodnensis Simonk,, 1. c., p. 620 (1886).
Abbildungen.
Taf. XI, Fig. 8.
Exsiccat.
Fl. exs. Austro-Hung. No. 3424.
Verbreitung.
Bisher nur aus Siebenbürgen bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Siebenbürgen: In locis graminosis montis Craciunel prope Alt-Rodna, 1600— 1900 m. Porcius
(H. U. W.).
C. Carpatica steht zwischen C. phrygia L. und C. elatior (Gaud.) in der Mitte. Von ersterer unter-
scheidet sie sich durch die größeren Köpfchen, die länger gefransten inneren Anhängsel, welche von den
äußeren überdeckt werden, und die breiteren Blätter, von denen die oberen mit breiter oder stengelum-
fassender Basis sitzen; von C. elatior (Gaud.) ist sie durch größere dunklere Köpfchen und die aus breit-
lanzettlicher oder eiförmiger Basis lang zugespitzten Anhängsel, welche bei C. elatior (Gaud.) an der
Basis schmal lanzettlich sind, verschieden.
A
&
ba |
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
| (397 x 71.) Centaurea jacea Linne X elatior (Gaud.).
Centaurea similata Haussknecht in Mitth. der geogr. Ges. für Thüring., III, p. 229 (1885).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, strictus,
angulatus, scaber, simplex vel in parte superiore in ramos paucos simplices vel iterum ramosos divisus.
Folia basalia petiolata, ovata, acuta, dentata, caulina inferiora breviter petiolata, ovata, dentata vel inte-
gerrima, caulina media et superiora ovata vel ovato-lanceolata, basi rotundata sessilia, integerrima vel
dentata. Folia omnia viridia, in margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera, in pagina superiore
glabra vel parce pilosa. Capitula in apice ramorum singularia, ovato-globosa, 17 mm longa et 15 mm lata,
foliis supremis suffulta. Squamae involueri virides, interiores nervoso-striatae, appendicibus omnino
obtectae. Appendices serierum interiarum scariosae, orbiculares, integrae vel lacerae, fuscae, mediarum
triangulares, scariosae, fuscae, apice in fimbrias capillares irregulariter lacerae, exteriorum lanceolatae,
recurvae, in apicem subulatam vel capillarem productae, plumoso fimbriatae fimbriis in apice remotis, basin
versus approximatis et saepe confluentibus. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm
longa, pallide griseo-fuscescentia, parce puberula, hylo non barbata, pappo minutissimo coronata.
Synonym.
? Centaurea jacea d crispo-fimbriata Koch., Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 469 (1844).
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 6.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern, selten.
Tirol: Auf steinigen Triften zwischen Mühlwald und Lappach im Pusterthale, Außerdorfer (H.K.).
Lappach im Pusterthale, Außerdorfer (H. Hal.).
ü Kärnten. Liesereck, leg? (H. U. W.).
Centaurea similata Hausskn. unterscheidet sich von C. jacea L. durch die gefransten Anhängsel
der äußeren Hüllschuppen und den Pappus, von C. elatior (Gaud.) durch die minder fein zertheilten
- äußeren, zerrissenen mittleren und ungetheilten inneren Anhängsel und heller gefärbte Köpfchen.
©. similata schwankt natürlich in der Ausbildung ihrer Merkmale wie alle Bastarde zwischen ihren Stamm-
eltern und nähert sich bald der einen, bald der anderen Art, doch sind die Verschiedenheiten nicht so
i
bedeutende, dass man genöthigt wäre, mehrere Formen aufzustellen.
{ 71. Centaurea elatior Gaud,, Fl. Helv., V, p. 394, pro var. « Centaureae phrygiae (1829).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad SO cm altus,
angulatus, pilis crispulis asper, in parte superiore in ramos paucos simplices vel iterum ramosos non
elongatus divisus. Folia basalia late elliptica, in petiolum attenuata, acuta, dentata, caulina inferiora
elliptica, acuta, dentata, basi-attenuata sessilia, media et superiore ovata, acuta, basi-rotundata vel amplexi-
cauli sessilia, dentata vel integerrima. Folia omnia saturate viridia, margine setulis minimis aspera et in
lamina utraque pilis crispulis obsita, non arachnoideo-lanata. Capitula in apice ramorum singularia, foliis
supremis infra capitula aggregatis suffulta, globosa, ad 20 mm longa et lata. Squamae involucri virides
vel fuscescentes, interiores nervoso-striatae, appendicibus omnino obtectae. Appendices seriei intimae
squamarum scariosae, orbiculares, fuscae medio obscuriores, caeterum serierum e squamula lanceolata
in apicem ad lOmm longam capillarem recurvam elongatae, fuscae, plumoso - fimbriatae fimbriis
738 Augustv. Hayek,
-
squamulae densis apicis capillaris remotis utringque 12—16 capillaribus elongatis. Corollae persicinae,
marginales radiantes. Achenia 4 mm longa, pallide griseo-fuscescentia, glabra vel glabriuscula, hylo non
barbata, pappo circiter 1 mm longo coronata. Floret a Julio ad Septembrem.
Synonyme.
Centaurea phrygia Linne, Spec. plant., Ed. I, p. 910 pro parie (1753). — Spec. plant., Ed. II, p. 1287
pro parte (1763). — Mattuschka, Fl. Siles., II, p. 291 (1777).
Centaurea pectinata Krock, Fl. Siles., II, p. 483 (1790).
2? Centaurea serratuloides Krock, |. c., p. 484.
Centaurea phrygia Host, Syn. plant. in Austr. cresc., p. 475 pro parte et excl. var. (1797). — Willd,,
Spec. plant. Ed. IV, 3, p. 2282! (1800).
Cyanus phrygia Presl., Fl. Cech., p. 179 (1819).
Centaurea phrygia Günth., Wimm., Grab., Enum. plant. phan. Siles., p. 143 (1824). — Spreng,,
Syst. veget., Ed. XV], 3, p. 401 (1826).
Centaurea Austriaca Reichenb., Icon. bot., IV, p. 55 (1828). — Wimm. et Grab., Fl. Siles., II, 2,
p. 109 (1829). — Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 214 (1832).— De Cand., Prodr. syst. veg., VI, p. 573 pro
parte (1837). — Moritzi, Die Pfl. Graub., p. 78 (1838).
Centaurea phrygia Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 410 (1837).
Centaurea Austriaca Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. 851 (1840).
Centaurea psendophrygia C. A. Mey. in Ruprecht, Beitr. z. Pflanzenkenntn. d. russ. Reich., IV,
p- 82 (1842).
Centaurea phrygia Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 302 excl. ß (1844). — Syn. Fl.
Germ. et Helv., Ed. II, p. 471 excl. ß (1844). — Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 136 (1848).
Centaurea pseudophrygia C. A. Mey. in Bull. de l’acad. de scienc. a St. Petersb., VI, p. 131 (1848).
Centaurea phrygia Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 495 (1851). — Hinterh., Prodr. d. Fl. v. Salzb., p. 123
(1851).
Centaurea phrygia ß cirrata Neilr., Nachtr. z. Fl. v. Wien, p. 159 (1851).
Cyanus phrygia Opiz, Sezn. rostl. Kvet. Cesk., p. 35 (1852).
Centaurea phrygia Reichenb. fil.,, Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 19! (1852). — Wimm,, Fl. v.
Schles., Ed. III, p. 274 (1857).
Centaurea phrygia ß semiplumosa Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 379! (1859).
Centaurea phrygia a. genuina Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhm., p. 250 (1867).
Centaurea phrygia Garcke, Fl. v. Nord- u. Mittel-Deutschl., Ed. VIII, p. 233 (1867).
Centaurea Austriaca Maly, Fl. v. Steierm., p. 101 (1868).
Centaurea phrygia Maly, |. c. pro parte. — Saut., Fl. v. Salzb., p. 82 (1868). — Duftschm,, Fl. v.
Ob. Öst., p. 507 (1870).
Centaurea pseudophrygia A. Kern., Die Veg. Verh. d. mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in öst.
bot. Zeitschr., XXII, p. 17, Sep. 266 (1872).
Centaurea phrygia Nym., Consp. Fl. Eur., p. 422 (1878 — 1882).
Centaurea psendophrygia A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 85! (1881).
Centaurea Austriaca et C. phrygia Pach. et Jaborn,, Fl. v. Kärnt. I, p. 122 (1881).
Centaurea pseudophrygia Fiek, Fl. v. Schles., p. 245 (1881). — Garcke, Fl. v. Deutschl, Ed. XV,
p. 239 (1885). — Oborny, Fl. v. Mähr. u. österr. Schles., I, p. 695 (1885). — Gremli, Excursionsfl. f. d,
Schweiz, Ed. VI, p. 255 (1889).— Beck, Fl.v. Nied.-Öst., II, p. 1257!(1893).— Hal., Fl. v. Nied. Öst., p. 299!
(1896). — Fritsch, Excursionsfl., p. 597 (1897).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 739
Abbildungen.
Reichenb,, Iconogr. bot., IV., Tab. 376. — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 133,
Fig. II. — Taf. XI, Fig. 7.
Exsiccaten.
Magnier, Fl. sel. exs.,, Nr. 3304. — Reichenb,, Exs. Nr. 216. — A. Kern., Fl. exs. Austro-Hung,,
Nr. 229. — Baenitz, Herb. Europ., Nr. 3325 (als C. phrygia). — Schulz, Herb. norm. Cent. 9, Nr. 883
(als C. phrygia). — Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 19, Nr. 1806. — Callier, Fl. Sil. exs., Nr. 397. — Dörfler,
Herb. norm., Nr. 3554.
Verbreitung.
-
In der Berg- und subalpinen Region der Alpen östlich vom St. Gotthard, sowie des deutschen Mittel-
gebirges bis zum Harz; mit Vorliebe auf Urgestein, seltener auf Kalk.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: Erzgebirge, leg.? (H.U.P.). Teplitz, Winkler (H.z.b.G.). De montosis silvaticis Sude-
torum, Schmidt (H. U. P.). Schurz, Preissler (H.U.P.). Herrenwiese bei Schurz, Preissler (H.B.).
Elbeufer bei Königgrätz, Porschitz (H. U. P.). Wiesen bei Jaromei, Halla (H. E.). Eidlitz, Reuss (H.J.G.).
Wiesen bei Hohenfurth an der Moldau, Willkomm (H. U. P,, H. K.).
Mähren: Mähren, leg.? (H. P. Z.). Tscheitsch, Wawra (H. z.b. G.).
Schlesien: Teschen, Engler (H. B.).
Nieder-Österreich: Am Jauerling, Reinegger (H.U.P., H. E.), A. Kerner (H.K.). Raabs, Kren-
berger (H. Hal. H.U. W.). Spitz a. d. Donau, Kissling (H. Beck). Am Gahns, Haläcsy (H. Hal.). Bei
Gloggnitz, W. Reuss (H. Beck). In der Kälberhalt bei Gloggnitz, Beck (H. Beck). Schneeberg, Reber (H.
H. M.). Hinterleithen bei Reichenau, Schmölz (H. z.b.G.). Auf Wiesen im Otterthale, Neilreich (H.H.
M.). Wiesen im Adlitzgraben gegen den Thalhof, Becke (H. Beck). Beim Thalhof im Adlitzgraben,
K. Richter (H.J.G.). Semmering, K. Richter (H.J.G.), L. Keller (H. Hal, H.U. W. H.H.M.). Sonn-
wendstein, Sonklar (H. U. W.), K. Richter (H.J. G.). Saubachgraben im Wechselgebiete, Wofoszczak
(H. Beck). Aspanger Klause, Beck (H. Beck), Haläcsy (H.Hal.). Aspang, Beck (H. Beck), Zahlbruck-
ner (H.U.P.), Haläcsy (H.Hal.). Mönichkirchen, Ronniger (H. Ronniger).
Ober-Österreich: Windischgarsten, Keck (H.P.Z.), Oberleithner (H. E., H.H.M.). Dürngraben
im Dambach bei Windischgarsten, Oberleithner (H. Kk.).
Salzburg: Schafberg, Seumer (H.P.Z., H.H.M.), Hinterhuber (H. Szbg.). Schafberg bei Mond-
see und nächst Zell am See, Hinterhuber (H. Szbg.). Auf Wiesen beim Wasserfall nächst Bischofshofen,
Hayek. Pinzgau, Sauter (H. Szbg.). Thal zwischen Hofgastein und dem Wildbad, Fritsch sen. (H. Fr.).
Bad Gastein, leg,’ (H. Szbg.). Kötschachthal bei Gastein, Stohl (H. Szbg.). Rauris, Eysn (H. U. W.). St.
Wolfgang in der Fusch, Sonklar (H. U. W.). Bei den Krimler Wasserfällen, Zahlbruckner (H. U. P.).
Tirol: Hopfgarten, Scheitz (H.F.1.). Am Wege vom Hopfgarten auf die Hohe Salve, Fritsch (H.
Fr.). Halder um Kitzbühel, Traunsteiner (H.F.].). Kitzbühel, Traunsteiner (H. J. G.), A. Kerner (H.
K.). Rechtes Ufer des Zemmbaches bei Mayerhofen im Zillerthale, Preissmann (H.P.). Volderthal bei
Hall, Gremblich (H.F.IL, H. Hal., H. z.b.G.). Trins im Gschnitzthale, Sarnthein (H.F.1.). Muliboden
bei Trins, A. Kerner (H.K.). Mieders im Stubaithale, A. Kerner (H. F.1., H. Kk., H. U. W., H.K., H. Hal.,
H. Beck, H.B., H.H.M.), Zimmeter (H.E.,H. B, H. H. M.). In pratis alpinis et subalpinis vallis Stubay,
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 94
740 Anugustv. Hayek,
Sonklar (H. P. Z.). Ober-Isseralpe bei Alpein, Sonklar (H. U. W.). Wiesen zwischen Fulpmes und Neu-
stift im Stubaithale, A. Kerner (H.K.). Hornthaler Spitze zwischen Stubai und Sellrain, A. Kerner (H.
K.). Zwischen Juniperus nana vor den Langenthaler Alpenhütten im Selrain, A. Kerner (H.K.). Blaser bei
Matrei, A. Kerner (H.K.). Innsbruck, Precht! (H. F.1.), A. Kerner (H.H.M.). Bergwiesen der Taurer
Alpe nächst Innsbruck, A. Kerner (H.K.). Pitzthal, Tappeiner (H.F.]1). Paznaun, Brügger (H. P. Z.).
Beim See im Paznaun, Käser (H. P. Z.). Nauders, Fuß des Spitzlat, leg.? (H.F.].). Stilfserjoch, Eug. Beck,
(H. Beck.). Wormser Joch, Hofmann (H.F.1.). Suldenthal, Tappeiner (H.F.1.), leg.? (H. E.). In pratis
subalpinis montis Salten prope Bozen, F. Sauter (H. U.W.). Stenico, Los (H.F.1.). Pusterthal, Facchini
(H. P. Z.). Winterstalleralpe im Mühlbachthal bei Bruneck, Schönach (H. U. P., H. Ronniger). Scharte bei
Bruneck, Schönach (H.K.). Hollbruck im Pusterthal, Goller (H. U. P., H. Ronniger). Schlinig, Tappei-
ner (H.F.1.). Innervillgraten, Scheitz (H.F.].). Maistatt im Pusterthale, Hausmann (H.F. 1.).
Vorarlberg: Stuben am Arlberg, Rehsteiner (H.H.M.). Brand ob Bludenz, Rehsteiner (H.H.M.).
Gaschurn im Montafon, Juraschek (H. Hayek). Bergwiesen ob Traxern, Zollikofer (H.P. Z.). Alpen
von Vorarlberg, Rehsteiner (H.P.Z.).
Kärnten: Heiligenblut, Neumann (H.P.Z.). Alpen im Möllthale, Pacher (H.Klgf.). Am Rabi-
schwingel bei Mallnitz, Pacher (H. Ull.). Wiesen auf der Rosskopfalm bei Mallnitz, Berroyer (H. z. b.G.).
Mallnitz, Hackel (H. z.b.G.). Auf der Plöcken, Krenberger (H.Hal.), Preissmann (H.P.). Alpen um
Sagritz, Pacher (H. Klgf.). Schulterbachgraben, Kohlmayer (H.Klegf.). Umgebung von Judenburg in
Kärnten, Gebhard (H. H. M.).
Steiermark: Koderalm in der Hochthorgruppe, Beck (H. Beck). Admont, Strobl (H.J. G.),
Raimann (H. H. M.). Gröbming, Preissmann (H. P.). Wiesen bei der Höllerhalt am Bösenstein, Beck
(H. Beck). Triebener Moor, an Bächen, Heimerl (H.z.b.G.). Bei Gaishorn, Hayek. Rottenmanner
Tauern, am Tauernpass, Zahlbruckner (H.U.P.). St. Johann am Tauern, Heimer! (H. Hal.). Rissach,
Zahlbruckner (H. H. M.). Wiesen bei St. Nicolai in der Sölk, Breidler (H. U. W.).
Krain: Alpe BegunSica in Ober-Krain, Jenscha (H. z. b. G.).
Centaurea elatior (Gaud.) unterscheidet sich von (€. phrygia L. durch etwas hellere, längere und
mehr zurückgebogene Anhängsel, welche bis auf die innerste von ihnen verdeckte Reihe durchwegs fedrig
gefranst sind; von C. stenolepis Kern. durch größere, dunklere Köpfchen, meist längere Äste und das
Fehlen der grauen Behaarung der Blätter, von (. plumosa Lam. durch den verzweigten Stengel, an der
Basis nicht gestutzte, sondern abgerundete breitere Blätter, und dunkler gefärbte, feiner zertheilte Anhängsel
der Hüllschuppen, von €. cirrhata Rcehb. endlich leicht durch größere Köpfchen und die breiteren, mit
abgerundeter oder stengelumfassender Basis sitzenden rauhen Blättern. Schwer ist C. elatior oft von
C. Carpatica Porc. zu unterscheiden, ich habe die Unterschiede beider Arten bei letzterer klargelegt.
Centaurea elatior (Gaud.) ist nur wenig veränderlich. Exemplare mit schneeweißen Blüten sah ich
von Hollbruck im Pusterthale, leg. Goller; Huter hat diese Form in Schedis als var. Golleri bezeichnet.
Sowohl mit €. plumosa Lam. als mit €. stenolepis Kern ist C. elatior (Gaud.) durch Übergangsformen
verbunden. Erstere scheinen selten zu sein, sie zeichnen sich durch den meist einköpfigen Stengel und
etwas hellere Hüllen aus; ich sah solche Formen nur von der Hornthaler Spitze im Selrain in Tirol und
von der Plecken in Kärnten. Häufiger sind Zwischenformen zwischen C. elatior (Gaud.) und C. stenolepis
Kern., doch sind sie zumeist letzterer Art viel näher stehend und dieser anzureihen; solche Übergangs-
formen, die noch zu (. elatior (Gaud.) zu zählen sind, sind nicht selten im Schneeberg- und Wechsel-
gebiete in Niederösterreich; auch die f. innera Beck mit schmäleren, gegen die Basis etwas verschmälerten
Blättern möchte ich als eine solche Übergangsform ansehen.
So misslich es ist, einen so eingebürgerten Namen, wie C. pseudophrygia C. A. Mey., durch einen
anderen Namen, noch dazu in einer in nomenclatorischer Beziehung so verwirrten Gruppe wie in der Sectio
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 741
Lepteranthus, zu ersetzen, kann ich in diesem Falle doch nicht umhin dies zu thun. Gaudin hat die
Pflanze so klar und deutlich beschrieben, dass gar kein Grund vorliegt, seinen Namen zu ignorieren.
Ich halte es auch für besser, diesen zuverlässig richtigen Namen zu restituieren, als es anderen
zu überlassen, etwa einen anderen älteren, aber zweifelhaften Namen, etwa €. serratuloides Krock.
anzuwenden, zumal es wohl kein Unglück ist, wenn der gewiss schleppende Name »psendophrygia«
eliminiert wird.
(72x 56.) Centaurea stenolepis Kern. X Pannonica (Heuft.).
Centaurea spuria A. Kerner, Die Veget. Verh. d. mittl. und östl. Ung. und angrenz. Siebenb. in österr. bot.
Zeitschrift, XXIL, p. 51, Sep. p. 274 (1872).
Perennis. Caulis erectus, strictus, angulatus, scaber et arachnoideo-lanatus, in parte superiore in
ramos paucos breves simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata,
ovata vel ovato-lanceolata, acuta, in petiolum attenuata, denticulata, caulina media et superiora ovato-
lanceolata, basi attenuata vel rotundata sessilia, basin versus hinc inde grosse dentata, caeterum denti-
ceulata vel integerrima. Folia omnia margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera, caeterum
tomento arachnoideo plus minusve canescentia. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis
suffulta, ovata, 15 mm longa et 12 mm lata. Squamae involucri virides, anguste lanceolatae, interiores
ineonspicue striatae, appendicibus non omnino obtectae, exteriores arachnoideo-floccosae. Appendices
squamarum exteriarum lanceolatae, recurvae, pectinato- vel plumoso-fimbriatae, fimbriis pallidis plus
minus elongatis; mediarum triangulares dilute fuscae, in apicem tenuem cuspidatae, pectinato-lacerae
velapicem versus fimbriatae; appendices squamarum intimarum scariosae ovatae fuscae. Corollae persicinae,
marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide griseo fusca, puberula, umbelico non barbata, pappo
minuto vix !/, mm longo coronata. ;
Synonyme.
Centaurea jacea x stenolepis et C. amara X stenolepis A. Kern, l. c.
Centaurea spuria Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1261 (1893).
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 9.
Exsiccat.
Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 3421.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern stellenweise häufig.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: Adlersberg bei St. Andrae, A. Kerner (H.K.). Gutenbrunn, Com. Temes, leg? (H. B.). Im
Kazanthal unter Plavisevicza, Borbas (H.U. W, H.K.). Allionberg bei Orsova. Borbäs (H.K., H. Ull.). In
pratis ad Thermas Herculis, Borbas (H. U. W.).
C. spuria A. Kern. ist zweifellos eine Hybride zwischen C. Pannonica (Heuff.)! und C. steno-
lepis Kern. Borbäs war allerdings der Meinung, dass €. spuria Kern. eine eigene Art und kein
Bastard sei, da sie mancherorts massenhaft auftrete und reife Früchte hervorbringt. Dass diese
Umstände noch kein Gegenbeweis für die Bastardnatur der Pflanze seien, habe ich bereits oben (vgl.
1 Möglicherweise entsprechen einige Exemplare der Combination C. Banatica Roch. X stenolepis Kern.
g4*
742 Augustv. Hayek,
&
C. Stiriaca) auseinandergesetzt. Sowohl die Originalexemplare Kerners, als eine reiche Aufsammlung
für die Flora exsiccata Austro-Hungarica haben mich überzeugt, dass €. spuria nicht nur eine Mittel-
stellung zwischen (©. stenolepis und C. Pannonica einnimmt, sondern auch sowohl in die eine als in die
andere Art übergeht und thatsächlich eine gleitende Reihe von Bindegliedern zwischen den beiden
genannten Arten umfasst. Es dürfte übrigens von den ungarischen Autoren häufig €. oxylepis (Wim. et
Grab.) mit C.spuria Kern. verwechselt worden sein. Diese genannte Art ist nun allerdings keine Hybride,
sondern eine selbständige Species.
C. spuria Kern. unterscheidet sich von €. stenolepis Kern. durch die schmäleren Blätter und die
weniger zurückgekrümmten und weniger fein zertheilten kürzeren Anhängsel der Hüllschuppen, von
C. Pannonica Heuff. durch die verkürzten Äste und die fransigen Anhängsel.
(72 x 57.) Centaurea stenolepis Kern. X jacea Linne.
a) Centaurea Michaeli Beck, Fl. v. Nieder-Österreich, II, p. 1261! (1898).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 80cm altus, angu-
latus, scaber et arachnoideo-lanatus, in parte superiore in ramos nonnullos simplices vel iterum ramosos
divisus. Folia basalia et caulina inferiora petiolata, ovata, in petiolum attenuata, denticulata, caulina
sessilia, media ovato-lanceolata, superiora lanceolata, cartilagineo-denticulata vel integerrima. Folia omnia
viridia, margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera et parce arachnoideo-lanata. Capitula in
apice ramorum singularia, ovata, 17 mm longa et 14 mm lata, foliis supremis suffulta. Squamae involucri
lanceolatae, virides, interiores inconspicue striatae, appendicibus omnino vel fere omnino obtectae. Appen-
dices squamarum exteriarum et mediarum triangulari - lanceolatae, ferrugineae vel fuscae, recurvae,
pectinato-fimbriatae, fimbriis plus minusve elongatis, interiorum triangulares, fuscae, pectinato lacerae,
intimae seriei ovatae scariosae fuscae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa,
pallide-griseo-fusca, puberula, umbelico non barbata, pappo minuto vix !/, mm longo coronata.
Synonyme.
Centaurea spuria Murb,., Beitr. z. Fl. v. Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 97 (1891).
Centaurea jacea X stenolepis Hal., Fi. v. Nieder-Österr., p. 299 (1896).
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 10.
Vorkommen.
Unter den Stammeltern.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich: Zwischen Perchtoldsdorf und Gießhübl, Müllner (H. Mülln.).
Kroatien: Ad marginem silvarum prope forum Brod ad Kulpam, Pernhoffer (H.U. W.). Klek bei
Ogulin, Beck (H. Beck).
Bosnien: Fojnica, Beck (H. Beck). In der Suha am Volyjäk, Beck (H. Beck). Banjaluka, Hoff-
mann (H. Ser.).
Unterscheidet sich von €. stenolepis durch kürzere, weniger gefranste Anhängsel der Hüllschuppen
welche die Nägel vollständig verdecken, schmälere grünere Blätter und längere Äste, von C. jacea durch
den Pappus und die gefransten zurückgekrümmten Anhängsel. Von €. spuria A. Kern. unterscheidet sich
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns. 743
C. Michaeli Beck durch längere Äste, dunklere Köpfchen, die Nägel vollständig verdeckende Anhängsel
und minder spinnwebig-wollige Blätter.
Auch €. Michaeli geht sowohl in €. stenolepis als in C. jacea über. Es gibt Formen, die sich von
C.stenolepis nur mehr durch weniger fein gefranste Anhängsel und etwas schmälere Blätter unterscheiden,
ferner wieder solche, die von C. jacea nur durch breitere Blätter und etwas gefranste äußere Anhängsel
verschieden sind. Alle diese Formen gehen aber derart in einander über, dass eine Trennung derselben in
mehrere Gruppen unthunlich scheint. Anders steht die Sache mit folgender Pflanze, wenn sie überhaupt
hier einzureihen ist.
b?2) Centaurea Müllneri Beck, Fl. v. Niederösterreich, II, p. 1260! (1893).
Perenni$s. Rhizoma crassum, descendens. Caulis erectus, strictus, angulatus, scaber, a medio in ramos
nonnullos simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, in petiolum
attenuata, sinuato-lobata vel integra, folia caulina inferiora breviter petiolata, media sessilia, late lanceolata
integra vel pinnatiloba 2—4 juga lobis lanceolatis acutis, folia caulina suprema et ramealia lanceolata sessilia
sparsim obsita. Capitula in apice ramorum singularia, foliis supremis suffulta, ovata, 17mm longa et
- integra. Folia omnia margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera et utrinque pilis crispulis
14 mm lata. Squamae involucri pallide virides, interiores inconspicue striatae, appendicibus omnino obtectae.
N
Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae, fuscae, marginem versus dilutiores, caeterum
serierum rotundato-triangulares, fuscae, pectinato fimbriatae, fimbriis latitudine partis indivisae aequilongis
vel medio longiores tenuibus aureis numerosis utrinque 12—16. Corollae persicinae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, pallide griseo fusca, puberula, hylo non barbata, epapposa vel pappo minuto
setulis paucis !/, mm longis composito coronata.
Abbildung.
Taf. XI, Fig. 11.
Verbreitung.
Nur aus Nieder-Österreich und Bosnien bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Nieder-Österreich: Auf einer Wiese zwischen Perchtoldsdorf und Gießhübl, Müllner (H. Beck
H. Mülln.).
Bosnien: Vilenica bei Travnik, Brandis (H. U. W.).
Nicht ohne Bedenken stelle ich C. Müllneri zu den Bastarden zwischen C. stenolepis und C. jacea.
Vor allem spricht dagegen die eigenthümliche Form der Anhängsel, welche zwar sehr dicht und hell
gefranst, aber aufrecht und nicht zurückgekrümmt sind, und die oft fiederspaltigen Blätter. Was mich
jedoch in der Anschauung, dass thatsächlich eine solche Hybride vorliegt, bestärkt, sind die Verbreitungs-
verhältnisse dieser Form. Sie ist nur von Gießhübl bei Wien und aus Bosnien bekannt. An ersterem
Standorte kommt sowohl C. jacea als C. stenolepis vor, und in Bosnien gehören beide Arten zu den
häufigsten Centaureen, außerdem lagen mir beide genannte Arten aus Travnik vor. Die Möglichkeit der
hybriden Abstammung wäre demnach jedenfalls gegeben. Was die morphologischen Verhältnisse betrifft,
wäre es nun gewiss möglich, dass aus der Combination der rundlichen ungetheilten Anhängsel der C. jacea
mit den zart federig gefransten der C. stenolepis solche entstehen, wie wir sie bei ©. Müllneri finden. Da
ferner ab und zu auch bei (. jacea fiederspaltige Blätter vorkommen, wäre diese Erscheinung bei
C. Müllneri ebenfalls erklärlich.
744 Augustv.Hayek,
Nichtsdestoweniger muss ich gestehen, dass ich die hybride Abkunft von €. Müllneri keineswegs
für sicher gestellt halte, aber thatsächlich keine andere Deutung ihrer Stellung im Systeme finden kann.
Am ehesten wäre noch an eine Parallelform von (€. subjacea (Beck), C. microptilon G. G. etc. zu denken,
doch fänden damit die merkwürdigen Verbreitungsverhältnisse noch keine Erklärung, und dass €. Mällneri
noch anderwärts vorkommt und nur übersehen worden wäre, ist bei einer so auffallenden Pflanze kaum
anzunehmen.
Wenn also ©. Müllmeri Beck nicht doch ein Bastard aus CO. jacea und C. stenolepis ist, wäre nur
daran zu denken, dass wir es mit den Resten einer ehemals weiter verbreiteten, jetzt im Aussterben
begriffenen Zwischenform zwischen den Arten der Sectio jacea und der Sectio Lepteranthus zu thun haben,
die Pflanze also eine ähnliche systematische Stellung wie €. pratensis Thuill. einnimmt.
(63x 72.) Centaurea rotundifolia Bartl. X stenolepis Kern.
Von dem nicht seltenen Bastarde zwischen diesen beiden Arten lassen sich zwei Formen
unterscheiden.
a) Centaurea sciaphila Vukot., Novie oblic. hrastk. krastova in Rad jugoslav. Akad. znan. i umjetn., L.,
p. 41 (1880).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, ad Im altus,
angulatus, hinc inde arachnoideo-lanatus, a medio in ramos numerosos iterum ramosos breves divisus.
Folia basalia petiolata, late ovata, acuta, in petiolum attenuata, remote denticulata, caulina inferiora
brevius petiolata, basalibus conformia, caulina media et superiora ovata, acuta, basi rotundata vel amplexi-
cauli sessilia, cartilagineo-denticulata vel integerrima. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera,
caeterum tomento arachnoideo plus minusve canescentia vel glabra. Capitula in apice ramorum singularia,
ovata, 14mm longa et Il mm lata, ad basin arachnoideo-floccosa, foliis supremis suffulta. Squamae
involucri virides,interiores nervoso-striatae,appendicibus non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum
scariosae, ovatae, fuscae, caeterum serierum breviter triangulares, ad 21nm longae, apice recurvae, pectinato-
fimbriatae, fimbriis pallidis latitudine partis indivisae paulo longioribus, utringque 6-10. Corollae
persicinae, marginales radiantes. Achenia 3 mm longa, pallide fusca, puberula, umbelico‘ non barbata,
epapposa vel pappo minuto setulis paucis composito coronata.
Synonyme.
Centaurea stenolepis X pratensis Vukot. in Rad jugoslav. Akad. znan. i umjetn., L, p. 41 (1880).
Centaurea seiaphila Vukot. apud A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 85 (1881).
Centaurea nigrescens X stenolepis Vukot.]. c.
Abbildung.
Taf. XII, Fig. 1.
Exsiccat.
A. Kern., Fl. exs. Austro-Hung., Nr. 227, II. pro parte (untermischt mit €. rotundifolia Bartl.).
Vorkommen.
Unter den Stammeltern anscheinend nicht gerade selten.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Steiermark: Bergwälder bei Drachenburg, Preissmann (H. P.). Lichte Bergwälder bei Windisch-
Landsberg, Preissmann (H. P.).
;
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Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 745
Kroatien: Agram, Schlosser (H. B.). In collibus, pratis et locis herbidis ad Zagrabiam, Vuko-
Binovic (H. U. W., H. Ull. H. B.).
Unterscheidet sich von €. rotundifolia (Bartl.) durch die breit-eiförmigen, gezähnten unteren und
längeren eilanzettlichen oberen Blätter, die weniger reichliche Verzweigung, die bräunlichen, heller und
länger gefransten Anhängsel und die an der Basis filzigen Köpfchen; von €. stenolepis Kern. vor allem
durch die kurz dreieckigen, nicht in eine pfriemliche Spitze vorgezogenen Anhängsel.
b) Centaurea Vukotinovicii Hayek.
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strietus, angulatus, scaber
et hinc inde arachnoideo-lanatus, a parte inferiore in ramos plus minusve numerosos erecto patentes
iterum ramosös divisus. Folia basalia petiolata, ovata, in petiolum attenuata, acuta, cartilagineo-denticulata,
caulina inferiora brevius petiolata, basalibus conformia, media et superiora ovata vel lanceolata, basi
rotundata sessilia, acuta, integerrima. Folia omnia margine et in pagina inferiore setulis minimis aspera,
caeterum viridia vel parce arachnoideo lanata. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, I[4mm longa
et lata, foliis supremis suffulta. Squamae involucri virides vel apicem versus purpurascentes, appendicibus
non obtectae. Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae, denticulatae, caeterum serierum
e basi lanceolata in apicem subulatam modice recurvam productae, basi nigrae, apic:m versus dilutiores,
plumoso-fimbriatae, fimbriis paucis brevibus, basim versus approximatis. Corollae persicinae, marginales
radiantes. Achenia 3 mm longa, fusca, puberula, umbelico non barbata, epapposa vel pappo brevissimo
paucisetoso coronata.
Synonym.
b)
Centaurea stenolepis X nigrescens f. 2 Vukot. apud A. Kern. Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I
p. 85 (1881).
Abbildung.
BETarRIT Bier 2.
Vorkommen.
Wie vorige.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Steiermark: Bergwälder bei Drachenburg, Preissmann (H. P.).
Kroatien: Agram, Vukotinovic (H. U. W.).
Ist von €. rotundifolia Bartl. durch die in eine pfriemliche Spitze ausgezogenen, länger gefransten
Anhängsel, von C. stenolepis Kern. hinwieder durch die kürzeren, schwächer zurückgebogenen und
kürzer gefransten Anhängsel, kleinere Köpfchen und das Zurücktreten der spinnwebigen Behaarung
verschieden.
72. Centaurea stenolepis A. Kerner, Die Veget. Verh. des mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in
österr. bot. Zeitschr., XXII, p. 45, Sep. p. 268! (1872).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens, pleiocephalum. Caulis erectus, strictus, ad 1m altus,
angulatus, hinc inde arachnoideo-lanatus, a medio vel in parte superiore in ramos nonnullos non elongatos
simplices vel iterum ramosos divisus. Folia basalia late ovata, acuta, petiolata, in petiolum attenuata,
remote denticulata, caulina inferiora brevius petiolata, basalibus conformia, media et superiora ovata vel
‚ovato-lanceolata, acuta, basi attenuata vel modice rotundata nunquam amplexicauli sessilia, regulariter
cartilagineo denticulata. Folia omnia utrinque pilis crispulis scabra et insuper plus minusve arachnoideo-
746 Augustv. Hayek,
canotomentosa, tomento plerumque deciduo foliis inde viridibus. Capitula in apice ramorum singularia
vel corymboso-glomerata breviter petiolata, e basi rotundata cylindraceo-ovata, 15—1S mm longa et
10—14 mm lata, initio arachnoideo-pilosa. Squamae involucri virides, vel ‚apicem versus purpurascentes,
nervoso Striatae, in appendices attenuatae. Appendices seriei intimae squamarum scariosae, ovatae, fuscae,
caeterum serierum e squamula nigra lanceolata in apicem subulatam filiformem recurvam ad Smm longam
dilute fuscam productae, plumoso-fimbriatae, fimbriis squamulae approximatis brevibus nigris, apicis
subulatae elongatis filiformibus remotis pallide fuseis; ungues squamarum appendicibus non omnino.
obtectae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 31/, mm longa, pallide griseo-fuscescentia,
glabriuscula, hylo non barbata, pappo brevissimo vix !/, mm longo coronata. Floret ad Julio ad Octobrem.
. Synonyme.
Centaurea phrygia Lumn,, Fl. Poson., p. 389 (1791).
Centaurea pectinata Pers., Syn. pl., II, p. 582 pro parte (1807).
COyanus Austriacus et C. flosculosus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 73 (1816).
Centaurea nigra Sadl., Fl. Com. Pest., Ed. I, p. 288 (1826).
Centaurea phrygia Host, Fl. Austr., II, p. 520 (1831).
Centaurea Austriaca Rohr. et May.,Vorarb. z. e. Fl. d. mähr. Gouv., p. 170 (1835).— Sadl., Fl. Com.
Pest., Ed. II, p. 408 (1840).
Centaurea phrygia ß pallida Koch., Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 302 (1844). — Syn. Fl.
Germ. et Helv., Ed. I, p. 470 (1844), non C. pallida Frivaldsky.
Centaurea phrygia Neilr., Fl. v. Wien, p. 257 (1846).
Centaurea phrygia o plumosa Neilr., Nachtr. z. Fl. v. Wien, p. 158! (1851).
Centaurea Austriaca var. cirrhata Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv. XV, p. 18! (1852), non
C. cirrhata Reichenb,, Fl. Germ. exc., p. 214.
Centaurea cirrhata Griseb. et Schenk, Iter Hung. in Wiegm. Arch. f. Naturg., XVII, p. 346!
(1852).
Centaurea Austriaca Heuff., Enum. plant. Banat. Tem. in Verh. d. zool. bot. Ges., VIII, p. 143 (1858).
Centaurea phrygia a. plumosa Neilr., Fl. v. Nieder-Österr., p. 379! (1859).
Centaurea cirrhata Schur, Enum. pl. Transs., p. 403 (1866).
Centaurea phrygia Neilr., Aufz. d. in Ung. u. Slav. bish. beob. Gefäßpfl., p. 122 pro parte (1866).
Centaurea phrygia Maly Fl. v. Steierm., p. 101 pro parte (1869).— Schloss. et Vukot.,, Fl, Croat,,
p. 755 (1869).
Centaurea cirrhata Boiss., Fl. orient. III, p. 631 (1875). — Porc., Enum. plant. distr. Naszöd., p. 34
(1878). — Nym., Consp. fl. Eur., p. 422 (1878— 1882).
Centaurea stenolepis A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 85! (1881). — Brandza, Prodr.
Fl. Roman., p. 303 (1879—83). — Hal. et Braun, Nachtr. z. Fl. v. Nieder-Öst., p. 85! (1852). — Oborny,
Fl. v. Mähr. u. öst. Schles., I, p. 695! (1885). — Simonk., Enum. fl. Transs., p. 347 (1885).
Centaurea sciaphila Freyn et Brand. in Verh. d. zool. bot. Ges, XXXVII, p. 115! (1888), non.
"Vukotinovic.
Centaurea stenolepis Beck, Fl. v. Süd-Bosn. u. .d. angrenz. Herceg., p. 97! (1891).— Murb,, Beitr. z.
Fl. von Süd-Bosnien u. d. Herceg., p. 97 (1891). — Beck, Fl. v. Nieder-Österr., II, p. 1257! (1893).— Hal.,
Fl.v. Nied.-Österr., p. 298! (1896). — Fritsch, Excursionsfl. p: 996! (1897).
Abbildungen.
Reichenb. fil.,, Icon. Fl. Germ.'et Helv., XV, Tab. 31, Fig. Il. — Taf. XII, Fig. 3.
Centaurea-Arten Osterreich-Ungarns.
S
>
=]
Exsiccaten.
Reichenb,, Exs., Nr. 2034 (als C. cirrhata Rb.) — Billot, Fl. Gall. et Germ. exs., Nr. 581. — Mag-
. nier, Fl. select., Nr. 892.— A. Kern, Fl. exs. Austro-Hung,, Nr. 230. — Schultz, Herb. norm. Nov. Ser.
Cent. 29, Nr. 2853 (als C. sciaphila).
Verbreitung.
Überall im Gebiete der pannonischen Flora, von Südwestrussland durch Rumänien, Bulgarien,
Macedonien, Ungarn, Nordostgalizien bis in die westlichen Theile Nieder-Österreichs, Mährens und
Steiermarks, in Bosnien, Serbien und Montenegro, in annähernden Formen stellenweise bis Tirol
vordringend.
. j Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Böhmen: Babina im Mittelgebirg, A. C. Meyer (H. Hal.).
Mähren: Ullersdorf, Oborny (H. Hal.). Bzenec, o lese »Bzonku«. Bubela (H.B.).
Nieder-Österreich: Ober-Bergern bei Mautern, Beck (H.Beck). ZwischenPoisdorf und Poisbrunn,
Ullepitsch (H.Ull.). Zwischen Hadersdorf und Mistelbach, Ullepitsch (H. Ull.). Höbesbrunn, Matz
(H.H.M.). Dittersdorf bei Rappoltenkirchen, Wiedermann (H. H. M.). Im Park von Kalksburg, Wiesbaur
(H. H. M.). Waldränder bei Kalksburg, Wiesbaur (H. Beck, H.U.W. H.B., H.H.M.). Rodaun, Csay
(H. z. b. G.). Waldränder bei Perchtoldsdorf, Haläcsy (H. U. W., H. Hal., H. H.M.). Zwischen Perchtolds-
dolf und Gießhübl, Hayek. Gießhübl, Tscherning (H.H.M), Rauscher (H.z.b.G.), Juratzka
(H. z. b. G.). Wiener Neustadt, Sonklar (H. U. W.). In den Gebirgen gegen den Schneeberg, Traun-
fellner (H.E.).
Steiermark: Zwischen Vorau und Rohrbach, Hayek. Friedberg, Gebhard (H.U.P.). Rainerkogel
Ber Bittoni (H.P. Z,H.E, H.Kk, HUN H. DH. M, H: z. b.G), Graf (H. J. G.),, Maly (H. U. W,,
H.H.M.), Fürstenwärther (H. Kk.), Preissmann (H. P., H. Kk.). Thal bei Graz, Pittoni (H. H.M.).
Tirol: Wiesen bei Brixen, Hofmann (H. Hal.). Maistadt im Pusterthale, Hausmann (H H.M.).
Ungarn: Sauerbrunn bei Wiener Neustadt, Sonklar (H. P. Z), Kirchstetter (H. z. b. G., H.U.W.).
Eisenstadt — leg? (H. J.G.). Calvarienberg bei Pressburg, Bubela (H. Ull.), Fritsch (H. Fr.), Eschfaller
(H. Beck). Gemsenberg bei Pressburg, Sonklar (H. P. Z.). St. Georgen im Pressburger Comitat, A. Zahl-
bruckner (H.H.M.). Am Schur bei St. Georgen, Heimerl (H. z. b. G.). Magaskegy bei Raab, Neisser
(H.H.M.). Budapest, Zügligeti erdök, Szepligeti (H. Beck). Wälder bei Ofen, L. Richter (H.P. Z),
Schiffer (H.H. M.). Kukuksberg bei Ofen, L. Richter (H.H.M., H. Kk.). Wolfsthal bei Ofen, Steinitz
(H.F.J. H.H.M.). Auwinkel bei Budapest, Sz&pligeti (H.Ull.). Johannisberg bei Ofen, Freyn (H.z.b.G.).
Bergwiesen bei Saal, Com. Stuhlweissenburg, Tauscher (H. P. Z.). Bergwiesen Nyerges bei Simontornya,
Eon Toloa, Tauscher (H.P. Zz, HE, H.R7,H.U.W,H.K, H. Hal,'H.B., H.H.M, H.z.b.G.). Wiesen
bei Grobj-Likle, Com. Neograd, Borbäs (H.K.). Visegräd, A. Kerner (H.Hal.). Biharia, Bergwiesen auf
der Stanesa bei Rezbänya, A. Kerner (H.K.). Mätragebirge bei Porad, Szepligeti (H. Beck). Mätragebirge
am Nagy-Galya, Vrabelyi (H.K.). Karpathen, Krzisch (H.z.b.G.). In monte Malenitza, Com. Trencsin,
Rochel (H.Klgf.). Circa Basias, Rochel (H. Kk.). Auf Waldwiesen und in Holzschlägen bei Orawicza,
Wierzbicki (H. U. P,, H. P. Z,H. E., H. Hal., H. B.). Zwischen Orawicza und Hoszowitz, Wierzbicki
(H. E.). Mehadia, leg? (H. Kk.). In silvis umbrosis ad Thermas Herculis, Borbäs (H. K.).
Siebenbürgen: In Siebenbürgen, Griesebach (H.B.). Hermannstadt am Schewesbach, Fuss
(H. K.). Groß-Scheuern, Fuss (H. K.). Kronstadt, Römer (H. F.J.).
Galizien: Bilcze, BYocki (H. K., H. B.). Rastowce, Btocki (H. Hal.). Cygany, Btocki (H. B.).
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 95
748 Augustv. Hayek,
Kroatien: An Wegen und Waldrändern um Agram, Schlosser (H. Beck, H. H. M.). In collibus sil-
vaticis et in dumetis ad Zagrabiam frequens, Vukotinovic (H. Beck, H. U.W., H.H.M., H. Ull, H. Hal.).
Agram, Hofmann (H.F.1.). Croatia media, Vukotinovic (H.H.M..
Bosnien: Kozara-Planina, Beck (H.Beck). Starigrad bei Sarajevo, Beck (H. Beck), Blau (H. B.).
Paprenik bei Serajevo, Beck (H.Beck). Südseite der Vilenica-Planina bei Travnik, Brandis (H. Beck,
H. Ser., H.E., H. Kk., H.U.W., H.H. M.). AmWeg von der KozinaCuprina nach Han Bulog, Fiala (H. Beck,
H. Ser.). Gegen Bastasi a. d. Drina, Beck (H. Beck). Im Thale Jarledoli bei Sarajevo, Knapp (H.B.).
Hercegovina: In der Sutjeska-Schlucht, Beck (H. Beck). Baba-Planina, Lerch (H. Ser.).
Centaurea stenolepis A. Kern. unterscheidet sich von C. elatior Gaud. durch kleinere, mehr eiförmige
Köpfchen, weniger dicht verwebte, die Nägel nicht völligverdeckende und hellere Anhängsel derHüllschuppen,
die meist höher oben beginnende Verzweigung mit kürzeren Ästen und die mehr minder ausgeprägte
graue Behaarung der Blätter. Diese graue Behaarung tritt insbesondere im Osten ihres Verbreitungs-
gebietes deutlich hervor, an der Westgrenze desselben zeigen die meisten Exemplare eine Annäherung an
C. elatior (Gaud.), welche sich insbesondere durch das Zurücktreten der grauen Behaarung und größere
Köpfchen ausdrückt. Diese Exemplare hat Beck als f. Cetia bezeichnet. Die Mehrzahl der Exemplare aus
Niederösterreich, Steiermark und Tirol sind zu dieser Form zu rechnen.
Die Nomenclaturfrage dieser Art hat A. Kerner a. a. ©. sehr ausführlich auseinandergesetzt; ich
will nur kurz erwähnen, dass der Name (. cirrhata Rehb. fil. nicht anwendbar ist, da Reichenbach
pat. bereits eine andere Art (C. Rhaetica Mor.) so bezeichnet hat, dass ferner die Pflanze auch nicht
C. pallida Koch pro. var. genannt werden kann, weil C. pallida Friv. vor diesem die Priorität hat. |
73. Centaurea Bosniaca Murbeck, Beitr. z. Fl. von Süd-Bosn. u. d. Herceg., p. 97 pro Subspecie
Centaureae pseudophrygiae C. A. Mey.! (1891).
Perennis. Rhizoma horizontale, ramosum, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, angulatus,
cano-arachnoideo tomentosus, 10—40 cm altus, sub apice breviter corymboso-ramosus, ramis brevibus
simplieibus vel iterum ramosis. Folia basalia petiolata, late ovata, in petiolum attenuata, cartilagineo-
denticulata, caulina inferiora breviter petiolata, ovato-lanceolata, cartilagineo denticulata, caulina media et
superiora lanceolata vel ovato-lanceolata, acuta, basi late rotundata vel truncata vel amplexicauli sessilia,
cartilagineo denticulata. Folia omnia viridia, pilis crispulis obsita et in pagina inferiore parce arachnoideo
lanata. Capitula in apice ramorum singularia, cylindraceo-ovata, 16 mm longa et 10 mm lata, ad basin
saepe arachnoideo-floecosa. Squamae involueri pallide virides, interiores nervoso-striatae, appendicibus
fere omnino obtectae. Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae, fuscae, lacerae, a caeteris
appendicibus non superatae, caeterum serierum e basi triangulari-lanceolata in apicem subulato-filiformem
recurvam elongatae, atro-fuscae, plumoso-fimbriatae fimbriis ad basim approximatis apicem versus remotis
brevibus latitudine partis indivisae vix duplo longioribus. Corollae persicinae, marginales radiantes,
Achenia 4 mm longa, pallide griseo-fusca, puberula, umbelico non barbata, papposa; pappus albidus
1—1!/, mm longus.
Abbildung.
Taf. XII, Fig. 4.
Verbreitung.
Auf Alpentriften der Vranica- und Zec-Planina im südlichen Bosnien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Bosnien: In pascuis alpinis montis Vranica-planina, solo schistaceo, 1700m, Murbeck (H. H. M.)
Tikva, Vranica-planina, Beck (H. Beck), Schwarz (H. Beck). Marin Stjene, Vranica-planina, Schwarz
ri
Centaurea- Arten Österreich-Ungarns. 749
(H. Beck). Auf der Vitrusa, Vranica-planina, Beck (H. Beck). Lo£ike-Gipfel, Vranica-planina, Reiser
(H. Ser.). Vranica-planina, bei Prokosko jegero, Schwarz (H. Beck). Zec-planina, Schwarz (H. Beck).
Die Unterschiede von C. Bosniaca (Murb.) gegenüber (C. elatior (Gaud.), C. cirrhata Rchb. und €.
stenolepis Kern. hatMurbeck a.a.O. so vortrefflich auseinander gesetzt, dassich mich darauf beschränken
kann, dorthin zu verweisen. In einem Punkte kann ich mich mit Murbeck jedoch nicht einverstanden
erklären. M rbeck stellt €. Bosniaca als Subspecies zu €. psendophrygia C. A. Mey. [C. elatior (Gaud.)],
sagt jedoch wenige Zeilen später, »dass es vielleicht richtiger gewesen wäre, die Pflanze als mit den am
besten charakterisierten Typen der betreffenden Gruppe systematisch gleichgestellt zu betrachten. «
Dagegen ist nicht das Geringste einzuwenden, da eine Unterordnung unter €. elatior (Gaud.) gewiss
nicht berechtigt ist. Später sagt aber Murbeck, dass €. Bosniaca durch verschiedene angeführte Merkmale
von C. stenolepis »noch viel schärfer getrennt ist« als von den übrigen Arten. Dies halte ich nicht für
richtig. Obwohl C. Bosniaca von (. stenolepis, wie Murbeck ganz richtig bemerkt, sich durch den wohl
entwickelten Pappus, kürzere und kürzer gefranste Anhängsel und stengelumfassende Blätter sehr gut
unterscheidet, stimmt sie mit ihr in der Gestalt des Köpfchens, der Verzweigung und die Behaarung
derart überein, dass es mir, besonders auch mit Rücksicht auf ihre geographische Verbreitung, sehr
wahrscheinlich scheint, dass ©. Bosniaca sich aus C. stenolepis infolge des Einflusses des alpinen
Standortes entwickelt habe, und es daher viel richtiger gewesen wäre, sie dieser Art als Subspecies
unterzuordnen.
Bemerkenswerth ist eine auch auf der Vranica-planina gesammelte f. albiceps (Beck in sched.) mit
weıßen Blüten und blassgelben Anhängseln der Hüllschuppen.
74. Centaurea indurata Janka in Flora XLI, p. 444! (1858).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens. Caulis erectus, strietus, ad 60 cm altus, angulatus, parce
arachnoideo-lanatus, in parte superiore in ramos nonnullos breves iterum ramosos vel simplices divisus.
Folia basalia petiolata, ovato-lanceolata, in petiolum attenuata, acuta, cartilagineo-denticulata, caulina
inferiora brevius petiolata, basalibus conformia, media et superiora late lanceolata, acuta, basi attenuata
vel rotundata sessilia, denticulata vel integerrima. Folia omnia viridia, in margine et in pagina inferiore
setulis minimis aspera, parce arachnoideo-lanata. Capitula in apice ramorum singularia, ovata, 15 mm
longa et 11 mm lata, foliis supremis suffulta. Squamae anthodii virides, intimae nervoso Striatae, appen-
dicibus non omnino obtectae. Appendices squamarum intimarum ovatae, scariosae, fuscae, caeterum
serierum e basi lanceolata nigra in apicem subulato-filiformem recurvam fuscam attenuatae, plumoso-
fimbriatae fimbriis ad basim densis, apicem versus remotioribus, in mediis squamis ad 6—7 mm longae.
Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia 3mm longa, pallide fusca, puberula, umbelico non
barbata, epapposa.
Synonyme.
Centaurea nigra Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 77 (1816).
Centaurea microptilon Griseb. et Schenk, Iter Hungar. in Wiegm., Arch. f. Naturg., XVII, p. 347
(1858), non Gren. et Godr.
Centaurea pratensis, C. nigrescens, C. Vochinensis, C. microptilon et C. indurata Schur,, Enum
plant. Transs., p. 402 (1866).
Centaurea jacea d commutata, C. dubia et C. microptilon, Porc., Enum. plant. phan. distr. quond.
Naszöd., p. 33 (1878).
Centaurea indurata Simonk., Enum. fl. Transs., p. 345 (1886).
Abbildung.
Taf. XII, Fig. 5.
95*
750 Augustv. Hayek,
Exsiccat.
Schultz, Hb. norm. Nov. Ser. Cent. 26, Nr. 2541.
Verbreitung.
Im westlichen Siebenbürgen und östlichen Ungarn.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: In graminosis apricis supra vineas ad oppidum Boros-Sebes, Com. Temes, Simonkai
(EISERSS EDER).
Siebenbürgen: In nemoribus ad pagum Szt. Gotthard, Janka (H. Kk.). In pratis ad Värhely,
Borbas (H.K.). Donnersmark, Barth (H. Ronniger).
Centaurea indurata Janka ist vor allen verwandten Arten durch den fehlenden Pappus ausge-
zeichnet. Im übrigen steht sie der C. stenolepis Kern. am nächsten, ist aber von ihr auch durch einen
niedrigen Wuchs, kleinere Köpfchen mit kürzeren Hüllschuppenanhängseln und Zurücktreten der grauen
Behaarung verschieden.
75. Centaurea plumosa Lamarck, Fl. france. II, p. 71 sub Jacea (1793). — A. Kern. in österr. bot.
Zeitschr., XX, p. 44 (1870).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens monocephalum. Caulis erectus, strietus, ad 40 cm altus,
angulatus, crispe pilosus, simplex vel rarius apice in ramos paucos breves divisus. Folia basalia breviter
petiolata, ovato-lanceolata, in petiolum attenuata, denticulata, caulina inferiora lanceolata, basi attenuata
vel dentibus ad basin utrinque singulis hastata sessilia, argute dentata, caulina media et superiora late
lanceolata, basi truncata, dentibus ad basin saepe utrinque singulis hastata et inde amplexicaulia, sessilia,
plus minusve argute dentata, acuta. Folia omnia viridia, margine setulis minimis aspera, caeterum utrinque
pilis erispulis plus minusve dense obsita. Capitulum in apice caulis singulare, globosum, ad 24 mm longum
et latum, foliis supremis suffultum. Squamae involucri anguste lineares, pallide virides, interiores inconspicue
striatae, appendieibus omnino obtectae. Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae, fuscae,
denticulatae, caeterum serierum e basi lanceolata nigra in apicem subulatam recurvam, pallide fuscam
productae, plumoso-fimbriatae fimbriis elongatis utringue 20—30 ad basim aproximatis nigris apicem
versus pallidioribus remotis. Appendices squamarum mediarum ad 14 mm longae. Corollae persicinae,
marginales radiantes elongatae. Achenia 41/,mm longa, puberula, griseo-fusca, hylo non barbata; pappus
biserialis, 2!/, mm longus.
Synonyme.
Centaurea phrygia Linne, Spec. plant., Ed. I, p. 910 pro parte (1753).— Spec. plant., Ed. II, p. 1287
pro parte (1763). — Scop., Fl. Carn., Ed. II, 2, p. 137 (1772). — Vill., Hist. des plant., d. Dauph,, III, p. 219
(1789).— Host., Syn. plant. in Austr. cresc., p. 475 pro parte (1797). — Sut., Fl. Helv., II, p. 201 (1802).
Centaurea nervosa Wild., Enum. plant. hort. reg. bot. Berol., p. 925! (1809).
Cyanus Austriacus Baumg., Enum. stirp. Transs. II, p. 72 (1816).
Lepteranthus hygrometricus Cass. in Dict. d. sc. nat. XXVI, p. 65 (1822).
Centaurea phrygia Reichenb,, Icon. bot., IV, p. 55 (1826).
Centaurea Austriaca Roch., Plant. Banat. rarior., p. 76! (1828).
Centaurea phrygia ß Helvetica Gaud., Fl. Helv., V, p. 393 (1829).
Centaurea phrygia Host, Fl. Austr., I, p. 519%(1831).— Reichenb,, Fl. Germ, exc., p. 214 (1832). —
De Cand,, Prodr. syst. veget., VI, p. 573 (1837).
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 751
Centaurea nervosa Koch, Syn. Fl. Germ. et Helv., Ed. I, p. 411 (1837). — Heg. et Heer, Fl.d.
Schweiz, p. 851 (1840). — Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 302 (1844). — Syn. Fl. Germ.
et Helv., Ed. II, p. 471 (1844).
Centaurea phrygia Fleischm., Übers. d. Fl. Krains, p. 41 (1844).
Centaurea nervosa Maly, Enum. plant. phan. Imp. Austr., p. 136 (1848). — Gren. et Godr,, Fl.
d. Frang., II, p. 246 (1850). — Hausm,, Fl. v. Tirol, I, p. 496 (1851). — Rchb. fil., Ic. fl. Germ. et Helv.,
XV, p. 19 (1852). — Heuff., Enum. plant. Ban. Temes. in Verh. d. zool. bot. Ges., VIII, p. 143 (1858). —
Bertol., Fl. Ital., IX, p. 438 (1859).
Centaurea flosculosa, C. mervosa, C. pseudo-uniflora et C. uniflora Schur, Enum. plant. Transs.,
p- 404 (1866).
Centaurea nervosa Nym., Consp. Fl. Europ., p. 422 (1878- -82).— Pach. et Jaborn,, Fl. v. Kärnt., II
p- 122 (188 l).
Centaurea plumosa A. Kern., Sched. ad fl. exs. Austro - Hung,, I, p. 85! (1881). — Simonk,,
Enum. fi. Transs., p. 347 (1886). — Fritsch, Excursionsil., p. 597 (1897). — Hal., Die bish. bek. Cen-
taurea-Arten Griechenl. in Bull. de l’herb. Boiss., VI, p. 578, Sep., p. 14 (1898).
Centaurea Berini Sieber in Schedis.
Abbildungen.
Reichenb. Icon. IV, Tab. 375. — Roch., Pl. rar. Banat., Tab. XXXII, Fig. 75. — Reichenb. fil.
Icon. Fl. Germ. et Helv. XV, Tab. 32, Fig. I und II. — Taf. VII, Fig. 5.
Exsiccaten.
Sieb., Exs. Nr. 526.— A. Kern., Fl. Austr. Hung. exs., Nr. 228.
N Verbreitung.
i Von Piemont und Frankreich durch die ganzen Alpen der südlichen Schweiz und Südtirols bis nach
_ Kärnten und Krain reichend, sowie in den südöstlichen Karpathen und im Balkan.
D
Di r . Ba .
a Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: Alfers bei Brixen, leg? (H.F.].). Am Schleern, Sieber (H.F.]., Dolliner (H. F. I.)
A.Kerner (H. F. 1.). Seisser-Alpe, Hausmann (H. H. M, H.F.1.), Fröhlich (H.F.IL), Schramm
(H.F.1), Val de Lievre (H.F.I), Sonklar (H.K.). Triften der Grünser Bühel auf der Seisser
Alpe, Val de Lievre (H.F.1.). Bergmähder am Scanuppio, Folgaria, Heufler (H.F.1.). Bergwiesen
über Mittenwald, Folgaria, Heufler (H.F.IL). Auf dem Pass Rolle, Rechinger (H. Mülln.). Stenico,
Los (H. F. 1). Luzern bei Trient, Baumbach (H. H.M.). Castel Andraz, leg? (H. F.1.). In pratis alpinis
Col de la Cavalora, inter Val Tesin et Canal S. Bovo, Sonklar (H.P.Z.). Val Sugana, Ambrosi (H.H.M.).
Judicarien, Porta (H. U. P.). Val di Ledro, in pascuis alpinis, Porta (H. H. M., H. U. W., H.P. Z, H.U.P.,
H.B., H.K., H. Ull.,, H. Hal.). Al o'metro in Vallarsa, A. Kerner (H.K.). Paneveggio, Eichenfeldt (H.P.).
Alpe Lusia bei Paneveggio, Artzt (H. Hayek). Alpenwiesen bei St. Martin in Primiero, Pacher (H.H. M.).
Vigo di Fassa, Facchini (H.H.M.). Alpenwiesen von Fiemme und Fassa, Facchini (H.H.M.). Wiesen
an der Marmolata, Fassathal, Papperitz (H. H. M.). Toblach, am Dürrenstein, Bornmüller (H. Ull.).
Kärnten: Villacher Alpe, Schiffer (H. H. M.). Auf der Plecken im Gailthale, leg? (H. Hal.).
Krain: Alpe Tosez in der Wochein, G. L. Mayr (H.H.M., H.K.), Rastern (H.P.Z.).
|
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Litorale: Prope Monfalconium, Sieber (H. E.,, H. H. M.).
Ungarn: In silvaticis descensu ex alpe Nedjea, Kotschy (H. H. M.): Alpe Sarko, Fenzl (H. E.),
Mintje-Semjeniz, Wierzbicki (H. U. W.). Auf den Banater Alpen, Heuffel (H. H. M.). Rochel (H.K.).
752 Augustv. Hayek,
Siebenbürgen: Auf dem Bucsecs, Schur (H.K.). Auf dem Dirschan, Fuss (H.K.). In alpibus
Verfu mundra, Barth (H. P. Z.). Alpe Szurul, Heuffel (H. H. M.). In pascuis alpinis montis Arpa, Schur
(H. H. M.). Alpes Kerzeschorenses, Haynald (H. H.M.). Transsilvania, Baumgarten (H. H.M.). Auf dem
Negoi, Barth (H.H. M.).
Centaurea plumosa (Lam.) Kern. steht der den westlichen Alpen eigenthümlichen C. unifloraL. am
nächsten, welche sich von ihr vor allem durch die schmäleren, dicht graufilzigen Blätter unterscheidet.
Von allen übrigen verwandten Arten ist C. plumosa durch den einfachen Stengel, die an der Basis
abgestutzten oder fast geöhrlten Blätter und die großen Köpfchen leicht zu unterscheiden.
Die Pflanze Siebenbürgens und des Balkan zeigt meist etwas schmälere Blätter als die der Alpen,
und hat eine entschiedene Neigung zur Mehrköpfigkeit, doch sind diese Unterschiede absolut inconstant,
und findet man auch in Tirol häufig Exemplare mit so schmalen Blättern wie in den Karpathen, so dass
eine Abtrennung der östlichen Form von der westlichen nicht durchführbar scheint.
©. Cirrhalae. Köpfchen eilänglich mit fedrig gefransten, zurückgekrümmten, an der Basis schmal
herablaufenden Anhängseln, Blätter schmal, die unteren lang gestielt.
76. Centaurea cirrhata Reichenb,, Fl. Germ. excurs., p. 214! (1832).
Perennis. Rhizoma descendens, ramosum. Caulis erectus vel ascendens, ad 50 cm altus, angulatus,
glaber, simplex, rarius in parte inferiore in ramos paucos divisus. Folia basalia petiolata, late lanceolata,
in petiolum attenuata, acuta, breviter argute dentata, folia caulina inferiora et media basalibus conformia,
superiora late lanceolata vel lanceolata remote argute denticulata, basi attenuata sessilia, suprema lanceo-
lata, acuta, basi attenuata vel dentibus angustis utrinque singulis hastata sessilia, integerrima. Folia
omnia viridia, glabra. Capitula singularia, foliis supremis suffulta, cylindraceo-ovata, 14 mm longa et
8 mm lata. Squamae involucri virides vel apice purpurascentes, estriatae, appendicibus non omnino obtectae.
Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae, fuscae, caeterum serierum e basi triangulari nigra
ad squamam utrinque angustissime decurrente in apicem subulatam recurvam fuscam productae, plumoso
fimbriatae fimbriis ad basim brevioribus approximatis nigris, apicem versus brunneis elongatis remotis,
appendices squamarum mediarum ad 7 mm longae. Corollae persicinae, marginales radiantes. Achenia
3 mm longa, pallide fusca, puberula, umbelico non barbata, pappo vix 1 mm longo coronata.
Synonyme.
Centaurea pectinata Allioni, Auctuar. ad fl. Pedem., p. 11 (1789), non Linne.
Centaurea cirrhata Rchb., Icon. bot., X, p. 23 (1832).
Centaurea Rhaetica Moritzi, Die Pfl. Graub., p. S1! (1838).
Centaurea Moritziana Heg. et Heer, Fl. d. Schweiz, p. S51! (1842).
Centaurea Austriaca x pallida Koch, Taschenb. d. deutsch. u. schweiz. Fl., p. 302 (1844). — Syn.
fl. Germ. et Helv., Ed. II, p. 470 (1844).
Centaurea Austriaca Maly, Enum. plant. phan. imp. Austr., p. 136 pro parte (1848). — Hausm,, Fl.
v. Tirol, I, p. 495! (1850).
Centaurea Austriaca var. Rhaetica Rchb. fil., Icon, fl. Germ. et Helv., XV, p. 18 (1852).
Centaurea phrygia 8 pumila Bertol., Fl. Ital., IX, p. 429 (1853).
Centaurea Rhaetica Facch., Fl. v. Süd-Tirol., p. 102! (1855).
Centaurea cirrhata A. Kern., Die Veget. Verh. der mittl. u. östl. Ung. u. angrenz. Siebenb. in österr.
bot. Zeitschr., XXIL, p. 49, Sep. p. 272! (1872).
Centaurea Rhaetica Nym., Consp. fl. Europ., p. 422 (1878—82).
Centaurea cirrhata A. Kern, Sched. ad fl. exs. Austro-Hung,, I, p. 86! (1881).
Centaurea Rhaetica Gremli, Excursionsfl. f#d. Schweiz, Ed. VI, p. 254 (1889).
Centaurea cirrhata Fritsch, Excursionsfl., p. 596 (1897).
Centaurea-Arten OÖsterreich-Ungarns.
N]
O1
(3)
Abbildungen.
Reichenb,, Icon. bot., X, Tab. 964. — Rchb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 31, Fig. I. —
Taf. XII. Fig. 6.
Exsiccaten.
Baenitz, Herb. Europ., Nr. 4278 (als ©. Rhaetica Mor.). — A. Kern, Fl. exs. Austro-Hung.
ENT. 231 et Nr. 3425.
Verbreitung.
In den Alpen Graubündtens, des südwestlichsten Tirols und der angrenzenden Theile Ober-Italiens.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Tirol: In Judicariis, Facchini (H. H. M.). Judicariis, in pascuis montanis vallis fluminis Chiese,
Porta (H. KTeF.). Judicariis, in pascuis montanis prope pagum Cologna, solo calcareo, 600 m, Porta
(H.U.P., H.P.Z.). Val Vestino, in pascuis alpinis, 1000—1500»z, Porta (H.H.M.H. U. W.H.P.Z,H.B,,
H. Hal.,, H. Ull, H.K., H. F. I, H. Beck). Val Vestino, Abhänge des Monte Tombea, Huter (H. Kk., H. Hal,
H. H. M.), Porta (H.K., H. Klgf.), Viehweider (H.K.). Val di Ledro, Porta (H. z. b. G.). Am Garda-See
an der Straße nach Val di Ledro an Kalkwänden, Huter (H. H. M.), Zimmeter (H.F.L.). Riva, A. Kerner
(H. K.). Auf steinigen Abhängen am Westrande des Garda-Sees bei Riva, Strobl (H.B.). An der Bergwand
an Felsen links von der Ruine hinter Riva, Papperitz (H. H. M.). Ponale bei Riva, A. Kerner (H.K.).
Centaurea cirrhata Rchb. unterscheidet sich von den verwandten Arten leicht durch die schmal-
lanzettlichen, Kahlen, höchstens unterseits rauhen Blätter; im Bau des Anthodiums steht sie der
C. stenolepis Kern. am nächsten, doch sind die Köpfchen bei C. cirrhata noch mehr cylindrisch und
bedeutend dunkler..
Bezüglich der Nomenclatur aller Arten aus der Sectio Zepteranthus vgl. A. Kerner in österr. bot.
Zeitschr., XXII, p. 48 ff.
D. Trichocephalae. Köpfchen eikegelig, Anhängsel in eine fädlich-pfriemliche Spitze ausgezogen,
federig gefranst mit ungefähr gleichweit von einander abstehenden Fransen. Blätter lanzettlich, Stengel
reichästig.
77. Centaurea Simonkaiana Hayek in Schedae ad flor. Austro-Hung,, IX, Nr. 3426 (1901).
Perennis. Rhizoma crassum, descendens. Caulis erectus vel ascendens, angulatus, scaber, a medio in
ramos plus minusve numerosos erecto-patentes iterum ramosos divisus. Folia basalia longe petiolata,
lanceolata, in petiolum attenuata, denticulata, caulina sessilia, Janceolata, trinervia, denticulata vel inte-
gerrima, ramealia valde diminuta anguste lanceolata. Folia omnia viridia, margine et ad nervos paginae
inferioris scabra utrinque pilis crispulis sparsim obsita. Capitula in apice ramorum singularia, conico-
ovoidea, 18 mm longa et ad basim 10 mm lata, foliis supremis suffulta. Squamae involucri pallide virides,
estriatae, appendicibus omnino fere obtectae. Appendices seriei intimae squamarum ovatae, scariosae,
fulvae, caeterum squamarum e basi anguste lanceolata in apicem subulato-filiformen recurvam productae,
fulvae, plumoso-fimbriatae fimbriis tenuissimis 2—3 mm longis omnibus fere aeque distantibus. Corollae
roseae, marginales radiantes. Achenia 3!/,mm longa, pallide fusca, puberula, umbelico non barbata, pappo
brevissimo !/,„—"/ı; fructus longo coronata.
Synonym.
Centaurea trichocephala Simonk. in Schultz., Herb. norm. Nov. Ser. Cent., 29, Nr. 2852, non
Marsch. v. Bieberst.
Abbildung.
Taf. XII, Fig. 7.
754 Augustv. Hayek,
Exsiccat.
Schultz, Herb. norm. Nov. Ser. Cent. 29, Nr. 2852. — Fl. exs. Austro.-Hung., Nr. 3426.
Verbreitung.
Nur aus Ungarn bekannt.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Ungarn: In declivibus aprieis saxosis angustiarum Feher-Körös ad Joszäs hely, Com. Arad, Simon-
Kane Er ELARR BSR EWD): R
Die äußerst Ähnliche C. Zrichocephala M. B. unterscheidet sich von €. Simonkaiana durch kürzere
mehr röthliche Köpfchen und einen längeren Pappus.
Die vorstehend beschriebenen Arten der Sectio Zepteranthus bewohnen theils räumlich getrennte
Gebiete, theils kommen mehrere Arten gemeinsam in demselben Gebiete vor. Wenn wir versuchen wollen,
uns ein Bild über die Entwicklungsgeschichte dieser Arten zu entwerfen, wollen wir zuerst die Ver-
breitungsverhältnisse von C. phrygia L. C. elatior (Gaud.), €. plumosa (Lam.) Kern. und (. stenolepis
Kern. ins Auge fassen. Diese Arten bewohnen durchwegs aneinanderstoßende, aber getrennte Gebiete,
und wir würden annehmen können, dass diese Arten erst in jüngster Zeit sich aus einer Stammform
entwickelt haben; doch spricht dagegen das Vorkommen von C. plımosa Lam. in zwei räumlich von
einander getrennten Gebieten, den südlichen Alpen und den südöstlichen Karpathen und dem Balkan.
Dieses Vorkommen zeigt uns an, dass diese Art früher wahrscheinlich ein geschlossenes Gebiet bewohnt
Die Verbreitung der Centaurea-Arten aus der Sectio Lepteranthus in Österreich-Ungarn.
1. C. nemoralis Jord. 7. Bosniaca Murb.
2. C. aterrima Hay. 8. C. Carpatica Porec.
3. C. phrygia L. 9. C. plumosa Lam.
4. C. elalior (Ga ud.) 10. €. cirrhata Rb.
5. C. stenolepis Kern. 11. €. salicifolia M. B.
6. C. indurata Jka. 12. C. Simonkaiana Hay.
hat und vermutlich durch Standorte in den dinarischen Alpen die beiden Gebiete mit einander verbunden
waren, die Pflanze aber in diesem Gebiete ausgestorben ist; dieses Aussterben ist vermuthlich in der
Glacialperiode, die so eingreifende Veränderungen in der Pflanzenwelt Mitteleuropas zur Folge hatte,
1 Vergleiche obenstehende Karte.
h
be
geschehen. Die anderen drei Arten hingegen bewohnen geschlossene, aneinander stoßende Gebiete.! Da
a
—]
-
an
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
diese drei Arten und auch (. plumosa morphologisch einander sehr nahe stehen, können wir annehmen,
dass sie alle sich aus einer gemeinsamen Stammform differenziert haben. Diese Stammform bewohnte vor
der Eiszeit wohl die ganzen OÖstalpen. Zur Eiszeit wurde diese Pflanze anscheinend durch die starke
Vergletscherung der Alpen nach Norden und Süden verdrängt. Die südliche Form, die heutige €. plnmosa
zog sich nach dem Zurückweichen der Gletscher wieder in die Hochgebirge zurück und starb vermuthlich
zu dieser Zeit in dem zwischen Alpen und Karpathen gelegenen Gebiete aus. Anders die nordöstliche
Form. Durch die vergletscherten Karpathen wurde diese auf zwei Gebiete gedrängt, ein nördliches, wo die
Art sich zu der Form ausbildete, die wir heute (©. phrygia nennen, und eine südliche, unsere heutige
C. stenolepis. Zu Ende der Eiszeit wanderte diese Form wieder in die Alpen ein. Da wir zwischen
C. stenolepis und dieser wieder in den Alpen eingewanderten Form, €. elatior, Mittelformen finden, nicht
aber zwischen C. phrygia und C. elatior, können wir annehmen, dass es erstere war, die in die Alpen
vorrückte und (©. elatior demnach von Osten her in die Alpen eingewandert ist.
C. Bo®niaca Murb. ist vermuthlich eine später entstandene Form, die sich aus C. stenolepis unter
der Einwirkung des alpinen Klimas entwickelt hat. Auch C. Carpatica Porec. dürfte zu €. phrygia in einem
ähnlichen Verwandtschaftsverhältnis stehen. Graphisch dargestellt würden also die entwicklungs-
geschichtlichen Verhältnisse der Phrygiae folgendes Bild geben.
Stammform
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Sys Seen S
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SS BERSEST N us
x D7 = %) > Sr
= S S I oO = S
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> = es En
Eu
3 5 Zu
er Sg
In diesem Schema habe ich C. indurata Jka. nicht erwähnt, da mir nicht klar ist, ob sich diese Art
aus C. stenolepis entwickelt hat,oder vielleicht eine Bastardform darstellt; doch halte ich erstere Anschauung
für die wahrscheinlichere.
C. cirrhata Reichenb. bewohnt ein Gebiet, das sich mit dem der C. plumosa (Lam.) Kern.
theilweise deckt, und unterscheidet sich auch morphologisch von den übrigen Arten dieser Gruppe scharf
durch die herablaufenden Anhängsel der Hüllschuppen, so dass wir annehmen können, dass diese Art
sich in einer viel früheren Zeitperiode von der gemeinsamen Stammform abgetrennt hat. Ähnlich liegen
die Verhältnisse mit ©. Simonkaiana. Diese Art ist mit der südrussischen C. trichocephala M.B. sehr nahe
verwandt und hat sich das Verbreitungsgebiet dieser Art wahrscheinlich früher nach Westen bis zum
heutigen Standort der C. Simonkaiana erstreckt, doch ist die Pflanze später in dem Gebiete, das die
Standorte beider Arten heute trennt, ausgestorben, und C. frichocephala hat sich auf diesem restlichen
isolierten Standorte infolge von klimatischen oder sonstigen Verhältnissen derart verändert, dass wir
sie heute mit Recht als eigene Art betrachten können.
Im Gebiet westlich von dem, welches die Arten der Gruppe der €. phrygia, zu welcher unter anderen
noch die südlich an C.plumosa sich im Balkan anschließenden Arten wie Kerneriana Jka. zu zählen sind,
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 96
756 Augustv. Hayek,
bewohnen, finden wir das Verbreitungscentrum einer verwandten Gruppe, das der C. nigra L., zu welcher
außer dieser Art unter anderen ©. nemoralis Jord., ©. Endressi Hochst. und ©. Nevadensis Boiss. zu
zählen sind. Lassen uns schon diese Verbreitungsverhältnisse darauf schließen, dass diese beiden Gruppen
in einem nahen verwandtschaftlichen Verhältnisse stehen, so gestattet uns das isolierte Vorkommen einer
Art dieser Gruppe, der C. aterrima, in der Hercegovina noch weitere Schlüsse. C. aterrima ist mit C. nigra
und €. nemoralis so nah verwandt, dass wir annehmen müssen, dass ihre Verbreitungsbezirke ehemals
mit einander verbunden gewesen sind, d. h., dass Vertreter der Gruppe der C. nigra früher auch weiter im
Osten vorkamen, und wir in C. aterrima ein Relict dieses Vorkommens erblicken. Es ist aber auch
zweifellos, dass C. nigra L. und €. phrygia L. mit einander nahe verwandt sind; schon der Umstand, dass
beide Arten in früherer Zeit vielfach miteinander verwechselt wurden, spricht für ihre morphologische
Ähnlichkeit. Es liegt daher der Gedanke nahe, dass die Gruppe der C. nigra und die Gruppe der C. phrygia
sich aus einer gemeinsamen Stammform entwickelt haben, und dass diese Stammform der C. nigra L.
sehr nahe gestanden ist. Dafür spricht sowohl das isolierte Vorkommen der C. aterrima im Gebiete
der Phrygiae, als auch der Umstand, dass die Nigrae den Formen aus der Jaceagruppe, aus denen sie sich
wohl entwickelt haben dürften, morphologisch näher stehen als die Phrygiae. Auffallend wäre es nur bei
solchen Thatsachen, wenn wir keine Zwischenformen zwischen C. nigra s. l. einerseits, C. plumosa,
stenolepis u. s. w. anderseits fänden. Solche Zwischenformen stellen uns aber €. phrygia L. einerseits,
C. salicifolia M. B. anderseits dar. Diese letztere Art stellt uns gewissermaßen eine Übergangsform von
C.nigra zu C. stenolepis dar, ist im Osten, im Kaukasus, die allein dort vorkommende Art der Gruppe,
während sie im Westen größtentheils verschwunden ist und sich nur an einzelnen Standorten erhalten
hat. Auf diese Weise könnten wir uns auch ihr zerstreutes isoliertes Vorkommen erklären.
Weitere Gruppen aus der Sectio Lepteranthus sind noch einerseits die der €. pectinala L., wozu
unter anderen auch C. procumbens Bald., C. Jordaniana G. G. und (©. rufescens Jord. gehören, und die
auf der Pyrenäenhalbinsel heimische Gruppe der C. Zinifolia Vahl. Jede dieser Gruppen steht zweifellos
zu den bisher besprochenen in einem ziemlich weiten Verwandtschaftsverhältnisse.
Zum Schlusse will ich noch versuchen, eine graphische Darstellung der Entwicklungsgeschichte der
Sectio Lepteranthus zu geben.
Sectio Enjacea
NS Se en 5} oa S
x Se I ° I
S. Sr: =. N >
Se ak Fa
S S S 5 IS Ss
See SEES N 8
ON S S A S
I S
m
4. Section. Psephellus Cassini, Dict.d. sc. nat. L., p. 552.
Köpfchen eikugelig bis kugelig, Anhängsel der Hüllschuppen rundlich bis lanzettlich, kämmig
gefranst oder gezähnt. Pappus vorhanden, die innerste Reihe kaum kürzer als die äußeren.
|
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns.
I
79. Centaurea Marschalliana Spreng., Syst. veget., XVI, 3, p. 398 (1826).
Perennis. Rhizoma caespitoso-ramosum, pleiocephalum. Caules ascendentes vel procumbentes, ad
20 cm longi, cano-tomentosi, a parte inferiore in ramos 2—3 simplices divisi. Folia basalia petiolata,
ovato-laceolata vel pinnatisecta lobis ovatis obtusis 2—3 jugis terminali maiore, caulina pauca, lyrati-
Finnatiloba; folia omnia ad rhachym et in pagina inferiora dense cano-tomentosa, in pagina superiore
adpresse dense pilosa vel parce tomentosa. Capitula in apice ramorum singularia, globosa, 15 mm longa
et lata. Squamae involucri virides, estriatae, a basi lata apicem versus attenuatae, appendicibus non
obtectae. Appendices squamarum ovatae triangulares, atro - fuscae, circiter 2 mım longae, recurvae, dentatae
dentibus vix !/, mm longis utringue 2—4, terminale paulo longiore. Corollae roseae, marginales radiantes.
Achenia 3 mm longa, fusca, puberula, umbelico non barbata, papposa. Pappus biserialis, rufescens, series
interior breyissima connivens, exterior erecta 1 mm longa.
Synonyme.
Centaurea Sibirica Marsch. v. Bieberst., Fl. Tauro-Caucas,, II, p. 348 (1808), non Linne.
Centaurea Marschalliana De Cand., Prodr. Syst. veget. VI, p. 576 (1837). — Boiss., Fl. orient., III,
p- 634 (1875). — Nym., Consp. fl. Europ., p. 423 (1878—82). — Brandza, Prodr. Fl. Rom., p. 303 (1879
bis 1883).
Abbildung.
Taf. XII, Fig. 8.
Verbreitung.
Vom Kaukasus durch Südrussland bis Rumänien und Ostgalizien.
Vorkommen in Österreich-Ungarn.
Galizien: Bilcze bei Borszczow, auf sonnigen Gipstriften, Blocki (H. Hal.). Auf Hügeln bei Bilcze
Rehmann (H.K.). Kalkfelsen bei Zerelki, Wofoszczak (H. U. W.). Strzylcze bei Horodenka, Btocki
(H. Hal.).
V. Untergattung. Odontolophus Cassini, Dict. d. sc. nat. L., p. 252.
Anhängsel trockenhäutig, hell, kurz herablaufend, gezähnt oder gefranst. Pappus mehrreihig, borstig,
die innere Reihe undeutlich von den äußeren geschieden, kaum kürzer als diese.
79. Centaurea trinervia Stephan apud Willdenow, Spec. plant., Ed. IV, 3, p. 2301! (1800).
Perennis. Rhizoma tenue, horizontae, pleiocephalum. Caulis erectus vel ascendens, angulatus, cano
tomentosus, a basi in ramos numerosos elongatos iterum ramosos divisus. Folia basalia et caulina
inferiora breviter petiolata, caulina media et superiora basi attenuata sessilia, lanceolata, trinervia,
11/,—4 cm longa, 1'!/,—4 mm lata, acuta, integerrima, utrinque cano-tomentosa. Capitula in apice
ramorum singularia, longe petiolata, ovata, I2 mm longa et 7 mm lata. Squamae anthodii pallide virides
vel interiores apice fuscae vel violaceae, omnes cum appendiecibus scariosis pallidis pellucidis ad marginem
parum decurrentibus apice pectinato-laceris vel pectinatis. Corollae disci albidae vel pallide roseae, mar-
ginales profunde quinquefidae, fauce quinque setis (staminodiis) praeditae, radiantes, roseae. Achenia
5!/), mm longa, pallida, pilosula, umbelico non barbata, papposa. Pappus biserialis, series interior
brevis connivens, exterior erecta 2 mm longa.
96*
758 Augustv. Hayek,
Synonyme.
Centanrea trinervia Marsch. v. Bieberst., Fl. Taur. Cauc., Il, p. 350 (1808).
Cyanus roseus Baumg., Enum. stirp. Transs., III, p. 75 (1816).
Centaurea trinervia Spreng., Syst. veget. Ed. XV], III, p. 399, (1826).
Odontolophus cyanoides Cass. in Dict. des scienc. nat., L, p. 253 (1827).
Centaurea trinervia De Cand., Prodr. syst. veg., VI, p. 579 (1837). — Maly, Enum. pl. phan. Imp.
Austr., p. 136 (1848). — Reichenb. fil., Icon. fl. Germ. et Helv., XV, p. 23 (1852). — Schur, Enum. pl.
Transs., p. 406 (1866). — Brandza, Prodr. fl. Rom., p. 304 (1879 — 1883).
Odontolophus trinervius Janka in österr. bot. Zeitschr., XXXII, p. 281 (1882).
Centaurea trinervia Simonk., Enum. fl. Transs., p. 348 (1886).
Abbildungen.
Reichenb. fil., Icon. Fl. Germ. et Helv., XV, Tab. 36, Fig. 1. — Taf. XII, Fig. 9.
Exsiccaten.
Lang et Szovits, Herb. ruthen. Cent., I, Nr. 27. — Schultz, Herb. norm. Cent., XI, Nr. 1084. —
Callier, Herb. Rossicum, Nr. 69.— Callier, Iter Tauricum secundum a. 1896, Nr. 134.— Dörfler, Herb.
norm. Nr. 3552. £
Verbreitung.
Von Südrussland und der Krim bis Siebenbürgen und Rumänien.
Vorkommen in Österreich-Ungarın.
Siebenbürgen:In collibus graminosis prope pagum Egerbegy, Barth (HP.Z,H.F.1,H. Kk.
H. H. M.). Gerend, Barth (H.P.Z., H.F.1I, H.H.M.). Bergwiesen am Csasa mare, Com. Kolos, Freyn
(H. P. Z.). Hügel zwischen Katona und Kis-Cseg, Janka (H. E., H. Klgf., H. H. M.). Heuwiesen bei Klausen-
burg, Wolff (H.P. Z., H. Kk., H.H.M.), Janka (H.H.M.), Kanitz (H. Ull.), Vagner (H. H. M.). Klausen-
burg, Barth (H. Ull.), Janka (H. H. M.), Schur (H.H.M.), Haynald (H H.M.). Morgonda, Baumgarten
H. H. M.). Torda, Barth (H. F.1.), Wolff (H. F.T).
E50 5, W000. GUARD 0
10.
ıkulp
13.
14.
15.
far
©:
Centaurea-Arten OÖsterreich-Ungarns. 759
Tabelle zur Bestimmung der Arten.
. Hüllschuppen an der Spitze in eine hand- oder fiederförmig getheilten Dorn endigend. Zweijährige
ler re ee 0 RS NEE Sr BE EEE ER 777 EN RER ER,
Hüllschuppen an der Spitze mit einem trockenhäutigen, ungetheilten oder kämmig gefransten, oft
in einen Dorn auslaufenden Anhängsel, oder stumpf und schmal randhäutig . . 2. 2.2...6.
. Blüten gelb, Blätter herablaufend . . . . . en N a a
Bien Mel, Blätter getheilt, nicht herablaufend.. . . =... nn 2 un een een
. Köpfchen end- und seitenständig, Blumenkrone drüsig . . » . 2 2 ..2..2.2.2..2.... GC. Melitensis L.
Köpfchen nur endständig. Blumenkrone drüsenlos . . . . ee N EA
. Mitteldorn der Hüllschuppen viel länger und kräftiger als die seitlichen. Nur die Anhängsel der
innersten Hüllschuppenreihe trockenhäutig. . . » » 2 2 2 2. 2 2. 2.20. . C. solstitüalis L.
Mitteldorn der Hüllschuppen kaum länger als die seitlichen. Die Anhängsel der 2—3 innersten Hüll-
Benenpenreihen trockenhäutig) 0. nn ara en ana aut, Adami Willd.
Er 2 ee ee an ea nat ae Or Therica: Tr.ev.
Bappussehlend.. - . ... . BE ; ee ee G. calentnapasr.
. Hüllschuppen stumpf, ee laer ohne deutliches ee ringsum schmal trockenhäutig . .7.
Hüllschuppen mit einem deutlichen troekenhäutigen Anhängsel . . 2» 2. 2. 2 2... 2 22.
. Blätter blaugrün; Blattabschnitte ganzrandig oder theilweise gesägt . . .» ..... C.alpinaLl.
Blätter sattgrün; Blattabschnitte ringsum scharf gesägt. . . . » 2 2..2........ € Ruthenica Lam.
. Anhängsel stets wehrlos, ganz, gezähnelt oder unregelmäßig eingerissen, nie regelmäßig kämmig
gerane ee EEN eeon or.o 1 Orr Re Re EEE EEE RE © }
Anhängsel regelmäßig kämmig gefranst, die Endfranse oft in einen Dorn umgewandelt. . . . . 19.
. Aigpuis vonnemeae ee (0)
Bappusitehlend . - ... .: a - SE S Sn ot
Anhängsel rund, concav, weich- hstasheleniiz EN Blätter EBEN ee unitte, ee
Anhängsel gezähnt oder eingerissen fransig . . . . . Be oe : ; 2: EN;
Anhängsel schwärzlich, gezähnt. Blätter unterseits weißfilzig. Stengel Tosend oder eh
C. Marschalliana Spr.
Anhängsel blass, eingerissen fransig. Blätter lanzettlich, Stengel aufrecht . . . - |
Anhanesel schneeweiß. oder in der Mitte präaunlich” . . . .. 0... 02 nu c ee DIE
Anhängsel weiß, mit tiefschwarzem Mittelfeld . -. . . 2: 2 2 2 2 2.22.22... 0. deusta Ten.
Duhausselestauklconeav,; stels, fanztandien 2 0 ae ne en area ne IE
Anhängsel flach oder wenig concav, die äußeren oft unregelmäßig eingerissen . . .2....17.
Äste sehr kurz. Köpfchen sehr groß, heller oder dunkler braun, von den obersten bis 3cm langen
Blättern eingehült ..... ee a ee GrnaynaldaBornb.
Äste mehr minder verlängert. Die oBarten Blätter I—1!/, cm lang, die Köpfchen zwar stützend, aber
nieht einhullendı =... 2 „or 225 ae { PERF LN ey neakärae 18.
Anhängsel weich-stachelspitz, weiß, a eneinend‘ Äste Kachenförite Blätter graufilzig
C. argyrolepis Hay.
Anhängsel nicht stachelspitz . . . . ? er ee a a ec:
. Köpfchen kugelig, groß, weiß oder hellbräunlich. Äste mäßig verlängert . . . . Ü.bracteata Scop.
Köpfchen eiförmig, meist rostbraun, kleiner; Äste ruthenförmig verlängert . . . ©. Weldeniana Rb.
Augustv. Hayek,
. Die inneren Hüllschuppen deutlich concav, die äußeren flach, ganz oder unregelmäßig eingerissen.
Köpfehenkhell. Blätter/deutlichl graunlziewen re Br
Hüllschuppen flach oder flach concav, dunkelbraun. Blätter grün . . ..... 2 Gasen
. Äste ruthenförmig verlängert, Köpfchen eikugelig, obere Blätter lineal-lanzettlich
C. Pannonica (Heuff.).
Äste nicht ruthenförmig. Köpfchen kugelig, die äußeren Hüllschuppen kämmig eingerissen. Obere
Blätter breit-lanzettlich. - 2 cu er EI Bande co
19. Anhängsel am Rand der Hüllschuppen nicht herablaufend, deutlich abgesetzt, die Endfranse nicht
kräftiger als die übrigen, niemals.demig‘.... 1. 1. 22 08 Re ee ve Kt Le
Anhängsel am Rand der Hüllschuppen mehr minder tief herablaufend, bie Endfranse der Anhängsel
oft kräftiger als die übrigen, Haufe domig - . . „Sun su. Man
20. Pappus fehlend oder nur durch einzelne Börstchen angedeutet . . .». » 2 2 2 2. 2... . .2l.
Bappus deutlich, wenntauchröfesehrikurz 2 See er
21. Anhängsel der Hüllschuppen kurz dreieckig, schwarz oder braun, mit der Spitze die der nächst
[88}
[88}
24.
25.
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oberen Hüllschuppe nicht oder kaum erreichend; die Endfransen nicht länger als die seit-
IICHSn ee ee ee ne a
Anhängsel der Hüllschuppen länglich dreieckig bis lanzettlich; die Endfransen länger als die seit-
IChen na ee en RO ER ee 26:
. Blätter lanzettlich, am Grunde durch 1—2 Zähne beiderseits sSieernie dünn- ee Nur die
äußeren Hüllschuppen kämmig gefranst, braun, die mittleren und inneren rundlich
C. Stohlii Hay.
Blätter breit-lanzettlich oder eiförmig, Anhängsel schwarz . . . isn SER
. Stengel einköpfig oder an der Spitze gabelig zweiköpfig. Kosten schmal eytinäfiseh
C. Smolinensis Hay.
Stengel ästig. Köpfch cylindrisch-eiförmig oder eikugelig . . » » : x 2» 2 2 2 2 0 0 2 20 n „24
Die 2—3 innersten Hüllschuppenreihen mit rundlichen, ungetheilten oder nur gezähnten Anhängseln,
die Anhängsel der äußeren Hüllschuppen dreieckig, ziemlich groß, die Nägel oft vollkommen ver-
deckend. Blätter eilanzettlich bis eiförmig, die unteren oft fiederspaltig . . . . . . €. dubia Sut.
Alle Anhängsel (mit Ausnahme jener der innersten Hüllschuppenreihe) kämmig gefranst . . . . 28.
Obere Blätter eiförmig bis rundlich, mit breit zugerundeter oder stengelumfassender Basis sitzend.
Köpfchen cylindrisch eiförmig; Anhängsel klein, oft an der Spitze zurückgekrümmt
C. rotundifolia (Bartl.).
Obere Blätter lanzettlich, mit verschmälerter oder schmal zugerundeter Basis sitzend. Köpfchen ei-
förmig bis eikugelig. Anhängsel meist angedrückt . . 2. 2 2..... . C.nigrescens Willd.
Die inneren 2—4 Reihen von Hüllschuppen mit ungetheilten, die äußeren mit dreieckigen, tief kämmig
gefransten aufrechten oder abstehenden Anhängseln . . » 2.2.2.2... .. 0. subjacea (Beck).
Alle Hüllschuppen (bis auf die innersten) mit lanzettlichen, kämmig gefransten, zurückgebogenen
Anhanpselne er
. Anhängsel in eine fädliche, federig g gefranste zurückgekrümmte Spitze ausgezogen. Blätter grauflaumig
DISZIE Se Re re. er een u. EC mania en
Anhängsel mehr minder schmal lanzettlich, zurückgebogen, aber nicht in eine fädliche Spitze aus-
BEZDOBEN US ee ee Wet. 2 ee ee er
Anhängsel schmal lanzettlich, die Nägel seitlich nicht vollkommen verdeckend, bis 6 mm lang, mäßig
ZULÜCKBEHOSENE = Au 2. ae ee ENDE GROPEILDVWETSOEREE
Anhängsel breiter, die Nägel auch seitlich verdeckend, bis Sımm lang, stark zurückgekrümmt
C. oxylepis (W. Gr.).
. Anhangsel’aufrecht, schwarz, tiefrkammteseeinst. 2
Anhängsel in eine fädliche, kämmig gefranste zurückgekrümmte Spitze ausgezogen . . ... .8l.
Centaurea-Arten Osterreich- Ungarns. 761
. Strahlende Randblüten fehlend. Stengel ästig . . . .» : 2 2 2 2 2 2.2 2. .ÖQ,nemoralis Jord.
Eopichenistrahlend, Stengel 1Z3köpfe rn 2. 2 une n. na... Gaterrima Hay.
. Blätter lanzettlich, die unteren lang gestielt, die oberen an der Basis nicht abgestutzt . . . . .32.
Blätter eiförmig, oder, wenn lanzettlich, die oberen an der Basis abgestutzt . . . 2... . 80.
. Blätter rauh; Köpfchen hell röthlicehbraun. . . » » 2... .. 2.2.2.2... C. Simonkaiana Hay.
Perleselatt-sKöpiehenidunkelbraun rk un nen ee. Gleirrhata Ro.
. Blätter mit gestutzter oder geöhrlter Basis sitzend, gezähnt. Stengel fast immer einköpfig. Köpfchen
Proß:sAnhangselihellbraun meem En, ee PECplumosa Bam.
Blätter breit eiförmig oder ei-lanzettlich, an der Basis ande oder verschmälert. Stengel meist
UE 0 ou ne a or ee seo Al Kr SREEF ae re BE GERNE Po N a BE Be. 7;
. Anhängsel der inneren 2—3 Hüllschuppenreihen mit breitrundlicher Basis, an der Spitze oft pfriem-
kehwadlich >... . i EA 0 ea WEBER REN NOD:
Alle Anhängsel, mit Ausnahme der innersten, aus lanzettlicher bis Sremmian Basis in eine pfriem-
IenessredeniengeltansteıSpitzelause zn se ee. 8‘
. Die innersten Anhängsel von den äußeren nicht bedeckt; Blätter mit verschmälerter Basis sitzend
C. phrygia L.
Die inneren Anhängsel von den äußeren bedeckt. Blätter mit abgerundeter oder verschmälerter Basis
SIE ee ee ee CinpalieaPorc.
. Köpfchen eikugelig. Anhängsel federig zertheilt, dicht, die Nägel ganz verdeckend, dunkelbraun.
Blätter mit abgerundeter oder stengelumfassender Basis sitzend, rauh, nicht spinnwebig wollig
C. elatior (Gaud.).
Köpfchen eiförmig bis cylindrisch. Anhängsel die Nägel nicht völlig verhüllend . . . . ....37.
. Pappus !/,—'/, so lang als die Frucht. Anhängsel kurz gefranst, Stengel niedrig . C. Bosniaca Murb.
Beppuse), U. solang. als die Prucht,Stengellhoehwüchsig .". „.. nn nn un an... 88
. Anhängsel hellbraun. Pflanze mehr minder spinnwebig wollig, Blätter breiteiförmig . C.stenolepis Kern.
Anhängsel schwarz. Pflanze nicht spinnwebig wollig, Blätter ei-lanzettlich. . . . C. salicifolia M. B.
Belamenpanzodertiederlappig, die oberensherablaufend - . nn. . un un no 0 un... 40.
Blätter ganz, fiederspaltig oder mehrfach zertheilt, nie herablaufend . . . 2.2.2 22.2.2... 44.
. Wurzeln knollig verdickt. Stengel einfach. Blätter lineal-lanzettlich . . . . . . . €. tuberosa Vis.
NBZeiEntchtakmolien verdickt ra Al.
. Fransen der Hülle schwarz, höchstens so lang als die Breite des schwarzen Randes der Hüll-
SENINEN, Se a urn oma 20. a en er.
Fransen der Hülle fast doppelt so lang als die Breite des schwarzen Haken der Ruldkuppen meist
hell. Blätter ganz oder buchtig gezähnt, graugrün bis weißgrau . . . . . . . €. variegata Lam.
. Stengel in der oberen Hälfte nackt; Blätter schmal . . -. . © . 2.2.2.2... C. pinnatifida Schur.
Stengel höchstens im obersten Drittel blattlos, Blätter breit . . . . ; 5 : ee.
. Fransen der Hülle fast so lang als die Breite des schwarzen Bandes der Hällsehrppend Blätter lang
herablaufend; Filz der Blattunterseite hinfällig, Rhizom kurz, kriechend . . . . . ©. montana L.
Fransen der Hülle sehr verkürzt. Filz der Blattunterseite bleibend; Blätter kurz herablaufend; Rhizom
WeisumDerkmechend, ee, GSMOIHEW.K.
. Fayspunlländl,n on ee re Er en
Fappusvorhandens . „u. sn. ER USUEE 9. AO.
. Anhängsel der Hüllschuppen schwarz; ksehuppen tief längsnervig . c is Schur.
Anhanpsekder Hüllschüppen nellerroderdurkler braun .. 2. a. Dar ana 46
AGhanpseltden Lihlischuppen mremenskurzen Dorn endieend . SD Em nn rn AR.
Anhängsel der Hüllschuppen wehrlos . . . URRBNE nu,
. Köpfchen eiförmig, mittelgroß. Anhängsel an. Blätter tief fledertheilig,. Blüten roth
C. spinoso-ciliata Seen
Anusustv. Hayek,
Ö >
Köpfchen cylindrisch, klein; Anhängsel blass-gelblich, Blüten weißlich, obere Blätter fiederlappig
odersungetheile u 0 ee od re an GA SEA
48. Blattabschnitte schmal lineal-lanzettlich; Anhängsel lang kämmig gewimpert, sich gegenseitig fast
deckend: 2: 2.2. 2 ur ee en areas eh a RE SCH CHESTaTE Un
Blattabschnitte länglich bis ei-lanzettlich. Anhängsel sehr kurz gewimpert . . C. Tommasinü Kern.
49: Hüllschuppen erhaben längsnervig ... 2 = au. nn ve man Hin aan ne ne
Hüllschuppen nicht oder undeutlich längsnervig . = . » - 2 0 ee nur 0 one m ee
50. Anhängsel in einen deutlichen kurzen Dorn endigend . . » » » 2. une nen nn nen no
Anhängsel wehrlos. 0 neh a kai ea le au selten Bere a rule Ser a hr (ee
51. Stengel aufrecht, Anhängsel gelbbraun . . . 2.2... ee en. „ C. Karischiana Scop.
Stengel aufsteigend, Anhängsel dunkelbraun . . . 2... nenn... C. Dalmatica Kern.
52. Stengel mäßig reich verästelt; Blätter leierförmig fiederspaltig . . . ........ .. C. incompta Vis.
Stengel reich rispig-ästig. Blätter tief fiederspaltig mit lanzettlichen oder linealen Zipfeln . . . . 08.
53. Pappus lo lang wie die Frucht, Pflanze fast oder ganz kahl... . . . ... . C trinaefolia Heuff.
Pappus kürzer als die Frucht, Pflanze mehr minder grauflaumig bis filzig . . . 2 2... 04
54. Anhängsel der Hüllschuppen beiderseits am Grunde mit einem weißlichen, trockenhäutigen, durch-
scheinendemiÖhrchen. . mar all. wit are ae Be ee
Anhängsel ohne solches Öhrehen . 2 2... 2 «tete we a0 ner le en
55. Pappus !/,—?/, so lang als die Achäne. Anhängsel schwarz mit dunklen, höchstens an der Spitze
weißlichenRransen . «= un en en leinen ech eee eee eerelgen eEIR ER E
Pappus höchstens %/, solangalsdie Frucht ". ...» . na un. u. nu u 0 Ve
56. Köpfchen circa 14mm lang, Anhängsel dicht gefranst, mit 8—12 Fransen beiderseits
C. maculosa Lam.
Köpfchen circa 12 mm lang. Anhängsel spärlicher gefranst, mit 6—9 Fransen beiderseits
C. micrantha Gmel.
57. Äste ruthenförmig. Pflanze schwach graugrün. Anhängsel meist ohne dunklen Fleck an der Spitze
C. arenaria M.B.
Äste nicht ruthenförmig. Pflanze dicht grauflaumig; Anhängsel mit einem dunklen Fleck an der Spitze
e C. Tauscheri Kern.
58. Anhängsel schwarz mit weißen Fransen, in eine kurze, pfriemliche Spitze zugeschweift, unterhalb der
Fransen beiderseits mit einem weißlichen, durchscheinenden, trockenhäutigen Öhrchen. Blüten
blaue Blätter meiszungetheilt serantlzios re ee re C. cuspidata Vis.
Anhängsel ohne-ein solches Öhrchen a. 2 u... u un. ern ee ee 99.
59. Anhängsel in eine pfriemliche, federig gefranste, zurückgekrümmte Spitze vorgezogen . . . . » 32.
Anhängsel dreieckig, oft in einen Dorn auslaufend . . ». . 2... nn nennen 60.
60. Mittlere und obere Blätter schmal lanzettlich, ungetheilt . . » » 2 2 2 2 2 2.2 20202. 6l.
Blätter fiederlappig oder fiederspaltig, wenn ungetheilt, nicht schmal-lanzettlich. . . .... 62.
61. Einjähriges Kraut. Anhängsel schwarz, Blüten blu. .. 2. 2. 2.2... 00.00. C. cyanus L.
Ausdauernd. Anhängsel blass-bräunlich, Blüten rosenroth . . 22.2... . . E trinervia Steph.
62. Dierganze Pflanze dicht schnesweißanlzie er re re Se 63.
Pflanze nicht weißfilzig . . . . Ms ee ee
63. Stengel einfach oder armköpfig. Blüten sb 7
Stengel rispig-ästig. Blüten roth... U Men... mu na ua ee ee nee ee Er ar
64. Pflanze reichästig; Köpfchen klein bis mittelgroß, Anhängsel hellbräunlich, Blüten rosenroth . . 65.
Pflanze wenig ästig, Köpfchen groß. Anhängsel meist schwärzlich (wenn hell bräunlich, dann die
Blütenseelb)e „2 rer ee ee Fe
65. Anhängsel in einen kurzen Dorn endigend. Pflanze sehr reich ästig, Blätter fein zertheilt
C. divergens ViS.
66.
67.
68.
69.
70.
nl.
en]
ID
73.
74.
75.
76.
Brig
78.
79.
s0.
81.
Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. 763
Anhängsel wehrlos, stumpf, kurz gefranst . . RU CR I EA Ey; N NETTER:
Blastzipfelschmalilineal; Köpfchen sehr klein » © 2». x» 2! u „2. 2... C glaberrima Wsch.
Blattzipfel ei-lanzettlich bis eiförmig. Köpfchen mittelgroß . . . 2... . . C. crithmifolia V is.
Anhängsel hellgelb, die Nägel vollständig verhüllend. Blüten gelb. . . . nn @orentanse
Anhängsel dunkel oder die Nägel nicht verdeckend . 08:
Blüten gelb oder röthlichgelb . 69.
Blüten purpurn . HA ER Tr
Blattabschnitte eiförmig oder lanzettlich 70.
Blattabschnitte schmal lineal : Se ol
BiurenseelbsEappüsıschmutzisweiße Dann. .. . C. Salonitana \V is.
Biutensorangegelb,; Bappus schneeweißr. IE u era ee lamceolatas(Vis)):
Blätter kahl. Pappus purpurroth, so lang wie die Frucht. Blüten gelb oder DD
C. dichroantha Kern.
Blätter am Rande rauh. Pappus weißlich, viel kürzer als die Frucht. Blüten stets gelb . C. rupestrisLL.
ENnbaneselidie, Nagel der Hüllschuppensverdeckende 7 Zu ML. Nm nn nenn nnd
Anhängsel die Nägel der Hüllschuppen nicht verdeckend . . . Su Se ua:
Innere Anhängsel rundlich, weiß mit schwarzem Mittelfleck . . . . 2.2... Sadler iana Jka.
Alle Anhängsel (bis auf die innerste Reihe) dreieckig, kämmig gefranst . . . 2. 22.2.2... 74.
Anhängsel sehr schmal herablaufend, der schwarze Rand daher kaum !/, mm breit 73.
Anhängsel breiter herablaufend, der schwarze Rand I—2 mm breit Se ekemalie. were
Pappus purpurroth. Blattzipfel schmal-lineal, glatt . .. . 2.2.2... 0.0. C. dichroantha Kern.
Bapaussweinlichroderibräunlich, am ne N NT:
Endfranse der Anhängsel in einen abstehenden, mindestens 2 mm langen Dorn umgewandelt
C. spinulosa Roch.
Anhängsel wehrlos, sehr kurz gefranst rar er ErLenniole SCH!
Stengel einfach, seltener 2- bis 3köpfig. Blätter beiderseits vollkommen kahl und glatt
C. Badensis Tratt.
SienBelkastieBlätterswenigstens amrkanderaua EN 18
Blattabschnitte meist !/,cm breit. Blätter oberseits glatt .............C. Eritschüi Hay
Blättabsehmitte meistibreiter. Blättempeiderseitsrauh. » » 2 nn 2m 2 nn... .6C.scabiosal.
Eiransensderiklülleschwarz, Blütenspünpuuae ea nn nglpestrisHliee:
Fransen der Hülle weißlich. Blüten schwarzpurpurn ... EIER EENS PERRETIEIEN TEN ET 9 25, nal),
Fransen der Hülle gerade, nicht länger als die Breite des ungetheilten Mittelfeldes
C. atropurpurea Willd.
Fransen der Hülle unregelmäßig verbogen, zart, länger als die Breite des ungetheilten Mittel-
Role Se ee 5 re DR De cellln
Blätter hellgrün, fast kahl, die unteren lang gestielt . . : . 2 2 2 2 220. c Murbeckii Hay
Blätter dunkelgrün, sehr rauh, die unteren kurz gestielt. . . . 2.2.2.2... ©. Kotschyana Heuff
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. LXX. Bd. 97
August v. Hayek,
Alphabetisches Inhaltsverzeichnis.
Die Namen der Untergattungen und Sectionen sind fett, die ausführlich behandelten, in Österreich-
Ungarn vorkommenden Arten gesperrt, die nur flüchtig erwähnten, nicht im Gebiete vorkommenden
Arten cursiv, die Synonyme endlich stehend (antiqua) gedruckt. Die Zahlen der Seiten, wo die betreffenden
Arten ausführlicher behandelt sind, sind fett gedruckt.
Acrocentron D.C.
Acrolophus Cass.
Aegialophila B. H.
Bielzia Schur OR e
— Schwarzenbergiana Schur .
Calamanthra villosa Ullep..
Caleitrapa Cass. .
Adami Schur
hippophaestum Gärtn.
Iberica Schur
solstitialis Lam.
— stellata Lam.
CentaureaL. 4
AchaiaB.H. .
acutiloba D.C. .
Adami Sadl. .
Adami Willd.
adonidifolia Rchb.
adpressa Led.
47 [631], 5
adulterina Maly
affınis Friv. .
Africana Lam \
aggregata Fisch. Mey.
Aichingeriana Welw.
alata Lam.
alba Beck.
Fleischm.
Fritsch
Hal.
Krock. .
alba L.
alba Rchb.
Sut.
Vis.
BBert.
o. coneolor Boiss.
3 [587],
3 [587],
2 [586],
36 [620
1 [635], _
4 [588],
>
22
80
3
10
65
11
16
12
13
19
12
1
3
99
19
16 [600],
21
109 [693],
107
110
108
606
664
[587
592
594
[649
595]
[600]
596]
597]
603
[596]
[585
[587]
[683]
[603
[605
[695]
691]
[698]
[691]
694]
692
Centaurea alba « concolor D. C.
var. deusta Beck...
B deusta D. C.
var. splendens Vis.
albida C. Koch
AlexandrinaL. .
alophium Cass.
alpestris Gremli
alpestris Heg. 36 [620],
49 [633], 50 [634], 52
alpestris Koch .
f. vestita Murr .
alpinal..
alpina (Baldensis) Pers.
— var. CornutiRchb.
amara Alsch.
aut.
— Freyn
Hal.
Heuff.
Kern.
Koch
amaraL.
amara Lumn.
Petter
Schur
BGaud.
v. Pannonica Heuff.
f. 1. Weldeniana Rouy
X.stenolepis Kern. .
ambigua Guss. .
amplifolia B. H.
angustifolia Fritsch
angustifolia Schrk. . a
angustifolia X Rhenana Mülln. .
aplolepa Mor. 4 [588],
approximata Gren.
2 [586],
. 114 [698],
5 [589],
2 [586|,
. 114 [698],
107 [691]
111 [695]
110 [694]
109 [693]
5 [589]
3 [587]
3 [587]
9 [633]
48 [632],
[636]
48 [632]
50 [634]
8 [592],
55 [639]
8 [592]
8 [592]
116 [700]
115 [699]
116 [700]
116 [700]
119 [703]
119 [703]
115 [669],
116 [700]
120 [704]
118 [702]
116 [700]
119 [703]
114 [698]
118 [702]
116 [700]
157 [741]
4 [588]
11 [565]
119 [703]
120 [704]
90 [674]
97 [681]
125 [709]
-
| Centaurea-Arten von Österreich-Ungarn. 765
Centaurea ApulaLam. ........ 15[599] | Centaurea Banatica Kern. . . . ... . 95[679], 96 [680
— aremarialLangetSzov. ..... 96 [680] Fr BanatiealRoch) m m... 118 [6997
— arenariaM.B.......... 4[588, 95[679] 125 [709
96 [680] IE SEStenolepIsmrr ru en 157 [741
EarenaniaBchb...»... 0. 2 a .r. 83 [667] = Bleckiana Mülln. wa. 2... 2:89673],,.91[675
— 7 —_ v.tomentosaBorb. ..... 96 [680] I VDEHEBTE E haee sa ee 2 [586
renleala. 1.0... 200000 [088], :78:[682] ee Berinsiehe. na 167 [751]
ekeyrolepisHay.. . ....». 112 [696] — Besserimalka.. .». .. 2... 106 [690
| = SEEN Er 3 [587 — BiebersteinüD. CC... ...... 92 [676
| PetertimaHlayı . 0.0. 200 se 5 08089], 187751 — — Gris.Schk. „2. un... 92 [676]
172 [756 — —- var.epapposa Simonk. ... 83 [667
| RO ENDN GENE 27 20.20 ee 28 [612 TE bombsitina BolSS. 2.2 men 4 [588
aa Willdassaaeo 2 05 0 4[588]) 69[658 — Bosniaca (Murb.) . .... . .164[748], 171 [755
’ 75 [659 Fe it alpieeaps Beck... 165 [749
— atropurplfea FreynetBrand. .. 54 [638] = bracteatanklohim. 2. Sr 6 [590
e TatropurpureaW. ........... 4[588], 57[641 Er pracheatassicops 2 a... 050867
| — atropurpurea W.K. ....... 57 [641] 112 [696], 113 [697], 118 [702], 125 [709], 143 |727]
| Fr pralpestrisSchur . . x. . 58 [642] —ı — aseule De ae 142 [726]
Br ealocephala Willd. . . -. 58 [642] — — xXRhenana. ....... 90 [674]
— — var. diversifoliaMurb.. . . » 55 [639 — brevipappaB.R. ........ 143 [727
| flaveoMaly.. 0... 0... 58 [642 — brevispina Haussk. . 4588], 105 [689]
| Bee rlatisectaSchur..s:. !.. 58 [642] — Busambariensis Guss ...... 4 [588]
| EZ ZZ fetemuiseetaSchur . r. - 58 [642 — CadmeaBoiss.... 2... 5 [589]
\ ZN ee 4 [588] —ealeareaJord. » » 2 22 one. 47 631]
eniamaD.C. > ....::. 5[ösg] | — ealeitrapal. ........ 3[587), 11[595]
FE ahrantiacaPanc. . 2 0. 2. 24 [608 13 [599]
| Fzustralispanttr. u. u. 2 u 92 [676] — caleitrapa M.B. . Ss 14 [598]
EZ austriacaD.C. ...... ... .150[734], 154[738] — ealeitrapaß autumnalisD.C.. 13 [597
a er a N 150 [734] — — rbrevieaulisD.C.. ..... 13 [597]
Ber Moritzii. or... ARE 154 [738] — ealcitrapoidesBorb.. ...... 14 [598]
Ren ee 154 [738] — calocephalaD.C. . ....... . 57[645], 58 [646]
N oe 166 [750] Ne ne a 54 [638]
Rohr aMeye +erscana seen 162 [746] Wa Se ee ie 38 [642]
N et) eg ierliretei u ON ayaRD IC En ne 58 [642]
Pe Tarenuma Koch .........0: 150 [734] — enb.Ath) DB (Or Bere 58 [642
Er ratnchrhatalRchph. tv... 0: 162 [746] — — var. subspinosa Vis.. . .. . 55 [639]
— war. Rhaetica Rchb.f. . . . . 168 [752] — ealolepis Boiss. .......- 106 [690]
austriacoides Wodosc. .... 149 [733] — Canablleana Boiss. ....... 5 [589]
RATE and 65 [649] = u Carnioleagkloste nn 2 re 1000
= Kool a er 65 [649] 139 [723]
— pm % PER: 65 [649] I, EN Ne er 69 [653]
— Aare A: 65 [649] — ,GarpaticaBiorm. 0 vo rn Mn 74 [658]
= lee, SEE — (Or ehoch lan Baleelsih hal des]
73 [657] — GCarsianaMarch........x 103 [687]
er 73 [657] = Garstiang. Host... als er. ih 102 [686
— BiCamiolicaKoch ..... 69 [653] — GastellanaLam. .......» 4583]
= HN GarmoleaPosp. a... 2% 70 [654] 2 centaunum’Elost. 1... 0 2 nn 10 |594]
— rfloccosa Schloss. Vuec. .. 68 [652] ee ea lea bkletzil|
= of gracillimaBeck.....ı 69 [653 — centauiumMaly........ 10 [594]
ET foleneaspisBeek.. 2. 69 [653] —scentaurosdesk.. 2.2.1.0 .2.3833[581], .20[608
— B8-ochrolepis Schloss. Vuk. 69 [653 —_ centauroides Sibt. Sm... . .. .. 23 [607]
Babylomcabamı eu ue 2 [586] — cephalariaefolia Willk.. .... - 4588
Badensis Fritsch. . .. . .. . 38[622], 42 [626] — ceralophyllaTen. ... ..-...- 28 [612
EA Kern 28810266] — cerinthifolia Sibt. Sm. . 2586
Badensis Tratt. - ....... 4[624, 41[625 — ChareläHal.Dörfl. . .... 4 |588
49 [634], 51 [635] — chrysolepisVis.. .:. =». 4 [588]
97#
766
Centaurea cineraria L. .
cinerea L.
eirrhata Boiss. . 2
Griseb. Schk. .
cirrhataRchb.
Clementei Boiss.
coerulescens Willd.
collina L.
collina Rchb.
Sibt. Sm.
Scop..
ß macracantha D.C. .
conglomerata Porc
consanguinea D. C.
coriacea Bess.
Borb. .
Fleischm.
Hoster
Richp.. ro
Schloss. Vuk. . .
Schur.
WER:
PlemelilUllep 2 2 a.
Cornuti Rchb.
corymbosa Pourr. .
erassifolia Bert.. .. .
cristata Bartl.
cristata Kern.
aRchb. f.
Vis.
eristata BRchb.f..
Vis.
YRehb.f.
Vis.
erithmifolia Vis...
crocodylium L.
eruenta Willd.
Csatöi Borb.
cuneifolia Sibt. Sm. .
cuspidata Vis.
ceyanusLl. Sen .
f. pe Schur .
f. atropurpurea Schur
cyanus ß marginata Vis.
X scabiosa Pantocs.
cyanoides Berggr.
eylindrocarpa Rehb. f. .
DalmaticaKern.
dealbata Willd.. . .
decipiens Beck .
Fleischm..
FreynetBrand. .
decipiens Thuill. .
4[588],
August v. Hayek,
5 [509], 156
163 [747], 168 [752], 171
4 [588],
35 [619],
624
629
98 [682],
98 [682],
41 [625],
4588
4 [588
92 [67
)
).
6),
4588
4 [588]
162 [746
162 [746
740
755
78 [662]
4588
26 [610
23 [607
23 [607
26 [610
23 [607
150 [734
5 [589]
45 [629
44 [628
39 [623
42 [626
39 [623
35 [619
35 [619
628
632
632]
8 [592
98 [68
98
99 [683
99 [683
100 [684
100 [684
79 [663]
6 [590
3 [587
56 [640
4 [588
76 [660
61 [645]
62 [646
62 [646]
62 [646
62 [646]
4588
94 [678
103 [687]
5 [583
128 [712]
132 [716]
132 [716]
130 [714]
[Je]
[0%]
—-
[op] for]
[0] [0]
D DD aD
Centaurea decipiens canescens Wierzb.
B Reichenbachii Rouy .
B subjacea Beck
atypica Beck
declinata M. B.
depressa M. B.
deusta ben... „cn
dichroantha Fritsch
dichroantha Kern.
32 [616],
X Fritschii .
diffusa Lam.
diffusa « pallida D. C.
diluta Ait.
dissecla Ten. .
divergens Rchb. f.
divergens Vis.
diversifolia Borb. .
dracunculifolia Duf. .
— dubia Sut.
X bracteata
— Duboisii Bor.
dumulosa Boiss.
elatior (Gaud.)
— f.innexa (Beck)
xXjacea
Endressi Hochst...
eriophora L.
eryngioides Lam.
exarata Boiss.
extranea Beck
ferox Desf.
Fischeri Willd. .
— FleischeriHay...
Nlosculosa Rchb.
Schur.
Frideriei Vis. .
Fritschii Hay.
34 [618], 35 [619], 36 [62
47 [631], 48 [63
f.indivisaHay..
f. spinigera Hay.
x eyanus e
X dichroantha .
X rupestris.
fuliginosa Doll...
Gaudini Beck
dissecta var. viridescens Vand.
var. Candollii (Koch) .
153 [737], 1641748], 165 [749],
endiversifoliaBorb. .. .....
117 [701]
128 [712]
128 [712]
129 [713]
5 [589]
4 [588]
109 [693]
110[
5 [589],
30 [614],
4 [588],
35 [619],
34 618),
4 [588],
100 [684]
101 [685]
104 [689]
110 [694]
125 [704]
139 [723]
143 [727]
145 [729]
142 [726]
[709]
5 [589]
[735]
170 [754]
156 [740]
153 [737]
172 [756]
3 [587]
3 [587]
110 [694]
4 [588]
139 [723]
3 [587]
72 [656]
133 [717]
143 [727]
167 [751]
78 [662]
80 [664]
25(609], 30 [614]
0), 39 [623], 41 [625], 43 [627]
2], 49 [633], 51 [635], 52 [636]
m 5]
41 [625]
62 [646]
34 [618]
29 [613]
49 [633]
113 [697]
ı
4 [588],
5 [589],
141 [725],
5 [589],
5 [589],
. 137 [721],
4 [588],
Centaurea-Arten von Österreich-Ungarn.
Centaurea Gaudini Boiss. Reut. . .. .
— Mülln ...
glaberrimaTsch... . .
glaberrima Vis. .
glomeratal. .
graciliorBor. ...
Grafiana D. C.
PBacchr 2. er
Grineensis Reut.
Grisebachii Nym. .
Hanryi Jord..
Haszlinszkyana Borb. .
HaynaldiBorb...
-
Heldreichii Hal.
Hellenica Boiss. Spr.
hemiptera Borb.
Hermonis Boiss.
Heuffelii Rehb. f.
Hofmannseggii Hay. .. .
humilis Huet.
Schrk.
Hungarica Kern.
hyalolepis Boiss.
hybrida All.
hybrida Bolla
hyssopifolia Vahl..
jaceaL.. Sn
115 [699], 118 [702], 120 [704],
129 [713], 131 [715], 133 [717],
149 [733], 153 [737],
jacea March...
Sadl. .
Schur
var. II Vill.
B amara Vis.
o. angustifolia Beck
B angustifolia Gremli
ß Banatica Wierzb. .
var. candicans Wim.
ö commutata Porec.
ß commutata Schur .
var. crispofimbriata Borb.
Koch . Fb Re
x‘ erispofimbriata Pach. Jab.
f. euculligeraRchb. .
b. decipiens Gel.
var. decipiens Rchb. .
f. flavicans Vuk. . .
Gaudini Gremli.
B genuina Beck
var. genuina Hausm.
o. genuina Koch
W. Gr.
ScapitataRoch, 4...
114 [698],
4588),
5 [589],
4 [588],
49 [633],
5 [589]
115 [699]
5 [589]
’
’
B
14 [598],
5 [589],
125 [709],
135 [719],
158 [742],
121 |705),
. 121 [705],
115 [689
113 [697
96 [680
105 [689
97 [681
3 [587]
115 [699]
30 [614]
38 [622]
38 [622]
4[588
88 [672]
51 [635]
112 [696
125 [709
111 [695
3 [587
21 [605]
15 [599]
54 [638]
4588
4[588]
120 [704
44 [628]
15 [599
22 [606
21 [605]
5 [589]
113 [697]
127 [711
136 [720]
159 [743
116 [700
118 [702]
117 [701
121 [705]
116 [700]
119 [703]
114 [698]
117 [701
124 [708
124 [708
165 [749]
130 [714
149 [733]
153 [737]
128 [712]
124 [708]
128 [712
128 [712]
124 [708]
114 [698
122 [706]
121 [705]
121 [705
121 [705]
L
Centaurea jacea var. lacera Borb.
ylacera Koch
— BlaceraMaly .....
f. maiuscula Rouy
y mollis D.C..
B pectinata Duftschm.
Neilr.. Zr:
f. platyphyllos Hay.
ce. pratensis Fiek
B pratensis Hausm. .
& pratensis Koch
var. pratensis Maly .
Neilr. .
e. pratensis Oborny
var. pygmaea Glaab
f. tomentosa Asch.
B vulgaris Koch
— a vulgaris Neilr.
— B vulgaris Pach. Jab.
aceaS@elatliorı. .. .ır
xX macroptilon .
— Xnigrescens.
x oxylepis . :
jacea X phrygia f. a. Wim. .
f. b. Wim.
jacea X phrygia
X Rhenana .
xXrotundifolia .
x stenolepis .
jacea X stenolepis Kern. .
jacea X subjacea.
Javornikensis Form. .
Iberica Trev.
Jankaeana Simonk.
IdaeaB.H..
incompta Vis..
indurata)Jka..
intercedens Hay.
intermedia Jord.
intricata Boiss.
inlybacea L.
Jordaniana Gr. G. .
Jurinaeifolia Boiss. .
Karschiana Wulf. .
Karschtiana D. C.
Koch.
Kartschiana Bartl.
Kartschiana Scop.
Kartschiana Vis.
Kerneriana Jka.
IKKOCHINÜDROLTI ee ee
F. Schultz
Kotschyana Gr. G...
Kotschyana Heufft.
. 121 [705],
f.longifolia Schultz-Bip...
. 124 [708],
5 [589],
. 102 [686],
. 100 [684),
. 101 [685],
51 [635
53 [637],
149
124
128
124
124
114 [698]
128 [712
128 [7
124 [70
134 [71
142 [726
132 [71
132 [71
132 [71
134 [71
144 [728
124
124
708
708
121 [705]
143 [727
153 [737
130 [714
139 |723
133 [717]
138 [712]
150 [734]
149 [733]
90 [674
136 [720
158 [742
157 [741
127 [711]
74 [658]
13 [597]
96 [680]
21 [605]
80 [664]
171 [755]
25 [609]
69 [653
1589
6 [590
172 [766]
4|588
103 [687]
102 [686]
104 [688
102 [686
102 [686]
104 [88
171 [755
140 [724
137 [721
49 [633]
2 [636
55 [639]
©
768
Centaurea Kotschyana Koch . .
Rehbit.
a. ochrocephala Schur.
— f. subspinosa Vis. .
lacera Simonk. .
lanceolata Vis. .
lappacea Ten.
latisquama Nym.
ß Salonitana D.C...
leucolepisD.C..
f. coronopifolia (Gaud.) .
— f.pseudodeustaHay. .
f.tenuifolia (Gaud.)..
X Weldeniana
leucophaea Jord.
lingulata Lag.
linifolia Vahl
longifolia (Posp.) .
LudoviciBorb. .
Lugdunensis Jord.
Macedonica Gris. .
macrocephala W illd.
macroptilon Borb.
xXjacea
maculata Koch .
maculosa aut. Germ.
— Boiss.
— Brandza
Garcke
— Gr.G.
Koch.
maculosaLam. .
maculosa Neilr.
Rchb..
Schur
margaritacea Ten. .
maritima Desf. .
Marschalliana Spr. .
malthiolaefolia Boiss.
melanocalathia Borb.
MelitensisL. .
Menteyerica Chaix
Meryonis D. C.
MichaeliBeck. .
micrantha Gmel.
88 [672],
micrantha Hoffmg.
micranthos Gmel. .
microplilon Gr. G
microptilon Gris. Schk.
Pach. Jab.
Pore,
an
69
„114
129
5 [589],
or
August v. Hayek,
589],
708],
713],
598],
[588],
676
1589],
‚107
49 [633
49 [633]
55 [639]
55 [639
130 [740
24 [608
1 [605
3 [607
3 [607
691
695
109 [693
109 [693
109 [693
110 [694
4[588
75 [659]
172 [756
32 [616
59 [643
72 [656
678
4 [588
115 [709]
131 [715]
130 [714
86 [670
82 [666
92 [676]
92 [676]
86 [670
84 [668
86 [670]
84 [668]
94 [678
82 [666
97 [681]
82 [666]
109 [693
3 [587
173 [657
4 [588
150 [734]
15 [599]
70 [654]
15 [569
158 [742
83 [667]
‚96 [680
4588
92 [676]
129 [713
135 [719]
165 [749]
132 [716]
165 [749]
ww 8
111
Centaurea microptilon Schur
f. Berneri Rouy .
Moehrleana Vetter
mollis W.K.
mollis Schur .
montana Alsch.
— Brandza
Gel.
Fiek
Garcke.
montanal. .
70 [654],
montana Oborny .
— Sag. Schneid..
— Seop..
— Schur
— Vis.
o. Wahlbg.
— BL.. e
ß ascendens Bartl.
— f. Eichenfeldtii Hay.
a. genuina CelT.
B ineana Neilr. .
a. indivisa Vis.
a. maior Neilr.
ß minor Neilr.
f. diversifolia Neilr.
f. integrifolia Neilr.
ß mollis Wahlbg. .
— Sf. Raxensis Beck
— Bsinuata Vis.
o. viridis Knapp.
Netlr.%
monticola Boiss.
Moritziana Heg.
MuellneriBeck..
Murbeckii Hay.
Mureti Jord. .
musarım B. O. .
myriotoma Vis. Pan£c. .
napifolia L.
napulifera Maly
napulifera Roch. .
napulifera Vis.
nemoralis Jord..
nervosa Koch
Schur
Willd.
Nevadensis Boiss.
Nicolai Bald.
Niederi Held.
nigra Baumg.
Brandza
Fritsch .
69 [653],
71 [655],
4[588],
74 [658],
69 [613],
34 [668],
5 [589],
4 [588],
63 [647],
5 [589],
147 [731],
5 [579],
165 [749]
132 [716]
60 [644]
73 [675]
75 [677]
5 [649
aD mn
am
@ co
[orig er]
a on
N .0
69 [653]
69 [653]
64 [648]
73 [657]
69 [653]
74 [658]
71 [655]
4 [588]
168 [752]
63 [647]
64 [688]
64 [648]
146 [730]
172 [756]
167 [751]
167 [751]
166 [750]
BR
24 [608]
4 [588]
165 [749]
140 [724]
146 [730]
F
)
Centaurea nigra Host.
Koch
Krock
— nigral. .
— nigra Sadl.
Schur
ß Wahlenbg.
b. nemoralis Gremli
— nigrescens Beck
Kern. .
Koch .
Maly.
Schur SE
sn ...
— Spr.
nigrescens Willd.
139 [72
nigrescens x Candollii Koch
Rouy..
— Bsalina Schur
— Ötomentosa Maly.
— atransalpina Koch
Schur -
— B Vochinensis Koch.
Maly..
nigrescens Xjacea..
obscura Jord.
ochrolenca Willd..
omphalotricha Coss.
Orbelica Vel. .
orientalisL.
orientalis Willd.
ornala W illd.
Orphanidea Heldr.
ovina Pall..
oxylepis (W. Gr.)
— Xjacea
pallescens Del.
pallida Friv... .
pallidior Boiss.
paniculata Hausm.
— Heg.Heer.
— Host. .
— Jacg.
paniculataL. .
paniculata Lam.
— M.B.
— Neilr.
— Sadl..
— Seop.
3), 140 [724], 144 [728],
— var. rotundifolia Bartl..
nigrescens X stenolepis Vuk.
133 [717], 134 [718], 141 [725],
Centaurea-Arten von Österreich-Ungarn.
150 [734
146 [730]
150 [734]
146 [730]
172 [756]
162 [746
150 [734]
150 [734
146 [730
140 [724
140 [724]
143 [727]
137 [721]
165 [749
a 4
|
nn
5 [589],
147 [731],
. 187 [721],
. 137 [721],
137 [7
5 [589],
144 [728
137 [721]
140 |724]
137 [721]
143 [727
140 [724]
137 [721
137 [721]
139 [723]
160 [744]
4 [588],
5[589], 129 [713]
158 [742]
133 [717]
15 [599]
4 [588]
a
668
668
670
]
84 [668]
84 [668]
86 [670]
86 [670], 88 [672]
84 [668]
88 [672]
4[588]
]
14 [598],
4 [588], 668
86 [670], 672
588
92 [676
92 [676]
92 [676]
86 [670),
IR 86 [670]
Centaurea paniculata var. altissima
Wierzb.
a. mieranthos Gmel. .
— Pannonica (Heuff.)
— — xXRhenana.
x stenolepis .
— pannosa Boiss.
— Parlatoris Heldr. .
— parviflora Desf.
— parviflora Pers.
— pectinata All.
— — Krock.
— peclinata L.
— pectinata Pers. .
— Pentelica Boiss.
— PerlakyanaBorb..
— Pernhofferi Hay.
— PetteriRchb. .
— phrygia C. A. Mey.
— — Hausm..
Host. .
Kern. .
Koch.
— phrygial.
— phrygia Lumn.
Neilr..
Rehb.
Scop.
Vill.
Willd.
b. brevipennis Cel.
B eirrhata Neilr.
ao. elatior Gaud. .
a. genuina Cel..
ß Helvetica Gaud. .
a. plumosa Neilr.
ß pumila Bert.
B semiplumosa Neilr.
— phrygiaxXjacea
— phyllocephala Boiss.
— pinnatifida Schur
— plumosa (Lam.) Kern.
156 [740],
— plumosa var. Carpatica Porec. .
Simonk..
— polyacantha W illd.
— pratensis Beck . .
— — Fleischm.
Schur
— pratensis Thuill.
— PreismanniHay. .
—princeps Bad. 2
149 [733], 154 [738],
92 [676],
. 113 [697],
118 [702],
4 [588],
5 [589],
. 102 [686],
5 [589],
166 [750],
5 [589],
170 [754],
5 [589],
5 [589],
769
m mm
aa u nm m m
voran ann %m
_
or
149 [733]
3 [587]
74 [658]
151 [735]
166 [750]
152 [736]
152 [736]
3 [587]
132 [716]
132 [716]
165 [749]
135 [719]
141 [725]
130 [714]
111 [695]
779
Centaurea procumbens Balb.
prostrala Coss.. >
pseudophrygia C. A. Mey.
— ı 'Borc. .
Subsp. Bosniaca Murb.
— f.innexa Beck
pseudoplumosa Schur .
ptosimopappa Hay.
pubescens Nym.
pubescens Willd.
pullata L.
pulchella Led.
pumila_L.
punctata Vis..
qualis? 1462 Krock..
RagusinaLl.
raphanina Sibt.
Reichenbachii D. C.
Reichenbachii Schur
Reichenbachioides Barth .
Reichenbachioides Schur
resupinata Coss.
Reuteri Rchb.
Rhaetica Mor.
Schur
RhenanaBor... -
85 [669], 91 [675],
X bracteata
xXJjacea
xX Pannonieca.
92 [676],
xXscabiosa.
xXsolstitialis.
xXsubjacea.
rigidifolia Bess.
Rodnensis Simonk. .
rotundifolia Bartl.
sagen
— xXstenolepis .
rufescens Jord. .
rufipappaHay....
rupestrisL..
rupestris Pach. Jab..
— . ßBaculeosaD.C..
@adonidifolia Rchb.
yarmataKoch
Bhirtella Posp. .
o. subinermis Koch
— &typica Posp.
rupestrisX Fritschii .
Ruthenica Baumg.
RuthenicaLam..
var. angustiloba Trautv. .
— var. bipinnalifida Trautv.
August v. Hayek,
5 [589],
96 [680],
4598],
83 [667],
4 [588],
4[588],
94 [678],
4 [588],
5 [589],
141 [725],
29 [613],
2 [586],
172 [756
4[588]
154 [738
150 [734
164 [746
156 [741
167 [751
6 [590
30 [614
31 [615
4588
41 [625
661
3 [587
83 [667
83 [667
82 [666
88 [672
4 [588
22 [606
168 [752
150 [734
83 [667
96 [680]
90 [674
90 [674
89 [673
89 [673
21 [605
91 [675
52 [636]
152 [736
137 [721
144 [728
136 [720
160 [744]
172 [756
34
26 [610
Centaurea Ruthenica « genuina 2 typica
Korsh.
— var. hispida Korsh.
var. lyrata Trautv.
rutifolia Sibt. Sm.
SadlerianaJanka.
51 [635],
43 [627], 47[631],
— X orientalis
salicifoliaM.B.
Salonitana Vis. ;
25 [609],
Salonitana var. lanceolata Vis.
— PB macrantha Boiss. .
— BmacracanthaD.C..
— 0 obovata Vis.
«subinermisB.H.
Salonitana XFritschii ..
sceabiosal..
33 [617],
41 [625],
36 [620],
43 [627],
38 [622],
45 [629],
scabiosa March.
— Posp.
Sadl.
Sceop. .
Scehur
Vis.
— alpestris Beck
f. 1 angustifrons Beck .
f. 3 difformis Beck
f. 2 typica Beck
d alpina Gaud. .
— var. atropurpurea Seidl.
B Badensis Beck
f. calvescens Gel.
— f. einereocephala Evers
— Bcoriacea Duftschm... .
Niexlregr
2 coriacea Posp.
f. discoidea Üchtr.
— var. dumetorum Beck
yfuliginosa Neil. .....
1 genuina Posp.
f. heterophyllaBeck
f. integrifolia Vuk.
var. intermedia Gremli
ß Italica Lam.
ö Kotschiana Beck
var, praealpina Beck
o. scabra Duftschm.
Nesiirese
f. SilesiacaBorb. .
var, spinulosa Beck .
Gelmi rer
ö spinulosa Koch .
4 [588],
52 [636],
5 [589], 148 [702]
4 [588],
29 [613],
4 [588],
39 [623],
47 [631],
38 [622],
46 [630],
10 [594]
10 [594]
10 [594]
4 [588]
36 [620]
59 [643]
58 [642]
172 [756]
22 [606]
41 [625]
24 [608
23 [607]
23 [607]
23 [607]
23 [607]
25 [609]
31 [615]
40 [624]
on
51 [635]
39 [623]
39 [623]
43 [627]
39 [623]
35 [619]
39 [623]
48 [632]
48 [632]
48 [632]
u
49 [633]
49 [633]
42 |
48 [
626]
632]
38 [622]
46 [630]
42 [626]
41 [625]
48 [632]
48 [632]
49 [633]
41 [625]
48 [632]
48 [632]
48 [632]
32 [616]
49 [633]
48 [632]
46 [630]
46 [630]
48 [632]
48 [632]
39 [623]
48 [632]
Centaurea scabiosa ce. spinulosa Maly .
7 spinulosa Neilr..
B spinulosa Posp..
7 tenuifolia D. C.
atypica Beck
a. vulgaris Koch
Neilr..
scabiosa X Rhenana
Schemnitzensis hort. .
Schwarzenbergiana Schur
sciaphila Brand.
— Freyn et Brand.
sciaphila Vuk.
scopariauS ieb.
Seopolü Vest. .
semipectinata Gremli
sempervirens L.
Senegalensis D.C. .
seridia L.
serotina Bor. .
serotina Posp.
serratuloides Krock..
sessilis Willd.
Seusana Chaix .
Schur
Vill.
a nana Schur
SibiricalL. . s
SibiricaM.B.. .
Sieula Botteri .
Host
Ssculal..
similata Hausskn.
Simonkaiana Hay.
Smolinensis Hay...
solstitialisL.
solstitialis ß Adami Heuff.
f. brevispina Läng
f. Jappacea D. C.
solstitialisXRhenana ....
sonchifolia L.
sordida Facch... .
Hausm.... .
InWwer”......
sordida Willd.
sordida ß longifolia Posp.
o.lutescens Koch . .
B purpurascens Koch
ßtypica Posp.
sphaerocephala L.
spinosa L.
spinoso-ciliata Bernh. .
en
a NER a a
.
86 [670],
5 [589],
68 [652],
65 [649],
. 169 [753],
. 135 [719],
3 [587],
8 [602],
34 [618],
35 [619]
35 [619]
41 [625]
38 [622
46 [630
46 [630
46 [630
89 [673]
141 [725
10 [594]
163 [747]
162 [746]
160 [744]
3 [587]
89 |673]
120 [704]
6 [590]
3 [587]
3 [587]
120 [704]
135 [719]
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52]
Er
173 [757]
15 [599]
15 [599]
3 [587]
153 [737]
171 [755
189 [723
145 [729]
17 [601]
22 [606]
16 [600]
16 [600]
16 [600]
21 [605]
3 [587]
34 [618]
38 [622]
35 [619]
29 [615]
32 [616]
31 [615]
31 [615]
30 [614]
3 [587]
5 [589]
100 [684]
100 [684]
2 Centaurea-Arten von Österreich-Ungarn.
Centaurea spinoso-ciliata Seen...
spinulosa Bert. .
spinulosa Roch.
48 [632],
spinulosa Schur
51 [635],
spinulosa X atropurpurea
splendens Lam. .
splendens L.
splendens L.
Kern.
Koch .
Willd.
f. coronopifolia Gaud.
— var. deusta Koch .
— f.tenuifolia Gaud.
Spruneri B.H.
spuria Kern.
spuria Murb.
squarrosa Willd.
stenolepis Kern.
f. Cetia Beck
xXjacea one
X nigrescens f. 2 Vuk..
X Pannonica.
x pratensis Vuk.
X rotundifolia .
stenophylla Duf.
stereophylla Bess. .
47 [631],
stereophylla Griseb. Schk.
Schur.
Steveni M.B. .
Stiriaca Hay. .
Stoebe Krock.
—ı Er.
Rehb.,
Stohlii Hay.
strieta Rchb. .
Schur.
WR:
subctliaris B. H. .
subjacea (Beck). .
4 [588],
101 [687],
4 [588],
52 [636],
36 [620],
51 [635],
64 [648],
5 [589],
5 [589],
»
120[704], 127 [711], 128 [712
xXjacea
X Rhenana .
subtilis Bert. .
Tagana Brot.
TataricaL. f. .
Tatarica Rchb. .. .
Willd.
Tatrae Borb. . .
Tauscheri Kern.
88 [672],
60 [644],
49 [633],
94 [678],
98
je
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NO 09 9
148 [732
161 [745]
170 [754]
164 [748]
158 [742
161 [745]
157 [741]
160 [744]
160 [744]
3 [587]
41 [625]
52 [636]
En
5 [619]
5 [589]
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52 [636]
61 [645]
60 [644]
61 [645]
51 [635]
96 [680]
772
Centaurea Zenuiflora D. C.
tennifolia Duf.
tenuifolia Schl.. a:
40[624], 41 [625], +43|627],
TeyberiHay.
theiantha Spr.
Thessala Hausskn. .
Tiroliensis Hay.
tomentosa Fleischm.
Tommasinii Kern.
transalpina Kern. .
— Schl.
var. microchaetes Boörb.
trichocephala M.B.
trichocephala Simonk.
trinervia Steph.
triniaefolia Heuff. a:
83 [667 |,
var. umbrosa Schur .
Triumfetti All.
tuberosa Vis. .
Tuntasia Heldr.
iymphara Hausskn..
uniflora L.
uniflora Schur
Valesiaca Jord. .
variabilis ß collina Bartl.
— @rupestris Bartl.
— 7 sordida Bartl.
variegataLam...
variegata Nym. .
— Rchb.. 6
variegata Gaxillaris W.
— ascendens Bartl.
— BnanaBaumg.
— @a@Seusana Chaix
— eistricta W.K.
— &$Transsilvanica Hay.
— » Triumfetti All.
virgata Host .
— - Portenschl..
virgala Willd.
Vochinensis Bernh.
— Schur
Vukotinovicii Hay.
vulgaris Simonk. .
Weldeniana Kern.
WeldenianaRchb...
— zxleneolepis.
Wolgensis D.C. .
xanthina B.H.
. 169
70 [654], 72 [656],
Augustv. Hayek,
36 [620],
47 [631],
97 [681],
5 [589],
753],
5 [589],
4588],
88 [672],
64 [648],
4[588),
4588],
96 [680],
96 |680],
5 [589],
120 [704],
106
4
37
Sl
52
91
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4
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137
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101
"144
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140
170
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170
173
81
94
82
97
97
97
137
165
161
118
116
115
125
110
4
4
[690]
588
621
635
636
[675
645
[588]
674] |
[721]
682
[685]
728
[727]
[653]
647]
[609
689]
[752]
751]
588]
[610
610
614
648
[659]
1649
649]
653]
653]
[652]
652
1653]
653
[653]
681]
681
681
721]
[749]
[745]
702]
700]
[699]
[709]
[694]
[588]
[588]
Centaurea Zuccariniana D.C. .
Centaurium (ass.
Cheirolophus Cass.
Corethropsis D. C.
Crocodylium Juss.
Cyanus Cass.
Cyanus atropurpureus Baumg.
— arvensis Mch.
— Austriacus Baumg.
- axillaris Presl
— Badensis Baumg. .
— coriaceus Baumg.
— floseulosus Baumg. .
— jacea Opiz.
— — Presl.
— jaceus Baumg. .
— — eciliatus Op...
— Melitensis Gärtn. .
— mollis Presl
a. strietus Op...
— — Bß variegatus Op.
montanus Baumg. ...
— niger Op. ...
— nigrescens Presl.
— orientalis Baumg.
— paniculatus Baumg..
— = ı Presl.
— phrygius Baumg. .
— Opiz
phrygia Presl
— Ragusinus Gärtn. .
— roseus Baumg. .
— rotundatus Mnch.. . .
scabiosus Baumg.
— scabiosa Opiz . .
— segeium Baumg. . .\.
— —'Lam..
— solstitialis Baumg.
— variegatus Baumg.
— — a@rupestris Baumg.
— — Bnanus Baumg.
—syulgarıs Presir 2
Eucaleitrapa Hay.
Eucheirolophus Hay
Eucyanus Hay.
Eujacea Hay. Be:
Hippophaestum vulgare Gray .
Hyalaea D.C.
"Hymenocentron Üass.
Jacea Cass. .
Jacea nigra Gray .
— plumosa Lam.
— Zopratensis Gasser:
— scabiosa Lam.
Lepteranthus D.C. .
Leptheranthus hyprometricus Cass.
3 [587],
54 [638],
22 [606]
57 [641]
61 [645]
. 162 [746], 166 [750]
65 [649]
35 [619]
35 [619]
162 [746]
121 [705]
121 [705]
117 [701]
128 [712]
15 [599]
71 [655]
71 [655]
71 [655]
73 [657]
150 [734]
150 [734]
60 [644]
92 [6761
86 [670]
150 [734]
150 [734]
154 [738]
77 [661]
174 [758]
77 [661]
35[619]
46 [630]
61 [645]
61 [645]
19 [603]
65 [649]
68 [652]
68 [652]
61 [645]
11 [595]
6 [590]
60 [644]
112 [696]
12 [596]
5 [589]
2 [586]
107 [691]
121 [705]
166 |740]
121 [705]
45 [629]
146 [730]
166 [750]
3 [587],
4 [588],
5 [589],
5 [589],
5 [589],
N EEE
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nn a nn
Leucantha cyanifolia Gray
Melanolema Cass.
Mesocentron Cass. .
Microlophus D. C.
Odontolophus Cass.
— ceyanoides Cass.
Pannophylium Hay.
Phalolepis Cass. .
Phrygia maior Gray.
Plectocephalus Cass. .
Psephellus Cass. .
Ptosimopappus Boiss.
Centaurea-Arten von Österreich-Ungarn.
19 [603]
4 [588]
3[587), 15[599]
2 [586]
5[489], 173 [757]
174 [758]
+[588], 76 [660]
Ptosimopappus bracteatus Cass. .
Rhaponticum caleitrapa Scop. .
— eriophorum Scop.. .
— jacea Scop.
— — f.2Scop..
— paniculatum Scop.
Seridia Cass.
5[589], 107 [691] | Serratula coronata L.
46 [630] — cuneifolia Bert. .
6[590] | Spilacron erupinoides Cass.
5[589] 172[756] | Triplocentron Melitense Cass. .
6 1590]
m -
98 [682],
98*
137 [721]
99 [683]
3 [587]
9 [593]
6 [590]
95 [679]
15 [599]
Tafel IL
Centaurea alpina L.
> Ruthenica Lam.
» caleitrapa L.
Iberica Trev.
Hayek, A v.: Centaurea-Arten Österreich- Ungarns. Tafl.
Autor del. Lith. Anst v ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LXX.
au 9 VE BABES 5 pm ah) Da a) EEE Ne a al BER I I en a a ze Sn 5
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Fig.
Tafel 1.
1. Centaurea Melitensis L.
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10.
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I
>
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Adami Willd.
solstitialis L.
hemiplera Borb. (solstitialis X Rhenana).
dichroanlha Kern.
tenuıfolia Schl.
rufipappa Hayek (dichroantha X Fritschii).
spinulosa Roch.
Fritschii Hayek.
Badensis Tratt.
cuspidata Vis.
Hayek, A v.: Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. Tarıl.
Lith. Anst v TlıBannwartlı Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd.LXX.
Autor del.
Tafel II.
Fate II.
Fig. 1. Cenlaurea Fr Vis., die Hüllschuppen gehören der f. macracantha Boiss., das Köpfehen der f. subinermis
3.12. > lanceolata Vis.
> 3. > intercedens Hayek (Salonitana X Fritschii).
4. » Ir Die Hüllschuppen gehören der f. adonidifolia Rb., das Köpfchen der f. armala Koch
Hayek, A.v.: Centaurea-Arten Österreich-Unsarns. Tacıl
Autor del. Lith. Anst.v ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LAN.
.
Tafel IV.
cs LTE Li iu u“ wur.
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Tafel IV.
. F -
5 a
| . Ri
Ri. Fig. 1. Centaurea sordida Willd. (super-rupestris X Fritschii). R
FA ni: » Iongifolia Posp. (sub-rupestris X Fritschii). i
E w » 8. > scabiosa L.
Be » 4. » alpestris Heg.
' 5 Csatöi Borb. (spinulosa X atropurpurea).
Hayek, A v.: Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. Tarlv
& a .
WIZZ
ID
Autor del Lith. Anst.v ThBannwartlı Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LAX.
RE Ta
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3
Tate] N.
Arie Ne
- -
i Fig. 1. Centaurea Kotschyana Heuff. L di y
0» 2 » Murbeckü Hayek. 5 Ki
- SEITE atropurpurea Willd. 2 IT
4. > orientalis L. 2
Hayek, A .v.: Centaurea-Arten Österreich-Unsarns.
Autor del
Denkschriften d.kais.
Akad.d. Wiss. math.naturw.
Taf.V.
Lith. Anst v ThBannwarth Wien
Classe, Bd.LXX.
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7%
iv Tafel VI.
Be.) ”
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» uY 5 \ “ =
5 ’ , Fig. 1. Centaurea Sadleriana Ika. - en
» 2%. » Ludiviei Borb. (sub-orientalis X Sadleriana). E >
Mu » Perlakyana Borb. (super-orienlalis X Sadleriana).
Se » cyanus L. j
% 5, > tuberosa \Vis.
Eu Alb » variegata Lam.
» 7. » Ragusina L. . &
w.:23: » Friderici Vis.
g:
”
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“
crithmifolia \V is.
incompta Vis.
Hayek,A .v.: Centaurea-Arten Österreich Unsars. TafMI
>]
In; NVZY,,
Y u
I, SB 7 \NIÄNMN
N ® 3 \
Autor del Lith. Anst.v TlıDannwarth Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd.LAX.
Pr
Tre ll.
Tafel VI.
#*
Centaurea monlana L.
» mollis W.K.
» pinnatifida Schur.
» Haynaldi Borb.
plumosa Lam.
Hayek, A v.: Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. TafvI
Autor del Lith. Anst v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd. LAX.
Tafel VII.
Fig.
l.
[5]
=
o
10.
11.
12
13.
14.
15.
I
Tafel VIN.
Centaurea triniaefolia Heuft.
»
»
»
Reichenbachioides Schur.
maculosa Lam.
Rhenana Bor.
Beckiana Mülln. (Rhenana X pannonica).
Tiroliensis Hayek (Rhenana X bracteata).
diffusa Lam.
Teyberi Hayek (Rhenana X subjacea).
micrantha Gm.
Tauscheri Kern.
arenaria M.B.
glaberrima Tsch.
Tommasinii Kern.
cristata Bart].
spinoso-ciliata Bernh.
Hayek,Av.: Centaurea-Arten Österreich-Unsarns..
Taf.VIL.
Autor del Lith. Anst v ThBannwarth Wien
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math. naturw. Classe, Bd. LXX.
a Te Br REEL
ir Ma ir a So nIkLad d er ah F - . > u, vv ” RO: ERLA -
| B R- re ”
Tafel IX.
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.
Centaurea Karlschiana Scop.
> Dalmatica Kern.
I
“> divergens Vis.
> leucolepis D. C.
deusta Ten.
argyrolepis Hayek.
Banatica Roch.
oena uw
bracteata Scop.
Weldeniana Rb.
Pannonica (Heuff.).
jJacea L.
Sitohlii Hayek.
Stiriaca Hayek (Gacea X subjacea).
Hayek, A .v.: Centaurea-Arten Österreich-Unsarns. Taf
Lith. Anst v. ThBannwarth Wien .
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
Tafel X.
1. Centaurea subjacea (Beck).
2 » Preissmanni Hayek (jacea X macroptilon).
3. > macroplilon Borb.
4. » Fleischeri Hayek (jacea X oxylepis).
oxylepis (W. Gr.).
v
Smolinensis Hayek.
Pernhoferi Hayek (Gacea X rotundifolia).
rolundifolia (Bartl.).
extranea Beck (jacea X nigrescens).
nigrescens Willd.
Hausmanni Hayek (bracteata X dubia).
dubia Sut.
Hayek, A .v.: Centaurea-Arten Österreich-Unsarns.
Taf.X,
ZU UL U u ZU ee u
Autor del Lith. Anst v ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
TarelX1
Tafel XT.
2. » aterrima Hayek.
3 » salicifolia M. B.
4 Austriacoides W 04. (jacea X phrygia).
5 phrygia L. ;
6. similala Haussk. (jacea X. elatior).
(7a elatior (Gaud.).
8. Carpatica Porc.
9)
1. Centaurea nemoralis Jord.
5 spuria Kern. (pannonica X stenolepis).
10. Michaeli Beck (jacea X stenolepis).
hi, Müllneri Beck.
Hayek, A.v.: Centaurea-Arten Ö sterreich-Ungarns.
Taf.XT.
Autordel Lith. Anstv. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad.d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX,
Tafel Xi
Tafel XIL
-
Centaurea sciaphila V uk. (sub-stenolepis X rolundifolia).
> Vukotinovicii Hayek (super-stenolepis X rotundifolia).
> stenolepis Kern.
» »
Bosniaca Murb.
indurata Jka. _
cirrhata Rb.
Simonkaiana Hayek.
SEAT
Marschalliana Spr.
7
2.18:
9
trinervia Steph.
Hayek,A.v.: Centaurea-Arten Österreich-Ungarns. Taf.XIL.
Lith. Aust v. ThBannwarth Wien.
Denkschriften d.kais. Akad. d. Wiss. math.naturw. Classe, Bd.LXX.
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3 9088